[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb einer Hörvorrichtung, die ein Mikrophon
zur Wandlung von Umgebungsgeräuschen in ein Mikrophonsignal, einen Signalprozessor
zur Verarbeitung des Mikrophonsignals in ein Ausgabesignal und einen Ausgabewandler
zur Ausgabe des Ausgabesignals an das Gehör eines Trägers der Hörvorrichtung umfasst.
Des Weiteren betrifft die Erfindung eine solche Hörvorrichtung.
[0002] Hörvorrichtungen dienen üblicherweise zur Ausgabe eines Tonsignals an das Gehör des
Trägers dieser Hörvorrichtung. Die Ausgabe erfolgt dabei mittels eines Ausgabewandlers,
meist auf akustischem Weg über Luftschall mittels eines Lautsprechers (auch als "Hörer"
oder "Receiver" bezeichnet). Häufig kommen derartige Hörvorrichtungen dabei als sogenannte
Hörhilfegeräte (auch kurz: Hörgeräte) zum Einsatz. Dazu umfassen die Hörvorrichtungen
normalerweise einen akustischen Eingangswandler (insbesondere ein Mikrophon) und einen
Signalprozessor, der dazu eingerichtet ist, das von dem Eingangswandler aus den erfassten
Umgebungsgeräuschen erzeugte Eingangssignal (auch: Mikrophonsignal) unter Anwendung
mindestens eines üblicherweise nutzerspezifisch hinterlegten und/oder angepassten
Signalverarbeitungsalgorithmus derart zu verarbeiten, dass eine Hörminderung des Trägers
der Hörvorrichtung zumindest teilweise kompensiert wird. Insbesondere im Fall eines
Hörhilfegeräts kann es sich bei dem Ausgabewandler neben einem Lautsprecher alternativ
auch um einen sogenannten Knochenleitungshörer oder ein Cochlea-Implantat handeln,
die zur mechanischen bzw. elektrischen Einkopplung des Tonsignals in das Gehör des
Trägers eingerichtet sind. Unter den Begriff Hörvorrichtung fallen insbesondere auch
Geräte wie z. B. sogenannte Tinnitus-Masker, Headsets, Kopfhörer und dergleichen.
[0003] Moderne Hörvorrichtungen, insbesondere Hörhilfegeräte umfassen häufig einen sogenannten
Klassifikator, der üblicherweise als Teil des Signalprozessors ausgebildet ist. Meist
ist dieser Klassifikator durch einen Algorithmus realisiert, der dazu dient, anhand
der mittels des Mikrophons erfassten Umgebungsgeräusche auf eine vorliegende Hörsituation
zu schließen, und damit eine Veränderung des oder des jeweiligen Signalverarbeitungsalgorithmus
an charakteristische Eigenschaften der vorliegenden Hörsituation zu ermöglichen. Dazu
weist der oder der jeweilige Signalverarbeitungsalgorithmus üblicherweise eine Anzahl
von veränderbaren Parametern auf. Die zugeordneten Parameterwerte werden dann in Abhängigkeit
von der jeweiligen Hörsituation verändert. Übliche Hörsituationen sind dabei z. B.
das Vorliegen von Sprache, das Vorliegen von Musik, (Fahren im) Fahrzeug und dergleichen.
Erkanntermaßen variieren dabei beispielsweise die jeweils vorliegenden Störgeräusche
(im Fahrzeug beispielsweise Motoren- und/oder Windgeräusche). Ebenso müssen für einen
klaren Klang der Musik beispielsweise im Gegensatz zu einem Allgemeinbetrieb andere
Frequenzbereiche unterschiedlich verstärkt (angehoben) und/oder gedämpft (abgesenkt)
werden, um beispielsweise bei Musik für einen klaren Klang häufig erforderliche Obertonbereiche
besser abbilden zu können.
[0004] Üblicherweise ist der Klassifikator dazu eingerichtet, bei miteinander vermischten
Hörsituationen eine im "Vordergrund" erkannte Hörsituation als "primäre" Hörsituation
aufzufassen und somit andere, gleichzeitig vorliegende Hörsituationen zu übergehen
oder zu ignorieren. Dies kann nachteiligerweise zu Fehlklassifikationen und somit
zu zumindest subjektiv ungünstigen Einstellungen des Signalverarbeitungsalgorithmus
führen. Solche Fehlklassifikationen von Hörsituationen können beispielsweise auftreten,
wenn Musik mit einem dominanten Anteil in den erfassten Umgebungsgeräuschen erkannt
wird, Sprachanteile hingegen lediglich mit einem geringfügigen Anteil (beispielsweise
wenn der Träger der Hörvorrichtung sich in der Nähe von einem Lautsprecher einer Musikanlage
befindet, aber ein weiter entfernter Dritter spricht). In diesem Fall werden die Umgebungsgeräusche
meist von Musik dominiert.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, den Nutzungskomfort einer Hörvorrichtung
zu verbessern.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren zum Betrieb einer Hörvorrichtung
mit den Merkmalen des Anspruchs 1. Des Weiteren wird diese Aufgabe erfindungsgemäß
gelöst durch eine Hörvorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 17. Vorteilhafte
und teils für sich erfinderische Ausführungsformen und Weiterentwicklungen der Erfindung
sind in den Unteransprüchen und der nachfolgenden Beschreibung dargelegt.
[0007] Das erfindungsgemäße Verfahren dient zum Betrieb einer Hörvorrichtung, vorzugsweise
eines Hörhilfegeräts. Die Hörvorrichtung umfasst dabei ein Mikrophon zur Wandlung
von Umgebungsgeräuschen in ein Mikrophonsignal, einen Signalprozessor zur Verarbeitung
des Mikrophonsignals in ein Ausgabesignal und einen Ausgabewandler zur Ausgabe des
Ausgabesignals an das Gehör eines Trägers der Hörvorrichtung.
[0008] Verfahrensgemäß wird für einen in den Umgebungsgeräuschen enthaltenen Sprachanteil
ein charakteristisches Sprachmaß ermittelt. Vorzugsweise wird dabei ermittelt, ob
ein solcher Sprachanteil vorliegt und daraufhin insbesondere dem charakteristischen
Sprachmaß ein aktueller Wert zugewiesen. Vorzugsweise wird hierbei ein von dem Signalprozessor
umfasstes Sprachaktivitätsdetektionsmodul herangezogen. Des Weiteren wird für eine
Aktivität des Trägers der Hörvorrichtung (kurz: "Hörgeräteträger") ein charakteristisches
Zusatzmaß, vorzugsweise konkret ein aktueller Wert hierfür, ermittelt. Vorzugweise
wird auch hierbei ermittelt, ob die Aktivität vorhanden ist und daraufhin dem Zusatzmaß
der aktuelle Wert zugewiesen. Darauffolgend wird ein Zusammenhang zwischen dem Sprachmaß
und dem Zusatzmaß ausgewertet, insbesondere ermittelt. Anhand dieser Auswertung wird
ein Wahrscheinlichkeitswert - d. h. ein Wert einer Wahrscheinlichkeit - für das Vorliegen
einer Kommunikationssituation zwischen dem Hörgeräteträger und einem Dritten heraufgesetzt,
wenn das Sprachmaß und das Zusatzmaß unter wenigstens einem vorgegebenen Kriterium
(insbesondere jeweils) einen für das Vorliegen des Sprachanteils bzw. für die Aktivität
des Hörgeräteträgers repräsentativen Wert annehmen. In Abhängigkeit von dem Wahrscheinlichkeitswert
für das Vorliegen der Kommunikationssituation wird dann wenigstens ein - vorzugsweise
vorgegebener (d. h. vorzugweise werksseitig oder nutzerspezifisch voreingestellter)
- Signalverarbeitungsalgorithmus, der zur Verarbeitung des Mikrophonsignals abgearbeitet
wird, verändert.
[0009] Zur Änderung des oder des jeweiligen Signalverarbeitungsalgorithmus wird vorzugsweise
(insbesondere in dem Signalprozessor) wenigstens ein Parametervorzugsweise ein diesem
zugeordneter Parameterwert - verändert, bevorzugt auf einen dem Wahrscheinlichkeitswert
zugewiesenen (anderen) Parameterwert gesetzt.
[0010] Unter dem Begriff "Kommunikationssituation" wird hier und im Folgenden ein Gespräch
verstanden, konkret dass der Hörgeräteträger mit einem Dritten spricht. Mit anderen
Worten liegt eine Kommunikationssituation erst dann vor, wenn wenigstens zwei Personen,
wobei eine davon der Hörgeräteträger ist, miteinander sprechen.
[0011] Unter "Wahrscheinlichkeitswert heraufsetzen" wird hier und im Folgenden insbesondere
verstanden, dass im Vergleich zu einer Nicht-Erfüllung des wenigstens einen Kriteriums
eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen der Kommunikationssituation angenommen
wird und der Wahrscheinlichkeit somit ein entsprechend erhöhter Wert zugewiesen wird.
[0012] Charakteristisch bedeutet hier und im Folgenden insbesondere, dass das Sprachmaß
und das Zusatzmaß jeweils einen Aufschluss darüber geben, ob (insbesondere mit welcher
Wahrscheinlichkeit) in den Umgebungsgeräuschen ein Sprachanteil enthalten ist bzw.
die Aktivität des Hörgeräteträgers vorliegt. Optional zusätzlich (insbesondere alternativ
zur Angabe der Wahrscheinlichkeit) geben das Sprachmaß und/oder das Zusatzmaß auch
jeweils eine quantitative Information über den Sprachanteil (bspw. einen Prozentansatz
am gesamten Mikrophonsignal) bzw. über die Aktivität. Der für das Vorliegen des Sprachanteils
bzw. der Aktivität repräsentative Wert wird vorzugsweise durch den entsprechenden
Wahrscheinlichkeitswert selbst und/oder aus einem daraus bspw. mittels eines Schwellwertvergleichs
abgeleiteten Wertes gebildet. Beispielsweise wird ein Wahrscheinlichkeitswert (für
das Vorliegen des Sprachanteils bzw. der Aktivität) erst ab Überschreiten des Schwellwertes
als repräsentativer Wert berücksichtigt.
[0013] In einer alternativen Variante spiegeln das Sprachmaß und/oder das Zusatzmaß jeweils
eine qualitative Information über das Vorliegen von Sprachanteilen bzw. der Aktivität
wider. In diesem Fall handelt es sich bei dem Sprachmaß bzw. bei dem Zusatzmaß jeweils
um eine Art binäre oder "boolesche" Variable, die nur zwei Zustände annehmen kann.
Hierbei wird der für das Vorliegen des Sprachanteils bzw. der Aktivität repräsentative
("erste") Zustand als "wahr" (oder: "true", "Eins" oder eine äquivalente, eindeutige
Bezeichnung) gesetzt. Entsprechend wird in diesem Fall der "zweite", entgegengesetzte
Zustand als "falsch" (oder: "false", "Null" oder dergleichen) gesetzt.
[0014] Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass mittels eines bekannten Klassifikators
Kommunikationssituationen, d. h. tatsächliche Gespräche zwischen zwei Personen, nicht
eindeutig oder zumindest nicht mit hinreichender Sicherheit eindeutig erkannt werden
können. Dadurch, dass in zwei vorzugsweise unabhängig voneinander ausgeführten Schritten
das Vorliegen von Sprache im Generellen (d. h. unabhängig von der Identität der sprechenden
Person) und einer Aktivität des Hörgeräteträgers ermittelt und ein Zusammenhang zwischen
diesen beiden Größen betrachtet und ausgewertet werden, kann vorteilhafterweise die
Präzision der Erkennung einer Kommunikationssituation auch bei Vorliegen mehrerer
überlagerter Hörsituationen, d. h. bei Vorliegen von nicht lediglich hintergründigen
Zusatzgeräuschen sondern z. B. bei dominanter Musik, Verkehrslärm oder dergleichen,
gesteigert werden. Vorteilhafterweise kann dadurch gegebenenfalls auch ein Bedürfnis
des Hörgeräteträgers, selbst aktiv an den Einstellungen seiner Hörvorrichtung eine
Änderung (bspw. aufgrund einer Fehlklassifikation) vorzunehmen, verringert werden.
Dadurch erhöht sich wiederum vorteilhafterweise der Nutzungskomfort der jeweiligen
Hörvorrichtung.
[0015] In einer bevorzugten Verfahrensvariante wird der oder der jeweilige Signalverarbeitungsalgorithmus
in Abhängigkeit von dem Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation
fortlaufend verändert. Dies wird auch als "dynamisches" Anfahren einer Hörgeräteeinstellung
bezeichnet. Beispielsweise wird der jeweilige Parameterwert des oder des jeweiligen
Signalverarbeitungsalgorithmus dabei stufenweise oder kontinuierlich verändert - d.
h. bspw. bei einem vergleichsweise geringen Wahrscheinlichkeitswert erfolgt auch eine
entsprechend geringfügige Veränderung. Insbesondere ist der oder der jeweilige Parameterwert
durch eine Funktion des Wahrscheinlichkeitswerts für das Vorliegen der Kommunikationssituation
abgebildet. Dadurch kann vorteilhafterweise ein besonders glatter, insbesondere für
den Hörgeräteträger kaum merklicher oder zumindest subjektiv angenehmer Übergang zwischen
unterschiedlichen Einstellungen - d. h. unterschiedlich ausgerichteter Signalverarbeitung
- der Hörvorrichtung ermöglicht. Artefakte bei einer Veränderung der Einstellungen
können dabei vorteilhafterweise verringert werden.
[0016] In einer Verfahrensvariante wird als Zusatzmaß für die Aktivität des Hörgeräteträgers
insbesondere ein Maß für die Ausrichtung des Kopfes des Hörgeräteträgers, insbesondere
für eine Kopfbewegung herangezogen. Beispielsweise wird dieses Maß mittels eines Lagesensors,
insbesondere mittels eines (bevorzugt von der Hörvorrichtung umfassten) Beschleunigungssensors
und/oder eines gyroskopischen Sensors (insbesondere eines Drehsensors) ermittelt.
Bei der Auswertung des Zusammenhangs wird beispielsweise anhand des Zusatzmaßes ermittelt,
ob der Hörgeräteträger einer Quelle des Sprachanteils den Kopf zuwendet, insbesondere
um mit der Person, die diese Quelle darstellt zu sprechen, zumindest dieser zuzuhören.
[0017] In einer besonders bevorzugten Verfahrensvariante wird als Zusatzmaß für die Aktivität
des Hörgeräteträgers ein für ein Vorhandensein der eigenen Sprache des Hörgeräteträgers
charakteristisches Eigensprachmaß, vorzugsweise konkret ein aktueller Wert hierfür,
ermittelt. Insbesondere wird hierbei ermittelt, ob die eigene Sprache vorhanden ist
(d. h. ob der Hörgeräteträger selbst spricht) und daraufhin dem Eigensprachmaß der
aktuelle Wert zugewiesen. Bevorzugt wird hierfür ein insbesondere von dem Signalprozessor
umfasstes Eigensprachdetektionsmodul herangezogen. Entsprechend wird vorzugsweise
hierauf zur Bestimmung des Wahrscheinlichkeitswerts für das Vorliegen der Kommunikationssituation
der Zusammenhang zwischen dem Sprachmaß und dem Eigensprachmaß ausgewertet. Das heißt,
dass vorzugweise das Sprachmaß und das Eigensprachmaß zueinander in Relation gesetzt
werden. Dadurch, dass unabhängig voneinander ermittelt wird, ob Sprache vorliegt und
ob der Hörgeräteträger selbst spricht und ein Zusammenhang zwischen Sprache und eigener
Sprache betrachtet und ausgewertet werden, kann vorteilhafterweise die Präzision der
Erkennung einer Kommunikationssituation auch bei Vorliegen mehrerer überlagerter Hörsituationen
gesteigert werden. Das Vorliegen der eigenen Sprache gibt dabei einen vergleichsweise
starken Hinweis darauf, dass der Hörgeräteträger an einem Gespräch teilnimmt.
[0018] Als vorgegebenes Kriterium für das Vorliegen der Kommunikationssituation wird ein
zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Sprachmaß und dem Zusatzmaß, insbesondere dem
Eigensprachmaß herangezogen, d. h. betrachtet oder analysiert. Beispielsweise wird
dabei ermittelt, ob die Kopfbewegung unmittelbar vor oder nachdem (d. h. innerhalb
von wenigen Sekunden, bspw. 1 bis 3 Sekunden) das Sprachmaß den repräsentativen Wert
annimmt erfolgt. Daraus kann insbesondere geschlossen werden, dass der Hörgeräteträger
seinen Gesprächspartner anblickt, bevor er selbst diesen anspricht und/oder nachdem
der Gesprächspartner den Hörgeräteträger angesprochen hat.
[0019] In einer bevorzugten Verfahrensvariante wird der Wahrscheinlichkeitswert für das
Vorliegen der Kommunikationssituation heraufgesetzt, wenn ein zeitlicher Unterschied
zwischen dem Sprachmaß und insbesondere dem Eigensprachmaß, vorzugsweise konkret zwischen
dem jeweiligen für das Vorliegen von Sprache bzw. eigener Sprache repräsentativen
Wert, ermittelt wird. Das heißt, es wird ermittelt, ob die jeweiligen repräsentativen
Werte für unterschiedliche zeitliche Dauern vorliegen. Dies basiert auf der Erkenntnis,
dass in einem Gespräch üblicherweise die eigene Sprache des Hörgeräteträgers und Sprache
eines Dritten (d. h. des Gesprächspartners) nicht ausschließlich zeitgleich vorliegen.
[0020] In einer bevorzugten Weiterbildung der vorstehenden Verfahrensvariante wird der Wahrscheinlichkeitswert
für das Vorliegen der Kommunikationssituation insbesondere dann heraufgesetzt, wenn
innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne das Sprachmaß und das Eigensprachmaß für jeweils
eine unterschiedliche Dauer den für das Vorliegen des Sprachanteils bzw. der eigenen
Sprache repräsentativen Wert annehmen. In diesem Fall wird somit insbesondere geprüft,
ob das Sprachmaß und das Eigensprachmaß in einer für ein Gespräch zwischen zwei Personen
charakteristischen Art und Weise jeweils das tatsächliche Vorliegen der Sprache eines
Dritten bzw. der eigenen Sprache des Hörgeräteträgers anzeigen. Beispielsweise wird
bei Detektion des Sprachanteils (bzw. des für diesen repräsentativen Werts) als vorgegebene
Zeitspanne ein zeitliches Fenster gestartet, innerhalb dessen geprüft wird, ob das
Eigensprachmaß während einer kürzeren Zeit (d. h. zeitlichen Dauer) das Vorliegen
der eigenen Sprache anzeigt als das Sprachmaß das Vorliegen eines Sprachanteils anzeigt.
Als vorgegebenes Kriterium wird in dieser Weiterbildung also insbesondere herangezogen,
dass das Sprachmaß und das Eigensprachmaß innerhalb der vorgegebenen Zeitspanne das
tatsächliche Vorliegen der Sprache eines Dritten bzw. der eigenen Sprache anzeigen.
[0021] Die vorstehend beschriebene Verfahrensvariante ist insbesondere dahingehend zweckmäßig,
dass mittels des vorstehend genannten Sprachaktivitätsdetektionsmoduls das Vorliegen
jeglicher Sprache in den Umgebungsgeräuschen detektiert wird, d. h. auch das Vorliegen
der eigenen Sprache des Hörgeräteträgers. Das Eigensprachmaß (das vorzugsweise mittels
des vorstehend beschriebenen Eigensprachdetektionsmoduls ermittelt wird) zeigt hingegen
ausschließlich das Vorliegen der eigenen Sprache des Hörgeräteträgers an. Folglich
wird zweckmäßigerweise auf das Vorliegen der Sprache eines Dritten (d. h. dass ein
Dritter spricht) geschlossen, wenn in einer Phase (d. h. insbesondere innerhalb eines
Teils der vorstehend beschriebenen Zeitspanne) ausschließlich das Sprachmaß den für
den Sprachanteil repräsentativen Wert annimmt. Weisen hingegen das Sprachmaß und das
Eigensprachmaß zeitgleich den jeweiligen für das Vorliegen der zugeordneten Sprache
repräsentativen Wert auf, wird insbesondere darauf geschlossen, dass der Hörgeräteträger
tatsächlich selbst spricht. Zweckmäßigerweise werden im Rahmen dieser Verfahrensvariante
also die Phasen ermittelt, in denen jeweils der Hörgeräteträger bzw. ein Dritter sprechen.
Optional wird als Weiterbildung dieser Verfahrensvariante als Kriterium zum Heraufsetzen
des Wahrscheinlichkeitswerts für das Vorliegen der Kommunikationssituation eine Kontravalenz
(oder ein Wert für diese) zwischen der eigenen Sprache des Hörgeräteträgers und der
Sprache eines Dritten ermittelt. Das heißt, dass insbesondere der Wahrscheinlichkeitswert
für das Vorliegen der Kommunikationssituation erhöht wird, wenn entweder ein Dritter
oder der Hörgeräteträger spricht, vorzugsweise aber innerhalb der vorgegebenen Zeitspanne
auch beide sprechen.
[0022] Als vorgegebene Zeitspanne werden vorzugsweise wenigstens mehrere Sekunden, bspw.
3 bis 5 oder bis zu 30, insbesondere etwa 20 Sekunden herangezogen. Je kürzer die
Zeitspanne ist, desto schneller kann der oder der jeweilige Signalverarbeitungsalgorithmus
verändert werden, so dass der Hörgeräteträger nur für kurze Reaktionszeiten auf eine
Anpassung der Signalverarbeiten an die veränderte Hörsituation warten braucht. Andererseits
ist aber auch eine gewisse Dauer erforderlich, um mit hinreichender Sicherheit eine
gewisse Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen der Kommunikationssituation annehmen,
insbesondere ein Gespräch des Hörgeräteträgers mit einer dritten Person erkennen und
insbesondere von einem "bloßen" Grußaustausch zwischen zwei Personen unterscheiden
zu können.
[0023] In einer zweckmäßigen Verfahrensvariante wird das Vorliegen, bzw. das Erkennen der
Kommunikationssituation insbesondere seitens des Signalprozessors ausgeschlossen -
vorzugsweise indem der Wahrscheinlichkeitswert nicht heraufgesetzt oder auf einen
Wert nahe "Null" oder von "Null" gesetzt wird -, wenn nur (d. h. ausschließlich) das
Sprachmaß den für das Vorliegen des Sprachanteils repräsentativen Wert annimmt. Dadurch
kann vorteilhafterweise verhindert werden, dass der Signalverarbeitungsalgorithmus
verändert wird, wenn bspw. im TV oder im Radio gesprochen wird. In einer optionalen
Weiterbildung dieser Verfahrensvariante wird das Vorliegen der Kommunikationssituation
insbesondere auch ausgeschlossen, wenn bspw. das Eigensprachmaß nur für vernachlässigbar
kurze Dauern, bspw. für 1 Sekunde oder weniger den für das Vorliegen der eigenen Sprache
des Hörgeräteträgers repräsentativen Wert annimmt, während das Sprachmaß insbesondere
durchgehend oder für eine um ein Vielfaches - bspw. wenigstens das Zehnfache - längere
Dauer den für das Vorliegen des Sprachanteils repräsentativen Wert aufweist. Eine
derartige zeitliche Verteilung der jeweiligen repräsentativen Werte des Sprachmaßes
bzw. des Eigensprachmaßes wird in diesem Zusammenhang auch als "stark asymmetrisch"
bezeichnet.
[0024] In einer weiteren zweckmäßigen Verfahrensvariante wird das Vorliegen der Kommunikationssituation
ausgeschlossen, wenn das Sprachmaß und das Eigensprachmaß insbesondere stets im Wesentlichen
(d. h. exakt oder mit lediglich geringfügigen Abweichungen) gleichlaufend (d. h. vorzugsweise
gleichzeitig und für die jeweils gleiche Dauer) den für das Vorliegen des Sprachanteils
bzw. der eigenen Sprache des Hörgeräteträgers repräsentativen Wert annehmen. In diesem
Fall kann es sich nämlich beispielsweise um ein Selbstgespräch, ein "Mitsingen" des
Hörgeräteträgers zu einem vorgespielten Musikstück und dergleichen handeln. In diesem
Fall liegt aber üblicherweise keine Kommunikationssituation, d. h. kein Gespräch des
Hörgeräteträgers mit einem Dritten vor.
[0025] In einer vorteilhaften Verfahrensvariante bleiben innerhalb der vorstehend beschriebenen,
vorgegebenen Zeitspanne Phasen von vorzugsweise vorgegebener Dauer (bspw. von 1 bis
maximal 5 Sekunden), in denen das Sprachmaß keinen für das Vorliegen des Sprachanteils
repräsentativen Wert annimmt, unberücksichtigt. Durch ein solches Vorgehen können
vorteilhafterweise Sprachpausen, die üblicherweise in jedem Gespräch auftreten, übergangen
werden, ohne dass der Wahrscheinlichkeitswert irrtümlich herabgesetzt oder die Überwachung
der vorgegebenen Zeitspanne abgebrochen wird. Dadurch, dass das Sprachmaß auch das
Vorliegen von Eigensprache anzeigt, kann eine solche Sprachpause bei normaler Funktionstüchtigkeit
der gesamten Hörvorrichtung mithin nur dann auftreten, wenn gar keine Sprache vorliegt
- d. h. auch das Eigensprachmaß den repräsentativen Wert nicht annimmt.
[0026] In einer weiteren zweckmäßigen Verfahrensvariante wird als (optional weiteres) vorgegebenes
Kriterium herangezogen, das innerhalb der vorgegebenen Zeitspanne der Hörgeräteträger
vorzugsweise wenigstens zweimal spricht (insbesondere mit jeweils einer dazwischenliegenden
Pause, in der ein Dritter spricht). In diesem Fall wird also der Wahrscheinlichkeitswert
für das Vorliegen der Kommunikationssituation heraufgesetzt, wenn das Eigensprachmaß
innerhalb der vorgegebenen Zeitspanne mehrfach den für das Vorliegen der eigenen Sprache
repräsentativen Wert annimmt. Zusätzlich oder alternativ wird der Wahrscheinlichkeitswert
heraufgesetzt, wenn innerhalb der vorstehend beschriebenen, vorgegebenen Zeitspanne
ein Dritter wenigstens zweimal - vorzugsweise mit jeweils einer dazwischenliegenden
Pause, in der der Hörgeräteträger spricht - spricht. Als (optional zusätzliches) vorgegebenes
Kriterium wird im Rahmen dieser Verfahrensvariante also herangezogen, dass innerhalb
der vorgegebenen Zeitspanne das Sprachmaß und/oder das Eigensprachmaß mehrfach, d.
h. wenigstens zweimal den für das Vorliegen des Sprachanteils bzw. der eigenen Sprache
des Trägers repräsentativen Wert annehmen. Insbesondere wird im Rahmen dieser Verfahrensvariante
während der vorgenannten Zeitspanne überprüft, ob eine (insbesondere wechselweise)
"Sprachfolge" (auch als "Wechselfolge" bezeichnet) zumindest der Art "Hörgeräteträger
- Dritter - Hörgeräteträger" oder "Dritter - Hörgeräteträger - Dritter" erfolgt. Dadurch
kann beispielsweise vorteilhaft verhindert werden, dass ein einfacher Zuruf mit einer
einfachen Antwort, beispielsweise auch ein Gruß mit nachfolgender Erwiderung, zu einer
Heraufsetzung des Wahrscheinlichkeitswerts für die Kommunikationssituation führt.
[0027] In einer zweckmäßigen Weiterbildung insbesondere der vorstehend beschriebenen Verfahrensvariante
wird als (optional zusätzliches) Kriterium für das Heraufsetzen des Wahrscheinlichkeitswerts
für das Vorliegen der Kommunikationssituation herangezogen, dass der Hörgeräteträger
und/oder der Dritte mehr als zweimal sprechen.
[0028] In einer optionalen Verfahrensvariante wird als (insbesondere weiteres) Kriterium
herangezogen, dass innerhalb der vorstehend beschriebenen Zeitspanne die jeweiligen
zeitlichen Anteile, für die ermittelt wird (oder eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit
angenommen wird), dass der Hörgeräteträger bzw. der Dritte sprechen, sich grob (d.
h. vorzugsweise mit Abweichungen von 10 bis 30 %) entsprechen. D. h. der Wahrscheinlichkeitswert
für das Vorliegen der Kommunikationssituation wird (insbesondere weiter) heraufgesetzt,
wenn das Verhältnis zwischen der Sprache des Hörgeräteträgers und des Dritten etwa
ausgeglichen ist. Insbesondere wird hierbei als das zusätzliche Kriterium konkret
ermittelt, ob sich die Dauer (ggf. die Summe der einzelnen innerhalb der Zeitspanne
detektierten Dauern, d. h. die Gesamtzeit), für die das Sprachmaß den für das Vorliegen
des Sprachanteils repräsentativen Wert annimmt, etwa (d. h. innerhalb des vorgenannten
Bereichs) dem Zweifachen der Dauer (bzw. deren Summe oder Gesamtzeit) annähert, für
die das Eigensprachmaß den zugehörigen repräsentativen Wert annimmt.
[0029] In einer weiteren optionalen Verfahrensvariante werden vorzugsweise mehrere (der
insbesondere hier und im Folgenden beschriebenen) Kriterien, zum Heraufsetzen des
Wahrscheinlichkeitswerts für das Vorliegen der Kommunikationssituation herangezogen.
Insbesondere wird der Wahrscheinlichkeitswert dabei in Abhängigkeit von mehreren erfüllten
oder insbesondere auch nur teilweise erfüllten (z. B. bei einer erforderlichen mehrfachen
Wechselfolge bereits nach einem einfachen Wechsel) Kriterien heraufgesetzt - im Fall
von nur teilweise erfüllten Kriterien vorzugsweise um eine entsprechend geringer vorgegebene
Schrittweite. Beispielsweise kann dabei der Wahrscheinlichkeitswert bereits bei Erfüllung
einer geringeren Anzahl von Kriterien als der vorgegebenen Anzahl derart hoch gesetzt
sein, dass ein optional für eine Veränderung vorgegebener Grenzwert überschritten
wird und daraufhin eine (vorzugsweise dem aktuellen Wahrscheinlichkeitswert zugeordnete,
insbesondere entsprechende geringere) Veränderung des Signalverarbeitungsalgorithmus
vorgenommen wird. Beispielsweise wird in diesem Fall der Wahrscheinlichkeitswert für
das Vorliegen der Kommunikationssituation bereits dann, wenn innerhalb der vorgegebenen
Zeitspanne von bspw. 20 Sekunden schon nach 10 Sekunden eine mehrfache Wechselfolge
erkannt wurde, so heraufgesetzt, dass der Signalverarbeitungsalgorithmus verändert
wird. Mit anderen Worten führt eine kumulative Erfüllung mehrerer Kriterien zu einem
kumulativen oder optional auch progressiven Heraufsetzen des Wahrscheinlichkeitswerts.
In letzterem Fall wird also mit zunehmender Anzahl an erfüllten Kriterien der Wahrscheinlichkeitswert
für jedes weitere erfüllte Kriterium mit einem größeren Schritt heraufgesetzt als
bei einer alleinstehenden Erfüllung dieses Kriteriums. Durch das Berücksichtigen,
dass mehrere Kriterien (ggf. auch nur teilweise) erfüllt sind, wird vorteilhafterweise
eine schnellere, d. h. besonders frühzeitige Veränderung des oder des jeweiligen Signalverarbeitungsalgorithmus
ermöglicht.
[0030] In einer zweckmäßigen Ausführung umfasst die Hörvorrichtung einen Klassifikator zur
Erkennung von unterschiedlichen (insbesondere zusätzlichen, von der Kommunikationssituation
abweichenden) Hörsituationen, vorzugsweise zur Vergabe von Wahrscheinlichkeitswerten
für das Vorliegen der jeweiligen Hörsituation. In diesem Fall wird in einer bevorzugten
Verfahrensvariante, insbesondere bei Überschreiten eines vorgegebenen Schwellwerts
für den Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation der
oder der jeweilige Signalverarbeitungsalgorithmus mit gegenüber anderen parallel erkannten
Hörsituationen höherer Priorität für die Kommunikationssituation verändert. Hierdurch
wird vorteilhafterweise ermöglicht, dass insbesondere in mehrdeutigen Hörsituationen
(d. h. bei gleichzeitigem Vorliegen mehrerer Hörsituationen) das ebenfalls vorhandene
Gespräch des Hörgeräteträgers priorisiert wird und die Signalverarbeitung somit immer
(gegebenenfalls vornehmlich) auf die Kommunikationssituation ausgerichtet wird. Insbesondere
können dadurch auch Gespräche des Hörgeräteträgers mit Dritten, die beispielsweise
von dominanter Musik, Verkehrslärm oder dergleichen überlagert werden, besonders sicher
als solche erkannt werden und zur Veränderung des Signalverarbeitungsalgorithmus führen.
Alternativ oder optional zusätzlich zu vorgenanntem Schwellwertvergleich wird die
Veränderung des oder des jeweiligen Signalverarbeitungsalgorithmus, insbesondere des
jeweiligen Parameters in Abhängigkeit von dem Wahrscheinlichkeitswert für die Kommunikationssituation
zumindest bei mehrdeutigen Hörsituationen stärker gewichtet als in Abhängigkeit von
Wahrscheinlichkeitswerten für andere Hörsituationen. D. h. eine Änderung aufgrund
der Kommunikationssituation fällt vorzugsweise stärker aus als eine Änderung aufgrund
anderer Hörsituationen. Dieser Verfahrensvariante liegt insbesondere die Überlegung
zugrunde, dass auch bei überlagerten Hörsituationen der Hörgeräteträger seine Aufmerksamkeit
mit hoher Wahrscheinlichkeit einem Gespräch widmen will, wenn er selbst daran teilnimmt.
[0031] In einer bevorzugten Weiterbildung der vorstehend beschriebenen Verfahrensvariante
wird bei mehrdeutigen Hörsituationen der oder der jeweilige Signalverarbeitungsalgorithmus
auch in Abhängigkeit von mehreren erkannten Hörsituationen (oder zumindest von jeweils
einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit für das jeweilige Vorliegen dieser Hörsituationen)
verändert. So werden beispielsweise ein auf einen klaren Klang von Musik gerichteter
Parameter sowie ein auf die Sprachverständlichkeit gerichteter Parameter verändert,
wenn sowohl für Musik als auch für die Kommunikationssituation für das jeweilige Vorliegen
repräsentative Wahrscheinlichkeitswerte ermittelt werden. Vorzugsweise wird dabei
jedoch - wie vorstehend beschrieben - der auf die Sprachverständlichkeit gerichtete
Parameter stärker verändert als der auf den klaren Klang von Musik gerichtete.
[0032] In einer zweckmäßigen Verfahrensvariante wird ein "Sprechen" des Hörgeräteträgers
und/oder des Dritten (insbesondere nur) dann als eine zu einem Gespräch - d. h. zu
der vorstehend beschriebenen Sprachfolge - gehörige "Äußerung" der jeweiligen Person
aufgefasst, wenn erkannt wird, dass der Hörgeräteträger bzw. der Dritte für mindestens
1 oder 2 Sekunden spricht, d. h. der jeweilige repräsentative Wert des Sprachmaßes
bzw. des Eigensprachmaßes muss für diese Dauer durchgehend vorliegen. Insbesondere
wird hierbei somit als (vorzugsweise weiteres vorgegebenes) Kriterium herangezogen,
dass die jeweilige Äußerung des Dritten und/oder des Hörgeräteträgers wenigstens für
1 oder 2 Sekunden andauert.
[0033] In einer weiteren zweckmäßigen Verfahrensvariante wird als (insbesondere zusätzliches)
Kriterium herangezogen, dass innerhalb eines (insbesondere der vorgegebenen Zeitspanne)
vorausgegangenen Zeitraums von vorgegebener Dauer bereits einmal der Wahrscheinlichkeitswert
für das Vorliegen der Kommunikationssituation einen vorgegebenen Wert aufgewiesen
hat. Insbesondere soll hier also ermittelt werden, ob in den vorausgegangenen zwei
bis fünf (optional auch bis zu zehn) Minuten bereits der oder der jeweilige Signalverarbeitungsalgorithmus
auf die Kommunikationssituation angepasst wurde. Insbesondere, wenn (bei mehreren
zu erfüllenden Kriterien) zugleich auch ein Teil der vorgegebenen Kriterien bereits
erfüllt oder nur teilweise erfüllt ist (bspw. wenn erst ein Teil der vorgegebenen
Sprachfolge vorliegt, z. B. nur ein Wechsel "Hörgeräteträger - Dritter" oder umgekehrt),
kann in diesem Fall der Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation
bereits zu einem früheren Zeitpunkt oder um eine größere Schrittweite heraufgesetzt
(oder optional die vorgegebene Zeitspanne bspw. von 20 Sekunden auf 10 Sekunden verkürzt)
werden. In diesem Fall wird nämlich davon ausgegangen, dass die Wahrscheinlichkeit,
dass das vorherige Gespräch wieder aufgenommen wird oder der Hörgeräteträger ein neues
beginnt - beispielsweise auf einer Veranstaltung - erhöht ist. Optional wird bei dieser
Verfahrensvariante auch berücksichtigt, wie lange in dem vorangegangenen Zeitraum
die Kommunikationssituation vorlag. Bspw. kann im Rahmen der Erfindung dabei vorgesehen
sein, dass bei einem vorausgehenden Gespräch von bspw. wenigstens drei Minuten (d.
h. einer derart lange dauernden Kommunikationssituation) die vorgegebene Zeitspanne
entsprechend verkürzt wird und/oder bereits ein einfacher Sprachwechsel (anstelle
eines mehrfachen Wechsels) zwischen dem Dritten und dem Hörgeräteträger zur Erkennung
der Kommunikationssituation ausreicht.
[0034] In einer zweckmäßigen Verfahrensvariante wird zur Erkennung der Kommunikationssituation
eine trägerspezifische Neigung zur Teilnahme an Gesprächen, d. h. ob der Hörgeräteträger
bspw. gerne und viel mit Dritten spricht, berücksichtigt. Die Berücksichtigung erfolgt
dabei vorzugsweise mittels einer entsprechenden Anpassung zumindest mancher der vorstehend
beschriebenen Kriterien. Bspw. wird die vorstehend beschriebene Zeitspanne, innerhalb
derer die Wechselfolge detektiert werden muss, - insbesondere bei einer Erstanpassung
der Hörvorrichtung - bei starker Neigung zur Gesprächsteilnahme auf eine im Vergleich
zu einem durchschnittlichen Hörgeräteträger kürzere Dauer (bspw. 8 oder 10 Sekunden
anstatt 20 Sekunden) gesetzt. Optional zusätzlich oder alternativ kann auch bereits
eine einfache Wechselfolge, d. h. ein einfacher Wechsel zwischen der eigenen Sprache
und der Sprache eines Dritten innerhalb der vorgegebenen Zeitspanne zur Erkennung
der Kommunikationssituation herangezogen werden. Somit kann vorteilhafterweise eine
"aggressivere", d. h. schnellere oder "steilere" ("in größeren Schritten") Heraufsetzung
des Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation, und somit
ein besonders frühzeitiges Verändern des oder des jeweiligen Signalverarbeitungsalgorithmus
ermöglicht werden.
[0035] In einer weiteren zweckmäßigen Verfahrensvariante wird als (insbesondere zusätzliches)
Kriterium herangezogen, dass ein Streamingsignal eines Kommunikationsgeräts (bspw.
eines Mobiltelefons oder dergleichen) empfangen wird. Ein solches Streamingsignal
liegt üblicherweise insbesondere dann vor, wenn der Hörgeräteträger auch tatsächlich
kommunizieren will.
[0036] In einer weiteren zweckmäßigen Verfahrensvariante, die auch eine eigenständige Erfindung
darstellt, wird in einer Speichereinheit der Hörvorrichtung vorzugsweise tagesweise
(bspw. anhand einer in die Hörvorrichtung, konkret in den Signalprozessor integrierten
Uhr) eine Häufigkeitszahl für die Erkennung der Kommunikationssituation, d.h. insbesondere
für die Veränderung des oder des jeweiligen Signalverarbeitungsalgorithmus in Abhängigkeit
von dem Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation abgelegt.
Mit anderen Worten zeichnet die Hörvorrichtung auf, wie oft insbesondere an einem
Tag der Hörgeräteträger kommuniziert, d. h. an Gesprächen teilnimmt. Diese Häufigkeitszahl,
insbesondere deren Verlauf über die Dauer einer Therapie mittels der Hörvorrichtung,
kann dabei einen Aufschluss geben, wie gut die Therapie des Hörgeräteträgers "anschlägt".
Je besser der Hörgeräteträger mit kommunikationsrelevanten Tonsignalen versorgt wird,
desto mehr wird der Hörgeräteträger auch mit hoher Wahrscheinlichkeit (insbesondere
zukünftig wieder) an Gesprächen teilnehmen, sich insbesondere wieder daran gewöhnen,
an Gesprächen teilzunehmen.
[0037] In einer wiederum weiteren zweckmäßigen Verfahrensvariante wird während einer Wiedergabe
eines externen Audiosignals zur Erzeugung des Ausgabesignals ein Mischungsverhältnis
zwischen dem Mikrophonsignal und dem Audiosignal in Abhängigkeit von dem Wahrscheinlichkeitswert
für das Vorliegen der Kommunikationssituation verändert. Üblicherweise wird in einer
"Zuhörsituation", d. h. während das Audiosignal von einer externen Quelle (insbesondere
einem Mediengerät wie z. B. einem TV-Gerät, einer Musikanlage, einer Vortrags-Audioanlage
oder dergleichen) als (insbesondere nicht-akustisches) Datensignal empfangen wird,
das Mikrophonsignal bei der Erzeugung des Ausgabesignals unterdrückt oder zumindest
stark bedämpft, da regelmäßig davon ausgegangen wird, dass die Priorität des Hörgeräteträgers
in einer solchen Situation auf dem externen Audiosignal liegt. Durch die Veränderung
des Mischungsverhältnisses - insbesondere durch das Zumischen des Mikrophonsignals
zu dem Audiosignal im Ausgabesignal - in Abhängigkeit von dem Wahrscheinlichkeitswert
für das Vorliegen der Kommunikationssituation wird vorteilhafterweise eine von einer
Nutzereingabe unabhängige Reaktion und Anpassung der Signalverarbeitung ermöglicht.
[0038] Vorzugsweise wird in der vorstehenden Verfahrensvariante insbesondere bei heraufgesetztem
Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation zur Erzeugung
des Ausgabesignals der Anteil des Mikrophonsignals gegenüber dem externen Audiosignal
heraufgesetzt (insbesondere im Vergleich zur standardmäßigen Mischung in der Zuhörsituation).
Optional wird dabei gleichzeitig das externe Audiosignal auch zurückgenommen, d. h.
bei der Erzeugung des Ausgabesingals bedämpft oder nicht verstärkt. Dadurch wird vorteilhafterweise
automatisch und insbesondere unabhängig von einer Nutzereingabe die Aufmerksamkeit
des Hörgeräteträgers auch auf das vorliegende Gespräch ausgeweitet, konkret die (Sprach-)Verständlichkeit
für den Gegenüber erhöht. Dadurch kann insbesondere auch eine besonders robuste autonome
"Umschaltung" (Anpassung der Signalverarbeitung) von der Zuhörsituation auf die Kommunikationssituation
ermöglicht werden.
[0039] In einer vorteilhaften Verfahrensvariante wird bei Herabsetzung des Wahrscheinlichkeitswerts
für das Vorliegen der Kommunikationssituation - d. h. vorzugsweise wenn die Voraussetzungen
für das Vorliegen der Kommunikationssituation nicht mehr vorliegen -, insbesondere
nach zusätzlichem Ablauf einer vorgegebenen Wartezeit, die Veränderung des oder des
jeweiligen Signalverarbeitungsalgorithmus, insbesondere das veränderte Mischungsverhältnis
zwischen dem Mikrophonsignal und dem Audiosignal zurückgesetzt. Mit anderen Worten
wird in diesem Fall vorzugsweise die Signalverarbeitung wieder auf die vorhergehende
Einstellung "zurückgefahren", insbesondere sofern der vorstehend beschriebene Klassifikator
nicht eine andere neue Hörsituation detektiert. Im vorstehend beschriebenen Fall der
vor der Detektion der Kommunikationssituation vorliegenden, auf das externe Audiosignal
abgestimmten Zuhörsituation wird also das externe Audiosignals (wieder) priorisiert,
wenn die Kommunikationssituation nicht mehr vorliegt.
[0040] Die erfindungsgemäße Hörvorrichtung umfasst wie vorstehend beschrieben das Mikrophon
zur Wandlung der Umgebungsgeräusche in das Mikrophonsignal, den Signalprozessor zur
Verarbeitung des Mikrophonsignals in das Ausgabesignal sowie den Ausgabewandler, der
das Ausgabesignal an das Gehör des Hörgeräteträgers ausgibt. Der Signalprozessor der
Hörvorrichtung ist dabei erfindungsgemäß dazu eingerichtet, das vorstehend beschriebene
Verfahren durchzuführen. Mit anderen Worten ist der Signalprozessor dazu eingerichtet,
für den in den Umgebungsgeräuschen enthaltenen Sprachanteil das charakteristische
Sprachmaß, konkret dessen aktuellen Wert, sowie das für die Aktivität des Hörgeräteträgers
charakteristische Zusatzmaß, insbesondere das für das Vorhandensein der eigenen Sprache
des Hörgeräteträgers charakteristische Eigensprachmaß, konkret dessen aktuellen Wert,
zu ermitteln. Des Weiteren ist der Signalprozessor dazu eingerichtet, einen Zusammenhang
zwischen dem Sprachmaß und dem Zusatzmaß bzw. dem Eigensprachmaß auszuwerten und anhand
dieser Auswertung den Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation
heraufzusetzen, wenn das Sprachmaß und das Zusatzmaß bzw. Eigensprachmaß unter wenigstens
einem der vorstehend beschriebenen Kriterien den jeweiligen, für das Vorliegen des
Sprachanteils bzw. der Aktivität (insbesondere der eigenen Sprache) repräsentativen
Wert annimmt. Des Weiteren ist der Signalprozessor erfindungsgemäß dazu eingerichtet,
in Abhängigkeit von dem Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation
den oder den jeweiligen Signalverarbeitungsalgorithmus zu verändern.
[0041] Der erfindungsgemäßen Hörvorrichtung kommen dabei die gleichen Vorteile zu, die im
Zusammenhang mit dem vorstehend beschriebenen Verfahren beschrieben sind.
[0042] In einer bevorzugten Ausgestaltung ist der Signalprozessor zumindest im Kern durch
einen Mikrocontroller mit einem Prozessor und einem Datenspeicher gebildet, in dem
die Funktionalität zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens in Form einer
Betriebssoftware (Firmware) programmtechnisch implementiert ist, so dass das Verfahren
- gegebenenfalls in Interaktion mit dem Hörgeräteträger- bei Ausführung der Betriebssoftware
in dem Mikrocontroller automatisch durchgeführt wird. Alternativ ist der Signalprozessor
durch ein nicht-programmierbares elektronisches Bauteil, z.B. einen ASIC, gebildet,
in dem die Funktionalität zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens mit schaltungstechnischen
Mitteln implementiert ist.
[0043] In einer bevorzugten Ausführung umfasst die Hörvorrichtung das vorstehend beschriebene
Sprachaktivitätsdetektionsmodul (auch als "voice activity detector" bezeichnet), das
vorzugweise als Teil des Signalprozessors ausgebildet ist. In ebenfalls bevorzugter
Ausführung umfasst die Hörvorrichtung außerdem auch das vorstehend beschriebene Eigensprachdetektionsmodul
(auch als "own voice detector" bezeichnet) das vorzugsweise ebenfalls als Teil des
Signalprozessors ausgebildet ist.
[0044] In einer zweckmäßigen Ausführung umfasst die Hörvorrichtung eine Eingangsschnittstelle,
die zum Empfang des vorstehend beschriebenen externen Audiosignals eingerichtet ist.
Beispielsweise handelt es sich bei der Eingangsschnittstelle um eine Antenne, einen
Klinkenstecker, einen Steckanschluss für ein Datenkabel oder dergleichen.
[0045] Die Konjunktion "und/oder" ist hier und im Folgenden derart zu verstehen, dass die
mittels dieser Konjunktion verknüpften Merkmale sowohl gemeinsam als auch als Alternativen
zueinander ausgebildet sein können.
[0046] Nachfolgend werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand einer Zeichnung näher
erläutert. Darin zeigen:
- Fig. 1
- in einer schematischen Schaltübersicht ein Hörgerät,
- Fig. 2
- in einem schematischen Ablaufdiagramm einen Ablauf eines von der Hörvorrichtung ausgeführten
Betriebsverfahrens,
- Fig. 3
- in einem Diagramm einen schematischen zeitlichen Verlauf, der bei Ablauf des Betriebsverfahrens
gemäß Fig. 2 zur Erkennung einer Kommunikationssituation führt, und
- Fig. 4
- in Ansicht gemäß Fig. 1 das Hörgerät gemäß eine weiteren Ausführungsbeispiels.
[0047] Einander entsprechende Teile und Größen sind in allen Figuren stets mit gleichen
Bezugszeichen versehen.
[0048] In Fig. 1 ist als Hörvorrichtung ein Hörhilfegerät (kurz: "Hörgerät 1") dargestellt.
Das Hörgerät 1 umfasst als elektrische Komponenten, die in einem Gehäuse 2 eingehaust
sind, zwei Mikrophone 3, einen Signalprozessor 4 und einen Lautsprecher 5. Zur Energieversorgung
der elektrischen Komponenten umfasst das Hörgerät 1 außerdem eine Batterie 6, die
alternativ als Primärzelle (beispielsweise als Knopfzelle) oder als Sekundärzelle
(d. h. als wiederaufladbare Batterie) ausgestaltet sein kann. Mittels der Mikrophone
3 werden im Betrieb des Hörgeräts 1 Umgebungsgeräusche erfasst und daraus jeweils
ein Mikrophonsignal S
M erzeugt. Diese beiden Mikrophonsignale S
M werden dem Signalprozessor 4 zugeführt, der unter Abarbeitung eines Signalverarbeitungsalgorithmus
aus diesen Mikrophonsignalen S
M ein Ausgabesignal S
A generiert und dieses an den Lautsprecher 5 ausgibt. Der Lautsprecher 5 stallt dabei
einen Ausgabewandler dar und wandelt das Ausgabesignal S
A in Luftschall, der über einen an das Gehäuse 2 anschließenden Schallschlauch 7 und
ein damit endseitig verbundenes Ohrstück 8 an das Gehör eines Trägers (kurz: Hörgeräteträger)
des Hörgeräts 1 ausgegeben wird. Der Signalprozessor 4 umfasst zusätzlich auch einen
Klassifikator, mittels dessen anhand der in den Mikrophonsignalen S
M enthaltenen Umgebungsgeräusche auf unterschiedliche Hörsituationen (z. B. Sprache,
Musik, Fahrzeug und dergleichen) geschlossen wird. Je nach erkannter Hörsituation
wird wenigstens ein spezifisch zugeordneter Parameter des Signalverarbeitungsalgorithmus
verändert. Dadurch kann die Signalverarbeitung des Hörgeräts 1 auf unterschiedliche
Hörsituationen angepasst, und die Tonausgabe des Lautsprechers 5 hinsichtlich der
spektralen Eigenschaften der die jeweilige Hörsituation kennzeichnenden Umgebungsgeräusche
verbessert werden.
[0049] Um eine Kommunikationssituation, d. h. eine Situation in der sich der Hörgeräteträger
mit einem Dritten unterhält (d. h. mit diesem Dritten spricht), erkennen und die Signalverarbeitung
daraufhin anpassen zu können, wird ein anhand Fig. 2 im Folgenden näher beschriebenes
Betriebsverfahren in dem Hörgerät 1, konkret von dem Signalprozessor 4 durchgeführt.
Der Signalprozessor 4 umfasst dabei ein Sprachaktivitätsdetektionsmodul (auch: "voice
activity detector" oder "Spracherkennung VAD") zur Detektion von Sprachanteilen in
den Umgebungsgeräuschen, sowie ein Eigenspracherkennungsmodul (auch: "own voice detector"
oder "Eigenspracherkennung OVD") zur Detektion der eigenen Sprache des Hörgeräteträgers.
[0050] In einem ersten Verfahrensschritt 10 wird mittels der Spracherkennung VAD für einen
in den Umgebungsgeräuschen enthaltenen Sprachanteil ein charakteristisches Sprachmaß
T bestimmt. Das Sprachmaß T stellt dabei einen Wahrscheinlichkeitswert dar, der eine
Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen des Sprachanteils widerspiegelt. In einem zweiten
Verfahrensschritt 20 wird mittels der Eigenspracherkennung OVD für das Vorhandensein
der eigenen Sprache des Hörgeräteträgers (auch kurz: HIW für "hearing instrument wearer")
ein charakteristisches Eigensprachmaß O ermittelt. Dieses Eigensprachmaß O stellt
analog zum Sprachmaß T ebenfalls einen Wahrscheinlichkeitswert dar. Außerdem ist das
Eigensprachmaß O charakteristisch für eine Aktivität des Hörgeräteträgers, nämlich
dafür, dass dieser selbst spricht.
[0051] In einem alternativen Ausführungsbeispiel stellt das Sprachmaß eine binäre Variable
dar, die lediglich zwei Werte oder Zustände annehmen kann. Diese beiden Werte sind
dabei für das Vorliegen bzw. Nicht-Vorliegen für den Sprachanteil in dem Umgebungsgeräusch
repräsentativ. Beispielsweise nimmt das Sprachmaß T den Wert "1" an, wenn in den Umgebungsgeräuschen
ein Sprachanteil detektiert wird. Entsprechend umgekehrt nimmt das Sprachmaß T den
Wert "0" an, wenn kein Sprachanteil in den Umgebungsgeräuschen detektiert wird. Entsprechendes
gilt auch für das Eigensprachmaß O.
[0052] In einem weiteren Verfahrensschritt 30 werden das Sprachmaß T und das Eigensprachmaß
O zusammengeführt. Sofern zumindest das Sprachmaß T einen für das Vorliegen der Sprachanteile
repräsentativen (Wahrscheinlichkeits-)Wert aufweist, wird ein Zusammenhang zwischen
dem Sprachmaß T und dem Eigensprachmaß O ausgewertet. Im Rahmen dieser Auswertung
wird dabei ein zeitliches Verhalten des Sprachmaßes T und des Eigensprachmaßes O betrachtet.
Um eine Kommunikationssituation zu erkennen, d. h. um zu erkennen, ob der Hörgeräteträger
mit einem Dritten spricht, wird dabei als Kriterium überprüft, ob innerhalb einer
Zeitspanne (als "Zeitfenster Z" bezeichnet) das Eigensprachmaß O den für das Vorhandensein
der eigenen Sprache des Hörgeräteträgers repräsentativen Wert annimmt. In diesem Fall
wird außerdem als weiteres Kriterium geprüft, ob eine Dauer D
O, für die das Eigensprachmaß O den für das Vorliegen der eigenen Sprache repräsentativen
Wert annimmt, von einer Dauer D
T, für die das Sprachmaß T den für das Vorliegen der Sprachanteile repräsentativen
Wert annimmt, abweicht, konkret ob die Dauer D
O kürzer ist als die Dauer D
T (vgl. Fig. 3). Diese Situation deutet nämlich darauf hin, dass sowohl die eigene
Sprache des Hörgeräteträgers - vgl. Diagramm in Fig. 3, "Zeile" HIW - und die Sprache
eines Dritten - vgl. Diagramm in Fig. 3, "Zeile" OT (kurz für "other talker") - (konkret
für jeweils unterschiedliche Zeitabschnitte) vorliegen. Denn erkanntermaßen zeigt
das Sprachmaß T sowohl das Vorliegen von Sprachanteilen des Dritten als auch das Vorliegen
der eigenen Sprache des Hörgeräteträgers an. Als zusätzliches Kriterium wird außerdem
geprüft, ob innerhalb des Zeitfensters Z das Eigensprachmaß O oder (optional und)
das Sprachmaß T, wenigstens zweimal den für das Vorliegen der eigenen Sprache bzw.
des Sprachanteils repräsentativen Wert annehmen (vgl. Fig. 3). Dies deutet auf ein
"Wechselgespräch" zwischen dem Hörgeräteträger und dem Dritten hin, so dass mit vergleichsweise
hoher Wahrscheinlichkeit ein Gespräch, d. h. die Kommunikationssituation vorliegt.
Als weiteres Kriterium wird außerdem geprüft, ob die Dauer D
O sowie die Dauer, für die nur das Sprachmaß T den für das Vorliegen des Sprachanteils
repräsentativen Wert aufweist, länger als 2 Sekunden sind. Eine derart lange Äußerung
des Hörgeräteträgers und/oder des Dritten deutet ebenfalls auf ein Gespräch zwischen
diesen Personen hin.
[0053] In einem Entscheidungsschritt 40 wird nachfolgend geprüft, ob die vorstehend genannten
Kriterien erfüllt sind. Für jedes erfüllte Kriterium wird dabei ein Wahrscheinlichkeitswert
für das Vorliegen der Kommunikationssituation erhöht (heraufgesetzt). Überschreitet
der Wahrscheinlichkeitswert einen vorgegebenen Schwellwert - d.h. wird eine hinreichende
Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen der Kommunikationssituation ermittelt -, wird
in einem nachfolgenden Verfahrensschritt 50 der Signalverarbeitungsalgorithmus in
Abhängigkeit von dem aktuellen Wert der Wahrscheinlichkeit verändert. Konkret wird
dabei wenigstens ein auf die Sprachverständlichkeit gerichteter Parameter des Signalverarbeitungsalgorithmus
verändert, so dass die Sprachwiedergabe des Hörgeräts 1 verbessert wird. Alternativ
kann der Schwellwertvergleich auch entfallen, wobei der oder der jeweilige Parameter
über den gesamten Wertebereich des Wahrscheinlichkeitswerts abhängig von diesem verändert
wird.
[0054] Alternativ zu dem Verfahrensschritt 50, d. h. wenn für das Vorliegen der Kommunikationssituation
keine Wahrscheinlichkeit zugewiesen wurde, konkret die vorstehend beschriebenen Kriterien
nicht erfüllt sind, wird in einem alternativen Verfahrensschritt 60 der Signalverarbeitungsalgorithmus
nicht in Abhängigkeit von dem Wahrscheinlichkeitswert für die Kommunikationssituation
verändert, sondern gegebenenfalls nur in Abhängigkeit von Wahrscheinlichkeitswerten
für alternative Hörsituationen.
[0055] In einem alternativen Ausführungsbeispiel (nicht näher dargestellt) wird anstelle
der Eigenspracherkennung OVD ein Drehsensor des Hörgeräts 1 herangezogen, mittels
dessen ein für eine Aktivität, konkret eine Kopfdrehung des Hörgeräteträgers charakteristisches
Zusatzmaß ermittelt wird. Das Sprachmaß T und das Zusatzmaß werden darauf dahingehend
ausgewertet, ob der Hörgeräteträger seinen Kopf in Richtung der Quelle der Sprachanteile
in den Umgebungsgeräuschen richtet. Dies wird dahingehend gedeutet, dass der Hörgeräteträger
seinen Gesprächspartner anblickt. Daraufhin wird der Wahrscheinlichkeitswert auf einen
für das Vorliegen der Kommunikationssituation repräsentativen Wert erhöht.
[0056] In Fig. 4 ist ein alternatives Ausführungsbeispiel des Hörgeräts 1 dargestellt. Dieses
Hörgerät 1 weist eine Eingangsschnittstelle 62 auf, die zum Empfang eines von einer
externen Quelle bereitgestellten und als Datensignal übermittelten Audiosignals S
T eingerichtet ist. Das Audiosignal S
T wird bei Empfang an den Signalprozessor 4 weitergeleitet und von diesem - auf eine
nutzerseitige Aktivierung einer als "Zuhörsituation" bezeichneten Hörsituation hin
- zur Erzeugung des Ausgabesignals S
A herangezogen. Konkret wird dabei das Mikrophonsignal S
M nahezu unterdrückt, damit im Ausgabesignal S
A möglichst nur das Audiosignal S
T enthalten ist. In einer solchen Zuhörsituation wird während der Wiedergabe des Audiosignals
S
T in Form des Ausgabesignals S
A im Verfahrensschritt 50 (also bei Erkennen der Kommunikationssituation) das Mikrophonsignal
S
M dem Audiosignal S
T im Ausgabesignal S
A verstärkt beigemischt, so dass die Wahrnehmbarkeit und Verständlichkeit des Mikrophonsignals
S
M erhöht wird. Zudem wird dabei das Audiosignal S
A zurückgenommen. Dadurch ist eine aktive Veränderung des Signalverarbeitungsalgorithmus
des Hörgeräts 1 durch den Hörgeräteträger ("Umschalten" in ein entsprechendes Gesprächsprogramm)
nicht erforderlich.
[0057] In einem weiterführenden Ausführungsbeispiel (nicht näher dargestellt), wird wieder
in die Signalverarbeitungseinstellungen der Zuhörsituation (und somit in die priorisierte
Wiedergabe des externen Audiosignals S
A) zurückgewechselt, wenn der Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation
derart herabgesetzt wurde, dass keine Kommunikationssituation vorliegt, und auch nach
einer vorgegebenen Zeitdauer, bspw. 10 Sekunden, noch herabgesetzt ist.
[0058] Der Gegenstand der Erfindung ist nicht auf die vorstehend beschriebenen Ausführungsbeispiele
beschränkt. Vielmehr können weitere Ausführungsformen der Erfindung von dem Fachmann
aus der vorstehenden Beschreibung abgeleitet werden. Insbesondere können die anhand
der verschiedenen Ausführungsbeispiele beschriebenen Einzelmerkmale der Erfindung
und deren Ausgestaltungsvarianten auch in anderer Weise miteinander kombiniert werden.
Bezugszeichenliste
[0059]
- 1
- Hörgerät
- 2
- Gehäuse
- 3
- Mikrophon
- 4
- Signalprozessor
- 5
- Lautsprecher
- 6
- Batterie
- 7
- Schallschlauch
- 8
- Ohrstück
- 10
- Verfahrensschritt
- 20
- Verfahrensschritt
- 30
- Verfahrensschritt
- 40
- Entscheidungsschritt
- 50
- Verfahrensschritt
- 60
- Verfahrensschritt
- 62
- Eingangsschnittstelle
- DO
- Dauer
- DT
- Dauer
- O
- Eigensprachmaß
- OVD
- Eigenspracherkennung
- SA
- Ausgabesignal
- SM
- Mikrophonsignal
- ST
- Audiosignal
- T
- Sprachmaß
- VAD
- Spracherkennung
- Z
- Zeitfenster
1. Verfahren zum Betrieb einer Hörvorrichtung (1), die ein Mikrophon (3) zur Wandlung
von Umgebungsgeräuschen in ein Mikrophonsignal (S
M), einen Signalprozessor (4) zur Verarbeitung des Mikrophonsignals (S
M) in ein Ausgabesignal (S
A) und einen Ausgabewandler (5) zur Ausgabe des Ausgabesignals (S
A) an das Gehör eines Trägers der Hörvorrichtung (1) umfasst, wobei verfahrensgemäß,
- für einen in den Umgebungsgeräuschen enthaltenen Sprachanteil ein charakteristisches
Sprachmaß (T) ermittelt wird,
- ein für eine Aktivität des Trägers der Hörvorrichtung (1) charakteristisches Zusatzmaß
(O) ermittelt wird,
- ein Zusammenhang zwischen dem Sprachmaß (T) und dem Zusatzmaß (O) ausgewertet wird,
- anhand dieser Auswertung ein Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen einer Kommunikationssituation
zwischen dem Träger der Hörvorrichtung (1) und einem Dritten heraufgesetzt wird, wenn
das Sprachmaß (T) und das Zusatzmaß (O) unter wenigstens einem vorgegebenen Kriterium
einen für das Vorliegen des Sprachanteils bzw. für die Aktivität des Trägers repräsentativen
Wert annehmen, und
- in Abhängigkeit von dem Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation
wenigstens ein Signalverarbeitungsalgorithmus, der zur Verarbeitung des Mikrophonsignals
(SM) abgearbeitet wird, verändert wird,
wobei als vorgegebenes Kriterium ein zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Sprachmaß
(T) und dem Zusatzmaß (O) herangezogen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
wobei als Zusatzmaß ein für ein Vorhandensein der eigenen Sprache des Trägers der
Hörvorrichtung (1) charakteristisches Eigensprachmaß (O) ermittelt wird, und wobei
zur Bestimmung des Wahrscheinlichkeitswerts für das Vorliegen der Kommunikationssituation
ein Zusammenhang zwischen dem Sprachmaß (T) und dem Eigensprachmaß (O) ausgewertet
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
wobei der Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation heraufgesetzt
wird, wenn ein zeitlicher Unterschied zwischen dem Sprachmaß (T) und dem Eigensprachmaß
(O) ermittelt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
wobei der Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation heraufgesetzt
wird, wenn innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne (Z) das Sprachmaß (T) und das Eigensprachmaß
(O) für jeweils eine unterschiedliche Dauer (DT, DO) den für das Vorliegen des Sprachanteils bzw. der eigenen Sprache des Trägers repräsentativen
Wert annehmen.
5. Verfahren nach Anspruch 4,
wobei innerhalb der vorgegebenen Zeitspanne (Z) Phasen, in denen das Sprachmaß (T)
keinen für das Vorliegen des Sprachanteils repräsentativen Wert annimmt, unberücksichtigt
bleiben.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5,
wobei als vorgegebenes Kriterium herangezogen wird, dass innerhalb der vorgegebenen
Zeitspanne (Z) das Sprachmaß (T) und/oder das Eigensprachmaß (O) mehrfach den für
das Vorliegen des Sprachanteils bzw. der eigenen Sprache des Trägers repräsentativen
Wert annehmen.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
wobei die Hörvorrichtung (1) einen Klassifikator zur Erkennung von unterschiedlichen
Hörsituationen umfasst, und wobei der oder der jeweilige Signalverarbeitungsalgorithmus
mit höherer Priorität gegenüber anderen, parallel erkannten Hörsituationen in Abhängigkeit
von dem Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation verändert
wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 7,
wobei als Kriterium herangezogen wird, dass innerhalb der vorgegebenen Zeitspanne
(Z) sich die Dauer (DT), für die das Sprachmaß (T) den für das Vorliegen des Sprachanteils repräsentativen
Wert annimmt, dem Zweifachen der Dauer (DO) annähert, für die das Eigensprachmaß (O) den für das Vorliegen der eigenen Sprache
des Trägers repräsentativen Wert annimmt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
wobei als Kriterium herangezogen wird, dass innerhalb eines vorausgegangenen Zeitraums
von vorgegebener Dauer der Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation
einen vorgegebenen Wert aufgewiesen hat.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
wobei eine trägerspezifische Neigung zur sprachlichen Kommunikation berücksichtigt
wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10,
wobei das Vorliegen der Kommunikationssituation ausgeschlossen wird, wenn nur das
Sprachmaß (T) den für das Vorliegen des Sprachanteils repräsentativen Wert annimmt.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 11,
wobei das Vorliegen der Kommunikationssituation ausgeschlossen wird, wenn das Sprachmaß
(T) und das Eigensprachmaß (O) im Wesentlichen gleichlaufend den für das Vorliegen
des Sprachanteils bzw. der eigenen Sprache des Trägers repräsentativen Wert annehmen.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12,
wobei in einer Speichereinheit der Hörvorrichtung (1) eine Häufigkeitszahl für die
Veränderung des Signalverarbeitungsalgorithmus in Abhängigkeit von dem Wahrscheinlichkeitswert
für das Vorliegen der Kommunikationssituation abgelegt wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13,
wobei, während einer Wiedergabe eines externen Audiosignals (ST), zur Erzeugung des Ausgabesignals (SA) ein Mischungsverhältnis zwischen dem Mikrophonsignal (SM) und dem Audiosignal (ST) in Abhängigkeit von dem Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation
verändert wird.
15. Verfahren nach Anspruch 14,
wobei, bei heraufgesetztem Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen der Kommunikationssituation,
zur Erzeugung des Ausgabesignals (SA) der Anteil des Mikrophonsignals (SM) gegenüber dem Audiosignal (ST) heraufgesetzt wird.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15,
wobei bei Herabsetzung des Wahrscheinlichkeitswerts für das Vorliegen der Kommunikationssituation,
insbesondere nach zusätzlichem Ablauf einer vorgegebenen Wartezeit, die Veränderung
des oder des jeweiligen Signalverarbeitungsalgorithmus, insbesondere das veränderte
Mischungsverhältnis zwischen dem Mikrophonsignal (SM) und dem Audiosignal (ST), zurückgesetzt wird.
17. Hörvorrichtung (1), die ein Mikrophon (3) zur Wandlung von Umgebungsgeräuschen in
ein Mikrophonsignal (SM), einen Signalprozessor (4) zur Verarbeitung des Mikrophonsignals (SM) in ein Ausgabesignal (SA) und einen Ausgabewandler (5) zur Ausgabe des Ausgabesignals (SA) an das Gehör eines Trägers der Hörvorrichtung (1) umfasst, wobei der Signalprozessor
(4) dazu eingerichtet ist, das Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 16 durchzuführen.
18. Hörvorrichtung (1) nach Anspruch 17,
mit einer Eingangsschnittstelle (62), die zum Empfang eines externen Audiosignals
(ST) eingerichtet ist.