[0001] Die Erfindung betrifft ein Verbundwerkzeug nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 sowie
ein Herstellungsverfahren nach dem Oberbegriff des Anspruchs 15.
[0002] Verbundwerkzeuge und insbesondere Gesamtverbundwerkzeuge sind üblicherweise dadurch
charakterisiert, dass mindestens zwei technologisch verschiedene Bearbeitungsverfahren
in einem Werkzeug und in einem Pressenhub durchgeführt werden. Mit anderen Worten
werden mehrere Operationen oder Funktionen in einem Werkzeug oder Bearbeitungsschritt
integriert. Gemeinhin werden Verbundwerkzeuge bisher überwiegend für geometrisch einfache
Bauteile eingesetzt, die in der Regel aus einem Blechstreifen gefertigt werden. In
der Herstellung großer, komplexer Blechbauteile, z.B. Karosseriebauteilen, aus Blechrohlingen,
z.B. in Form von Einzelplatinen, ist der Einsatz von Gesamtverbundwerkzeugen nicht
gebräuchlich.
[0003] Karosserieblechteile werden in der Regel in einer Operationsfolge von Ziehen, Beschneiden,
Lochen und Fertigformen in mehreren Werkzeugen oder Werkzeugstufen hergestellt. Das
Fertigformen kann insbesondere eine Abkant-Operation darstellen. Typischerweise stellt
das Ziehen der Bauteil-Grundform aus einem ebenen Blechrohling die erste Operation
im Herstellungsprozess mit Linien- oder Transferwerkzeugen dar. Das Ziehen ist typischerweise
ein Tiefzieh-, Streckzieh- oder kombinierter Vorgang in einem Werkzeug. Anschließend,
in vom Ziehen getrennten Operationen, erfolgen die weiteren Schritte wie Lochen, Schneiden
und Fertigformen.
[0004] Die häufigsten Schneidprozesse an Karosserieblechteilen sind z.B. Scherschneidprozesse:
- Lochen: Zur Erzeugung einer geschlossenen Innenkontur am Werkstück
- Beschneiden: Hierbei wird der äußere Ziehrand abgeschnitten, um die Außenkontur des
Bauteils zu erzeugen, bzw. eine vorläufige Außenkontur, die in einer nachfolgenden
Operation weiter bearbeitet wird.
- Weitere Schneidprozesse ohne Bedeutung für die vorliegende Erfindung sind z.B. das
Einschneiden oder Ausklinken.
[0005] Unter Nach- oder Fertigformen werden ferner formgebende Operationen zumeist in der
letzten Werkzeugstufe verstanden. Ein Prozess des Nach- oder Fertigformens stellt
das Abkanten dar. Dabei wird der Rand des gezogenen und beschnittenen Blechteils um
etwa 90° "umgebogen". Abgekantete Borde an Blechteilen dienen z.B. als Fügeflansche
oder als Vorform für eine Bördel- oder Rollfalzoperation im Rohbau, wo das Einzelteil
mit weiteren zu einem Zusammenbau gefügt wird. Zumeist erfolgt das Abkanten in der
letzten Operation.
[0006] Die Figur 16A zeigt schematisch eine aus dem Stand der Technik bekannte Operationsfolge
Ziehen-Beschneiden-Abkanten an einem Karosseriebauteil K. Zunächst erfolgt ein Ziehen
des Karosseriebauteils K aus einem Blechrohling K' (1.), bevor es in einem separaten
Werkzeug beschnitten (2.) und ein Randabschnitt Ka abgekantet wird (3.). Aus verschiedenen
Gründen kann es vorteilhaft sein, den Randabschnitt Ka "anzuziehen", d.h. die Form
des abgekanteten Bords im Ziehen bis zu einer gewissen Tiefe vorzuformen. Dies ist
anhand der Figur 16B näher veranschaulicht. Die Figuren 16A und 16B zeigen hierbei
jeweils den einfachen Fall, in dem alle Operationen in Arbeitsrichtung einer Presse
durchgeführt werden können. Dabei streift ein Werkzeugelement (Abkantleiste) am abzukantenden
Randabschnitt vorbei und biegt ihn dabei nach unten.
[0007] Weitere Varianten des Nach- oder Fertigformens sind z.B. das Nachschlagen oder Kalibrieren.
Dabei wird bereichsweise auf ein bereits geformtes Bauteil eingewirkt, um dessen Geometrie
lokal zu beeinflussen. Hierbei werden z.B. Verprägungen eingebracht oder Radien verkleinert.
[0008] Bekannt ist ferner die Kombination aus Beschneiden und Abkanten in einem Folgewerkzeug
an einem in einem ersten Werkzeug gezogenen Bauteil, wobei das Schneidmesser (mit
einer Schneidleiste) gleichzeitig als Abkantleiste dient. Dies ist schematisch dargestellt
in den Figuren 17A bis 17C.
[0009] Ausgehend von dem vorstehend diskutierten Stand der Technik liegt der Erfindung die
Aufgabe zugrunde, eine Reduzierung der Gesamtzahl der zur Fertigung eines Blechbauteils
erforderlichen Werkzeuge und hierüber eine Reduzierung der Betriebsmittelkosten sowie
der Entwicklungs- und Beschaffungszeiten zu erreichen und Prozessketten zu verkürzen.
[0010] Diese Aufgabe wird mit einem Verbundwerkzeug des Anspruchs 1 gelöst als auch mit
einem Herstellungsverfahren des Anspruchs 15 gelöst.
[0011] Gemäß einem ersten Aspekt der Erfindung ist ein Verbundwerkzeug zur Herstellung eines
flächigen Blechbauteils mit einer eine Ziehmatrize (im Folgenden auch kurz: "Matrize")
aufweisenden ersten Struktur und einer einen Ziehstempel (im Folgenden auch kurz:
"Stempel") aufweisenden zweiten Struktur vorgeschlagen. Wenigstens die erste Struktur
oder die zweite Struktur ist zumindest teilweise translatorisch verstellbar, um die
Matrize und den Stempel gegeneinander zu pressen und hierdurch das Blechbauteil aus
einem zwischen der Matrize und dem Stempel befindlichen und als Einzelplatine ausgebildeten
Blechrohling durch Ziehen, d.h., durch einen Ziehvorgang und Herstellung eines Ziehteils,
auszuformen. Hierfür ist an der zweiten Struktur zusätzlich zu dem Stempel wenigstens
ein relativ zu dem Stempel translatorisch verstellbarer Blechhalter vorgesehen. Des
Weiteren ist erfindungsgemäß vorgesehen, dass
- die Matrize der ersten Struktur wenigstens zweiteilig, mit einer inneren Matrize und
einer äußeren Matrize ausgeführt ist, wobei die innere Matrize und die äußere Matrize
an der ersten Struktur relativ zueinander verstellbar sind, und
- die äußere Matrize und der relativ zu dem Stempel translatorisch verstellbare Blechhalter
einander gegenüberliegen und eingerichtet sind, beim Pressen der zweiteiligen Matrize
und des Stempels gegeneinander zwischen sich ein Abfallstück des Blechrohlings zu
halten, das mit dem Pressen der Matrize und des Stempels gegeneinander an einem äußeren
Rand des gezogenen Blechrohlings - respektive des aus dem Blechrohling hergestellten
Ziehteils - abgetrennt wird.
[0012] Derart erfolgt beim Pressen der wenigstens zweiteiligen Matrize und des Stempels
gegeneinander zusätzlich zu dem Ziehen des Blechrohlings (in einer ersten Verstellphase
der ersten und zweiten Strukturen) ein randseitiges Beschneiden (in wenigstens einer
nachfolgenden zweiten Verstellphase). Der translatorisch verstellbare Blechhalter
sichert hierbei im Zusammenspiel mit der wenigstens zweiteiligen Matrize die definierte
Position und Ausrichtung des abzutrennenden Abfallstücks und gewährleistet durch seine
Verstellbarkeit relativ zu dem Stempel die Integration einer Beschneidungsoperation
in den Pressenhub. Unter einem "Pressen der zweiteiligen Matrize und des Stempels
gegeneinander" wird im Folgenden insbesondere verstanden, dass die zweiteilige Matrize
und der Stempel unter der Einwirkung einer von einer (mit dem Verbundwerkzeug gerüsteten)
Presse aufgebrachten Verstellkraft aufeinander zu verlagert werden und eine eigentliche
Pressung zumindest eines Teils der wenigstens zweiteiligen Matrize gegen den Stempel
erst mit einem zeitlichen Ende des Ziehvorgangs erfolgt. "Beim Pressen der zweiteiligen
Matrize und des Stempels gegeneinander" und damit einhergehend mit der Verlagerung
für die eigentliche, spätere Pressung von (Zieh-) Matrize und (Zieh-) Stempel wird
z.B. zunächst nur die äußere Matrize gegen den Blechhalter - im eigentlichen Sinne
- "gepresst". So ist insbesondere eingeschlossen, dass während des gesamten Ziehvorgangs
die äußere Matrize gegen den Blechhalter gepresst wird und eine Pressung der inneren
Matrize gegen den Stempel erst mit dem Ende des Ziehvorgangs erfolgt.
[0013] Dass die innere Matrize und die äußere Matrizen an der ersten Struktur relativ zueinander
verstellbar sind, schließt sowohl ein, dass die innere Matrize relativ zu der äußeren
Matrize verstellbar ist, als auch, dass die äußere Matrize relativ zu der inneren
Matrize verstellbar ist. Durch die Verstellbarkeit der inneren und äußeren Matrizen
relativ zueinander an der ersten Struktur sowie durch das Zusammenwirken mit dem verstellbaren
Blechhalter der zweiten Struktur kann über den Pressenhub besonders einfach ein Abtrennen
des Abfallstücks realisiert werden. Grundsätzlich kann dabei die äußere Matrize der
ersten Struktur die innere Matrize zumindest teilweise umschließen.
[0014] In einer Ausführungsvariante weist die äußere Matrize einen ersten Formschlussbereich
auf und der Blechhalter weist einen zweiten Formschlussbereich auf. Über die ersten
und zweiten Formschlussbereiche der äußeren Matrize und des Blechhalters wird das
Abfallstück des Blechrohlings beim Pressen (lokal) verformt, sodass zumindest ein
Bereich des Abfallstücks formschlüssig in wenigstens einen der ersten und zweiten
Formschlussbereiche greift und/oder wenigstens einer der ersten und zweiten Formschlussbereiche
in das Abfallstück formschlüssig eingreift. Die ersten und zweiten Formschlussbereiche
können somit der Fixierung des Abfallstücks zwischen dem Blechhalter und der äußeren
Matrize beim Pressen dienen, gleichwohl dies nicht zwingend ist. Die ersten und zweiten
Formschlussbereiche können beispielsweise als Vorsprünge und/oder Vertiefungen ausgebildet
sein. Beispielsweise ist eine Auswölbung an der äußeren Matrize zur Herstellung einer
hiermit korrespondierenden Sicke am Abfallstück des Blechrohlings vorgesehen.
[0015] Das Verbundwerkzeug ist somit eingerichtet, eine zum Umformen des Blechrohlings aufgebrachte
Presskraft gleichzeitig dazu zu nutzen, einen äußeren Rand des Blechrohlings als Abfallstück
abzutrennen und damit den Blechrohling zu beschneiden. Ggf. wird auch gleich der Rand
des Blechbauteils fertiggeformt, zumindest aber umgeformt. In einem Pressenhub erfolgt
somit zusätzlich zu einem Umformen ein Beschneiden und z.B. ein randseitiges Umbiegen
oder Abkanten. Die erste Struktur und die zweite Struktur können folglich nicht nur
eingerichtet sein, mit dem Pressen der Matrize und des Stempels gegeneinander auch
einen äußeren Rand des Blechrohlings als Abfallstück abzutrennen. Vielmehr können
die erste Struktur und die zweite Struktur auch eingerichtet sein, einen Randabschnitt
des Blechbauteils, an dem ein durch das Abtrennen des Abfallstücks entstehender Trennrand
vorliegt, vor oder nach dem Abtrennen des Abfallstücks umzuformen. In diesem Zusammenhang
kann insbesondere vorgesehen sein, dass mit dem Pressen der Matrize und des Stempels
gegeneinander der Randabschnitt des Blechbauteils, an dem der Trennrand vorliegt,
vor dem Abtrennen des Abfallstücks gebogen oder nach dem Abtrennen des Abfallstücks
abgekantet wird. Hierbei stellt dann eine Presse, auf der das Verbundwerkzeug mit
den ersten und zweiten Strukturen gerüstet ist, den alleinigen Antrieb für alle Werkzeugfunktionen
dar, d.h. es sind keine weiteren hydraulischen oder anderweitigen Aktuatoren eingesetzt,
um das Beschneiden und Fertigformen zu realisieren.
[0016] Bei einem erfindungsgemäßen Verbundwerkzeug kann über die relativ zueinander verstellbaren
inneren und äußeren Matrizen mindestens eine Folgeoperation im Ziehwerkzeug integriert
werden. Hierbei ist zumindest ein äußeres Beschneiden des Blechbauteils in die Ziehstufe
integriert. Dabei kann es sich insbesondere um ein umlaufendes Beschneiden, mithin
einen Komplettbeschnitt, handeln. Denkbar ist aber auch, nur einen ersten Segmentbeschnitt
im Ziehwerkzeug durchzuführen, was z.B. beim Sonderfall eines Ziehens mit offenen
Köpfen realisierbar wäre. Das Ziehen und das Beschneiden erfolgen dabei grundsätzlich
in einem durchgehenden Hub des Verbundwerkzeugs. Die erzeugte Trenn- oder Beschnittkante
kann sowohl die Kontur des Fertigteils darstellen, als auch in weiteren Operationen,
z.B. einem Abkanten oder Nachformen, weiter bearbeitet werden.
[0017] Das erfindungsgemäße Verbundwerkzeug ermöglicht es, die Anzahl der Werkzeuge für
die Herstellung eines Blechbauteils um mindestens eine Operation zu reduzieren. Die
Erfindung ist hierbei z.B. nicht auf Karosseriebauteile für Kraftfahrzeuge beschränkt,
sondern erstreckt sich auch auf die Fertigung anderer flächiger Blechbauteile, insbesondere
Blechbauteile aus Stahl, Aluminium oder anderen Werkstoffen.
[0018] Die Integration eines randseitigen Beschneidens des Blechrohlings ist dabei auch
zu trennen von dem Setzen eines Entlastungsschlitzes in einem inneren Abfallbereich
des Bauteils, z.B. in einer Fensteröffnung. Ein solcher Entlastungsschnitt wird während
der Umformung aufgezogen, wodurch der Materialfluss von "innen nach außen" begünstigt
wird. Dabei handelt es sich jedoch nur um einen linienförmigen Schnitt, d.h. keine
Beschnittoperation. Es entsteht in dieser Operation kein Abfallstück, das aus dem
Werkzeug abgeführt werden müsste. Der Bereich des aufgezogenen Entlastungsschnitts
wird erst in einer nachgelagerten Operation ausgeschnitten. Folglich handelt es sich
nicht um die Integration einer Beschnittoperation in das Ziehwerkzeug.
[0019] Ebenfalls bekannt ist, innere Entlastungsschnitte oder -löcher bereits beim Zuschneiden
eines Blechrohlings einzubringen. Auch hier handelt es sich nicht um die Integration
einer Beschnittoperation in das Ziehwerkzeug. Ebenfalls bekannt ist, dass im Ziehwerkzeug
Lochstempel verbaut werden. Diese dienen dazu, Löcher im Abfallbereich des Bauteils
zu schneiden, die zur Zentrierung des Ziehteils in der nachfolgenden Operation dienen.
Auch hier handelt es sich nicht um die Integration einer Beschnittoperation in das
Ziehwerkzeug, wie es die vorgeschlagene Lösung vorsieht.
[0020] In einer Ausführungsvariante integriert das Verbundwerkzeug einen umlaufenden äußeren
Bauteilbeschnitts in der Ziehstufe. Weitere Operationen können in möglichen Weiterbildungen
in die Ziehstufe zu integriert sein. Dabei handelt es sich z.B. um die Integration
von Ziehen, Schneiden und Abkanten oder Ziehen, Schneiden, Abkanten und Prägen. Hierdurch
ist es beispielsweise möglich, die gesamte Fertigungsfolge eines Blechbauteils in
dem Verbundwerkzeug und in einem damit umgesetzten Pressenhub zu realisieren.
[0021] Die vorgeschlagene Lösung unterscheidet sich dabei auch von Folgeverbundwerkzeugen,
die dadurch charakterisiert sind, dass die Fertigung der Bauteile aus einem Blechstreifen
(vom Coil) erfolgt, der schrittweise durch eine Abfolge von mehreren Werkzeugstufen
geschoben oder gezogen wird. Das fertige Bauteil wird erst in der letzten Stufe vom
Streifen getrennt. Mit Folgeverbundwerkzeugen werden in der Regel nur kleine bis mittelgroße,
geometrisch einfache Bauteile in hohen Stückzahlen gefertigt. Mit der vorgeschlagenen
Lösung ist es demgegenüber möglich, dass große, komplexe Blechbauteile aus einem flächigen
Blechrohling (in der Form einer Einzelplatine) herstellbar sind, wobei eine Umformoperation
dem Bauteilbeschnitt zeitlich vorangestellt ist.
[0022] Das Verbundwerkzeug bildet hierbei typischerweise ein bauteilspezifisches Presswerkzeug,
in dem ein Blechrohling global umgeformt wird. Hierbei folgt ein Abtrennen, vorzugsweise
ein Scherschneiden am Umfang der dreidimensional geformten Geometrie, kein Laser-
oder Wasserstrahlschneiden in der Horizontalebene. Darüber hinaus wird das Blechbauteil
nicht ausgeschnitten, sondern ein Abfallstück vom Blechrohling abgeschnitten.
[0023] Alternativ oder ergänzend ist in einer Ausführungsvariante der Blechhalter an der
zweiten Struktur relativ zu dem Stempel in eine Einlegeposition auf die äußere Matrize
zu verstellbar. In der dann eingenommenen Einlegeposition ist der Blechrohling mit
einem randseitigen Abschnitt auf dem Blechhalter anzuordnen. Beim anschließenden Pressen
der Matrize und des Stempels gegeneinander ist der Blechhalter relativ zu dem Stempel
in eine zu der Einlegeposition verschiedene Halteposition verstellbar, in der das
von dem Blechrohling abgetrennte Abfallstück zwischen der äußeren Matrize und dem
Blechhalter gehalten ist. Beispielsweise wird der Blechhalter aus der Einlegeposition
unter Einwirkung der ersten Struktur und insbesondere der mit der ersten Struktur
verstellten äußeren Matrize verlagert. Das zwischen der äußeren Matrize und dem verstellbaren
Blechhalter vorgesehene Abfallstück des Blechrohlings wird hierbei gegebenenfalls
definiert umgeformt. In jedem Fall wird durch den relativ zu dem Stempel verstellbaren
Blechhalter das abgetrennte Abfallstück am Ende des Pressenhubes in einer definierten
Position gehalten und kann relativ zu dem fertiggestellten Blechbauteil verlagert
werden. Dies ist insbesondere mit Blick auf das Abführen des Abfallstücks aus dem
Verbundwerkzeug von Vorteil.
[0024] Wie bereits obig ausgeführt, ist das vorgeschlagene Verbundwerkzeug eingerichtet,
eine zum Umformen des Blechrohlings aufgebrachte Presskraft und damit den Pressenhub
gleichzeitig auch dazu zu nutzen, das Abfallstück abzutrennen und ggf. den Rand des
Blechbauteils fertigzuformen. Dementsprechend können dann auch in einer Ausführungsvariante
durch die translatorische Verstellung der ersten Struktur und der zweiten Struktur
aufeinander zu der Blechhalter relativ zu dem Stempel und/oder die inneren und äußeren
Matrizen relativ zueinander verstellt werden. Der Blechhalter ist somit beispielsweise
während des Pressenhubes relativ zu dem Stempel nicht fremdkraftbetätigt durch einen
zusätzlichen Antrieb verstellbar, sondern allein durch die Pressenkraft. Eine Relativbewegung
des Blechhalters zu dem Stempel wird somit allein durch die Verstellung der ersten
und zweiten Strukturen aufeinander zu und den damit realisierten Pressenhub verursacht.
Ein zusätzlicher (motorischer) Verstellantrieb ist hierfür nicht vorgesehen. Gleiches
gilt für die alternativ oder ergänzend vorgesehene Verstellung innerer und äußerer
Matrizen relativ zueinander während des Pressens.
[0025] In einer Ausführungsvariante ist an der zweiten Struktur zusätzlich eine Stempelankonstruktion
vorgesehen, die zwischen dem Blechhalter und einem Einführbereich für eine Schneide
der ersten Struktur angeordnet ist. Durch das Vorsehen einer zusätzlichen Stempelankonstruktion
kann beispielsweise eine Gestaltung einer Ziehschale in dem Verbundwerkzeug mit einer
offenwinkligen Zarge ermöglich werden. Hierdurch kann wiederum eine Ausreckung des
Blechrohlings bis in die Bauteilmitte hinein erzielt werden. Dies ist z.B. bei flächigen
Außenhautteilen, wie Dächern oder Türaußenblechen, als herzustellenden (Karosserie-)
Blechbauteilen erforderlich. Die Stempelankonstruktion liegt benachbart zu einem Bereich
der zweiten Struktur, dem Einführbereich, vor, in den eine für das Beschneiden des
Blechrohlings vorgesehene Schneide der zweiten Struktur beim Pressen eintauchen kann.
In einer Ausführungsvariante liegt die Stempelankonstruktion vor diesem Hintergrund
einem Niederhalter der ersten Struktur gegenüber. Die Stempelankonstruktion kann in
einer Ausführungsvariante zu dem Stempel und andererseits zu dem Blechhalter (quer
zu Verstellrichtung des Blechhalters) beabstandet sein. In einer alternativen Ausführungsvariante
kann die Stempelkonstruktion aber auch integraler Bestandteil des Stempels sein.
[0026] Grundsätzlich können die erste Struktur und die zweite Struktur des Verbundwerkzeugs
eingerichtet sein, mit dem Pressen der Matrize und des Stempels gegeneinander das
Abfallstück durch Scherschneiden abzutrennen.
[0027] Bei der erfindungsgemäß vorgeschlagenen wenigstens zweiteilig ausgeführten Matrize,
bei der eine innere Matrize und eine äußere Matrize relativ zueinander verstellbar
sind, kann in einer Variante für das Abtrennen des Abfallstücks an der äußeren Matrize
eine Schneidkante ausgebildet oder eine Schneide montiert sein. Im zuerst genannten
Fall bildet eine an die innere Matrize angrenzende Kante der äußeren Matrize eine
Schneidkante für das Abtrennen des Abfallstücks. Die äußere Matrize wird hier (gegebenenfalls
zusammen mit dem gegenüberliegenden Blechhalter) während des Pressenhubs relativ zu
der inneren Matrize verstellt. Im anderen vorstehend genannten Fall ist an die äußere
Matrize eine separate Schneide respektive ein Schneidmesser mit einer solchen Schneide
montiert.
[0028] In einer alternativen Ausführungsvariante ist an der ersten Struktur eine Schneide
(eines Schneidmessers) vorgesehen, relativ zu der die innere Matrize der wenigstens
zweiteiligen Matrize an der ersten Struktur verstellbar gelagert ist. In dieser Variante
wird folglich während des Pressenhubes und einer Verstellung der ersten Struktur auf
die zweite Struktur zu die innere Matrize entgegen der Verstellrichtung bezüglich
der Schneide verlagert, sodass die Schneide bei weiterer Verstellung der ersten Struktur
das Abfallstück abtrennt, gegebenenfalls unter Bildung der Trennkante angrenzend an
die innere Matrize.
[0029] Die Schneide ist in einer Ausführungsvariante mit einer Schneidleiste ausgebildet,
die (a) beim Pressen der Matrize und des Stempels gegeneinander gleichzeitig als Abkantleiste
wirkt oder die (b) beim Pressen der Matrize und des Stempels gegeneinander mit einem
Gegenhalter zusammenwirkt und dann als Abkantleiste gegen diesen Gegenhalter wirkt.
In letzterem Fall ist die Schneidleiste z.B. für das Abkanten eines ausgestellten
und/oder mehrfach gestuften Bords beim Pressen der Matrize und des Stempels gegeneinander
vorgesehen.
[0030] In einem Ausführungsbeispiel weist eine Schneidkante der Schneidleiste mindestens
einen ersten Schneidkantenabschnitt und mindestens einen zweiten Schneidkantenabschnitt
auf, wobei, bezogen auf eine von der innere Matrize zu der äußeren Matrize weisenden
Richtung, der mindestens eine erste Schneidkantenabschnitt innen und der mindestens
eine zweite Schneidkantenabschnitt außen liegt, sodass mit dem mindestens einen ersten
Schneidkantenabschnitt eine Innenkontur der Schneidkante und dem mindestens einen
zweiten Schneidkantenabschnitt eine Außenkontur der Schneidkante definiert sind. Das
Vorstehen unterschiedlicher Schneidkantenabschnitte kann sich insbesondere dann als
vorteilhaft erweisen, wenn an dem Bauteil zwei Randbereiche vorzusehen sind, von denen
ein Randbereich nach dem Ziehen und Beschneiden fertig bearbeitet ist, während ein
daran angrenzender Randbereich nach dem Ziehen und Beschneiden eines ausgelegten Bords
noch einer Abkantung unterzogen werden muss. Für diese unterschiedlichen Randbereiche
wird dann die bewegliche Schneidleiste entsprechend unterschiedlich gestaltet.
[0031] Insbesondere in diesem Zusammenhang kann dann ferner vorgesehen sein, dass der mindestens
eine zweite die Außenkontur definierende Schneidkantenabschnitt der Schneidkante gegenüber
dem mindestens einen ersten die Innenkontur definierenden Schneidkantenabschnitt vorsteht,
und zwar z.B. in einer Verstellrichtung der Schneide, in die die Schneide beim Pressen
der Matrize und des Stempels gegeneinander verstellt wird. Derart nimmt beim Pressen
der Matrize und des Stempels gegeneinander die Schneide zunächst mittels des zweiten
Schneidkantenabschnitts ihrer Schneidkante einen Beschnitt des Blechrohlings an einem
zweiten (nachfolgend abzukantenden) Randbereich vor, bevor die Schneide mittels des
ersten Schneidkantenabschnitts ihrer Schneidkante einen Beschnitt des Blechrohlings
in einem hierzu verschiedenen ersten Randbereich vornimmt.
[0032] Der mindestens eine zweite die Außenkontur definierende Schneidkantenabschnitt der
Schneidkante steht gegenüber dem mindestens einen ersten die Innenkontur definierenden
Schneidkantenabschnitt - in Abhängigkeit von Bauteilgeometrie, Prozess, Blechwerkstoff
und -dicke z.B. um 0,5 mm bis 3,0 mm vor. In einer Ausführungsvariante ist beispielsweise
ein Vorstand im Bereich von 0,7 mm bis 1,4 mm vorgesehen. Im zweiten Randbereich der
Abkantung läuft somit der zweite Schneidkantenabschnitt gegenüber dem Schneidkantenabschnitt
für den ersten Randbereich um ein gewisses Maß vor, und zwar z.B. um 0,5 mm bis 3,0
mm. Hierdurch wird der Beschnitt im zweiten Randbereich zuerst vollzogen.
[0033] Ein mit der Schneidleiste zusammenwirkender Gegenhalter kann ferner ausgebildet und
vorgesehen sein, für einen Übergangsbereich der Schneidkante, an dem die Schneidkante
von dem mindestens einen ersten Schneidkantenabschnitt in den mindestens einen zweiten
Schneidkantenabschnitt übergeht, als Gegenmesser beim Pressen der Matrize und des
Stempels gegeneinander zu wirken. Hierdurch lässt sich ein unkontrolliertes Reißen
in einem Übergangsrandbereich des Blechrohlings auf eine minimale Länge begrenzen
oder sogar gänzlich verhindern.
[0034] Insbesondere in einer hierauf basierenden Weiterbildung kann ein mit der Schneidleiste
zusammenwirkender Gegenhalter ausgebildet und vorgesehen sein, beim Pressen der Matrize
und des Stempels gegeneinander durch die mit dem mindestens einen ersten Schneidkantenabschnitt
an dem Gegenhalter anliegende Schneide verdrängt zu werden, nachdem mittels des mindestens
einen zweiten Schneidkantenabschnitts ein Beschnitt des Blechrohlings vorgenommen
wurde. Nach erfolgtem Beschnitt in einem zweiten Randbereichen und einem Übergangsbereich
sitzt hier folglich die Schneidleiste im ersten Randbereich auf dem Gegenhalter auf
und beginnt, diesen mit fortschreitendem Pressenhub gegen eine definierte Kraft nach
unten zu verdrängen.
[0035] In einer Ausführungsvariante ist eine Kontur eines mit der Schneidleiste zusammenwirkenden
Gegenhalters für einen Übergangsbereich der Schneidkante, an dem die Schneidkante
von dem mindestens einen ersten Schneidkantenabschnitt in den mindestens einen zweiten
Schneidkantenabschnitt übergeht, als Untermesser ausgeführt. In diesem Fall wird der
Beschnitt im ersten Randbereich vorlaufend ausgeführt und schält sich anschließend
über den Übergangsrandbereich. Zuletzt wird der zweite Randbereich geschnitten und
abgekantet.
[0036] Alternativ oder ergänzend kann an einem Übergangsbereich ein Schneideinsatz an einem
Ober- oder Untermesser vorgesehen sein.
[0037] Die erste Struktur und die zweite Struktur können in einer Ausführungsvariante ferner
eingerichtet sein, mit dem Pressen der Matrizen und des Stempels gegeneinander an
dem Randabschnitt des herzustellenden Blechbauteils mindestens eine Prägung vorzusehen.
Hierfür ist beispielsweise an einem gegebenenfalls verstellbarem Gegenhalter der ersten
oder zweiten Struktur mindestens eine verprägte oder gestufte Formfläche für den Blechrohling
vorgesehen, sodass beim Pressenhub und bestimmungsgemäß in das Verbundwerkzeug eingelegtem
Blechrohling an dem fertiggeformten Randabschnitt eine korrespondierende Prägung am
Ende des Pressenhubes vorliegt. Eine Formfläche für das Prägen kann beispielsweise
an der ersten Struktur an einer Schneid-, Abkant- oder Prägeleiste und/oder an der
zweiten Struktur am Stempel vorgesehen sein.
[0038] In einer Weiterbildung kann auch die Schneide der ersten Struktur, relativ zu der
die innere Matrize verstellbar gelagert ist, mit einer Schneidleiste ausgebildet sein,
die beim Pressen der Matrize und des Stempels gegeneinander gleichzeitig als Abkantleiste
und als Formleiste zum Vorsehen der Verprägung wirkt, um an einem ausgestellten Bord
des Randabschnitt die Verprägung vorzusehen.
[0039] Alternativ oder ergänzend kann an der ersten Struktur ein (Präge-) Einsatz vorgesehen
sein, mittels dem beim Ziehen oder nach dem Abschluss des Ziehens eine Verprägung
in der Bauteilfläche (und damit nicht an einem randseitigen Flansch), insbesondere
eine Türgriffmulde, eingebracht wird. Die Integration eines Prägevorgangs für die
Herstellung einer Verprägung in der Bauteilfläche in den Pressenhub kann dabei die
Erzielung einer höheren Oberflächengüte erleichtern. Während der Ausformung der in
der Bauteilfläche liegenden Verprägung, z.B. für eine Griffmulde, durch den (Präge-)
Einsatz steht der Blechrohling noch zu einem gewissen Grad unter biaxialer Zugspannung
aus dem Ziehvorgang und die mit der Verprägung zu versehende Bauteilfläche wird zwischen
dem Stempel und der inneren Matrize gehalten. Diese biaxiale Zugspannung überlagert
die Spannungszustände, die durch den Prägevorgang in und um die Verprägung entstehen,
und mindert den Einfluss der unterschiedlichen Abwicklungslängen über der Verprägung.
[0040] In einem Ausführungsbeispiel ist an der ersten Struktur ein Lochstempel zur Herstellung
mindestens eines Loches an dem Blechbauteil vorgesehen. Der Lochstempel kann hierbei
zur Herstellung des mindestens einen Loches an der mittels des Einsatzes hergestellten
Verprägung vorgesehen sein. In einer hierfür ausgestalteten Weiterbildung ist dann
der Einsatz z.B. an der ersten Struktur verstellbar gelagert, sodass der Einsatz nach
Herstellung der Verprägung in einer ersten Verstellphase beim weiteren Pressen der
Matrize und des Stempels gegeneinander - und damit in einer nachfolgenden, zweiten
Verstellphase - verdrängt wird und der Lochstempel das mindestens eine Loch herstellt.
Prägung und Lochung sind hier somit ebenfalls mittels des Verbundwerkzeugs in einem
Pressenhub darstellbar. Hierbei kann insbesondere von Vorteil sein, wenn der Lochstempel
in dem (Präge-) Einsatz geführt ist und der Einsatz (in der zweiten Verstellphase)
die Funktion eines Niederhalters übernimmt.
[0041] Wie eingangs bereits erläutert, kann das Verbundwerkzeug als Gesamtverbundwerkzeug
ausgeführt und/oder insbesondere zur Herstellung eines flächigen Karosseriebauteils
für ein Kraftfahrzeug eingerichtet und vorgesehen sein. Ein beispielhaftes flächiges
Karosseriebauteil ist beispielsweise eine Dachbeplankung. Ein anderes flächiges Karosseriebauteil
kann beispielsweise ein Türblech, insbesondere ein Türaußenblech einer Kraftfahrzeugtür
sein.
[0042] Ein weiterer Aspekt der vorgeschlagenen Lösung betrifft ein Verfahren zur Herstellung
eines flächigen Blechbauteils mittels einer Pressenvorrichtung, die eine eine Matrize
aufweisende erste Struktur und eine einen Stempel aufweisende zweite Struktur umfasst.
[0043] In Analogie zu dem vorgeschlagenen Verbundwerkzeug, das Teil einer entsprechenden
Ziehvorrichtung sein kann, sieht das vorgeschlagene Verfahren vor, dass mit dem Pressen
der Matrize und des Stempels gegeneinander, um das Blechbauteil durch Ziehen auszuformen,
auch ein äußerer Rand des Blechrohlings als Abfallstück abgetrennt und damit innerhalb
des Verbundwerkzeugs auch gleich ein Beschnitt des Blechrohlings durchgeführt wird.
Zum Ziehen des Blechrohlings wird wenigstens ein relativ zu dem Stempel translatorisch
verstellbarer Blechhalter verwendet, an dem ein äußerer Rand des zu ziehenden Blechrohlings
gehalten wird. Im Rahmen des Verfahren wird eine wenigstens zweiteilige Matrize mit
einer inneren Matrize und einer äußeren Matrize verwendet, bei der die innere Matrize
und die äußere Matrize an der ersten Struktur relativ zueinander verstellbar sind.
Die äußere Matrize und der relativ zu dem Stempel translatorisch verstellbare Blechhalter
liegen einander gegenüber, wobei die äußere Matrize und der Blechhalter zwischen sich
beim Pressen der zweiteiligen Matrize und des Stempels gegeneinander das Abfallstück
halten, das mit dem Pressen der Matrize und des Stempels gegeneinander an dem äußeren
Rand des gezogenen Blechrohlings abgetrennt wird.
[0044] Auch hier wird folglich in einem Pressenhub sowohl ein Umformen als auch ein Beschneiden
umgesetzt, wobei das Beschneiden mechanisch mittels der beim Pressen relativ zueinander
verstellten Teile der Pressenvorrichtung realisiert wird, ohne dass diese über einen
eigenen Verstellantrieb verstellt werden müssten.
[0045] Beispielsweise ist ergänzend ein Fertigformen vorgesehen, indem mit dem Pressen der
Matrize und des Stempels gegeneinander der Randabschnitt des Blechbauteils, an dem
eine durch Abtrennen des Abfallstücks entstehende Trennkante vorliegt, vor dem Abtrennen
des Abfallstücks gebogen oder nach dem Abtrennen des Abfallstücks abgekantet wird.
[0046] Bei einem vorgeschlagenen Herstellungsverfahren kann eine Presse mit einem erfindungsgemäßen
Verbundwerkzeug verwendet, insbesondere gerüstet sein. Die mit dem Verbundwerkzeug
gerüstete Presse treibt dann das Verbundwerkzeug an. Vorstehend und nachstehend erläuterte
Vorteile und Merkmale für Ausführungsvarianten eines Verbundwerkzeuges gelten somit
auch für Ausführungsvarianten eines vorgeschlagenen Herstellungsverfahrens und umgekehrt.
[0047] Die beigefügten Figuren veranschaulichen exemplarisch mögliche Ausführungsvarianten
der vorgeschlagenen Lösung.
[0048] Hierbei zeigen:
- Figur 1
- eine erste Ausführungsvariante eines Verbundwerkzeugs mit zweiteiliger Matrize, wobei
eine innere und eine äußere Matrize des Verbundwerkzeugs relativ zueinander verstellbar
gelagert sind und an einer äußeren Matrize eine Schneidkante für das Abtrennen eines
Abfallstücks von einem Blechrohling ausgebildet ist;
- Figur 1A
- ausschnittsweise eine vergrößerte Darstellung im Bereich der inneren und äußeren Matrizen
des Verbundwerkzeuges der Figur 1 an der Schneidkante der äußeren Matrize;
- Figuren 2A-2F
- verschiedene Phasen eines Herstellungsprozesses eines Blechbauteils, hier z.B. in
Form eines Karosseriebauteils, unter Nutzung des Verbundwerkzeuges der Figuren 1 und
1A;
- Figur 3
- eine weitere Ausführungsvariante eines Verbundwerkzeugs mit einer an die äußere Matrize
montierten Schneide eines Schneidmessers;
- Figuren 4A-4E
- verschiedene Phasen eines Herstellungsprozesses eines Karosseriebauteils unter Nutzung
des Verbundwerkzeuges der Figur 3;
- Figur 5
- eine weitere Ausführungsvariante eines Verbundwerkzeuges mit innerer und äußerer Matrize
sowie separater Schneide und einer Stempelankonstruktion;
- Figuren 6A-6G
- verschiedene Phasen eines Herstellungsprozesses eines Karosseriebauteils unter Nutzung
des Verbundwerkzeugs der Figur 5;
- Figur 7
- in vergrößertem Maßstab eine Weiterbildung der Ausführungsvariante der Figuren 5 und
6A bis 6G mit einem hinterschnittigen Stempel;
- Figur 8
- ausschnittsweise ein herzustellendes Blechbauteil in Form eines Karosserieteils mit
einem zungenartig vorstehenden Flansch im Bereich des fertiggeformten Randabschnitts;
- Figur 9
- eine weitere Ausführungsvariante eines herzustellenden Karosseriebauteils mit einem
verprägten Bord an dem fertiggeformten Randabschnitt;
- Figur 10A
- eine weitere Ausführungsvariante eines Verbundwerkzeugs mit separater Schneide, die
zwei unter einem Winkel zueinander verlaufende Schneidenabschnitte aufweist;
- Figur 10B
- in vergrößertem Maßstab mit Blick auf den Stempel des Verbundwerkzeuges der Figur
10A eine mögliche Weiterbildung zur Herstellung eines verprägten Bords an dem Karosserieteil
entsprechend der Figur 9;
- Figur 11
- in vergrößertem Maßstab mit Blick auf den Stempel des Verbundwerkzeuges eine mögliche
Weiterbildung zur Herstellung eines mehrfach gestuften Bords;
- Figur 12
- eine weitere Ausführungsvariante eines Verbundwerkzeugs mit einem Einsatz zur Herstellung
einer muldenförmigen Verprägung in der Bauteilfläche eines herzustellenden Karosseriebauteils
im Pressenhub und mit einem in dem Einsatz geführten Lochstempel für die Herstellung
eines Lochs in der muldenförmigen Verprägung;
- Figuren 13A - 13G
- verschiedene Phasen eines Herstellungsprozesses eines Karosseriebauteils unter Nutzung
des Verbundwerkzeugs der Figur 12;
- Figur 14
- schematisch eine Weiterbildung eines Verbundwerkzeugs der Figur 5 mit in den Stempel
integrierter Stempelankonstruktion, die für die Herstellung des Karosseriebauteils
mit einem Niederhalter zusammenwirkt;
- Figur 15A
- ein herzustellendes flächiges Blechbauteil in Form einer Dachbeplankung für ein Kraftfahrzeug;
- Figur 15B
- ein herzustellendes flächiges Blechbauteil in Form eines Türaußenblechs für eine Kraftfahrzeugtür;
- Figuren 16A-16B
- schematisch aus dem Stand der Technik bekannte Folgen für das Ziehen, Beschneiden
und Abkanten an einem Karosseriebauteil;
- Figuren 17A-17C
- in unterschiedlichen Phasen eine übliche Kombination aus Beschneiden und Abkanten
an einem zuvor in einem separaten Ziehwerkzeug gezogenen Karosseriebauteils;
- Figur 18
- ein Karosseriebauteil mit Fertigbeschnitt- und Abkantbereichen;
- Figuren 18A-18B
- ausschnittsweise eine Weiterbildung eines Verbundwerkzeugs der Figuren 5 und 6A bis
6G unter Veranschaulichung unterschiedlicher Schneidkantenabschnitte für eine Schneidleiste
zur Herstellung des Karosseriebauteils der Figur 18;
- Figur 19
- ausschnittsweise eine Ausführungsvariante einer Schneidleiste in einem Verbundwerkzeug
entsprechend der Figuren 18A und 18B in Schrägansicht von unten;
- Figur 20
- die Kontur eines mit der Schneidleiste der Figur 19 zusammenwirkenden Gegenhalters
in Draufsicht.
[0049] Die Figur 15A zeigt ein Karosseriebauteil K in Form einer PKW-Dachbeplankung mit
einem umlaufenden abgekanteten Bord. Die Figur 15B zeigt ein Karosseriebauteil K in
Form eines Türaußenblechs für eine Kraftfahrzeugtür mit einer Griffmulde M in hierin
ausgebildeten Löchern L1 und L2 für die Anbringung eines Türgriffs. Details A und
B in der Figur 15B zeigen im Schnitt die Gestaltung der unterschiedlichen Ränder des
Türaußenblechs einschließlich der Flansche. Die konventionelle Operationsfolge bei
der Herstellung solcher Blechbauteile der Figuren 15A und 15B besteht aus Ziehen,
Schneiden und Abkanten in typischerweise vier Werkzeugen sowie ggf. ergänzend - im
Fall der Türaußenblechs - aus Verprägen und Lochen. Alle Beschnittkantenbereiche liegen
mehr oder weniger senkrecht zur Arbeitsrichtung der zu nutzenden Pressenvorrichtung.
Die abgekanteten Bereiche sind frei von Hinterschnitten.
[0050] Mit den Figuren 1 bis 14 sind unterschiedliche Varianten veranschaulicht, um ein
flächiges Karosserieteil K oder ein abgewandeltes Karosserieteil K aus einem (Blech-)
Rohling K' in Form einer ebenen Einzelplatine herzustellen.
[0051] Die Varianten der Figuren 1, 1A, und 2A bis 2F einerseits sowie der Figuren 3 und
4A bis 4E andererseits schlagen Ziehen und Komplettbeschnitt in einem (Gesamt-) Verbundwerkzeug
W vor. Das Abkanten erfolgt in einem separaten Werkzeug.
[0052] Die Variante der Figuren 5 und 6A bis 6G schlägt Ziehen, Komplettbeschnitt und umlaufendes
Abkanten in einem weitergebildeten (Gesamt-) Verbundwerkzeug W vor, d.h. der gesamte
Herstellungsprozess des Karosseriebauteils K erfolgt in dem Verbundwerkzeug W. Eine
mögliche Weiterbildung zielt auf geringfügig abweichende Bauteilgeometrien mit ausgestellten
Flanschen KF entsprechend der Figur 8 ab. Sie umfasst Ziehen, Komplettbeschnitt, Abkanten
und Nachformen in einem Werkzeug. Dabei bezieht sich das Nachformen auf die Einstellung
der Flanschwinkel im geschlossenen Werkzeug, wodurch eine gezielte Kompensation der
elastischen Winkelauffederungen beim Öffnen des Werkzeugs erreicht wird.
[0053] Die Variante der Figuren 10A und 10B schlägt Ziehen, Komplettbeschnitt, Abkanten
und Prägen in einem Verbundwerkzeug W vor, wobei ausgestellte Flanschbereiche KF Verprägungen
P aufweisen (vgl. Figur 9). Die Prägeoperation kann gleichzeitig zur Einstellung der
Flanschwinkel (Auffederungskompensation) genutzt werden.
[0054] Die Figur 11 veranschaulicht die Herstellung mehrfach gestufter Borde mittels des
Verbundwerkzeugs W.
[0055] Ein in den Figuren 12 und 13A bis 13G dargestelltes Verbundwerkzeug W und damit umgesetztes
Verfahren sieht Ziehen, Komplettbeschnitt, Abkanten, Prägen und Lochen vor, z.B. für
die Herstellung eines Türaußenblechs der Figur 15B. Ein Abkanten erfolgt hier an geraden
und ausgestellten Flanschen. Ein Prägen findet in der Bauteilfläche statt; kann alternativ
oder ergänzend aber (auch) im Bereich des Flansches erfolgen.
[0056] Bei der Variante der Figuren 1, 1A, und 2A bis 2F umfasst das Verbundwerkzeug W eine
Oberstruktur O mit einer mehrteiligen Matrize 1 und einer Unterstruktur U mit einem
Stempel 2 und einem hierzu verstellbaren Blechhalter 3. Das Verbundwerkzeug W ist
vorliegend an einer Presse gerüstet, wobei die Oberstruktur O an einem (Pressen-)
Stößel 7 der Presse und die Unterstruktur U an einem (Pressen-) Tisch 6 der Presse
befestigt sind. Die vorliegend zweiteilig ausgeführte Matrize 1 weist eine innere
Matrize 1A und eine äußere Matrize 1B auf. Die innere und die äußere Matrize 1A, 1B
sind relativ zueinander beweglich. Die äußere Matrize 1B umschließt die innere Matrize
1A zumindest bereichsweise.
[0057] Die innere Matrize 1A und die äußere Matrize 1B sind an einem Oberteil 5 der Oberstruktur
O über (Oberluft-) Bolzen Bo verstellbar gelagert. Diese Bolzen Bo ragen durch Durchgangsöffnungen
50 des Oberteils 5 und damit fluchtende Durchgangsöffnungen 70 eines Stößels 7 der
Presse der oberhalb des Oberteils 5 angeordnet ist und an dem das Oberteil 5 festgelegt
ist. Im Bereich der äußeren Matrize 1B ist an dem Oberteil 5 mindestens ein Distanzstück
Z vorgesehen. Über dieses Distanzstück Z kann das Oberteil 5 auf die äußere Matrize
1B bei einem Pressenhub entlang einer Verstellrichtung Vu einwirken und eine Verstellbewegung
der inneren und äußeren Matrizen 1A, 1B relativ zueinander verursachen.
[0058] Der inneren Matrize 1A liegt der Stempel 2 der Unterstruktur U gegenüber, der unbeweglich
an einem Unterteil 4 der Unterstruktur U festgelegt ist. Das Unterteil 4 ruht wiederum
auf dem Tisch 6 der Presse Der Stempel 2 bildet eine Stempelfläche 20 aus. Diese Stempelfläche
20 liegt einer Matrizenfläche 10A der inneren Matrize 1A gegenüber.
[0059] Angrenzend an die äußere Matrize 1B bildet die innere Matrize 1A randseitig einen
Biegesteg 11A aus. Dieser Biegesteg 11A steht in Richtung des Stempels 2 vor und korrespondiert
mit einer randseitigen Aussparung 21 an dem Stempel 2. Beim Pressen der Matrize 1
und des Stempels 2 aneinander über die Annäherung der Oberstruktur O an die Unterstruktur
U wird über den Biegesteg 11A der inneren Matrize 1A und die Aussparung 21 des Stempels
2 ein umgebogener Randabschnitt Ka an dem Karosseriebauteil K gebildet.
[0060] Diese Randabschnitt Ka entsteht an einer Trennkante, an der ein Abfallstück A von
dem Rohling K' durch Scherschneiden abgetrennt wird. Hierfür bildet die äußere Matrize
1B eine Schneidkante 11B aus und wirkt mit einem Blechhalter 3 der Unterstruktur U
zusammen. Der Blechhalter 3 ist hierbei translatorisch verstellbar an der Unterstruktur
U gelagert und bildet eine Blechhalterfläche 30 aus, auf der das abzutrennende Abfallstück
A des Rohlings K' aufgelegt wird. Die Stempelfläche 20 definiert hierbei zusammen
mit der Matrizenfläche 10A der inneren Matrize 1A, der Blechhalterfläche 30 und einer
gegenüberliegenden Matrizenfläche 10B der äußeren Matrize 1B einen Zwischenraum R
zwischen dem Stempel 2, Blechhalter 3 und der zweiteilig ausgeführten Matrize 1. In
diesen Zwischenraum R ist der Rohling K' einzulegen, um hieraus dann in einem Pressenhub
das Karosseriebauteil K auszuformen und zu beschneiden. Zwischen der Blechhalterfläche
30 und der gegenüberliegenden Matrizenfläche 10B der äußeren Matrize 1B wird hierbei
das Abfallstück A eingepresst und sicher gehalten.
[0061] Für die Fixierung des Abfallstücks A insbesondere während das Abtrennens desselben
von dem Rest des Rohlings K' bilden der Blechhalter 3 und die äußere Matrize 1B Formschlussbereich
in Form einer rillenartigen Vertiefung 32 und eines Vorsprungs 12B aus.
[0062] Der Pressenhub und damit die Bearbeitung des (Blech-) Rohlings K' vollzieht sich
an dem dargestellten Verbundwerkzeug W in 8 Phasen, die anhand der Figuren 2A bis
2F veranschaulicht sind.
[0063] Zunächst ist das Verbundwerkzeug W geöffnet, d.h., der Zwischenraum R ist zugänglich
und der Blechhalter 3 ist in eine angehobene Einlegeposition in Richtung auf die äußere
Matrize 1B verstellt. Die Verstellung des Blechhalters 3 entlang einer Verstellrichtung
Vo wird hierbei über (Unterluft-) Bolzen Bu gesteuert. Befindet sich der Blechhalter
3 in seiner Einlege- oder Ausgangsposition liegt die Blechhalterfläche 30 in etwa
auf dem Niveau des höchsten Punkts der Stempelfläche 20. Die innere Matrize 1A und
die äußere Matrize 1B, gesteuert über die (Oberluft-) Bolzen Bo sind so weit zurückgefahren,
dass Rohling K' eingelegt werden kann und auf der Blechhalterfläche 30 zum Liegen
kommt (Figur 2A).
[0064] Anschließend fahren die innere Matrize 1A und die äußere Matrize 1B gemeinsam mit
dem Oberteil 5 herab. Dabei bleibt eine Fläche 110A am äußersten vorstehenden Ende
des Biegestegs 11A versatzfrei auf einer Höhe mit der Matrizenfläche 10B der äußeren
Matrize (vgl. Figur 1A). Über die Formschlussbereiche 12B und 32 an der äußeren Matrize
1B und dem Blechhalter 3 werden Zieh- oder Sperrsicken oder Klemmstufen zur Materialflusskontrolle
am Rohling K' ausgeformt. Der das spätere Abfallstück A umfassende Rand des Rohlings
K' wird zwischen der Blechhalterhalterfläche 30 und der Matrizenfläche 10B der äußeren
Matrize 1B geklemmt (Figur 2B).
[0065] Die durch die Bolzen Bo definierte Kraft des Oberluftkissens (Stößelkissens) ist
größer als die durch die Bolzen Bu definierte Kraft des Unterluftkissens (Tischziehkissens).
In der Folge verdrängt die äußere Matrize 1B mit fortschreitendem Hub, d.h., bei weiterer
Annäherung der Oberstruktur O entlang der Verstellrichtung Vu an die Unterstruktur
U, das Unterluftkissen. Der Ziehvorgang beginnt. Der Rohling K' spannt sich über den
Stempel 2. Dabei bleiben die Flächen 110A und 10B der inneren und äußeren Matrizen
1A, 1B weiterhin auf gleichem Niveau, da sie sich über die Reihe Bolzen Bo jeweils
gegen das gemeinsame Oberluftkissen abstützen (Figur 2C).
[0066] Sitzt die innere Matrize 1A auf dem Stempel 2 auf, ist das Karosseriebauteil K ausgeformt
und der Ziehvorgang abgeschlossen. Mit fortschreitendem Pressenhub werden die Oberluftbolzen
Bo über die innere Matrize 1A in den (Pressen-) Stößel 7 verdrängt. Dabei fahren die
Oberluftbolzen Bo hinter der äußeren Matrize 1B leer zurück. Die innere Matrize 1A,
die äußere Matrize 1B und der Blechhalter 3 kommen kurzzeitig zum Stehen, bis die
äußere Matrize 1B auf dem mindestens einen Distanzstück Z aufsitzt (Figur 2D).
[0067] Schreitet der Pressenhub kontinuierlich weiter fort, steht die innere Matrize 1A
weiterhin still, während die innere Matrize 1A die an ihr angreifenden Oberluftbolzen
Bo weiter verdrängt. Die äußere Matrize 1B stützt sich demgegenüber über das mindestens
eine Distanzstück Z gegen das Oberteil 5 und den Pressenstößel 7 ab. Hierdurch bewegt
sich die äußere Matrize 1B unter Verdrängung des Blechhalters 7 weiter abwärts in
Verstellrichtung Vu, und zwar relativ zu der inneren Matrize 1A. Es kommt somit erstmalig
zu einer Relativbewegung zwischen innerer und äußerer Matrize 1A, 1B. Der Schneidprozess
beginnt.
[0068] Die innere Matrize 1A fixiert das Karosseriebauteil K auf dem Stempel 2 und nimmt
dadurch die Funktion eines Schneidniederhalters ein. Der Stempel 2 hat nun die Funktion
eines Schneidaufsatzes. Die Schneidkante 11B der äußeren Matrize 1B übernimmt die
Funktion eines Schneidmessers. Die Schneidkante 11B taucht scherend in den Blechwerkstoff
ein, bis es zum Durchbrechen kommt. Ein Schneidspalt s wird hierbei bestimmt durch
einen horizontalen Versatz zwischen Stempel 2 und äußerer Matrize 1B (Fig. 1A). Der
Schneidvorgang ist damit abgeschlossen. Ein durch das Abfallstück A definierter Ziehrand
ist vom Karosseriebauteil K abgetrennt (Figur 2E).
[0069] Nach Erreichen des unteren Totpunkts fährt die Oberstruktur O mit dem Pressenstößel
7 und dem Oberteil 5 nach oben (in Verstellrichtung Vo) und nimmt die innere und äußere
Matrize 1A, 1B mit. Dabei ist es gleichgültig, ob die Oberluft in dieser Phase mit
Druck beaufschlagt oder drucklos ist. Nun können das Karosseriebauteil K und das Abfallstück
A entnommen werden. Dies kann gleichzeitig oder nacheinander, manuell oder mechanisiert,
z.B. durch Roboter-Saugerspinnen, erfolgen. Von Vorteil für die Entnahme ist, dass
das abgeschnittene Abfallstück auf einem Niveau unterhalb der Trennkante des Karosseriebauteils
zu liegen kommt (vgl. Figur 2E).
[0070] Vorzugsweise fährt die Unterluft mit dem Blechhalter 3 erst nach der Entnahme des
Karosseriebauteils K und des Abfallstücks A wieder nach oben, um eine Kollision des
Schrotts mit dem Karosseriebauteil K zu verhindern. Nach Erreichen der Einlegeposition
(Ausgangsposition) des Blechhalters 3 kann ein neuer Rohling K' in Form einer einzelnen
ebenen Platine eingelegt werden.
[0071] Die vorstehend erläuterte Verfahrensweise kann in Abweichung von den beigefügten
Figuren z.B. auch dahingehend variiert werden, dass
- Stempel 2 und Blechhalter 3 in der Oberstruktur O und innere und äußere Matrize 1A,
1B in der Unterstruktur U angeordnet sind,
- anstatt von Ober- und/oder Unterluft (gesteuerte) Gasdruckfedern oder andere geeignete
Federelemente eingesetzt werden, und/oder
- abweichend vom dargestellten Ablauf nicht der Stempel 2 stillsteht, sondern ein beliebiges
anderes Werkzeugelement des Verbundwerkzeugs W, während sich die anderen Werkzeugelemente
entsprechend relativ dazu bewegen, unabhängig von der dazu erforderlichen werkzeug-
oder pressenseitigen Antriebstechnik.
[0072] Die Figuren 3 und 4A bis 4E zeigen ein weiteres Ausführungsbeispiel des Verbundwerkzeugs
W. Der Verfahrensablauf ist prinzipiell mit denjenigen des Ausführungsbeispiels der
Figuren 1, 1A und 2A bis 2F identisch. Die Variante der Figuren 3 und 4A bis 4E unterscheidet
sich von der zuvor erläuterten Variante im Wesentlichen in folgenden Punkten:
- 1. Insbesondere bei flächigen Außenhautteilen, wie PKW-Dächern, kann es erforderlich
sein, dem (Zieh-) Stempel einen sogenannten Anbau zuzufügen. Der Anbau am seitlichen
Rand des Stempels 2 ist vorliegend einstückig mit dem Stempel 2 ausgebildet und definiert
an der Ansparung 21 zwei zueinander versetzte Stufen 21a und 21b. Der Anbau ermöglicht
derart eine vergrößerte Ziehtiefe und eine offene Gestaltung der Zarge. Dadurch wird
eine verbesserte Ausreckung des Karosseriebauteils K bis in seine Mitte hinein erzielt.
Wird ein solcher Anbau eingesetzt, erfolgt der Beschnitt nicht in der Trennebene von
Stempel 2 und Blechhalter 3 wie in der Variante der Figuren 1, 1A und 2A bis 2F, sondern
auf der durch den Anbau definierten und seitlich gegenüber der inneren Matrize 1A
vorstehenden Stufe 21b. Der Anbau fungiert gleichzeitig als Beschnittbank.
- 2. Die äußere Matrize 1B ist fest mit dem Oberteil 5 verbunden und damit hieran nicht
verstellbar gelagert. Die innere Matrize 1A stützt sich über Gasdruckfedern Go oder
andere Federelemente gegen das Oberteil 5. Nach Abschluss des Ziehvorgangs werden
die Federelemente, hier in Form der Gasdruckfedern Go, verdrängt. Eine Variante mit
Gasdruckfedern Go ist dabei z.B. besonders geeignet für den Einsatz auf Pressen, die
über keine Oberluft verfügen.
- 3. Das eigentliche Schneidelement ist als separate Schneide 9 in Form einer Schneidleiste
ausgeführt, hier mit Freiwinkeln dargestellt. Anstelle der Schneidkante 11B ist an
der äußeren Matrize 1B eine Rundung 13B vorgesehen. Die Schneide 9 ist an einer als
Montagehalterung fungierenden Aussparung 19B der äußeren Matrize 1B montiert. Das
Vorsehen einer separaten Schneide 9 ermöglicht eine einfachere Anpassung des Schneidspalts
und des Schneidüberlaufs, sowie eine gesonderte Werkstoffwahl, Bearbeitung, Wärmebehandlung
oder Beschichtung der schneidenden Elemente im Vergleich zur Ausbildung der Schneide
an der äußeren Matrize 1B. Durch entsprechende Gestaltung der Schneidleisten kann
statt dem vollkantigen Schneiden ein schälendes oder kreuzendes Schneiden erfolgen.
Dadurch werden die Schneidkräfte und der Schnittschlag beim Durchbrechen deutlich
reduziert. Selbstredend kann auch der Stempel 2 mit einer Schneide, insbesondere in
Form von Schneidleisten, ausgestattet und/oder mit einem Freiwinkel versehen sein.
- 4. In dieser Ausführung kann die Schneide 9 im Übrigen auch bis zum Ende des Ziehens
gegenüber der inneren Matrize 1A zurückstehen, ohne das Ziehergebnis zu beeinträchtigen.
[0073] Die die Varianten der Figuren 1, 1A und 2A bis 2F und der Figuren 3 und 4A bis 4E
sind auch miteinander kombinierbar. So kann ein Verbundwerkzeug W gemäß Variante der
Figuren 1, 1A und 2A bis 2F
- ebenfalls mit Schneidleisten bestückt sein, und/oder
- Gasdruckfedern anstatt Tischkissenbolzen verwenden, und/oder
- Federelemente anstatt Oberluftbolzen verwenden, und/oder
- Freiwinkel an der Schneidkante 11B und/oder Stempel 2 aufweisen
[0074] Die Varianten der Figuren 1, 1A und 2A bis 2F und der Figuren 3 und 4A bis 4E zeigen
die Bauteilherstellung mit angezogenem Bord. Das Anziehen des Bords ist erforderlich,
um die Positionierung des gezogenen und beschnittenen Karosseriebauteils K beim Einlegen
in das nachfolgende Abkantwerkzeug zu gewährleisten. Hierbei kann jedoch die Gefahr
eines sogenannten Kantenaufwurfs bestehen. Der Kantenaufwurf stellt einen Oberflächenfehler
des Bauteils entlang der Abkantlinie dar, der insbesondere am lackierten Fahrzeug
sichtbar ist und daher nicht toleriert werden kann.
[0075] Diese Gefahr ist bei den Variante der Figuren 5 und 6A bis 6G vermieden. Mit dieser
Variante ist hierbei das folgende erreichbar:
- Auch das Abkanten wird in das Verbundwerkzeug W integriert. Es werden gegenüber der
konventionellen Fertigungsfolge der Dachbeplankung zwei Werkzeuge eingespart.
- Auf das Anziehen des Bords als Positionierhilfe für ein separates Abkantwerkzeug kann
dadurch verzichtet werden. Das Risiko des Kantenaufwurfs entfällt.
- Der schlanke nasenartig vorstehende Biegesteg 11A an der inneren Matrize 1A zum Anziehen
des Bords entfällt. Das Verbundwerkzeug W wird dadurch robuster.
- Es kann ein Niederhalter 1C an der Oberstruktur O eingesetzt werden, wenn dies vorteilhaft
für den Prozess des Schneidens ist.
- Es kann ein Gegenhalter 8 an der Unterstruktur U eingesetzt werden, wenn dies vorteilhaft
für den Prozess des Abkantens ist.
- Der Abstand zwischen Karosseriebauteil K und Abfallstück A am Ende des Pressenhubs
ist größer als bei den Varianten der Figuren 1, 1A und 2A bis 2F und der Figuren 3
und 4A bis 4E, was eine kontrollierte Entnahme und Separierung von Karosseriebauteil
K und Abfallstück A erleichtert.
[0076] Der Verfahrensablauf für die Herstellung des Karosseriebauteils K gliedert sich hier
in sieben Phasen, dargestellt an einem Werkzeugaufbau mit Gegenhalter 8 und Niederhalter
1C entsprechend den Figuren 6A bis 6G. Diese beiden Elemente sind nicht zwingend erforderlich,
können aber bauteilabhängig die Qualität und die Prozesssicherheit verbessern. Vorliegend
ist der Gegenhalter 8 über ein Federelement in Form einer Gasdruckfeder Gu an dem
Unterteil 4 abgestützt und in Richtung auf das Oberteil 5 vorgespannt. Der Gegenhalter
8 liegt der Schneide 9 der Oberstruktur O gegenüber und ist zwischen dem Stempel 2
und einer Stempelankonstruktion 2B angeordnet. Die Stempelankonstruktion 2B ist zwischen
dem Blechhalter 3 und einem Einführbereich E für die Schneide 9 der ersten Struktur
O angeordnet. Der Niederhalter 1C ist wiederum der Stempelankonstruktion 2B gegenüberliegend
angeordnet und befindet sich zwischen der Schneide 9 und der äußeren Matrize 1B.
[0077] Zunächst ist das Verbundwerkzeug W geöffnet. Die innere Matrize 1A und der Niederhalter
1C stützen sich auf den ausgefahren Bolzen Bo des Stößelkissens ab. Der Gegenhalter
8 und der Blechhalter 3 befinden sich jeweils in einer angehobenen Einlege- oder Ausgangsposition.
Der Rohling K' wird eingelegt (Figur 6A).
[0078] Der Stößel 7 mit dem Oberteil 5 fährt nach unten. Die äußere Matrize 1B sitzt auf
dem Blechhalter 3 auf. Die Sicken am Abfallstück A werden ausgeformt und der Platinenrand
des Rohlings K' zwischen Blechhalter 3 und äußerer Matrize 1B geklemmt (Figur 6B).
[0079] In der weiteren Abwärtsbewegung wird das Blech über den Stempel 2 gespannt und dabei
umgeformt. Der Ziehvorgang ist abgeschlossen, wenn die innere Matrize 1A und der Niederhalter
1C auf dem Blech bzw. dem Karosseriebauteil K aufsitzen. Ein Bereich des Abfallstücks
A liegt dann auf einer Klemmfläche 20B der Stempelankonstruktion 2B auf und ist zwischen
den Niederhalter 1C und der Stempelankonstruktion 2B geklemmt, während ein randnäherer
Bereich des Abfallstücks A zwischen der äußeren Matrize 1B und dem Blechhalter 3 fixiert
ist (Figur 6C).
[0080] Optional kann die Unterluft drucklos geschaltet werden. Das freie Absenken des Blechhalters
3 gibt die Sicke frei. Dadurch kann das Karosseriebauteil K um einen gewissen Betrag
elastisch zurückfedern. In der Folge wird das Karosseriebauteil K unter geringerer
Spannung beschnitten, was sich u.U. positiv auf seine Qualität und Maßhaltigkeit auswirkt.
[0081] Während sich der Pressenstößel 7 und damit die Oberstruktur O mit dem Oberteil 5
weiter senkt, verdrängen die innere Matrize 1A und der Niederhalter 1C das Stößelkissen.
Die Schneide 9 des Schneidmessers kommt zum Eingriff mit dem Rohling K' und führt
den Beschnitt aus. Abweichend von der vereinfachten Darstellung können Stempelankonstruktion
2B und Schneide 9 mit Freiwinkeln zum Schneiden versehen sein. Der Bord wird zunächst
um einen gewissen Winkel frei abgebogen, bis der Gegenhalter 8 zu wirken beginnt.
Ab hier wirkt das Schneidmesser mit der Schneide 9 als Abkantleiste. Dazu ist das
Schneidmesser an seiner dem Stempel 2 zugewandten Kante vorzugsweise mit einem Radius
versehen (nicht dargestellt). Gleichzeitig wird der Blechhalter 3 kontinuierlich weiter
gegen das Tischkissen verdrängt (Figur 6D).
[0082] Im weiteren Verlauf setzt das Schneidmesser mit der Schneide 9 auf dem Gegenhalter
8 der Unterstruktur U auf. Das Karosserieteil K wird zwischen Schneide 9 und Gegenhalter
8 unter Druck geklemmt. In der weiteren Abwärtsbewegung wird das Blech des Karosserieteils
K zwischen diesen beiden Elementen 8, 9 kontrolliert herausgezogen und sukzessive
zum Bord umgeformt. Gleichzeitig werden Ober- und Unterluft weiter verdrängt. Durch
die fortgesetzte Bewegung von Blechhalter 3 und äußerer Matrize 1B wird das Abfallstück
weiter nach außen gezogen und räumlich vom Karosserieteil K getrennt. Wird kein Gegenhalter
8 eingesetzt, erfolgt in dieser Phase ein freies Abkanten des Bords (Figur 6E).
[0083] Erreicht das Verbundwerkzeug W seinen unteren Totpunkt und sind damit die Oberstruktur
O und die Unterstruktur U entlang der Verstellrichtung Vu einander maximal angenähert,
ist das Verbundwerkzeug W vollständig geschlossen. Der Bord ist vollständig ausgeformt
(Figur 6F).
[0084] Im Anschluss fährt die Oberstruktur O entlang der entgegengesetzten Verstellrichtung
Vo in ihre Ausgangsstellung. Nacheinander wird das Schneidmesser mit der Schneide
9 zurückgezogen. Die innere Matrize 1A und der Niederhalter 1C geben das Karosseriebauteil
K frei. Das Karosseriebauteil K und das Abfallstück A können entnommen werden. Vorteilhafter
Weise verharrt der Blechhalter 3 zunächst noch in seiner unteren Position, d.h. in
der dargestellten Bauweise fährt die Unterluft erst verzögert hoch. Dadurch kann das
Abfallstück A aus seiner stabilen Lage auf dem Blechhalter 3 und der Stempelankonstruktion
2B gegriffen werden. Auch der Gegenhalter 8 sollte erst verzögert hochgefahren werden,
um eine Deformation des Bords zu verhindern. Dies ist in der dargestellten Bauweise
mit einer gesteuerten Gasdruckfeder Gu realisiert (Figur 6G).
[0085] In einer möglichen Weiterbildung des Verbundwerkzeugs W, die in der Figur 7 dargestellt
ist, weist der Stempel 2 im Bereich des abgekanteten Abschnitts Ka des Karosseriebauteil
K (der den abgekanteten Bord bildet) einen definierten Hinterschnittwinkel α auf.
Eine Seitenwand 22 des Stempels 2 springt hier somit gegenüber der inneren Matrize
1A um den Hinterschnittwinkel α zurück. In Verbindung mit entsprechender Gestaltung
des Stempelkantenradius, zusätzlicher Komplementärflächen an der Schneide 9 und/oder
der inneren Matrize 1A sowie einer präzisen Einarbeitung der Druckverhältnisse im
Verbundwerkzeug W kann ein gezieltes Überbiegen des Bords im geschlossenen Werkzeug
erreicht werden. Nach der elastischen Auffederung beim Öffnen des Verbundwerkzeugs
W nimmt der Bord dann die geforderte Winkelstellung ein.
[0086] In der vergrößerten Darstellung der Figur 7 ist ferner die gegenüber der Horizontalen
um einen Winkel β geneigte Halterfläche 80 des Gegenhalters 8 veranschaulicht. Die
geneigte Haltefläche 80 unterstützt dabei das kontrollierte Herausziehen des Karosserieteils
K zwischen dem Gegenhalter 8 und der Schneide 9.
[0087] Ein weiteres Ausführungsbeispiel bezieht sich auf die Herstellung von Blechbauteilen
mit einem sich an den abgekanteten Bord zumindest bereichsweise anschließenden und
beispielsweise zungenförmigen Flansch KF, der z.B. die Funktion eines Fügeflanschs
erfüllt und sich überwiegend senkrecht zur Arbeitsrichtung der Presse erstreckt. Ein
entsprechendes Karosserieteil K ist exemplarisch in der Figur 8 dargestellt.
[0088] Bei der Herstellung eines solchen Karosserieteil K kommt prinzipiell ein Verbundwerkzeug
W entsprechend der Variante der Figuren 5 und 6A bis 6G zum Einsatz, wobei hier ein
Gegenhalter 8 zwingend erforderlich ist. Da die ausgelegte Bordlänge in den Bereichen
des zusätzlichen Flanschs KF insgesamt größer ist, erfolgt der Beschnitt weiter außen.
Das Schneidmesser mit der Schneide 9 und der Gegenhalter 8 sind um das entsprechende
Maß breiter ausgeführt. Der Gegenhalter 8 setzt im unteren Totpunkt vorzugsweise auf
mindestens einem starren Distanzstück auf, das den Hub des Gegenhalters nach unten
(in Verstellrichtung Vu) begrenzt. Im Unterschied zur Variante der Figuren 5 und 6A
bis 6G ist der Hub bereits dann beendet, wenn zwischen Schneide 9 und Gegenhalter
8 noch eine solches Maß Blech liegt, wie der Breite des Flanschs KF entspricht.
[0089] Von Bedeutung ist hier ferner, dass die Schneide 9 und der Gegenhalter 8 einen positiven
oder negativen Winkel β zur Horizontalen aufweisen können (siehe auch Figur 7). Dieser
Winkel β dient dazu, Flansche KF zu formen, die eine entsprechende Lage im Verbundwerkzeug
W aufweisen. In bevorzugter Weise ist der Winkel β so dimensioniert, dass er die elastische
Auffederung des Flansches beim Öffnen des Verbundwerkzeugs W durch gezielte Überbiegung
kompensiert.
[0090] Oftmals besitzen Fügeflansche an einem Blechbauteil zusätzliche Abstufungen bzw.
Verprägungen P oder dergleichen auf, wie in Figur 9 beispielhaft gezeigt ist. Um diese
Verprägungen P auszuformen, ist eine Prägeoperation erforderlich. Dies kann mit einer
Ausgestaltungsvariante des Verbundwerkzeugs W realisiert werden, wie sie in der Figuren
10A und 10B dargestellt ist. Dabei übernimmt das Schneidmesser mit der Schneide 9
und ihrer Schneidleiste auch die Funktion einer Abkantleiste sowie zuletzt einer Formleiste
zum Prägen.
[0091] In dieser Variante erfolgt zunächst ein Ziehen und Beschneiden entsprechend der Variante
der Figuren 5 und 6A bis 6G. Der Niederhalter 1C der Oberstruktur O ist wiederum optional.
Beim Vorgang des Abkantens wird der Materialfluss vorzugsweise durch einen Gegenhalter
8 kontrolliert, um eine fehlerfreie Formgebung zu gewährleisten. Das Verbundwerkzeug
W und der hiermit zu realisierende Herstellungsprozess sind so abgestimmt, dass die
Beschnitt- bzw. Trennkante des Blechs kurz vor Erreichen des unteren Totpunkts den
Gegenhalter 8 verlässt. Der Stempelumriss entspricht damit weitgehend der Kontur des
fertigen Karosserieteils K.
[0092] Abweichend von der Variante der Figuren 5 und 6A bis 6G weisen der Stempel 2 und
die Schneide 9 einander gegenüberliegende und zueinander komplementäre Formflächen
auf, die der Geometrie des ausgestellten Bords am Karosserieteil K entsprechen. Dementsprechend
weist die einem ersten Schneidenabschnitt 90a gegenüberliegende Formfläche 210 der
Aussparung 21 an dem Stempel 2 Stufen zur Erzeugung der Verprägungen P auf. Hingegen
ist die Halterfläche 80 des Gegenhalters 8 sowie die dieser Halterfläche 80 gegenüberliegende,
komplementäre Fläche eines zweiten Schneidenabschnitts 90b, die unter einem stumpfen
Winkel zu der Fläche des ersten Schneidenabschnitts 90a verläuft, weitestgehend eben
(Figur 10B). Hat das Blech des Karosserieteils K den Gegenhalter 8 verlassen, liegt
es nunmehr zwischen den (Form-) Flächen des Stempels 2 und der Schneide 9. Auf einem
verbleibendem Hub bis zum unteren Totpunkt, der lediglich der Höhe der Verprägungen
P oder wenig mehr entspricht, erfolgt die Ausformung der Verprägungen P.
[0093] Der Bereich zwischen der Schneide 9 und dem Stempel 2 ist wiederum in vorteilhafter
Weise um den Winkel β (vgl. Fig. 7) gegenüber der Horizontalen angestellt, um entsprechende
Lagen des ausgestellten Bords zu formen oder gezielte Überbiegungen einzubringen.
[0094] Wie in der Schnittdarstellung der Figur 11 dargestellt ist, ist auch die Herstellung
mehrfach gestufter Borde mit einem Verbundwerkzeug W möglich. In einer Weiterbildung
gemäß Figur 11 sind hierfür beispielsweise benachbarte Schneidenabschnitte 90a, 90b
der Schneide 9 gestuft ausgeführt, so dass ein Schneidenabschnitt 90b gegenüber dem
anderen Schneidenabschnitt 90a in Verstellrichtung Vu vorsteht. Der der Schneide 9
gegenüberliegende Gegenhalter 8 weist dementsprechend eine zu den Schneidenabschnitte
90a, 90b komplementär gestufte Halterfläche 80 aus, sodass ein zwischen der Schneide
9 und dem Gegenhalter 8 am Ende des Pressenhubes geformter Bord mehrfach gestuft ist.
[0095] Eine mit den Figuren 12 und 13A bis 13G dargestellte Variante eines Verbundwerkzeugs
W basiert auf der Ausführungsvariante der Figuren 5 und 6A bis 6G und sieht während
des Schneidens und Abkantens im Randbereich die Ausformung einer muldenförmigen Verprägung
in der Bauteilfläche mittels eines (Präge-) Einsatzes 16 an der Oberstruktur O vor.
Der Einsatz 16 ist hierbei - relativ zu der inneren Matrize 1A - elastisch verstellbar
an dem Oberteil 5 gelagert. Die elastische Lagerung ist über mehrere Federelement
F1, F2 realisiert, über die sich der Einsatz 16 an dem Oberteil 5 abstützt. Die Herstellung
der Verprägung an dem Karosserieteil - hier z.B. in Form einer Griffmulde M entsprechende
der Figur 15B - wird dabei ebenfalls im Pressenhub realisiert und ohne zusätzliche
Verstellantriebe bewerkstelligt. Dem Einsatz 16 liegt hierfür eine in der Stempelfläche
20 ausgebildete Prägemulde 201 des Stempels 2 gegenüber. In diese Prägemulde 201 kann
der Einsatz 16 beim Pressen der inneren Matrize 1A und des Stempels 2 gegeneinander
eintauchen.
[0096] Um nach der Ausformung der muldenförmigen Verprägung M an dem Blechrohling K' in
einer ersten Verstellphase in der Verprägung M noch ein Loch L1 einzubringen, ist
an dem Einsatz 16 ein starr an dem Oberteil 5 fixierter Lochstempel 17 geführt. So
wird der Einsatz 16 nach der Ausformung der Verprägung M bei weiterer Verstellung
des Oberteils 5 in Verstellung Vu und damit in einer weiteren, zweiten Verstellphase
gegen die Federelemente F1, F2 im Oberteil 5 verdrängt. Der Lochstempel 17 kommt zum
Eingriff und locht bei der weiteren Verstellung das Karosseriebauteil K, wobei der
Einsatz 16 die Funktion eines Niederhalters übernimmt. Bei der Lochung entstehender
Lochungsabfall LA wird über eine Öffnung in der Prägemulde 201 entsorgt, in die der
Lochstempel 17 eintaucht und die in einen Schrottkanal 2010 mündet.
[0097] Üblicherweise ist es nicht sinnvoll, Verprägungen in der Art der Griffmulde M in
einer Ziehstufe mittels einer entsprechend konturierten Matrize und einem entsprechend
konturierten Stempel einzubringen. Unruhen, Welligkeiten, Kantenaufwürfe, Flach- oder
Einfallstellen an oder um die Griffmulde M, die intolerable Oberflächenfehler des
Karosserieteils darstellen, sind häufig die Folge. Daher werden derartige Verprägungen
oft in Folgeoperationen mit verschiedenen Niederhalter- und Formeinsätzen ausgeformt.
[0098] Die vorgeschlagene Ausführungsvariante der Figuren 12 und 13A bis 13G erleichtert
demgegenüber die Erreichung einer Bauteiloberfläche hoher Güte, da während der Ausformung
der Griffmulde M durch den Einsatz 16 der Blechrohling K' noch unter biaxialer Zugspannung
aus dem Ziehen steht und zwischen dem Stempel 2 und der inneren Matrize 1A gehalten
ist. Diese Zugspannung überlagert die Spannungszustände, die durch den Prägevorgang
in und um die Griffmulde M entstehen und mindert den Einfluss der unterschiedlichen
Abwicklungslängen über der Griffmulde M.
[0099] Entgegen der Darstellung in den Figuren 12 und 13A bis 13G können bei abweichenden
Bauteilgeometrien Löcher auch unabhängig von einer Prägefunktion eingebracht werden,
indem der Lochstempel 17 in der inneren Matrize 1A geführt ist. Hierbei übernimmt
dann die innere Matrize 1A in der zweiten Verstellphase für die Lochung die Funktion
eines Niederhalters. Es ist im Übrigen leicht ersichtlich, dass aufgrund der Abstützung
der inneren Matrize 1A gegen die (Oberluft-) Bolzen Bo auch ein Prägen und/oder Lochen
abweichend von der Arbeitsrichtung der Presse möglich ist, wenn entsprechende Antriebe
für die Präge- und/oder Schneidelemente vorgesehen werden.
[0100] Die Figur 14 veranschaulicht ferner schematisch eine Weiterbildung eines Verbundwerkzeugs
W der Figur 5 mit in den Stempel 2 integrierter Stempelankonstruktion 2B. Die Stempelankonstruktion
2B ist hierbei lediglich über den Einführbereich E für die Schneide 9 von der Stempelfläche
20 des Stempels 2, die mit der inneren Matrize 1A zusammenwirkt, getrennt. Die mit
dem separaten Niederhalter 1C des Oberteils 5 zusammenwirkende Stempelankonstruktion
2B ist hier somit nicht wie in den zuvor erläuterten Varianten räumlich von dem Stempel
2 separiert, sondern ein Teil des Stempels 2. Eine Integration der Stempelankonstruktion
2B in den Stempel 2 ist dabei selbstverständlich auch bei den zuvor erläuterten Ausführungsvarianten
möglich.
[0101] Die Figuren 18, 18A und 18B sowie die Figuren 19 und 20 veranschaulichen eine Weiterbildung
eines Verbundwerkzeugs der Figuren 5 und 6A bis 6G.
[0102] Die Figur 18 zeigt hierbei zunächst ein Karosseriebauteil K, das unterschiedliche
Randbereiche I, II und III aufweist. Ein erster Randbereich I ist nach dem Ziehen
und Beschneiden fertig bearbeitet. Hieran angrenzende Randbereiche II werden nach
dem Ziehen und Beschneiden eines ausgelegten Bords Ka einer Abkantung unterzogen.
In den Randbereichen I und II muss daher die bewegliche Schneide 9 entsprechend unterschiedlich
gestaltet sein, wie anhand der Figuren 18A und 18B veranschaulicht ist, die ausschnittsweise
unterschiedlichen Schneidkantenabschnitte 900A, 900B für eine Schneidleiste zur Herstellung
des Karosseriebauteils K der Figur 18 zeigen:
- Im Randbereich I liegt eine Schneidkante 900, die sich an einer Schneidleiste der
Schneide 9 befindet, innen an der inneren Matrize 1A. Der Stempel 2 dient als starre
Gegenschneide.
- Im Randbereich II liegt die Schneidkante 900 außen am Niederhalter 1C. Die Stempelankonstruktion
2B dient als Gegenschneide. Die Schneide 9 erfüllt hier ebenfalls die Funktion einer
Abkantleiste.
[0103] Die Schneidkante 900 der Schneidleiste weist somit erste Schneidkantenabschnitte
900A, zweite Schneidkantenabschnitte 900B und dazwischen liegende Übergangsbereiche
901 auf. Bezogen auf eine von der innere Matrize 1A zu der äußeren Matrize 1B weisende
Richtung liegen hierbei die ersten Schneidkantenabschnitte 900A jeweils innen und
der zweite Schneidkantenabschnitt 900B liegt außen, sodass mit den ersten Schneidkantenabschnitten
900A eine Innenkontur der Schneidkante 900 und dem zweiten Schneidkantenabschnitt
900B eine Außenkontur der Schneidkante 900 definiert sind. 1.
[0104] Zwischen den ersten und zweiten Randbereichen I und II liegt ein Übergangsrandbereich
III. Wie in der Schrägansicht von unten der Schneide 9 in der Figur 19 dargestellt
ist, ist die Schneide 9 hierfür konstruktiv so ausgestaltet, dass in einem Übergangsbereich
901 die Schneidkante 900 von der Innenkontur zur Außenkontur der Schneidleiste verläuft.
Dieser Übergang für eine Beschnittkontur KC impliziert jedoch, dass in dem Bereich
zwischen Stempel 2 und Stempelankonstruktion 2B keine Gegenschneide im (Werkzeug-)
Unterteil 4 wirkt, um eine unkontrollierte Deformation und/oder ein nicht tolerierbares
Abreißen des Blechs zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund ist bei dem dargestellten
Verbundwerkzeug das Folgende vorgesehen:
- 1. Im zweiten Randbereich II der Abkantung ist die Schneide 9 so ausgeführt, dass
ein zweiter Schneidkantenabschnitt 900B gegenüber einem Schneidkantenabschnitt 900A
für einen ersten Randbereich I um ein gewisses Maß vorsteht bzw. vorläuft. Dieses
Maß beträgt je nach Bauteilgeometrie, Prozess, Blechwerkstoff und -dicke z.B. 0,5
mm bis 3,0 mm, insbesondere 0,7 mm bis 1,4 mm. Dadurch wird der Beschnitt im zweiten
Randbereich II zuerst vollzogen.
- 2. Nachdem der Schnitt im zweiten Randbereich II ausgeführt ist, arbeitet sich die
Schnittkante 900 mittels der (mit Höhenversatz ausgebildeten) Übergangsbereiche 901
der Schneide 9 und hier vorgesehene Schneidflächen 9000 schälend über die Übergangsrandbereiche
III zu den ersten Randbereichen I vor. Dabei wird der abzukantende Bord Ka im zweiten
Randbereich II über eine Abkantfläche 902 der Schneide 9 bereits leicht angebogen.
- 3. Anschließend werden die ersten Randbereiche I geschnitten. Im weiten Hub kann der
Abfall in den ersten Randbereichen I nach unten gedrückt werden, während er gleichzeitig
vom Blechhalter 3 nach außen gezogen wird.
[0105] Der zweite die Außenkontur definierende Schneidkantenabschnitt 900B der Schneidkante
900 steht hier somit gegenüber den einen ersten die Innenkontur definierenden Schneidkantenabschnitten
900A vor, sodass beim Pressen der Matrize 1 und des Stempels 2 gegeneinander die Schneide
9 zunächst mittels des zweiten Schneidkantenabschnitts 900B ihrer Schneidkante 900
einen Beschnitt an einem zweiten (nachfolgend abzukantenden) Randbereich II vornimmt,
bevor die Schneide 9 mittels des ersten Schneidkantenabschnitts 900A ihrer Schneidkante
900 einen Beschnitt in den ersten Randbereichen I vornimmt.
[0106] Weiterhin ist vorliegend für den ersten Randbereich I ein zur Schneide 9 zumindest
bereichsweise komplementärer Gegenhalter 8 im (Werkzeug-) Unterteil 4 vorgesehen,
der in der Draufsicht der Figur 20 gezeigt ist. Dieser Gegenhalter 8 steht während
des Beschnitts der zweiten Randbereiche II und der Übergangsrandbereiche III in seiner
oberen Position und wirkt als Gegenmesser im Übergangsrandbereich III. Dadurch wird
ein unkontrolliertes Reißen im Übergangsrandbereich III auf eine minimale Länge begrenzt
oder sogar gänzlich verhindert. Nach erfolgtem Beschnitt in den zweiten Randbereichen
II und den Übergangsrandbereichen III sitzt die Schneide 9 im ersten Randbereich I
auf dem Gegenhalter 8 auf und beginnt, diesen mit fortschreitendem Pressenhub gegen
eine definierte Kraft nach unten (in Verstellrichtung Vu) zu verdrängen.
[0107] Unbeeinflusst ist die Möglichkeit zum Einsatz eines separaten Gegenhalters 8 im Bereich
der Abkantung, wenn dies bauteil- und/oder prozessseitig opportun ist. Dabei können
der Gegenhalter 8 zum Schneiden und der Gegenhalter 8 zum Abkanten bei entsprechender
konstruktiver Ausgestaltung auch einteilig ausgeführt sein und/oder sich gegen dieselben
Druckelemente im Unterteil 4 abstützen.
Wird von vorneherein ein Gegenhalter 8 zum Abkanten im zweiten Randbereich II eingesetzt,
kann auch dessen Kontur im Übergangsrandbereich III als Untermesser ausgeführt sein.
In diesem Fall wird der Beschnitt im ersten Randbereich I vorlaufend ausgeführt und
schält sich anschließend über den Übergangsrandbereich III. Zuletzt wird dann der
zweite Randbereich II geschnitten und abgekantet.
[0108] Die beschriebene Funktion und Werkzeuggestaltung impliziert im Übrigen nicht zwangsläufig
ein vollkantiges Schneiden in den ersten und zweiten Randbereichen I und II. Hier
kann nach Bedarf ebenfalls ein kreuzendes oder schälendes Schneiden vorgesehen werden.
[0109] In einer Ausführungsvariante wird im Übergangsbereich 901 ein Schneideinsatz am Ober-
oder Untermesser vorgesehen. Dessen Schneidkante steht dann z.B. gegenüber denen der
Schneidleiste(n) in den Randbereichen I und II um ein Maß von 0,5 mm bis 3,0 mm vor.
Der Schneideinsatz schneidet den Übergangsrandbereich III ein und wird anschließend
soweit verdrängt, dass sich seine Schneidkante auf demselben Niveau wie die der ersten
und zweiten Randbereiche I und II befindet. Dann kommen die Schneidkantenabschnitte
900A, 900B in den der ersten und zweiten Randbereichen I und II zum Eingriff.
[0110] Die erfindungsgemäße anhand der vorstehend beschriebenen Ausführungsbeispiele exemplarisch
veranschaulichte Lösung kann in mehrfacher Hinsicht Vorteile bieten:
- Durch die Reduzierung der Gesamtzahl der zur Fertigung eines Bauteils erforderlichen
Werkzeuge bzw. Werkzeugstufen kann eine Reduzierung der Betriebsmittelkosten sowie
der Entwicklungs- und Beschaffungszeiten erzielt werden.
- Durch die Verkürzung der Prozessketten können vorhandene Pressen(linien) effizienter
ausgelastet, Rüst- und Wartungskosten minimiert werden.
- Treten Änderungen am Bauteil (z.B. durch den Bauteilentwickler) auf oder sind am Werkzeug
(z.B. zur Kompensation von Rückfederungserscheinungen) erforderlich, sind weniger
Werkzeugwirkflächen zu überarbeiten. Im Gegensatz zur Überarbeitung ganzer Werkzeugsätze
können hierdurch Zeit und Kosten gespart werden.
- Durch die Reduzierung von Handlings-Operationen zwischen einzelnen Werkzeugen wird
die Gefahr verringert, das Bauteil dabei zu deformieren, zu verkratzen oder anderweitig
zu beschädigen.
- Durch die Verkürzung der Prozesskette verringert sich die Gefahr, dass Flitter, Staub,
Oxid- oder andere Partikel in Folgewerkzeuge verschleppt werden, wo sie zu Beschädigungen
der Oberfläche führen. Selbiges gilt für Abdrückungen, die beim Schließen der Werkzeuge
auf der Bauteiloberfläche entstehen können. Durch Integration aller Bearbeitungsschritte
in einem Verbundwerkzeug werden diese Gefahren gänzlich eliminiert.
- Durch die Reduzierung der Werkzeugstufen wird die Gefahr verringert bzw. eliminiert,
dass beim Schließen des Folgewerkzeugs eine Deformation des Bauteils auftritt, infolge
z.B. von nicht prozesssicher kompensierter Rückfederung aus dem voranstehenden Werkzeug.
- Insbesondere bei flachen, schwach konturierten Bauteilen ohne Löcher besteht nach
dem Stand der Technik das Problem, das Bauteil auf dem Folgewerkzeug präzise und verrutschsicher
zu positionieren. Durch die Integration von Folgeoperationen, die nach dem Beschnitt
erfolgen würden, ist dieses Problem obsolet, da ein Umlegen des Bauteils in das Folgewerkzeug
entfällt.
[0111] Die charakteristischen Gestaltungsmerkmale der einzelnen Varianten sind frei miteinander
kombinierbar. Prinzipiell denkbar, aber nicht dargestellt, ist die Integration von
Schieberfunktionen in das Verbundwerkzeug W, mit denen lokale Schneid-, Loch- oder
Formoperationen abweichend von der Arbeitsrichtung der Presse realisiert werden können.
Bezugszeichenliste
[0112]
- 1
- (Zieh-) Matrize / Matrizenbaugruppe
- 10A, 10B
- Matrizenfläche
- 10C
- Klemmfläche
- 110A
- Fläche
- 11A
- Biegesteg
- 11B
- (Schneid-)Kante
- 12B
- Vorsprung (1. Formschlussbereich)
- 13B
- Rundung
- 16
- (Präge-) Einsatz
- 17
- Lochstempel
- 19B
- Aussparung
- 1A
- Innere Matrize
- 1B
- Äußere Matrize
- 1C
- Niederhalter
- 2
- (Zieh-) Stempel
- 20
- Stempelfläche
- 201
- Prägemulde
- 2010
- Schrottkanal
- 20B
- Klemmfläche
- 21
- Aussparung
- 210
- Gestufte Formfläche
- 21a, 21b
- Stufe
- 22
- Rückspringende Seitenwand
- 2B
- Stempelankonstruktion
- 3
- Blechhalter
- 30
- Blechhalterfläche
- 32
- Vertiefung (2. Formschlussbereich)
- 4
- Unterteil
- 40
- Durchgangsöffnung
- 5
- Oberteil
- 50
- Durchgangsöffnung
- 6
- Tisch
- 60
- Durchgangsöffnung
- 7
- Stößel
- 70
- Durchgangsöffnung
- 8
- Gegenhalter
- 80
- Halterfläche
- 9
- Schneide
- 900
- Schneidkante
- 9000
- Schneidfläche
- 900A, 900B
- Schneidkantenabschnitt
- 901
- Übergangsbereich mit Höhenversatz
- 902
- Abkantfläche
- 90a, 90b
- Schneidenabschnitt
- A
- Abfallstück
- Bo, Bu
- Bolzen
- E
- Einführbereich
- F1, F2
- Federelement
- Go, Gu
- Gasdruckfeder
- K
- Karosseriebauteil (Blechbauteil)
- K'
- Rohling
- Ka
- Randabschnitt / Bord
- KB
- Bord
- KC
- Beschnittkontur
- KF
- Flansch
- L1, L2
- Loch
- LA
- Lochungsabfall
- M
- Griffmulde
- O
- Oberstruktur (erste Struktur)
- P
- Verprägung
- R
- Zwischenraum
- s
- Schneidspalt
- U
- Unterstruktur (zweite Struktur)
- Vo, Vu
- Verstellrichtung
- W
- Verbundwerkzeug
- Z
- Distanzstück
- α, β
- Winkel
1. Verbundwerkzeug zur Herstellung eines flächigen Blechbauteils (K), mit einer eine
Ziehmatrize (1) aufweisenden ersten Struktur (O) und einer einen Ziehstempel (2) aufweisenden
zweiten Struktur (U), wobei wenigstens die erste Struktur (O) oder die zweite Struktur
(U) zumindest teilweise translatorisch verstellbar ist und an der zweiten Struktur
(U) zusätzlich zu dem Ziehstempel (2) wenigstens ein relativ zu dem Ziehstempel (2)
translatorisch verstellbarer Blechhalter (3) vorgesehen ist, um die Ziehmatrize (1)
und den Ziehstempel (2) gegeneinander zu pressen und das Blechbauteil (K) aus einem
zwischen der Ziehmatrize (1) und dem Ziehstempel (2) befindlichen und als Einzelplatine
ausgebildeten Blechrohling (K') durch Ziehen auszuformen, wobei der Blechhalter (3)
eingerichtet ist, einen äußeren Rand des zu ziehenden Blechrohlings (K') an dem Blechhalter
(3) zu halten,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Ziehmatrize (1) der ersten Struktur (O) wenigstens zweiteilig, mit einer inneren
Matrize (1A) und einer äußeren Matrize (1B) ausgeführt ist, wobei die innere Matrize
(1A) und die äußere Matrize (1B) an der ersten Struktur (O) relativ zueinander verstellbar
sind, und
- die äußere Matrize (1B) und der relativ zu dem Ziehstempel (2) translatorisch verstellbare
Blechhalter (3) einander gegenüberliegen und eingerichtet sind, beim Pressen der zweiteiligen
Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander zwischen sich ein Abfallstück
(A) des Blechrohlings (K') zu halten, das mit dem Pressen der Ziehmatrize (1) und
des Ziehstempels (2) gegeneinander an dem äußeren Rand des gezogenen Blechrohlings
(K') abgetrennt wird.
2. Verbundwerkzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Struktur (O) und die zweite Struktur (U) eingerichtet sind, mit dem Pressen
der Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander auch einen Randabschnitt
(Ka) des Blechbauteils (K), an dem eine durch das Abtrennen des Abfallstücks (A) entstehende
Trennkante vorliegt, vor oder nach dem Abtrennen des Abfallstücks (A) umzuformen,
wobei die erste Struktur (O) und die zweite Struktur (U) eingerichtet sind, mit dem
Pressen der Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander den Randabschnitt
(Ka) des Blechbauteils (K), an dem die Trennkante vorliegt, vor dem Abtrennen des
Abfallstücks (A) zu biegen oder nach dem Abtrennen des Abfallstücks (A) abzukanten.
3. Verbundwerkzeug nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
(a) die äußere Matrize (1B) der ersten Struktur (O) die innere Matrize (1A) zumindest
teilweise umschließt und/oder
(b) die innere Matrize (1A) an der ersten Struktur (O) relativ zu der äußeren Matrize
(1B) verstellbar ist oder die äußere Matrize (1B) an der ersten Struktur (O) relativ
zu der inneren Matrize (1A) verstellbar ist
4. Verbundwerkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass der Blechhalter (3) für das Ziehen und das randseitige Beschneiden des Blechrohlings
(K') beim Pressen der zweiteiligen Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander
translatorisch verstellbar ist.
5. Verbundwerkzeug nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass der Blechhalter (3)
- an der zweiten Struktur (U) relativ zu dem Ziehstempel (2) in eine Einlegeposition
auf die äußere Matrize (1B) zu verstellbar ist, in der der Blechrohling (K') mit einem
randseitigen Abschnitt auf dem Blechhalter (3) anzuordnen ist, und
- beim Pressen der Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander relativ
zu dem Ziehstempel (2) in eine zu der Einlegeposition verschiedene Halteposition verstellbar
ist, in der das von dem Blechrohling (K') abgetrennte Abfallstück (A) zwischen der
äußeren Matrize (1B) und dem Blechhalter (3) gehalten ist.
6. Verbundwerkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
(a) durch die translatorische Verstellung der ersten Struktur (O) und der zweiten
Struktur (U) aufeinander zu der Blechhalter (3) relativ zu dem Stempel (3) und/oder
die inneren und äußeren Matrizen (1A, 1B) relativ zueinander verstellbar sind, und/oder
(b) an der zweiten Struktur (U) zusätzlich eine Stempelankonstruktion (2B) vorgesehen
ist, die zwischen dem Blechhalter (3) und einem Einführbereich (E) für eine Schneide
(9) der ersten Struktur (O) angeordnet ist, und/oder
(c) an der ersten Struktur (O) zusätzlich ein Niederhalter (1C) vorgesehen ist, der
zwischen der inneren Matrize (1A) und der äußeren Matrize (1B) angeordnet ist, und/oder
(d) die erste Struktur (O) und die zweite Struktur (U) eingerichtet sind, mit dem
Pressen der Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander das Abfallstück
(A) durch Scherschneiden mittels einer Relativbewegung zwischen der äußeren und der
inneren Matrize (1A, 1B) abzutrennen.
7. Verbundwerkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
(a) an der äußeren Matrize (1B) für das Abtrennen des Abfallstücks (A) eine Schneidkante
(11B) ausgebildet oder eine Schneide (9) montiert ist, oder
(b) an der ersten Struktur (O) eine Schneide (9) vorgesehen ist, relativ zu der die
innere Matrize (1A) der wenigstens zweiteiligen Ziehmatrize (1) an der ersten Struktur
(O) verstellbar gelagert ist.
8. Verbundwerkzeug nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass, bei an der ersten Struktur (O) vorgesehener Schneide (9), relativ zu der die innere
Matrize (1A) der wenigstens zweiteiligen Ziehmatrize (1) an der ersten Struktur (O)
verstellbar gelagert ist, die Schneide (9) mit einer Schneidleiste ausgebildet ist,
die (a) beim Pressen der Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander gleichzeitig
als Abkantleiste wirkt oder die (b) beim Pressen der Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels
(2) gegeneinander mit einem Gegenhalter (8) zusammenwirkt und als Abkantleiste gegen
diesen Gegenhalter (8) wirkt.
9. Verbundwerkzeug nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass eine Schneidkante (900) der Schneidleiste mindestens einen ersten Schneidkantenabschnitt
(900A) und mindestens einen zweiten Schneidkantenabschnitt (900B) aufweist, wobei,
bezogen auf eine von der inneren Matrize (1A) zu der äußeren Matrize (1B) weisenden
Richtung, der mindestens eine erste Schneidkantenabschnitt (900A) innen und der mindestens
eine zweite Schneidkantenabschnitt (900B) außen liegt, sodass mit dem mindestens einen
ersten Schneidkantenabschnitt (900A) eine Innenkontur der Schneidkante (900) und dem
mindestens einen zweiten Schneidkantenabschnitt (900B) eine Außenkontur der Schneidkante
(900) definiert sind.
10. Verbundwerkzeug nach Anspruch 9
dadurch gekennzeichnet, dass
(a) der mindestens eine zweite die Außenkontur definierende Schneidkantenabschnitt
(900B) der Schneidkante (900) gegenüber dem mindestens einen ersten die Innenkontur
definierenden Schneidkantenabschnitt (900A) vorsteht, und/oder
(b) der mit der Schneidleiste zusammenwirkende Gegenhalter (8) ausgebildet und vorgesehen
ist, für einen Übergangsbereich (901) der Schneidkante (900), an dem die Schneidkante
(900) von dem mindestens einen ersten Schneidkantenabschnitt (900A) in den mindestens
einen zweiten Schneidkantenabschnitt (900B) übergeht, als Gegenmesser beim Pressen
der Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander zu wirken, und/oder
(c) der mit der Schneidleiste zusammenwirkende Gegenhalter (8) ausgebildet und vorgesehen
ist, beim Pressen der Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander durch
die mit dem mindestens einen ersten Schneidkantenabschnitt (900A) an dem Gegenhalter
(8) anliegende Schneide (9) verdrängt zu werden, nachdem mittels des mindestens einen
zweiten Schneidkantenabschnitts (900B) ein Beschnitt des Blechrohlings (K') vorgenommen
wurde.
11. Verbundwerkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Struktur (O) und die zweite Struktur (U) eingerichtet sind, mit dem Pressen
der Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander an dem Blechbauteil (K)
mindestens eine Verprägung (M, P) vorzusehen.
12. Verbundwerkzeug nach den Ansprüchen 7 und 11, dadurch gekennzeichnet, dass, bei an der ersten Struktur (O) vorgesehener Schneide (9), relativ zu der die innere
Matrize (1A) der wenigstens zweiteiligen Ziehmatrize (1) an der ersten Struktur (O)
verstellbar gelagert ist, die Schneide (9) mit einer Schneidleiste ausgebildet ist,
die beim Pressen der Matrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander gleichzeitig
als Abkantleiste und als Formleiste zum Vorsehen der Verprägung (P) wirkt, um an einem
ausgestellten Bord des Randabschnitts (Ka) die Verprägung (P) vorzusehen.
13. Verbundwerkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass an der ersten Struktur (O) ein Einsatz (16) vorgesehen ist, mittels dem eine Verprägung
(M) beim Ziehen oder nach dem Abschluss des Ziehens eingebracht wird, und/oder an
der ersten Struktur (O) ferner ein Lochstempel (17) zur Herstellung mindestens eines
Loches (L1, L2) an dem Blechbauteil (K) vorgesehen ist.
14. Verbundwerkzeug nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass der Lochstempel (17) zur Herstellung des mindestens einen Loches (L1, L2) an der
mittels des Einsatzes (16) hergestellten Verprägung (M) vorgesehen ist und der Einsatz
(16) an der ersten Struktur (O) verstellbar gelagert ist, sodass der Einsatz (16),
nach Herstellung der Verprägung (M) in einer ersten Verstellphase, beim weiteren Pressen
der Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander in einer nachfolgenden,
zweiten Verstellphase verdrängt wird und der Lochstempel (17) das mindestens eine
Loch (L1, L2) herstellt.
15. Verfahren zur Herstellung eines flächigen Blechbauteils (K) mittels einer Ziehvorrichtung,
die eine Ziehmatrize (1) aufweisende erste Struktur (O) und eine einen Ziehstempel
(2) aufweisende zweite Struktur (U) umfasst, wobei wenigstens die erste Struktur (O)
oder die zweite Struktur (U) zumindest teilweise translatorisch verstellt wird und
an der zweiten Struktur (U) zusätzlich zu dem Ziehstempel (2) wenigstens ein relativ
zu dem Ziehstempel (2) translatorisch verstellbarer Blechhalter (3) vorgesehen ist,
um die Ziehmatrize (1) und den Ziehstempel (2) gegeneinander zu pressen und das Blechbauteil
(K) aus einem zwischen der Ziehmatrize (1) und dem Ziehstempel (2) befindlichen und
als Einzelplatine ausgebildeten Blechrohling (K') durch Ziehen auszuformen, wobei
ein äußerer Rand des zu ziehenden Blechrohlings (K') an dem Blechhalter (3) gehalten
wird
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Ziehmatrize (1) der ersten Struktur (O) wenigstens zweiteilig, mit einer inneren
Matrize (1A) und einer äußeren Matrize (1B) ausgeführt ist, wobei die innere Matrize
(1A) und die äußere Matrize (1B) an der ersten Struktur (O) relativ zueinander verstellbar
sind, und
- die äußere Matrize (1B) und der relativ zu dem Ziehstempel (2) translatorisch verstellbare
Blechhalter (3) einander gegenüberliegen und die äußere Matrize (1B) und der Blechhalter
(3) zwischen sich beim Pressen der zweiteiligen Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels
(2) gegeneinander ein Abfallstück (A) des Blechrohlings (K') halten, das mit dem Pressen
der Ziehmatrize (1) und des Ziehstempels (2) gegeneinander an dem äußeren Rand des
gezogenen Blechrohlings (K') abgetrennt wird.