[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine elektromagnetische Stellvorrichtung nach
dem Oberbegriff des Hauptanspruchs.
[0002] Eine derartige Vorrichtung ist beispielsweise als Elektromagnet-Ventilvorrichtung
aus der
DE 198 48 919 A1 bekannt. Als Reaktion auf das Bestromen einer (stationären) Spuleneinheit bewegt
sich eine radialsymmetrisch im Spuleninneren geführte Ankereinheit und öffnet bzw.
verschließt einen Ventilsitz für das zu steuernde Fluid.
[0003] Entlang der axialen Richtung bewegt sich dabei die (i.w. einen zylindrischen Ankerkörper
aufweisende) Ankereinheit relativ zu einer stationären Kerneinheit, welche Teil des
magnetischen Kreises ist und durch seine Ausgestaltung das Bewegungsverhalten, insbesondere
eine magnetische Ankerkraft der Ankereinheit, beeinflusst. Konkret zeigt die zum Stand
der Technik genannte Vorrichtung zur Beeinflussung des Bewegungsverhaltens bzw. Kraftverlaufs
der Ankerbewegung im Übergangsbereich zwischen der (bewegbaren) Ankereinheit und der
(stationären) Kerneinheit einen sogenannten Steuerkonus-Bereich (Steuerbereich), welcher
entlang der axialen Richtung in einem Bereich des Ankerhubes (nämlich dem Bereich
unmittelbar nach dem Lösen der Ankereinheit von der Kerneinheit) den Magnetfluss im
magnetischen Kreis zwischen Ankereinheit, Kerneinheit und den weiteren beteiligten
magnetischen Kreiselementen beeinflusst.
[0004] Der aus der
DE 198 48 919 A1 bekannte Steuerkonus, hier in Form eines endseitig an der Ankerstirnfläche umlaufenden,
nach außen abgeflachten Ringabsatzes und einer entsprechenden (radial) inneren Einformung
auf Seite der Kerneinheit, bewirkt hier etwa eine Anhebung der Magnetkraft des Ankers
in dem beschriebenen Start-Hub-Bereich: Durch die gezeigte Überlappung zwischen Ankereinheit
und Kernbereich reduziert sich die notwendige magnetische Durchflutung von Kern und
Anker durch Bestromung der Wicklung, relativ zu einem sogenannten Flachkonus, nämlich
einer Ausgestaltung des Übergangs zwischen Ankereinheit und Kerneinheit ohne axiale
Überlappung bzw. Verkürzung des Arbeitsluftspalts. Entsprechend werden die magnetischen
Feldlinien des Magnetflusses über die axiale Überlappung vorrangig geschlossen, mithin
die Magnetkraft in diesem Ankerstart-Hubbereich gezielt erhöht.
[0005] Durch geeignete Ausgestaltung dieses Steuerbereichs (Steuerkonus-Bereichs), etwa
eine Vorgabe einer effektiven axialen Überlappung, lässt sich so das Bewegungsverhalten
der Ankereinheit, insbesondere ein Verlauf der Magnetkraft entlang des Bewegungshubes
(Bewegungshubwegs) gezielt beeinflussen, etwa vergleichsmäßigen oder punktuell verstärken
oder abschwächen.
[0006] Allerdings bringt die als bekannt vorauszusetzende axiale Überlappung von Ankereinheit
und Steuereinheit im Steuerbereich auch potentielle Nachteile, insbesondere im Hinblick
auf die Verschleiß- bzw. Lebensdauereigenschaften von derart ausgestalteten elektromagnetischen
Stellvorrichtungen. So entsteht nämlich durch die axiale Überlappung der den Steuerbereich
ausbildenden Profilabschnitte auf Anker- bzw. Kernseite, neben dem für die Ankerbewegung
wichtigen axialen magnetischen Flussverlauf, auch eine Radialkomponente (bzw. Normalkomponente
zur axialen Richtung) des magnetischen Flussverlaufs, durch den zwischen einander
gegenüberstehenden Wänden der Profilabschnitte gebildeten Luftspalt. Dieser (bei radialsymmetrischen
Anordnungen radiale) Magnetkraftanteil bewirkt nachteilige magnetische Querkräfte,
welche sich in der Praxis bzw. insbesondere im Zusammenhang mit häufigen Bewegungszyklen
bzw. langen Betriebszeiten nachteilig auswirken. So würde zwar, bei exakter fluchtender
Ausrichtung von Anker und Kern zueinander, die jeweilige durch den radialen Magnetkraftanteil
erzeugte Querkraft im Zentrum aufgehoben werden und so eine Kompensation bewirken.
In der Fertigungs- und Betriebspraxis lässt sich dies jedoch nicht erreichen. Vielmehr
ist der Effekt zu beobachten, dass die (notwendigerweise mit einem radialen Spiel
gelagerte) Ankereinheit innerhalb einer umgebenden Führung (im Rahmen des vorhandenen
Spiels) zum Verkippen neigt, wobei ein derartiger Effekt etwa zusätzlich verstärkt
wird durch nicht ganz mittig an die Ankereinheit angreifende Druckfedern oder dergleichen
Einflüsse, ferner spielen Fertigungstoleranzen und andere Effekte eine Rolle.
[0007] Eine derartige, im Rahmen der Spielpassung schräg in der Ankerführung stehende Ankereinheit
(in der Art einer diametralen Zwei-Punkt-Auflage an jeweiligen Innenpositionen der
Ankerführung) führt dann zunächst dazu, dass Kerneinheit und Ankereinheit (und mithin
die den Steuerbereich ausbildenden Profilabschnitte) nicht mehr exakt fluchten, sich
damit in Umfangsrichtung verschieden große radiale Luftspalte (genauer: Abschnitte
eines umlaufenden Luftspalts) einstellen.
[0008] Bei Bestromung der Spuleneinheit und dadurch bewirkter magnetischer Durchflutung
im Steuerbereich entstehen in den verschieden breiten Luftspaltpositionen entsprechend
ungleich hohe magnetische Querkräfte: Kleine radiale Luftspalte erzeugen relativ hohe
magnetische Querkräfte, entsprechend große radiale Luftspaltabschnitte kleine magnetische
Querkräfte. Diese kompensieren sich dann in radialer Richtung nicht mehr, so dass
eine resultierende (radiale) Querkraft in Richtung des kleinsten Luftspalts entsteht.
[0009] Dies wirkt auf die (mit Spiel gelagerte) Ankereinheit als Normalkraft und erzeugt
entsprechend den Reibwerten des tribologischen Systems aus Ankereinheit (bzw. einer
auf der Ankereinheit vorgesehenen Anker-Gleitbeschichtung) sowie der Ankerführung
nachteilige Haft- und Gleitreibkräfte.
[0010] Diese wirken sich zunächst negativ auf die Kräftebilanz des Magneten aus und führen
zu einem (unnötig) vergrößerten Magnetkraftbedarf, mithin größerem Magnetbauraum.
[0011] Bei elektromagnetischen Schaltvorrichtungen mit hoher Lebensdaueranforderung (typischerweise
mehr als 100 Millionen Schaltzyklen) erzeugen die beschriebenen hohen magnetischen
Querkräfte (Normalkräfte) zusätzlich eine nachteilig hohe Flächenpressung auf die
Reibpartner und beschleunigen dadurch deren tribologischen Verschleiß. Besonders gravierend
ist dies etwa bei Pneumatik-Stellanwendungen (wie etwa einem Pneumatikventil), da
hier keine Schmierung od. dgl. verschleißmindernd wirken kann.
[0012] Konsequenz ist gerade bei in der Baugröße sowie im Energieverbrauch optimierten Systemen
mit Steuerkonus-Bereich ein vorzeitiges Ausfallen, insbesondere wenn die Ankereinheit
in ansonsten bekannter Weise mit Gleitbeschichtungen aus PTFE oder MoS
2 versehen ist und keine (selbst aber wiederum aufwändige) Gleitfolie zur Führung des
Ankers verwendet wird.
[0013] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine gattungsgemäße elektromagnetische
Stellvorrichtung im Hinblick auf ihr Betriebs- sowie Verschleißverhalten zu verbessern,
insbesondere nachteilige Quer- bzw. Normalkräfte, die ein Verkippen der Ankereinheit
befördern, zu vermindern, und so im Rahmen der einen axial überlappenden Steuerbereich
aufweisenden Systeme günstiges magnetisches Bewegungsverhalten und Energieoptimierung
mit Schutz gegen unerwünschten Verschleiß durch nachteilige Reibung zu kombinieren.
[0014] Die Aufgabe wird durch die elektromagnetische Stellvorrichtung mit den Merkmalen
des Hauptanspruchs gelöst; unabhängiger Schutz im Rahmen der vorliegenden Erfindung
wird durch die Verwendung nach dem Patentanspruch 8 sowie das Verfahren nach dem Anspruch
9 beansprucht. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen
beschrieben.
[0015] In erfindungsgemäß vorteilhafter Weise ist der Steuerbereich (Steuerkonus-Bereich)
zwischen der Ankereinheit und der Kerneinheit durch Ausgestaltung der (magnetisch)
flusswirksamen Querschnitte des ersten bzw. zweiten Profilabschnitts so eingerichtet,
dass bei dem üblichen, das Bewegen der Ankereinheit bewirkenden Betriebsstrom für
die Spuleneinheit eine Fluss- und Kraftkompensation in der Art einer Regelungswirkung
erreicht wird. Genauer gesagt sind erfindungsgemäß die Profilabschnitte so ausgestaltet,
dass im Fall eines Verkippens bzw. einer Auslenkung in einem ersten Bereich des zugehörigen
(radialen) Luftspalts die erhöhte Querkraft (Normalkraft) dadurch kompensiert wird,
dass für einen zugehörigen, entsprechend dem verkürzten Luftspalt erhöhten magnetischen
Fluss (Durchflutung) ein magnetischer Widerstand in diesem Bereich ansteigt. Typischerweise
sind dabei die Profilabschnitte im Hinblick auf ihren flusswirksamen Materialquerschnitt
so ausgestaltet, dass es in einem entsprechend verkippten Zustand der Ankereinheit
im (radialen) Schmalbereich des Luftspalts durch die dort entstehende erhöhte Durchflutung
zu einer Sättigung kommt, somit ein flusswirksamer magnetischer Widerstand entsteht,
welcher dann dazu führt, dass die magnetische Durchflutung in andere Bereiche des
Luftspalts (zurück) verdrängt bzw. verlagert wird. Dies hat dann einen unmittelbar
die nachteilige Normal- bzw. Querkraft reduzierende Wirkung, mit der vorteilhaften
Folge geringerer Reibung, entsprechend geringeren Energieverbrauchs und verminderten
Verschleißes.
[0016] Im Rahmen der bevorzugt einzusetzenden radialsymmetrischen Systeme (d.h. eine Ankereinheit
ist innerhalb einer diese umgebenden Spuleneinheit geführt, wobei stirnseitig Ankereinheit
sowie Kerneinheit die jeweiligen Profilabschnitte in Form von umlaufenden Erhöhungen
bzw. Vertiefungen ausbilden) führt das erfindungsgemäße Prinzip dazu, dass bei den
üblichen, bewegungstypischen Betriebsströmen für die Spuleneinheit eine wirksame Verlagerung
des Querkraft-fördernden Magnetflusses aus dem Bereich des kürzesten Luftspalts in
andere Bereiche erfolgt, da die magnetische Sättigungswirkung - entsprechend kompensatorisch
- einen höheren magnetischen Widerstand anbietet.
[0017] Damit lässt sich das erfindungsgemäße Prinzip durch geeignete Ausgestaltung der Profilabschnitte
realisieren, welche dann, angepasst an eine in typischen Betriebszuständen zu erwartende
Durchflutung, so ausgestaltet werden, dass diese bei radial gegenüberstehendem minimiertem
Luftspalt gezielt eine magnetische Fluss-Widerstandserhöhung durch magnetische Sättigung
erfahren.
[0018] Damit bietet es sich an, dem ersten bzw. zweiten Profilabschnitt längsschnittlich
eine Zahn- bzw. Nockenform mit geeignet konischen Neigungswinkeln zu geben, welche
bei der vorteilhaften radialsymmetrischen Ausbildung entsprechend als Ringvorsprung
entstehen (bzw. mit einer entsprechend angepassten Ringnut zusammenwirken). Hier ist
dann entsprechend einem jeweiligen Erfordernis zu optimieren, wobei etwa flache Konuswinkel
den Vorteil inhärent niedrigerer Querkräfte besitzen, gleichzeitig jedoch damit auch
ein wirksamer axialer Überdeckungsbereich kleiner wird.
[0019] Generell ist es zudem vorteilhaft, jeweilige Konuswinkel von relativ zur Mittelachse
geneigt vorgesehenen Wandabschnitten der Profilabschnitte so auszugestalten, dass
diese (bezogen auf eine unverkippte bzw. nicht ausgelenkte Mittelstellung der Ankereinheit)
zueinander parallel verlaufen, also denselben Winkel aufweisen (bzw., im Rahmen von
Fertigungstoleranzen, einen Maximalwinkel von typischerweise 5° als Differenz nicht
überschreiten).
[0020] Erfindungsgrmäß ist ein sogenannter Innenkonus vorgesehen. Ein schmaler Konusring
(als zweiter Profilabschnitt) der Kerneinheit, welcher durch seine flusswirksame Querschnittsgestaltung
tendenziell bei geringerer magnetischer Durchflutung in die magnetische Sättigung
geht, taucht in einen innenliegenden Ringabsatz (Konusabsatz) am stirnseitigen Ende
der Ankereinheit ein. Durch den schmalen konusförmigen Ringabsatz reagiert der zugehörige
Ankerabschnitt sensibel auf Änderungen in der magnetischen Durchflutung und erzeugt
gemäß dem vorbeschriebenen Wirkmechanismus kompensierende (aufrichtende) Magnetkräfte,
welche der nachteiligen Ankerschrägstellung entgegenwirken.
[0021] Im Ergebnis wird durch die vorliegende Erfindung in vorteilhafter Weise nachteilige
Reibung zwischen Ankereinheit und Ankerführung reduziert, damit Energie- und Magnetkraft
optimiert, und Verschleiß entgegengewirkt.
[0022] Insbesondere ist es für die praktische Realisierung vorteilhaft, mit (herkömmlichen)
PTFE oder MoS
2 - Gleitbeschichtungen hohe Lebensdaueranforderungen an elektromagnetische Stellvorrichtungen,
etwa Ventilvorrichtungen, zu realisieren, welche den Bereich von 100 Millionen Schaltzyklen
oder mehr erreichen, ohne dass es gesonderter, zusätzlich aufwändiger Maßnahmen bedarf.
So ist es insbesondere im Rahmen der Erfindung vorteilhaft und weiterbildungsgemäß
nützlich, dass die (zylindrische) Ankereinheit mantelseitig nicht in einer Gleitfolie
zum Realisieren einer sogenannten Gleitfolien-Lagerung geführt werden muss. Nicht
nur wird der zusätzliche bauteiletechnische und fertigungstechnische Aufwand vermindert
(das Verwenden einer derartigen Gleitfolie erzeugt auch in der Montage zusätzlichen
Aufwand), auch wird wirksam vermieden, dass durch eine Gleitfolie (bzw. die Dicke
derselben) der parasitäre Luftspalt im Jochbereich der Magnetvorrichtung unnötig vergrößert
wird, was wiederum den Nachteil eines schlechteren magnetischen Wirkungsgrades hätte.
[0023] Damit eignet sich die vorliegende Erfindung in günstiger Weise etwa zur Realisierung
von Ventilvorrichtungen, weiter bevorzugt Pneumatik-Ventilvorrichtungen, ist jedoch
nicht auf dieses Anwendungsgebiet beschränkt. Vielmehr lässt sich der Vorteil der
vorliegenden Erfindung günstig bei sämtlichen Realisierungsformen von elektromagnetischen
Stellvorrichtungen nutzen, bei welchen - konstruktions- bzw. spielbedingt - ein Verkippen
bzw. Auslenken der Ankereinheit in einer Ankerführung nachteilige Reibung bzw. Verschleiß
bewirkt und ohnehin zur Beeinflussung des magnetischen Kraftverlaufs verwendete Profilelemente
im Steuerbereich (Steuerkonus-Bereich) zur Realisierung des erfindungsgemäß vorteilhaften
Kompensationsverhaltens dimensioniert und eingesetzt werden können.
[0024] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele sowie anhand der Figuren; diese zeigen
in
- Fig. 1:
- einen schematischen hälftigen Längsschnitt durch die wesentlichen magnetischen Funktionskomponenten
der elektromagnetischen Stellvorrichtung gemäß einer ersten Realisierungsform der
Erfindung;
- Fig. 2:
- eine Detailansicht des Steuerbereichs mit den einander gegenüberstehenden Profilabschnitten
der Ankereinheit bzw. der Kerneinheit sowie eingezeichneten Messpunkten für eine Simulation;
- Fig. 3:
- eine Längsschnittansicht durch ein 2/2-Wegeventil, realisiert durch eine elektromagnetische
Stellvorrichtung zum Verdeutlichen des Einsatzkontexts der vorliegenden Erfindung;
- Fig. 4:
- eine hälftige Längsschnittansicht analog Fig. 1 zum Verdeutlichen einer gegenüber
der Realisierung der Fig. 1 nachteiligen Ausgestaltung der Profilabschnitte des Steuerbereichs
und
- Fig. 5:
- ein Vergleichsdiagramm in Form einer Kraft-Weg-Kennlinie des Ausführungsbeispiels
der Fig. 1 relativ zum Vergleichsbeispiel der Fig. 4.
[0025] Die Fig. 3 verdeutlicht den Anwendungskontext der vorliegenden Erfindung; gezeigt
ist ein strukturell ansonsten bekanntes 2/2-Wegeventil, welches Einsatz im Kraftfahrzeugbereich
findet und im Zusammenwirken zwischen Ankereinheit und Konuseinheit mit einer Konussteuerung
versehen ist.
[0026] Genauer gesagt zeigt das Ausführungsbeispiel der Fig. 3, welches mit seinen Merkmalen
im Anwendungskontext außerhalb des Steuerbereichs als zur vorliegenden Erfindung gehörig
offenbart gelten soll, ein Gehäuse 10, welches eine auf einem Spulenträger 12 gehaltene
stationäre Wicklung 14 trägt. Innerhalb der hohlzylindrischen, ein Ankerführungsrohr
16 aufnehmenden Anordnung ist entlang einer Bewegungslängsachse 18 eine Ankereinheit
20 geführt, welche eine zylindrische Außenkontur aufweist, gegen die Kraft einer Druckfeder
22 sich von einem stationären Kernbereich 24 in axialer Richtung abstützt und, dem
Kernbereich 24 entgegengesetzt, einen Ventil-Gummieinsatz 26 aufweist, welcher zum
Verschließen eines Ventilsitzes 28, als Reaktion auf eine axiale Bewegung der Ankereinheit
20, ausgebildet ist. Die Ventilwirkung entsteht zwischen einem Versorgungsanschluss
30 und einem Arbeitsanschluss 32. Die Ankereinheit 20 ist in ansonsten bekannter Weise
mantelseitig mittels einer PTFE oder MoS
2 - Gleitbeschichtung versehen; eine Gleitfolie zur Lagerung der Ankereinheit existiert
nicht.
[0027] Als Reaktion auf eine Bestromung der Wicklung 14 bewegt sich die Ankereinheit 20
entlang der Bewegungslängsachse 18 in vertikaler Richtung (Z in Fig. 3). Die zu dieser
Achse orthogonalen Richtungen X, Y sind entsprechend eingezeichnet.
[0028] Ein Steuerbereich (Steuerkonus-Bereich) im magnetischen Übergang zwischen der Kerneinheit
24 und der abschnittsweise hohlzylindrischen Ankereinheit 20 ist in der vergrößerten,
hälftigen Längsschnittansicht der Fig. 1 verdeutlicht, wobei, in der unmittelbaren
Gegenüberstellung, das Ausführungsbeispiel der Fig. 4 einen nicht im Sinne der Erfindung
optimierten und vorteilhaften Steuerbereich zeigt.
[0029] Konkret weist in der erfindungsgemäßen Ausgestaltung der Fig. 1 der Kernbereich einen
Ringvorsprung 34, sich von der eingriffsseitigen Stirnfläche der Kerneinheit 24 erstreckend,
auf, welcher, relativ zu einem innenliegenden Ringabsatz 36 des zugehörigen eingriffsseitigen
Endbereichs der Ankereinheit 20 in Richtung auf die Achse 18 einwärts vorgesehen ist.
[0030] Wie die Ausschnittsvergrößerung der Fig. 2 dieses Steuerbereichs, in nach rechts
(bzw. im Uhrzeigersinn) verkipptem Zustand der Ankereinheit, diesbezüglich verdeutlicht,
ist sowohl die auswärtige Flanke des Ringvorsprungs 34, als auch die inwärtige Flanke
der Ringnut 36, relativ zur Längsachse 18, um einen Konuswinkel von ca. 8° geneigt
(wobei sich im Rahmen der Erfindung Winkel zwischen 3° und 40°, bevorzugt zwischen
5° und 20°, weiter bevorzugt zwischen 7° und 15°, als günstig und bevorzugt erwiesen
haben). Im Rahmen der Erfindung sind zudem diese Konuswinkel gleich ausgestaltet,
so dass bei einer mittigen Position der Ankereinheit (d.h. unverkippt, im Gegensatz
zur Darstellung der Fig. 2) die Flankenwinkel übereinstimmen.
[0031] Erfindungsgemäß vorteilhaft ist nunmehr der einstückig ansitzende, ring- und konusförmige
Vorsprung 34 so ausgestaltet, dass bei einem typischen Betriebsstrom durch die Spuleneinheit
12, 14 (bzw. einer dadurch im Übergangsbereich zur Ankereinheit, insbesondere im vertikalen
Luftspalt 40 auftretenden Durchflutung), eine Sättigung dann eintritt, wenn dieser
Luftspalt (40' in Fig. 2) im linksseitigen Bereich sehr schmal wird, dadurch die magnetische
Durchflutung in diesem Bereich und durch den zugehörigen Abschnitt des Vorsprungs
34 ansteigt, womit dann, aufgrund des vergleichsweise schmalen Ringdurchmessers, hier
die Sättigung vorrangig erfolgt. Dies führt dann erfindungsgemäß vorteilhaft dazu,
dass etwa im (radial) gegenüberliegenden, rechtsseitigen Bereich eine magnetische
Durchflutung über den dortigen Luftspaltbereich 40" zunimmt, durch die Sättigung im
linksseitigen Bereich des Ringsvorsprungs 34 magnetischer Fluss außerhalb dieses Bereichs
verlagert bzw. verdrängt wird.
[0032] Das Ergebnis ist eine kompensierende Kraftwirkung entlang eines Pfeils 42 (Fig. 2),
entsprechend eine ein Aufrichten bzw. das Verkippen zurückführende Kraftkomponente
in Querrichtung (Normalrichtung) zur Längsachse 18. Insoweit bildet der hier speziell
zum Herbeiführen der Sättigung ausgestaltete Ringvorsprung 34 als Profilabschnitt
der Kerneinheit die Basis für ein regelndes bzw. kompensierendes System im Hinblick
auf die aufgabengemäß zu überwindenden bzw. abzumildernden Querkräfte. Dagegen verdeutlicht
das Vergleichsbeispiel der Fig. 4, mit einem kernseitigen Profilabschnitt 44 und einem
zugehörigen ankerseitigen Ringabsatz 46, dass - bedingt durch einen größeren flusswirksamen
Querschnitt des Abschnitts 44 - bei Betriebsbedingungen (typischer Betriebsstrom für
die Spuleneinheit) keine Sättigung im Abschnitt 44 auftritt, mithin eine magnetische
Flusskonzentration im Vertikal-Luftspalt zwischen den Abschnitten 44, 46 im kleinsten
verkippten Abstand auftritt und auch in dieser Stellung stabil steht. Nachteilige
starke Reibkräfte sind hier die Folge.
[0033] Es verdeutlicht die nachfolgende Tabelle 1
| |
|
Kraft |
Kraft |
Kraft |
| Variante |
Luftspalt zwischen Anker und Kern [mm] |
X-Achse [N] |
Y-Achse [N] |
Z-Achse [N] |
| Fig. 4 |
|
-1,18 |
0,00 |
50,27 |
| Fig. 1 |
0,15 |
0,71 |
0,05 |
62,40 |
| Fig. 4 |
|
-1,94 |
-0,05 |
36,80 |
| Fig. 1 |
0,8 |
-0,63 |
-0,03 |
42,65 |
[0034] Im Zusammenhang mit der Fig. 5 als Kraft-Weg-Kennlinie der Gegenüberstellung der
Fig. 1, Fig. 4, wie sich wirksam die nachteilige Querkraft reduzieren lässt; die Messwerte
der Tabelle 1 entstammen dabei einer dreidimensionalen Simulation mit Ankerschrägstellung
anhand der Positionen A bis H in Fig. 2. Es zeigt sich, dass sich (bei Ankerschrägstellung
in Richtung der X-Achse) eine Reduzierung der Ankerquerkraft von ca. 30% bzw. eine
aufrichtende Magnetkraft (positives Vorzeichen) erreichen lässt, und zwar sowohl bei
einem kurzen, als auch relativ langen Ankerhub (0,15 mm bzw. 0,8 mm), in unmittelbaren
Vergleich der Konusausgestaltungen der Fig. 1 relativ zum Vergleichsbeispiel der Fig.
4.
[0035] Die vorliegende Erfindung ist nicht auf die gezeigte konkrete Ausgestaltung beschränkt,
vielmehr gibt es zahlreiche Wege und Möglichkeiten, im Rahmen der vorliegenden Erfindung
den Steuerbereich durch geeignete Profilierung des konusseitigen sowie des ankerseitigen
Endabschnitts auszubilden. Dabei kann etwa die Kontur der Fig. 2 (Ringvorsprung auf
Kernseite liegt radial innen) umgekehrt werden, genauso wie eine entsprechend zur
schnellen magnetischen Sättigung optimierte Profilierung auf Ankerseite (oder beidseits)
vorhanden sein kann. Im vorliegenden Ausführungsbeispiel der Fig. 1, Fig. 2 hat sich
zudem ein endseitig-mantelseitiger, außen umlaufender Ringabsatz 50 als vorteilhaft
herausgestellt, da sich durch diesen zusätzlich eine nachteilige Reibung an der umgebenden
Ankerführung reduzieren ließ.
1. Elektromagnetische Stellvorrichtung mit
einer relativ zu einer stationären Kerneinheit (24) und als Reaktion auf eine Bestromung
einer Spuleneinheit (14) mit einem Betriebsstrom in einer axialen Richtung (18) um
einen Bewegungshub bewegbaren Ankereinheit (20),
die axial einends mit der Kerneinheit magnetisch über einen zumindest teilweise entlang
des Bewegungshubes axial überlappenden Steuerbereich zusammenwirkt,
der als Abschnitt der Ankereinheit einen ersten Profilabschnitt (34, 44) und als Abschnitt
der Kerneinheit einen zweiten Profilabschnitt (36, 46) mit einem zwischen diesen gebildeten,
eine Ausdehnung senkrecht zur axialen Richtung ausbildenden Luftspalt (40) aufweist,
wobei,
ein für einen über den Luftspalt fließenden Magnetfluss der Bestromung mit dem Betriebsstrom
flusswirksamer Querschnitt des ersten und des zweiten Profilabschnitts so ausgestaltet
ist, dass als Reaktion auf eine durch ein Verkippen und/oder Auslenken der Ankereinheit
aus der axialen Richtung bewirkte Verkürzung der Luftspaltausdehnung ein magnetischer
Flusswiderstand des ersten und/oder zweiten Profilabschnitts im Bereich der Verkürzung
ansteigt, insbesondere eine magnetische Sättigung erfährt, und eine dem Verkippen
bzw. Auslenken entgegengerichtete Kraft auf die Ankereinheit wirkt
dadurch gekennzeichnet, dass
die Ankereinheit zum Ausbilden des ersten Profilabschnitts einen konusförmigen, innenliegenden
Ringabsatz aufweist und mantelseitig in Richtung auf die Kerneinheit einen umlaufenden
weiteren Ringabsatz ausbildet.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Ankereinheit und die Kerneinheit radialsymmetrisch um eine entlang der axialen
Richtung verlaufende Mittelachse ausgebildet sind und der erste und/oder der zweite
Profilabschnitt bevorzugt einstückig aus einem Anker- bzw. Kernkörper ansitzen und
radial umlaufend ausgebildet sind,
wobei der radial zwischen dem ersten und dem zweiten Profilabschnitt umlaufende Luftspalt
durch das Verkippen bzw. Auslenken die Verkürzung in einem ersten Luftspaltbereich
und eine Erweiterung in einem, bezogen auf die Mittelachse, gegenüberliegenden Luftspaltbereich
erfährt.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
der erste und/oder der zweite Profilabschnitt längsschnittlich eine Zahn-und/oder
Nockenform aufweisen, die bei radialsymmetrischer Ausbildung der Anker- und der Kerneinheit
als axialer Ringvorsprung ausgebildet ist.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
der erste und der zweite Profilabschnitt den Luftspalt durch konusförmig zur axialen
Richtung geneigte Wandabschnitte begrenzen.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
ein Konuswinkel der Wandabschnitte des ersten bzw. des zweiten Profilabschnitts so
ausgebildet ist, dass bei unverkippter bzw. nicht ausgelenkter Mittelstellung der
Ankereinheit die Wandabschnitte zueinander parallel verlaufen und/oder ein zwischen
den Wandabschnitten gebildeter Winkel < 5°, bevorzugt kleiner < 3°, beträgt.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
einer der Profilabschnitte als radial umlaufender, längsschnittlich konusförmiger
Ringvorsprung ausgebildet ist, der mit dem als radial umlaufend D/r, konusförmig G/r
Ringnut und/oder Ringabsatz ausgebildeten anderen Profilabschnitt zusammenwirkt.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
die einen zylindrischen Ankerkörper aufweisende Ankereinheit keine Stößelführung oder
Stößellagerung aufweist und/oder mantelseitig ohne Folienmittel, insbesondere ohne
eine Gleitfolie, gelagert ist.
8. Verwendung der elektromagnetischen Stellvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis
7 zum Realisieren einer Ventilvorrichtung, insbesondere Pneumatik-Ventilvorrichtung,
bei welcher durch die Bewegung der Ankereinheit ein Fluidfluss gesteuert wird.
9. Verfahren zum Betreiben einer elektromagnetischen Stellvorrichtung nach einem der
Ansprüche 1 bis 7 oder als Pneumatik-Ventilvorrichtung nach Anspruch 8,
gekennzeichnet durch die Schritte:
▪ Bestromen der Spuleneinheit zum Bewirken einer Bewegung der Ankereinheit in der
axialen Richtung,
▪ Bewirken einer dem Verkippen bzw. Auslenken aus der axialen Richtung entgegen wirkenden
Kraft, insbesondere Querkraft oder Normalkraft, auf die Ankereinheit, bei einer axialen
Überlappung zwischen Ankereinheit und Kerneinheit im Steuerbereich.