(19)
(11) EP 3 406 550 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
28.11.2018  Patentblatt  2018/48

(21) Anmeldenummer: 17173059.1

(22) Anmeldetag:  26.05.2017
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B65H 9/16(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
MA MD

(71) Anmelder: Kama GmbH
01237 Dresden (DE)

(72) Erfinder:
  • Herfurth, Bernd
    01157 Dresden (DE)
  • Schäfer, Stefan
    01097 Dresden (DE)

(74) Vertreter: Lippert Stachow Dresden 
Krenkelstraße 3
01309 Dresden
01309 Dresden (DE)

   


(54) VORRICHTUNG ZUM AUSRICHTEN FLACHER ZUSCHNITTE


(57) Die Erfindung betrifft eine Ausrichtevorrichtung zum Ausrichten flacher Zuschnitte, umfassend eine Tragkonstruktion (1), an der mindestens zwei drehbare Rollen (2), die je eine horizontale Drehachse (21) aufweisen und mit paarweise gleichem Abstand zueinander hintereinander angeordnet sind, so dass ihre Aufstandspunkte auf einer horizontalen Ebene auf einer Geraden liegen, wobei ihre Drehachsen parallel zueinander ausgerichtet sind, und wobei jede Rolle um eine durch ihren Aufstandspunkt verlaufende vertikale Drehachse verdrehbar und an verschiedenen Winkelpositionen festlegbar ist.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Ausrichten flacher Zuschnitte, insbesondere in Druck- und Druckweiterverarbeitungsmaschinen wie Stanzmaschinen, Prägemaschinen, Rillvorrichtungen, Falz- und Klebemaschinen usw., und in Installationen, in denen zwei oder mehr derartige Maschinen hintereinander angeordnet und durch eine Transportvorrichtung so miteinander verbunden sind, dass Rohlinge nacheinander durch diese hindurch transportiert werden.

[0002] Unter flachen Zuschnitten sollen dabei Werkstücke verstanden werden, wie sie typischerweise in der Druckindustrie und der Druckweiterverarbeitung verarbeitet werden, also beispielsweise Papier- oder Kartonbögen oder Nutzen für die spätere Weiterverarbeitung, beispielsweise zu Faltschachteln.

[0003] Der Begriff Nutzen bezeichnet die Anzahl der auf einem Druckbogen befindlichen Exemplare eines Druckprodukts. Um den Platz auf einem Druckbogen optimal zu nutzen und kostengünstig zu drucken, werden in der Regel mehrere gleiche oder unterschiedliche Exemplare, zum Beispiel Etiketten, Plakate, Verpackungen, Visitenkarten usw., auf ein und denselben Druckbogen gedruckt, in einigen Fällen noch geprägt oder anderweitig weiter veredelt, und schließlich durch Stanzen vereinzelt. Die vereinzelten Nutzen können dann beispielsweise in einer Falz- und Klebemaschine zum fertigen Produkt, beispielsweise einer Glückwunschkarte, Präsentationsmappe, Faltschachtel oder dergleichen, weiterverarbeitet werden.

[0004] Während all dieser Vorgänge werden die flachen Zuschnitte häufig auf Transportvorrichtungen durch eine oder nacheinander durch mehrere hintereinander angeordnete Maschinen bewegt, die in verschiedener Weise auf die flachen Zuschnitte einwirken, beispielsweise einen Druckbogen bedrucken, prägen, Nutzen aus dem Druckbogen ausstanzen, die Nutzen rillen, falzen, kleben usw. Derartige Transportvorrichtungen können beispielsweise ein Transportband aufweisen, das um Umlenkrollen geführt ist und eine horizontale Transportebene für die flachen Zuschnitte definiert. Das Transportband kann beispielsweise perforiert sein und unterhalb des Lasttrums, auf dem die flachen Zuschnitte beim Transport aufliegen, einen Vakuumkasten aufweisen, in dem ein Unterdruck erzeugt wird, so dass der Atmosphärendruck die flachen Zuschnitte auf die Oberseite des Lasttrums drückt und diese dadurch in ihrer Position auf dem Transportband gehalten werden, um unerwünschtes Verrutschen während des Transports zu vermeiden.

[0005] Alternativ haben sich zur Verwendung in und zwischen Druckweiterverarbeitungsmaschinen sogenannte Walzenförderer etabliert, die eine Mehrzahl von horizontal angeordneten, drehbaren Transportwalzen aufweisen, von denen zumindest ein Teil antreibbar ist. Die obersten Mantellinien der Transportwalzen definieren hier die Transportebene, und die Transportrichtung der flachen Zuschnitte verläuft quer zu den Längsachsen der Transportwalzen. Derartige Transportvorrichtungen können beispielsweise fester Bestandteil einer Bearbeitungsmaschine, beispielsweise einer Falz- und Klebemaschine sein, bei der Werkzeuge zur Durchführung einzelner Bearbeitungsschritte an den flachen Zuschnitten oberhalb der Transportvorrichtung angeordnet sind. Ein Beispiel für eine Falz- und Klebemaschine mit einem Walzenförderer ist in EP 2 188 090 B1 beschrieben. Ein Beispiel für eine Vorrichtung zum Ausbrechen und Nutzentrennen, die beispielsweise unmittelbar hinter einer Stanzmaschine angeordnet sein kann, ist in EP 2 858 798 B1 beschrieben.

[0006] Alternativ können derartige Transportvorrichtungen ohne eigene Bearbeitungsfunktion zwischen zwei aufeinanderfolgenden Maschinen angeordnet sein, um die flachen Zuschnitte von einem Bearbeitungsschritt zum nächsten Bearbeitungsschritt zu transportieren.

[0007] Bei Walzenförderern ist es viel schwieriger, die flachen Zuschnitte zu positionieren und in ihrer Position zu halten, als bei einem Bandförderer mit Vakuumkasten, wie oben beschrieben. Dadurch kann es passieren, dass die flachen Zuschnitte sich während des Transports auf der Transportebene verdrehen oder verschieben. Dies führt dazu, dass die Bearbeitung nachfolgend erschwert oder gar unmöglich ist, weil das für die Bearbeitung vorgesehene Werkzeug oberhalb der Transportebene fest angebracht ist und seine korrekte Funktion davon abhängt, dass der flache Zuschnitt in einer ganz bestimmten Spur und mit einer ganz bestimmten Ausrichtung an das Werkzeug zugestellt wird. Das Problem kann teilweise dadurch gelöst werden, dass oberhalb jeder Transportwalze eine Führungsrolle angebracht wird, wenn an dieser Stelle des Transportpfads kein Werkzeug angebracht ist. Dies ist jedoch mit enormen Zusatzkosten verbunden und erhöht ganz signifikant das Arbeitsgeräusch der Transportvorrichtung. Außerdem kann damit nicht das Problem gelöst werden, einen einmal verschobenen oder/und falsch ausgerichteten Zuschnitt wieder in die richtige Spur und Ausrichtung zu bringen.

[0008] In EP 2 845 825 B1 wurde eine Rillvorrichtung zum Rillen flacher Zuschnitte vorgeschlagen, die Rillwellen sowie eine aus Transportwalzen gebildete Transportvorrichtung zum Transport des Zuschnitts in einer Transportebene und einer Transportrichtung umfasst. Der Zuschnitt wird durch ein Niederhaltemittel auf die Transportebene gedrückt. Zum Ausrichten des Zuschnitts ist ein parallel zur Transportrichtung angeordnetes Ausrichtmittel vorgesehen. Die Transportvorrichtung ist um ihre Hochachse, d.h. um die Transportebenennormale, drehbar, wodurch der Zuschnitt während des Transports auch quer zur Transportrichtung, und zwar wahlweise entweder zu der einen oder zu der anderen Seite zu dem Ausrichtmittel hin transportiert und dort ausgerichtet wird. Diese Lösung ist jedoch in solchen Fällen nicht praktikabel, in denen flache Zuschnitte über eine längere Transportstrecke bewegt werden müssen und dabei die Lage und Ausrichtung unter Umständen mehrfach korrigiert werden muss.

[0009] In DE 10 2009 023 110 A1 wurde eine (in Fig. 1 dargestellte) Vorrichtung zum Ausrichten flacher Zuschnitte in einer Falz- und Klebemaschine vorgeschlagen, die einen Walzenförderer zum Befördern der flachen Zuschnitte auf einer Förderfläche und entlang einer Förderrichtung sowie ein Stütz- und Führungselement aufweist, das für die flachen Zuschnitte eine senkrechte Führungsoberfläche definiert, die sich parallel zur Förderrichtung erstreckt. Die Vorrichtung umfasst eine Mehrzahl Rollen, die von dem Stütz- und Führungselement getragen werden. Die Rollen sind um ihre jeweiligen waagerechten Achsen drehbar, wobei die Achsen zueinander parallel und "in geneigter Stellung", d.h. schräg zu einer Senkrechten zu der Förderrichtung, so angeordnet sind, dass eine Schubkomponente quer zur Förderrichtung auf die Rohlinge übertragen wird und die Rohlinge in Berührung mit der Führungsoberfläche bringt.

[0010] Allerdings ist bei dieser Vorrichtung die Schrägstellung der Achsen der Rollen festgelegt und nicht veränderbar. Das kann beispielsweise dann zum Problem werden, wenn mit unterschiedlichen Transportgeschwindigkeiten gearbeitet werden soll, weil eine zu starke Schräglage der Achsen bei hohen Geschwindigkeiten die flachen Zuschnitte beschädigen kann. Selbst wenn man diese Vorrichtung so modifizieren würde, dass die Schrägstellung der Achsen verändert werden kann, würde das jedoch dazu führen, dass die Rollen mit ihren Aufstandspunkten nicht mehr auf die obersten Mantellinien der Transportwalzen treffen. Es müsste die gesamte Vorrichtung in der Transportrichtung verstellt werden, um diesen Fehler auszugleichen.

[0011] Eine Aufgabe der Erfindung besteht daher darin, eine verbesserte Vorrichtung zum Ausrichten flacher Zuschnitte anzugeben, die für kurze Förderstrecken, d.h. beispielsweise zwischen zwei aufeinanderfolgenden Bearbeitungswerkzeugen, sowie bei verschiedenen Transportgeschwindigkeiten verwendbar ist. Eine weitere Aufgabe der Erfindung besteht darin, eine schnelle, einfache und exakte Verstellung aller Achsen zu ermöglichen. Eine weitere Aufgabe der Erfindung besteht darin, dass bei einer Änderung der Lage der Achsen der Rollen die Vorrichtung als Ganzes nicht verstellt werden muss.

[0012] Zur Lösung einer oder mehrerer dieser Aufgaben wird eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 1 vorgeschlagen. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.

[0013] Vorgeschlagen wird dazu zunächst eine Ausrichtevorrichtung zum Ausrichten flacher Zuschnitte, die eine Tragkonstruktion umfasst, an der mindestens zwei drehbare Rollen, die je eine horizontale Drehachse aufweisen, mit paarweise gleichem Abstand zueinander hintereinander angeordnet sind, so dass ihre Aufstandspunkte auf einer horizontalen Ebene auf einer Geraden liegen, wobei ihre Drehachsen parallel zueinander ausgerichtet sind, und wobei jede Rolle um eine durch ihren Aufstandspunkt verlaufende vertikale Drehachse drehbar und an verschiedenen Winkelpositionen festlegbar ist.

[0014] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, eine an sich bekannte Andruckvorrichtung, wie sie beispielsweise in Falz- und Klebemaschinen, insbesondere solchen mit Walzenförderern, verwendet wird, und die mehrere hintereinander angeordnete Andruckrollen aufweist, die im Zusammenwirken mit darunter angeordneten Transportwalzen die flachen Zuschnitte zwangsführt, so zu modifizieren, dass die Andruckrollen um ihre jeweilige Hochachse winkelverstellbar sind, so dass sie - anders als die bekannten Andruckvorrichtungen mit ausschließlichem Geradeauslauf - wahlweise auch eine Korrektur der Lage (Transportspur) oder/und Ausrichtung (Winkel zur Transportrichtung) der flachen Zuschnitte ermöglicht, und - anders als bei der Ausrichtevorrichtung aus DE 10 2009 023 110 A1 - die Lage der Rollen relativ zu den darunter angeordneten Transportwalzen unverändert bleibt, weil sie an Ort und Stelle bleiben, d.h. ihre Aufstandspunkte sich nicht verschieben.

[0015] Vorteilhaft ist dabei vorgesehen, dass die Rollen in oder an der Tragkonstruktion in vertikaler Richtung elastisch angeordnet sind. Da jeder flache Zuschnitt eine gewisse Dicke aufweist wird auf diese Weise sichergestellt, dass die Rolle der Ausrichtevorrichtung um den Betrag dieser Dicke von der darunter angeordneten Transportwalze abheben kann, um den flachen Zuschnitt passieren zu lassen, wobei dies für unterschiedlich dicke Zuschnitte gleichermaßen funktioniert, während die Rolle weiterhin einen gewissen Druck auf den Zuschnitt ausübt.

[0016] Die elastische Anordnung der Rollen an der Tragkonstruktion kann auf vielfältige Weise erfolgen. Besonders einfach ist diese zu realisieren, indem je ein Federelement oberhalb des Aufstandspunkts jeder Rolle angeordnet ist. Es versteht sich, dass das Federelement bei dieser Ausgestaltung über der Rolle angeordnet sein muss. Das Merkmal soll aussagen, dass eine von dem Federelement ausgehende Druckkraft in Richtung auf den Aufstandspunkt der Rolle zu erfolgt, und nicht etwa seitlich daneben.

[0017] Beispielsweise kann dabei vorgesehen sein, dass das Federelement an seiner Oberseite - direkt oder indirekt - an der Tragkonstruktion abgestützt ist, an der die Rollen selbst - direkt oder indirekt - angebracht sind. Das Federelement kann beispielsweise eine Blattfeder, Schraubenfeder, ein Elastomerblock oder dergleichen sein.

[0018] Weiterhin kann vorgesehen sein, dass jede Rolle eine Hebeeinrichtung zum Anheben der Rolle aufweist. Die Hebeeinrichtung kann entweder direkt auf die Rolle wirken oder über eine Rollenhalterung, die nachfolgend noch näher erläutert wird, indirekt auf die Rolle wirken, um diese anzuheben. Dadurch kann wahlweise jede Rolle einzeln angehoben werden, um eine Einwirkung dieser Rolle auf flache Zuschnitte zu verhindern und so die auf den Zuschnitt wirkende Querkraft zu verringern.

[0019] Eine indirekte Anbringung der Rollen an der Tragkonstruktion kann beispielsweise dadurch realisiert sein, dass die Rollen in je einer Rollenhalterung gehalten sind, die ihrerseits an der Tragkonstruktion angebracht sind. Eine Winkelverstellung einer Rolle wird in diesem Fall dadurch realisiert, dass die zugehörige Rollenhalterung um die durch den Aufstandspunkt der Rolle verlaufende Hochachse der Rolle verdreht und in einer bestimmten Winkelposition festgelegt wird. Eine Rollenhalterung kann einteilig oder mehrteilig ausgeführt sein, worauf bei der Erläuterung eines Ausführungsbeispiels der vorgeschlagenen Vorrichtung noch näher eingegangen wird.

[0020] Wenn die Rollen in je einer Rollenhalterung gehalten sind, kann weiterhin vorgesehen sein, dass das Federelement an seiner Unterseite an der Rollenhalterung abgestützt ist. Dadurch ist die Rolle in oder an der Tragkonstruktion in vertikaler Richtung elastisch gelagert.

[0021] Besonders vorteilhaft kann vorgesehen sein, dass die Rollen mit einer gemeinsamen Stelleinrichtung wirkverbunden sind, bei deren Betätigung alle Rollen um einen gleich großen Winkel um ihre jeweilige Hochachse verdreht werden. Hierdurch wird ein Wechsel der Winkelstellung der Rollen wesentlich erleichtert und vereinfacht, weil durch einen einzelnen Stellvorgang alle Rollen gleichzeitig verstellt werden. Darüber hinaus wird durch diese Ausgestaltung erreicht, dass alle Rollen exakt gleich ausgerichtet sind. Dazu ist die gemeinsame Stelleinrichtung vorteilhaft mit allen Rollenhalterungen wirkverbunden, d.h. eine Verstellung der gemeinsamen Stelleinrichtung bewirkt eine gleichzeitige Winkelverstellung um denselben Winkelbetrag. Die Wirkverbindung kann beispielsweise durch eine gelenkige Verbindung zwischen Tragkonstruktion und Rollenhalterung erreicht werden, durch einen Stift, der eine mechanische Verbindung zwischen Tragkonstruktion und Rollenhalterung herstellt, oder dergleichen.

[0022] Die gemeinsame Stelleinrichtung kann beispielsweise eine Koppelstange umfassen, die parallel zu einer durch die Aufstandspunkte der Rollen gebildeten Linie verläuft und parallel zu dieser Linie verschiebbar ist, und die mit den Rollen, also beispielsweise mit Achsen, auf denen die Rollen angeordnet sind, oder mit Rollenhalterungen, an denen die Rollen angebracht sind, verbunden ist. Eine Verschiebung der Koppelstange kann entweder frei erfolgen, oder die Koppelstange ist beispielsweise durch eine Gewindespindel verstellbar.

[0023] Weiter vorteilhaft kann vorgesehen sein, dass die gemeinsame Stelleinrichtung bei verschiedenen Winkelpositionen der Rollen festlegbar ist. Dadurch kann darauf verzichtet werden, jede Rolle einzeln zu arretieren, und es ist möglich, stattdessen durch Fixieren der Koppelstange alle Rollen gleichzeitig an einer gewählten Winkelposition festzulegen.

[0024] Für eine besonders genaue Winkeleinstellung der Rollen kann weiterhin gemäß einer Ausgestaltung der vorgeschlagenen Vorrichtung vorgesehen sein, dass die gemeinsame Stelleinrichtung eine Winkelanzeige aufweist. Mit anderen Worten kann beim Verstellen der gemeinsamen Stelleinrichtung an dieser der Winkelbetrag abgelesen werden, um den die Rollen verstellt wurden.

[0025] Die Ausrichtevorrichtung überträgt neben der von der Transportvorrichtung erzeugten Bewegungskomponente in der Transportrichtung eine auf die flachen Zuschnitte wirkende zusätzliche Bewegungskomponente quer dazu. Der Sinn dieser Komponente besteht darin, den flachen Zuschnitt gegen ein Ausrichtelement zu bewegen, um einen Lagefehler zu korrigieren. Dieses Ausrichtelement kann beispielsweise eine seitlich an der Transportvorrichtung angebrachte Bande sein, gegen die der flache Zuschnitt bewegt wird. Eine solche Bande kann mit entsprechenden Befestigungselementen auch im mittleren Bereich der Transportvorrichtung positioniert werden. Generell kann das Ausrichtelement also unabhängig von der vorgeschlagenen Ausrichtevorrichtung sein und lediglich aufgrund seiner Positionierung an der Transportvorrichtung mit der Ausrichtevorrichtung zusammenwirken, um den flachen Zuschnitt korrekt auszurichten.

[0026] Vorteilhaft kann jedoch vorgesehen sein, dass die Tragkonstruktion ein Ausrichtelement aufweist. Das Ausrichtelement kann beispielsweise durch eine senkrechte Wand der Tragkonstruktion gebildet sein, so dass die flachen Zuschnitte durch die Rollen gegen diese senkrechte Wand geschoben werden. Damit wird das Ausrichtelement automatisch mit versetzt, wenn die Ausrichtevorrichtung an einer anderen Stelle des Transportpfads positioniert wird.

[0027] Die vorgeschlagene Ausrichtevorrichtung kann vorteilhaft in einer Transportvorrichtung zum Transport flacher Zuschnitte zur Korrektur von Lagefehlern dieser flachen Zuschnitte verwendet werden, die eine Mehrzahl horizontal, mit paarweise gleichem Abstand zueinander angeordneter, drehbar gelagerter Transportwalzen umfasst. Dabei kann weiterhin vorgesehen sein, dass bei der Ausrichtevorrichtung der Abstand benachbarter Rollen gleich ist dem Abstand benachbarter Transportwalzen der Transportvorrichtung, und die Rollen der Ausrichtevorrichtung oberhalb der Anordnung von Transportwalzen so angeordnet sein, dass jede Rolle auf einer Transportwalze aufsteht.

[0028] Die Transportvorrichtung kann vorteilhaft in einer Verarbeitungsvorrichtung zur Verarbeitung flacher Zuschnitte verwendet werden, die neben der Transportvorrichtung eine Werkzeugträgereinrichtung aufweist, die zur Tragkonstruktion der Ausrichtevorrichtung sowie von Werkzeugen zur Bearbeitung der flachen Zuschnitte ausgebildet ist, wie dies beispielsweise in EP 2 188 090 B1 beschrieben ist.

[0029] Bei dieser Verarbeitungsvorrichtung ist die Werkzeugträgereinrichtung zur verstellbaren Anordnung von Werkzeugen entlang eines Formungspfads ausgebildet und umfasst zwei parallel zueinander in der Längsrichtung des Formungspfads verlaufend und oberhalb davon angeordnete Trägerschienen und mindestens einen Querträger, der an mehreren vorbestimmten Positionen entlang des Formungspfads jeweils mit beiden Trägerschienen lösbar so verbindbar ist, dass er quer zur Längsrichtung des Formungspfads angeordnet ist. Dadurch wird eine Positionierung aller Werkzeuge, einschließlich der hier vorgeschlagenen Ausrichtevorrichtung perfektioniert, weil deren Rollen stets genau auf je eine darunter angeordnete Transportwalze treffen.

[0030] Nachfolgend wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels und zugehöriger Zeichnungen näher erläutert. Darin zeigen

Fig. 1 eine Ausrichtevorrichtung des Standes der Technik gemäß DE 10 2009 023 110 A1,

Fig. 2 ein Ausführungsbeispiel der vorgeschlagenen Ausrichtevorrichtung auf einem Walzenförderer,

Fig. 3 eine Seitenansicht des Ausführungsbeispiels aus Fig. 2,

Fig. 4 eine Frontansicht des Ausführungsbeispiels aus Fig. 2,

Fig. 5 eine Ansicht des Ausführungsbeispiels aus Fig. 2 mit Befestigungsmitteln, und

Fig. 6 eine Verarbeitungsvorrichtung zur Verarbeitung flacher Zuschnitte mit einer Transportvorrichtung und einer Werkzeugträgereinrichtung.



[0031] Die Ausrichtvorrichtung gemäß Ausführungsbeispiel, deren Details am besten den Fig. 2 bis 4 zu entnehmen sind, umfasst eine Tragkonstruktion 1, an der Rollen 2 drehbar und winkelverstellbar angebracht sind. Die Ausrichtevorrichtung ist oberhalb eines Walzenförderers 6 mit Transportwalzen 61 so angeordnet, dass die Rollen 2 mit ihren Aufstandspunkten auf der obersten Mantellinie je einer Transportwalze 61 stehen.

[0032] Im Ausführungsbeispiel weist die Tragkonstruktion 1 ein gekantetes Blech auf, dessen senkrechte Wand 11 als Ausrichtelement ausgeführt ist, dessen Unterseite Ausnehmungen für die Transportwalzen 61 der Transportvorrichtung 6 aufweist, damit das Ausrichtelement 11 bis unter die Transportebene reicht, die durch die obersten Mantellinien der Transportwalzen 61 definiert ist. Die flachen Zuschnitte S werden durch die Einwirkung von acht einzeln gelagerten Rollen 2 gegen das Ausrichtelement 11 geschoben, wenn diese schräg zur Transportrichtung T ausgerichtet sind. Bei schräg stehenden Rollen 2 wird, bezogen auf die Transportrichtung T, eine Querkraft auf den flachen Zuschnitt S erzeugt, der auf den Transportwalzen 61 aufliegt und durch diese in der Transportrichtung T befördert wird. Der flache Zuschnitt S wird dadurch gegen das Ausrichtelement 11 getrieben und an diesem ausgerichtet.

[0033] Die Rollen 2 sind jeweils um eine durch ihre Aufstandspunkte verlaufende Hochachse winkelverstellbar. Jede Rolle 2 ist dazu an einer Rollenhalterung 3 gelagert, die ein Innenteil 31 und ein Außenteil 32 aufweist. Das jeweilige Außenteil 32 ist an einer waagerechten Wand der Tragkonstruktion 1 mittels eines Befestigungselements 34 winkelverstellbar befestigt. In dem Außenteil 32 ist ein Innenteil 31 um eine Schwenkachse 35 schwenkbar angebracht. Die schwenkbare Anbringung sorgt einerseits dafür, dass die Rolle 2 nach oben ausweichen kann, wenn ein flacher Zuschnitt S in den Spalt zwischen der Rolle 2 und der darunter liegenden Transportwalze 61 eintritt.

[0034] Andererseits ermöglicht es die schwenkbare Anbringung des Innenteils 31 am Außenteil 32, dass jede Rolle 2 einzeln angehoben wird, um eine Einwirkung der Rolle 2 auf flache Zuschnitte S zu verhindern, beispielsweise um die auf den Zuschnitt S wirkende Querkraft zu verringern. Dazu ist in diesem Ausführungsbeispiel eine zwischen Innenteil 31 und Außenteil 32 wirkende Hebeeinrichtung 36 vorgesehen, die von einem am Innenteil 31 angeordneten Stift und einem am Außenteil 32 angeordneten Schlitz, in den der Stift eingreift, umfasst. Der Schlitz ist so ausgestaltet, dass der Stift darin auf zwei verschiedenen Höhen gehalten werden kann. Ist der Stift an der niedrigeren Position, so wirkt die Rolle 2 mit der darunter angeordneten Transportwalze 61 zusammen. Wird der Stift dagegen in die höhere Position bewegt, so wird die Rolle 2 angehoben, so dass sie mit der darunter angeordneten Transportwalze 61 nicht zusammenwirkt.

[0035] Die Rollen 2 sind auf Achsen 21 drehbar angeordnet, die am Innenteil 31 der Rollenhalterung 3 befestigt sind, sich relativ zum Außenteil 32 der Rollenhalterung 3 jedoch frei auf und ab bewegen können. Oberhalb der Rolle 2 in einer Linie mit deren Hochachse ist für die elastische Lagerung der Rolle 2 in vertikaler Richtung eine Schraubenfeder 22 angeordnet, deren Unterseite sich am Innenteil 31 der Rollenhalterung 3 abstützt und deren Oberseite sich am Außenteil 32 der Rollenhalterung 3 und über diese an der Tragkonstruktion 1 abstützt.

[0036] Die gemeinsame Stelleinrichtung 4 umfasst eine verstellbare Koppelstange 41, an der die Außenteile 32 der Rollenhalterungen 3 über daran angebrachte Betätigungsstifte 33 mittels je eines Gelenks 42 befestigt sind. Die Koppelstange 41 kann mittels eines Handknaufs 44, der eine Gewindespindel 43 betätigt, in der Transportrichtung T hin und her bewegt und mittels eines Arretierelements 45 in einer beliebigen Position arretiert, d.h. festgelegt werden. Durch die Bewegung der Koppelstange 41 werden die gelenkig angebundenen Betätigungsstifte 33 mit bewegt, wodurch die Außenteile 32, und mit ihnen die Innenteile 31 der Rollenhalterungen 3 sowie die daran angebrachten Rollen 2, winkelverstellt werden. Um die auf den Zuschnitt S wirkende Querkraft zu regulieren, ist die Schrägstellung der Rollen 2 über die Bewegung der Koppelstange 41 um ±10° manuell einstellbar. Der Drehpunkt der Rollen 2 liegt dabei mittig über dem jeweiligen Aufstandspunkt der Rollen 2.

[0037] Die in Fig. 6 gezeigte Verarbeitungsvorrichtung weist eine Transportvorrichtung 6 zum Transport flacher Zuschnitte S auf, die eine Mehrzahl von horizontal ausgerichteten, mit paarweise gleichem Abstand zueinander angeordneten, drehbar gelagerten Transportwalzen 61 umfasst.

[0038] Eine an der Verarbeitungsvorrichtung angeordnete Werkzeugträgereinrichtung 7 zur verstellbaren Anordnung von Werkzeugen entlang eines Formungspfads umfasst zwei parallel zueinander in der Längsrichtung des Formungspfads verlaufend und oberhalb davon angeordnete Trägerschienen 71 und mindestens einen Querträger 72, der an mehreren vorbestimmten Positionen entlang des Formungspfads jeweils mit beiden Trägerschienen 71 lösbar so verbindbar ist, dass er quer zur Längsrichtung des Formungspfads angeordnet ist.

[0039] An einem solchen Querträger 72 kann eine Ausrichtevorrichtung der vorgeschlagenen Art angebracht werden, bei der der Abstand benachbarter Rollen 2 gleich ist dem Abstand benachbarter Transportwalzen 61 der Transportvorrichtung 6. Zweckmäßig wird die Ausrichtevorrichtung dabei oberhalb der Anordnung von Transportwalzen 61 so angeordnet, dass jede Rolle 2 auf einer Transportwalze 61 aufsteht.

[0040] Die Befestigung der Ausrichtevorrichtung an der Werkzeugträgereinrichtung 7 der Verarbeitungsvorrichtung kann beispielsweise durch Kreuzklemmen erfolgen, die je einen Haltestab 51 einer in Fig. 5 gezeigten Haltekonstruktion 5, die an ihrer Unterseite die Ausrichtevorrichtung hält, mit einem Querträger 72 verbindet.

[0041] Die Rollen 2 werden durch die die in der jeweiligen Rollenhalterung 3 angeordneten Federelemente 22 auf die Transportwalzen 61 gedrückt. Eine Höheneinstellung oder das Anheben der gesamten Ausrichtevorrichtung kann durch Höhenverstellelemente 52, beispielsweise Exzenter, erfolgen, die an jedem der beiden Haltestäbe 51 angeordnet sind.

Bezugszeichenliste



[0042] 
1
Tragkonstruktion
11
senkrechte Wand, Ausrichtelement
12
waagerechte Wand
2
Rolle
21
Achse
22
Federelement
3
Rollenhalterung
31
Innenteil
32
Außenteil
33
Betätigungsstift
34
Befestigungselement
35
Schwenkachse
36
Hebeeinrichtung
4
Stelleinrichtung
41
Koppelstange
42
Gelenk
43
Gewindespindel
44
Handknauf
45
Arretierelement
5
Haltekonstruktion
51
Haltestab
52
Höhenverstellelement
6
Transporteinrichtung
61
Transportwalze
7
Werkzeugträgereinrichtung
71
Trägerschiene
72
Querträger
S
flacher Zuschnitt
T
Transportrichtung



Ansprüche

1. Ausrichtevorrichtung zum Ausrichten flacher Zuschnitte (S), umfassend eine Tragkonstruktion (1), an der mindestens zwei drehbare Rollen (2), die je eine horizontale Drehachse aufweisen, mit paarweise gleichem Abstand zueinander hintereinander angeordnet sind, so dass ihre Aufstandspunkte auf einer horizontalen Ebene auf einer Geraden liegen, wobei ihre Drehachsen (21) parallel zueinander ausgerichtet sind, und wobei jede Rolle (2) um eine durch ihren Aufstandspunkt verlaufende vertikale Drehachse drehbar und an verschiedenen Winkelpositionen festlegbar ist.
 
2. Ausrichtevorrichtung nach Anspruch 1, bei der die Rollen (2) in oder an der Tragkonstruktion (1) in vertikaler Richtung elastisch angeordnet sind.
 
3. Ausrichtevorrichtung nach Anspruch 2, bei der je ein Federelement (22) oberhalb des Aufstandspunkts jeder Rolle (2) angeordnet ist.
 
4. Ausrichtevorrichtung nach Anspruch 2 oder 3, bei der das Federelement (22) an seiner Oberseite an der Tragkonstruktion (1) abgestützt ist.
 
5. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, bei der jede Rolle (2) mit einer Hebeeinrichtung (36) zum Anheben der Rolle (2) wirkverbunden ist.
 
6. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei der die Rollen (2) in je einer Rollenhalterung (3) gehalten sind.
 
7. Ausrichtevorrichtung nach Anspruch 6, bei der das Federelement (22) an seiner Unterseite an der Rollenhalterung (3) abgestützt ist.
 
8. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, bei der die Rollen (2) mit einer gemeinsamen Stelleinrichtung (4) wirkverbunden sind, bei deren Betätigung alle Rollen (2) um einen gleich großen Winkel um ihre jeweilige Hochachse verdreht werden.
 
9. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 6 bis 8, bei der die gemeinsame Stelleinrichtung (4) mit den Rollenhalterungen (3) wirkverbunden ist.
 
10. Ausrichtevorrichtung nach Anspruch 8 oder 9, bei der die gemeinsame Stelleinrichtung (4) eine Koppelstange (41) umfasst, die parallel zu einer durch die Aufstandspunkte der Rollen (2) gebildeten Linie verläuft und parallel zu dieser Linie verschiebbar ist.
 
11. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 10, bei der die gemeinsame Stelleinrichtung (4) bei verschiedenen Winkelpositionen der Rollen (2) festlegbar ist.
 
12. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 11, bei der die gemeinsame Stelleinrichtung (4) eine Winkelanzeige aufweist.
 
13. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 12, bei der die Tragkonstruktion (1) ein Ausrichtelement (11) aufweist.
 
14. Transportvorrichtung (6) zum Transport flacher Zuschnitte (S), umfassend eine Mehrzahl horizontal, mit paarweise gleichem Abstand zueinander angeordneter, drehbar gelagerter Transportwalzen (61), sowie eine Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 13, bei der der Abstand benachbarter Rollen (2) gleich ist dem Abstand benachbarter Transportwalzen (61) der Transportvorrichtung (6), und die Rollen (2) oberhalb der Anordnung von Transportwalzen (61) so angeordnet ist, dass jede Rolle (2) auf einer Transportwalze (61) aufsteht.
 
15. Verarbeitungsvorrichtung zur Verarbeitung flacher Zuschnitte, umfassend eine Transportvorrichtung (6) nach Anspruch 14 sowie eine Werkzeugträgereinrichtung (7), die zur Halterung der Ausrichtevorrichtung sowie von Werkzeugen zur Bearbeitung der flachen Zuschnitte ausgebildet ist.
 
16. Verarbeitungsvorrichtung nach Anspruch 15, bei der die Werkzeugträgereinrichtung (7) zur verstellbaren Anordnung von Werkzeugen entlang eines Formungspfads ausgebildet ist, umfassend zwei parallel zueinander in der Längsrichtung des Formungspfads verlaufend und oberhalb davon angeordnete Trägerschienen (71), weiter umfassend mindestens einen Querträger (72), der an mehreren vorbestimmten Positionen entlang des Formungspfads jeweils mit beiden Trägerschienen (71) lösbar so verbindbar ist, dass er quer zur Längsrichtung des Formungspfads angeordnet ist.
 




Zeichnung













Recherchenbericht









Recherchenbericht




Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente