[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Ausrichten flacher Zuschnitte, insbesondere
in Druck- und Druckweiterverarbeitungsmaschinen wie Stanzmaschinen, Prägemaschinen,
Rillvorrichtungen, Falz- und Klebemaschinen usw., und in Installationen, in denen
zwei oder mehr derartige Maschinen hintereinander angeordnet und durch eine Transportvorrichtung
so miteinander verbunden sind, dass Rohlinge nacheinander durch diese hindurch transportiert
werden.
[0002] Unter flachen Zuschnitten sollen dabei Werkstücke verstanden werden, wie sie typischerweise
in der Druckindustrie und der Druckweiterverarbeitung verarbeitet werden, also beispielsweise
Papier- oder Kartonbögen oder Nutzen für die spätere Weiterverarbeitung, beispielsweise
zu Faltschachteln.
[0003] Der Begriff Nutzen bezeichnet die Anzahl der auf einem Druckbogen befindlichen Exemplare
eines Druckprodukts. Um den Platz auf einem Druckbogen optimal zu nutzen und kostengünstig
zu drucken, werden in der Regel mehrere gleiche oder unterschiedliche Exemplare, zum
Beispiel Etiketten, Plakate, Verpackungen, Visitenkarten usw., auf ein und denselben
Druckbogen gedruckt, in einigen Fällen noch geprägt oder anderweitig weiter veredelt,
und schließlich durch Stanzen vereinzelt. Die vereinzelten Nutzen können dann beispielsweise
in einer Falz- und Klebemaschine zum fertigen Produkt, beispielsweise einer Glückwunschkarte,
Präsentationsmappe, Faltschachtel oder dergleichen, weiterverarbeitet werden.
[0004] Während all dieser Vorgänge werden die flachen Zuschnitte häufig auf Transportvorrichtungen
durch eine oder nacheinander durch mehrere hintereinander angeordnete Maschinen bewegt,
die in verschiedener Weise auf die flachen Zuschnitte einwirken, beispielsweise einen
Druckbogen bedrucken, prägen, Nutzen aus dem Druckbogen ausstanzen, die Nutzen rillen,
falzen, kleben usw. Derartige Transportvorrichtungen können beispielsweise ein Transportband
aufweisen, das um Umlenkrollen geführt ist und eine horizontale Transportebene für
die flachen Zuschnitte definiert. Das Transportband kann beispielsweise perforiert
sein und unterhalb des Lasttrums, auf dem die flachen Zuschnitte beim Transport aufliegen,
einen Vakuumkasten aufweisen, in dem ein Unterdruck erzeugt wird, so dass der Atmosphärendruck
die flachen Zuschnitte auf die Oberseite des Lasttrums drückt und diese dadurch in
ihrer Position auf dem Transportband gehalten werden, um unerwünschtes Verrutschen
während des Transports zu vermeiden.
[0005] Alternativ haben sich zur Verwendung in und zwischen Druckweiterverarbeitungsmaschinen
sogenannte Walzenförderer etabliert, die eine Mehrzahl von horizontal angeordneten,
drehbaren Transportwalzen aufweisen, von denen zumindest ein Teil antreibbar ist.
Die obersten Mantellinien der Transportwalzen definieren hier die Transportebene,
und die Transportrichtung der flachen Zuschnitte verläuft quer zu den Längsachsen
der Transportwalzen. Derartige Transportvorrichtungen können beispielsweise fester
Bestandteil einer Bearbeitungsmaschine, beispielsweise einer Falz- und Klebemaschine
sein, bei der Werkzeuge zur Durchführung einzelner Bearbeitungsschritte an den flachen
Zuschnitten oberhalb der Transportvorrichtung angeordnet sind. Ein Beispiel für eine
Falz- und Klebemaschine mit einem Walzenförderer ist in
EP 2 188 090 B1 beschrieben. Ein Beispiel für eine Vorrichtung zum Ausbrechen und Nutzentrennen,
die beispielsweise unmittelbar hinter einer Stanzmaschine angeordnet sein kann, ist
in
EP 2 858 798 B1 beschrieben.
[0006] Alternativ können derartige Transportvorrichtungen ohne eigene Bearbeitungsfunktion
zwischen zwei aufeinanderfolgenden Maschinen angeordnet sein, um die flachen Zuschnitte
von einem Bearbeitungsschritt zum nächsten Bearbeitungsschritt zu transportieren.
[0007] Bei Walzenförderern ist es viel schwieriger, die flachen Zuschnitte zu positionieren
und in ihrer Position zu halten, als bei einem Bandförderer mit Vakuumkasten, wie
oben beschrieben. Dadurch kann es passieren, dass die flachen Zuschnitte sich während
des Transports auf der Transportebene verdrehen oder verschieben. Dies führt dazu,
dass die Bearbeitung nachfolgend erschwert oder gar unmöglich ist, weil das für die
Bearbeitung vorgesehene Werkzeug oberhalb der Transportebene fest angebracht ist und
seine korrekte Funktion davon abhängt, dass der flache Zuschnitt in einer ganz bestimmten
Spur und mit einer ganz bestimmten Ausrichtung an das Werkzeug zugestellt wird. Das
Problem kann teilweise dadurch gelöst werden, dass oberhalb jeder Transportwalze eine
Führungsrolle angebracht wird, wenn an dieser Stelle des Transportpfads kein Werkzeug
angebracht ist. Dies ist jedoch mit enormen Zusatzkosten verbunden und erhöht ganz
signifikant das Arbeitsgeräusch der Transportvorrichtung. Außerdem kann damit nicht
das Problem gelöst werden, einen einmal verschobenen oder/und falsch ausgerichteten
Zuschnitt wieder in die richtige Spur und Ausrichtung zu bringen.
[0008] In
EP 2 845 825 B1 wurde eine Rillvorrichtung zum Rillen flacher Zuschnitte vorgeschlagen, die Rillwellen
sowie eine aus Transportwalzen gebildete Transportvorrichtung zum Transport des Zuschnitts
in einer Transportebene und einer Transportrichtung umfasst. Der Zuschnitt wird durch
ein Niederhaltemittel auf die Transportebene gedrückt. Zum Ausrichten des Zuschnitts
ist ein parallel zur Transportrichtung angeordnetes Ausrichtmittel vorgesehen. Die
Transportvorrichtung ist um ihre Hochachse, d.h. um die Transportebenennormale, drehbar,
wodurch der Zuschnitt während des Transports auch quer zur Transportrichtung, und
zwar wahlweise entweder zu der einen oder zu der anderen Seite zu dem Ausrichtmittel
hin transportiert und dort ausgerichtet wird. Diese Lösung ist jedoch in solchen Fällen
nicht praktikabel, in denen flache Zuschnitte über eine längere Transportstrecke bewegt
werden müssen und dabei die Lage und Ausrichtung unter Umständen mehrfach korrigiert
werden muss.
[0009] In
DE 10 2009 023 110 A1 wurde eine (in Fig. 1 dargestellte) Vorrichtung zum Ausrichten flacher Zuschnitte
in einer Falz- und Klebemaschine vorgeschlagen, die einen Walzenförderer zum Befördern
der flachen Zuschnitte auf einer Förderfläche und entlang einer Förderrichtung sowie
ein Stütz- und Führungselement aufweist, das für die flachen Zuschnitte eine senkrechte
Führungsoberfläche definiert, die sich parallel zur Förderrichtung erstreckt. Die
Vorrichtung umfasst eine Mehrzahl Rollen, die von dem Stütz- und Führungselement getragen
werden. Die Rollen sind um ihre jeweiligen waagerechten Achsen drehbar, wobei die
Achsen zueinander parallel und "in geneigter Stellung", d.h. schräg zu einer Senkrechten
zu der Förderrichtung, so angeordnet sind, dass eine Schubkomponente quer zur Förderrichtung
auf die Rohlinge übertragen wird und die Rohlinge in Berührung mit der Führungsoberfläche
bringt.
[0010] Allerdings ist bei dieser Vorrichtung die Schrägstellung der Achsen der Rollen festgelegt
und nicht veränderbar. Das kann beispielsweise dann zum Problem werden, wenn mit unterschiedlichen
Transportgeschwindigkeiten gearbeitet werden soll, weil eine zu starke Schräglage
der Achsen bei hohen Geschwindigkeiten die flachen Zuschnitte beschädigen kann. Selbst
wenn man diese Vorrichtung so modifizieren würde, dass die Schrägstellung der Achsen
verändert werden kann, würde das jedoch dazu führen, dass die Rollen mit ihren Aufstandspunkten
nicht mehr auf die obersten Mantellinien der Transportwalzen treffen. Es müsste die
gesamte Vorrichtung in der Transportrichtung verstellt werden, um diesen Fehler auszugleichen.
[0011] Eine Aufgabe der Erfindung besteht daher darin, eine verbesserte Vorrichtung zum
Ausrichten flacher Zuschnitte anzugeben, die für kurze Förderstrecken, d.h. beispielsweise
zwischen zwei aufeinanderfolgenden Bearbeitungswerkzeugen, sowie bei verschiedenen
Transportgeschwindigkeiten verwendbar ist. Eine weitere Aufgabe der Erfindung besteht
darin, eine schnelle, einfache und exakte Verstellung aller Achsen zu ermöglichen.
Eine weitere Aufgabe der Erfindung besteht darin, dass bei einer Änderung der Lage
der Achsen der Rollen die Vorrichtung als Ganzes nicht verstellt werden muss.
[0012] Zur Lösung einer oder mehrerer dieser Aufgaben wird eine Vorrichtung mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 vorgeschlagen. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen sind
Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0013] Vorgeschlagen wird dazu zunächst eine Ausrichtevorrichtung zum Ausrichten flacher
Zuschnitte, die eine Tragkonstruktion umfasst, an der mindestens zwei drehbare Rollen,
die je eine horizontale Drehachse aufweisen, mit paarweise gleichem Abstand zueinander
hintereinander angeordnet sind, so dass ihre Aufstandspunkte auf einer horizontalen
Ebene auf einer Geraden liegen, wobei ihre Drehachsen parallel zueinander ausgerichtet
sind, und wobei jede Rolle um eine durch ihren Aufstandspunkt verlaufende vertikale
Drehachse drehbar und an verschiedenen Winkelpositionen festlegbar ist.
[0014] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, eine an sich bekannte Andruckvorrichtung, wie sie
beispielsweise in Falz- und Klebemaschinen, insbesondere solchen mit Walzenförderern,
verwendet wird, und die mehrere hintereinander angeordnete Andruckrollen aufweist,
die im Zusammenwirken mit darunter angeordneten Transportwalzen die flachen Zuschnitte
zwangsführt, so zu modifizieren, dass die Andruckrollen um ihre jeweilige Hochachse
winkelverstellbar sind, so dass sie - anders als die bekannten Andruckvorrichtungen
mit ausschließlichem Geradeauslauf - wahlweise auch eine Korrektur der Lage (Transportspur)
oder/und Ausrichtung (Winkel zur Transportrichtung) der flachen Zuschnitte ermöglicht,
und - anders als bei der Ausrichtevorrichtung aus
DE 10 2009 023 110 A1 - die Lage der Rollen relativ zu den darunter angeordneten Transportwalzen unverändert
bleibt, weil sie an Ort und Stelle bleiben, d.h. ihre Aufstandspunkte sich nicht verschieben.
[0015] Vorteilhaft ist dabei vorgesehen, dass die Rollen in oder an der Tragkonstruktion
in vertikaler Richtung elastisch angeordnet sind. Da jeder flache Zuschnitt eine gewisse
Dicke aufweist wird auf diese Weise sichergestellt, dass die Rolle der Ausrichtevorrichtung
um den Betrag dieser Dicke von der darunter angeordneten Transportwalze abheben kann,
um den flachen Zuschnitt passieren zu lassen, wobei dies für unterschiedlich dicke
Zuschnitte gleichermaßen funktioniert, während die Rolle weiterhin einen gewissen
Druck auf den Zuschnitt ausübt.
[0016] Die elastische Anordnung der Rollen an der Tragkonstruktion kann auf vielfältige
Weise erfolgen. Besonders einfach ist diese zu realisieren, indem je ein Federelement
oberhalb des Aufstandspunkts jeder Rolle angeordnet ist. Es versteht sich, dass das
Federelement bei dieser Ausgestaltung über der Rolle angeordnet sein muss. Das Merkmal
soll aussagen, dass eine von dem Federelement ausgehende Druckkraft in Richtung auf
den Aufstandspunkt der Rolle zu erfolgt, und nicht etwa seitlich daneben.
[0017] Beispielsweise kann dabei vorgesehen sein, dass das Federelement an seiner Oberseite
- direkt oder indirekt - an der Tragkonstruktion abgestützt ist, an der die Rollen
selbst - direkt oder indirekt - angebracht sind. Das Federelement kann beispielsweise
eine Blattfeder, Schraubenfeder, ein Elastomerblock oder dergleichen sein.
[0018] Weiterhin kann vorgesehen sein, dass jede Rolle eine Hebeeinrichtung zum Anheben
der Rolle aufweist. Die Hebeeinrichtung kann entweder direkt auf die Rolle wirken
oder über eine Rollenhalterung, die nachfolgend noch näher erläutert wird, indirekt
auf die Rolle wirken, um diese anzuheben. Dadurch kann wahlweise jede Rolle einzeln
angehoben werden, um eine Einwirkung dieser Rolle auf flache Zuschnitte zu verhindern
und so die auf den Zuschnitt wirkende Querkraft zu verringern.
[0019] Eine indirekte Anbringung der Rollen an der Tragkonstruktion kann beispielsweise
dadurch realisiert sein, dass die Rollen in je einer Rollenhalterung gehalten sind,
die ihrerseits an der Tragkonstruktion angebracht sind. Eine Winkelverstellung einer
Rolle wird in diesem Fall dadurch realisiert, dass die zugehörige Rollenhalterung
um die durch den Aufstandspunkt der Rolle verlaufende Hochachse der Rolle verdreht
und in einer bestimmten Winkelposition festgelegt wird. Eine Rollenhalterung kann
einteilig oder mehrteilig ausgeführt sein, worauf bei der Erläuterung eines Ausführungsbeispiels
der vorgeschlagenen Vorrichtung noch näher eingegangen wird.
[0020] Wenn die Rollen in je einer Rollenhalterung gehalten sind, kann weiterhin vorgesehen
sein, dass das Federelement an seiner Unterseite an der Rollenhalterung abgestützt
ist. Dadurch ist die Rolle in oder an der Tragkonstruktion in vertikaler Richtung
elastisch gelagert.
[0021] Besonders vorteilhaft kann vorgesehen sein, dass die Rollen mit einer gemeinsamen
Stelleinrichtung wirkverbunden sind, bei deren Betätigung alle Rollen um einen gleich
großen Winkel um ihre jeweilige Hochachse verdreht werden. Hierdurch wird ein Wechsel
der Winkelstellung der Rollen wesentlich erleichtert und vereinfacht, weil durch einen
einzelnen Stellvorgang alle Rollen gleichzeitig verstellt werden. Darüber hinaus wird
durch diese Ausgestaltung erreicht, dass alle Rollen exakt gleich ausgerichtet sind.
Dazu ist die gemeinsame Stelleinrichtung vorteilhaft mit allen Rollenhalterungen wirkverbunden,
d.h. eine Verstellung der gemeinsamen Stelleinrichtung bewirkt eine gleichzeitige
Winkelverstellung um denselben Winkelbetrag. Die Wirkverbindung kann beispielsweise
durch eine gelenkige Verbindung zwischen Tragkonstruktion und Rollenhalterung erreicht
werden, durch einen Stift, der eine mechanische Verbindung zwischen Tragkonstruktion
und Rollenhalterung herstellt, oder dergleichen.
[0022] Die gemeinsame Stelleinrichtung kann beispielsweise eine Koppelstange umfassen, die
parallel zu einer durch die Aufstandspunkte der Rollen gebildeten Linie verläuft und
parallel zu dieser Linie verschiebbar ist, und die mit den Rollen, also beispielsweise
mit Achsen, auf denen die Rollen angeordnet sind, oder mit Rollenhalterungen, an denen
die Rollen angebracht sind, verbunden ist. Eine Verschiebung der Koppelstange kann
entweder frei erfolgen, oder die Koppelstange ist beispielsweise durch eine Gewindespindel
verstellbar.
[0023] Weiter vorteilhaft kann vorgesehen sein, dass die gemeinsame Stelleinrichtung bei
verschiedenen Winkelpositionen der Rollen festlegbar ist. Dadurch kann darauf verzichtet
werden, jede Rolle einzeln zu arretieren, und es ist möglich, stattdessen durch Fixieren
der Koppelstange alle Rollen gleichzeitig an einer gewählten Winkelposition festzulegen.
[0024] Für eine besonders genaue Winkeleinstellung der Rollen kann weiterhin gemäß einer
Ausgestaltung der vorgeschlagenen Vorrichtung vorgesehen sein, dass die gemeinsame
Stelleinrichtung eine Winkelanzeige aufweist. Mit anderen Worten kann beim Verstellen
der gemeinsamen Stelleinrichtung an dieser der Winkelbetrag abgelesen werden, um den
die Rollen verstellt wurden.
[0025] Die Ausrichtevorrichtung überträgt neben der von der Transportvorrichtung erzeugten
Bewegungskomponente in der Transportrichtung eine auf die flachen Zuschnitte wirkende
zusätzliche Bewegungskomponente quer dazu. Der Sinn dieser Komponente besteht darin,
den flachen Zuschnitt gegen ein Ausrichtelement zu bewegen, um einen Lagefehler zu
korrigieren. Dieses Ausrichtelement kann beispielsweise eine seitlich an der Transportvorrichtung
angebrachte Bande sein, gegen die der flache Zuschnitt bewegt wird. Eine solche Bande
kann mit entsprechenden Befestigungselementen auch im mittleren Bereich der Transportvorrichtung
positioniert werden. Generell kann das Ausrichtelement also unabhängig von der vorgeschlagenen
Ausrichtevorrichtung sein und lediglich aufgrund seiner Positionierung an der Transportvorrichtung
mit der Ausrichtevorrichtung zusammenwirken, um den flachen Zuschnitt korrekt auszurichten.
[0026] Vorteilhaft kann jedoch vorgesehen sein, dass die Tragkonstruktion ein Ausrichtelement
aufweist. Das Ausrichtelement kann beispielsweise durch eine senkrechte Wand der Tragkonstruktion
gebildet sein, so dass die flachen Zuschnitte durch die Rollen gegen diese senkrechte
Wand geschoben werden. Damit wird das Ausrichtelement automatisch mit versetzt, wenn
die Ausrichtevorrichtung an einer anderen Stelle des Transportpfads positioniert wird.
[0027] Die vorgeschlagene Ausrichtevorrichtung kann vorteilhaft in einer Transportvorrichtung
zum Transport flacher Zuschnitte zur Korrektur von Lagefehlern dieser flachen Zuschnitte
verwendet werden, die eine Mehrzahl horizontal, mit paarweise gleichem Abstand zueinander
angeordneter, drehbar gelagerter Transportwalzen umfasst. Dabei kann weiterhin vorgesehen
sein, dass bei der Ausrichtevorrichtung der Abstand benachbarter Rollen gleich ist
dem Abstand benachbarter Transportwalzen der Transportvorrichtung, und die Rollen
der Ausrichtevorrichtung oberhalb der Anordnung von Transportwalzen so angeordnet
sein, dass jede Rolle auf einer Transportwalze aufsteht.
[0028] Die Transportvorrichtung kann vorteilhaft in einer Verarbeitungsvorrichtung zur Verarbeitung
flacher Zuschnitte verwendet werden, die neben der Transportvorrichtung eine Werkzeugträgereinrichtung
aufweist, die zur Tragkonstruktion der Ausrichtevorrichtung sowie von Werkzeugen zur
Bearbeitung der flachen Zuschnitte ausgebildet ist, wie dies beispielsweise in
EP 2 188 090 B1 beschrieben ist.
[0029] Bei dieser Verarbeitungsvorrichtung ist die Werkzeugträgereinrichtung zur verstellbaren
Anordnung von Werkzeugen entlang eines Formungspfads ausgebildet und umfasst zwei
parallel zueinander in der Längsrichtung des Formungspfads verlaufend und oberhalb
davon angeordnete Trägerschienen und mindestens einen Querträger, der an mehreren
vorbestimmten Positionen entlang des Formungspfads jeweils mit beiden Trägerschienen
lösbar so verbindbar ist, dass er quer zur Längsrichtung des Formungspfads angeordnet
ist. Dadurch wird eine Positionierung aller Werkzeuge, einschließlich der hier vorgeschlagenen
Ausrichtevorrichtung perfektioniert, weil deren Rollen stets genau auf je eine darunter
angeordnete Transportwalze treffen.
[0030] Nachfolgend wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels und zugehöriger
Zeichnungen näher erläutert. Darin zeigen
Fig. 1 eine Ausrichtevorrichtung des Standes der Technik gemäß DE 10 2009 023 110 A1,
Fig. 2 ein Ausführungsbeispiel der vorgeschlagenen Ausrichtevorrichtung auf einem
Walzenförderer,
Fig. 3 eine Seitenansicht des Ausführungsbeispiels aus Fig. 2,
Fig. 4 eine Frontansicht des Ausführungsbeispiels aus Fig. 2,
Fig. 5 eine Ansicht des Ausführungsbeispiels aus Fig. 2 mit Befestigungsmitteln, und
Fig. 6 eine Verarbeitungsvorrichtung zur Verarbeitung flacher Zuschnitte mit einer
Transportvorrichtung und einer Werkzeugträgereinrichtung.
[0031] Die Ausrichtvorrichtung gemäß Ausführungsbeispiel, deren Details am besten den Fig.
2 bis 4 zu entnehmen sind, umfasst eine Tragkonstruktion 1, an der Rollen 2 drehbar
und winkelverstellbar angebracht sind. Die Ausrichtevorrichtung ist oberhalb eines
Walzenförderers 6 mit Transportwalzen 61 so angeordnet, dass die Rollen 2 mit ihren
Aufstandspunkten auf der obersten Mantellinie je einer Transportwalze 61 stehen.
[0032] Im Ausführungsbeispiel weist die Tragkonstruktion 1 ein gekantetes Blech auf, dessen
senkrechte Wand 11 als Ausrichtelement ausgeführt ist, dessen Unterseite Ausnehmungen
für die Transportwalzen 61 der Transportvorrichtung 6 aufweist, damit das Ausrichtelement
11 bis unter die Transportebene reicht, die durch die obersten Mantellinien der Transportwalzen
61 definiert ist. Die flachen Zuschnitte S werden durch die Einwirkung von acht einzeln
gelagerten Rollen 2 gegen das Ausrichtelement 11 geschoben, wenn diese schräg zur
Transportrichtung T ausgerichtet sind. Bei schräg stehenden Rollen 2 wird, bezogen
auf die Transportrichtung T, eine Querkraft auf den flachen Zuschnitt S erzeugt, der
auf den Transportwalzen 61 aufliegt und durch diese in der Transportrichtung T befördert
wird. Der flache Zuschnitt S wird dadurch gegen das Ausrichtelement 11 getrieben und
an diesem ausgerichtet.
[0033] Die Rollen 2 sind jeweils um eine durch ihre Aufstandspunkte verlaufende Hochachse
winkelverstellbar. Jede Rolle 2 ist dazu an einer Rollenhalterung 3 gelagert, die
ein Innenteil 31 und ein Außenteil 32 aufweist. Das jeweilige Außenteil 32 ist an
einer waagerechten Wand der Tragkonstruktion 1 mittels eines Befestigungselements
34 winkelverstellbar befestigt. In dem Außenteil 32 ist ein Innenteil 31 um eine Schwenkachse
35 schwenkbar angebracht. Die schwenkbare Anbringung sorgt einerseits dafür, dass
die Rolle 2 nach oben ausweichen kann, wenn ein flacher Zuschnitt S in den Spalt zwischen
der Rolle 2 und der darunter liegenden Transportwalze 61 eintritt.
[0034] Andererseits ermöglicht es die schwenkbare Anbringung des Innenteils 31 am Außenteil
32, dass jede Rolle 2 einzeln angehoben wird, um eine Einwirkung der Rolle 2 auf flache
Zuschnitte S zu verhindern, beispielsweise um die auf den Zuschnitt S wirkende Querkraft
zu verringern. Dazu ist in diesem Ausführungsbeispiel eine zwischen Innenteil 31 und
Außenteil 32 wirkende Hebeeinrichtung 36 vorgesehen, die von einem am Innenteil 31
angeordneten Stift und einem am Außenteil 32 angeordneten Schlitz, in den der Stift
eingreift, umfasst. Der Schlitz ist so ausgestaltet, dass der Stift darin auf zwei
verschiedenen Höhen gehalten werden kann. Ist der Stift an der niedrigeren Position,
so wirkt die Rolle 2 mit der darunter angeordneten Transportwalze 61 zusammen. Wird
der Stift dagegen in die höhere Position bewegt, so wird die Rolle 2 angehoben, so
dass sie mit der darunter angeordneten Transportwalze 61 nicht zusammenwirkt.
[0035] Die Rollen 2 sind auf Achsen 21 drehbar angeordnet, die am Innenteil 31 der Rollenhalterung
3 befestigt sind, sich relativ zum Außenteil 32 der Rollenhalterung 3 jedoch frei
auf und ab bewegen können. Oberhalb der Rolle 2 in einer Linie mit deren Hochachse
ist für die elastische Lagerung der Rolle 2 in vertikaler Richtung eine Schraubenfeder
22 angeordnet, deren Unterseite sich am Innenteil 31 der Rollenhalterung 3 abstützt
und deren Oberseite sich am Außenteil 32 der Rollenhalterung 3 und über diese an der
Tragkonstruktion 1 abstützt.
[0036] Die gemeinsame Stelleinrichtung 4 umfasst eine verstellbare Koppelstange 41, an der
die Außenteile 32 der Rollenhalterungen 3 über daran angebrachte Betätigungsstifte
33 mittels je eines Gelenks 42 befestigt sind. Die Koppelstange 41 kann mittels eines
Handknaufs 44, der eine Gewindespindel 43 betätigt, in der Transportrichtung T hin
und her bewegt und mittels eines Arretierelements 45 in einer beliebigen Position
arretiert, d.h. festgelegt werden. Durch die Bewegung der Koppelstange 41 werden die
gelenkig angebundenen Betätigungsstifte 33 mit bewegt, wodurch die Außenteile 32,
und mit ihnen die Innenteile 31 der Rollenhalterungen 3 sowie die daran angebrachten
Rollen 2, winkelverstellt werden. Um die auf den Zuschnitt S wirkende Querkraft zu
regulieren, ist die Schrägstellung der Rollen 2 über die Bewegung der Koppelstange
41 um ±10° manuell einstellbar. Der Drehpunkt der Rollen 2 liegt dabei mittig über
dem jeweiligen Aufstandspunkt der Rollen 2.
[0037] Die in Fig. 6 gezeigte Verarbeitungsvorrichtung weist eine Transportvorrichtung 6
zum Transport flacher Zuschnitte S auf, die eine Mehrzahl von horizontal ausgerichteten,
mit paarweise gleichem Abstand zueinander angeordneten, drehbar gelagerten Transportwalzen
61 umfasst.
[0038] Eine an der Verarbeitungsvorrichtung angeordnete Werkzeugträgereinrichtung 7 zur
verstellbaren Anordnung von Werkzeugen entlang eines Formungspfads umfasst zwei parallel
zueinander in der Längsrichtung des Formungspfads verlaufend und oberhalb davon angeordnete
Trägerschienen 71 und mindestens einen Querträger 72, der an mehreren vorbestimmten
Positionen entlang des Formungspfads jeweils mit beiden Trägerschienen 71 lösbar so
verbindbar ist, dass er quer zur Längsrichtung des Formungspfads angeordnet ist.
[0039] An einem solchen Querträger 72 kann eine Ausrichtevorrichtung der vorgeschlagenen
Art angebracht werden, bei der der Abstand benachbarter Rollen 2 gleich ist dem Abstand
benachbarter Transportwalzen 61 der Transportvorrichtung 6. Zweckmäßig wird die Ausrichtevorrichtung
dabei oberhalb der Anordnung von Transportwalzen 61 so angeordnet, dass jede Rolle
2 auf einer Transportwalze 61 aufsteht.
[0040] Die Befestigung der Ausrichtevorrichtung an der Werkzeugträgereinrichtung 7 der Verarbeitungsvorrichtung
kann beispielsweise durch Kreuzklemmen erfolgen, die je einen Haltestab 51 einer in
Fig. 5 gezeigten Haltekonstruktion 5, die an ihrer Unterseite die Ausrichtevorrichtung
hält, mit einem Querträger 72 verbindet.
[0041] Die Rollen 2 werden durch die die in der jeweiligen Rollenhalterung 3 angeordneten
Federelemente 22 auf die Transportwalzen 61 gedrückt. Eine Höheneinstellung oder das
Anheben der gesamten Ausrichtevorrichtung kann durch Höhenverstellelemente 52, beispielsweise
Exzenter, erfolgen, die an jedem der beiden Haltestäbe 51 angeordnet sind.
Bezugszeichenliste
[0042]
- 1
- Tragkonstruktion
- 11
- senkrechte Wand, Ausrichtelement
- 12
- waagerechte Wand
- 2
- Rolle
- 21
- Achse
- 22
- Federelement
- 3
- Rollenhalterung
- 31
- Innenteil
- 32
- Außenteil
- 33
- Betätigungsstift
- 34
- Befestigungselement
- 35
- Schwenkachse
- 36
- Hebeeinrichtung
- 4
- Stelleinrichtung
- 41
- Koppelstange
- 42
- Gelenk
- 43
- Gewindespindel
- 44
- Handknauf
- 45
- Arretierelement
- 5
- Haltekonstruktion
- 51
- Haltestab
- 52
- Höhenverstellelement
- 6
- Transporteinrichtung
- 61
- Transportwalze
- 7
- Werkzeugträgereinrichtung
- 71
- Trägerschiene
- 72
- Querträger
- S
- flacher Zuschnitt
- T
- Transportrichtung
1. Ausrichtevorrichtung zum Ausrichten flacher Zuschnitte (S), umfassend eine Tragkonstruktion
(1), an der mindestens zwei drehbare Rollen (2), die je eine horizontale Drehachse
aufweisen, mit paarweise gleichem Abstand zueinander hintereinander angeordnet sind,
so dass ihre Aufstandspunkte auf einer horizontalen Ebene auf einer Geraden liegen,
wobei ihre Drehachsen (21) parallel zueinander ausgerichtet sind, und wobei jede Rolle
(2) um eine durch ihren Aufstandspunkt verlaufende vertikale Drehachse drehbar und
an verschiedenen Winkelpositionen festlegbar ist.
2. Ausrichtevorrichtung nach Anspruch 1, bei der die Rollen (2) in oder an der Tragkonstruktion
(1) in vertikaler Richtung elastisch angeordnet sind.
3. Ausrichtevorrichtung nach Anspruch 2, bei der je ein Federelement (22) oberhalb des
Aufstandspunkts jeder Rolle (2) angeordnet ist.
4. Ausrichtevorrichtung nach Anspruch 2 oder 3, bei der das Federelement (22) an seiner
Oberseite an der Tragkonstruktion (1) abgestützt ist.
5. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, bei der jede Rolle (2) mit
einer Hebeeinrichtung (36) zum Anheben der Rolle (2) wirkverbunden ist.
6. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei der die Rollen (2) in je
einer Rollenhalterung (3) gehalten sind.
7. Ausrichtevorrichtung nach Anspruch 6, bei der das Federelement (22) an seiner Unterseite
an der Rollenhalterung (3) abgestützt ist.
8. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, bei der die Rollen (2) mit
einer gemeinsamen Stelleinrichtung (4) wirkverbunden sind, bei deren Betätigung alle
Rollen (2) um einen gleich großen Winkel um ihre jeweilige Hochachse verdreht werden.
9. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 6 bis 8, bei der die gemeinsame Stelleinrichtung
(4) mit den Rollenhalterungen (3) wirkverbunden ist.
10. Ausrichtevorrichtung nach Anspruch 8 oder 9, bei der die gemeinsame Stelleinrichtung
(4) eine Koppelstange (41) umfasst, die parallel zu einer durch die Aufstandspunkte
der Rollen (2) gebildeten Linie verläuft und parallel zu dieser Linie verschiebbar
ist.
11. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 10, bei der die gemeinsame Stelleinrichtung
(4) bei verschiedenen Winkelpositionen der Rollen (2) festlegbar ist.
12. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 11, bei der die gemeinsame Stelleinrichtung
(4) eine Winkelanzeige aufweist.
13. Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 12, bei der die Tragkonstruktion
(1) ein Ausrichtelement (11) aufweist.
14. Transportvorrichtung (6) zum Transport flacher Zuschnitte (S), umfassend eine Mehrzahl
horizontal, mit paarweise gleichem Abstand zueinander angeordneter, drehbar gelagerter
Transportwalzen (61), sowie eine Ausrichtevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis
13, bei der der Abstand benachbarter Rollen (2) gleich ist dem Abstand benachbarter
Transportwalzen (61) der Transportvorrichtung (6), und die Rollen (2) oberhalb der
Anordnung von Transportwalzen (61) so angeordnet ist, dass jede Rolle (2) auf einer
Transportwalze (61) aufsteht.
15. Verarbeitungsvorrichtung zur Verarbeitung flacher Zuschnitte, umfassend eine Transportvorrichtung
(6) nach Anspruch 14 sowie eine Werkzeugträgereinrichtung (7), die zur Halterung der
Ausrichtevorrichtung sowie von Werkzeugen zur Bearbeitung der flachen Zuschnitte ausgebildet
ist.
16. Verarbeitungsvorrichtung nach Anspruch 15, bei der die Werkzeugträgereinrichtung (7)
zur verstellbaren Anordnung von Werkzeugen entlang eines Formungspfads ausgebildet
ist, umfassend zwei parallel zueinander in der Längsrichtung des Formungspfads verlaufend
und oberhalb davon angeordnete Trägerschienen (71), weiter umfassend mindestens einen
Querträger (72), der an mehreren vorbestimmten Positionen entlang des Formungspfads
jeweils mit beiden Trägerschienen (71) lösbar so verbindbar ist, dass er quer zur
Längsrichtung des Formungspfads angeordnet ist.