[0001] Die gegenständliche Erfindung betrifft ein Verfahren zum Dämpfen einer Drehschwingung
um eine Hochachse eines Lastaufnahmeelements einer Hebeeinrichtung mit einem Dämpfungsregler
mit zumindest einem Reglerparameter, wobei das Lastaufnahmeelement mit zumindest drei
Halteelementen mit einem Tragelement der Hebeeinrichtung verbunden wird und die Länge
zumindest eines Halteelements zwischen Lastaufnahmeelement und Tragelement mit einem
auf das zumindest eine Halteelement wirkenden Aktuator durch den Dämpfungsregler verstellt
wird.
[0002] Hebeeinrichtungen, insbesondere Kräne gibt es in vielen verschiedenen Ausführungsformen
und sie kommen in vielen unterschiedlichen Anwendungsgebieten zum Einsatz. Zum Beispiel
gibt es Turmkräne, die vorwiegend für den Hoch- und Tiefbau verwendet werden, oder
es gibt Mobilkräne, z.B. für die Montage von Windkraftanlagen. Brückenkräne werden
z.B. als Hallenkräne in Fabrikshallen verwendet und Portalkräne z.B. für die Manipulation
von Transportcontainern an Umschlagsorten für den intermodalen Güterumschlag, wie
z.B. in Häfen zum Umschlag von Schiffen auf die Eisenbahn oder den LKW oder auf Güterbahnhöfen
zum Umschlag von der Eisenbahn auf den LKW oder umgekehrt. Vorwiegend werden dabei
die Güter für den Transport in standardisierten Containern gelagert, sogenannten ISO-Containern,
welche gleichermaßen für den Transport in den drei Transport-Modi Straße, Schiene,
Wasser geeignet sind. Der Aufbau und die Funktionsweise eines Portalkrans ist hinlänglich
bekannt und ist z.B. in der
US 2007/0289931 A1 anhand eines "ship-to-shore-Krans" beschrieben. Der Kran weist eine tragende Struktur
bzw. ein Portal auf, auf dem ein Ausleger angeordnet ist. Dabei ist das Portal mit
Rädern z.B. auf einem Gleis beweglich angeordnet und kann in einer Richtung bewegt
werden. Der Ausleger ist fest mit dem Portal verbunden und am Ausleger wiederum ist
eine entlang des Auslegers bewegliche Laufkatze angeordnet. Zur Aufnahme einer Fracht,
z.B. eines ISO-Containers, ist die Laufkatze mittels vier Seilen mit einem Lastaufnahmeelement,
einem sogenannten Spreader, verbunden. Zur Aufnahme und Manipulation eines Containers
kann der Spreader mittels Seilwinden gehoben oder gesenkt werden, hier mittels zweier
Seilwinden für jeweils zwei Seile. Der Spreader kann auch an unterschiedlich große
Container angepasst werden.
[0003] Um die Wirtschaftlichkeit von Logistik-Prozessen zu erhöhen, wird unter anderem ein
sehr rascher Güterumschlag gefordert, d.h. z.B. sehr rasche Be- und Entladungsvorgänge
von Frachtschiffen und entsprechend schnelle Bewegungsvorgänge der Lastaufnahmeelemente
und der Portalkräne insgesamt. Solche schnellen Bewegungsvorgänge können aber dazu
führen, dass sich unerwünschte Schwingungen des Lastaufnahmeelements aufbauen, welche
wiederum den Manipulationsvorgang verzögern, da die Container nicht präzise am vorgesehenen
Ort platziert werden können. Insbesondere sind Drehschwingungen des Lastaufnahmeelements,
also Schwingungen um die Hochachse störend, da diese mit herkömmlichen Kränen vom
Kranführer nur schwer auszugleichen sind. Solche Drehschwingungen können zusätzlich
auch durch z.B. eine ungleichmäßige Beladung des Containers oder durch Windeinflüsse
hervorgerufen oder noch verstärkt werden.
[0004] Die
US 2007/0289931 A1 erwähnt unter anderem das Problem der Oszillationen um die Hochachse (skew), schlägt
allerdings keine zufriedenstellende Lösung vor. Zur Messung der Abweichungen des Lastaufnahmeelements
von einer Sollposition und zur Messung des Abstands des Lastaufnahmeelements von der
Laufkatze ist am Lastaufnahmeelement ein Zielobjekt bestehend aus Leuchtelementen
vorgesehen und an der Laufkatze ist eine korrespondierende CCD-Kamera vorgesehen.
Damit können Winkel-Abweichungen um die Hochachse (skew), die Längsachse (list) und
die Querachse (trim) ermittelt werden. Zur Kompensation der Abweichungen ist je Halteseil
ein Aktuator vorgesehen, mit dem die Länge des Halteseils verändert werden kann. Je
nach Abweichung (trim, list oder skew) werden die Aktuatoren in unterschiedlicher
Weise angesteuert, sodass die die einzelnen Halteseile verkürzt oder verlängert werden
und der entsprechende Fehler kompensiert wird. Nachteilig hierbei ist, dass das Verfahren
lediglich eine Kompensation von Winkelfehlern vorschlägt, ohne die Dynamik einer Drehschwingung
zu berücksichtigen. Damit können keine Drehschwingungen kompensiert werden.
[0005] Die
DE 102010054502 A1 schlägt zur Kompensation von Drehschwingungen des Lastaufnahmeelements vor, zwischen
Lastaufnahmeelement und Halteseilen ein Drehwerk anzuordnen. Dies ist jedoch sehr
aufwändig und damit teuer, zusätzlich wird die Nutzlast durch das Gewicht des Drehwerks
reduziert.
[0006] Die
EP 2 878 566 A1 zeigt ein Verfahren zur Drehschwingungsdämpfung von Brückenkränen gemäß dem Oberbegriff
des Anspruchs 1, wobei eine Last mittels vier Seilen am Kran aufgehängt ist und die
Länge der Seile mittels Verstelleinrichtungen verändert werden kann. Mittels einer
Erfassungseinrichtung wird der Drehwinkel der Last oder eine zeitliche Ableitung davon
gemessen und mittels eines mathematischen Modells werden unter Berücksichtigung der
Geometrie der Kranaufhängung werden Sollwerte für die Verstelleinrichtungen berechnet,
um die Drehschwingung zu dämpfen.
[0007] In der Veröffentlichung
Quang Hieu Ngo et. al., 2009, Skew Control of a quay container crane, in: Journal
of Mechanical Science and Technology 23, 2009 wird ein Regelungsverfahren zur Kompensation von Drehschwingungen des Lastaufnahmeelements
eines Portalkrans vorgeschlagen. Dabei ist analog der
US 2007/0289931 A1 an jedem Halteseil ein Aktuator zur Veränderung der Seillänge angeordnet und am Lastaufnahmeelement
ist ein Beleuchtungselement angeordnet, das zur Messung der Winkelabweichung des Lastaufnahmeelements
mit einer an der Laufkatze angeordneten CCD-Kamera zusammenwirkt. Dabei werden zur
Dämpfung der Drehschwingung des Lastaufnahmeelements ein mathematisches Modell und
eine "Input-shaping" Regelungsmethode verwendet. Beim Input-Shaping-Verfahren handelt
es sich um eine Art Vorsteuerung, mit dem es möglich ist, den Drehwinkel des Lastaufnahmeelements
zu verstellen. Eine Dämpfung einer bestehenden Drehschwingung ist damit nicht möglich.
Nachteilig ist zudem, dass das beim Input-Shaping-Verfahren verwendete mathematische
Modell sehr exakt sein muss, da es keine Möglichkeit gibt, Parameterabweichungen zu
kompensieren.
[0008] Demzufolge ist es die Aufgabe der Erfindung, die Nachteile des Standes der Technik
zu beseitigen, insbesondere soll zur Verbesserung des Betriebes einer Hebeeinrichtung
ein verbessertes Verfahren zum Dämpfen von Drehschwingungen eines Lastaufnahmeelements
der Hebeeinrichtung geschaffen werden, das unabhängig von geometrischen oder mechanischen
Randbedingungen der Hebeeinrichtung ist.
[0009] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass das Lastaufnahmeelement bei
einer bestimmten Hubhöhe des Lastaufnahmeelements zu einer Drehschwingung angeregt,
wobei zumindest ein Ist-Drehwinkel des Lastaufnahmeelements um die Hochachse und eine
Ist-Aktuatorposition erfasst werden und damit Modellparameter des Drehschwingungsmodells
des Lastaufnahmeelements bei der gegebenen Hubhöhe anhand einer Identifikationsmethode
identifiziert werden. Mit diesem einfachen Verfahren wird es ermöglicht, eine Drehschwingung
eines Lastaufnahmeelements in einer beliebigen Hubhöhe zu dämpfen, ohne dass der oder
die Reglerparameter des Dämpfungsreglers manuell festgelegt werden müssen. Dadurch
wird der Betrieb der Hebeeinrichtung bzw. ein rasches Bewegen und genaues Positionieren
einer Last wesentlich vereinfacht, was zu einer Zeitersparnis und damit zu einer Steigerung
der Produktivität führt. Mittels einer geeigneten Identifikationsmethode können unbekannte
Modellparameter eines gewählten Drehschwingungsmodells ermittelt werden, wodurch ein
unbekanntes Schwingungsverhalten des Lastaufnahmeelements ermittelt und zur Dämpfung
der Drehschwingung herangezogen werden kann.
[0010] Vorteilhafterweise wird der zumindest eine Aktuator hydraulisch oder elektrisch betätigt,
wodurch Standardkomponenten wie z.B. Hydraulikzylinder oder Elektromotoren verwendet
werden können und ein vorhandenes Energieversorgungssystem genutzt werden kann.
[0011] Wenn zumindest vier Halteelemente zwischen Lastaufnahmeelement und Trageelement vorgesehen
sind, können größere Lasten manipuliert werden.
[0012] Es ist vorteilhaft, wenn zumindest zwei Aktuatoren vorgesehen sind, insbesondere
ein Aktuator je Halteelement. Dadurch kann einerseits eine Redundanz der Drehschwingungsdämpfung
realisiert werden, wodurch die Ausfallsicherheit erhöht werden kann. Andererseits
können kleinere Aktuatoren geringerer Trägheit verwendet werden, wodurch die Ansprechzeit
der Dämpfungsregelung gesenkt und die Regelgüte erhöht werden kann.
[0013] Vorteilhafterweise wird die Hubhöhe mittels einer, am Trageelement oder am Lastaufnahmeelement
angeordneten Kamerasystems oder mittels eines Hubantriebs der Hebeeinrichtung gemessen.
Dadurch kann die Hubhöhe sehr genau und in einfacher Weise erfasst werden.
[0014] Bevorzugterweise wird der Drehwinkel des Lastaufnahmeelements mittels einer, am Trageelement
oder am Lastaufnahmeelement angeordneten Kamerasystems gemessen. Mit dieser einfachen
Methode kann der Drehwinkel des Lastaufnahmeelements sehr genau bestimmt werden. Ein
Kamerasystem ist zudem relativ einfach auf einer bestehenden Hebeeinrichtung nachrüstbar.
[0015] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist das Drehschwingungsmodell eine Differentialgleichung
zweiter Ordnung mit zumindest drei Modellparametern, insbesondere mit einem Dynamikparameter
δ, einem Dämpfungsparameter ξ und einem Streckenverstärkungsparameter i
β. Mit der mathematischen Modellierung des Drehschwingungssystems durch eine Differentialgleichung
zweiter Ordnung wird eine einfache aber ausreichend genaue Abbildung der realen Drehschwingung
geschaffen.
[0016] Es ist vorteilhaft, wenn die Identifikationsmethode ein mathematisches Verfahren
ist, insbesondere ein online Least-Square Verfahren. Mit dieser gängigen mathematischen
Methode können Modellparameter in einfacher Weise und ausreichend genau ermittelt
werden.
[0017] Es ist vorteilhaft, wenn als Dämpfungsregler ein Zustandsregler mit vorzugsweise
fünf Reglerparametern K
I, K
1, K
2, K
FF, K
P verwendet wird. Dadurch wird ein schneller und stabiler Dämpfungsregler mit hoher
Regelgüte geschaffen. Durch eine integrierte Vorsteuerung (Reglerparameter K
FF) kann das Führungsverhalten verbessert werden und durch einen Integrator (Reglerparameter
K
I) erreicht man stationäre Genauigkeit bzw. können Modellunsicherheiten ausgeglichen
werden.
[0018] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform wird dem Dämpfungsregler ein Soll-Drehwinkel
des Lastaufnahmeelements vorgegeben und der Dämpfungsregler regelt diesen Soll-Drehwinkel
in einem vorgegebenen Winkelbereich ein, insbesondere in einem Winkelbereich von -10°
≤ β
soll ≤ +10°. Dadurch kann eine gewünschte Verdrehung des Lastaufnahmeelements erreicht
werden wodurch Lasten wie z.B. Container auch auf nicht exakt ausgerichtete Ziele
wie z.B. schräg stehende LKW's positioniert werden können.
[0019] Vorteilhafterweise wird im Dämpfungsregler ein Anti-Wind-Up Schutz integriert, wobei
dem Dämpfungsregler Aktuatorbeschränkungen des zumindest einen Aktuators vorgegeben
werden, insbesondere eine maximal/minimal zulässige Aktuatorposition s
zul, eine maximal/minimal zulässige Aktuatorgeschwindigkeit v
zul und eine maximal/minimal zulässige Aktuatorbeschleunigung a
zul des Aktuators. Durch diesen sogenannten Anti-Wind-Up Schutz können unzulässig hohe
Stellgrößen des zumindest einen Aktuators vermieden werden, die zu einer Destabilisierung
des Dämpfungsreglers führen könnten.
[0020] Die gegenständliche Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die Figuren 1
bis 4 näher erläutert, die beispielhaft, schematisch und nicht einschränkend vorteilhafte
Ausgestaltungen der Erfindung zeigen. Dabei zeigt
Fig.1 den grundsätzlichen Aufbau einer Hebeeinrichtung anhand eines Containerkrans,
Fig.2a und 2b ein Lastaufnahmeelement inklusive Last zur Darstellung einer Drehschwingung,
Fig.3 einen Ausschnitt einer schematischen Hebeeinrichtung,
Fig.4 eine Reglerstruktur eines Dämpfungsreglers,
Fig. 5 eine Zustandsschätzeinheit.
[0021] Fig.1 zeigt eine Hebeeinrichtung 1 beispielhaft anhand eines schematischen Containerkrans
2, der beispielweise zum Be- und Entladen von Schiffen in einem Hafen verwendet wird.
Üblicherweise weist ein Containerkran 2 eine tragende Struktur 3 auf, die entweder
fest oder beweglich am Boden angeordnet ist. Im Falle einer beweglichen Anordnung
kann die tragende Struktur 3 beispielsweise in Y-Richtung fahrbar auf Schienen angeordnet
sein, wie schematisch in Fig.1 dargestellt ist. Durch diesen Freiheitsgrad in Y-Richtung
ist der Containerkran 2 örtlich flexibel einsetzbar. Die tragende Struktur 3 weist
einen Ausleger 4 auf, der fest mit der tragenden Struktur 3 verbunden ist. Auf diesem
Ausleger 4 ist üblicherweise ein Trageelement 5 angeordnet, das in Längsrichtung des
Auslegers 4, also in dem dargestellten Beispiel in X-Richtung beweglich ist, beispielsweise
kann ein Trageelement 5 mittels Rollen in Führungen gelagert sein. Das Trageelement
5 ist üblicherweise mittels Halteelementen 6 mit einem Lastaufnahmeelement 7 zur Aufnahme
einer Last 8 verbunden. Im Falle eines Containerkrans 2 ist die Last 8 üblicherweise
ein Container 9, in den meisten Fällen ein ISO-Container mit einer Länge von 20, 40
oder 45 Fuß und einer Breite von 8 Fuß. Es existieren aber auch Lastaufnahmeelemente
7, die geeignet sind, gleichzeitig zwei Container 9 nebeneinander aufzunehmen (sogenannte
Dual-Spreader). Für das erfindungsgemäße Dämpfungsverfahren ist die Art und Ausführung
des Lastaufnahmeelements 7 aber nicht weiter relevant, es können beliebige Ausführungsformen
des Lastaufnahmeelements 7 verwendet werden. Die Halteelemente 6 sind üblicherweise
als Seile ausgeführt, wobei in den meisten Fällen vier Halteelemente 6 am Trageelement
5 angeordnet sind, es können aber auch mehr oder weniger Halteelemente 6 vorgesehen
sein, zumindest aber drei Halteelemente 6. Zur Aufnahme einer Last 8, wie z.B. eines
Containers 9, ist die Hubhöhe l
H zwischen Trageelement 5 und Lastaufnahmeelement 7 mittels eines Hubantriebs 10 (siehe
Fig.3) verstellbar, wie in Fig.1 dargestellt z.B. in Z-Richtung. Wenn die Halteelemente
6 als Seile ausgeführt sind, wird die Hubhöhe l
H üblicherweise mittels einer oder mehrerer Seilwinden 10a, 10b verstellt wie schematisch
in Fig.3 dargestellt ist. Zur Manipulation von Lasten 8 bzw. Container 9 kann die
Hebeeinrichtung 1 bzw. der Containerkran 2 also in Richtung von drei Achsen bewegt
werden. Aufgrund von schnellen Bewegungsabläufen, ungleichmäßiger Beladung des Containers
9 oder Windeinflüssen, kann es vorkommen, dass das an den Halteelementen 6 angeordnete
Lastaufnahmeelement 7 mit dem daran angeordneten Container 9 zu Schwingungen angeregt
wird, wie nachfolgend anhand der Fig.2a und 2b dargestellt ist.
[0022] Fig.2a zeigt schematisch ein Trageelement 5, an dem ein Lastaufnahmeelements 7 inkl.
Last 8 mittels vier Halteelementen 6 angeordnet ist. Das Koordinatensystem zeigt die
Freiheitsgrade des Lastaufnahmeelements 7. Die geraden Doppelpfeile symbolisieren
die möglichen Bewegungsrichtungen des Lastaufnahmeelements 7, wobei die Bewegung in
Y-Richtung im dargestellten Beispiel durch eine Bewegung der gesamten Hebeeinrichtung
1 erfolgt, die Bewegung in X-Richtung durch Bewegung des Trageelements 5 auf dem Ausleger
4 (Hebeeinrichtung 1 und Ausleger 4 in Fig.1 a nicht dargestellt) und die Bewegung
in Z-Richtung durch Veränderung der Hubhöhe l
H mittels der Halteelemente 6 und eines Hubantriebs 10 (nicht dargestellt). Die gebogenen
Doppelpfeile symbolisieren die möglichen Verdrehungen des Lastaufnahmeelements 7 um
die jeweilige Achse. Verdrehungen um die X-Achse bzw. die Y-Achse können vom Benutzer
der Hebeeinrichtung 1 bzw. des Containerkrans 2 relativ leicht ausgeglichen werden
und werden hier nicht ausführlicher beschrieben. Eine Verdrehung um die Z-Achse (also
um die Hochachse) wie in Fig. 2b dargestellt, ist wie eingangs beschrieben sehr störend,
da insbesondere eine Drehschwingung des Lastaufnahmeelements 7 um die Z-Achse ein
Positionieren einer Last 8 an einem bestimmten Ort, wie z.B. auf der Ladefläche eines
LKW's oder eines Eisenbahn-Waggons erschweren bzw. verzögern würde.
[0023] Erfindungsgemäß ist deshalb ein Verfahren vorgesehen, mit dem eine derartige Drehschwingung
eines Lastaufnahmeelements 7 um die Hochachse einfach und schnell gedämpft werden
kann, sodass rasche Bewegungsvorgänge des Lastaufnahmeelements 7 mit daran angeordneter
Last 8 ermöglicht werden, was zu einer Effizienzsteigerung der Gütermanipulation beitragen
soll. Eine detaillierte Beschreibung des Verfahrens ist nachfolgend anhand der Fig.3
und Fig.4 beschrieben.
[0024] Natürlich ist die beschriebene Ausführungsform der Hebeeinrichtung 1 als Containerkran
2 gemäß den Fig.1-Fig.3 nur beispielhaft zu verstehen. Die Hebeeinrichtung 1 kann
für die Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens auch beliebig anders ausgeführt
sein, beispielsweise als Hallenkran, Turmdrehkran, Mobilkran, etc. Wichtig ist nur
die grundlegende Funktion der Hebeeinrichtung 1 und dass die Hebeeinrichtung 1 die
wesentlichen Komponenten zur Durchführung des erfindungsgemäßen Dämpfungsverfahrens
aufweist, wie nachfolgend beschrieben.
[0025] In Fig. 3 sind die wesentlichen Komponenten einer Hebeeinrichtung 1 dargestellt,
hier anhand der Komponenten eines Containerkrans 2. Dabei sind die für die Erfindung
wesentlichen Teile gezeigt. Der Aufbau und die Funktionsweise von solchen Kränen wurden
bereits beschrieben, sind hinlänglich bekannt und müssen daher nicht näher ausgeführt
werden.
[0026] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung sind zwischen Trageelement
5 (in Fig.3 schematisch gestrichelt dargestellt) und Lastaufnahmeelement 7 vier Halteelemente
6a, 6b, 6c, 6d angeordnet, die z.B. als hochfeste Seile, insbesondere als Stahlseile,
ausgebildet sein können. Zum Heben und Senken des Lastaufnahmeelements 7 in Z-Richtung,
also zur Verstellung der Hubhöhe l
H ist ein Hubantrieb 10 vorgesehen. Im Beispiel gemäß Fig.3 ist der Hubantrieb 10 durch
Seilwinden 10a und 10b ausgeführt, wobei auf jeder Seilwinde 10a, 10b jeweils zwei
Halteelemente 6a, 6c bzw. 6b, 6d aufgewickelt sind. Es sind aber natürlich auch andere
Formen des Hubantriebs denkbar. Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist an zumindest einem Halteelement 6a, 6b, 6c, 6d zumindest ein Aktuator 11a, 11b,
11c, 11d zur Veränderung der Länge des Halteelements 6 vorgesehen. Vorteilhafterweise
ist jedoch an jedem Halteelement 6a, 6b, 6c, 6d ein Aktuator 11a, 11b, 11c, 11d vorgesehen.
Vorzugsweise sind wie in Fig.3 ersichtlich vier Halteelemente 6a, 6b, 6c, 6d mit jeweils
einem Aktuator 11a, 11b, 11c, 11d an der Hebeeinrichtung 1 angeordnet.
[0027] Bei einem Hubantrieb 10 wie in Fig.3 dargestellt werden die Halteelemente 6a, 6b,
6c, 6d über Umlenkrollen geführt, die am Lastaufnahmeelement 7 angeordnet sind. Das
jeweils freie Ende der Halteelemente 6a, 6b, 6c, 6d ist an einem ortsfesten Haltepunkt,
beispielsweise am Trageelement 5 fixiert. Ein Aktuator 11a, 11b, 11c, 11d ist in dieser
Ausgestaltung vorzugsweise an einem ortsfesten Haltepunkt, beispielsweise am Trageelement
5 fixiert und das freie Ende der Halteelemente 6a, 6b, 6c, 6d am Aktuator 11a, 11b,
11c, 11d. Damit kann durch Verstellung des Aktuators 11a, 11b, 11c, 11d die Länge
eines Halteelements 6a, 6b, 6c, 6d verstellt werden, womit auch der Abstand zwischen
Trageelement 5 und Lastaufnahmeelement 7 verstellt wird.
[0028] Ein Aktuator 11a, 11b, 11c, 11d kann dabei zur Veränderung der Länge des entsprechenden
Halteelements 6a, 6b, 6c, 6d zwischen Trageelement 5 und Lastaufnahmeelement 7 von
einem Dämpfungsregler 12 angesteuert werden, vorzugsweise kann dem Aktuator 11a, 11b,
11c, 11d dabei zumindest eine Soll-Aktuatorposition s
soll oder eine Soll-Aktuatorgeschwindigkeit v
soll vorgegeben werden. Für die Dämpfungsregelung kann vom Dämpfungsregler 12 zumindest
eine Ist-Aktuatorposition s
ist des zumindest einen Aktuators 11a, 11b, 11c, 11d erfasst werden (Dämpfungsregler
12 in Fig.3 nicht dargestellt). Der Dämpfungsregler 12 kann dabei z.B. als separater
Bauteil in Form von Hardware und/oder Software ausgeführt sein oder auch in einer
vorhandenen Kransteuerung implementiert sein. Der zumindest eine Aktuator 11a, 11b,
11c, 11d kann, wie später noch im Detail beschrieben wird, vom Dämpfungsregler 12
so angesteuert werden, dass durch Veränderung der Aktuatorposition und/oder Aktuatorgeschwindigkeit
einerseits das Lastaufnahmeelement 7 zu einer Drehschwingung angeregt wird (wie in
Fig.3 durch den Doppelpfeil symbolisiert ist) oder andererseits so angesteuert werden,
dass eine Drehschwingung des Lastaufnahmeelements 7 gedämpft wird.
[0029] In der dargestellten Ausführungsform werden dabei zur Anregung oder zur Dämpfung
einer Drehschwingung vorzugsweise die Längen von zwei diagonal gegenüberliegenden
Halteelementen 6a, 6b zwischen Trageelement 5 und Lastaufnahmeelement 7 mittels der
korrespondierenden Aktuatoren 11a, 11b vergrößert und die Längen der zwei anderen
diagonal gegenüberliegenden Halteelemente 6c, 6d mittels der korrespondierenden Aktuatoren
11c, 11d verringert oder umgekehrt. Beispielsweise könnten aber auch nur drei Halteelemente
6 zwischen Trageelement 5 und Lastaufnahmeelement 7 angeordnet sein und nur ein Aktuator
11 zur Änderung der Länge eines der drei Halteelemente 6. Wichtig ist nur, dass mittels
des zumindest einen Aktuators 11a, 11b, 11c, 11d die Länge von zumindest eines Halteelements
6a, 6b, 6c, 6d zwischen Trageelement 5 und Lastaufnahmeelement 7 veränderbar ist,
sodass eine Drehschwingung des Lastaufnahmeelements 7 um die Hochachse, in Fig.3 um
die Z-Achse, angeregt bzw. gedämpft werden kann.
[0030] Ein Aktuator 11a, 11b, 11c, 11d kann beliebig ausgeführt sein, bevorzugt wird eine
hydraulische oder elektrische Ausführungsform verwendet, die eine Längsverstellung
ermöglicht. Wenn, wie in Fig.3 dargestellt, Aktuatoren 11a, 11b, 11c, 11d in Form
von Hydraulikzylindern zum Einsatz kommen, kann beispielsweise die Energie zur Betätigung
der Aktuatoren 11a, 11b, 11c, 11d aus einem vorhandenen Hydrauliksystem bezogen werden.
Ein Aktuator 11a, 11b, 11c, 11d kann aber auch z.B. als Seilwinde ausgeführt sein
und elektrisch angesteuert werden, wobei die Betätigungsenergie aus einem vorhandenen
Stromnetz bezogen werden kann. Es sind auch andere Ausführungsformen eines Aktuators
11a, 11b, 11c, 11d denkbar, die für eine Änderung der Länge eines Halteelements 6
zwischen Trageelement 5 und Lastaufnahmeelement 7 geeignet sind. Insbesondere muss
ein Aktuator 11a, 11b, 11c, 11d die zu erwartenden Kräfte während des Heben und Senkens
einer Last 8 beherrschen. Um eine geforderte Längenänderung eines Halteelements 6a,
6b, 6c, 6d bei einer bestimmten Belastung herbeizuführen kann ein Aktuator 11a, 11b,
11c, 11d beispielsweise auch ein zusätzliches Übersetzungsgetriebe aufweisen.
[0031] Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Dämpfungsverfahrens ist vorgesehen, dass zumindest
ein Ist-Drehwinkel β
ist des Lastaufnahmeelements 7 um die Z-Achse (bzw. Hochachse) erfasst werden kann, beispielsweise
kann eine Messeinrichtung 14 in Form eines Kamerasystems vorgesehen sein, wobei am
Trageelement 5 eine Kamera 14a und am Lastaufnahmeelement 7 ein mit der Kamera 14a
zusammenwirkendes Messelement 14b angeordnet ist, oder umgekehrt. Der Ist-Drehwinkel
β
ist kann aber auch auf andere Weise gemessen werden, z.B. mittels eines Gyro-Sensors,
wichtig ist, dass ein Messsignal für den Ist-Drehwinkel β
ist vorliegt, das dem Dämpfungsregler 12 zugeführt werden kann. Weiters ist vorgesehen,
dass die Hubhöhe I
H zwischen Trageelement 5 und Lastaufnahmeelement 7 erfasst werden kann. Beispielsweise
kann die Hubhöhe l
H über den Hubantrieb 10 erfasst werden, z.B. in Form eines, in der Kransteuerung verfügbaren
Positionssignals einer Seilwinde 10a, 10b. Die Hubhöhe l
H könnte auch aus der Kransteuerung bezogen werden. Die Hubhöhe l
H kann beispielsweise aber auch mittels der Messeinrichtung 14 erfasst werden, z.B.
mittels eines Kamerasystems, das sowohl die Hubhöhe l
H als auch den Ist-Drehwinkel β
ist erfassen kann. Solche Messeinrichtungen 14 sind im Stand der Technik bekannt, weshalb
hier nicht näher darauf eingegangen wird.
[0032] Die einzelnen Schritte des Dämpfungsverfahrens sind nachfolgend anhand von Fig.4
beschrieben.
[0033] Fig.4 zeigt ein Blockschaltbild einer möglichen Ausgestaltung der erfindungsgemäßen
Regelstruktur mit einem Dämpfungsregler 12, der wie schon erläutert entweder als separater
Bauteil oder vorzugsweise in der Steuerung der Hebeeinrichtung 1 implementiert sein
kann, und einer Regelstrecke 15, die vom Dämpfungsregler 12 geregelt wird. Der Dämpfungsregler
12 ist im gezeigten Ausführungsbeispiel als Zustandsregler 13 ausgeführt. Es ist aber
grundsätzlich auch jeder andere geeigneter Regler einsetzbar. Die Regelstrecke 15
stellt das anhand Fig.3 beschriebene System dar. Die Führungsgröße des Dämpfungsreglers
12 ist ein Soll-Drehwinkel β
soll des Lastaufnahmeelements 7 und die Stellgröße ist vorzugsweise eine Soll-Aktuatorposition
s
soll des zumindest einen Aktuators 11a, 11b, 11c, 11d. Alternativ kann als Stellgröße
auch eine Soll-Aktuatorgeschwindigkeit v
soll anstatt der Soll-Aktuatorposition s
soll verwendet werden. Der Ist-Drehwinkel β
ist kann wie bereits beschrieben mit einer Messeinrichtung 14, z.B. mittels eines Kamerasystems,
erfasst werden. Als Rückkopplung wird dem Dämpfungsregler 12 zumindest der erfasste
Ist-Drehwinkel β
ist des Lastaufnahmeelements 7 zugeführt (und im Falle der Verwendung der Soll-Aktuatorgeschwindigkeit
v
soll als Stellgröße auch die erfasste Ist-Aktuatorposition s
ist). Es wäre auch denkbar, zusätzlich eine Ist-Winkelgeschwindigkeit β̇
ist zu erfassen und dem Dämpfungsregler 12 zuzuführen, wodurch die Dämpfungsregelung
weiter verbessert werden könnte. Aus dem erfassten Ist-Drehwinkel β
ist kann natürlich wenn benötigt auch eine Ist-Winkelgeschwindigkeit β̇
ist oder eine Ist-Winkelbeschleunigung β̈
ist abgeleitet werden, beispielsweise durch Ableitung nach der Zeit.
[0034] Die benötigten Istgrößen, also insbesondere der Ist-Drehwinkel β
ist und gegebenenfalls zeitliche Ableitungen davon, können entweder direkt gemessen werden
oder können, zumindest teilweise, auch in einem Beobachter geschätzt werden. Ein Vorteil
der Verwendung von mittels eines Beobachters geschätzter Istgrößen, wie z.B. eines
Ist-Drehwinkels β
ist, ist, dass dadurch ein etwaig vorhandenes und für die Dämpfungsregelung unerwünschtes
Messrauschen von Messwerten einer Messeinrichtung 14 vermieden werden kann. Das ist
der Hauptgrund, warum in einer bevorzugten Ausgestaltung nach Fig. 3 der Ist-Drehwinkel
β
ist mit einer Messeinrichtung 14 gemessen wird, für die Dämpfungsregelung aber trotzdem
ein geschätzter Ist-Drehwinkel β̂
ist verwendet wird (zusätzlich könnte auch noch eine geschätzte Ist-Winkelgeschwindigkeit

verwendet werden, siehe dazu Fig. 5). Hierbei können beliebige geeignete und hinlänglich
bekannte Beobachter, wie beispielsweise ein Kalman-Filter, verwendet werden, die Schätzwerte
der benötigten Istgrößen ermittelt. Im nachfolgenden werden Schätzwerte gegebenenfalls
mit ^ gekennzeichnet.
[0035] Es ist allerdings anzumerken, dass die Reglerstruktur für das erfindungsgemäße Dämpfungsverfahren
sekundär ist und grundsätzlich jeder geeignete Regler verwendet werden könnte. Dem
Dämpfungsregler 12 sind dann je nach Implementierung die benötigten Istgrößen als
Messwerte oder Schätzwerte zuzuführen.
[0036] Der Dämpfungsregler 12 weist zumindest einen Reglerparameter auf, vorzugsweise fünf
Reglerparameter. Mittels des bzw. der Reglerparameter kann die Charakteristik der
Regelung eingestellt werden, also z.B. Ansprechverhalten, Dynamik, Überschwingen,
Dämpfung, usw., wobei mittels eines Reglerparameters jeweils eine der Eigenschaften
verstellt werden kann. Sollen mehrere Eigenschaften beeinflusst werden, ist eine entsprechende
Anzahl von Reglerparameter erforderlich. Dadurch kann das Systemverhalten des geregelten
Systems adaptiert werden.
[0037] Für den Entwurf eines geeigneten Dämpfungsreglers 12 ist zuerst die Regelstrecke,
also das zu regelnde technische System (z.B. wie in Fig.3 dargestellt) zu modellieren.
Im vorliegenden Fall wird das Drehschwingungsverhalten des Lastaufnahmeelements 7
um die Z-Achse mit einem Drehschwingungsmodell abgebildet, beispielsweise mit einer
Differentialgleichung 2.Ordnung in der Form δβ̈+ξβ̇+β=i
βs. Die drei Modellparameter dieses Drehschwingungsmodells sind ein Dynamikparameter
δ, ein Dämpfungsparameter ξ und ein Streckenverstärkungsparameter i
β, die beispielsweise definiert sind als

mit dem Massenträgheitsmoment J
β der Last 8 samt dem Lastaufnahmeelement 7 und

mit einer Federkonstanten c
β und einer Dämpfungskonstante d
β des Schwingungssystems. Die Federkonstante c
β wird dabei von der Hubhöhe l
H abhängig modelliert.
[0038] Es sei angemerkt, dass dieses Drehschwingungsmodell nur beispielhaft zu verstehen
ist und es könnten auch andere Drehschwingungsmodelle verwendet werden, die in der
Lage sind die reale Drehschwingung abzubilden bzw. anzunähern.
[0039] Die Modellparameter des Drehschwingungsmodells, also z.B. δ, ξ und i
β, können bekannt sein, sind aber in der Regel unbekannt. Daher werden gemäß der Erfindung
in einem ersten Schritt die Modellparameter mit einer Identifikationsmethode identifiziert.
Solche Identifikationsmethoden sind hinlänglich bekannt, beispielsweise aus
Isermann, R.:Identifikation dynamischer Systeme, 2.Auflage, Springer-Verlag, 1992
oder
Ljung, L.: System Identification: Theory for the User, 2.Auflage, Prentice Hall, 2009, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen wird. Den Identifikationsmethoden gemein
ist, dass das zu identifizierende System mit einer Eingangsfunktion (z.B. eine Sprungfunktion)
angeregt wird und die Ausgangsgröße erfasst und mit einer Ausgangsgröße des Modells
verglichen wird. Die Modellparameter werden dann variiert, um den Fehler zwischen
der gemessenen Ausgangsgröße und der mit dem Modell berechneten Ausgangsgröße zu minimieren.
Zur eventuell notwendigen Identifikation kann der Dämpfungsregler 12 verwendet werden,
um das Lastaufnahmeelement 7 mit daran angeordneter Last 8 in einer bestimmten Hubhöhe
l
H zu einer Drehschwingung um die Z-Achse anzuregen. Zu diesem Zweck kann im Dämpfungsregler
12 ein eigener Anregungsregler implementiert sein, z.B. in Form eines Zweipunktreglers.
Mit dem Zweipunktregler wird der zumindest eine Aktuator 11a, 11b, 11c, 11d beispielsweise
in Abhängigkeit des Ist-Drehwinkels β
ist des Lastaufnahmeelements 7 mit der maximal möglichen Soll-Aktuatorgeschwindigkeit
v
soll angesteuert. Das bedeutet, dass beispielsweise bei einem Drehwinkel β
ist ≥ 0° des Lastaufnahmeelements 7 der zumindest eine Aktuator 11a, 11b, 11c, 11d mit
der maximal möglichen negativen Aktuatorgeschwindigkeit v angesteuert wird und bei
einem Drehwinkel β
ist ≤ 0° des Lastaufnahmeelements 7 der zumindest eine Aktuator 11a, 11b, 11c, 11d mit
der maximal möglichen positiven Aktuatorgeschwindigkeit v angesteuert wird. Im Falle
einer Ausgestaltung der Hebeeinrichtung 1 gemäß Fig. 3 mit vier Halteelementen 6a,
6b, 6c, 6d und damit zusammenwirkenden vier Aktuatoren 11a, 11b, 11c, 11d erfolgt
die Anregung vorteilhafterweise gegengleich, indem z.B. die Aktuatoren 11a, 11b mit
der maximal möglichen positiven Aktuatorgeschwindigkeit v angesteuert werden und die
Aktuatoren 11c, 11d mit der maximal möglichen negativen Aktuatorgeschwindigkeit v
angesteuert werden oder umgekehrt. Die Anregung der Drehschwingung kann dabei in einer
beliebigen aber festen Hubhöhe l
H des Lastaufnahmeelements 7 erfolgen. Aus der angeregten Drehschwingung des Lastaufnahmeelements
7 ermittelt der Dämpfungsregler 12 anhand des erfassten Ist-Drehwinkels β
ist des Lastaufnahmeelements 7 und der erfassten Ist-Aktuatorposition s
ist des zumindest einen Aktuators 11a, 11b, 11c, 11d mittels einer Identifikationsmethode
die Modellparameter des implementierten Drehschwingungsmodells bei der vorgegebenen
Hubhöhe l
H. Im Falle des obigen Drehschwingungsmodells werden vorzugswiese zuerst der Dynamikparameter
δ und der Dämpfungsparameter ξ ermittelt und danach, vorzugsweise bei Stillstand des
zumindest einen Aktuators 11 a, 11b, 11c, 11d (Ist-Aktuatorgeschwindigkeit v
ist = 0), der Streckenverstärkungsparameter i
β. Als Identifikationsmethode wird gemäß einer Ausführungsform der Erfindung ein mathematisches
online-Least-Square-Verfahren zur Identifizierung der Modellparameter verwendet, es
wäre aber auch denkbar, andere Verfahren anzuwenden, beispielsweise offline-Least-Square-Verfahren
oder optimierungsbasierte Verfahren.
[0040] Mit den bekannten (vorab bekannten oder identifizierten) Modellparametern kann für
das Drehschwingungsmodell nun ein Dämpfungsregler 12 entworfen werden. Hierfür wird
eine geeignete Reglerstruktur gewählt, beispielsweise ein PID-Regler oder ein Zustandsregler.
Jede Reglerstrukur hat natürlich eine Anzahl von Reglerparametern K
k, k≥1, die mittels eines Reglerentwurfverfahrens so eingestellt werden müssen, sodass
sich ein gewünschtes Regelverhalten ergibt. Solche Reglerentwurfverfahren sind ebenfalls
hinlänglich bekannt und werden deshalb nicht im Detail beschrieben. Beispielhaft seien
das Frequenzkennlinienverfahren, das Wurzelortskurvenverfahren, der Reglerentwurf
durch Polvorgabe und das Riccati-Verfahren genannt, wobei es natürlich noch eine Fülle
weiterer Verfahren gibt. Für die gegenständliche Erfindung kommt es aber weder auf
die konkrete Reglerstruktur noch auf das konkrete Reglerentwurfsverfahren an. Auch
das gewünschte Regelverhalten kann, natürlich unter Berücksichtigung von Stabilitätskriterien
und anderen Randbedingungen, für die Erfindung im Wesentlichen beliebig gewählt werden.
Für die Erfindung wesentlich ist lediglich, dass die Reglerparameter abhängig von
der Hubhöhe l
H festgelegt werden. Auch das kann auf verschiedenste Weise erfolgen.
[0041] Denkbar wäre, die Modellparameter für verschiedene Hubhöhen l
H zu identifizieren und die Reglerparameter K
k dann jeweils für die verschiedenen Hubhöhen zu bestimmen. Auf diese Weise kann man
sich Kennlinien der Reglerparameter K
k in Abhängigkeit von der Hubhöhe l
H oder Kennfelder in Abhängigkeit von der Hubhöhe l
H und anderen Größen, wie beispielsweise einem Massenträgheitsmoment J
β, aufbauen. Das wäre natürlich sehr aufwendig und wenig praktikabel. Vorzugsweise
werden daher die Reglerparameter K
k des Dämpfungsreglers 12 als formelmäßiger Zusammenhang als Funktion von zumindest
der Hubhöhe l
H, und gegebenenfalls anderer Modellparameter, angegeben, also beispielsweise K
k=f(l
H) oder K
k=f(l
H, ...). Damit müssen die Reglerparameter K
k nur für eine Hubhöhe I
H festgelegt werden und können dann einfach auf andere Hubhöhen l
H umgerechnet werden. Aus dem formelmäßigen Zusammenhang können aber offline ebenfalls
die Reglerparameter K
k für verschiedene Hubhöhen l
H berechnet werden und daraus eine Kennlinie oder ein Kennfeld erstellt werden, das
dann in weitere Folge verwendet wird.
[0042] Für die Dämpfungsregelung werden die Reglerparameter K
k in jedem Zeitschritt der Regelung, an die aktuelle Hubhöhe l
H angepasst, beispielsweise durch Auslesen aus einem Kennfeld oder durch Berechnung.
Der Dämpfungsregler 12 ermittelt dann mit den angepassten Reglerparameter K
k die Stellgröße, die mit dem zumindest einen Aktuator 11a, 11b, 11c, 11d im jeweiligen
Zeitschritt eingestellt wird. Die Reglerparameter K
k werden so an die aktuelle Hubhöhe I
H angepasst, um Drehschwingungen des Lastaufnahmeelements 7 in einer beliebigen Hubhöhe
I
H optimal dämpfen zu können
[0043] Insbesondere im Fall einer Hebeeinrichtung 1 mit einem Lastaufnahmeelement 7 ist
oftmals üblich für verschiedene Lasten 8, z.B. für Container verschiedener Größe,
verschiedene Lastaufnahmeelemente 7 oder in der Größe anpassbare Lastaufnahmeelemente
7 zu verwenden. Das hätte natürlich unmittelbar Einfluss auf das Massenträgheitsmoment
J
β. Daher kann vorgesehen sein, die obige Prozedur für verschiedene Lastaufnahmeelemente
7 durchzuführen. Damit würde man für verschiedene Lastaufnahmeelemente 7 verschiedene
Reglerparameter K
k erhalten.
[0044] Das erfindungsgemäße Verfahren wird nachfolgend anhand eines konkreten Ausführungsbeispiels
erläutert. Es wird von einem Drehschwingungsmodell in der Form δβ̈+ξβ̇+β=i
βs wie oben beschrieben ausgegangen. Die Modellparameter des Drehschwingungsmodells,
also z.B. δ, ξ und i
β, werden für eine bestimmte Hubhöhe l
H wie beschrieben identifiziert. Als Reglerstruktur für den Dämpfungsregler 12 wird
aufgrund seiner hohen Regelgüte bzw. Regelperformance ein Zustandsregler 13 verwendet,
wie in Fig. 4 dargestellt. Als Reglerparameter K
k sind dabei fünf Parameter K
I, K
P, K
1, K
2, K
FF vorgesehen. Für den Entwurf des Zustandsreglers 13 wird das zu regelnde System mit
dem Drehschwingungsmodell als Regelstrecke 15 in eine Zustandsraumdarstellung gebracht,
beispielsweise in der Form

[0045] Als Zustände des Systems werden die Aktuatorposition s, der Drehwinkel β, die Winkelgeschwindigkeit
β̇ und eine Abweichung e
β zwischen Soll-Drehwinkel β
soll und Ist-Drehwinkel β
ist verwendet. Die Reglerparameter K
k wurden als Funktion der Hubhöhe l
H, die in den Modellparametern

und

steckt, wie folgt festgelegt. Dabei ist d
0 ist eine Dämpfungskonstante des geschlossenen Regelkreises, d.h. das beinahe ungedämpfte
System wird mit Hilfe des Dämpfungsreglers 12 in ein gedämpftes überführt. Die Parameter
ω
i bestimmen die Dynamik und das Ansprechverhalten des Regelkreises und sind an die
Systemeigenschaften des zu identifizierenden Drehschwingungsmodells gebunden (der
Index i ≥0 steht für die Anzahl der Parameter des Dämpfungsreglers, im ausgehführten
Beispiel sind das die Paramter ω
0, ω
1, ω
2). Die Dämpfungskonstante d
0 und die Parameter ω
i sind vorzugsweise vorparametriert bzw. vorgegeben, können aber bei Bedarf vom Benutzer
adaptiert werden.

[0046] Im Dämpfungsregler 12 werden dann in jedem Zeitschritt der Regelung die Reglerparameter
des Zustandsreglers 13 anhand der aktuellen Hubhöhe l
H berechnet und der Regelung zugrunde gelegt. Damit kann die Drehschwingung des Lastaufnahmeelements
7 wirkungsvoll während eines Hubvorganges gedämpft werden, weil sich der Dämpfungsregler
12 selbsttätig an die aktuelle Hubhöhe l
H anpasst.
[0047] Als Stellgröße der Regelung kann der Dämpfungsregler 12 eine einzustellende Aktuatorposition
s
soll oder eine Aktuatorgeschwindigkeit v
soll für den zumindest einen Aktuator 11a, 11b, 11c, 11d ermitteln und an einer Schnittstelle
16 ausgeben. Dazu erhält der Dämpfungsregler 12 über eine Schnittstelle 17 die benötigten
Istgrößen, beispielsweise die Ist-Position s
ist des zumindest einen Aktuators 11a, 11b, 11c, 11d und den Ist-Drehwinkel β
ist des Lastaufnahmeelements 7. Die zeitliche Ableitung des Ist-Drehwinkel β
ist kann im Dämpfungsregler 12 ermittelt werden oder wird auch gemessen.
[0048] Alternativ kann eine Zustandsschätzeinheit 20 (Fig.5), in Form von Hardware und/oder
Software, vorgesehen sein, die aus gemessenen Istgrößen, beispielsweise des Ist-Drehwinkels
β
ist des Lastaufnahmeelements 7, Schätzwerte für die benötigten Eingangsgrößen des Dämpfungsreglers
12 ermittelt, hier beispielsweise-einen geschätzten Ist-Drehwinkel β
ist und eine geschätzte Ist-Winkelgeschwindigkeit

Die Zustandsschätzeinheit 20 kann beispielsweise als hinlänglich bekannter Kalman-Filter
implementiert sein. Das Drehschwingungsmodell kann dazu auch in der Zustandsschätzeinheit
20 verwendet werden.
[0049] Dem Dämpfungsregler 12 wird ein Soll-Drehwinkel β
soll des Lastaufnahmeelements 7 vorgegeben, der durch den Dämpfungsregler 12 eingeregelt
wird. Normalerweise wird ein Soll-Drehwinkel β
soll=0 vorgegeben, womit Drehschwingungen um eine definierte Nullstellung ausgeregelt
werden. Es kann aber auch ein davon abweichender Soll-Drehwinkel β
soll vorgegeben werden, womit das Lastaufnahmeelement 7 durch den Dämpfungsregler 12 und
unabhängig von der Hebeeinrichtung 1 auf diesen Winkel geregelt wird und dabei auch
Drehschwingungen um diesen Winkel gedämpft werden. Dadurch kann beispielsweise eine
Last 8, wie z.B. ein Container 9, in einem vorgegebenen Winkelbereich verdreht werden
und dadurch z.B. auch auf einer Ladefläche eines ungenau positionierten LKW's abgeladen
werden. Hierfür ist keine zusätzliche Einrichtung zum Verdrehen des Lastaufnahmeelements
7 um die Hochachse erforderlich. Je nach Art und Ausführung der Hebeeinrichtung 1
und ihrer Komponenten kann dabei durch den Dämpfungsregler 12 ein Drehwinkel β des
Lastaufnahmeelements 7 in einem Bereich von beispielsweise ±10° eingestellt werden.
[0050] Gemäß einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung wird im Dämpfungsregler (12)
ein Anti-Wind-Up Schutz integriert, wobei dem Dämpfungsregler 12 Aktuatorbeschränkungen
des zumindest einen Aktuators 11 vorgegeben werden, insbesondere eine maximal/minimal
zulässige Aktuatorposition s
zul, eine maximal/minimal zulässige Aktuatorgeschwindigkeit v
zul und eine maximal/minimal zulässige Aktuatorbeschleunigung a
zul des Aktuators 11. Durch diesen integrierten Anti-Wind-Up Schutz kann der Dämpfungsregler
12 an die Bauart des oder der verfügbaren Aktuatoren 11 der Hebeeinrichtung 1 angepasst
werden. Zur Dämpfung der Drehschwingung des Lastaufnahmeelements 7 berechnet der Dämpfungsregler
12 wie beschrieben eine Stellgröße des zumindest einen Aktuators 11, beispielsweise
die Soll-Aktuatorgeschwindigkeit v
soll. Überschreitet diese Soll-Aktuatorgeschwindigkeit v
soll eine maximal zulässige Aktuatorbeschränkung, z.B. die Aktuatorgeschwindigkeit v
zul, wird die Soll-Aktuatorgeschwindigkeit v
soll auf diese maximal zulässige Aktuatorgeschwindigkeit v
zul limitiert. Ohne Aktuatorbeschränkung bzw. Anti-Wind-Up Schutz könnte es z.B. vorkommen,
dass der Dämpfungsregler 12 eine zu hohe Soll-Aktuatorgeschwindigkeit v
soll berechnet, der der zumindest eine Aktuator 11 aufgrund seiner Ausgestaltung nicht
folgen könnte. Dies würde zu einem Regelfehler führen und der Dämpfungsregler 12,
insbesondere der im Dämpfungsregler 12 integrierte Integrator, würde versuchen diesen
Regelfehler zu kompensieren, indem die Stellgröße, beispielsweise die Soll-Aktuatorgeschwindigkeit
v
soll, weiter erhöht werden würde. Dieses "Aufladen" des Dämpfungsreglers 12 bzw. insbesondere
des im Dämpfungsregler integrierten Integrators könnte zu einer Destabilisierung des
Dämpfungsreglers 12 führen, was durch den integrierten Anti-Wind-Up Schutz zuverlässig
vermieden werden kann. Zusätzlich kann von der Soll-Aktuatorgeschwindigkeit v
soll auch auf eine Soll-Aktuatorbeschleunigung a
soll gerechnet werden und diese mit einer maximal/minimal zulässigen Aktuatorbeschleunigung
a
zul des entsprechenden Aktuators 11a, 11b, 11c, 11d verglichen werden. Wird diese maximal/minimal
zulässige Aktuatorbeschleunigung a
zul überschritten, kann dies ebenfalls mit einer Limitierung der Soll-Aktuatorgeschwindigkeit
v
soll berücksichtigt werden. Damit können unterschiedliche Ausführungsformen und Baugrößen
von Aktuatoren 11a, 11b, 11c, 11d im Dämpfungsregler berücksichtigt werden, wodurch
das Verfahren sehr flexibel auf unterschiedlichsten Hebeeinrichtungen 1 anwendbar
ist.