[0001] Die Erfindung betrifft ein Dämmelement, insbesondere für die Wärme- und Schalldämmung
von flachen oder flachgeneigten Dächern, bestehend aus mit Bindemitteln gebundenen
Mineralfasern, insbesondere Glas- und/oder Steinfasern und mit einer, einer zu dämmenden
Fläche zugewandten ersten großen Oberfläche und einer hierzu parallel verlaufende
und im Abstand angeordneten zweiten großen Oberfläche, wobei die großen Oberflächen
über Seitenflächen miteinander verbunden sind, welche Seitenflächen im Wesentlichen
rechtwinklig zueinander und zu den großen Oberflächen ausgerichtet sind und mit zumindest
einer auf einer Oberfläche angeordneten Beschichtung.
[0002] Aus dem Stand der Technik sind Dämmstoffe aus Mineralfasern bekannt, die beispielsweise
unter der Bezeichnung "Steinwolle" auf dem Markt angeboten werden und sich durch hohe
thermische Belastbarkeit auszeichnen. Diese Dämmstoffe weisen einen Schmelzpunkt ≥
1000°C nach DIN 4102 Teil 17 auf und werden aus Schmelzen hergestellt, deren Steine,
Schlacken und sonstige Reststoffe umfassen. Die Rohstoffe werden in Kupol- oder Wannenöfen
verschmolzen und die Schmelzen auf unterschiedlichen Zerfaserungsmaschinen ausgeformt.
[0003] Bei der Verwendung üblicher Zerfaserungsmaschinen entstehen Mineralfasern und nichtfaserige
Partikel. Gröbere nichtfaserige Partikel können zum großen Teil aus dem kontinuierlich
gebildeten Mineralfaserstrom ausgeschieden werden. In einer aus den Mineralfasern
aufgesammelten Fasermasse verbleiben ca. 5 bis ca. 10 Masse-% Partikel ≥ 63 µm und
ca. 20 bis 30 Masse-% nichtfaserige Partikel ≤ 63 µm. Unmittelbar nach ihrer Entstehung
werden alle gebildeten Partikel mit Hilfe von verdampften Wasser abgeschreckt, so
dass sie einmal glasig erstarren und zum anderen soweit herunter gekühlt, dass in
Wasser gelöste oder dispergierte Bindemittel auf den Mineralfasern haften, sich aber
nicht verfestigen.
[0004] Üblicherweise werden organischen Bindemittel, insbesondere Mischungen aus duroplastisch
aushärtenden Phenol-, Formaldehyd-, Harnstoffharzen verwendet.
[0005] Diese Mischungen werden fallweise durch Zusätze wie beispielsweise Polysacccharide
gestreckt. Um die Einstufung der Dämmstoffe als nicht brennbare oder zumindest schwer
entflammbare Baustoffe nicht zu gefährden, werden die Anteile an organischen Bindemitteln
im Allgemeinen auf weniger als 4,5 Masse-%, bei nach dem Düsen-BlasVerfahren hergestellten
Steinwolle-Dämmstoffen auf weniger als ca. 8 Masse-% begrenzt.
[0006] Steinwolle-Dämmstoffe werden auch mit den für die Herstellung von Glaswolle üblicherweise
verwendeten Verfahren hergestellt. Ein derartiges Herstellungsverfahren zeichnet sich
insbesondere dadurch aus, dass keine oder nur sehr geringe Mengen an nichtfaserige
Partikel gebildet werden.
[0007] Neben den Bindemittel werden die gebildeten Mineralfasern mit Zusatzmitteln imprägniert,
die einmal wasserabweisend wirken und aufgrund der veränderten Grenzflächeneigenschaften
der Mineralfasern geringe Haftkräfte entwickeln, die Bruchstücke feinster Mineralfasern
in einem geringen Maße halten können. Vielfach werden hierfür hochsiedende Mineralöle,
Öl-in-Wasser-Emulsionen, seltener Silikonöle oder -harze eingesetzt. Die Anteile betragen
ca. 0,2 bis ca. 0,4 Masse-%.
[0008] Dämmstoffe aus Steinwolle werden überwiegen von Kaskaden-Zerfaserungsmaschinen hergestellt.
Diese Zerfaserungsmaschinen erlauben die Verarbeitung erdalkalireicher Gläser mit
sehr schmalen Verarbeitungsbereichen. Es bilden sich aber nur sehr kurze Mineralfasern,
die zudem noch durch die für den Abtransport der gebildeten Mineralfasern erforderlichen
hohen Luftgeschwindigkeiten in sich verformt werden. Die Zerfaserungsmaschine ist
am Eingang einer horizontal gerichteten Sammelkammer angeordnet, in welcher der gebildete
Mineralfaserstrom mit Hilfe eines Luftstroms kontinuierlich auf eine am Ende der Sammelkammer
angeordnete luftdurchlässige Fördereinrichtung geleitet wird. Auf dem Weg zu dieser
Fördereinrichtung werden die gröbere nichtfaserigen Partikel abgeschieden. Der Mineralfaserstrom
besteht aus den mit Binde- und Zusatzmitteln imprägnierten Mineralfasern und den nichtfaserigen
Partikeln. Weiterhin werden Mineralfasern transportiert, die nicht mit Bindemitteln
imprägniert sind.
[0009] Ganz wesentlich wird der Zusammenhalt und das Verformungsverhalten der aus den Mineralfasern
gebildeten Fasermasse durch das Einblasen von Produktionsabfällen in Form gemahlener
Dämmstoff-Partikel bzw. -Fasern beeinflusst und bei größeren Mengen regelmäßig verschlechtert.
Diese durch Zerkleinern aufbereiteten Dämmstoffe gelangen nicht in den eigentlichen
Bindemittelstrom und werden deshalb nur aufgrund ihrer Form von gerade gebildeten
Faserflocken eingefangen. Die in ihnen enthaltenen verfestigten Bindemittel tragen
zusätzliche brennbare organische Substanzen in die Fasermasse und damit in aus der
Fasermasse herzustellende Dämmstoffe ein.
[0010] Die luftdurchlässige Fördereinrichtung weist eine Filterwirkung auf. Hierdurch lagern
sich die Mineralfasern in Form einer imprägnierten primären Faserbahn auf der Fördereinrichtung
mit einer Dicke ab, die abhängig von der Leistung der Zerfaserungsmaschine und der
Fördergeschwindigkeit der Fördereinrichtung ist. Gewöhnlich werden geringe Flächengewichte
der primären Faserbahn angestrebt, um trotz minimaler Kühlmittelmengen, wie beispielsweise
Wasser, eine vorzeitige Verfestigung der Bindemittel zu vermeiden. Die primäre Faserbahn
wird anschließend mit Hilfe einer pendelnden zweiten Fördereinrichtung quer und einander
schräg überlappend auf eine dritte langsam laufende Fördereinrichtung abgelegt. Die
beschriebene Art der Bildung einer ausreichend dicken imprägnierten Faserbahn wird
als indirekte Aufsammlung bezeichnet. Weiterhin ist eine direkte Aufsammlung bekannt,
bei der die mit Binde- und Zusatzmitteln imprägnierten Mineralfasern, gegebenenfalls
unter Einschluss der nichtfaserigen Partikel, die bindemittelfreien Fasern und die
feinen recyclierten feinen Dämmstoff-Flocken mit Hilfe eines Fallschachts oder durch
Umlenkung aus der Horizontale in einer entsprechend hohen Sammelkammer bis zu der
gewünschten Höhe bzw. dem erforderlichen Flächengewicht auf einer langsam laufenden
Fördereinrichtung abgelegt werden. Durch diese sanftere Art der Aufsammlung werden
die Mineralfasern ohne bevorzugte Richtung flach übereinanderliegend aufgeschichtet.
[0011] Die bei der indirekten wie direkten Aufsammlung gebildeten endlosen imprägnierten
Faserbahn können anschließend auf die gewünschte Dicke komprimiert und anschließend
in einen Härteofen komprimiert. werden, wobei nach dieser überwiegenden vertikalen
Stauchung zwischen dem Härteofen zwei übereinander angeordnete druckübertragende Förderbänder
aufweist. Die beiden Förderbänder des Härteofens bestehen aus U-förmigen Elementen,
die an umlaufenden Zuggliedern befestigt sind und somit ein endloses Band bilden.
In den druckübertragenden Flächen der lamellenartigen Elemente sind Lang- und Rundlöcher
vorhanden, durch die heiße Luft in vertikaler Richtung durhc die endlose Faserbahn
gesaugt wird. Bei dem Einlaufen der endlosen Faserbahn in den Härteofen werden insbesondere
die Mineralfasern in diese beispielsweise 5 bis 7 mm breiten Langlöcher und in die
Fugen zwischen den einzelnen Elementen gedrückt, was zu charakteristischen Profilierungen
der beiden großen Oberflächen der durch die Verfestigung der Bindemittel in eine endlose
Dämmstoffbahn umgewandelten Faserbahn führt.
[0012] Die Dämmstoffbahn kann durch Längs- und Quersägen in plattenförmige Körper, falls
erforderlich auch durch Horizontalsägen in dünnere Platten aufgeteilt werden.
[0013] Die nicht brennbaren Dämmstoffe aus Mineralfasern, insbesondere aus Steinwolle, werden
im großen Umfang zur Dämmung von insbesondere leichten Flachdach-Konstruktionen verwendet.
Als flach werden in den einschlägigen Fachregeln Dachkonstruktionen mit einer Neigung
der Dachfläche von ≤ 10° bezeichnet. Diese leichten Flachdach-Konstruktionen weisen
häufig als tragende Dachschale weit gespannte und zudem noch dünne Profilbleche auf.
Extrem profilierte Bleche weisen lichte Weiten zwischen Kanten der Obergurte bis ca.
172 mm auf. Gelegentlich werden die profilierten Bleche auch in Negativlage eingebaut,
so dass die breiteren Obergurte nun nach unten gerichtet sind, was die lichten Weiten
zwischen den nun oben liegenden Untergurten vergrößert. Die leichten Flachdach-Konstruktionen
biegen sich bereits unter ihrer Eigenlast und später unter den Gewichten von Wasser
und Schnee stark durch. Sie sind zudem extrem schwingungsanfällig und lassen sich
durch Windbelastungen leicht anregen. Auf die Dachschalen werden entweder dünne Kunststoff-Folien
als dampfbremsende Luftdichtheitsschicht aufgelegt oder auch mit Metallschichten kaschierten
Bitumen- oder Elastomerbahnen auf die Obergurte bzw. oben liegenden Gurte der Profilbleche
aufgeklebt.
[0014] Die Dämmplatten werden zumeist in Form großformatiger Platten in Abmessung von beispielsweise
2 m Länge x 1,2 m Breite auf der tragenden Dachschale bzw. der dampfbremsenden Luftdichtheitsschicht
im Verband ausgelegt. Diese großformatigen Platten bilden dadurch Mehrfeldträger,
die ein wesentlich höheres Tragvermögen aufweisen als schmalere Platten oder gar die
früher üblichen kleinformatigen Platten mit Abmessungen von beispielsweise 1 m Länge
x 625 mm Breite. In allen Fällen sollen aber über die Untergurte auskragende Plattenenden
vermieden werden. Da die Abstände der Obergurte nicht mit den handelsüblichen Abmessungen
der Dämmplatten übereinstimmen, müssen die Dämmplatten zugeschnitten werden, damit
die Plattenstöße jeweils auf der Mitte eines Obergurts liegen. Um aufwendige Schneidarbeiten
zu vermeiden, können druckfeste formschlüssige Sickenfüller oberhalb der Untergurte
in die Profile eingesetzt werden, auf denen die Plattenstöße benachbarter Dämmplatten
aufliegen.
[0015] Auf die aus den Dämmplatten gebildete Dämmschicht werden anschließend Dachabdichtungsbahnen
aufgeklebt oder -folien ausgelegt. Die Dachabdichtungsbahnen oder -folien, wie auch
die Dämmplatten werden mit Schrauben mit den Profilblechen verbunden. Zur werkstoffgerechten
Krafteinleitung in beide Werkstoffe werden mit den Schrauben druckverteilende Platten
oder Schienen verschraubt.
[0016] Dämmstoffe aus Steinwolle weisen den Vorteil auf, dass sie nicht chemisch mit den
unterschiedlichen Abdichtungsstoffen reagieren. Die aus diesen Dämmstoffen hergestellten
Dämmplatten weisen keine thermisch bedingten Änderungen der Abmessungen auf, ihre
Kanten sind zudem relativ weich, beides verhindert mechanisch bedingte Einwirkungen
auf die Abdichtungsstoffe. Die Dämmstoffe sind zudem diffusionsoffen, was einen unbehinderten
Wasserdampf-Durchgang und bei Vorhandensein ausreichender Energiemengen eine Trocknung
möglicherweise feuchter Dachaufbauten ermöglicht.
[0017] Die voranstehend beschriebenen Flachdach-Konstruktionen gelten im Gegensatz zu beispielsweise
Parkdecks oder Terrassen als nicht nutzbare Dachkonstruktionen, die nach der Errichtungsphase
nur gelegentlich zu Wartungsarbeiten betreten werden sollen. Regelmäßig zu regelnde
Teilflächen, wie beispielsweise Laufwege werden durch druckverteilende Schichten auf
den Abdichtungsbahnen oder -folien sowie darauf aufgeständerte Konstruktionen geschützt.
Es besteht ferner die Möglichkeit, hoch belastbare Tragkonstruktionen auf die tragenden
Dachschale aufzusetzen. Hierdurch werden aber die Abdichtung und die Dämmschicht durchdrungen,
so dass Fehl- bzw. Leckstellen entstehen können.
[0018] Die Dämmplatten aus Steinwolle werden in erster Linie auf eine hohe Druckfestigkeit
hin ausgelegt, wobei im Allgemeinen angestrebt wird, eine Wärmeleitfähigkeit von ≤
0,040 W/m K beizubehalten. Dämmplatten unter Abdichtungen sollen bei den mittleren
Druckbelastungen, die bei nicht genutzten Dächern auftreten nach DIN EN 13162 eine
Mindest-Druckspannung CS(10Y)60, d. h. bei 10 % Stauchung ≥ 60 kPa aufweisen. Um derartige
Druckspannungswerte zu erreichen, müssen die Dämmplatten entweder eine hohe Rohdichte
und/oder hohe Bindemittelgehalte aufweisen. Um die erforderlichen Rohdichten und die
einzusetzende Fasermasse den Massen-Einsatz sowie das Gewicht der einzelnen Dämmplatte
zu begrenzen, werden die Dämmplatten für die Verwendung im Flachdachbereich stark
aufgefaltet, so dass die Mineralfasern in einer steilen Lagerung zu den großen Oberflächen
ausgerichtet sind. Hierdurch steigen die Druckfestigkeit, die Kompressibilität in
horizontaler Richtung quer zur Auffaltungsrichtung, aber auch die Wärmeleitfähigkeit.
Es sinken die Zugfestigkeit in der Plattenebene, die Biegefestigkeit in Auffaltungsrichtung
und die Scherfestigkeit in der Belastungsrichtung rechtwinklig zu den großen Oberflächen
der Dämmplatten.
[0019] Bei nach der bekannten Auffaltung hergestellten Mineralfaserbahn weisen die aus der
Faserbahn hergestellten rechtwinklig zur Auffaltrichtung und damit quer zur Produktionsrichtung
der Mineralfaserbahn höchste Biegefestigkeit auf. Aus diesem Grund werden die Dämmplatten
auch mit dieser Längsausrichtung quer über die profilierten Bleche der tragenden Dachschale
aufgelegt. In Profilrichtung ist demzufolge die Biegefestigkeit der Dämmplatten deutlich
geringer und damit steigt die Gefahr, dass bei häufigeren Belastungen parallel zu
den Profilierungen, die Dämmstoffe nicht ausreichend tragfähig sind.
[0020] Die Kräfte zur Auffaltung der imprägnierten Faserbahn werden über die großen Oberflächen
der primären Faserbahn eingeleitet. Da im Härteofen über die Förderbänder Kräfte in
ähnlicher Größe und Richtung auf die Faserbahn einwirken, sind Mineralfasern in und
unterhalb der beiden großen Oberflächen der Faserbahn und der daraus hergestellten
relativ flach oder zumindest flacher zu den großen Oberflächen orientiert als in einem
Bereich zwischen den beiden großen Oberflächen der Dämmplatte. Gleiches gilt für die
aus der Dämmstoffbahn hergestellten Dämmstoffplatten.
[0021] Wird die Dämmstoffbahn horizontal in eine oder mehrere Lagen aufgeteilt, liegt zumindest
eine der großen Oberfläche einer auf diese Weise gewonnenen Teilbahn in einem Bereich
der Dämmstoffbahn, der geringe Festigkeit aufweist.
[0022] Um die Dämmplatten gegenüber Belastungen durch Begehen widerstandsfähiger zu machen
und gleichzeitig eine verbesserte Krafteinleitung über die Platten und/oder Schienen
in die Dämmschicht zu ermöglichen, werden Dämmplatten angeboten, die eine hohe Schicht
auf einer Oberfläche aufweisen. Diese Schicht weist zumeist Rohdichten von ca. 150
bis ca. 170 kg/m
2 auf, so dass die derart ausgebildeten Dämmplatten Rohdichten von ca. 180 bis ca.
220 kg/m
3 aufweisen.
[0023] Eine weitere Verbesserung der Tragfähigkeit einer Dämmschicht wird dadurch erzielt,
dass zwei mit hoch verdichteten Schichten derart versetzt übereinander angeordnet
werden, dass jeweils eine hoch verdichtete Schicht oben und eine andere auf der tragenden
Dachschale bzw. der dampfbremsenden und luftsperrenden Schicht aufliegt.
[0024] Da die sandwichartig angeordneten Dämmplatten nicht kraftschlüssig miteinander verbunden
sind, erhöht sich die Tragfähigkeit einer derart ausgebildeten Dämmplatten mehrlagigen
Dämmschicht nicht oder nur unwesentlich.
[0025] Unabhängig von der Anordnung der Fasern in den Dämmplatten sinkt die Festigkeit der
Dämmschicht im Laufe der Zeit durch Relaxationseffekte, d. h. durch den Abbau der
durch die Kompression und Verfaltung induzierten Spannungen. Diese Effekte werden
durch wiederholte mechanische Belastungen beschleunigt und vergrößert. Im Zusammenhang
mit der Einwirkung von Wasser können die dadurch ausgelösten hydromechanischen Wirkungsmechanismen
zu weitgehenden Festigkeitsverlusten als Folge der Auflösung der Struktur führen.
[0026] Der Rückbau beschädigter und/oder als Folge von Feuchteeinwirkungen ihrer Tragfähigkeit
verlustig gegangener Dämmschichten ist aufwendig und führt u. a. auch zu hohen Entsorgungskosten.
Es ist in vielen Fällen vorteilhaft, den schadhaften oder ungenügend gedämmten Dachaufbau
durch zusätzliche Dämmschichten und entsprechende Abdichtungen zu ergänzen. Dabei
werden die vorhandenen alten Abdichtungen entfernt und falls ihr Wasserdampfdiffusions-Widerstand
nicht zu hoch ist, unverändert oder nach einer Perforation in situ belassen. Die leicht
verformbaren Dämmschichten müssen nun jeweils ein ausreichendes Widerstandsmoment
in beiden horizontalen Raumachsen aufweisen, was u. a. sowohl eine biegesteife Decklage
wie auch eine biegefeste Unterlage erforderlich macht.
[0027] Für die Wirksamkeit der Decklage ist eine möglichst intensive Verbindung mit den
Mineralfasern der Dämmschicht von Vorteil. Diesbezüglich hat sich eine Verklebung
mit organischen Kunstharzen als eine Lösung als möglich erwiesen, die aber zu einer
Abminderung der Baustoffklasse der Dämmplatten führt. Als Alternative sind kunststoffmodifizierte
anorganische Kleber bekannt, die aber häufig sprödbrüchig sind und sich nur schwer
in einer ausreichenden Tiefe in der wie ein Feinstfilter wirkenden Dämmschicht aus
Mineralfasern einarbeiten lassen, so dass sich nur dünne Schichten ausbilden. Dünne
Schichten unter beispielsweise 20 mm sind zu brüchig, um hier wirksam zu werden. Andererseits
können die Dicken dieser Schichten wegen Wärmebrückeneffekte nicht beliebig erhöht
werden.
[0028] Ausgehend von diesem Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde,
ein gattungsgemäßes Dämmelement hinsichtlich seiner statischen Eigenschaften, insbesondere
seiner Biegesteifigkeit und darüber hinaus hinsichtlich seiner Verarbeitbarkeit zu
verbessern.
[0029] Die
Lösung dieser Aufgabenstellung sieht vor, dass die Beschichtung aus zumindest einem Reaktionsprodukt
aus schwachgebrannter Magnesia (MgO) mit zumindest einer konzentrierten Magnesiachloridlösung
besteht.
[0030] Der Kern der Erfindung liegt somit darin, an sich bekannte Dämmelemente, insbesondere
Dachdämmplatten auf zumindest einer Oberfläche mit einer biegesteifen Schicht auszubilden,
die kraftschlüssig mit der Oberfläche verbunden ist. Vorzugsweise besteht die Beschichtung
aus einem Sorelzement, wobei gegebenenfalls anorganische Zuschlagstoffe, feingemahlene
Glasfasern und/oder Abfälle von Mineralwolle-Dämmstoffen hinzugefügt werden. Ergänzend
oder alternativ können zur Bewehrung auch Kunststoff-Kurzfasern, Holz- und/oder Cellulosefasern
Verwendung finden.
[0031] Sorelzement ist ein Säure-Basen-Zement. Als Säure fungiert eine wässrige Magnesiumchloridlösung,
als Basis kaustisch gebrannter Magnesit (Magnesiumoxid). Je nach Reaktivität des Magnesiumoxids
kommt es innerhalb von Minuten oder auch erst nach Stunden zum Erhärten des Gemisches.
Hierdurch lässt sich die Beschichtung derart einstellen, dass sie innerhalb des Herstellungsprozesses
derartiger Dämmelemente variabel aushärtet, so dass in Abhängigkeit des Herstellungsprozesses
ein schnelles oder spätes Aushärten gewählt wird. Beispielsweise kann dies sichtlich
nachfolgender Bearbeitungsschritte sinnvoll sein, bei denen die Beschichtung entweder
ausgehärtet sein muss oder aber noch nicht ausgehärtet sein muss. Die stöchiometrische
Formel der Reaktion lautet:
5 MgO + MgCl
2 + 13 H
2O -> 5Mg(OH)
2.MgCl
2.8H
2O
[0032] Die entstehende Verbindung ist ein Magnesiumoxichlorid.
[0033] Nach einem weiteren Merkmal der Erfindung ist vorgesehen, dass die Beschichtung eine
Bewehrung aufweist. Vorzugsweise besteht die Bewehrung aus zumindest einem, insbesondere
gelocht ausgebildeten flächigen Element, insbesondere aus zumindest einem Glasfaserwirrvlies,
Glasfaser- oder Zellulosegewebe und/oder Glasfaser-Stapelfasern. Diese flächigen und
gelochten Gebilde haben den Vorteil, dass bei Verwendung gröberer Zuschläge eine mögliche
Filterwirkung der flächigen Bewehrungsmaterialien abgemindert bzw. kompensiert wird.
Die Zahl der Bewehrungsschichten beträgt mindestens eine und maximal sieben Lagen.
Die Dicke der Bewehrungen bzw. der Beschichtung wird zwischen 2 und 10 mm variiert.
Insbesondere werden Schichtdicken von ca. 3 und ca. 7 mm aufgebaut. Die Beschichtung
kann über die Fläche verteilt Ausnehmungen aufweisen, um die Wasserdampfdiffusion
durch das Dämmelement zu verbessern.
[0034] Nach einem weiteren Merkmal der Erfindung ist vorgesehen, dass auf der Beschichtung
eine Kontaktschicht aus einer dünnen Dachdämmplatte aus Mineralfasern, insbesondere
aus Steinfasern angeordnet ist. Diese Kontaktschicht weist vorzugsweise eine Schichtdicke
zwischen 5 und 40 mm, insbesondere zwischen 15 und 25 mm auf, wobei es sich als vorteilhaft
erwiesen hat, die Kontaktschicht mit der Beschichtung zu verkleben.
[0035] Eine Weiterbildung dieser Ausgestaltung sieht vor, dass die Verklebung zwischen der
Kontaktschicht und der Beschichtung durch die Klebewirkung der nicht ausgehärteten
Beschichtung bewirkt ist.
[0036] Die Kontaktschicht baut einen Kontakt zwischen der Beschichtung und auf den Dämmelementen
im Bereich verlegten Dachabdichtungsstoffen, beispielsweise Bitumenbahnen auf. Ferner
dient die Kontaktschicht als Wasserdampfdruck-Ausgleichsschicht. Insgesamt ist ein
erfindungsgemäßes Dämmelement somit zumindest dreischichtig in Form eines Sandwichelementes
aufgebaut, wobei die Beschichtung sowohl mit dem Mineralfaserkörper des Dämmelementes
als auch mit der Kontaktschicht in Verbindung steht. Hierbei wird die Klebewirkung
der applizierten Beschichtung vor deren Verfestigung ausgenutzt. Wird die Kontaktschicht
erst nach Abbinden der Beschichtung aufgebracht, so kann hierzu wiederum eine unbewehrte
dünne Sorelzement-Schicht verwendet werden, die eine Verbindung zwischen der Kontaktschicht
und der Beschichtung auf dem Mineralfaserkörper des Dämmelementes ausbildet.
[0037] Die voranstehend beschriebene Kontaktschicht aus einer relativ dünnen Mineralfaserplatte
weist eine relativ geringe Festigkeit und dient als Pulverschicht. Die Dicke dieser
Kontaktschicht ist derart ausgewählt, dass zum einen mechanische Befestigungselemente,
insbesondere auf dem Dämmelement aufliegende Befestigungsteller nicht derart tief
in das Dämmelement eindringen können, dass sich Mulden bilden, in denen sich gegebenenfalls
Oberflächenwasser sammelt. Darüber hinaus dient diese Kontaktschicht auch wärmedämmend
und schützt die unterhalb der Kontaktschicht liegende Beschichtung aus Sorelzement
zumindest vor Einwirkungen niedriger Temperaturen, die zu Frost führen können.
[0038] Nach einem weiteren Merkmal der Erfindung ist vorgesehen, dass die Beschichtung mit
diffusionsoffenen Imprägnierungs- und/oder Hydrophobierungsmitteln und/oder diffusionsoffenen
Farben, insbesondere Silikat und/oder Dispersionsfarbsystem behandelt und insbesondere
abgedeckt ist. Diese diffusionsoffenen Imprägnierungs- und/oder Hydrophobierungsmittel
und/oder diffusionsoffenen Farben mindern die Wirkung des häufig auf der Rückseite
der Dachabdichtungselemente ausfallenden Tauwassers.
[0039] Schließlich ist vorgesehen, dass das Dämmelement als Dämmplatte mit rechtwinkligen
oder dreieckigen Oberflächen oder durch eine Ausbildung als Formkörper, insbesondere
mit halbzylindrisch, kugelförmig oder beliebig gewölbt geformten Oberflächen ausgebildet
ist.
[0040] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
und den zugehörigen Zeichnungen, in denen bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung
dargestellt sind. In den Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1
- eine erste Ausführungsform eines Dämmelements in Form einer Dämmplatte und
- Fig. 2
- eine zweite Ausführungsform eines Dämmelements in Form einer Dämmplatte.
[0041] In Fig. 1 ist eine erste Ausführungsform eines Dämmelements 1 dargestellt. Das Dämmelement
besteht aus einem Mineralfaserkörper 2, der zwei große Oberflächen 3 aufweist, die
beabstandet parallel zueinander verlaufend ausgerichtet sind. Rechtwinklig zu den
großen Oberflächen 3 weist der Mineralfaserkörper 2 vier Seitenflächen 4 auf, von
denen in Fig. 1 zwei Seitenflächen 4 dargestellt sind. Die Seitenflächen 4 verlaufen
rechtwinklig zu den großen Oberflächen und zueinander.
[0042] Auf der in Fig. 1 dargestellten oberen Oberfläche 3 weist das Dämmelement 1 eine
Beschichtung 5 aus einem Sorelzement auf.
[0043] Die Beschichtung hat eine Bewehrung 6, wie aus einem flächigen Element in Form eines
Glasfaser-Wirrvlieses besteht, welches gelocht ausgebildet ist.
[0044] Darüber hinaus ist in Fig. 1 zu erkennen, dass die Beschichtung 5 zwei kreisförmige
Ausnehmungen 7 aufweist, welche die gesamte Beschichtung 5 in Richtung der Flächennormalen
der großen Oberfläche 3 durchgreift.
[0045] Die Beschichtung 5 weist eine Schichtdicke von 5 mm auf. Das Dämmelement ist als
Dämmplatte ausgebildet.
[0046] Eine zweite Ausführungsform eines Dämmelements 1 ist in Fig. 2 dargestellt. Die Ausführungsform
gemäß Fig. 2 gegenüber der Ausführungsform des Dämmelements gemäß Fig. 1 durch eine
Kontaktschicht 8 ergänzt, die mit der Beschichtung 5 verbunden, nämlich verklebt ist.
Die Kontaktschicht 8 besteht aus einer dünnen Dachdämmplatte aus Mineralfasern und
weist eine Schichtdicke von 20 mm auf. Die Verklebung zwischen der Kontaktschicht
8 und der Beschichtung 5 erfolgt mit einer nicht näher dargestellten Schicht Sorelzement,
die auf die zuvor ausgehärtete Beschichtung 5 frei von Bewehrungen aufgetragen ist.
Bezugszeichenliste
[0047]
- 1
- Dämmelement
- 2
- Mineralfaserkörper
- 3
- Oberfläche
- 4
- Seitenfläche
- 5
- Beschichtung
- 6
- Bewehrung
- 7
- Ausnehmung
- 8
- Kontaktschicht
1. Dämmelement für die Wärme- und Schalldämmung von flachen oder flachgeneigten Dächern,
bestehend aus einem Mineralfaserkörper aus mit Bindemitteln gebundenen Mineralfasern,
insbesondere Glas- und/oder Steinfasern, mit einer, einer zu dämmenden Fläche zugewandten
ersten großen Oberfläche und einer hierzu parallel verlaufende und im Abstand angeordneten
zweiten großen Oberfläche, wobei die großen Oberflächen über Seitenflächen miteinander
verbunden sind, welche Seitenflächen im Wesentlichen rechtwinklig zueinander und zu
den großen Oberflächen ausgerichtet sind und zumindest einer auf einer Oberfläche
angeordneten Beschichtung,
dadurch gekennzeichnet,
dass die kraftschlüssig mit der Oberfläche (3) verbundene Beschichtung (5) aus zumindest
einem Reaktionsprodukt aus schwach gebrannter Magnesia (MgO) mit zumindest einer konzentrierten
Magnesiachloridlösung besteht.
2. Dämmelement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschichtung (5) aus einem Sorelzement besteht.
3. Dämmelement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschichtung (5) ergänzend anorganische Zuschlagstoffe, feingemahlene Glasfasern,
Abfälle von Mineralwolldämmstoffen und/oder Kunststofffasern aufweist.
4. Dämmelement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschichtung (5) eine Bewehrung (6) aufweist.
5. Dämmelement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Bewehrung (6) aus zumindest einem, vorzugsweise gelocht ausgebildetem flächigen
Element, insbesondere aus zumindest einem Glasfaser-Wirrvlies, Glasfaser-Gewebe und/oder
Glasfaser-Stapelfasern besteht.
6. Dämmelement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Bewehrung (6) maximal sieben Lagen flächiger Elemente aufweist.
7. Dämmelement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschichtung (5) zumindest eine Ausnehmung (7) aufweist, welche die gesamte Beschichtung
(5) in Richtung der Flächennormalen der großen Oberfläche (3) durchgreift.
8. Dämmelement nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Bewehrung (6) bzw. deren Bestandteile insgesamt oder jeweils eine Schichtdicke
zwischen 2 und 10 mm, insbesondere zwischen 3 und 7 mm aufweist.
9. Dämmelement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass auf der Beschichtung (5) eine Kontaktschicht (8) aus einer dünnen Dachdämmplatte
aus Mineralfasern, insbesondere aus Steinfasern angeordnet ist.
10. Dämmelement nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Kontaktschicht (8) eine Schichtdicke zwischen 5 und 40 mm, insbesondere zwischen
15 und 25 mm aufweist.
11. Dämmelement nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Kontaktschicht (8) mit der Beschichtung (5) verklebt ist.
12. Dämmelement nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Verklebung zwischen der Kontaktschicht (8) und der Beschichtung (5) durch die
Klebewirkung der nicht ausgehärteten Beschichtung (5) ausgebildet ist.
13. Dämmelement nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Verklebung zwischen der Kontaktschicht (8) und der Beschichtung (5) durch eine
Schicht Sorelzement ausgebildet ist, die auf der ausgehärteten Beschichtung (5) frei
von Bewehrungen angeordnet ist.
14. Dämmelement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschichtung mit diffusionsoffenen Imprägnierungs- und/oder Hydrophobierungsmitteln
und/oder diffusionsoffenen Farben, insbesondere Silikat- und/oder Dispersionsfarbsystemen
behandelt, insbesondere abgedeckt ist.
15. Dämmelement nach Anspruch 1 gekennzeichnet durch eine Ausbildung als Dämmplatte mit rechtwinkligen oder dreieckigen Oberflächen oder
durch eine Ausbildung als Formkörper, insbesondere mit halbzylindrisch, kuppelförmig
oder beliebig gewölbt geformten Oberflächen.