[0001] Die Erfindung betrifft eine Seitenplatte einer Stranggießkokille zum Erzeugen eines
Gießstrangs aus Metallwerkstoffen.
[0002] Derartige Seitenplatten für Stranggießkokillen sind im Stand der Technik hinlänglich
bekannt, so z. B. aus der internationalen Patentanmeldung
WO 2010/015399 A1. Die dort offenbarte Stranggießkokille besteht im Wesentlichen aus Seitenplatten
aus Kupfer. Die Seitenplatten haben jeweils eine dem Gießraum der Stranggießkokille
zugewandte Heißseite und eine der Heißseite abgewandte Kaltseite. Auf der Kaltseite
der Seitenplatte ist ein Kühlkanal eingefräst. In den Kühlkanälen sind Einlegeteile,
auch Füllstücke genannt, eingesetzt, um den Querschnitt des Kühlkanals jeweils auf
einen gewünschten Restquerschnitt zu reduzieren. Die Formstücke bestehen entweder
aus temperaturbeständigem Kunststoff oder aus einem Metall. Der Vorteil bei der Verwendung
von Kunststoff anstelle von Metall besteht darin, dass durch die Verwendung von Kunststoff
Gewicht eingespart werden kann, wodurch die Oszillationsdynamik der Kokille verbessert
wird. Weiterhin sind die Herstellungskosten für Füllstücke aus Kunststoff deutlich
günstiger als für Füllstücke aus Metall.
[0003] In der betrieblichen Praxis hat es sich jedoch gezeigt, dass es bei der Auswahl des
Kunststoffes nicht lediglich auf die Temperaturstabilität und geringe Kosten ankommt,
sondern dass der verwendete Werkstoff darüber hinaus auch noch eine Mehrzahl anderer
Eigenschaften besitzen muss, die speziell für Füllstücke in den Kühlkanälen von Seitenplatten
einer Stranggießkokille relevant sind.
[0004] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, bei einer bekannten Seitenplatte
einer Stranggießkokille die Füllstücke für die Kühlkanäle der Seitenplatte dahingehend
weiterzubilden, dass sie nicht nur thermisch stabil, sondern gleichzeitig auch chemisch
neutral gegenüber dem Kühlmittel in dem Kühlkanal, elastisch und gut mechanisch bearbeitbar
sind.
[0005] Diese Aufgabe wird durch den Gegenstand des Patentanspruchs 1 gelöst. Dieser ist
dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Kunststoff für das Füllstück um Polyurethan
oder Polyacetal handelt.
[0006] Diese beiden ausgewählten und beanspruchten Werkstoffe zeichnen sich zum einen durch
eine gute thermische Formstabilität aus. Dies ist wichtig, weil die Formstücke den
Querschnitt der Kühlkanäle definieren und dieser Querschnitt muss auch bei höheren
Temperaturen, die das Kühlmittel beim Durchlauf durch die Kühlkanäle annehmen kann,
erhalten bleiben soll. Darüber hinaus zeigen diese beanspruchten Materialien auch
eine chemische Neutralität bzw. Bestandsfestigkeit gegenüber dem Kühlmittel, bei dem
es sich nicht nur um reines Wasser, sondern um Wasser mit z. T. aggressiven chemischen
Zusätzen handelt. Insofern ist es bei diesen Werkstoffen von Vorteil, dass diese Werkstoffe
durch diese chemischen Zusätze nicht in ihrer Konsistenz oder an ihrer Oberfläche
angegriffen werden. Auch zeigen sich diese Werkstoffe elektrochemisch neutral, d.
h. insbesondere findet kein lonenaustausch mit dem Kühlwasser statt. Darüber hinaus
bleiben diese Werkstoffe auch in dem chemisch angereicherten Kühlmittel elastisch;
d. h. vorteilhafterweise verspröden sie nicht. Darüber hinaus sind sie mechanisch
gut bearbeitbar, insbesondere zeigen sie eine gute Spanbarkeit; dies ist vorteilhaft
im Hinblick auf die zum Teil notwendige sehr spezielle Formgestaltung der Füllstücke.
Schließlich sei erwähnt, dass diese Kunststoffe auch neutral sind bezüglich der Rückwirkung
auf Magnetfelder und bei einer Durchstrahlung mit z. B. Röntgenlicht zu Messzwecken.
[0007] Gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel weist das Füllstück mindestens eine Stabilisatoreinlage
in Form eines Profilstabes auf. Durch diese Stabilisatoreinlage wird die Formstabilität
des Füllstücks weiter erhöht. Die Verwendung einer solchen Stabilisatoreinlage empfiehlt
sich insbesondere dann, wenn das Füllstück aus Polyurethan gefertigt ist. Bei der
Verwendung von Polyacetal ist die Verwendung einer solchen Stabilisatoreinlage in
der Regel entbehrlich.
[0008] Die Füllstücke können entweder zu 100 % oder nur zu einem Teil aus einem der besagten
Kunststoffe gefertigt sein. In letzterem Fall handelt es sich dann um Verbundmaterial.
[0009] Bei der beanspruchten Seitenplatte handelt es sich beispielsweise um eine Breitseitenplatte
der Stranggießkokille. Die Seitenplatte kann beispielsweise aus Kupfer gefertigt sein,
egal ob es sich dabei um eine Schmalseitenplatte oder eine Breitseitenplatte handelt.
[0010] Die oben genannte Aufgabe wird schließlich auch durch den Verwendungsanspruch 5 gelöst.
[0011] Der Beschreibung ist eine einzige Figur beigefügt, welche eine Seitenplatte, insbesondere
eine Breitseitenplatte einer Stranggießkokille zeigt.
[0012] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf diese Figur in Form von Ausführungsbeispielen
detailliert beschrieben.
[0013] Die Figur zeigt eine Seitenplatte, insbesondere eine Breitseitenplatte 100 einer
Stranggießkokille. Die Stranggießkokille dient zum Gießen von flüssigen Metallwerkstoffen
zu einem Gießstrang. Die Seitenplatte 100 begrenzt einseitig den Gießraum einer solchen
Kokille. Die dem Gießraum der Stranggießkokille zugewandte Seite der Seitenplatte
wird auch als Heißseite 110 bezeichnet während die der Heißseite abgewandte Seite
der Kokille als Kaltseite 120 bezeichnet wird. In der Kaltseite 120 sind eine Mehrzahl
von Kühlkanälen 130 zu erkennen zum Durchleiten eines Kühlmittels zum Kühlen der Seitenplatte
100. Die Kühlkanäle 130 sind in ihrem Querschnitt durch eingesetzte Füllstücke 140
begrenzt. Die Füllstücke definieren auch den Querschnitt des jeweiligen Kühlkanals
über dessen Höhe. Die Füllstücke sind erfindungsgemäß zumindest teilweise aus den
Kunststoffen Polyurethan oder Polyacetal gefertigt.
[0014] Zur Erhöhung der Formstabilität können in die Füllstücke 140 Stabilisatoreinlagen
in Form von Profilstäben 150 eingelassen sein. Diese Profilstäbe können grundsätzlich
einen beliebigen Querschnitt aufweisen; typischerweise haben sie jedoch einen ringförmigen,
vieleckigen, U-förmigen, T-förmigen oder L-förmigen Querschnitt. Alternativ können
sie auch als Gewindestange ausgebildet sein. Die Stabilisatoreinlagen 150 sind aus
einem anderen Material als das übrige Füllstück gefertigt, beispielsweise sind sie
aus Metall oder Kohlefaser gefertigt.
Bezugszeichenliste
[0015]
- 100
- Seitenplatte
- 110
- Heißseite der Seitenplatte
- 120
- Kaltseite der Seitenplatte
- 130
- Kühlkanal
- 140
- Füllstück
- 150
- Stabilisiatoreinlage
1. Seitenplatte (100) einer Stranggießkokille zum Erzeugen eines Gießstrangs aus Metallwerkstoffen,
aufweisend:
eine dem von der Stranggießkokille aufgespannten Gießraum zugewandte Heißseite (110)
und eine der Heißseite abgewandte Kaltseite (120);
mindestens einen Kühlkanal (130) auf der Kaltseite der Seitenplatte zum Durchleiten
eines Kühlmittels; und
mindestens ein in den Kühlkanal eingesetztes Füllstück (140) zum Reduzieren des Querschnitts
des Kühlkanals auf einen gewünschten Restquerschnitt, wobei das Füllstück (140) zumindest
teilweise aus Kunststoff gefertigt ist;
dadurch gekennzeichnet,
dass es sich bei dem Kunststoff für das Füllstück (140) um Polyurethan oder Polyacetal
handelt.
2. Seitenplatte nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Füllstück (140), insbesondere wenn es zumindest teilweise aus Polyurethan gefertigt
ist, mindestens eine Stabilisatoreinlage (150) in Form eines Profilstabes mit beispielsweise
ringförmigem, vieleckigem, U-förmigem oder L-förmigem Querschnitt oder in Form einer
Gewindestange aufweist, wobei die Stabilisatoreinlage (150) beispielsweise aus Metall
oder Kohlefaser gefertigt ist.
3. Seitenplatte (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Anteil des Kunststoffs an dem Füllstück ≥50% beträgt.
4. Seitenplatte (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass es sich bei der Seitenplatte um eine Breitseitenplatte der Stranggießkokille, vorzugsweise
gefertigt aus Kupfer handelt.
5. Verwendung von Polyurethan oder Polyacetal als Werkstoff für die Herstellung von Füllstücken
(140) für Kühlkanäle (130) in einer Seitenplatte (100) einer Stranggießkokille, insbesondere
zum Gießen von Stahlwerkstoffen.
IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE
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