[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Leitschaufelsegment für eine Gasturbine, insbesondere
Fluggasturbine, umfassend wenigstens ein radial äußeres Deckband und ein radial inneres
Deckband, die sich entlang eines jeweiligen Kreisbogens erstrecken und gemeinsam einen
Ringabschnitt bilden, wobei in radialer Richtung zwischen dem äußeren Deckband und
dem inneren Deckband mehrere Leitschaufeln in Umfangsrichtung nebeneinander angeordnet
sind, die mit dem inneren Deckband und dem äußeren Deckband, vorzugsweise materialschlüssig,
insbesondere einstückig, verbunden sind, wobei das äußere Deckband bezogen auf eine
axiale Längsrichtung ein axial vorderes Dichtwandelement und ein axial hinteres Dichtwandelement
umfasst, derart, dass das äußere Deckband und die beiden Dichtwände im Längsschnitt
ein wannenartiges Profil bilden, wobei am axial vorderen oder/und hinteren Dichtwandelement
wenigstens eine Entlastungsfuge mit einem beispielsweise im Wesentlichen linear verlaufenden
Hauptabschnitt vorgesehen ist, der sich ausgehend von einem radialen Außenrand des
betreffenden vorderen oder/und hinteren Dichtwandelements entlang des Dichtwandelements
im Wesentlichen nach radial innen erstreckt.
[0002] Richtungsangaben wie "Axial-" bzw. "axial", "Radial-" bzw. "radial" und "Umfangs-"
sind grundsätzlich auf die Maschinenachse der Gasturbine bezogen zu verstehen, sofern
sich aus dem Kontext nicht explizit oder implizit etwas anderes ergibt.
[0003] Entlastungsfugen in Leitschaufelsegmenten von Gasturbinen dienen insbesondere dazu,
aufgrund der thermischen Ausdehnung entstehende Zwänge im Bauteil zu reduzieren. Hierdurch
können andere Bereiche geschützt werden, in denen Anrisse zu einer Schwingungsermüdung
des gesamten Bauteils, insbesondere eines gesamten Leitschaufelkranzes, der durch
mehrere Leitschaufelsegmente gebildet wird, führen würde.
[0004] Bei derartigen Entlastungsfugen, deren linearer Hauptabschnitt einen radial innen
liegenden Grund bzw. Fugenboden aufweisen, hat sich gezeigt, dass im Bereich des Grunds
im Betrieb der Gastrubine hohe Zugspannungen entstehen, die zu Rissen an der betreffenden
Fuge führen können. Durch die Rissbildung an solchen Entlastungsfugen wird die Lebensdauer
eines Leitschaufelsegments bzw. eines Leitschaufelkranzes, der aus mehreren Leitschaufelsegmenten
gebildet ist, verringert.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist, es, ein Leitschaufelsegment bereitzustellen, bei dem die
Rissbildung verringert ist.
[0006] Zur Lösung dieser Aufgabe wird vorgeschlagen, dass bei einem Leitschaufelsegment
die Entlastungsfuge wenigstens einen sich radial innen an den Hauptabschnitt anschließenden
Zusatzabschnitt aufweist, wobei der Zusatzabschnitt durch wenigstens einen gekrümmten
Teilabschnitt gebildet ist.
[0007] Das Vorsehen von einem Zusatzabschnitt mit wenigstens einem gekrümmten Teilabschnitt
führt zu einer verbesserten Spannungsverteilung im Bereich der den Hauptabschnitt
und wenigstens einen gekrümmten Teilabschnitt aufweisenden Entlastungsfuge. Insbesondere
kann durch das Bereitstellens des Zusatzabschnitts ein sich unmittelbar an den linearen
Hauptabschnitt anschließender Grund bzw. Fugenboden vermieden werden, wodurch den
hohen Spannungen im Bereich des Grunds bzw. Fugenbodens entgegengewirkt wird.
[0008] Die Entlastungsfuge kann in ihrem radial innersten Bereich in Umfangsrichtung verlaufen
oder/und in einem oder mehreren Endbereichen enden, der bzw. die radial weiter außen
liegen als ein radial innerster Bereich der Entlastungsfuge.
[0009] Es wird weiterbildend vorgeschlagen, dass der Zusatzabschnitt wenigstens einen gekrümmten
ersten Teilabschnitt und wenigstens einen gekrümmten zweiten Teilabschnitt aufweist,
die miteinander verbunden sind. Dabei kann der erste Teilabschnitt mit einem ersten
Radius gekrümmt sein, und der zweite Teilabschnitt kann mit einem zweiten Radius gekrümmt
sein, wobei der erste Radius größer sein kann als der zweite Radius. Die beiden Teilabschnitte
können mit einem dritten Radius verbunden sein.
[0010] Durch das vorsehen von unterschiedlich gekrümmten Teilabschnitten, insbesondere einem
ersten Teilabschnitt mit einer ersten Krümmung und einem zweiten Teilabschnitt mit
einer zweiten Krümmung, die von der ersten Krümmung verschieden ist, kann die Entlastungsfuge
eine im Hinblick auf die Spannungsverteilung optimierte Ausgestaltung aufweisen. Dabei
können sich bisher im Grund bzw. Fugenboden konzentrierende Kräfte entlang der unterschiedlich
gekrümmten Teilabschnitte verteilt aufgenommen werden.
[0011] Der erste Teilabschnitt kann so angeordnet sein, dass er im Bereich des Anschlusses
an den Hauptabschnitt eine Tangente aufweist, die im Wesentlichen orthogonal zum Hauptabschnitt
verläuft. Anders ausgedrückt, kann die Tangente an den Hauptabschnitt auch eine Tangente
zu einer im Bereich des Anschlusses gedachten bogenförmig verlaufenden Umfangsrichtung
sein. Dabei kann der erste Teilabschnitt derart konvex ausgebildet sein, dass er ausgehend
vom Bereich des Anschlusses an den Hauptabschnitt nach radial außen verläuft. Bezogen
auf die Anordnung eines Leitschaufelsegments in einer Gasturbine weist der erste Teilabschnitt
des Zusatzabschnitts der Entlastungsfuge also eine nach radial innen konvexe Krümmung
auf und erstreckt sich im Wesentlichen in Umfangsrichtung. Anders ausgedrückt kann
auch gesagt werden, dass der erste Teilabschnitt einen Bogenabschnitt bildet, dessen
Sehne im Wesentlichen in Umfangsrichtung bzw. im Wesentlichen orthogonal zur Radialrichtung
verläuft.
[0012] Der zweite Teilabschnitt kann so angeordnet sein, dass er eine Tangente aufweist,
die parallel zum Hauptabschnitt verläuft Dabei kann der zweite Teilabschnitt in Umfangsrichtung
weg von dem Hauptabschnitt konvex ausgebildet sein. Bezogen auf die Anordnung eines
Leitschaufelsegments in einer Gasturbine weist der zweite Teilabschnitt des Zusatzabschnitts
der Entlastungsfuge also in einem in Umfangsrichtung weg von dem Hauptabschnitt weisenden
Richtung eine konvexe Krümmung auf. Ein solcher zweiter Teilabschnitt erstreckt sich
im Wesentlichen in Radialrichtung. Anders ausgedrückt kann auch gesagt werden, dass
der zweite Teilabschnitt einen Bogenabschnitt bildet, dessen Sehne im Wesentlichen
in Radialrichtung bzw. im Wesentlichen parallel zum Hauptabschnitt oder im Wesentlichen
orthogonal zur Umfangsrichtung verläuft.
[0013] Aus den obigen Beschreibungen und Merkmalen folgt, dass der erste Teilabschnitt und
der zweite Teilabschnitt vorzugsweise in Richtung des Hauptabschnitts konkav gekrümmt
ausgebildet sein können.
[0014] Gemäß einer ersten Variante kann der Hauptabschnitt mit dem ersten Teilabschnitt
verbunden sein, insbesondere kann der Hauptabschnitt mit einem mittleren Bereich des
ersten Teilabschnitts verbunden sein. Dabei kann am ersten Teilabschnitt auf in Umfangsrichtung
gegenüberliegenden Seiten des Hauptabschnitts ein jeweiliger zweiter Teilabschnitt
angeordnet ist, der mit dem ersten Teilabschnitt verbunden ist. Der erste Teilabschnitt
und die beiden sich daran anschließenden zweiten Teilabschnitte bilden hierdurch zwei
mit dem Hauptabschnitt verbundene hakenförmige Abschnitte. Anders ausgedrückt kann
auch davon gesprochen werden, dass die Entlastungfuge mit Hauptabschnitt und dem Zusatzabschnitt,
der den ersten Teilabschnitt und zwei zweite Teilabschnitt aufweist, eine Art Ankerform
der Entlastungsfuge bilden.
[0015] Gemäß einer zweiten Variante kann der Hauptabschnitt mittels eines dritten Teilabschnitts
mit einem zweiten Teilabschnitt verbunden sein, insbesondere mit einem radial äußeren
Ende des zweiten Teilabschnitts verbunden ist. Dabei kann sich an den mit dem Hauptabschnitt
verbundenen zweiten Teilabschnitt der erste Teilabschnitt anschließen. Ferner kann
bei dieser zweiten Variante sich an den ersten Teilabschnitt ein weiterer zweiter
Teilabschnitt anschließen. Schließlich können hierbei der dritte Teilabschnitt und
der sich anschließende zweite Teilabschnitt S-förmig ausgebildet sein. Insbesondere
gehen der dritte Teilabschnitt und der zweite Teilabschnitt fließend ineinander über.
Anders ausgedrückt ist der dritte Teilabschnitt zwischen dem Hauptabschnitt und dem
einen zweiten Teilabschnitt angeordnet. Bei der zweiten Variante wird durch die Abfolge
von dritten Teilabschnitt, zweitem Teilabschnitt, ersten Teilabschnitt und weiterem
zweiten Teilabschnitt eine Art Hakenform oder Schleifenform der Entlastungsfuge gebildet.
[0016] "S-förmig ausgebildet" kann dabei insbesondere bedeuten, dass die betreffenden Abschnitte
zusammen eine S-Form ausbilden und/oder entgegengesetzt gekrümmt sind.
[0017] In ein oder mehreren der vorgenannten Ausführungsformen kann die Entlastungsfuge
die Form eines Fragezeichens ohne Punkt haben. Der Hauptabschnitt kann in dieser und
anderen Ausführungsformen in einem in Umfangsrichtung mittigen Bereich der Entlastungsfuge
angeordnet sein, z.B. innerhalb eines Bereichs von 20% bis 80%, oder auch 35% bis
65% der Umfangserstreckung. Alternativ oder zusätzlich kann die Entlastungsfuge auch
unverzweigt sein und/oder nur ein einziges Ende innerhalb des betreffenden vorderen
bzw. hinteren Dichtwandelements aufweisen.
[0018] Damit die Kraftverteilung bzw. Spannungsverteilung optimal erfolgt, kann ein jeweiliger
Übergang zwischen dem ersten Teilabschnitt und dem zweiten Teilabschnitt durch einen
Übergangsabschnitt gebildet sein, wobei vorzugsweise der Übergangsabschnitt einen
Übergangsradius aufweist, der kleiner als der erste Radius und kleiner als der zweite
Radius ist. Dabei können die Radienübergänge im Wesentlichen tangential erfolgen,
also in einem Punkt, an dem eine Tangente zu beiden benachbarten, aber unterschiedlich
gekrümmten Abschnitten gebildet werden kann. Durch derartige tangentiale Radienübergänge
kann sichergestellt werden, dass es entlang der unterschiedlich gekrümmten Teilabschnitte
keine Sprünge in der Krümmung entstehen.
[0019] Wenigstens einem zweiten Teilabschnitt kann ein Endabschnitt zugeordnet sein. Dabei
kann der Endabschnitt mit dem gleichen Radius (zweiter Radius) gekrümmt sein wie der
zweite Teilabschnitt. Es ist aber auch denkbar, dass der Endabschnitt einen Radius
aufweist, der kleiner ist als der zweite Radius. Dabei ist der Endabschnitt so ausgebildet,
dass eine Tangente geneigt zum Hauptabschnitt verläuft, insbesondere den Hauptabschnitt
schneiden würde.
[0020] Die Erfindung betrifft ferner auch eine Gasturbine, insbesondere eine Fluggasturbine,
mit wenigstens einer Verdichteranordnung, einer Brennkammer und wenigstens einer Turbinenanordnung,
wobei die Verdichteranordnung oder/und die Turbinenanordnung wenigstens eine Leitschaufelanordnung
aufweist, die durch mehrere in Umfangsrichtung nebeneinander angeordnete Leitschaufelsegmente
nach einem der vorhergehenden Ansprüche gebildet ist.
[0021] Es wird darauf hingewiesen, dass die vorliegende Erfindung auch solche Ausführungsformen
umfasst, bei denen alternativ oder zusätzlich eine entsprechende Entlastungsfuge im
inneren Deckband vorgesehen ist. Das innere Deckband kann ebenfalls (d.h. wie das
äußere Deckband) bezogen auf die axiale Längsrichtung ein axial vorderes Dichtwandelement
und ein axial hinteres Dichtwandelement umfassen, derart, dass das innere Deckband
und diese beiden Dichtwände im Längsschnitt ein (umgedrehtes) wannenartiges Profil
bilden. Dabei kann in diesen Ausführungsformen diese alternative oder zusätzliche
radial innere Entlastungsfuge am axial vorderen oder/und hinteren Dichtwandelement
(ebenfalls) mit einem Hauptabschnitt vorgesehen sein, der sich ausgehend von einem
radialen Innenrand des betreffenden vorderen oder/und hinteren Dichtwandelements entlang
des Dichtwandelements nach im Wesentlichen radial außen erstreckt. Diese zusätzliche
oder alternative radial Entlastungsfuge kann wenigstens einen sich radial außen an
den Hauptabschnitt anschließenden Zusatzabschnitt aufweisen, der (ebenfalls) durch
wenigstens einen gekrümmten Teilabschnitt gebildet sein kann.
[0022] Diese radial innere Entlastungsfuge kann entsprechend oder analog zu der zuvor definierten
und der im Folgenden anhand der Figuren genauer beschriebenen (äußeren) Entlastungsfuge
ausgebildet sein, d.h. sie kann einer gespiegelten äußeren Entlastungsfuge gemäß einer
oder mehrerer der vorhergehenden und/oder nachfolgenden Ausführungsformen entsprechen
oder im Wesentlichen entsprechen.
[0023] Nachfolgend wird die Erfindung unter Bezugnahme auf die anliegenden Figuren beispielhaft
und nicht einschränkend beschrieben.
Fig. 1 zeigt in einer vereinfachten und schematischen Perspektivdarstellung ein Leitschaufelsegment
mit herkömmlichen Entlastungsfugen.
Fig. 2 zeigt in einer vereinfachten und schematischen Draufsicht eine Entlastungsfuge
gemäß einer ersten Ausführungsform.
Fig. 3 zeigt in einer vereinfachten und schematischen Draufsicht eine Entlastungfuge
gemäß einer zweiten Ausführungsform.
Fig. 4 zeigt eine Abwandlung der Ausführungsform gemäß Fig. 2.
Fig. 5 zeigt das Leitschaufelsegment der Fig. 1 beispielhaft mit Entlastungfugen gemäß
der beiden Ausführungsformen der Fig. 2 und 3.
Fig. 6 zeigt vereinfacht und qualitativ Spannungsverläufe für eine herkömmliche Entlastungsfuge
und für eine Entlastungsfuge gemäß der ersten Ausführungsform. □
[0024] Fig. 1 zeigt in einer vereinfachten und schematischen Perspektivdarstellung einen
Ausschnitt eines Leitschaufelsegments 10. Das Leitschaufelsegment umfasst mehrere
in Umfangsrichtung UR nebeneinander angeordnete Leitschaufeln 12. In Fig. 1 ist ein
in Radialrichtung RR äußeres bzw. oberes Deckband 14 des Leitschaufelsegments 10 dargestellt.
bezogen auf eine Axialrichtung AR ist am Deckband 14 ein axial vorderes Dichtwandelement
18 und ein axial hinteres Dichtwandelement 20 angeordnet. Das äußere Deckband 14 und
die beiden Dichtwände 16, 18 bilden im Längsschnitt ein wannenartiges Profil. In einem
axial vorderen Bereich und in einem axial hinteren Bereich bilden die jeweils von
der gebildeten Wanne abgewandten Seiten 20, 22 der Dichtwände 16, 18 Aufnahmen zur
Verbindung des Leitschaufelsegments 10 mit weiteren nicht dargestellten Strukturbauteilen
einer Gasturbine.
[0025] In dem hinteren Dichtwandelement 18 sind entlang der Umfangsrichtung mehrere Entlastungsfugen
24 angeordnet. Die in der Fig. 1 dargestellten Entlastungsfugen 24 verlaufen im Wesentlichen
linear in Radialrichtung RR und entlang dem geneigten Dichtwandelement 18.
[0026] Die Entlastungsfugen 24 weisen gemäß dieser bekannten Ausgestaltung lediglich einen
Hauptabschnitt 26 auf, der radial innen einen Grund 28 bzw. Fugengrund aufweist.
Wie bereits einleitend erläutert, sind die linear verlaufenden Entlastungsfugen 24
dahingehend nachteilig, dass am Grund 28 hohe Spannungen bzw. Zugkräfte auftreten,
was insbesondere aus der Fig. 5 im oberen Spannungsverlaufsdiagramm ersichtlich ist
und mit einem weißen Pfeil gekennzeichnet ist. Diesbezügliche Untersuchungen haben
für eine lineare Entlastungsfuge Werte von über 1000MPa ergeben.
[0027] Fig. 2 zeigt in einer vereinfachten und schematischen Darstellung, die man auch als
Draufsicht auf das Dichtwandelement 18 bezeichnen kann, eine Entlastungsfuge 24 gemäß
einer ersten Ausführungsform. Die Entlastungsfuge 24 umfasst einen Hauptabschnitt
26. Ferner umfasst die Entlastungsfuge 24 einen ersten Teilabschnitt 30 und im dargestellten
Beispiel zwei zweite Teilabschnitte 32, die sich in Umfangsrichtung links und rechts
an den ersten Teilabschnitt anschließen. Der erste Teilabschnitt 30 und die beiden
zweiten Teilabschnitte 32 bilden gemeinsam einen Zusatzabschnitt 34, der zusammen
mit dem Hauptabschnitt 26 die gesamte Entlastungsfuge 24 bildet. Der Hauptabschnitt
26 geht in den ersten Teilabschnitt 30 über, insbesondere ist der Hauptabschnitt 26
in einem bezogen auf die Umfangsrichtung UR mittleren Bereich des ersten Teilabschnitts
30 mit diesem verbunden.
[0028] Zur Verdeutlichung einer möglichen Abgrenzung der Teilabschnitte 30, 32 sind gepunktete
Linien 36 eingezeichnet, die einen möglichen Übergang von dem einen in den anderen
Teilabschnitt illustrieren. Es wird allerdings darauf hingewiesen, dass die hier rein
schematisch eingezeichneten Linien 36 lediglich andeuten, wo ein Übergang zwischen
Teilabschnitten qualitativ etwa angeordnet sein kann.
[0029] Der erste Teilabschnitt 30 weist eine nach radial innen konvexe Krümmung auf. Er
ist also zum Hauptabschnitt 26 hin konkav gekrümmt. Die Krümmung wird durch einen
ersten Radius R1 gebildet, der in der Fig. 2 illustrativ als gestrichelte Linie eingezeichnet
ist. Betrachtet man die beiden Linien 36, welche die Ausdehnung des ersten Teilabschnitt
30 in Umfangsrichtung UR andeuten, kann auch davon gesprochen werden, dass sich der
erste Teilabschnitt 30 im Wesentlichen in Umfangsrichtung UR erstreckt. Zumindest
verläuft er quer zur Radialrichtung RR bzw. zum Hauptabschnitt 26. Anders ausgedrückt
kann auch gesagt werden, dass der erste Teilabschnitt 30 so angeordnet bzw. gekrümmt
ist, dass er eine Tangente T1 aufweist, die orthogonal zur Radialrichtung RR ausgerichtet
ist.
[0030] Der zweite Teilabschnitt 32 weist eine in Umfangsrichtung vom Hauptabschnitt 26 weg
konvexe Krümmung auf. Die Krümmung wird durch einen zweiten Radius R2 gebildet, der
in der Fig. 2 illustrativ als gestrichelte Linie eingezeichnet ist. Der zweite Teilabschnitt
32 erstreckt sich im Wesentlichen in Radialrichtung RR. Zumindest verläuft er abschnittsweise
quer zur Umfangsrichtung UR. Anders ausgedrückt kann auch gesagt werden, dass der
zweite Teilabschnitt 32 so angeordnet ist, dass er eine Tangente T2 aufweist, die
parallel zur Radialrichtung bzw. parallel zum Hauptabschnitt 26 ausgerichtet ist.
[0031] Der erste Radius R1 ist größer als der zweite Radius R2. In einem Bereich der jeweiligen
Linien 36 bzw. der Übergänge zwischen zwei Teilabschnitten 30, 32 kann ein Übergangsabschnitt
38 vorgesehen sein. Ein solcher Übergangsabschnitt kann mit einem dritten Radius gekrümmt
sein, der kleiner als der erste Radius R1 und der zweite Radius R2 ist.
[0032] Der rein schematisch und vereinfacht dargestellte Krümmungsverlauf des Zusatzabschnitts
34 mit unterschiedlichen Radien der Teilabschnitte 30, 32 ist in der Realität bevorzugt
so ausgeführt, dass entlang der sich ändernden Krümmungen keine Sprünge oder Stufen
entstehen. Die Radienübergänge zwischen zwei benachbarten Teil- oder Übergangsabschnitten
30, 32, 38 erfolgen tangential.
[0033] Die freien Enden 39 der zweiten Teilabschnitte 32 können auch durch hier nicht genauer
dargestellte Auslaufabschnitte 40 vorgesehen sein. Solche Auslaufabschnitte 40 weisen
einen vierten Krümmungsradius auf, der kleiner ist als der zweite Radius R2. Die zweiten
Teilabschnitte 32 bzw. deren freie Enden 39 können zum Hauptabschnitt 26 hin ausgerichtet
sein. Die in Fig. 2 dargestellte Entlastungsfuge 24 weist eine Art Doppelhakenform
oder Ankerform auf.
[0034] Fig. 3 zeigt eine zweite Ausführungsform einer Entlastungsfuge 24 mit dem Hauptabschnitt
26, einem ersten Teilabschnitt 30 und zwei zweiten Teilabschnitten 32. Anders als
im Ausführungsbeispiel der Fig. 2 ist der Hauptabschnitt 26 mittels eines dritten
Teilabschnitts 42 mit dem in Umfangsrichtung UR rechten zweiten Teilabschnitt 32 verbunden.
Der dritte Teilabschnitt 42 bildet zum sich anschließenden zweiten Teilabschnitt 32
eine Gegenkrümmung. Diese beiden Teilabschnitte 32, 42 bilden eine Art S-förmige Verbindung
zwischen dem Hauptabschnitt 26 und dem ersten Teilabschnitt 30. Hinsichtlich der Radien,
mit denen der erste Teilabschnitt 30 bzw. die zweiten Teilabschnitte 32 gekrümmt sind,
gilt im Wesentlichen das Gleiche wie oben zur Ausführungsform der Fig. 2 beschrieben.
Es ist klar, dass auch am Übergang zwischen dem dritten Teilabschnitt 42 und dem sich
anschließenden zweiten Teilabschnitt 32 ein Übergangsabschnitt vorgesehen sein kann
im Bereich der Linie 36. Gleiches gilt natürlich auch für die anderen Übergänge 38
zwischen den zweiten Teilabschnitten 32 und dem ersten Teilabschnitt 30 bei den Linien
36, wie dies oben unter Bezugnahme auf Fig. 2 bereits beschrieben worden ist.
[0035] Die Entlastungsfuge 24 gemäß Fig. 3 weist an dem linken zweiten Teilabschnitt ein
einziges freies Ende 39 auf. Auch dieses Ende 39 kann durch einen Auslaufabschnitt
40 gebildet sein, wie er oben unter Bezugnahme auf die Fig. 2 bereits beschreiben
worden ist. Insgesamt ergibt sich für die Entlastungsfuge 24 gemäß Fig. 3 eine Art
Hakenform oder Schleifenform.
[0036] Fig. 4 zeigt eine Abwandlung der Entlastungsfuge 24 gemäß Fig. 2. Es hat sich gezeigt,
dass die Entlastungsfuge nicht zwingend zwei zweite Teilabschnitte 32 aufweisen muss.
Vielmehr kann an dem ersten Teilabschnitt 30 auch nur einseitig ein zweiter Teilabschnitt
32 vorgesehen sind. Ob der zweite Teilabschnitt 32 in einer solchen Ausgestaltung
bezogen auf die Umfangsrichtung UR links oder, wie in der Fig. 4 dargestellt, rechts
am ersten Teilabschnitt 30 angeordnet ist, ist frei wählbar. Hinsichtlich der Dimensionen
der Krümmungsradien gilt im Wesentlichen das Gleiche wie für die Ausgestaltung gemäß
Fig. 2, ebenso auch für Übergangsbereiche zwischen den Teilabschnitte 30, 32.
[0037] Fig. 5 zeigt rein illustrativ das Leitschaufelsegment 10 der Fig. 1, wobei vereinfacht
und rein illustrativ Entlastungsfugen 24 gemäß Fig. 2 und Fig. 3 eingezeichnet sind.
Diese Darstellung dient lediglich dazu, die Anordnung von solchen Entlastungsfugen
mit gekrümmten Teilabschnitten 30, 32 zu zeigen. Die konkrete Anzahl von Entlastungsfugen
24 an einem Leitschaufelsegment 10 ist frei wählbar. Üblicherweise werden für ein
Leitschaufelsegment 10 mehrere gleichartige bzw. nur gleichartige Entlastungsfugen
24 vorgesehen. Eine Mischung von Entlastungsfugen, wie sie in Fig. 5 dargestellt sind
entspricht also in der Regel nicht einer realen Ausgestaltung, sondern dient hier
lediglich dem Zwecke der Illustration.
[0038] Schließlich wird noch auf Fig. 6 verwiesen, dessen oberes Spannungsbild bereits oben
in dem einleitenden Teil der Figurenbeschreibung erwähnt worden ist. Das untere Bild
zeigt einen typischen Spannungsverlauf für eine Entlastungsfuge 24 gemäß einer Ausführungsform,
wie sie in der Fig. 2 dargestellt und dort erläutert worden ist. Es hat sich gezeigt,
dass im Bereich des Übergangs von Hauptabschnitt 26 zum ersten Teilabschnitt 30 eine
deutlich reduzierte Spannung auftritt durch die Ausgestaltung der Entlastungsfuge
mit den gekrümmten Teilabschnitten 30, 32. Es hat sich insbesondere gezeigt, dass
die Spannungen im interessierenden Bereich am radial inneren Ende des Hauptabschnitts
26 bei unter 500MPa liegen.
[0039] Vergleicht man die auftretenden Spannungen einer herkömmlichen Entlastungsfuge (oberes
Diagramm) mit denjenigen einer Entlastungsfuge gemäß der vorliegenden Erfindung konnte
die Anmelderin in Versuchen feststellen, dass die Spannungen im interessierenden Bereich
(weißer Pfeil) um etwa das Vierfache reduziert werden konnten. Ferner hat sich auch
gezeigt, dass an den freien Enden 39 der zweiten Teilabschnitte 32 keine Spannungen
auftreten, bei denen ein hohes Risiko der Rissbildung bestehen würde.
[0040] Abschließend wird noch darauf hingewiesen, dass die Entlastungsfugen 24 gemäß den
hier dargestellten Beispielen (Fig. 2-4) aufgrund ihrer insgesamt größeren Gesamtlänge
bzw. Gesamtausdehnung etwas mehr Fluid bzw. Gas passieren lassen, als die herkömmlichen
linearen Entlastungsfugen. Diesem Effekt kann aber entgegengewirkt werden durch schmalere
Ausführung der gekrümmten Entlastungsfugen. Hierdurch wird die frei durchströmbare
Fläche wieder reduziert.
[0041] Insgesamt ergibt sich durch die hier vorgestellte Ausgestaltung von Entlastungsfugen
mit gekrümmten Teilabschnitten die Möglichkeit, Leitschaufelsegmente bereitzustellen,
die eine verbesserte bzw. verlängerte Lebensdauer aufweisen, ohne dass dabei aber
wesentliche Einbußen bei der Dichtwirkung in Kauf genommen werden müssen.
[0042] In einer hier nicht dargestellten Gasturbine, insbesondere einer Fluggasturbine,
kann ein Leitschaufelkranz durch mehrere oben beschriebene Leitschaufelsegmente 10
gebildet sein, die in Umfangsrichtung nebeneinander angeordnet werden. Ein derartiger
Leitschaufelkranz kann dabei einer Verdichterseite oder einer Turbinenseite der Gasturbine
zugeordnet sein.
Bezugszeichenliste
[0043]
- 10
- Leitschaufelsegment
- 12
- Leitschaufel
- 14
- radial äußeres Deckband
- 16
- axial vorderes Dichtwandelement
- 18
- axial hinteres Dichtwandelement
- 20
- axiale Vorderseite des vorderen Dichtwandelements
- 22
- axiale Rückseite des hinteren Dichtwandelements
- 24
- Entlastungsfuge
- 26
- Hauptabschnitt
- 28
- Grund
- 30
- erster Teilabschnitt
- 32
- zweiter Teilabschnitt
- 34
- Zusatzabschnitt
- 36
- Trennlinie
- 38
- Übergangsabschnitt
- 39
- freies Ende
- 40
- Auslaufabschnitt
- 42
- dritter Teilabschnitt
- AR
- Axialrichtung
- RR
- Radialrichtung
- UR
- Umfangsrichtung
- R1
- erster Radius
- R2
- zweiter Radius
- T1
- Tangente
- T2
- Tangente
1. Leitschaufelsegment (10) für eine Gasturbine, insbesondere Fluggasturbine, umfassend
wenigstens ein radial äußeres Deckband (14) und ein radial inneres Deckband, die sich
entlang eines jeweiligen Kreisbogens erstrecken und gemeinsam einen Ringabschnitt
bilden, wobei in radialer Richtung (RR) zwischen dem äußeren Deckband (14) und dem
inneren Deckband mehrere Leitschaufeln (12) in Umfangsrichtung (UR) nebeneinander
angeordnet sind, die mit dem inneren Deckband und dem äußeren Deckband (14), vorzugsweise
materialschlüssig, insbesondere einstückig, verbunden sind, wobei das äußere Deckband
(14) bezogen auf eine axiale Längsrichtung (AR) ein axial vorderes Dichtwandelement
(16) und ein axial hinteres Dichtwandelement (18) umfasst, derart, dass das äußere
Deckband (14) und die beiden Dichtwände (16, 18) im Längsschnitt ein wannenartiges
Profil bilden, wobei am axial vorderen oder/und hinteren Dichtwandelement (16, 18)
wenigstens eine Entlastungsfuge (24) mit einem Hauptabschnitt (26) vorgesehen ist,
der sich ausgehend von einem radialen Außenrand des betreffenden vorderen oder/und
hinteren Dichtwandelements (16, 18) entlang des Dichtwandelements nach im Wesentlichen
radial innen erstreckt, dadurch gekennzeichnet, dass die Entlastungsfuge (24) wenigstens einen sich radial innen an den Hauptabschnitt
(26) anschließenden Zusatzabschnitt (34) aufweist, wobei der Zusatzabschnitt (34)
durch wenigstens einen gekrümmten Teilabschnitt (30, 32, 42) gebildet ist.
2. Leitschaufelsegment nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Entlastungsfuge (24) in ihrem radial innersten Bereich in Umfangsrichtung (UR)
verläuft oder/und in einem oder mehreren Endbereichen (39) endet, der bzw. die radial
weiter außen liegen las ein radial innerster Bereich der Entlastungsfuge (24).
3. Leitschaufelsegment nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Zusatzabschnitt (34) wenigstens einen gekrümmten ersten Teilabschnitt (30) und
wenigstens einen gekrümmten zweiten Teilabschnitt (32) aufweist, die miteinander verbunden
sind, oder/und dass der erste Teilabschnitt (30) mit einem ersten Radius (R1) gekrümmt,
ist und dass der zweite Teilabschnitt (32) mit einem zweiten Radius (R2) gekrümmt
ist, wobei der erste Radius (R1) größer ist als der zweite Radius (R2).
4. Leitschaufelsegment nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Teilabschnitt (30) so angeordnet ist, dass er im Bereich des Anschlusses
an den Hauptabschnitt (26) eine Tangente (T1) aufweist, die im Wesentlichen orthogonal
zum Hauptabschnitt (26) verläuft.
5. Leitschaufelsegment nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Teilabschnitt (30) derart konvex ausgebildet ist, dass er ausgehend vom
Bereich des Anschlusses an den Hauptabschnitt nach radial außen verläuft.
6. Leitschaufelsegment nach einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Teilabschnitt (32) so angeordnet ist, dass er eine Tangente (T2) aufweist,
die parallel zum Hauptabschnitt (26) verläuft.
7. Leitschaufelsegment nach einem der Ansprüche 2 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Teilabschnitt (32) in Umfangsrichtung (UR) weg von dem Hauptabschnitt
(26) konvex ausgebildet ist.
8. Leitschaufelsegment nach einem der Ansprüche 2 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Hauptabschnitt (26) mit dem ersten Teilabschnitt (30) verbunden ist, insbesondere
dass der Hauptabschnitt (26) mit einem mittleren Bereich des ersten Teilabschnitts
(30) verbunden ist.
9. Leitschaufelsegment nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass am ersten Teilabschnitt (30) auf in Umfangsrichtung (UR) gegenüberliegenden Seiten
des Hauptabschnitts (26) ein jeweiliger zweiter Teilabschnitt (32) angeordnet ist,
der mit dem ersten Teilabschnitt (30) verbunden ist.
10. Leitschaufelsegment nach einem der Ansprüche 2 bis 7 dadurch gekennzeichnet, dass der Hauptabschnitt (26) mittels eines dritten Teilabschnitts (42) mit einem zweiten
Teilabschnitt (32) verbunden ist, insbesondere mit einem radial äußeren Ende des zweiten
Teilabschnitts (32) verbunden ist.
11. Leitschaufelsegment nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass sich an den mit dem Hauptabschnitt (26) verbundenen zweiten Teilabschnitt (32) der
erste Teilabschnitt (30) anschließt.
12. Leitschaufelsegment nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass sich an den ersten Teilabschnitt (30) ein weiterer zweiter Teilabschnitt (32) anschließt.
13. Leitschaufelsegment nach einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass der dritte Teilabschnitt (42) und der sich anschließende zweite Teilabschnitt (32)
S-förmig ausgebildet sind und/oder die Entlastungsfuge (24) die Form eines Fragezeichens
ohne Punkt hat und/oder der Hauptabschnitt (26) in einem in Umfangsrichtung mittigen
Bereich der Entlastungsfuge (24) angeordnet ist.
14. Leitschaufelsegment nach einem der Ansprüche 2 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass ein jeweiliger Übergang (36) zwischen dem ersten Teilabschnitt (30) und dem zweiten
Teilabschnitt (32) durch einen Übergangsabschnitt (38) gebildet ist, wobei vorzugsweise
der Übergangsabschnitt (38) einen Übergangsradius aufweist, der kleiner als der erste
Radius (R1) und kleiner als der zweite Radius (R2) ist.
15. Gasturbine mit wenigstens einer Verdichteranordnung, einer Brennkammer und wenigstens
einer Turbinenanordnung, wobei die Verdichteranordnung oder/und die Turbinenanordnung
wenigstens eine Leitschaufelanordnung aufweist, die durch mehrere in Umfangsrichtung
nebeneinander angeordnete Leitschaufelsegmente (10) nach einem der vorhergehenden
Ansprüche gebildet ist.