[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb einer Spinnereivorbereitungsmaschine,
insbesondere Karde oder Krempel, mit dem ein Kardierabstand zwischen einer garnierten
Walze und einem der Walze gegenüberliegenden Deckelstab mittels einer Steuerungseinheit
eingestellt wird, weiterhin betrifft die Erfindung eine Vorrichtung einer Spinnereivorbereitungsmaschine
zur Ausführung des Verfahrens.
[0002] Das Kardierergebnis beim Betrieb einer Karde ist unmittelbar abhängig vom Kardierabstand,
welcher den Spalt zwischen der Walze und den Deckelstäben beschreibt. Folglich muss
der Kardierabstand so eingestellt werden, dass ein gewünschtes Kardierergebnis erreicht
wird. Sowohl der Deckelstab als auch die Walze können eine Garnitur aufweisen, wobei
der Kardierabstand gemessen wird zwischen den Spitzen der Garnituren, und wobei die
Größe des Kardierabstandes ein wesentlicher Maschinenparameter ist, welcher sowohl
das Kardierergebnis als auch das Laufverhalten der Karde prägt. Insbesondere muss
bei längerem Betrieb der Karde sichergestellt werden, dass sich die Spitzen der Garniturzähne
nicht berühren. Insbesondere bei Wanderdeckelkarden befindet sich die Hauptkardierzone
zwischen der Walze und dem Wanderdeckelaggregat, wobei insbesondere bei wandernden
Deckelstäben beide garnierten Kardierpartner gegeneinander bewegt werden.
[0003] In einer Spinnereivorbereitungsmaschine führt die geleistete Arbeit, insbesondere
die Kardierarbeit einer Karde, zu einer Wärmeentwicklung, wodurch die Bauelemente
der Maschine erwärmt werden. Diese Erwärmung führt zu Verlagerungen und Verformungen
der Bauelemente. Um den Kardierabstand möglichst gleichmäßig zu halten, wird in der
DE 10 2006 014 419 A1 vorgeschlagen, den Kardierabstand durch externe Energiezufuhr an mindestens eines
der einander gegenüberliegenden Bauteile zu verkleinern oder zu vergrößern, wobei
auch eine Drosselung der Energiezufuhr ermöglicht wird, sodass der Kardierabstand
entsprechend eingestellt werden soll. Eine Messung von Temperaturgradienten innerhalb
der Deckelstäbe ist jedoch nicht vorgesehen, sodass die entstehende Arbeitstemperatur
der Walze und insbesondere der Deckelstäbe lediglich angenommen wird.
[0004] Eine Messung eines Abstandes zwischen einer Walze und einem Deckelstab einer Spinnereivorbereitungsmaschine
beschreibt die
DE 10 2009 031 979 A1, wobei eine derartige Messung eines Abstandes mit Schwierigkeiten verbunden ist,
insbesondere kann die Messung nicht während des Betriebs der Spinnereivorbereitungsmaschine
erfolgen. Der Grund hierfür liegt darin, dass das zwischen der Walze und dem Deckelstab
vorhandene Fasermaterial eine Abstandsmessung stört, verfälscht oder verhindert.
[0005] Die
EP 0 801 158 B1 beschreibt eine Messung eines Abstandes zwischen einem Deckelstab und einer Walze
mittels eines Laserstrahls, wobei eine derartige optische Messung auch wieder nur
im Stillstand der Spinnereivorbereitungsmaschine möglich ist.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist die Weiterbildung eines Verfahrens zum Betrieb einer Spinnereivorbereitungsmaschine,
insbesondere Karde oder Krempel, mit dem ein Kardierabstand möglichst während des
Betriebs der Maschine bestimmt und über eine Steuerungseinheit eingestellt werden
kann. Insbesondere ist es die Aufgabe der Erfindung, den konstruktiven Aufwand zum
Bau der Vorrichtung zur Einstellung des Kardierabstandes gering zu halten.
[0007] Diese Aufgabe wird ausgehend von einem Verfahren zum Betrieb einer Spinnereivorbereitungsmaschine
gemäß dem Oberbegriff des Anspruches 1 und ausgehend von einer Vorrichtung zum Betrieb
einer Spinnereivorbereitungsmaschine gemäß dem Oberbegriff des Anspruches 10 mit den
jeweils kennzeichnenden Merkmalen gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung
sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0008] Erfindungsgemäß sieht das Verfahren wenigstens die folgenden Schritte vor: Messen
einer Temperatur an wenigstens einer Position am Deckelstab mittels eines im Deckelstab
integrierten Temperatursensors; Übertragen der gemessenen Temperatur an die Steuerungseinheit;
Bereitstellung eines Formänderungsmodells an die Steuerungseinheit umfassend eine
Formänderungsinformation des Deckelstabes in Abhängigkeit der gemessenen Temperatur
und Nachstellen des Kardierabstandes mittels der Steuerungseinheit.
[0009] Kerngedanke der Erfindung ist die Bereitstellung eines Formänderungsmodells, welches
spezifisch für einen Deckelstab erstellt und an die Steuerungseinheit bereitgestellt
wird, und das Formänderungsmodell beinhaltet wenigstens einen Zusammenhang zwischen
einer Temperatur und einer sich mit der Temperatur ergebenden Formänderung des Deckelstabes.
Die Temperatur im Deckelstab wird dabei an wenigstens einer Position gemessen, wobei
insbesondere Temperaturprofile gemessen werden, und in Abhängigkeit der gemessenen
Temperaturprofile kann basierend auf dem Formänderungsmodell eine Verformungsinformation
abgeleitet werden, auf Basis derer die Steuerungseinheit den Kardierabstand zwischen
dem Deckelstab und der Walze nachstellt. Das Formänderungsmodell ist dabei für jeden
eingesetzten Deckelstab bereitzustellen, sofern beispielsweise eine Karde mit verschiedenen
Deckelstäben betrieben werden kann, die insbesondere auch verschiedenartig garniert
sein können.
[0010] Der wenigstens eine Temperatursensor kann am Deckelstab angeordnet oder in diesem
eingebracht bzw. integriert sein, wobei die integrierte Anordnung des Temperatursensors
im oder am Deckelstab jede mögliche Position umfasst, mittels der an einer vorgegebenen
Position am Deckelstab eine Temperaturinformation abgegriffen werden soll.
[0011] Das Verfahren sieht weiterhin vor, dass wenigstens ein Deckelstab mit einem integrierten
RFID-Tag bereitgestellt wird, der mit dem Temperatursensor gekoppelt oder mit diesem
baueinheitlich ausgeführt ist. RFID-Tags können vorteilhaft und kostengünstig bereitgestellt
und betrieben werden, insbesondere besteht die Möglichkeit, RFID-Tags ohne Energiequelle
auszuführen, da ein Transpondersignal bereits eine hinreichende elektrische Energiemenge
im RFID-Tag induzieren kann, um eine Temperaturinformation mit dem gekoppelten Temperatursensor
auszulesen. Damit erfolgt die Übertragung der Temperaturinformation vom Temperatursensor
an die Steuerungseinheit vorzugsweise drahtlos, beispielsweise über ein Transpondersignal
oder Bluetooth.
[0012] Zum Betrieb des Verfahrens ist es weiterhin von Vorteil, dass ein RFID-Lesegerät
bereitgestellt wird, wobei die Übermittlung der gemessenen Temperatur mittels des
integrierten RFID-Tags an das RFID-Lesegerät ausgeführt wird und wobei die Temperaturinformation
mit dem RFID-Lesegerät an die Steuerungseinheit weitergeleitet wird. Sendet das RFID-Lesegerät
zur Auslesung der Temperaturinformation ein Transpondersignal an den RFID-Tag, kann
das Transpondersignal im RFID-Tag eine Spannung induzieren, die hinreichend ist, die
Temperaturinformation auszulesen. Das RFID-Lesegerät kann dabei beispielsweise an
der Wanderdeckeleinheit der Karde angeordnet sein, um eine möglichst kurze Übertragungsstecke
zu schaffen. Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit einer drahtgebundenen
Übertragung der Temperaturinformation an die Steuerungseinheit, beispielsweise über
eine Kontaktiereinrichtung in der Wanderdeckeleinheit, die die Deckelstäbe durch die
Wanderbewegung beispielsweise bei jedem Umlauf kontaktieren und so eine Temperaturinformation
übertragen werden kann.
[0013] Ein weiterer Vorteil wird erreicht, wenn das Formänderungsmodell in einem Speicher
der Steuerungseinheit hinterlegt wird, wobei die Hinterlegung vor Inbetriebnahme der
Spinnereivorbereitungsmaschine und/oder der verwendeten Deckelstäbe zugeordnet erfolgt.
Es versteht sich von selbst, dass im Speicher der Steuerungseinheit auch mehrere Formänderungsmodelle
hinterlegt werden können, und wird die Spinnereivorbereitungsmaschine mit bestimmten
Deckelstäben zum Betrieb gerüstet, kann das den Deckelstäben zugeordnete Formänderungsmodell
aus dem Speicher aktiviert bzw. in diesen eingelesen werden, und die Steuerungseinheit
nimmt das Nachstellen des Kardierabstandes auf Basis des ausgewählten Formänderungsmodells
vor.
[0014] Das Formänderungsmodell wird vor Inbetriebnahme der Spinnereivorbereitungsmaschine
in den Speicher der Steuerungseinheit geladen. Die Bereitstellung des Formänderungsmodells
kann auf verschiedene Weise erfolgen. Beispielsweise kann das Formänderungsmodell
basierend auf mathematischen Beziehungen zwischen der Formänderung des Deckelstabes
und einem Temperaturprofil im Deckelstab mit einem Berechnungsalgorithmus analytisch
ermittelt und bereitgestellt werden. Auch Basis des Berechnungsalgorithmus kann insbesondere
eine Durchbiegung des Deckelstabes ermittelt werden, wobei die Ermittlung in Abhängigkeit
der Temperatur beispielsweise am Deckelfuß und am Deckelrücken erfolgt. Erwärmt sich
der Deckelfuß beispielsweise stärker als der Deckelrücken, so erfolgt eine Durchbiegung
des mittleren Abschnittes des Deckelstabes in Richtung zur Walze. Der Berechnungsalgorithmus
umfasst dabei insbesondere den Wärmeausdehnungskoeffizienten des Materials des Deckelstabes,
die Länge des Deckelstabes und eine Referenztemperatur, beispielsweise die Raumtemperatur.
Da die Temperaturen bei einem erstellten Modell für einen entsprechenden Deckelstab
die einzigen unbekannten Größen beim Kardieren sind, kann erfindungsgemäß mit der
Erfassung der Temperatur mittels des wenigstens einen Temperatursensors das Formänderungsmodell
gespeist bzw. erstellt werden, welches wie vorstehend beschrieben im Speicher der
Steuerungseinheit abgelegt ist.
[0015] Eine weitere Möglichkeit zur Bereitstellung des Formänderungsmodells umfasst ein
Simulationsverfahren, welches computernummerisch durchgeführt wird, und mit dem verschiedene
Temperaturszenarien durchgespielt werden. Wird ein Temperaturprofil des Deckelstabes
im Betrieb der Spinnereivorbereitungsmaschine aufgenommen, kann basierend auf dem
erstellten Formänderungsmodell insbesondere für den mittleren Bereich des Deckelfußes
eine Durchbiegung ermittelt werden, die für das Nachstellen des Kardierabstandes zugrunde
gelegt wird.
[0016] Es versteht sich, dass das Formänderungsmodell auch experimentell ermittelt und bereitgestellt
werden kann, indem mit wenigstens einem auf den Deckelstab aufgegebenen bekannten
Temperaturprofil wenigstens eine Durchbiegung umfassende Formänderung des Deckelstabes
ermittelt wird.
[0017] Für eine besonders vorteilhafte Ausführung des Verfahrens wird eine erste Temperaturinformation
mit einem ersten Temperatursensor vom Deckelfuß abgegriffen und übertragen und eine
zweite Temperaturinformation wird mit einem zweiten Temperatursensor vom Deckelrücken
abgegriffen und übertragen. Insbesondere dann, wenn ein Temperaturunterschied zwischen
dem Deckelfuß und dem Deckelrücken bekannt ist, kann eine Durchbiegung ermittelt werden.
Dabei kann die Ermittlung in Bezug auf die Längserstreckung des Deckelstabes in der
Mitte des Deckelstabes mit entsprechend angeordneten Temperatursensoren erfolgen,
weiterhin kann die Erfassung der Temperatur an den Enden des Deckelstabes erfolgen,
an denen auch Temperatursensoren angeordnet sein können. Insbesondere im Bereich der
Mitte des Deckelstabes ist der Temperaturunterschied zwischen dem Deckelfuß und dem
Deckelrücken wichtig für die Ermittlung der Durchbiegung.
[0018] Die Erfindung richtet sich weiterhin auf eine Vorrichtung zum Betrieb einer Spinnereivorbereitungsmaschine,
insbesondere Karde oder Krempel, womit ein Kardierabstand zwischen einer garnierten
Walze und einem der Walze gegenüberliegenden Deckelstab mittels einer Steuerungseinheit
einstellbar ist. Erfindungsgemäß ist an die Steuerungseinheit ein Formänderungsmodell
umfassend eine Formänderungsinformation des Deckelstabes in Abhängigkeit einer am
Deckelstab messbaren Temperatur bereitgestellt, und wobei mit der Steuerungseinheit
der Kardierabstand basierend auf dem Formänderungsmodell änderbar ist. Dabei ist der
Kardierabstand über die Arbeitsbreite des Deckelstabes zur Trommel einstellbar, aber
auch die Form des Deckelstabes (konkave oder konvexe Kontur der Garniturenfläche)
über die Trommel einstellbar.
[0019] Die weiteren in Zusammenhang mit dem Verfahren beschriebenen Merkmale und die sich
ergebenden Vorteile finden auch für die erfindungsgemäße Vorrichtung Berücksichtigung.
[0020] Insbesondere weist wenigstens ein Deckelstab wenigstens einen Temperatursensor auf,
mit dem die Temperatur an wenigstens einer Position am Deckelstab messbar ist, und
wobei die gemessene Temperatur an die Steuerungseinheit übertragbar ist. Weiterhin
ist es von Vorteil, wenn die Temperaturinformation vom Temperatursensor an die Steuerungseinheit
drahtlos übertragbar ist. Hierfür kann der wenigstens eine Deckelstab wenigstens ein
RFID-Tag aufweisen, der mit dem Temperatursensor gekoppelt ist oder der mit diesem
integral ausgeführt ist.
[0021] Mit besonderem Vorteil ist ein erster Temperatursensor am Deckelfuß angeordnet, und
ein zweiter Temperatursensor ist am Deckelrücken angeordnet, und es ist in Bezug auf
die Längserstreckung des Deckelstabes insbesondere wenigstens ein Temperatursensor
in der Mitte des Deckelstabes angeordnet und wenigstens ein Temperatursensor am Ende
des Deckelstabes. Mit noch weiterem Vorteil ist wenigstens ein Temperatursensor am
Deckelfuß in der Mitte des Deckelstabes angeordnet, weiterhin ist wenigstens ein Temperatursensor
am Deckelrücken in der Mitte des Deckelstabes angeordnet, wobei ein Temperatursensor
an jedem der beiden äußeren Enden des Deckelstabes angeordnet ist, gegebenenfalls
hier auch jeweils am Deckelfuß und am Deckelrücken. Mit den sich ergebenden wenigstens
vier bzw. sechs Temperatursensoren werden entsprechende Temperaturinformationen an
die Steuerungseinheit übermittelt und in Korrelation mit dem Formänderungsmodell gebracht
bzw. in diesem appliziert, worauf basierend eine Formänderungsinformation abgeleitet
und an die Maschinensteuerung gegeben wird, sodass eine Nachstellung des Kardierabstandes
mittels der Steuerungseinheit erfolgen kann. Hierfür kann für die Aufnahme der Deckelstäbe
ein entsprechender Aktuator vorgesehen sein.
[0022] Weitere, die Erfindung verbessernde Maßnahmen werden nachstehend gemeinsam mit der
Beschreibung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels der Erfindung anhand der Figuren
näher dargestellt. Es zeigen:
- Figur 1
- die Ansicht einer Karde, mit der das erfindungsgemäße Verfahren ausführbar ist,
- Figur 2
- einen Ausschnitt aus einem Wanderdeckel mit mehreren nebeneinander angeordneten Deckelstäben,
- Figur 3
- die Seitenansicht eines Deckelstabes und
- Figur 4
- eine Ansicht eines Deckelstabes in Wirkverbindung mit einer Steuerungseinheit zur
Ausführung des Verfahrens.
[0023] Figur 1 zeigt eine Karde 100 mit einer Speisewalze 18, einem Speisetisch 19, Vorreißern
20 einer Walze 10, einem Abnehmer 21, einer Abstreichwalze 22, Quetschwalzen 23, einem
Vliesleitelement 24, einem Flortrichter 25, Abzugswalzen 26, dem Wanderdeckel 27 mit
Deckelumlenkrollen 28 und garnierten Deckelstäben 11, einer Kanne 29 und einem Kannenstock
30. Die Drehrichtungen der Walzen sind mit gebogenen Pfeilen gezeigt. Der Mittelpunkt
der Walze 10 ist mit M bezeichnet. Die Position 31 gibt die Garnitur der Walze 10
wieder, und mit 32 ist die Drehrichtung der Walze 10 bezeichnet. Mit dem Pfeil B ist
die Bewegungsrichtung des Wanderdeckels 27 in Kardierstellung und mit dem Pfeil C
die Rücktransportrichtung der Deckelstäbe 11 dargestellt. Mit den Bezugszeichen 33
sind Funktionselemente bezeichnet, die in Verbindung mit der Walze 10 stehen. Der
Pfeil A bezeichnet die Arbeitsrichtung.
[0024] Der Wanderdeckel 27 mit den umlaufenden Deckelstäben 11 kann mit Bezug auf den Mittelpunkt
M der Walze 10 im Abstand verändert werden, sodass sich auch der Kardierabstand zwischen
der Garnitur 31 der Walze 10 und den ebenfalls garnierten Deckelstäben 11 verändert.
[0025] Figur 2 zeigt mehrere Deckelstäbe 11 nebeneinander, die gemeinsam an einem Zahnriemen
34 aufgenommen sind und gemäß Figur 1 im oder am Wanderdeckel 27 in Arbeitsrichtung
A umlaufen können. Beispielhaft ist an einem Deckelstab 11 ein Temperatursensor 13
im Bereich des Deckelfußes 42 angeordnet, ein weiterer Temperatursensor 13 ist im
Bereich des Deckelrückens 43 angeordnet. An einem weiteren Deckelstab 11 ist ein RFID-Tag
15 angeordnet, der mit einer weiteren nicht dargestellten Anordnung von Temperatursensoren
eine Einheit bilden kann, mit der ein Temperaturmesswert ermittelt und als Temperaturinformation
über eine RFID-Übertragungsstrecke an ein RFID-Lesegerät 16 übermittelt werden kann,
das schematisch dargestellt ist. Der Deckelstab 11 mit dem fußseitigen und dem rückenseitigen
Temperatursensor 13 ist in der folgenden Figur 3 in einer Seitenansicht dargestellt.
[0026] Figur 3 zeigt einen Deckelstab 11 unter Erwärmung, welche mit einer Zufuhr von Wärme
Qpunkt wiedergegeben ist. Durch die Erwärmung des Deckelstabes 11, die überwiegend
am Deckelfuß 42 erfolgt, an der auch die Deckelgarnitur 35 angeordnet ist, erfolgt
eine Durchbiegung des Deckelstabes 11 in Richtung zur Wärmequelle und damit in Richtung
zur Walze gemäß Figur 1, sodass sich eine Biegelinie 36 durch den Deckelstab 11 hindurch
ergibt, woraus folgend ein Krümmungsradius R entsteht. Die unterseitig des Deckelstabes
11 angeordnete nicht dargestellte Walze 10 im eingebauten Zustand in der Karde 100
weist zu dem Deckelstab 11 folglich im Bereich der Mitte einen kleineren Abstand auf
als im Bereich der Enden des Deckelstabes 11. Durch die höhere Temperatur T1 im Bereich
des Deckelfußes 42 relativ zur Temperatur T2 am Deckelrücken 43 ergibt sich ein Temperaturunterschied,
der zu der vorstehend beschriebenen Biegelinie 36 führt.
[0027] Figur 4 stellt in schematischer Weise die Vorrichtung zum Betrieb einer Spinnereivorbereitungsmaschine
dar, mit der ein Kardierabstand zwischen einem Deckelstab 11 und einer Walze 10 nachgestellt
werden kann. Die Nachstellung erfolgt mittels eines Aktuators 37, mit dem die Führungseinrichtung
38 zur Führung der Deckelstäbe 11 im Wanderdeckel gemäß dem Doppelpfeil hoch und runter
gefahren werden kann.
[0028] Im Deckelfuß 42 des Deckelstabes 11 ist ein erster Temperatursensor 13 angeordnet,
und im Deckelrücken 43 ist ein zweiter Temperatursensor 13 angeordnet. Weiterhin ist
im Deckelfuß 42 ein RFID-Tag 15 schematisch dargestellt, welcher eine Temperaturinformation
über eine drahtlose Übertragungsstrecke 39 an ein RFID-Lesegerät 16 übermittelt, und
das RFID-Lesegerät 16 übermittelt die Temperaturinformation an die Steuerungseinheit
12. Erfindungsgemäß ist die Steuerungseinheit 12 mit einem Speicher 17 ausgeführt,
welcher ein Formänderungsmodell 14 umfasst. Zum Betrieb des Verfahrens wird das Formänderungsmodell
14 aus dem Speicher 17 über eine Ausleseverbindung 40 vom Speicher 17 an die Steuerungseinheit
12 übermittelt, und das Formänderungsmodell 14 umfasst eine Formänderungsinformation
des Deckelstabes 11 in Abhängigkeit der gemessenen Temperaturen, die mit den Temperatursensoren
13 gemessen wurden. Insbesondere die gemessenen Temperaturen zwischen dem oberen Temperatursensor
13 im Deckelrücken 43 und dem unteren Temperatursensor 13 im Deckelfuß 42 ergeben
ein Wertepaar der Temperaturen T1 und T2 mit T1 > T2, auf Basis dessen mit dem Formänderungsmodell
14 durch die Steuerungseinheit 12 eine Nachstellinformation generiert werden kann,
sodass über eine Steuerstrecke 41 der Aktuator 37 mit der Steuerungseinheit 12 angesteuert
werden kann.
[0029] Die Nachstellung des Kardierabstandes und damit die Höheneinstellung der Führungseinrichtung
38 kann dabei im laufenden Betrieb der Spinnereivorbereitungsmaschine erfolgen, sodass
nicht nur zu einem diskreten Zeitpunkt die Nachstellung erfolgt, sondern diese kann
über den gesamten Betriebszeitraum der Spinnereivorbereitungsmaschine kontinuierlich
betrieben werden. Das im Speicher 17 vorhandene Formänderungsmodell 14 ist dabei spezifisch
ausgerichtet auf den Deckelstab 11 mit Bezug auf das Material, die Geometrie und die
Größe, und jeder eingesetzte Deckelstab 11 benötigt ein eigenes Formänderungsmodell
14, sofern Unterschiede zwischen verschiedenen Deckelsätzen mit den Deckelstäben 11
vorherrschen. Jedoch kann es hinreichend sein, innerhalb eines Deckelstabsatzes mit
einer Vielzahl von zueinander gleichen Deckelstäben 11 nur einzelne Deckelstäbe 11
mit den Temperatursensoren 13 und dem RFID-Tag 15 auszustatten, da angenommen werden
kann, dass sich in den gemeinsam betriebenen Deckelstäben 11 ein zueinander jeweils
gleiches Temperaturprofil einstellt.
[0030] Die Erfindung beschränkt sich in ihrer Ausführung nicht auf das vorstehend angegebene
bevorzugte Ausführungsbeispiel. Vielmehr ist eine Anzahl von Varianten denkbar, welche
von der dargestellten Lösung auch bei grundsätzlich anders gearteten Ausführungen
Gebrauch macht. Sämtliche aus den Ansprüchen, der Beschreibung oder den Zeichnungen
hervorgehenden Merkmale und/oder Vorteile, einschließlich konstruktiver Einzelheiten
oder räumlicher Anordnungen, können sowohl für sich als auch in den verschiedensten
Kombinationen erfindungswesentlich sein.
Bezugszeichen
[0031]
- 100
- Karde
- 10
- Walze
- 11
- Deckelstab
- 12
- Steuerungseinheit
- 13
- Temperatursensor
- 14
- Formänderungsmodell
- 15
- RFID-Tag
- 16
- RFID-Lesegerät
- 17
- Speicher
- 18
- Speisewalze
- 19
- Speisetisch
- 20
- Vorreißer
- 21
- Abnehmer
- 22
- Abstreichwalze
- 23
- Quetschwalze
- 24
- Vliesleitelement
- 25
- Flortrichter
- 26
- Abzugswalzen
- 27
- Wanderdeckel
- 28
- Deckelumlenkrolle
- 29
- Kanne
- 30
- Kannenstock
- 31
- Garnitur
- 32
- Drehrichtung
- 33
- Funktionselement
- 34
- Zahnriemen
- 35
- Deckelgarnitur
- 36
- Biegelinie
- 37
- Aktuator
- 38
- Führungseinrichtung
- 39
- Übertragungsstrecke
- 40
- Ausleseverbindung
- 41
- Steuerstrecke
- 42
- Deckelfuß
- 43
- Deckelrücken
- R
- Krümmungsradius
- Q(punkt)
- Wärme
- M
- Mittelpunkt
- A
- Arbeitsrichtung
- B
- Bewegungsrichtung des Wanderdeckels
- C
- Rücktransportrichtung
- T1
- erster Temperatursensor
- T2
- zweiter Temperatursensor
1. Verfahren zum Betrieb einer Spinnereivorbereitungsmaschine, insbesondere Karde (100)
oder Krempel, mit dem ein Kardierabstand zwischen einer garnierten Walze (10) und
einem der Walze (10) gegenüberliegenden Deckelstab (11) mittels einer Steuerungseinheit
(12) eingestellt wird, wobei das Verfahren wenigstens die folgenden Schritte umfasst:
- Messen einer Temperatur an wenigstens einer Position am Deckelstab (11) mittels
eines im Deckelstab (11) integrierten Temperatursensors (13);
- Übertragen der gemessenen Temperatur an die Steuerungseinheit (12);
- Bereitstellen eines Formänderungsmodells (14) an die Steuerungseinheit (12) umfassend
eine Formänderungsinformation des Deckelstabes (11) in Abhängigkeit der gemessenen
Temperatur und
- Nachstellen des Kardierabstandes mittels der Steuerungseinheit (12).
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein Deckelstab (11) mit einem integrierten RFID-Tag (15) bereitgestellt
wird, der mit dem Temperatursensor (13) gekoppelt oder mit diesem baueinheitlich ausgeführt
ist.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass ein RFID-Lesegerät (16) bereitgestellt wird, wobei die Übermittlung der gemessenen
Temperatur mittels des integrierten RFID-Tags (15) an das RFID-Lesegerät (16) ausgeführt
wird und wobei die Temperaturinformation mit dem RFID-Lesegerät (16) an die Steuerungseinheit
(12) weiterleitet wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Formänderungsmodell (14) in einem Speicher (17) der Steuerungseinheit (12) hinterlegt
wird, wobei die Hinterlegung vor Inbetriebnahme der Spinnereivorbereitungsmaschine
und/oder der verwendeten Deckelstäbe (11) zugeordnet erfolgt.
5. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Formänderungsmodell (14) basierend auf mathematischen Beziehungen zwischen der
Formänderung des Deckelstabes (11) und einem Temperaturprofil im Deckelstab (11) mit
einem Berechnungsalgorithmus analytisch ermittelt und bereitgestellt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Formänderungsmodell (14) mittels eines Simulationsverfahrens ermittelt und bereitgestellt
wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Formänderungsmodell (14) experimentell ermittelt und bereitgestellt wird, indem
mit wenigstens einem auf den Deckelstab (11) aufgegebenen Temperaturprofil wenigstens
eine Durchbiegung umfassende Formänderung des Deckelstabes (11) ermittelt wird.
8. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine erste Temperaturinformation mit einem ersten Temperatursensor (13) vom Deckelfuß
(42) übertragen wird und dass eine zweite Temperaturinformation mit einem zweiten
Temperatursensor (13) vom Deckelrücken (43) übertragen wird.
9. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass mit Bezug auf eine Längserstreckung des Deckelstabes (11) Temperaturinformationen
mit wenigstens einem in der Mitte des Deckelstabes (11) angeordneten Temperatursensor
(13) und Temperaturinformationen mit wenigstens einem am Ende des Deckelstabes (11)
angeordneten Temperatursensor (13) übertragen wird.
10. Vorrichtung zum Betrieb einer Spinnereivorbereitungsmaschine, insbesondere Karde (100)
oder Krempel, womit ein Kardierabstand zwischen einer garnierten Walze (10) und einem
der Walze (10) gegenüberliegenden Deckelstab (11) mittels einer Steuerungseinheit
(12) einstellbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass an die Steuerungseinheit (12) ein Formänderungsmodell (14) umfassend eine Formänderungsinformation
des Deckelstabes (11) in Abhängigkeit einer am Deckelstab (11) messbaren Temperatur
bereitgestellt ist, und wobei mit der Steuerungseinheit (12) der Kardierabstand basierend
auf dem Formänderungsmodell (14) änderbar ist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein Deckelstab (11) wenigstens einen Temperatursensor (13) aufweist, mit
dem die Temperatur an wenigstens einer Position am Deckelstab (11) messbar ist, und
wobei die gemessene Temperatur an die Steuerungseinheit (12) übertragbar ist.
12. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Temperaturinformation vom Temperatursensor (13) an die Steuerungseinheit (12)
drahtlos übertragbar ist.
13. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass der wenigstens eine Deckelstab (11) wenigstens einen RFID-Tag (15) aufweist, der
mit dem Temperatursensor (13) gekoppelt ist oder der mit diesem integral ausgeführt
ist.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 10 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass ein RFID-Lesegerät (16) vorhanden und/oder mit der Steuerungseinheit (12) gekoppelt
oder mit der Steuerungseinheit (12) integral ausgeführt ist.
15. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 10 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass ein erster Temperatursensor (13) am Deckelfuß (42) angeordnet ist und dass ein zweiter
Temperatursensor (13) am Deckelrücken (43) angeordnet ist und/oder dass wenigstens
ein Temperatursensor (13) mit Bezug auf eine Längserstreckung des Deckelstabes (11)
in der Mitte des Deckelstabes (11) angeordnet ist und/oder ein Temperatursensor (13)
am Ende des Deckelstabes (11) angeordnet ist.