[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft das Gebiet des grabenlosen Verlegens und insbesondere
Verfahren und Vorrichtungen zur grabenlosen Verlegung eines Kabels oder Rohres in
einem Boden, Verfahren und Vorrichtungen zur parallelen grabenlosen Rohr- und/oder
Kabelverlegung in einem Boden und deren Kombination.
[0002] In der Vergangenheit wurden zahlreiche Verfahren und Vorrichtungen entwickelt, um
Kabel oder Rohre grabenlos im Boden zu verlegen und dadurch sensible Bereiche an der
Geländeoberfläche zu unterqueren, für die eine Verlegung im offenen Graben aus beispielsweise
technischen, ökologischen, rechtlichen und/oder wirtschaftlichen Gründen nicht möglich
oder erwünscht ist.
[0003] Außerdem ist die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung für eine offene Verlegung generell
stark rückläufig, so dass seitens der Politik und der Netzersteller und -betreiber
großes Interesse besteht, auch dort grabenlose Techniken einzusetzen, wo bisher die
offene Verlegung vorgesehen war.
[0004] Neben wirtschaftlichen Gründen (eine offene Verlegung ist in der Regel kostengünstiger
als eine grabenlose Verlegung) liegen bisher beim Einsatz von grabenlosen Techniken
auch technische Gründe vor, die gegen die nach dem aktuellen Stand der Technik verfügbaren
grabenlosen Verlegeverfahren sprechen.
[0005] Den aktuellen Stand der Technik im Hinblick auf die hier vorliegende Erfindung repräsentiert
in ganz besonderem Maße die gesteuerte Horizontalbohrtechnik (Horizontal Directional
Drilling, HDD), wobei Beispiele hierzu in
WO 2006/119797 A1 oder in
DE 10 2016 109 830 A1 zu finden sind.
[0006] Beim HDD-Verfahren wird allgemein zunächst eine gesteuerte Pilotbohrung von einem
Startpunkt zu einem Zielpunkt aufgefahren. Falls erforderlich, wird diese Pilotbohrung
quasi im "Rückwärtsgang" in einem oder mehreren Schritten auf einen so großen Durchmesser
aufgeweitet, dass das für die Verlegung vorgesehene Schutzrohr im letzten Arbeitsschritt
dann in das (aufgeweitete) Bohrloch eingezogen werden kann. Das Einziehen des Schutzrohrs
in die Pilotbohrung erfolgt in der Regel ebenfalls "rückwärts" vom Ziel- zum Startpunkt.
In einem separaten Arbeitsschritt erfolgt dann das Einziehen des Kabels in das Schutzrohr.
[0007] Mit dem HDD-Verfahren können Bohrungslängen >2.000 m und Bohrlochdurchmesser >1.000
mm erreicht werden. Für die Kabelverlegung - insbesondere von Energiekabeln - sind
Bohrungslängen von ca. 1.000 - 1.500 m und Bohrlochdurchmesser von ca. 400 mm (für
ein Schutzrohr mit einem Durchmesser von ca. 300 mm) erforderlich. Auch wenn die längen-
und durchmesserspezifischen Anforderungen somit von der HDD-Technik erfüllt werden
können, gibt es allerdings auch aus technischer Sicht andere Aspekte, die gegen den
Einsatz des HDD-Verfahrens für die Kabelverlegung sprechen.
[0008] Beim HDD-Verfahren wird die Bohrflüssigkeit zum Abtransport des Bohrkleins und zur
Stützung des Bohrlochs eingesetzt. Für den ordnungsgemäßen Einsatz des Verfahrens
ist dabei eine bestimmte Mindesttiefe erforderlich. Diese ist dadurch begründet, dass
für die Erzeugung und Aufrechterhaltung des Fließvorgangs der Bohrflüssigkeit vom
Bohrkopf durch das Bohrloch zum Startpunkt ein bestimmter hydraulischer Druck erforderlich
ist. Dieser nötige hydraulische Druck steigt mit der Tiefe der Bohrung und der Länge
der Bohrung an. Dieser hydraulische Druck ist am Bohrkopf am größten, da hier die
Bohrflüssigkeit aus dem Bohrkopf austritt. Wird dieser hydraulische Druck zu groß,
so kann der über dem Bohrloch befindliche Boden diesem Druck nicht mehr standhalten
und "reißt" dann auf ("fracing"). Durch diese Risse kann dann die Bohrflüssigkeit
unkontrolliert an die Geländeoberfläche fließen, wo sie aufgrund ihrer Konsistenz
zu ökologischen und verkehrstechnischen Problemen führen kann. Gleichzeitig wird der
im Allgemeinen für einen wirtschaftlichen und sicheren Betrieb erforderliche Bohrflüssigkeitskreislauf
unterbrochen. Kabel im Allgemeinen und große Energiekabel im Besonderen werden jedoch
bevorzugt in relativ geringen Tiefen zwischen etwa 1,5 m und 4 m verlegt. Bei Energiekabeln
gibt es neben den wirtschaftlichen Aspekten auch technische Parameter, die eine solche
"flache" Verlegung erforderlich machen.
[0009] Besonders ist in diesem Zusammenhang die kritische Wärmeabfuhr zu nennen. Während
des Betriebs von Energiekabeln entwickeln diese eine beachtliche Temperatur. Da aber
mit steigender Kabeltemperatur die über das Kabel übertragbare Leistung zurückgeht,
darf eine bestimmte Maximaltemperatur für einen effizienten und wirtschaftlichen Betrieb
nicht überschritten werden. Da die entstehende Temperatur über den Boden an die Umgebungsluft
abgegeben werden muss, darf die Bodenüberdeckung nicht zu groß sein, da andernfalls
der Boden als "Wärmeisolator" wirkt und dann die oben beschriebenen, negativen Effekte
auftreten.
[0010] Zusätzlich wird es bei größeren Verlegetiefen auch erforderlich, den seitlichen Abstand
zwischen parallel verlaufenden Kabeln zu vergrößern, um die entstehenden Temperaturen
sicher abführen zu können. Dies resultiert jedoch in einer wesentlich größeren Trassenbreite
zur Verlegung eines aus mehreren (teilweise 12 oder sogar mehr) Einzelkabeln bestehenden
Kabelsystems mit entsprechenden negativen Auswirkungen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit
der Verlegung. Weiterhin muss die Verlegetiefe mit zunehmendem Abstand der Kabel vergrößert
werden. Das elektrische Feld an der Geländeoberfläche ist abhängig vom Abstand und
der Verlegetiefe.
[0011] Vereinfacht gesagt können mit dem Stand der Technik bei der grabenlosen Kabelverlegung
zwar der geforderte Längenbereich bis zu 1.500 m und der erforderliche Durchmesserbereich
bis ca. 400 mm abgedeckt werden, jedoch ist es zur Zeit nicht möglich, diese beiden
Parameter mit der bevorzugten geringen Tiefenlage eines zu verlegenden Kabels zu kombinieren.
Aus diesen Gründen wird die HDD-Technik zur Zeit nur dann eingesetzt, wenn größere
Einzelhindernisse wie Flüsse oder Biotope von der Kabeltrasse gekreuzt werden müssen
und dabei zwangsläufig größere Bohrungstiefen erforderlich werden. Bei "einfacheren"
Topographien wie z.B. intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen oder versiegelten
Flächen (z.B. Parkplätzen) ist die HDD-Technik jedoch aus den genannten Gründen keine
Option.
[0012] Ein der vorliegenden Erfindung zugrundeliegendes Ziel ist es, die Möglichkeiten zur
sinnvollen und wirtschaftlichen grabenlosen Verlegung von Kabeln und/oder Rohren zu
erweitern, so dass insbesondere im oberflächennahen Bereich mit einer gewünschten
Bohrlänge und einem ausreichenden Durchmesser gearbeitet werden kann.
[0013] Es ist dabei insbesondere gewünscht, eine Lösung vorzustellen, die eine grabenlose
Verlegung eines Kabels in einem Schutzrohr von 200 - 400 mm (oder auch nur eines entsprechenden
Rohrs) in einem Boden in einer Tiefe von etwa 1,5 m bis 4 m und über eine Länge von
etwa 1.000 - 1.500 m zu Kosten möglich macht, die vorzugsweise im Bereich der derzeit
bekannten Lösungen (wie sie etwa für größere Tiefen eingesetzt werden) liegen.
[0014] Die im Folgenden zunächst diskutierten ersten und zweiten Aspekte der Erfindung und
dessen/deren Ausgestaltungen sind im Zusammenspiel mit den weiter unten diskutierten
dritten bis fünften Aspekten der Erfindung einschließlich der darauffolgenden diskutierten
Ausgestaltungen davon zu verstehen, wobei die dritten bis fünften Aspekte auch unabhängig
von dem ersten und dem zweiten Aspekt vorteilhafte Anwendung finden können.
[0015] Erfindungsgemäß wird nach einem ersten Aspekt ein Verfahren zur grabenlosen Verlegung
eines Kabels oder Rohres in einem Boden vorgeschlagen, nämlich mit den Schritten des
Erstellens von einer oder mehreren Multifunktionsbohrungen, die sich jeweils von der
Oberfläche bis zu einem Schnittpunkt mit einer zur Verlegung des Kabels oder Rohres
vorgesehenen Bohrlinie und darüber hinaus erstrecken, und des Durchführens einer gerichteten
Horizontalbohrung entlang der Bohrlinie unter Nutzung von unter Druck zugeführter
Bohrflüssigkeit, wobei bei einem entsprechenden Bohrfortschritt Bohrflüssigkeit aus
dem durch die Horizontalbohrung erstellten Bohrloch durch wenigstens eine der Multifunktionsbohrungen
hindurch abgefördert wird.
[0016] Erfindungsgemäß wird nach einem zweiten Aspekt ein System zur grabenlosen Verlegung
eines Kabels oder Rohres in einem Boden vorgeschlagen, nämlich mit einer Bohrvorrichtung
zum Erstellen einer oder mehrerer Multifunktionsbohrungen, die sich jeweils von der
Oberfläche bis zu einem Schnittpunkt mit einer zur Verlegung des Kabels oder Rohres
vorgesehenen Bohrlinie und darüber hinaus erstrecken, einer Horizontalbohrvorrichtung
zum Durchführen einer gerichteten Horizontalbohrung entlang der Bohrlinie unter Nutzung
von unter Druck zugeführter Bohrflüssigkeit, einer Fördereinrichtung zum Abfördern
von Bohrflüssigkeit aus dem durch die Horizontalbohrung erstellten Bohrloch durch
wenigstens eine der Multifunktionsbohrungen hindurch und einer Steuereinheit zur Bestimmung
der Position der einen oder mehreren Multifunktionsbohrungen und/oder zur Steuerung
der Fördereinrichtung.
[0017] Ein Teil des Hintergrunds des ersten und zweiten Aspekts der vorliegenden Erfindung
findet sich in den folgenden Überlegungen.
[0018] Es wurde im Rahmen der Erfindung realisiert, dass sich mit der Nutzung der Multifunktionsbohrungen
eine wesentliche Weiterentwicklung der Möglichkeiten gegenüber dem bekannten Stand
der Technik erreichen lässt.
[0019] Die Multifunktionsbohrungen erlauben es, den Druck der Bohrflüssigkeit am Bohrkopf
soweit zu reduzieren, dass die Stabilität des darüberliegenden und umgebenden Bodens
nicht überschritten wird. Bei einer vergleichsweise kurzen Bohrung würde ein relativ
geringer Druck der Bohrflüssigkeit ausreichen, um den Druckabfall entlang der Bohrstrecke
zu adressieren, während eine Verlängerung der Bohrstrecke herkömmlich mit einer dann
notwendigen Erhöhung des Drucks einhergeht. Durch die Multifunktionsbohrungen wird
dieser Zusammenhang durchbrochen, so dass auch bei einer langen Bohrstrecke kein zu
hoher Druck nötig wird.
[0020] Werden die Multifunktionsbohrungen bis knapp unterhalb der geplanten Bohrlinie erstellt,
kann der bei der Erstellung der Multifunktionsbohrungen entnommene Boden oberhalb
und auf Höhe der späteren Horizontalbohrung genau analysiert werden und gleichzeitig
kann auch die exakte Höhenlage des Grundwasserspiegels festgestellt werden. Basierend
auf diesen Analysen ist es möglich, die für die Erstellung der Horizontalbohrung einzusetzenden
Komponenten (Bohrkopf, Bohrgestänge, Bohrflüssigkeit) optimal auszuwählen und dadurch
das Ausführungsrisiko zu minimieren und die Wirtschaftlichkeit zu maximieren.
[0021] Indem die Ansatzpunkte der Multifunktionsbohrungen vor Beginn der Horizontalbohrung
genau eingemessen und mit ihren jeweiligen Koordinaten und Höhenwerten dokumentiert
werden, können diese Zwischenpositionen entlang der Bohrlinie als exakte Referenzpunkte
für den steuerbaren Bohrkopf während der späteren Erstellung der Horizontalbohrung
genutzt werden. Dadurch werden sehr hohe Lagegenauigkeiten ermöglicht, was zu einer
Minimierung der Abstände zwischen den Horizontalbohrungen führt, da die notwendigerweise
zuzustehenden Abweichungstoleranzen entsprechend kleiner ausfallen können.
[0022] Die genaue Kenntnis des Bodenaufbaus und des Grundwasserstands ermöglicht es außerdem,
die maximal in der Horizontalbohrung zulässigen hydraulischen Drücke vorauszuberechnen
und mit diesen Werten den späteren Einsatz der Pumpen zu optimieren. Dadurch lassen
sich Austritte der Bohrflüssigkeit an der Geländeoberfläche sicherer verhindern und
die Abstände der Multifunktionsbohrungen optimieren.
[0023] Durch die mögliche Nutzung der Multifunktionsbohrung für die Zuführung frischer,
mit optimalen rheologischen Eigenschaften versehenen Bohrflüssigkeit in den Ringraum
zwischen Horizontalbohrung und Bohrgestänge bzw. Schutzrohr können die Bohrlochstabilität
maximiert und die Reibungswerte minimiert werden. Beides trägt wiederum zur Minimierung
des Baurisikos und zur Maximierung der Wirtschaftlichkeit bei.
[0024] Die vorliegende Erfindung ermöglicht somit nicht nur bestehende Verfahren für die
grabenlose Kabelverlegung zu optimieren, sondern völlig neue Anwendungsdimensionen
zu erschließen und damit einen wesentlichen Beitrag zur umweltverträglichen, aus technischer
Sicht effizienten und darüber hinaus wirtschaftlichen Realisierung von Kabeltrassen
zu leisten.
[0025] In einer vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung ist ein Einziehen
des Rohres oder Kabels in das erstellte Bohrloch, insbesondere unter Abfördern von
zurückfließender oder verdrängter Bohrflüssigkeit aus dem Bohrloch durch wenigstens
eine der Multifunktionsbohrungen hindurch vorgesehen, wobei insbesondere ein zur Aufnahme
eines Kabels vorgesehenes Rohr eingezogen wird und das Verfahren hierbei ferner ein
Einziehen des Kabels in das Rohr umfasst.
[0026] Auch beim Einziehen des Rohres oder Kabels in das mit Bohrflüssigkeit versehene Bohrloch
kann sich ein Druck aufbauen, der nachteilige Wirkungen auf den umgebenden Boden haben
kann, wobei eine Abförderung von Bohrflüssigkeit entsprechend dem Fortschritt des
Einziehens hierbei hilfreich ist. Ein Druckaufbau in der Bohrflüssigkeit stellt zudem
eine Erschwernis des Einziehens selbst dar, die ebenfalls mit dem Abfördern vermindert
werden kann.
[0027] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung ist ein
Einbringen von Bindemittel durch wenigstens eine der Multifunktionsbohrungen zum Verankern
des verlegten Rohres oder Kabels im Boden vorgesehen.
[0028] In einer bevorzugten Variante der obigen Ausgestaltung wird während des Einbringens
von Bindemittel durch die Multifunktionsbohrung Bohrflüssigkeit durch eine andere
Multifunktionsbohrung hindurch und/oder durch ein Ende oder einen Anfang der Horizontalbohrung
abgefördert.
[0029] Die spezifischen Gewichte von Energiekabeln liegen bei etwa 40 kg/m. Damit wiegt
ein 1.500 m langes Kabel etwa 60 t. Beim Einzug eines solchen schweren Kabels in ein
Schutzrohr kann die Reibungskraft zwischen Kabel und Schutzrohr so groß werden, dass
mit dem Kabeleinzug auch das Schutzrohr bewegt wird. In diesem Fall schiebt das Kabel
während des Einziehvorgangs das Schutzrohr praktisch wieder aus der Horizontalbohrung
heraus. In einem solchen Fall muss der Einziehvorgang abgebrochen werden und das Kabel
muss wieder nach hinten aus der Horizontalbohrung herausgezogen werden. Dabei kann
es leicht zu Beschädigungen der äußeren Schutzschicht des Kabels kommen. Außerdem
muss dann das Schutzrohr komplett aus der Horizontalbohrung geborgen und neu eingezogen
werden. Die entsprechenden zeitlichen und wirtschaftlichen Nachteile sind offensichtlich.
[0030] Aus diesen Gründen ist eine gute Verankerung des Schutzrohrs im Boden von Vorteil
und eine einfache Bettung in Bohrflüssigkeit (wie heutzutage beim HDD-Verfahren üblich)
ist im Allgemeinen nicht tauglich, da eine der wichtigsten rheologischen Aufgaben
von Bohrflüssigkeit darin besteht, eine möglichst geringe Reibung in der Horizontalbohrung
zu ermöglichen was offensichtlich eine konträre Aufgabenstellung zur gewünschten Verankerung
darstellt.
[0031] Das für diese Ausgestaltung der Erfindung vorgesehene, durch die Multifunktionsbohrungen
zugeführte Bindemittel kann so konditioniert werden, dass sowohl die Haltekräfte nach
Abbinden als auch der thermische Widerstand auf die spezifischen Anforderungen der
Kabelverlegung abgestimmt werden. Dadurch können erheblich bessere Bedingungen sowohl
beim Einziehen des Kabels in das Schutzrohr als auch beim Betrieb des Kabels erreicht
werden, als wenn das Schutzrohr in der für den Bohrvorgang benutzten Bohrflüssigkeit
eingebettet bleibt (wie nach dem Stand der Technik bisher üblich).
[0032] Ein weiterer wichtiger Vorteil einer effizienten Verankerung des Schutzrohrs im Boden
besteht darin, dass der Durchmesser des Schutzrohrs kleiner gewählt werden kann als
heutzutage nach dem Stand der Technik üblich. Dies ist darin begründet, dass ein kleineres
Schutzrohr in der Regel zu größeren Reibungskräften beim Einziehen des Kabels führt
und dadurch die oben beschrieben Probleme entstehen können (was bisher durch entsprechend
große Schutzrohre teil-kompensiert wurde). Durch die feste Verankerung im Boden sind
diese Reibungskräfte unproblematisch. Dadurch können sowohl der Durchmesser des Schutzrohrs
als auch der Durchmesser der Horizontalbohrung kleiner ausgeführt werden.
[0033] Beide Aspekte (kleines Schutzrohr, kleinere Horizontalbohrung) führen zu erheblichen
wirtschaftlichen Vorteilen durch die geringeren Kosten für das Schutzrohr und die
schnellere und einfachere Durchführung einer kleineren Horizontalbohrung (z.B. wegen
des Wegfalls eines separaten Räumgangs). Zusätzlich ergeben sich dadurch positive
ökologische Effekte, da erheblich weniger Boden aus der Horizontalbohrung entsorgt
werden muss. Kann der Durchmesser der Horizontalbohrung z.B. von 500 mm auf 350 mm
reduziert werden, so reduziert sich die Masse an zu entsorgendem Boden um mehr als
die Hälfte.
[0034] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung ist ein
Aufweiten des Bohrlochs der Horizontalbohrung vor oder bei einem Einbringen des Kabels
oder Rohres vorgesehen.
[0035] Die Aufweitung des Bohrlochs ist eine optionale Ausgestaltung, wobei im Einzelfall
der Aufwand für ein größeres Bohrloch gegen den Aufwand für eine nachträgliche Aufweitung
abzuwägen ist.
[0036] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung ist ein
Messen eines hydraulischen Drucks im Bohrloch der Horizontalbohrung vorgesehen, wobei
die Messergebnisse insbesondere für eine Steuerung einer Abförderung von Bohrflüssigkeit
durch eine der Multifunktionsbohrungen genutzt werden, und/oder die Messergebnisse,
in einem Fall, dass mehrere Multifunktionsbohrungen erstellt werden, insbesondere
für eine Bestimmung einer Entfernung der nächsten zu erstellenden Multifunktionsbohrung
von der zuletzt erstellten Multifunktionsbohrung entlang der Bohrlinie genutzt werden.
[0037] Mit Kenntnis der jeweiligen Druckverhältnisse, insbesondere am Bohrkopf selbst, können
entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um etwa ein gewünschtes Durchniveau im Bohrloch
nicht zu überschreiten. Dies kann einerseits den Bohrvorgang und die Abförderung von
Bohrflüssigkeit selbst betreffen, aber anderseits auch durch entsprechende Positionierung
der weiteren Multifunktionsbohrungen während des Bohrvorschritts geschehen.
[0038] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung ist ein
Verfahren zur grabenlosen Verlegung eines Kabels im Boden mit den folgenden Schritten
vorgesehen: Erstellen von vertikal ausgerichteten Multifunktionsbohrungen in einem
vorgegebenen Abstand zueinander von einer Geländeoberfläche bis unterhalb einer vorgegebenen
Bohrlinie, wobei die Bohrlinie zwischen einem Startpunkt und einem Zielpunkt durch
den Boden verläuft, Aufbauen mindestens einer Pumpe und mindestens eines Vertikalrohrs
an mindestens einer der Multifunktionsbohrungen, Aufbauen mindestens einer Rückleitung
vom Startpunkt bis zum Zielpunkt und Verbinden der Rückleitung mit mindestens einer
Pumpe, Erstellen einer Horizontalbohrung in dem Boden mittels eines steuerbaren Bohrkopfs
und eines Bohrgestänges entlang der vorgegebenen Bohrlinie, wobei die für den Erstellvorgang
verwendete Bohrflüssigkeit vom Startpunkt durch das Bohrgestänge dem steuerbaren Bohrkopf
zugeführt wird und außerhalb des Bohrgestänges durch die Horizontalbohrung zurückfließt,
wobei die zurückfließende Bohrflüssigkeit von der mindestens einen Pumpe über mindestens
ein Vertikalrohr in mindestens einer der Multifunktionsbohrungen aus der Horizontalbohrung
abgepumpt und durch die mindestens eine Rückleitung zum Startpunkt gefördert wird,
Demontage des Bohrkopfs vom Bohrgestänge nach Ankunft des Bohrkopfs am Zielpunkt und
Verbinden des Bohrgestänges über einen Ziehkopf mit einem Schutzohr, Zurückziehen
des Bohrgestänges zum Startpunk und dabei gleichzeitiges Einziehen des Schutzrohres
in die Horizontalbohrung, wobei die zurückfließende und/oder vom Schutzrohr verdrängte
Bohrflüssigkeit von der mindestens einen Pumpe über mindestens ein Vertikalrohr in
mindestens einer der Multifunktionsbohrungen aus der Horizontalbohrung abgepumpt und
durch die mindestens eine Rückleitung zum Startpunkt gefördert wird, Verankern des
Schutzrohres im Boden durch Verpressen von Bindemittel in die Horizontalbohrung durch
mindestens eine Bindemittelpumpe und mindestens ein Vertikalrohr in mindestens einer
Multifunktionsbohrung, wobei die vom Bindemittel verdrängte Bohrflüssigkeit von der
mindestens einen Pumpe über mindestens ein Vertikalrohr in mindestens einer der Multifunktionsbohrungen
aus der Horizontalbohrung abgepumpt und durch die mindestens eine Rückleitung zum
Startpunkt gefördert wird, Rückbauen der Multifunktionsbohrungen, der mindestens einen
Pumpe, der mindestens einen Rückleitung und Einbringen eines Zugmittels in das Schutzrohr,
Einziehen des Kabels in das Schutzrohr mittels des Zugmittels.
[0039] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung ist eine
Vorrichtung zur grabenlosen Verlegung eines Kabels im Boden vorgesehen, mit Mitteln
für insbesondere vertikal ausgerichtete Multifunktionsbohrungen in einem vorgegebenen
Abstand zueinander von einer Geländeoberfläche bis unterhalb einer vorgegebenen Bohrlinie,
wobei die Bohrlinie zwischen einem Startpunkt und einem Zielpunkt durch den Boden
verläuft, mindestens einer Pumpe, mindestens einer Rückleitung vom Startpunkt bis
zum Zielpunkt, Mitteln für eine Horizontalbohrung entlang der vorgegebenen Bohrlinie,
einem steuerbaren Bohrkopf, einem Bohrgestänge, einer Bohrflüssigkeit, einem Schutzohr,
einem Räumer, einer Zuleitung, einem Ziehkopf, einem Zugmittel und einem Bindemittel.
[0040] Zusammengefasst werden zur grabenlosen Verlegung eines Kabels oder eines Rohres in
einem Boden ein Verfahren und dabei einsetzbare Vorrichtungen vorgeschlagen, wobei
insbesondre das Verfahren eine Erstellung vertikaler Multifunktionsbohrungen entlang
einer Bohrlinie im Boden vorsieht, über welche bei der anschließenden Durchführung
einer gesteuerten Horizontalbohrung die eingesetzte Bohrflüssigkeit abgeführt und
nach Einzug eines Schutzrohres in die Horizontalbohrung Bindemittel zum Verankern
des Schutzrohrs im Boden zugeführt wird, gefolgt von einem Einziehen des Kabels in
das im Boden verankerte Schutzrohr.
[0041] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung werden zur grabenlosen Verlegung eines Kabels
oder Rohres im Boden unter anderem ein Bohrkopf und ein Bohrgestänge vorgesehen, wobei
das Bohrgestänge einem, insbesondere etwa 250 m langen, vorderen Abschnitt (direkt)
hinter dem Bohrkopf und einem daran anschließenden, vorzugsweise bis zum Startpunkt
reichenden hinteren Abschnitt aufweist, wobei der Bohrkopf einen Durchmesser von vorzugsweise
300-500 mm und der erste, vordere Abschnitt des Bohrgestänges einen Durchmesser von
vorzugsweise 100-150 mm und der zweite, hintere Abschnitt des Bohrgestänges einen
Durchmesser von vorzugsweise 150-200 mm aufweisen.
[0042] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird zur grabenlosen Verlegung eines Kabels
im Boden ein aus einzelnen Rohrelementen gefertigtes Schutzrohr vorgesehen, wobei
die Verbindung der einzelnen Rohrelemente des Schutzrohrs durch Schrauben und/oder
Kleben und/oder Klammern und/oder Schweißen geschieht und die Verbindung eine ähnlich
hohe Zugkraft übertragen kann wie die einzelnen Rohrelemente selbst und die Verbindung
bis etwa 3 bar druckdicht ist und im Inneren der Verbindung keine Wülste entstehen.
[0043] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird zur grabenlosen Verlegung eines Kabels
oder Rohres im Boden ein Bindemittel mit einem thermischen Widerstand von < 1,2 Km/W
und einer einaxialen Druckfestigkeit > 1 N/mm
2 vorgesehen.
[0044] Insbesondere im Bereich des Verlegens von Energiekabeln, aber auch in anderen Zusammenhängen,
ist es von Interesse mehrere Kabel oder Rohre mit einem parallelen Verlauf zu verlegen.
[0045] Bei einer nachfolgenden Bohrung, die nahe am Verlauf einer vorherigen Bohrung verläuft,
kann es unter Umständen zu einer unerwünschten Wechselwirkung mit der vorherigen Bohrung
kommen, da durch die vorherige Bohrung der Boden bereits gestört und damit geschwächt
ist. Insbesondere wenn hohe Bohrflüssigkeitsdrücke auftreten, kann es zu einem Durchbruch
der Bohrflüssigkeit durch den Boden zur benachbarten Bohrung kommen, wobei dann ein
wesentlicher Verlust an Bohrflüssigkeit zur einen unkontrollierten Abfluss auftreten
kann.
[0046] Werden mehrere Bohrungen nacheinander vorgenommen, ist damit ein entsprechender Zeitaufwand
verbunden, da für jede Bohrung im Wesentlichen dieselben Schritte wiederholt werden.
Werden, bei entsprechend höheren Geräteaufwand die Bohrungen parallel vorgenommen,
besteht eine Problematik darin, dass durch den räumlichen Aufwand der Geräte die gleichzeitigen
Bohrungen einen gewissen Mindestabstand aufweisen müssen.
[0047] Selbst wenn dies dadurch adressiert wird, dass parallel verlaufende Bohrungen aus
einander entgegengesetzten Richtungen vorgenommen werden, besteht noch immer eine
Problematik darin, dass die Bohrverläufe auch parallel sein sollen.
[0048] Insbesondere im Bereich von Energiekabeln ist ein Abstand in einem Bereich von einem
Mindestabstand bis zu einem Maximalabstand einzuhalten, vorzugsweise in Form eines
definierten oder vorgegebenen Abstands, wobei es angesichts der mit einer breiteren
Trasse verbundenen Konsequenzen wünschenswert ist, den tatsächlichen Abstand möglichst
nahe an dem definierten oder vorgegebenen Abstand zu halten.
[0049] Eine Möglichkeit, mit recht hoher Genauigkeit eine parallele Verlegung von Kabeln
zu erreichen, besteht darin, dass ein Schutzrohr von ausreichender Größe vorgesehen
ist, in das die Kabel in dem gewünschten Abstand eingezogen werden können. Ein derartiges
Schutzrohr hat dann allerdings einen Durchmesser, der sich im Wesentlichen aus dem
gewünschten Abstand ergibt, wobei der Bohraufwand - sofern angesichts der Bodenverhältnisse
und/oder der gewünschten Verlegetiefe überhaupt machbar - entsprechend erhöht.
[0050] Ein der vorliegenden Erfindung zugrundeliegendes Ziel ist es, eine effiziente und
vielseitige Verlegemöglichkeit zum parallelen Verlegen von Kabeln und/oder Rohren
vorzusehen, die die oben beschriebenen Probleme vermeidet oder zumindest verringert.
[0051] Es ist daher gewünscht, eine Lösung vorzustellen, die mit geringem apparativem und
räumlichem Aufwand erlaubt, Kabel und/oder Rohr mit einem parallelen Verlauf in der
Nähe zueinander zu verlegen.
[0052] Erfindungsgemäß wird nach einem dritten Aspekt der vorliegenden Erfindung ein Ziehkopf
zur parallelen grabenlosen Rohr- und/oder Kabelverlegung in einem Boden vorgeschlagen,
wie er in Anspruch 1 definiert ist, nämlich mit einem vorderen Anschlusselement zur
Kopplung des Ziehkopfs mit einer Zugeinrichtung in einem Pilotbohrloch oder mit einer
Bohreinrichtung für ein Pilotbohrloch und wenigstens zwei hinteren Anschlusselementen
zur jeweiligen Kopplung des Ziehkopfs mit einem zu verlegenden Rohr oder Kabel, wobei
wenigstens eines der hinteren Anschlusselemente gegenüber dem vorderen Anschlusselement
parallel quer zu einer Zugrichtung versetzt angeordnet ist, wobei der Ziehkopf zwischen
wenigstens einem hinteren Anschlusselement und dem vorderen Anschlusselement einen
Durchtrittsbereich aufweist, der für beim Verlegen aus einem Bereich neben dem Pilotbohrloch
zwischen die hinteren Anschlusselemente versetztes Bodenmaterial durchlässig ist.
[0053] Erfindungsgemäß wird nach einem vierten Aspekt ein Verfahren zur parallelen grabenlosen
Rohr- und/oder Kabelverlegung in einem Boden vorgeschlagen, wie es in Anspruch 12
definiert ist, nämlich mit den Schritten eines Erstellens eines Pilotbohrlochs im
Boden, eines Koppelns eines Ziehkopfes mit einer sich durch das Pilotbohrloch erstreckenden
Zugeinrichtung, eines Koppelns des Ziehkopfes mit den zu verlegenden Rohren und/oder
Kabeln und eines Ziehens des Ziehkopfes mit daran angekoppelten Rohren und/oder Kabeln
durch das Pilotbohrloch mittels der Zugeinrichtung, wobei beim Ziehen des Ziehkopfes
durch den Ziehkopf und/oder die angekoppelten Rohre und/oder Kabel neben dem Pilotbohrloch
befindliches Bodenmaterial durch einen Durchtrittsbereich des Ziehkopfes hindurch
in einen Bereich zwischen den angekoppelten Rohren und/oder Kabeln versetzt wird.
[0054] Erfindungsgemäß wird nach einem fünften Aspekt ein Verfahren zur parallelen grabenlosen
Rohr- und/oder Kabelverlegung in einem Boden vorgeschlagen, wie es in Anspruch 14
definiert ist, nämlich mit den Schritten eines Koppelns eines Ziehkopfes mit einer
Bohreinrichtung zur Erstellung eines Pilotbohrlochs im Boden, eines Koppelns des Ziehkopfes
mit den zu verlegenden Rohren und/oder Kabeln und Vortreiben des Ziehkopfes mit daran
angekoppelten Rohren und/oder Kabeln durch das Pilotbohrloch mittels der Bohreinrichtung
beim Bohren des Pilotbohrlochs, wobei beim Vortreiben des Ziehkopfes durch den Ziehkopf
und/oder die angekoppelten Rohre und/oder Kabel neben dem Pilotbohrloch befindliches
Bodenmaterial durch einen Durchtrittsbereich des Ziehkopfes hindurch in einen Bereich
zwischen den angekoppelten Rohren und/oder Kabeln versetzt wird.
[0055] Dem dritten, vierten und fünften Aspekt der Erfindung liegt die Erkenntnis zu Grunde,
dass es durch geeignete Maßnahmen möglich ist, ein (einzelnes) Pilotbohrloch in mehrere
"Nutzbohrlöcher" umzuformen, wenn hier Bodenmaterial so umgelagert wird, dass es aus
dem Bereich der "Nutzbohrlöcher" in den Bereich des ursprünglichen Pilotbohrlochs
"verschoben" wird.
[0056] Hierbei ist es einerseits möglich, ein bereits erstelltes Pilotbohrloch im Rahmen
eines Zugverfahrens zu nutzen, während es andererseits auch vorgesehen sein kann,
zugleich bei der Erstellung des Pilotbohrlochs auch die parallele Verlegung vorzusehen.
[0057] In einer vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung ist das vordere
Anschlusselement für ein Aufweiten des Pilotbohrlochs ausgestaltet.
[0058] Wenn es die Bodenbeschaffenheit erlaubt, ein entsprechendes Aufweiten vorzunehmen,
kann durch dieses Aufweiten beim Einziehen der parallel zu verlegenden Kabel bzw.
Rohre entsprechender Aufwand beim Erstellen des Pilotbohrlochs eingespart werden.
[0059] In einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung ist der
Ziehkopf für eine Anpassung eines Abstands zwischen den hinteren Anschlusselementen
ausgestaltet, insbesondere für eine Anpassung während der Verlegung.
[0060] Wie bereits oben erläutert ist es insbesondere beim Verlegen von Energiekabeln vorgesehen
bzw. vorgeschrieben, dass diese einen Abstand voneinander aufweisen, der mit der Tiefe
zunimmt. Wenn der Ziehkopf allgemein für eine Anpassung des Abstands der hinteren
Anschlusselement ausgestaltet ist, kann dieser Ziehkopf für eine Verlegung in unterschiedlichen
Tiefen genutzt werden, ohne dass für jede Tiefe ein gesonderter Ziehkopf nötig wäre.
Wenn der Ziehkopf darüber hinaus auch eine Anpassung des Abstands während der Verlegung
erlaubt, kann das Pilotbohrloch (und damit die Verlegetiefe) im Abstand zur Oberfläche
variieren, ohne dass dies die Zulässigkeit der Verlegung in Frage stellen würde.
[0061] In einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung weist der
Ziehkopf wenigstens ein Löse- und/oder Führungselement auf, das für ein Lösen von
zu verdrängendem Bodenmaterial und/oder ein Führen von Bodenmaterial beim Verdrängen
ausgestaltet ist.
[0062] Mit einem derartigen Löse- und/oder Führungselement wird unterstützend zur Wirkung
der Anordnung der Anschlusselement Einfluss auf das Versetzen des Bodenmaterials genommen.
[0063] In einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung weist der
Ziehkopf ein Förderelement zum Fördern von Bodenmaterial durch den Durchtrittsbereich
auf, wobei das Förderelement insbesondere eine Förderschnecke umfasst.
[0064] Eine aktive Förderung von Bodenmaterial durch den Bereich des Ziehkopfes unterstützt
einerseits ebenfalls den Versatz von Bodenmaterial, wobei mit der Förderung zudem
die Möglichkeit verbunden ist, in besonderer Weise eine Verdichtung des versetzten
Bodenmaterials zu erreichen.
[0065] In einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung ist das
vordere Anschlusselement mit einem der hinteren Anschlusselemente über ein oder mehrere
Verbindungselemente verbunden, wobei sich das Verbindungselement oder die Verbindungselemente
in, neben, unter und/oder über dem Durchtrittsbereich erstrecken.
[0066] Es ist möglich, den Ziehkopf so auszugestalten, dass eines der hinteren Anschlusselemente
in der Flucht des vorderen Anschlusselements liegt, wobei dann nur ein oder mehrere
Verbindungselemente zu dem anderen hinteren Anschlusselement nötig sind, die in spezieller
Weise zum Durchtrittsbereich angeordnet sind. Es ist allerdings auch möglich, dass
beide hintere Anschlusselemente gegenüber dem vorderen Anschlusselement versetzt angeordnet
sind.
[0067] In einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung weist der
Ziehkopf ein weiteres hinteres Anschlusselement zu einer derartigen Kopplung mit einem
zu verlegenden Rohr oder Kabel auf, dass das Rohr oder Kabel innerhalb eines durch
das Pilotbohrloch definierten Bereichs zu liegen kommt, insbesondere koaxial zu einer
Mittelachse des Pilotbohrlochs.
[0068] Die Erfindung erlaubt hierbei eine breite Wahlmöglichkeit hinsichtlich des Verhältnisses
des Durchmessers des insbesondre koaxial zur Mittelachse des Pilotbohrlochs verlegten
Rohr oder Kabel zu den anderen Rohren und/oder Kabeln, wobei in jedem Fall keine Beschränkung
hinsichtlich der relativen Größenverhältnisse zueinander bestehen.
[0069] Es kann im Zusammenhang mit dem Verlegen von Energiekabeln insbesondere vorgesehen
sein, dass eine Überwachungsleitung zwischen den eigentlichen Energiekabeln verlegt
wird.
[0070] In einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung umfasst
der Ziehkopf einen Zugkraftsensor zur Erfassung einer Zugkraft, die vom Ziehkopf beim
Verlegen auf eines der zu verlegenden Rohre oder Kabel aufgebracht wird.
[0071] Die vor Ort tatsächlich auftretenden Kraftverhältnisse hängen wesentlichen mit den
jeweiligen Bodenbeschaffenheiten zusammen und lassen sich bisweilen nur schwer vorausberechnen.
Es kann beim Einziehen vorkommen, dass die Zugkräfte derart groß werden, dass die
Belastungsgrenzen der einzuziehenden Rohre und/oder Kabel erreicht werden, wobei dies
mit Hilfe eines Zugkraftsensors einfach erkannt werden kann, so dass vor einem Versagen
geeignete Maßnahme ergriffen werden können. Es ist z.B. möglich, eine zusätzliche
Grube vorzusehen, um ein weiteres Ziehen unnötig zu machen.
[0072] In einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung ist wenigstens
ein hinteres Anschlusselement mit einem Zugunterstützungselement versehen, wobei das
Zugunterstützungselement für eine verteilte Aufbringung von Zugkraft entlang einer
Längsrichtung des mit dem Anschlusselement gekoppelten Rohres oder Kabels ausgestaltet
ist.
[0073] In einer bevorzugten Variante der obigen Ausgestaltung ist das hintere Anschlusselement
mit dem Zugunterstützungselement für eine Kopplung mit einem Rohr ausgestaltet, wobei
das Zugunterstützungselement für ein Sich-Erstrecken innerhalb des gekoppelten Rohres
und einen jeweiligen Reibschluss durch mehrere Reibkörper an mehreren, in Längsrichtung
des Rohres verteilten Stellen an einer Innenseite des Rohres ausgestaltet ist.
[0074] Das Zugunterstützungselement kann beispielsweise als ein Kabel ausgestaltet sein,
dass eine (deutlich) größere Zugfestigkeit als das entsprechende zu verlegende Rohr
oder Kabel aufweist, wobei die verteilte Kraftkopplung des Zugunterstützungselement
mit dem Rohr oder Kabel die zu ziehende Länge um ein Mehrfaches verlängern kann.
[0075] In einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung weist der
Ziehkopf eine oder mehrere Schmiermitteldüsen auf, die zur Abgabe von Schmiermittel
zur Verringerung eines Reibwiderstands der zu verlegenden Rohre und/oder Kabel beim
Verlegen ausgestaltet sind.
[0076] In einer bevorzugten Variante der obigen Ausgestaltung ist der Ziehkopf für eine
Zuleitung von Schmiermittel von der Zugeinrichtung ausgestaltet.
[0077] Durch eine geeignete Zufuhr von Schmiermittel, etwa in Form von Bohrflüssigkeit,
kann die zu erreichende Zuglänge aufgrund der verringerten Reibung vergrößert werden.
[0078] In einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung weist Ziehkopf
wenigstens eine Lagesteuereinrichtung auf, die im Betrieb für eine Einwirkung auf
eine Rotationslage des Ziehkopfes oder wenigstens eines hinteren Anschlusselements
um eine Mittelachse des Pilotbohrlochs ausgestaltet ist.
[0079] In einer bevorzugten Variante der obigen Ausgestaltung weist die Lagersteuereinrichtung
verstellbare Steuerelemente an einer Außenseite des Ziehkopfes auf.
[0080] In einer weiteren bevorzugten Variante der obigen Ausgestaltung ist die Lagesteuereinrichtung
zum Bewirken einer Rotationskraft gegenüber der Zugeinrichtung ausgestaltet, so dass
zumindest ein Teil des Ziehkopfes gegenüber der Zugeinrichtung um die Mittelachse
des Pilotbohrlochs verdreht wird.
[0081] Mit Steuerungsmöglichkeiten für den Ziehkopf ergeben sich zusätzliche Freiheitsgrade
beim Verlegen und damit auch bessere Möglichkeiten, auf Bodenverhältnisse oder ähnliches
einzugehen.
[0082] In einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung sind die
hinteren Anschlusselemente zur Kopplung mit Rohren und/oder Kabeln vorgesehen, derart
dass deren Gesamtquerschnitt in einem Bereich von 80% bis 120% eines Querschnitts
des Pilotbohrlochs oder des durch den Ziehkopf aufgeweiteten Pilotbohrlochs liegt.
[0083] Ein derartiges Verhältnis der Querschnitte erlaubt einerseits einen vertretbaren
Aufwand beim Versatz von Bodenmaterial, wobei zudem eine geringe Versackungsgefahr
besteht, wenn der Querschnitt des Pilotbohrlochs nahezu oder korrekt durch den Querschnitt
der Rohre und/oder Kabel ersetzt wird.
[0084] In einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung ist der
Ziehkopf dazu ausgestaltet, eine Verlegung von im Ziehkopf vorgehaltenem Material
in das zwischen die hinteren Anschlusselemente versetzte Bodenmartial vorzunehmen,
[0085] Es kann hier beispielsweise vorgesehen werden, in das zwischen den Rohren/Kabeln
verschobene Bodenmaterial gezielt etwas einzubringen. Ein Beispiel hier ist etwa Flatterband,
wie es bisweilen auch beim offenen Graben-Verlegen mit eingelegt wird, um die Trasse
zu markieren. Eine andere Möglichkeit umfasst eine Serie von RFID-Transpondern oder
dergleichen, um die Lage der Verlegung in einer Weise zu markieren, die von Übertage
erfasst werden kann.
[0086] In einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung eines Aspekts der Erfindung ist ein
System zur parallelen grabenlosen Rohr- und/oder Kabelverlegung in einem Boden vorgesehen,
mit einem erfindungsgemäßen Ziehkopf, einer Bohreinrichtung zur Erstellung eines Pilotbohrlochs
im Boden und einer Zugeinrichtung zur Kopplung mit dem Ziehkopf und zum Ziehen des
Ziehkopfs mit daran angekoppelten Rohren und/oder Kabeln durch das Pilotbohrloch.
[0087] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist auch explizit ein System vorgesehen, das
die verschieden Aspekte miteinander kombiniert, nämlich ein System zur parallelen
grabenlosen Rohr- und/oder Kabelverlegung in einem Boden, mit einer Bohrvorrichtung
zum Erstellen einer oder mehrerer Multifunktionsbohrungen, die sich jeweils von der
Oberfläche bis zu einem Schnittpunkt mit einer zur Verlegung des Kabels oder Rohres
vorgesehenen Bohrlinie und darüber hinaus erstrecken, einer Horizontalbohrvorrichtung
zum Durchführen einer gerichteten Horizontalbohrung entlang der Bohrlinie unter Nutzung
von unter Druck zugeführter Bohrflüssigkeit, einer Fördereinrichtung zum Abfördern
von Bohrflüssigkeit aus dem durch die Horizontalbohrung erstellten Bohrloch durch
wenigstens eine der Multifunktionsbohrungen hindurch und einer Steuereinheit zur Bestimmung
der Position der einen oder mehreren Multifunktionsbohrungen und/oder zur Steuerung
der Fördereinrichtung, wobei die Horizontalbohrvorrichtung zur Erstellung eines Pilotbohrlochs
im Boden dient und das System einen erfindungsgemäßen Ziehkopf und eine Zugeinrichtung
zur Kopplung mit dem Ziehkopf und zum Ziehen des Ziehkopfs mit daran angekoppelten
Rohren und/oder Kabeln durch das Pilotbohrloch aufweist.
[0088] Hierbei sei erwähnt, dass die zur Verlegung eines Kabels oder Rohres vorgesehene
Bohrlinie in diesem Zusammenhang nicht notwendigerweise mit einer Mittelachse des
verlegten Rohres oder Kabels zusammenfallen muss.
[0089] Bei der Anwendung des erfindungsgemäßen Ziehkopf, ggf. in einer der vorteilhaften
Ausgestaltungen, lässt sich ein optimaler und gewünschter Abstand der Kabel (z.B.
konstant oder variabel in Abhängigkeit der Tiefe) mit einer minimalen Überdeckung
unter Beibehaltung einer Kurvengängigkeit (rechs/links und oben/unten) erreichen,
wobei hier geringe Kosten anfallen (insbesondere wegen einer schnellen Verlegung),
im Vergleich zu bekannten Lösungen weniger Bohrspülung und weniger Bohrklein (im Sinne
einer Abfallvermeidung) anfallen, wobei noch immer einer gute Verankerung der Rohre
oder Kabel im Boden erreichbar ist (insbesondere im Zusammenspiel mit den oben erläuterten
Bindemittelankern) und keine oder eine nur minimale Versackungsgefahr besteht.
[0090] Wird der Ziehkopf bereits bei der Erstellung des Pilotbohrlochs mit der Bohreinrichtung
gekoppelt, so ist der dann vor dem Ziehkopf angeordnete Bohrkopf der Bohreinrichtung
bevorzugt soweit größer als das hinter dem Ziehkopf angeordnete Bohrgestänge, dass
die Querschnittsdifferenz etwa dem Querschnitt der zu verlegenden Rohre und/oder Kabel
entspricht. Bei einem gegenüber einem Bohrgestänge im Durchmesser ausreichend großem
Bohrkopf können neben dem Bohrgestände dann durch den Ziehkopf die zu verlegenden
Rohre und/oder Kabel mitgeführt werden, wobei dabei auch vorgesehen sein kann, durch
das Bohrgestänge oder mindestens eines der Rohre Bohrklein abzuführen.
[0091] Die Bohrkleinabfuhr kann etwa dergestalt ablaufen, dass die beiden Zusatzrohre vorne
offen sind und die durch das Bohrgestänge zugeführte Spülung auch dazu verwendet wird,
dass in die Zusatzrohre gedrückte/gezogene Bohrklein aus diesen heraus zu spülen.
[0092] Merkmale vorteilhafter Ausführungsformen der Erfindung sind insbesondere in den Unteransprüchen
definiert, wobei weitere vorteilhafte Merkmale, Ausführungen und Ausgestaltungen für
den Fachmann zudem aus den obigen Erläuterung und der folgenden Diskussion zu entnehmen
sind.
[0093] Im Folgenden wird die vorliegende Erfindung anhand von in den Figuren dargestellten
Ausführungsbeispielen weiter illustriert und erläutert. Hierbei zeigt
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung zur Illustration eines Arbeitsschritts "Erstellung der
Multifunktionsbohrungen" eines ersten Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen Verfahrens
zur grabenlosen Verlegung eines Kabels oder Rohres im Boden,
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung zur Illustration eines Arbeitsschritts "Erstellung der
Horizontalbohrung" des ersten Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen Verfahrens
zur grabenlosen Verlegung eines Kabels oder Rohres im Boden,
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung zur Illustration eines Arbeitsschritts "Einziehen des
Schutzrohrs in die Horizontalbohrung" des ersten Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen
Verfahrens zur grabenlosen Verlegung eines Kabels oder Rohres im Boden,
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung zur Illustration eines Arbeitsschritts "Verankern des
Schutzrohrs in der Horizontalbohrung und Rückbauen der Multifunktionsbohrungen" des
ersten Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen Verfahrens zur grabenlosen Verlegung
eines Kabels oder Rohres im Boden,
- Fig. 5
- eine schematische Darstellung zur Illustration eines Arbeitsschritts "Einziehen des
Kabels in das Schutzrohr" des ersten Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen Verfahrens
zur grabenlosen Verlegung eines Kabels oder Rohres im Boden,
- Fig. 6
- eine schematische Darstellung zur Illustration einer Situation nach Abschluss des
Verfahrens zur grabenlosen Verlegung eines Kabels oder Rohres im Boden gemäß dem ersten
Ausführungsbeispiel der Erfindung,
- Fig. 7
- ein schematisches Ablaufdiagramm eines zweiten Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen
Verfahrens zur grabenlosen Verlegung eines Kabels oder Rohres im Boden,
- Fig. 8
- eine schematische Übersicht über ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Systems
zur grabenlosen Verlegung eines Kabels oder Rohres in einem Boden.
- Fig. 9
- schematische Darstellungen eines ersten Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen
Ziehkopfes,
- Fig. 10
- eine schematische Darstellung eines zweiten Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen
Ziehkopfes,
- Fig. 11
- ein schematisches Ablaufdiagramm eines Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen
Verfahrens zum parallelen Verlegen,
- Fig. 12
- eine schematische Darstellung eines dritten Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen
Ziehkopfes und
- Fig. 13
- ein schematisches Ablaufdiagramm eines weiteren Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen
Verfahrens zum parallelen Verlegen.
[0094] In den beiliegenden Zeichnungen sowie den Erläuterungen zu diesen Zeichnungen sind
einander entsprechende bzw. in Beziehung stehende Elemente - soweit zweckdienlich
- mit jeweils entsprechenden oder ähnlichen Bezugszeichen gekennzeichnet, auch wenn
sie in unterschiedlichen Ausführungsbeispielen zu finden sind.
[0095] Mit Fig. 1 wird ein erstes Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens beispielhaft
an Hand des Arbeitsschritts "Erstellung der Multifunktionsbohrungen" erläutert.
[0096] Zunächst werden an der Geländeoberfläche 20 die vertikal angeordneten Multifunktionsbohrungen
3 von oberhalb der im Boden 13 verlaufenden Bohrlinie 4 in einem Abstand 22 voneinander
erstellt. Dieser Abstand 22 wird sich in der Praxis - in Abhängigkeit von den spezifischen
Bodenbedingungen und der jeweiligen Topographie - auf eine Größenordnung zwischen
etwa 50 m und 250 m belaufen. Die Tiefe der Multifunktionsbohrungen 3 wird so festgelegt,
dass das untere Ende unterhalb der geplanten Bohrlinie 4 endet. Ein Teilbereich der
Multifunktionsbohrung 3 kann bei Bedarf mittels einer Verrohrung 25 stabilisiert werden.
Diese Verrohrung endet bevorzugt oberhalb der geplanten Bohrlinie 4. Steht im Boden
13 Grundwasser an, so wird sich der Grundwasserspiegel 26 zunächst auch in den Multifunktionsbohrungen
3 einstellen. Der aus den Multifunktionsbohrungen 3 entnommene Boden 13 wird bevorzugt
analysiert und bewertet und ist damit Basis der Auslegung des Bohrkopfs 9, des Bohrgestänges
10 und der Bohrflüssigkeit 11 zur Erstellung der Horizontalbohrung 2.
[0097] Als nächstes wird eine Rückleitung 8 von einem Startpunkt 5 bis mindestens zur letzten
Multifunktionsbohrung 3 vor dem Zielpunkt 6 errichtet. Diese Rückleitung 8 hat bevorzugt
einen Durchmesser von etwa 150 mm. Sodann wird an mindestens einer Multifunktionsbohrung
3 eine Pumpe 7 positioniert und in diese Multifunktionsbohrung 3 ein Vertikalrohr
24 eingebracht. Die Pumpe 7 wird dann sowohl mit der Rückleitung 8 (Druckseite) als
auch dem Vertikalrohr 24 (Saugseite) verbunden.
[0098] Mit Fig. 2 wird das erste Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens beispielhaft
an Hand des Arbeitsschritts "Erstellung der Horizontalbohrung" erläutert.
[0099] Die Horizontalbohrung 2 wird mittels eines steuerbaren Bohrkopfs 9, eines Bohrgestänges
10 und einer Bohrflüssigkeit 11 erstellt. Diese Vorrichtungen sowie die zur Vermessung
der Position des Bohrkopfs 9 und alle weiteren notwendigen Techniken (wie z.B. ein
Bohrgerät, eine Pumpe für die Bohrflüssigkeit etc.) sind grundsätzlich aus der Bohrindustrie
weithin bekannt und bewährt und werden deshalb nicht näher erläutert.
[0100] Im Unterschied zu dem Stand der Technik befindet sich in einer bevorzugten Ausführungsform
auch das Messsystem für die Positionsbestimmung und die Überwachung des hydraulischen
Drucks in der Horizontalbohrung 2 im Bohrkopf 9 in direkter Nähe (ca. 1 - 2 m, in
Fig. 2 nicht dargestellt) zur Ortsbrust des Bodens 13. Bedingt durch die geringe Tiefenlage
des Bohrkopfs 9 können alle Messdaten drahtlos durch den Boden 13 zur Geländeoberfläche
26 und von dort weiter zum Steuerstand der Bohranlage übertragen werden (in Fig. 2
nicht dargestellt). Dadurch wird eine sehr genaue Erstellung der Horizontalbohrung
2 entlang der Bohrlinie 4 durch exakte Positionsdaten und dadurch kurze Reaktionszeiten
für eine möglicherweise erforderliche Korrektur ermöglicht.
[0101] Auf den Kreislauf der eingesetzten Bohrflüssigkeit 11 sei besonders hingewiesen.
Die Bohrflüssigkeit 11 wird zunächst, wie üblich, durch das Bohrgestänge 10 zum Bohrkopf
9 gepumpt. Dort tritt sie in die Horizontalbohrung 2 ein und nimmt den vom Bohrkopf
9 gelösten Boden 13 auf. Im weiteren fließt sie dann durch den Ringraum zwischen Horizontalbohrung
2 und Bohrgestänge 10 in Richtung Startpunkt 5. Abweichend zu dem nach dem Stand der
Technik üblichen Fließweg bewegt sich die Bohrspülung 11 jedoch nicht durch die gesamte
Horizontalbohrung 2, sondern nur bis zu einer nahe am Bohrkopf 9 gelegenen Multifunktionsbohrung
3 und dort durch das Vertikalrohr 24, die Pumpe 7 und die Rückleitung 8 zum Startpunkt
5. Diese erzwungene Richtungsänderung der Fließbewegung der Bohrflüssigkeit 11 wird
dadurch erreicht, dass der hydraulische Druck in der betreffenden Multifunktionsbohrung
3 deutlich niedriger ist als der hydraulische Druck in der Horizontalbohrung 2 zwischen
der betreffenden Multifunktionsbohrung 3 und dem Startpunkt 5.
[0102] Der niedrige hydraulische Druck in der betreffenden Multifunktionsbohrung 3 wird
mittels der Pumpe 7 erreicht. Diejenigen Multifunktionsbohrungen 3, welche der Bohrkopf
9 bereits passiert hat, werden bevorzugt mit Bohrflüssigkeit 11 aufgefüllt, so dass
sich in diesem Bereich kein oder nur ein sehr geringes hydraulisches Druckgefälle
einstellt.
[0103] Bevorzugt - in Fig. 2 aber nicht dargestellt - kann das Bohrgestänge 10 aus einem
vorderen Abschnitt hinter dem Bohrkopf 10, der einen relativ kleinen Durchmesser aufweist
und dadurch wenig Fließwiderstand für die Bohrflüssigkeit 11 bis zur ersten Multifunktionsbohrung
3 erzeugt, und einen hinteren Abschnitt Bohrgestänge 10 erstellt werden, der bis zum
Startpunkt 5 reicht und einen relativ großen Durchmesser aufweist und dadurch hohe
Stabilität gegen Ausknicken und damit eine große übertragbare Schubkraft besitzt.
Mit Fig. 3 wird das erste Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens beispielhaft
an Hand des Arbeitsschritts "Einziehen des Schutzrohrs in die Horizontalbohrung" erläutert.
[0104] Statt des Bohrkopfs 9 wird ein Ziehkopf 18 mit dem Bohrgestänge 10 verbunden. Die
Rückseite des Ziehkopfs 18 ist mit einem Schutzrohr 12 verbunden. Durch Zurückziehen
des Bohrgestänges 10 in Richtung Startpunkt 5 wird so das Schutzrohr 12 in die Horizontalbohrung
2 eingezogen.
[0105] Die Bohrflüssigkeit 11 tritt nun am Ziehkopf 18 in die Horizontalbohrung ein und
fließt dann durch den Ringraum zwischen Horizontalbohrung 2 und Bohrgestänge 10 in
Richtung Startpunkt 5. Wie bereits bei der Erstellung der Horizontalbohrung 2 (s.o.)
wird die Bohrflüssigkeit 11 aus einer nahe am Ziehkopf 18 gelegenen Multifunktionsbohrung
3 durch das Vertikalrohr 24, die Pumpe 7 und die Rückleitung 8 zum Startpunkt 5 befördert.
Die bereits vom Ziehkopf 18 passierten Multifunktionsbohrungen 3 werden bevorzugt
bis auf Höhe des Grundwasserspiegels 26 mit Bohrflüssigkeit 11 aufgefüllt, um in diesem
Bereich eine stabile Horizontalbohrung sicherzustellen.
[0106] Je nach spezifischen Verhältnissen, insbesondere von Boden 13, Durchmesser der Horizontalbohrung
2 und Durchmesser des Schutzrohrs 12 kann während des Einziehvorgangs des Schutzrohrs
12 in die Horizontalbohrung 2 ggf. auch teilweise oder ganz auf die Zuführung frischer
Bohrflüssigkeit 11 zum Ziehkopf 18 verzichtet werden.
[0107] Mit Fig. 4 wird das erste Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens beispielhaft
an Hand des Arbeitsschritts "Verankern des Schutzrohrs in der Horizontalbohrung und
Rückbauen der Multifunktionsbohrungen" erläutert.
[0108] Mittels einer an einer Multifunktionsbohrung 3 aufgestellten Bindemittelpumpe 27
wird über ein Vertikalrohr 24 Bindemittel 14 in den Ringraum zwischen Horizontalbohrung
2 und Schutzrohr 12 eingepresst. Zur Abdichtung der betreffenden Multifunktionsbohrung
3 wird in einer bevorzugten Ausführungsform ein Packer 21 am unteren Ende der Verrohrung
25 positioniert.
[0109] Die während des Verankerns des Schutzrohrs 12 vom Bindemittel 14 verdrängte Bohrflüssigkeit
11 fließt durch den Ringraum zwischen Horizontalbohrung 2 und Schutzrohr 12 in Richtung
der nächsten Multifunktionsbohrung 3 und wird von dort durch das Vertikalrohr 24,
die Pumpe 7 und die Rückleitung 8 zum Startpunkt 5 befördert.
[0110] Diejenigen Multifunktionsbohrungen 3, in deren Bereich die Verankerung des Schutzrohrs
12 bereits abgeschlossen ist, werden zurückgebaut. Dazu wird zunächst der anfangs
entnommene Boden 13 wieder lagenweise verfüllt und anschließend die Verrohrung 25
gezogen. Damit stellen sich in diesen Bereichen wieder die gleichen Bedingungen hinsichtlich
Boden 3 und Grundwasserspiegel 26 ein wie vor Beginn der Baumaßnahme.
[0111] Mit Fig. 5 wird das erste Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens beispielhaft
an Hand des Arbeitsschritts "Einziehen des Kabels in das Schutzrohr" erläutert.
[0112] Während dieses Arbeitsschritts ist das Schutzrohr 12 mittels des eingebrachten Bindemittels
14 fest mit dem Boden 13 verbunden. Über ein in das Schutzrohr 12 eingebrachtes Zugmittel
15 wird das Kabel 1 in das Schutzrohr 12 eingezogen.
[0113] Mit Fig. 6 wird der Zustand nach Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens dargestellt.
[0114] Das Kabel 1 liegt nunmehr über die gesamte Länge vom Eintrittspunkt 5 bis zum Austrittspunkt
6 sicher im Boden 13 verankerten Schutzrohr 12. Auch der Grundwasserstand 26 hat sich
wieder auf dem gesamten Baufeld wie vor Beginn der Baumaßnahme eingestellt.
[0115] Fig. 7 zeigt ein schematisches Ablaufdiagramm eines zweiten Ausführungsbeispiels
des erfindungsgemäßen Verfahrens zur grabenlosen Verlegung eines Kabels oder Rohres
im Boden.
[0116] Zur Verknüpfung mit den Darstellungen aus Fig. 1 bis 6 werden die dort verwendeten
Bezugszeichen auch in der folgenden Erläuterung von Fig. 7 genutzt.
[0117] Das Verfahren dient vorliegende zur grabenlosen Verlegung eines Kabels 1 in einem
Boden 13 und umfasst einen Erstellschritt 50, einen Aufbauschritt 51, einen Bohrungsschritt
52, einen Einziehschritt 53, einen Verankerungsschritt 54 und einen Abschlussschritt
55.
[0118] Der Erstellschritt 50 umfasst ein Erstellen von einer oder mehreren vertikal ausgerichteten
Multifunktionsbohrungen 3 in einem vorgegebenen Abstand zueinander von einer Geländeoberfläche
20 bis unterhalb einer vorgegebenen Bohrlinie 4, wobei die Bohrlinie 4 zwischen einem
Startpunkt 5 und einem Zielpunkt 6 durch den Boden 13 verläuft.
[0119] Der Aufbauschritt 51 umfasst ein Aufbauen mindestens einer Pumpe 7 und mindestens
eines Vertikalrohrs 24 an mindestens einer der Multifunktionsbohrungen 3, ein Aufbauen
mindestens einer Rückleitung 8 vom Startpunkt 5 bis zum Zielpunkt 6 und ein Verbinden
der Rückleitung 8 mit der mindestens einen Pumpe 7.
[0120] Der Bohrungsschritt 52 umfasst ein Durchführen einer Horizontalbohrung 2 in dem Boden
13 mittels eines steuerbaren Bohrkopfs 9 und eines Bohrgestänges 10 entlang der vorgegebenen
Bohrlinie 4, wobei die für den Erstellvorgang verwendete Bohrflüssigkeit 11 vom Startpunkt
5 durch das Bohrgestänge 10 dem steuerbaren Bohrkopf 9 zugeführt wird und außerhalb
des Bohrgestänges 10 durch die Horizontalbohrung 2 zurückfließt, wobei die zurückfließende
Bohrflüssigkeit 11 von der mindestens einen Pumpe 7 über mindestens ein Vertikalrohr
24 in mindestens einer der Multifunktionsbohrungen 3 aus der Horizontalbohrung 2 abgepumpt
und durch die mindestens eine Rückleitung 8 zum Startpunkt 5 gefördert wird.
[0121] Es ist möglich, den Erstellschritt 50, den Aufbauschritt 51 und den Bohrungsschritt
52 sukzessive vorzunehmen, so dass jeweils nach Erstellen einer Multifunktionsbohrung
3 ein jeweiliger Aufbauschritt 51 und ein Bohrungsschritt 52 folgen, bis nach ausreichender
Wiederholung der Zielpunkt 6 erreicht ist. Es ist ebenso möglich, mehrere oder alle
Multifunktionsbohrungen in einem Durchgang zu erstellen, wobei dann ggf. der Aufbauschritt
51 und der Bohrungsschritt 52 entsprechend sukzessive ausgeführt werden, wobei es
hierbei wiederum ebenso möglich ist, die Multifunktionsbohrungen 3 sämtliche oder
zumindest zum Teil bereits so auszustatten, dass die Bohrung in einem Durchgang mehrere
der Multifunktionsbohrungen passieren kann.
[0122] Der Einziehschritt 53 umfasst ein Demontieren des Bohrkopfs 9 vom Bohrgestänge 10
am Zielpunkt 6 und Verbinden des Bohrgestänges 10 über einen Ziehkopf 18 mit einem
Schutzohr 12, ein Zurückziehen des Bohrgestänges 10 zum Startpunkt 5 und dabei ein
gleichzeitiges Einziehen des Schutzrohres 12 in die Horizontalbohrung 2, wobei die
zurückfließende und/oder vom Schutzrohr 12 verdrängte Bohrflüssigkeit 11 von der mindestens
einen Pumpe 7 über mindestens ein Vertikalrohr 24 in mindestens einer der Multifunktionsbohrung
3 aus der Horizontalbohrung 2 abgepumpt und durch die mindestens eine Rückleitung
8 zum Startpunkt 5 gefördert wird.
[0123] Der Verankerungsschritt 54 umfasst ein Verankern des Schutzrohres 12 im Boden 13
durch Verpressen von Bindemittel 14 in die Horizontalbohrung 2 durch mindestens eine
Bindemittelpumpe 27 und mindestens ein Vertikalrohr 24 in mindestens einer Multifunktionsbohrung
3, wobei die vom Bindemittel 14 verdrängte Bohrflüssigkeit 11 von der mindestens einen
Pumpe 7 über mindestens ein Vertikalrohr 24 in mindestens einer der Multifunktionsbohrung
3 aus der Horizontalbohrung 2 abgepumpt und durch die mindestens eine Rückleitung
8 zum Startpunkt 5 gefördert wird
[0124] Der Abschlussschritt 55 umfasst ein Rückbauen der Multifunktionsbohrungen 3, der
mindestens einen Pumpe 7, der mindestens einen Rückleitung 8, ein Einbringen eines
Zugmittels 15 in das Schutzrohr 12 und ein Verlegen des Kabels 1 in das Schutzrohr
12 mittels des Zugmittels 15.
[0125] In einer Variante des Ausführungsbeispiels (betont durch die gestrichelte Darstellung
des Blocks in der Figur) erfolgt vor dem Einziehschritt 53 ein Aufweitschritt 56 mit
einem Aufweiten der Horizontalbohrung 2 auf einen größeren Durchmesser mittels eines
Räumers 16. Es ist allerdings auch möglich, das Aufweiten der Horizontalbohrung 2
auf einen größeren Durchmesser mittels eines Räumers 16 und gleichzeitig mit dem Einziehen
des Schutzrohrs 12 in die (aufgeweitete) Horizontalbohrung 2 vorzunehmen. Es ist ebenfalls
möglich, mehrere aufeinanderfolgende Aufweitschritte vorzusehen.
[0126] In einer Weiterführung ist ein alternativer oder ergänzender Zuführschritt 57 vorgesehen,
mit einem Aufbauen mindestens einer Zuleitung 17 vom Startpunkt 5 bis mindestens zur
letzten Multifunktionsbohrung 3 vor dem Zielpunkt 6, Zuführen von Bohrflüssigkeit
11 während des Erstellens der gesteuerten Horizontalbohrung 2 und/oder während des
Aufweitens und/oder Einziehens vom Startpunkt 5 durch die Zuleitung 17 und mindestens
ein Vertikalrohr 24 in mindestens einer Multifunktionsbohrung 3 in die Horizontalbohrung
2 und/oder Zuführen von Bindemittel 14 während des Verankerns vom Startpunkt 5 durch
die Zuleitung 17 und mindestens ein Vertikalrohr 24 in mindestens einer Multifunktionsbohrung
3 in die Horizontalbohrung 2.
[0127] In einer anderen Weiterführung umfassen der Bohrungsschritt 52 und/oder der Einziehschritt
53 einen Mess- und Steuerschritt 58 mit einem Messen des hydraulischen Drucks in der
Horizontalbohrung 2 im Bereich des Bohrkopfs 9 während der Erstellung und/oder im
Bereich des Räumers 16 während des Räumens und/oder im Bereich des Ziehkopfs 18 während
des Einziehens des Schutzrohres 12 sowie in mindestens einer Multifunktionsbohrung
3 und einem Steuern der mindestens einen Pumpe 7 an mindestens einer Multifunktionsbohrung
3 an Hand der Messwerte der Drucküberwachung.
[0128] Hierbei kann insbesondere vorgesehen werden, die Ansatzpunkte und die Erstellung
der Multifunktionsbohrungen 3 während des Erstellens der Horizontalbohrung 2 basierend
auf den gemessenen Drücken in der Horizontalbohrung 2 festzulegen bzw. vorzunehmen.
[0129] Optional umfasst der Einziehschritt 53 ein Ballastieren 59 des Schutzrohres 12 während
des Einziehens in die Horizontalbohrung 2.
[0130] Fig. 8 zeigt eine schematische Übersicht über ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen
Systems zur grabenlosen Verlegung eines Kabels oder Rohres in einem Boden.
[0131] Das System 70 zur grabenlosen Verlegung eines Kabels oder Rohres in einem Boden umfasst
eine Bohrvorrichtung 71, eine Horizontalbohrvorrichtung 72, eine Fördereinrichtung
73 und eine Steuereinheit 74.
[0132] Die Bohrvorrichtung 71 dient zum Erstellen einer oder mehreren Multifunktionsbohrungen,
die sich jeweils von der Oberfläche bis zu einem Schnittpunkt mit einer zur Verlegung
des Kabels oder Rohres vorgesehenen Bohrlinie und darüber hinaus erstrecken.
[0133] Die Horizontalbohrvorrichtung 72 dient zum Durchführen einer gerichteten Horizontalbohrung
entlang der Bohrlinie unter Nutzung von unter Druck zugeführter Bohrflüssigkeit.
[0134] Die Fördereinrichtung 73 dient zum Abfördern von Bohrflüssigkeit aus dem durch die
Horizontalbohrung erstellten Bohrloch durch wenigstens eine der Multifunktionsbohrungen
hindurch.
[0135] Die Steuereinheit 74 dient zur Bestimmung der Position der einen oder mehreren Multifunktionsbohrungen
und zur Steuerung der Fördereinrichtung 73.
[0136] Fig. 9 zeigt schematische Darstellungen eines ersten Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen
Ziehkopfes, wobei Fig. 9 a) eine Sicht aus Richtung einer Zugeinrichtung auf den Ziehkopf
zeigt, während Fig. 9 b) eine Ansicht quer zur Darstellung aus Fig. 9 in teilweiser
Schnittdarstellung und teilweiser Aufsichtsdarstellung einer Anordnung des Ziehkopfs
mit Zugeinrichtung und angeschlossenen Rohren im Boden zeigt.
[0137] Der Ziehkopf umfasst ein vorderes Anschlusselement 104, das vorliegend zum Aufweiten
eines Pilotbohrlochs 103 im Boden 102 ausgestaltet ist. In der Darstellung von Fig.
9 b) ist das vordere Anschlusselement 104 mit einer Zugeinrichtung 101 gekoppelt (die
Zugrichtung ist durch einen Pfeil angedeutet). Über jeweils zwei Verbindungselemente
105 ist das vordere Anschlusselement 104 mit zwei hinteren Anschlusselementen 106
verbunden. Die hinteren Anschlusselemente 106 sind gegenüber dem vorderen Anschlusselement
parallel versetzt und mit jeweils einem Rohr 107 gekoppelt, das jeweils im Boden 102
von einem Ringraum 110 umgeben ist.
[0138] Die zwei jeweiligen Verbindungselemente 105 umgeben hierbei jeweils einen Durchtrittsbereich
109 zwischen den vorderen Anschlusselement 104 und einem hinteren Anschlusselement
106.
[0139] Die hinteren Anschlusselemente 106 weisen jeweils an ihren dem vorderen Anschlusselement
104 zugewandten Seite eine schräge Flanke auf, die nach vorn, also in Zugrichtung,
in einer Lösekante 111 endet.
[0140] Die hinteren Anschlusselement 106 sind zudem in der Kopplung mit dem jeweiligen Rohr
107 mit einem jeweiligen Zugkraftsensor 112 ausgestattet und besitzen an ihrer Ober-
und Unterseite jeweils Steuerklappen 113.
[0141] Eine beispielhafte Umsetzung sieht etwa ein Pilotbohrloch 103 mit einem Durchmesser
von 300 mm in 2 bis 4 m Tiefe vor, wobei das Pilotbohrloch 103 vorteilhafterweise
mit Multifunktionsbohrungen in einem Abstand von beispielsweise 50 bis 100 m versehen
ist, wie sie auch weiter oben diskutiert sind.
[0142] Nach Erstellen des Pilotbohrlochs 103 wird der Bohrkopf vom Bohrgestänge entfernt
und stattdessen der Ziehkopf anmontiert, wobei die hinteren Anschlusselemente 106
jeweils als Verdränger (DN 300 mm) und das vordere Anschlusselement 104 als Räumer
(DN 420 mm) ausgestaltet sind.
[0143] An den hinteren Anschlusselementen 106 sind Schutzrohre 107 (aus PEHD, 250 x 34,2
mm) angebracht, wobei der Abstand 1 m beträgt und das Pilotbohrloch mittig angeordnet
ist.
[0144] Wird nun die in Fig. 9 b) illustrierte Anordnung mittels der Zugeinrichtung 101 in
Zugrichtung gezogen, so weitet das vordere Anschlusselement 104 zunächst das Pilotbohrloch
103 auf. Im Fall des Aufweitens auf einen Durchmesser von 420 mm ergibt sich eine
Größe von 126 l/m.
[0145] Zudem wird, insbesondere durch die Lösekanten 111 und die daran anschließenden Flanke
der hinteren Anschlusselemente 106 Bodenmaterial im Boden 102 neben dem Pilotbohrloch
103 durch die Durchtrittsbereich 109 in den Bereich hinter dem vorderen Anschlusselement
104 verdrängt, so dass dort praktisch das Pilotbohrloch 103 verfüllt wird (Bezugszeichen
108), wobei durch die Umlagerung von Bodenmaterial Platz für die Rohre 107 und den
die Rohre umgebenden Ringraum 110 geschaffen wird. Der Weg ist durch gestrichelte
Pfeile illustriert.
[0146] Die Größe der Rohre 107 und die Dimensionierung der entsprechenden hinteren Anschlusselemente
106 ist hier beispielsweise so gewählt, dass die sich dabei ergebende Gesamtsumme
(2 x 70 l/m bei DN 300 mm) etwas größer als die Größe des aufgeweiteten Pilotbohrlochs
103 ist.
[0147] Die hinteren Anschlusselemente 106 sind jeweils mit Steuerklappen 113 versehen, die
beim Ziehen des Ziehkopfs eine Lagesteuerung des Ziehkopfs als Ganzem um die Längsrichtung
der Zugeinrichtung 101 erlauben. Hiermit kann entweder gezielt eine Verrollung bewirkt
oder einer ungewollten Verrollung entgegengewirkt werden.
[0148] Ferner umfassen die Anschlusselemente 106 jeweils Zugkraftsensoren 112, mit denen
die Zugbelastung der Rohre 107 gemessen werden kann. Wird beispielsweise über einen
Zugkraftsensor erkannt, die die Zugbelastung des entsprechenden Rohres 107 (z.B. aufgrund
des Reibungswiderstands im Ringraum 110) die Belastbarkeit des Rohres 107 erreicht,
so dass ein Versagen oder Abreißen des Rohres 107 bei zusätzlicher Belastung zu befürchten
ist, könnte dies dadurch adressiert werden, dass der Zugvorgang abgebrochen wird,
an der geeigneten Stelle eine neue Grube als Zugang zur Bohrlinie erstellt und von
dort aus mit einer neuen Zugvorgang fortgesetzt wird, wobei die Rohre 107 in der Grube
in bekannte Weise gekoppelt werden können.
[0149] Fig. 10 zeigt eine schematische Darstellung eines zweiten Ausführungsbeispiels eines
erfindungsgemäßen Ziehkopfes.
[0150] Wie schon beim Ausführungsbeispiel, das in Fig. 9 illustriert ist, umfasst der Ziehkopf
ein vorderes Anschlusselement 104' und zwei damit über Verbindungselemente 105' verbundene
hintere Anschlusselemente 106'. Hinsichtlich einer Erläuterung hierzu sei auf das
obige Ausführungsbeispiel verwiesen.
[0151] Abweichend vom obigen Ausführungsbeispiels ist das vordere Anschlusselement 104'
hier zudem mit einem koaxial zur Zugeinrichtung (nicht dargestellt) angeordneten weiteren
hinteren Anschlusselement 106" versehen, so dass der vorliegende Ziehkopf zum Anschluss
von drei Rohren oder Kabeln (nicht dargestellt) ausgestaltet ist.
[0152] Der Durchtrittsbereich zwischen dem vorderen Anschlusselement 104' und den äußeren
hinteren Anschlusselementen 106' ist hier jeweils mit einer Förderschnecke 114 versehen,
die den Versatz von Bodenmaterial aktiv unterstützt.
[0153] Die hinteren Anschlusselemente 106', 106" weisen an ihrem hinteren Ende jeweils Schmiermitteldüsen
118 auf, die über eine mit der Zugeinrichtung verbundene Schmiermittelaufnahme 117
im Betrieb durch die Zugeinrichtung hindurch mit Schmiermittel (etwa Bohrflüssigkeit)
versorgen werden können.
[0154] Der dargestellte Ziehkopf umfasst zudem Zugunterstützungselemente 115, die an den
hinteren Anschlusselementen 106' angeordnet sind, um sich durch an diese Anschlusselemente
106' angekoppelte Rohre zu erstrecken. Die Zugunterstützungselemente 115 sind mit
Reibkörpern 116 versehen, die eine Kraftübertragung von den Zugunterstützungselementen
115 auf das jeweilige zu ziehende Rohr erlauben, indem die Reibkörper 116 mit der
Innenwandung des Rohrs in Reibschluss treten. Damit wird die Zugkrafteinbringung auf
das Rohr auf mehrere hintereinander angeordnete Positionen verteilt.
[0155] Fig. 11 zeigt ein schematisches Ablaufdiagramm eines Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen
Verfahrens zum parallelen Verlegen.
[0156] Wie bereits oben erläutert, wie zunächst in einem Erstellungsschritt 120 ein Pilotbohrlochs
im Boden erstellt, gefolgt von einem Koppeln 121 eines Ziehkopfes mit einer sich durch
das Pilotbohrloch erstreckenden Zugeinrichtung und einem Koppeln 122 des Ziehkopfes
mit den zu verlegenden Rohren und/oder Kabeln. Die Schritte des Koppelns müssen nicht
in dieser Reihenfolge ausgeführt werden, wobei auch eine parallele Kopplung möglich
ist. Nach dem Koppeln 121, 122 wird in einem Ziehschritt 123 der Ziehkopf mit daran
angekoppelten Rohren und/oder Kabeln mittels der Zugeinrichtung durch das Pilotbohrloch
gezogen.
[0157] Beim Ziehen 123 des Ziehkopfes wird durch den Ziehkopf und/oder die angekoppelten
Rohre und/oder Kabel neben dem Pilotbohrloch befindliches Bodenmaterial durch einen
Durchtrittsbereich des Ziehkopfes hindurch in einen Bereich zwischen den angekoppelten
Rohren und/oder Kabel versetzt.
[0158] Fig. 12 zeigt eine schematische Darstellung eines dritten Ausführungsbeispiels eines
erfindungsgemäßen Ziehkopfes.
[0159] Der Ziehkopf dieses Ausführungsbeispiels umfasst, ähnlich zu den oben diskutierten
Ausführungsbeispielen ein vorderes Anschlusselement 104", das über jeweils zwei Verbindungselemente
105" mit zwei parallel versetzten hinteren Anschlusselementen 106"' verbunden ist,
so dass dazwischen ein Durchtrittsbereich 109' vorgesehen ist.
[0160] Das vordere Anschlusselement 104" ist hier allerdings zur Kopplung mit einer Bohreinrichtung
130 ausgestaltet, die einen Bohrkopf 131 und ein Bohrgestänge 132 umfasst. Der Bohrkopf
131 dient zur Erstellung des Pilotbohrlochs (hier nicht dargestellt), wobei der entsprechende
Vortrieb (und Antrieb) über das Bohrgestänge 132 eingebracht wird.
[0161] Fig. 13 zeigt ein schematisches Ablaufdiagramm eines weiteren Ausführungsbeispiels
des erfindungsgemäßen Verfahrens zum parallelen Verlegen.
[0162] Das Verfahren umfasst ein Koppeln 140 eines Ziehkopfes mit einer Bohreinrichtung
zur Erstellung eines Pilotbohrlochs im Boden, ein Koppeln 141 des Ziehkopfes mit den
zu verlegenden Rohren und/oder Kabeln und ein Vortreiben 142 des Ziehkopfes mit daran
angekoppelten Rohren und/oder Kabeln durch das Pilotbohrloch mittels der Bohreinrichtung
beim Bohren des Pilotbohrlochs.
[0163] Beim Vortreiben 142 des Ziehkopfes wird, ähnlich zum obigen Ausführungsbeispiel,
durch den Ziehkopf und/oder die angekoppelten Rohre und/oder Kabel neben dem Pilotbohrloch
befindliches Bodenmaterial durch einen Durchtrittsbereich des Ziehkopfes hindurch
in einen Bereich zwischen den angekoppelten Rohren und/oder Kabeln versetzt wird.
[0164] Die Schritte des Koppelns 140, 141 müssen nicht in dieser Reihenfolge ausgeführt
werden, wobei zudem auch eine parallele Kopplung möglich ist.
[0165] Auch wenn in den Figuren verschiedene Aspekte oder Merkmale der Erfindung jeweils
in Kombination gezeigt sind, ist für den Fachmann - soweit nicht anders angegeben
- ersichtlich, dass die dargestellten und diskutieren Kombinationen nicht die einzig
möglichen sind. Insbesondere können einander entsprechende Einheiten oder Merkmalskomplexe
aus unterschiedlichen Ausführungsbeispielen miteinander ausgetauscht werden.
Bezugszeichenliste
[0166]
- 1
- Kabel
- 2
- Horizontalbohrung
- 3
- Multifunktionsbohrung
- 4
- Bohrlinie
- 5
- Startpunkt
- 6
- Zielpunkt
- 7
- Pumpe
- 8
- Rückleitung
- 9
- Bohrkopf
- 10
- Bohrgestänge
- 11
- Bohrflüssigkeit
- 12
- Schutzrohr
- 13
- Boden
- 14
- Bindemittel
- 15
- Zugmittel
- 16
- Räumer
- 17
- Zuleitung
- 18
- Ziehkopf
- 19
- Rohrelement
- 20
- Geländeoberfläche
- 21
- Packer
- 22
- Abstand (zwischen Multifunktionsbohrungen)
- 23
- Grundwasser
- 24
- Vertikalrohr
- 25
- Verrohrung
- 26
- Grundwasserspiegel
- 27
- Bindemittelpumpe
- 50
- Erstellschritt
- 51
- Aufbauschritt
- 52
- Bohrungsschritt
- 53
- Einziehschritt
- 54
- Verankerungsschritt
- 55
- Abschlussschritt
- 56
- Aufweitschritt
- 57
- Zuführschritt
- 58
- Mess- und Steuerschritt
- 59
- Ballastieren
- 70
- System
- 71
- Bohrvorrichtung
- 72
- Horizontalbohrvorrichtung
- 73
- Fördereinrichtung
- 74
- Steuereinheit
- 101
- Zugeinrichtung
- 102
- Boden
- 103
- Pilotbohrloch
- 104
- vorderes Anschlusselement
- 104'
- vorderes Anschlusselement
- 104"
- vorderes Anschlusselement
- 105
- Verbindungselement
- 105'
- Verbindungselement
- 105"
- Verbindungselement
- 106
- hinteres Anschlusselement
- 106'
- hinteres Anschlusselement
- 106"
- hinteres Anschlusselement
- 106'"
- hinteres Anschlusselement
- 107
- Rohr / Kabel
- 108
- verfülltes Pilotbohrloch
- 109
- Durchtrittsbereich
- 109'
- Durchtrittsbereich
- 110
- Ringraum um Rohr/Kabel
- 111
- Lösekante
- 112
- Zugkraftsensor
- 113
- Steuerklappe
- 114
- Förderschnecke
- 115
- Zugunterstützungselement
- 116
- Reibkörper
- 117
- Schmiermittelaufnahme
- 118
- Schmiermitteldüse
- 120
- Erstellen des Pilotbohrlochs
- 121
- Koppeln mit Zugeinrichtung
- 122
- Koppeln mit zu verlegenden Rohren/Kabeln
- 123
- Ziehen des Ziehkopfs
- 130
- Bohreinrichtung
- 131
- Bohrkopf
- 132
- Bohrgestänge
- 140
- Koppeln von Bohreinrichtung und Ziehkopf
- 141
- Koppeln mit zu verlegenden Rohren/Kabeln
- 142
- Vortreiben des Ziehkopfs
1. Ziehkopf zur parallelen grabenlosen Rohr- und/oder Kabelverlegung in einem Boden (102),
mit:
einem vorderen Anschlusselement (104, 104') zur Kopplung des Ziehkopfs mit einer Zugeinrichtung
(101) in einem Pilotbohrloch (103) oder einer Bohreinrichtung (130) für ein Pilotbohrloch
(103) und
wenigstens zwei hinteren Anschlusselementen (106, 106', 106") zur jeweiligen Kopplung
des Ziehkopfs mit einem zu verlegenden Rohr oder Kabel (107),
wobei wenigstens eines der hinteren Anschlusselemente (106, 106') gegenüber dem vorderen
Anschlusselement (104, 104') parallel quer zu einer Zugrichtung versetzt angeordnet
ist,
wobei der Ziehkopf zwischen wenigstens einem hinteren Anschlusselement (106, 106')
und dem vorderen Anschlusselement (104, 104') einen Durchtrittsbereich (109) aufweist,
der für beim Verlegen aus einem Bereich neben dem Pilotbohrloch (103) zwischen die
hinteren Anschlusselemente (106, 106', 106") versetztes Bodenmaterial durchlässig
ist.
2. Ziehkopf nach Anspruch 1, wobei das vordere Anschlusselement (104, 104') für ein Aufweiten
des Pilotbohrlochs (103) ausgestaltet ist.
3. Ziehkopf nach einem der Ansprüche 1 oder 2, mit wenigstens einem Löse- und/oder Führungselement
(111), das für ein Lösen von zu verdrängendem Bodenmaterial und/oder ein Führen von
Bodenmaterial beim Verdrängen ausgestaltet ist.
4. Ziehkopf nach einem der Ansprüche 1 bis 3, mit wenigstens einem Förderelement (114)
zum Fördern von Bodenmaterial durch den Durchtrittsbereich, wobei das Förderelement
insbesondere eine Förderschnecke (114) umfasst.
5. Ziehkopf nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei das vordere Anschlusselement (104,
104') mit einem der hinteren Anschlusselemente über ein oder mehrere Verbindungselemente
(105, 105') verbunden ist, wobei sich das Verbindungselement (105, 105') oder die
Verbindungselemente (105, 105') in, neben, unter und/oder über dem Durchtrittsbereich
(109) erstrecken.
6. Ziehkopf nach einem der Ansprüche 1 bis 5, mit einem weiteren hinteren Anschlusselement
(106") zu einer derartigen Kopplung mit einem zu verlegenden Rohr oder Kabel (107),
dass das Rohr oder Kabel (107) innerhalb eines durch das Pilotbohrloch (103) definierten
Bereichs zu liegen kommt, insbesondere koaxial zu einer Mittelachse des Pilotbohrlochs
(103).
7. Ziehkopf nach einem der Ansprüche 1 bis 6, mit einem Zugkraftsensor (112) zur Erfassung
einer Zugkraft, die vom Ziehkopf beim Verlegen auf eines der zu verlegenden Rohre
oder Kabel (109) aufgebracht wird.
8. Ziehkopf nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei wenigstens ein hinteres Anschlusselement
(106') mit einem Zugunterstützungselement (115) versehen ist, wobei das Zugunterstützungselement
(115) für eine verteilte Aufbringung von Zugkraft entlang einer Längsrichtung des
mit dem Anschlusselement (106') gekoppelten Rohres oder Kabels (107) ausgestaltet
ist,
wobei das hintere Anschlusselement (106') mit dem Zugunterstützungselement insbesondere
für eine Kopplung mit einem Rohr (107) ausgestaltet ist, wobei das Zugunterstützungselement
(115) für ein Sich-Erstrecken innerhalb des gekoppelten Rohres (107) und einen jeweiligen
Reibschluss durch mehrere Reibkörper (116) an mehreren, in Längsrichtung des Rohres
(107) verteilten Stellen an einer Innenseite des Rohres (107) ausgestaltet ist.
9. Ziehkopf nach einem der Ansprüche 1 bis 8, mit wenigstens einer Lagesteuereinrichtung
(113), die im Betrieb für eine Einwirkung auf eine Rotationslage des Ziehkopfes oder
wenigstens eines hinteren Anschlusselements (106) um eine Mittelachse des Pilotbohrlochs
(103) ausgestaltet ist.
10. Ziehkopf nach einem der Ansprüche 1 bis 9, wobei die hinteren Anschlusselemente (106,
106', 106") zur Kopplung mit Rohren und/oder Kabeln (107) vorgesehen sind, derart
dass deren Gesamtquerschnitt in einem Bereich von 80% bis 120% eines Querschnitts
des Pilotbohrlochs (103) oder des durch den Ziehkopf aufgeweiteten Pilotbohrlochs
(103) liegt.
11. System zur parallelen grabenlosen Rohr- und/oder Kabelverlegung in einem Boden, mit,
einem Ziehkopf nach einem der Ansprüche 1 bis 10,
einer Bohreinrichtung zur Erstellung eines Pilotbohrlochs (103) im Boden und einer
Zugeinrichtung (101) zur Kopplung mit dem Ziehkopf und zum Ziehen des Ziehkopfs mit
daran angekoppelten Rohren und/oder Kabeln (107) durch das Pilotbohrloch (103).
12. Verfahren zur parallelen grabenlosen Rohr- und/oder Kabelverlegung in einem Boden,
mit den Schritten:
Erstellen (120) eines Pilotbohrlochs (103) im Boden (102),
Koppeln (121) eines Ziehkopfes mit einer sich durch das Pilotbohrloch (103) erstreckenden
Zugeinrichtung (101),
Koppeln (122) des Ziehkopfes mit den zu verlegenden Rohren und/oder Kabeln (107) und
Ziehen (123) des Ziehkopfes mit daran angekoppelten Rohren und/oder Kabeln (107) durch
das Pilotbohrloch (103) mittels der Zugeinrichtung (101),
wobei beim Ziehen des Ziehkopfes durch den Ziehkopf und/oder die angekoppelten Rohre
und/oder Kabel (109) neben dem Pilotbohrloch (103) befindliches Bodenmaterial durch
einen Durchtrittsbereich (109) des Ziehkopfes hindurch in einen Bereich zwischen den
angekoppelten Rohren und/oder Kabeln (109) versetzt wird.
13. Verfahren nach Anspruch 12,
wobei das Erstellen des Pilotbohrlochs umfasst:
Erstellen (50) von einer oder mehreren Multifunktionsbohrungen (3), die sich jeweils
von der Oberfläche (20) bis zu einem Schnittpunkt mit einer zur Verlegung des Kabels
(1) oder Rohres (12) vorgesehenen Bohrlinie (4) und darüber hinaus erstrecken, und
Durchführen (52) einer gerichteten Horizontalbohrung (2) entlang der Bohrlinie (4)
unter Nutzung von unter Druck zugeführter Bohrflüssigkeit (11),
wobei bei einem entsprechenden Bohrfortschritt Bohrflüssigkeit (11) aus dem durch
die Horizontalbohrung (2) erstellten Bohrloch durch wenigstens eine der Multifunktionsbohrungen
(3) hindurch abgefördert wird.
14. Verfahren zur parallelen grabenlosen Rohr- und/oder Kabelverlegung in einem Boden,
mit den Schritten:
Koppeln (140) eines Ziehkopfes mit einer Bohreinrichtung (130) zur Erstellung eines
Pilotbohrlochs (103) im Boden,
Koppeln (141) des Ziehkopfes mit den zu verlegenden Rohren und/oder Kabeln (107) und
Vortreiben (142) des Ziehkopfes mit daran angekoppelten Rohren und/oder Kabeln (107)
durch das Pilotbohrloch (103) mittels der Bohreinrichtung (130) beim Bohren des Pilotbohrlochs
(103),
wobei beim Vortreiben (142) des Ziehkopfes durch den Ziehkopf und/oder die angekoppelten
Rohre und/oder Kabel (109) neben dem Pilotbohrloch (103) befindliches Bodenmaterial
durch einen Durchtrittsbereich (109) des Ziehkopfes hindurch in einen Bereich zwischen
den angekoppelten Rohren und/oder Kabeln (109) versetzt wird.