Technischer Hintergrund
[0001] Die Erfindung betrifft eine Druckmaschine mit einem Druckaggregat zum Aufbringen
lösungsmittelhaltiger Druckfarbe auf einem Bedruckstoff, einer Transporteinrichtung
zum Transport des Bedruckstoffs von dem Druckaggregat zu einer Trocknereinheit, die
mindestens einen Infrarotstrahler zum Trocknen des Bedruckstoffs umfasst.
Stand der Technik
[0002] Zum Bedrucken bogenförmiger oder bahnförmiger Bedruckstoffe aus Papier, Pappe, Folie
oder Karton mit Druckfarben werden beispielsweise Offset-Druckmaschinen, lithographische
Druckmaschinen, Rotationsdruckmaschinen oder Flexo-Druckmaschinen eingesetzt. Typische
Inhaltsstoffe von Druckfarben sind Öle, Harze und Bindemittel. Bei UV-härtbaren Druckfarben
beruhen Härtung und Haftung auf dem Bedruckstoff auf Polymerisation, die durch Photoinitiation
mittels UV-Licht ausgelöst wird. Bei lösungsmittelhaltigen und vor Allem wasserhaltigen
Druckfarben und Lacken ist ein Trocknen erforderlich, das sowohl auf physikalischen
als auch auf chemischen Trocknungsprozessen beruhen kann. Physikalische Trocknungsprozesse
umfassen das Verdunsten von Lösungsmitteln und deren Diffusion in den Bedruckstoff,
was auch als "Wegschlagen" bezeichnet wird. Unter chemischer Trocknung wird die Oxidation
beziehungsweise Polymerisation von Druckfarben-Inhaltsstoffen verstanden.
[0003] Zwischen physikalischer und chemischer Trocknung gibt es Übergänge. So kann beispielsweise
das Wegschlagen der Lösungsmittel eine Annäherung monomerer Harzmoleküle bewirken,
so dass diese gegebenenfalls einfacher polymerisieren. Trocknungsvorrichtungen zum
Trocknen des bedruckten Bedruckstoffs dienen somit zum Entfernen von Lösungsmittel
und/oder zum Auslösen von Vernetzungsreaktionen.
[0004] Die
DE 10 2005 046 230 A1 beschreibt eine Rotationsdruckmaschine mit einem Druckwerk zum Bedrucken eines Druckbogens
mit Druckfarbe, einer Lackiereinrichtung zum Aufbringen eines Lackes auf dem bedruckten
Druckbogen. Im Bereich des Bogenweges sind dem Druckwerk und der Lackiereinrichtung
IR-Strahlung emittierende Trocknungseinrichtungen in Form von Infrarotstrahlern nachgeordnet,
die auch als Carbonstrahler ausgeführt sein können.
[0005] EP 0 495 770 A1 betrifft einen Infrarotstrahler mit einer Trägerplatte, auf welcher wenigstens eine
Leiterbahn aus einem Werkstoff, der durch elektrische Energie Wärme erzeugt, angeordnet
ist.
Technische Aufgabenstellung
[0006] Bei derartigen Infrarotstrahlern ist ein Heizfilament aus Carbon oder Wolfram in
Wendel- oder Bandform in ein inertgasgefülltes Strahlerrohr eingeschlossen, das meist
aus Quarzglas gefertigt ist. Die Heizfilamente sind mit elektrischen Anschlüssen verbunden,
die über ein Ende oder beiden Enden des Strahlerrohres eingeführt werden.
[0007] Die Heizfilamente selbst haben zwar eine sehr geringe thermische Masse und damit
eine schnelle Reaktionszeit im Bereich von 1 bis 2 Sekunden. Bis jedoch das gesamte
IR-Trocknersystem aus Quarzrohr, Filament, elektrische Anschlüssen und einem Reflektor
im thermischen Gleichgewicht ist, können mehrere Minuten vergehen.
[0008] Da der Bedruckstoff in modernen Rotationsdruckmaschinen mit einer Bahngeschwindigkeit
von 3 bis 5 m/s läuft und diese Geschwindigkeit zu Beginn bereits vorhanden ist, können
bis zum Erreichen des thermischen Gleichgewichts bis zu 1500 m Bedruckstoff verloren
gehen. Bei wechselnden individuellen Bedruckprozessen entstehen diese Verluste bei
jedem Druckvorgang neu.
[0009] Je höher die elektrische Leistung der Quarzrohrstrahler ist, umso schneller erreichen
sie die Temperatur des IR-Trocknersystems. Die Erhöhung der Leistung erhöht aber nicht
nur die vom Infrarotstrahler abgestrahlte Energiemenge, was zu einer Überhitzung des
Bedruckstoffs führen kann, sondern sie verändert auch die Hauptwellenlänge der abgegebenen
Strahlung, die sich in Richtung des kurzwelligen Spektralbereichs verschiebt.
[0010] Bei wasserbasierten Druckfarben ist es wünschenswert, dass die Emissions-Hauptwellenlänge
der Infrarotstrahler zur Absorptionscharakteristik des Wassers passt, also bei etwa
2,75 µm liegt. Die bisherigen kommerziellen Infrarotstrahler weisen daher entweder
ein daran angepasstes Emissionsspektrum auf; dann haben sie aber eine geringe elektrische
Leistung und benötigen für eine hinreichend große Strahlungsleistung eine vergleichsweise
große Abstrahlungsfläche und dementsprechend eine große Wärmekapazität, welche wiederum
vergleichsweise lange Aufheiz- und Abkühlzeiten des Infrarotstrahlers und somit Reaktionsträgheit
der Trocknereinheit bedingt. Oder die Infrarotstrahler haben eine hohe elektrische
Leistung und eine geringe Reaktionsträgheit; dann ist ihr Emissionsspektrum aber nicht
optimal an die Absorptionscharakteristik des Wassers angepasst.
[0011] Häufig bilden mehrere nebeneinander liegende Infrarot-Strahlerrohre einen Flächenstrahler.
Um dabei eine homogene Abstrahlung auf dem Bedruckstoff zu erhalten, sollte der Abstand
zwischen dem Flächenstrahler und dem Bedruckstoff mindestens dem 1,5-fachen Mittenabstand
zwischen den Einzel-Strahlerrohren betragen, wenn die Strahlerrohr-Längsachsen in
Transportrichtung des Bedruckstoffs ausgerichtet sind. Dieser vergleichsweise hohe
Mindestabstand zwischen Flächenstrahler und Bedruckstoff führt zu einer geringen effektiven
Strahlungsintensität auf der Bedruckstoff-Ebene, was die Reaktionszeit verlängert,
innerhalb der die erforderliche Strahlungsleistung auf dem Bedruckstoff aufgebracht
ist.
[0012] Eine schnelle Reaktionszeit ist aber insbesondere bei Mehrfarbdruck erforderlich,
bevor der Bedruckstoff entweder mit der nächsten Farbe bedruckt oder durch einen Lackauftrag
veredelt wird oder in der Druckmaschine zum Zwecke des Bedruckens der Rückseite gewendet
wird. Denn aufgrund der relativ kurzen Zeit, in denen der Bedruckstoff zwischen den
Druckwerken verweilt, muss die erforderliche Strahlungsleistung auf den Bedruckstoff
einwirken, ohne das Druckbild durch Überhitzung beschädigt wird.
[0013] Darüber hinaus müssen sowohl kurz- als auch mittewellige Infrarotstrahler mit einer
Emissionswellenlänge im Bereich von etwa 1000- 2750 nm insbesondere in engen Bauräumen,
wie sie für Druckmaschine typisch sind, aktiv gekühlt werden, um sie vor Überhitzung
zu schützen. Häufig wird dafür ein Kühlluftstrom erzeugt, der die Infrarotstrahler
direkt anbläst. Es hat sich aber gezeigt, dass sich am Infrarotstrahler vorbeiströmende
Kühlluft mit warmer Prozessluft, die unter anderem dem Abtransport von Feuchtigkeit
dient interagiert und dadurch die Temperatur am Bedruckstoff verändert und den Abtransport
von Feuchtigkeit vermindert.
[0014] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Druckmaschine mit einer Trocknereinrichtung
bereitzustellen, die für die Trocknung lösungsmittelhaltiger und insbesondere wasserbasierter
Druckfarbe hinsichtlich Homogenität und Schnelligkeit der Trocknung verbessert ist
und bei der die Trocknereinheit ohne aktive Kühlung des Infrarotstrahlers auskommt.
Allgemeine Beschreibung der Erfindung
[0015] Diese Aufgabe wird ausgehend von einem Infrarotstrahler der eingangs genannten Gattung
erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass der Infrarotstrahler als flächiges Heizelement
aus einem dielektrischen und bei Erwärmung Infrarotstrahlung emittierenden Heizelement-Werkstoff
ausgebildet ist, das eine dem zu trocknenden Bedruckstoff zugewandte Heizfläche und
eine Kontaktierungsfläche aufweist, auf der eine Heizleiter-Leiterbahn aus einem elektrisch
leitenden, edelmetallhaltigen Widerstandsmaterial aufgebracht ist, die mit einer elektrische
Kontaktierung zu einer einstellbaren Stromquelle verbunden ist.
[0016] Bei der erfindungsgemäßen Druckmaschine umfasst die Infrarot-Trocknereinheit mindestens
ein Heizelement, das eine dem zu trocknenden Bedruckstoff zugewandte Heizfläche aufweist.
Die Heizfläche emittiert Infrarotstrahlung in Richtung auf den Bedruckstoff. Sie ist
flächig und im einfachsten Fall eben ausgeführt, sie kann aber auch eine Struktur
und eine von der Planheit abweichende flächige geometrische Form aufweisen. Die Ebenheit
der Heizfläche ergibt ein gleichermaßen ebenes Strahlungsfeld und ermöglich das Einstellen
eines kurzen Abstandes zwischen Bedruckstoff und Heizelement. Dies trägt zur Homogenität
und Schnelligkeit der Trocknung bei; wie weiter unten noch näher erläutert.
[0017] Das Heizelement besteht mindestens teilweise aus einem dielektrischen Werkstoff.
Dieser ist elektrisch nicht leitend und daher nicht ohne weiteres durch direkten Stromdurchfluss,
sondern durch Wärmeleitung über die Leiterbahn des Heizleiters erwärmbar. Die Leiterbahn
dient somit unmittelbar zur Erwärmung des Heizelements. Infolge der Erwärmung emittiert
der Heizelement-Werkstoff Infrarotstrahlung im mittelwelligen Wellenlängenbereich,
der möglichst gut mit der Absorptionscharakteristik von Wasser übereinstimmt.
[0018] Das Heizelement bildet das eigentliche, Infrarotstrahlung emittierende Element. Es
kann mehrschichtig ausgeführt sein, es ist aber bevorzugt vollständig aus dem dielektrischen
Heizelement-Werkstoff gefertigt. Wesentlich ist, dass die mit Leiterbahn belegten
Oberflächenbereiche aus elektrisch isolierendem Werkstoff bestehen, um Überschläge
und Kurzschlüsse zwischen benachbarten Leiterbahn-Abschnitten zuverlässig zu verhindern.
[0019] Die Kontaktierung des Heizelements mit dem Heizleiter erfolgt beispielsweise über
eine der Heizfläche gegenüberliegende Kontaktierungsfläche. Diese ist in direktem
Kontakt oder in mittelbarem Kontakt - über eine elektrisch isolierende und wärmeleitende
Zwischenschicht - mit der Leiterbahn aus einem Widerstandsmaterial.
[0020] Das Widerstandsmaterial ist infrarotfähig in dem Sinne, dass es bis mindestens 1000
°C temperaturbeständig ist, im Idealfall auch in oxidativer Umgebung, dass es elektrisch
leitfähig ist, und dass sich seine elektrische Leitfähigkeit mit der Temperatur nicht
wesentlich verändert oder die Widerstandsänderung bekannt ist. Diese Bedingungen werden
insbesondere erfüllt:
- (1) von einem edelmetallhaltigen Widerstandsmaterial. Das in dieser Hinsicht bevorzugte
Widerstandsmaterial besteht zu mindestens 50 Atom-%, vorzugsweise zu mindestens 95
At.-% aus Elementen der Platingruppe. Die Platingruppe umfasst die folgenden Edelmetalle:
Ru, Rh, Pd, Os, Ir, Pt. Diese liegen in reiner Form oder als Legierung untereinander
oder mit einem oder mehreren anderen Metallen vor, insbesondere mit Au, Ag.
- (2) von Widerstandsmaterial aus hochtemperaturfestem Stahl, Tantal, einer ferritischen
FeCrAl-Legierung, einer austenitischen CrFeNi-Legierung, Siliziumcarbid, Molybdändisilicid
oder einer Molybdän-Basislegierung. Dieses Werkstoffe, insbesondere Siliziumcarbid
(SiC), Molybdändisilicid (MoSi2), Tantal (Ta), hochwarmfester Stahl oder eine ferritische FeCrAl-Legierung wie Kanthal®
(Kanthal® ist eine eingetragene Marke der SANDVIK INTELLECTUAL PROPERTY AB, 811 81
Sandviken, SE) sind an Luft oxidationsbeständig und kostengünstiger als Platingruppenmetalle.
[0021] Die Leiterbahn wird bevorzugt als Dickfilmschicht beispielsweise aus Widerstandspaste
mittels Siebdruck oder aus metallhaltiger Tinte mittels Tintenstrahldruck erzeugt
und anschließend bei hoher Temperatur eingebrannt. Die Leiterbahn verläuft beispielsweise
in einem spiral- oder mäanderförmigen Linienmuster. Das hohe Absorptionsvermögen des
Heizelement-Werkstoffs ermöglicht auch bei vergleichsweise geringer Leiterbahn-Belegungsdichte
der Heizfläche eine homogene Abstrahlung. Eine geringe Belegungsdichte ist dadurch
gekennzeichnet, dass der minimale Abstand zwischen benachbarten Leiterbahn-Abschnitten
1 mm oder mehr, bevorzugt 2 mm oder mehr beträgt. Ein großer Abstand zwischen den
Leiterbahnabschnitten vermeidet Überschläge, die insbesondere beim Betrieb mit hohen
Spannungen unter Vakuum auftreten können. Die Leiterbahn kann mindestens teilweise
mit einer Deckschicht aus einem elektrisch isolierenden und/oder optisch streuenden
Werkstoff überzogen sein. Die Deckschicht dient als Reflektor und/oder zum mechanischen
Schutz und zur Stabilisierung der Leiterbahn.
[0022] Die Heizleiter-Leiterbahn ist mit einer elektrischen Kontaktierung verbunden, über
das sie mit einem Stromkreis verbindbar ist. Vorzugsweise ist die elektrische Kontaktierung
über die elektrische Kontaktierung lösbar mit einem Stromkreis verbindbar, beispielsweise
über eine Steck-, Schraub- oder Klemmverbindung.
[0023] Die flächige Form des Heizelements und die Infrarot-Emission ermöglichen eine flächig-homogene
Abstrahlung von Infrarotstrahlung und damit einhergehend eine Reduzierung des Abstandes
zwischen dem Bedruckstoff und dem Heizelement. Dadurch gelingt es, eine höhere Strahlungsleistung
pro Flächeneinheit bereitzustellen und auch bei dünnen Heizelement -Wandstärken und/oder
bei einer vergleichsweise geringen Leiterbahn-Belegungsdichte eine homogene Abstrahlung
und ein gleichförmiges Temperaturfeld zu erzeugen.
[0024] Durch die gleichmäßige Abstrahlung und hohe Emissivität kann der Abstand zwischen
Bedruckstoff und Heizelement gering ausfallen, wodurch die Bestrahlungs-intensität
erhöht und die Effizienz entsprechend zunimmt. Der Abstand ist bevorzugt kleiner als
15 mm.
[0025] Der geringe Abstand ermöglicht hohe Leistungsdichten von mehr als 100 kW/m
2 und sogar mehr 200 kW/m
2 auf dem Bedruckstoff und führt zu einer Verringerung der Makulatur in modernen Hochleistungs-Druckmaschinen.
Bevorzugt ist das Heizelement zur Erzielung einer Leistungsdichte oberhalb von 180
kW/m
2, vorzugsweise zur Erzielung einer Leistungsdichte im Bereich von 180 kW/m
2 bis 265 kW/m
2, ausgelegt. Die Flächenleistung ist dabei definiert als die elektrische Anschlussleistung
der Leiterbahn bezogen auf die von der Leiterbahn belegte Basiskörper-Fläche.
[0026] Durch erzwungene Strömung warmer Prozessluft wird die Temperatur auf dem Bedruckstoff
reguliert und Feuchtigkeit abtransportiert. Der Abtransport von Feuchtigkeit hängt
vom Aufnahmevermögen der Prozessluft (maßgeblich bestimmt durch die Temperatur) und
deren Einwirkungsgrad auf den Bedruckstoff (maßgeblich bestimmt durch Strömungseigenschaften)
ab. Dünne Heizelemente haben eine geringe Wärmekapazität und ermöglichen schnelle
Temperaturwechsel. Eine aktive Kühlung mittels am Infrarotstrahler vorbeiströmender
Kühlluft ist daher nicht erforderlich. Dadurch werden bei Einsatz der erfindungsgemäßen
Druckmaschine Interaktionen mit der warmen Prozessluft vermieden, die sich auf deren
Temperatur und Strömungsverhalten auswirken und die die Temperatur des Bedruckstoffs
und der warmen Prozessluft verringern und so den Abtransport von Feuchtigkeit verlangsamen
würden.
[0027] Im Hinblick auf eine möglichst kurze Reaktionszeit ist die erfindungsgemäße Druckmaschine
daher vorzugsweise mit einem plattenförmigen Heizelement mit einer Plattendicke von
weniger als 10 mm ausgestattet. Die Transporteinrichtung weist eine maximale Formatbreite
für den Transport des Bedruckstoffs auf, wobei im bevorzugten Fall das Heizelement
zur Bestrahlung über die gesamte Formatbreite aus mehreren Heizelement-Teilstücken
besteht, die unabhängig voneinander elektrisch ansteuerbar sind.
[0028] Die Heizelement-Teilstücke überspannen hierbei die maximal mögliche Formatbreite
der Druckmaschine. Sie sind beispielsweise stoßförmig aneinandergesetzt. Dadurch,
dass sie getrennt voneinander schalt- und regelbar sind, können je nach Bedarf einzelne
Heizelemente zu- oder abgeschaltet werden. Durch zusätzliche thermische Trennung kann
ein Wärmeverlust durch Wärmeleitung von dem oder den eingeschalteten Heizelementen
auf das oder die nicht eingeschalteten Heizelemente vermindert werden.
[0029] Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, wenn der Heizelement-Werkstoff eine amorphe
Matrixkomponente sowie eine Zusatzkomponente in Form eines Halbleitermaterials umfasst.
[0030] Der amorphe Werkstoff, wie etwa Quarzglas, kann einfach an die für den Anwendungsfall
geeignete geometrische Gestalt gebracht werden, also beispielsweise in Form ebener,
gebogener oder gewellter Platten. Die darin eingelagerte Zusatzkomponente bildet eine
eigene amorphe oder kristalline Phase aus Halbleitermaterial, wie etwa aus Silizium.
Der Energieunterschied zwischen Valenzband und Leitungsband (Bandlückenenergie) nimmt
mit zunehmender Temperatur ab. Andererseits können bei ausreichend hoher Aktivierungsenergie
Elektronen vom Valenzband in das Leitungsband gehoben werden, was mit einem deutlichen
Anstieg des Absorptionskoeffizienten einhergeht. Die thermisch aktivierte Besetzung
des Leitungsbandes führt dazu, dass das Halbleitermaterial bei Raumtemperatur für
bestimmte Wellenlängen (wie etwa ab 1000 nm) in gewissem Umfang transparent sein kann
und bei hohen Temperaturen undurchsichtig wird. Mit steigender Temperatur des Heizelement-Werkstoffs
können daher Absorption und Emissionsgrad zunehmen. Dieser Effekt hängt unter anderem
von Struktur (amorph/kristallin) und Dotierung des Halbleiters ab. Reines Silizium
zeigt beispielsweise ab etwa 600 °C eine merkliche Emissionszunahme, die etwa ab etwa
1000 °C eine Sättigung erreicht.
[0031] Sofern das Halbleitermaterial hinreichend erwärmt wird, kann es daher einen energiereichen,
angeregten Zustand einnehmen, in dem er Infrarotstrahlung mit hoher Leistungsdichte
emittiert. In diesem Zustand bestimmt die halbleitende Zusatzkomponente maßgeblich
die optischen und thermischen Eigenschaften des Heizelements; genauer gesagt, sie
bewirkt eine Absorption im infraroten Spektralbereich (das heißt, im Wellenlängenbereich
zwischen 780 nm und 1 mm) und insbesondere eine Absorption im Wellenlängenbereich
um 2750 nm. Mit einem solchen Heizelement sind Leistungsdichten oberhalb von 180 kW/m
2, vorzugsweise Leistungsdichten im Bereich von 180 kW/m
2 bis 265 kW/m
2, erzielbar.
[0032] Ein solcher Heizelement-Werkstoff zeigt somit eine Anregungstemperatur, die mindestens
erreicht werden muss, um die thermische Anregung des Werkstoffs und damit eine hohe
Strahlungsemission zu erhalten. Die Zusatzkomponente führt dann dazu, dass der Heizelement-Werkstoff
Infrarotstrahlung emittiert. Der spektrale Emissionsgrad ε
λ lässt sich bei bekannten gerichtet-hemisphärischen spektralen Reflexionsgrad R
gh und Transmissionsgrad T
gh wie folgt berechnen:

[0034] Die mit der Zusatzkomponente dotierte Matrix hat eine höhere Wärmestrahlungs-Absorption
als dies ohne die Zusatzkomponente der Fall wäre. Dadurch ergibt sich ein erhöhter
Anteil von Energieübertragung durch Strahlung von der Leiterbahn in das Heizelement,
eine schnellere Verteilung der Wärme und eine höhere Abstrahlungsrate auf den Bedruckstoff.
Dadurch gelingt es, eine höhere Strahlungsleistung pro Flächeneinheit bereitzustellen
und auch bei dünnen Heizelement-Wandstärken und/oder bei einer vergleichsweise geringen
Leiterbahn-Belegungsdichte eine homogene Abstrahlung und ein gleichförmiges Temperaturfeld
zu erzeugen.
[0035] Im Heizelement-Werkstoff liegt die Zusatzkomponente bevorzugt mindestens zum Teil
als elementares Silizium vor und ist in einer Menge eingelagert ist, die im Heizelement-Werkstoff
für Wellenlängen zwischen 2 und 8 µm einen spektralen Emissionsgrad ε von mindestens
0,7 bei einer Temperatur von 600 °C und einen spektralen Emissionsgrad ε von mindestens
0,8 bei einer Temperatur von 1000 °C bewirkt.
[0036] Das Halbleitermaterial und insbesondere das vorzugsweise eingesetzte, elementare
Silizium bewirken daher eine Schwarzfärbung des glasigen Matrix-Werkstoffs und zwar
bei Raumtemperatur, aber auch bei erhöhter Temperatur oberhalb von beispielsweise
600 °C. Dadurch wird eine gute Abstrahlungscharakteristik im Sinne einer breitbandigen,
hohen Emission bei hohen Temperaturen erreicht. Das Halbleitermaterial bildet dabei
eine in der Matrix dispergierte, elementare Halbleiter-Phase. Diese kann mehrere Halbleiterelemente
oder Metalle enthalten (Metalle jedoch maximal bis zu 50 Gew.-%, besser nicht mehr
als 20 Gew.-%; bezogen auf den Gewichtsanteil der Zusatzkomponente).
[0037] Die Wärmeabsorption des Heizelement-Werkstoffs hängt vom Anteil der Zusatzkomponente
ab. Im Fall von Silizium sollte der Gewichtsanteil vorzugsweise mindestens 0,1% betragen.
Andererseits kann ein hoher Silizium-Anteil die chemischen und mechanischen Eigenschaften
der Quarzglas-Matrix beeinträchtigen. Im Hinblick darauf liegt der Gewichtsanteil
der Gewichtsanteil der Silizium-Zusatzkomponente bevorzugt im Bereich zwischen 0,1
und 5 %.
[0038] Bei einer bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Druckmaschine umfasst
die Trocknereinheit eine Vielzahl von Heizelementen, die in Transportrichtung des
Bedruckstoffs hintereinander angeordnet sind.
[0039] Dabei ist jeder Trocknereinheit ein Druckaggregat zugeordnet. Die größere Anzahl
von Druckaggregaten ermöglicht eine hohe Druckgeschwindigkeit und eine hohe Druckqualität.
[0040] Insbesondere bei dieser Ausführungsform der Druckmaschine hat es sich als vorteilhaft
erwiesen, wenn eine Einrichtung zur Zufuhr von Prozessluft in den Zwischenraum zwischen
dem Bedruckstoff und den Heizelementen vorgesehen ist.
[0041] Die Prozesslust dient zum Trocknen des Bedruckstoffs und dem Abtransport des aus
dem Lösungsmittels der Druckfarbe, also beispielsweise von Wasser. Um eine über die
Bahnbreie des Bedruckstoffs gleichmäßige und zeitlich gleichbleibende Trocknung des
Bedruckstoffs zu erreichen, wird eine möglichst reproduzierbare, laminare Strömung
der Prozessluft angestrebt. Dazu tragen bei der erfindungsgemäßen Druckmaschine die
flächige, vorzugsweise plane Heizfläche der Heizelemente und der enge Spalt zwischen
den Heizflächen und dem Bedruckstoff bei.
[0042] Die erfindungsgemäße Druckmaschine ist für den Rotationsdruck, Offset-Druck, Flachdruck,
Hochdruck, Siebdruck oder Tiefdruck einsetzbar. Es hat sich aber insbesondere bewährt,
wenn das Druckaggregat einen Tintenstrahldruckkopf umfasst, wobei in Transportrichtung
des Bedruckstoffs gesehen der Trocknereinheit mindestens eine mit Antriebsmotor ausgestatte
Zugwalze nachgeordnet ist.
[0043] Beim Inkjet-Druckverfahren oder Tintenstrahldruckverfahren ist die bilderzeugende
Einrichtung als Tintenstrahldruckkopf ausgeführt, der eine oder mehrere Düsen aufweist,
mittels denen Tintentropfen auf den Bedruckstoff übertragen werden. Insbesondere bei
Einsatz wasserbasierter Tinte kann es vorkommen, dass sich der Bedruckstoff verformt,
beispielsweise Wellen schlägt, was zu einer geringen Druckqualität, zu Beschädigungen
von Druckkopf und Bedruckstoff und zu einer ungleichmäßigen Trocknung des Bedruckstoffs
führen kann. Letzteres macht sich insbesondere bemerkbar, wenn - wie bei der erfindungsgemäßen
Druckmaschine einstellbar - der Abstand zwischen dem Bedruckstoff und der Trocknereinheit
sehr klein ist. Um dem entgegenzuwirken und um einen möglichst gleichmäßige und reproduzierbare
Ebenheit des Bedruckstoffs zu gewährleisten, ist in Transportrichtung des Bedruckstoffs
gesehen der Trocknereinheit mindestens eine mit eigenem Antriebsmotor ausgestatte
Zugwalze nachgeordnet.
[0044] Ist die Zugwalze gleichzeitig als Kühlwalze ausgebildet, kann der der Bedruckstoff
im Anschluss an die Trocknereinheit abgekühlt werden, was insbesondere in Anbetracht
des potenziell hohen Energieeintrags hilfreich sein kann, um Beschädigungen des Bedruckstoffs
zu minimieren.
Ausführungsbeispiel
[0045] Nachfolgend wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels und einer Patentzeichnung
näher erläutert. In der Zeichnung zeigt im Einzelnen:
- Figur 1
- einen Ausschnitt einer erfindungsgemäßen Druckmaschine mit dem Transportweg für den
Bedruckstoff durch ein Druckaggregat und eine Infrarot-Trocknereinheit in schematischer
Darstellung,
- Figur 2
- eine Ausführungsform des erfindungsgemäßen Heizelements mit einer Reflektorschicht
in schematischer Darstellung und in einer Seitenansicht,
- Figur 3
- zeigt ein Diagramm zum Anschaltverhalten eines Heizelements der Trocknereinheit,
- Figur 4
- ein Diagramm mit Emissionsspektren eines kachelförmigen Heizelements im Vergleich
zu einem herkömmlichen Infrarotstrahler mit Quarzglas-Hüllrohr und Kanthal® -Wendel,
- Figur 5
- ein Diagramm zur Verdeutlichung des Bestrahlungsprofils der auf dem Bedruckstoff auftreffenden
Infrarotstrahlung bei Einsatz der erfindungsgemäßen Druckmaschine, und
- Figur 6
- anhand zweier Diagramme (a) und (b) einen Vergleich von Homogenität und Intensität
der Bestrahlung von Bedruckstoff mittels kachelförmigem Heizelement und mittels Infrarot-Flächenstrahler
nach dem Stand der Technik.
Druckmaschine
[0046] Figur 1 zeigt schematisch eine Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Druckmaschine in Form
einer Rollen-Tintenstrahldruckmaschine, der insgesamt die Bezugsziffer 1 zugeordnet
ist. Ausgehend von einem Abwickler 2 gelangt die Materialbahn 3 aus einem Bedruckstoff,
wie beispielsweise aus Papier, zu einem Druckaggregat 40. Dieses umfasst mehrere,
entlang der Materialbahn 3 hintereinander angeordnete Tintenstrahldruckköpfe 4, durch
die auf den Bedruckstoff lösungsmittelhaltige und insbesondere wasserhaltige Druckfarben
aufgetragen werden.
[0047] In Transportrichtung 5 gesehen gelangt die Materialbahn 3 vom Druckaggregat 40 über
eine Umlenkwalze 6 anschließend zu einer Infrarot-Trocknereinheit 70. Diese ist mit
mehreren Infrarot-Heizelementen 7 bestückt, die für das Trocknen beziehungsweise Wegschlagen
des Lösungsmittels in die Materialbahn ausgelegt sind.
[0048] Der weitere Transportweg der Materialbahn 3 geht über eine Zugwalze 8, die mit eigenem
Zugantriebsmotor ausgestattet ist und über die die Einstellung der Bahnspannung erfolgt,
zu einer Aufwickelrolle 9.
[0049] Jeweils mehrere -im Ausführungsbeispiel sind es acht - Heizelemente 7 sind in einem
Heizblock zusammengefasst, der sich über die maximale Formatbreite der Druckmaschine
1 erstreckt. Die einzelnen Heizelemente 7 sind in dem Heizblock dabei stoßweise aneinander
gereiht und entsprechend der Abmessungen und Farbbelegung des Bedruckstoffs getrennt
voneinander ansteuerbar. Zwischen den einzelnen Heizelementen 7 befindet sich ein
elektrischer und thermischer Isolator. Der freie Abstand zwischen der Heizfläche der
Heizelemente und der Oberseite der Materialbahn 3 beträgt 10 mm.
[0050] Die Transportgeschwindigkeit der Materialbahn 3 wird auf 5 m/s eingestellt. Dabei
handelt es sich um eine vergleichsweise hohe Geschwindigkeit, die durch eine Optimierung
der einzelnen Bearbeitungsschritte ermöglicht wird, und die insbesondere eine hohe
Trocknungsrate erfordert. Die zum Erreichen dieser Anforderung erforderliche Trocknereinheit
70 wird im Folgenden anhand der Figuren 2 bis
5 näher erläutert.
[0051] Sofern in anderen Figuren dieselben Bezugsziffern wie in Figur 1 verwendet sind,
so sind damit baugleiche oder äquivalente Bauteile und Bestandteile bezeichnet, wie
sie oben anhand der Beschreibung der erfindungsgemäßen Druckmaschine näher erläutert
sind.
Heizelement
[0052] Bei der in
Figur 2 schematisch gezeigten Ausführungsform eines Heizelements 7 handelt es sich um einen
Infrarotstrahler mit kachelförmigem Basiskörper 20 mit planer Abstrahlfläche (Unterseite
26) und ebenso planer Oberseite 25. Auf der Basiskörper-Oberseite 25 ist eine Leiterbahn
23 aufgebracht, die wiederum in eine Reflektorschicht 24 eingebettet ist.
[0053] Der Basiskörper 20 hat Rechteckform mit einer Plattenstärke von 2,0 mm und seitlichen
Abmessungen von 10 cm x 20 cm. Es besteht aus einem Kompositwerkstoff mit einer Matrix
aus Quarzglas, in der Phasenbereiche aus elementarem Silizium homogen verteilt sind.
Der Gewichtsanteil dieser Si-Phase beträgt 2,5% und die maximalen Abmessungen der
Si-Phasenbereiche liegen im Mittel (Medianwert) im Bereich von etwa 1 bis 10 µm. Der
Kompositwerkstoff ist gasdicht, er hat eine Dichte von 2,19 g/cm
3 und er ist an Luft bis zu einer Temperatur von etwa 1200 °C stabil. Er zeigt bei
hoher Temperatur eine hohe Absorption von Wärmestrahlung und einen hohen Emissionsgrad.
[0054] Die Leiterbahn 23 wird aus einer Platin-Widerstandspaste auf der Oberseite 25 des
Basiskörpers 20 erzeugt. An beiden Enden sind Leitungen oder Klemmen zum Einspeisen
elektrischer Energie angeschweißt. Die Leiterbahn 23 zeigt einen mäanderförmigen Verlauf,
der eine Heizfläche des Basiskörpers 20 so dicht bedeckt, dass zwischen benachbarten
Leiterbahnabschnitten ein gleichmäßiger Abstand von 2 mm verbleibt. Im gezeigten Querschnitt
hat die Leiterbahn 23 Rechteckprofil mit einer Breite von 1 mm und einer Dicke von
20 µm. Infolge der geringen Dicke ist der Materialanteil des teueren Leiterbahn-Werkstoffs
(Platin) am Infrarotstrahler im Vergleich zu dessen Effizienz gering. Die Leiterbahn
23 hat direkten Kontakt mit der Oberseite 25 des Basiskörpers 20, so dass eine größtmögliche
Wärmeübertragung in den Basiskörper 20 erreicht wird. Die gegenüberliegende Unterseite
26 dient beim Einsatz des Infrarotstrahlers als Abstrahlfläche für die Wärmestrahlung.
Die Abstrahlrichtung wird vom Richtungspfeil 27 angezeigt.
[0055] Die Reflektorschicht 24 besteht aus opakem Quarzglas und hat eine mittlere Schichtdicke
zwischen 1,0-1,5 mm. Sie zeichnet sich durch Rissfreiheit und eine hohe Dichte von
etwa 2,15 g/cm3 aus und sie ist bis Temperaturen oberhalb von 1100 °C thermisch beständig.
Die Reflektorschicht 24 bedeckt den gesamten Heizbereich des Basiskörpers 20 und sie
bedeckt die Leiterbahn 23 vollständig und schirmt sie somit vor chemischen oder mechanischen
Einflüssen aus der Umgebung ab.
Messung des Anschaltverhaltens
[0056] Eine schnelle Reaktionszeit der Trocknereinheit 70 nach dem Einschalten der Druckmaschine
ist Voraussetzung für eine geringe Makulatur beim Druckprozess. Das Diagramm von
Figur 3 zeigt den zeitlichen Temperaturverlauf nach dem Anschalten des anhand Figur 2 beschriebenen
Heizelements 7. Auf der y-Achse ist eine Temperatur T
rel (in %) normiert auf eine Maximaltemperatur, die sich im Betrieb mit maximaler elektrischer
Anschlussleistung einstellt, gegen die Einschaltdauer t in Sekunden aufgetragen. T
rel wird dabei in einem Anstand von 5 mm von der Heizfläche mittels eines Thermopile-Messsensors
gemessen.
[0057] Bei Anlegen der maximalen elektrischen Anschlussleistung von bis zu 200 kW/m
2 an die Leiterbahn 23 stellt sich im Vergleich zu konventionellen mittelwelligen Infrarotstrahlern
nach kurzer Zeit die Maximaltemperatur ein, die auch im weiteren Heizprozess im Wesentlichen
konstant bleibt. Die im Vergleich zu konventionellen mittelwelligen Infrarotstrahlern
kurze Reaktionszeit reduziert die Makulatur. Außerdem erübrigt sich bei der erfindungsgemäßen
Druckmaschine 1 die Implementierung einer Luftkühlung für die Heizelemente 7. Dies
erhöht die Prozesseffizienz, da kalte Kühlluft die Temperatur des Bedruckstoffs 3
verringert und den Abtransport von Feuchtigkeit behindert. Die Kombination aus ungekühlten
Heizelementen 7 und warmer konvektiver Prozessluft zum Feuchtigkeitstransport optimiert
den Druckprozess in modernen Hochleistungsdruckmaschinen.
Messung des Emissionsgrades
[0058] Der Kompositwerkstoff zeigt bei hoher Temperatur eine hohe Absorption von Wärmestrahlung
und einen hohen Emissionsgrad. Bei Raumtemperatur wird der Emissionsgrad des Kompositwerkstoffs
unter Einsatz einer Ulbrichtkugel gemessen. Diese erlaubt die Messung des gerichtet-hemisphärischen
spektralen Reflexionsgrades R
gh und des gerichtet-hemisphärischen spektralen Transmissionsgrades T
gh, woraus der normale spektrale Emissionsgrad berechnet wird. Die Messung des Emissionsgrades
bei erhöhter Temperatur erfolgt im Wellenlängenbereich von 2 bis 18 µm mittels eines
FTIR-Spektrometers (Bruker IFS 66v FTIR), an das über eine Zusatzoptik eine BBC-Probenkammer
angekoppelt wird, anhand des oben genannten BBC-Messprinzips. Die Probenkammer verfügt
dabei in den Halbräumen vor und hinter der Probenhalterung über temperierbare Schwarzkörperumgebungen
und eine Strahlausgangsöffnung mit Detektor. Die Messproben mit einer Dicke von 2
mm werden d in einem separaten Ofen auf eine vorgegebene Temperatur aufgeheizt und
zur Messung in den Strahlengang der Probenkammer mit den auf vorgegebene Temperatur
eingestellten Schwarzkörperumgebungen verbracht. Die vom Detektor erfasste Intensität
setzt sich aus einem Emissions-, einem Reflexions- und einem Transmissionsanteil zusammen,
nämlich aus Intensität, die von der Probe selbst emittiert wird, Intensität, die vom
vorderen Halbraum auf die Probe fällt und von dieser reflektiert wird, sowie Intensität,
die vom hinteren Halbraum auf die Probe fällt und von dieser transmittiert wird. Zur
Ermittlung der einzelnen Größen Emissions-, Reflexions- und Transmissionsgrad müssen
drei Messungen durchgeführt werden.
[0059] Der am Kompositwerkstoff gemessene Emissionsgrad im Wellenlängenbereich von 2 bis
etwa 4 µm hängt von der Temperatur ab. Je höher die Temperatur ist, umso höher ist
die Emission. Bei 600 °C liegt der normale Emissionsgrad im Wellenlängenbereich von
2 bis 4 µm oberhalb von 0,7. Bei 1000 °C liegt der normale Emissionsgrad im gesamten
Wellenlängenbereich zwischen 2 und 8 µm oberhalb von 0,8.
[0060] Figur 4 zeigt das Emissionsspektrum des Heizelements 7 (Kurve A) im Vergleich zu dem Emissionsspektrum
eines herkömmlichen Infrarotstrahlers mit Quarzglas-Hüllrohr und Heizwendel aus Kanthal®
(Kurve B) bei gleicher Leistung. Auf der linken y-Achse ist die emittierte Leistung
P
rel (als auf den Maximalwert bezogener Relativwert in %) aufgetragen und auf der x-Achse
die Wellenlänge λ (in nm). Außerdem ist in das Diagramm das Transmissionsspektrum
von Wasser eingetragen (Kurve C), wobei die rechte y-Achse einen Relativwert T
H2O angibt.
[0061] Die Temperatur der Leiterbahn 23 auf dem Basiskörper 20 wird auf 1000°C eingestellt.
Der Vergleichsstrahler mit einer Kanthal®-Wendel wird ebenfalls bei einer Temperatur
von etwa 1000°C betrieben. Es zeigt sich, dass das kachelförmige Heizelement 7 im
Wellenlängenbereich 1.500 nm bis etwa 2.000 nm ein Emissionsmaximum aufweist, dass
zum Transmissionsmaximum von Wasser bei 2750 nm besser passt, als der Emissionsverlauf
des Standard-Strahlers. Daraus ergibt sich bei gleicher elektrischer Leistung und
gleichem Abstand eine um etwa 25 % höhere Leistungsdichte auf dem Bedruckstoff 3 im
Vergleich zum Standard-Infrarotstrahler.
Messung der räumlichen Homogenität der emittierten Strahlung
[0062] Die Prüfung der räumlichen Homogenität der emittierten Strahlung erfolgt nach der
IEC 62798 (2014). Dazu wird der Infrarot-Flächenstrahler in eine Prüfvorrichtung eingebaut
und auf einem verfahrbaren Tisch montiert. In einem vorgegebenen Arbeitsabstand von
10 mm zur Abstrahlfläche des Infrarotstrahlers wird die optische Leistung mittels
eines thermoelektrischen Detektors erfasst. Die Bestrahlungsstärke wird an mehreren
Messstellen in Schritten von 5 mm ermittelt. Als ausreichend homogen wird die Bestrahlungsstärke
definiert, wenn sie an 10 Messstellen um die Probenmitte um nicht mehr als +/- 5%
von dem dabei gemessen Maximalwert abweicht. Diese Art der Messung wird im Folgenden
auch als "Axialmessung" bezeichnet,
[0063] Das Diagramm von
Figur 5 veranschaulicht das Ergebnis von Axialmessungen bei Einsatz des kachelförmigen Heizelements
7. Auf der y-Achse ist eine normierte optische Leistung L (in %) aufgetragen, und
auf der x-Achse der laterale Abstand A (in mm) von einer durch den Achsen-Nullpunkt
verlaufenden Mittellinie, die sich auf die laterale Abmessung des Heizelements 7 bezieht.
[0064] Das laterale Profil der optischen Leistung ist in einem Arbeitsabstand von 10 mm
, gemessen. Dieses liegt über einen größeren Bereich um die Mittellinie vergleichsweise
homogen bei nahe 100 %. Dies zeigt sich darin, dass in einem Arbeitsbereich mit mehr
als 10 Messpunkten um die Mittellinie die optische Leistung nicht unter 95 % gegenüber
dem Maximalwert (100 %) abfällt.
[0065] Die Diagramme (a) und (b) von
Figur 6 veranschaulichen schematisch den Zusammenhang zwischen Bestrahlungs-Homogenität beziehungsweise
- Intensität und dem Abstand zwischen Strahler und Bedruckstoff sowie diesbezügliche
Unterschiede zwischen einem aus mehreren Einzelstrahlern zusammengesetzten Infrarot-Flächenstrahler
(Diagramm (a)) und dem kachelförmigen Heizelement 7 zum Einsatz in der Druckmaschine
1gemäß der Erfindung (Diagramm (b)). Auf der Ordinate der Diagramme (a) und (b) ist
dabei in relativen Einheiten jeweils die Homogenität "H" beziehungsweise die auf dem
Heizgut auftreffende Strahlungs-Intensität "I" gegen den Abstand "A" (ebenfalls in
relativer Einheit) zwischen Strahler und Bedruckstoff aufgetragen. Der Flächenstrahler
71 in Diagramm (a) wird von mehreren, nebeneinander angeordneten mittel- oder kurzwelligen
Heizstrahlern repräsentiert, deren Hüllrohre durch drei Kreise angedeutet sind. Das
kachelförmige Heizelement 7 der erfindungsgemäßen Druckmaschine ist in Diagramm (b)
durch ein schraffiertes Rechteck angedeutet. Das kachelförmige Heizelement 7 und die
flächenförmige Anordnung 71 der Carbonstrahler haben dabei die gleiche elektrische
Anschlussleistung.
[0066] Der Verlauf der Homogenität H mit dem Abstand A ist jeweils durch die gestrichelte
Kurvenlinie H, und der Verlauf der Intensität I durch die durchgezogene Kurvenlinie
angezeigt. Demnach nimmt sowohl beim Standard-Flächenstrahler 71 als auch beim kachelförmigen
Heizelement 7 die Bestrahlungs-Intensität I mit dem Abstand A in etwa gleichem Maße
ab, jedoch ist die Homogenität der Bestrahlung beim Heizelement 7 weitgehend unabhängig
vom Abstand A, wohingegen sie beim Standard-Infrarot-Flächenstrahler 71 bei kurzem
Abstand gering ist.
[0067] Die grau-schraffierte Fläche definiert schematisch einen "Arbeitsbereich", in dem
eine akzeptable Bestrahlungs-Homogenität auf dem Bedruckstoff gegeben ist. Es wird
deutlich, dass diese Homogenität beim Standard-Infrarot-Flächenstrahler 71 zwar durch
Einhaltung eines gewissen Abstandes erreichbar ist, dafür aber eine nennenswerte Einbuße
an Bestrahlungs-Intensität in Kauf genommen werden muss. Im Unterscheid dazu ermöglicht
das kachelförmige Heizelement 7 eine ausreichend hohe Homogenität auch bei sehr geringen
Abständen, bei denen gleichzeitig auch die Intensität der Strahlung hoch ist. Somit
ist die Effizienz des Heizelements 7 1 gegenüber dem Flächenstrahler 71 aus Carbon-Einzelstrahlern
- wesentlich verbessert.
1. Druckmaschine mit einem Druckaggregat zum Aufbringen lösungsmittelhaltiger Druckfarbe
auf einem Bedruckstoff, einer Transporteinrichtung zum Transport des Bedruckstoffs
von dem Druckaggregat zu einer Trocknereinheit, die mindestens einen Infrarotstrahler
zum Trocknen des Bedruckstoffs umfasst, dadurch gekennzeichnet, dass der Infrarotstrahler als flächiges Heizelement aus einem dielektrischen und bei Erwärmung
Infrarotstrahlung emittierenden Heizelement-Werkstoff ausgebildet ist, das eine dem
zu trocknenden Bedruckstoff zugewandte Heizfläche und eine Kontaktierungsfläche aufweist,
auf der eine Heizleiter-Leiterbahn aus einem elektrisch leitenden edelmetallhaltigen
Widerstandsmaterial aufgebracht ist, die mit einer elektrische Kontaktierung zu einer
einstellbaren Stromquelle verbunden ist.
2. Druckmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Heizelement plattenförmig mit einer Plattendicke von weniger als 10 mm ausgebildet
ist.
3. Druckmaschine nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Transporteinrichtung eine maximale Formatbreite für den Transport des Bedruckstoffs
aufweist, und dass das Heizelement zur Bestrahlung über die Formatbreite aus mehreren
Heizelement-Teilstücken besteht, die unabhängig voneinander elektrisch ansteuerbar
sind.
4. Druckmaschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Heizelement-Werkstoff eine amorphe Matrixkomponente sowie eine Zusatzkomponente
in Form eines Halbleitermaterials umfasst.
5. Druckmaschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Trocknereinheit eine Vielzahl von Heizelementen umfasst, die in Transportrichtung
des Bedruckstoffs hintereinander angeordnet sind.
6. Druckmaschine nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass eine Einrichtung zur Zufuhr von Prozessluft in den Zwischenraum zwischen dem Bedruckstoff
und den Heizelementen vorgesehen ist.
7. Druckmaschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Druckaggregat einen Tintenstrahldruckkopf umfasst und dass in Transportrichtung
des Bedruckstoffs gesehen der Trocknereinheit mindestens eine mit Antriebsmotor ausgestatte
Zugwalze nachgeordnet ist.
8. Druckmaschine nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Zugwalze als eine Kühlwalze ausgebildet ist.
9. Druckmaschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Heizelement zur Erzielung einer Leistungsdichte oberhalb von 180 kW/m2 ausgelegt ist.
10. Druckmaschine nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Heizelement zur Erzielung einer Leistungsdichte im Bereich von 180 kW/m2 bis 265 kW/m2 ausgelegt ist.
1. A printing machine comprising a printing unit for applying a solvent-containing printing
ink onto a printing substrate, a transport facility for transporting the printing
substrate from the printing unit to a drier unit comprising at least one infrared
heater for drying the printing substrate, characterised in that the infrared heater is formed as a plane heater element made of a dielectric heater
element material that emits infrared radiation when being heated, said heater element
having a heating surface facing the printing substrate to be dried and a contact surface
onto which a heating conductor path made of an electrically conductive resistor material
containing a noble metal has been applied, said heating conductor path being connected
to a point electrically contacting an adjustable power source.
2. The printing machine in accordance with Claim 1, characterised in that the heater element is formed as a plate having a plate thickness of less than 10
mm.
3. The printing machine in accordance with Claim 1 or 2, characterised in that the transport facility has a maximum format width for transporting the printing substrate
and that the heater element consists of a plurality of heater element sections for
radiation across the format width, wherein said heater element sections can be electrically
energised independently of each other.
4. The printing machine in accordance with any one of the preceding claims, characterised in that the heater element material comprises an amorphous matrix component as well as an
additional component having the form of a semiconductor material.
5. The printing machine in accordance with any one of the preceding claims, characterised in that the drier unit comprises a plurality of heater elements which are arranged in series
in the transport direction of the printing substrate.
6. The printing machine in accordance with Claim 5, characterised in that a facility for supplying process air into the space between the printing substrate
and the heater elements is provided.
7. The printing machine in accordance with any one of the preceding claims, characterised in that the printing unit comprises an ink jet printing head and that, viewed in the transport
direction of the printing substrate, at least one draw roller equipped with a drive
motor is provided downstream of the drier unit.
8. The printing machine in accordance with Claim 7, characterised in that the draw roller is formed as a cooling roller.
9. The printing machine in accordance with any one of the preceding claims, characterised in that the heater element is configured to achieve a power density of more than 180 kW/m2.
10. The printing machine in accordance with Claim 9, characterised in that the heater element is configured to achieve a power density within a range from 180
kW/m2 to 265 kW/m2.
1. Presse imprimeuse avec un module d'impression pour l'application d'encre d'imprimerie
contenant un solvant sur un support d'impression, un dispositif de transport pour
le transport du support d'impression du module d'impression à une unité de séchoir
qui comprend au moins un diffuseur à infrarouge pour le séchage du support d'impression,
caractérisée en ce que le diffuseur à infrarouge est réalisé en tant qu'élément chauffant plan en un matériau
d'élément chauffant diélectrique et émettant du rayonnement infrarouge en cas de chauffage,
lequel présente une face chauffante tournée vers le support d'impression à sécher
et une face de mise en contact sur laquelle une piste conductrice de conducteur chauffant
en un matériau de résistance électriquement conducteur, contenant un métal noble,
est appliquée, laquelle est connectée à un contact électrique à une source de courant
réglable.
2. Presse imprimeuse selon la revendication 1, caractérisée en ce que l'élément chauffant est réalisé en forme de plaque avec une épaisseur de plaque de
moins de 10 mm.
3. Presse imprimeuse selon la revendication 1 ou 2, caractérisée en ce que le dispositif de transport présente une largeur de format maximale pour le transport
du support d'impression, et que l'élément chauffant se compose de plusieurs morceaux
partiels d'élément chauffant pour l'irradiation sur la largeur de format qui peuvent
être excités électriquement indépendamment les uns des autres.
4. Presse imprimeuse selon une des revendications précédentes, caractérisée en ce que le matériau d'élément chauffant comprend un composant de matrice amorphe ainsi qu'un
composant supplémentaire sous forme d'un matériau semi-conducteur.
5. Presse imprimeuse selon une des revendications précédentes, caractérisée en ce que l'unité de séchoir comprend une pluralité d'éléments chauffants qui sont disposés
l'un derrière l'autre dans la direction de transport du support d'impression.
6. Presse imprimeuse selon la revendication 5, caractérisée en ce qu'un dispositif pour l'amenée d'air de processus est prévu dans l'espace intermédiaire
entre le support d'impression et les éléments chauffants.
7. Presse imprimeuse selon une des revendications précédentes, caractérisée en ce que le module d'impression comprend une tête d'impression à jet d'encre et qu'au moins
un rouleau tendeur équipé d'un moteur d'entraînement est disposé en aval de l'unité
de séchoir, vue dans la direction de transport du support d'impression.
8. Presse imprimeuse selon la revendication 7, caractérisée en ce que le rouleau tendeur est réalisé en tant que rouleau de refroidissement.
9. Presse imprimeuse selon une des revendications précédentes, caractérisée en ce que l'élément chauffant est conçu pour l'obtention d'une puissance volumique au-dessus
de 180 kW/m2.
10. Presse imprimeuse selon la revendication 9, caractérisée en ce que l'élément chauffant est conçu pour l'obtention d'une puissance volumique dans la
région de 180 kW/m2 à 265 kW/m2.