[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Stranggießen eines metallischen Produkts
nach dem Oberbegriff von Anspruch 1, und eine entsprechende Stranggießanlage nach
dem Oberbegriff von Anspruch 11.
[0002] Bei der Herstellung von metallischen Produkten in einer Stranggießanlage wird das
flüssige Metall kontinuierlich in einer Kokille vergossen, wobei sich dort eine erste
Strangschale ausbildet. In der Regel tritt der Strang nach unten aus der Kokille aus,
wobei der Strang anschließend entlang einer Strangführung transportiert und in einem
sog. Biegebereich in einen Biegeradius überführt wird, um dadurch eine Umlenkung des
Stranges in Richtung der Horizontalen zu erreichen. Bei einer Kreisbogenanlage beginnt
die Krümmung des Stranges bereits in der Kokille, wobei dann der Biegebereich entfällt.
Die Strangführung umfasst im weiteren Verlauf auch einen sog. Richtbereich, in dem
der Strang dann vollständig in die horizontale Richtung umgelenkt wird. In diesem
Richtbereich treten an einer Oberseite (Losseite) des Stranges Dehnungen auf, die
zu Rissen bzw. Oberflächenquerrissen führen können.
[0003] Die Bedeutung einer optimalen Kühlung beim Stranggießen eines metallischen Produkts
nach dem Austreten des Stranges aus der Kokille ist im Stand der Technik hinreichend
bekannt, z.B. aus
EP 2 718 042 B1,
WO 2016/012131 A1 oder
EP 1 937 429 B1.
[0004] Eine Problematik beim Stranggießen besteht darin, dass für den Strang insbesondere
im Richtbereich der Strangführung in Folge der dort erzeugten Krümmungen Dehnungen
auftreten, die zu Rissen im Strang bzw. an dessen Oberfläche führen können. Dies ist
in der Fig. 7 verdeutlicht, die eine vereinfachte Seitenansicht einer Stranggießanlage
zeigt. Hierin ist die Position einer erhöhten Rissgefahr beispielhaft markiert.
[0005] Zur Vermeidung der vorstehend erläuterten Problematik einer erhöhten Rissgefahr wird
nach dem Stand der Technik ein Ansatz verfolgt, wonach die Oberflächentemperatur des
Stranges über der kritischen Duktilitätstemperatur des Metalls bzw. stranggegossenen
Materials gehalten wird. Dies ist auf der Strangmitte in der Regel möglich und für
eine herkömmliche Stranggießanlage in Fig. 7 gezeigt, wobei entlang der Strangführung
eine gleichmäßige Kühlung über der gesamten Strangbreite eingestellt und in Fig. 7
durch entsprechende Pfeile symbolisiert ist. Gleichwohl unterliegt dieser Ansatz gewissen
Einschränkungen, weil die Temperatur des Stranges nicht zu hoch sein darf, damit der
Strang in seinem Kern vor dem Ende der Stranggießanlage, d.h. z.B. vor einer Schere,
bereits vollständig durcherstarrt sein muss. Zudem muss der Strang nach Austritt aus
der Kokille ausreichend stark gekühlt werden, um eine ausreichend dicke Strangschale
zu erzielen, weil andernfalls der Strang zwischen den Stützrollen der Strangführung
zu stark ausbaucht und dadurch Innenfehler auftreten würden.
[0006] Im Allgemeinen kühlt der Strang beim Stranggießen durch die zweidimensionale Wärmestrahlung
an seinen Kanten stärker aus als in der Strangmitte. Dies impliziert die Gefahr von
Kantenrissen. Durch eine geringere Kühlung des Stranges an seinen Kanten wird versucht,
diesem Effekt zu begegnen. Entsprechend werden bei einer herkömmlichen Stranggießanlage
gemäß Fig. 8 die Spritzwassermengen in den Randbereichen des Stranges - im Vergleich
zu einem Bereich in der Strangmitte - vermindert, was dann zu einer geringeren Kühlung
in den Randbereichen und folglich zur Erzeugung von höheren Kantentemperaturen führt.
Eine solche verminderte Kühlung der Randbereiche des Stranges findet in einem sog.
Minderkühlabschnitts statt, der in der Fig. 8 kenntlich gemacht ist und in Förderrichtung
des Stranges insbesondere vor dem Richtbereich I, und ggf. auch innerhalb des Richtbereichs,
liegt. Erst im Anschluss an den Minderkühlabschnitt bzw. den Richtbereich I wird der
Strang dann wieder gleichmäßig über der gesamten Strangbreite gekühlt (ebenfalls in
Fig. 8 kenntlich gemacht).
[0007] Bei Vorsehen eines Minderkühlabschnitts stellt sich - wie vorstehend erläutert -
ein Anstieg der Oberflächentemperatur im kantennahen Bereich des Stranges ein. Dies
kann nachteilig zu einer ungleichmäßigen Sumpfspitze über die Strangbreite führen.
Eine solche ungleichmäßige Sumpfspitze kann einen Längenunterschied von z.B. 1,5 m
annehmen, was in Fig. 9 schematisch mit der Strecke d
Sumpf veranschaulicht ist. Eine solcherart ungleichmäßige Sumpfspitze ist bei Durchführung
einer Softreduktion nachteilig, und führt zur Erzeugung von Innenrissen in dem Strang.
[0008] Entsprechend liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, beim Stranggießen eines metallischen
Produkts eine uniforme Sumpfspitze über der Strangbreite zu erreichen, ohne dass die
Kantentemperatur unter die durch den Duktilitätsverlauf bestimmte kritische Temperatur
absinkt.
[0009] Die obige Aufgabe wird durch ein Verfahren zum Stranggießen eines metallischen Produkts
mit den im Anspruch 1 angegebenen Merkmalen, und durch eine Stranggießanlage mit den
in Anspruch 11 definierten Merkmalen gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung
sind in den abhängigen Ansprüchen definiert.
[0010] Die Erfindung sieht ein Verfahren zum Stranggießen eines metallischen Produkts vor,
bei dem in einer Stranggießanlage ein Strang des metallischen Produkts kontinuierlich
aus einer Kokille insbesondere senkrecht nach unten austritt und anschließend entlang
einer Strangführung in einer Förderrichtung transportiert wird. Hierbei wird der Strang
in einem Richtbereich in die horizontale Richtung umgelenkt, wobei die Randbereiche
des Stranges innerhalb eines Minderkühlabschnitts, der zumindest in Förderrichtung
vor den Richtbereich und vorzugsweise auch innerhalb des Richtbereichs vorgesehen
ist, vermindert gekühlt werden als im Vergleich zu einem horizontalen Bereich der
Strangführung, der in Förderrichtung nach dem Richtbereich liegt. Die Randbereiche
des Stranges werden in einem Intensivkühlabschnitt der Strangführung, der unmittelbar
nach dem Austreten des Stranges aus der Kokille beginnt und in Förderrichtung vor
dem Minderkühlabschnitt liegt, zumindest genauso stark gekühlt wie ein mittiger Bereich
des Stranges. Durch eine solche Kühlstrategie wird erreicht, dass eine im Wesentlichen
einheitliche Sumpflänge ausgebildet wird, was sich z.B. bei Durchführung einer Softreduktion
positiv auswirkt.
[0011] Die Erfindung sieht auch eine Stranggießanlage vor, die zur Herstellung eines metallischen
Produkts dient. Diese Stranggießanlage umfasst eine Kokille, und eine sich an die
Kokille anschließende Strangführung, entlang der ein aus der Kokille insbesondere
senkrecht nach unten austretender Strang in einer Förderrichtung transportiert werden
kann. Die Strangführung weist einen Richtbereich auf, durch den der Strang in die
horizontale Richtung umlenkbar ist. Ferner weist die Strangführung einen zumindest
in Förderrichtung vor dem Richtbereich vorgesehenen Minderkühlabschnitt auf, in dem
die Randbereiche des Stranges vermindert gekühlt werden als im Vergleich zu einem
horizontalen Bereich der Strangführung, der in Förderrichtung nach dem Richtbereich
liegt. Vorzugsweise kann der Minderkühlabschnitt auch innerhalb des Richtbereichs
vorgesehen sein. Die Strangführung weist unmittelbar nach dem Austreten des Stranges
aus der Kokille einen in Förderrichtung vor dem Minderkühlabschnitt liegenden Intensivkühlabschnitt
auf, in dem die Randbereiche des Stranges zumindest genauso stark kühlbar sind wie
ein mittiger Bereich des Stranges.
[0012] Grundsätzlich ist es auf dem Gebiet des Stranggießens von metallischen Produkten
bekannt, dass für die Ausbildung der Sumpflänge hauptsächlich die Kühlung des Stranges
direkt nach dessen Austritt aus der Kokille verantwortlich ist. Hier ist die Strangschale
noch sehr dünn, so dass die Kühlwirkung auch den noch flüssigen Strangkern beeinflusst.
Unter Berücksichtigung dessen liegt der Erfindung somit die wesentliche Erkenntnis
zu Grunde, dass in dem Intensivkühlabschnitt die Randbereiche des Stranges zumindest
genauso stark gekühlt werden wie dessen mittiger Bereich, so dass sich diese Art von
Kühlung vollständig auf den flüssigen Strangkern, und damit auf die Ausbildung einer
gewünschten gleichmäßigen bzw. uniformen Sumpfspitze des Stranges über dessen Breite
auswirkt. Anders ausgedrückt, wird durch die Einstellung einer gleichmäßigen spezifischen
Spritzwassermenge über der Strangbreite bzw. durch eine Verstärkung der Randkühlung
innerhalb des Intensivkühlabschnitts erreicht, dass die Längendifferenz in der Sumpfspitze
über der Strangbreite zumindest vermindert wird. Entsprechend wird für den Strang
eine über der Strangbreite gleichmäßige Sumpfspitze realisiert. Insgesamt erfolgt
die vorstehend erläuterte Kühlstrategie jedenfalls unter Einhaltung der Bedingung,
dass die durch den Duktilitätsverlauf bestimmte minimale Temperatur entlang der gesamten
Länge der Strangführung, und somit auch innerhalb bzw. entlang des Intensivkühlabschnitts,
nicht unterschritten wird.
[0013] In vorteilhafter Weiterbildung der Erfindung kann der Intensivkühlabschnitt, in dem
die Randbereiche des Stranges zumindest so stark gekühlt werden wie der mittige Bereich
des Stranges, innerhalb eines ersten Drittels der Länge der Stranggießanlage vorgesehen
sein, gerechnet ab dem Kokillenaustritt des Stranges. Im Anschluss an den Intensivkühlabschnitt
wird dann in dem Minderkühlabschnitt die Kühlung der Randbereiche des Stranges reduziert
bzw. vermindert. Hierdurch wird erreicht, dass die Temperatur des Stranges auch in
seinen Randbereichen bzw. kantennahen Zonen nicht unter die durch den Duktilitätsverlauf
bestimmte kritische Temperatur absinkt. Dies gilt insbesondere für die Bereiche des
Stranges, in denen zusätzliche Beanspruchungen auftreten, z.B. im Biegebereich und/oder
im Richtbereich. Dadurch wird erfindungsgemäß die Ausbildung von möglichen Oberflächenrissen
in dem Strang auch in dem Minderkühlabschnitt der Strangführung vermieden.
[0014] In vorteilhafter Weiterbildung der Erfindung werden innerhalb des Intensivkühlabschnitts
der Strangführung die Randbereiche des Stranges stärker gekühlt als der mittige Bereich
des Stranges. Dies kann zweckmäßigerweise dadurch erreicht werden, dass die spezifischen
Wassermengen in den Randregelkreisen höher sind als die Wassermengen, mit denen der
mittige Bereich des Stranges beaufschlagt wird. Dies führt zu dem Vorteil, dass im
Bereich des Intensivkühlabschnitts der Strangführung ein Längenunterschied in der
Sumpfspitze des Stranges über dessen Breite weiter vermindert wird, um damit eine
(möglichst) uniforme Sumpfspitze zu erreichen.
[0015] Unter Berücksichtigung der Anordnung des Intensivkühlabschnitts und des Minderkühlabschnitts,
nämlich - in Förderrichtung des Stranges gesehen - nachfolgend hintereinander, ist
für die vorliegende Erfindung von Bedeutung, dass ein Temperaturanstieg für den Strang
zwischen diesen beiden Kühlabschnitten nicht zu hoch wird. Zu diesem Zweck wird erfindungsgemäß,
und vorzugsweise unter Einhaltung der Maßgabe, dass innerhalb des Intensivkühlabschnitts
die Temperatur in den Randbereichen des Stranges einer minimal zulässigen Kantentemperatur
entspricht bzw. stets größer als diese ist, ein sog. Wiedererwärmungsfaktor WEF [°C/(mm*sec)]
berechnet, der sich wie folgt bestimmt:

[0016] Hierin sind beispielsweise:
- P1:
- Ende der letzten Kühlzone des Intensivkühlabschnitts, jedenfalls zumindest ein Messpunkt
innerhalb des Intensivkühlabschnitts,
- T1:
- mittlere Strangschalentemperatur an dem ersten Messpunkt P1,
- P2:
- Ende der ersten Kühlzone des Minderkühlabschnitts, jedenfalls zumindest ein Messpunkt
innerhalb des Minderkühlabschnitts, und
- T2:
- mittlere Strangschalentemperatur an dem zweiten Messpunkt P2.
[0017] Zur Berechnung der Strangtemperaturen T
1 und T
2 und der Strangschalendicken bei den Messpunkten P
1 und P
2 und der zugehörigen Sumpfspitzenpositionen wird ein mathematisch - physikalisches
Rechenmodell verwendet. Ein solcherart bestimmter bzw. gemessener Wiedererwärmungsfaktor
WEF wird anschließend mit einem maximalen Wiedererwärmungsfaktor WEF
max verglichen, der materialabhängig ist und im Voraus bestimmt bzw. festgelegt worden
ist. Solange der aktuell gemessene Wiedererwärmungsfaktor WEF
aktuell kleiner ist als der maximale Wiedererwärmungsfaktor WEF
max, wird in zumindest einer Kühlzone des Intensivkühlabschnitts die Kühlung der Randbereiche
des Stranges verstärkt, z.B. durch Zuschaltung von weiteren zusätzlichen Kühldüsen
im Kantenbereich des Stranges und/oder durch Erhöhung des eingestellten Kühlmittelstroms,
mit dem der Strang in seinen Randbereichen beaufschlagt bzw. gekühlt wird. Beide diese
Varianten, d.h. die Zuschaltung von zusätzlichen Kühldüsen bzw. die Erhöhung der zugehörigen
Kühlmittelmenge (z.B. Spritzwasser), erfolgen stets unter Beachtung bzw. Einhaltung
der folgenden Aspekte:
- Die Temperatur an der Strangkante bzw. in den Randbereichen des Stranges liegt nicht
unter der durch den Duktilitätsverlauf vorgegebenen kritischen Temperatur;
- Die Sumpfspitze besitzt keine oder eine möglichst gering ausgeprägte W - Form über
der Strangbreite; und
- Der Temperaturanstieg zwischen der letzten Kantendüse (d.h. an dem ersten Messpunkt
P1 innerhalb des Intensivkühlabschnitts) und der ersten Zone ohne Kantendüsen (d.h.
an dem zweiten Messpunkt P2 innerhalb des Minderkühlabschnitts) darf nicht zu hoch sein, bzw. den zulässigen
maximalen Wiedererwärmungsfaktor WEFmax nicht überschreiten.
[0018] Ergänzend kann für die obigen beiden Varianten zur Verstärkung der Kühlung in den
Randbereichen des Stranges vorgesehen sein, dass auch die jeweils aktuelle Lage bzw.
Position der Sumpfspitze überprüft bzw. mit berücksichtigt wird. Hierzu wird eine
Berechnung des Sumpflängenverlaufs über der Strangbreite vorgenommen. Falls auf Grundlage
dieser Berechnung festgestellt wird, dass die berechnete Sumpfspitzendifferenz im
Vergleich zu einer vorbestimmten maximalen Sumpfspitzendifferenz, die einen erlaubten
oberen Grenzwert darstellt, zu hoch ist, wird dann die Kühlung in den Randbereichen
des Stranges nach einer der beiden genannten Varianten verstärkt. Andernfalls, nämlich
für den Fall, dass die festgestellte Sumpfspitzendifferenz nicht zu hoch sein sollte,
wird die Kühlung in dem Intensivkühlabschnitt nicht weiter verstärkt.
[0019] In vorteilhafter Weiterbildung der Erfindung umfasst der Intensivkühlabschnitt zumindest
eine Kühlzone mit zusätzlichen Kühldüsen, die einem Randbereich des Stranges zugeordnet
sind und zur Verstärkung der Kühlung der Randbereiche des Stranges zugeschaltet werden
können.
[0020] Nachstehend sind bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung anhand einer schematisch
vereinfachten Zeichnung im Detail beschrieben. Es zeigen:
Fig. 1, Fig. 2 jeweils eine Seitenansicht einer erfindungsgemäßen Stranggießanlage,
Fig. 3 eine Darstellung des Sumpfspitzenverlaufen (A) sowie des Temperaturverlaufes
nach dem Intensivkühlbereich (B) und des Temperaturverlaufes nach dem Minderkühlabschnitt
(C),
Fig. 4, Fig. 5 jeweils Ablaufdiagramme zur Optimierung einer Kühlung innerhalb des
Intensivkühlabschnitts der Stranggießanlage von Fig. 1, und
Fig. 6 eine Draufsicht auf Kühlzonen innerhalb des Intensivkühlabschnitts einer Stranggießanlage
von Fig. 1.
[0021] In Fig. 1 ist eine erfindungsgemäße Stranggießanlage 10 prinzipiell vereinfacht in
einer Seitenansicht gezeigt. Die Stranggießanlage 10 dient zum Herstellen eines metallischen
Produkts 11, und umfasst hierzu eine Kokille 12 und eine sich daran anschließende
Strangführung 14, entlang der ein aus der Kokille 12 vorzugsweise nach unten austretender
Strang S des metallischen Produkts 11 in einer Förderrichtung F transportiert wird.
Unterhalb der Kokille 12, und beiderseits des Stranges S, sind eine Mehrzahl von Stützrollen
2 angeordnet, wobei Spritzwasser 4 auf den Strang S ausgebracht bzw. gespritzt wird,
zwecks einer Kühlung des Stanges S. An der Stelle, wo in Fig. 1 der Strang S mit der
Bezugslinie "5" markiert ist, weist der Strang noch einen flüssigen Sumpf auf. Die
Sumpfspitze des Stranges S ist mit dem Bezugszeichen "6" angedeutet. Stromabwärts
hiervon ist der Strang S vollständig durcherstarrt, z.B. an der in Fig 1 mit der Bezugslinie
"11d" markierten Position. Stromabwärts hiervon ist entlang der Strangführung 14 ebenfalls
eine Wasserkühlung vorgesehen, die mit der Bezugslinie "8" gekennzeichnet ist.
[0022] Die Strangführung 14 der Stranggießanlage 10 umfasst einen Richtbereich I, durch
den der Strang S vollständig in die horizontale Richtung umgelenkt wird. Des Weiteren
umfasst die Strangführung 14 einen Biegebereich II, durch den der Strang S, nachdem
er aus der Kokille 12 ausgetreten ist, in Richtung der Horizontalen umgelenkt wird.
Der Richtbereich I und der Biegebereich II sind in der Darstellung von Fig. 1 jeweils
vereinfacht durch gestrichelte Rechtecke symbolisiert.
[0023] Die Förderrichtung, in der der Strang S entlang der Strangführung 14 der Stranggießanlage
10 transportiert wird, ist in der Darstellung von Fig. 1 mit "F" bezeichnet. Die Strangführung
14 umfasst einen Minderkühlabschnitt 16, der - in Förderrichtung F des Stranges S
gesehen - stromaufwärts bzw. vor einem horizontalen Bereich 18 der Strangführung 14
liegt. Der Minderkühlabschnitt 16 kann derart ausgebildet sein, dass er zumindest
teilweise, oder vollständig, den Richtbereich I erfasst. Der Minderkühlabschnitt 16
der Strangführung 14 zeichnet sich dadurch aus, dass die darin vorgesehenen Kühlzonen
derart ausgebildet sind, dass die Randbereiche des Stranges S vermindert gekühlt werden
als im Vergleich zu dem horizontalen Bereich 18 der Strangführung 14.
[0024] Ein wesentliches Merkmal der Stranggießanlage 10 besteht darin, dass die Strangführung
14 einen Intensivkühlabschnitt 20 aufweist, der unmittelbar nach dem Austreten des
Stranges S aus der Kokille 12 beginnt und - wie in Fig. 1 veranschaulicht - in Förderrichtung
F gesehen vor dem Minderkühlabschnitt 16 liegt. Der Intensivkühlabschnitt 20 ist mit
zumindest einer darin vorgesehenen Kühlzone derart ausgebildet, dass die Randbereiche
des Stranges S zumindest genauso stark gekühlt werden wie ein mittiger Bereich des
Stranges S.
[0025] Fig. 2 zeigt die Stranggießanlage 10 von Fig. 1 nochmals in einer vereinfachten Seitenansicht.
Hierin sind die Längenerstreckungen des Minderkühlabschnitts 16 und des Intensivkühlabschnitts
20 entlang der Strangführung 14 der Stranggießanlage 10 veranschaulicht. Im Einzelnen
ist die Länge des Intensivkühlabschnitts 20 mit "L
20" bezeichnet, wobei diese Länge in etwa ein Drittel der Länge L
10 der Stranggießanlage 10 betragen kann. Für diesen Fall ist der Intensivkühlabschnitt
20 innerhalb eines ersten Drittels der Länge L
10 der Stranggießanlage 10, beginnend ab dem Austritt des Stranges S aus der Kokille
12, vorgesehen. Eine Länge des Minderkühlabschnitts 16 ist in der Darstellung von
Fig. 2 mit "L
16" bezeichnet. Des Weiteren wird durch die Fig. 2 veranschaulicht, dass der Intensivkühlabschnitt
20 - in Förderrichtung F des Stranges S gesehen - vor dem Minderkühlabschnitt 16 bzw.
stromaufwärts hiervon vorgesehen ist, wobei der Intensivkühlabschnitt 20 unmittelbar
nach dem Kokillenaustritt bzw. einem gießspiegelnahen Bereich beginnt.
[0026] Durch die vorstehend genannte intensive Kühlung der Randbereiche des Stranges S in
dem Intensivkühlabschnitt 20, die wegen der hier noch sehr dünnen Strangschale auch
den noch flüssigen Strangkern beeinflusst, wird erfindungsgemäß erreicht, dass der
Längenunterschied in der Sumpfspitze im Vergleich zum Stand der Technik vorteilhaft
vermindert wird. Dies ist in der Darstellung von Fig. 3 mit der Kurve "A" veranschaulicht,
die einen Verlauf der Sumpfspitze 6 über der Strangbreite zeigt. Hierin beträgt der
Längenunterschied d
Sumpf, der ein Maß für die Ungleichmäßigkeit der Sumpfspitze ist, beispielsweise nur etwa
150 mm. Somit wird mittels der Erfindung eine im Wesentlichen uniforme bzw. gleichförmige
Sumpfspitze über der Strangbreite erzielt, ohne dass die Kantentemperatur unter die
durch den Duktilitätsverlauf bestimmte kritische Temperatur absinkt. Jedenfalls ist
der mittels der vorliegenden Erfindung realisierte Längenunterschied d
Sumpf wesentlich kleiner als nach dem Stand der Technik, der wie eingangs anhand der Fig.
9 erläutert 1,5 m betragen kann.
[0027] Wie aus Fig. 3 weiter ersichtlich, ist der Temperaturverlauf nach dem Intensivkühlabschnitt
(B) über der Strangbreite nicht konstant. Im Randbereich ist die Temperatur niedriger
als in der Strangmitte. Durch die verminderte Kühlung des Randbereiches im nachfolgenden
sog. Minderkühlabschnitt gleicht sich der Temperaturunterschied größtenteils aus und
der Temperaturverlauf nach dem Minderkühlabschnitt (C) über der Strangbreite ist im
Wesentlichen konstant.
[0028] Im Betrieb der erfindungsgemäßen Stranggießanlage 10 bzw. bei Durchführung eines
entsprechenden Verfahrens zum Stranggießen eines metallischen Produkts 11 stellt sich
zwischen dem Intensivkühlabschnitt 20, in dem die Randbereiche des Stranges S einer
verstärkten Kantenkühlung unterzogen werden, und dem Minderkühlabschnitt 16, in dem
eine reduzierte Kühlmittelbeaufschlagung für die Randbereiche des Stranges S vorgesehen
ist, ein Temperaturanstieg ein. Hierbei ist für die Erfindung von Bedeutung, dass
ein solcher Temperaturanstieg nicht zu hoch wird. Ein zu starker und zu schneller
Anstieg des bereits erstarrten Materials des Stranges S kann ansonsten zu Innenrissen
führen.
[0029] Die Einhaltung eines nicht zu hohen Temperaturanstiegs zwischen dem Intensivkühlabschnitt
20 und dem Minderkühlabschnitt 16 wird erfindungsgemäß durch die Bildung eines Wiedererwärmungsfaktors
WEF [°C/(mm * sec)] gewährleistet. Ein solcher Wiedererwärmungsfaktor WEF bestimmt
sich durch den Quotienten der Differenz zwischen einer Temperatur T
1 an einem ersten Messpunkt P
1 und einer Temperatur T
2 an einem zweiten Messpunkt P
2, zur mittleren Dicke der Strangschale an den Messpunkten P
1 und P
2, und zur Transportzeit des Stranges S zwischen den Messpunkten P
1 und P
2. Entsprechend bestimmt sich die Einheit für den Wiedererwärmungsfaktor WEF zu [°C/(mm
* sec)]. Diesbezüglich versteht sich, dass der erste Messpunkt P
1 in einer Kühlzone innerhalb des Intensivkühlabschnitts 20 angeordnet ist, wobei der
zweite Messpunkt P
2 in einer Kühlzone innerhalb des Minderkühlabschnitts 16 angeordnet ist. Beispielsweise
befindet sich der erste Messpunkt P
1 am Ende der letzten Kühlzone des Intensivkühlabschnitts 20 (mit verstärkter Kantenkühlung),
wobei der zweite Messpunkt P
2 sich am Ende der ersten Kühlzone des Minderkühlabschnitts 16 (mit reduzierter Kantenkühlung)
befindet. Bei den Temperaturen T
1 und T
2 handelt es sich um die mittleren Strangschalentemperaturen an den Messpunkten P
1 bzw. P
2. Zur Berechnung der Strangtemperaturen T
1, T
2, der Sumpfspitzenpositionen und der Strangschalendicken wird ein mathematisch-physikalisches
Rechenmodell verwendet.
[0030] Eine Position der ersten und zweiten Messpunkte entlang der Strangführung 14 ist
in der Darstellung von Fig. 1 vereinfachend mit den Bezeichnungen "P
1" und "P
2" angedeutet.
[0031] Unter Verwendung der vorstehend erläuterten Messpunkte P
1 und P
2 wird bei Durchführung eines Verfahrens nach der vorliegenden Erfindung zunächst ein
aktueller Wiedererwärmungsfaktor bestimmt bzw. berechnet, nämlich unter Verwendung
von folgender Beziehung:

[0032] Im Anschluss hieran wird dann der aktuelle Wiedererwärmungsfaktor mit WEF
aktuell mit einem zulässigen maximalen Wiedererwärmungsfaktor WEF
max verglichen, der materialabhängig ist und im Voraus festgelegt wird. In Abhängigkeit
des Vergleichs zwischen WEF
aktuell und WEF
max kann dann die Kühlung der Randbereiche des Stranges S innerhalb des Intensivkühlabschnitts
20 verstärkt werden, was nachfolgend anhand der Ablaufdiagramme im Einzelnen erläutert
ist:
Das Ablaufdiagramm von Fig. 4 veranschaulicht eine Optimierung der Kühlmittelmenge,
vorzugsweise in Form von Spritzwasser, mit der bzw. dem der Strang S in seinen Randbereichen
gekühlt wird. Mit Hilfe eines mathematisch-physikalischen Rechenmodells werden alle
relevanten Temperaturen des Stranges S berechnet, hierbei u.a. die Kantentemperaturen
des Stranges S, d.h. die Temperatur des Stranges S in seinen Randbereichen. Sodann
wird überprüft, ob vor dem Richtbereich I oder innerhalb des Richtbereichs I die somit
berechnete Kantentemperatur größer ist als eine minimal zulässige Kantentemperatur
T
KanteZiel. Falls dies nicht der Fall ist, wird die Kühlung im Intensivkühlabschnitt 20 nicht
verstärkt, so dass keine weitere Minimierung der Sumpfspitzendifferenz möglich ist.
Dies erfolgt wegen der Maßgabe, dass die Kantentemperatur nicht unter die durch den
Duktilitätsverlauf bestimmte kritische Temperatur, vorstehend als T
KanteZiel bezeichnet, absinken soll. Falls demgegenüber die berechnete Kantentemperatur größer
sein sollte als die minimal zulässige Kantentemperatur T
KanteZiel, werden unter Verwendung des mathematisch-physikalischen Rechenmodells die Strangschalentemperaturen
T
1 und T
2 an den Messpunkten P
1 und P
2, sowie die mittlere Strangschalendicke zwischen diesen Messpunkten berechnet, als
auch die Transportzeit des Stranges S zwischen den Messpunkten P
1 und P
2 bestimmt. Unter Berücksichtigung der somit berechneten bzw. bestimmten Werte wird
dann anhand der obigen Gleichung der aktuelle Wiedererwärmungsfaktor WEF
aktuell bestimmt.
[0033] In einem nächsten Schritt wird der Wert des aktuellen Wiedererwärmungsfaktors WEF
aktuell mit einem zulässigen maximalen Wiedererwärmungsfaktor WEF
max verglichen. Falls WEF
aktuell größer als WEF
max sein sollte, ist dies ein Anzeichen dafür, dass der Temperaturanstieg zwischen dem
Intensivkühlabschnitt 20 und dem Minderkühlabschnitt 16 bereits zu groß ist, so dass
die Kühlung in dem Intensivkühlabschnitt 20 nicht verstärkt wird, bzw. die in diesem
Abschnitt eingesetzte Kühlmittelmenge nicht erhöht wird. Falls jedoch die Bedingung
WEF
aktuell < WEF
max erfüllt sein sollte, wird in einem nächsten Schritt der Sumpflängenverlauf über der
Strangbreite anhand eines mathematisch-physikalischen Rechenmodells berechnet. Falls
sich hierbei bei einem Vergleich mit einer vorbestimmten maximalen Sumpfspitzendifferenz,
die einen erlaubten oberen Grenzwert darstellt, herausstellen sollte, dass die berechnete
Sumpfspitzendifferenz zu hoch ist, kann in Folge dessen die Kühlung im Intensivkühlabschnitt
20 geeignet verstärkt werden, nämlich durch Erhöhung der zugehörigen Kühlmittelmenge
in zumindest einer Kühlzone des Intensivkühlabschnitts 20, vorzugsweise in allen Kühlzonen
des Intensivkühlabschnitts 20. Demgegenüber bleibt die Kühlleistung in dem Intensivkühlabschnitt
20 unverändert, falls die berechnete Sumpfspitzendifferenz für den Strang S sich als
nicht zu hoch darstellt.
[0034] Das Ablaufdiagramm gemäß Fig. 4 veranschaulicht, dass die vorstehend erläuterte Schrittabfolge
in Form eines Regelkreises ausgebildet ist. Ein solcher Regelkreis erfasst vorzugsweise
alle Kühldüsen der Kühlzonen, die innerhalb des Intensivkühlabschnitts 20 in den Randbereichen
des Stranges S angeordnet sind.
[0035] Das Ablaufdiagramm von Fig. 5 veranschaulicht eine Regelung zur Optimierung der Düsenanordnung
bzw. des Einsatzes von Kühldüsen in den Randbereichen des Stranges S. Als Ausgangspunkt
für das Ablaufdiagramm von Fig. 5 dient eine Betriebsweise der Stranggießanlage 10,
bei der die Randbereiche bzw. die Kanten des Stranges S nicht überspritzt werden.
Sodann wird unter Verwendung eines mathematisch-physikalischen Rechenmodells die Kantentemperatur
des Stranges S innerhalb des Intensivkühlabschnitts 20 berechnet, gefolgt von einer
Abfrage, ob vor dem Richtbereich I oder innerhalb des Richtbereichs I die berechnete
Kantentemperatur größer ist als eine minimal zulässige Kantentemperatur T
KanteZiel. Ab diesem Schritt entspricht das Ablaufdiagramm gemäß Fig. 5 im Wesentlichen der
Logik des Ablaufdiagramms von Fig. 4, so dass zur Vermeidung darauf verwiesen werden
darf.
[0036] Das Ablaufdiagramm von Fig. 5 unterscheidet sich vom Ablaufdiagramm gemäß Fig. 4
einzig dadurch, dass, falls die berechnete Sumpfspitzendifferenz als zu hoch eingestuft
werden sollte, dann in zumindest einer Kühlzone des Intensivkühlabschnitts 20 zusätzliche
Kühldüsen in den Randbereichen des Stranges S zugeschaltet werden. In dieser Weise
wird die Kühlung in den Randbereichen des Stranges S geeignet verstärkt.
[0037] Fig. 6 zeigt eine schematisch vereinfachte Draufsicht auf Kühlzonen innerhalb des
Intensivkühlabschnitts 20 und des Minderkühlabschnitts 16. Die zusätzlichen Kühldüsen,
die gemäß des Ablaufdiagramms von Fig. 5 zur Verstärkung der Kühlung der Randbereiche
des Stranges S zugeschaltet werden können, sind in Fig. 6 mit "22" bezeichnet. Zusätzlich
sind die Randbereiche des Stranges S, in dem diese zuschaltbaren Kühldüsen 22 angeordnet
sind, in Fig. 6 mit "R" bezeichnet, wobei ein mittiger Bereich des Stranges S mit
"M" bezeichnet ist.
[0038] In gleicher Weise wie bei Fig. 4 versteht sich für das Ablaufdiagramm von Fig. 5,
dass die zugehörige Schrittabfolge als Regelkreis ausgebildet ist. Somit ist bei einer
Verstärkung der Kühlung in den Randbereichen R des Stranges S stets gewährleistet,
dass mögliche Prozessveränderungen rechtzeitig erkannt werden. Entsprechend bleibt
der Temperaturanstieg zwischen dem Intensivkühlabschnitt 20 und dem Minderkühlabschnitt
16 moderat, wenn die Bedingung WEF
aktuell < WEF
max erfüllt wird, wobei gleichzeitig die Temperatur an der Strangkante bzw. in den Randbereichen
des Stranges S nicht unter die durch den Duktilitätsverlauf vorgegebenen kritischen
Temperatur T
KanteZiel fällt.
[0039] Die Ablaufdiagramme von Fig. 4 und Fig. 5 und die hierbei durchgeführte Bestimmung
des aktuellen Wiedererwärmungsfaktors WEF
aktuell beziehen sich beispielsweise auf die ersten und zweiten Messpunkte P
1, P
2, die in der Fig. 6 auch symbolisch durch Pfeile angedeutet sind. Dies bedeutet, dass
diese Messpunkte in einzelnen Kühlzonen des Intensivkühlanschnitts 20 bzw. des Minderkühlabschnitts
16 vorgesehen sind. Unter Berücksichtigung dessen ermöglicht die Bestimmung des aktuellen
Wiedererwärmungsfaktors WEF
aktuell eine Beurteilung des Temperaturanstiegs zwischen dem Intensivkühlabschnitt 20 und
dem Minderkühlabschnitt 16. In diesem Zusammenhang wird schließlich darauf hingewiesen,
dass die Messpunkte P
1 und P
2 auch an anderen Stellen als wie in der Darstellung von Fig. 1 und Fig. 6 angedeutet
vorgesehen sein können. Des Weiteren sind auch eine Mehrzahl von ersten Messpunkten
P
1 bzw. von zweiten Messpunkten P
2 möglich, die jeweils innerhalb des Intensivkühlabschnitts 20 bzw. innerhalb des Minderkühlabschnitts
16 vorgesehen sind.
Bezugszeichenliste
[0040]
- 2
- Stützrolle(n)
- 4
- Kühlmittel, z.B. Spritzwasser
- 5
- Flüssiger Sumpf (des Stranges S)
- 6
- Sumpfspitze
- 7
- Durcherstarrter Teil des Sranges S
- 8
- Wasserkühlung
- 10
- Stranggießanlage
- 11
- Metallisches Produkt
- 12
- Kokille
- 14
- Strangführung
- 16
- Minderkühlabschnitt (der Strangführung 14)
- 18
- Horizontaler Bereich (der Strangführung 14)
- 20
- Intensivkühlabschnitt (der Strangführung 14)
- 22
- Zusätzliche (zuschaltbare) Kühldüse(n)
- F
- Förderrichtung (des Stranges S)
- I
- Richtbereich (der Strangführung 14)
- II
- Biegebereich (der Strangführung 14)
- L10
- Länge der Stranggießanlage 10
- L16
- Länge des Minderkühlabschnitts 16
- L20
- Länge des Intensivkühlabschnitts 20
- M
- Mittiger Bereich (des Stranges S)
- P1
- Erster Messpunkt (innerhalb des Intensivkühlabschnitts 20)
- P2
- Zweiter Messpunkt (innerhalb des Minderkühlabschnitts 16)
- R
- Randbereich(e) des Stranges S
- S
- Strang (des metallischen Produkts 11)
- T1
- Temperatur am ersten Messpunkt P1
- T2
- Temperatur am zweiten Messpunkt P2
- WEFaktuell
- Aktueller Wiedererwärmungsfaktor
- WEFmax
- Zulässiger maximaler Wiedererwärmungsfaktor
1. Verfahren zum Stranggießen eines metallischen Produkts (11), bei dem in einer Stranggießanlage
(10) ein Strang (S) des metallischen Produkts (11) kontinuierlich aus einer Kokille
(12) insbesondere senkrecht nach unten austritt und anschließend entlang einer Strangführung
(14) in einer Förderrichtung (F) transportiert wird, wobei der Strang (S) in einem
Richtbereich (I) in die horizontale Richtung umgelenkt wird, wobei die Randbereiche
(R) des Stranges (S) innerhalb eines Minderkühlabschnitts (16) der Strangführung (14),
der zumindest in Förderrichtung (F) vor dem Richtbereich (I) und vorzugsweise auch
innerhalb des Richtbereichs (I) vorgesehen ist, vermindert gekühlt werden als im Vergleich
zu einem horizontalen Bereich (18) der Strangführung (14) in Förderrichtung (F) nach
dem Richtbereich (I),
dadurch gekennzeichnet,
dass die Randbereiche (R) des Stranges (S) in einem Intensivkühlabschnitt (20) der Strangführung
(14), der unmittelbar nach dem Austreten des Stranges (S) aus der Kokille (12) beginnt
und in Förderrichtung (F) vor dem Minderkühlabschnitt (16) liegt, zumindest genauso
stark gekühlt werden wie ein mittiger Bereich (M) des Stranges (S).
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Intensivkühlabschnitt (20) innerhalb eines ersten Drittels der Länge der Stranggießanlage
(10) beginnend ab dem Austritt des Stranges (S) aus der Kokille (12) vorgesehen ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass innerhalb des Intensivkühlabschnitts (20) die Randbereiche (R) des Stranges (S) stärker
gekühlt werden als der mittige Bereich (M) des Stranges (S).
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass innerhalb des Intensivkühlabschnitts (20) die spezifischen Wassermengen in den Randregelkreisen
höher sind als die Wassermengen, die auf den mittigen Bereich (M) des Stranges (S)
ausgetragen werden.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass unter Verwendung eines innerhalb des Intensivkühlabschnittes (20) liegenden ersten
Messpunktes (P
1) und eines innerhalb des Minderkühlabschnittes liegenden zweiten Messpunktes (P
2) folgende Schritte durchgeführt werden:
(i) Bestimmung eines aktuellen Wiedererwärmungsfaktors (WEFaktuell), unter Verwendung von folgender Beziehung:

(ii) Vergleich des aktuellen Wiedererwärmungsfaktors (WEFaktuell) mit einem zulässigen maximalen Wiedererwärmungsfaktor (WEFmax), und
(iii) falls (WEFaktuell) < (WEFmax): Verstärken der Kühlung in den Randbereichen (R) des Stranges (S) innerhalb des
Intensivkühlabschnitts (20).
6. Verfahren nach Anspruch 5, gekennzeichnet durch eine Wiederholung der Schritte (i) bis (iii), wobei gemäß Schritt (iii) die Kühlung
in den Randbereichen (R) des Stranges (S) verstärkt wird, solange die Bedingung WEFaktuell < WEFmax erfüllt ist.
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass beim Verstärken der Kühlung gemäß Schritt (iii) in zumindest einer Kühlzone des Intensivkühlabschnitts
(20) weitere zusätzliche Kühldüsen in den Randbereichen (R) des Stranges (S) zugeschaltet
werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass beim Verstärken der Kühlung gemäß Schritt (iii) in zumindest einer Kühlzone des Intensivkühlabschnitts
(20) die auf den Strang (S) ausgebrachte Kühlmittelmenge erhöht wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Schritte (i) bis (iii) durchgeführt werden, falls vor dem Richtbereich (I) oder
innerhalb des Richtbereichs (I) die Temperatur in den Randbereichen (R) des Stranges
(S) größer ist als eine minimal zulässige Kantentemperatur (TKanteZiel).
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass ein Sumpfspitzenverlauf über der Strangbreite berechnet wird, wobei der Schritt (iii)
unter der weiteren Bedingung durchgeführt wird, dass die berechnete Sumpfspitzendifferenz
größer ist als eine vorbestimmte maximale Sumpfspitzendifferenz.
11. Stranggießanlage (10) zur Herstellung eines metallischen Produkts (11), umfassend
eine Kokille (12), und
eine sich an die Kokille (12) anschließende Strangführung (14), entlang der ein aus
der Kokille (12) insbesondere senkrecht nach unten austretender Strang (S) in einer
Förderrichtung (F) transportierbar ist, wobei die Strangführung (14) einen Richtbereich
(I) aufweist, durch den der Strang (S) in die horizontale Richtung umlenkbar ist,
wobei die Strangführung (14) einen zumindest in Förderrichtung (F) vor dem Richtbereich
(I) und vorzugsweise auch innerhalb des Richtbereichs (I) vorgesehenen Minderkühlabschnitt
(16) aufweist, in dem die Randbereiche (R) des Stranges (S) vermindert kühlbar sind
als im Vergleich zu einem horizontalen Bereich (18) der Strangführung (14) in Förderrichtung
(F) nach dem Richtbereich (I),
dadurch gekennzeichnet,
dass die Strangführung (14) unmittelbar nach dem Austreten des Stranges (S) aus der Kokille
(12) einen in Förderrichtung (F) vor dem Minderkühlabschnitt (16) liegenden Intensivkühlabschnitt
(20) aufweist, in dem die Randbereiche (R) des Stranges (S) zumindest genauso stark
kühlbar sind wie ein mittiger Bereich (M) des Stranges (S).
12. Stranggießanlage (10) nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Intensivkühlabschnitt (20) innerhalb eines ersten Drittels der Länge der Stranggießanlage
(10) beginnend ab dem Austritt des Stranges (S) aus der Kokille (12) ausgebildet ist.
13. Stranggießanlage (10) nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass innerhalb des Intensivkühlabschnitts (20) zumindest eine Kühlzone derart ausgebildet
ist, dass damit die Randbereiche (R) des Stranges stärker kühlbar sind als der mittige
Bereich (M) des Stranges (S).
14. Stranggießanlage (10) nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass innerhalb des Intensivkühlabschnitts (20) zumindest eine Kühlzone derart ausgebildet
ist, dass damit die spezifischen Wassermengen in den Randregelkreisen höher sind als
die Wassermengen, die auf den mittigen Bereich (M) des Stranges (S) austragbar sind.
15. Stranggießanlage (10) nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass innerhalb des Intensivkühlabschnitts (20) zumindest eine Kühlzone mit zusätzlichen
Kühldüsen (22) vorgesehen ist, die einem Randbereich (R) des Stranges (S) zugeordnet
und zur Verstärkung der Kühlung der Randbereiche (R) des Stranges (S) zuschaltbar
sind.