[0001] Die Erfindung betrifft ein Prägewerkzeug, mit dem taktil erfassbare Strukturen in
ein Substrat geprägt werden.
[0002] Zur Abwehr von Fälschungsversuchen werden für jegliche Datenträger, die einen Wert
darstellen, ständig neue Sicherheitselemente gesucht. Dies gilt ebenso für den Markenschutz.
Vorteilhaft sind dabei Elemente, die eine Prägestruktur aufweisen, welche haptisch
fühlbar und daher leicht ohne Hilfsmittel zu überprüfen sind.
[0003] Zur Herstellung dieser Prägestrukturen kommen Prägewerkzeuge für den Tiefdruck oder
den Hochdruck zur Anwendung. Eine spezielle Anwendung ist hierbei der Einsatz von
Strukturen, die durch Personen mit Sehbehinderung besonders deutlich zu erkennen sind.
Eine besondere Ausgestaltung sind hierbei die Brailleschrift oder Kennzeichen, die
landestypisch durch Punkte oder Linienstrukturen anhand von der Anlage oder Menge
definiert sind, und beispielsweise eine Denomination einer Banknote darstellen.
[0004] Im Stichtiefdruck, einer Sonderform des Tiefdrucks, wird dabei eine Druckplatte mit
vertieften Strukturen verwendet, die mit hohem Druck erhabene Stellen auf das zu prägende
Substrat überträgt.
[0005] Im Hochdruck werden gefräste, gelaserte, ausgewaschene oder geätzte Prägeplatten
verwendet, welche durch eine Gegendruckform mittels mechanischem Druck eine erhabene
Struktur auf dem Substrat erzeugt. Der mechanische Druck zum Prägen wird dabei direkt
lokal auf die Druckplatte ausgeübt, wobei dieser Druck auf das Druckwerk und die entsprechenden
Lager von Druck- und Gegendruckzylindern sowie gegebenenfalls weiteren Zylindern übertragen
wird und diese stark belastet. Dies wirkt sich besonders bei punktuellen Prägestrukturen
ungünstig auf die Lebensdauer und die Wartungshäufigkeit einer Druck- und/ oder Prägemaschine
aus.
[0006] Eine besondere Form ist auch die Prägung mit Hilfe einer als-Hochdruckplatte, die
auf einen massiven Vollzylinder aufgespannt wird, im konventionellen Tiefdruck.
[0007] Aus
DE 10 2017 005 838 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung eines Prägewerkzeugs bekannt, insbesondere einer
Hochdruckplatte für Blindprägung, wobei mit dem Prägewerkzeug taktil erfassbare Strukturen
in ein Substrat geprägt werden. Das Prägewerkzeug wird hierbei über einen galvanischen
Abformweg aus einer Tiefdruckplatte erzeugt, wobei zunächst ein Prägemotiv in eine
Tiefdruckplatte eingebracht wird und anschließend das Prägewerkzeug durch galvanische
Abformung der Tiefdruckplatte erzeugt wird. Das Prägemotiv auf dem Prägewerkzeug besteht
aus einer oder mehreren Erhöhungen auf der Vorderseite des Prägewerkzeugs und einer
oder mehreren direkt gegenüberliegenden Vertiefungen auf der Rückseite des Prägewerkzeugs.
[0008] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, ein gattungsgemäßes Prägewerkzeug
derart weiterzubilden, dass die Nachteile des Standes der Technik behoben werden.
Des Weiteren soll ein Prägewerkzeug geschaffen werden, das eine bessere Aufnahme in
einem Spannsystem eines Spannzylinders oder auf einem Magnetzylinder ermöglicht.
[0009] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale der unabhängigen Ansprüche gelöst. Weiterbildungen
der Erfindung sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0010] Erfindungsgemäß weist das Prägewerkzeug eine Riffelung in einen ersten Randbereich
des Prägewerkzeugs auf der Vorderseite und eine Riffelung in einem zweiten Randbereich
des Prägewerkzeugs auf der Rückseite des Prägewerkzeugs auf, wobei sich der erste
und der zweite Randbereich auf dem Prägewerkzeug gegenüberliegen und sich bei einem
nachfolgenden Spannen des Prägewerkzeugs auf einen Prägezylinder überlappen und sich
die Riffelung des ersten Randbereichs mit der Riffelung des zweiten Randbereichs miteinander
verzahnt. Der zweite Randbereich ist nach hinten um etwa 180° gebogen oder geknickt,
so dass die Riffelung auf der Rückseite des Prägewerkzeugs angeordnet ist. Die Riffelung
im zweiten Randbereich war hierbei ursprünglich auf der Vorderseite des Prägewerkzeugs
angeordnet und befindet sich nach dem Biegen oder Knicken des Prägewerkzeugs auf der
Rückseite des Prägewerkzeugs. Bei dieser ersten Ausführungsform der Erfindung verzahnen
also die beiden Randbereiche des Prägewerkzeugs miteinander, wodurch ein Verrutschen
oder Verschieben der Prägeplatte verhindert wird.
[0011] Alternativ weist das Prägewerkzeug eine Riffelung in einen ersten Randbereich des
Prägewerkzeugs auf der Rückseite des Prägewerkzeugs und eine Riffelung in einem zweiten
Randbereich des Prägewerkzeugs auf der Rückseite des Prägewerkzeugs auf. Somit weisen
beide Randbereiche eine Riffelung auf der Rückseite des Prägewerkzeugs auf. Der erste
und der zweite Randbereich liegen auf dem Prägewerkzeug gegenüber und verzahnen sich
bei einem nachfolgenden Spannen des Prägewerkzeugs auf einen Prägezylinder mit einer
Riffelung auf dem Prägezylinder. Der erste und der zweite Randbereich sind nach hinten
um etwa 180° gebogen oder geknickt, so dass die Riffelungen, die ursprünglich auf
der Vorderseite des Prägewerkzeugs angeordnet waren, auf der Rückseite des Prägewerkzeugs
angeordnet sind. Bei dieser zweiten Ausführungsform der Erfindung verzahnen also die
beiden Randbereiche des Prägewerkzeugs jeweils mit einer Riffelung auf dem Prägezylinder,
wodurch ein Verrutschen oder Verschieben der Prägeplatte auf dem Prägezylinder verhindert
wird.
[0012] In beiden Ausführungsformen liegen sich der erste und der zweite Randbereich auf
dem Prägewerkzeug gegenüber. Bei einem rechteckigen Prägewerkzeug, wie es üblicherweise
verwendet wird, bedeutet dies, dass die beiden Randbereiche jeweils an einer Querseite
des Rechtecks angeordnet sind. Die beiden Querseiten sind hierbei diejenigen Seiten
des rechteckförmigen Prägewerkzeugs, die sich nach dem Biegen des Prägewerkzeugs in
eine zylindrische Form überlappen bzw. annähern.
[0013] Der Prägezylinder ist hierbei bevorzugt ein Spannzylinder, auf den das Prägewerkzeug
mechanisch aufgespannt und mit Spannmitteln, beispielsweise eine Verschraubung oder
einer Spannleiste, mechanisch gehalten wird. Alternativ ist der Prägezylinder ein
Magnetzylinder, auf den das Prägewerkzeug mechanisch aufgespannt und über magnetische
Anziehungskräfte gehalten wird.
[0014] Eine Riffelung ist im Sinne dieser Erfindung eine Anordnung von erhöhten und/oder
vertieften Strukturen in dem Prägewerkzeug, die Rasterartig angeordnet sind. Im einfachsten
Fall handelt es sich bei der Riffelung um eine einzige linienförmige Erhöhung oder
Vertiefung im ersten Randbereich und eine einzige linienförmige Vertiefung oder Erhöhung
im zweiten Randbereich, die nach dem Spannen des Prägewerkzeugs auf den Prägezylinder
parallel zueinander ausgerichtet sind. Eine Verbesserung der Verzahnung ergibt sich,
wenn zwei oder mehr linienförmige Erhöhungen und/ oder Vertiefungen in dem jeweiligen
Randbereich angeordnet sind, die nach dem Spannen des Prägewerkzeugs auf den Prägezylinder
jeweils parallel zueinander ausgerichtet sind. Die linienförmigen Elemente können
auch wellenförmig, zickzackförmig oder in einer anderen Form ausgestaltet sein und
auch Unterbrechungen aufweisen. Wichtig ist hierbei lediglich, dass die Strukturen
der beiden Randbereiche nach dem Spannen des Prägewerkzeugs auf den Prägezylinder
jeweils parallel zueinander ausgerichtet sind bzw. sich ineinander verzahnen können.
Statt linienförmiger Strukturen sind auch nicht-linienförmige Strukturen möglich,
wie beispielsweise Pyramiden oder Noppen, die rasterartig angeordnet sind.
[0015] Besonders bevorzugt ist der Randbereich mit der Riffelung parallel zu seiner äußeren
Kante nach hinten gebogen oder geknickt. Diese Ausführungsform eignet sich besonders
vorteilhaft bei einer Riffelung, die aus linienförmig ausgebildeten erhabenen und/oder
vertieften Strukturen besteht, die parallel zu der äußeren Kante des Randbereichen
des Prägewerkzeugs ausgerichtet sind, die sich nach dem Spannen des Prägewerkzeugs
auf einen Spannzylinder mit dem anderen Randbereich überlappt. Sind die linienförmig
ausgebildeten erhabenen und/oder vertieften Strukturen mit einem bestimmten Winkel
zu der genannten äußeren Kante des Randbereichen des Prägewerkzeugs ausgerichtet,
ist auch eine Ausrichtung der Knickkante mit diesem bestimmten Winkel möglich. In
diesem Fall ist somit der Randbereich mit der Riffelung nicht parallel zu seiner Kante
nach hinten gebogen oder geknickt, sondern schräg mit dem bestimmten Winkel.
[0016] Das Biegen bzw. Knicken im Randbereich des Prägewerkzeugs ermöglicht eine Riffelung
auf beiden Seiten des Prägewerkzeugs, wobei sich die beiden Riffelungen ineinander
verzahnen. Es ergibt sich eine festere Aufnahme des Prägewerkzeugs auf dem Prägezylinder,
wodurch ein Verrutschen oder Verschieben des Prägewerkzeugs auf dem Prägezylinder
vermindert oder verhindert wird. Des Weiteren wird durch die Riffelung ein passergenaues
Ausrichten des Prägewerkzeugs auf dem Prägezylinder in Form eines "Einrastens" beider
Riffelungen ineinander in einer vorbestimmten Lage zueinander ermöglicht.
[0017] Des Weiteren bewirkt das Biegen bzw. Knicken im Randbereich auch eine Erhöhung der
Dicke des Randbereichs des Prägewerkzeugs. Dabei ist es besonders vorteilhaft auch
möglich, die Kante nicht nur einmal sondern auch mehrfach nach hinten umzubiegen,
also mehrmals um 180°. Bei jeder Biegung bzw. Knickung des Randbereichs um 180° ergibt
sich eine Erhöhung der Dicke des Randbereichs des Prägewerkzeugs um die Dicke des
Prägewerkzeugs. Bei einer Biegung bzw. Knickung des Randbereichs um einmal 180° ergibt
sich somit eine Verdoppelung der Dicke des Prägewerkzeugs, eine Biegung bzw. Knickung
des Randbereichs um zweimal 180° ergibt eine Verdreifachung der Dicke des Prägewerkzeugs,
eine Biegung bzw. Knickung des Randbereichs um dreimal 180° ergibt eine Vervierfachung
der Dicke des Prägewerkzeugs und so weiter. Hierbei ergibt sich besonders vorteilhaft
eine sehr dicke Randzone des Prägewerkzeugs, die ein Verspannen des Prägewerkzeugs
auf dem Spannzylinder oder Magnetzylinder verbessert. Selbstverständlich kann bei
einem mehrfachen Biegen bzw. Knicken des Randbereichs des Prägewerkzeugs die entsprechende
Riffelung nicht mehr im Randbereich direkt an einer Kante des Prägewerkzeugs angeordnet
sein, da sie ansonsten im Inneren der spiralförmigen Biegungen bzw. Knickungen angeordnet
wäre. In diesem Fall muss die Riffelung parallel zur Kante des Prägewerkzeugs zur
Mitte des Prägewerkzeugs hin verschoben werden und zwar so weit, dass sie nach dem
mehrfachen Biegen bzw. Knicken an dem neuen Rand des Prägewerkzeugs an der Unterseite
zu liegen kommt.
[0018] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ist sowohl der erste Randbereich
des Prägewerkzeugs als auch der zweiten Randbereich des Prägewerkzeugs einfach und/oder
mehrfach nach hinten gebogen bzw. geknickt. Hierbei ergibt sich besonders vorteilhaft
an beiden Randbereichen eine Verdickung des Randbereiches des Prägewerkzeugs, die
ein Verspannen des Prägewerkzeugs auf dem Prägezylinder zusätzlich verbessert. Vorteilhaft
kann das Verzahnen und/ oder der Passer der beiden Riffelungen weiter unterstützt
werden, indem erste Strukturen der jeweiligen Riffelung parallel oder nahezu parallel
zu der äußeren Kante der Randbereiche des Prägewerkzeugs ausgerichtet und eine zweite
Strukturen quer zu der äußeren Kante des Randbereichen des Prägewerkzeugs ausgerichtet
sind, beispielsweise mit einem Winkel von 90°, um auch ein seitliches Verzahnen und/
oder eine seitliche Passerung zu gewährleisten. Mit der Riffelung kann somit sowohl
die x-Achse (parallel zur Kante) als auch die y-Achse (quer zur Kante) des Prägewerkzeugs
genau zueinander in Position gebracht werden.
[0019] Eine Zickzack-Riffelung ermöglicht dabei besonders vorteilhaft eine Kombination aus
einer seitlichen und parallelen Ausrichtung des Prägewerkzeuges in einem Zug.
[0020] Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Prägewerkzeugs ist es, dass das exakte
Zuschneiden des Endformates des Prägewerkzeugs nicht maßgeblich ist, sondern die exakte
CAD-Umsetzung bzw. galvanische Abformung der Riffelung im Prägewerkzeug. Somit können
Schneidtoleranzen deutlich größer ausfallen und die Wiederholbarkeit einer Fertigung
ist um das Vielfache gesteigert.
[0021] Insbesondere können mit dem erfindungsgemäßen Prägewerkzeug Maschinen zum Einsatz
kommen, die geeignet sind, das Prägewerkzeug zu halten, anzuschrauben, anzunieten,
anzusaugen, aufzuspannen, magnetisch zu halten oder mit Hilfsmitteln zur Haftung auf
dem Prägezylinder zu bringen. Das können Prägevorrichtungen, Stanzmaschinen, Falzmaschinen,
Offsetmaschinen, Hochdruckmaschinen, Lackmaschinen mit Offsetwerken oder Lackwerken,
Tiefdruckmaschinen, Stichtiefdruckmaschinen sowie digitale Druckmaschinen oder Siebdruckmaschinen
sein, die grundsätzlich eine Prägung ermöglichen. Des Weiteren können Maschinen zum
Einsatz kommen, welche flach/ flach, rund/ flach, flach/ rund, rund/ rund in der Prägeausführung
ausgestaltet sind. Des Weiteren können Bohrungskörnungen innerhalb des Riffelbereiches,
oder in unmittelbarer Nähe, angebracht werden um ein Vernieten, Verschrauben oder
technisches Verösen zu erleichtern und auf engsten Raum eines Druckspalts zum Liegen
kommen.
[0022] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ist die Riffelung auf die Geometrie
und die Abmessungen eines Spannkanals im Spannzylinder angepasst, beispielsweise an
dessen Höhe, Breite oder Flankenwinkel Ebenso kann die Riffelung auf vorhandene Spannzangen,
Schnellspannschinen oder andere Aufnahmewerkzeuge abgestimmt werden. Hierzu kann die
Riffelungsgeometrie in z.B. Höhe, Breite, Abstand nahezu beliebig angepasst werden.
[0023] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ist das Prägewerkzeug eine Hochdruckplatte.
Diese Hochdruckplatte wird besonders bevorzugt galvanisch von einer Tiefdruckplatte
abgeformt, wie es beispielsweise aus der
DE 10 2017 005 838 A1 bekannt ist. Damit weist die Hochdruckplatte lediglich auf ihrer Vorderseite Prägestrukturen
bzw. Strukturen zur Erzeugung taktiler Strukturen auf und ist auf ihrer Rückseite
zunächst nahezu glatt. Erst nach dem erfindungsgemäßen Biegen oder Knicken des Randbereichs
weist die Hochdruckform auch auf ihrer Rückseite erhabene und/ oder vertiefte Strukturen
im Riffelbereich auf.
[0024] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung beträgt die Breite oder Linienstärke
der Strukturen der Riffelung mindestens 30 µm.
[0025] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung beträgt die Höhe der Strukturen
der Riffelung gegenüber der umgebenden Oberfläche des Prägewerkzeugs mindestens 10
µm, vorteilhaft 20 µm bis 100 µm und besonders vorteilhaft 100 µm bis 750 µm.
[0026] Gemäß einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung weist das Prägewerkzeug, insbesondere
ein Prägewerkzeug aus Nickel, Kupfer, Messing, Federstahl oder Zink, eine Dicke von
etwa 150 µm bis etwa 3000 µm auf. Weitere Ausgestaltungen gehen auch deutlich über
diese Materialstärken hinaus. Hierbei können auch Stärken von beispielsweise 10 mm
gewünscht sein. Die Länge und Breite des Prägewerkzeugs beträgt besonders vorteilhaft
jeweils etwa 1000 mm bis etwa 1200 mm.
[0027] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung variiert die Anzahl, Geometrie und
Belegung der Strukturen der Riffelung, je nach Anforderung der Aufnahmebedingungen
in Form, Verteilung, Größe und Abstand.
[0028] Besondere weitere Vorteile der Erfindung sind zum einen eine höhere Steifigkeit des
Randbereiches des Prägewerkzeugs durch das Biegen oder Knicken sowie eine abgerundete
Biege- bzw. Knickkante und dadurch eine Verminderung der Gefahr der Verletzung des
Substrats oder des Bedienpersonals. Des Weiteren kann mit der Riffelung exakt auf
die Aufnahmebedürfnisse eingegangen werden (Linienabstand, Geometrien, Linienausrichtung,
Höhenprofil usw.). Durch Höhenunterschiede in der Riffelung kann zusätzlich ein exakteres
Aufeinandertreffen der beiden Randbereiche gewährleistet werden.
[0029] Das Substrat, in das die Prägestrukturen im Prägevorgang abgeformt werden, besteht
besonders bevorzugt aus Papier aus Baumwollfasern, wie es beispielsweise für Banknoten
oder als Passvorsatzmaterial verwendet wird, oder aus anderen natürlichen Fasern oder
aus Synthesefasern oder einer Mischung aus natürlichen und synthetischen Fasern, oder
aus mindestens einer Kunststofffolie. Weiterhin bevorzugt besteht das Substrat aus
einer Kombination aus mindestens zwei übereinander angeordneten und miteinander verbundenen
unterschiedlichen Substraten, einem sogenannten Hybrid. Hierbei besteht das Substrat
beispielsweise aus einer Kombination Kunststofffolie-Papier-Kunststofffolie, d.h.
ein Substrat aus Papier wird auf jeder seiner beiden Seiten durch eine Kunststofffolie
bedeckt, oder aus einer Kombination Papier-Kunststofffolie-Papier, d.h. ein Substrat
aus einer Kunststofffolie wird auf jeder seiner beiden Seiten durch Papier bedeckt.
[0030] Weitere Substrate können dabei zum Einsatz kommen, welche sich im besonderen Maße
zum Prägen eignen, beispielsweise Metallfolien, Dünnfolien, Karton, oberflächenbehandelter
Karton oder kaschiertes Substrat.
[0031] Die Papierschicht weist üblicherweise ein Gewicht von 40 g/m
2 bis 400 g/m
2 auf, vorzugsweise von 80 g/m
2 bis 250 g/m
2. Selbstverständlich kann je nach Anwendung jedes andere geeignete Gewicht und jede
andere geeignete Stärke eingesetzt werden. Die Dicke des Substrats beträgt bevorzugt
etwa90 µm oder mehr.
[0032] Wertdokumente, für die ein derartiges Substrat bzw. Sicherheitspapier verwendet werden
kann, sind insbesondere Banknoten, Aktien, Anleihen, Urkunden, Gutscheine, Schecks,
hochwertige Eintrittskarten, aber auch andere fälschungsgefährdete Papiere, wie Pässe
und sonstige Ausweisdokumente, sowie Karten, wie beispielsweise Kredit- oder Debitkarten,
deren Kartenkörper mindestens eine Lage eines Sicherheitspapiers aufweist, und auch
Produktsicherungselemente, wie Etiketten, Siegel, Blister, Verpackungen, Faltschachteln,
Beipackzettel, Aufbewahrungsboxen und dergleichen. Die vereinfachte Benennung Wertdokument
schließt alle oben genannten Materialien, Dokumente und Produktsicherungselemente
ein.
[0033] Als Passer oder Register im Sinne dieser Erfindung wird die Lagegenauigkeit von Prägestrukturen
oder anderer Elemente zueinander auf Vorder- und/ oder Rückseite eines Prägewerkzeugs
oder eines Substrats bezeichnet. Beispielsweise stören bei Teilen von Druckbildern,
die sich in Durchsicht zu einem Gesamtdruckbild ergänzen, bereits geringe Abweichungen
von weniger als 0,1 mm zwischen den jeweiligen Druckbildern den visuellen Eindruck
in Durchsicht erheblich. Die DIN 16500-2: 1987-01 definiert als Passer die Genauigkeit
in der Drucktechnik, mit der die vorgesehene Wiedergabegüte der zu reproduzierenden
Details erreicht bzw. eingehalten wird.
[0034] Die Begriffe "Vorderseite" oder "Rückseite" eines Prägewerkzeugs sind relative Begriffe,
die auch als "die prägende" und "die gegenüberliegende" Seite bezeichnet werden können
und die den überwiegenden Anteil der Gesamtoberfläche des Prägewerkzeugs bilden. Ausdrücklich
nicht umfasst mit diesen Begriffen sind die Seitenflächen eines Prägewerkzeugs, die
im Vergleich zu der Ausdehnung des Prägewerkzeugs verschwindend gering sind und nicht
mit Prägeelementen oder Beschichtungen versehen werden bzw. werden können.
[0035] Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachfolgend noch zu erläuternden
Merkmale nicht nur in den angegebenen Kombinationen, sondern auch in anderen Kombinationen
einsetzbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden Erfindung zu verlassen, soweit dies
von dem Schutzumfang der Ansprüche erfasst ist.
[0036] Anhand der nachfolgenden Ausführungsbeispiele und der ergänzenden Figuren werden
die Vorteile der Erfindung erläutert. Die Ausführungsbeispiele stellen bevorzugte
Ausführungsformen dar, auf die jedoch die Erfindung in keinerlei Weise beschränkt
sein soll. Des Weiteren sind die Darstellungen in den Figuren des besseren Verständnisses
wegen stark schematisiert und spiegeln nicht die realen Gegebenheiten wider. Insbesondere
entsprechen die in den Figuren gezeigten Proportionen nicht den in der Realität vorliegenden
Verhältnissen und dienen ausschließlich zur Verbesserung der Anschaulichkeit. Des
Weiteren sind die in den folgenden Ausführungsbeispielen beschriebenen Ausführungsformen
der besseren Verständlichkeit wegen auf die wesentlichen Kerninformationen reduziert.
Bei der praktischen Umsetzung können wesentlich komplexere Muster oder Bilder zur
Anwendung kommen.
[0037] Im Einzelnen zeigen schematisch:
- Fig. 1
- in Seitenansicht ein erfindungsgemäßes Prägewerkzeug in einer ersten Ausführungsform
und hierbei in Fig. 1a vor dem Biegen der Kanten des Prägewerkzeugs und in Fig. 1b
nach dem Biegen der Kanten des Prägewerkzeugs,
- Fig. 2
- in Seitenansicht ein erfindungsgemäßes Prägewerkzeug in einer zweiten Ausführungsform
und hierbei in Fig. 2a vor dem Biegen einer Kante des Prägewerkzeugs und in Fig. 2b
nach dem Biegen der Kante des Prägewerkzeugs,
- Fig. 3
- in Seitenansicht ein erfindungsgemäßes Prägewerkzeug in gebogener Form kurz vor dem
Aufspannen auf einen Prägezylinder,
- Fig. 4
- in Draufsicht auf die Vorderseite ein erfindungsgemäßes Prägewerkzeug in einer dritten
Ausführungsform.
[0038] Die Fig. 1 zeigt in Seitenansicht in Fig. 1a ein erfindungsgemäßes Prägewerkzeug
1 in einer ersten Ausführungsform mit Prägestrukturen 2 auf der Vorderseite V, die
nach einem Prägevorgang in ein Substrat abgeformt werden. Das Prägewerkzeug 1 ist
hierbei als Hochdruckplatte nach der galvanischen Abformung einer entsprechenden Tiefdruckform
noch vor dem kreisbogenförmigen Biegen des gesamten Prägewerkzeugs dargestellt. Am
linken und rechten Rand des Prägewerkzeugs 1 befinden sich Riffelungen 3, 4, 5 und
6, die in Form parallel angeordneter walmdachförmiger Strukturen auf der Vorderseite
des Prägewerkzeugs 1 ausgebildet sind. Die jeweils äußere Riffelung 4 und 6 kann entlang
der Knickkante 7 bzw. 8 um etwa 180° nach unten auf die Rückseite R gebogen bzw. geknickt
werden.
[0039] Fig. 1b zeigt das Prägewerkzeug 1 aus Fig. 1a nach dem Biegen der Bereiche mit den
äußeren Riffelungen 4 und 6 um etwa 180° in Richtung der beiden Pfeile. Es ergibt
sich ein Prägewerkzeug, das sowohl an seiner Vorderseite V, als auch an seiner Rückseite
R eine Riffelung und eine Verdickung an beiden Rändern des Prägewerkzeugs aufweist.
[0040] Die Fig. 2 zeigt in Seitenansicht in Fig. 2a ein erfindungsgemäßes Prägewerkzeug
1 in einer zweiten Ausführungsform, bei der im Gegensatz zu dem Prägewerkzeug aus
Fig. 1 nur ein Rand mit einer Riffelung 9 entlang der Knickkante 11 um etwa 180° nach
unten auf die Rückseite R gebogen bzw. geknickt wird. Fig. 2b zeigt das Prägewerkzeug
1 aus Fig. 2a nach dem Biegen des Bereichs mit der äußeren Riffelung 9 um etwa 180°
in Richtung des Pfeils. Es ergibt sich ein Prägewerkzeug, das an seiner Vorderseite
V eine Riffelung 10 am rechten Rand des Prägewerkzeugs 1 und an seiner Rückseite R
eine Riffelung 9 und eine Verdickung am gegenüberliegenden Rand des Prägewerkzeugs
1 aufweist.
[0041] Fig. 3 zeigt das Prägewerkzeug 1 aus Fig. 2b, nachdem es kreisbogenförmig gebogen
wurde, kurz vor dem Aufspannen auf einen Spannzylinder. Die beiden Riffelungen 9 und
10 verzahnen nach dem Verspannen ineinander und verhindern so ein Verschieben oder
Verrutschen des Prägewerkzeugs auf dem Spannzylinder. Eine Verdickung des Randbereichs
des Prägewerkzeugs entsprechend Fig. 2 ist vorhanden, wurde in Fig. 3 aber aus Gründen
der Übersichtlichkeit nicht dargestellt.
[0042] Fig. 4 zeigt in Draufsicht auf die Vorderseite ein erfindungsgemäßes Prägewerkzeug
1 in einer dritten Ausführungsform. Das Prägewerkzeug 1 ist hierbei als Hochdruckplatte
nach der galvanischen Abformung einer entsprechenden Tiefdruckform noch vor dem kreisbogenförmigen
Biegen des gesamten Prägewerkzeugs dargestellt, aber im Gegensatz zu Fig. 1 noch vor
dem Schneiden der Ränder der Platte P entlang der mit dem Scherensymbol gekennzeichneten
Schnittkanten.
[0043] Riffelungen 11 und 12 in Form paralleler linienförmiger Erhöhungen sind an der linken
und der rechten Kante des Prägewerkzeugs 1 angeordnet und parallel zu der äußeren
Kante des Randbereichen des Prägewerkzeugs 1 ausgerichtet. Die Riffelung 11 wird entlang
der Kante 17 in Richtung des Pfeils um etwa 180° nach hinten auf die Rückseite des
Prägewerkzeugs 1 gebogen bzw. geknickt. Nach einem kreisbogenförmigen Biegen des Prägewerkzeugs
1 entsprechend Fig. 4 verzahnen die beiden Riffelungen 11 und 12 ineinander und verhindern
dabei ein Verschieben des Prägewerkzeugs 1in x-Richtung.
[0044] Zusätzlich weist das Prägewerkzeug 1 Riffelungen 13, 14, 15 und 16 auf, die mit einem
Winkel von 90° quer zu den Riffelungen 11 und 12 und deren äußeren Kante des Randbereichs
des Prägewerkzeugs 1 ausgerichtet sind, um auch ein seitliches Verzahnen und/ oder
eine seitliche Passerung zu gewährleisten. Mit den Riffelungen 13, 14, 15 und 16 kann
somit die y-Achse des Prägewerkzeugs 1 genau zueinander in Position gebracht und auch
gegen Verschieben gesichert werden.
[0045] In den Ecken des Prägewerkzeugs 1 sind Bohrungskörnungen 18 angeordnet, um ein Vernieten,
Verschrauben oder technisches Verösen der überlappenden Randbereiche des Prägewerkzeugs
1 miteinander zu erleichtern.
1. Prägewerkzeug, mit dem taktil erfassbare Strukturen in ein Substrat geprägt werden,
dadurch gekennzeichnet, dass das Prägewerkzeug als Platte mit einer ersten Kante und einer der ersten Kante gegenüberliegenden
zweiten Kante ausgebildet ist, wobei das Prägewerkzeug eine erste Riffelung in einem
Randbereich der ersten Kante des Prägewerkzeugs auf dessen Vorderseite und eine zweite
Riffelung in einem Randbereich der zweiten Kante des Prägewerkzeugs auf dessen Rückseite
aufweist, wobei sich der Randbereich der ersten Kante und der Randbereich der zweiten
Kante bei einem nachfolgenden Spannen des Prägewerkzeugs auf einen Prägezylinder derart
überlappen, dass der Randbereich der ersten Kante unterhalb des Randbereichs der zweiten
Kante angeordnet ist, so dass sich die erste Riffelung und die zweite Riffelung miteinander
verzahnen.
2. Prägewerkzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Randbereich nach hinten um etwa 180° gebogen oder geknickt ist, so dass
die Riffelung im zweiten Randbereich, die ursprünglich auf der Vorderseite des Prägewerkzeugs
angeordnet war, auf der Rückseite des Prägewerkzeugs angeordnet ist.
3. Prägewerkzeug, mit dem taktil erfassbare Strukturen in ein Substrat geprägt werden,
dadurch gekennzeichnet, dass das Prägewerkzeug eine Riffelung in einen ersten Randbereich des Prägewerkzeugs auf
der Rückseite des Prägewerkzeugs und eine Riffelung in einem zweiten Randbereich des
Prägewerkzeugs auf der Rückseite des Prägewerkzeugs aufweist, wobei sich der erste
und der zweite Randbereich auf dem Prägewerkzeug gegenüberliegen und sich bei einem
nachfolgenden Spannen des Prägewerkzeugs auf einen Prägezylinder mit einer Riffelung
auf dem Prägezylinder verzahnen,
4. wobei der erste und der zweite Randbereich nach hinten um etwa 180° gebogen oder geknickt
sind, so dass die Riffelungen, die ursprünglich auf der Vorderseite des Prägewerkzeugs
angeordnet waren, auf der Rückseite des Prägewerkzeugs angeordnet sind.
5. Prägewerkzeug nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Prägezylinder ein Spannzylinder ist, auf den das Prägewerkzeug mechanisch aufgespannt
und mit Spannmitteln mechanisch gehalten wird.
6. Prägewerkzeug nach mindestens einem der vorigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Randbereich mit der Riffelung parallel zu seiner äußeren Kante nach hinten gebogen
oder geknickt ist.
7. Prägewerkzeug nach mindestens einem der vorigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Randbereich nicht nur einmal sondern mehrfach nach hinten also mehrmals
um 180° umgebogen ist, wobei sich bei jeder Biegung bzw. Knickung des Randbereichs
um 180° eine Erhöhung der Dicke des Randbereichs des Prägewerkzeugs um die Dicke des
Prägewerkzeugs ergibt.
8. Prägewerkzeug nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass sowohl der erste Randbereich des Prägewerkzeugs als auch der zweiten Randbereich
des Prägewerkzeugs einfach und/oder mehrfach nach hinten gebogen bzw. geknickt ist.
9. Prägewerkzeug nach mindestens einem der vorigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass erste Strukturen der jeweiligen Riffelung parallel oder nahezu parallel zu der äußeren
Kante der Randbereiche des Prägewerkzeugs ausgerichtet sind und zweite Strukturen
quer zu der äußeren Kante des Randbereichen des Prägewerkzeugs ausgerichtet sind.
10. Prägewerkzeug nach mindestens einem der vorigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass Strukturen der jeweiligen Riffelung im Zickzack zu der äußeren Kante der Randbereiche
des Prägewerkzeugs ausgerichtet ist.
11. Prägewerkzeug nach mindestens einem der vorigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Prägewerkzeug eine Hochdruckplatte ist, die besonders bevorzugt galvanisch von
einer Tiefdruckplatte abgeformt ist.
12. Prägewerkzeug nach mindestens einem der vorigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Breite oder Linienstärke der Strukturen der Riffelung mindestens 30 µm beträgt.
13. Prägewerkzeug nach mindestens einem der vorigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Höhe der Strukturen der Riffelung gegenüber der umgebenden Oberfläche des Prägewerkzeugs
mindestens 10 µm, vorteilhaft 20 µm bis 100 µm und besonders vorteilhaft 100 µm bis
750 µm beträgt.