[0001] Die Erfindung betrifft eine Mikrodosiereinrichtung zur dosierten Abgabe und/oder
Aufnahme von Fluidproben im Mikrovolumenbereich und eine mit einer solchen Mikrodosiereinrichtung
versehene Pipettiervorrichtung.
[0002] Pipettiervorrichtungen sind handgehaltene oder automatisierte Laborgeräte, die üblicherweise
in medizinischen, biologischen, biochemischen, chemischen und anderen Laboratorien
verwendet werden. Sie dienen im Labor der präzisen Dosierung sowie dem Transport von
fluiden Proben mit kleinen Volumina und dem Transfer solcher Volumina zwischen unterschiedlichen
Probenbehältnissen. Bei Pipettiervorrichtungen werden z.B. flüssige Proben mittels
Unterdruck in Pipettenbehälter, z.B. Pipettenspitzen, eingesaugt, dort gelagert, und
am Zielort wieder aus diesen abgegeben.
[0003] Zu den handgehaltenen Pipettiervorrichtungen gehören z.B. handgehaltene Pipetten
und Repetierpipetten, wobei letztere auch als Dispenser bezeichnet werden. Unter einer
Pipette wird ein Gerät verstanden, bei dem mittels einer Bewegungseinrichtung, die
dem Gerät zugeordnet ist und die insbesondere einen Kolben aufweisen kann, eine zu
pipettierende Probe in einen mit der Pipette lösbar verbundenen Pipettierbehälter,
insbesondere eine Pipettenspitze, eingesaugt werden kann. Bei einer Luftpolsterpipette
ist der Kolben dem Gerät zugeordnet und zwischen der zu pipettierenden Probe und dem
Kolbenende befindet sich als druckübertragendes Fluid ein Luftpolster, das beim Aufnehmen
der Probe in den Pipettierbehälter unter einem Unterdruck steht, durch den die Probe
in den Pipettierbehälter gesaugt wird und/oder im Pipettierbehälter gehalten wird.
Unter einem Dispenser wird ein Gerät verstanden, bei dem mittels einer Bewegungseinrichtung,
die insbesondere einen Kolben aufweisen kann, ein zu pipettierendes Volumen eines
flüssigen Fluids in einen mit dem Dispenser verbundenen Pipettierbehälter, insbesondere
eine nach dem Spritzenprinzip ausgestaltete Dispenserspitze, eingesaugt werden kann,
wobei die Bewegungseinrichtung zumindest teilweise dem Pipettierbehälter zugeordnet
ist, indem z.B. der Kolben im Pipettierbehälter angeordnet ist. Beim Dispenser befindet
sich das Kolbenende sehr nahe an der zu pipettierenden Fluidprobe oder in Kontakt
mit dieser, weshalb man den Dispenser auch als Direktverdrängerpipette bezeichnet.
Pipettiervorrichtungen mit einem als Kolben ausgebildeten Verdrängungselement werden
auch als Kolbenhubpipetten bezeichnet.
[0004] Pipettenspitzen oder Dispenserspitzen bestehen insbesondere aus Kunststoff und können
als Einmalartikel nach Gebrauch weggeworfen bzw. durch eine frische Pipettenspitze
oder Dispenserspitze ersetzt werden. Sie können aber auch aus Metall oder Glas bestehen
oder solches Material aufweisen. Pipettenspitzen oder Dispenserspitze werden in verschiedenen
Größen für Dosierungen in verschiedenen Volumenbereichen zur Verfügung gestellt.
[0005] Bei einer Pipettiervorrichtung kann die durch eine einzelne Betätigung abgegebene
Probenmenge der in das Gerät aufgesaugten Probenmenge entsprechen. Es kann aber auch
vorgesehen sein, dass eine mehreren Abgabemengen entsprechende aufgenommene Probenmenge
schrittweise wieder abgegeben wird. Zudem wird zwischen Einkanal-Pipettiervorrichtungen
und Mehrkanal-Pipettiervorrichtungen unterschieden, wobei Einkanal-Pipettiervorrichtungen
nur einen einzigen Abgabe-/Aufnahmekanal enthalten und Mehrkanal-Pipettiervorrichtungen
mehrere Abgabe-/Aufnahmekanäle enthalten, die insbesondere das parallele Abgeben oder
Aufnehmen mehrerer Proben erlauben.
[0006] Beispiele für handgehaltene, elektronische Pipettiervorrichtungen bzw. Pipetten sind
die Eppendorf Xplorer® und die Eppendorf Xplorer® plus der Eppendorf AG, Deutschland,
Hamburg; Beispiele für handgehaltene, elektronische Dispenser sind die Multipette®
E3 und Multipette® E3x der Eppendorf AG, Deutschland, Hamburg. Diese Geräte werden,
wie auch die Pipettiervorrichtung gemäß der vorliegenden Erfindung, elektrisch betrieben,
indem das pipettierende bewegbare Teil, insbesondere der Kolben, durch eine elektrische
Motoreinrichtung der Pipettiervorrichtung bewegt wird. Ein Beispiel für einen Pipettierautomaten
ist die Eppendorf epMotion®.
[0007] Pipettiervorrichtungen dienen der Dosierung und somit der präzisen Abmessung von
Flüssigkeitsvolumina. Beim Dosieren sehr kleiner Flüssigkeitsmengen mit Hilfe einer
Kolbenhubpipette können die systematischen und zufälligen Fehler der Dosierung beträchtlich
anwachsen. Details zum üblichen Vorgehen bei der Fehlerbestimmung und bei der Dosierung
kleiner Volumina, insbesondere durch Wandabgabe im Behälter, finden sich in der DIN
EN ISO 8655. Bei der Abgabe nach der Freistrahlmethode, bei der die Fluidprobe als
Strahl oder freier Tropfen -auch bezeichnet als Jet- den Pipettierbehälter verlässt,
können kleinste Volumina zwischen 0,1 µl und 1,0 µl, vorliegend vorzugsweise zusammengefasst
unter dem Begriff "Mikrovolumina", mit herkömmlichen Pipettiervorrichtungen nicht
mehr ausreichend sicher dosiert werden. Hierfür sind verschiedene physikalische Einflüsse
verantwortlich. Zu diesen Einflüssen gehören unter anderem die Bildung von Satellitentropfen
durch Reflexion des abgegebenen Volumens an der Flüssigkeitsoberfläche, an der sie
auftreffen; der unvollständige Ausstoß des in der Pipettenspitze befindlichen Volumens;
die geometrischen Verhältnisse innerhalb der Pipettenspitze; die Oberflächenspannung
von Flüssigkeiten und Pipettenspitze und das damit verbundene Benetzungsverhalten
bzw. das Auftreten von Kapillarkräften; die elektrostatische Aufladung der Pipettenspitze;
eine zu geringe Strömungsgeschwindigkeit bzw. kinetische Energie der Fluidprobe an
der Austrittsöffnung der Pipettenspitze. Die Abgabe kleinster Volumina wird zudem
dadurch erschwert, dass das Gesamtluftvolumen zwischen Kolben und Probenflüssigkeit
als dämpfendes Element hinter dem auszustoßenden Volumen liegt und der effizienten
Abgabe eines Freistrahls entgegenwirkt.
[0008] Um auch Fluidproben mit geringem Volumen im Freistrahl dosiert abgeben zu können,
wurden im Stand der Technik verschiedene Ansätze verfolgt.
[0009] Die
US9221046B2 beschreibt eine Pipette, die einen in Längsrichtung segmentierten Zylinderkolben
mit Segmenten unterschiedlichen Durchmessers und einen Kolben mit entsprechend in
Längsrichtung verteilten, unterschiedlich dimensionierten Verschlusselementen aufweist.
Durch die unterschiedlichen Durchmesser können größere Volumen und kleinere Volumen
präzise abgegeben bzw. aufgenommen werden. Durch eine geeignete Ausgestaltung wird
von dieser Pipette ein an der Auslassöffnung haftender Tropfen ruckartig per "Blowout"
abgegeben.
[0010] Die
EP0119573A1 beschreibt einen Dispenser zur Abgabe von Mikrotropfen einer Laborprobe. Eine als
elastisches Rohr gebildete Probenkammer mit einer nahe gelegenen Auslassöffnung weist
einen elastischen Abschnitt auf, der durch die Aktuierung eines elektromagnetisch
angetriebenen Ankerbolzens komprimiert wird. Die resultierende Druckwelle wirkt in
Richtung der Auslassöffnung und bewirkt den Auswurf eines Mikrotropfens.
[0011] Die
EP0876219B1 beschreibt einen Pipettierapparat, der eine Dispenserspitze und, mit dieser über
einen Fluidkanal verbunden, einen mit Ventil versehenen Kolbenverdränger aufweist,
mittels dem duch die Pipettenspitze größere Volumina pipettierbar, also ansaugbar
und abgebbar sind. Zwischen der Pipettenspitze und dem Kolbenverdränger ist ein Impulsgenerator
angeordnet, der auf die Flüssigkeit im Fluidkanal einen Impuls ausübt, um einen kleinen
Tropfen definierter Größe aus der Pipettenspitze auszuwerfen. Der Impulsgenerator
kann ein elektromagnetischer Aktuator oder ein Piezoelement sein oder kann eine Ultraschall-
oder Wärmequelle aufweisen.
[0012] Die
EP1206966B1 beschreibt einen Pipettierapparat zur wahlweisen Abgabe größerer Volumina oder kleinster
Volumina für die Life-Science. Hierbei wird ein mittels Spindelantrieb bewegbarer
Zylinderkolbenverschluss in einer Kolbenkammer mit einem Impulsgenerator, hier ein
Piezoelement, versehen. Der Impulsgenerator als Teil des Zylinderkolbens zwischen
dem Zylinderkolbenverschluss und der Kolbenstange angeordnet. Tropfen im Submikroliterbereich
werden durch das piezogesteuerte, abrupte Stoppen des Kolbens genau dosiert abgegeben.
[0013] Die
EP1654068B1 beschreibt eine Mikrodosiervorrichtung mit einer elastisch verformbaren Fluidleitung,
die ein Flüssigkeitsreservoir mit einer Auslassöffnung der Fluidleitung verbindet.
Entlang einer Strecke der Fluidleitung ist ein von einem Piezoaktor angetriebener
Verdränger angeordnet, dessen Längsposition und dessen Hub beim Pressen auf die Fluidleitung
das abzugebende Flüssigkeitsvolumen definiert. Dieses verlässt die Auslassöffnung
als freifliegendes Tröpfchen oder als freifliegender Strahl.
[0014] Die
WO2013167594A1 beschreibt eine Dispensieranordnung zum Dispensieren von Laborproben, mit einem als
Flüssigkeitsreservoir dienenden Kolbenverdränger zur Abgabe und Aufnahme von Flüssigkeit
mittels einer Kolbenbewegung. Ein verjüngter Auslassbereich der Kolbenkammer ist durch
einen Impulsgenerator anregbar, der piezoelektrisch, pneumatisch, elektromagnetisch
oder mittels Ultraschall antreibbar sein kann. Unter Berücksichtigung der mittels
eines Sensors gemessenen Flüssigkeitsmeniskus an der Auslassöffnung wird mittels Impuls
ein Tropfen mit dem gewünschten Volumen von der Auslassöffnung gelöst.
[0015] Die
WO 99/37400 A1 beschreibt eine Dosiervorrichtung für den Nanoliter- bis Mikroliterbereich mit einer
Druckkammer, die von einem Verdränger begrenzt ist, die über einen mit einem Flüssigkeitsreservoir
verbundenen Einlass befüllbar ist und die über einen Auslass entleerbar ist, wobei
das im Freistrahl abgegebene Flüssigkeitsvolumen über die spannungsgesteuerte Auslenkung
des Verdrängers durch einen Piezoaktor dosiert wird. Einen ähnlichen Dosierer verwendet
auch die
WO 99/10099 A1. Die
DE 197 37 173 B4 beschreibt, einen solchen Freistrahldosierer als mikrosystemtechnisches Dosierelement
zu fertigen.
EP 1 488 106 B1 beschreibt ein Dosiermodul mit Dosierkammer, Aktor und Aktormembran, die zur Erzeugung
eines Freistrahls an einer Kammerwand auftrifft.
[0016] Die genannten Ansätze weisen jeweils bestimmte Nachteile auf und sind insbesondere
entweder aufwändig oder voluminös bzw. unflexibel betreffend der Integration in bestehende
Laborgeräte, oder zu unpräzise zur Erzeugung der gewünschten Mikrodosiervolumina.
[0017] Vor diesem Hintergrund stellt sich die vorliegende Erfindung die Aufgabe, eine effizient
gestaltete Mikrodosiereinrichtung zum präzisen Erzeugen eines Mikrodosiervolumens
einer Fluidprobe in Form eines Mikrofreistrahls bereitzustellen.
[0018] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch die Mikrodosiereinrichtung gemäß Anspruch
1 oder 4. Bevorzugte Ausgestaltungen sind insbesondere Gegenstände der Unteransprüche.
[0019] Gemäß einem ersten Aspekt der Erfindung weist die erfindungsgemäße Mikrodosiereinrichtung
zum Erzeugen eines Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe in Form eines Mikrofreistrahls,
auf:
eine Fluidkammer, einen Fluidkanal, der das Innere der Fluidkammer mit einem Außenraum
verbindet und der der Aufnahme des Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe dient, ein
Verdrängungselement, das zur Auslenkung zwischen einer ersten Position und einer zweiten
Position und zum Verdrängen eines Mikrovolumens der Fluidkammer eingerichtet ist,
wobei die Mikrodosiereinrichtung einen Formgedächtnismaterial-Aktuator aufweist, der
zur Auslenkung des Verdrängungselements angeordnet ist, und wobei die Mikrodosiereinrichtung
dazu eingerichtet ist, dass durch das Verdrängen des Mikrovolumens aus der Fluidkammer
die Abgabe des Mikrodosiervolumens in Form eines Mikrofreistrahls in den Außenraum
bewirkt wird.
[0020] Der Erfindung liegen bezüglich dieser Mikrodosiereinrichtung insbesondere Resultate
von Messungen an Mikrodosiereinrichtungen mit Aktuatoren aus einer Formgedächtnislegierung
zugrunde, die zeigen, dass sich bereits mit sehr kompakt ausgebildeten Formgedächtnismaterial-Aktuatoren
sehr präzise und effizient eine Probenabgabe nach dem Freistrahlprinzip verwirklichen
lässt. Formgedächtnislegierungen (FGL) zeigen aufgrund eines Phasenübergangs ein spezielles
Verhalten, das als Formgedächtniseffekt bekannt ist. Unterhalb einer materialspezifischen
kritischen Temperatur befindet sich ein FGL-Bauteil insbesondere in der Martensit-Phase
und lässt sich bereits durch geringe Kräfte (scheinbar) plastisch verformen. Beim
Aufheizen auf eine weitere kritische Temperatur wird jedoch innerhalb von Millisekunden
die ursprüngliche Bauteilgestalt wiederhergestellt, das Material verhält sich dann
wie ein gewöhnliches Metall entsprechend dem Hookschen Gesetz. Von den Erfindern wurde
festgestellt, dass sich solche Formgedächtnismaterial-Bauteile aufgrund der mit diesen
Bauteilen realisierbaren Kraft-Auslenkungs-Kennlinien besonders zur Erzeugung eines
Mikrofluidfreistrahls eignen. Bevorzugte Ausgestaltungen eines Formgedächtnismaterial-Aktuators
werden nachfolgend noch beschrieben.
[0021] Gemäß einem zweiten Aspekt der Erfindung weist die erfindungsgemäße Mikrodosiereinrichtung
zum Erzeugen eines Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe in Form eines Mikrofreistrahls,
auf:
eine als Mikrodosierkammer ausgebildete Fluidkammer, einen Fluidkanal, der das Innere
der Mikrodosierkammer mit einem Außenraum verbindet und der der Aufnahme des Mikrodosiervolumens
einer Fluidprobe dient, ein Verdrängungselement, das zur Auslenkung zwischen einer
ersten Position und einer zweiten Position und zum Verdrängen eines Mikrovolumens
der Mikrodosierkammer eingerichtet ist, wobei die Mikrodosiereinrichtung eine Anschlageinrichtung
aufweist, die zum Stoppen der Auslenkung des Verdrängungselements eingerichtet ist,
und einen Aktuator aufweist, der zur Auslenkung des Verdrängungselements angeordnet
ist, wobei die Mikrodosiereinrichtung dazu eingerichtet ist, dass durch das Verdrängen
des Mikrovolumens aus der Mikrodosierkammer die Abgabe des Mikrodosiervolumens in
Form eines Mikrofreistrahls in den Außenraum bewirkt wird.
[0022] Unter einer Mikrodosierkammer wird vorliegend eine Kammer verstanden, deren Kammervolumen
-zumindest in der ersten Position- im Mikroliterbereich (V_mikro) liegt, besonders
bevorzugt im Bereich V_mikro kleiner als 2 µl, insbesondere V_mikro kleiner als 1
µl. Der Volumenbereich V_mikro kleiner-gleich als 1 µl, insbesondere kleiner 1 µl,
dabei jeweils insbesondere 50 nl <= V_mikro, wird vorliegend auch als Submikroliterbereich
bezeichnet. Das Kammervolumen kann dem von einem Verdrängungselement verdrängten Volumen
entsprechen, letzteres kann aber auch kleiner sein als das Kammervolumen. Eine Mikrodosierkammer
weist vorzugsweise einen Innenraum mit einem maximalen Volumen von kleiner als 10
µl auf, besonders bevorzugt kleiner als 3 µl, besonders bevorzugt kleiner als 2 µl
und weiter bevorzugt kleiner als 1,5 µl auf. Das maximale Volumen beträgt dabei vorzugsweise
mindestens 50 nl (Nanoliter), mindestens 100 nl oder mindestens 150 nl, oder mindestens
200 nl. Das maximale Volumen kann in der ersten Position des Verdrängungselements
gemessen sein, oder kann der strukturell-geometrischen Bauhöhe, gemessen parallel
der Richtung zwischen erster und zweiter Position, des Innenraums der Mikrodosierkammer
entsprechen bzw. daraus abgeleitet sein.
[0023] Durch dieses sehr geringe Kammervolumen wird eine sehr effiziente Beschleunigung
des in der Fluidkammer befindlichen Fluids erzeugt, wenn das Verdrängungselement zwischen
der ersten und zweiten Position ausgelenkt wird. Durch die Anschlageinrichtung wird
die aktuatorbeschleunigte Auslenkung des Verdrängungselements abrupt beendet, was
letztlich zu einem Abriss des abzugebenden Fluids an der Auslassöffnung und der Erzeugung
eines Freistrahls des Mikrodosiervolumens führt. Auf diese Weise ist die Verwendung
einer Mikrodosierkammer besonders geeignet zur Erzeugung eines Mikrofludijets, vorliegend
auch bezeichnet als Mikrofreistrahl. Ein Mikrofreistrahl ist ein Fluidvolumen im Mikroliterbereich
oder Submikroliterbereich, das als Strahl oder freier Tropfen -auch bezeichnet als
Jet- die Auslassöffnung eines Fluidkanals oder Pipettierbehälters verlässt. Zudem
ist die Dosierung durch die Verwendung der Anschlageinrichtung zum Stoppen der Auslenkung
des Verdrängungselements in der ersten und/oder der zweiten Position sehr präzise
bestimmt und zudem widerstandsfähig und dauerhaft zuverlässig, da die Anschlageinrichtung
durch solide Bauteile realisiert wird. Bevorzugte Ausgestaltungen einer Mikrodosierkammer
und einer Anschlageinrichtung werden nachfolgend noch beschrieben. Die Erfindung betrifft
demnach insbesondere eine Mikrodosiereinrichtung zum Erzeugen eines Mikrodosiervolumens
einer Fluidprobe in Form eines Mikrofreistrahls durch schlagartiges Verdrängen eines
vorbestimmten Mikrovolumens, was durch eine Anschlageinrichtung und/oder einen Formgedächtnismaterial-Aktuator
erreicht wird.
[0024] Das mittels der Mikrodosierkammer durch die Auslenkung zwischen der ersten und zweiten
Position verdrängte Mikrovolumen liegt vorzugsweise im Submikroliterbereich, also
kleiner als 1 µl. Dementsprechend liegt das Fluidvolumen des von der Mikrodosiereinrichtung
abgegebenen Mikrodosiervolumens im Submikroliterbereich. Das als Freistrahl von einer
Mikrodosiereinrichtung erzeugte Mikrodosiervolumen entspricht vorzugsweise im Wesentlichen
dem von einem Verdrängungselement verdrängten Mikrovolumen, insbesondere ist das Mikrodosiervolumen
identisch zu dem von einem Verdrängungselement verdrängten Mikrovolumen. Bei einer
Mikrodosiervorrichtung, die mehr als eine Mikrodosiereinrichtung aufweist, deren Verdrängungselemente
insbesondere unterschiedliche Volumina verdrängen, z.B. ein erstes und ein zweites
Mikrovolumen, entspricht das von der Mikrodosiervorrichtung in Form eines Freistrahls
erzeugte kombinierte Mikrodosiervolumen vorzugsweise im Wesentlichen die Summe der
von den mehreren Verdrängungselementen verdrängten mehreren Mikrovolumina, also z.B.
der Summe des ersten und zweiten Mikrovolumens. Insbesondere ein kombiniertes Mikrodosiervolumen
kann deshalb auch größer als 1 µl sein, und liegt vorzugsweise im Bereich von 0,1
µl bis 5,0 µl, insbesondere 0,1 µl bis 2,5 µl, insbesondere 0,1 µl bis 1,5 µl.
[0025] Ein Aktuator der Mikrodosiereinrichtung ist vorzugsweise ein Formgedächtnismaterial-Aktuator,
kann aber auch ein Aktuator ohne Formgedächtnismaterial sein, insbesondere eine elektromechanischer
Aktuator oder ein piezoelektrischer Aktuator.
[0026] Für die Aktuierung werden im Rahmen dieser Erfindung vorzugsweise Aktuatoren verwendet,
die zumindest abschnittsweise oder vollständig aus einer Formgedächtnislegierung (FGL)
bestehen oder diese aufweisen. Diese werden als Formgedächtnismaterial-Aktuatoren
oder FGL-Aktuatoren bezeichnet. Im Vergleich zu anderen Aktuatoren besitzen FGL-Aktuatoren
eine besonders hohe Energiedichte, so dass bereits sehr kompakte Aktuatoren zum Antrieb
der hier definierten Mikrodosiereinrichtungen geeignet sind. Ein weiterer entscheidender
Vorteil beim Einsatz der FGL-Aktuatoren, insbesondere gegenüber piezoelektrischen
Aktuatoren ist, dass der Betrieb der FGL-Aktuatoren bei einer relativ geringen Spannung
erfolgen kann, die insbesonder zwischen 3 V und 10 V, insbesondere bei 5 V liegt.
Die erforderlichen Spannungsquellen sind kompakt, so dass sich die vorliegenden Mikrodosiereinrichtungen
insbesondere für die Konstruktion portabler Dosiervorrichtungen, insbesondere Pipettiervorrichtungen
und Mikrodosiervorrichtungen eignen.
[0027] Vorzugsweise weist der Formgedächtnismaterial-Aktuator eine NiTi-Legierung auf oder
besteht aus dieser. Eine NiTi-Legierung (auch bekannt unter dem Handelsnamen Nitinol)
ist insbesondere biokompatibel. Sie ermöglicht Formänderungen von insbesondere bis
zu 8%, wodurch sich insbesondere in effizienter Weise Mikrodosierkammern mit verdrängten
Mikrovolumina im Mikroliterbereich und im Submikroliterbereich erzeugen lassen. Besonders
bevorzugt weist der Formgedächtnismaterial-Aktuator eine Legierung auf der Basis von
TiNiCu auf. Diese ist im Vergleich zum herkömmlichen NiTi besonders ermüdungsresistent
und garantiert deshalb insbesondere eine hohe Zuverlässigkeit der Mikrodosiereinrichtung
über deren gesamte Lebensdauer. Die Phasenübergangs- oder Schalttemperaturen des Materials
lassen sich mittels Dynamischer Differenzkalorimetrie (engl. DSC) bestimmen, siehe
Figur 18. In dieser Messung erscheint der für die Aktuierung wichtige Phasenübergang
als Peak. Aus dem Diagramm lässt sich entnehmen, dass für ein Schalten eines NiTi-Aktuators
die Temperatur auf mindestens 67 °C erhöht werden muss; für das Zurückstellen muss
die Temperatur wiederum auf höchstens 50 °C gesenkt werden.
[0028] Vorzugsweise werden Film-basierte FGL-Aktuatoren verwendet. Die FGL liegt dabei als
Film vor, der eine Dicke zwischen 5 µm und 50 µm, insbesondere zwischen 10 und 30
µm, insbesondere ca. 20 µm aufweist. Diese ermöglicht ein Einstellen der Kräfte und
Stellwege durch Anpassung der zweidimensionalen Geometrie. Die im Verhältnis zum Volumen
sehr große Oberfläche bleibt dabei erhalten und sorgt für eine schnelle Wärmeabgabe
bzw. Rückstellung des FGL-Aktuators im stromlosen Zustand.
[0029] Vorzugsweise ist ein FGL-Aktuator in langgestreckter Form, insbesondere drahtförmig
oder stegförmig, und insbesondere aus einem FGL-Film gefertigt, ausgebildet. Die Enden
des FGL-Aktuators werden elektrisch kontaktiert. Ein FGL-Aktuator wird vorzugsweise
so in der Mikrodosiereinrichtung angeordnet, dass die Belastung des FGL-Aktuators
im Wesentlichen eine Zugbelastung ist. Ein langgestreckter FGL-Aktuator kann in der
nicht-aktivierten Form in einer gekrümmten Geometrie angeordnet werden. Die aktivierte
Form kann eine weniger gekrümmte Form oder eine gerade Ausrichtung aufweisen, insbesondere
kann der langgestreckte FGL-Aktuator in der aktivierten, geraden Form eine geringere
Länge aufweisen als in der nicht aktivierten, stärker gekrümmten Form. Durch die Kontraktion
bei Aktivierung kann eine Kraft auf das Verdrängungselement ausgeübt werden, wenn
die Enden des Aktuators an einem Basiskörper der Mikrodosiereinrichtung verankert
sind. Der FGL-Aktuator wird vorzugsweise so angeordnet, dass der Krümmungsradius stets
mindestens dem 50-fachen des Durchmessers senkrecht zur Längsrichtung des langgestreckten
Aktuators entspricht, um das Risiko einer Beschädigung des FGL-Aktuators zu reduzieren.
Der Durchmesser bzw. die benötigte Stegbreite eines stegförmigen FGL-Aktuators wird
vorzugsweise auf den Bedarf an Stellkraft angepasst, der für die Realisierung der
gewünschten Mikrodosiereinrichtung erforderlich ist. Kraft-Auslenkungs-Kennlinien
von FGL-Aktuatoren sind mittels einer Zugprüfmaschine bestimmbar. Der FGL-Aktuator
kann insbesondere auch als Feder geformt sein, insbesondere Schrauben-, Spiral- oder
Biegefeder. Eine solche Feder kann in der ersten Position entspannt sein und in der
zweiten Position gespannt sein.
[0030] Eine Mikrodosiervorrichtung kann einen Aktuator, insbesondere FGL-Aktuator, aufweisen,
der zur Auslenkung von mindestens zwei Verdrängungselementen eingerichtet ist. Dazu
können die mindestens zwei Verdrängungselemente mechanisch miteinander verbunden oder
wahlweise verbindbar sein. Die Mikrodosiervorrichtung kann eine Kopplungseinrichtung
aufweisen, mittels der die wahlweise Kopplung mindestens eines Aktuators mit einem
oder mehreren Verdrängungselementen aus einer oder mehreren Mikrodosiereinrichtungen
erfolgen kann, insbesondere in Abhängigkeit von einer Ansteuerung durch eine elektrische
Steuereinrichtung der Mikrodosiervorrichtung. Ein einzelner Aktuator, oder eine Kombination
aus mehreren Aktuatoren, kann insbesondere mittels der Kopplungseinrichtung wahlweise
einen oder mehrere Verdrängungselemente synchron -also nach vorgegebenen zeitlichen
Muster und/oder in zeitlicher Abstimmung-, insbesondere gleichzeitig auslenken. Der
Hub, also die Differenz der Strecke zwischen erster und zweiter Position, mindestens
zweier Verdrängungselemente aus mindestens einer Mikrodosiereinrichtung kann gleich
sein oder kann unterschiedlich sein, insbesondere indem zwischen Aktuator und Verdrängungselement
jeweils ein elastisch verformbares Kopplungselement angeordnet ist, z.B. eine Feder.
Der Hub eines Verdrängungselementes einer Mikrodosiereinrichtung beträgt vorzugsweise
zwischen 5 µm und 500 µm, insbesondere zwischen 50 µm und 200 µm, insbesondere zwischen
75 µm und 125 µm und ist insbesondere konstant.
[0031] Die Mikrodosiereinrichtung kann mehr als einen Aktuator aufweisen, insbesondere mindestens
zwei Aktuatoren, die zur Auslenkung des Verdrängungselements angeordnet sind. Insbesondere
können zwei FGL-Aktuatoren verwendet werden, um die Auslenkung des Verdrängungselements
aus der ersten in die zweite Position zu bewirken.
[0032] Vorzugsweise weist die Mikrodosiereinrichtung und/oder die Mikrodosiervorrichtung
eine Aktuatoreinrichtung auf. Diese weist vorzugsweise einen oder mehrere Aktuatoren
auf, insbesondere FGL-Aktuatoren, insbesondere genau zwei Aktuatoren oder mehr als
zwei Aktuatoren, insbesondere FGL-Aktuatoren. Vorzugsweise werden zwei langgestreckte,
insbesondere stegförmige, vorzugsweise auf Film-Basis hergestellte FGL-Aktuatoren
einander überkreuzend, also kreuzförmig bzw. X-förmig, oberhalb eines Verdrängungselements
angeordnet. Die Kreuzungsstelle der FGL-Aktuatoren ist vorzugsweise zentral oberhalb
eines Auflageabschnitts des Verdrängungselements angeordnet, die Enden der FGL-Aktuatoren
an einem Basiskörper der Mikrodosiereinrichtung verankert sind. Die FGL-Aktuatoren
sind vorzugsweise oberhalb der Auflagestelle so gespannt, dass die Kreuzungsstelle
jeweils eine Krümmungsstelle des FGL-Aktuators bildet. Dadurch wird, wie in den Figuren
9a, 9b und 9c beispielhaft dargestellt ist, ein schalenartiger Bereich der Aktuatoranordnung
gebildet, durch die sich die Aktuatoranordnung oberhalb der Auflagestelle zentriert
und eine präzise entlang der linearen Bewegungsrichtung zwischen der ersten und zweiten
Position nach unten gerichtete Kraft erzeugt, die eine entsprechend präzise Auslenkung
zur Folge hat.
[0033] Falls mehrere FGL-Aktuatoren vorgesehen sind, können diese durch ein Verbindungsglied
gekoppelt sein. Dadurch wird die Auslenkung der Aktuatoren weiter synchronisiert und
der Kraftvektor der so gebildeten Aktuatoreinrichtung wird beeinflusst. Bei einer
X-förmigen Anordnung kann ein Verbindungsglied an der Kreuzungsstelle vorgesehen sein;
dadurch wird der bei Kontraktion der FGL-Aktuatoren senkrecht nach unten wirkende
Kraftvektor ausgerichtet, und die FGL-Aktuatoren werden an der Kreuzungsstelle in
Position gehalten. Das Verbindungsglied kann auch so gestaltet sein, dass die FGL-Aktuatoren
einander nicht mechanisch kontaktieren und insbesondere durch das Verbindungsglied
elektrisch voneinander isoliert sind.
[0034] Eine Aktuatoreinrichtung kann einen ersten Aktuator, insbesondere FGL-Aktuator, aufweisen,
der zur Ausübung einer ersten Kraft in einer ersten Richtung eingerichtet ist und
kann insbesondere einen zweiten Aktuator, insbesondere FGL-Aktuator, aufweisen, der
zur Ausübung einer zweiten Kraft in einer zweiten Richtung eingerichtet ist. Die ersten
und zweiten Kräfte können gleich sein. Sie können aber auch unterschiedlich sein.
Die erste und zweite Richtung können gleich sein, können aber auch unterschiedlich
sein. Auf diese Weise lässt sich eine Aktuatoreinrichtung flexibel gestalten. Die
erste Richtung kann die Richtung von der ersten zur zweiten Position sein, die zweite
Richtung kann die entgegengesetzte Richtung sein, von der zweiten zur ersten Position.
Dadurch kann insbesondere auch die Rückstellung des Verdrängungselements von der zweiten
in die erste Position durch einen zweiten FGL-Aktuator erzeugt werden, nachdem die
Auslenkung von der ersten in die zweite Position durch einen ersten FGL-Aktuator erfolgt
ist.
[0035] Vorzugsweise weist die Aktuatoreinrichtung mindestens ein Kopplungselement auf, um
den mindestens einen Aktuator, insbesondere FGL-Aktuator, mit einem Basiskörper zu
verbinden. Das Verdrängungselement ist gegenüber dem Basiskörper insbesondere beweglich
angeordnet. Ein FGL-Aktuator kann durch eine oder mehrere Verbindungseinrichtungen
mit dem Basiskörper verbunden sein. Insbesondere kann ein FGL-Aktuator mit dem Basiskörper
oder mit einem am Basiskörper befestigten Bauteil, z.B. einer Platine, stoffschlüssig
verbunden sein, insbesondere verlötet sein. Ein FGL-Aktuator ist vorzugsweise gegenüber
dem Basiskörper und vorzugsweise gegenüber anderen FGL-Aktuatoren und anderen Teilen
elektrisch isoliert, während vorzugsweise seine Enden mit einer Spannungsquelle verbunden
bzw. verbindbar sind.
[0036] Eine Aktuatoreinrichtung kann ein Getriebe bzw. eine Mechanik aufweisen, die vom
Aktuator, insbesondere FGL-Aktuator, angetrieben wird und die ein oder mehrere Verdrängungselemente
antreibt. Dadurch kann insbesondere eine Übertragung, insbesondere Übersetzung oder
Untersetzung, der vom Aktuator bewirkten Aktuatorauslenkung erzeugt werden, um die
gewünschte Auslenkung des Verdrängungselements von der ersten in die zweite Position
zu bewirken. Insbesondere kann so auch eine Variation des Hubs realisiert werden,
indem die Aktuatorauslenkung wahlweise unterschiedlich in die Auslenkung des Verdrängungselements
übertragen wird. Die Anschlageinrichtung, mit der die Auslenkung des Verdrängungselements
gestoppt wird, kann insbesondere Bestandteil der Mechanik sein.
[0037] Vorzugsweise weist die Mikrodosiereinrichtung eine Anschlageinrichtung auf, die zum
Stoppen der Auslenkung des Verdrängungselements eingerichtet ist. Insbesondere ist
der Anschlageinrichtung ein erster Anschlag der Mikrodosiereinrichtung zugeordnet,
an dem das Verdrängungselement in der ersten Position anschlägt, und/oder ein zweiter
Anschlag zugeordnet, an dem das Verdrängungselement in der zweiten Position anschlägt.
Der Anschlag kann jeweils ein Bereich eines Basiskörpers der Mikrodosiereinrichtung
sein. Bezeichnet man eine lineare Bewegung des Verdrängungselements als eine Bewegung
von oben nach unten, sind die Richtungsbezeichnungen "oben" und "unten" mit Bezug
auf eine einzelne Mikrodosiereinrichtung ausreichend definiert. Ein Anschlag kann
durch einen Bereich des Bodens einer Mikrodosierkammer gebildet sein, die vorzugsweise
durch eine Formgebung des Basiskörpers definiert wird, oder kann durch einen Vorsprung,
einen Flansch, oder einen Abschnitt an der Mikrodosierkammer gebildet sein, der jeweils
vorzugsweise durch eine Formgebung des Basiskörpers definiert wird und/oder durch
ein am Basiskörper angebrachtes Bauteil definiert wird, insbesondere ein Anschlagelement.
Durch den Anschlag wird die erste und/oder die zweite Position präzise definiert,
insbesondere ohne dass eine hohe Präzision der Auslenkung des Aktuators erforderlich
ist, solange mindestens der Hub vom Aktuator erzeugbar ist. Dieses Konzept ist insbesondere,
aber nicht ausschließlich, bei der Verwendung von FGL-Aktuatoren ein sehr effizienter
Ansatz zur Lösung der dem Patent zugrunde gelegten Aufgabe. Vorzugsweise sind die
Positionen des ersten und zweiten Anschlags in Bezug zueinander und/oder in Bezug
auf den Basiskörper unveränderlich. Auf diese Weise lässt sich eine präzise arbeitende
Mikrodosiereinrichtung mit konstantem Hub effizient bereitstellen bzw. herstellen.
[0038] Die Anschlageinrichtung kann mindestens einen Anschlag mit veränderlicher Anschlagsposition
aufweisen, so dass durch die veränderliche Position mindestens eines Anschlags die
erste und/oder zweite Position veränderlich sein kann. Dazu kann ein Anschlagelement
an einem Basiskörper der Mikrodosiereinrichtung vorgesehen sein, dessen Anschlagfläche
in ihrer Position bezüglich des Basiskörpers veränderlich ist. Das Anschlagelement
kann insbesondere ein Gewinde aufweisen, um schraubenartig im Basiskörper versenkbar
und ausfahrbar zu sein, oder kann einen rotierbaren Exzenter aufweisen, der je nach
Rotationsstellung eine andere Anschlaghöhe und damit anderen Hub bietet. Das veränderliche
Anschlagelement kann durch einen Antrieb automatisch verstellbar ausgeführt sein,
und kann insbesondere mittels einer elektrischen Steuereinrichtung steuerbar sein.
Es kann aber auch manuell verstellbar sein.
[0039] Die Mikrodosiereinrichtung bzw. eine Mikrodosiervorrichtung weist vorzugsweise einen
Basiskörper auf. Der Basiskörper ist vorzugsweise integral gebildet, kann aber auch
mehrteilig ausgebildet sein. Er besteht vorzugsweise aus Metall, Kunststoff oder Keramik,
oder weist solche Werkstoffe auf. Das Herstellungsverfahren der Mikrodosiereinrichtung
sieht insbesondere vor, dass die Herstellung des durch ein Urformverfahren, insbesondere
ein Gießverfahren erfolgt, so dass der Basiskörper oder seine Bestandteile vorzugsweise
durch ein Urformverfahren gebildet oder gegossen ist. Der Basiskörper bildet insbesondere
mindestens eine Mikrodosierkammer. Der Basiskörper kann ein erstes Teil aufweisen,
das mindestens eine Fluidkammer bildet. Ein zweites Teil des Basiskörpers kann vorgesehen
sein, um mit dem ersten Teil verbunden zu werden. Der zweite Teil kann insbesondere
mindestens einen Führungsabschnitt oder Führungskanal aufweisen, um das Verdrängungselement
bei der Auslenkung zu führen und an einer senkrechten Längsrichtung der Mikrodosierkammer
auszurichten. Zwischen dem ersten und zweiten Teil kann eine Membran angeordnet werden,
insbesondere befestigt werden, insbesondere durch Klemmen zwischen dem ersten und
zweiten Teil befestigt werden. Die Membran kann insbesondere die Fluidkammer abdichten
und/oder kann insbesondere als Rückstellelement für das Rückstellen des Verdrängungselements
von der zweiten in die erste Position dienen. Das zweite Teil kann insbesondere als
Träger für die Aktuatoreinrichtung bzw. den einen oder die mehreren Aktuatoren eingerichtet
sein, die insbesondere am zweiten Teil verankert sein können. Das erste und/oder das
zweite Teil können jeweils den ersten und/oder den zweiten Anschlag aufweisen, mit
dem die erste und zweite Position definiert werden.
[0040] Das Verdrängungselement ist insbesondere ein Kolben-artiges Teil. Die Form des Verdrängungselements
ist vorzugsweise an seine Auslenkung mithilfe einer Führungseinrichtung angepasst.
Insbesondere kann das Verdrängungselement zylinderförmig sein oder einen oder mehrere
zylinderförmige Abschnitte aufweisen. Es kann aber auch einen anders geformten Querschnitt
-gemessen zur Längsachse durch die Mikrodosiereinrichtung- aufweisen, insbesondere
einen ellipsoiden, dreieckigen, rechteckigen, quadratischen, oder mehreckigen Querschnitt.
Die gegebenenfalls eine Membran oder eine Bodenfläche der Fluidkammer kontaktierende
und auf diese nach unten stoßende Fläche des Verdrängungselements kann abgerundete
Kanten aufweisen, um eine Beschädigung der Membran zu verhindern, zudem kann ein Dämpfungselement
am Verdrängungselement angeordnet sein, um den Stoß bei Bedarf zu dämpfen. Das Verdrängungselement
ist insbesondere solide ausgestaltet, im Gegensatz zur optional vorgesehenen verformbaren
Membran. Das Verdrängungselement darf nicht mit der vorzugsweise vorgesehenen Membran
verwechselt werden. Durch die solide Bauweise ist es möglich, die Anschlageinrichtung
zum Stoppen des Verdrängungselements präzise und dauerhaft zuverlässig zu realisieren.
Das Verdrängungselement ist vorzugsweise aus Metall gefertigt, es kann aber auch aus
einem Kunststoff oder einem Verbundmaterial gefertigt sein.
[0041] Eine Mikrodosierkammer weist einen Innenraum auf, der zur zumindest teilweisen Aufnahme
des Verdrängungselements ausgebildet ist. Der Innenraum wird insbesondere durch mindestens
einen Wandabschnitt eines Basiskörpers gebildet, kann aber auch durch ein Einsatzelement
gebildet sein, das in den Basiskörper eingesetzt wird oder dort angebracht wird. Der
Innenraum kann zylinderförmig geformt sein, oder kann einen rechteckigen bzw. quadratischen
Querschnitt senkrecht zur Achse der Auslenkung aufweisen. Mindestens eine Wand der
Mikrodosierkammer kann als Teil einer Führungseinrichtung ausgebildet sein, die das
Verdrängungselement während der Auslenkung führt. Vorzugsweise weist die Mikrodosiereinrichtung
eine Führungseinrichtung auf, die das Verdrängungselement während der Auslenkung führt.
Mindestens ein Anschlag kann durch einen Wandabschnitt der Mikrodosierkammer gebildet
sein.
[0042] Die Fluidkammer kann eine Mikrodosierkammer sein, kann aber auch eine größere Fluidkammer
sein mit einem maximalen Innenraum im Bereich von insbesondere 5 µl bis 1000 µl. Die
Fluidkammer kann einer Pipettiervorrichtung bzw. einem Dispenser zum Dosieren von
größeren Volumina im Bereich von insbesondere 5 µl bis 1000 µl zugeordnet sein. Die
Mikrodosiereinrichtung kann insbesondere in eine solche Pipettiervorrichtung bzw.
einem Dispenser zum Dosieren von größeren Volumina integriert sein, indem das Verdrängungselement
insbesondere in eine Wand der Fluidkammer oder in ein Kolbenelement oder einen die
Fluidkammer fluidisch kontaktierenden Fluidkanal eingebaut ist und insbesondere das
Verdrängungselement durch Auslenkung ein Mikrovolumen in der Fluidkammer stoßartig
verdrängt. Abgesehen von der Größe des Innenraums muss sich eine größere Fluidkammer
(Makrodosierkammer) nicht von einer Mikrodosierkammer unterscheiden. Im Rahmen der
Beschreibung der vorliegenden Erfindung lassen sich bevorzugte Ausgestaltungen der
Mikrodosierkammer auch auf eine Makrodosierkammer übertragen.
[0043] Die Fluidkammer weist insbesondere eine Eingriffsöffnung zum Eingriff des Verdrängungselements
auf, das sich während der Auslenkung durch die Eingriffsöffnung in die Fluidkammer
erstreckt. Die Eingriffsöffnung weist senkrecht zur Auslenkungsrichtung vorzugsweise
einen Querschnitt auf, der den Maßen, insbesondere dem Durchmesser, und/oder der Form
des Verdrängungselements entspricht. Insbesondere kann die Eingriffsöffnung eines
im Wesentlichen zylinderartigen Verdrängungselements ebenfalls zylinderförmig sein.
[0044] Vorzugsweise weist die Mikrodosiereinrichtung eine Dichtungseinrichtung auf, durch
die die Eingriffsöffnung fluiddicht abgedichtet wird, und/oder durch die der Innenraum
der Fluidkammer bzw. der Mikrodosierkammer fluiddicht abgedichtet wird, insbesondere
in jeder Position des Verdrängungselements relativ zum Basiskörper. Die Dichtungseinrichtung
kann mindestens ein Dichtungselement aufweisen, insbesondere eine elastische Dichtung,
oder eine Membran, wie im weiteren beschrieben.
[0045] Die Mikrodosiereinrichtung ist vorzugsweise dazu eingerichtet, dass das Innenraumvolumen
V_Mikrodosierkammer einer Mikrodosierkammer, das in der ersten Position V_Mikrodosierkammer=V1
beträgt, durch die Auslenkung des Verdrängungselements reduziert wird und in der zweiten
Position V_Mikrodosierkammer=V2 beträgt, wobei 0 <= V2 <= 0,5*V1 bzw. 0 <= C <= 0,5
mit C=V2/V1. Im Grenzfall wird also im Wesentlichen der gesamte Innenraum der Mikrodosierkammer
verdrängt und auf Null reduziert. Insbesondere bei Verwendung einer Membran als Dichtungselement
ist C aber von Null verschieden.
[0046] Die Dichtungseinrichtung beinhaltet vorzugsweise eine Membran, die elastisch verformbar
ist, und die die Eingriffsöffnung abdichtet und die zwischen dem Innenraum der Fluidkammer
und dem Verdrängungselement angeordnet ist.
[0047] Vorzugsweise weist die Mikrodosiereinrichtung eine Membran auf. Diese Membran wird
zusätzlich zum Verdrängungselement vorgesehen.
[0048] Vorzugsweise weist die Mikrodosiereinrichtung ein Rückstellelement auf, das elastisch
verformbar ist und das durch die Auslenkung gespannt wird, und mit dem auf das Verdrängungselement
eine Rückstellkraft ausübbar ist, um dieses nach der Auslenkung von der zweiten Position
in die erste Position zurückzustellen. Insbesondere kann die als Dichtungselement
dienende Membran auch das Rückstellelement der Mikrodosiereinrichtung sein. Alternativ
kann das Rückstellelement eine Feder sein, die zwischen Basiskörper und Verdrängungselement
angeordnet ist. Ferner kann das Rückstellelement ein Aktuator sein, der insbesondere
von der elektrischen Steuereinrichtung angesteuert wird. Wie ausgeführt, kann ein
elastisch verformbares Bauteil auch als Antriebselement der Auslenkung angeordnet
werden, das vom Aktuator gespannt wird.
[0049] Eine als Dichtungselement und/oder als Rückstellelement dienende Membran besteht
vorzugsweise aus Polydimethylsiloxan (PDMS), insbesondere flexiblen oder hochflexiblem
PDMS oder Silikon, oder weist solches Material auf. Die Dicke der Membran beträgt
vorzugsweise zwischen 50 µm und 500 µm, vorzugsweise zwischen 100 µm und 300 µm, vorzugsweise
zwischen 150 µm und 250 µm, und vorzugsweise etwa 200 µm.
[0050] Vorzugsweise Mikrodosiereinrichtung weist vorzugsweise einen verschließbaren Bypasskanal
auf, der im geöffneten Zustand den Innenraum der Fluidkammer mit dem Außenraum verbindet,
insbesondere der Umgebung. Der Bypasskanal dient insbesondere zum Ventilieren der
Fluidkammer bzw. zum Druckausgleich des mit dem Bypasskanal fluidisch verbundenen
bzw. wahlweise verbindbaren Fluidkanals.
[0051] In weiteren bevorzugten Ausführungsformen ist die Mikrodosiereinrichtung zur wiederholten
Abgabe eines Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe eingerichtet und weist zu diesem
Zweck vorzugsweise mindestens ein Ventil auf. Die Mikrodosiereinrichtung weist vorzugsweise
ein Wechselventil auf. Vorzugsweise ist ein Wechselventil vorgesehen, das insbesondere
als Schieberventil ausgeführt ist. Es können auch ein oder mehrere Ventile, insbesondere
steuerbare Ventile und/oder Einwegventile vorgesehen sein. Vorzugsweise wird durch
das Wechselventil der Innenraum der Mikrodosierkammer wahlweise mit der Auslassöffnung
des Fluidkanals oder mit dem Bypasskanal verbunden, der mit dem Außenraum fluidisch
verbunden ist.
[0052] In bevorzugten Ausführungsformen ist eine erfindungsgemäße Mikrodosiereinrichtung
auch zur Aufnahme einer Fluidprobe eingerichtet, indem die Fluidprobe durch das Rückstellen
des Verdrängungselements von der zweiten Position in die erste Position angesaugt
wird, insbesondere entweder in den Fluidkanal oder -über einen anderen Kanal - in
die Fluidkammer angesaugt wird.
[0053] Vorzugsweise ist die Mikrodosiereinrichtung als eine Pipettiereinrichtung ausgebildet,
mit der über den Fluidkanal eine Fluidprobe ansaugbar und abgebbar ist. Das Ansaugen
kann durch ein (herkömmliches) Kolbenelement einer handgehaltenen Kolbenhubpipette
bzw. eines Dispensers erfolgen. Vorzugsweise ist die Mikrodosiereinrichtung dazu ausgebildet,
dass das Verdrängungselement wahlweise ein Mikrovolumen eines Fluids ansaugt oder
verdrängt.
[0054] Die Mikrodosiereinrichtung ist vorzugsweise nach dem Luftpolsterprinzip ausgebildet,
und die Fluidkammer ist mit dem Fluid "Luft" gefüllt.
[0055] Die Mikrodosiereinrichtung kann aber auch nach dem Direktverdrängerprinzip ausgebildet
sein, wobei die Fluidkammer mit einer flüssigen oder viskosen Substanz gefüllt ist,
deren Mikrovolumen durch Auslenkung verdrängt wird.
[0056] Eine Pipettiervorrichtung zur dosierten Aufnahme und Abgabe von Fluidproben, weist
vorzugsweise auf: eine Kolbenkammer, einen in der Kolbenkammer angeordneten, beweglichen
Kolben zum Ansaugen eines Fluids in die Kolbenkammer und zur Abgabe des Fluids aus
der Kolbenkammer, einen Pipettierkanal, der die Kolbenkammer mit dem Außenraum der
Kolbenkammer verbindet, und eine erfindungsgemäße Mikrodosiereinrichtung, deren Fluidkanal
mit der Kolbenkammer und/oder dem Pipettierkanal verbindbar ist, so dass von der Pipettiervorrichtung
mittels der Mikrodosiereinrichtung ein Mikrodosiervolumen einer Fluidprobe dosierbar
und in Form eines Mikrofluidjets über den Pipettierkanal an den Außenraum abgebbar
ist.
[0057] Die Erfindung betrifft ferner eine Pipettiervorrichtung mit mindestens einer erfindungsgemäßen
Mikrodosiereinrichtung zum Erzeugen eines Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe in
Form eines Mikrofreistrahls, aufweisend eine Fluidkammer, einen Fluidkanal, der das
Innere der Fluidkammer mit einem Außenraum verbindet und der der Aufnahme des Mikrodosiervolumens
einer Fluidprobe dient, ein Verdrängungselement, das zur Auslenkung zwischen einer
ersten Position und einer zweiten Position und zum Verdrängen eines Mikrovolumens
der Fluidkammer eingerichtet ist, wobei die Mikrodosiereinrichtung einen Formgedächtnismaterial-Aktuator
aufweist, der zur Auslenkung des Verdrängungselements angeordnet ist, und wobei die
Mikrodosiereinrichtung dazu eingerichtet ist, dass durch das Verdrängen des Mikrovolumens
aus der Fluidkammer die Abgabe des Mikrodosiervolumens in Form eines Mikrofreistrahls
in den Außenraum bewirkt wird, wobei die Pipettiervorrichtung einen Kolbenantrieb,
insbesondere einen elektrischen Motor, und einen durch diesen Kolbenantrieb angetriebenen
Kolben aufweist, der das Verdrängungselement bildet, wobei die Fluidkammer die Kolbenkammer
zur Aufnahme des innerhalb der Kolbenkammer beweglich angeordneten Kolbens bildet,
so dass insbesondere Kolben und Kolbenkammer nach Art einer konventionellen Kolbenhubpipette
oder nach Art eines konventionellen Dispensers arbeiten.
[0058] Dabei ist der Formgedächtnismaterial-Aktuator vorzugsweise zwischen dem als Verdrängungselement
dienenden Kolben und dem Kolbenantrieb, also insbesondere dem elektrischen Motor,
angeordnet. Vorzugsweise weist die Pipettiervorrichtung eine vom Kolbenantrieb angetriebene
Antriebsspindel auf, und insbesondere eine Kolbenkupplung. Der Formgedächtnismaterial-Aktuator
ist vorzugsweise zwischen dem Ende der Antriebsspindel und der Kolbenkupplung angeordnet,
insbesondere schwimmend bzw. beweglich, oder oberhalb (in der logischen Antriebskette)
der Kupplung zwischen Kolben und Spindel angeordnet, insbesondere schwimmend bzw.
beweglich. Insbesondere kann der Kolben einen ersten Kolbenabschnitt aufweisen, welcher
dem Fluidkanal zugewandt ist und der als das Verdrängungselement arbeitet, zudem insbesondere
ein zweites Kolbenteil, insbesondere einen zweiten Kolbenabschnitt, der vom Kolbenantrieb,
insbesondere dem elektrischen Motor, angetrieben wird, wobei der Formgedächtnismaterial-Aktuator
vorzugsweise so zwischen dem ersten Kolbenabschnitt und dem zweiten Kolbenteil angeordnet
ist, dass das zweite Kolbenteil als Widerlager dient, wenn der Formgedächtnismaterial-Aktuator
aktuiert wird und den ersten Kolbenabschnitt gegenüber dem zweiten Kolbenteil auslenkt,
um das Mikrodosiervolumen auszugeben. Durch solche Ausführungsformen kann eine Pipettievorrichtung
einerseits in herkömmlicher Weise, also mittels Kolbenantrieb, zur Ausgabe größerer
Volumina, insbesondere größer als 1 µl z.B. bis mehrere 10 µl oder bis 1 ml, und andererseits
zu Abgabe von Mikrodosiervolumina betrieben werden.
[0059] Anstelle eines elektrischen Motors kann zur Realisierung eines Kolbenantriebs, insbesondere
bei einer als Dispenser ausgebildeten Pipettiervorrichtung, dieser Formgedächtnismaterial-Aktuator
oder mehrere dieser Formgedächtnismaterial-Aktuatoren verwendet werden, so dass die
Bewegung des (konventionellen) Kolbens durch einen oder mehrere Formgedächtnismaterial-Aktuatoren
erfolgt.
[0060] Ebenso wäre, insbesondere bei einer als Dispenser ausgebildeten Pipettiervorrichtung
möglich, dass ein Formgedächtnismaterial-Aktuator die (konventionelle) Kolbenkammer
gegenüber dem Kolben bewegt.
[0061] Die Erfindung betrifft ferner Mikrodosiereinrichtung zum Erzeugen eines Mikrodosiervolumens
einer Fluidprobe in Form eines Mikrofreistrahls, aufweisend eine Fluidkammer, einen
Fluidkanal, der das Innere der Fluidkammer mit einem Außenraum verbindet und der der
Aufnahme des Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe dient, ein Verdrängungselement,
das zur Auslenkung zwischen einer ersten Position und einer zweiten Position und zum
Verdrängen eines Mikrovolumens der Fluidkammer eingerichtet ist, wobei die Mikrodosiereinrichtung
einen Formgedächtnismaterial-Aktuator aufweist, der zur Auslenkung des Verdrängungselements
angeordnet ist, und wobei die Mikrodosiereinrichtung dazu eingerichtet ist, dass durch
das Verdrängen des Mikrovolumens aus der Fluidkammer die Abgabe des Mikrodosiervolumens
in Form eines Mikrofreistrahls in den Außenraum bewirkt wird, wobei das Verdrängungselement
zumindest teilweise oder vollständig durch diesen Formgedächtnismaterial-Aktuator
gebildet wird. Dadurch lässt sich eine kompakte und effiziente Mikrodosiereinrichtung
gestalten.
[0062] Eine typische Verwendung der Mikrodosiereinrichtung liegt in der Dosierung von biologischen,
biochemischen, chemischen oder medizinischen Fluidproben in einem Labor.
[0063] Eine Mikrodosiervorrichtung zum Erzeugen eines kombinierten Mikrodosiervolumens einer
Fluidprobe in Form eines Mikrofreistrahls, weist auf: mindestens eine erste und eine
zweite Mikrodosiereinrichtung, die insbesondere jeweils eine erfindungsgemäße Mikrodosiereinrichtung
ist, wobei die erste Mikrodosiereinrichtung eine erste Fluidkammer und ein erstes
Verdrängungselement aufweist, dass zum Verdrängen eines ersten Mikrovolumens der ersten
Fluidkammer eingerichtet ist, und wobei die zweite Mikrodosiereinrichtung eine zweite
Fluidkammer und ein zweites Verdrängungselement aufweist, dass zum Verdrängen eines
zweiten Mikrovolumens der zweite Fluidkammer eingerichtet ist, einen Fluidkanal, der
das Innere der ersten und zweiten Fluidkammer mit einem Außenraum verbindet und der
der Aufnahme des Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe dient, wobei die Mikrodosiervorrichtung
eine Aktuatoreinrichtung aufweist, welche zur synchronisierten Auslenkung des ersten
und des zweiten Verdrängungselements eingerichtet ist, und wobei die Mikrodosiervorrichtung
dazu eingerichtet ist, dass durch das synchronisierte Verdrängen des ersten und zweiten
Mikrovolumens aus der ersten und zweiten Fluidkammer die Abgabe eines kombinierten
Mikrodosiervolumens in Form eines Mikrofreistrahls in den Außenraum bewirkt wird.
Die Mikrodosiervorrichtung kann Bestandteil eines anderen Geräts sein, insbesondere
einer Pipettiervorrichtung. Die Mikrodosiervorrichtung kann ferner als Pipetteireinrichtung
eingerichtet sein, die insbesondere für das Ansaugen einer Fluidprobe aus dem Außenraum,
z.B. aus einem externene Flüssigkeitsbehälter, in den Fluidkanal oder in ein mit diesem
verbundenen Pipettierbehälter eingerichtet ist.
[0064] Die Mikrodosiereinrichtung, oder die Mikrodosiervorrichtung oder die Pipettiervorrichtung,
die eine Mikrodosiereinrichtung aufweist, oder ein externes Gerät weist vorzugsweise
eine elektrische Steuereinrichtung auf, um den Aktuator bzw. den FGL-Aktuator zu steuern.
Es handelt sich insbesondere um eine interne Steuereinrichtung, wenn diese nicht in
einem externen Gerät angeordnet ist. Die Mikrodosiereinrichtung weist vorzugsweise
eine elektrische Spannungsquelle, insbesondere eine Batterie auf, um den Aktuator
bzw. den FGL-Aktuator mit Energie zu versorgen. Alternativ oder zusätzlich ist eine
Schnittstelle zum Anschluss einer externen Spannungsquelle vorgesehen. Ein externes
Gerät oder externes Teil ist kein Bestandteil der Mikrodosiereinrichtung und kann
insbesondere durch eine Verbindungseinrichtung, z.B. Kabel, mit der Mikrodosiereinrichtung
verbindbar oder verbunden sein. Die Steuereinrichtung ist vorzugsweise dazu eingerichtet,
den Aktuator zu steuern, um die Auslenkung des Verdrängungselements von der ersten
Position in die zweite Position zu bewirken. Er kann zusätzlich oder alternativ auch
dazu eingerichtet sein, die Auslenkung des Verdrängungselements von der zweiten Position
in die erste Position zu bewirken. Dabei ist die Steuereinrichtung vorzugsweise dazu
eingerichtet, dass der Aktuator eine Kraft auf das Verdrängungselement ausübt, die
das Verdrängungselement von der ersten Position in die zweite Position bewegt, insbesondere
beschleunigt. Vorzugsweise wird der Aktuator von der Steuereinrichtung so gesteuert,
dass der Aktuator eine Kraft auf das Verdrängungselement auch dann ausübt, nachdem
das Verdrängungselement die zweite Position erreicht hat, insbesondere indem es an
einem zweiten Anschlag einer Anschlageinrichtung anschlägt. Insbesondere wenn das
Verdrängungselement bis zum Erreichen der zweiten Position beschleunigt, dort abrupt
gestoppt wird und in der zweiten Position insbesondere noch für einen vorbestimmten
Zeitraum mit einer Kraft beaufschlagt wird, wird ein Stoß bzw. eine stoßartige Verdrängung
des Fluids in der Fluidkammer erzeugt. Dadurch wird der Mikrofreistrahl zuverlässig
und mit dem gewünschten Mikrodosiervolumen erzeugt.
[0065] Alternativ kann die Mikrodosiereinrichtung ein elastisch verformbares Antriebselement
aufweisen, insbesondere eine Feder, das durch den Aktuator gespannt wird, insbesondere
elastisch komprimiert oder expandiert wird, und das durch seine Entspannung die Kraft
auf das Verdrängungselement ausübt, die das Verdrängungselement von der ersten Position
in die zweite Position bewegt. Dabei kann das Verdrängungselements in der zweiten
Position durch eine Fixierungseinrichtung lösbar fixiert sein, insbesondere arretiert
sein. Es kann eine Auslöseeinrichtung vorgesehen sein, um die Fixierung zu lösen,
damit das Antriebselement die Auslenkung durchführt.
[0066] Die Steuereinrichtung ist insbesondere dazu eingerichtet, die Auslenkung eines FGL-Aktuators
von der ersten in die zweite Position zu steuern. Dazu ist der FGL-Aktuator insbesondere
an einer ersten Kontaktstelle und einer zweiten Kontaktstelle elektrisch kontaktiert,
um bei Anliegen einer elektrischen Spannung zwischen den beiden Kontaktstellen von
einem Strom durchflossen zu werden, der den FGL-Aktuator erwärmt, um durch den Formgedächtniseffekt
(FGE) die Auslenkung zu bewirken. Die Steuereinrichtung ist insbesondere dazu eingerichtet,
um den zeitlichen Verlauf und die Amplitude der am FGL-Aktuator angelegten Spannung
vorzugeben. Vorzugsweise ist die Steuereinrichtung dazu eingerichtet, den FGL-Aktuator
mit einem sehr kurzen Spannungs- bzw. Stromimpuls zu aktivieren. Die Zeitspanne beträgt
vorzugsweise einige 10 Millisekunden (ms), vorzugsweise 1 ms bis 100 ms, vorzugsweise
10 ms bis 100 ms, insbesondere etwa 10 ms. Dadurch wird ein schnelles Auslenken des
FGL-Aktuators erreicht. Vorzugsweise ist die Steuereinrichtung dazu eingerichtet,
den FGL-Aktuator, insbesondere nach einer Zeitspanne des Aktivierens, durch eine Pulsweitenmodulation
anzusteuern. Dies erfolgt insbesondere so, dass die effektive Spannung soweit gedrosselt
wird, dass die Schaltposition bzw. die mechanische Spannung des FGL-Aktuators gerade
gehalten werden kann.
[0067] Die Steuereinrichtung weist insbesondere eine elektronische Datenverarbeitungseinrichtung
auf, insbesondere eine CPU oder einen Mikroprozessor. Die Steuereinrichtung kann programmgesteuert
sein, insbesondere mittels Programmparameter, die Zeitpunkt und/oder Art der Auslenkung
des Verdrängungselements der Mikrodosiereinrichtung festlegen. Es ist aber auch möglich,
die Steuerung der Mikrodosiereinrichtung durch analogelektronische Ansteuerung des
Aktuators zu realisieren, also ohne eine Datenverarbeitungseinrichtung.
[0068] Die Mikrodosiereinrichtung, oder die Mikrodosiervorrichtung oder die Pipettiervorrichtung,
die eine Mikrodosiereinrichtung aufweist, oder ein externes Gerät, weist vorzugsweise
eine Benutzerschnittstelleneinrichtung auf, mit der ein Benutzer die elektrische Steuereinrichtung
steuert, insbesondere indem er die zur Steuerung der Mikrodosiereinrichtung verwendeten,
insbesondere Steuersignale erzeugenden, Programmparameter durch Benutzereingaben beeinflusst
oder indem er, im Fall einer analogelektronischen Steuerung, die Abgabe oder Aufnahme
des gewünschten Mikrodosiervolumens und die Erzeugung der Steuersignale auslöst, die
den Aktuator aktivieren und/oder deaktivieren. Die Benutzerschnittstelleneinrichtung
kann jeweils einen oder mehrere elektrische Schalter, Knöpfe und/oder Sensoren aufweisen,
und kann Ausgabeeinrichtungen, z.B. Anzeigen, insbesondere ein Display aufweisen.
[0069] Die Steuereinrichtung kann mindestens eine elektrische Schnittstelle aufweisen, mit
der Steuersignale austauschbar sind, insbesondere mit einem externen Gerät austauschbar
sind. Insbesondere kann die Steuereinrichtung dazu eingerichtet sein, von einem externen
Gerät gesteuert zu werden, so dass die Steuereinrichtung, und damit die Mikrodosiereinrichtung
oder Mikrodosiervorrichtung von einem externen Gerät mittels der elektrischen Schnittstelle
steuerbar ist. Die Steuereinrichtung kann insbesondere als Steuerungsschnittstelle
zwischen der Steuereinrichtung eines externen Geräts und mindestens einer Mikrodosiereinrichtung
bzw. einer Mikrodosiervorrichtung ausgebildet sein. Die Steuerungsschnittstelle kann
eine elektrische Schaltung aufweisen, um mindestens einen Aktuator der aus mindestens
einer Mikrodosiereinrichtung in Abhängigkeit von einem Steuersignal mit Spannung zu
beaufschlagen. Das Steuersignal kann dabei von einer internen Steuereinrichtung oder
einer externen Steuereinrichtung erzeugt werden. Die Spannungsversorgung für mindestens
einen Aktuator aus mindestens einer Mikrodosiereinrichtung kann in die Steuereinrichtung
integriert sein oder kann über die mindestens eine elektrische Schnittstelle realisiert
werden.
[0070] Die elektrische Schnittstelle kann zum Senden und/oder Empfangen von elektrischen
Signalen, insbesondere von Daten, ausgebildet sein. Der Signalaustausch kann über
eine drahtgebundene oder drahtlose Verbindungseinrichtung erfolgen. Insbesondere wenn
eine interne Steuereinrichtung über eine elektrische Schnittstelle mit dem Gerät,
insbesondere der Pipettiervorrichtung, mittels einer Verbindungseinrichtung verbindbar
oder temporär verbunden ist, so wird dieses Gerät als externes Gerät bezeichnet.
[0071] Das externe Gerät kann eine Pipettiervorrichtung sein, insbesondere eine portable,
handgehaltene Pipettiervorrichtung bzw. eine handgehaltene Pipette oder ein handgehaltener
Dispenser. Falls die Mikrodosiereinrichtung in eine Piepttiervorrichtung integriert
ist, wird die Pipettiervorrichtung nicht als externes Gerät bezeichnet. Die Mikrodosiereinrichtung
oder eine Mikrodosiervorrichtung kann ein eigenständiges bzw. autonom arbeitendes
Gerät sein, das grundsätzlich ohne Vermittlung eines externen Gerätes betrieben werden
kann. Die Mikrodosiereinrichtung oder eine Mikrodosiervorrichtung kann aber auch als
Modul eines externen Gerätes ausgebildet sein. Das Modul zeichnet sich dadurch aus,
dass es -insbesondere ausschließlich- in Abhängigkeit vom externen Gerät betrieben
wird bzw. betreibbar ist, indem insbesondere eine Steuereinrichtung des externen Geräts
die Auslenkung mindestens eines Verdrängungselementes mindestens einer Mikrodosiereinrichtung
steuert. Vorzugsweise weist eine Mikrodosiereinrichtung einen konstanten Hub des Verdrängungselements
auf, der durch die Differenz der ersten und zweiten Position definiert ist. Dabei
wird der Hub insbesondere nicht durch eine Änderung der Spannung variiert, die an
einen Aktuator, insbesondere FGL-Aktuator, angelegt wird. Vielmehr ist die Steuereinrichtung
vorzugsweise dazu eingerichtet, den Aktuator stets mit derselben Spannung anzusteuern
bzw. stets denselben Hub des Verdrängungselements auszuführen. Auf diese Weise können
sich insbesondere hysterese-bedingte oder altersbedingte Veränderungen der Aktuator-Charakteristik
(Spannungs-Auslenkungskurve oder Kraft-Auslenkungskurve) weniger kritische auf die
gewünschte konstante Auslenkung auswirken. Insbesondere zur Durchführung eines konstanten
Hubs ist ein FGL-Aktuator besonders geeignet. Die Mikrodosiereinrichtung arbeitet
durch den konstanten Hub besonders präzise.
[0072] Zudem ist vorgesehen, insbesondere bei einer Mikrodosiervorrichtung mit mehr als
einer Mikrodosiereinrichtung, dass mehrere Mikrodosiereinrichtungen mit konstantem
Hub ein kombiniertes Mikrodosiervolumen erzeugen. Dieses kann variiert werden, indem
unterschiedliche Kombinationen von Mikrodosiereinrichtungen mit jeweils konstantem
Hub angesteuert werden, wobei die Höhe des konstanten Hubs und/oder das jeweils durch
den konstanten Hub verdrängte Mikrovolumen von der individuellen Mikrodosiereinrichtung
abhängig ist. Der konstante Hub hat je Mikrodosiereinrichtung ein konstantes, verdrängtes
Mikrovolumen der Mikrodosiereinrichtung zur Folge. Summiert man die einzelnen Mikrovolumina
zu einem kombinierten verdrängten Mikrovolumen, so kann aufgrund der unterschiedlichen
möglichen Kombinationen von verdrängten, konstanten Einzelvolumina der Mikrodosiereinrichtungen
das insgesamt erzeugte kombinierte Mikrodosiervolumen variiert werden. Diese Summation
erfolgt insbesondere, indem bei einer Mikrodosiervorrichtung mit mehr als einer Mikrodosiereinrichtung
das jeweils verdrängte Mikrovolumen in einen gemeinsamen Fluidkanal ausgegeben wird,
so dass es dort insbesondere zu einem kombinierten bzw. summierten Mikrovolumen führt.
Vorzugsweise weist eine Mikrodosiervorrichtung mehrere Mikrodosiereinrichtungen mit
konstantem Hub auf, die jeweils ein unterschiedliches Mikrovolumen verdrängen, insbesondere
mindestens zwei der Mikrovolumina 0,1 µl, 0,2 µl, 0,4 µl und 0,8 µl. Vorzugsweise
weist eine Mikrodosiervorrichtung mehrere Mikrodosiereinrichtungen mit konstantem
Hub auf, die jeweils ein unterschiedliches Mikrovolumen verdrängen, insbesondere mindestens
zwei der Mikrovolumina 0,05 µl, 0,1 µl, 0,15 µl, 0,2 µl, 0,25 µl, 0,3 µl, 0,35 µl,
0,4 µl, 0,45 µl, 0,5 µl, 0,55 µl, 0,6 µl, 0,65 µl, 0,7 µl, 0,75µl, 0,8 µl, 0,85 µl,
0, 9 µl und 0,95 µl, wobei auch 1,0 µl ein möglicher Wert ist.
[0073] Weitere bevorzugte Ausgestaltungen der erfindungsgemäßen Mikrodosiereinrichtungen
und weitere Aspekte der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
der Ausführungsbeispiele in Zusammenhang mit den Figuren. Gleiche Bezugszeichen bezeichnen
im Wesentlichen gleiche Bauteile.
[0074] Es zeigen:
Fig. 1a und 1b zeigen jeweils in einer schematischen Seitenansicht eine erfindungsgemäße
Mikrodosiereinrichtung gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel.
Fig. 2a und 2b zeigen jeweils in einer schematischen Seitenansicht eine erfindungsgemäße
Mikrodosiereinrichtung gemäß einem zweiten Ausführungsbeispiel.
Fig. 3a und 3b zeigen jeweils in einer schematischen Seitenansicht eine erfindungsgemäße
Mikrodosiereinrichtung gemäß einem dritten Ausführungsbeispiel.
Fig. 4a und 4b zeigen jeweils in einer schematischen Seitenansicht eine erfindungsgemäße
Mikrodosiereinrichtung gemäß einem vierten Ausführungsbeispiel.
Fig. 5a, 5b und 5c zeigen jeweils in einer schematischen Seitenansicht eine erfindungsgemäße
Mikrodosiereinrichtung gemäß einem fünften Ausführungsbeispiel.
Fig. 6a und 6b zeigen jeweils in einer schematischen Seitenansicht eine erfindungsgemäße
Mikrodosiereinrichtung gemäß einem sechsten Ausführungsbeispiel.
Fig. 7a, 7b und 7c zeigen jeweils in einer schematischen Seitenansicht eine erfindungsgemäße
Mikrodosiereinrichtung gemäß einem siebten Ausführungsbeispiel.
Fig. 8a und 8b zeigen jeweils in einer schematischen Seitenansicht eine erfindungsgemäße
Mikrodosiereinrichtung gemäß einem achten Ausführungsbeispiel.
Fig. 9a und 9b zeigen jeweils in einer schematischen Perspektivansicht eine Aktuatoreinrichtung
gemäß einem Ausführungsbeispiel als Bestandteil einer erfindungsgemäßen Mikrodosiereinrichtung.
Fig. 9c zeigt in einer schematischen Perspektivansicht eine Aktuatoreinrichtung gemäß
einem weiteren Ausführungsbeispiel als Bestandteil einer erfindungsgemäßen Mikrodosiereinrichtung.
Fig. 10 zeigt in einer schematischen Perspektivansicht eine Aktuatoreinrichtung mit
angeschlossener elektrischer Steuereinrichtung gemäß einem Ausführungsbeispiel als
Bestandteil einer erfindungsgemäßen Mikrodosiereinrichtung.
Fig. 11a, 11b und 11c zeigen jeweils in einer schematischen Seitenansicht eine Pipettiervorrichtung
mit angeschlossener erfindungsgemäßer Mikrodosiereinrichtung gemäß einem weiteren
Ausführungsbeispiel.
Fig. 12 zeigt in einer schematischen Seitenansicht eine Pipettiervorrichtung mit Dosiervorrichtung,
die mehrere beispielhafte erfindungsgemäße Mikrodosiereinrichtungen aufweist und die
zur zur Erzeugung eines kombinierten Mikrodosiervolumens eingerichtet ist.
Fig. 13 zeigt in einer seitlichen Querschnittsansicht eine weitere Pipettiervorrichtung
mit Dosiervorrichtung, die mehrere beispielhafte erfindungsgemäße Mikrodosiereinrichtungen
und Ventile aufweist und die zur zur Erzeugung eines kombinierten Mikrodosiervolumens
eingerichtet ist.
Fig. 14 zeigt in einer Detailansicht der Fig. 13 eines der dort vorgesehenen Ventile.
Fig. 15 zeigt in einer schematischen Seitenansicht eine Pipettiervorrichtung, wie
in Fig. 13 gezeigt, die zu ihrer Steuerung an eine elektrische Steuereinrichtung angeschlossen
ist.
Fig. 16 zeigt eine Tabelle mit Werten möglicher kombinierter Mikrodosiervolumina,
die mittels der variierten Kombination verdrängter, verschieden großer Mikrovolumina
verschiedener Mikrodosiereinrichtungen der Pipettiervorrichtung aus Fig. 13 erzeugbar
sind.
Fig. 17 zeigt eine typische Kraft-Auslenkungs-Kennlinie eines FGL-Aktuators, der mit
einer erfindungsgemäßen Mikrodosiereinrichtung in einem Ausführungsbeispiel verwendet
wird.
Fig. 18 zeigt ein Diagramm des Ergebnisses einer Dynamischen Differenzkalorimetrie
(engl. DSC) zur Bestimmung der Phasenübergangs- oder Schalttemperaturen eines in einer
erfindungsgemäßen Mikrodosiereinrichtung gemäß einem Ausführungsbeispiel verwendeten
NiTi-Formgedächtnismaterials.
Fig. 19 zeigt ein Diagramm mit einer Kraft-Auslenkungs-Kennlinie eines Formgedächtnismaterial-Aktuator
für eine beispielhafte Mikrodosiereinrichtung gemäß der Erfindung.
Fig. 20 zeigt ein Diagramm mit Kraft-Auslenkungs-Kennlinien zweier Formgedächtnismaterial-Aktuator
für zwei beispielhafte Mikrodosiereinrichtung gemäß der Erfindung.
[0075] Die Figuren 1a bis 8b zeigen jeweils eine beispielhafte, erfindungsgemäße Mikrodosiereinrichtung,
entweder in der ersten Position P1 (jeweils Figur "a") oder in der zweiten Position
P2 (jeweils Figur "b") des Verdrängungselements. Die Figuren 11a bis 13 zeigen, wie
eine solche Mikrodosiereinrichtung in eine Pipettiervorrichtung oder eine Mikrodosiervorrichtung
integriert sein kann.
[0076] Figur 1a zeigt, in der ersten Position P1, und Fig. 1b in der zweiten Position P2
des Verdrängungselements 13, die Mikrodosiereinrichtung 10, die hier als Direktverdränger
eingerichtet ist. Figur 2a zeigt, in der ersten Position P1, und Fig. 2b in der zweiten
Position P2 des Verdrängungselements 23, die Mikrodosiereinrichtung 20, die nach dem
Luftpolsterprinzip eingerichtet ist.
[0077] Die Mikrodosiereinrichtung 10 bzw. 20 dient jeweils dem Erzeugen eines Mikrodosiervolumens
einer Fluidprobe in Form eines Mikrofreistrahls 99. Die Mikrodosiereinrichtung weist
eine als Mikrodosierkammer 11 bzw. 21 ausgebildete Fluidkammer auf, einen Fluidkanal
12 bzw. 22, der das Innere der Mikrodosierkammer mit einem Außenraum verbindet und
der der Aufnahme des Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe dient, ein Verdrängungselement
13 bzw. 23, das zur Auslenkung zwischen der ersten Position P1 und der zweiten Position
P2 und zum Verdrängen eines Mikrovolumens der Mikrodosierkammer eingerichtet ist.
Die Mikrodosiereinrichtung 10 bzw. 20 weist eine Anschlageinrichtung 14a, 14b bzw.
24a, 24b auf, die zum Stoppen der Auslenkung des Verdrängungselements eingerichtet
ist, und einen Aktuator 15 bzw. 25, der zur Auslenkung des Verdrängungselements angeordnet
ist.
[0078] Die Anschlageinrichtung weist jeweils einen ersten Anschlag 14a bzw. 24a auf, der
an einem Vorsprung des Basiskörpers 16 bzw. 26 der Mikrodosiereinrichtung ausgebildet
ist. Durch den ersten Anschlag wird die erste Position P1 konstruktiv vorgegeben.
Die Anschlageinrichtung weist zudem jeweils einen zweiten Anschlag 14b bzw. 24b auf,
der durch einen Bodenabschnitt des Basiskörpers 16 bzw. 26 der Mikrodosiereinrichtung
ausgebildet ist. Durch den zweiten Anschlag wird die zweite Position P2 konstruktiv
vorgegeben. Die lineare Bewegung des Verdrängungselements wird von den beiden Anschlägen
auf den Bereich zwischen P1 und P2 begrenzt. Insbesondere wird das Verdrängungselement
durch das Anschlagen am zweiten Anschlag abrupt gestoppt. Dazu wird der Aktuator insbesondere
so betrieben, dass das Verdrängungselement gegen den zweiten Anschlag gepresst wird,
zumindest für eine kurze Zeitspanne. Dies lässt sich insbesondere durch einen Formgedächtnismaterial-Aktuator
vorteilhaft realisieren. Durch diese Maßnahmen wird die Bildung des Freistrahls 99
begünstigt: die Mikrodosiereinrichtung ist dazu eingerichtet, dass durch das Verdrängen
des Mikrovolumens aus der Mikrodosierkammer die Abgabe des Mikrodosiervolumens 99
in Form eines Mikrofreistrahls in den Außenraum bewirkt wird.
[0079] Die Fluidkammer ist insbesondere als Mikrodosierkammer eingerichtet: das in Fig.
1a vorliegende maximale Innenvolumen der Fluidkammer liegt bei 2 µl oder weniger.
In Fig. 1b ist das Innenvolumen auf Null reduziert: die Fluidkammer wird hier im Wesentlichen
vollständig vom Verdrängungselement belegt. Die Fluidkammer ist definitionsgemäß vorzugsweise
der Anteil eines strukturell vorgegeben Raums des Basiskörpers, der in der ersten
Position des Verdrängungselements vom zu verdrängenden Fluid (z.B. Luft oder Flüssigkeit)
eingenommen wird. Der mit dem Bezugszeichen 11' versehene obere Randbereich der Fluidkammer,
in den das Verdrängungselement bei der Bewegung von der ersten in die zweite Position
eingreift, wird deshalb als Eingriffsöffnung 11' der Fluidkammer bezeichnet. Analog
dazu weisen die in den weiteren Figuren gezeigten Mikrodosiereinrichtung die Eingriffsöffnungen
21', 31', 41', 51', 61', 71' auf.
[0080] Die Bestandteile der Mikrodosiereinrichtung 10 bzw. 20 sind im Wesentlichen innerhalb
des Basiskörpers 16 bzw. 26 der Mikrodosiereinrichtung angeordnet, insbesondere in
der ersten und zweiten Position des Verdrängungselements bzw. in dessen erster oder
zweiter Position (nicht gezeigt). Dadurch lässt sich vorteilhaft eine modulare Bauweise
der Mikrodosiereinrichtung realisieren.
[0081] Das in Fig. 1b als Freistrahl zu erzeugende Mikrodosiervolumen 99 einer flüssigen
Laborprobe, z.B. einer wässrigen Lösung oder Suspension, ist gemäß dem Direktverdrängerprinzip
in der Position P1 in der Fluidkammer 11 enthalten und wird durch die Aktuierung des
Aktuators 15 stoßartig und als Freistrahl durch den Fluidkanal 12 aus der Fluidkammer
abgegeben.
[0082] Im Fall der Mikrodosiereinrichtung 20 in Fig. 2a und 2b ist die als Freistrahl zu
erzeugende Mikrodosiervolumen 99 einer flüssigen Laborprobe, z.B. einer wässrigen
Lösung oder Suspension, im Pipettierbehälter 98 enthalten. Gemäß dem Luftpolsterprinzip
ist in der Position P1 in der Fluidkammer 21 eine Luftmenge in der Fluidkammer 21
enthalten, die durch die Aktuierung des Aktuators 25 stoßartig durch den Fluidkanal
22 aus der Fluidkammer abgegeben wird. Durch den in das Innere des Pipettierbehälters
eindringenden Mikro-Luft-Jet wird ein ensprechendes Mikrovolumen verdrängt, so dass
das Mikrodosiervolumen 99 als Freistrahl aus dem Pipettierbehälter gestoßen wird.
[0083] Die im Weiteren beschriebenen Ausführungsbeispiele von Mikrodosiereinrichtungen können
entweder als Direktverdränger oder nach dem Luftpolsterprinzip ausgebildet sein, ohne
das dies jeweils ausdrücklich erwähnt wird.
[0084] Fig. 3a zeigt eine Mikrodosiereinrichtung 30 zum Erzeugen eines Mikrodosiervolumens
einer Fluidprobe in Form eines Mikrofreistrahls (99), aufweisend eine Fluidkammer
31, einen Fluidkanal 32, der das Innere der Fluidkammer mit einem Außenraum verbindet
und der der Aufnahme des Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe dient, ein Verdrängungselement
33, das zur Auslenkung zwischen einer ersten Position P1 und einer zweiten Position
P2 und zum Verdrängen eines Mikrovolumens der Fluidkammer eingerichtet ist. Die Mikrodosiereinrichtung
30 weist einen Formgedächtnismaterial-Aktuator 35 auf, der zur Auslenkung des Verdrängungselements
angeordnet ist, und ist dazu eingerichtet ist, dass durch das Verdrängen des Mikrovolumens
aus der Fluidkammer die Abgabe des Mikrodosiervolumens in Form eines Mikrofreistrahls
99 in den Außenraum bewirkt wird.
[0085] Die Funktionsweise der Mikrodosiereinrichtung in Fig. 3a, 3b entspricht jener in
Fig. 1a, 1 b: durch den zweiten Anschlag 34b wird das Verdrängungselement abrupt gestoppt
und der Freistrahl erzeugt. Begünstigt wird das durch die Arbeitsweise des Formgedächtnismaterial-Aktuator
35:
[0086] Mittels einer Verbindungseinrichtung, insbesondere mittels eines Kopplungselements
38, z.B. einer Klemme, ist der Formgedächtnismaterial-Aktuator 35 fest mit dem Basiskörper
36 verbunden, insbesondere ist ein erstes Ende des Formgedächtnismaterial-Aktuator
an einer ersten Verbindungsstelle mit dem Basiskörper verbunden und ein zweites Ende
des Formgedächtnismaterial-Aktuator an einer zweiten Verbindungsstelle mit dem Basiskörper
verbunden.
[0087] Das Verdrängungselement 33 liegt in Fig. 3a am ersten (oberen) Anschlag an - dies
kann durch ein Rückstellelement, einen zweiten Aktuator oder eine Halteeinrichtung,
insbesondere Arretierung (jeweils nicht gezeigt), erreicht werden. Der Formgedächtnismaterial-Aktuator
35 liegt auf einem Auflageabschnitt 33a des Verdrängungselements 33 auf. Der Formgedächtnismaterial-Aktuator
35 kann draht- bzw. stegförmig sein, und wird in diesem Fall vorzugsweise durch eine
Führungseinrichtung, z.B. einen U-förmigen Abschnitt 85a' (vgl. Fig. 9c) am Verdrängungselement
geführt. Er könnte auch am Auflageabschnitt fixiert bzw. unverlierbar gehalten werden,
indem er z.B. durch eine Öffnung des Auflageabschnitts geführt wird. Alternativ sind
andere Anordnungen einer Aktuatoreinrichtung umsetzbar, die vorangehend bereits beschrieben
wurden bzw. noch beschrieben werden.
[0088] Eine Kontraktion des Formgedächtnismaterial-Aktuator 35 führt dazu, dass das Verdrängungselement
33 in kürzester Zeit, also impulsartig, von der ersten in die zweite Position bewegt
wird.
[0089] Das Formgedächtnismaterial-Aktuator ist eine Legierung auf Basis von TiNiCu, die
im Vergleich zum herkömmlichen NiTi noch ermüdungsresistenter ist und damit eine vorteilhafte
Langzeitstabilität und Zuverlässigkeit des Formgedächtnismaterial-Aktuators bietet.
Die Phasenübergangs- oder Schalttemperaturen des Materials werden mittels Dynamischer
Differenzkalorimetrie (engl. DSC) bestimmt, siehe Diagramm der Fig. 18. In dieser
Messung erscheint der für die Aktuierung wichtige Phasenübergang als Peak. Aus dem
Diagramm lässt sich entnehmen, dass für ein Schalten des Aktuators die Temperatur
des Aktuators auf mindestens 67 °C erhöht werden muss; für das Zurückstellen muss
die Temperatur wiederum auf höchstens 50 °C gesenkt werden.
[0090] Unterhalb der materialspezifischen kritischen Temperatur 50 °C befindet sich der
Formgedächtnismaterial-Aktuator insbesondere in der Martensit-Phase und lässt sich
bereits durch geringe Kräfte (scheinbar) plastisch verformen. In diesem Zustand befindet
sich der Formgedächtnismaterial-Aktuator in der in Fig. 3a gezeigten ersten Position
des Verdrängungselements. Der Formgedächtnismaterial-Aktuator kann in der ersten Position
insbesondere so angeordnet sein, dass er unter einer mechanischen Spannung steht.
Er kann aber auch entspannt sein. Beim Aufheizen auf die weitere kritische Temperatur
67°C wird innerhalb von Millisekunden die ursprüngliche Bauteilgestalt wiederhergestellt,
das Material verhält sich dann wie ein gewöhnliches Metall entsprechend dem Hookschen
Gesetz. Die kritischen Temperaturen des Formgedächtnismaterial-Aktuator sind einstellbar,
indem ein elektrischer Strom I das Formgedächtnismaterial-Aktuator durchfliesst. Dazu
ist eine Spannungsversorgung 88 vorgesehen, mit der sich ein durch den Formgedächtnismaterial-Aktuator
führender Stromkreis wahlweise zum Aufheizen schließen lässt (Fig. 3b) oder zum Abkühlen
des Formgedächtnismaterial-Aktuator öffnen lässt (Fig. 3a).
[0091] Der Formgedächtnismaterial-Aktuator 35 ist vorzugsweise nicht nur in der ersten Position,
sondern auch in der zweiten Position des Verdrängungselements gegenüber einer linearen
Ausrichtung ausgelenkt angeordnet, insbesondere gekrümmt. Dabei entspricht die ursprüngliche
Bauteilgestalt des Formgedächtnismaterial-Aktuators einer Geraden. Dadurch steht der
Formgedächtnismaterial-Aktuator in der zweiten Position unter einer mechanischen Spannung,
die sich als nach unten gerichtete Kraftkomponente in Richtung des Auslenkungspfeils
A äußert. Durch diese Kraft wird das Verdrängungselement 33 auch in der zweiten Position,
zumindest für eine bestimmte Zeitspanne, nach unten gegen den zweiten Anschlag 34
b gepresst.
[0092] Die Bestandteile der Mikrodosiereinrichtung 16 bzw. 26 sind im Wesentlichen innerhalb
des Basiskörpers 36 der Mikrodosiereinrichtung angeordnet, insbesondere in der zweiten
Position des Verdrängungselements. Das Verdrängungselement 33 ragt in der ersten Position
aus einer Öffnung eines vom Basiskörper eingerahmten Raums hervor.
[0093] Fig. 4a zeigt eine Mikrodosiereinrichtung 40, die im Wesentlichen der Mikrodosiereinrichtung
30 entspricht, die aber keine Anschlageinrichtung aufweist. Statt dessen wird der
Formgedächtnismaterial-Aktuator 45 durch den Stromfluss schlagartig - und somit die
Bildung des Freistrahls 99 begünstigend- in die Martensit-Phase überführt, in der
der Formgedächtnismaterial-Aktuator eine lineare Anordnung hat. Das Verdrängungselement
43 weist Halteelemente 43a auf, mit denen das Verdrängungselement 43 zumindest in
vertikaler Richtung, also entlang der Richtung der Auslenkung A, unbeweglich am Formgedächtnismaterial-Aktuator
45 gehalten wird. Dadurch wird die zweite Position des Verdrängungselements eindeutig
definiert, wodurch die Bildung des Freistrahls 99 weiter begünstigt wird. Die erste
Position kann durch die maximale Länge des am Basiskörper verankerten Formgedächtnismaterial-Aktuators
definiert sein, oder durch die maximale Länge eines oder mehrerer Seilelemente (nicht
gezeigt), die am Basiskörper verankert sind und so am Verdrängungselement angeordnet
sind, dass dieses in der ersten Position gegen die Kraft eines Rückstellelements (nicht
gezeigt in Fig. 4a, aber in Fig. 5a) am Basiskörper 46 gehalten wird. Alternativ zu
einem Rückstellelement kann eine andere Rückstelleinrichtung realisiert sein, bei
der ein weiterer Formgedächtnismaterial-Aktuator (nicht gezeigt) vorgesehen sein kann,
der in seiner Martensit-Phase eine Form ähnlich des in Fig. 3a gezeigten Aktuators
aufweist. Dabei kann eine Halteeinrichtung zum lösbaren Halten des Verdrängungselements
in der ersten Position vorgesehen sein (nicht gezeigt), insbesondere eine lösbare
Arretierung, so dass das Verdrängungselement mittels des weiteren Formgedächtnismaterial-Aktuators
(nicht gezeigt) in die erste Position überführbar und insbesondere arretierbar ist,
wobei zum Überführen des Verdrängungselements in die zweite Postion die Arretierung
gelöst und das Verdrängungselement mittels des Formgedächtnismaterial-Aktuator 45
aktuiert wird. Das Lösen der Arretierung kann mittels der vorzugsweise vorgesehenen
Steuereinrichtung elektronisch gesteuert erfolgen.
[0094] Fig. 5a zeigt eine Mikrodosiereinrichtung 50, die im Wesentlichen der Mikrodosiereinrichtung
30 entspricht, und die eine Anschlageinrichtung aufweisen kann oder nicht aufweisen
kann. Die Mikrodosiereinrichtung 50 weist ein Rückstellelement 57, hier eine Feder
57 auf, die in der ersten Position zwischen dem Basiskörper 56 und Verdrängungselement
eingespannt und komprimiert ist, und dadurch das Verdrängungselement 53 insbesondere
gegen dessen Gravitationskraft nach oben in die eindeutig definierte erste Position
drückt. Diese kann nach oben durch einen Anschlag oder eine andere Halteeinrichtung
definiert sein (nicht gezeigt). Durch das Aufheizen des Formgedächtnismaterial-Aktuators
55 über die obere kritische Temperatur erfolgt die schlagartige Aktuierung der Verdrängungselement
53, wobei die Auslenkungskraft entlang der Richtung A größer ist als die in die entgegengesetzte
Richtung B weisende Rückstellkraft der Feder 57, so dass die Feder 57 weiter komprimiert
wird, das Verdrängungselement schlagartig in die zweite Position überführt wird und
der Freistrahl 99 abgegeben wird. Nach dem Abkühlen des Formgedächtnismaterial-Aktuator
55 auf die untere kritische Temperatur verlässt der Formgedächtnismaterial-Aktuator
die Martensit-Phase, die Rückstellkraft der Feder 57 dominiert und drückt das Verdrängungselement
wieder in die erste Position.
[0095] Fig. 6a zeigt eine Mikrodosiereinrichtung 60, die im Wesentlichen der Mikrodosiereinrichtung
30 bzw. 50 entspricht, und die eine Anschlageinrichtung mit einem beweglichen zweiten
Anschlag 64b aufweist, gegen den ein Vorsprung 63a des Verdrängungselements 63 anschlägt.
Durch den beweglichen zweiten Anschlag 64b kann das Mikrovolumen der Fluidkammer eingestellt
werden, indem die zweite Position P2 variabel ist. Unverändert bleibt dadurch das
bevorzugte Prinzip der Figur 1a, 3a und 5a, dass das Verdrängungselement mittels Aktuator
ausgelenkt wird und durch den zweiten Anschlag schlagartig gestoppt wird. Alternativ
zu der hier gezeigten variabel einstellbaren Vertikalposition des zweiten Anschlags
könnte auch alternativ (nicht gezeigt) ein erster Anschlag, der die erste Position
definiert, eine variabel einstellbare Vertikalposition aufweisen, wobei der zweite
Anschlag dann, wie z.B. in Fig. 5a als Anschlag 54b gezeigt, in der zweiten Position
an einem Bodenabschnitt der Fluidkammer 61 anschlagen könnte.
[0096] Fig. 7a zeigt eine Mikrodosiereinrichtung 70, die im Wesentlichen der Mikrodosiereinrichtung
50 entspricht, und die zusätzlich eine Membran 79 aufweist, die anstelle einer Feder
(wie der Feder 57 in Fig. 5a) als Rückstellelement 77 dient, das das Verdrängungselement
73 aus der zweiten Position in die erste Position zurückführt. Die Membran 79 dient
gleichzeitig als Dichtungselement, also als Bestandteil einer Dichtungseinrichtung,
durch die die Eingriffsöffnung 71' fluiddicht abgedichtet wird. Die Dichtungseinrichtung
verhindert, dass die Flüssigkeitsprobe 99, die hier zunächst in einem Pipettierbehälter
98 angeordnet ist, in den Bereich des Basiskörpers gelangt, in dem das Verdrängungselement
und der Aktuator angeordnet sind. Dadurch wird der Verschleiß der beweglichen Teile
reduziert. Die Mikrodosiereinrichtung 70 weist eine Anschlageinrichtung 74b auf, die
hier als obere Kante 74b des Basiskörpers 76 ausgebildet ist, an der ein Vorsprung
73a des Verdrängungselement in der zweiten Position anschlägt. Die Anschlageinrichtung
ist so ausgestaltet, dass die beim Stoppen des Verdrängungselements wirkenden Kräfte
vorzugsweise überwiegend, insbesondere vollständig, vom Basiskörper 76 absorbiert
werden. Dagegen werden diese Kräfte überwiegend, insbesondere vollständig, nicht auf
die Membran 79 übertragen, indem die untere Fläche 73b des Verdrängungslements überwiegend,
insbesondere vollständig, ein Anschlagen auf der Membran vermeidet. Auf diese Weise
wird eine Beschädigung der Membran vermieden und der Betrieb der Dosiereinrichtung
ist dauerhaft zuverlässig.
[0097] Die Figur 8a zeigt eine Mikrodosiereinrichtung 80, die Aspekte der Mikrodosiereinrichtungen
in Figur 3a und 7a umsetzt. Die Mikrodosiereinrichtung 80 dient dem Erzeugen eines
Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe in Form eines Mikrofreistrahls (99), und weist
eine Fluidkammer 81 auf,einen Fluidkanal 82, der das Innere der Fluidkammer mit einem
Außenraum verbindet und der der Aufnahme des Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe
dient, ein Verdrängungselement 83, das zur Auslenkung zwischen einer ersten Position
P1 und einer zweiten Position P2 und zum Verdrängen eines Mikrovolumens der Fluidkammer
eingerichtet ist. Dabei weist die Mikrodosiereinrichtung einen Formgedächtnismaterial-Aktuator
85 auf, der zur Auslenkung des Verdrängungselements angeordnet ist, und ist dazu eingerichtet,
dass durch das Verdrängen des Mikrovolumens aus der Fluidkammer die Abgabe des Mikrodosiervolumens
in Form eines Mikrofreistrahls in den Außenraum bewirkt wird. Die Fluidkammer ist
als Mikrodosierkammer ausgebildet, die z.B. ein maximales Innenvolumen der Fluidkammer
von kleiner als 2 µl aufweisen kann, wobei das verdrängte Mikrovolumen insbesondere
zwischen 0,1 µl und 1 µl liegen kann.
[0098] Die Mikrodosiereinrichtung 80 der Fig. 8a weist einen Basiskörper 86 auf, innerhalb
dessen die Komponenten der Mikrodosiereinrichtung angeordnet sind. Der Basiskörper
86 weist ein erstes Teil 86a und ein zweites Teil 86b auf, die vorzugsweise jeweils
integral ausgebildet sind, insbesondere jeweils gefertigt durch ein Urformverfahren.
Ebenfalls bevorzugt ist, dass das erste Teil 86a und/oder das zweite Teil 86b aus
mindestens zwei weiteren Teilen bestehen, die zur Bildung der Mikrodosiereinrichtung
zusammengefügt werden. Der Basiskörper 86 weist ein zweites Teil 86b auf, das die
Fluidkammer 81 bildet und das hier mindestens einen Fluidkanal bildet, vorliegend
den Fluidkanal 82. Der Fluidkanal 82 ist fluidisch so mit einem Pipettierbehälter
(nicht gezeigt) verbindbar, das ein im Pipettierbehälter enthaltenes Mikrodosiervolumen
einer Flüssigkeitsprobe gemäß dem Luftpolsterprinzip vom aus der Fluidkammer 81 schlagartig
verdrängten Luft-Mikrovolumen als Freistrahl abgebbar ist.
[0099] Die Mikrodosiereinrichtung 80 weist eine Anschlageinrichtung 84a, 84b auf, die zum
Stoppen der Auslenkung des Verdrängungselements eingerichtet ist, wenn dieses von
der ersten in Richtung der zweiten Position bewegt wird. Die Anschlageinrichtung auf,
weist einen ersten, oberen, Anschlag 84a auf, der als Vorsprung des Basiskörpers 86
ausgebildet ist, und einen zweiten, unteren, Anschlag 84b, der ebenfalls als Vorsprung
des Basiskörpers 86 ausgebildet ist. Ein Vorsprung 83a des Verdrängungselements schlägt
in der zweiten Position am Anschlag 84b des Basiskörpers an, ein oberer Abschnitt
des Verdrängungselements schlägt in der ersten Position am Anschlag 84a an. Die Membran
kann beim Anschlagen in der zweiten Position die untere Fläche der Kammer kontaktieren,
ist aber überwiegend mechanisch entlastet, da die in Anschlagrichtung A wirkenden
Kräfte überwiegend, vorzugsweise vollständig, vom Anschlag 84b absorbiert werden.
[0100] Der Basiskörper 86 weist ein erstes Teil 86a auf, das eine Führungseinrichtung in
Form eines Führungskanals für das hier im Wesentlichen zylinderförmig ausgebildete
Verdrängungselement 83 dient. Zudem wird durch das erste Teil 86a die Anschlageinrichtung
gebildet, insbesondere sowohl der erste -obere- Anschlag 84a als auch der zweite -untere-
Anschlag 84b. Indem beide Anschläge im ersten Teil 86a gebildet sind, schlägt das
Verdrängungselement 83 beim Auslenken aus der ersten in die zweite Position in Richtung
A, bzw. analog in die entgegengesetzte Richtung B, in geringerem Maße -oder nicht-
am zweiten Teil 86b an, so dass eine im Vergleich zum Anschlagen des Verdrängungselements
am zweiten Anschlag 84b geringere -oder keine- Kraft auf das zweite Teil 86b ausgeübt
wird. Der Bodenabschnitt des Verdrängungselements 83 bzw. der Bodenabschnitt der Fluidkammer
dient in diesem Fall nicht -oder nicht primär- als Anschlag. Die Mikrodosiereinrichtung
80, insbesondere das Verdrängungselements 83 bzw. dessen Länge, ist vorzugsweise so
eingerichtet, dass das Verdrängungselement die Membran 89 bei der Bewegung in die
zweite Position gegen den Bodenabschnitt der Fluidkammer 81 führt. Dabei wird der
größere Anteil der Impuls-förmigen Auslenkungskraft A durch das Anschlagen am zweiten
Anschlag 84b aufgenommen.
[0101] Die Mikrodosiereinrichtung 80 der Fig. 8a weist eine Membran 89 auf, die -analog
der Membran 79- als Rückstellelement 77 dient und die das Verdrängungselement 83 aus
der zweiten Position in die erste Position zurückführt, sobald die Rückstellkraft
die Auslenkungskraft des Formgedächtnismaterial-Aktuator 85 übertrifft. Die Membran
79 dient gleichzeitig als Dichtungselement, also als Bestandteil einer Dichtungseinrichtung,
durch die die Eingriffsöffnung 81' fluiddicht abgedichtet wird.
[0102] Die Fluidkammer 81 ist als Mikrodosierkammer ausgeführt, die als zylindrische Kammer
mit Radius R gebildet ist, die über eine Auslassöffnung des Fluidkanals 82 an der
Unterseite mit dem Pipettierbehälter, z.B. einer Pipettenspitze, verbindbar ist bzw.
verbunden ist. Auf der Oberseite ist die Fluidkammer 81 durch die Membran 89 abgeschlossen,
wodurch der Formgedächtnismaterial-Aktuator niemals mit dem Fluid im Kammerinneren
in Berührung kommt (Medientrennung). Ein ebenfalls zylindrischer Stößel des Verdrängungselements
83 mit Radius r < R lenkt die Membran aus der Ebene heraus aus und drückt sie in die
Fluidkammer hinein. Es wird zwischen Stößel und Aktuator eine Kugel eingesetzt, die
sich unter dem X-förmigen, taschen-artig gekrümmten Aktuatoreinrichtung 85 selbst
zentriert.
[0103] Die Figuren 9a und 9b zeigen den X-förmig angeordneten, taschen-artig gebildete Aktuatoreinrichtung
85, wobei in Fig. 9a die erste Position gezeigt ist, in der das Verdrängungselement
vom Rückstellelement 87, also der Membran 89, in der ersten Position gehalten wird,
und wobei in Fig. 9b die zweite Position gezeigt ist, in der die Aktuatoreinrichtung
85 aktiviert wurde und das Verdrängungselement gegen den zweiten Anschlag gestoßen
wurde. Die Aktuatoreinrichtung 85 weist zwei Formgedächtnismaterial-Aktuator auf Basis
einer NiCuTi-Legierung auf, nämlich zwei langgestreckte, stegförmige, auf Basis von
gesputtertem Film hergestellte Formgedächtnismaterial-Aktuator, die einander überkreuzend,
also X-förmig, zentral oberhalb der Kugel des Verdrängungselements 83' angeordnet
sind. Die Verwendung Film-basierter Aktuatoren ermöglicht ein Einstellen der Kräfte
und Stellwege durch Anpassung der zweidimensionalen Geometrie. Die im Verhältnis zum
Volumen sehr große Oberfläche bleibt dabei erhalten und sorgt für eine schnelle Wärmeabgabe
bzw. Rückstellung des Aktuators im stromlosen Zustand.
[0104] Die Enden der Formgedächtnismaterial-Aktuatoren sind am Basiskörper 86 der Mikrodosiereinrichtung
80 jeweils an den beiden Kopplungsstellen 88 (Fig. 9a) verankert. Die Formgedächtnismaterial-Aktuator
sind oberhalb der Auflagestelle so gespannt, dass die Kreuzungsstelle 85a jeweils
eine Krümmungsstelle des Formgedächtnismaterial-Aktuators bildet. Dadurch wird, wie
in den Figuren 9a, 9b und 9c beispielhaft dargestellt ist, ein schalenartiger Bereich
der Aktuatoreinrichtung gebildet, durch die sich die Aktuatoreinrichtung oberhalb
der Auflagestelle zentriert und eine präzise entlang der linearen Bewegungsrichtung
zwischen der ersten und zweiten Position nach unten gerichtete Kraft erzeugt, die
eine entsprechend präzise Auslenkung zur Folge hat. Die zwei Formgedächtnismaterial-Aktuator
können durch ein Verbindungsglied (nicht gezeigt) gekoppelt sein. Während in Fig.
9a bis 9c das Verdrängungselement 83' aus quaderförmigen Abschnitten aufgebaut ist,
weist das Verdrängungselement 83 in Fig. 8a und 8b zylinderförmige Abschnitte auf,
sowie eine Kugel als Auflagefläche für die Aktuatoreinrichtung 85.
[0105] Die Membran 89 besteht aus hochflexiblem PDMS der Dicke 200 µm und ist bereits im
stromlosen Zustand der Formgedächtnismaterial-Aktuatoren vorausgelenkt. Dies ist gewünscht,
um eine ausreichende Kraft zur Rückstellung der Aktuatoreinrichtung aufzubringen.
Zur Verdrängung des gewünschten Luft-Mikrovolumens während des Abgabevorgangs wird
die Membran durch das Verdrängungselement um den Hub ausgelenkt. Der Hub ist durch
die mechanischen Anschläge 84a, 84b der Führung des Verdrängungselements vorgegeben
und beträgt hier 100 µm. Es ist in einer Abwandlung der Mikrodosiereinrichtung 80
auch eine Anschlageinrichtung mit verstellbaren Anschlägen realisierbar, wie in Fig.
6a gezeigt, was eine Anpassung des Dosiervolumens erlaubt. In der hier vorgestellten
Ausführung der Mikrodosiereinrichtung 83 bildet die durch das Verdrängungselement
ausgelenkte Membran 89 einen Kegelstumpf. Bei Betätigung der Aktuatoreinrichtung nimmt
die Höhe des Kegelstumpfes um 100 µm zu, die Flanken des Kegelstumpfes werden steiler.
Das verdrängte Volumen ergibt sich als Volumen-Differenz der um das Volumen der beiden
Kegelstümpfe reduzierten zylindrischen Raums, der die Fluidkammer 81 bildet.
[0106] Das mechanische Verhalten des Moduls bestehend aus Mikrodosierkammer 81, Membran
89 und Verdrängungselement 83 lässt sich mittels Druckversuch in einer Zugprüfmaschine
untersuchen. Hierbei wird das Verdrängungselement startend von der ersten Position
P1 langsam in die Mikrodosierkammer hineingedrückt, bis der untere Anschlag 84b erreicht
ist, dabei werden die Auslenkung und die Kraft aufgezeichnet. Dadurch, dass die Membran
89 vorgespannt ist, wird bereits eine gewisse Mindestkraft benötigt, um das Verdrängungselement
vom oberen Anschlag 84a zu lösen. Während die Membran immer weiter in die Mikrodosierkammer
hinein ausgelenkt wird, steigt die Kraft kontinuierlich an. Nach Erreichen des unteren
Anschlags 84b führt eine Erhöhung der Kraft zu keiner weiteren Auslenkung der Membran.
Eine typische Kennlinie für eine 0,1 µl-Mikrodosierkammer ist in Abbildung 17 dargestellt.
Die Aktuatoreinrichtung ist so ausgelegt, dass sie die Membran bei Stromzufuhr voll
auslenken kann, während sie im stromlosen Zustand durch die vorgespannte Membran bis
an den oberen Anschlag 84a zurückgestellt wird.
[0107] Die Aktuatoren der Aktuatoreinrichtung 85 sind beispielsweise jeweils paarweise auf
eine Trägerplatte mit integrierten Leiterbahnen aufgebracht und elektrisch kontaktiert,
siehe Fig. 9a, 9b. Die elektrische Ansteuerung der Formgedächtnismaterial-Aktuator
erfolgt über eine elektrische Steuereinrichtung, die dazu eingerichtet ist, eine Spannung
gleichzeitig an beider Formgedächtnismaterial-Aktuatoren anzulegen und diese synchron
zu kontrahieren. Beispielsweise werden über ein dreiadriges Kabel beide Aktuatoren
an eine Stromquelle angeschlossen. Eine mittlere Ader dient dabei als gemeinsame Masse-Elektrode.
Für ein möglichst schnelles Schalten werden die Aktuatoren im Betrieb mit einem sehr
kurzen Spannungs- bzw. Stromimpuls aktiviert, der einige 10 ms dauert, und anschließend
die effektive Spannung durch Pulsweitenmodulation soweit gedrosselt, dass die Schaltposition
der Formgedächtnismaterial-Aktuatoren gerade gehalten werden kann.
[0108] Für ein möglichst schnelles Schalten der Formgedächtnismaterial-Aktuatoren werden
die Versorgungsspannung auf 4 V, die Dauer des initialen Spannungspulses auf 10 ms,
sowie die Pulsweitenmodulation beispielsweise auf einen Duty Cycle von 1/128 eingestellt.
Die tatsächliche Schaltzeit wird z.B. durch Beobachtung des Aktors (bzw. der darunterliegenden
Kugel) mit einer Hochgeschwindigkeitskamera bestimmt. Ein Formgedächtnismaterial-Aktuator
benötigt insbesondere weniger als 2 ms für das Zurücklegen des Hubes.
[0109] Die Kraft-Auslenkungs-Kennlinien der Aktuatoren lassen sich mittels einer Zugprüfmaschine
bestimmen. Beispiele für die Abstimmung von Mikrodosierkammern mit verdrängbaren Mikrovolumina
zu 0,1 µl (Fig. 19) und 0,4 µl (das Kurvenpaar in Fig. 20 in hellerer Farbe) und 0,8
µl (das Kurvenpaar in Fig. 20 in dunklerer Farbe) und Aktuator sind in den Figuren
19 und 20 gezeigt. Für die Formgedächtnismaterial-Aktuatoren ist jeweils die Kraft-Auslenkungs-Kennlinie
im kalten (links beginnende, untere Kurve) und im beheizten Zustand (links beginnende,
obere Kurve) dargestellt. Die Gleichgewichtspunkte des Aktuators im stromlosen und
im geschalteten Zustand ergeben sich aus den Schnittpunkten der Aktuatororkennlinien
mit der Mikrodosierkammerkennlinie. Da die zur Auslenkung der Membran nötigen Schaltkräfte
für die größeren Kammern etwa dreimal so groß sind, wie für die kleinste Kammer, werden
Aktuatoren unterschiedlicher Stegbreite eingesetzt.
[0110] Fig. 11a, 11b und 11c zeigen jeweils in einer schematischen Seitenansicht eine Pipettiervorrichtung
100 mit angeschlossener erfindungsgemäßer Mikrodosiereinrichtung.
[0111] Die erfindungsgemäß gestaltete Pipettiervorrichtung 100 dient der dosierten Aufnahme
und Abgabe von Fluidproben, insbesondere von Mikrodosiervolumen 99. Sie weist eine
herkömmliche Pipettiervorrichtung 101 auf (nicht gezeigt), nachfolgend zur besseren
Unterscheidung bezeichnet als Pipettier-ein-richtung, die eine Kolbenkammer und einen
in der Kolbenkammer angeordneten, beweglichen Kolben zum Ansaugen eines Fluids in
die Kolbenkammer und zur Abgabe des Fluids aus der Kolbenkammer aufweist. Die Pipettiervorrichtung
100 weist ferner einen Pipettierkanal 102 auf, der die Kolbenkammer mit dem Außenraum
der Kolbenkammer verbindet. Die Pipettiervorrichtung 100 weist ferner eine erfindungsgemäße
Mikrodosiereinrichtung auf, hier eine Mikrodosiereinrichtung 70' ist, die im Wesentlichen
der Mikrodosiereinrichtung 70 entspricht, die aber zusätzlich einen Bypasskanal 103
aufweist, der das Innere der Mikrodosierkammer der Mikrodosiereinrichtung 70' fluidisch
mit dem Außenraum, der Umgebung, verbindet.
[0112] Der Bypasskanal 103 ist mittels eines steuerbaren Ventils 104 wahlweise öffenbar/schliessbar.
Der Fluidkanal 72' der Mikrodosiereinrichtung 70' ist mit dem Pipettierkanal 102 verbindbar,
so dass von der Pipettiervorrichtung 100 mittels der Mikrodosiereinrichtung 70' ein
Mikrodosiervolumen einer Fluidprobe dosierbar und in Form eines Mikrofluidjets über
den Pipettierkanal 102 an den Außenraum abgebbar ist. "Verbindbar" bedeutet in diesem
Fall, dass ein Ventil 105 vorgesehen ist, das die fluidische Verbindung zwischen Fluidkanal
72' und Pipettierkanal 102 ermöglicht. Das Ventil 105 ist ebenfalls ein steuerbares
Ventil 105, dessen Zustand offen bzw. geschlossen durch elektrische Ansteuerung festlegbar
ist. Die Mikrodosiereinrichtung 70' arbeitet nach dem Luftpolsterprinzip, das verdrängte
Fluid ist Luft, das Mikrodosiervolumen einer wässrigen Probe ist zunächst (Fig. 11a)
im Pipettierbehälter 98 enthalten und wird dort durch den Unterdruck im Pipettierkanal
102 gehalten, der in Fig. 11a nach oben geschlossen ist, indem die Ventile 104 und
106 geschlossen sind. Das steuerbare Ventil 106 erlaubt es, den Pipettierkanal 102
im Bereich zwischen der herkömmlichen Pipettiereinrichtung und der Einmündung des
Fluidkanals der Mikrodosiereinrichtung in den Pipettierkanal wahlweise zu öffnen oder
zu schließen.
[0113] In Fig. 11a sind die Ventile 104 und 106 geschlossen, das Ventil 105 ist geöffnet.
Die Aktuierung des Formgedächtnismaterial-Aktuator erzeugt ein Mikrodosiervolumen
einer Luftmenge, die als Mikro-Jet von der Mikrodosiereinrichtung 70' durch deren
Fluidkanal 72' in einen Außenraum der Mikrodosiereinrichtung abgegeben wird. Dieser
Außenraum ist hier der Innenraum des Pipettierkanals 102. Das dort entsprechend schlagartig
verdrängte Mikrovolumen führt in Fig. 11b zur Abgabe des Mikrodosiervolumen der flüssigen
Probe aus dem Pipettierbehälter 98 in Form eines Mikrofreistrahls 99. Die Ventile
104, 105 und 106 sind in Fig. 11b gegenüber Fig. 11a unverändert. In Fig. 11c ist
das Ventil 105 geschlossen, die Ventile 104 und 106 sind jeweils geöffnet. Dadurch
kann einerseits mittels der Piepttiereinrichtung 101 bzw. dem nun zur Umgebung geöffneten
Pipettierkanal 102 eine neue flüssige Probe in den Pipettierbehälter 98 aspiriert
werden. Unabhängig davon kann andererseits das Verdrängungselement der Mikrodosiereinrichtung
70' in die erste Position gefahren werden, was bei geschlossenem Ventil 105 aufgrund
des geöffneten Ventils 104 gelingt, das ein Ansauge von Luft aus der Umgebung in die
Fluidkammer (ventilieren) über den Bypasskanal 103 ermöglicht.
[0114] In Fig. 12 ist eine Mikrodosiervorrichtung 200 zum Erzeugen eines kombinierten Mikrodosiervolumens
99' einer Fluidprobe in Form eines Mikrofreistrahls. Die Mikrodosiervorrichtung 200
weist vier Mikrodosiereinrichtungen 70a, 70b, 70c und 70d auf, die im Wesentlichen
baugleich sind zu der Mikrodosiereinrichtung 70 oder der Mikrodosiereinrichtung 80.
[0115] Die erste Mikrodosiereinrichtung 70a weist eine erste Fluidkammer und ein erstes
Verdrängungselement auf, dass zum Verdrängen eines ersten Mikrovolumens der ersten
Fluidkammer eingerichtet ist. Die zweite Mikrodosiereinrichtung 70b weist eine zweite
Fluidkammer und ein zweites Verdrängungselement auf, dass zum Verdrängen eines zweiten
Mikrovolumens der zweiten Fluidkammer eingerichtet ist. Die dritte Mikrodosiereinrichtung
70c weist eine dritte Fluidkammer und ein drittes Verdrängungselement auf, dass zum
Verdrängen eines dritten Mikrovolumens der dritten Fluidkammer eingerichtet ist. Die
vierte Mikrodosiereinrichtung 70d weist eine vierte Fluidkammer und ein viertes Verdrängungselement
auf, dass zum Verdrängen eines vierten Mikrovolumens der vierten Fluidkammer eingerichtet
ist. Die jeweils verdrängten Mikrovolumina weisen allesamt unterschiedliche Größen
auf, vorliegend die Werte 0,1 µl, 0,2µl, 0,4 µl und 0,8 µl.
[0116] Die Mikrodosiervorrichtung 200 bildet zudem eine beispielhafte erfindungsgemäße Pipettiervorrichtung,
das Ansaugen der flüssigen Probe erfolgt auch hier mittels einer Pipettiereinrichtung
101 über den Pipettierkanal 202. Es ist ein Bypasskanal 203 vorgesehen, der das Innere
des Pipettierkanals 202 -mittels des steuerbaren Ventils 204 wahlweise- mit der Umgebung
verbindet, um den Pipettierkanal 202 und über dessen Vermittlung auch, je nach Aktivität
des jeweiligen Verdrängungselements, die Fluidkammer(n) des/der gewünschten Mikrodosiereinrichtung
70a, 70b, 70c und/oder 70d zu ventilieren. Die Fluidkanäle 72a, 72b, 72c und 72d der
vier Mikrodosiereinrichtungen, die das Innere der Fluidkammern der Mikrodosiereinrichtungen
jeweils mit einem Außenraum der Mikrodosiereinrichtung, nämlich hier dem Inneren des
Pipettierkanals 202 verbinden und die der Aufnahme des Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe
dienen, sind gegenüber dem Pipettierkanal 202 hier permanent geöffnet und weisen kein
Ventil auf. Ein steuerbares Ventil 205 ist zwischen den Übergängen der Fluidkanäle
in den Pipettierkanal 202 und der Auslassöffnung vorgesehen, das zum Schließen des
Ausgangs des Pipettierkanals 202 beim Ventilieren der Fluidkammern geschlossen ist.
Das steuerbare Ventil 206 ist zwischen den Übergängen der Fluidkanäle in den Pipettierkanal
202 und der Pipettiereinrichtung 101 angeordnet und wird zum herkömmlichen Pipettieren,
insbesondere zum Aufnehmen und /oder Abgeben einer Pipettierprobe geöffnet, wird aber
zum Abgeben des Mikrodosiervolumen 99 eines Mikrofreistrahls geschlossen.
[0117] Die Mikrodosiervorrichtung 200 weist die vier Aktuatoreinrichtungen der Mikrodosiereinrichtungen
70a, 70b, 70c und 70d auf, die zur synchronisierten Auslenkung des ersten und des
zweiten Verdrängungselements eingerichtet sind. Die Mikrodosiervorrichtung 300 ist
dazu eingerichtet, dass durch das synchronisierte Verdrängen von mindestens zwei Mikrovolumina
der insgesamt vier Mikrovolumina aus einer ersten und zweiten Fluidkammer die Abgabe
eines kombinierten Mikrodosiervolumens 99' in Form eines Mikrofreistrahls in den Außenraum
bewirkt wird.
[0118] Durch die Kombination der Anzahl n=4 solcher Mikrodosiereinrichtungen 70a, 70b, 70c
und 70d, die jeweils unterschiedliche Volumen haben, lassen sich durch die gegebenen
Kombinationsmöglichkeiten bei Aktivierung der gewünschten Zahl an Mikrodosiereinrichtungen
insgesamt n*n-1 = 15 verschiedene Volumina dosieren. Diese Kombinationen von zu aktivierenden
Mikrodosiereinrichtungen, um ein gewünschtes kombiniertes Mikrodosiervolumen aus verschiedenen
verdrängten Mikrovolumina als Mikrofreistrahl zu erzeugen, ist in der Tabelle in Fig.
16 aufgelistet.
[0119] Die Fig. 13 zeigt eine Ausgestaltung der Mikrodosiervorrichtung 200 gemäß der Fig.
12 als eine Mikrodosiervorrichtung 300 in Form eines mit einer herkömmlichen Pipettiereinrichtung
101 kombinierbaren autonomen Geräts bzw. Moduls, wobei die Ventile jeweils mittels
eines Formgedächtnismaterial-Aktuator realisiert sind.
[0120] Das Modul 300 besteht aus einem Basiskörper 316 mit zwei Anschlüssen 311 und 312.
Am proximalen Anschluss 311, der näher an einer angeschlossenen konventionellen Pipettiereinrichtung
101 (Pipette oder ähnliches) liegt, kann diese über einen Konus angeschlossen werden.
Am distalen Anschluss 312 ist ein Konus zur Verbindung eines Einmalartikels (Pipettenspitze
98') angeschlossen.
[0121] In den Pumpenkörper sind vier Verdrängungselemente von vier Mikrodosiereinrichtungen
380a, 380b, 380c, 380d -jeweils prinzipiell baugleich zu der Mikrodosiereinrichtung
80- mit verdrängten Mikrovolumina zu 100nl, 200nl, 400nl, und 800nl, und drei steuerbare
Ventile 304, 305, 306 integriert, die mit separaten Antrieben versehen sind -hier
jeweils einem Antrieb auf Basis eines Formgedächtnismaterial-Aktuators. Die Ventile
305 und 306, sowie die Verdrängungselemente der Mikrodosiereinrichtungen 380a, 380b
werden durch ein Führungsteil 317 des Basiskörpers geführt bzw. gehalten, das am ersten
Teil 316 des Basiskörpers angeordnet ist und vom Abdeckteil 331 abgedeckt wird, das
mit dem ersten Teil 316 des Basiskörpers verbunden ist. Als Dichtung zu den Mikrodosierkammeren
der Mikrodosiereinrichtungen 380a und 380b und den Ventilsitzen dient eine gemeinsame
Silikonmembran 379, die zwischen Abdeckteil 331 und dem ersten Teil 316 des Basiskörpers
eingeklemmt und dadurch fixiert ist. Das Ventil 304, das den Bypass zur Umgebung öffnet
und schließt, sowie die Verdrängungselemente der Mikrodosiereinrichtungen 380c, 380d,
werden durch das Führungsteil 317 des Basiskörpers geführt bzw. gehalten, das am ersten
Teil 316 des Basiskörpers angeordnet ist und vom Abdeckteil 332 abgedeckt wird, das
mit dem ersten Teil 316 des Basiskörpers verbunden ist. Als Dichtung zu den Mikrodosierkammeren
der Mikrodosiereinrichtungen 380c und 380c und dem Ventilsitz dient auch hier eine
(weitere) gemeinsame Silikonmembran 379, die zwischen Abdeckteil 332 und dem ersten
Teil 316 des Basiskörpers eingeklemmt und dadurch fixiert ist.
[0122] Die Ventile 304, 305, 306 bestehen jeweis, wie anhand des Ventils 306 in Fig. 14
exemplarisch gezeigt ist, aus einem Ventilstößel 306a, einer Ventilfeder 306b und
einem Klemmstift 306d. Der Klemmstift dient zur Vorspannungsjustage des Formgedächtnismaterial-Aktuators
306e.
[0123] Auf beiden Seiten der Mikrodosiervorrichtung befinden sich, einander senkrecht gegenüberliegend
und parallel zueinander, je eine Leiterplatte 321, 322, auf der die Formgedächtnismaterial-Aktuatoren
jeweils fixiert und elektrisch angeschlossen sind.
[0124] Durch die Kombination der Mikrodosiereinrichtungen 380a, 380b, 380c und 380d sind
die kombinierten Mikrodosiervolumen zwischen 100nl und 1500nl mit einer Schrittweite
von 100nl möglich, wie dies in der Tabelle in Fig. 16 aufgelistet ist.
[0125] Zur Funktionsweise des Moduls 300: Die Aufnahme der flüssigen Probe in den Pipettierbehälter
98' erfolgt mittels eines konventionellen Kolbenantriebs einer mit dem Modul 300 verbindbaren
Pipette 101. In der Ausgangssituation befinden sich der Kolben der Pipette 101 in
der unteren Position. Alle Ventile sind geschlossen. Nun werden die Ventile 306 und
305 geöffnet (Verbindung zur Pipettenspitze ist offen). Der Kolben wird nach oben
bewegt und nimmt damit die Flüssigkeit über den Pipettierkanal 302 auf. Nun werden
die Ventile 306 und 305 wieder geschlossen.
[0126] Zur Erzeugung eines kombinierten Mikrodosiervolumen 99' oder zur Operation des Moduls
300 als Pumpe wird wie folgt verfahren: In der Ausgangssituation befindet sich der
Kolben der Pipette 101 in der oberen Position (neutraler Zustand). Alle Ventile sind
geschlossen (neutraler Zustand). Das Ventil 304 (Umgebungsniveau) wird geöffnet. Alle
Verdrängungselemente der Mikrodosiereinrichtungen 380a bis 380d bzw. die gewünschte
Anzahl / Auswahl von Verdrängungselement werden Richtung der jeweiigen Membran 379
nach unten bewegt (gegen den jeweiligen zweiten Anschlag der Mikrodosiereinrichtungen
380a bis 380d). Nun wird Ventil 304 geschlossen und Ventil 305 geöffnet. Nun werden
die Verdrängungselemente wieder in Ihre Ausgangsposition bewegt (gegen den jeweiligen
ersten Anschlag der Mikrodosiereinrichtungen 380a bis 380d) und damit das gewünschte
Volumen aufgenommen (Maximal 1,5 µl). Nun wird Ventil 305 wieder geschlossen und damit
die Flüssigkeit durch Unterdruck im Pipettierkanal fixiert. Nach dem Schließen von
Ventil 305 wird Ventil 304 kurzzeitig geöffnet und wieder geschlossen, um einen Druckausgleich
durchzuführen. Das System ist nun wieder in seiner Ausgangssituation. Dieser Vorgang
kann nun beliebig wiederholt werden, bis das gewünschte Gesamtvolumen aufgenommen
worden ist. Bei einer erneuten Aufnahme von Flüssigkeit entfällt das kurzzeitige Öffnen
und Schließen von Ventil 304, dies findet erst nach der erneuten Bewegung der Verdrängungselemente
in Richtung Membran 379 statt.
[0127] Die (wiederholte) Abgabe der in den Pipettierbehälter 98' aspirierten Flüssigkeit
bzw. für den Pumpenbetrieb wird wie folgt verfahren: In der Ausgangssituation ist
die gewünschte Flüssigkeitsmenge der Fluidprobe aufgenommen. Die Verdrängungselementen
der Mikrodosiereinrichtungen 380a bis 380d befinden sich in der oberen Position (neutraler
Zustand). Das Druckniveau ist neutral. Alle Ventile sind geschlossen (neutraler Zustand).
Das Ventil 305 wird geöffnet. Ein Verdrängungselement oder eine beliebige Anzahl von
Verdrängungselementen wird in Richtung Membran 379 bewegt und das gewünschte Mikrovolumen
abgegeben, sowie in Folge dessen das gewünschte kombinierte (oder einfache) Mikrodosiervolumen
99' als Mikrofreistrahl abgegeben. Nach der Abgabe des Mikrofreistrahls wird Ventil
305 wieder geschlossen und die Verdrängungselement bzw. die Verdrängungselementen
werden wieder in ihre Ausgangposition(en) bewegt. Zum Druckausgleich wird Ventil 304
kurzzeitig geöffnet und wieder geschlossen. Der Vorgang beginnt nun von Anfang an.
[0128] Die Steuerung dieser Verfahren zum Betreiben des Moduls 300 sind vorzugsweise durch
eine in gewünschter Weise eingerichtete, insbesondere programmierte, elektrische Steuereinrichtung
350 implementiert (Fig. 10, 15). Die Steuereinrichtung 350 kann Bestandteil des Moduls
300 sein. Alternativ kann die Steuereinrichtung 350 ein externes Gerät oder dessen
Bestandteil sein. Insbesondere kann die Steuereinrichtung 350 Bestandteil einer modifizierten
Pipettiervorrichtung sein, insbesondere eine um die Steuereinrichtung 350 ergänzte
konventionelle Pipettiereinrichtung 101.
1. Mikrodosiereinrichtung (30; 40; 50; 60; 70; 70'; 80) zum Erzeugen eines Mikrodosiervolumens
einer Fluidprobe in Form eines Mikrofreistrahls (99), aufweisend
eine Fluidkammer(31; 41; 51; 61; 71; 81),
einen Fluidkanal (32; 42; 52; 62; 72; 72'; 82), der das Innere der Fluidkammer mit
einem Außenraum verbindet und der der Aufnahme des Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe
dient,
ein Verdrängungselement (33; 43; 53; 63; 73; 83), das zur Auslenkung zwischen einer
ersten Position (P1) und einer zweiten Position (P2) und zum Verdrängen eines Mikrovolumens
der Fluidkammer eingerichtet ist,
wobei die Mikrodosiereinrichtung einen Formgedächtnismaterial-Aktuator (35; 45; 55;
65; 75; 85) aufweist, der zur Auslenkung des Verdrängungselements angeordnet ist,
und
wobei die Mikrodosiereinrichtung dazu eingerichtet ist, dass durch das Verdrängen
des Mikrovolumens aus der Fluidkammer die Abgabe des Mikrodosiervolumens in Form eines
Mikrofreistrahls in den Außenraum bewirkt wird.
2. Mikrodosiereinrichtung gemäß Anspruch 1, wobei die Fluidkammer als Mikrodosierkammer
ausgebildet ist.
3. Mikrodosiereinrichtung gemäß einem der Ansprüche 1 oder 2, die eine Anschlageinrichtung
(34a, 34b; 44a, 44b; 54b; 64a, 64b; 74a, 74b; 84a, 84b) aufweist, die zum Stoppen
der Auslenkung des Verdrängungselements eingerichtet ist.
4. Mikrodosiereinrichtung (10; 20) zum Erzeugen eines Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe
in Form eines Mikrofreistrahls (99), aufweisend
eine als Mikrodosierkammer (11; 21) ausgebildete Fluidkammer,
einen Fluidkanal (12; 22), der das Innere der Mikrodosierkammer mit einem Außenraum
verbindet und der der Aufnahme des Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe dient,
ein Verdrängungselement (13; 23), das zur Auslenkung zwischen einer ersten Position
(P1) und einer zweiten Position (P2) und zum Verdrängen eines Mikrovolumens der Mikrodosierkammer
eingerichtet ist,
wobei die Mikrodosiereinrichtung eine Anschlageinrichtung (14a, 14b; 24a, 24b) aufweist,
die zum Stoppen der Auslenkung des Verdrängungselements eingerichtet ist, und
einen Aktuator (15; 25) aufweist, der zur Auslenkung des Verdrängungselements angeordnet
ist,
wobei die Mikrodosiereinrichtung dazu eingerichtet ist, dass durch das Verdrängen
des Mikrovolumens aus der Mikrodosierkammer die Abgabe des Mikrodosiervolumens in
Form eines Mikrofreistrahls in den Außenraum bewirkt wird.
5. Mikrodosiereinrichtung gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Fluidkammer
eine Eingriffsöffnung (11 21'; 31'; 41'; 51'; 61'; 71'; 81') zum Eingriff des Verdrängungselements
aufweist, das sich während der Auslenkung durch die Eingriffsöffnung in die Fluidkammer
erstreckt,
wobei eine Dichtungseinrichtung vorgesehen ist, durch die die Eingriffsöffnung fluiddicht
abgedichtet wird.
6. Mikrodosiereinrichtung gemäß Anspruch 5, wobei die Dichtungseinrichtung eine Membran
(79; 89) beinhaltet, die elastisch verformbar ist, die die Eingriffsöffnung abdichtet
und die zwischen dem Innenraum der Fluidkammer und dem Verdrängungselement angeordnet
ist.
7. Mikrodosiereinrichtung gemäß einem der vorherigen Ansprüche, die ein Rückstellelement
(57; 67; 77; 87) aufweist, das elastisch verformbar ist und das durch die Auslenkung
gespannt wird, und mit dem auf das Verdrängungselement eine Rückstellkraft ausübbar
ist, um dieses nach der Auslenkung von der zweiten Position in die erste Position
zurückzustellen.
8. Mikrodosiereinrichtung gemäß einem der Ansprüche 5 oder 6, und Anspruch 7, wobei diese
Membran (79; 89) als dieses Rückstellelement (77; 87) eingerichtet ist.
9. Mikrodosiereinrichtung gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, die mindestens zwei
als Mikrodosierkammern ausgebildete Fluidkammern aufweist, die zum Abgeben unterschiedlich
großer Mikrovolumina ausgebildet sind, und die zur Abgabe des Mikrovolumens jeweils
mit diesem Fluidkanal verbunden sind.
10. Mikrodosiereinrichtung gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, die einen verschließbaren
Bypasskanal aufweist, der im geöffneten Zustand den Innenraum der Fluidkammer mit
dem Außenraum verbindet.
11. Mikrodosiereinrichtung gemäß Anspruch 4, wobei der Aktuator ein Formgedächtnismaterial-Aktuator
ist.
12. Mikrodosiereinrichtung gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, die einen Basiskörper
aufweist, wobei mindestens ein Formgedächtnismaterial-Aktuator vorgesehen ist, der
am Basiskörper verankert ist und so am Verdrängungselement angeordnet ist, dass die
elektrisch gesteuerte Kontraktion des Formgedächtnismaterial-Aktuators das Verdrängungselement
auslenkt.
13. Mikrodosiereinrichtung gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, die eine Pipettiereinrichtung
ist, mit der über den Fluidkanal eine Fluidprobe ansaugbar und abgebbar ist.
14. Mikrodosiereinrichtung gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Pipettiereinrichtung
nach dem Luftpolsterprinzip ausgebildet ist und die Fluidkammer mit Luft gefüllt ist.
15. Pipettiervorrichtung (100; 200) zur dosierten Aufnahme und Abgabe von Fluidproben,
aufweisend
eine Kolbenkammer,
einen in der Kolbenkammer angeordneten, beweglichen Kolben zum Ansaugen eines Fluids
in die Kolbenkammer und zur Abgabe des Fluids aus der Kolbenkammer,
einen Pipettierkanal (102), der die Kolbenkammer mit dem Außenraum der Kolbenkammer
verbindet,
eine Mikrodosiereinrichtung (10; 20; 30; 40; 50; 60; 70; 70'; 80) gemäß einem der
vorangehenden Ansprüche 1 bis 15, deren Fluidkanal (12; 22; 32; 42; 52; 62; 72; 82)
mit der Kolbenkammer und/oder dem Pipettierkanal verbindbar ist, so dass von der Pipettiervorrichtung
mittels der Mikrodosiereinrichtung ein Mikrodosiervolumen (99) einer Fluidprobe dosierbar
und in Form eines Mikrofluidjets über den Pipettierkanal an den Außenraum abgebbar
ist.
16. Pipettiervorrichtung gemäß Anspruch 15, die nach dem Luftpolsterprinzip ausgebildet
ist oder die nach dem Direktverdrängerprinzip als Dispenser ausgebildet ist, und die
insbesondere als handgehaltene Vorrichtung ausgebildet ist.
17. Verwendung der Mikrodosiereinrichtung zur Dosierung von biologischen, biochemischen,
chemischen oder medizinischen Fluidproben in einem Labor.
18. Mikrodosiervorrichtung (200; 300) zum Erzeugen eines kombinierten Mikrodosiervolumens
einer Fluidprobe in Form eines Mikrofreistrahls, aufweisend
mindestens eine erste und eine zweite Mikrodosiereinrichtung, die insbesondere jeweils
eine Mikrodosiereinrichtung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 14 ist,
wobei die erste Mikrodosiereinrichtung eine erste Fluidkammer und ein erstes Verdrängungselement
aufweist, dass zum Verdrängen eines ersten Mikrovolumens der ersten Fluidkammer eingerichtet
ist,
und wobei die zweite Mikrodosiereinrichtung eine zweite Fluidkammer und ein zweites
Verdrängungselement aufweist, dass zum Verdrängen eines zweiten Mikrovolumens der
zweite Fluidkammer eingerichtet ist,
einen Fluidkanal (202; 302), der das Innere der ersten und zweiten Fluidkammer mit
einem Außenraum verbindet und der der Aufnahme des Mikrodosiervolumens einer Fluidprobe
dient,
wobei die Mikrodosiervorrichtung mindestens eine Aktuatoreinrichtung aufweist, welche
zur synchronisierten Auslenkung des ersten und des zweiten Verdrängungselements eingerichtet
ist, und
wobei die Mikrodosiervorrichtung dazu eingerichtet ist, dass durch das synchronisierte
Verdrängen des ersten und zweiten Mikrovolumens aus der ersten und zweiten Fluidkammer
die Abgabe eines kombinierten Mikrodosiervolumens in Form eines Mikrofreistrahls in
den Außenraum bewirkt wird.