[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Niederdruckgießen.
[0002] Niederdruckgießen ist ein industrielles Gießverfahren zur Herstellung von Gussstücken.
Dabei wird Metallschmelze, insbesondere Aluminium, aber auch Magnesium, Kupfer, Eisen
und/oder Stahl mittels zumindest eines Steigrohrs von unten in einen Formhohlraum
einer Gussform, meist eine Kokille (Dauerform), oder eine Sandform oder Feingussform
(Schalenform) gedrückt. Eine entsprechende Aufwärtsbewegung des flüssigen Metalls
entgegen der Schwerkraft erfolgt zumeist durch Gasdruckbeaufschlagung (Gasdruckprinzip)
der Schmelze.
[0003] Eine entsprechende Vorrichtung zum Niederdruckgießen umfasst demgemäß einen Ofenraum,
in dem ein Schmelztiegel anordbar ist, eine entsprechende Heizeinrichtung zum Erwärmen
einer in dem Schmelztiegel vorgehaltenen Schmelze. Weiterhin ist der Ofenraum mit
einem Gas beaufschlagbar, wobei im Schmelztiegel ein Steigrohr derart angeordnet ist,
dass nach einer entsprechenden Beaufschlagung des Ofenraumes mit einem Gas, z.B. Druckluft,
die Schmelze über ein Steigrohr in eine meist zweigeteilte Gussform (bewegliches Oberteil,
festes Unterteil) gedrückt wird, wobei ein Formhohlraum der Gussform durch die aufsteigende
Schmelze gefüllt wird. Die Gussform kann einen Gießkolben (plunger) und pressluftgesteuerte
Verschlüsse aufweisen.
[0004] Derartige Schmelztiegel sind aus Tongrafit ausgebildet und werden bei der Herstellung
gebrannt. Die Tiegel weisen in der Draufsicht eine kreisförmige Form auf. Aufgrund
des Herstellungsprozesses der Tiegel ist die maximale Größe der Tiegel begrenzt. Ein
Innendurchmesser dieser Tiegel beträgt in etwa 1730 mm Ein maximaler Innendurchmesser
beträgt in etwa 1350 mm auf dem Steigrohre bzw. deren Zentrale Längsachsen anordbar
sind.
[0005] Durch die Gasdruckbeaufschlagung der Schmelze gelangt diese steigend über das Steigrohr
in einen Formhohlraum. Nach der vollständigen Füllung der Gussform bleibt der Gasdruck
aufrechterhalten, um eine Nachspeisung zum Ausgleich von Volumendefiziten (Lunkern)
beim Übergang vom flüssigen in den festen Zustand sicherzustellen. Dabei ist eine
gerichtete Erstarrung von oben nach unten erwünscht, um eine möglichst günstige Gussstückgestaltung
und/oder Querschnittsabstufungen zu realisieren. Diese Technik begünstigt einen dichten
und porenfreien Guss.
[0006] Bei der Konstruktion der Gussform muss darauf geachtet werden, dass das flüssige
Metall alle Formbereiche füllt, bevor in den vom Einguss entfernten und dünnwandigen
Partien die Erstarrung einsetzt. Um das Entstehen von Volumendefiziten, die Bildung
von Lunkern, zu verhindern, ist es meist erforderlich, bei bestimmten Bereichen des
Gussstücks die Erstarrung entweder durch Isolation zu verzögern oder sie durch Kühlstifte
zu beschleunigen.
[0007] Um Hohlräume bzw. komplexe Konturen abzubilden, sind Gießkerne, auch in Form von
Kernpaketen, erforderlich, die vor der Formfüllung an entsprechenden Stellen der Kokille
fixiert werden. Nach dem Abkühlen wird die Form geöffnet und das Gussteil entnommen.
Die eingesetzten Kerne, deren Bindemittel vergast oder verbrannt ist, werden durch
eine Rüttelvorrichtung aus dem Gussteil entfernt. Auch Salzkerne finden Verwendung,
zu deren Entfernung das Gussteil in Wasser gelegt wird. Metallische Kerne werden mit
einem Knippeisen gezogen, bevor die Form geöffnet wird.
[0008] Der Einsatz von Sandkernen in den abzugießenden Formen oder das Abgießen von kompletten
Sandpaketen ist ein weit verbreitetes Verfahren. Ist jedoch eine extrem hohe Oberflächengüte
ohne sichtbare Fehlstellen erforderlich, kommen auch Kerne aus Gips zum Einsatz.
[0009] Sandgießanlagen bieten ein breites Anwendungsspektrum. Dies beginnt bei den Formen,
die von chemisch gebundenen Sandformen über Konstruktionen mit Grünsandformanlagen
bis zu Gipsformen für spezielle Teile mit hohen Anforderungen an die Konturgenauigkeit
reichen. Im Feinguss in Keramikformen sind sogar feine Strukturen von 1 mm Wandstärke
möglich. So vielfältig die Formen sind, so unterschiedlich sind die Teile. Von kleinen
Teilen mit nur wenigen kg Gewicht bis zu ganzen Gehäusen von 260 kg und mehr Gussgewicht
ergibt sich eine breite Palette vom High-Tech-Prototypen-Einzelteil bis hin zur Großserienanwendung.
[0010] Geometrisch komplizierte Keramiktrauben sollten schnell und dennoch beruhigt gefüllt
werden. Eine solche Art der Formfüllung ist nötig, um sehr dünnwandige Teile mit vielen
Querschnittsänderungen gießen zu können. Zudem müssen dabei die geforderten mechanischen
Eigenschaften erreicht werden.
[0011] In der
DE 199 36 973 A1 ist eine Vorrichtung zum Niederdruckgießen von Metallen offenbart. Diese umfasst
einen Gießofen mit einer Einfüllkammer und ein Steigrohr, das endseitig über eine
Gießdüse sukzessive mit Hohlräumen aufweisenden Sand-Gussformkästen verbindbar ist.
Die Gießdüse ist aus feuerfestem Material ausgebildet und weist ein auswechselbares
Mundstück auf.
[0012] Aus der
DE 10 2008 051 998 A1 geht ein Gießverfahren hervor, bei dem flüssiges Gießmaterial aus einem Niederdruckofen
und der Niederdruck über eine Eingusssäule entgegen der Schwerkraft zu einem in Sand
eingebetteten Schaumstoffmodell eines Gusskörpers in einem Gießbehälter transportiert
wird. Dabei wird das Schaumstoffmodel zerstört und hinterlässt einen Hohlraum, der
mit dem Gießmaterial aufgefüllt wird. Hierbei ist vorgesehen, dass der Niederdruck
am Niederdruckofen nach Beendigung des Gießens soweit abgesenkt wird, dass zumindest
ein Teil des noch in der Eingusssäule befindlichen und noch flüssigen Gießmaterials
in den Niederdruckofen zurückfließt.
[0013] In der
DE 10 2004 050 781 A1 ist ein Niederdruckvollformgießverfahren offenbart, bei der eine geregelte Formfüllung
ermöglicht werden soll, wobei im Bereich einer Verbindungsöffnung eines Formbehälters
das flüssige Metall durch ein eine geringe Wärmeleitfähigkeit aufweisende Verbindungsstück
transportiert wird. Infolgedessen soll eine gerichtete Erstarrung von unten nach oben
und eine feinkörnige Struktur des Urstücks erreicht werden.
[0014] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Vorrichtung zum Gießen bereitzustellen,
mit der Bauteile mit großen Grundflächen und/oder relativ dünnwandige Bauteile sicher
und zuverlässig herstellbar sind.
[0015] Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Vorrichtung zum Gießen
bereitzustellen, die energieeffizient ausgebildet sowie einfach aufgebaut ist und
die sicher und zuverlässig im Betrieb ist.
[0016] Eine oder mehrere dieser Aufgaben werden durch die Merkmale des unabhängigen Patentanspruchs
1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen davon sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0017] Erfindungsgemäß ist eine Vorrichtung zum Niederdruckgießen vorgesehen. Diese umfasst
eine einen Ofenraum begrenzende Ofenwandung, eine im Ofenraum angeordnete Schmelztiegeleinrichtung,
eine Heizeinrichtung zum Erhitzen der Schmelztiegeleinrichtung, und zumindest eine
Druckeinrichtung zum Anlegen eines Überdrucks an die Schmelztiegeleinrichtung. Die
vorliegende Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass der Ofenraum in einer Draufsicht
eine größere Länge im Vergleich zu seiner Breite aufweist, so dass der Ofenraum eine
in einer Längsrichtung langgestreckte Form ausbildet, wobei vorzugsweise in etwa gleichmäßig
verteilt über in etwa 60% bis 95% der Länge in Längsrichtung des zumindest einen Schmelztiegels
mehrere, sich in vertikaler Richtung erstreckende Steigrohre angeordnet sind.
[0018] Unter einer in einer Längsrichtung langgestreckten Form wird im Rahmen der vorliegenden
Erfindung verstanden, dass der Ofenraum in einer Draufsicht von oben in etwa rechteckförmig
mit oder ohne abgerundete bzw. abgeschrägte Ecken oder elliptisch bzw. oval ausgebildet
ist. Das bedeutet, es sind Formen vorgesehen, die eine größere Länge im Vergleich
zu ihrer Breite aufweisen, so dass eine Erstreckung entlang der Länge der Form in
der Draufsicht als Längsrichtung bezeichnet wird.
[0019] Dadurch, dass der Ofenraum in einer Draufsicht eine größere Länge im Vergleich zu
seiner Breite aufweist, so dass der Ofenraum eine in einer Längsrichtung langgestreckte
Form ausbildet, wobei vorzugsweise in etwa gleichmäßig verteilt über in etwa 60% bis
95% der Länge des Schmelztiegels mehrere, sich in vertikaler Richtung erstreckende,
Steigrohre angeordnet sind, kann gegenüber einem Ofenraum mit einem einzigen zylindrischen
Schmelztiegel ein wesentlicher größerer Steigrohrabstand vorgesehen werden. Auf diese
Weise ist es möglich, relativ große und/oder dünnwandige Gussteile herzustellen.
[0020] Relativ große Gussformen für dünnwandige Bauteile können häufig nur relativ langsam
befüllt werden. Dies ist dahingehend nachteilig, dass es zu einem relativ raschen
Abkühlen der Schmelze während des Befüllens kommt. Zudem ist es auf Grund von Volumendefiziten
und der Bildung von Lunkern generell schwer derartige Formen zu befüllen.
[0021] Mit der vorliegenden Erfindung kann ein Raster von Steigrohren vorgesehen werden,
das sich über eine größere Distanz als bei herkömmlichen Schmelzöfen erstrecken kann.
Im Folgenden wird der Abstand zwischen zwei maximal voneinander in einem solchen Raster
beabstandeten Steigrohren als Steigrohrdistanz bezeichnet. Der Abstand zwischen zwei
benachbarten Steigrohren in einem solchen Steigrohrraster wird als Steigrohrabstand
bezeichnet.
[0022] Die Erfindung erlaubt somit Raster mit einem Steigrohrabstand von minimal 250 mm
und insbesondere minimal 200 mm. Die Steigrohrdistanz kann zumindest 105 cm bzw. zumindest
110 cm vorzugsweise zumindest 135 cm, insbesondere zumindest 150 cm bzw. zumindest
180 cm oder zumindest 200 cm betragen. Weiterhin kann mit der Erfindung im Vergleich
zu herkömmlichen Öfen ein größeres Schmelztiegelvolumen bereitgestellt werden. Auf
diese Weise steht mehr Material zum Vergießen zur Verfügung.
[0023] Insbesondere ist bei der vorliegenden Erfindung durch die große Steigrohrdistanz
der in Längsrichtung endseitig angeordneten Steigrohre, vorteilhaft, dass bei einer
großen Form das flüssige Metall alle Formbereiche mit kurzem Weg innerhalb der Gussform
erreicht und so diese zuverlässig füllt, bevor in den vom Einguss entfernten und insbesondere
dünnwandigen Bereichen der zu gießenden Gussform die Erstarrung einsetzt.
[0024] Auf diese Weise wird die Entstehung von Volumendefiziten, die Bildung von Lunkern,
effektiv verhindert. Da in dem zumindest einen Schmelztiegel mehrere Steigrohre zum
Befüllen der Gussform über eine größere Länge in Längsrichtung angeordnet sind kommt
es bei der Erstarrung in nahezu keinem Bereich des Gussstücks vor, das die Erstarrung
entweder durch Isolation verzögert oder durch Kühlstifte beschleunigt werden muss.
Somit kann eine entsprechende Vorrichtung äußerst kostengünstig und wartungsarm aufgebaut
werden, da auf die entsprechenden Bauteile verzichtet werden kann. Weiterhin sind
große Gussstücke von hoher Qualität sicher und zuverlässig herstellbar.
[0025] Dadurch ist es möglich, relativ große, dünnwandige Bauteile, wie z.B. Batteriegehäuse
für Kraftfahrzeuge, herzustellen, beziehungsweise Gussformen zum Herstellen solcher
Bauteile auf einfache Weise effizient zu Befüllen.
[0026] Die erfindungsgemäße Vorrichtung zum Niederdruckgießen ermöglicht somit einen gesteuerten
Druckfüllprozess und ist durch die große Steigrohrdistanz zur Herstellung dünnwandiger
Gussteile besonders geeignet. Weiterhin lässt sich die erfindungsgemäße Vorrichtung
leicht Vollautomatisieren, wodurch eine hohe Wirtschaftlichkeit in der Serienfertigung
durch steuerbare Prozesse erzielt wird.
[0027] Zudem lässt sich mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung eine turbulenzarme Formfüllung
mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Druckkurven für einen Formfüllprozess verwenden.
Der Druck kann mit einer Druckkurve gesteuert werden, bei welcher bis zu 20 Punkte
(Druck/Zeit) aufeinanderfolgend ansteuerbar sind. Durch eine hohe Druckspeisung ist
es möglich, beste Gefügeeigenschaften im zu gießenden Bauteil zu erreichen.
[0028] Weiterhin kann erfindungsgemäß vorgesehen sein, dass die mehreren, Steigrohre über
eine Länge von in etwa 60% bis 75% bis in etwa 75% bis 95% in Längsrichtung des Schmelztiegels
angeordnet sind.
[0029] Eine kleinste Distanz zweier in Längsrichtung, jeweils endseitig angeordneter Steigrohre
bzw. der in Längsrichtung am weitesten voneinander beabstandeten bzw. endseitig angeordneten
Steigrohre, kann zumindest 105 cm bzw. 110 cm bis 220 cm betragen. Alternativ kann
eine kleinste Distanz der endseitig angeordneten Steigrohre auch im Bereich zwischen
115 cm bis 195 cm bzw. 120 cm bis 190 cm bzw. 130 cm bis 180 cm betragen.
[0030] Gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel kann die Schmelztiegeleinrichtung ein wannenartig
ausgebildeter Schmelztiegel sein, der in einer Draufsicht in etwa eine langgestreckte
Form aufweisen.
[0031] Unter einem wannenartigen Schmelztiegel wird im Rahmen der vorliegenden Erfindung
eine Form verstanden, die in einer Draufsicht eine größere Länge im Vergleich zur
Breite aufweist und beispielsweise rechteckförmig mit abgerundeten oder abgeschrägten
Ecken oder oval bzw. elliptisch ausgebildet ist. Dabei weist der Schmelztiegel eine
größere Erstreckung in der in Längsrichtung im Vergleich zu einer quer dazu verlaufenden
Breitenrichtung bzw. einer Breite und einer in vertikaler Richtung erstreckenden Höhe
auf.
[0032] Die Heizeinrichtung kann dann vorzugsweise im Schmelztiegel im Bereich einer den
Schmelztiegel begrenzenden Bodenwandung und oder diesen in vertikaler Richtung umgebend
angeordnet sein.
[0033] Hierbei kann vorgesehen sein, dass die Heizeinrichtung sich im Bereich der Bodenwandung
in horizontaler Richtung, insbesondere quer zur Längsrichtung oder auch in Längsrichtung
erstreckt.
[0034] Dadurch, dass im Bereich einer den Schmelztiegel begrenzenden Bodenwandung die Heizeinrichtung
angeordnet ist, kann die Schmelze von unten erhitzt werden. Der Schmelztiegel wird
mit flüssiger Schmelze beladen. Die Heizeinrichtung muss daher lediglich die Wärme
zur Verfügung stellen, welche von der Schmelze während der Verweildauer im Schmelztiegel
abgegeben wird. Die Heizeinrichtung wird nicht zum Aufschmelzen der Schmelze verwendet.
[0035] Dadurch, dass die Heizeinrichtung im Bereich des Bodens des Schmelztiegels angeordnet
ist, ist es möglich, zusätzlich Heizstrahler oberhalb der Schmelze vorzusehen. Dies
erlaubt eine zusätzliche Wärmezufuhr. Jedoch begrenzen derartige Heizstrahler das
Raster an Steigrohren, weshalb vorzugsweise alleine eine im Bodenbereich vorgesehene
Heizeinrichtung ausgebildet wird.
[0036] Die Heizeinrichtung weist vorzugsweise mehrere elektrisch betriebene Heizstäbe. Die
Heizstäbe können jeweils in einem Aluminiumtitanatrohr angeordnet sein. Die Aluminiumtitanatrohre
können ein Stück beabstandet vom Boden des Schmelztiegels angeordnet oder unmittelbar
in die Bodenwandung des Schmelztiegels integriert sein. Das Integrieren der Aluminiumtitanatrohr
bzw. der Heizstäbe in die Bodenwandung ist beim Reinigen des Schmelztiegels vorteilhaft.
[0037] Gemäß einem zweiten Ausführungsbeispiel kann die Schmelztiegeleinrichtung zwei, in
der Draufsicht kreisförmig ausgebildete Schmelztiegel, die im Ofenraum angeordnet
sind, aufweisen.
[0038] Dadurch, dass zwei Schmelztiegel im Ofenraum angeordnet sind, wobei jeder Schmelztiegel
zumindest ein Steigrohr aufweist, kann gegenüber einem Ofenraum mit einem einzigen
in der Draufsicht kreisförmigen Schmelztiegel ebenfalls eine große Steigrohrdistanz
vorgesehen werden.
[0039] Diese beiden Schmelztiegel können in horizontaler Richtung geringfügig beabstandet
voneinander angeordnet sein. Alternativ kann auch vorgesehen sein, dass die zwei Schmelztiegel
in einem aneinander angrenzenden Bereich einander geringfügig überlappen, so dass
die zwei Schmelztiegel von einer gemeinsamen Trennwandung räumlich voneinander getrennt
sind.
[0040] Jeder dieser Schmelztiegel kann eine separate Druckeinrichtung aufweisen. Durch das
Vorsehen zweier Schmelztiegel besteht die Gefahr, dass in beiden Schmelztiegeln unterschiedliche
Drücke vorherrschen können, so dass die Schmelze mit unterschiedlichem Druck über
die Steigrohre in eine Form getrieben wird. Daher weisen die beiden Druckeinrichtungen
jeweils eine separate Druckregeleinrichtung für die einzelnen Tiegel auf.
[0041] Durch das Vorsehen zweier separater Druckeinrichtungen können zwei kleine Gussformen
unabhängig voneinander aber gleichzeitig mit Schmelze aus jeweils einem der beiden
Tiegel gefüllt werden. Mit dieser Vorrichtung kann selbstverständlich auch eine große
Gussform mit Schmelze aus beiden Tiegeln gleichzeitig befüllt werden.
[0042] Die Heizeinrichtung kann jeden der Schmelztiegel in einer horizontalen Draufsicht
von oben in einem Winkel von in etwa, jeweils 200°, beziehungsweise 235°, beziehungsweise
270°, beziehungsweise 300° umgeben. Auf diese Weise ist eine äußerst effiziente Erwärmung
der in den Schmelztiegeln vorgehaltener Schmelze möglich.
[0043] Die Schmelztiegel können in etwa zylinderförmig ausgebildet sein und in einer Draufsicht
von oben einen kreisförmigen Querschnitt aufweisen. Durch den kreisförmigen Querschnitt
der Schmelztiegel liegen gleichmäßigere Druckverhältnisse in der Schmelze vor, wenn
diese mittels der Druckeinrichtung durch Anlegen eines Überdrucks an den Ofenraum
mit Druck beaufschlagt werden.
[0044] Weiterhin kann eine Umwälzeinrichtung zum Umwälzen der in dem bzw. den Schmelztiegeln
vorgehaltenen Schmelze vorgesehen sein. Diese Umwälzeinrichtung kann beispielsweise
als Rotor oder als Impeller ausgebildet sein, um die Schmelze zur gleichmäßigen Erwärmung
mit der Umwälzeinrichtung umzuwälzen.
[0045] Die Steigrohre der Schmelztiegel bilden vorzugsweise in der Draufsicht ein in etwa
rechteckförmiges oder ovales Steigrohrarray zum Befüllen einer Gussform aus. Das Steigrohrarray
kann in der Längsrichtung zumindest acht, insbesondere zumindest zehn und vorzugsweise
zumindest zwölf Steigrohre und in einer quer dazu verlaufenden Breitenrichtung zumindest
drei bzw. zumindest vier Steigrohre umfassen.
[0046] Die Vorrichtung zum Niederdruckgießen kann an eine Gussform mit einer Grundfläche
von in etwa 2,20 m x 1, 35 cm aufweisen.
[0047] Die Ofenwandung kann eine Ofenaußenwandung aufweisen, die vorzugsweise aus Stahl
ausgebildet ist und/eine Ofenzwischenwandung, die zwischen der Ofenaußenwandung und
der Heizeinrichtung und/oder dem bzw. den Schmelztiegeln vorgesehen ist, die vorzugsweise
aus Keramik ausgebildet ist.
[0048] Die Schmelztiegel können im Wesentlichen aus Tongrafit mit einem Siliziumanteil ausgebildet
sein.
[0049] Mittels der erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Niederdruckgießen mit vorzugsweise
einem in etwa rechteckförmigen oder ovalen Steigrohrarray sind bspw. Leichtmetallgussteile
mit besonders hohen Anforderungen an Festigkeit, Dehnung, Druckdichtheit und Schweißbarkeit
herstellbar.
[0050] Die qualitativen und wirtschaftlichen Vorteile der erfindungsgemäßen Vorrichtung
für hoch beanspruchbare Aluminiumgussteile ist durch die beiden Schmelztiegel und
das Steigrohrarray begründet. Die Schmelze wird durch Gasdruckbeaufschlagung der Schmelztiegel
über das Steigrohrarray oder eine Verteilerbox programmier- und steuerbar in die Gussform
aus Stahl oder Gusseisen verbracht. Nach Einsetzen der Randschalenerstarrung wird
der Gasdruck zur Dichtspeisung erhöht, der Speisungsdruck liegt hierbei etwa vierzigmal
höher als beim Schwerkraftgießen.
[0051] Das bringt auf Grund der Ausbildung der erfindungsgemäßen Vorrichtung und insbesondere
des Steigrohrarrays folgende Vorteile, wie z.B.:
- äußerst turbulenzarme Formfüllung mit bis zu zwanzig unterschiedlichen Druckkurven
für nur einen Formfüllprozess,
- hohe Druckspeisung für beste Gefügeeigenschaften, und
- hoher Automatisierungsgrad des Gießprozesses.
[0052] Das führt zu folgenden Effekten, die sich bei der Gussfertigung und in den Gussteileigenschaften
widerspiegeln und den Forderungen der Gussanwender und Gusskonstrukteure bezüglich
höher belastbarer und leichterer Gussteile vielfach besser entsprechen können, als
mit bekannten Niederdrucköfen hergestellte Gussteile:
- feinkörniges Gefüge durch gelenkte Erstarrung (Luft/Wasser/LW-Gemische),
- höhere Festigkeits- und Dehnungseigenschaften als bei Schwerkraft- Kokillengussteilen,
- hohe Druckdichtheit durch oxid- und porenarmes Gefüge,
- problemlose Schweißbarkeit durch Porenfreiheit, und
- hohe Wirtschaftlichkeit in der Serienfertigung durch steuerbare Prozesse.
[0053] Das Niederdruckgießen von Aluminiumgussteilen in Kokillen auf der erfindungsgemäßen
Vorrichtung weist aufgrund des wannenförmigen Schmelztiegels bzw. der beiden Schmelztiegel
und des Steigrohrarrays erhebliche Vorteile auf. So erfolgt die Formfüllung äußerst
turbulenzarm und ist maschinenseitig über unterschiedliche Druckkurven für nur einen
Formfüllprozess steuerbar, was vor allem für die Herstellung von qualitativ hochwertigen
Teilen dienlich ist. Die Schmelze hat bei der Formfüllung keinen Kontakt mit der Umgebung,
weshalb sie sauber bleibt. Durch die hohe Druckspeisung sind diese Gussteile dicht
und erhalten beste Gefügeeigenschaften.
[0054] Der Gießprozess ist auf einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Niederdruckgießen
hoch automatisierbar, weshalb das Verfahren auch für die Serienfertigung besonders
gut geeignet ist. Die Vorrichtung zum Niederdruckgießen kann daher mit einer Gießsteuerungseinrichtung
versehen sein, die neben der Vordruckbestimmung auch die Nutzung von mehreren weiteren
Druckstufen mit einer Regelgenauigkeit von +/-1 mbar ermöglicht, und mit Handlingrobotern,
Peripheriegeräten und Fördertechnik ausgestattet werden kann. Eine hoch produktive
Ausführungsform ist eine Vorrichtung zum Niederdrucken mit Shuttlewechselofen und
Medienbaumkühlung (Wasser, Luft, Nebel) und Steuerung über Zeit und Temperatur, die
selbst die prozesssichere Herstellung komplizierter Gusssortimente wie Motorblöcken-
oder Fahrwerksteilen usw. ermöglicht.
[0055] Das Niederdruckgießen ist durch den gesteuerten Druckfüllprozess besonders für die
Herstellung dünnwandiger Gussteile geeignet.
[0056] Die vorliegende Erfindung kann auch als Vorrichtung zum Niederdruck-Kokillengießen
ausgebildet sein. Diese kommt vor allem für die Herstellung von Leichtmetallgussteilen
(Aluminium und Magnesium) zum Einsatz. Die Niederdruckgussteile kommen im anspruchsvollen
Maschinenbau, Fahrwerks-, Getriebe- und Motorenbau sowie bei vakuum- oder hydraulikdichtem
Gussteilen zur Anwendung.
[0057] Der Anteil von Niederdruckgussteilen innerhalb der in Kokillen gegossenen Aluminiumgussteile
wächst ständig, teilweise auch in Substitution von GJS- oder Al-Druckgussteilen, da
das Verfahren überall dort eine Alternative ist, wo Qualität und Wirtschaftlichkeit
gefordert sind. Beim Niederdruckgießen können Sandkerne eingesetzt werden, die Teile
sind vergütbar durch entsprechende Wärmebehandlungen. Somit bietet die vorliegende
Erfindung ein sehr breites Anwendungsspektrum.
[0058] Zum Herstellen hochfester Eisengussteile kann die vorliegende Erfindung auch zum
Niederdruck-Sandgießen ausgebildet sein, wo statt der metallischen Kokillen Sandformen
zur Anwendung kommen.
[0059] Die vorliegende Erfindung wird im Folgenden anhand der beiliegenden Figuren beispielhaft
näher erläutert. Diese zeigen in
- Figur 1
- eine erfindungsgemäße Vorrichtung zum Niederdruckgießen gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel
in einer seitlich geschnittenen Ansicht ohne einen Ofendeckel,
- Figur 2
- die Darstellung aus Figur 1 mit einem Ofendeckel in einer Draufsicht von oben,
- Figur 3
- eine Draufsicht auf eine erfindungsgemäße Vorrichtung zum Niederdruckgießen gemäß
einem zweiten Ausführungsbeispiel ohne einen Ofendeckel, und
- Figur 4
- die Darstellung aus Figur 3, wobei ein Schmelztiegel der Vorrichtung mit einem Deckel,
der sechs Steigrohre aufweist, abgedeckt ist.
[0060] Im Folgenden wird die erfindungsgemäße Vorrichtung 1 zum Niederdruckgießen anhand
eines ersten Ausführungsbeispiels beispielhaft erläutert (Figuren 1 und 2).
[0061] Die Vorrichtung 1 umfasst einen Ofenraum 2. Der Ofenraum 2 ist von einer Ofenwandung
3 begrenzt.
[0062] Die Ofenwandung 3 weist eine Ofenaußenwandung 4 auf, die aus Stahl ausgebildet ist.
Weiterhin weist die Ofenwandung 3 eine Ofenzwischenwandung 5 auf, die aus einem feuerfesten
Material, wie z.B. eine feuerfeste Ausmauerung, Keramik, feuerfeste Stampfmasse, feuerfeste
Spritzmasse oder feuerfester Beton, ausgebildet ist.
[0063] Die Ofenzwischenwandung 5 ist mit einer feuerfesten Schicht 6, insbesondere einer
Aluminiumoxidschicht, einer feuerfesten Ausmauerung, Keramik, feuerfesten Stampfmasse,
feuerfesten Spritzmasse oder feuerfesten Beton, beschichtet. Die Aluminiumoxidschicht
kann mit einem Bindemittel auf die Ofenzwischenwandung aufgetragen oder in Form von
Platten angeordnet sein.
[0064] Die Keramik ist vorzugsweise eine dichte, schlecht benetzbare feuerfeste Oxidkeramik
mit geringer Wärmedehnung.
[0065] Die feuerfeste Schicht ist bei Gebrauch in Kontakt mit der Schmelze und bildet somit
eine Schmelztiegeleinrichtung 6. Diese Schmelztiegeleinrichtung 6 ist gemäß dem ersten
Ausführungsbeispiel ein wannenartig ausgebildet und die Ofenwandung 3 bildet somit
einen wannenartigen Schmelztiegel 7.
[0066] Der Schmelztiegel 7 weist eine sich in einer, in der horizontalen Ebene, erstreckenden
Längsrichtung 8 langgestreckte Form auf.
[0067] Eine Länge 9 des wannenartigen Schmelztiegels 7 in Längsrichtung 8 beträgt in etwa
190 cm bis 250 cm.
[0068] Quer zu dieser Längsrichtung 8 ist in der horizontalen Ebene eine Breitenrichtung
10 vorgesehen, über die sich der wannenförmige Schmelztiegel über eine Breite 11 von
in etwa 120 cm bis 150 cm erstreckt.
[0069] Durch eine entsprechende Erstreckung in vertikaler Richtung 16 bzw. in einer Höhe
kann der Schmelztiegel in etwa einen Inhalt von 4000 kg bis 5000 kg Schmelze, insbesondere
Aluminiumschmelze, aufnehmen.
[0070] Im Bereich einer Bodenwandung 12 des Schmelztiegels ist eine Heizeinrichtung 13 vorgesehen.
[0071] Die Heizeinrichtung 13 umfasst vorzugsweise mehrere, sich im Bereich der Bodenwandung
12 in horizontaler Richtung erstreckende elektrische Heizstäbe 14.
[0072] Weiterhin weist die Vorrichtung 1 einen den Ofenraum und insbesondere den Schmelztiegel
7 abdeckenden Ofendeckel 15 auf.
[0073] Im Ofendeckel 15 sind gemäß diesem Ausführungsbeispiel achtzehn Steigrohrmuffen 17
vorgesehen. In den Steigrohrmuffen 17 sind entsprechende Steigrohre 18 angeordnet.
Die achtzehn Steigrohre 15 bilden ein rechteckförmiges Steigrohrarray 19 (gestrichelte
Linie) aus.
[0074] Auf dem Steigrohrarray 19 ist eine beispielsweise zweiteilig ausgebildete Gussform
(nicht dargestellt) anordbar.
[0075] Diese Gussform kann beispielsweise ein bewegliches Oberteil und ein ortsfest angeordnetes
beziehungsweise feststehendes Unterteil aufweisen. Die Gussform begrenzt einen Formhohlraum
der durch die in den Steigrohren aufsteigende Schmelze befüllbar ist. Weiterhin weist
eine solche Gussform zumindest einen Gießkolben (Plunger) auf.
[0076] Durch Anordnung des Ofendeckels 15 auf der Ofenwandung 3 ist der Ofenraum 2 als luftdichter
Behälter beziehungsweise Raum ausgebildet.
[0077] Weiterhin weist der Ofenraum 2 zumindest einen Anschluss zum Verbinden mit einer
Druckeinrichtung (nicht dargestellt) zum Anlegen eines Überdrucks an den Ofenraum
auf. Die Vorrichtung ist vorzugsweise als ein Ofen zum Niederdruckgießen ausgebildet.
Der Überdruck wird durch Zuführen von getrockneter Luft (Taupunkt ca. -40°C) erzeugt.
[0078] Im Ofendeckel 15 können mit Klappen verschließbare Einfüllöffnungen (nicht dargestellt)
vorgesehen sein.
[0079] Diese Öffnungen sind derart bemessen, dass eine Umwälzeinrichtung (nicht dargestellt),
wie beispielsweise ein Rotor oder ein Impeller durch diese hindurchführbar ist.
[0080] Zum Reinigen des Ofens ist dann vorgesehen, die Umwälzeinrichtung in die Schmelze
einzutauchen und Gas zuzuführen. Als Gas wird vorzugsweise Stickstoff oder Argon verwendet.
Die Gasblasen transportieren den Schmutz an die Oberfläche, wo er als Krätze entfernt
werden kann.
[0081] Dieser Vorgang kann auch durch Abheben des Ofendeckels 15 erfolgen. Je größer die
Öffnungsfläche der mit Klappen verschließbaren Öffnungen bzw. die Fläche des Schmelztiegels
in der Draufsicht ausgebildet ist, desto einfacher ist die Reinigung.
[0082] Die Öffnungen können auch zum Befüllen des Schmelztiegels vorgesehen sein.
[0083] Zum Reinigen des Ofens bzw. der darin befindlichen Schmelze kann der Ofen mit einem
oder mehreren Spülsteinen versehen sein, mit welchem dem Ofen Spülgas zugeführt werden
kann.
[0084] Es können auch ein oder mehrere Einfüllkanäle vorgesehen sein. Derartige Einfüllkanäle
erlauben ein Füllen des Ofens, ohne dass der Ofen aus einer entsprechenden Maschine
verfahren werden muss. Das Füllen erfolgt vorzugsweise über eine Filtereinrichtung,
um die Zufuhr von Schmutz zu begrenzen.
[0085] Im Folgenden wird die erfindungsgemäße Vorrichtung 1 zum Niederdruckgießen anhand
eines zweiten Ausführungsbeispiels beispielhaft erläutert (Figuren 3 und 4). Sofern
nichts anderes beschrieben ist, weist diese Vorrichtung dieselben technischen Merkmale
wie eine gemäß dem ersten Ausführungsbeispiel ausgebildete Vorrichtung auf. Gleiche
Bauteile sind mit den gleichen Bezugszeichen versehen.
[0086] Die Vorrichtung 1 umfasst den Ofenraum 2. Der Ofenraum 2 ist von der Ofenwandung
3 begrenzt.
[0087] Die Ofenwandung 3 weist die Ofenaußenwandung 4 auf, die aus Stahl ausgebildet ist.
Weiterhin weist die Ofenwandung 3 die Ofenzwischenwandung 5 auf, die aus Keramik ausgebildet
ist.
[0088] Der Ofenraum 2 ist in einer Draufsicht beziehungsweise in einem horizontalen Querschnitt
in etwa oval ausgebildet.
[0089] Im Ofenraum 2 ist die Schmelztiegeleinrichtung 6 angeordnet.
[0090] Die Schmelztiegeleinrichtung 6 umfasst zumindest zwei Schmelztiegel 7, die im Ofenraum
3 angeordnet sind. Die Schmelztiegel 7 sind im Wesentlichen aus Grafit mit einem Siliziumanteil
ausgebildet.
[0091] Die Schmelztiegel 7 sind zylinderförmig mit einem kreisförmigen Querschnitt mit einem
Durchmesser von in etwa 1,3 m ausgebildet.
[0092] Im Bereich zwischen der Ofenzwischenwandung 5 und den beiden Schmelztiegeln 7 ist
die Heizeinrichtung 13 angeordnet.
[0093] Die Heizeinrichtung 13 umgibt Mantelwandungen der beiden Schmelztiegel in einer horizontalen
Draufsicht von oben in einem Winkel von in etwa um 270 °C.
[0094] Weiterhin weist die Vorrichtung 1 einen oder zwei den Ofenraum und insbesondere die
Schmelztiegel 6 abdeckende Ofendeckel 15 auf.
[0095] Im bzw. den Ofendeckeln 15 sind gemäß diesem Ausführungsbeispiel 6 gleich beabstandet
voneinander angeordnete Steigrohrmuffen 17 vorgesehen. Der Ofendeckel 15 ist im Bereich
beider Schmelztiegel 6 gleichartig ausgebildet, sodass gemäß diesem Ausführungsbeispiel
zwölf Steigrohrmuffen 17 vorgesehen sind.
[0096] In den Steigrohrmuffen 17 sind die Steigrohre 18 angeordnet. Jeweils sechs Steigrohre
18 eines Schmelztiegels 6 sind in etwa gleich beabstandet und rechteckförmig angeordnet.
[0097] Die zwölf Steigrohre 18 bilden das Steigrohrarray 19 (gestrichelte Linie) aus.
[0098] Das Steigrohrarray 19 ist demgemäß im vorliegenden Ausführungsbeispiel ebenfalls
rechteckförmig ausgebildet. Auf diesem Steigrohrarray 16 ist eine beispielsweise zweiteilig
ausgebildete Gussform (nicht dargestellt) anordbar.
[0099] Die Gussform kann beispielsweise ein bewegliches Oberteil und ein ortsfest angeordnetes
beziehungsweise feststehendes Unterteil aufweisen. Die Gussform begrenzt einen Formhohlraum
der durch die in den Steigrohren aufsteigende Schmelze befüllbar ist. Weiterhin weist
eine solche Gussform zumindest einen Gießkolben (Plunger) auf.
[0100] Das Steigrohrarray kann je nach Gussform mit einer nahezu beliebigen Anzahl von Steigrohren
ausgebildet werden. Dabei können in jedem Schmelztiegel ein, zwei, drei, vier, fünf,
sechs, sieben, acht, neun, zehn, elf, zwölf oder mehr Steigrohre anordbar sein. Vorzugsweise
sind die Steigrohre jedoch immer gleich beabstandet voneinander angeordnet und bilden
gemäß dem ovalen Ofenraum beziehungsweise aufgrund der beiden Schmelztiegel 6 in der
Regel ein sich in einer Ebene quer zur Tiegellängsrichtung erstreckendes Steigrohrarray
16 aus.
[0101] Die Steigrohre können auch als Vielfach-Steigrohre ausgebildet sein.
Bezugszeichenliste
[0102]
- 1
- Vorrichtung
- 2
- Ofenraum
- 3
- Ofenwandung
- 4
- Ofenaußenwandung
- 5
- Ofenzwischenwandung
- 6
- Schmelztiegeleinrichtung
- 7
- Schmelztiegel
- 8
- Längsrichtung
- 9
- Länge
- 10
- Breitenrichtung
- 11
- Breite
- 12
- Bodenwandung
- 13
- Heizeinrichtung
- 14
- Heizstäbe
- 15
- Ofendeckel
- 16
- vertikale Richtung
- 17
- Steigrohrmuffe
- 18
- Steigrohr
- 19
- Steigrohrarray
1. Vorrichtung zum Niederdruckgießen umfassend
eine einen Ofenraum begrenzende Ofenwandung,
eine im Ofenraum angeordneten Schmelztiegeleinrichtung,
eine Heizeinrichtung zum Erhitzten der Schmelztiegeleinrichtung,
zumindest eine Druckeinrichtung zum Anlegen eines Überdrucks an die Schmelztiegeleinrichtung,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Ofenraum in einer Draufsicht eine größere Länge im Vergleich zur Breite aufweist,
so dass der Ofenraum eine in einer Längsrichtung langestreckte Form ausbildet, wobei,
vorzugsweise in etwa gleichmäßig verteilt, über in etwa 60% bis 95% der Länge des
Schmelztiegels in Längsrichtung mehrere sich in vertikaler Richtung erstreckende Steigrohre
angeordnet sind.
2. Vorrichtung gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine kleinste Distanz zweier in horizontaler Längsrichtung, jeweils endseitig angeordneter
Steigrohre zumindest 105 cm bzw. zumindest 110 cm bzw. zumindest 135 cm und insbesondere
zumindest 180 cm beträgt.
3. Vorrichtung gemäß Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Schmelztiegeleinrichtung ein wannenartiger Schmelztiegel ist, der in einer Draufsicht
von oben in etwa oval ausgebildet ist.
4. Vorrichtung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Schmelztiegeleinrichtung zumindest zwei Schmelztiegel aufweist, die in einer
Draufsicht in etwa kreisförmig ausgebildet sind.
5. Vorrichtung gemäß Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
das die zwei Schmelztiegel von einer gemeinsamen Trennwandung räumlich voneinander
getrennt sind
6. Vorrichtung gemäß Anspruch 4 oder 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass jeder Schmelztiegel eine separate Druckeinrichtung aufweist.
7. Vorrichtung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Heizeinrichtung eine Mantelwandung der Schmelztiegeleinrichtung umgibt und/oder
dass die Heizeinrichtung in vertikaler Richtung im Bereich einer die Schmelztiegeleinrichtung
begrenzenden Bodenwandung angeordnet ist.
8. Vorrichtung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Steigrohre ein vorzugsweise rechteckförmiges oder ovales Steigrohrarray zum Befüllen
einer Gussform ausbilden, wobei das Steigrohrarray in der Längsrichtung zwischen vier
und zwölf bzw. zwischen sechs und acht Steigrohre und in einer quer dazu verlaufenden
Breitenrichtung zwei bis fünf bzw. drei bis vier Steigrohre umfasst.
9. Vorrichtung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Ofenwandung (3) eine Ofenaußenwandung (4), eine Ofenzwischenwandung (5) und eine
feuerfeste Schicht (6) aufweist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Ofenaußenwandung (4) aus Stahl ausgebildet ist und/oder die Ofenzwischenwandung
(5) aus einem feuerfesten Material, einer feuerfesten Ausmauerung, Keramik, einer
feuerfesten Stampfmasse, einer feuerfesten Spritzmasse oder aus feuerfestem Beton
ausgebildet ist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass die feuerfeste Schicht (6) eine Aluminiumoxidschicht ist oder aus einer feuerfesten
Ausmauerung, Keramik, feuerfesten Stampfmasse, feuerfesten Spritzmasse oder feuerfestem
Beton ausgebildet ist.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Heizeinrichtung in der Nähe einer Bodenwandung angeordnet oder in die Bodenwandung
integriert ist.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Heizeinrichtung mehrere elektrisch betriebene Heizstäbe umfasst.
14. Vorrichtung nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Heizstäbe jeweils von einem Aluminiumtitanatrohr umgeben sind.