[0001] Die Erfindung betrifft ein Fahrzeug zum Befahren einer Treppe oder einer Rampe, das
in einer ersten, für einen im Wesentlichen ebenen Untergrund vorgesehenen Betriebsart
durch ein oder mehrere Räder und in einer zweiten, zum Befahren einer Treppe oder
einer Rampe vorgesehenen Betriebsart mittels eines ein Umschlingungsmittel aufweisenden
Raupen- oder Kettenfahrwerks antreibbar ist.
[0002] Ein derartiges Fahrzeug kann z. B. als treppensteigender Rollstuhl ausgebildet sein.
Es sind bereits unterschiedliche Vorschläge gemacht worden, um mit einem Rollstuhl
Treppen befahren zu können.
[0003] In der
DE 33 16 014 A1 wird ein treppensteigendes Fahrzeug beschrieben, das sowohl herkömmliche Räder als
auch ein Raupenfahrwerk aufweist. Zum Befahren einer Treppe werden die herkömmlichen
Räder in eine erhöhte Position bewegt.
[0004] DE 299 09 795 U1 schlägt ein treppensteigendes Fahrzeug vor, das neben herkömmlichen Rädern ein Raupenfahrwerk
aufweist.
[0005] In jüngster Zeit ist ein treppensteigendes Fahrzeug in Form eines Rollstuhls entwickelt
worden, der auf einem im Wesentlichen ebenen Untergrund in einer ersten Betriebsart
mittels herkömmlicher Räder fährt und in einer zweiten Betriebsart eine Treppe befahren
kann. Das Umschalten zwischen den beiden Betriebsarten erfolgt manuell durch den Benutzer.
Es wäre jedoch wünschenswert, diese bisher benutzerseitig eingegebene Bedieneingabe
zu automatisieren.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zu Grunde, ein Fahrzeug zum Befahren einer
Treppe oder einer Rampe anzugeben, bei dem der Umschaltvorgang zwischen der ersten
Betriebsart, in der es durch ein oder mehrere Räder angetrieben wird, und der zweiten
Betriebsart, in der es durch ein Raupen- oder Kettenfahrwerk angetrieben wird, selbsttätig
erfolgt.
[0007] Zur Lösung dieser Aufgabe ist bei einem Fahrzeug der eingangs genannten Art erfindungsgemäß
vorgesehen, dass es einen Treppenstufenkanten oder Rampenkanten erfassenden Treppenstufensensor
aufweist.
[0008] Der Erfindung liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass ein selbsttätiges Umschalten zwischen
den beiden Betriebsarten möglich ist, wenn es gelingt, den Anfang bzw. das Ende einer
Treppe, insbesondere eine Treppenstufenkante, zuverlässig zu erkennen. In diesem Fall
kann der Wechsel zwischen der ersten Betriebsart, die für einen im Wesentlichen ebenen
Untergrund vorgesehen ist, und der zweiten, zum Befahren einer Treppe vorgesehenen
Betriebsart automatisch ablaufen. Sowohl das Befahren einer Treppe als auch das Verlassen
der Treppe kann durch das treppensteigende Fahrzeug automatisch gesteuert werden.
Das erfindungsgemäße Fahrzeug kann auch zum Befahren von Rampen verwendet werden.
Mittels des Treppenstufensensors kann eine Rampe, d. h. das untere oder obere Ende
einer Rampe, erkannt werden. Nach dem Erkennen der Rampenkante kann in die jeweilige
andere Betriebsart umgeschaltet werden.
[0009] Eine besonders zuverlässige Erkennung einer Treppenstufenkante oder einer Rampenkante
ist möglich, wenn der Treppenstufensensor als Kraftsensor ausgebildet ist. Der Treppenstufensensor
ist in der Lage, eine Berührung zwischen einer Komponente des Fahrzeugs und einer
Treppenstufenkante zu erfassen. Während der Berührung wird eine Kraft auf den Treppenstufensensor
ausgeübt, die erfasst und ausgewertet werden kann.
[0010] Im Gegensatz zu anderen Arten von Treppenstufensensoren, beispielsweise optischen
Sensoren, Infrarotsensoren, Ultraschallsensoren sowie Radar- oder Lidar-Sensoren ermöglicht
ein Kraftsensor eine besonders zuverlässige und störungsfreie Erkennung einer Treppenstufenkante.
Insbesondere funktioniert ein Kraftsensor auch bei unterschiedlich beschaffenen Oberflächen
wie einer einen Textilbelag aufweisenden Oberfläche, einer reflektierenden Oberfläche,
einer Glasoberfläche oder einer mit Schnee oder Eis bedeckten Oberfläche. Selbst wenn
eine Treppe im Außenbereich z. B. durch Schnee oder Laub bedeckt ist, können die Treppenstufenkanten
mittels des erfindungsgemäß vorgesehenen Kraftsensors zuverlässig detektiert werden.
Dementsprechend wird ein als Kraftsensor ausgebildeter Treppenstufensensor bei dem
erfindungsgemäßen Fahrzeug bevorzugt.
[0011] Vorzugsweise ist der Treppenstufensensor streifenförmig oder flächig oder matrixartig
ausgebildet oder er umfasst eine Mehrzahl einzelner Sensoren. Der Treppenstufensensor
kann auch als ein einziger Sensor ausgebildet sein. Der Treppenstufensensor ermöglicht
somit zumindest näherungsweise eine Lokalisierung einer Kontaktstelle zwischen einer
Treppenstufenkante und einer Komponente des treppensteigenden Fahrzeugs.
[0012] Bei dem erfindungsgemäßen treppensteigenden Fahrzeug wird es besonders bevorzugt,
dass der Treppenstufensensor in dem Raupen- oder Kettenfahrwerk zwischen einer fahrzeugfesten
Fläche und einer Gleitschiene angeordnet ist, wobei das Umschlingungsmittel an der
Außenseite der Gleitschiene geführt ist. Beim Befahren einer Treppe, insbesondere
beim Überfahren einer Treppenstufenkante wird das Umschlingungsmittel gegen die Gleitschiene
gedrückt. Diese auf das treppensteigende Fahrzeug wirkende äußere Kraft wird von der
Gleitschiene auf den Treppenstufensensor übertragen, der mit einer Seite an der fahrzeugfesten
Fläche anliegt bzw. daran abgestützt ist. Dementsprechend wird ein beim Befahren einer
Treppenstufenkante auftretender Berührkontakt als Signal des Treppenstufensensors
erfasst. Der erfindungsgemäße Aufbau weist den Vorteil auf, dass durch eine Auswertung
des Signals des Treppenstufensensors detektiert werden kann, an welcher Stelle der
Gleitschiene der Berührkontakt mit der Treppenstufenkante auftritt. Der Treppenstufensensor
kann in dem linken oder in dem rechten Teil des Raupen- oder Kettenfahrwerks integriert
sein. Es ist auch möglich, dass beide Seiten mit dem Treppenstufensensor versehen
sind.
[0013] Vorzugsweise ist bei dem erfindungsgemäßen treppensteigenden Fahrzeug der Abstand
zwischen dem Umschlingungsmittel und der Gleitschiene und/oder die Spannung und/oder
die Elastizität des Umschlingungsmittels und/oder der Gleitschiene so gewählt, dass
das Umschlingungsmittel beim Befahren einer Treppenstufenkante gegen die Gleitschiene
gedrückt wird. Auf diese Weise wird eine Kontaktkraft zwischen einer Treppenstufenkante
und der Gleitschiene auf die fahrzeugfeste Fläche übertragen und kann mittels des
Treppenstufensensors erfasst werden. Bei dieser Ausgestaltung ergibt sich der Vorteil,
dass der Treppenstufensensor zwischen der Gleitschiene und der fahrzeugfesten Fläche
geschützt aufgenommen ist.
[0014] Eine noch höhere Zuverlässigkeit des erfindungsgemäßen Fahrzeugs ergibt sich, wenn
die Gleitschiene an ihrer nach außen weisenden Seite eine als Führung für das Umschlingungsmittel
dienende Nut aufweist. Die seitlichen Begrenzungen der Nut führen somit das Umschlingungsmittel
während des Befahrens der Treppe.
[0015] Bei dem erfindungsgemäßen Fahrzeug ist der Treppenstufensensor im Wesentlichen parallel
zu einem Trum des Umschlingungsmittels angeordnet. Es handelt sich dabei um den Teil
des Umschlingungsmittels, der den Untergrund oder die Treppenstufenkanten berührt.
[0016] Eine besonders bevorzugte Variante des Fahrzeugs sieht vor, dass es eine mit dem
Treppenstufensensor verbundene Steuerungseinrichtung aufweist, die dazu ausgebildet
ist, anhand der von dem Treppenstufensensor erfassten Daten zwischen der ersten und
der zweiten Betriebsart umzuschalten. Insbesondere kann das Umschalten selbsttätig
erfolgen. Das Fahrzeug ist gemäß dieser Ausgestaltung in der Lage, selbsttätig beim
Erreichen einer Treppe oder einer Rampe in die zweite Betriebsart umzuschalten, ohne
dass der Benutzer eingreifen muss. Umgekehrt ist das treppensteigende Fahrzeug in
der Lage, beim bzw. nach dem Verlassen einer befahrenen Treppe oder Rampe selbsttätig
in die erste Betriebsart umzuschalten, in der es mittels eines oder mehrerer Räder
angetrieben wird.
[0017] Eine nochmals verbesserte Funktionalität ergibt sich bei dem erfindungsgemäßen Fahrzeug,
wenn die Steuerungseinrichtung dazu ausgebildet ist, beim Befahren einer Treppe die
Position des Fahrzeugs relativ zu wenigstens einer Treppenstufenkante zu verfolgen.
Auf diese Weise kann eine Kontrolle des zurückgelegten Wegs beim Befahren einer Treppe
durchgeführt werden. Mit besonderem Vorteil kann es bei dem erfindungsgemäßen Fahrzeug
vorgesehen sein, dass die Steuerungseinrichtung dazu ausgebildet ist, den Anfang und/oder
das Ende einer Treppe oder einer Rampe zu erkennen. Wenn ein Anfang bzw. ein Ende
einer Treppe oder einer Rampe erkannt worden ist, erfolgt durch die Steuerungseinrichtung
das Umschalten zwischen der ersten Betriebsart, in der ein ebener Untergrund mittels
wenigstens eines Rads befahren wird, und der zweiten Betriebsart, in der eine Treppe
oder eine Rampe mittels des Raupen- oder Kettenfahrwerks befahren wird.
[0018] Das erfindungsgemäße Fahrzeug ist vorzugsweise als elektrisch angetriebener treppensteigender
Rollstuhl ausgebildet. Es weist dazu ein Paar Räder auf, von denen wenigstens eines
elektrisch angetrieben ist. Zusätzlich weist das als treppensteigender Rollstuhl ausgebildete
Fahrzeug ein Raupenfahrwerk oder ein Kettenfahrwerk auf, das ebenfalls elektrisch
antreibbar ist. Die Räder und das Raupen- bzw. Kettenfahrwerk können durch denselben
elektrischen Antrieb antreibbar sein. Alternativ können auch zwei separate Antriebe
vorgesehen sein, die wahlweise abwechselnd einschaltbar sind. Darüber hinaus ist auch
ein manueller Antrieb möglich. Beim Übergang zwischen beiden Betriebsarten kann eine
Bremse eingeschaltet werden.
[0019] Alternativ kann das erfindungsgemäße Fahrzeug auch als autonomes, fernsteuerbares
Fahrzeug ausgebildet sein. Das Fahrzeug kann z. B. als fernsteuerbarer Roboter ausgebildet
sein.
[0020] Das erfindungsgemäße Fahrzeug kann alternativ auch zum Transport von Lasten verwendet
werden. Der Treppenstufensensor ist in der Lage, Rampenkanten zu erkennen, so dass
Übergänge, d. h. obere und untere Enden einer Rampe, d. h. Rampenkanten, automatisch
befahren werden können. Das erfindungsgemäße Fahrzeug kann zum Transport von Lasten
ausgebildet sein und weist wenigstens eine Auflagefläche für einen zu transportierenden
Gegenstand auf. Das Fahrzeug eignet sich z. B. für den Transport von Möbelstücken,
eines Kühlschranks, eines Klaviers, eines Tresors, eines Rollstuhls und dgl.
[0021] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme
auf die Zeichnungen erläutert. Die Zeichnungen sind schematische Darstellungen und
zeigen:
- Fig. 1
- eine perspektivische Ansicht eines erfindungsgemäßen Fahrzeugs, das als treppensteigender
Rollstuhl ausgebildet ist,
- Fig. 2
- das erfindungsgemäße Fahrzeug beim Befahren einer Treppe während vier verschiedener
Zeitpunkte,
- Fig. 3
- ist eine Seitenansicht der wesentlichen Komponenten des Raupenfahrwerks,
- Fig. 4
- einen Schnitt entlang der Linie IV-IV von Fig. 3,
- Fig. 5
- das Raupenfahrwerk beim Befahren einer Treppe,
- Fig. 6
- eine graphische Darstellung eines von dem Treppenstufensensor erfassten Sensorsignals
über dem zurückgelegten Weg,
- Fig. 7
- ein Ausführungsbeispiel eines Raupenfahrwerks für ein erfindungsgemäßes Fahrzeug,
- Fig. 8
- ein weiteres Ausführungsbeispiel eines Raupenfahrwerks,
- Fig. 9-12
- weitere Ausführungsbeispiele von Raupenfahrwerken,
- Fig. 13
- ein Ausführungsbeispiel eines Treppenstufensensors in einer Seitenansicht,
- Fig. 14
- eine Draufsicht des Treppenstufensensors von Fig. 9,
- Fig. 15
- ein weiteres Ausführungsbeispiel eines Treppenstufensensors, und
- Fig. 16
- ein weiteres Ausführungsbeispiel eines Treppenstufensensors.
[0022] Fig. 1 ist eine perspektivische Ansicht und zeigt ein als treppensteigender Rollstuhl
ausgebildetes Fahrzeug 1 mit zwei seitlich angebrachten Rädern 2, zwischen denen ein
Sitz 3 für eine Person ausgebildet ist. Eines der beiden Räder 2 ist mittels eines
elektrischen Motors (nicht gezeigt) antreibbar. Das Fahrzeug 1 umfasst ferner eine
Rückenlehne 4 und ein Bedienelement 5, an dem der Benutzer Bedienkommandos eingeben
kann. Alternativ zu den Rädern 2 kann das Fahrzeug 1 durch ein Raupenfahrwerk 6 angetrieben
werden. Mittels eines nicht näher erläuterten Mechanismus kann ein Teil des Fahrzeugs
1 mitsamt den Rädern 2 hochgeschwenkt werden, sodass das Fahrzeug 1 lediglich mit
dem Raupenfahrwerk 6 den Boden berührt. In dieser Konfiguration kann das Fahrzeug
1 eine Treppe oder eine Rampe befahren.
[0023] Fig. 2 zeigt das Fahrzeug 1 beim Befahren einer Treppe während vier verschiedener
Zeitpunkte.
[0024] Die erste Darstellung von links zeigt das Fahrzeug 1, wenn es in der ersten Betriebsart
auf den Rädern 2 aufsteht. Das Raupenfahrwerk 6 ist dabei vom Untergrund angehoben.
Das Fahrzeug 1 nähert sich rückwärts der Treppe 7. Das Fahrzeug 1 umfasst einen Treppenstufensensor
zum Erfassen einer Treppenstufenkante. Die zweite Darstellung von links in Fig. 2
zeigt das Fahrzeug 1 beim Befahren der Treppe 7. Mittels des Treppenstufensensors
ist eine erste Treppenstufenkante 8 erfasst worden. Eine Steuerungseinrichtung schaltet
nach dem Erkennen der Treppenstufenkante 8 von der ersten Betriebsart in die zweite
Betriebsart um, in der das Fahrzeug 1 die Treppe 7 befahren kann. Das Befahren der
Treppe 7 erfolgt mittels des Raupenfahrwerks 6. Das Raupenfahrwerk 6 umfasst ein Umschlingungsmittel
9, das als Riemen ausgebildet ist. Auf der linken und der rechten Seite ist jeweils
ein derartiger, mit einem Treppenstufensensor versehener Riemen vorhanden.
[0025] In Fig. 2 zeigt die dritte Darstellung von links das Fahrzeug 1 beim Befahren der
Treppe 7. Man erkennt dort, dass die Räder 2 in eine erhöhte Position bewegt worden
sind, sodass sie die Treppenstufenkanten 8 nicht berühren. Der obere Teil des als
Rollstuhl ausgebildeten Fahrzeugs 1 einschließlich des Sitzes 3 ist in eine erhöhte
Position geschwenkt worden, sodass der Benutzer näherungsweise horizontal sitzt.
[0026] In der vierten Darstellung von links in Fig. 2 ist das Fahrzeug 1 beim Erreichen
des oberen Endes der Treppe 7 dargestellt. Man erkennt dort, dass an der Unterseite
des Rollstuhls Stützräder 10 ausfahren, die den Übergang von der zweiten Betriebsart
in die erste Betriebsart erleichtern. Nachdem das Fahrzeug 1 das obere Ende der Treppe
7 erreicht hat und wieder auf einem waagerechten Untergrund steht, werden die Stützräder
10 eingefahren und die Räder 2 zurück in die in Fig. 2 links gezeigte Ausgangsposition
verschwenkt, sodass das Fahrzeug 1 auf den Rädern 2 steht. Das Raupenfahrwerk befindet
sich dann wieder in einer erhöhten Position, sodass das Fahrzeug 1 lediglich mittels
der Räder 2 angetrieben wird.
[0027] Fig. 3 ist eine Seitenansicht der wesentlichen Komponenten des Raupenfahrwerks 6.
Fig. 4 ist ein Schnitt entlang der Linie IV - IV von Fig. 3.
[0028] Das Raupenfahrwerk 6 umfasst ein antreibendes Rad 11 und ein angetriebenes Rad 12,
die durch das als Riemen ausgebildete Umschlingungsmittel 9 miteinander verbunden
sind. In Fig. 4 erkennt man, dass das Umschlingungsmittel 9 in einer Nut 13 einer
Gleitschiene 14 angeordnet ist. Zwischen der Gleitschiene 14 und einer fahrzeugfesten
Fläche 15 der Karosserie 16 des treppensteigenden Fahrzeugs 1 ist ein Treppenstufensensor
17 angeordnet. In dem dargestellten Ausführungsbeispiel ist der Treppenstufensensor
17 als streifenförmiger Kraftsensor ausgebildet. In Fig. 3 erkennt man, dass sich
der Treppenstufensensor 17 über die gesamte Länge der Gleitschiene 14 und somit zwischen
den beiden Rädern 11, 12 erstreckt.
[0029] Fig. 5 zeigt schematisch das Raupenfahrwerk 6 beim Befahren einer Treppe 7. Das Raupenfahrwerk
6 berührt mit dem als Riemen ausgebildeten Umschlingungsmittel 9 nacheinander Kanten
18, 19 der Treppe 7. Dadurch erfährt das Umschlingungsmittel 9 an den Kanten 18, 19
beim Befahren Reaktionskräfte F1 bzw. F2. Diese punktuellen Kräfte F1, F2 werden von
dem Umschlingungsmittel 9 über die Gleitschiene 14 auf den als Kraftsensor ausgebildeten
streifenförmigen Treppenstufensensor 17 übertragen.
[0030] Fig. 6 zeigt schematisch ein von dem Treppenstufensensor 17 erfasstes Sensorsignal,
das den Verlauf der Reaktionskraft (Force) über dem zurückgelegten Weg (Distance)
zeigt. Beim Befahren einer Kante 18, 19 der Treppe 7 entsteht eine Kraftspitze 20,
wodurch die Kante 18, 19 der Treppe 7 lokalisiert werden kann. Auf diese Weise ist
es auch möglich, die Position des das Raupenfahrwerk 6 aufweisenden Fahrzeugs beim
Befahren der Treppe 7 relativ zu einer Kante 18, 19 zu verfolgen.
[0031] Fig 7 zeigt ein Ausführungsbeispiel eines Raupenfahrwerks für ein treppensteigendes
Fahrzeug. In Übereinstimmung mit dem vorangehenden Ausführungsbeispiel umfasst das
in Fig. 7 gezeigte Raupenfahrwerk das antreibende Rad 11, das angetriebene Rad 12
sowie ein weiteres nicht angetriebenes Rad 21. Zwischen der Gleitschiene 14 und der
Karosserie 16 ist der Treppenstufensensor 17 angeordnet. Die Räder 11, 12,21 sind
über das Umschlingungsmittel 9 miteinander gekoppelt.
[0032] Fig. 8 zeigt ein Ausführungsbeispiel eines Raupenfahrwerks für ein treppensteigendes
Fahrzeug, das ähnlich wie das in Fig. 7 gezeigt Raupenfahrwerk aufgebaut ist. Zusätzlich
ist benachbart zu dem antreibenden Rad 11 ein weiteres angetriebenes Rad 22 vorhanden.
[0033] Fig. 9 zeigt ein Ausführungsbeispiel eines Raupenfahrwerks, das ähnlich wie das in
Fig. 7 gezeigte Raupenfahrwerk aufgebaut ist. Das Raupenfahrwerk umfasst drei Räder
11, 12, 21, die durch das Umschlingungsmittel 9 miteinander gekoppelt sind. Anders
als in Fig. 7 befindet sich der Treppenstufensensor 17 in einem schrägen Abschnitt
des Trums. Der Treppenstufensensor 17 ist zwischen einer Fläche der Karosserie 16
und der Gleitschiene 14 angeordnet.
[0034] Ein weiteres Ausführungsbeispiel eines Raupenfahrwerks ist in Fig. 10 gezeigt. Das
Raupenfahrwerk umfasst in Übereinstimmung mit dem vorangehenden Ausführungsbeispiel
die Räder 11, 12, 21 und das Umschlingungsmittel 9. Das Raupenfahrwerk umfasst einen
ersten Treppenstufensensor 17, der in einem horizontalen Abschnitt des Umschlingungsmittels
9 angeordnet ist und einen zweiten Treppenstufensensor 33, der in dem schrägen Abschnitt
des Umschlingungsmittels 9 angeordnet ist. Die beiden Treppenstufensensoren 17, 33
sind jeweils zwischen einer Fläche der Karosserie 16 und einer Gleitschiene 14 angeordnet.
Das Vorsehen von zwei Treppenstufensensoren 17, 33 ermöglicht eine bessere Erkennung
und Nachverfolgung der Position von Treppenstufenkanten, wenn das treppensteigende
Fahrzeug eine Treppe befährt.
[0035] Fig. 11 zeigt schematisch ein Raupenfahrwerk in einer Seitenansicht. Das Raupenfahrwerk
umfasst ein angetriebenes Rad 12, ein Umschlingungsmittel 9, einen Treppenstufensensor
17, der zwischen der Karosserie 16 und der Gleitschiene 14 angeordnet ist. An dem
dem Rad 12 gegenüberliegenden vorderen Ende wird das Umschlingungsmittel 9 durch eine
halbkreisförmige Gleitschiene 34 umgelenkt.
[0036] Fig. 12 zeigt ein Raupenfahrwerk in einer Seitenansicht, das ähnlich wie das in Fig.
7 gezeigte Raupenfahrwerk aufgebaut ist. Demnach umfasst es das antreibende Rad 11,
das angetriebene Rad 12, ein weiteres nicht angetriebenes Rad 21 sowie den Treppenstufensensor
17, der zwischen der Gleitschiene 14 und der Karosserie 16 angeordnet ist. Zusätzlich
weist das in Fig. 12 gezeigte Raupenfahrwerk eine Umlenkrolle 35 auf. Das Umschlingungsmittel
9 verbindet die Räder 11, 12, 21 und die Umlenkrolle 35. Durch die Umlenkrolle 35
ergibt sich ein besonders kompakter Aufbau des Raupenfahrzeugs.
[0037] Die Fig. 13 und 14 zeigen ein Ausführungsbeispiel eines Treppenstufensensors 23,
wobei Fig. 13 eine schematische Seitenansicht und Fig. 14 eine Draufsicht ist. Der
Treppenstufensensor 23 weist einen Schichtaufbau auf, umfassend eine Dämpfungsschicht
24, an die sich eine schichtartige Sensoranordnung 25 anschließt. Die Sensoranordnung
25 besteht aus mehreren einzelnen Kraftsensoren. Die Kraftsensoren haben die Eigenschaft,
dass sich deren Widerstand unter der Wirkung einer Kraft ändert. Das auf diese Weise
erzeugte Sensorsignal ist ein Maß für die auf die Sensoranordnung 25 einwirkende Kraft.
An die schichtartige Sensoranordnung 25 schließt sich ein elastisches Verbindungselement
an, das in diesem Ausführungsbeispiel als doppelseitiges Klebeband 26 ausgebildet
ist. Das Klebeband 26 dient zur Befestigung des Treppenstufensensors 23 an der fahrzeugfesten
Fläche des treppensteigenden Fahrzeugs.
[0038] In der in Fig. 14 gezeigten Draufsicht erkennt man, dass der Treppenstufensensor
23 eine Reihe von kreisförmigen einzelnen Kraftsensoren aufweist, die in einer regelmäßigen
Anordnung verteilt sind. Jeder einzelne Sensor weist Leitungen 27 auf, die zusammen
ein Leitungsbündel 28 bilden und einer Steuerungseinrichtung (Controller) zugeführt
werden. Durch das Auswerten der von den einzelnen Sensoren gelieferten Widerstandswerte
können Kraftspitzen ermittelt werden, wodurch Treppenstufenkanten mit hoher Genauigkeit
erfasst werden.
[0039] Fig. 15 ist ein weiteres Ausführungsbeispiel eines Treppenstufensensors 29. Der Treppenstufensensor
29 umfasst mehrere streifenförmige Potentiometer 30, die in Längsrichtung in mehreren
Reihen angeordnet sind. Die Potentiometer 30 liefern bei einer einwirkenden Kraft
unterschiedliche Widerstandswerte in Abhängigkeit des Kraftangriffspunktes. Durch
Auswerten der von den einzelnen Potentiometern 30 gelieferten Widerstandswerte können
Position und Größe der einwirkenden Kraft ermittelt werden. Somit kann das Befahren
einer Treppenstufenkante detektiert werden. In Fig. 15 erkennt man, dass die einzelnen
Reihen der Potentiometer 30 versetzt angeordnet sind. Dadurch werden eine redundante
Erfassung sowie eine höhere Auflösung des Treppenstufensensors 29 ermöglicht.
[0040] Fig. 16 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel eines Treppenstufensensors 31. Der
Treppenstufensensor 31 umfasst mehrere Kraftsensoren 32, die kreisförmig ausgebildet
und in Längsrichtung des Treppenstufensensors 31 angeordnet sind. Der Treppenstufensensor
31 kann zwischen der Gleitschiene und der fahrzeugfesten Fläche der Karosserie des
Fahrzeugs angeordnet werden, ohne dass eine Dämpfungsschicht oder ein doppelseitiges
Klebeband erforderlich ist. Mittels des Treppenstufensensors 31 kann die beim Befahren
einer Treppenstufenkante einwirkende Kraft präzise bestimmt werden.
Bezugszeichenliste
[0041]
- 1
- Fahrzeug
- 2
- Rad
- 3
- Sitz
- 4
- Rückenlehne
- 5
- Bedienelement
- 6
- Raupenfahrwerk
- 7
- Treppe
- 8
- Treppenstufenkante
- 9
- Umschlingungsmittel
- 10
- Stützrad
- 11
- antreibendes Rad
- 12
- angetriebenes Rad
- 13
- Nut
- 14
- Gleitschiene
- 15
- fahrzeugfeste Fläche
- 16
- Karosserie
- 17
- Treppenstufensensor
- 18
- Kante der Treppe
- 19
- Kante der Treppe
- 20
- Kraftspitze
- 21
- angetriebenes Rad
- 22
- angetriebenes Rad
- 23
- Treppenstufensensor
- 24
- Dämpfungsschicht
- 25
- Sensoranordnung
- 26
- Klebeband
- 27
- Leitungen
- 28
- Leitungsbündel
- 29
- Treppenstufensensor
- 30
- Potentiometer
- 31
- Treppenstufensensor
- 32
- Kraftsensor
- 33
- Treppenstufensensor
- 34
- Gleitschiene
- 35
- Umlenkrolle
1. Fahrzeug (1) zum Befahren einer Treppe (7) oder einer Rampe, das in einer ersten,
für einen im Wesentlichen ebenen Untergrund vorgesehenen Betriebsart durch ein oder
mehrere Räder (2) und in einer zweiten, zum Befahren einer Treppe (7) oder einer Rampe
vorgesehenen Betriebsart mittels eines ein Umschlingungsmittel (9) aufweisenden Raupen-
oder Kettenfahrwerks (6) antreibbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass es einen Treppenstufenkanten (8) oder Rampenkanten erfassenden Treppenstufensensor
(17, 23, 29, 31, 33) aufweist.
2. Fahrzeug (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Treppenstufensensor (17, 23, 29, 31, 33) als Kraftsensor ausgebildet ist.
3. Fahrzeug (1) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Treppenstufensensor (17, 23, 29, 31, 33) streifenförmig oder flächig oder matrixartig
ausgebildet ist oder eine Mehrzahl einzelner Sensoren umfasst.
4. Fahrzeug (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Treppenstufensensor (17, 23, 29, 31, 33) in dem Raupen- oder Kettenfahrwerk (6)
zwischen einer fahrzeugfesten Fläche (15) und einer Gleitschiene (14, 34) angeordnet
ist, wobei das Umschlingungsmittel an der Außenseite der Gleitschiene (14, 34) geführt
ist.
5. Fahrzeug (1) nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Abstand zwischen dem Umschlingungsmittel (9) und der Gleitschiene (14, 34) und/oder
die Spannung und/oder die Elastizität des Umschlingungsmittels (9) und/oder der Gleitschiene
(14, 34) so gewählt sind, dass das Umschlingungsmittel (9) beim Befahren einer Treppenstufenkante
(8) gegen die Gleitschiene (14, 34) gedrückt wird.
6. Fahrzeug (1) nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Gleitschiene (14, 34) an ihrer nach außen weisenden Seite eine als Führung für
das Umschlingungsmittel (9) dienende Nut (13) aufweist.
7. Fahrzeug (1) nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Umschlingungsmittel (9) um drei Räder (11, 12, 21) geführt ist und einen schräg
verlaufenden Abschnitt aufweist, in dem sich der oder ein Treppenstufensensor (17,
23, 29, 31, 33) befindet.
8. Fahrzeug (1) nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass es einen ersten Treppenstufensensor (17), der in einem horizontalen Abschnitt des
Umschlingungsmittels (9) angeordnet ist, und einen zweiten Treppenstufensensor (33),
der in dem schrägen Abschnitt des Umschlingungsmittels (9) angeordnet ist, aufweist.
9. Fahrzeug (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Treppenstufensensor (17, 23, 29, 31, 33) im Wesentlichen parallel zu einem Trum
des Umschlingungsmittels (9) angeordnet ist.
10. Fahrzeug (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es eine mit dem Treppenstufensensor (17, 23, 29, 31, 33) verbundene Steuerungseinrichtung
aufweist, die dazu ausgebildet ist, anhand der von dem Treppenstufensensor (17, 23,
29, 31, 33) erfassten Daten zwischen der ersten und der zweiten Betriebsart umzuschalten.
11. Fahrzeug (1) nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerungseinrichtung dazu ausgebildet ist, beim Befahren einer Treppe (7) die
Position des Fahrzeugs (1) relativ zu wenigstens einer Treppenstufenkante (8) zu verfolgen.
12. Fahrzeug (1) nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerungseinrichtung dazu ausgebildet ist, den Anfang und/oder das Ende einer
Treppe (7) oder einer Rampe zu erkennen.
13. Fahrzeug (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es als elektrisch angetriebener Rollstuhl ausgebildet ist.
14. Fahrzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass es als autonomes, fernsteuerbares Fahrzeug ausgebildet ist.
15. Fahrzeug nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es zum Transport von Lasten ausgebildet ist und wenigstens eine Auflagefläche für
einen zu transportierenden Gegenstand aufweist.