[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Reinigung eines Spinnrotors
einer Spinnvorrichtung einer Offenend-Spinnmaschine, bei welchem mittels einer Reinigungsvorrichtung
wenigstens eine Reinigungsmaßnahme an dem Spinnrotor vorgenommen wird. Dabei werden
Einstellungen, mit welchen die wenigstens eine Reinigungsmaßnahme durchgeführt wird,
durch eine Steuereinrichtung der Offenend-Spinnmaschine vorgegeben. Weiterhin betrifft
die Erfindung eine Offenend-Spinnmaschine mit wenigstens einer Spinnvorrichtung mit
einem Spinnrotor, mit einer Reinigungsvorrichtung sowie mit einer Steuereinrichtung.
[0002] Offenend-Spinnmaschinen mit einer Reinigungsvorrichtung zum Reinigen eines Spinnrotors
sind im Stand der Technik in vielfachen Ausführungen bekannt geworden. Beispielsweise
ist es aus der
DE 100 231 484 A1 bekannt, die Offenend-Spinnvorrichtungen einer Rotorspinnmaschine mittels einer verfahrbaren
Wartungseinrichtung zu reinigen. Die Wartungseinrichtung weist hierzu eine Reinigungsvorrichtung
mit einem Reinigungskopf mit mechanischen Reinigungselementen wie Schabern oder mit
Druckluftdüsen auf. Zum Reinigen des Spinnrotors wird die Wartungseinrichtung vor
der betreffenden Spinnvorrichtung positioniert, öffnet die Spinnvorrichtung, stellt
den Reinigungskopf dem Spinnrotor zu und reinigt diesen.
[0003] Aus der
DE 41 31 684 A1 ist es bekannt, die Reinigung des Spinnrotors mittels einer an der Spinnvorrichtung
angeordneten Reinigungsvorrichtung vorzunehmen. Dort sind in einem Deckelelement der
Spinnvorrichtung eine oder mehrere Reinigungsbohrungen vorgesehen, durch welche Druckluft
in den Spinnrotor eingeblasen werden kann. Die Druckluft wird der Spinnvorrichtung
durch die Spinnmaschine zugeführt, die entsprechenden Ventile werden jedoch mittels
einer verfahrbaren Wartungseinrichtung betätigt.
[0004] Aus der
DE 10 2005 025 786 A1 ist ebenfalls eine Spinnmaschine mit arbeitsstelleneigenen Reinigungseinrichtungen
bekannt, die sowohl mechanisch als Schaber oder als Bürste ausgebildet sein können
oder pneumatisch mit Blasdüsen zum Ausströmen von Druckluft. Die Rotorreinigung kann
dabei unabhängig von einer Wartungseinrichtung erfolgen, da die Spinnstelle über alle
Mittel verfügt, um diese selbstständig durchführen zu können.
[0005] Den genannten Spinnmaschinen bzw. Reinigungsvorrichtungen ist gemein, dass die Reinigung
stets nach einem festgelegten Schema erfolgt, also mit fest vorgegebenen Werten vorgenommen
wird. Als derartige Werte werden beispielsweise eine Zeitdauer der Reinigung oder
eine Drehzahl des Spinnrotors während der Reinigung verstanden. Die Werte werden bei
der Inbetriebnahme der Spinnmaschine bzw. der Spinnvorrichtung einmal eingestellt
und anschließend wir die Reinigung stets mit den vorgenommenen Einstellungen durchgeführt.
Die für die jeweilige Anwendung geeigneten Einstellungen werden dabei durch einen
Bediener aufgrund von Erfahrungswerten in eine Steuereinrichtung der Offenend-Spinnmaschine
eingegeben. Gegebenenfalls muss der Bediener mehrere Versuche unternehmen, um jeweils
geeignete Einstellungen herauszufinden. Dennoch kommt es vor, dass keine ausreichende
Reinigung des Spinnrotors erzielt werden kann, was beim anschließenden Ansetzen zu
Problemen führen kann und die Qualität der Ansetzer beeinträchtigt.
[0006] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zur Reinigung eines Spinnrotors
sowie eine Offenend-Spinnmaschine zu schaffen, mittels welcher die Reinigungsergebnisse
verbessert werden können.
[0007] Die Aufgabe wird gelöst mit den Merkmalen der unabhängigen Ansprüche. Bei einem Verfahren
zur Reinigung eines Spinnrotors einer Spinnvorrichtung einer Offenend-Spinnmaschine
wird mittels einer pneumatischen und/oder einer mechanischen Reinigungsvorrichtung
wenigstens eine Reinigungsmaßnahme an dem Spinnrotor vorgenommen. Dabei werden Einstellungen,
mit welche die wenigstens eine Reinigungsmaßnahme durchgeführt wird, durch eine Steuereinrichtung
der Offenend-Spinnmaschine vorgegeben. Es ist nun vorgesehen, dass in einem Wissensspeicher
verschiedene Parameter hinterlegt werden. Weiterhin werden zuvor empirisch ermittelte,
für die jeweiligen Parameter geeignete Einstellungen zur Durchführung der Reinigungsmaßnahme
und/oder Regeln zur Ermittlung von für die jeweiligen Parameter geeigneten Einstellungen
hinterlegt. Die Einstellungen zur Durchführung der wenigstens einen Reinigungsmaßnahme
werden in Abhängigkeit von aktuell gegebenen Parametern an der Spinnvorrichtung von
der Steuereinrichtung selbstständig mittels des Wissensspeichers bestimmt.
[0008] Vorzugsweise werden die errechneten Einstellungen selbstständig durch die Steuereinrichtung
eingestellt. Es ist aber auch möglich, dass die ermittelten Einstellungen zunächst
nur einem Bediener angezeigt werden, der diese dann bestätigen oder auch, ggf. auch
nach einer bestimmten Betriebsdauer, korrigieren kann. Werden bestimmte Einstellungen
korrigiert, so können diese auch in den Wissensspeicher übernommen werden, so dass
die Ermittlung geeigneter Einstellungen sukzessive verbessert wird.
[0009] Bei einer Offenend-Spinnmaschine mit wenigstens einer Spinnvorrichtung mit einem
Spinnrotor, mit wenigstens einer Reinigungsvorrichtung sowie mit einer Steuereinrichtung
ist entsprechend die Steuereinrichtung zur Durchführung des Verfahrens ausgebildet.
[0010] Die Parameter, die in dem Wissensspeicher hinterlegt werden, können dabei vorteilhaft
Betriebsparameter der Spinnvorrichtung wie einen Typ des Spinnrotors, die Materialart
des aktuell gesponnenen Garns oder die Art eines aktuell eingesetzten Kanalplattenadapters
umfassen. Die Parameter können jedoch auch Reinigungsparameter der Reinigungsmaßnahme,
wie beispielsweis eine bestimmte Reinigungsart bzw. Reinigungsmaßnahme, eine Rotordrehzahl,
eine Rotordrehrichtung, eine Reinigungsdauer während der Reinigungsmaßnahme umfassen,
woraus die Steuereinrichtung dann, gegebenenfalls unter Heranziehung weiterer aktuell
an der Spinnvorrichtung gegebener Parameter, weitere Einstellungen zur Durchführung
der Reinigungsmaßnahme, beispielsweise einen Öffnungswinkel eines Deckelelements oder
die Durchführung von Wiederholzyklen, ermittelt.
[0011] Weiterhin können als Regeln zur Ermittlung geeigneter Einstellungen der Reinigungsvorrichtung
sowohl Regeln zur Ermittlung anhand von Entscheidungsbäumen, Regeln zur Verknüpfung
mehrerer Parameter sowie Berechnungsformeln zur Berechnung geeigneter Einstellungen
hinterlegt werden. Ebenso ist es jedoch auch möglich, Parameter und diesen jeweils
zugeordnete Einstellungen in Form einer Matrix zu hinterlegen.
[0012] Bezüglich der Einstellungen zur Durchführung der Reinigungsmaßnahme ist es vorteilhaft,
wenn diese wenigstens eine Zeitdauer der Reinigung und/oder eine Drehzahl und/oder
eine Drehrichtung des Spinnrotors umfassen. Weiterhin können die Einstellungen auch
eine Wiederholungsanzahl der Reinigungsmaßnahmen, ein reversierendes Antreiben des
Spinnrotors während der Reinigungsmaßnahmen und/oder auch die Art der Reinigungsmaßnahme,
beispielsweise das Reinigen der Faserrutschwand oder des Randes des Spinnrotors oder
das Schmutzabsaugen, umfassen. So ist es auch denkbar, bei schwierigen Anwendungen
mehrere Reinigungsmaßnahmen nacheinander durchzuführen.
[0013] Zum Antreiben des Spinnrotors während der Reinigungsmaßnahme ist es vorteilhaft,
wenn die Spinnvorrichtung einen Einzelantrieb zum Antreiben des Spinnrotors aufweist.
Dieser ermöglicht es, sowohl die Drehzahl des Spinnrotors während der Reinigung anzupassen
als auch den Spinnrotor während der Reinigung reversierend anzutreiben.
[0014] Nach einer vorteilhaften Ausführung der Erfindung weist die Spinnvorrichtung einen
Antrieb zum Öffnen eines Deckelelements der Spinnvorrichtung auf, welches zwischen
einer Offenstellung und einer Geschlossenstellung verstellbar ist. Vorzugsweise ist
das Deckelelement zusätzlich noch in wenigstens eine Zwischenstellung mit einem vorgebbaren
Öffnungswinkel bringbar. Die Spinnvorrichtung kann hierdurch während des Spinnbetriebs
in die Geschlossenstellung gebracht werden und zum Reinigen des Spinnrotors in die
Offenstellung oder auch in die wenigstens eine Zwischenstellung mit dem vorgebbaren
Öffnungswinkel verstellt werden.
[0015] Bei dem Verfahren wird zur Durchführung der Reinigungsmaßnahme entsprechend ein Deckelelement
der Spinnvorrichtung zumindest teilweise geöffnet. Vorzugsweise weist die Spinnvorrichtung
hierzu eine spinnvorrichtungseigene, vorzugsweise pneumatische Reinigungsvorrichtung
auf. Das Öffnen des Deckelelements um einen bestimmten Öffnungswinkel kann dabei erfolgen,
um einen Spalt zwischen dem Spinnrotor und einem Ansatz des Deckelelements bzw. dem
Kanalplattenadapter zum Schmutzabsaugen zu erhöhen oder auch, um bestimmte Bereiche
des Spinnrotors mittels der pneumatischen Reinigungsvorrichtung reinigen zu können.
[0016] Nach einer besonders vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung umfassen die Parameter
zumindest den Typ des Kanalplattenadapters und den Typ des Spinnrotors. Die Einstellungen
der Reinigungsvorrichtung umfassen zumindest einen Öffnungswinkel des Deckelelements
der Spinnvorrichtung. Ist das Reinigungselement der Reinigungsvorrichtung, insbesondere
eine Reinigungsbohrung, in dem Deckelelement oder innerhalb des Kanalplattenadapters
angeordnet, so ist es möglich, mittels einer einzigen Reinigungsbohrung verschiedene
Typen von Spinnrotoren auch mit verschiedenen Kanalplattenadaptern zu reinigen bzw.
die Reinigungsbohrung auf den zu reinigenden Bereich des Spinnrotors, insbesondere
die Rotorrille, auszurichten.
[0017] Umfasst die Reinigungsmaßnahme mehrere Reinigungsschritte, so ist es weiterhin vorteilhaft,
wenn jedem der Reinigungsschritte jeweils ein eigener Öffnungswinkel des Deckelelements
der Spinnvorrichtung zugeordnet wird. Beispielsweise ist es hierdurch möglich, in
einem ersten Reinigungsschritt mit einem ersten Öffnungswinkel die Rotorrille zu reinigen
und anschließend mit einem zweiten Öffnungswinkel die Reinigungsbohrung des Deckelelements
auf den Rand des Spinnrotors auszurichten und diesen zu reinigen.
[0018] Nach einer anderen Weiterbildung wird die Reinigungsmaßnahme mittels einer in einer
verfahrbaren Wartungseinrichtung angeordneten Reinigungsvorrichtung durchgeführt,
welche dem Spinnrotor zugestellt wird. Die Offenend-Spinnmaschine weist hierzu wenigstens
eine verfahrbare Wartungseinrichtung auf, in welcher die Reinigungsvorrichtung angeordnet
ist.
[0019] Vorzugsweise wird die Reinigungsvorrichtung zunächst dem zu reinigenden Spinnrotor
zugestellt und anschließend der Spinnrotor mittels eines spinnvorrichtungseigenen
Einzelantriebs auf eine definierte Reinigungsdrehzahl beschleunigt. Bei oder nach
Erreichen der Reinigungsdrehzahl wird ein Reinigungselement der Reinigungsvorrichtung
in Einwirkung auf den Spinnrotor gebracht. Bei der Offenspinnmaschine ist dazu vorteilhaft
das Reinigungselement als Schaber ausgebildet. Das Verfahren ist unabhängig von einer
Anpassung der Einstellungen der Reinigungsmaßnahme an aktuell gegebene Parameter vorteilhaft
und hat selbstständig erfinderische Bedeutung.
[0020] Die definierte Reinigungsdrehzahl ist vorzugsweise geringer als die Betriebsdrehzahl
des Spinnrotors und beträgt vorzugsweise weniger als 20.000 1/min, bevorzugt weniger
als 10.000 1/min und besonders bevorzugt weniger als 1000 1/min. Durch den Einzelantrieb
des Spinnrotors ist möglich, abhängig von verschiedenen Parametern, beispielsweise
dem Rotordurchmesser, dem aktuell versponnenen Garn, der aktuell produzierten Garnnummer
und dergleichen jeweils eine gesonderte Drehzahl als Reinigungsdrehzahl vorzugeben.
[0021] Vorzugsweise wird der Einzelantrieb bei Erreichen der Reinigungsdrehzahl abgestellt.
Somit wird, sobald der Rotor die Reinigungsdrehzahl erreicht hat, das wenigstens eine
Reinigungselement in Einwirkung auf den Spinnrotor gebracht und es wird die kinetische
Energie des noch laufenden Spinnrotors genutzt um den Rotor zu reinigen. Das Verfahren
kann hierdurch besonders energiesparend durchgeführt werden.
[0022] Zur Reinigung hartnäckiger Verunreinigungen ist es jedoch auch vorteilhaft, wenn
nach einem Auslaufen des Spinnrotors der Spinnrotor erneut auf die Reinigungsdrehzahl
beschleunigt wird und das Reinigungselement erneut in Einwirkung auf den Spinnrotor
gebracht wird. Die Reinigungsmaßnahme wird somit wiederholt, wodurch das Reinigungsergebnis
verbessert werden kann. Insbesondere in Verbindung mit dem eingangs genannten Verfahren,
bei welchem Einstellungen zur Durchführung der Reinigungsmaßnahme in Abhängigkeit
von Parametern festgelegt werden, ist dies vorteilhaft.
[0023] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausführung wird der Spinnrotor während der Reinigungsmaßnahme
reversierend durch den Einzelantrieb angetrieben oder es wird die Drehrichtung des
Einzelantriebs bei einem erneuten Beschleunigen auf die Reinigungsdrehzahl umgekehrt.
Auch hierdurch kann das Reinigungsergebnis weiter verbessert werden.
[0024] Um zu gewährleisten, dass der Spinnrotor bei der Reinigung zentrisch dreht und keine
radiale Auslenkung erfährt, ist es bei der Offenend-Spinnmaschine weiterhin vorteilhaft,
wenn die Reinigungsvorrichtung einen Reinigungskopf mit wenigstens drei Schaberelementen
umfasst.
[0025] Das Beschleunigen des Spinnrotors auf die Reinigungsdrehzahl mit einem anschließenden
Abstellen des Antriebs ist sowohl in Verbindung mit einer Reinigungsvorrichtung mit
einem oder mehreren Schaberelementen als auch mit einer oder mehreren Reinigungsbohrungen
möglich.
[0026] Bei dem Verfahren ist es weiterhin vorteilhaft, wenn bei der pneumatischen Reinigung
mit einer Reinigungsbohrung die Reinigung mit einem pulsierenden Druckluftstrom durchgeführt
wird.
[0027] Weitere Vorteile der Erfindung werden anhand der nachfolgend dargestellten Ausführungsbeispiele
beschrieben. Es zeigen:
- Figur 1
- eine schematische Schnittdarstellung einer Spinnvorrichtung einer Offenend-Spinnmaschine
mit einer pneumatischen, spinnvorrichtungseigenen Reinigungsvorrichtung,
- Figur 2
- eine schematische Darstellung eines Verfahrens zur Ermittlung von Einstellungen zur
Durchführung einer Reinigungsmaßnahme nach einer ersten Ausführung,
- Figur 3
- eine schematische Darstellung eines Verfahrens zur Ermittlung von Einstellungen für
eine Reinigungsmaßnahme nach einer zweiten Ausführung,
- Figur 4
- eine schematische Darstellung eines weiteren, alternativen Verfahrens zur Ermittlung
von Einstellungen zur Durchführung einer Reinigungsmaßnahme,
- Figuren 5a und 5b
- eine abgebrochene, schematische Schnittdarstellung einer Spinnvorrichtung mit einem
geschlossenen (Figur 5a) sowie mit einem teilweise geöffneten Deckelelement (Figur
5b),
- Figuren 6a und 6b
- eine weitere Schnittdarstellung einer Offenend- Spinnvorrichtung mit einem geschlossenen
(Figur 6a) und einem teilweise geöffneten Deckelelement (Figur 6b),
- Figur 7a
- eine Reinigungsvorrichtung einer verfahrbaren Wartungseinrichtung mit einem Reinigungskopf,
sowie
- Figur 7b
- die Reinigungsvorrichtung der Figur 7a, wobei das Reinigungselement in Einwirkung
auf den Spinnrotor gebracht ist.
[0028] Bei den nachfolgenden Beschreibungen der Ausführungsbeispiele werden für Merkmale,
die den verschiedenen Figuren in ihrer Ausgestaltung oder Wirkweise identisch oder
vergleichbar sind, jeweils gleiche Bezugszeichen verwendet. Diese Merkmale werden
daher lediglich bei ihrer ersten Erwähnung erklärt, bei den folgenden Figuren jedoch
nicht nochmals gesondert erläutert. Vielmehr wird dort nur noch auf die Unterschiede
zu den bereits beschriebenen Ausführungsbeispielen eingegangen.
[0029] Figur 1 zeigt eine schematische Schnittdarstellung einer Spinnvorrichtung einer Offenend-Spinnmaschine
(nicht dargestellt), welche in üblicher Weise einen in einem Rotorgehäuse 2 angeordneten
Spinnrotor 4 mit einem Rotorteller 5 und einem Rotorschaft 6 aufweist. Erkennbar sind
weiterhin die Rotorrille 17 des Spinnrotors, welche in besonderem Maße von Verunreinigungen
betroffen ist, die Faserrutschwand 18, der Rand 19 sowie der Rotorboden 21 des Spinnrotors
erkennbar, welche zumindest von Zeit zu Zeit ebenfalls der Reinigung bedürfen. Der
Spinnrotor 4 ist vorliegend mittels eines Einzelantriebs 11 angetrieben, welcher in
einem Antriebsgehäuse 3 angeordnet und dort gelagert ist. Abweichend von der gezeigten
Darstellung ist der Antrieb mittels eines Einzelantriebs 11 jedoch nicht unbedingt
erforderlich. Insbesondere in Verbindung mit einer Reinigungsvorrichtung 7, welche
in einer verfahrbaren Wartungseinrichtung angeordnet ist, wäre es auch denkbar, einen
zentralen Antrieb für mehrere Spinnrotoren 4 mittels eines Tangentialriemens vorzusehen.
Das im Folgenden beschriebene Verfahren zur Rotorreinigung bzw. die Offenend-Spinnmaschine
ist unabhängig von der Art des Antriebs des Spinnrotors 4. Das Rotorgehäuse 2 ist
während des Betriebs in ebenfalls bekannter Weise mittels eines Deckelelements 15
verschlossen. Vorliegend ist das Deckelelement 15 schwenkbar an dem Rotorgehäuse 2
befestigt und in seiner Geschlossenstellung I dargestellt. Aus dieser kann es in eine
hier punktiert dargestellte Offenstellung II mit einem Öffnungswinkel ÖW verbracht
werden, in welcher der Spinnrotor 4 aus dem Rotorgehäuse 2 entnommen werden kann,
mittels eines ihm zustellbaren Reinigungskopfes 26 (siehe Figuren 7a und 7b) gereinigt
werden kann oder in welcher sonstige Wartungstätigkeiten an der Spinnvorrichtung vorgenommen
werden können. Vorliegend ist weiterhin ein Antrieb 22 zum Öffnen des Deckelelements
15 vorgesehen, welcher über ein Stellelement 12 das Deckelelement beaufschlagt. Mittels
des Antriebs 22 kann das Deckelelement 15 weiterhin auch in eine oder mehrere Zwischenstellungen
III (s. Fig. 5a und 6a) mit einem bestimmten Öffnungswinkel ÖW gebracht werden.
[0030] Weiterhin weist die Spinnvorrichtung 1 vorliegend eine spinnvorrichtungseigene, pneumatische
Reinigungsvorrichtung 7 mit einer Reinigungsbohrung 9 auf, die mit einer Druckluftquelle
8 verbunden ist. Zum Reinigen des Spinnrotors 4 wird der Reinigungsbohrung 9 über
eine Zuführleitung 13 Druckluft zugeführt. Ein Druckluftstrom 20 der Reinigungsbohrung
9 ist dabei vorliegend durch eine punktierte Linie symbolisiert. Das Deckelelement
15 weist nach vorliegender Darstellung einen Ansatz 10 auf, welcher in Geschlossenstellung
I des Deckelelements 15 in das Innere des Spinnrotors 4 hineinragt und eine Fadenabzugsdüse
23 sowie ein Fadenabzugsröhrchen 28 trägt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist sowohl
in Figur 1 als auch in den folgenden Figuren der Schnittverlauf durch das Deckelelement
15 nicht korrekt dargestellt. Weiterhin ist der Spinnvorrichtung 1 eine Steuereinrichtung
24 zugeordnet , welche sowohl mit den verschiedenen Organen der Spinnvorrichtung 1
wie dem Einzelantrieb 11, dem Antrieb 22, der Reinigungsvorrichtung 7, der Druckluftquelle
8 sowie weiteren, hier nicht dargestellten Organen der Spinnvorrichtung 1 in Wirkverbindung
steht, wie durch die punktierten Linien symbolisiert. Mittels des Einzelantriebs 11
kann der Spinnrotor 4 auch während der Durchführung der Reinigungsmaßnahme durch die
Reinigungsvorrichtung 7 definiert angetrieben werden.
[0031] Abweichend zu der in Figur 1 gezeigten Ausführung eines Deckelelements 15 mit einem
Ansatz 10 ist es auch möglich, dass das Deckelelement 15 einen einsetzbaren Kanalplattenadapter
16 aufweist. Dies ist in den Figuren 5 und 6 gezeigt. Ein solcher Kanalplattenadapter
16 dient der schnellen Anpassung der Spinnvorrichtung 1 bezüglich der verwendeten
Fadenabzugsdüse 23 sowie des verwendeten Fadenabzugsröhrchens 28. Vorzugsweise ist
dabei die Reinigungsbohrung 9 innerhalb dieses leicht austauschbaren Kanalplattenadapters
16 vorgesehen.
[0032] In den Figuren 1 und 5a ist die Reinigungsbohrung 9 dabei derart innerhalb des Deckelelements
15 bzw. des Kanalplattenadapters 16 platziert, dass diese bei geschlossener Spinnvorrichtung
1 direkt auf die Rotorrille 17 gerichtet ist. In diesem Fall müsste somit zum Reinigen
der Rotorrille 17 das Deckelelement 15 nicht mittels des Antriebs 22 geöffnet werden.
Ist jedoch ein anderer Typ RT eines Spinnrotors 4 eingesetzt, so kann die Lage der
Rotorrille 17 gegenüber der Reinigungsbohrung 9 abweichen, so dass die Reinigungsbohrung
9 nun nicht mehr direkt auf die Rotorrille 17 gerichtet ist, sondern beispielsweise
auf den Rotorboden 21. Dies ist beispielsweise bei der Spinnvorrichtung 1 der Figur
6a der Fall.
[0033] Wie der Figur 6a entnehmbar, ist die Öffnung der Reinigungsbohrung 9 bei geschlossenem
Deckelelement 15 gegen den Rotorboden 21 des Spinnrotors 4 gerichtet. Um die Rotorrille
17 dennoch reinigen zu können, kann daher das Deckelelement 15 mittels des Antriebs
22 um einen bestimmten Öffnungswinkel ÖW in eine Zwischenstellung III geöffnet werden.
Befindet sich das Deckelelement 15 in dieser Zwischenstellung III, ist der Druckluftstrom
20 bzw. die Reinigungsbohrung 9 nun wieder exakt auf die Rotorrille 17 ausgerichtet.
Der Öffnungswinkel ÖW wird dabei von der Steuereinrichtung 24 abhängig vom Typ RT
(s. Fig. 2) des eingesetzten Spinnrotors 4 und ggf. auch vom Typ KPA (s. Fig. 2) des
eingesetzten Kanalplattenadapters 16 vorgegeben. Es kann somit mit derselben Reinigungsbohrung
9 eine zuverlässige Reinigung der Rotorrille 17 auch verschiedener Typen RT von Spinnrotoren
4 erfolgen.
[0034] Anstelle oder zusätzlich zur Reinigung der Rotorrille 17 kann jedoch auch eine Reinigung
der Faserrutschwand 18 und/oder des Randes 19 des Spinnrotors 4 vorgesehen werden,
wozu analog zu dem oben beschriebenen Verfahren für verschiedene Rotortypen RT und/oder
für verschiedene Typen KPA des Kanalplattenadapters 16 ein zugehöriger Öffnungswinkel
ÖW zur Reinigung eingestellt werden kann.
[0035] Dies ist in den Figuren 5a und 5b dargestellt. Dabei ist nach der Figur 5a bei sich
in Geschlossenstellung I befindendem Deckelelement 15 die Reinigungsbohrung 9 auf
die Rotorrille 17 gerichtet. Wird das Deckelelement 15 um den vorgegebenen Öffnungswinkel
ÖW geöffnet und in eine bestimmte Zwischenstellung III gebracht, ist der Druckluftstrom
20 gegen den Rand 19 des Spinnrotors gerichtet. Analog zu dem zu Figur 6 beschriebenen
Beispiel wäre es daher auch denkbar, jedem Rotortyp RT einen bestimmten Öffnungswinkel
ÖW zuzuordnen, mittels welchem der Rand 19 des Spinnrotors 4 gereinigt werden kann.
Zudem könnte ein weiterer Öffnungswinkel ÖW vorgesehen werden, mittels welchem die
Faserrutschwand 18 gereinigt werden kann.
[0036] Das im Folgenden noch beschriebene Verfahren ist jedoch nicht nur in Verbindung mit
einer pneumatischen Reinigungsvorrichtung 7 und auch nicht nur in Verbindung mit einer
spinnvorrichtungseigenen Reinigungsvorrichtung 7 anwendbar. Die Reinigungsvorrichtung
7 könnte ebenso innerhalb einer verfahrbaren Wartungseinrichtung (nicht dargestellt)
angeordnet sein und einen dem Spinnrotor 4 zustellbaren Reinigungskopf 26 umfassen,
wie es in den Figuren 7a und 7b dargestellt ist. Figur 7a zeigt dabei den Reinigungskopf
26 in einer Position, in welcher er dem Spinnrotor 4 bereits zugestellt ist, die Reinigungselemente
des Reinigungskopfes 26 jedoch noch nicht in Einwirkung mit dem Spinnrotor 4 stehen.
Figur 7b zeigt hingegen den Reinigungskopf 26 in einer Situation, in welcher die Reinigungselemente,
hier Schaberelemente 27, in Einwirkung auf den zu reinigenden Spinnrotor 4, hier in
die Rotorrille 17 des Spinnrotors 4, gebracht worden. Vorzugsweise umfasst der Reinigungskopf
wenigstens drei Schaberlemente 27, so dass diese gleichmäßig auf den Umfang des Spinnrotors
4 einwirken und es während der Reinigung nicht zu unerwünschten Auslenkungen des Spinnrotors
4 kommt. Der Reinigungskopf 26 kann zudem, wie vorliegend dargestellt, zusätzlich
oder auch alternativ zu den Schaberelementen wenigstens eine Reinigungsbohrung 9 aufweisen.
[0037] Nachdem nun die Spinnvorrichtung 1 sowie die Reinigungsvorrichtungen 7 in verschiedenen
Ausführungen dargestellt wurden, wird nun anhand der Figuren 2 bis 4 das Verfahren
zur Reinigung eines Spinnrotors 4 erläutert.
[0038] Bei herkömmlichen Offenend-Spinnmaschinen wurde die Rotorreinigung mit fest vorgegebenen
Einstellungen bezüglich der Reinigungsmaßnahme durchgeführt. Dies bedeutet, dass bei
Inbetriebnahme der Offenend-Spinnmaschine bzw. bei Beginn einer Partie Einstellungen
wie beispielsweise die Zeitdauer der Reinigung, eine Drehzahl des Spinnrotors 4 während
der Reinigung und dergleichen fest vorgegeben wurden und die Reinigung dann immer
mit den gleichen Einstellungen durchgeführt wurde. Um nach einem Partiewechsel, dem
Einsetzen eines anderen Spinnrotors 4 oder eines anderen Kanalplattenadapters 16 diese
Einstellungen anzupassen, wurden von einem Bediener aufgrund seiner Erfahrung neue
Einstellungen in die Steuereinrichtung 24 eingegeben, die dann oftmals im Laufe des
weiteren Betriebs noch mehrfach korrigiert werden mussten.
[0039] Demgegenüber ist nun ein Wissensspeicher 25 (siehe Figuren 2 bis 4) vorgesehen, welcher
mit der Steuereinrichtung 24 in Wirkverbindung steht und in welchem verschiedene Parameter
P hinterlegt sind. Weiterhin sind in dem Wissensspeicher 25 verschiedene Einstellungen
E hinterlegt, welche jeweils für einen bestimmten Wert der hinterlegten Parameter
P geeignet sind und welche zuvor empirisch ermittelt wurden. Die Steuereinrichtung
24 kann somit mittels des Wissensspeichers 25 für einen aktuell an der Spinnvorrichtung
1 gegebenen Parameter P, die für diesen Parameter P geeigneten Einstellungen E der
Reinigungsmaßnahme RM (s. Fig. 3) selbstständig ermitteln.
[0040] Gemäß der Ausführung der Figuren 2 und 3 sind dabei die einzelnen Parameter P sowie
die diesen zugeordneten Einstellungen E jeweils in Form einer Matrix in dem Wissensspeicher
25 hinterlegt.
[0041] Figur 2 zeigt beispielhaft eine erste, einfache Ausführung des Verfahrens. Dabei
sind in dem Wissensspeicher 25 als Parameter P verschiedene Rotortypen RT1, RT2 bis
RTn hinterlegt. Für diese verschiedenen Rotortypen RT wurden anhand von Versuchen
und bisheriger Erfahrungen jeweils geeignete Einstellungen E zur Durchführung der
Reinigungsmaßnahme ermittelt und den einzelnen Rotortypen RT zugeordnet. Vorliegend
wurde für jeden Rotortyp RT ein geeigneter Öffnungswinkel ÖW1, ÖW2 bis ÖWn des Deckelelements
15 ermittelt, in welchem die Reinigungsbohrung 9 korrekt in Bezug auf die Rotorrille
17 dieses Spinnrotors 4 ausgerichtet ist. Somit sind in dem Wissensspeicher 25 Paarungen
aus jeweils einem Rotortypen RT und einem zugehörigen Öffnungswinkel ÖW hinterlegt.
Beispielsweise ist dem Rotortyp RT1 der Öffnungswinkel ÖW1 zugeordnet, während dem
Rotortyp RT2 der Öffnungswinkel ÖW2 zugeordnet ist. Die Steuereinrichtung 24 fragt
nun ab, welcher Rotortyp RT aktuell in der Spinnvorrichtung 1 eingesetzt ist, wählt
aus dem Wissensspeicher 25 den zugehörigen Öffnungswinkel ÖW aus und gibt diesen dem
Antrieb 22 als Sollgröße bei der Rotorreinigung vor. Ebenso wäre es jedoch möglich,
dass ein Bediener der Steuereinrichtung 24 den eingesetzten Rotortyp RT mitteilt.
[0042] In Erweiterung des Verfahrens wäre es natürlich auch möglich, jedem Rotortyp RT zwei
oder auch mehrere verschiedene Öffnungswinkel ÖW zuzuordnen, wobei ein erster Öffnungswinkel
ÖW für die Reinigung der Rotorrille 17, ein zweiter Öffnungswinkel ÖW für die Reinigung
des Randes 19 und gegebenenfalls ein weiterer Öffnungswinkel ÖW für die Reinigung
der Faserrutschwand 18 vorgesehen ist. Es versteht sich weiterhin, dass das Vorsehen
verschiedener Öffnungswinkel ÖW als Einstellungen E lediglich exemplarisch zu verstehen
ist. Ebenso könnten für verschiedene Rotortypen RT auch unterschiedliche Zeitdauern
oder unterschiedliche Rotordrehzahlen und dergleichen als Einstellungen E vorgesehen
werden.
[0043] Ist in der Spinnvorrichtung 1 ein austauschbarer Kanalplattenadapter 16 eingesetzt,
so versteht es sich, dass die oben zu Figur 2 beschriebenen Einstellungen E nur für
einen bestimmten Kanalplattenadapter 16 gelten können.
[0044] Figur 3 beschreibt daher ein erweitertes Verfahren, in welchem zusätzlich auch der
Typ KPA des eingesetzten Kanalplattenadapters 16 berücksichtigt wird. In der Matrix
der Figur 3 sind dabei einem ersten Typ KPA1 eines Kanalplattenadapters 16 verschiedene
Rotortypen RT1 und RT2 zugeordnet, welche mit diesem Typ KPA1 kompatibel sind. Diesen
Paarungen ist wiederum jeweils ein sowohl zu dem Typ KPA des Kanalplattenadapters
16 als auch zu dem Typ RT des Spinnrotors 4 passender Öffnungswinkel ÖW zugeordnet.
Ebenso sind für einen zweiten Typ KPA2 des Kanalplattenadapters 16 die mit diesem
Kanalplattenadapter 16 kompatiblen Rotortypen R1, RT2, RT3 sowie jeweils zugehörigen
Öffnungswinkel ÖW3, ÖW4 und ÖW5 hinterlegt. Analog zum Beispiel der Figur 2 ermittelt
die Steuereinrichtung 24 zunächst den Typ KPA des eingesetzten Kanalplattenadapters
16 sowie den Rotortyp RT des eingesetzten Spinnrotors 4 und ermittelt daraus den zugehörigen
Öffnungswinkel ÖW. Natürlich wäre es auch hier möglich, mehrere Öffnungswinkel ÖW
als Einstellungen E für die Reinigung verschiedener Bereiche des Spinnrotors 4 vorzusehen.
[0045] Weiterhin können natürlich noch weitere Einstellungen E für die Durchführung der
Reinigungsmaßnahme vorgegeben werden. Vorliegend wird beispielsweise als weitere Einstellung
E abhämgig vom Rotortyp RT und vom Typ KPA des Kanalplattenadapters 16 die Durchführung
bestimmter Reinigungsmaßnahmen RM vorgegeben. Beispielsweise ist der Kombination des
Kanalplattenadapters 16 des Typs KPA1 mit den Spinnrotor 4 des Typs RT1 und des Typs
RT2 die Reinigungsmaßnahme RM1 zugeordnet. Demgegenüber ist bei dem Kanalplattenadapter
16 des Typs KPA 2 in Kombination mit dem Rotortyp RT2 die Reinigungsmaßnahme RM3 vorgesehen.
Als verschiede Reinigungsmaßnahmen können beispielsweise ein einmaliges Reinigen mit
einer konstanten Drehzahl und Drehrichtung des Spinnrotors 4, ein ein- oder mehrfaches
Wiederholen einer bestimmten Reinigungsmaßnahme, das Reversieren des Spinnrotors 4
während der Reinigung, die Reinigung während des Öffnens bzw. während des Schließens
des Deckelelements 15 oder auch das Öffnen des Deckelelements 15 zum Schmutzabsaugen
vorgesehen sein. Die Reinigung während des Öffnens bzw. des Schließens ermöglicht
in einfacher Weise eine zusätzliche Reinigung der Faserrutschwand 18.
[0046] Natürlich wäre es bei den in den Figuren 2 und 3 dargestellten Verfahren auch möglich,
anstelle oder zusätzlich zu dem Typ RT des Spinnrotors 4 weitere Parameter P, beispielsweise
die Materialart M (s. Fig. 4) in dem Wissensspeicher 25 zu hinterlegen und durch die
Steuereinrichtung 24 abzufragen. Ebenso könnten auch andere oder zusätzliche Einstellungen
E in der Matrix in dem Wissensspeicher 25 hinterlegt sein. So kann beispielsweise
bei Materialien wie Polyester die Reinigungsmaßnahme RM mit einer längeren Zeitdauer
durchgeführt werden oder es können für bestimmte Materialarten M als Parameter P bestimmte
Reinigungsmaßnahmen RM als Einstellungen E hinterlegt werden.
[0047] In Erweiterung des Verfahrens kann es daher, wie nun anhand der Figur 4 erläutert,
auch vorteilhaft sein, eine Vielzahl von verschiedenen Parameter P mit den verschiedenen
Werten, die diese annehmen können, sowie Regeln R zur Ermittlung von für diese Parameter
P geeigneten Einstellungen E zu hinterlegen. Die Steuereinrichtung 24 errechnet dann
anhand der aktuell gegebenen Parameter P mehrere Einstellungen E zur Durchführung
der Reinigungsmaßnahme. Beispielsweise sind vorliegend als Parameter P1 verschiedene
Rotortypen RT1 bis RTn hinterlegt. Als Parameter P2 sind weiterhin verschiedene Typen
KPA1 bis KPAn von Kanalplattenadaptern 16 und als Parameter P3 verschiedene Materialarten
M1 bis Mn in dem Wissensspeicher 25 hinterlegt. Weiterhin sind in dem Wissensspeicher
25 eine oder mehrere Regeln R hinterlegt, nach welchen für die jeweiligen Parameter
P geeignete Einstellungen E ermittelt werden. Die Regeln R beruhen auf empirischen
Ermittlungen und können beispielsweise Regeln zur Verknüpfung der einzelnen Parameter,
Regeln zur Gewichtung einzelner Parameter, Berechnungsformeln zur Berechnung der Einstellungen
E aus den Parametern P oder auch Entscheidungsstrukturen wie Baumdiagramme und dergleichen
enthalten. Vorliegend ist als Regel R lediglich in allgemeiner Form eine beliebige
Verknüpfung (Sternchen-Symbol) der Parameter P1 bis Pn beschrieben, mittels welcher
die Steuereinrichtung 24 eine Summe verschiedener Einstellungen E1 bis En ermittelt.
Die verschiedenen Einstellungen E können beispielsweise als Einstellung E1 den Öffnungswinkel
ÖW des Deckelelements 15 beinhalten und als Einstellung E2 eine bestimmte Rotordrehzahl
n des Spinnrotors 4 als reinigungsdrehzahl. Diese Einstellungen E können natürlich
ebenfalls verschiedene Werte annehmen, wie durch die Nummerierung ÖW1 bis ÖWn und
n1 bis nn symbolisiert, und werden bevorzugt von der Steuereinrichtung 24 selbsttätig
an der Spinnvorrichtung 1 eingestellt.
[0048] Natürlich können auch noch weitere Einstellungen E wie die Zeitdauer der Reinigung
oder die Drehrichtung des Spinnrotors 4 während der Reinigung vorgesehen werden. Es
versteht sich, dass zahlreiche Parameter P wie auch Einstellungen E möglich sind.
Dabei können Reinigungsparameter der Reinigungsmaßnahme, die hier als Einstellungen
E dargestellt wurden, natürlich auch als Parameter P in dem Wissensspeicher 25 hinterlegt
werden. So ist beispielsweise vorliegend die Rotordrehzahl n als ermittelte Einstellung
E angegeben. Diese könnte jedoch ebenso als Parameter durch einen Bediener vorgegeben
werden oder, ähnlich wie in den Figuren 2 und 3 beschrieben, mit bestimmten anderen
Parametern P bereits fest verknüpft sein. Selbiges gilt natürlich auch für eine Zeitdauer
der Reinigung, welche sowohl als Einstellung E errechnet werden kann als auch als
Parameter P vorgegeben werden kann. So kann beispielsweise bei einer Wartung durch
eine verfahrbare Wartungseinrichtung, welche für eine Vielzahl von Spinnvorrichtungen
1 vorgesehen ist, eine kürzere Reinigungszeit vorgegeben werden, um die Stillstandszeiten
der Spinnvorrichtungen 1 geringer zu halten. Weiterhin ist es natürlich auch denkbar,
als Einstellungen E verschiedene Programme zur Durchführung der Reinigungsmaßnahme
RM zu hinterlegen, welche in Form einer Matrix den verschiedenen Parametern P zugeordnet
sind.
[0049] Die Erfindung kann besonders gut an so genannten autarken Spinnstellen, eingesetzt
werden, welche den Ansetzvorgang vollständig selbstständig ohne den Einsatz eines
Bedieners oder einer verfahrbaren Wartungseinrichtung vornehmen können. Es ist jedoch
auch möglich, das Verfahren in Verbindung mit einer verfahrbaren Wartungseinrichtung
vorteilhaft einzusetzen. In jedem Falle können durch die in dem Wissensspeicher hinterlegten
Parameter und die diesen zugeordneten Einstellungen bzw. Berechnungsformeln zur Ermittlung
der Einstellungen auch unter verschiedenen aktuell gegebenen Bedingungen an den Spinnstellen
stets gute und reproduzierbare Reinigungsergebnisse erzielt werden können. Ebenso
kann bei einer Mehrpartienbelegung der Maschine unterschiedlichen Gegebenheiten an
einzelnen Spinnvorrichtungen durch unterschiedliche Einstellungen der Reinigungsmaßnahme
Rechnung getragen werden. Hierdurch können die Ansetzqualität und Ansetzerfestigkeit
wesentlich verbessert werden und der Ansetznutzeffekt und die Garnqualität gesteigert
werden.
[0050] Die Erfindung ist nicht auf die dargestellten Ausführungsbeispiele beschränkt. Abwandlungen
und Kombinationen im Rahmen der Patentansprüche fallen ebenfalls unter die Erfindung.
Bezugszeichenliste
[0051]
- 1
- Spinnvorrichtung
- 2
- Rotorgehäuse
- 3
- Antriebsgehäuse
- 4
- Spinnrotor
- 5
- Rotorteller
- 6
- Rotorschaft
- 7
- Reinigungsvorrichtung
- 8
- Druckluftquelle
- 9
- Reinigungsbohrung
- 10
- Ansatz
- 11
- Einzelantrieb
- 12
- Stellelement
- 13
- Zuführleitung
- 14
-
- 15
- Deckelelement
- 16
- Kanalplattenadapter
- 17
- Rotorrille
- 18
- Faserrutschwand
- 19
- Rand des Spinnrotors
- 20
- Druckluftstrom
- 21
- Rotorboden
- 22
- Antrieb
- 23
- Fadenabzugsdüse
- 24
- Steuereinrichtung
- 25
- Wissensspeicher
- 26
- Reinigungskopf
- 27
- Schaberelement
- 28
- Fadenabzugsröhrchen
- I
- Geschlossenstellung des Deckelelements
- II
- Offenstellung des Deckelelements
- III
- Zwischenstellung
- ÖW
- Öffnungswinkel
- RT
- Rotortyp
- KPA
- Typ des Kanalplattenadapters
- P
- Paramater
- E
- Einstellung
- RM
- Reinigungsmaßnahme
- M
- Materialart
- n
- Reinigungsdrehzahl des Spinnrotors
1. Verfahren zur Reinigung eines Spinnrotors (4) einer Spinnvorrichtung (1) einer Offenend-Spinnmaschine,
bei welchem mittels einer pneumatischen und/oder einer mechanischen Reinigungsvorrichtung
(7) wenigstens eine Reinigungsmaßnahme (RM) an dem Spinnrotor (4) vorgenommen wird,
wobei Einstellungen (E), mit welchen die wenigstens eine Reinigungsmaßnahme (RM) durchgeführt
wird, durch eine Steuereinrichtung (24) der Offenend-Spinnmaschine vorgegeben werden,
dadurch gekennzeichnet, dass in einem Wissensspeicher (25) verschiedene Parameter (P) hinterlegt werden, dass
weiterhin zuvor empirisch ermittelte, für die jeweiligen Parameter (P) geeignete Einstellungen
(E) zur Durchführung der Reinigungsmaßnahme (RM) und/oder Regeln (R) zur Ermittlung
von für die jeweiligen Parameter (P) geeigneten Einstellungen (E) hinterlegt werden
und dass die Einstellungen (E) zur Durchführung der wenigstens einen Reinigungsmaßnahme
(RM) in Abhängigkeit von aktuell gegebenen Parametern (P) von der Steuereinrichtung
(24) selbständig mittels des Wissensspeichers (25) bestimmt werden.
2. Verfahren nach dem vorherigen Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass die Parameter (P) einen oder mehrere Betriebsparameter der Spinnvorrichtung (1),
insbesondere einen Typ (KPA) eines Kanalplattenadapters (16) und/oder einen Typ (RT)
des Spinnrotors (4) und/oder eine Materialart (M) und/oder eine Garnnummer, umfassen.
3. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Einstellungen (E) zur Durchführung der wenigstens einen Reinigungsmaßnahme (RM)
eine Zeitdauer der Reinigung und/oder eine Drehzahl (n) des Spinnrotors (4) und/oder
eine Drehrichtung des Spinnrotors (4) und/oder eine Wiederholungszahl der Reinigungsmaßnahme
(RM) und/oder ein Reversieren des Spinnrotors (4) und/oder eine Art der Reinigungsmaßnahme
(RM) umfassen.
4. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Parameter (P) einen oder mehrere Einstellparameter der wenigstens einen Reinigungsmaßnahme
(RM), insbesondere eine Zeitdauer der Reinigung und/oder eine Drehzahl (n) des Spinnrotors
(4) und/oder eine Drehrichtung des Spinnrotors (4) und/oder eine Wiederholungszahl
der Reinigungsmaßnahme (RM) und/oder ein Reversieren des Spinnrotors (4) und/oder
die Art der Reinigungsmaßnahme (RM) umfassen.
5. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zur Durchführung der Reinigungsmaßnahme (RM) ein Deckelelement (15) der Spinnvorrichtung
(1) zumindest teilweise geöffnet wird, wobei vorzugsweise die Reinigungsmaßnahme (RM)
mittels einer spinnvorrichtungseigenen, pneumatischen Reinigungsvorrichtung (7) durchgeführt
wird.
6. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Parameter (P) zumindest den Typ (KPA) des Kanalplattenadapters (16) und/oder
den Typ (RT) des Spinnrotors (4) umfassen und dass die Einstellungen (E) der Reinigungsvorrichtung
(7) zumindest einen Öffnungswinkel (ÖW) des Deckelelements (15) der Spinnvorrichtung
(1) umfassen.
7. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Reinigungsmaßnahme (RM) mehrere Reinigungsschritte umfasst und dass jedem der
Reinigungsschritte jeweils ein eigener Öffnungswinkel (ÖW) des Deckelelements (15)
der Spinnvorrichtung (1) zugeordnet wird.
8. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Reinigungsmaßnahme (RM) mittels einer in einer verfahrbaren Wartungseinrichtung
angeordneten Reinigungsvorrichtung (7) durchgeführt wird, welche dem Spinnrotor (4)
zugestellt wird, wobei vorzugsweise die Reinigungsvorrichtung (7) zunächst dem zu
reinigenden Spinnrotor (4) zugestellt wird, anschließend der Spinnrotor (4) mittels
eines spinnvorrichtungseigenen Einzelantriebs (11) auf eine definierte Reinigungsdrehzahl
(n) beschleunigt wird und bei oder nach Erreichen der Reinigungsdrehzahl (n) ein Reinigungselement
der Reinigungsvorrichtung (7) in Einwirkung auf den Spinnrotor (4) gebracht wird und
der Spinnrotor (4) gereinigt wird.
9. Verfahren nach dem vorherigen Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass die definierte Reinigungsdrehzahl (n) geringer ist als die Betriebsdrehzahl des Spinnrotors
(4), vorzugsweise geringer ist als 20.000 1/min, bevorzugt geringer als 10.000 1/min
und besonders bevorzugt geringer als 1000 1/min.
10. Verfahren nach einem der beiden vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Einzelantrieb (11) bei Erreichen der Reinigungsdrehzahl (n) abgestellt wird,
wobei vorzugsweise nach einem Auslaufen des Spinnrotors (4) der Spinnrotor (4) mittels
des Einzelantriebs (11) erneut auf die Reinigungsdrehzahl (n) beschleunigt wird und
das Reinigungselement erneut in Einwirkung auf den Spinnrotor (4) gebracht wird.
11. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Spinnrotor (4) während der Reinigungsmaßnahme (RM) reversierend angetrieben wird
oder die Drehrichtung des Einzelantriebs (11) beim erneuten Beschleunigen auf die
Reinigungsdrehzahl (n) umgekehrt wird.
12. Offenend-Spinnmaschine mit wenigstens einer Spinnvorrichtung (1) mit einem Spinnrotor
(4), mit wenigstens einer Reinigungsvorrichtung (7) sowie mit einer Steuereinrichtung
(24), dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (24) zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden
Ansprüche ausgebildet ist.
13. Offenend-Spinnmaschine nach dem vorherigen Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass die Spinnvorrichtung (1) einen Einzelantrieb (11) zum Antreiben des Spinnrotors (4)
aufweist und/oder dass die Spinnvorrichtung (1) einen Antrieb (22) zum Öffnen eines
Deckelelements (15) der Spinnvorrichtung (1) umfasst, welches zwischen einer Offenstellung
(I) und einer Geschlossenstellung (II) verstellbar ist und vorzugsweise in wenigstens
eine Zwischenstellung (III) mit einem vorgebbaren Öffnungswinkel (ÖW) verstellbar
ist.
14. Offenend-Spinnmaschine nach einem der vorherigen Vorrichtungsansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Spinnvorrichtung (1) eine spinnvorrichtungseigene Reinigungsvorrichtung (7),
insbesondere eine pneumatische Reinigungsvorrichtung (7), aufweist.
15. Offenend-Spinnmaschine nach einem der vorherigen Vorrichtungsansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Spinnmaschine wenigstens eine verfahrbare Wartungseinrichtung umfasst und dass
die wenigstens eine Reinigungsvorrichtung (7) in der verfahrbaren Wartungseinrichtung
angeordnet ist.