[0001] Die vorliegende Erfindung beschäftigt sich mit einer Waffenanlage, insbesondere mit
Kalibererhöhung bei gleichbleibender Schnittstelle in einem vorhandenen Turm eines
Kampffahrzeugs, wie beispielsweise des Leopard 2 oder Leclerc. Die Erfindung betrifft
insbesondere die Einrüstung einer Waffenanlage mit größerem Kaliberdurchmesser in
die vorhandene Schnittstelle "Turm" einer kaliberkleineren Waffenanlage mit dem Ziel
der Leistungssteigerung der Waffenanlage und damit des Kampffahrzeugs.
[0002] Die geopolitischen Lageveränderungen sowie vergangene Einsatzerfahrungen machen deutlich,
dass schlagkräftige, hochbewegliche, gut ausgebildete und ausgerüstete Streitkräfte
ein unverzichtbares Mittel der Sicherheitspolitik sind. Unter dem Begriff der Kampfwertsteigerung
werden vorhandene Systeme, Vorrichtungen, Fahrzeuge etc. mehrfach verbessert, damit
diese den neuen Anforderungen gerecht werden können.
[0003] Der KPz Leopard 2 verfügt derzeit über eine Waffenanlage im Kaliber 120 mm. Dieser
ersetzte in den späten 70er Jahren den bis dahin eingesetzten KPz Leopard 1 mit einer
Kanone im Kaliber 105 mm. Es wurde eine Kalibererhöhung vorgenommen. Eine Kalibererhöhung
bei einem Kampfpanzer hat jedoch deutliche Auswirkungen auf das gesamte System KPz.
Diese Auswirkungen widerspiegeln sich unter anderem im Bauraum bzw. den Abmessungen
der Waffenanlage durch einen größeren Ladungsraum. Auch die Turmbelastung bzw. die
Systembelastung stellt sich als problematisch dar. Probleme ergeben sich auch aus
der Munitionshandhabung (Abmessungen) sowie den Abmessungen des Munitionsbunkers.
Frühere Studien zur Einrüstung einer neuen Waffenanlage, beispielsweise im Kaliber
140 mm, haben die vorgenannten Probleme deutlich gemacht.
[0004] Die Erfindung stellt sich daher die Aufgabe, eine deutliche Leistungssteigerung einer
Waffenanlage eines Kampfpanzers bei Lösung der vorgenannten Probleme aufzuzeigen.
[0005] Gelöst wird die Aufgabe durch den Patentanspruch 1. Vorteilhafte Ausführungen sind
den Unteransprüchen entnehmbar.
[0006] Die Erfindung geht von der Überlegung aus, dass eine signifikante Leistungssteigerung
(Feuerkraft) des Kampfpanzers (KPz) Leopard 2 vorrangig über die Verwendung eines
größeren Kaliberdurchmessers und eines größeren Ladungsraumvolumens der Waffenanlage
möglich ist.
[0007] Diesen Weg geht bereits die
DE 38 36 718 C2. Aus der
DE 38 36 718 C2 ist eine Schildzapfenlagerung bekannt, die in der Bauhöhe unterschiedliche Wiegenträger
für kaliberverschiedene Waffenrohre aufnehmen kann und dabei jeweils unterschiedliche
Feuerhöhen der Waffenrohre gewährleistet.
[0008] Die
GB 232,989 A offenbart eine Möglichkeit, Munitionen aus einem gezogenen Waffenrohr entweder sehr
weit oder sehr kurz verschießen zu können. Das Patronenlager des Waffenrohres weist
wenigstens zwei Druckkegel auf, wodurch unterschiedlich lange Geschosse aus dem Waffenrohr
verschossen werden können. Ein Waffenrohr zum verschießen für Munition mit unterschiedlichen
Hülsenlängen beschreibt die
US 2,815,602 A.
[0009] Der Erfindung liegt jedoch die Idee zugrunde, die Bauraumabmessungen der ursprünglichen
Waffenanlage mit einer neuen Waffenanlage einzuhalten und den Ladungsraumdurchmesser
des kalibergrößeren Waffenrohres bezüglich des kleineren Kalibers annähernd beizubehalten.
Das nötige größere Ladungsraumvolumen für die Kalibererhöhung wird erfindungsgemäß
überwiegend durch eine Verlängerung des Ladungsraums des Waffenrohres selbst erreicht.
Da der Ladungsraumdurchmesser bei einem größeren Kaliber nahezu unverändert bleibt,
bleiben auch die Außenabmessungen des Waffenrohres im Bereich des Ladungsteils nahezu
unverändert.
[0010] Die Verlängerung der Ladungsraumlänge ist in Abhängigkeit der gewünschten Schussleistung
zu wählen. Diese Verlängerung wird durch die erwünschte Geschosslänge (erforderliche
Länge des Penetrators der KE-Munition) und die dadurch erforderliche Treibladungsmasse
bestimmt. Begrenzt wird die Munitionslänge durch die maximale Größe des Munitionsbunkers
des Kampffahrzeugs.
[0011] Diese vorstehenden Überlegungen bzw. Vorgaben haben somit keinen bzw. nur einen geringfügigen
Einfluss auf die äußere Abmessung der Waffenanlage selbst. Die größere Rückstoßbelastung
kann über eine Verlängerung des Rücklaufweges der Waffenanlage kompensiert werden.
Eine weitere Leistungssteigerung wäre bei einer Anhebung des Gasdruckniveaus über
einen höherfesten Werkstoff von Waffenrohr und Verschluss möglich.
[0012] Der Vorteil dieser Idee ist, dass Problemen bezüglich der Abmessungen mit der neue
Waffenanlage im größeren Kaliber vorgebeugt wird. Es erfolgt eine deutliche Leistungssteigerung
der Waffenanlage durch einen größeren Kaliberdurchmesser und einen größeren Ladungsraum.
Die Leistungssteigerung wird im Wesentlichen durch das Anheben des Kaliberdurchmessers,
der Verlängerung der Ladungsraumlänge und das dadurch erzielte größere Volumen der
Treibladung sowie einer dadurch möglichen Verlängerung der Geschosse (z.B. KE-Penetratoren)
erreicht. D.h., es kann mehr Treibladungspulver und es können längere Geschosse (wie
KE-Penetratoren) verwendet werden. Das erhöht die Wirksamkeit (Leistung) im Ziel.
[0013] Vorgeschlagen wird, die Bauraumabmessungen einer Waffenanlage im Turm einzuhalten
und einen Ladungsraumdurchmesser eines kalibergrößeren Waffenrohres bezüglich des
kleineren Kalibers annähernd beizubehalten. Das nötige größere Ladungsraumvolumen
für die Kalibererhöhung wird erfindungsgemäß überwiegend durch eine Verlängerung des
Ladungsraums des kalibergrößeren Waffenrohres gegenüber einem Ladungsraum des kaliberkleineren
Waffenrohres selbst erreicht. Da der Ladungsraumdurchmesser bei einem größeren Kaliber
nahezu unverändert bleibt, bleiben auch die Außenabmessungen des kalibergrößeren Waffenrohres
gegenüber den Außenabmessungen des kaliberkleineren Waffenrohres im Bereich des Ladungsteils
nahezu unverändert. Die kalibererhöhte Waffenanlage mit Waffenrohr, Verschluss und
Rückstoßsystem ist in die vorhandene Schnittstelle einer kleineren Waffenanlage im
Turm des Kampfpanzers integrierbar. Die kaliberkleinere Waffenanlage ist durch eine
kalibergrößere Waffenanlage austauschbar und / oder ersetzbar, bei Beibehaltung der
vorhandenen Schnittstelle.
[0014] Anhand eines Ausführungsbeispiels mit Zeichnung soll die Erfindung näher erläutert
werden.
[0015] Es zeigt:
- Fig. 1
- eine perspektivische Darstellung einer Waffenanlage,
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung eines Schnitts durch ein Waffenrohr mit einem kleineren
Kaliber nach dem Stand der Technik,
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung eines Schnitts durch ein Waffenrohr mit einem größeren
Kaliber.
[0016] In Fig. 1 ist eine Waffenanlage 100 mit einem Waffenrohr 1, einem Verschluss 2 sowie
einem Rückstoßsystem 3, als wesentliche Baugruppen der Waffenanlage 100, dargestellt.
[0017] In Fig. 2 ist ein Waffenrohr 1' nach dem Stand der Technik im Schnitt schematisch
dargestellt. Ein vorderer Bereich 11' des Waffenrohrs 1' ist ein Kaliberteil 12' mit
einem Kaliberdurchmesser 13'. Ein hinterer Bereich 14' des Waffenrohres 1' ist ein
Ladungsteil 15' mit einem Ladungsraumdurchmesser 16' und einer Ladungsraumlänge 17'.
[0018] Fig. 3 zeigt das gegenüber dem Stand der Technik abgeändertes erfindungsgemäßes Waffenrohr
1 im Schnitt in einer schematischen Wiedergabe. Ein vorderer Bereich 11 ist ein Kaliberteil
12 mit einem Kaliberdurchmesser 13. Ein hinterer Bereich 14 ist ein Ladungsteil 15
mit einem Ladungsdurchmesser 16 und einer Ladungsraumlänge 17.
[0019] Das Waffenrohr 1' in Fig. 2 weist ein kleineres Kaliber als das Waffenrohr 1 in Fig.
3 auf. Das Waffenrohr 1' liegt in der vorliegenden Ausführung dabei im Kaliber 120mm,
das Waffenrohr 1 im Kaliber 130mm. Der Kaliberdurchmesser 13' (120mm) des kaliberkleineren
Waffenrohrs 1' ist somit kleiner als der Kaliberdurchmesser 13 (130mm) des kalibergrößeren
Waffenrohrs 1.
[0020] Die Waffenanlage 100 ist über eine Schnittstelle eines Kampfpanzers etc., in der
Regel in einem Turm (Lafette), integriert, in diesen eingebaut. Dabei benötigt jede
Waffenanlage einen so genannten Bauraum im Turm.
[0021] Um nunmehr vorhandene Schnittstellen mit dem / im Turm und den vorhandenen Bauraum
(nicht näher dargestellt) für die Waffenanlage 100' mit einem Waffenrohr 1' durch
eine Waffenanlage 100 mit dem Waffenrohr 1 im größeren Kaliber nutzen zu können, wird
der Ladungsraumdurchmesser 16 des Waffenrohres 1 in Bezug auf den Ladungsraumdurchmesser
16' des kaliberkleineren Waffenrohres 1' beibehalten.
[0022] Verändert wird jedoch die Ladungsraumlänge 17 des Ladungsteils 15 des kalibergrößeren
Waffenrohres 1 bezogen auf die Ladungsraumlänge 17' des Ladungsteils 15' des kaliberkleineren
Waffenrohres 1' (siehe Fig. 3) um eine Verlängerung 20. Die Außenabmessungen 18, 18'
der Waffenrohre 1, 1' sind im Bereich des Ladungsteils 15, 15' jedoch gleich, d.h.,
die Außenabmessung 18 des kalibergrößeren Waffenrohres 1 bleibt gegenüber dem kaliberkleineren
Waffenrohr 1' also ihn diesem Bereich nahezu unverändert.
[0023] Die Verlängerung 20 des Ladungsraums 17 ist dabei abhängig von der Länge der verwendeten
bzw. zu verschießenden Munition als auch der erforderlichen Treibladungsmenge zur
Leistungssteigerung im Ziel.
[0024] Um die zulässige Belastbarkeit des Turms bzw. der Schnittstelle einzuhalten, kann
der Rücklaufweg der Waffenanlage 100 beispielsweise verlängert werden.
[0025] Die Idee der Erfindung zur Leistungssteigerung einer Waffenanlage wie beschreiben
ist auf das Kaliber 130mm nicht beschränkt und kann auch im Klein-, Mittel- und weiteren
Großkaliber- Waffenanalgen Einsatz finden.
1. Kampffahrzeug mit einer Waffenanlage (100), umfassend
zumindest einen Verschluss (2),
ein Rückstoßsystem (3),
ein kaliberkleineres Waffenrohr (1') mit einem Ladungsteil (15') mit einer Ladungsraumlänge
(17') und einem Ladungsraumdurchmesser (16'), und
ein gegen das kaliberkleinere Waffenrohr (1') auswechselbares, kalibiergrößeres Waffenrohr
(1), mit einem Ladungsteil (15) mit einer Ladungsraumlänge (17), wobei das kalibergrößere
Waffenrohr (1) eine Ladungsraumverlängerung (20) gegenüber der Ladungsraumlänge (17')
des kaliberkleineren Waffenrohres (1') bei annähernder Beibehaltung des Ladungsraumdurchmessers
(16, 16') des kaliberkleineren Waffenrohres (1') zur Leistungssteigerung der Waffenanlage
(100) aufweist, wobei die Außenabmessungen des kalibergrößeren Waffenrohres (1) gegenüber
den Außenabmessungen des kaliberkleineren Waffenrohres (1') im Bereich des Ladungsteils
(15, 15') nahezu unverändert sind.
2. Kampffahrzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das kalibergrößere Waffenrohr (1) ein Kaliberteil (12) mit einem größeren Kaliberdurchmesser
(13) als das kaliberkleinere Waffenrohr (1') hat.
3. Kampffahrzeug nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das kalibergrößere Waffenrohr (1) im Kaliber 130mm und das kaliberkleinere Waffenrohr
(1') im Kaliber 120mm ist.
4. Kampffahrzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Ladungsraumlänge (17) des kalibergrößeren Waffenrohrs (1) in Abhängigkeit der
zu verschießenden Munition ausgebildet ist.
5. Kampffahrzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Ladungsraumlänge (17) des kalibergrößeren Waffenrohrs (1) in Abhängigkeit einer
benötigten Treibladungsmenge ausgebildet ist.
6. Kampffahrzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Kampffahrzeug ein Kampfpanzer ist.
1. A combat vehicle having a weapon system (100) comprising
at least one breech (2)
a blowback system (3),
a smaller-caliber barrel (1') having a loading part (15') with a loading space length
(17') and a loading space diameter (16'), and
a larger-caliber barrel (1) that can be exchanged for the smaller-caliber barrel (1')
having a loading part (15) with a loading space length (17), wherein the larger-caliber
barrel (1) has a loading space lengthening (20) compared with the loading space (17')
of a smaller-caliber barrel (1'), while more or less maintaining a loading space diameter
(16, 16') of the smaller-caliber barrel (1') to increase the performance of the weapon
system (100), wherein the outer dimensions of the larger-caliber barrel (1) remain
virtually unchanged compared with the smaller-caliber barrel (1') in the region of
the loading part (15, 15').
2. The combat vehicle as claimed in claim 1, characterized in that the larger-caliber barrel (1) has a caliber part (12) with a larger caliber diameter
(13) than the smaller-caliber barrel (1').
3. The combat vehicle as claimed in claim 2, characterized in that the larger-caliber barrel (1) has a 130 mm caliber and the smaller-caliber barrel
(1') has a 120 mm caliber.
4. The combat vehicle as claimed in one of claims 1 to 3, characterized in that the loading space length (17) of the larger-caliber barrel (1) can be selected depending
on the ammunition to be fired.
5. The combat vehicle as claimed in one of claims 1 to 4, characterized in that the loading space length (17) of the larger-caliber barrel (1) can be selected depending
on an amount of propelling charge required.
6. The combat vehicle as claimed in any of the preceding claims, characterized in that the combat vehicle is a battle tank.
1. Véhicule de combat équipé d'un système d'arme (100) comprenant
au moins une culasse (2),
un système de recul (3),
un canon d'arme de calibre relativement petit (1') pourvu d'une partie de chargement
(15') présentant une longueur d'espace de chargement (17') et un diamètre d'espace
de chargement (16'), et
un canon de calibre relativement gros (1) pouvant être remplacé par le canon de calibre
relativement petit (1') et pourvu d'une partie de chargement (15) présentant une longueur
d'espace de chargement (17), le canon de calibre relativement gros (1) comportant
une extension d'espace de chargement (20) par rapport à la longueur d'espace de chargement
(17') du canon de calibre relativement petit (1') tout en conservant à peu près le
diamètre d'espace de chargement (16, 16') du canon de calibre relativement petit (1')
afin d'augmenter les performances du système d'arme (100), les dimensions extérieures
du canon de calibre relativement gros (1) étant à peu près inchangées par rapport
aux dimensions extérieures du canon de calibre relativement petit (1') dans la zone
de la partie cargo (15, 15').
2. Véhicule de combat selon la revendication 1, caractérisé en ce que le canon de calibre relativement gros (1) comporte une partie de calibre (12) de
diamètre de calibre relativement grand (13) par rapport au canon de calibre relativement
petit (1').
3. Véhicule de combat selon la revendication 2, caractérisé en ce que le canon de calibre relativement gros (1) a un calibre de 130 mm et le canon de calibre
relativement petit (1') a un calibre de 120 mm.
4. Véhicule de combat selon l'une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que la longueur d'espace de chargement (17) du canon de calibre relativement gros (1)
est conçue en fonction de la munition à tirer.
5. Véhicule de combat selon l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que la longueur d'espace de chargement (17) du canon de calibre relativement gros (1)
est conçue en fonction d'une quantité requise de charge propulsive.
6. Véhicule de combat selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le véhicule de combat est un char de combat.