[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Überprüfung einer Überholmöglichkeitsbedingung,
die erfüllt ist, wenn ein Überholvorgang eines Vorfahrzeugs durch ein Kraftfahrzeug
voraussichtlich möglich ist, wobei den Fahrbetrieb des Kraftfahrzeugs betreffende
Egodaten und durch wenigstens einen Umfeldsensor des Kraftfahrzeugs eine vorausliegende
Strecke betreffende Umfelddaten erfasst werden, wonach in Abhängigkeit der Umfelddaten
das Vorfahrzeug betreffende Vorfahrzeugdaten ermittelt werden, wonach in Abhängigkeit
der Vorfahrzeugdaten und der Egodaten eine Überholinformation ermittelt wird, die
eine unter vorgegebenen Randbedingungen minimale erforderliche Fahrstrecke des Kraftfahrzeugs
entlang der Strecke beschreibt, die erforderlich ist, um das Vorfahrzeug zu überholen,
wonach die Überholmöglichkeitsbedingung in Abhängigkeit der Überholinformation und,
falls aus den Umfelddaten ein Vorhandensein eines Verkehrsteilnehmers auf einer im
Rahmen des Überholvorgangs nutzbaren Überholspur ermittelt wird, einer diesen Verkehrsteilnehmer
beschreibenden Verkehrsteilnehmerinformation ausgewertet wird. Daneben betrifft die
Erfindung ein Kraftfahrzeug.
[0002] Es sind Fahrerassistenzsysteme bekannt, die einen Fahrer bei einer Beurteilung eines
Überholvorgangs unterstützen. Beispielsweise lehrt die Druckschrift
DE 36 22 447 C1 eine Vorrichtung zum Anzeigen von Überholempfehlungen. Mittels eines Radargerätes
werden zu überholende und entgegenkommende Fahrzeuge geortet und aus diesen Fahrzeugen
und dem eigenen Fahrzeug zugeordneten Größen wird ermittelt, ob ein Überholvorgang
ohne oder mit zusätzlicher Beschleunigung oder nicht möglich ist. Aus den Daten entgegenkommender
Fahrzeuge wird ein maximal verfügbarer Überholweg ermittelt. Kommen keine Fahrzeuge
entgegen, wird die Reichweite des Radargeräts als verfügbarer Überholweg angenommen.
[0003] WO 2016/104042 offenbart eine Steuereinrichtung für ein Kraftfahrzeug, die dazu dient, einen Fahrer
bei einem Spurwechsel zu unterstützen, zum Beispiel um ein Hindernis im Vorfeld des
Kraftfahrzeugs zu vermeiden. Hierbei werden Umfeld-Objekte, beispielsweise Straßenmarkierungen,
erfasst, und deren Entfernung bestimmt, um eine Erfassungsbereichsweite eines Sensors
zu ermitteln. Zudem wird eine erforderliche Reichweite ermittelt, die der Sensor aufweisen
müsste, um, in Abhängigkeit einer maximalen Relativgeschwindigkeit zwischen dem Fahrzeug
und einem angenommenen entgegenkommenden Fahrzeug, das angenommene entgegenkommende
Fahrzeug rechtzeitig zu erfassen. Ist die ermittelte Erfassungsreichweite kürzer als
die erforderliche Reichweite, so kann anhand der Sensordaten nicht zuverlässig vorausgesagt
werden, ob ein sicheres Umfahren des Hindernisses möglich ist.
[0004] Problematisch ist hierbei, dass dem Fahrer in einigen Fahrsituationen ein mögliches
Überholen angezeigt wird, wenn ein Überholvorgang tatsächlich nicht durchgeführt werden
sollte.
[0005] Der Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde, die Robustheit einer Überholempfehlung
demgegenüber zu verbessern.
[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass bei einem Verfahren der eingangs
genannten Art, wenn kein Verkehrsteilnehmer auf der Überholspur erfasst wird, die
Überholmöglichkeitsbedingung nur dann erfüllt ist, wenn die erforderliche Fahrstrecke
um einen Verkürzungsbetrag kürzer ist als die Länge eines durch den Umfeldsensor erfassbaren
Streckenabschnitts der Strecke.
[0007] Es wird somit vorgesehen, ein Sicherheitsintervall mit der Länge des Verkürzungsbetrages
zwischen jener Fahrstrecke, die zum Überholen voraussichtlich erforderlich ist, und
der Länge des erfassbaren Streckenabschnitts vorzusehen. In dieses Sicherheitsintervall
kann ein außerhalb des Erfassungsbereichs des Umfeldsensors befindlicher Verkehrsteilnehmer
einfahren, ohne den Überholvorgang zu stören. Durch eine fahrsituationsabhängige Vorgabe
des Verkürzungsbetrags, wie sie später detailliert erläutert wird, kann sichergestellt
werden, dass die Überholmöglichkeitsbedingung nur dann erfüllt wird, wenn ein Überholen
auch tatsächlich zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit möglich ist.
[0008] Als Umfeldsensor wird vorzugsweise wenigstens ein Radarsensor genutzt. Ergänzend
oder alternativ können beispielsweise Kameras, insbesondere Time-of-Flight-Kameras,
Laserscanner oder Ähnliches genutzt werden. Als Verkehrsteilnehmer auf der Überholspur
können im erfindungsgemäßen Verfahren insbesondere entgegenkommende Kraftfahrzeuge
berücksichtigt werden. Es ist jedoch auch möglich, dass der Verkehrsteilnehmer in
die gleiche Fahrrichtung fährt wie das Kraftfahrzeug, jedoch eine langsamere Geschwindigkeit
aufweist.
[0009] Bei den Egodaten des Kraftfahrzeugs kann es sich insbesondere um eine Geschwindigkeit
des Kraftfahrzeugs, eine momentane Beschleunigung und/oder um eine maximal mögliche
Beschleunigung handeln. Die Vorfahrzeugdaten können eine Geschwindigkeit des Vorfahrzeugs
bzw. eine Relativgeschwindigkeit des Vorfahrzeugs bezüglich dem Kraftfahrzeug und
insbesondere eine Beschleunigung des Vorfahrzeugs beschreiben. Ergänzend können die
Vorfahrzeugdaten eine Länge des Vorfahrzeugs beschreiben und/oder das Vorfahrzeug
kann durch die Vorfahrzeugdaten klassifiziert werden, insbesondere um eine maximal
mögliche Beschleunigung zu ermitteln.
[0010] Als Überholinformation kann ausschließlich die erforderliche Fahrstrecke ermittelt
werden, insbesondere eine Streckenlänge der Überholspur, die im Rahmen des Überholvorgangs
voraussichtlich genutzt wird. Es ist jedoch auch möglich, dass als Überholinformation
eine Trajektorie des Kraftfahrzeugs für den Überholvorgang ermittelt wird. Die entsprechenden
Größen lassen sich derart ermitteln, dass davon ausgegangen wird, dass das Vorfahrzeug
mit konstanter Geschwindigkeit oder mit konstanter Beschleunigung oder mit einer prognostizierten
Maximalbeschleunigung fährt. Aus diesen Größen lässt sich ermitteln, wann das Kraftfahrzeug
bei gegebener Geschwindigkeit und möglicher oder aktueller Beschleunigung vor dem
Vorfahrzeug wieder auf die momentane Fahrspur einscheren kann.
[0011] Als Randbedingungen können beispielsweise minimale Abstände des Kraftfahrzeugs zu
dem Vorfahrzeug, eine Länge des eigenen Kraftfahrzeugs und/oder maximal zulässige
Fahrgeschwindigkeiten auf der Strecke, die im Rahmen des Überholvorgangs nicht oder
maximal um einen vorgegebenen Betrag überschritten werden sollen, berücksichtigt werden.
[0012] Prinzipiell ist es möglich, den Verkürzungsbetrag fest vorzugeben. Vorzugsweise wird
der Verkürzungsbetrag jedoch in Abhängigkeit einer maximal zulässigen Fahrgeschwindigkeit
vorgegeben. Eine maximal zulässige Fahrgeschwindigkeit kann beispielsweise dadurch
erfasst werden, dass in den aktuell oder vorangehend erfassten Umfelddaten Straßenschilder
erkannt werden, die die maximal zulässige Fahrgeschwindigkeit begrenzen. Alternativ
oder ergänzend kann eine maximal zulässige Fahrgeschwindigkeit aus Kartendaten entnommen
werden. Hierzu kann eine Egoposition des Kraftfahrzeugs durch eine Positionserfassungseinrichtung,
beispielsweise einen GPS-Sensor, erfasst werden und es können, beispielsweise im Kraftfahrzeug
gespeicherte, Kartendaten ausgewertet werden, um die maximal zulässige Fahrgeschwindigkeit
an der Egoposition zu ermitteln. Ein von der maximal zulässigen Fahrgeschwindigkeit
abhängiger Verkürzungsbetrag ist zweckmäßig, da davon ausgegangen werden kann, dass
entgegenkommende Kraftfahrzeuge, die in den Erfassungsbereich des Umfeldsensors einfahren,
sich voraussichtlich mit einer Fahrgeschwindigkeit bewegen, die die maximal zulässige
Fahrgeschwindigkeit nicht oder maximal um einen vorgegebenen Betrag überschreitet.
Der Verkürzungsbetrag kann berechnet werden, indem ein Zeitbedarf für die für den
Überholvorgang erforderliche Fahrstrecke ermittelt wird und dieser Zeitbedarf mit
der zulässigen Fahrgeschwindigkeit oder der Summe aus der zulässigen Fahrgeschwindigkeit
und dem vorgegebenen Betrag multipliziert wird.
[0013] Im Rahmen der Auswertung der Überholmöglichkeitsbedingung kann eine Existenz eines
virtuellen Verkehrsteilnehmers angenommen werden, der sich zu Beginn des Überholvorgangs
außerhalb des erfassbaren Streckenabschnitts befindet und sich mit einer vorgegebenen
Geschwindigkeit oder einem vorgegebenen Geschwindigkeitsverlauf auf der Überholspur
bewegt, wobei für den virtuellen Verkehrsteilnehmer eine virtuelle Verkehrsteilnehmertrajektorie
berechnet wird, wonach die Erfüllung der Überholmöglichkeitsbedingung und/oder der
Verkürzungsbetrag von der virtuellen Verkehrsteilnehmertrajektorie abhängt. Es kann
somit insbesondere eine Überholmöglichkeit auf eine Art überprüft werden, wie dies
aus dem Stand der Technik bekannt ist, wobei jedoch als Verkehrsteilnehmer auf der
Überholspur, insbesondere als entgegenkommender Verkehrsteilnehmer auf der Überholspur,
zusätzlich ein virtueller Verkehrsteilnehmer berücksichtigt wird. Hierbei kann der
virtuelle Verkehrsteilnehmer nach Art eines Worst-Case-Szenarios parametrisiert werden,
das heißt es werden die für den Überholvorgang ungünstigsten noch wahrscheinlichen
Parameter für den virtuellen Verkehrsteilnehmer angenommen. Beispielsweise kann die
Position des Verkehrsteilnehmers derart gewählt werden, dass er sich unmittelbar außerhalb
des durch den Umfeldsensor erfassbaren Streckenabschnitts befindet.
[0014] Die Geschwindigkeit oder das Geschwindigkeitsprofil des virtuellen Verkehrsteilnehmers
kann in Abhängigkeit einer oder der maximal zulässigen Fahrgeschwindigkeit derart
gewählt werden, dass sich der virtuelle Verkehrsteilnehmer dem Kraftfahrzeug auf der
Stecke entgegen bewegt. Hierbei kann wiederum ein Worst-Case-Szenario angenommen werden,
das heißt es kann angenommen werden, dass sich der virtuelle Verkehrsteilnehmer mit
der zulässigen Höchstgeschwindigkeit oder einer gegenüber der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
um einen vorgegebenen Betrag erhöhten Geschwindigkeit bewegt.
[0015] Ein Überholvorgang kann auch dadurch gestört werden, dass Verkehrsteilnehmer auf
die befahrene Strecke einbiegen. Hierbei ist es häufig nicht möglich, die einbiegenden
Verkehrsteilnehmer vor dem Einbiegevorgang durch den Umfeldsensor zu erfassen, da
entsprechende Einbiegungen zumindest teilweise verdeckt sein können oder da einbiegende
Straßen bereits nach einer kurzen Distanz den Erfassungsbereich des Umfeldsensors
verlassen können. Die Überholmöglichkeitsbedingung kann daher ausschließlich bei Nichterfüllung
einer Einmündungsbedingung erfüllt sein, wobei die Einmündungsbedingung erfüllt ist,
wenn die Umfelddaten und/oder vorgegebene Kartendaten das Vorhandensein einer Einmündung
und/oder einer Kreuzung innerhalb der erforderlichen Fahrstrecke anzeigen. Anders
ausgedrückt ist die Überholmöglichkeitsbedingung nicht erfüllt, wenn ermittelt wird,
dass innerhalb der zum Überholen erforderlichen Fahrstrecke eine Einmündung oder eine
Kreuzung liegt. Das Vorhandensein der Einmündung und/oder der Kreuzung kann aus den
Umfelddaten direkt erkannt werden. Es ist jedoch auch möglich, den Umfelddaten andere,
insbesondere vorgelagerte, Hinweise auf Einmündungen oder Kreuzungen zu entnehmen.
Beispielsweise können Straßenschilder, die auf eine entsprechende Einmündung oder
Kreuzung hinweisen erkannt werden.
[0016] Es ist möglich, dass durch eine Objekterkennung in den Umfelddaten zumindest eine
ein Straßenschild betreffende Straßenschildinformation ermittelt wird, wobei die Erfüllung
der Überholmöglichkeitsbedingung von der Straßenschildinformation abhängt. Der das
Straßenschild betreffende Teil der Umfelddaten kann unmittelbar vor der Überprüfung
der Überholmöglichkeitsbedingung erfasst werden, es ist jedoch auch möglich, Straßenschildinformationen
zu nutzen, die durch eine Auswertung von zeitlich vorangehend erfassten Umfelddaten
ermittelt wurden. Wie bereits erläutert kann eine Straßenschildinformation insbesondere
eine maximal zulässige Fahrgeschwindigkeit vorgeben oder auf eine vorausliegende Einmündung
oder Kreuzung hinweisen.
[0017] Der erfassbare Streckenabschnitt und/oder die Länge des Streckenabschnitts können
in Abhängigkeit der Umfelddaten ermittelt werden. Erfasst der Umfeldsensor Entfernungen
von Objekten, kann beispielsweise berücksichtigt werden, wie weit Objekte entfernt
sind, die als Teil der Strecke, also beispielsweise als Teil der befahrenen Straße,
klassifiziert werden. Im einfachsten Fall kann die Länge des erfassbaren Streckenabschnitts
derart ermittelt werden, dass sie der Entfernung zu dem weitest entfernten Objekt,
das als Teil der Strecke klassifiziert wird, entspricht. Alternativ wäre es möglich,
den erfassbaren Streckenabschnitt bzw. die Länge des Streckenabschnitts fest vorzugeben.
Eine dynamische Anpassung ist jedoch vorteilhaft, da der Streckenverlauf, also insbesondere
Kurven der Strecke und Steigungen und Gefälle, sowie Einschränkungen des erfassbaren
Streckenabschnitts aufgrund von Witterungsverhältnissen berücksichtigt werden können.
[0018] Durch Auswertung der Umfelddaten können Objektinformationen wenigstens eines Objekts
ermittelt werden, das die Strecke für den Umfeldsensor teilweise verdeckt, wonach
der erfassbare Streckenabschnitt und/oder die Länge des Streckenabschnitts in Abhängigkeit
der Objektinformation ermittelt werden. Es kann somit berücksichtigt werden, dass
Teile des Vorfelds des Kraftfahrzeugs durch Umfeldobjekte, insbesondere durch das
Vorfahrzeug, verdeckt sein können.
[0019] Die Erfüllung der Überholmöglichkeitsbedingung kann zusätzlich von einer ermittelten
Breite und/oder Spurenzahl der Strecke abhängen. Beispielsweise kann es auf sehr schmalen
Strecken möglich sein, dass auch in Fällen, in denen kein Gegenverkehr vorliegt, ein
Überholen aufgrund der Streckenbreite nicht möglich ist. Andererseits kann es, beispielsweise
wenn mehrere Fahrspuren in beide Richtungen vorhanden sind, auch bei Gegenverkehr
möglich sein, zu überholen. Die Spurenzahl, eine jeweilige Fahrrichtung für die Spuren,
die Breite der Spuren bzw. der Strecke und Ähnliches können durch Auswertung der Umfelddaten
ermittelt werden und/oder sie können Kartendaten entnommen werden.
[0020] In Abhängigkeit der Erfüllung der Überholmöglichkeitsbedingung kann eine Fahrzeugeinrichtung
zur Ausgabe eines Fahrerhinweises an einen Fahrer des Kraftfahrzeugs und/oder zur
Durchführung eines Fahreingriffs angesteuert werden. Der Fahrerhinweis kann ein optischer,
ein haptischer und/oder ein akustischer Hinweis sein. Hierbei kann insbesondere ermittelt
werden, ob ein Fahrer voraussichtlich einen Überholvorgang durchführen wird und es
kann eine Warnung erfolgen, wenn die Überholmöglichkeitsbedingung in diesem Fall nicht
erfüllt ist. Eine Überholabsicht kann beispielsweise dadurch erkannt werden, dass
eine Blinkerbetätigung durch den Fahrer und/oder ein aufgebrachtes Drehmoment am Lenkrad
erfasst und ausgewertet werden. Als Warnung kann beispielsweise ein Warnton über einen
Lautsprecher des Kraftfahrzeugs ausgegeben werden oder es kann ein Aktor angesteuert
werden, um ein Drehmoment auf das Lenkrad zu übertragen, das einem Ausscheren des
Kraftfahrzeugs zum Überholen gegenwirkt. Das erfindungsgemäße Verfahren ist jedoch
auch in Situationen nutzbar, in denen das Kraftfahrzeug assistiert, teilautomatisiert
oder hoch- bzw. vollautomatisiert fährt. In diesem Fall kann durch das erfindungsgemäße
Verfahren insbesondere entschieden werden, ob automatische Fahreingriffe zum Überholen
durchgeführt werden sollen oder nicht.
[0021] Neben dem erfindungsgemäßen Verfahren betrifft die Erfindung ein Kraftfahrzeug mit
einem Umfeldsensor und einer Steuereinrichtung, das zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens eingerichtet ist. Die Steuereinrichtung kann dazu eingerichtet sein, die
Egodaten und über den Umfeldsensor die Umfelddaten zu erfassen, in Abhängigkeit der
Umfelddaten die Vorfahrzeugdaten zu ermitteln und in Abhängigkeit der Vorfahrzeugdaten
und der Egodaten die Überholinformation zu ermitteln. Zudem kann durch die Steuereinrichtung
wie erläutert die Überholmöglichkeitsbedingung auswertbar sein.
[0022] Das erfindungsgemäße Kraftfahrzeug lässt sich mit den zum erfindungsgemäßen Verfahren
genannten Merkmalen mit den dort genannten Vorteilen weiterbilden und umgekehrt.
[0023] Weitere Vorteile und Einzelheiten zeigen die folgenden Ausführungsbeispiele sowie
die zugehörigen Zeichnungen. Hierbei zeigen
- Fig. 1 und 2
- unterschiedliche Verkehrssituationen, in denen Ausführungsbeispiele des erfindungsgemäßen
Verfahrens durch ein erfindungsgemäßes Kraftfahrzeug durchgeführt werden.
[0024] Fig. 1 zeigt eine Fahrsituation, in der sich ein Kraftfahrzeug 2 auf gerader Strecke
einem Vorfahrzeug 1 nähert, wobei das Vorfahrzeug 1 potentiell überholt werden soll.
Um dem Fahrer zu assistieren ist vorgesehen, dass durch einen Umfeldsensor 3 des Kraftfahrzeugs
die vorausliegende Strecke betreffende Umfelddaten erfasst werden. In Abhängigkeit
dieser Umfelddaten soll ermittelt werden, ob es in der gegebenen Verkehrssituation
voraussichtlich möglich ist, das Vorfahrzeug 1 zu überholen, also ob eine Überholmöglichkeitsbedingung
erfüllt ist.
[0025] Hierzu werden durch eine Steuereinrichtung 4 des Kraftfahrzeugs 2 Egodaten erfasst,
die den Fahrbetrieb des Kraftfahrzeugs 2 betreffen. Als Egodaten werden eine momentane
Fahrgeschwindigkeit und eine momentane Beschleunigung des Kraftfahrzeugs 2 erfasst.
Zusätzlich wird eine maximal mögliche Beschleunigung prognostiziert, um einen Geschwindigkeitsverlauf
des Kraftfahrzeugs 2 bei maximaler Beschleunigung zu ermitteln. Die Steuereinrichtung
4 ermittelt aus den Umfelddaten zudem das Vorfahrzeug 1 betreffende Vorfahrzeugdaten.
Als Vorfahrzeugdaten werden eine Geschwindigkeit und eine Beschleunigung des Vorfahrzeugs
1 ermittelt. Als Geschwindigkeit können eine Absolutgeschwindigkeit und/oder eine
Relativgeschwindigkeit bezüglich des Kraftfahrzeugs 2 ermittelt werden.
[0026] In Abhängigkeit der Vorfahrzeugdaten und der Egodaten wird eine Überholinformation
ermittelt, die eine unter vorgegebenen Randbedingungen minimale erforderliche Fahrstrecke
6 des Kraftfahrzeugs entlang der Strecke beschreibt, die erforderlich ist, um das
Vorfahrzeug zu überholen. Als Überholinformation kann beispielsweise eine nicht gezeigte
Trajektorie für den Überholvorgang ermittelt werden. Alternativ oder ergänzend ist
es jedoch auch möglich, beispielsweise nur eine Position 5 zu bestimmen, an der der
Überholvorgang abgeschlossen ist oder eine Fahrstrecke 6, während der sich das Kraftfahrzeug
2 im Rahmen des Überholvorgangs auf einer Überholspur aufhalten muss.
[0027] Als Randbedingungen können beispielsweise minimale Abstände des Kraftfahrzeugs 2
zu dem Vorfahrzeug 1 und/oder zu einem Rand des befahrbaren Bereichs berücksichtigt
werden. Ergänzend kann als Randbedingung eine maximal zulässige Fahrgeschwindigkeit
berücksichtigt werden. Diese kann beispielsweise dadurch ermittelt werden, dass im
Rahmen einer Objekterkennung in den Umfelddaten Straßenschilder 7 erkannt werden und
eine jeweilige das Straßenschild betreffende Straßenschildinformation ermittelt wird,
in diesem Fall die durch das Straßenschild 7 angegebene zulässige Fahrgeschwindigkeit.
Hierbei können selbstverständlich auch Schilder 7 berücksichtigt werden, die zu einem
vorangehenden Zeitpunkt erfasst wurden. Alternativ oder ergänzend ist es möglich,
dass das Kraftfahrzeug 2 eine nicht gezeigte Positionserfassungseinrichtung, beispielsweise
ein GPS-Sensor, aufweist. In Abhängigkeit der erfassten Position können Informationen
über die aktuell befahrene Strecke, beispielsweise auch eine vorgegebene Maximalgeschwindigkeit,
Kartendaten entnommen werden, die im Kraftfahrzeug 2 gespeichert sind oder auf die
das Kraftfahrzeug 2 über eine Kommunikationseinrichtung zugreift.
[0028] In Fällen, in denen in dem Erfassungsbereich 8 des Umfeldsensors 3 ein entgegenkommendes
Kraftfahrzeuge erfasst wird, werden aus den Umfelddaten ein Abstand und eine Relativgeschwindigkeit
des entgegenkommenden Kraftfahrzeugs ermittelt. Aus diesen kann bestimmt werden, ob
das entgegenkommende Kraftfahrzeug die Trajektorie des Kraftfahrzeugs 2 während des
Überholvorgangs kreuzt bzw. ob das entgegenkommende Kraftfahrzeug in die zum Überholen
erforderliche Fahrstrecke 6 eintritt, während das Kraftfahrzeug 2 das Vorfahrzeug
1 überholt. Ist dies der Fall, ist die Überholmöglichkeitsbedingung nicht erfüllt.
Im Rahmen dieser Ermittlung kann eine mögliche Beschleunigung des entgegenkommenden
Kraftfahrzeugs berücksichtigt werden. Es kann hierbei angenommen werden, dass das
entgegenkommende Kraftfahrzeug höchstens auf eine bestimmte Maximalgeschwindigkeit
beschleunigt, die in Abhängigkeit der auf der Strecke zulässigen Fahrgeschwindigkeit
ermittelt werden kann.
[0029] Ein Überholen des Vorfahrzeugs 1 ist jedoch nicht in allen Fällen möglich, in denen
kein entgegenkommendes Kraftfahrzeug erfasst wird. Dies resultiert in der gezeigten
Fahrsituation insbesondere daraus, dass die Länge eines durch den Umfeldsensor 3 erfassbaren
Streckenabschnitts 9 der Strecke begrenzt ist. Diese Begrenzung ist durch technische
Merkmale des Umfeldsensors 3 bestimmt. Zusätzlich kann der erfassbare Streckenabschnitt
9 beispielsweise durch Witterungsbedingungen oder einen welligen oder kurvigen Streckenverlauf
eingeschränkt sein. Um dies zu verdeutlichen ist ein virtueller Verkehrsteilnehmer
11 unmittelbar außerhalb des Erfassungsbereichs 8 dargestellt.
[0030] Die Möglichkeit, dass noch nicht erfassbare Verkehrsteilnehmer in den Erfassungsbereich
8 einfahren können, wird im erläuterten Verfahren dadurch berücksichtigt, dass die
Überholmöglichkeitsbedingung nur dann erfüllt ist, wenn die zum Überholen erforderliche
Fahrstrecke 6 um einen Verkürzungsbetrag 10 kürzer ist als die Länge eines durch den
Umfeldsensor erfassbaren Streckenabschnitts 9 der Strecke. Dieser Grenzwert für die
erforderliche Fahrstrecke 6 ist durch die geschweifte Klammer 12 visualisiert. Im
gezeigten Ausführungsbeispiel wird ausschließlich die erforderliche Fahrstrecke 6
auf der Gegen- bzw. Überholspur berücksichtigt, da nur auf dieser eine Interaktion
mit entgegenkommenden Verkehrsteilnehmern zu erwarten ist. Alternativ wäre es selbstverständlich
möglich, die gesamte Fahrstrecke, die für den Überholvorgang erforderlich ist, beispielsweise
die Fahrstrecke von der momentanen Ist-Position des Kraftfahrzeugs 2 bis zu der Position
5, an der der Überholvorgang abgeschlossen ist, zu berücksichtigen.
[0031] Der Verkürzungsbetrag 10 kann fest vorgegeben sein. Vorzugsweise wird er jedoch fahrsituationsabhängig
vorgegeben. Im einfachsten Fall kann dies erreicht werden, in dem der Verkürzungsbetrag
10 in Abhängigkeit einer maximal zulässigen Fahrgeschwindigkeit in dem Streckenabschnitt,
die wie vorangehend erläutert ermittelt werden kann, vorgegeben wird. Beispielsweise
kann eine Dauer des Überholvorgangs ermittelt werden, indem prognostiziert wird, wann
das Kraftfahrzeug die erforderliche Fahrstrecke 6 durchfahren hat bzw. die Position
5 erreicht hat. Diese Dauer kann mit der maximal zulässigen Fahrgeschwindigkeit oder
einer demgegenüber um einen festen Betrag oder einen Proportionalitätsfaktor erhöhten
angenommenen Geschwindigkeit für den virtuellen Verkehrsteilnehmer 11 multipliziert
werden. Dies entspricht einem Worst-Case-Szenario, in dem angenommen wird, dass sich
unmittelbar jenseits des Erfassungsbereichs 8 ein Verkehrsteilnehmer befindet, der
dem Kraftfahrzeug 2 mit hoher Geschwindigkeit entgegenfährt.
[0032] In einer Weiterbildung des Verfahrens ist es möglich, dass im Rahmen der Auswertung
der Überholmöglichkeitsbedingung eine Existenz eines virtuellen Verkehrsteilnehmers
11 angenommen wird, der sich zu Beginn des Überholvorgangs außerhalb des erfassten
Streckenabschnitts befindet und sich mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit oder einem
vorgegebenen Geschwindigkeitsverlauf auf der Überholspur bewegt. In diesem Fall kann
die Überholmöglichkeitsbedingung auf genau die gleiche Weise ausgewertet werden, wie
für einen realen Verkehrsteilnehmer, der die Überholmöglichkeit einschränken kann.
Beispielsweise kann für den virtuellen Verkehrsteilnehmer 11 eine virtuelle Verkehrsteilnehmertrajektorie
berechnet werden. In Abhängigkeit dieser Verkehrsteilnehmertrajektorie kann der Verkürzungsbetrag
ermittelt werden, in dem ausgewertet wird, welcher Abschnitt der Strecke während des
Überholvorgangs durch den virtuellen Verkehrsteilnehmer 11 befahren wird.
[0033] Es ist jedoch auch möglich, dass ein entsprechender Verkürzungsbetrag nur implizit
im Verfahren berücksichtigt wird. Beispielsweise kann eine Trajektorie für das Kraftfahrzeug
2 für den geplanten Überholvorgang ermittelt werden und es kann überprüft werden,
ob die Verkehrsteilnehmertrajektorie und die Trajektorie des Kraftfahrzeugs 2 im Rahmen
dieses Überholvorgangs einen vorgegebenen Mindestabstand aufweisen. In diesem Fall
kann die Überholmöglichkeitsbedingung erfüllt sein. Wird dieser Mindestabstand nicht
eingehalten, so ist die Überholmöglichkeitsbedingung nicht erfüllt. Auch dieses Vorgehen
führt notwendig dazu, dass die Überholmöglichkeitsbedingung nur dann erfüllt ist,
wenn die erforderliche Fahrstrecke 6 zum Überholen um einen Verkürzungsbetrag kürzer
ist als die Länge des durch den Umfeldsensor 3 erfassbaren Streckenabschnitts 9. Ist
dies nicht der Fall, so würde ein Schneiden der Trajektorien resultieren.
[0034] Im gezeigten Ausführungsbeispiel wurde ein einzelner Umfeldsensor 3 genutzt, um die
vorausliegende Strecke betreffende Umfelddaten zu erfassen. Selbstverständlich können
mehrere gleich- und/oder verschiedenartige Umfeldsensoren genutzt werden. Beispielsweise
kann die vorausliegende Strecke durch einen oder mehrere Radarsensoren und ergänzend
durch eine Kamera erfasst werden.
[0035] Die Erfüllung der Überholmöglichkeitsbedingung kann von weiteren als den erläuterten
Teilbedingungen abhängen. Beispielsweise kann die Überholmöglichkeitsbedingung dann
nicht erfüllt sein, wenn das Vorhandensein einer Einmündung in der zum Überholen erforderlichen
Fahrstrecke 6 ermittelt wird. Eine entsprechende Einmündung kann dazu führen, dass
weitere Verkehrsteilnehmer während des Überholvorgangs auf die zum Überholen genutzte
Fahrspur einbiegen. Diese können, je nach konkreter Einbiegesituation, durch den Umfeldsensor
3 häufig nicht frühzeitig erkannt werden, weshalb ein Überholen in diesen Situationen
nicht durchgeführt werden sollte. Einmündungen oder Kreuzungen können durch Auswertung
der Umfelddaten erkannt werden. Hierbei ist es möglich, dass die Einmündung bzw. Kreuzung
direkt erfasst wird oder dass ein Hinweisschild, das auf eine entsprechende Einmündung
oder Kreuzung hinweist, erkannt wird. Es ist auch möglich, dass die Positionen von
Einmündungen bzw. Kreuzungen Kartendaten entnommen werden.
[0036] Die Überholmöglichkeitsbedingung kann zudem von einer Breite der befahrenen Strecke
bzw. von einer Spurenzahl abhängen. Auf sehr schmalen Strecken kann ein Überholen
auch in Fällen nicht zweckmäßig sein, in denen kein Gegenverkehr existiert. Andererseits
kann in Fällen, in denen beispielsweise in beide Fahrtrichtungen mehrere Fahrspuren
vorhanden sind, ein Überholen auch bei vorhandenem Gegenverkehr möglich sein.
[0037] Das Ergebnis der Überholmöglichkeitsbedingung kann auf verschiedene Weisen genutzt
werden. Beispielsweise kann in Abhängigkeit der Erfüllung der Überholmöglichkeitsbedingung
eine Fahrzeugeinrichtung 16, beispielsweise eine Anzeigeeinrichtung, zur Ausgabe eines
Fahrerhinweises an einen Fahrer des Kraftfahrzeugs 2 angesteuert werden. Hierbei kann
einem Fahrer stets angezeigt werden, ob ein Überholen zweckmäßig ist, oder dies kann
nur in bestimmten Fahrsituationen folgen. In einer geringfügigen Abwandlung dieses
Vorgehens kann durch die Steuereinrichtung 4 ausgewertet werden, ob voraussichtlich
ein Überholvorgang geplant ist. Dies kann beispielsweise in Abhängigkeit einer Relativgeschwindigkeit
des Kraftfahrzeugs 2 zu dem Vorfahrzeug 1, dem Setzen eines Blinkers und/oder von
Lenkmomenten oder Lenkwinkeln ermittelt werden. Wird eine entsprechende Überholabsicht
ermittelt und die Überholmöglichkeitsbedingung ist nicht erfüllt, kann ein optischer,
akustischer oder haptischer Warnhinweis an den Fahrer gegeben werden. Beispielsweise
kann ein Warnton ausgegeben werden oder ein einer Lenkrichtung zum Ausscheren entgegenwirkendes
Lenkmoment kann auf das Lenkrad übertragen werden. Das beschriebene Vorgehen kann
jedoch auch im Rahmen einer assistierten oder automatisierten Führung des Kraftfahrzeugs
2 genutzt werden. In Abhängigkeit der Erfüllung der Überholmöglichkeitsbedingung können
in diesem Fall beispielsweise Aktoren zur Durchführung eines Fahreingriffs angesteuert
werden.
[0038] Wie bereits erwähnt kann der durch den Umfeldsensor 3 erfassbare Streckenabschnitt
der Strecke auch durch eine Geometrie der Strecke eingeschränkt sein. Zusätzlich ist
es möglich, dass der erfassbare Streckenabschnitt durch Objekte, insbesondere auch
durch das Vorfahrzeug 1, weiter eingeschränkt ist, die Teile der Strecke verdecken.
Ein Beispiel hierfür ist in Fig. 2 dargestellt. Hierbei werden die gleichen Bezugszeichen
wie in Fig. 1 verwendet und die Erläuterung wird auf die Unterschiede zur Fig. 1 eingeschränkt.
[0039] In der in Fig. 2 gezeigten Verkehrssituation befindet sich das Kraftfahrzeug 2 vor
einer Kurve der Strecke in relativ kurzem Abstand hinter dem Vorfahrzeug 1. Somit
ist ein großer Teil des Erfassungsbereichs 8 des Umfeldsensors 3 nicht nutzbar, da
das Vorfahrzeug 1 diesen Erfassungsbereich blockiert. Somit ist ausschließlich der
Streckenabschnitt 14 links der gestrichelten Linie 13 durch den Umfeldsensor 3 erfassbar.
Verkehrsteilnehmer, die sich in dem Streckenabschnitt 15 rechts der gestrichelten
Linie 13 befinden, können somit nicht durch den Umfeldsensor 3 erfasst werden.
[0040] Um ein Vorgehen wie zur Fig. 1 erläutert zu ermöglichen, bei dem der erfassbare Streckenabschnitt
9 um einen Verkürzungsbetrag 10 verkürzt wird bzw. bei dem die Existenz des virtuellen
Verkehrsteilnehmers 11 unmittelbar außerhalb des erfassbaren Streckenabschnitts 14
angenommen wird, wird zunächst ermittelt, welcher Streckenabschnitt 14 überhaupt erfassbar
ist. Die Abmessungen des Erfassungsbereichs 8 können beispielsweise bereits in der
Steuereinrichtung 4 gespeichert sei, da sie bereits bei der Herstellung des Kraftfahrzeugs
2 ermittelt werden können. Alternativ wäre es möglich, diese Abmessungen im Rahmen
des normalen Fahrbetriebs zu bestimmen, beispielsweise indem jeweils maximale Entfernungen
zu erfassten Objekten erkannt werden oder Ähnliches.
[0041] Die Verdeckung des Streckenabschnitts 15 kann dadurch erkannt werden, dass für wenigstens
ein Objekt, in diesem Fall für das Vorfahrzeug 1, Objektinformationen ermittelt werden,
nämlich insbesondere seine Abmessungen bzw. die durch das Objekt abgedeckten Raumwinkel
des Erfassungsbereichs 8. Zudem wird die Geometrie der Strecke erfasst. Die Geometrie
der Strecke kann aus den Umfelddaten selbst ermittelt werden, beispielsweise indem
bestimmte Abschnitte in den Erfassungsdaten als Streckenteile klassifiziert werden,
oder sie kann digitalen Kartendaten entnommen werden. Unter Berücksichtigung der Streckengeometrie
und der durch das Objekt, also das Vorfahrzeug 1, blockierten Raumwinkel des Erfassungsbereichs
8 kann der erfassbare Streckenabschnitt 14 ermittelt werden. Aus diesen Informationen
kann der durch den Umfeldsensor erfassbare Streckenabschnitt 9 ermittelt werden bzw.
es kann eine Position für einen virtuellen Verkehrsteilnehmer 11 vorgegeben werden,
der sich unmittelbar außerhalb des erfassbaren Streckenabschnitts 9 befindet.
[0042] Wird der erfassbare Streckenabschnitt 9, wie zur Fig. 1 erläutert, um einen Verkürzungsbetrag
10 verkürzt, so ist die Länge des verbleibenden Streckenabschnitts, die durch die
geschweifte Klammer 12 gezeigt ist, in der in Fig. 2 gezeigten Fahrsituation offensichtlich
nicht ausreichend lang, um ein Überholen des Vorfahrzeugs 1 zu ermöglichen. Die Überholmöglichkeitsbedingung
ist somit nicht erfüllt.
1. Verfahren zur Überprüfung einer Überholmöglichkeitsbedingung, die erfüllt ist, wenn
ein Überholvorgang eines Vorfahrzeugs (1) durch ein Kraftfahrzeug (2) voraussichtlich
möglich ist, wobei den Fahrbetrieb des Kraftfahrzeugs (2) betreffende Egodaten und
durch wenigstens einen Umfeldsensor (3) des Kraftfahrzeugs eine vorausliegende Strecke
betreffende Umfeldddaten erfasst werden, wonach in Abhängigkeit der Umfelddaten das
Vorfahrzeug (1) betreffende Vorfahrzeugdaten ermittelt werden, wonach in Abhängigkeit
der Vorfahrzeugdaten und der Egodaten eine Überholinformation ermittelt wird, die
eine unter vorgegebenen Randbedingungen minimale erforderliche Fahrstrecke (6) des
Kraftfahrzeugs (2) entlang der Strecke beschreibt, die erforderlich ist, um das Vorfahrzeug
(1) zu überholen, wonach die Überholmöglichkeitsbedingung in Abhängigkeit der Überholinformation
und, falls aus den Umfelddaten ein Vorhandensein eines Verkehrsteilnehmers auf einer
im Rahmen des Überholvorgangs nutzbaren Überholspur ermittelt wird, einer diesen Verkehrsteilnehmer
beschreibenden Verkehrsteilnehmerinformation ausgewertet wird, wobei, wenn kein Verkehrsteilnehmer
auf der Überholspur erfasst wird, die Überholmöglichkeitsbedingung nur dann erfüllt
ist, wenn die erforderliche Fahrstrecke (6) um einen Verkürzungsbetrag (10) kürzer
ist als die Länge eines durch den Umfeldsensor erfassbaren Streckenabschnitts (9)
der Strecke, wobei der erfassbare Streckenabschnitt (9) und/oder die Länge des Streckenabschnitts
(9) in Abhängigkeit der Umfelddaten ermittelt werden, wobei durch Auswertung der Umfelddaten
Objektinformationen wenigstens eines Objekts ermittelt werden, das die Strecke für
den Umfeldsensor (3) teilweise verdeckt, wonach der erfassbare Streckenabschnitt (9)
und/oder die Länge des Streckenabschnitts (9) in Abhängigkeit der Objektinformation
ermittelt werden, wobei durch das Objekt abgedeckte Raumwinkel eines Erfassungsbereichs
(8) des Umfeldsensors (9) berücksichtigt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Verkürzungsbetrag (10) in Abhängigkeit einer maximal zulässigen Fahrgeschwindigkeit
vorgegeben wird.
3. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass im Rahmen der Auswertung der Überhohlmöglichkeitsbedingung eine Existenz eines virtuellen
Verkehrsteilnehmers (11) angenommen wird, der sich zu Beginn des Überholvorgangs außerhalb
des erfassbaren Streckenabschnitts (9) befindet und sich mit einer vorgegeben Geschwindigkeit
oder einem vorgegebenen Geschwindigkeitsverlauf auf der Überholspur bewegt, wobei
für den virtuellen Verkehrsteilnehmer (11) eine virtuelle Verkehrsteilnehmertrajektorie
berechnet wird, wonach die Erfüllung der Überhohlmöglichkeitsbedingung und/oder der
Verkürzungsbetrag (10) von der virtuellen Verkehrsteilnehmertrajektorie abhängen.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Geschwindigkeit oder das Geschwindigkeitsprofil des virtuellen Verkehrsteilnehmers
(11) in Abhängigkeit einer oder der maximal zulässigen Fahrgeschwindigkeit derart
gewählt wird, dass sich der virtuelle Verkehrsteilnehmer (11) dem Kraftfahrzeug (2)
auf der Strecke entgegen bewegt.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Überholmöglichkeitsbedingung ausschließlich bei Nichterfüllung einer Einmündungsbedingung
erfüllt ist, wobei die Einmündungsbedingung erfüllt ist, wenn die Umfelddaten und/oder
vorgegebene Kartendaten das Vorhandensein einer Einmündung und/oder einer Kreuzung
innerhalb der erforderlichen Fahrstrecke (6) anzeigen.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass durch eine Objekterkennung in den Umfelddaten zumindest eine ein Straßenschild (7)
betreffende Straßenschildinformation ermittelt wird, wobei die Erfüllung der Überholmöglichkeitsbedingung
von der Straßenschildinformation abhängt.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erfüllung der Überholmöglichkeitsbedingung zusätzlich von einer ermittelten Breite
und/oder Spurenzahl der Strecke abhängt.
8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass in Abhängigkeit der Erfüllung der Überholmöglichkeitsbedingung eine Fahrzeugeinrichtung
(16) zur Ausgabe eines Fahrerhinweises an einen Fahrer des Kraftfahrzeugs (2) und/oder
zur Durchführung eines Fahreingriffes angesteuert wird.
9. Kraftfahrzeug mit einem Umfeldsensor (3) und einer Steuereinrichtung (4),
dadurch gekennzeichnet,
dass es zur Durchführung des Verfahrens gemäß einem der vorangehenden Ansprüche eingerichtet
ist.
1. Method for checking an overtaking opportunity condition that is met if a manoeuvre
by a vehicle (2) to overtake a vehicle in front (1) would be possible, wherein egodata
relating to the driving mode of the vehicle (2) and environmental data relating to
a stretch of road ahead are collected by at least one environment sensor (3) of the
vehicle, following which data relating to the vehicle in front (1) are determined
depending on the environmental data, following which overtaking information is determined
depending on the data of the vehicle in front and the egodata, said overtaking information
describing a minimum necessary driving distance (6) of the vehicle (2) along the stretch
that is necessary under predetermined boundary conditions to overtake the vehicle
in front (1), following which the overtaking opportunity condition is determined depending
on the overtaking information, and if the presence of a road user is detected on an
overtaking lane usable within the framework of the overtaking manoeuvre from this
environmental information, the road user information describing this road user is
evaluated, wherein if no road user is detected on the overtaking lane the overtaking
opportunity condition is fulfilled only if the necessary driving distance (6) is shorter
by a reduction amount (10) than the length of a section (9) of the stretch detectable
by the environment sensor, wherein the detectable section (9) and/or the length of
the section (9) is/are determined depending on the environmental data, wherein by
evaluating the environmental data, object information of at least one object that
partially covers the stretch for the environment sensor (3) is determined, following
which the detectable section (9) and/or the length of the section (9) are determined
depending on the object information, wherein spatial angles of a detection region
(8) of the environment sensor (9) covered by the object are taken into account.
2. Method according to claim 1,
characterised in that
the reduction amount (10) is predetermined depending on the maximum permissible driving
speed.
3. Method according to any one of the preceding claims,
characterised in that
in the context of the elevation of the overtaking opportunity condition the existence
of a virtual road user (11) is assumed, who at the start of the overtaking manoeuvre
is located outside the detectable stretch section (9) and moves at a predetermined
speed on a predetermined speed profile on the overtaking lane, wherein a virtual road
user trajectory is calculated for the virtual road user (11), following which the
fulfilment of the overtaking opportunity condition and/or the reduction amount (10)
depend on the virtual road user trajectory.
4. Method according to claim 3,
characterised in that
the speed or the speed profile of the virtual road user (11) is chosen depending on
a or the maximum allowable driving speed, in such a way that the virtual road user
(11) moves contrary to the vehicle (2) on the stretch.
5. Method according to any one of the preceding claims,
characterised in that
the overtaking opportunity condition is fulfilled exclusively if a junction condition
is not fulfilled, wherein the junction condition is fulfilled if the environmental
data and/or predetermined map data indicate the presence of a junction and/or a crossing
within the necessary driving distance (6).
6. Method according to any one of the preceding claims,
characterised in that
by means of an object recognition in the environmental data at least one traffic sign
information relating to a traffic sign (7) is determined, wherein the fulfilment of
the overtaking opportunity condition depends on the traffic sign information.
7. Method according to any one of the preceding claims,
characterised in that
the fulfilment of the overtaking opportunity condition depends in addition on a determined
width and/or lane number of the stretch.
8. Method according to any one of the preceding claims,
characterised in that
depending on the fulfilment of the overtaking opportunity condition, a vehicle device
(16) is triggered for outputting information to a driver of the vehicle (2) and/or
for implementing an intervention by the driver.
9. Vehicle with an environment sensor (3) and a control device (4),
characterised in that
it is designed to carry out the method according to any one of the preceding claims.
1. Procédé de vérification d'une condition de possibilité de dépassement, qui est satisfaite
lorsqu'une opération de dépassement d'un véhicule précédant (1) par un véhicule automobile
(2) est supposément possible, dans lequel des données propres concernant la conduite
du véhicule automobile (2) et des données d'environnement concernant une voie à parcourir
fournies par au moins un capteur d'environnement (3) du véhicule automobile sont détectées,
puis des données de véhicule précédant concernant le véhicule précédant (1) sont déterminées
en fonction des données d'environnement, puis une information de dépassement décrivant
un itinéraire requis (6) du véhicule automobile (2) le long de la voie, minimal dans
des conditions limites prédéterminées et nécessaire pour dépasser le véhicule précédant
(1), est déterminée en fonction des données de véhicule précédant et des données propres,
puis la condition de possibilité de dépassement est évaluée en fonction de l'information
de dépassement et, si la présence d'un usager de la route sur le couloir de dépassement
pouvant être utilisé dans le cadre de l'opération de dépassement est déterminée à
partir des données d'environnement, d'une information d'usager de la route décrivant
ledit usager de la route, dans lequel, si aucun usager de la route n'est détecté sur
le couloir de dépassement, la condition de dépassement n'est satisfaite que si l'itinéraire
requis (6) est inférieur d'une valeur de raccourcissement (10) à la longueur d'une
section de voie (9), détectable par le capteur d'environnement, de la voie, dans lequel
la section de voie (9) détectable et/ou la longueur de la section de voie (9) sont
déterminées en fonction des données d'environnement, dans lequel des informations
d'objet d'au moins un objet cachant partiellement la voie au capteur d'environnement
(3) sont déterminées par évaluation des données d'environnement, puis la section de
voie (9) détectable et/ou la longueur de la section de voie (9) sont déterminées en
fonction des informations d'objet, dans lequel des angles solides, occultés par l'objet,
d'une zone de détection (8) du capteur d'environnement (9) sont pris en compte.
2. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce que
la valeur de raccourcissement (10) est prédéfinie en fonction d'une vitesse de translation
maximale admissible.
3. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
dans le cadre de l'évaluation de la condition de possibilité de dépassement, l'existence
d'un usager de la route virtuel (11) qui se trouve au début de l'opération de dépassement
en dehors de la section de voie (9) détectable et qui se déplace à une vitesse prédéfinie
ou à une allure prédéfinie sur le couloir de dépassement est supposée, dans lequel
une trajectoire d'usager de la route virtuel est calculée pour l'usager de la route
virtuel (11), puis la satisfaction de la condition de possibilité de dépassement et/ou
la valeur de raccourcissement (10) dépendent de la trajectoire d'usager de la route
virtuel.
4. Procédé selon la revendication 3,
caractérisé en ce que
la vitesse ou le profil de vitesse de l'usager de la route virtuel (11) est choisi(e)
en fonction d'une, ou de la, vitesse de translation maximale admissible de telle manière
que l'usager de la route virtuel (11) se déplace à l'opposé du véhicule automobile
(2) sur la voie.
5. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
la condition de possibilité de dépassement n'est satisfaite qu'en cas de non-satisfaction
d'une condition d'intersection, dans lequel la condition d'intersection est satisfaite
si les données d'environnement et/ou des données cartographiques prédéfinies indiquent
la présence d'une intersection et/ou d'un croisement au sein de l'itinéraire requis
(6).
6. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
au moins une information de panneau de signalisation concernant un panneau de signalisation
(7) est déterminée grâce à une reconnaissance d'objet dans les données d'environnement,
dans lequel la satisfaction de la condition de possibilité de dépassement dépend de
l'information de panneau de signalisation.
7. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
la satisfaction de la condition de possibilité de dépassement dépend en outre d'une
largeur déterminée et/ou d'un nombre de couloirs déterminé de la voie.
8. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
un dispositif de véhicule (16) destiné à transmettre une indication de conduite à
un conducteur du véhicule automobile (2) et/ou à mettre en œuvre une intervention
de conduite est activé en fonction de la satisfaction de la condition de possibilité
de dépassement.
9. Véhicule automobile avec un capteur d'environnement (3) et un dispositif de commande
(4),
caractérisé en ce que
il est conçu pour mettre en œuvre le procédé selon l'une quelconque des revendications
précédentes.