[0001] Die Erfindung betrifft eine Werkzeug-Klemmvorrichtung für eine Werkzeugmaschine,
eine Werkzeugmaschine mit mindestens einer Werkzeug-Klemmvorrichtung und ein System
aus einer Werkzeugmaschine, mindestens einer Werkzeug-Klemmvorrichtung und mindestens
einem Werkzeug. Insbesondere betrifft die Erfindung die Klemmung der Werkzeuge mittels
eines druckbeaufschlagbaren, flachen Aktuators, wie zum Beispiel einer Membran.
[0002] Eine Werkzeugmaschine dient zur Herstellung und Bearbeitung von Werkstücken unter
Verwendung von Werkzeugen und kann auch als Bearbeitungsmaschine bezeichnet werden.
Als Werkzeugmaschinen werden hier beispielsweise Metall- oder Blechbearbeitungsmaschinen,
insbesondere Biegemaschinen oder Pressen wie Abkantpressen angesehen. Die auswechselbaren
Werkzeuge werden üblicherweise durch eine Klemmung in einer Werkzeugaufnahme fixiert.
[0003] US 2011/0247389 A1 offenbart eine Werkzeugklemmung mit einem mechanischen Übertragungselement, wie einem
Hebel oder einem Gestänge. Das Übertragungselement kann elektrisch, pneumatisch, hydraulisch
oder mit einem Magnet betätigt sein. Die Konstruktion ist mechanisch aufwändig.
[0004] US 2004/0187552 A1 offenbart eine Werkzeugklemmung mittels eines Balgs bzw. eines Schlauches, der längs
zum Werkzeug verläuft. Wird der Schlauch unter Druck gesetzt, dehnt er sich aus und
klemmt dabei mit Hilfe von Keilen das Werkezeug fest. Diese Lösung hat den Nachteil,
dass bei einer Leckage der die ganze Schlaucheinheit inclusive der Anschlüsse getauscht
werden muss. Die Schlauchlösung ist aufwändig und kostenintensiv.
[0005] Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, die Nachteile des Standes der Technik
zu vermeiden und eine verbesserte Befestigungsvorrichtung bereitzustellen.
[0006] Diese Aufgabe wird gelöst durch eine Werkzeug-Klemmvorrichtung gemäß Anspruch 1,
eine Werkzeugmaschine gemäß Anspruch 14 beziehungsweise ein System gemäß Anspruch
15.
[0007] Die erfindungsgemäße Werkzeug-Klemmvorrichtung für eine Werkzeugmaschine, eingerichtet
zur klemmenden Fixierung eines Werkzeugs, mit einer auf ein Werkzeug gerichteten Klemmrichtung,
umfasst einen im Wesentlichen senkrecht zu der Klemmrichtung verlaufenden Fluidraum
mit mindestens einer Öffnung in Klemmrichtung, mindestens einen druckbeaufschlagbaren,
flachen Aktuator, welcher die mindestens eine Öffnung abdichtend verschließt, und
ein in Klemmrichtung vor dem Aktuator angeordnetes und in Klemmrichtung bewegliches
Klemmelement, das durch den Aktuator betätigbar ist.
[0008] Die erfindungsgemäße Werkzeug-Klemmvorrichtung schlägt eine Trennung der Fluidführung,
das heißt des Fluidraumes, von der eigentlichen Bewegung des Aktuators vor. So ist
einerseits ein Fluidraum mit Öffnungen und andererseits sind die Öffnungen verschließende
Aktuatoren vorgesehen. Diese zweiteilige Lösung ermöglicht einen einfachen Aufbau
und einen einzelnen Austausch eines Aktuators, wie zum Beispiel einer Membran. So
kann eine hohe Druckkraft bei geringen Bauräumen und niedrigen Kosten zur Verfügung
gestellt werden. Der Aktuator ist flach, das heißt er hat eine ebene oder im Wesentlichen
ebene, zum Beispiel gewölbte, Form oder Oberfläche.
[0009] Es kann vorgesehen sein, dass der Aktuator als Membran, insbesondere als gewebeverstärkte
Membran, ausgebildet ist. Der Aufbau der Membran kann mehrschichtig zum Beispiel mit
Kautschuk und Gewebeeinlagen ausgebildet sein, so das hohe Drücke aufgenommen werden
können. Eine Membran erlaubt eine dünne Bauweise und einen einfache mechanischen Aufbau,
da eine Membran viele bewegliche Teile ersetzt.
[0010] Es kann ferner vorgesehen sein, dass der Fluidraum und eine Führung für das Klemmelement
in einem Grundkörper angeordnet sind. Dies erlaubt eine einfache Herstellung mit runden
Bohrungen für die Klemmelemente bzw. Kolben und mit geraden Absätzen oder Ausnehmungen
für den Fluidraum.
[0011] Es kann vorgesehen sein, dass ein mit dem Fluidraum kommunizierender Fluidanschluss
an dem Grundkörper angeordnet ist. Die Trennung des Fluidanschlusses von dem Aktuator
bzw. der Membran erlaubt einen einfachen Aufbau und erleichtert das Auswechseln des
Aktuators bzw. der Membran.
[0012] Es kann ferner vorgesehen sein, dass das Klemmelement einen oder mehrere durch den
Aktuator betätigbare Kolben und einen oder mehrere in Klemmrichtung vor dem Kolben
angeordnete Keile aufweist. Vorteilhafterweise betätigen mehrere in einer Längsrichtung
beabstandet angeordnete Kolben einen längsverlaufenden Keil bzw. einen Träger mit
längsverlaufendem Keil. Es kann ein modularer Aufbau aus einzelnen Segmenten, die
beliebig aneinandergereiht werden können, vorgesehen sein. Die mehreren Kolben bzw.
Klemmelemente können durch mehrere, jeweils einem Kolben direkt zugeordnete Aktuatoren
bzw. Membranen oder einen einzelnen Aktuator bzw. Membran gemeinsam betätigt werden.
Bei der Zuordnung eines einzelnen Aktuators bzw. einer einzelnen Membran je Kolben
kann im Falle einer Undichtigkeit an einem Aktuator bzw. einer Membran ein Werkzeug
über die vorhandenen weiteren Aktuatoren-/Membranen-Klemmelementpaare festgelegt werden.
Ferner ist die Reparatur/Beseitigung einer solchen Undichtigkeit, z.B. aufgrund eines/einer
beschädigten Aktuators/Membran mit nur geringem Aufwand verbunden, da lediglich der/die
eine defekte Aktuator/Membran ausgetauscht werden muss.
[0013] Es kann vorgesehen sein, dass der Aktuator als runde Tellermembran ausgebildet ist.
Die einzelnen Tellermembranen haben den Vorteil, dass sie bei einem Druckverlust oder
einer Leckage einzeln ausgetauscht werden können. Zudem sind Anwendungsfälle möglich,
bei denen die Aktuatoren einzeln betätigbar sind, was dann separate Fluidzuführungen
erfordert. Durch die Ausbildung des oder der Aktuatoren als Tellermembran kann der
Hub des/der Aktuatoren auf einfache Weise erhöht werden. Ebenso ist es möglich, Aktuatoren
mit unterschiedlichen Hüben einzusetzen, so dass in Längsrichtung ein individuelles
Hubprofil eingestellt werden kann.
[0014] Es kann ferner vorgesehen sein, dass die Tellermembran derart in Klemmrichtung beabstandet
zu der Öffnung angeordnet ist, dass sie in Klemmrichtung und in entgegengesetzter
Richtung auslenken kann. So kann der Hub verdoppelt werden, da die Tellermembran von
einer mittigen Ruhestellung in beide Richtungen schwingen kann. Die Membran kann aus
einem dehnbaren Material bestehen, das sich in beide Richtungen dehnt. Alternativ
oder ergänzend kann die Membran gewissermaßen mit einem Materialüberschuss ausgestattet
sein, so dass der Materialüberschuss sich in beide Richtungen wölbt. Materialüberschuss
bedeutet hier, dass die Erstreckung der Membran, hier der Durchmesser der runden Tellermembran,
größer ist als die Erstreckung bzw. der Durchmesser der Befestigung der Membran.
[0015] Es kann vorgesehen sein, dass eine der Klemmrichtung entgegengesetzte Rückseite des
Klemmelements, eine Befestigung der Tellermembran und/oder ein Grundkörper der Werkzeug-Klemmvorrichtung,
welche in Kontakt mit der Tellermembran gelangen, einem Wölbungsprofil der ausgelenkten
Tellermembran nachgebildet sind. Auf diese Weise legt sich die ausgelenkte Membran
an die Wölbungen an und störende Kanten werden vermieden. Dies erhöht die Sicherheit
und verlängert die Lebensdauer der Membran.
[0016] Es kann vorgesehen sein, dass in dem Fluidraum mehrere Öffnungen angeordnet sind
und dass an jeder Öffnung eine Tellermembran und ein Klemmelement angeordnet sind.
Alternativ kann ein gemeinsames Klemmelement im Bereich von allen oder einigen Öffnungen
bzw. Tellermembranen vorgesehen sein.
[0017] Es kann vorgesehen sein, dass der Aktuator als Bandmembran ausgebildet ist. Eine
Band- oder Flachmembran ist kostengünstig in der Herstellung und aufgrund der rechteckigen
Form und der Größe einfach zu fixieren.
[0018] Es kann ferner vorgesehen sein, dass die Bandmembran derart an einer in Klemmrichtung
vorderen Seite eines Grundkörpers der Werkzeug-Klemmvorrichtung angeordnet ist, dass
sie nur in Klemmrichtung auslenken kann. Dies erlaubt eine flache Konstruktion mit
geringen Abmessungen, jedoch reduziert sich damit der verfügbare Hub.
[0019] Es kann vorgesehen sein, dass ein Grundkörper der Werkzeug-Klemmvorrichtung ein in
Klemmrichtung hinteren Teil mit dem Fluidraum und einen vorderen Teil zur Führung
des oder der Klemmelemente aufweist und dass die Bandmembran zwischen den beiden Teilen
befestigt ist.
[0020] Es kann vorgesehen sein, dass für das Klemmelement mindestens eine Rückstellfeder
vorgesehen ist, die entgegen der Klemmrichtung auf das Klemmelement einwirkt. Auf
diese Weise ist sichergestellt, dass das Klemmelement nach erfolgter Bewegung durch
den Aktuator bzw. die Membran und nach Druckwegnahme wieder zurück bewegt. Vorzugsweise
sind zwei Rückstellfedern pro Klemmelement vorgesehen.
[0021] Eine erfindungsgemäße Werkzeugmaschine, insbesondere eine Biegemaschine, Presse oder
eine Abkantpresse, mit einer Aufnahme für ein Werkzeug, umfasst mindestens eine Werkzeug-Klemmvorrichtung
wie zuvor beschrieben, insbesondere als Klemmvorrichtung für ein Oberwerkzeug, und/oder
mindestens eine Werkzeug-Klemmvorrichtung wie zuvor beschrieben, insbesondere als
Klemmvorrichtung für ein Unterwerkzeug. Die beiden zuvor beschriebenen Varianten der
Membranklemmung, nämlich die Tellermembran-Variante und die Bandmembran-Variante,
können einzeln und gemischt sowie jeweils für das Oberwerkzeug und das Unterwerkzeug
eingesetzt werden. Da die Bandmembran-Variante eine geringere Bautiefe aufweisen kann,
kann sie bevorzugt für eng bemessende Einbaulagen wie zum Beispiel für Unterwerkzeuge
eingesetzt werden. Ansonsten gelten die gleichen Vorteile und Modifikationen wie zuvor
beschrieben.
[0022] Das erfindungsgemäße System umfasst eine Werkzeugmaschine wie zuvor beschrieben,
mindestens eine Werkzeug-Klemmvorrichtung wie zuvor beschrieben und mindestens ein
Werkzeug, insbesondere ein Abkantwerkzeug. Es gelten die gleichen Vorteile und Modifikationen
wie zuvor beschrieben.
[0023] Weitere bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den übrigen, in
den Unteransprüchen genannten Merkmalen.
[0024] Die verschiedenen in dieser Anmeldung genannten Ausführungsformen der Erfindung sind,
sofern im Einzelfall nicht anders ausgeführt, mit Vorteil miteinander kombinierbar.
[0025] Die Erfindung wird nachfolgend in Ausführungsbeispielen anhand der zugehörigen Zeichnungen
erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine schematische perspektivische Darstellung einer Werkzeugmaschine;
- Figur 2
- eine seitliche Schnittdarstellung eines ersten Beispiels einer Werkzeug-Klemmvorrichtung
in geöffneter Position;
- Figur 3
- eine seitliche Schnittdarstellung des ersten Beispiels der Werkzeug-Klemmvorrichtung
in geschlossener Position;
- Figur 4
- eine schematische perspektivische Darstellung des Hinterteils der Werkzeug-Klemmvorrichtung
des ersten Beispiels;
- Figur 5
- eine seitliche Schnittdarstellung eines zweiten Beispiels einer Werkzeug-Klemmvorrichtung
in geöffneter Position;
- Figur 6
- eine seitliche Schnittdarstellung des zweiten Beispiels der Werkzeug-Klemmvorrichtung
in geschlossener Position, und
- Figur 7
- eine schematische perspektivische Darstellung eines Grundkörpers des zweiten Beispiels
der Werkzeug-Klemmvorrichtung.
[0026] Figur 1 zeigt eine perspektivische Darstellung einer Werkzeugmaschine 10. Eine Werkzeugmaschine
10 dient zur Herstellung und Bearbeitung von Werkstücken unter Verwendung von Werkzeugen.
Als Werkzeugmaschinen werden hier beispielsweise Metall- oder Blechbearbeitungsmaschinen,
insbesondere Biegemaschinen oder Pressen wie Abkantpressen angesehen.
[0027] Bei einer Abkantpresse presst ein Biegestempel oder ein Oberwerkzeug 20 ein Blech
in eine Matrize oder ein Unterwerkzeug 30, welches den Biegewinkel bestimmt. In der
Darstellung von Figur 1 kann das Bezugszeichen 30 auch eine Unterwerkzeugklemmung
ohne Werkzeug bezeichnen. Meist hat das Unterwerkzeug 30 eine V-förmige Öffnung und
das Oberwerkzeug 20 einen Keil oder eine Spitze. Zwischen den beiden Werkzeugen 20
und 30 wird ein Blech oder ein oft kegelförmiges Werkstück platziert. Senkt sich der
Biegestempel mit einer bestimmten Kraft, wird das Werkstück in die Öffnung des Unterwerkzeugs
30 gepresst und auf den erforderlichen Winkel gebogen.
[0028] Figur 2 zeigt eine seitliche Schnittdarstellung einer Werkzeug-Klemmvorrichtung 200
in geöffneter Position, die zur klemmenden Befestigung eines Werkzeugs, hier eines
Oberwerkzeugs 20, dient. Die Werkzeug-Klemmvorrichtung 200 kann auch ein Unterwerkzeug
halten. Während der geöffneten Position kann das Werkzeug 20 gewechselt werden, das
heißt ein Werkzeug 20 kann eingelegt oder entnommen werden.
[0029] Die Werkzeug-Klemmvorrichtung 200 umfasst einen längsverlaufenden, in der Darstellung
von Figur 2 in die Bildebene hinein, Grundkörper 202, dessen Länge etwa der Breite
der Werkzeugmaschine 10 entspricht. An dem Grundkörper 202 wird die Werkzeug-Klemmvorrichtung
200 in der Werkzeugmaschine 10 befestigt.
[0030] In dem Grundkörper 202 ist ein Aufnahmeraum 204 für das Werkzeug 20 vorgesehen. Mittels
einer Feder 206 kann das Werkzeug 20 auch im geöffneten Zustand der Werkzeug-Klemmvorrichtung
200 gegen Herausfallen gesichert werden, entsprechend kann das Werkzeug 20 mit Hilfe
der Feder 206 sicher eingehängt werden.
[0031] Ein Klemmkeil 208, der in eine entsprechende Ausnehmung des Werkzeugs 20 eingreifen
kann, ist an einer Trägerplatte 210 befestigt. Die Trägerplatte 210 ist von mehreren
Kolben 212, von denen einer dargestellt ist, in einer Klemmrichtung K bewegbar. Es
ist möglich, den Klemmkeil 208 direkt, das heißt ohne Trägerplatte 210, an die Kolben
212 anzusetzen. Der federbelastete Klemmkeil 208 dient als Ausgleichselement für Werkzeugtoleranzen
sowie zum Klemmen und nach oben Ziehen des Werkzeugs 20 an den Grundkörper 202. Ein
derartiges Klemmelement kann neben dem Klemmkeil 208 auch die Trägerplatte 210 und
die Kolben 212 umfassen.
[0032] Der Kolben 212 befindet sich in einer Führung 214. Die Führung 214 ist als rundes
Loch in dem Grundkörper ausgebildet und kann zum Beispiel eine in dem Loch befindliche
Lauf- oder Führungsbuchse umfassen. Der Querschnitt der Führung 214 korrespondiert
zu dem Querschnitt des Kolbens 212 und kann anstatt dem hier dargestellten runden
Querschnitt einen anderen Querschnitt aufweisen.
[0033] Weiter ist ein im Wesentlichen senkrecht zu der Klemmrichtung K verlaufender Fluidraum
216 mit mindestens einer Öffnung 218 in Klemmrichtung K vorgesehen. Der Fluidraum
216 dient zur Führung eines Fluids wie Druckluft oder Hydrauliköl. Der Fluidraum 216
erstreckt sich in Längsrichtung und es sind voneinander beabstandet mehrere Öffnungen
218 vorgesehen, wobei im Bereich jeder Öffnung 218 ein Kolben 212 vorgesehen ist.
[0034] Die Öffnung 218 ist mit einem druckbeaufschlagbaren, flachen Aktuator in Form einer
Membran 220 abdichtend verschlossen. Die Membran 220 kann gewebeverstärkt und mehrlagig
aufgebaut sein. In diesem Beispiel ist die Membran 220 als runde Tellermembran ausgebildet.
Dies bedeutet, dass für jede Öffnung 218 und damit für jeden Kolben 212 eine eigene
Membran 220 vorgesehen bzw. zugeordnet ist.
[0035] Die Öffnung 218 hat einen Querschnitt oder Durchmesser, der etwas größer ist als
eine der Klemmrichtung K entgegengesetzte Rückseite 222 des Kolbens 212. Dies bedeutet,
dass auch der Fluidraum 216 einen mindestens ebenso großen Querschnitt hat. Auf diese
Weise kann die Membran 220 gleichmäßig mit dem Fluid beaufschlagt und bewegt werden.
Alternativ kann eine kleinere Öffnung bzw. ein kleinerer Fluidraum vorgesehen sein,
die dann mittig mit dem Kolben 212 ausgerichtet ist.
[0036] Die Membran 220 ist mit einem Befestigungsblech oder -ring 224 derart in Klemmrichtung
K beabstandet zu der Öffnung 218 angeordnet, dass sie in Klemmrichtung K und in entgegengesetzter
Richtung auslenken kann. Das heißt, dass sich die Membran 220 in der hier dargestellten
geöffneten Position in dem Fluidraum 216 befindet, so dass der Kolben 212 um einen
Spalt S von dem Werkzeug 20 beabstandet ist. Damit sich die Membran 220 in den Fluidraum
216 bewegen kann, ist sie beabstandet zu der Öffnung 218 angeordnet und/oder der Fluidraum
216 hat eine entsprechend Tiefe.
[0037] Die Membran 220 ist in einem festen Gehäuse verbaut, so dass sie in eine oder wie
dargestellt in beide Richtungen ausschwingen kann. Somit liegen zwei getrennte Räume
vor, welche durch die Membran 220 getrennt sind. So kann aufgrund der Membran 220
kein Fluid hindurch strömen. Der Kolben 212 mit seiner Rückseite 222 und der kolbenseitige
Raum mit dem Befestigungsring 224 sind so gestaltet, dass sich die Membran 220 bei
ihrer Ausdehnung ohne Behinderungen wie scharfe Kanten hinein legen kann, um ein unbegrenztes
Ausdehnen und damit Bersten der Membran 220 bei hohen Drücken zu verhindern.
[0038] Wird nun der Fluidraum 216 mit Fluiddruck beaufschlagt, schwingt die Membran 220
aus, drückt den Kolben 212 in Klemmrichtung K vor sich her und kann sich sauber in
den anderen Raum und an den Kolben 212 anlegen. Sobald der Kolben 212 auf eine mechanische
Begrenzung auffährt wird der Hub beendet. Der Hub wird hierbei auf die Vorgaben der
Membran begrenzt. Tellermembranen erreichen üblicherweise Hübe von 0,3 x Wirkdurchmesser,
so dass mit einem Wirkdurchmesser von 30mm ein Hub von 9mm erzielt werden kann.
[0039] Figur 3 zeigt nun die Werkzeug-Klemmvorrichtung 200 in geschlossener Position, das
heißt mit fluidgefülltem Fluidraum 216, damit druckbeaufschlagter und vorgewölbter
Membran 220 und durch die Membran herausgedrücktem Kolben 212. Entsprechend ist das
Werkzeug 20 zwischen der Trägerplatte 210 und einer Gegenfläche 226 unter Eingriff
des Klemmkeils 208 fixiert. Der Spalt S ist nun geschlossen, das heißt seine Breite
beträgt Null.
[0040] Somit ist die Werkzeugmaschine 10 betriebsbereit. Für einen erneuten Werkzeugwechsel
wird der Fluidraum drucklos gesetzt, so dass sich die Kolben 212 wieder zurückbewegen
und das Werkzeug 20 freigeben kann. Dies kann durch eine oder mehrere Federn unterstützt
werden.
[0041] Figur 4 zeigt eine schematische perspektivische Darstellung eines Hinterteils 228
der Werkzeug-Klemmvorrichtung 200.
[0042] In dem Grundkörper 202 werden zum Beispiel alle 60mm Kolben 212 mit einem Durchmesser
von 20mm angeordnet. Diese Kolben 212 drücken den Klemmkeil 208, der das Werkzeug
während des Klemmvorganges nach oben zieht, fest gegen die Gegenseite der Nut im Grundkörper.
Der Klemmkeil 208 fungiert dabei wie eine Feder und gewährleistet eine feste Klemmung
auch schmaler Werkzeuge zwischen den Kolbendruckstellen. Die Kolben 212 bekommen ihre
Druckkraft jeweils durch die druckbeaufschlagte Tellermembran 220. Diese wird durch
ein Blech gehalten, welches die Wölbung der Membran 220 auch in den Fluidraum 216
erlaubt. Bei Fluiddruck wölbt sich die Membran 220 in die andere Richtung, das heißt
in Klemmrichtung, und drückt gegen den Kolben 212. Das Hinterteil 228 dient zum Auffangen
der Gegenkräfte und zur Fluidführung. Bei dem vorgesehenen Kolbendurchmesser von zum
Beispiel 20 bis 30 mm und einem Druck von etwa 35 bar werden in diesem Beispiel pro
Meter ca. 29000 N Klemmkraft erreicht.
[0043] Von Vorteil sind der relativ geringe Druckbereich, eine mögliche modulare Bauweise
(Klemmung kann an flacher Oberwange verbaut werden) und es sind nur wenige Bauteile
notwendig.
[0044] Ein Druck- oder Fluidanschluss 230 ist an dem Hinterteil 228 angeordnet und somit
von den Membranen 220 getrennt, was einen einfachen Austausch sowohl der Membranen
220 als auch des Fluidanschlusses 230 ermöglicht. Es sind Rückstellfedern 232 vorgesehen,
die entgegen der Klemmrichtung auf das Klemmelement einwirken. Bei aufgebautem Fluiddruck
sind die Rückstellfedern 232 gegen einen Bereich des Grundkörpers gedrückt. Bei abgebautem
Fluiddruck drücken sich die Rückstellfedern 232 von dem Bereich ab und damit die Kolben
212 wieder zurück, so dass das Werkzeug 20 freigegeben wird.
[0045] Figur 5 zeigt eine seitliche Schnittdarstellung eines zweiten Beispiels einer Werkzeug-Klemmvorrichtung
500 in geöffneter Position. Ein Tisch-Grundkörper 502 trägt einen Grundkörper 504
der Werkzeug-Klemmvorrichtung 500. In dem längsverlaufenden Grundkörper 504 ist ein
längsverlaufender Fluidraum 506 zum Beispiel in Form einer länglichen Ausnehmung vorgesehen.
[0046] An einer in Klemmrichtung K liegenden Vorderseite ist ein Aktuator zum Beispiel in
Form einer Membran 508 angeordnet, welche die gesamte Vorderseite bedeckt. Die Membran
508 deckt Öffnungen 510 des Fluidraums 506 dichtend ab. In Klemmrichtung K sind vor
der Membran 508 mehrere Klemmelemente zum Beispiel in Form von Kolben 512 angeordnet.
Die Kolben 512 sind in einer Führung 514 beweglich angeordnet und sind, betätigt durch
die Membran 508, in Klemmrichtung K verschiebbar. Die Membran 508 kann sämtliche Öffnungen
510 des Fluidraums 506 abdecken. Es können auch mehrere Module vorgesehen sein, die
aneinander angefügt werden können. Dann kann jedes Modul eine eigene Flach- oder Bandmembran
aufweisen.
[0047] In Figur 5 ist der Fluidraum 506 drucklos, so dass die Membran 508 flach an dem Grundkörper
504 anliegt. Entsprechend ist der Kolben 512 um einen Spalt S von dem Werkzeug 30
beabstandet. Die Werkzeug-Klemmvorrichtung 500 ist hier in Verbindung mit einem Unterwerkzeug
30 dargestellt, sie kann aber auch für ein Oberwerkzeug eingesetzt werden.
[0048] Figur 6 zeigt eine seitliche Schnittdarstellung des zweiten Beispiels der Werkzeug-Klemmvorrichtung
500 in geschlossener Position.
[0049] Nun ist der Fluidraum 506 mit Druck beaufschlagt, so dass die Membran 508 vorgewölbt
ist und damit die Kolben 512 in Klemmrichtung K presst bis er an dem Werkzeug 30,
das einen Anschlag bildet, anliegt. Dadurch wird das Werkzeug 30 zwischen den Kolben
512 und einer Gegenfläche 516 eingeklemmt.
[0050] Aufgrund des geringen benötigten Klemmbereiches kann hier eine einfache Flachmembran
verbaut werden. Solch eine Membran ermöglicht Hübe von 0,1x Wirkdurchmesser, was sich
allerdings auf die Schwingung nach vorne und hinten bezieht. Da die Membran 508 flach
aufliegend verbaut wird, ist nur ein Schwingen in eine Richtung möglich, so dass sich
der mögliche Hub halbiert. Bei einem beispielhaft angenommenen Wirkdurchmesser von
17mm ergibt sich ein Hub von 0,85mm.
[0051] Figur 7 zeigt eine schematische perspektivische Darstellung des Grundkörpers 504
des zweiten Beispiels der Werkzeug-Klemmvorrichtung 500.
[0052] Ein Druck- oder Fluidanschluss 518 ist an dem Grundkörper 504 angeordnet und somit
von den Membranen 508 getrennt, was einen einfachen Austausch sowohl der Membran 508
als auch des Fluidanschlusses 518 ermöglicht. Es sind Rückstellfedern 520 jeweils
mittig im Kolben 512 vorgesehen, die entgegen der Klemmrichtung auf den Tisch-Grundkörper
502 bzw. die Kolben 512 einwirken. Bei aufgebautem Fluiddruck sind die Rückstellfedern
520 gegen einen Bereich des Tisch-Grundkörpers 502 angepresst. Bei abgebautem Fluiddruck
drücken sich die Rückstellfedern 520 von dem Bereich ab und damit die Kolben 512 wieder
zurück, so dass das Werkzeug 30 freigegeben wird.
[0053] Die hier als untere Werkzeugklemmung eingesetzte Werkzeug-Klemmvorrichtung 500 besteht
aus zwei Hälften. Eine Rückseite mit dem Grundkörper 504, in welcher sich die Fluidführung
506 befindet, und eine Vorderseite, welche die Druckkolben 512 aufnimmt. Die Vorderseite
ist stabil ausgeführt, da hier nicht nur geklemmt wird, sondern auch die Werkzeuge
aufliegen.
[0054] Zwischen den beiden Hälften befindet sich die vorzugsweise gewebeverstärkte Band-
oder Flachmembran, welche die Aufgabe der Abdichtung sowie der Druckwirkung auf die
Kolben 512 übernimmt. Pro Kolben ist eine Rückdruckfeder 520 verbaut. Bei einem beispielhaften
Kolbendurchmesser von 16 mm, einem Druck von 35 bar und einem Kolbenabstand von 23
mm ergibt sich eine Kraft von ca. 30000 N pro Meter.
[0055] Die Vorteile bei der Werkzeug-Klemmvorrichtung 500 sind der einfache Aufbau mit wenigen
unterschiedlichen Bauteilen, der geringe Systemdruck von 35 bar und eine Austauschbarkeit
gegenüber bestehenden Systemen, so dass keine Tischänderungen notwendig sind.
[0056] Die Werkzeugmaschine 10, insbesondere eine Presse oder eine Abkantpresse, kann wie
oben beschrieben eine Werkzeug-Klemmvorrichtung 200 für ein Oberwerkzeug 20 und eine
Werkzeug-Klemmvorrichtung 500 für ein Unterwerkzeug 30 aufweisen. Alternativ können
die beiden Werkzeug-Klemmvorrichtung 200 und 500 vertauscht sein oder es können jeweils
zwei Werkzeug-Klemmvorrichtungen 200 bzw. 500 vorgesehen sein.
[0057] Ein System zum Klemmen von Werkzeugen kann eine Werkzeugmaschine 10, mindestens eine
Werkzeug-Klemmvorrichtung 200 bzw. 500 und mindestens ein Werkzeug 20 oder 30, insbesondere
ein Abkantwerkzeug, aufweisen.
[0058] Die hier vorgestellten Werkzeug-Klemmvorrichtungen 200 und 500 beziehungsweise die
Werkzeugmaschine 10 erlauben eine einfache und schnelle Fixierung eines Werkzeugs
mit einer von einem Fluid beaufschlagten Membran.
1. Werkzeug-Klemmvorrichtung für eine Werkzeugmaschine (10), eingerichtet zur klemmenden
Fixierung eines Werkzeugs (20, 30), mit einer auf ein Werkzeug (20, 30) gerichteten
Klemmrichtung (K), mit
einem im Wesentlichen senkrecht zu der Klemmrichtung (K) verlaufenden Fluidraum (216;
506) mit mindestens einer Öffnung in Klemmrichtung (K),
mindestens einem druckbeaufschlagbaren, flachen Aktuator (220; 520), welcher die mindestens
eine Öffnung (218; 510) abdichtend verschließt, und
einem in Klemmrichtung (K) vor dem Aktuator (220; 520) angeordneten und in Klemmrichtung
(K) beweglichen Klemmelement (210; 512), das durch den Aktuator (220; 520) betätigbar
ist.
2. Werkzeug-Klemmvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Aktuator (220; 520) als Membran, insbesondere als gewebeverstärkte Membran, ausgebildet
ist.
3. Werkzeug-Klemmvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Fluidraum (216; 506) und eine Führung für das Klemmelement (210; 512) in einem
Grundkörper (202; 504) angeordnet sind.
4. Werkzeug-Klemmvorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass ein mit dem Fluidraum (216; 506) kommunizierender Fluidanschluss (230; 518) an dem
Grundkörper (228; 504) angeordnet ist.
5. Werkzeug-Klemmvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Klemmelement (210) einen oder mehrere durch den Aktuator (220; 520) betätigbare
Kolben (212; 512) und einen oder mehrere in Klemmrichtung (K) vor dem Kolben (212;
512) angeordnete Keile (208) aufweist.
6. Werkzeug-Klemmvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Aktuator (220) als runde Tellermembran ausgebildet ist.
7. Werkzeug-Klemmvorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Tellermembran derart in Klemmrichtung (K) beabstandet zu der Öffnung (218) angeordnet
ist, dass sie in Klemmrichtung (K) und in entgegengesetzter Richtung auslenken kann.
8. Werkzeug-Klemmvorrichtung nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass eine der Klemmrichtung (K) entgegengesetzte Rückseite (222) des Klemmelements, eine
Befestigung (224) der Tellermembran und/oder ein Grundkörper (202) der Werkzeug-Klemmvorrichtung,
welche in Kontakt mit der Tellermembran gelangen, einem Wölbungsprofil der ausgelenkten
Tellermembran nachgebildet sind.
9. Werkzeug-Klemmvorrichtung nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass in dem Fluidraum (216) mehrere Öffnungen (218) angeordnet sind und dass an jeder
Öffnung (218) eine Tellermembran und ein Klemmelement angeordnet sind.
10. Werkzeug-Klemmvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Aktuator (520) als Bandmembran ausgebildet ist.
11. Werkzeug-Klemmvorrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Bandmembran derart an einer in Klemmrichtung (K) vorderen Seite eines Grundkörpers
der Werkzeug-Klemmvorrichtung angeordnet ist, dass sie nur in Klemmrichtung (K) auslenken
kann.
12. Werkzeug-Klemmvorrichtung nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass ein Grundkörper der Werkzeug-Klemmvorrichtung ein in Klemmrichtung (K) hinteren Teil
mit dem Fluidraum (506) und einen vorderen Teil zur Führung des oder der Klemmelemente
aufweist und dass die Bandmembran zwischen den beiden Teilen befestigt ist.
13. Werkzeug-Klemmvorrichtung nach einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass für das Klemmelement mindestens eine Rückstellfeder (232; 520) vorgesehen ist, die
entgegen der Klemmrichtung (K) auf das Klemmelement einwirkt.
14. Werkzeugmaschine, insbesondere eine Presse oder eine Abkantpresse, mit einer Aufnahme
für ein Werkzeug (20, 30), dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine Werkzeug-Klemmvorrichtung (200) nach einem der Ansprüche 6 bis 9,
insbesondere als Klemmvorrichtung für ein Oberwerkzeug (20), und/oder mindestens eine
Werkzeug-Klemmvorrichtung (500) nach einem der Ansprüche 10 bis 13, insbesondere als
Klemmvorrichtung für ein Unterwerkzeug (30), vorgesehen ist.
15. System aus einer Werkzeugmaschine nach Anspruch 13 oder 14, mindestens einer Werkzeug-Klemmvorrichtung
(200, 500) nach einem der Ansprüche 1 bis 13 und mindestens einem Werkzeug (20, 30),
insbesondere einem Abkantwerkzeug.