[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft das Formen und Behandeln von extrudierten Kunstfasern
nach ihrer Verfestigung.
Hintergrund der Erfindung
[0002] Celluose kann in wässrigen Lösungen von Aminoxiden, insbesondere von Lösungen von
N-Methyl-Morpholin-N-oxid (NMMO) gelöst werden, um aus der erhaltenen Spinnlösung
Spinnprodukte, wie zum Beispiel Filamente, Stapelfasern, Folien, etc. herzustellen.
Dies geschieht durch Ausfällen der Extrudate im Wasser oder verdünnten Aminoxidlösungen
nachdem die Extrudate vom Extruder über einen Gasspalt in das Fällbad geführt werden.
Üblicherweise werden Celluloselösungen im Bereich von 4% bis 23% für die Verarbeitung
zu Extrusionsprodukten eingesetzt. Im weiteren Verlauf werden die ausgefällten Extrudate
in Form von Folien- oder Filamentsträngen weiterbefördert, wobei geeignete Walzenabzugswerke
die erforderlichen Streckkräfte (im Gasspalt) aufbringen. Dieses Verfahren wird auch
Lyocellverfahren bzw. die erhalten Cellulosefilamente Lyocellfilamente bezeichnet.
[0003] Die
US 4,416,698 betrifft ein Extrusions- bzw. Spinnverfahren für Cellulose-Lösungen um Cellulose
zu Filamente zu formen. Hierbei wird ein fluides Spinnmaterial - einer Lösung von
Cellulose und NMMO (N-Methylmorpholin-N-oxid) oder anderen tertiären Aminen - durch
Extrusion geformt und in ein Fällbad zur Verfestigung und Ausdehnung gebracht.
[0004] Die
US 4,246,221 und die
DE 2913589 beschreiben Verfahren zur Herstellung von Cellulosefilamenten oder -folien, wobei
die Cellulose in fluider Form verstreckt wird.
[0005] Die
WO 94/28218 A1 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von Cellulosefilamenten, bei dem eine Celluloselösung
über eine Düse zu mehreren Strängen geformt wird. Diese Stränge werden durch einen
Gasumströmten Spalt in ein Fällbad gebracht und kontinuierlich ausgetragen.
[0006] In
CA 2057133 A1 ist ein Verfahren zur Produktion von Cellulosefäden beschrieben, wobei eine Spinnmasse
extrudiert wird und über einen Luftspalt in ein gekühltes NMMO enthaltendes Wasserbad
eingebracht wird.
[0007] Die
WO 03/014432 A1 beschreibt ein Fällbad mit zentraler Fadenabfuhrvorrichtung unterhalb einer Abdeckfolie.
[0008] Die
EP 1 900 860 AI beschreibt ein 2-Schritt Koagulationsbad einer Spinnvorrichtung, wobei die Bäder
unterschiedliche Zusammensetzungen an H
2SO
4 aufweisen können.
[0009] Die
WO 97/33020 A1 betrifft ein Verfahren zur Herstellung cellulosischer Fasern, bei welchem eine Lösung
von Cellulose in einem tertiären Aminoxid durch Spinnlöcher einer Spinndüse extrudiert
wird, die extrudierten Filamente durch einen Luftspalt, ein Fällbad und über eine
Abzugsvorrichtung geführt werden, mit welcher die Filamente verstreckt werden, die
verstreckten Filamente zu cellulosischen Fasern weiterverarbeitet werden, wobei die
verstreckten Filamente während der Weiterverarbeitung einer Zugbeanspruchung in Längsrichtung
von nicht mehr als 5,5 cN/tex ausgesetzt werden.
[0010] Die
DE 10200405 A1 beschreibt eine Lyocellvorrichtung mit Beblasungsvorrichtung im Gasspalt. Erwähnt
wird eine Fällbadvorrichtung, in welcher ein Filamentvorhang in das Fällbad eintaucht,
im Fällbad umgelenkt wird und das Fällbad schräg nach oben zu einer Bündelungsvorrichtung
wieder verlässt. Da auf einen Einzelstrang gebündelt wird, ist bei der Umlenkung eine
starke Bündelung zu erwarten.
[0011] In
WO 02/12600 wird ein Spinnverfahren beschrieben, wobei die maximal wirtschaftliche Spinngeschwindigkeit
aus einem Formelbezug, basierend auf Fasertiter, Spinnloch-Reihenanzahl und einem
variablen Betriebsparameter berechnet werden kann.
[0012] In
WO 02/12599 wird ein Spinnverfahren beschrieben, worin ein Fadenvorhang in einem Koagulationsbad
umgelenkt und daraufhin punktförmig zusammengeführt wird.
[0013] Die
WO 96/20300 beschreibt Umlenkwinkel von Filamenten im Lyocellverfahren gemäß einem Formelbezug.
[0014] Ein Problem der Filamentbeschädigung durch Abzug wird in
WO 2008/019411 A1 aufgegriffen und mithilfe einer im Spinnbad angebrachten mechanischen Abzugsvorrichtung
behandelt, wobei diese Abzugsvorrichtung auch einen Teil der Abzugskräfte im Betrieb
aufbringen soll. Neben der aufwändigen Konstruktion, ist wohl auch die Gefahr nicht
zu unterschätzen, dass sich einzelne sehr feine Filamente in der mechanischen Konstruktion
verfangen und so den Spinnvorgang aber auch die mechanische Vorrichtung in ihrer Funktion
beeinträchtigen können.
[0015] Die
WO 2014/057022 beschreibt serielle Spinnbäder mit unterschiedlichen Medien.
Zusammenfassung der Erfindung
[0016] In bisherigen Lyocellverfahren werden alle Einzelfilamente (Einzelextrudate) die
direkt an der Umlenkvorrichtung (z.B. eine Rundstange) anliegen durch die aus der
Zugkraft des Gesamtbündels resultierenden Normalkräfte gegen die Umlenkvorrichtung
gepresst. Dies kann infolge der auftretenden Reibwiderstände zu Abreissern und Fadenbrüchen
führen. Insbesondere bei starker Bündelung wird die aus der Gesamtabzugskraft sich
ergebende hohe Normalkraft auf nur wenige Einzelfilamente, welche in direktem Kontakt
mit der Umlenkvorrichtung stehen, ausgeübt. Diese wenigen Einzelfilamente können durch
die hohe Reibkraftbelastung stark geschädigt werden, insbesondere bei hohen Abzuggeschwindigkeiten.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Filamente im Koagulationsbad gequollen und eventuell
noch in heißem Zustand sind, womit die mechanische Beanspruchbarkeit niedrig ist.
[0017] Ziel der vorliegenden Erfindung ist, die Reibkraftbelastung jedes einzelnen Filaments
an Umlenkpunkten zu minimieren und so eine höhere Produktivität und höhere Spinngeschwindigkeiten
zu ermöglichen. Eine derartige Reibkraft tritt in Spinnbädern auf, in denen starre
Umlenkvorrichtungen aufgrund des Mediums verwendet werden müssen oder auch Umlenkvorrichtungen
mit angetriebenen oder freidrehenden Walzen, wie z.B. in einem Abzugswerk für die
Filamente.
[0018] Die vorliegende Erfindung bietet dem Anwender eine rechnerische Möglichkeit, sein
System hinsichtlich der auf die Filamente einwirkenden Reibkraftlast zu bewerten und
mit geeigneten Vorkehrungen das System derart einzustellen, damit die Reibkraftlast
an allen in direktem Kontakt mit der Umlenkvorrichtung stehenden Filamenten auf einem
Minimum gehalten werden kann.
[0019] Ein weiteres Ziel der vorliegenden Erfindung ist es, die manuelle Handhabbarkeit
des Filamentvorhanges und Zugänglichkeit zum Umlenkpunkt in der Behandlungszone zwischen
Spinndüse und Abzugswerk zu gewährleisten ohne aufwändige und störungsanfällige Anspinnhilfen
oder Abzugsvorrichtungen einsetzen zu müssen.
[0020] Die Erfindung stellt ein Verfahren zur Herstellung von festen Cellulosefilamenten
aus einem Fluid der Cellulose zur Verfügung, mit Extrudieren des Fluids durch mehrere
Extrusionsöffnungen, wodurch fluide Filamente entstehen, vorzugsweise Passieren der
fluiden Filamente durch einen Gasspalt, und Verfestigen der Filamente in einem Koagulationsbad,
wobei die Filamente im Koagulationsbad gebündelt und als Bündel umgelenkt werden um
über dem Koagulationsbadniveau aus dem Koagulationsbad abgezogen zu werden, wobei
das Bündel der Filamente auf einer Umlenkvorrichtung eine Umlenkbreite L einnimmt,
welche nach der Formel 1:

bestimmt ist, wobei L die Umlenkbreite des Bündels in mm, LZ die Anzahl der Extrusionsöffnungen,
B der Umlenkwinkel berechnet aus 180° abzüglich des Umschlingungswinkels der Filamente
um die Umlenkvorrichtung in Grad, v die Abzugsgeschwindigkeit der Filamente in Meter
pro Sekunde, c
cell die Cellulosekonzentration des extrudierten Fluids in Masse-%, Q eine dimensionslose
Lastzahl ist, wobei Q 15 oder kleiner ist. In Formel 1 hat ">" die Bedeutung von "größer
als", "x" ist ein Muliplikationszeichen und "cos" bedeutet Kosinus.
[0021] Ebenso betrifft die Erfindung eine Vorrichtung geeignet zum Durchführen dieses Verfahrens,
mit einer Extrusionsplatte mit mehreren Extrusionsöffnungen, einem Auffangbehälter
für ein Koagulationsbad, vorzugsweise einem Gasspalt zwischen den Extrusionsöffnungen
und dem Auffangbehälter, einer Umlenkvorrichtung im Auffangbehälter zum Umlenken eines
Filamentbündels aus dem Auffangbehälter, und einer Bündelungsvorrichtung, welche eine
Umlenkbreite L des Filamentbündels auf der Umlenkvorrichtung bedingt, wobei das Filamentbündel
auf der Umlenkvorrichtung eine Umlenkbreite L einnimmt, welche die bereits genannte
Formel 1 erfüllt, wobei L, LZ, B, v, c
cell und Q die oben gegebene Bedeutung haben, Q 15 oder kleiner ist und v mindestens 35
m/min ist, für die die Vorrichtung somit ausgelegt ist.
[0022] Erfindungsgemäß ergeben sich üblicherweise breite Umlenkbreiten L, daher betrifft
die Erfindung auch ein Verfahren zur Herstellung von festen Cellulosefilamenten aus
einem Fluid der Cellulose durch Extrudieren des Fluids durch mehrere Extrusionsöffnungen,
wodurch fluide Filamente entstehen, vorzugsweise Passieren der fluiden Filamente durch
einen Gasspalt, und Verfestigen der Filamente in einem Koagulationsbad, wobei die
Filamente im Koagulationsbad gebündelt und als Bündel umgelenkt werden um über dem
Koagulationsbadniveau aus dem Koagulationsbad abgezogen zu werden, wobei die Extrusionsöffnungen
auf einer Länge LL angeordnet sind und das Bündel der Filamente auf einer Umlenkvorrichtung
eine Umlenkbreite L einnimmt, welche mindestens 70% der Länge LL ist. Sinngemäß betrifft
die Erfindung auch eine Vorrichtung geeignet zum Durchführen dieses Verfahrens, mit
einer Extrusionsplatte mit mehreren Extrusionsöffnungen, einem Auffangbehälter für
ein Koagulationsbad, vorzugsweise einem Gasspalt zwischen den Extrusionsöffnungen
und dem Auffangbehälter, einer Umlenkvorrichtung im Auffangbehälter zum Umlenken eines
Filamentbündels aus dem Auffangbehälter, und einer Bündelungsvorrichtung, welche eine
Umlenkbreite L des Filamentbündels auf der Umlenkvorrichtung bedingt, wobei die Extrusionsöffnungen
auf einer Länge LL angeordnet sind und das Bündel der Filamente auf der Umlenkvorrichtung
eine Umlenkbreite L von mindestens 70% der Länge LL einnimmt.
[0023] Die folgende detaillierte Beschreibung betrifft die Vorrichtungen und Verfahren gleichermaßen,
z.B. bevorzugte Verfahrensmerkmale entsprechen auch Eigenschaften oder Eignungen der
Vorrichtung bzw. ihrer entsprechenden Bestandteile und bevorzugte Vorrichtungsmerkmale
entsprechen auch Mitteln, die im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt werden. Alle
vorzugsweisen Merkmale sind miteinander kombinierbar, es sei denn dies wurde explizit
ausgeschlossen. Alle Verfahrensmerkmale, inklusive die der oben genannten, sind miteinander
kombinierbar. Alle Vorrichtungsmerkmale, inklusive die der oben genannten, sind miteinander
kombinierbar.
Figurenbeschreibung
[0024]
In Fig. 1 wird eine Flüssigkeitsbehandlungszone als Spinntrichter (6) dargestellt.
Fig. 2a zeigt ein Spinnwannensystem, kombiniert mit einer Spinndüse in Rechteckform.
Fig. 2b zeigt ein Spinnwannensystem, kombiniert mit einer Spinndüse in Ringform (5) und gerader
Umlenkvorrichtung (2).
Fig. 2c zeigt ein Spinnwannensystem, kombiniert mit einer Spinndüse in Ringform, wobei die
Umlenkung des ringförmigen Extrudatvorhangs über eine torusförmige Umlenkvorrichtung
mit Umlenkwinkel (B') erfolgt und der umgelenkte Extrudatvorhang entlang der Mittelachse
der Ringdüse vertikal nach oben aus dem Spinnbad geführt wird.
Fig. 3a zeigt ein Wannensystem mit Umlenkung und Bündelung. An der Bündelungsvorrichtung
wird ein Spinnvorhang mit Breite L und Umlenkwinkel B umgelenkt.
Fig. 3b zeigt ein Wannensystem mit zwei Umlenkvorrichtungen, wobei, im Gegensatz zu Fig.
3a, an der zweiten Umlenkung keine Bündelung vorgenommen wird. An der zweiten Umlenkung
wird ein Spinnvorhang mit Breite L und Umlenkwinkel B umgelenkt.
Fig. 4 zeigt eine Umlenkung in einem Abzugswerk, welche mit "M" gekennzeichnete angetriebene
Walzen aufweist, in Aufsicht (links) und in seitlicher Ansicht (rechts). Es können
alle Walzen angetrieben sein (Fig. 4a) oder einige (Fig. 4b). Der Transport der Filamentbündel
wird mit einem Pfeil angezeigt. Die Bündel werden um einen Winkel B (0° bis 150°)
an Walzen umgelenkt. Mit "L" wird die Breite des Filamentbündels an der Walze angezeigt.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
[0025] Die Erfindung betrifft die Umlenkung von Filamentvorhängen oder zumindest einseitig
gebündelten Filamentbündel. Die Umleitung erfolgt im Koagulationsbad um die Filamente
aus dem Bad wieder hinaus zu befördern. Bei der Umlenkung werden die Filamente in
der Normalen zur Umlenkachse zusammengeführt, sodass die Filamente in der ersten Schicht
auf einer Umlenkvorrichtung und in den weiteren Schichten aufeinander aufliegen. Hierdurch
kommt es zur Materialbeanspruchung wie bereits erwähnt, insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten.
Erfindungsgemäß wurde die Umlenkbreite vergrößert um bei beliebigen, auch hohen Geschwindigkeiten
von z.B. 35 m/min oder höher die Filamente abzuziehen.
[0026] Die Filamente werden beim erfindungsgemäßen Umlenken als breites Band geführt. Der
Begriff "Filamentbündel" beinhaltet daher Bänder aus miteinander geführten Filamenten,
welche im Querschnitt eine Breite und Höhe haben, wobei die Breite größer ist als
die Höhe.
[0027] Obige Formel 1 mit Q von 15 oder kleiner betrifft insbesondere das Umlenken im Koagulationsbad,
in dem die Fänden aufgrund der Temperierung und den Quellbedingungen besonders anfällig
für die in der Zusammenfassung genannten Reibungseinflüsse sind. Das Koagulationsbad
ist ein Teil der Behandlungszone der extrudierten Filamente. Im Lyocellverfahren haben
hier die Filamente noch nicht ihre endgültige Struktur und Stabilität erreicht. Die
Struktur und Stabilität verändert sich zunächst durch ein Verstrecken (hauptsächlich
im Gasspalt) und einem Lösungsmittelaustausch (hauptsächlich im Koagulationsbad).
Auch nach Ausfuhr aus dem Koagulationsbad können noch Materialveränderungen auftreten,
sodass der Weg der Filamente/Extrudate zwischen Spinndüsenaustritt und einem Auswaschen
von Lösungsmittel aus den Filamenten/Extrudaten, inklusive einem Abzugswerk, als Behandlungszone
bezeichnet wird. Da die extrudierten Filamente noch nicht ihre endgültige Form haben,
werden sie in der Behandlungszone auch als "Extrudate" bezeichnet. Ein Abzugswerk
ist eine Vorrichtung, welche die erforderlichen Verzugskräfte zur Fadenbildung und
die auftretenden Reibkräfte auf die Filamente/Extrudate während des Transports von
Spinndüse zum Abzugswerk aufbringt. Innerhalb des Koagulationsbades ist aufgrund der
hydrodynamischen Bedingungen die Gefahr von Wicklern bei angetriebenen, bzw. freidrehenden
Umlenkern sehr groß, sodass innerhalb des Koagulationsbads vorzugsweise feststehende
Umlenker zum Einsatz kommen. Außerhalb des Koagulationsbads sollte bei feststehenden
Umlenkern möglichst nur eine geringe Umlenkung erfolgen oder aber freidrehende oder
angetriebene Umlenkvorrichtungen zum Einsatz kommen. Bei freidrehenden bzw. angetriebenen
Umlenkvorrichtungen sind die Filamente/Extrudate geringer für Reibungseffekte anfällig,
sodass auch kleinere Umlenkbreiten L, als nach Formel 1 berechnet, zur Anwendung kommen.
Jedoch wird weiterhin eine gewisse Breite, insbesondere für das Umlenken beim Abzugswerk,
eingehalten, da auch hier Reibungseffekte auftreten. Das Abzugswerk hat die Aufgabe,
in Abhängigkeit vom Lochdurchsatz (pro Extrusionsöffnung) die erforderliche Abzugsgeschwindigkeit
sicherzustellen. Ein Abzugswerk vermittelt die Abzugsgeschwindigkeit auf die Filamente/Extrudate
durch angetriebene oder mehrere Umlenkvorrichtungen, wie Rollen oder Walzen. Hier
wird die Umlenkkraft der Rolle zunächst auf die innen liegenden Filamente/Extrudate
übertragen, welche wiederum die Kraft auf weiter außen liegende Filamente/Extrudate
übertragen. Daher werden die innen liegenden Filamente/Extrudate stärker beansprucht
als die äußeren, eine Ungleichheit die erfindungsgemäß durch Einhalten einer Umlenkbreite
soweit minimiert wird, dass die innen liegenden Filamente/Extrudate nur durch eine
begrenzte Anzahl von außen liegenden Filamenten/Extrudaten überlagert werden womit
ein rascher und effizienter Betrieb bewahrt wird. Extrusionsöffnungen können Bohrungen
oder Löcher in einer Extrusionsplatte sein, sowie Kapillaren. Für alle diese Möglichkeiten
wird die Anzahl der Extrusionsöffnungen auch Lochzahl bezeichnet. Der Abzug kann in
einem Gasraum erfolgen, in den die Filamente nach Ausbringen aus dem Koagulationsbad
eintreten.
[0028] Erfindungsgemäß wird als Umlenkvorrichtung ein Maschinenteil bezeichnet, welches
einen Richtungswechsel von einzelnen Extrudaten, von Extrudatvorhängen oder von Extrudatbündeln
ermöglicht, die Unlenkbreite L des umgelenkten Vorhangs wird dabei durch die Umlenkvorrichtung
vorzugsweise selbst nicht beeinflusst.
[0029] Grundsätzlich können derartige Umlenkungsvorrichtungen als starre Umlenkvorrichtung
oder drehende Umlenkvorrichtung ausgeführt sein. Drehende Umlenkvorrichtungen können
mit oder ohne Antrieb ausgeführt sein. Drehende Umlenkvorrichtungen haben den Vorteil,
dass geringe Reibkräfte zwischen Extrudat und Umlenkvorrichtung entstehen können und
somit eine äußerst schonende Umlenkung erfolgen kann - mit der Ausnahme einer Umlenkung
in einem Abzugswerk bei Übertragung von Kräften von der Umlenkvorrichtung auf die
Filamente/Extrudate. Der Nachteil von drehenden Umlenkvorrichtungen liegt allerdings
darin, dass aufgrund der Klebrigkeit einzelner Extrudate sie an der drehenden Umlenkvorrichtung
haften können, wodurch Wickler, Abreisser und sonstige Störungen entstehen können.
Ebenfalls problematisch ist der Einsatz von drehenden Umlenkvorrichtungen in Flüssigkeiten
(im Koagulationsbad), da aufgrund von hydrodynamischen Wirbeln im Bereich der Umlenkeroberfläche
die Gefahr sehr groß ist, dass einzelne Extrudate durch diese Wirbel am Umfang der
Umlenkvorrichtung mitgerissen werden wodurch Wickler, Abreisser und sonstige Störungen
ausgelöst werden können.
[0030] Für den Einsatz in Spinnbadflüssigkeiten aber auch bei klebrigen, feuchten oder in
sonstiger Weise anhaftenden Extrudatvorhängen oder Bündeln werden starre Umlenkvorrichtungen
zum Beispiel in Form von Stäben, Spulen, Käfigumlenkern oder in sonstiger beliebiger
Form bevorzugt.
[0031] Als Materialien für starre Umlenkvorrichtungen kommen sämtliche Werkstoffe infrage,
welche möglichst geringe Gleitreibungswerte aufweisen. Neben Metallen mit und ohne
Beschichtung ist auch Textilkeramik oder Kunststoff möglich.
[0032] Vorzugsweise wird eine Umlenkvorrichtung im Koagulationsbad verwendet. Möglich sind
auch zwei oder mehrere Umlenkvorrichtungen im Koagulationsbad, wodurch größere Wahlmöglichkeiten
für (größere) Umlenkwinkel B je Umlenkvorrichtung möglich sind. Erfindungsgemäß wird
Formel 1 durch die erste, vorzugsweise auch die zweite oder auch jede Umlenkvorrichtung
im Koagulationsbad erfüllt. "Erste", "zweite" usw. in diesem Sinne betrifft die prozedurale
Nähe zur Extrusion und die Reihenfolge mit der die Filamente/Extrudate die Umlenkvorrichtungen
passieren.
[0033] Auch nach dem Koagulationsbad in der Behandlungszone werden die Filamente/Extrudate
auf einer gewissen Umlenkbreite als Band gehalten, da auch hier, insbesondere in einem
Abzugswerk, Reibungskräfte wirken, die beim Umlenken Schäden verursachen können. Die
Umlenkbreite nach dem Koagulationsbad kann allerdings geringer ausfallen als im Koagulationsbad,
da negative Effekte auf die Filamentstabilität durch Temperatur und Quellung geringer
sein können. Vorzugsweise wird erfindungsgemäß außerhalb des Koagulationsbades mindestens
bei einer Umlenkbreite L
außen, welche L nach Formel 1 (mit Q kleiner gleich 15) geteilt durch 30, vorzugsweise
geteilt durch 20, vorzugsweise geteilt durch 10, insbesondere bevorzugt geteilt durch
5, ist, umgelenkt und/oder das Filamentbündel auf dieser Breite L
außen (auch zwischen dem Umlenken) gehalten - zumindest bis zu einem Abzugswerk und/oder
einer Waschvorrichtung. Alternativ kann L
außen nach Formel 1 berechnet werden, wobei ein höherer Wert für Q eingesetzt werden kann,
nämlich kann Q hier einen Wert bis 300 oder bis 250 einnehmen, z.B. 10-300 oder 40-250.
In einer Waschvorrichtung wird das Filamentbündel üblicherweise noch breiter aufgefächert
um den Waschprozess zu begünstigen. L
außen kann auch mindestens L nach Formel 1 (mit Q bis 15) sein, z.B. im Waschvorgang.
[0034] L
außen (Umlenk- oder Bandbreite außerhalb des Koagulationsbades) kann auch unabhängig von
L nach Formel 1 definiert werden. Vorzugsweise wird L
außen so gewählt, sodass sich bei der gegebenen Abzugsgeschwindigkeit eine Filamentdichte
pro mm Umlenkbreite von maximal 7000 dtex/mm, vorzugsweise von maximal 6000 dtex/mm,
maximal 5000 dtex/mm, insbesondere bevorzugt von maximal 4000 dtex/mm, ergibt.
[0035] Diese Umlenk- oder Bandbreite außerhalb des Koagulationsbades wird L
außen vorzugsweise bei der unmittelbar nächsten Umlenkung nach Austritt der Filamente/Extrudate
aus dem Koagulationsbad eingehalten, da hier die Filamete/Extrudate noch empfindlicher
sind, und/oder im Abzugswerk eingehalten, da hier aufgrund einer Kraftübertragung
die Filamente/Extrudate besonders beeinträchtigt werden. Vorzugsweise werden die Filamentbündel
nach Austritt aus dem Koagulationsbad in der gesamten Behandlungszone oder während
des gesamten Verarbeitungsprozesses der Filamente/Extrudate bis zum Schneiten und/oder
Aufwickeln der Endprodukte stets mindestens auf der Breite L
außen gehalten. Der Verarbeitungsprozess beinhaltet üblicherweise folgende Bereiche: Spinnen
im Koagulationsbad (wie oben), Herausführen aus dem Koagulationsbad, Abziehen über
ein Abzugswerk, Waschen, Trocknen, Aufwickeln und/oder Schneiden der Filamente als
Endprodukte.
[0036] Alternativ oder zusätzlich kann ein Spinnverfahren, inklusive Weiterverarbeitung,
folgende Schritte aufweisen: Extrusion durch eine Spinndüse, Durchleiten der Filamente/Extrudate
durch einen Gasspalt (in dem vorzugsweise ein Gasstrom eingeblasen wird, s.u.) in
ein Koagulationsbad (Fällbad), Umlenken der Filamente/Extrudate im Fällbad, vorzugsweise
durch eine Umlenkvorrichtung gegenüber der Spinndüse angebracht, Herausführen der
koagulierten Filamente/Extrudate aus dem Koagulationsbad, Umlenkung der Filamente/Extrudate
außerhalb des Koagulationsbades und ohne weitere Bündelung mit weiteren koagulierten
Filamenten/Extrudaten, Zuführung der Filamente/Extrudate auf ein Abzugswerk (auch
bezeichnet Abzugsorgan oder Abzugsvorrichtung) und/oder Verstreckvorrichtung, sowie
Weiterführung zu einer Filamentaufnahmeeinheit und/oder Streckwerk, Waschen, Trocknenund
ggf. weitere Schritte je nach Belieben. Die erfindungsgemäße Vorrichtung hat entsprechende
Apparate hierfür. In einer weiteren Ausführgungsform kann das Verfahren folgende Schritte
aufweisen: Extrusion durch eine Spinndüse, Durchleiten der Filamente/Extrudate durch
einen Gasspalt (in dem vorzugsweise ein Gasstrom eingeblasen wird, s.u.) in ein Koagulationsbad,
Umlenkung außerhalb des Koagulationsbades, Bündelung oder Zusammenführen mit weiteren
Filamenten/Extrudaten, Zuführung der Filamente/Extrudate zu einem oder mehreren Abzugswerken,
Waschen, Trocknen und ggf. weitere Schritte, bzw. Apparate hierfür, je nach Belieben.
[0037] Manche Schritte können kombiniert werden: So kann im Abzugswerk gewaschen werden.
In jedem der Schritte können die hierin genannten detailliert beschriebenen bzw. vorzugsweisen
Ausführungsformen Anwendung finden. Ebenso können in einem Abzugswerk angetriebene
Walzen oder Rollen mit nicht angetriebenen kombiniert werden, wie z.B. wie in
CN 105887226 (A) beschrieben. Im Abzugswerk kann auch eine Wärmebehandlung, wie Trocknen, z.B. wie
in
CN 205133803 U_beschrieben, vorgenommen werden. Beim Anlaufen der Verfahrens kann eine Anspinnhilfe,
wie in
CN205258674U_beschrieben, benutzt werden; dies ist allerdings nur zu Hilfe und nicht essentiell
notwendig.
[0038] Weitere Schritte oder Apparate hierfür können vorgesehen werden. So kann z.B. nach
dem Waschen getrocknet werden, bzw. nach der Waschanlage kann ein Trockner vorgesehen
werden, wobei vor dem Trocknen/Trockner ein oder mehrere weitere Behandlungsschritt(e)
wie z. B. der Avivierung der Filamente/Extrudate bzw. eine Avivierungsvorrichtung,
vorgesehen werden kann. Außerdem können auch noch andere Prozessschritte wie Färben,
Vernetzen, Ultraschallbehandlungen vor dem Trocknen durchgeführt werden; bzw. Vorrichtungen
oder Apparate hierfür vorgesehen werden.
[0039] An jeder beliebigen Prozessstelle bis zum Trocknen kann vorzugsweise eine Schneidvorrichtung
(zum Schneiden) oder eine Aufwickelvorrichtung (zum Aufwickeln) dazwischengeschaltet
sein kann um aus den Endlosfilamenten Stapelfasern oder Endlosgarne herzustellen.
[0040] Vorzugsweise wird beim Abzugswerk eine Zugraft auf die Filamente/Extrudate von kleiner
oder gleich 3 cN/dtex, vorzugsweise von kleiner oder gleich 2 cN/dtex oder von kleiner
oder gleich 1,5 cN/dtex, ausgeübt.
[0041] Die Filamentbündel mehrerer Spinnstellen können kombiniert werden zu einem kombinierten
Gesamtbündel. Üblicherweise erfolgt eine derartige Kombination unmittelbar nach oder
bei Austritt aus dem Koagulationsbad, damit die nachgeschalteten Anlagenteile, wie
Abzug oder Waschen, auf das Gesamtbündel angewendet werden können. Die Breite L oder
L
außen wird hierin meist in Bezug auf eine Spinnstelle angegeben und vergrößert sich nach
der Kombination dementsprechend. L
außen kann beispielsweise pro Spinnstelle mindestens 8 mm, z.B. 8 mm bis 100 mm betragen,
vorzugsweise 12 mm bis 70 mm.
[0042] Die Bündelungsvorrichtung bezeichnet ein Maschinenteil, welches die Umlenkbreite
des Extrudatvorhangs aufgrund der geometrischen Form der Bündelungsvorrichtung einengt
und dadurch aus einem ebenen oder schlauchförmigen oder auch runden oder sonstig geformten
Vorhang aus Extrudaten ein Extrudatbündel formt. Optional wird durch die Bündelungsvorrichtung
auch ein Richtungswechsel des geformten Extrudatbündels erzwungen. Somit kann die
Bündelungsvorrichtung auch eine Umlenkvorrichtung sein, für die die erfindungsgemäßen
Regeln und vorzugsweise Ausführungsformen gelten. Bündelungsvorrichtungen können analog
zur Beschreibung der Umlenkvorrichtung starr oder drehend ausgeführt sein. Die gleichen
Materialien können verwendet werden. Für den Einsatz in Spinnbadflüssigkeiten aber
auch bei klebrigen, feuchten oder in sonstiger Weise anhaftenden Extrudatvorhängen
oder -bündeln werden vorzugsweise starre Bündelungsvorrichtungen in Form von Stäben,
Spulen, Käfigumlenkern, Haken, Ösen, U-Führungen oder in sonstiger beliebiger Form
ausgeführte Vorrichtungen verwendet.
[0043] Der Lastfaktor Q ist ein empirisches Maß für die an der Umlenkvorrichtung übereinander
liegenden Filamente. Je niedriger, desto schonender ist das Verfahren. L muss umso
größer ausgewählt werden. Q sollte im Koagulationsbad 15 oder kleiner sein, vorzugswese
ist Q 12 oder kleiner, vorzugsweise 8 oder kleiner oder 5 oder kleiner. Hiermit in
Verbindung ist Q 2 oder größer, vorzugsweise 3 oder größer oder 4 oder 5 oder größer,
insbesondere bevorzugt wobei Q 2 bis 15 oder mehr bevorzugt 4 bis 12 ist. Mögliche
Werte für Q sind 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15 oder jeder Wert dazwischen.
Wie oben erwähnt, kann Q außerhalb des Bades größer sein. Hierbei wird für L das Zeichen
L
außen verwendet mit Q bis zu 300. Wenn nichts anderes angegeben ist, bezieht sich Q auf
ein Umlenken im Koagulationsbad.
[0044] Die Anzahl der Extrusionsöffnungen (auch Lochzahl bezeichnet, abgekürzt "LZ") bestimmt
die Anzahl der Filamente, welche umgelenkt werden müssen. Das erfindungsgemäße Verfahren
ist insbesondere für große, industriell brauchbare Größen ausgelegt. Vorzugsweise
ist die Anzahl der Extrusionsöffnungen LZ 2000 oder mehr, vorzugsweise 5000 oder mehr
oder 10000 oder mehr. Unabhängig hiervon oder in Kombination kann LZ 500000 oder kleiner
sein, vorzugsweise 200000 oder kleiner, 100000 oder kleiner oder 50000 oder kleiner.
Wenn größere Mengen an Produkt und damit eine höhere Anzahl Filamente gleichzeitig
produziert werden sollen, können mehrere erfindungsgemäße Extrusionsvorrichtungen
verwendet werden um mehrere parallele Filamentbündel oder - vorhänge zu produzieren,
ggf. in einem gemeinsamen Koagulationsbad bzw. sogar mit gemeinsamer Umlenkvorrichtung.
Die oben angegebenen Lochzahlen beziehen sich auf ein Bündel oder eine Gruppe von
Filamenten, das zusammen umgelenkt und gebündelt wird.
[0045] Der Umlenkwinkel B ergibt sich aus dem Winkel, der von den zur Umlenkvorrichtung
zugeführten Filamenten und den umgelenkten Filamenten eingeschlossen wird (siehe Figuren).
Durch einen spitzeren Winkel werden stärkere Scher- und Reibungskräfte auf die Filamente
ausgeübt. Je spitzer der Winkel, desto größer muss (bei gleichbleibenden anderen Parametern
der Formel 1) L vergrößert werden. Vorzugsweise ist der Umlenkwinkel B ein Winkel
von 10° bis 90°, vorzugsweise 20° bis 60° oder 25° bis 45°. Wenn nichts anderes angegeben
wird, bezieht sich der Winkel B auf ein Umlenken im Koagulationsbad. Außerhalb, z.B.
in einem Abzugswerk und/oder beim Waschen, kann der Umlenkwinkel 0° bis 150° betragen,
insbesondere jeden Winkel in diesem Bereich, wie z.B. für die Winkel im Koagulationsbad
angegeben wurde.
[0046] Erfindungsgemäß werden durch die großen Umlenkbreiten L hohe Abzugsgeschwindigkeiten
ermöglicht. Die Filamente werden, meist mithilfe eines Abzugswerks, durch das Koagulationsbad
gezogen. Das Abzugswerk selbst ist meist außerhalb des Koagulationsbades, der Umlenkvorrichtung
und ggf. auch der Bündelungsvorrichtung nachgeordnet. Entsprechend der Abzugsgeschwindigkeit
wird eine entsprechende Umlenkbreite L gewählt. Vorzugsweise ist die Abzugsgeschwindigkeit
(an der Umlenkvorrichtung) mindestens 35 m/min. Die Abzugsgeschwindigkeit v kann 36
m/min oder mehr sein, vorzugsweise 40 m/min oder mehr oder 45 m/min oder 50 m/min
oder mehr. Unabhängig hiervon oder in Kombination kann die Abzugsgeschwindigkeit v
200 m/min oder weniger oder 150 m/min oder weniger sein.
[0047] Als Fluid im erfindungsgemäßen Verfahren kommt ein Extrusionsmedium zum Einsatz.
Dieses ist vorzugsweise eine Lösung oder Mischung von Cellulose und anderen Mediumsbestandteilen,
wie Lösungsmitteln. Die Cellulosekonzentration wird in für Lyocellverfahren üblichen
Größen gewählt. So kann die Cellulosekonzentration des extrudierten Fluids c
cell 4% bis 23%, vorzugsweise 6% bis 20%, insbesondere 8% bis 18% oder 10% bis 16%, sein
(alle %-Angaben in Masse-%). Das Extrusionsmedium ist im Lyocellverfahren üblicherweise
eine Celluloselösung oder -schmelze mit NMMO (N-Methylmorpholin-N-oxid) und Wasser,
wie einleitend beschrieben. Andere Lösungen von Cellulose, insbesondere ionische Lösungsmittel
von Zellulose, können ebenso verwendet werden. Ionische Lösungsmittel sind beispielsweise
in
WO 2006/000197 A1 beschrieben und enthalten vorzugsweise organische Kationen, wie z.B. Ammonium-, Pyrimidium-
oder Imidazoliumkationen, vorzugsweise 1 ,3-Dialkyl-imidazoliumhalogenide. Wasser
wird auch hier vorzugsweise als Lösungsmittelzusatz verwendet. Besonders bevorzugt
ist eine Lösung von Cellulose und Butyl-3-methyl-imidazolium (BMIM), z.B. mit Chlorid
als Gegenion (BMIMCl), oder 1-Ethyl-3-methyl-imidazolium (auch vorzugsweise als Chlorid)
und Wasser.
[0048] Der Schritt des Passierens der fluiden Filamente durch einen Gasspalt im erfindungsgemäßen
Verfahren bzw. der Gasspalt in der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist optional, d.h.
kann vorgenommen/vorhanden sein oder nicht. Dieser Schritt/dieses Mittel unterscheidet
zwischen einem Nassspinnen und einem Trocken-Nassspinnen. Beim Nasspinnen werden die
Filamente direkt in das Koagulationsbad eingeführt. Beim Trocken-Nassspinnen ist der
Gasspalt vorhanden und die Filamente passieren ihn zuerst bevor sie in das Koagulationsbad
eingebracht werden.
[0049] Im Gasspalt kann optional (und vorzugsweise wird, insbesondere bei großen, industriell
relevanten Anlagen) ein Gasstrom eingeblasen bzw. in der Vorrichtung ein Gebläse hierfür
vorgesehen. Der eingeblasene Gasstrom hat vorzugsweise eine Temperatur von 5°C bis
65°C hat, vorzugsweise von 10°C bis 40°C. Das Materialfluid kann bei einer Temperatur
von 75°C bis 160°C extrudiert werden. Vorzugsweise weist der Gasspalt eine niedrigere
Temperatur auf als jene des extrudierten Materialfluids. Insbesondere wird ein Gasstrom
im Gasspalt bei einer niedrigeren Temperatur als des extrudierten Materialfluids geführt.
[0050] Mögliche Längen des Gasspalts, also die Distanz zwischen Extrusionsöffnungen und
Koagulationsbad, bzw. Behälter dafür wie eine Wanne, sind vorzugsweise zwischen 10
mm und 200 mm, insbesondere zwischen 15 mm und 100 mm, oder zwischen 20 mm und 80
mm. Vorzugsweise ist er mindestens 15 mm. Das Gas im Gasspalt ist vorzugsweise Luft.
Der Gasstrom ist vorzugsweise ein Luftstrom. Andere Inertgase sind ebenso möglich.
Als Inertgas wird ein Gas bezeichnet, das nicht mit den fluiden Filamenten im Gasspalt
und vorzugsweise auch nicht mit dem Erstarrungsmedium, wie Wasser oder einer verdünnten
NMMO in Wasser Lösung oder anderen Lösungsmittelbestandteilen - je nach verwendetem
Extrusionsmedium -, chemisch reagiert.
[0051] Beim Nassspinnen besteht die Behandlungszone im Wesentlichen aus Flüssigkeitsbehältern,
Flüssigkeitstrichtern oder Flüssigkeitsrinnen. Die aus der Spinndüse austretenden
Extrudate werden direkt zum Fällen und/oder Kühlen in die Spinnbadflüssigkeit eingeleitet.
Die feuchten (gefällten und/oder gekühlten) Extrudate werden durch Waschbäder und/oder
durch einen Gas- bzw. Luftraum dem Abzugswerk zugeführt.
[0052] Beim Trocken-Nassspinnen besteht die Behandlungszone im Wesentlichen aus einem Gas-
bzw. Luftspalt und nachgelagerten Flüssigkeitsbehältern, Flüssigkeitstrichtern oder
Flüssigkeitsrinnen. Die aus den Extrusionsöffnungen austretenden Extrudate durchlaufen
einen Gasspalt und in weiterer Folge ein Koagulationsbad, auch Spinnbad bezeichnet.
Die feuchten (gefällten und/oder gekühlten) Extrudate werden durch ein oder mehrere
Waschbäder und/oder durch einen Gas- bzw. Luftraum dem Abzugswerk zugeführt.
[0053] Beim Nass- bzw. Trocken-Nass-Spinnverfahren treten aufgrund von Verdrängungs- und
Schleppvorgängen zwischen Koagulationsbadflüssigkeit und Extrudaten bei höheren Geschwindigkeiten
Turbulenzen, Wirbel auf. Zusätzlich besteht bei Umlenkstellen mit starren Umlenkungen
auch die Gefahr des Trockenlaufens an den Berührungsstellen zwischen Extrudat und
Umlenker. Die Gefahr des Trockenlaufens wird umso größer je höher die Abzugsgeschwindigkeit
ist und je stärker die Extrudatvorhänge oder Bündel davon an die Umlenkvorrichtung
gepresst werden.
[0054] Vorzugsweise sind die Extrusionsöffnungen in länglicher Form angeordnet um die extrudierten
Filamente in einer Geometrie zu formen, die für eine Umlenkung und Bündelung bei der
Umlenkung günstig ist. Die Längsrichtung der Anordnung der Extrusionsöffnungen entspricht
daher vorzugsweise auch einer Längsrichtung der Umlenkvorrichtung. Diese Längsrichtung
der Umlenkvorrichtung entspricht daher vorzugsweise einer Umlenkachse (bzw. folgt
mehreren Umlenkachsen bei gekrümmten Umlenkvorrichtungen). Mögliche Formen der Anordnung
der Extrusionsöffnungen sind Rechteckform, eine gekrümmte Form, Ring- oder Ringsegmentform.
Die längliche Form kann ein Verhältnis Länge zu Breite von 100:1 bis 2:1, vorzugsweise
von 60:1 bis 5:1 oder von 40:1 bis 10:1 haben.
[0055] Die Extrusionsöffnungen haben vorzugsweise einen Durchmesser von 30 µm bis 200 µm,
vorzugsweise von 50 µm bis 150 µm oder von 60 µm bis 100 µm. Hiermit lassen sich für
Textilien (woven und non-wovens) geeignete Filament erzeugen.
[0056] Vorzugsweise wird der Extrusionsdurchsatz so eingestellt, dass bei der gegebenen
Abzugsgeschwindigkeit sich eine Faserfeinheit der Einzelfasern von 1,3 dtex +/-50%,
vorzugsweise +/-25% oder +/-10%, ergibt. Der Extrusionsdurchsatz kann durch den Druck
der extrudierten Masse, also der Celluloselösung, eingestellt werden. Mögliche Drücke
sind beispielsweise 5 bis 100 bar, vorzugsweise 8 bis 40 bar.
[0057] Besonders bevorzugt, auch im Sinne eines eigenständigen Haupterfindungsmerkmals unabhängig
von Formel 1, ist eine insgesamt breite Umlenkbreite L. In Abhängigkeit von Formel
1 oder unabhängig davon, können die Extrusionsöffnungen auf einer Länge LL angeordnet
sein, wobei gemäß diesem Erfindungskennzeichen die Umlenkbreite L mindestens 70%,
vorzugsweise mindestens 80% oder auch mindestens 90%, der Länge LL ist. Die Umlenkbreite
kann auch gleich der Länge LL oder sogar größer sein, wie z.B. 110% der Länge LL oder
mehr. L
außen ist vorzugsweise mindestens 1%, mindestens 3%, vorzugsweise mindestens 5% oder auch
mindestens 10%, der Länge LL. Zu Bündelungszwecken ist L
außen vorzugsweise maximal 50% der Länge LL. Alle erfindungsgemäßen Verfahrensparameter
und Vorrichtungseinstellungen hierzu sind miteinander kombinierbar. Beispielsweise
ist eine besonders bevorzugte Kombination eine Abzugsgeschwindigkeit v von 40 m/min
bis 150 m/min und eine Lastfaktor Q von 4 bis 13 oder von 5 bis 12. Selbstverständlich
sind alle hierin beschriebenen Werte in diesen Bereichen oder außerhalb ebenfalls
möglich. Beispiele:
Die Flüssigkeitsbehandlungszone beim Trocken-Nass-Spinnverfahren kann verschiedenartig
ausgestaltet sein, einige Varianten werden anhand der Figuren 1, 2a, 2b, 2c, 3a und
3b beschrieben. Versuchsparameter und Ergebnisse sind in Tabelle 1 angegeben:
In Fig. 1 wird eine erste Ausgestaltung der Flüssigkeitsbehandlungszone als Spinntrichter
dargestellt. Bei dieser Variante wird die Spinnbadflüssigkeit über einen Einspeisepunkt
(1) in einen trichterförmigen Behälter (6) zugeführt. Der trichterförmige Behälter
(6) verfügt am unteren Ende über eine Bodenöffnung. Über eine in die Bodenöffnung
eingesetzte Bündelungsvorrichtung (2) wird ein Teil des zugeführten Spinnbades gemeinsam
mit den von oben nach unten durch den Spinntrichter durchgeleiteten Extrudaten (4)
abgeleitet. Über eine Überlaufkante (3) wird der überschüssige Teil des Spinnbads
abgeführt. Die Überlaufkante (3) dient auch zur Einstellung des Luftspaltes (7). Die
aus der Spinndüse (5) austretenden Extrudate werden vertikal nach unten verlaufend
gebündelt und über eine Bündelungsvorrichtung (2) aus dem Spinntrichter ausgeleitet.
Der Querschnitt der Bündelungsvorrichtung (2) kann rund, oval, polygonisch oder schlitzförmig
ausgestaltet sein.
[0058] Aus dem Normalabstand (H) zwischen Düsenaustritt (5) und Bündelungsvorrichtung (2)
sowie den gegebenen geometrischen Verhältnissen der Düse (5) ergibt sich ein Umlenkwinkel
(B). Die Umlenkbreite (L) ist jener Abschnitt der Umlenkvorrichtung an der die Extrudate
tatsächlich anliegen und umgelenkt bzw. gebündelt werden. Bei einer torusförmigen
Bündelungsvorrichtung (2) ergibt sich die Umlenkbreite (L) aus dem Produkt aus Bündelungsdurchmesser
(D) und der Kreiszahl (3,1415...). Der Umlenkwinkel (B) ergibt sich aus den gewählten
geometrischen Verhältnissen. Die minimal erforderliche Umlenkbreite (L) wird mittels
Formel 1 berechnet.
[0059] In Fig. 2a, 2b, 2c, 3a und 3b wird eine Flüssigkeitsbehandlungszone als Spinnwanne
dargestellt. Bei diesen Varianten wird die Spinnbadflüssigkeit (Koagulationsflüssigkeit)
über einen Einspeisepunkt (1) in einen beliebig geformten wannenförmigen Behälter
(8) zugeführt. Über eine Überlaufkante (3) wird die Flüssigkeit wieder aus dem Behälter
abgeführt. Die Überlaufkante (3) dient auch zur Einstellung des Luftspaltes (7). Im
Inneren der Spinnwanne (8) ist eine Umlenkvorrichtung (2) und/oder ggf. eine Bündelungsvorrichtung
angebracht. Die aus der Spinndüse (5) austretenden Extrudate (4) werden vertikal nach
unten in die Wanne (8) eingeleitet. An der in der Spinnbadwanne befindlichen Umlenkvorrichtung
(2) werden die Extrudate (4) umgelenkt, wenn erforderlich auch gebündelt, nach oben
aus dem Spinnbad herausgeleitet und den weiteren Behandlungsschritten zugeführt. Die
Umlenk- bzw. Bündelungsvorrichtung kann im Querschnitt rund, oval, oder polygonisch
ausgestaltet sein. Eine Umlenkvorrichtung kann beispielhaft auch eine aus mehreren
Stäben bestehende Käfig- oder Stabwalze sein, auch eine Umlenkwalze mit quer zur Extrudat-Förderrichtung
angeordneten Rippen ist möglich. Entsprechend einer weiteren Ausführungsform kann
die Umlenkvorrichtung (2) auch in Achsrichtung konkav ausgestaltet sein um neben der
Umlenkung der Extrudate (4) auch eine Bündelung zu einem Extrudatstrang zu bewirken.
Da in der Spinnbadflüssigkeit rotierende Elemente notgedrungen zu Spinnbad-Verwirbelungen
und in weiterer Folge zu Wicklern, Abreissern und sonstige Störungen führen, sind
Umlenkvorrichtungen im Spinnbad generell vorzugsweise als starre Umlenkungsvorrichtungen
ausgestaltet.
[0060] Der Normalabstand (H) zwischen Düsenaustritt (5) und Bündelungsvorrichtung (2) wird
derart eingestellt, dass der Düsenabzugswinkel einen Wert von kleiner 45°, kleiner
30°, kleiner 15° bzw. vorzugsweise kleiner 10° ergibt. Durch diese Maßnahme wird gewährleistet,
dass die Extrudate schonend und mit wenig Umlenkung aus dem Düsenkanal abgezogen werden
können. In Abhängigkeit von Normalabstand (H) und Düsenabzugswinkel stellt sich bei
gegebenen geometrischen Verhältnissen der Umlenkwinkel (B) ein. Die Umlenkbreite (L)
ist jener Längenanteil der Umlenkvorrichtung an der die Extrudate direkt anliegen
und umgelenkt bzw. gebündelt werden, bei einer gekrümmten (konkaven) Umlenkvorrichtung
ist dies demgemäß die gestreckte Länge der durch die Extrudate belegten Kontaktlinie.
Der Umlenkwinkel (B) ergibt sich aus den gewählten geometrischen Verhältnissen. Die
minimale Umlenkbreite (L) wird mittels Formel 1 berechnet.
[0061] Fig. 2a zeigt ein Spinnwannensystem, kombiniert mit einer Anordnung der Extrusionsöffnungen
(am Extruder, Spinndüse) in Rechteckform. Für das Wannensystem mit Rechteckdüse typisch
sind eher kleine Umlenkwinkel (B) mit großer Umlenkbreite (L).
[0062] Fig. 2b zeigt ein Spinnwannensystem, kombiniert mit einer Extrusionsöffnungsanordnung
in Ringform. Im Gegensatz zum System mit Rechteckdüse (Fig. 2a) ergeben sich bei dieser
Ausführungsform Nachteile. Der Düsenabzugswinkel ist gegenüber der Rechteckdüsenausführung
nach Fig. 2a wesentlich größer, wodurch ein schonender Abzug aus dem Düsenkanal nicht
mehr gegeben ist. Insbesondere bei großen Ringdüsendurchmessern ist es daher notwendig,
den Normalabstand (H) zwischen Düse und Umlenkvorrichtung wesentlich zu erhöhen. Da
bei großen Ringdüsen der erforderliche Normalabstand (H) durchaus mehr als 1 Meter
betragen kann, ist die manuelle Zugänglichkeit zur Umlenkvorrichtung schwerer, zudem
wirken sich die starken Reibkräfte zwischen den Extrudaten und dem Koagulationsbad
negativ auf die Gesamtspannung im Filamentbündel aus. Ein weiterer Nachteil der Ausführung
nach Fig. 2b ist das Erfordernis, dass bei einer Ringdüse im Spinnbad nicht nur umgelenkt,
sondern auch gebündelt werden muss um möglichst für alle ringförmig angeordneten Extrudate
gleiche Bedingungen bereitstellen zu können. Für das Wannensystem mit Ringdüse und
zentrischer Bündelung im Spinnbad typisch sind eher kleine Umlenkwinkel (B) mit kleiner
Umlenkbreite (L).
[0063] Fig. 2c zeigt ein Spinnwannensystem, kombiniert mit einer Spinndüse in Ringform,
wobei die Umlenkung des ringförmigen Extrudatvorhangs über eine torusförmige Umlenkvorrichtung
mit Umlenkwinkel (B') erfolgt und der umgelenkte Extrudatvorhang entlang der Mittelachse
der Ringdüse vertikal nach oben aus dem Spinnbad geführt wird. Oberhalb der Ringdüse
und somit außerhalb des Spinnbades kann der Extrudatvorhang in einem vorteilhaft großen
Umlenkwinkel (B") gebündelt werden. Da die Bündelung bzw. Umlenkung außerhalb der
Spinnbadflüssigkeit erfolgt, kann die Bündelung bzw. Umlenkung auch mit freidrehenden
Walzen realisiert werden, wodurch keine Gleitreibung zwischen Extrudatbündel und Umlenkvorrichtung
auftreten kann. Eine weitere Ausführungsform für die Bündelung oberhalb der Ringspinndüse
ist, ähnlich wie beim Spinntrichter, eine torusförmige Bündelungsvorrichtung vorzusehen
und ggf. nachgeschaltet eine freidrehende Umlenkwalze zu installieren. Mit einem System
nach Fig. 2c können viele Nachteile welche ein System nach Fig. 2b aufweist beseitigt
werden. Der Düsenabzugswinkel (A) ist gegenüber der Ringdüsenausführung nach Fig.
2b stark verkleinert, wodurch ein schonender Abzug aus der Düse gegeben ist. Selbst
bei großen Düsen kann der Normalabstand (H) gering gehalten werden, wodurch die manuelle
Zugänglichkeit zur Umlenkvorrichtung ermöglicht ist. Eine Bündelung des Extrudatvorhangs
im Spinnbad wird nicht benötigt. Für das Wannensystem mit Ringdüse und torusförmiger
Umlenkvorrichtung im Spinnbad typisch sind eher kleine Umlenkwinkel (B) mit großer
Umlenkbreite (L).
[0064] Fig. 3a zeigt ein Vergleichsbeispiel in Form eines Spinnwannensystem, kombiniert
mit einer Rechteckdüse, wobei der Extrudatvorhang in der Spinnwanne 2-fach umgelenkt
wird. Der, in Produktionsrichtung gesehen, erste Umlenkvorgang ist analog der Ausführung
nach Fig. 2a gestaltet, die zweite Umlenkung dient zu einer weiteren Richtungsänderung
und zugleich zur Bündelung des Extrudatvorhangs zu einem Extrudatstrang. Für das dargestellte
Umlenksystem mit Bündelung typisch sind eher moderate Umlenkwinkel (B) mit kleiner
Umlenkbreite (L) aufgrund der Bündelung. Durch die starke Bündelung war es notwendig
eine hohe Lastzahl von 20 zu wählen. Das Spinnverhalten stellte sich als nicht zufriedenstellend
dar.
[0065] Fig. 3b zeigt ein Spinnwannensystem wie in Fig. 3a dargestellt, allerdings wurde
die zweite Umlenkung basierend auf einer wesentlich kleineren Lastzahl dimensioniert
(keine oder geringe Bündelung). Durch die größere Länge (L) der Umlenkervorrichtung
konnte im Gegensatz zur Ausführung nach Fig. 3a ein sehr zufriedenstellendes Spinnverhalten
erzielt werden.
[0066] Nach Austritt aus dem Koagulationsbad werden die Bündel über ein Abzugswerk und eine
Waschstelle, welche auch miteinander kombiniert werden kann, zum gemeinsamen Abzug
und Waschen gebracht. Das erste Abzugswerk nach dem Bad vermittelt die Abzugsgeschwindigkeit
der Fäden beim Spinnen. Fig. 4 zeigt ein mögliches Abzugswerk, wobei hier 7 Walzen
schematisch gezeigt werden. Eine beliebige, dem System angepasste, Anzahl an Walzen
kann eingesetzt werden, z.B. 1 bis 60 sind üblich. An den Walzen werden hier die Bündel
bei einem Winkel B von 0° bis 150° umgelenkt. Vorzugsweise wird auch hier die Breite
der Filamentbündel nach Formel 1 eingehalten, wobei Q höher als im Koagulationsbad
sein kann, z.B. 40 bis 300. Es können alle Walzen angetrieben werden oder nur manche
der Walzen. Alle angetriebenen Walzen können gemeinsam angetrieben werden oder separat.
Bei gleichzeitigem Waschen empfiehlt sich eine unterschiedliche Geschwindigkeit, zumindest
der Rotation der Walzenoberfläche, bei gleich großen Walzen auch der Rotationsgeschwindigkeit
der Walzen an sich, da beim Waschen die Filamente Lösungsmittel verlieren und schrumpfen.
Der Schrumpfprozess sollte durch absinkende Geschwindigkeiten abgebildet werden, damit
die Filamente nicht reißen. Nicht angetriebene Walzen können frei drehende Walzen
sein. Bei angetriebenen Walzen entsteht eine Haftreibung zwischen den Filamenten und
der Walze; bei nicht angetriebenen Walzen eine Gleitreibung zwischen Filament und
Walze.

[0067] Zur Herstellung der Celluloselösung wurde alternativ und parallel zur Lyocellmethode
mit NMMO/Wasser als Lösungsmittel eine ionische Lösung hergestellt. Dabei wurde die
eingesetzte Cellulose vom Typ Eukalyptuszellstoff in entsalztem Wasser suspendiert.
Nach vollständiger Suspendierung der Cellulosefasern im Wasser, wurde das überschüssige
Wasser durch Filtration abgetrennt und der erhaltene Zellstoffkuchen auf eine Feststoffkonzentration
von ca. 50% Cellulose abgepresst. Im Anschluss an die Entwässerung wurde der Zellstoffkuchen
zur Zerfaserung über eine Nadelwalze und Shredder geführt. Die erhaltene, feinzerfaserte
feuchte Cellulose wurde im kontinuierlichen Ablauf in die wässrige ionische Flüssigkeit
1-N-Butyl-3-methylimidazolium-chlorid (BMIMCl), eingetragen, um den Pre-Mix zu erzeugen.
Ringschichtmischer und/ oder Turbulentmischer sind hierfür die geeigneten Apparate.
[0068] Das Gemisch aus Wasser, Cellulose und BMIMCl wurde im weiteren Prozessablauf, zur
Herstellung der Celluloselösung, in einen kontinuierlich arbeitenden vertikalen Kneter
vom Typ Reactotherm der Firma Buss-SMS-Canzler GmbH eingetragen. Ähnliche Geräte der
Knet- und Reaktortechnologie sowie alle Arten von Extruder, Hochviskosdünnschichter,
Rührkessel und/oder Scheibenreaktor können zur Celluloselösungsherstellung einzeln,
oder in Kombination in verschiedenen Reaktorzonen und Verfahrensstufen eingesetzt
werden. In diesem vertikal ausgeführten Reactotherm Kneter konnte durch intensive
Misch- und Knetwirkung die Celluloselösung klumpenfrei kontinuierlich hergestellt
werden. Behandlungszeiten in den einzelnen Reaktorzonen von 20 bis 80 Minuten führten
zur vollständigen Auflösung der Cellulose.
[0069] Zur sicheren Prozessführung wurden dem wässrigen Gemisch aus Ionischer Flüssigkeit
und Cellulose, vor der Überführung aus dem Pre-Mix in die Celluloselösung, noch weitere
Stabilisatoren zur Stabilisierung des Lösungsmittels und zur Verhinderung des Celluloseabbau
zugesetzt. Der kontinuierlich hergestellte Pre-Mix wurde unter Anlegen von Temperatur
und Unterdruck (Vakuum), sowie unter Scherung in eine hoch viskoelastische Lösung
übergeführt. Die in den einzelnen Verfahrensstufen angewandten Temperaturen variierten
zwischen 85°C und 150°C, wobei die Entfernung von überschüssigem Wasser bei reduziertem
Druck zwischen 10 und 150 mbar erfolgte. Die angelegten Scherraten bewegten sich zur
Homogenisierung des Pre-Mix im Bereich von 20 bis 200 U/min, unter Beibehaltung der
eingestellten Scherleistung und Drehmomentes. Dadurch wurde sichergestellt, dass sich
die Cellulose in der Ionischen Flüssigkeit auflöste. Die, so erhaltene hochviskose
Celluloselösung wurde vor dem Verspinnen zusätzlichen Prozessschritten wie Entgasung-
und Filtration unterzogen. Zur Einstellung der entsprechenden Cellulose Spinnmassequalität
wurde die Lösung noch zusätzlich über einen oder mehreren, den Verfahrensstufen angepassten,
Hochviskos Wärmetauschern der Type Sulzer SMR/SMXL zugeführt. Diese dienen neben der
Temperatureinstellung, vor allem auch zur Einstellung der gewünschten Spinnviskosität,
sowie des Polymerisationsgrades der Cellulose. Diese Wärmetauscher dienten daher zu
effizienten Temperatureinstellung, wie Kühlung oder Erwärmung der hochviskosen Celluloselösung,
da sie effektives Mischen und einen kontrollierten Wärmeübergang ermöglichten.
[0070] Das Verspinnen der Celluloselösung zu Filamenten, sowie die weitere Verarbeitung
erfolgte erfindungsgemäß, wobei die Spinnlösung mittels Spinnpumpe einem beheizten
Spinnpaket bestehend aus Spinndüsenfilter, Verteilplatten und der Spinndüse zugeführt
wurde. Die Spinntemperaturen lagen im Bereich von 85°C-150°C, vorzugsweise im Bereich
von 95°C - 115°C. Es wurde nach dem Lösungsherstellungsschritt auf kurze Verweilzeiten
unter erhöhten Temperaturen im Prozesssystem geachtet, um die Celluloselösung der
Verarbeitungsgeschwindigkeit und dem unerwünschten Abbau der Cellulose anzupassen.
[0071] Das zur Anwendung gelangte Spinnverfahren ist erfindungsgemäß beschrieben und wird
üblicherweise als Trocken-Naß-Spinnverfahren bezeichnet, wobei der einstellbare, höhenverstellbare
Luftspalt, zwischen der Spinndüse und dem wässrigen Koagulationsbad, welches die ionische
Flüssigkeit enthält, angeordnet ist. Der, dem Luftspalt zugeführte und damit durch
die Filamente durchtretende Gasstrom erfolgt in konditioniertem Zustand und kann sowohl
konditionierte Luft, oder ein anderes inertes Spinngas sein. Erfindungsgemäß werden
die Filamente durch das Koagulationsbad geführt, aus dem Bad ausgetragen und wie oben
beschrieben der weiteren Behandlung zugeführt. Die Parameter und Produkteigenschaften
der Versuche mit BMIMCl und NMMO als Lösungsmittel sind in Tabelle 2 zusammengefasst.
Tabelle 2:
| |
|
Ionische Flüssigkeit |
N-Methyl Morpholin N-Oxid |
| |
|
(BMIMCI) |
(NMMO) |
| |
|
|
|
| Zellstoff |
|
Eukalyptus |
Eukalyptus |
| |
|
|
|
| DP-Cuoaxam |
[-] |
535 |
646 |
| α Cellulosegehalt |
[%] |
95,2 |
94,8 |
| Carboxylgruppengehalt |
[µmol/g] |
17 |
27 |
| Carbonylgruppengehalt |
[µmol/g] |
23 |
29 |
| Aschegehalt |
[%] |
0,4 |
0,2 |
| Weissgrad WCIE |
[-] |
82 |
84 |
| Faserdaten |
|
|
|
| |
|
|
|
| Feststoffgehalt Cellulose in Ionischer Flüssigkeit |
[%] |
13,27 |
12,8 |
| DP-Cuoxam |
[-] |
521 |
584 |
| Nullscherviskosität bei 85°C |
[Pas] |
39.720 |
19.250 |
| Spinnmassetemperatur |
[°C] |
102 |
95 |
| Düsenlochdurchmesser |
[µ] |
90 |
90 |
| Spinndruck |
[bar] |
37 |
27 |
| Luftspalt |
[mm] |
43 |
38 |
| Spinnbadtemperatur |
[°C] |
20 |
18 |
| Faserfeinheit |
[dtex] |
1,63 |
1,71 |
| Reißkraft konditioniert |
[cN/tex] |
51,2 |
41,0 |
| Dehnung konditioniert |
[%] |
13,9 |
15,2 |
| Naßmodul |
[cN/tex] |
297 |
185 |
| Naßscheuerzahl |
[U] |
54 |
38 |
1. Verfahren zur Herstellung von festen Cellulosefilamenten aus einem Fluid der Cellulose
durch Extrudieren des Fluids durch mehrere Extrusionsöffnungen, wodurch fluide Filamente
entstehen, vorzugsweise Passieren der fluiden Filamente durch einen Gasspalt, und
Verfestigen der Filamente in einem Koagulationsbad, wobei die Filamente im Koagulationsbad
gebündelt und als Bündel umgelenkt werden um über dem Koagulationsbadniveau aus dem
Koagulationsbad abgezogen zu werden,
dadurch gekennzeichnet, dass das Bündel der Filamente auf einer Umlenkvorrichtung eine Umlenkbreite L einnimmt,
welche nach der Formel:

gesteuert ist, wobei L die Umlenkbreite des Bündels in mm, LZ die Anzahl der Extrusionsöffnungen,
B der Umlenkwinkel berechnet aus 180° abzüglich des Umschlingungswinkels der Filamente
um die Umlenkvorrichtung in Grad, v die Abzugsgeschwindigkeit der Filamente in Meter
pro Sekunde, c
cell die Cellulosekonzentration des extrudierten Fluids in Masse-% und Q eine dimensionslose
Lastzahl ist, wobei Q 15 oder kleiner ist.
2. Vorrichtung zum Durchführen eines Verfahrens nach Anspruch 1, mit einer Extrusionsplatte
mit mehreren Extrusionsöffnungen, einem Auffangbehälter für ein Koagulationsbad, vorzugsweise
mit einem Gasspalt zwischen den Extrusionsöffnungen und dem Auffangbehälter, einer
Umlenkvorrichtung im Auffangbehälter zum Umlenken eines Filamentbündels aus dem Auffangbehälter,
und einer Bündelungsvorrichtung, welche eine Umlenkbreite L des Filamentbündels auf
der Umlenkvorrichtung bedingt, wobei das Filamentbündel auf der Umlenkvorrichtung
eine Umlenkbreite L einnimmt, welche die Formel:

erfüllt, wobei L, LZ, B, v, c
cell und Q die in Anspruch 1 gegebene Bedeutung haben, Q 15 oder kleiner ist und v mindestens
35 m/min ist.
3. Verfahren oder Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass Q 12 oder kleiner, vorzugsweise 8 oder kleiner oder 5 oder kleiner ist und/oder dass
Q 2 oder größer ist, vorzugsweise 3 oder größer oder 4, oder 5 oder größer, insbesondere
bevorzugt wobei Q 2 bis 15 oder mehr bevorzugt 4 bis 12 ist.
4. Verfahren oder Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Anzahl der Extrusionsöffnungen LZ 2000 oder mehr ist, vorzugsweise 5000 oder
mehr oder 10000 oder mehr, und/oder dass LZ 500000 oder kleiner ist, vorzugsweise
100000 oder kleiner oder 50000 oder kleiner.
5. Verfahren oder Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Umlenkwinkel B ein Winkel von 10° bis 90° ist, vorzugsweise 20° bis 60° oder
25° bis 45°.
6. Verfahren oder Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Abzugsgeschwindigkeit v 36 m/min oder mehr ist, vorzugsweise 40 m/min oder mehr
oder 45 m/min oder 50 m/min oder mehr, und/oder 200 m/min oder weniger oder 150 m/min
oder weniger.
7. Verfahren oder Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Cellulosekonzentration des extrudierten Fluids ccell 4% bis 23%, vorzugsweise 6% bis 20%, insbesondere 8% bis 18% oder 10% bis 16%, ist
(alle %-Angaben in Masse-%) und/oder wobei das extrudierte Fluid Cellulose, NMMO und
Wasser oder Cellulose, ein organisches kationisches Lösungsmittel und Wasser enthält.
8. Verfahren oder Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass im Gasspalt ein Gasstrom eingeblasen bzw. in der Vorrichtung ein Gebläse hierfür
vorgesehen ist, wobei vorzugsweise der Gasstrom eine Temperatur von 5°C bis 65°C hat,
vorzugsweise von 10°C bis 40°C.
9. Verfahren oder Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Extrusionsöffnungen in länglicher Form angeordnet sind, vorzugsweise in Rechteckform,
gekrümmter Form, Ring- oder Ringsegmentform, vorzugsweise wobei die längliche Form
ein Verhältnis von Länge zu Breite von 100:1 bis 2:1, vorzugsweise von 60:1 bis 5:1
oder von 40:1 bis 10:1 hat.
10. Verfahren oder Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 9, gekennzeichnet durch die weiteren Schritte, dass Herausführen der koagulierten Filamente aus dem Koagulationsbad,
Umlenkung der Filamente außerhalb des Koagulationsbades, mit oder ohne weiterer Bündelung
mit anderen koagulierten Filamenten, Zuführung der Filamente auf ein Abzugswerk und/oder
eine Verstreckvorrichtung, sowie Weiterführung zu einer Filamentaufnahmeeinheit, Waschen
und Trocknen der Filamente, wobei vorzugsweise weitere Schritte optional vorgesehen
sind: Avivierung, Färben, Vernetzen, Ultraschallbehandeln, Schneiden, und/oder Aufwickeln,
jeweils der Filamente/Extrudate.
11. Verfahren oder Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Extrusionsöffnungen einen Durchmesser von 30 µm bis 200 µm haben, vorzugsweise
von 50 µm bis 150 µm oder von 60 µm bis 100 µm.
12. Verfahren oder Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Extrusionsöffnungen auf einer Länge LL angeordnet sind und die Umlenkbreite L
mindestens 80%, vorzugsweise mindestens 90%, der Länge LL ist.
13. Verfahren zur Herstellung von festen Cellulosefilamenten aus einem Fluid der Cellulose
durch Extrudieren des Fluids durch mehrere Extrusionsöffnungen, wodurch fluide Filamente
entstehen, vorzugsweise Passieren der fluiden Filamente durch einen Gasspalt und Verfestigen
der Filamente in einem Koagulationsbad, wobei die Filamente im Koagulationsbad gebündelt
und als Bündel umgelenkt werden um über dem Koagulationsbadniveau aus dem Koagulationsbad
abgezogen zu werden, dadurch gekennzeichnet, dass die Extrusionsöffnungen auf einer Länge LL angeordnet sind und das Bündel der Filamente
auf einer Umlenkvorrichtung eine Umlenkbreite L einnimmt, welche mindestens 80% der
Länge LL ist.
14. Vorrichtung zum Durchführen eines Verfahrens nach Anspruch 13, mit einer Extrusionsplatte
mit mehreren Extrusionsöffnungen, einem Auffangbehälter für ein Koagulationsbad, vorzugsweise
einem Gasspalt zwischen den Extrusionsöffnungen und dem Auffangbehälter, einer Umlenkvorrichtung
im Auffangbehälter zum Umlenken eines Filamentbündels aus dem Auffangbehälter, und
einer Bündelungsvorrichtung, welche eine Umlenkbreite L des Filamentbündels auf der
Umlenkvorrichtung bedingt, dadurch gekennzeichnet, dass die Extrusionsöffnungen auf einer Länge LL angeordnet sind und das Bündel der Filamente
auf der Umlenkvorrichtung eine Umlenkbreite L von mindestens 80% der Länge LL einnimmt.
15. Verfahren oder Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 14,
dadurch gekennzeichnet, dass das Bündel der Filamente auf einer Umlenkvorrichtung außerhalb des Koagulationsbades
eine Umlenkbreite L
außen einnimmt, welche nach der Formel:

gesteuert ist, wobei L
außen die Umlenkbreite des Bündels in mm, LZ die Anzahl der Extrusionsöffnungen, B der
Umlenkwinkel berechnet aus 180° abzüglich des Umschlingungswinkels der Filamente um
die Umlenkvorrichtung in Grad, v die Geschwindigkeit der Filamente in Meter pro Sekunde,
c
cell die Cellulosekonzentration des extrudierten Fluids in Masse-% und Q eine dimensionslose
Lastzahl ist, wobei Q 300 oder kleiner ist;
vorzugsweise zumindest bei einer ersten Umlenkung nach Austritt der Filamente aus
dem Koagulationsbad und/oder zumindest bei einer Umlenkung in einem Abzugswerk.