[0001] Die Erfindung betrifft einen Schmelzrohstoff zur Herstellung eines feuerfesten Erzeugnisses,
ein Verfahren zur Herstellung des Schmelzrohstoffs sowie eine Verwendung des Schmelzrohstoffs.
[0002] Der Begriff "feuerfestes Erzeugnis" im Sinne der Erfindung bezeichnet insbesondere
feuerfeste Erzeugnisse mit einer Einsatztemperatur von über 600°C und bevorzugt feuerfeste
Werkstoffe gemäß DIN 51060:2000-06, also Werkstoffe mit einem Kegelfallpunkt > SK17.
Die Ermittlung des Kegelfallpunktes kann insbesondere gemäß DIN EN 993-12:1997-06
erfolgen.
[0003] Feuerfeste Erzeugnisse werden in der Regel aus einem Versatz hergestellt. Unter einem
"Versatz" wird bekanntermaßen eine Zusammensetzung aus einer oder mehreren Komponenten
beziehungsweise Rohstoffen bezeichnet, durch die mittels einer Temperaturbehandlung
ein feuerfestes keramisches Erzeugnis herstellbar ist.
[0004] Die Rohstoffe, aus denen ein solch feuerfester Versatz zur Herstellung eines feuerfesten
Erzeugnisses herstellbar ist, basieren regelmäßig auf wenigstens einem der Oxide MgO,
CaO, Al
2O
3, SiO
2 oder ZrO
2. Dabei wird ein auf wenigstens einem der Oxide MgO oder CaO basierender Rohstoff
als basisch und ein auf wenigstens einem der Oxide Al
2O
3, SiO
2 oder ZrO
2 basierender Rohstoff als nicht-basisch oder als sauer bezeichnet.
[0005] Neben den vorbezeichneten Oxiden können Rohstoffe auch nicht-oxidische Substanzen
aufweisen, beispielsweise Carbide in Form von SiC, Al
4C
3 oder Al
2OC.
[0006] In Abhängigkeit von den Einsatzbedingungen des aus dem Versatz hergestellten feuerfesten
Erzeugnisses müssen die Rohstoffe für den zur Herstellung des Erzeugnisses verwendeten
Versatz ausgewählt werden. So müssen für feuerfeste Erzeugnisse, die einem basischen
Angriff ausgesetzt sind, beispielsweise basischen Schlacken, basische Rohstoffe gewählt
werden. Entsprechend müssen für feuerfeste Erzeugnisse, die einem sauren Angriff ausgesetzt
sind, nicht-basische Rohstoffe gewählt werden.
[0007] Zur Verbesserung der Schlackenbeständigkeit eines feuerfesten Erzeugnisses ist es
ferner vorteilhaft, wenn der Versatz zur Herstellung des Erzeugnisses nicht-oxidische
Rohstoffe umfasst, da diese ein günstige Benetzungsverhalten gegenüber Schlacken aufweisen.
Zahlreiche dieser nicht-oxidischen Rohstoffe, insbesondere Al
4C
3 und Al
2OC, neigen jedoch zur Hydratation und sind unter Umgebungsbedingungen daher nur begrenzt
beständig.
[0008] Ferner ist die thermische Dehnung des Rohstoffs bei der Verwendung des feuerfesten
Erzeugnisses zu berücksichtigen. So weist beispielsweise Korund (Al
2O
3) eine thermische Dehnung von 8 ppm/K und Magnesia (MgO) eine thermische Dehnung von
13 ppm/K auf. ZrO
2 hat eine thermische Dehnung von etwa 7 ppm/K und erfährt zudem Volumensprünge bei
seinen temperaturabhängigen Modifikationswechseln, die üblicherweise als Martensitische
Transformation bezeichnet werden.
[0009] Bekanntermaßen ist eine möglichst niedrig thermische Dehnung eines feuerfesten Rohstoffs
jedoch vorteilhaft für das Thermoschockverhalten des unter Verwendung dieses Rohstoffs
hergestellten feuerfesten Erzeugnisses.
[0010] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Rohstoff zur Herstellung
eines feuerfesten Erzeugnisses zur Verfügung zu stellen.
[0011] Insbesondere liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, einen Rohstoff zur Herstellung
eines feuerfesten Erzeugnisses zur Verfügung zu stellen, welcher eine gute Beständigkeit
sowohl gegenüber einem basischen Angriff als auch einem nicht-basischen Angriff aufweist,
insbesondere eine gute Beständigkeit gegenüber basischen und nicht-basischen Schlacken.
[0012] Ferner liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, einen Rohstoff zur Herstellung eines
feuerfesten Erzeugnisses zur Verfügung zu stellen, welcher ein günstiges Benetzungsverhalten
gegenüber Schlacken aufweist und nicht zur Hydratation neigt.
[0013] Ferner liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, einen Rohstoff zur Herstellung eines
feuerfesten Erzeugnisses zur Verfügung zu stellen, welcher eine geringe thermische
Dehnung aufweist.
[0014] Zur Lösung dieser Aufgaben wird erfindungsgemäß zur Verfügung gestellt ein Schmelzrohstoff
zur Herstellung eines feuerfesten Erzeugnisses, der die folgenden mineralogischen
Phasen umfasst: Magnesiaspinell mit einem überstöchiometrischen Anteil von Al
2O
3; und Al
4O
4C.
[0015] Bei dem erfindungsgemäßen Rohstoff handelt es sich um einen völlig neuartigen Schmelzrohstoff,
also einen Rohstoff, der erhalten wurde aus einer abgekühlten Schmelze. Der erfindungsgemäße
Schmelzrohstoff weist eine mineralogische Zusammensetzung auf, welche zum Einen als
mineralogische Phase Magnesiaspinell mit einem überstöchiometrischen Anteil von Al
2O
3 (nachfolgend auch nur als "überstöchiometrischer Magnesiaspinell" bezeichnet) und
zum anderen die mineralogische Phase Al
4O
4C umfasst. Neben diesen mineralogischen Phasen in Form von überstöchiometrischem Magnesiaspinell
und Al
4O
4C kann der erfindungsgemäße Schmelzrohstoff eine oder mehrere weitere mineralogische
Phasen aufweisen.
[0016] Überraschend hat sich erfindungsgemäß herausgestellt, dass der neuartige, erfindungsgemäße
Schmelzrohstoff hervorragend als Rohstoff zur Herstellung eines feuerfesten Erzeugnisses
verwendbar ist. So hat sich erfindungsgemäß herausgestellt, dass der Schmelzrohstoff
eine hervorragende Beständigkeit sowohl gegenüber einem basischen wie auch einem nicht-basischen
Angriff aufweist, insbesondere eine hervorragende Beständigkeit gegenüber basischen
und nicht-basischen Schlacken. Die Erfinder vermuten, dass diese gute Beständigkeit
auf der spezifischen Kombination des sowohl MgO als auch Al
2O
3 umfassenden, überstöchiometrischen Magnesiaspinells und der nicht oxidischen Aluminiumoxicarbidphase
in Form von Al
4O
4C beruht.
[0017] Ferner weist der erfindungsgemäße Schmelzrohstoff ein äußerst günstiges Benetzungsverhalten
gegenüber Schlacken auf. Dieses günstige Benetzungsverhalten, das mit dem Benetzungsverhalten
von Kohlenstoff in Al
2O
3-Kohlenstoff-Steinen und MgO-Kohlenstoff-Steinen vergleichbar ist, ist wahrscheinlich
auf die Gegenwart der nicht-oxidischen Phase in Form von Al
4O
4C zurückzuführen.
[0018] Ferner hat sich erfindungsgemäß überraschend herausgestellt, dass der erfindungsgemäße
Schmelzrohstoff nur eine äußerst geringe thermische Dehnung aufweist, so dass aus
dem erfindungsgemäßen Schmelzrohstoff ein feuerfestes Erzeugnis mit einem guten Thermoschockverhalten
herstellbar ist.
[0019] Bei dem überstöchiometrischen Magnesiaspinell, den der erfindungsgemäße Schmelzrohstoff
als eine mineralogische Phase aufweist, handelt es sich um einen Magnesiaspinell mit
einem überstöchiometrischen Einbau von Al
2O
3. Bei Magnesiaspinell handelt es sich bekanntermaßen um eine mineralogische Phase
aus den Oxiden MgO und Al
2O
3, der bei stöchiometrischen Anteilen von MgO und Al
2O
3 in Form von Mg Al
2O
3 beziehungsweise MgAl
2O
4 vorliegt. Bei solch stöchiometrischen Anteilen von Al
2O
3 und MgO im Magnesiaspinell weist dieser eine theoretische Zusammensetzung von 71,67
Masse-% Al
2O
3 und 28,33 Masse-% MgO auf. Ein Magnesiaspinell mit einem überstöchiometrischen Anteil
von Al
2O
3 liegt entsprechend vor, wenn der Anteil an Al
2O
3 über 71,67 Masse-% liegt.
[0020] In dem erfindungsgemäßen Schmelzrohstoff liegt bevorzugt ein überstöchiometrischer
Magnesiaspinell vor, in dem Al
2O
3 in einem Massenanteil über 71,67 Masse-% vorliegt. Nach einer bevorzugten Ausführungsform
liegt Al
2O
3 in einem Massenanteil im Bereich von 72 bis 97 Masse-% im überstöchiometrischen Magnesiaspinell
vor. Entsprechend liegt der Massenanteil an MgO im überstöchiometrischen Magnesiaspinell
bei dieser Ausführungsform im Bereich von 3 bis 28 Masse-%. Die vorgemachten Angaben
in Masse-% sind jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des überstöchiometrischen Magnesiaspinells.
[0021] Erfindungsgemäß hat sich überraschend herausgestellt, dass die vorteilhaften Eigenschaften
des erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs, insbesondere seine hervorragende Beständigkeit
gegenüber Schlacken, zunehmend verbessert wird und insbesondere auch seine thermische
Dehnung zunehmend reduziert wird, soweit der Anteil an Al
2O
3 in dem überstöchiometrischen Magnesiaspinell zunehmend einem Anteil von 93,2 Masse-%
angenähert ist. Entsprechend liegt der Anteil an MgO im überstöchiometrischen Magnesiaspinell
bei dieser Ausführungsform bei 6,8 Masse-%. Die vorgemachten Angaben in Masse-% sind
jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des überstöchiometrischen Magnesiaspinells.
[0022] Nach einer besonders bevorzugten Ausführungsform weist der überstöchiometrische Magnesiaspinell
des erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs insoweit einen Anteil an Al
2O
3 im Bereich von 77 bis 97 Masse-% und einen Anteil an MgO im Bereich von 3 bis 23
Masse-% auf. Nach einer noch bevorzugteren Ausführungsform weist der überstöchiometrische
Magnesiaspinell einen Anteil an Al
2O
3 im Bereich von 85 bis 95 Masse-% und einen Anteil an MgO im Bereich von 5 bis 15
Masse-% auf. Die vorgemachten Angaben in Masse-% sind jeweils bezogen auf die Gesamtmasse
des überstöchiometrischen Magnesiaspinells
[0023] Ausgedrückt in Mol und normiert auf O
4 sind die Eigenschaften des erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs danach zunehmend verbessert,
wenn der überstöchiometrische Magnesiaspinell zunehmend einer Zusammensetzung von
Mg
0,23Al
2,51O
4 angenähert ist. Insoweit kann gemäß einem Ausführungsbeispiel der überstöchiometrische
Magnesiaspinell vorliegen in Form von Mg
0,0338-0,9878 Al
2,008-2,644O
4. Nach einer bevorzugten Ausführungsform kann der Magnesiaspinell insoweit vorliegen
in Form von Mg
0,1-0,8Al
2,13-2,60O
4 und noch bevorzugter in Form von Mg
0,16-0,52Al
2,3-2,6O
4.
[0024] Bei dem Aluminiumoxicarbid Al
4O
4C handelt es sich um ein Nichtoxid, das in dieser Form als Substanz aus dem Stand
der Technik bereits bekannt ist. Unbekannt war bislang jedoch die Verwendung von Al
4O
4C in einem Magnesiaspinell umfassenden Schmelzrohstoff. Völlig überraschend waren
die vorteilhaften Eigenschaften eines Schmelzrohstoffes, in dem Al
4O
4C neben Magnesiaspinell mit einem überstöchiometrischen Anteil von Al
2O
3 vorliegt.
[0025] Nach einer bevorzugten Ausführungsform umfasst der erfindungsgemäße Schmelzrohstoff
den überstöchiometrischen Magnesiaspinell und Al
4O
4C in den folgenden Massenanteilen:
| Magnesiaspinell: |
50 bis 99 Masse-%; |
| Al4O4C: |
1 bis 50 Masse-% |
Die vorgemachten Angaben in Masse-% sind jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des Schmelzrohstoffs.
[0026] Erfindungsgemäß hat sich herausgestellt, dass die vorteilhaften Eigenschaften des
erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs zunehmend verbessert werden, wenn der Anteil an
überstöchiometrischem Magnesiaspinell im Schmelzrohstoff zunehmend einem Anteil von
80 Masse-% und der Anteil an Al
4O
4C im Schmelzrohstoff zunehmend einem Anteil von 20 Masse-%, jeweils bezogen auf die
Gesamtmasse des Schmelzrohstoffs, angenähert ist.
[0027] Nach einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist daher vorgesehen, dass der Schmelzrohstoff
den überstöchiometrischen Magnesiaspinell und Al
4O
4C in den folgenden Massenanteilen umfasst:
| Magnesiaspinell: |
60 bis 95 Masse-%; |
| Al4O4C: |
5 bis 40 Masse-%. |
Die vorgemachten Angaben in Masse-% sind jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des Schmelzrohstoffs.
[0028] Nach einer noch bevorzugteren Ausführungsform ist vorgesehen, dass der Schmelzrohstoff
überstöchiometrischen Magnesiaspinell und Al
4O
4C in den folgenden Massenanteilen umfasst:
| Magnesiaspinell: |
70 bis 90 Masse-%: |
| Al4O4C: |
10 bis 30 Masse-%. |
Die vorgemachten Angaben in Masse-% sind jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des Schmelzrohstoffs.
[0029] Erfindungsgemäß hat sich herausgestellt, dass der erfindungsgemäße Schmelzrohstoff
eine besonders niedrige thermische Dehnung aufweist, soweit das Massenverhältnis von
überstöchiometrischem Magnesiaspinell zu Al
4O
4C zunehmend einem Wert von 4 angenähert ist. Insoweit kann erfindungsgemäß bevorzugt
vorgesehen sein, dass das Massenverhältnis von überstöchiometrischem Magnesiaspinell
zu Al
4O
4C im erfindungsgemäßen Schmelzrohstoff im Bereich von 1,5 bis 19 liegt, noch bevorzugter
im Bereich von 2 bis 9 und noch bevorzugter im Bereich von 2,3 bis 5,7.
[0030] Erfindungsgemäß hat sich herausgestellt, dass die vorbezeichneten, vorteilhaften
Eigenschaften des erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs verschlechtert werden können,
soweit dieser neben den mineralogischen Phasen überstöchiometrischer Magnesiaspinell
und Al
4O
4C weitere Phasen beziehungsweise Substanzen aufweist. Nach einer bevorzugten Ausführungsform
ist daher vorgesehen, dass der Schmelzrohstoff überstöchiometrischen Magnesiaspinell
und Al
4O
4C in einer Gesamtmasse von wenigstens 95 Masse-% umfasst. Noch bevorzugter ist vorgesehen,
dass der Schmelzrohstoff überstöchiometrischen Magnesiaspinell und Al
4O
4C in einer Gesamtmasse von wenigstens 97 Masse-% und noch bevorzugter in einer Gesamtmasse
von wenigstens 99 Masse-% umfasst, jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des Schmelzrohstoffs.
[0031] Entsprechend weist der erfindungsgemäße Schmelzrohstoff neben überstöchiometrischem
Magnesiaspinell und Al
4O
4C weitere Phasen beziehungsweise Substanzen bevorzugt in einem Anteil unter 5 Masse-%
auf, noch bevorzugter unter 3 Masse-% und noch bevorzugter unter 1 Masse-%, jeweils
bezogen auf die Gesamtmasse des Schmelzrohstoffs.
[0032] Solch weitere Phasen können beispielsweise in Form der hydratationsanfälligen Phasen
Al
4C
3 oder Al
2OC vorliegen. Bevorzugt weist der Schmelzrohstoff Al
4C
3 in einem Anteil unter 2 Masse-%, noch bevorzugter in einem Anteil unter 1 Masse-%
auf. Ferner weist der Schmelzrohstoff Al
2OC bevorzugt in einem Anteil unter 2 Masse-%, noch bevorzugter in einem Anteil unter
1 Masse-% auf. Die vorgemachten Angaben sind jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des
Schmelzrohstoffs.
[0033] Ferner hat sich erfindungsgemäß herausgestellt, dass die Eigenschaften des Schmelzrohstoffs
verbessert werden können, wenn dieser die Oxide CaO, SiO
2 und Fe
2O
3 in einer Gesamtmasse unter 5 Masse-% aufweist. Nach einer bevorzugten Ausführungsform
ist daher vorgesehen, dass der Schmelzrohstoff eine Gesamtmasse an CaO, SiO
2 und Fe
2O
3 unter 5 Masse-%, noch bevorzugter unter 3 Masse-% aufweist. Bevorzugt weist der Schmelzrohstoff
CaO in einem Anteil unter 2 Masse-%, noch bevorzugter in einem Anteil unter 1 Masse-%
auf. Ferner weist der Schmelzrohstoff SiO
2 bevorzugt in einem Anteil unter 2 Masse-%, noch bevorzugter in einem Anteil unter
1 Masse-% auf. Ferner weist der Schmelzrohstoff Fe
2O
3 bevorzugt in einem Anteil unter 2 Masse-%, noch bevorzugter in einem Anteil unter
1 Masse-% auf. Die vorgemachten Angaben sind jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des
Versatzes.
[0034] Ferner ist bevorzugt vorgesehen, dass der Schmelzrohstoff die folgenden Oxide beziehungsweise
Substanzen in den nachfolgend angegebenen Massenanteilen aufweist, jeweils bezogen
auf die Gesamtmasse des Schmelzrohstoffs, wobei eine, bevorzugt jedoch möglichst viele,
also mehrere oder sämtliche der nachfolgend angegebenen Substanzen in den angegebenen
Massenanteilen vorliegen können:
| ZrO2: |
unter 1 Masse-%; |
| TiO2: |
unter 1 Masse-%; |
| Gesamtmasse aus Na2O, K2O und Li2O: |
unter 1 Masse-%; |
| SiC: |
unter 1 Masse-%. |
[0035] Der erfindungsgemäße Schmelzrohstoff weist eine sehr geringe thermische Dehnung auf.
Insbesondere weist der Schmelzrohstoff eine thermische Dehnung von höchstens 8,0 ppm/K
auf, bevorzugter unter 7,0 ppm/K auf und noch bevorzugter unter 6,5 ppm/K. Besonders
bevorzugt weist der erfindungsgemäße Schmelzrohstoff eine thermische Dehnung im Bereich
von 5,6 bis 6,4 ppm/K auf. Die thermische Dehnung ist jeweils bestimmt bei 1.000°C
gemäß DIN 51045-4:2007-01.
[0036] Der erfindungsgemäße Schmelzrohstoff weist bevorzugt ein Gefüge auf, das eine Matrix
in Form des überstöchiometrischen Magnesiaspinells aufweist, in welche die Phase in
Form von Al
4O
4C eingelagert ist. Insbesondere ist Al
4O
4C in Form von einander isolierten Inseln in die Magnesiaspinellmatrix eingelagert.
Bei einem korrosiven oder mechanischen Angriff auf den Schmelzrohstoff kann das Al
4O
4C an den durch den Angriff neu geschaffenen Oberflächen des Schmelzrohstoffs oxidieren,
was mit einer Volumenzunahme einhergeht, die zum Schließen von Rissen im Schmelzrohstoff
führen kann. Auf Grund dieses Selbstheilungseffektes weist der Schmelzrohstoff eine
gute Beständigkeit gegenüber äußeren Angriffen auf.
[0037] Gegenstand der Erfindung ist auch ein Verfahren zur Herstellung des erfindungsgemäßen
Schmelzrohstoffs. Das Verfahren zur Herstellung des erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs
umfasst die folgenden Schritte:
Zur Verfügungstellung eines Versatzes, der eine chemische Zusammensetzung aufweist,
welche umfasst:
Al2O3;
MgO; und
C;
Bilden einer Schmelze aus dem Versatz; und
Abkühlen der Schmelze; wobei
Al2O3, MgO und C in solchen Anteilen vorliegen, dass beim Bilden und Abkühlen der Schmelze
ein Anteil des Al2O3 mit MgO Magnesiaspinell mit einem überstöchiometrischen Anteil von Al2O3 bildet und ein Anteil des Al2O3 mit C Al4O4C bildet.
[0038] Zur Herstellung des erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs wird demnach ein Versatz zur
Verfügung gestellt, der eine chemische Zusammensetzung aufweist, welche die Oxide
Al
2O
3 und MgO sowie Kohlenstoff (C) umfasst. Zur Herstellung eines erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs
aus einem solchen Versatz wird dieser zunächst derart mit Temperatur beaufschlagt,
dass aus dem Versatz eine Schmelze gebildet wird, der Versatz also erschmolzen wird.
Anschließend wird die gebildete Schmelze abgekühlt. Um während dieser Behandlung des
Versatzes einen erfindungsgemäßen Schmelzrohstoff aus dem Versatz herzustellen, liegen
Al
2O
3, MgO und C in solchen Anteilen im Versatz vor, dass bei der Bildung der Schmelze
und deren anschließendem Abkühlen ein Anteil des Al
2O
3 mit dem MgO Magnesiaspinell mit einem überstöchiometrischen Anteil an Al
2O
3 ausbildet und ein weiterer Anteil des Al
2O
3 mit dem Kohlenstoff des Versatzes Al
4O
4C bildet.
[0039] Der für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Verfügung gestellte
Versatz kann aus einer oder mehreren Komponenten beziehungsweise Rohstoffen bestehen,
welche Al
2O
3, MgO und C umfassen.
[0040] Eine MgO umfassende Komponente kann in Form einer oder mehrere der folgenden Rohstoffe
vorliegen: kaustische Magnesia, Sintermagnesia oder Schmelzmagnesia.
[0041] Eine Al
2O
3 umfassende Komponente kann in Form einer oder mehrere der folgenden Rohstoffe vorliegen:
kalzinierte Tonerde, Sinterkorund oder Schmelzkorund.
[0042] Eine MgO und Al
2O
3 umfassende Komponente kann in Form von Magnesiaspinell vorliegen, bevorzugt in Form
von Magnesiaspinell mit einem überstöchiometrischen Anteil von Al
2O
3.
[0043] Eine Kohlenstoff umfassende Komponente kann in Form einer oder mehrerer der folgenden
Rohstoffe vorliegen: Graphit, Ruß oder Petrolkoks.
[0044] Nach einem Ausführungsbeispiel besteht der Versatz aus wenigstens einer Magnesia
umfassenden Komponente, wenigstens einer Al
2O
3 umfassenden Komponente sowie einer Kohlenstoff umfassenden Komponente.
[0045] Nach einem alternativen Ausführungsbeispiel besteht der Versatz aus einer MgO und
Al
2O
3 umfassenden Komponente in Form von Magnesiaspinell mit einem überstöchiometrischen
Anteil von Al
2O
3 sowie einer Kohlenstoff umfassenden Komponente und gegebenenfalls noch wenigstens
einer Al
2O
3 umfassenden Komponente.
[0046] Um aus einem solchen, Al
2O
3, MgO und C umfassenden Versatz bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
einen erfindungsgemäßen Schmelzrohstoff zu erzeugen, liegt Al
2O
3 in solchen Anteilen vor, dass bei der Bildung und dem anschließenden Abkühlen der
Schmelze ein Anteil des Al
2O
3 mit dem MgO überstöchiometrischen Magnesiaspinell bilden und ein weiterer Anteil
des Al
2O
3 mit dem C des Versatzes Al
4O
4C bildet.
[0047] Während der Bildung und dem anschließenden Abkühlen der Schmelze reagieren ein Anteil
des Al
2O
3 und der Kohlenstoff des Versatzes gemäß der folgenden Gleichung (I) miteinander:
2 Al
2O
3 + 3 C → Al
4O
4C + 2 CO (I).
[0048] Ferner ist bekannt, dass Al
2O
3 und MgO gemäß der folgenden Gleichung (II) zu einem stöchiometrischen Magnesiaspinell
miteinander reagieren:
Al
2O
3 + MgO → MgAl
2O
4 (II).
[0049] Gemäß der Stöchiometrie reagieren dabei jeweils ein Mol Al
2O
3 und ein Mol MgO zu einem stöchiometrischen Magnesiaspinell. Zur Bildung eines Magnesiaspinells
mit einem überstöchiometrischen Anteil an Al
2O
3 muss daher das Molverhältnis von Al
2O
3 zu MgO größer als 1 sein.
[0050] Auf dieser Grundlage ist es möglich, die Anteile an Al
2O
3, MgO und C in dem für das Verfahren zur Verfügung gestellten Versatz in solchen Anteilen
vorzusehen, dass sich bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens ein erfindungsgemäßer
Schmelzrohstoff bildet, welcher Magnesiaspinell mit einem überstöchiometrischen Anteil
von Al
2O
3 und Al
4O
4C umfasst.
[0051] Erfindungsgemäß hat sich herausgestellt, dass bei der Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens MgO in geringen Anteilen gasförmig aus der Schmelze entweichen kann. Ferner
hat sich erfindungsgemäß herausgestellt, dass C in der Schmelze in höheren Anteilen
CO bilden kann als gemäß der Stöchiometrie nach Gleichung (I). Insofern kann erfindungsgemäß
vorgesehen sein, dass in einem für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
zur Verfügung gestellte Versatz MgO und C in höheren Anteilen vorliegt, als dies für
die Bildung eines erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs gemäß den Gleichungen (I) und
(II) notwendig wäre.
[0052] Nach einem Ausführungsbeispiel kann der für das erfindungsgemäße Verfahren zur Verfügung
gestellte Versatz eine chemische Zusammensetzung aufweisen, welche Al
2O
3, MgO und C in den folgenden Massenanteilen umfasst:
| Al2O3: |
77,5 bis 98,5 Masse-%; |
| MgO: |
1 bis 22 Masse-%; |
| C: |
0,5 bis 15 Masse-%. |
Die vorgemachten Angaben in Masse-% sind jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des Versatzes.
[0053] Wie oben ausgeführt, wurde erfindungsgemäß festgestellt, dass die vorteilhaften Eigenschaften
des erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs zunehmend verbessert werden, soweit der Anteil
an überstöchiometrischem Magnesiaspinell zunehmend einem Massenanteil von 80 % und
der Anteil an Al
4O
4C zunehmend einen Massenanteil von 20 Masse-% angenähert wird. Ein erfindungsgemäßer
Schmelzrohstoff mit einem Massenanteil von 80 % an überstöchiometrischem Magnesiaspinell
und mit einem Massenanteil von 20 % Al
4O
4C kann durch das erfindungsgemäße Verfahren insbesondere dann hergestellt werden,
wenn der für das erfindungsgemäße Verfahren zur Verfügung gestellte Versatz eine chemische
Zusammensetzung aufweisen, welche Al
2O
3, MgO und C in den folgenden Massenanteilen umfasst:
| Al2O3: |
82 Masse-%; |
| MgO: |
8 Masse-%; |
| C: |
10 Masse-%. |
Die vorgemachten Angaben in Masse-% sind jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des Versatzes.
[0054] Um die Massenanteile an Al
2O
3, MgO und C im Versatz an diese besonders vorteilhaften Anteile von 82 Masse-%, 8
Masse-% und 10 Masse-% anzunähern, kann nach einer bevorzugten Ausführungsform vorgesehen
sein, dass der für das erfindungsgemäße Verfahren zur Verfügung gestellte Versatz
eine chemische Zusammensetzung aufweist, welche Al
2O
3, MgO und C in den folgenden Massenanteilen umfasst:
| Al2O3: |
78 bis 90 Masse-%; |
| MgO: |
4 bis 17 Masse-%; |
| C: |
5 bis 13 Masse-%. |
Die vorgemachten Angaben in Masse-% sind jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des Versatzes.
[0055] Noch bevorzugter kann vorgesehen sein, dass der für das erfindungsgemäße Verfahren
zur Verfügung gestellte Versatz eine chemische Zusammensetzung aufweist, welche Al
2O
3, MgO und C in den folgenden Massenanteilen umfasst:
| Al2O3: |
78 bis 85 Masse-%; |
| MgO: |
6 bis 15 Masse-%; |
| C: |
8 bis 12 Masse-%. |
Die vorgemachten Angaben in Masse-% sind jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des Versatzes.
[0056] Nach einer bevorzugten Ausführungsform ist daher vorgesehen, dass der Versatz eine
chemische Zusammensetzung aufweisen, welche Al
2O
3, MgO und C in einer Gesamtmasse von wenigstens 95 Masse-% umfasst, noch bevorzugter
in einer Gesamtmasse von wenigstens 97 Masse-% und noch bevorzugter in einer Gesamtmasse
von wenigstens 99 Masse-%, jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des Versatzes.
[0057] Ferner kann bevorzugt vorgesehen sein, dass der Versatz eine chemische Zusammensetzung
aufweist, der die Oxide CaO, SiO
2 und Fe
2O
3 in einer Gesamtmasse unter 5 Masse-% aufweist, noch bevorzugter unter 3 Masse-%.
Bevorzugt weist der Versatz eine chemische Zusammensetzung auf, die CaO in einem Anteil
unter 2 Masse-%, noch bevorzugter in einem Anteil unter 1 Masse-% aufweist. Ferner
weist der Versatz bevorzugt eine chemische Zusammensetzung auf, die SiO
2 in einem Anteil unter 2 Masse-%, noch bevorzugter in einem Anteil unter 1 Masse-%
aufweist. Ferner weist der Versatz bevorzugt eine chemische Zusammensetzung auf, die
Fe
2O
3 in einem Anteil unter 2 Masse-%, noch bevorzugter in einem Anteil unter 1 Masse-%
aufeist. Die vorgemachten Angaben sind jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des Versatzes.
[0058] Ferner ist bevorzugt vorgesehen, dass der Versatz eine chemische Zusammensetzung
aufweist, die die folgenden Oxide in den nachfolgend angegebenen Massenanteilen aufweist,
jeweils bezogen auf die Gesamtmasse des Versatzes, wobei eine, bevorzugt jedoch möglichst
viele, also mehrere oder sämtliche der nachfolgend angegebenen Substanzen in den angegebenen
Massenanteilen vorliegen können:
| ZrO2: |
unter 1 Masse-%; |
| TiO2: |
unter 1 Masse-%; |
| Gesamtmasse aus Na2O, K2O und Li2O: |
unter 1 Masse-%. |
[0059] Zur Bildung einer Schmelze aus dem Versatz kann dieser durch die aus dem Stand der
Technik bekannten Technologien derart mit Temperatur beaufschlagt werden, dass der
Versatz aufschmilzt und eine Schmelze bildet. Insbesondere kann die Schmelze in einem
Elektrolichtbogenofen derart mit Temperatur beaufschlagt werden, dass sich aus dem
Versatz eine Schmelze bildet. Bevorzugt kann der Versatz, insbesondere in einem Elektrolichtbogenofen,
bei einer Temperatur im Bereich von 2.100°C erschmolzen werden.
[0060] Anschließend wird die Schmelze abgekühlt, insbesondere auf Raumtemperatur. Während
des Abkühlens bildet ein Anteil des Al
2O
3 mit dem MgO überstöchiometrischen Magnesiaspinell. Ferner bildet ein weiterer Anteil
des Al
2O
3 während des Abkühlens der Schmelze mit C Al
4O
4C.
[0061] Der danach erhaltene, erfindungsgemäße Schmelzrohstoff kann bevorzugt als Rohstoff
zur Herstellung eines feuerfesten Erzeugnisses zur Verfügung gestellt werden.
[0062] Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung des erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs
zur Herstellung eines feuerfesten Erzeugnisses mit den folgenden Maßgaben:
Zur Verfügungstellung eines erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs;
Mischen des Schmelzrohstoffs mit wenigstens einem weiteren Rohstoff zur Herstellung
eines feuerfesten Versatzes;
Beaufschlagen des Versatzes mit Temperatur.
[0063] Bevorzugt wird der erfindungsgemäße Schmelzrohstoff als Schüttgut, also als körniges
Gut beziehungsweise Korngemenge zur Verfügung gestellt.
[0064] Der Schmelzrohstoff kann mit einem oder mehreren weiteren Rohstoffen zur Herstellung
eines feuerfesten Versatzes gemischt werden. Bei diesen weiteren Rohstoffen kann es
sich grundsätzlich um einen oder mehrere beliebige Rohstoffe handeln, die aus dem
Stand der Technik zur Herstellung eines feuerfesten Erzeugnisses bekannt sind. Bevorzugt
wird der erfindungsgemäße Schmelzrohstoff mit einem oder mehreren weiteren Rohstoffen
auf Basis wenigstens eines der Oxide MgO oder Al
2O
3 gemischt, beispielsweise mit einem oder mehreren der folgenden weiteren Rohstoffe:
Magnesia, Tonerde oder Magnesiaspinell. Magnesia kann beispielsweise in Form eines
oder mehrerer der Rohstoffe Sintermagnesia oder Schmelzmagnesia vorliegen. Tonerde
kann beispielsweise in Form eines oder mehrerer der Rohstoffe kalzinierte Tonerde,
Schmelzkorund oder Sinterkorund vorliegen. Magnesiaspinell kann beispielsweise in
Form eines oder mehrerer der Rohstoffe Sinterspinell oder Schmelzspinell vorliegen.
[0065] Der Versatz kann bevorzugt zur Herstellung eines gesinterten, also eines keramischen
feuerfesten Erzeugnisses verwendet werden. Hierzu kann der Versatz beispielsweise
mit einem Bindemittel, insbesondere einem organischen Bindemittel vermischt werden.
Als organisches Bindemittel kann beispielsweise Ligninsulfonat verwendet werden.
[0066] Alternativ kann der Versatz auch zur Herstellung eines Kohlenstoffsteines verwendet
werden, also eines feuerfesten Erzeugnisses mit einer Kohlenstoffbindung. Insoweit
kann der erfindungsgemäße Schmelzrohstoff mit einem oder mehreren der vorbezeichneten
Rohstoffe auf Basis wenigstens eines der Oxide MgO oder Al
2O
3 und darüber hinaus mit einem üblichen Kohlenstoffträger - insbesondere Graphit, Ruß
oder Pech - gemischt werden.
[0067] Der Versatz kann anschließend geformt werden, beispielsweise durch Pressen, und anschließend
beispielsweise getrocknet werden.
[0068] Schließlich wird der, gegebenenfalls geformte und getrocknete, Versatz mit Temperatur
beaufschlagt. Insbesondere wird der Versatz zur Herstellung eines gesinterten Erzeugnisses
einem keramischen Brand unterworfen, also einem Sinterbrand, bei dem die Komponenten
des Versatzes zu einem feuerfesten keramischen Erzeugnis sintern. Anschließend liegt
ein feuerfestes keramisches Erzeugnis in Form eines Sinterkörpers vor.
[0069] Erfindungsgemäß hat sich herausgestellt, dass durch die erfindungsgemäße Verwendung
des erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs zur Herstellung eines feuerfesten Erzeugnisses
ein solches Erzeugnis mit einer nur geringen thermischen Dehnung und einer hervorragenden
Beständigkeit gegenüber basischen und nicht-basischen Angriffen herstellbar ist. Insoweit
hat sich erfindungsgemäß beispielsweise herausgestellt, dass unter Verwendung des
erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs ein feuerfestes Erzeugnis in Form eines Steines
zur Ausmauerung (Zustellung) eines Zementdrehrohrofens herstellbar ist, insbesondere
in Form eines wie vorstehend beschriebenen Sinterkörpers. Gegenstand der Erfindung
ist auch ein solcher, unter Verwendung des erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs hergestellter
Stein zur Ausmauerung eines Zementdrehrohrofens.
[0070] Weitere Merkmale der Erfindung ergeben sich aus den Ansprüchen und dem nachfolgenden
Ausführungsbeispiel.
[0071] Sämtliche Merkmale der Erfindung können, einzeln oder in Kombination, beliebig miteinander
kombiniert sein.
[0072] Anschließend wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung näher erläutert.
Ausführungsbeispiel
[0073] In der nachfolgenden Beschreibung des Ausführungsbeispiels zeigt
- Figur 1
- eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Anschliffs des gemäß dem Ausführungsbeispiel
hergestellten Schmelzrohstoffs
[0074] Zunächst wurde ein synthetischer Rohstoff auf Basis der Oxide MgO und Al
2O
3 hergestellt. Hierzu wurden die Ausgangsrohstoffe 9 Masse-% kaustische Magnesia (mit
einer Reinheit von über 99 Masse-% MgO) und 91 Masse-% kalzinierte Tonerde (mit einer
Reinheit von über 99 Masse-% Al
2O
3) miteinander gemischt. Die Mischung wurde granuliert und anschließend für fünf Stunden
mit einer Temperatur von 1.700°C beaufschlagt. Bei dieser Temperaturbeaufschlagung
bildete sich aus den Ausgangsrohstoffen ein synthetischer Rohstoff folgender chemischer
Zusammensetzung: 8,77 Masse-% MgO; 90,56 Masse-% Al
2O
3; 0,67 Masse-% weitere Oxide (insbesondere SiO
2, CaO, Fe
2O
3 und Na
2O).
[0075] Dieser synthetische Rohstoff wurde zu einem Korngemenge mit einer Korngröße im Bereich
von > 0 bis 1 mm aufbereitet.
[0076] Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wurde ein Versatz zur Verfügung
gestellt, der 90 Masse-% dieses synthetischen Rohstoffs und 10 Masse-% Petrolkoks
(mit einer Reinheit von über 99 Masse-% Kohlenstoff) aufwies.
[0077] Danach wies der Versatz die folgende chemische Zusammensetzung auf:
| Al2O3: |
81,5 Masse-%; |
| MgO: |
7,9 Masse-%; |
| C: |
9,9 Masse-%; |
| Rest: |
0,7 Masse-%. |
[0078] Dieser Versatz wurde anschließend im Elektrolichtbogenofen bei einer Temperatur von
2.100°C erschmolzen. Die gebildete Schmelze wurde anschließend auf Raumtemperatur
abgekühlt. Die auf Raumtemperatur abgekühlte Schmelze stellte ein Ausführungsbeispiel
eines erfindungsgemäßen Schmelzrohstoffs dar.
[0079] Der erhaltene Schmelzrohstoff wies eine mineralogische Zusammensetzung auf, welche
79,8 Masse-% Magnesiaspinell mit einem überstöchiometrischen Anteil von Al
2O
3 und 19,6 Masse-% Al
4O
4C neben einem Rest (insbesondere SiO
2, CaO, Fe
2O
3 und Na
2O) mit einem Anteil von 0,6 Masse-% aufwies.
[0080] Der Magnesiaspinell mit einem überstöchiometrischen Anteil von Al
2O
3 wies, bezogen auf die Masse des Magnesiaspinells, einen Anteil an MgO von 6,76 Masse-%
und einen Anteil an Al
2O
3 von 93,24 Masse-% auf. Ausgedrückt in Mol und normiert auf 4 Mole Sauerstoff ergibt
sich damit eine mineralogische Phase Mg
0,23Al
2,51O
4.
[0081] Die thermische Dehnung des Schmelzrohstoffs wurde gemäß DIN 51045-4:2007-01 bei 1.000°C
zu 5,92 ppm/K bestimmt (Mittelwert aus drei Messungen).
[0082] Von dem gemäß diesem Ausführungsbeispiel hergestellten Schmelzrohstoff wurde eine
rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Anschliffs angefertigt. Diese Aufnahme
ist in Figur 1 wiedergegeben. Der schwarze Balken unten rechts in der Aufnahme entspricht
einer Länge von 100 µm.
[0083] Gut zu erkennen ist die als dunklerer Bereich erscheinende Matrix aus überstöchiometrischem
Spinell, die mit dem Bezugszeichen 1 gekennzeichnet ist. In diese Matrix 1 ist die
die mit dem Bezugszeichen 2 gekennzeichnete Phase Al
4O
4C eingelagert, die als hellerer Bereich erscheint.