[0001] Die Erfindung betrifft eine Mehrfachglasscheibe und ein Verfahren zum Herstellen
einer Mehrfachglasscheibe, sowie eine Vorrichtung zum Anbringen eines Randverbunds
einer Mehrfachglasscheibe.
[0002] Bekannt sind Mehrfachglasscheiben mit mindestens zwei Glasscheiben, die in einer
Isolierglaseinheit voneinander beabstandet gehalten sind. Isolierglaseinheiten werden
normalerweise aus einem anorganischen oder organischen Glas oder aus anderen Materialien
wie Plexiglas hergestellt.
[0003] Verschiedene Designs werden für Mehrfachglasscheiben verwendet, die eine gute Wärmeisolierung
bereitstellen sollen. Gemäß einer Ausgestaltung ist der Zwischenraum zwischen den
Scheiben vorzugsweise mit inertem Isoliergas wie Argon, Krypton, Xenon usw. gefüllt.
Dieses Füllgas darf nicht aus dem Zwischenraum zwischen den Scheiben austreten. Außerdem
sollte Stickstoff, Sauerstoff, Wasser usw., die in der Umgebungsluft enthalten sind,
nicht in den Zwischenraum zwischen den Scheiben gelangen. Folglich muss der Zwischenraum
zwischen den Scheiben abgedichtet werden, nach Möglichkeit soll auch eine Diffusion
verhindert werden.
[0004] Mehrfachglasscheiben bestehen daher in der Regel aus mindestens zwei Glasscheiben,
die unter Zwischenschaltung eines Abstandhalters, zum Beispiel eines metallischen
Abstandhalterprofils dicht miteinander verbunden sind. Das Abstandhalterprofil wird
dabei zum Beispiel mithilfe von Polyisobutylen, welches als Primärdichtung dient,
mit den Scheiben verklebt. Zusätzlich wird die Randfuge mit einer Sekundärdichtung,
zum Beispiel Polysulfid ausgefüllt. Das Polysulfid wirkt als belastbarer Kleber und
gasdiffusionsdichter Sekundärdichtung für eine übliche Gasfüllung.
[0005] Die Dichtigkeit des Randverbunds einer Mehrfachglasscheibe hat einen großen Einfluss
auf die Qualität und die Lebensdauer der Isolierverglasung. Ebenso spielt die Wärmeübertragung
des Randverbunds, also des Abstandhalter und der Dichtungen, eine große Rolle bei
der Erzielung einer geringen Wärmeleitung von Mehrfachglasscheibe.
[0006] Da Metallabstandhalter in der Regel über eine relativ gute Wärmeleitfähigkeit verfügen,
können alternativ auch thermoplastischen Abstandhalter, sogenannte TPS-Abstandhalter,
verwendet werden, insbesondere geschäumte anorganische Abstandhalter. Diese müssen
allerdings in der Regel mit einer Dampfsperrschicht versehen werden. Je mehr Komponenten
ein Randverbund umfasst, desto aufwendiger ist die Montage und desto höher sind die
Herstellkosten.
[0007] Aus der
DE10300389A1 ist bekannt, in die Eckverbindung zweier in einem Winkel aneinander stossender Isolierglasverbindungen
eine Dämmelement einzubringen. Dabei kann ein Polyurethanschaum verwendet werden,
wobei die Ausgangsmaterialien in dem Hohlraum zu einem Schaum reagieren.
[0008] Die JPH0828149 offenbart einen feuerfesten Randverbund, bei dem die Sekundärdichtung
einen Schaumbildner enthält, sodass die Sekundärdichtung unter Hitzeeinwirkung schäumt,
sich ausdehnt und eine unter Hitzeeinwirkung undicht werdende Primärdichtung unterstützt
oder kompensiert.
[0009] Es besteht die Aufgabe, eine Mehrfachglasscheibe und ein Verfahren zum Herstellen
einer Mehrfachglasscheibe zur Verfügung zu stellen, mit denen die Nachteile des Standes
der Technik vermieden werden, die insbesondere eine dichten und dämmenden Randverbund
aufweisen, der zudem möglichst leicht und kostengünstig herstellbar ist und insbesondere
eine einfache Handhabung während der Montage der Mehrfachglasscheibe ermöglicht.
[0010] Die Aufgabe wird gelöst durch eine Mehrfachglasscheibe mit mindestens zwei Glasscheiben,
bevorzugt aus Floatglas, und einem Randverbund. Der Randverbund umfasst mindestens
einen Abstandhalter, der zwischen zwei Glasscheiben anordnet ist, und mindestens eine
Sekundärdichtung, welche auf der zum Rand der Glasscheiben weisenden Seite des Abstandhalters
angeordnet ist. Erfindungsgemäss umfasst die Sekundärdichtung geschäumtes Kunststoffmaterial.
Bevorzugt besteht die Sekundärdichtung aus geschäumtem Kunststoffmaterial.
[0011] Um eine Sekundärdichtung in einer vorgegebenen Randfuge mit einem bestimmten Abstand
der beiden Glasscheiben voneinander und einem Abstand des Abstandhalters von dem Rand
der Glasscheiben anzubringen, ist ein vorgegebenes Volumen zu füllen und damit eine
bestimmte Menge an Material notwendig. Bei geschäumtem Material, das Poren aufweist,
ist weitaus weniger Grundmaterial notwendig. Das führt zu einer enormen Einsparung.
Bevorzugt ist der Sekundärdichtstoff so geschäumt, dass nur 20-90%, bevorzugt 40-60%,
weiter bevorzugt in etwa die Hälfte des insgesamt beanspruchten Volumens mit dem Grundmaterial
des Dichtstoff gefüllt sind. Gegenüber einem ungeschäumten Material, bei dem das Grundmaterial
das gesamte beanspruchte Volumen, zum Beispiel die gesamte Randfuge, ausfüllt, erhält
man daher eine Materialersparnis von 30-60%.
[0012] Gleichzeitig führen die Poren und die darin enthaltenen Gaseinschlüsse zu einer Absenkung
der Wärmeleitfähigkeit und damit zu einer Verbesserung der Isolierung. Bevorzugt wird
der Wärmeleitkoeffizient gegenüber einem ungeschäumten Material in etwa halbiert.
[0013] Bevorzugt hat die Sekundärdichtung eine Tiefe von mindestens 2mm, weiterbevorzugt
von mindestens 3mm. Die Tiefe gibt dabei die Ausdehnung der Sekundärdichtung zwischen
dem Abstandhalter und dem Rand der Glasscheibe an. Die Dicke wird durch den Abstand
der Glasscheiben und die Länge vom Umfang der Glasscheiben festgelegt.
[0014] Die geschäumte Sekundärdichtung kann für die Montage als Fassware zur Verfügung gestellt
werden. Fassware kann in die Randfuge injiziert werden.
[0015] Bevorzugt ist der Raum, den die Glasscheiben und der Abstandhalter auf der zum Rand
der Glasscheiben weisenden Seite des Abstandhalters definieren und der die Randfuge
bildet, mit der Sekundärdichtung ausgefüllt. Die optimale Füllung ist am besten mit
einer Injektion zu erreichen.
[0016] In einer vorteilhaften Ausführung der Erfindung umfasst der Randverbund mindestens
zwei Primärdichtungen. Die Primärdichtungen sind jeweils zwischen dem Abstandhalter
und einer Glasscheibe angeordnet. Für die Primärdichtung kann ein plastischer Dichtstoff
auf Basis von Polyisobutylen (Butyl) verwendet werden.
[0017] Bevorzugt umfasst die Sekundärdichtung der erfindungsgemässen Mehrfachglasscheibe
ein Material auf Basis von Polysulfid, Polyurethan und/oder Silikon. Derartige Materialien
sind physikalisch durch Einbringen von beispielsweise Stickstoff oder Kohlendioxid
aufschäumbar und besitzen nach kurzer Zeit eine langanhaltende Standfestigkeit. Die
Vernetzung kann durch den Zusatz von Kalziumcarbonat oder Weichmacher optimiert werden.
[0018] Bei dem Grundmaterial der Sekundärdichtung kann es sich um einen Zweikomponenten-Dichtstoff,
wie Polysulfid, Silikon oder Polyurethan, handeln. Es kann auch ein einkomponentiges
Hot-Melt-Material verwendet werden.
[0019] Der Abstandhalter kann ein Metall enthalten, beispielsweise als Metallprofil aus
Aluminium oder Edelstahl ausgebildet sein. Es kann auch ein beschichtetes Metallprofil
verwendet sein. Der Abstandhalter kann alternativ als thermoplastischer Abstandhalter,
insbesondere als geschäumter thermoplastischer Abstandhalter, ausgeführt sein.
[0020] Der Abstandhalter kann einen Hohlraum aufweisen, in dem Trockenmittel angeordnet
ist.
[0021] Das Trockenmittel kann auch in dem Grundmaterial für einen thermoplastischen Abstandhalter
integriert sein.
[0022] Der Abstandhalter kann gleichzeitig die Funktion einer Primärdichtung und/oder einer
Gas-Wasserdampfsperre übernehmen.
[0023] Die Aufgabe wird ausserdem gelöst durch eine Mehrfachglasscheibe, insbesondere wie
oben beschrieben, mit mindestens zwei Glasscheiben und einem Randverbund. Der Randverbund
umfasst mindestens einen Abstandhalter, der zwischen zwei Glasscheiben anordnet ist,
und mindestens eine Sekundärdichtung, welche auf der zum Rand der Glasscheiben weisenden
Seite des Abstandhalters angeordnet ist. Der Abstandhalter ist als geschäumter organischer
thermoplastischer Abstandhalter ausgeführt.
[0024] Als Grundstoff zum Herstellen eines organischen thermoplastischen Abstandhalters
kann ein Einkomponenten-Dichtstoff auf der Basis von Polyisobutylen verwendet werden,
der mit Stickstoff oder Kohlendioxid aufgeschäumt wird. Für den organischen thermoplastischen
Abstandhalter wird keine Primärdichtung benötigt, da sich das Material gut mit der
Glasoberfläche verbindet.
[0025] Für einen geschäumten Abstandhalter ist weitaus weniger Grundmaterial notwendig als
für einen unaufgeschäumten Abstandhalter. Das führt zu einer enormen Einsparung. Bevorzugt
ist der Abstandhalter so geschäumt, dass nur 20-90%, bevorzugt 40-60%, des insgesamt
beanspruchten Volumens mit dem Grundmaterial gefüllt sind. Gegenüber einem ungeschäumten
Abstandhalter, bei dem das Grundmaterial das gesamte beanspruchte Volumen ausfüllt,
erhält man daher eine Materialersparnis von 30-70%.
[0026] Gleichzeitig führen die Poren und die darin enthaltenen Gaseinschlüsse zu einer Absenkung
der Wärmeleitfähigkeit und damit zu einer Verbesserung der Isolierung. Bevorzugt wird
der Wärmeleitkoeffizient gegenüber einem ungeschäumten Material in etwa halbiert.
[0027] Während die Shore Härte eines ungeschäumten organischen thermoplastischen Abstandhalters
bei etwa 55-60 Shore A liegt, wird bevorzugt die Härte des Materials für das geschäumte
Material um etwa 5 bis 10 % erhöht. Dies geschieht durch Zugabe von Weichmachern und/oder
Kalziumkarbonat.
[0028] Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass es nicht zu Wechselwirkungen zwischen den
verwendeten Dichtmaterialien kommt. Dichtmaterialien können über einen längeren Zeitraum
Spaltprodukte wie Ethanol, Methanol oder Alkohole abgeben. Ausserdem können Weichmacher
wandern. Dies kann Wechselwirkungen hervorrufen und in der Folge die Dichtheit eines
Randverbundes und somit die Funktion von Isolierglaseinheiten massiv beeinträchtigen.
Ebenso besteht verstärkt die Gefahr von "Girlanden-Bildungen", welche auf Grund von
Wechselwirkungen durch das Einwandern der Primärdichtung in den Scheibenzwischenraum
ersichtlich werden. Die Materialien sind bevorzugt so aufeinander abzustimmen, dass
nur miteinander kompatible Materialien verwendet sind, und/oder die Materialien sind
voneinander zu trennen.
[0029] In einer vorteilhaften Ausführung der Mehrfachglasscheibe ist eine Dampfsperrschicht,
insbesondere eine Dampfsperrfolie, zwischen Abstandhalter und Sekundärdichtstoff angeordnet.
Die Dampfsperrschicht kann insbesondere zwischen Primärdichtung und Sekundärdichtung
angeordnet sein.
[0030] Die Dampfsperrschicht enthält bevorzugt Aluminium, PET und/oder SiOx. Bevorzugt wird
eine beschichtete Folie aus PET oder einem modifizierten Kunststoff verwendet.
[0031] Die Aufgabe wird ausserdem gelöst durch ein Verfahren zum Herstellen einer Mehrfachglasscheibe,
insbesondere wie oben beschrieben, mit mindestens zwei Glasscheiben und einem Randverbund.
Das Verfahren umfasst die folgenden Schritte. Zunächst wird ein Abstandhalter angebracht.
Ausserdem wird auf der Seite des Abstandhalters, die zum Rand der Glasscheiben weist,
eine Sekundärdichtung angebracht, die geschäumtes Kunststoffmaterial enthält oder
bevorzugt daraus besteht.
[0032] Bevorzugt wird die Sekundärdichtung aufgeschäumt. Dabei wird insbesondere der Raum,
den die Glasscheiben und der Abstandhalter auf der zum Rand der Glasscheiben weisenden
Seite des Abstandhalters definieren, und welcher die Randfuge bildet, aufgefüllt.
[0033] Zum Aufschäumen wird vorteilhafterweise eine Vorrichtung mit einem Injektor verwendet,
über welchen zum Beispiel ein mit Gas versetztes Material in die Randfuge appliziert
wird.
[0034] Bevorzugt erfolgt das Aufschäumen physikalisch mit Stickstoff oder Kohledioxid.
[0035] Dabei kann die eingebrachte Gasmenge eingestellt werden. Es kann zum Beispiel die
Zuführrate an die Verarbeitungsgeschwindigkeit und/oder an die Ausströmgeschwindigkeit
des Grundmaterials angepasst werden, so dass ein gewünschtes Verhältnis von Volumenanteilen
Grundmaterial und Gasporen in der aufgeschäumten Sekundärdichtung vorliegt.
[0036] Der Abstandhalter kann direkt auf eine Glasscheibe aufgebracht werden. Bevorzugt
wird ausserdem eine Primärdichtung angebracht, die zwischen Abstandhalter und Glasscheibe
angeordnet ist. Die Primärdichtung wirkt als Gas- und Wasserdampfsperre.
[0037] Die Aufgabe wird ausserdem gelöst durch ein Verfahren, insbesondere wie oben beschrieben,
zum Herstellen einer Mehrfachglasscheibe, insbesondere wie weiter oben beschrieben,
mit mindestens zwei Glasscheiben und einem Randverbund; das Verfahren umfasst den
Schritt des Anbringens eines Abstandhalters aus geschäumtem organischem thermoplastischen
Material. Das Grundmaterial des Abstandhalters, das organische thermoplastische Material,
kann mit N
2 oder CO
2 aufgeschäumt werden. Bevorzugt wird das mit Gas versetzte Grundmaterial direkt zischen
die Glasscheiben appliziert.
[0038] In einer vorteilhaften Weiterbildung des Verfahrens wird eine zusätzliche Dampfsperrschicht
angebracht, die zwischen Abstandhalter und Sekundärdichtung und/oder zwischen Primärdichtung
und Sekundärdichtung angeordnet ist. Insbesondere wird auf den Abstandhalter eine
Folie ausgerollt. Bei der Dampfsperrfolie kann es sich um eine PET Folie handeln,
die beidseitig metallisch oder mit SiO
x beschichtet ist. Dies verbessert insbesondere die Haftung der Dampfsperrschicht auf
einem TPS Abstandhalter und der Sekundärdichtung. Gleichzeitig wird die Gasdiffusion
reduziert.
[0039] In einer bevorzugten Ausbildung des Verfahrens werden zumindest der Abstandhalter
und die Sekundärdichtung gleichzeitig angebracht. Insbesondere können der Abstandhalter
und die Sekundärdichtung, sowie insbesondere die Dampfsperrschicht, in einem Arbeitsschritt
appliziert werden.
[0040] Dabei können Applikationsköpfe parallel um die Glasscheibe bewegt werden, welche
die jeweiligen Komponenten des Randverbunds sukzessive ablegen. Alternativ können
die jeweiligen Materialien von einer Injektionsvorrichtung koextrudiert werden.
[0041] Die Aufgabe wird ausserdem gelöst durch eine Vorrichtung zum Anbringen eines Randverbunds
einer Mehrfachglasscheibe mit mindestens zwei Glasscheiben. Die Vorrichtung umfasst
mindestens einen Injektor mit einer Gaszufuhr und mit einer Düse zum Applizieren in
einen Spalt zwischen zwei Glasscheiben. In der Düse oder unmittelbar vor der Düse
werden das Gas und das Dichtmaterial gemischt, sodass ein aufgeschäumtes Material
entsteht.
[0042] Die Mischung mit dem Gas findet bevorzugt in einer Homogenisiervorrichtung statt,
die der Düse vorgeordnet ist und mit der sichergestellt wird, dass das Gas gleichmässig
in dem Grundmaterial verteilt wird.
[0043] Mit dem Injektor kann Material zum Bilden einer Sekundärdichtung oder zum Bilden
eines Abstandhalters appliziert werden.
[0044] Die von der Düse abgegebene Masse wird bevorzugt mit einem bestimmten Profil deponiert,
das wählbar und/oder einstellbar ist. Die Düse hat dazu zum Beispiel eine Abgabeöffnung
mit wählbarem und/oder einstellbarem Profil.
[0045] Der Injektor kann ein Einkomponenten-Injektor sein oder insbesondere einen Zwei-Komponenten-Mischer
umfassen.
[0046] Die Vorrichtung umfasst insbesondere ausserdem einer Abziehvorrichtung, mit welcher
die Sekundärdichtung abgezogen wird, damit sie bündig mit der Aussenkante mindestens
einer Glasscheibe abschliesst.
[0047] Die Vorrichtung umfasst insbesondere ausserdem eine Dosiersteuerung, über welche
die Abgaberate des Grundmaterials und/oder das Mengenverhältnis von Gas und Grundmaterial
einstellbar sind.
[0048] Die Vorrichtung umfasst insbesondere ausserdem einen weiteren Injektor, mit welchem
beispielweise zeitgleich ein Abstandhalter aufgeschäumt werden kann. Dieser Injektor
verfügt bevorzugt ebenfalls über eine Düse, die eine Abgabeöffnung mit wählbarem und/oder
einstellbarem Profil aufweist.
[0049] Bevorzugt umfasst die Vorrichtung zwei Injektoren, einen ersten Injektor mit einer
ersten Gaszufuhr zum Applizieren einer Sekundärdichtung aus aufgeschäumten Kunststoff
und einen zweiten Injektor zum Applizieren eines Abstandhalters, insbesondere einen
zweiten Injektor mit einer zweiten Gaszufuhr zum Applizieren eines aufgeschäumten
organischen thermoplastischen Abstandhalters.
[0050] Die Vorrichtung kann über eine Folienauftragevorrichtung verfügen, so dass Sekundärdichtung
und Dampfsperrschicht oder Sekundärdichtung, Dampfsperrschicht und Abstandhalter in
einem Arbeitsschritt applizierbar sind.
[0051] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von in Figuren dargestellten Beispielen näher
erläutert. Verschiedene Ausführungen von Komponenten mit gleicher Funktion sind jeweils
mit den gleichen Bezugszeichen versehen. Es zeigen
- Fig. 1:
- eine schematische Darstellung eines ersten Beispiels für eine Mehrfachglasscheibe
mit einem Randverbund in einer Schnittdarstellung;
- Fig. 2:
- eine schematische Darstellung eines zweiten Beispiels für eine Mehrfachglasscheibe
mit einem Randverbund;
- Fig. 3:
- eine schematische Darstellung eines dritten Beispiels für eine Mehrfachglasscheibe
mit einem Randverbund;
- Fig. 4:
- eine schematische Darstellung eines dritten Beispiels für eine Mehrfachglasscheibe
mit einem Randverbund;
- Fig. 5:
- eine schematische Darstellung einer Vorrichtung zum Erstellen eines Randverbunds.
[0052] Figur 1 zeigt eine Mehrfachglasscheibe 1 mit zwei Glasscheiben 2 und einem Randverbund
3.
[0053] Der Randverbund 3 umfasst einen Abstandhalter 4, der zwischen den zwei Glasscheiben
2 anordnet ist, und eine Sekundärdichtung 5, welche auf der zum Rand 6 der Glasscheiben
2 weisenden Seite 7 des Abstandhalters 4 angeordnet ist. Die Sekundärdichtung 5 besteht
aus geschäumtem Kunststoffmaterial.
[0054] Der Raum, den die Glasscheiben 2 und der Abstandhalter 4 auf der zum Rand 6 der Glasscheiben
2 weisenden Seite 7 des Abstandhalters 4 definieren ist mit der Sekundärdichtung ausgefüllt.
[0055] Der Randverbund 3 umfasst zwei Primärdichtungen 8 auf Butylbasis, die jeweils zwischen
dem Abstandhalter 4 und einer Glasscheibe 2 angeordnet sind.
[0056] Der Abstandhalter 4 kann als Hohlprofil ausgeführt sein, in dem ein Trockenmittel
9 angeordnet ist.
[0057] Figur 2 zeigt ein zweites Beispiel für eine Mehrfachglasscheibe 1 mit zwei Glasscheiben
2 und einem Randverbund 3. Der Abstandhalter 4 ist als Abstandhalter aus Kunststoff
ausgeführt, auf den eine Dampfsperrschicht 10 aufgetragen ist, die zwischen Abstandhalter
4 und Sekundärdichtung 5 angeordnet ist.
[0058] Figur 3 zeigt ein drittes Beispiel für eine Mehrfachglasscheibe 1 mit zwei Glasscheiben
2 und einem Randverbund 3. Der Abstandhalter 4 ist als ungeschäumter thermoplastischer
Abstandhalter ausgeführt. Eine Dampfsperrschicht und eine Primärdichtung sind nicht
notwendig.
[0059] Figur 4 zeigt ein viertes Beispiel für eine Mehrfachglasscheibe 1 mit zwei Glasscheiben
2 und einem Randverbund 3. Der Abstandhalter 4 ist ein geschäumter organischer TPS
Abstandhalter. Wegen der Porösität des Abstandhalters 4 ist eine Dampfsperrschicht
10 vorgesehen, die zwischen Abstandhalter 4 und geschäumter Sekundärdichtung 5 angeordnet
ist. Da sich das organische TPS Grundmaterial gut mit der Glasoberfläche verbindet,
ist eine Primärdichtung nicht notwendig.
[0060] Zum Herstellen eines thermoplastischen Abstandhalters 4 kann eine lösungsmittelfreier,
dauerplastischer Einkomponenten-Dichtstoff auf der Basis von Polyisobutylen verwendet
werden (zum Beispiel "TS-970" der Firma H.B. Füller). Der Abstandhalter 4 kann die
Funktion einer herkömmlichen Primärdichtung und eines Trocknungsmittels in einem Produkt
übernehmen. Alternativ kann ein thermoplastischer lösungsmittelfreier einkomponentiger
Dichtstoff auf der Basis von Polyisobutylen mit integriertem Trockenmittel verwendet
werden (zum Beispiel "Butylver TPS" der Firma Fenzi).
[0061] Als Grundmaterial für einen Sekundärdichtstoff kann ein Zweikomponenten-Polyurethan
(zum Beispiel "Poliver" der Firma Fenzi), ein Zweikomponenten-Polysulfid (zum Beispiel
"Thiover" der Firma Fenzi) oder eine Silikondichtstoff (zum Beispiel "Sikasil® IG-25"
der Firma Sika) verwendet werden.
[0062] Das Grundmaterial des Zweikomponenten Dichtstoffs Polysulfid weist eine Wärmeleitfähigkeit
von 0.41 W/mK, Polyurethan von 0.40 W/mK auf. Die Wärmeleitfähigkeit einer geschäumten
Sekundärdichtung aus entsprechendem Material lässt sich auf 0.20W/mK absenken. Damit
hat die Sekundärdichtung einen Wärmeleitfähigkeit, die unterhalb der übrigen, typischerweise
verwendeten Komponenten liegt, beispielsweise 0.79W/mK für Floatglas, 0.41W/mK für
Isobutylen.
[0063] Abstandhalter 4 haben Wärmeleitfähigkeiten im Bereich von 1.35W/mK für Aluminium,
0.37W/mK für Edelstahl und 0.27W/mK für einen thermoplastischen Abstandhalter.
[0064] Als Dampfsperrschicht kann eine Folie mit dem folgenden Schichtaufbau verwendet werden:
SiOx - Polyethylenterephtalat (23µm) - Kleber(2-4µm) - SiOx - Ethylenvinylalkohol
- orientiertes Polypropylen (18µm).
[0065] Figur 5 zeigt eine schematische Darstellung einer Vorrichtung 11 zum Erstellen eines
Randverbunds.
[0066] Die Vorrichtung 11 umfasst einen ersten Injektor 12 mit Gaszufuhr 13 zum Applizieren
einer Sekundärdichtung aus aufgeschäumten Kunststoff. Der erste Injektor 12 kann einen
Zwei-Komponenten-Mischer 14 umfassen, der aus zwei Reservoirs 15, 16 gespeist wird
und ein Grundmaterial für eine Sekundärdichtung bereitstellt. Zu diesem Grundmaterial
wird aus einer Gasdosiervorrichtung 17 Stickstoff oder Kohlendioxid zu gemischt. Das
Mischen erfolgt bevorzugt in einer Homogenisiervorrichtung 18. Über eine Düse 19 kann
das aufgeschäumte Dichtmaterial in eine Randfuge appliziert werden.
[0067] Die Vorrichtung 11 umfasst ausserdem einen zweiten Injektor 20 zum Applizieren eines
Abstandhalters. Der zweite Injektor 20 ist ebenfalls mit einer Gaszufuhr 21 ausgestattet,
um einen aufgeschäumten organischen thermoplastischen Abstandhalter applizieren zu
können.
[0068] Der zweite Injektor 20 kann eine Homogenisiervorrichtung 22 umfassen, die aus einem
Reservoir 23 mit organischen thermoplastischen Grundmaterial gespeist wird. Zu diesem
Grundmaterial wird aus einer Gasdosiervorrichtung 24 Stickstoff oder Kohlendioxid
zu gemischt.
[0069] Über eine Düse 25 kann das aufgeschäumte TPS Material als Abstandhalter zwischen
zwei Glasscheiben appliziert werden.
[0070] Zum Applizieren wird das TPS Material bevorzugt auf über 100°C, bevorzugt über 120°C
erhitzt.
[0071] Die Vorrichtung kann ausserdem über eine nicht dargestellt Folienabgabevorrichtung
verfügen.
[0072] Der Randverbund kann damit quasi in einem Arbeitsschritt hergestellt werden, indem
nacheinander der Abstandhalter, nach dessen Abkühlen und Aushärten die Sperrschicht
und darauf die Sekundärdichtung appliziert werden.
1. Mehrfachglasscheibe (1) mit mindestens zwei Glasscheiben (2) und einem Randverbund
(3), umfassend mindestens einen Abstandhalter (4), der zwischen zwei Glasscheiben
(2) anordnet ist, und mindestens einer Sekundärdichtung (5), welche auf der zum Rand
(6) der Glasscheiben (2) weisenden Seite (7) des Abstandhalters (4) angeordnet ist,
dadurch gekennzeichnet, dass die Sekundärdichtung (5) geschäumtes Kunststoffmaterial umfasst oder bevorzugt daraus
besteht.
2. Mehrfachglasscheibe gemäss Anspruch 1, wobei der Raum, den die Glasscheiben (2) und
der Abstandhalter (4) auf der zum Rand (6) der Glasscheiben (2) weisenden Seite (7)
des Abstandhalters (4) definieren, mit der Sekundärdichtung (5) ausgefüllt ist.
3. Mehrfachglasscheibe gemäss Anspruch 1 oder 2, wobei der Randverbund (3) mindestens
zwei Primärdichtungen (8) umfasst, insbesondere aus Buthylbasis, die jeweils zwischen
dem Abstandhalter (4) und einer Glasscheibe (2) angeordnet sind.
4. Mehrfachglasscheibe gemäss einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Sekundärdichtung
(5) ein Material auf Basis von Polysulfid, Polyurethan und/oder Silikon umfasst.
5. Mehrfachglasscheibe gemäss einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Abstandhalter
(4) ein Metall enthält oder als thermoplastischer Abstandhalter (4), insbesondere
als geschäumter thermoplastischer Abstandhalter (4), ausgeführt ist.
6. Mehrfachglasscheibe, insbesondere gemäss einem der vorhergehenden Ansprüche, mit mindestens
zwei Glasscheiben (2) und einem Randverbund (3), umfassend mindestens einen Abstandhalter
(4), der zwischen zwei Glasscheiben (2) angeordnet ist, und mindestens einer Sekundärdichtung
(5), welche auf der zum Rand (6) der Glasscheiben (2) weisenden Seite (7) des Abstandhalters
(4) angeordnet ist, wobei der Abstandhalter (4) als geschäumter organischer thermoplastischer
Abstandhalter (4) ausgeführt ist.
7. Mehrfachglasscheibe gemäss einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei eine Dampfsperrschicht
(10), insbesondere eine Dampfsperrfolie, zwischen Abstandhalter (4) und Sekundärdichtung
(5) angeordnet ist, weiter insbesondere zwischen Primärdichtung (8) und Sekundärdichtung
(5), insbesondere enthaltend Aluminium, PET und/oder SiOx.
8. Verfahren zum Herstellen einer Mehrfachglasscheibe (1), insbesondere gemäss einem
der vorhergehenden Ansprüche, mit mindestens zwei Glasscheiben (2) und einem Randverbund
(3), umfassend die Schritte: Anbringen eines Abstandhalters (4), Anbringen einer Sekundärdichtung
(5), die geschäumtes Kunststoffmaterial enthält oder bevorzugt daraus besteht, auf
der Seite (7) des Abstandhalters (4), die zum Rand (6) der Glasscheiben (2) weist.
9. Verfahren gemäss Anspruch 8, wobei die Sekundärdichtung (5) aufgeschäumt wird, und
insbesondere der Raum, den die Glasscheiben (2) und der Abstandhalter (4) auf der
zum Rand (6) der Glasscheiben (2) weisenden Seite (7) des Abstandhalters (4) definieren,
aufgefüllt wird.
10. Verfahren gemäss Anspruch 9, wobei das Aufschäumen mit N2 oder CO2 erfolgt.
11. Verfahren gemäss Anspruch 8-10, wobei eine Primärdichtung (8) angebracht wird.
12. Verfahren, insbesondere gemäss einem der Ansprüche 8-11, zum Herstellen einer Mehrfachglasscheibe
(1), insbesondere gemäss einem der Ansprüche 1-7, mit mindestens zwei Glasscheiben
(2) und einem Randverbund (3), umfassend den Schritt: Anbringen eines Abstandhalters
(4) aus geschäumtem organischen thermoplastischen Material, wobei das Aufschäumen
insbesondere mit N2 oder CO2 erfolgt.
13. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 8-12, wobei eine Dampfsperrschicht (10) angebracht
wird, insbesondere auf den Abstandhalter (4) eine Folie, weiter insbesondere eine
beidseitig metallisch oder mit SiOx beschichtete PET-Folie, ausgerollt wird.
14. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 8-13, wobei zumindest von Abstandhalter (4) und
Sekundärdichtung (5) gleichzeitig angebracht werden, insbesondere das Applizieren
von Abstandhalter (4), Dampfsperrschicht (10) und Sekundärdichtung (5) in einem Arbeitsschritt
erfolgt.
15. Vorrichtung zum Anbringen eines Randverbunds (3) einer Mehrfachglasscheibe (1) mit
mindestens zwei Glasscheiben (2), wobei die Vorrichtung zwei Injektoren (12, 20) umfasst,
einen ersten Injektor (12) mit einer ersten Gaszufuhr (13) zum Applizieren einer Sekundärdichtung
(5) aus aufgeschäumten Kunststoff und einen zweiten Injektor (20) zum Applizieren
eines Abstandhalters (4), insbesondere einen Injektor (20) mit einer zweiten Gaszufuhr
(21) zum Applizieren eines aufgeschäumten organischen thermoplastischen Abstandhalters.