[0001] Die Erfindung betrifft eine thermionische Emissionsvorrichtung.
[0002] Eine derartige thermionische Emissionsvorrichtung ist z.B. aus der
DE 10 2009 005 454 B4 bekannt und in einer Röntgenröhre als Kathode wirksam. Die bekannte thermionische
Emissionsvorrichtung umfasst einen indirekt beheizten Hauptemitter, der als Flachemitter
mit einer unstrukturierten Hauptemissionsfläche ausgebildet ist, und mit einem Heizemitter,
der als Flachemitter mit einer strukturierten Heizemissionsfläche ausgebildet ist.
[0003] Unter einer unstrukturierten Emissionsfläche wird eine flache, im Wesentlichen homogene
Emissionsfläche ohne Schlitze oder ähnliche Unterbrechungen verstanden. Eine Emissionsfläche,
die beispielsweise durch Schlitze unterbrochen ist oder eine mäanderförmige Leiterbahn
aufweist, wird als strukturiert bezeichnet.
[0004] Bei der aus der
DE 10 2009 005 454 B4 bekannten thermionischen Emissionsvorrichtung weisen der Hauptemitter und der Heizemitter
jeweils mindestens zwei Anschlussfahnen auf, wobei der Heizemitter gewissermaßen in
den Hauptemitter geschachtelt ist. Die Hauptemissionsfläche und die Heizemissionsfläche
sind im Wesentlichen parallel und zentrisch zueinander ausgerichtet. Die Anschlussfahnen
des Hauptemitters sind im Wesentlichen senkrecht zur Hauptemissionsfläche ausgerichtet
und stehen in lateraler Richtung nicht über die Hauptemissionsfläche heraus. Bei der
bekannten thermionischen Emissionsvorrichtung wird mit konstruktiv einfach gehaltenen
Mitteln eine möglichst hohe Qualität des Brennflecks erreicht und auch bei hohen thermischen
Belastungen eine unerwünschte Aufweitung oder Defokussierung des Elektronenstrahls
vermieden.
[0005] Der in der thermionische Emissionsvorrichtung erzeugte Elektronenstrahl trifft in
einem Brennfleck auf eine Drehanode auf. Aufgrund des Brennfleckprofils des Elektronenstrahls
entsteht auf der Brennbahn eine Oberflächentemperatur von bis zu 2.400 °C. Diese Oberflächentemperatur
der Brennbahn kann ohne unerwünschte Verkürzung der Lebensdauer der Drehanode nicht
erhöht werden, so dass allenfalls nur eine sehr geringe Leistungserhöhung über einen
sehr kurzen Zeitraum und einer anschließenden Abkühlphase realisierbar ist.
[0008] Aus der
US 7,795,792 B2 ist es bekannt, Emittermaterialien durch ein Karburieren (Aufkohlen) in den Emissionseigenschaften
zu verändern.
[0009] Die
WO 2013/080074 A1 beschreibt den Einsatz von Carbon Nanotubes (Kohlenstoffnanoröhrchen) als Emitter
in Röntgenröhren.
[0010] Weiterhin ist aus der
US 6,556,656 B2 bekannt, Elektroden unter dem eigentlichen Elektronenemitter anzuordnen, um eine
Homogenisierung des elektrischen Feldes am Ort des Elektronenemitters zu erhalten.
[0011] Eine asymmetrische Emission von Elektronen ist z.B. aus der
US 7,835,501 B2 bekannt. Hierbei wird ein aus der Kathode austretender Elektronenstrahl durch eine
Brennfleck-Modulationseinheit derart moduliert, dass eine asymmetrische Intensitätsverteilung
des Elektronenstrahls einstellbar ist.
[0012] In der
DE 195 13 290 C1 sowie der korrespondierenden
US 5,703,924 A ist eine als Flachemitter ausgebildete Glühkathode beschrieben, die aus einem Grundkörper
aus Wolfram besteht und eine Beschichtung aus einem Dispenser-KathodenMaterial, z.B.
Lanthanhexaborid (LaB
6), besteht.
[0013] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine thermionische Emissionsvorrichtung
für eine Röntgenröhre zu schaffen, die bei gleichbleibender Bildqualität eine längere
Lebensdauer der Röntgenröhre gewährleistet.
[0014] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine thermionische Emissionsvorrichtung gemäß
Anspruch 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind jeweils Gegenstand
von weiteren Ansprüchen.
[0015] Die thermionische Emissionsvorrichtung nach Anspruch 1 umfasst einen Flachemitter
mit einer Hauptemissionsfläche, der an ein Hauptpotential schaltbar ist, sowie einen
zuschaltbaren Feldeffekt-Elektronenemitter mit einer Heizemissionsfläche, die an ein
Heizpotential schaltbar ist, das unterschiedlich zum Hauptpotential ist.
[0016] Bei der erfindungsgemäßen Emissionsvorrichtung wird die Hauptemissionsfläche des
Flachemitters durch Elektronen aufgeheizt, die von der Heizemissionsfläche des Feldeffekt-Elektronenemitters
emittiert werden. Der Feldeffekt-Elektronenemitter bildet somit eine indirekte Heizung
für den Flachemitter.
[0017] Dadurch, dass bei dem Feldeffekt-Elektronenemitter eine kalte Emission der Elektronen
erfolgt, ist das Heizpotential das die Emission der Elektronen aus der Heizemissionsfläche
bewirkt, unterschiedlich zum Hauptpotential, das zu der thermischen Emission der Elektronen
aus der Hauptemissionsfläche des Flachemitters führt.
[0018] Aufgrund der kalten Elektronenemission ist im Stand-by-Betrieb deshalb auch keine
thermische Heizung des Elektronenemitters erforderlich, wodurch sich eine längere
Lebensdauer für die thermionische Emissionsvorrichtung nach Anspruch 1 ergibt.
[0019] Im Rahmen der Erfindung können die Feldeffekt-Elektronenemitter beispielsweise als
CNT-basierte Feldemittern (CNT, Carbon Nano Tubes, Kohlenstoff-Nanoröhren) oder als
Si-basierte Feldemitter (Si, Silizium) ausgeführt sein. Auch nanokristalliner Diamant
ist gemäß der
DE 197 27 606 A1 für die Herstellung von Kaltkathoden geeignet.
[0020] Vorzugsweise sind die Hauptemissionsfläche und die Heizemissionsfläche strukturiert
(Anspruch 2). Diese Strukturierung ist bei einem Flachemitter mit rechteckiger Oberfläche
beispielsweise durch Schlitze auf der Hauptemissionsfläche realisierbar Auf der Heizemissionsfläche
ist diese Strukturierung z.B. durch eine entsprechende Segmentierung des Feldeffektemittermaterials
realisierbar. Durch eine derartige Strukturierung erhält man auf einfache Weise einen
definierten Brennfleck.
[0021] Gemäß einer besonders vorteilhaften Ausführungsform der thermionischen Emissionsvorrichtung
weist die Heizemissionsfläche zu der Hauptemissionsfläche einen vorgebbaren Abstand
auf (Anspruch 3). Bei CNT-basierten Feldemittern (CNT, Carbon Nano Tubes, Kohlenstoff-Nanoröhren)
liegt der vorgebbare Abstand zwischen Heizemissionsfläche und Hauptemissionsfläche
beispielsweise zwischen ca. 0,5 mm und 5 mm. Anstelle von CNT-basierten Feldemittern
sind auch Si-basierte Feldemitter (Si, Silizium) einsetzbar. Auch die Verwendung von
wenigstens zwei verschiedenen Feldemissions-Materialien ist Rahmen der Erfindung möglich.
[0022] Die Hauptemissionsfläche der thermionischen Emissionsvorrichtung ist in vorteilhafter
Weise durch die Heizemissionsfläche in einem vorgebbaren Bereich aufheizbar (Anspruch
4). Die Heizemissionsfläche der thermionischen Emissionsvorrichtung umfasst hierzu
eine vorgebbare Anzahl von einzeln ansteuerbaren Feldeffekt-Emittersegmenten (Anspruch
5).
[0023] Die thermionische Emissionsvorrichtung gemäß der Erfindung bzw. deren vorteilhafte
Ausgestaltungen (Ansprüche 2 bis 5) sind für den Einbau in einen Fokuskopf geeignet
(Anspruch 6).
[0024] Mit der thermionischen Emissionsvorrichtung (Ansprüche 1 bis 5) bzw. mit einem damit
ausgestatteten Fokuskopf (Anspruch 6) ist auf einfache Weise eine Röntgenröhre mit
einer deutlich verbesserten Dosismodulation herstellbar (Ansprüche 7 bis 9).
[0025] Durch die kurzen Abkühlzeiten beim Abschalten des Heizemitters sowie die deutlich
kürzeren Abkühlzeiten des Hauptemitters bei abgeschaltetem Heizemitter, werden die
Strahlenbelastungen entsprechend reduziert und die Aufnahmezeiten bei der Bildgebung
verkürzt.
[0026] Die vorstehend beschriebenen Röntgenröhren (Ansprüche 7 und 8) können ohne Modifikationen
in das Strahlergehäuse eines Röntgenstrahlers eingebaut werden (Anspruch 9).
[0027] Nachfolgend wird ein schematisch dargestelltes Ausführungsbeispiele der Erfindung
anhand der Zeichnung näher erläutert, ohne jedoch darauf beschränkt zu sein. Es zeigen:
- FIG 1
- einen Längsschnitt durch eine Ausführungsform einer thermionischen Emissionsvorrichtung,
- FIG 2
- eine perspektivische Ansicht der thermionischen Emissionsvorrichtung entlang der Linie
II-II in FIG 1,
- FIG 3
- ein erstes Ausführungsbeispiel für eine strukturierte Hauptemissionsfläche eines Flachemitters
in Draufsicht und
- FIG 4
- ein zweites Ausführungsbeispiel für eine strukturierte Hauptemissionsfläche eines
Flachemitters in perspektivischer Ansicht.
[0028] Die in FIG 1 dargestellte thermionische Emissionsvorrichtung umfasst einen Flachemitter
1 mit einer Hauptemissionsfläche 11 und Feldeffekt-Elektronenemitter 2 mit einer Heizemissionsfläche
21.
[0029] Der Flachemitter 1 ist an ein Hauptpotential U
1 schaltbar und der Feldeffekt-Elektronenemitter 2 ist an ein Heizpotential U
2 schaltbar, das unterschiedlich zum Hauptpotential U
1 ist.
[0030] Der Heizemissionsfläche 21 des Feldeffekt-Elektronenemitters 2 umfasst eine vorgebbare
Anzahl von Segmenten 22, die beispielsweises durch eine Metallisierung auf einem Substrat
23 aufgebracht sind. Die Strukturierung der Heizemissionsfläche 21 wird im gezeigten
Ausführungsbeispiel durch die einzeln ansteuerbaren Feldeffekt-Emittersegmente 22
erreicht.
[0031] Bei dem in FIG 1 dargestellten Ausführungsbeispiel sind die Hauptemissionsfläche
11 und die Heizemissionsfläche 21 strukturiert.
[0032] Die Heizemissionsfläche 21 weist zu der Hauptemissionsfläche 11 einen vorgebbaren
Abstand 3 auf. Hierzu ist im Randbereich des Substrats 23 wenigstens ein Abstandshalter
4 angeordnet, durch den der Abstand 3 zwischen Heizemissionsfläche 21 und Hauptemissionsfläche
11 sichergestellt ist. Im dargestellten Ausführungsbeispiel ist gemäß FIG 2 ein U-förmiger
Abstandshalter 4 vorgesehen, der auf drei Seiten angeordnet ist und eine Kontaktierung
41 für den Flachemitter 1 aufweist. Eine Längsseite des Substrats 23 ist nicht durch
den Abstandshalter 4 belegt, um die auf dem Substrat 23 angeordneten Feldeffekt-Emittersegmente
22 elektrisch kontaktieren zu können.
[0033] Aufgrund der Strukturierung der Heizemissionsfläche 21 ist die Hauptemissionsfläche
11 in einem vorgebbaren Flächenbereich definiert aufheizbar.
[0034] Bei dem in FIG 1 dargestellten Ausführungsbeispiel ist nicht nur die Heizemissionsfläche
21 des Feldeffekt-Elektronenemitters 2 strukturiert, sondern auch die Hauptemissionsfläche
11 des Flachemitters 1. Für die Strukturierung der Hauptemissionsfläche 11 ist in
den FIG 3 und 4 jeweils ein Ausführungsbeispiel gezeigt.
[0035] Die Hauptemissionsfläche 11 gemäß FIG 3 weist eine plane Struktur 12 mit einem einteilig
ausgebildeten Rahmen 13 auf. Innerhalb des Rahmens 13 ist eine Struktur 12 angeordnet,
durch die die Hauptemissionsfläche 11 in Segmente 14a bis 14f unterteilt ist. Damit
kann eine frei wählbare Anzahl von Segmenten 14a bis 14f durch die Heizemissionsfläche
21 (gestrichelt dargestellt) des Feldeffekt-Elektronenemitters 2 definiert aufgeheizt
werden, wodurch die Emission von thermischen Elektronen aus der Hauptemissionsfläche
11 gezielt verbessert wird.
[0036] Die Hauptemissionsfläche 11 gemäß FIG 4 besitzt ebenfalls eine plane Struktur 15,
die aus elastischen Elementen 16 besteht. Die elastischen Elemente 16 sind in einem
zweigeteilten Rahmen 17 angeordnet, wobei der größere Anteil der elastischen Elemente
16 über der Heizemissionsfläche 21 (gestrichelt dargestellt) des Feldeffekt-Elektronenemitters
2 angeordnet ist und der kleinere Anteil der elastischen Elemente 16 zum mechanischen
Temperaturausgleich dient.
[0037] Durch das Anlegen von Spannungen an die Feldeffekt-Emittersegmente 22 des Feldeffekt-Elektronenemitters
2 baut sich ein elektrisches Feld zwischen dem (auf einem einheitlichen Potential
liegenden) Flachemitter 1 und den Feldeffekt-Emittersegmenten 22 des Feldeffekt-Elektronenemitters
2 auf. Dadurch kann die in die in den Feldeffekt-Elektronenemitter 2 eingetragene
Leistung für jedes Feldeffekt-Emittersegment 22 einzeln geregelt werden. Dies führt
dazu, dass die Emissionsverteilung des Flachemitters 1 auf einfache Weise steuerbar
ist. Dies erlaubt z.B. eine asymmetrische Brennfleckverteilung oder eine Optimierung
der Emissionsverteilung, wodurch die Modulationstransferfunktionen (MTF) und damit
die Bildqualität verbessert werden.
1. Thermionische Emissionsvorrichtung, umfassend
- einen Flachemitter (1) mit einer Hauptemissionsfläche (11), der an ein Hauptpotential
(U1) schaltbar ist, und
- einen zuschaltbaren Feldeffekt-Elektronenemitter (2) mit einer Heizemissionsfläche
(21), die an ein Heizpotential (U2) schaltbar ist, das unterschiedlich zum Hauptpotential (U1) ist.
2. Thermionische Emissionsvorrichtung nach Anspruch 1, wobei die Hauptemissionsfläche
(11) und die Heizemissionsfläche (21) strukturiert sind.
3. Thermionische Emissionsvorrichtung nach Anspruch 1, wobei die Heizemissionsfläche
(21) zu der Hauptemissionsfläche (11) einen vorgebbaren Abstand (3) aufweist,
4. Thermionische Emissionsvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Hauptemissionsfläche
(11) durch die Heizemissionsfläche (21) in einem vorgebbaren Bereich aufheizbar ist.
5. Thermionische Emissionsvorrichtung nach Anspruch 2,wobei die Heizemissionsfläche (21)
eine vorgebbare Anzahl von einzeln ansteuerbaren Feldeffekt-Emittersegmenten (22)
umfasst.
6. Fokuskopf mit einer thermionischen Emissionsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1
bis 5.
7. Röntgenröhre, die eine Anode und eine thermionische Emissionsvorrichtung nach einem
der Ansprüche 1 bis 5 umfasst.
8. Röntgenröhre, die eine Anode und einen Fokuskopf nach Anspruch 6 umfasst.
9. Röntgenstrahler mit einem Strahlergehäuse, in dem eine Röntgenröhre nach Anspruch
7 oder 8 angeordnet ist.