[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Tiefenmessung der Verrohrung bei der Pfahlgründung
mit einem Anbaugerät umfassend einen Tisch zum Einspannen eines Rohres.
[0002] Beim Erstellen von Pfählen mittels einer Verrohrungsmaschine in Kombination mit einem
Seilbagger als Trägermaschine muss die erreichte Verrohrungstiefe, d.h. die Eindringtiefe
des eingespannten Rohres von Zeit zu Zeit überprüft werden. Gegenwärtig wird diese
Aufgabe im Wesentlichen durch den Bediener der Verrohrungsmaschine sowie den Fahrer
des Seilbaggers gelöst. Die Länge der eingebrachten Rohre wird notiert und in Verbindung
mit der geschätzten Höhe der Rohroberkante die Tiefe der Verrohrung berechnet. Die
Tiefe der eingebrachten Verrohrung ergibt sich durch Subtraktion der Höhe der Rohroberkante
von der Länge der Verrohrung. Wird ein genauerer Wert benötigt, muss die Verrohrungsmaschine
gestoppt und die Höhe der Rohroberkante manuell durch den Bediener vermessen werden.
[0003] Nachteilig an dem bekannten Verfahren ist, dass die Tiefe nicht kontinuierlich gemessen
und überwacht werden kann, sondern stattdessen nur eine grobe Schätzung während des
Verrohungsbetriebs möglich ist. Zur genauen Messung muss
beispielsweise die Verrohrungsmaschine stattdessen angehalten werden, um einer Person Zugang zum
Gefahrenbereich am Rohr für die manuelle Messung zu gestatten.
[0004] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, ein automatisches Verfahren für die Erfassung
und Überwachung der aktuellen Verrohrungstiefe bei der Pfahlgründung aufzuzeigen.
[0005] Gelöst wird diese Aufgabe durch ein Verfahren gemäß den Merkmalen des Anspruchs 1.
Vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0006] Gemäß Anspruch 1 wird ein Verfahren zur Tiefenmessung der Verrohrung bei der Pfahlgründung
für ein bestimmtes Anbaugerät vorgeschlagen, das wenigstens einen Tisch zum Einspannen
eines Rohres aufweist. Üblicherweise wird das Rohr fest mit dem Tisch verspannt, vorteilhafterweise
verklemmt. Das Anbaugerät selbst ist an einer passenden Trägermaschine, wie einem
Seilbagger oder einem Bohrgerät, montiert. Der Tisch dient zur Fixierung und Ausrichtung
des Rohres als auch zur Erzeugung einer rotierenden Bewegung des Rohres, um dieses
in den Boden einzudrehen. Mit fortschreitender Eindringtiefe des Rohres in den Boden
kommt es auch zu einem kontinuierlichen Absinken des Tisches des Anbaugerätes.
[0007] Das erfindungsgemäße Verfahren macht sich diese konstruktiv bedingte Vertikalbewegung
des Tisches für die Erfassung der aktuellen Verrohrungstiefe zu Nutze. Im Einzelnen
wird die Vertikalbewegung des Maschinentisches sensorisch erfasst. Idealerweise kann
die Vertikalbewegung des Tisches direkt über geeignete Sensoren gemessen werden, die
bspw. unmittelbar am Tisch oder an sich mit dem Tisch bewegenden Komponenten des Anbaugerätes
befestigt sind. Alternativ besteht die Möglichkeit, die Vertikalbewegung des Tischs
aus anderweitigen Messgrößen abzuleiten. Unter Berücksichtigung der bekannten Vertikalbewegung
des Tisches kann letztendlich durch Summation der Tischbewegungen während des Verrohrungsprozesses
auf die aktuelle Verrohrungstiefe geschlossen werden.
[0008] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens umfasst das Anbaugerät wenigstens
eine Lenkstange, die einerseits gelenkig mit dem Maschinentisch und andererseits gelenkig
mit einem feststehenden Element des Anbaugerätes verbunden ist. Feststehend bedeutet
in diesem Zusammenhang feststehend relativ zu der Tischbewegung während der Einbringung
des Rohres. Eine Vertikalbewegung des Tisches führt demzufolge ebenfalls zu einer
Bewegung der Lenkstange. Vor diesem Hintergrund hat es sich als vorteilhaft erwiesen,
die Bewegung und/oder Lage der Lenkstange direkt zu messen bzw. mittelbar aus geeigneten
Messgrößen abzuleiten, um darauf basierend die benötigte Vertikalbewegung des Tisches
zu bestimmen. Geeignete Sensoren können auf bzw. im Bereich der Lenkstange angeordnet
sein.
[0009] Während einer Vertikalbewegung des Tisches kann die Lenkstange konstruktionsbedingt
ihren Neigungswinkel gegenüber der Horizontalen ändern. Es besteht die Möglichkeit,
diese Winkeländerung sensorisch abzugreifen um hieraus eine Aussage zur Vertikalbewegung
des Tisches machen zu können. Die Bewegung der Lenkstange lässt sich mittels eines
an der Lenkstange installierten Neigungssensors bzw. Winkelgebers erfassen. Üblicherweise
umfasst das Anbaugerät wenigstens einen Lenkaktor, insbesondere Lenkzylinder, zur
Betätigung der Lenkstange. Unter Umständen kann auch der Aktorzustand für die Ermittlung
der Position der Lenkstange bzw. Ableitung der Tischbewegung hilfreich sein.
[0010] Ist der Neigungswinkel der Lenkstange bekannt, lässt sich die aktuelle Vertikalposition
des Tisches unter Berücksichtigung des geometrischen Aufbaus des Anbaugerätes ableiten.
Die resultierende Vertikalbewegung ergibt sich dann vorzugsweise aus der zeitlichen
Änderung der vertikalen Tischposition während der Verrohrung zur Pfahlgründung.
[0011] Während der Einbringung der Verrohrung sinkt der Tisch fortlaufend in Bodennähe ab.
Es ist daher von Zeit zu Zeit notwendig, die Einspannung zu lösen und den Tisch wieder
nach oben entlang des Rohres zu verschieben, um das Rohr mit einem höher gelegenen
Rohrbereich mit dem Tisch zu verspannen. Für die Berechnung der Verrohrungstiefe ist
es wesentlich, dass eine solche Vertikalbewegung des Maschinentisches außer Acht bleibt.
Zu diesem Zweck wird gemäß vorteilhafter Ausführung der Zustand der Einspannung des
Rohres überprüft, vorzugsweise laufend überprüft, und für die Berechnung der Verrohrungstiefe
werden nur solche Vertikalbewegungen des Maschinentisches berücksichtigt, während
dieser eine feste Einspannung des Rohres im Maschinentisch erkannt worden ist.
[0012] Die Verrohrung kann in der Praxis mittels eines Klemmmechanismus am Tisch eingespannt
sein. Hierzu sind im Maschinentisch ein oder mehrere Klemmaktoren bzw. Klemmzylinder
vorgesehen, deren Betätigung hydraulisch oder pneumatisch erfolgt. Zur Prüfung und
Überwachung des Klemmzustandes kann dann der Druck innerhalb der Klemmaktoren beobachtet
werden, bspw. mittels ein oder mehrerer in den Aktoren installierter Drucksensoren.
[0013] Vorstellbar ist es ebenso, die Richtung der Tischbewegung aus den Sensordaten zu
bestimmen, insbesondere anhand der zeitlichen Änderung der Sensordaten. Ist die Richtung
der Tischbewegung bekannt, können nur Vertikalbewegungen des Tisches in Bodenrichtung
für die Tiefenmessung berücksichtigt werden, während Bewegungen in die entgegengesetzte
Richtung vernachlässigt werden.
[0014] Bisher wurde davon ausgegangen, dass eine Pfahlgründung im rechten Winkel erfolgen
soll, d.h. die Verrohrung soll im senkrechten Winkel zur Bodenebene in das Erdreich
eingebracht werden. Weniger häufig jedoch trotzdem von Bedeutung sind Schrägpfahle,
für die die Verrohrung durch eine gezielte Tischneigung gegenüber der Horizontalen
schräg in das Erdreich eingebracht wird. Bei einem solchen Verfahren muss für die
korrekte Berechnung der Verrohrungstiefe gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren ergänzend
die aktuelle Tischneigung berücksichtigt werden. Diese kann bspw. über ein oder mehrere
am Tisch installierte Sensoren erfasst werden, idealerweise direkt durch Verwendung
geeigneter Neigungssensoren, bevorzugt zweiachsiger Neigungssensoren.
[0015] Von Vorteil ist es, wenn die aktuelle Verrohrungstiefe bzw. etwaige ermittelte Sensordaten
des Anbaugerätes über eine Kommunikationsschnittstelle des Anbaugerätes an wenigstens
ein externes Gerät übermittelbar sind. Hierbei ist es von besonderer Bedeutung, diese
Daten an die Trägermaschine, d.h. den Seilbagger, zu übermitteln. Möglich ist auch
die Übertragung an einen externen Server, von diesem die Daten beispielsweise über
ein Mobilgerät abrufbar sind, sodass neben den Bedienern der Trägermaschine bzw. des
Anbaugerätes auch ein Baustellenleiter oder eine sonstige Person Zugriff auf die Prozessdaten
hat.
[0016] Eine kontinuierliche Messung der Verrohrungstiefe ist besonders vorteilhaft, wenn
diese für den Bediener auf einem Anzeigeelement des Anbaugerätes und/oder einer externen
Maschine zur Anzeige gebracht wird. Der Bediener des Anbaugerätes bzw. der Trägermaschine
kann zu jedem Zeitpunkt wertvolle Informationen zur aktuell erreichten Verrohrungstiefe
abrufen, was gerade bei einem parallelen Aushub des Bohrloches durch die Trägermaschine,
bspw. mittels eines Greifers, von besonderer Bedeutung ist. Beim Erstellen eines Bohrpfahls
ist es in der Regel notwendig, dass die Tiefe der Verrohrung der Lochtiefe (Aushub)
vor eilt, um eine Auflockerung des Bodens unterhalb der Verrohrung zu verhindern.
Gleichzeitig ist es vorteilhaft, wenn die Verrohrung nur im geringen Maße dem Greifer
der Trägermaschine vor eilt, um die Mantelreibung der Verrohrung gering zu halten
und damit in weiterer Folge die Beanspruchung der Geräte und den Energieaufwand zum
Erstellen des Bohrpfahls gering zu halten. Für den Betreiber bzw. Bediener der Trägermaschine,
insbesondere in Form eines Seilbaggers, ist es daher von besonderer Bedeutung, stets
über die aktuell erreichte Verrohrungstiefe in Kenntnis gesetzt zu werden.
[0017] Gemäß weiterhin bevorzugter Ausführungsform ist es vorstellbar, dass aus der bekannten
Rohrlänge der eingespannten Verrohrung und der berechneten Verrohrungstiefe die verbleibende
Restlänge des eingespannten Rohres, d.h. die Rohrlänge, die noch außerhalb des Erdreiches
liegt, berechnet wird. Mit dieser Information ist es möglich, den Pfahlgründungsvorgang
des Anbaugerätes automatisch zu stoppen, sobald die Rohroberkante eine Mindesthöhe
erreicht oder sogar unterschreitet. Insbesondere wird in diesem Zustand die Rotationsbewegung
des Rohres automatisch durch die Steuereinheit ausgesetzt, um ein weiteres Rohr auf
der Oberkante des aktuellen Rohres aufsetzen zu können.
[0018] Ebenso ist es vorstellbar, anhand der berechneten Verrohrungstiefe die aktuelle Vortriebsgeschwindigkeit
des eingespannten Rohres während des Verrohrungsvorgangs zu ermitteln.
[0019] Ebenso ist vorstellbar, die aktuelle Verrohrungstiefe mit dem Grabfortschritt des
Seilbaggers zu vergleichen und die Pfahlgründung durch das Anbaugerät auszusetzen,
falls der Vorsprung der Verrohrungstiefe über einem Toleranzwert liegt. Der Grabfortschritt
lässt sich beispielsweise über eine Schnittstelle von der Trägermaschine abrufen.
Konkret kann bei einer Trägermaschine in Form eines Seilbaggers die aktuelle Aushubtiefe
durch eine Seillängenmessung bestimmt und dem Anbaugerät zur Verfügung gestellt werden.
[0020] Gemäß weiterhin bevorzugter Ausführungsform ist es denkbar, dass durch die kontinuierliche
Überwachung der Verrohrungstiefe eine Prädiktion bezüglich der Fertigstellung des
Pfahls angestellt werden kann. Durch eine möglichst genaue Prognose des Fertigstellungszeitpunkts
bzw. der verbleibenden Restbetriebslaufzeit lassen sich nachfolgende Prozessschritte
der Pfahlgründung besser koordinieren. Als Beispiel sei hier die rechtzeitige Anlieferung
des Betons genannt. Eine Verbesserung der Prädiktion lässt sich durch zusätzliche
Berücksichtigung verfügbarer Bodenprofile erzielen, denn die Bodenzusammensetzung
hat maßgeblichen Anteil auf die erzielbare Vorschubgeschwindigkeit bei der Verrohrung.
Bodenprofile können entweder manuell in die Maschine eingegeben und dort hinterlegt
werden, aber auch anhand von Erfahrungswerten, bspw. durch vorangegangene Pfahlgründungen
in der näheren Umgebung, automatisch generiert werden.
[0021] Neben dem erfindungsgemäßen Verfahren betrifft die vorliegende Erfindung zudem ein
Anbaugerät für eine Trägermaschine, insbesondere einen Seilbagger oder einem Bohrgerät,
zur Pfahlgründung mit einem Tisch zum Einspannen eines Rohres und wenigstens einer
integrierten Rechnereinheit zur Durchführung des Verfahrens gemäß der vorliegenden
Erfindung. Dementsprechend zeichnet sich das Anbaugerät durch dieselben Vorteile und
Eigenschaften aus, wie sie bereits voranstehend anhand des erfindungsgemäßen Verfahrens
beschrieben wurden. Auf eine wiederholende Beschreibung wird aus diesem Grund verzichtet.
[0022] Weitere Vorteile und Eigenschaften der Erfindung sollen im nachfolgenden Teil anhand
eines in den Figuren dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert werden. Es
zeigen:
- Figur 1a, 1b:
- zwei skizzierte Seitenansichten des erfindungsgemäßen Anbaugerätes während der Pfahlgründungsarbeit
und
- Figur 2a, 2b:
- zwei Detailansichten des erfindungsgemäßen Anbaugerätes in einer Seiten- und Draufsicht.
[0023] Beim Erstellen von Pfählen mittels einer Verrohrungsmaschine (VRM) in Kombination
mit einem Seilbagger (Greiferbohren) soll durch einen Assistenten der Bohrfortschritt
der Verrohrung kontinuierlich gemessen und dem Bedienpersonal angezeigt werden. Dadurch
ergibt sich der Vorteil, dass einerseits der Prozess der Verrohrung nicht wie im Stand
der Technik gestoppt werden muss um eine händische Messung durchzuführen, andererseits
potentielle Fehler durch händisches Aufsummieren von einzelnen Rohrabschnitten entfallen.
Des Weiteren ist es nicht mehr notwendig, dass sich eine Person für die Messung im
Gefahrenbereich der Maschine aufhält.
[0024] Beim Greiferbohren mit einer VRM arbeiten zwei an und für sich unabhängige Geräte,
nämlich ein Seilbagger 1 sowie das Anbaugerät des Seilbaggers in Form der Verrohrungsmaschine
gemeinsam am Erstellen eines Pfahls. Wie in den Figuren 1a, 1b beispielhaft dargestellt
übernimmt der Seilbagger 1 mit einem drehbaren Oberwagen, einem Ausleger 2 und einem
Greifer 3 das Ausgraben eines Lochs. A
Am Seilbagger angebaut ist eine Verrohrungsmaschine, bestehend aus einer Bodenplatte
201 und einem gegenüber der Bodenplatte im Abstand verstellbarer Tisch 301. Mit dieser
Verrohrungsmaschine kann eine Verrohrung 100 folgendermaßen in den Boden eingetrieben
werden: der Tisch 301 wird beispielweise mit Hilfe eines Spannzylinders mit der Verrohrung
100 verriegelt. Anschließend wird die Bodenplatte 201 angehoben, wodurch die Gewichtskraft
der Verrohrung 100, des Tisches 301 und der Bodenplatte 201 nach unten wirkt. Um die
Haftreibung zu überwinden wird in einem weiteren Schritt der Tisch 301 in Bewegung
versetzt, beispielsweise in horizontale Oszillationen (sogenannte Verrohrungsmaschinen)
oder auch in eine kontinuierliche Rotation (sogenannte Rohrdrehmaschinen). Durch dieses
Zusammenspiel senkt sich die Verrohrung 100 in den Boden, während der Seilbagger 1
das Erdreich innerhalb der Verrohrung 100 ausbaggert.
[0025] Mit mehr Details ist die Verrohrungsmaschine in den Figuren 2a, 2b dargestellt, die
Verrohrungsmaschine mit Verrohrung (100) in einer Seiten- und Draufsicht zeigen. Der
Tisch 301 kann beispielsweise mittels Klemmen mit dem Rohr 100 verklemmt werden. Die
Bodenplatte 201 kann über Hubzylinder zwischen den Verbindungsstellen 211/311 und
212/312 angehoben werden. Durch synchronisierte Bewegungen der beiden Oszillatorzylindern
zwischen den Verbindungsstellen 313/413 und 314/414 kann der Tisch 301 gegenüber der
Bodenplatte 201 Drehbewegungen ausführen. Eine starre Lenkstange ist einerseits im
Punkt 321 gelenkig am Tisch 301 und andererseits im Punkt 421 gelenkig am Element
401 montiert. Durch Bewegung eines Lenkzylinders, der einerseits im Punkt 415 gelenkig
mit der Lenkstange und andererseits gelenkig im Punkt 215 an der Bodenplatte 201 montiert
ist, lässt sich die Neigung der Verrohrung 100 um die y-Achse einstellen, durch unterschiedliche
Hubhöhe der beiden Hubzylinder kann die Neigung der Verrohrung 100 um die x-Achse
eingestellt werden. Die Drehpunkte 413, 414 und 421 lassen sich mittels einer Führung
401 horizontal gegenüber dem fix mit dem Tisch 201 verbundenen Aufbau 202 verschieben.
Tiefe der Verrohrung Messen
[0026] Bei der Erstellung eines Bohrpfahls ist die Tiefe eines der wichtigsten Merkmale.
Zwei Tiefen sind hierbei zu unterscheiden: die Tiefe der Verrohrung 100 gibt an, wie
weit unter Grund die Spitze der Verrohrung 100 ist, und die Lochtiefe gibt an, wie
tief der Bagger 1 mit seinem Werkzeug 3 (beispielsweise Greifer bei einem Seilbagger)
das Material aus der Verrohrung 100 entfernt hat. Normalerweise wird ein Bohrpfahl
mit einer bestimmten Tiefe und einem bestimmten Durchmesser in Auftrag gegeben, um
den Anforderungen der Statik zu entsprechen. Beim Erstellen eines Bohrpfahles ist
es in der Regel notwendig, dass die Tiefe der Verrohrung 100 der Lochtiefe vor eilt,
um eine Auflockerung des Bodens unterhalb der Rohre 100 zu verhindern. Gleichzeitig
ist es vorteilhaft, dass die Verrohrung 100 nur in geringem Maße dem Greifer 3 vor
eilt, um die Mantelreibung der Verrohrung 100 gering zu halten und damit in weiterer
Folge die Beanspruchung der Geräte und den Energieaufwand zum Erstellen des Bohrpfahls
gering zu halten.
[0027] Bei der Pfahlgründung mit einer konventionellen Verrohrungsmaschine nach dem Stand
der Technik ist dem Fahrer des Baggers 1 bzw. des Bohrgerätes die aktuelle Tiefe der
Bohrung bzw. des Aushubes über Seillängenmessungen oder ähnliches bekannt. Die Tiefe
der Verrohrung 100 muss bisher allerdings geschätzt werden.
[0028] Zentrales Element einer automatisierten Messung der Verrohrungstiefe gemäß dem erfindungsgemäßen
Verfahren ist der Sensor 502, der die vertikalen Bewegungen des Tisches 301 misst.
Bei dem Sensor 502 kann es sich um einen Neigungssensor oder Winkelgeber handeln.
Die vertikale Position des Tisches 301 lässt sich dann über die Geometrie der Verrohrungsmaschine
ableiten und die vertikale Bewegung des Tisches 301 über die zeitlichen Änderungen
der vertikalen Tischposition bestimmen. Um von den vertikalen Bewegungen des Tisches
301 auf die Tiefe der Verrohrung 100 zu schließen, ist außerdem ein Sensor zweckmäßig,
der feststellt, ob der Tisch 301 mit dem Rohr 100 verklemmt ist oder ob sich der Tisch
301 frei entlang des Rohres 100 bewegen kann. Dies kann beispielsweise durch einen
Drucksensor in einem Klemmzylinder erfolgen. Mithilfe eines weiteren am Tisch 301
befestigten Neigungssensors 501 kann der Bohrfortschritt in weiterer Folge in eine
"vertikale Tiefe" umgerechnet werden, falls aktuell ein Schrägpfahl mit einer Neigung
der Verrohrung 100 gegenüber der Vertikalen erstellt wird.
[0029] Die Tiefe der Verrohrung 100 kann konkret wie folgt gemessen werden:
- Zu Beginn des Prozesses wird die Verrohrungstiefe auf null gesetzt.
- Ist der Bohrtisch 301 mit der Verrohrung 100 verklemmt, dann wird die vertikale Positionsänderung
des Bohrtisches 301 Mithilfe des Sensors 502 gemessen und aufgezeichnet.
- Sind Bohrtisch 301 und Verrohrung 100 nicht miteinander verklemmt, dann wird die vertikale
Positionsänderung des Bohrtisches 301 nicht aufgezeichnet.
- Die Tiefe der Verrohrung 100 ergibt sich als die Summe der vertikalen Positionsänderung
des Bohrtisches 301 mit verklemmter Verrohrung 100 (z.B. L2 = L1 + h, siehe Figuren 1a, 1b).
Nullpunkt-Korrektur:
[0030]
- Wird das erste Element einer Verrohrung 100 auf den Boden gesetzt, so dringt dieses
durch sein Eigengewicht schon in den Boden ein, was zu einem Fehler bei der ersten
Nullung führt.
- Um diesen Fehler auszugleichen, kann der Fahrer des Seilbaggers 1 mit drei Schritten
den Nullpunkt am Anfang richtig setzen:
∘ Schritt 1: Eingabe der korrekten Höhe des ersten Elements 100 der Verrohrung (z.B.
8m)
∘ Schritt 2: Werkzeugspitze direkt neben der VRM auf den Boden setzen und die entsprechende
Seillänge im Bagger 1 speichern
∘ Schritt 3: Werkzeugspitze auf die gleiche Höhe wie das obere Ende des ersten Elements
100 der Verrohrung bringen, Seillänge wird gespeichert. Die Differenz der beiden Seillängenmessungen
entspricht der Länge des Elements oberhalb des Bodens, die Differenz zur korrekten
Höhe dieses Elements ist bereits die Tiefe der Verrohrung 100 beim Beginn.
[0031] Die Vorteile einer automatischen Tiefenmessung sind:
- Möglicher Austausch der Tiefeninformation mit dem Steuerungssystem bzw. Bediener-Informationssystems
des Baggers 1 oder des Bohrgerätes.
- Anzeige der Tiefe für den Bediener der VRM, den Bediener des Baggers 1 oder des Bohrgerätes
und für den Baustellenleiter.
- Vermeidung von voreilendem Bohren und damit Vermeidung der Auflockerung des Bodens
unterhalb der Bohrrohre 100.
- Eine optimierte Ansteuerung der VRM wird möglich, indem bei zu großem Vorsprung der
Verrohrung 100 auf den Bohrfortschritt die Geschwindigkeit der VRM reduziert wird
oder gar gestoppt wird, bspw. durch Anpassung der Rotationsgeschwindigkeit.
- Wird die Information über die Tiefe mit dem Bagger 1 bzw. dem Bohrgerät ausgetauscht,
kann der Energiefluss zur VRM gesteuert bzw. unterbunden werden, um die Auslastung
des Baggers 1 bzw. des Bohrgerätes zu optimieren.
- Bei bekannter Länge der Verrohrung 100 kann die VRM die restliche zur Verfügung stehende
Rohrlänge berechnen und somit den Verrohrungsvorgang stoppen, wenn die Rohroberkante
eine Mindesthöhe erreicht oder unterschreitet.
- Bei bekannten Längen der Rohr-Teilstücke kann die VRM ein Klemmen an den Rohr-Verbindungsstellen
vermeiden.
- Eine Messung der Tiefe ermöglicht in weiterer Folge auch eine Messung der Vortriebsgeschwindigkeit
in Abhängigkeit von der Tiefe und der dazu benötigten Energie.
- Über ein Monitoring der Tiefe kann eine Prädiktion erstellt werden wann der Pfahl
fertiggestellt wird, um z.B. die Beton-Anlieferung für den Pfahl zeitlich einzugrenzen.
In weiterer Folge kann durch eine Aufzeichnung von "Bodenprofilen" benachbarter Pfähle
diese Prädiktion optimiert werden.
Anwendungsbeispiel
[0032] Ein Seilbagger 1 fährt mit angehängter VRM an einen Punkt, an dem mittels Verrohrung
100 ein Pfahl gegründet wird. Der Seilbagger 1 hebt das erste Teilstück 100 der Verrohrung
in die VRM und richtet mittels Seil grob die vertikale Stellung der Verrohrung 100
aus. Mittels Hydraulik wird der Tisch 301 gegenüber dem Rohrteilstück 100 verklemmt.
Mittels differentiellem GPS wird das Rohr 100 in x- und y-Richtung platziert und die
Neigung der Verrohrung 100 wird eingestellt. Die Bodenplatte 201 der VRM wird nun
abgesetzt und die Tiefenmessung auf null gesetzt. Nun beginnt der Eindrehprozess:
die beiden Hubzylinder heben die Bodenplatte 201 an, die beiden Oszillierzylinder
versetzen den Tisch 301 in Drehbewegungen, das Eigengewicht der Verrohrung 100 plus
das Zusatzgewicht des Tischs 301 und der Bodenplatte 201 drücken das Rohr 100 in den
Boden. Durch das Eindrehen der Verrohrung 100 senkt sich der Bohrtisch 301 und die
Änderung der Bohrtischhöhe wird aufgezeichnet. Nachdem die Bodenplatte 201 wieder
den Boden erreicht hat, wird die Verklemmung des Bohrtisches 301 mit der Verrohrung
100 gelöst. Die Aufzeichnung der Änderung der vertikalen Bohrtisch-Position wird nun
pausiert. Der Bohrtisch 301 wird angehoben und anschließend wird der Bohrtisch 301
wieder mit der Verrohrung 100 verklemmt. Die Aufzeichnung der Änderung der vertikalen
Bohrtisch-Position (Verrohrungstiefe) wird fortgesetzt. Die aktuelle Verrohrungstiefe
wird an das Bediener-Informationssystem zur Anzeige übermittelt.
[0033] Ein Rohrstück 100 mit 5 m Länge befindet sich in der VRM. Die Länge des Rohrteilstückes
100 wurde durch den Seilbagger 1 erfasst bzw. wurde vom Fahrer manuell in das Steuerungssystem
eingegeben und an das Steuerungssystem der VRM weitergeleitet. Die aktuelle Tiefe
der Rohrunterkante ist 3 m, damit ergibt sich die Höhe über Boden der Rohroberkante
zu 2 m. Die VRM erkennt, dass die maximale Tischhöhe beim nächsten Hub nur 1.5 m sein
kann.
[0034] Durch weiteren Fortschritt erhöht sich die Tiefe auf 3.5 m. Die Rohroberkante ist
damit 1.5 m über dem Boden. Die VRM erkennt, dass das Fortsetzten der Verrohrungstätigkeit
nicht mehr möglich ist, da sonst der Tisch 301 über die Rohroberkante fahren würde,
und stoppt den Prozess. In Folge wird ein weiteres Rohrstück 100 mit 4 m Länge am
ersten Rohrstück 100 angebracht und die Länge des Rohrstückes 100 wird dem Steuerungssystem
der VRM mitgeteilt. Die VRM wird aktiviert und setzt den Verrohrungsprozess fort.
Beim Anheben des Tisches 201 und anschließendem Klemmen der Verrohrung 100 wählt die
VRM eine Tisch-Höhe oberhalb der Verbindungsstelle der beiden Rohrstücke 100.
[0035] Nach Fertigstellung der Bohrung wird der Pfahl betoniert. Die Verrohrung 100 wird
dabei aus dem Loch gezogen. Die Längen der Rohrteilstücke sind in dem Steuerungssystem
der VRM gespeichert. Beim Ziehen achtet die VRM darauf, dass die Verrohrung durch
den Klemmmechanismus am Tisch 301 bzw. die Absturzsicherung nicht an den Verbindungsstellen
der Rohrteilstücke 100 geklemmt wird.
1. Verfahren zur Tiefenmessung der Verrohrung bei der Pfahlgründung mit einem Anbaugerät
für eine Trägermaschine umfassend einen Tisch zum Einspannen eines Rohres,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Vertikalbewegung des Tisches sensorisch mittelbar oder unmittelbar erfasst und
summiert wird, um die aktuelle Verrohrungstiefe zu berechnen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass zur Ermittlung der Vertikalbewegung des Tisches die Bewegung und/oder Lage einer
Lenkstange, die einerseits gelenkig mit dem Tisch und andererseits mit einem feststehenden
Teil des Anbaugerätes verbunden ist, erfasst wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Neigungswinkel der Lenkstange erfasst wird, insbesondere mittels wenigstens eines
auf oder an der Lenkstange montierten Neigungssensors und/oder Winkelgebers.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die aktuelle Vertikalposition des Tisches unter Berücksichtigung der Geometrie des
Anbaugerätes aus dem erfassten Neigungswinkel abgeleitet wird
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Vertikalbewegung des Tisches über die zeitliche Änderung der vertikalen Tischposition
während des Pfahlgründungsvorgangs bestimmt wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine Vertikalbewegung des Tisches nur dann für die Berechnung der Verrohrungstiefe
berücksichtigt wird, wenn die Verrohrung fest im Tisch eingespannt ist.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Einspannung der Verrohrung innerhalb des Tisches mittels ein oder mehrerer innerhalb
des Klemmsystems angeordneter Drucksensoren überprüft wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Tischneigung gegenüber der Horizontalen erfasst und für die Berechnung der Verrohrungstiefe
berücksichtigt wird, insbesondere bei der Erstellung eines Schrägpfahls.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Verrohrungstiefe und/oder die ermittelten Sensordaten über eine Kommunikationsschnittstelle
des Anbaugerätes an ein externes Gerät, insbesondere die Trägermaschine oder einen
externen Server, übertragen werden und/oder auf einem Anzeigeelement des Anbaugerätes
und/oder eines externen Gerätes angezeigt werden.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass aus der bekannten Rohrlänge des eingespannten Rohres und der berechneten Verrohrungstiefe
die verbleibende, aus dem Boden herausragende Rohrlänge bestimmt wird und die Pfahlgründung
automatisch gestoppt wird, sobald die Rohroberkante eine Mindesthöhe unterschreitet.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Vortriebsgeschwindigkeit des Pfahlgründungsvorgangs in Abhängigkeit von der berechneten
Verrohrungstiefe und gegebenenfalls unter Berücksichtigung der benötigten Antriebsenergie
des Anbaugerätes ermittelt wird.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Verrohrungstiefe mit dem parallelen Aushubfortschritt verglichen wird und der
Pfahlgründungsprozess durch das Anbaugerät vorzugsweise gestoppt bzw. angehalten wird,
falls der Vorsprung der Verrohrungstiefe über einem Toleranzwert liegt, wobei der
Aushubfortschritt vorzugsweise über eine Schnittstelle von der Trägermaschine abgerufen
wird.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass durch kontinuierliche Überwachung der Verrohrungstiefe eine Prädiktion bezüglich
der Fertigstellung des Pfahls bestimmt wird, idealerweise wird die Prädikation unter
Berücksichtigung etwaiger gespeicherter Bodenprofile bestimmt, die bspw. während vorangegangener
Pfahlgründungsvorgängen benachbarter Pfahle erstellt wurden.
14. Anbaugerät für eine Trägermaschine, insbesondere Seilbagger oder Bohrgerät, zur Pfahlgründung
mit einem Tisch zum Einspannen eines Rohres und wenigstens einer integrierten Rechnereinheit
zur Durchführung des Verfahrens gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche.