[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Kompensation von Schrägzug bei Turmkranen
mit wenigstens einem Ausleger, einem Auslegerantrieb zum Verstellen eines Winkels
und/oder einer Länge des Auslegers und/oder zum Verfahren einer Laufkatze, und einer
Steuerung-/Regelungsvorrichtung zur Steuerung/Regelung des Auslegerantriebs.
[0002] Gemäß dem Stand der Technik ist es bekannt, dass beim Anheben von Lasten mittels
eines Turmkrans aufgrund der Belastung des Turms, des Auslegers und/oder der Auslegerabspannung
eine Verformung der Geometrie bzw. des Stahlbaus des Krans auftritt. Diese Verformung
führt zu einem Schrägzug des Seils bzw. des Lastseils des Turmkrans.
[0003] Die
WO 2016/128119 A offenbart einen Turmkran mit einem Ausleger, einem Auslegerantrieb zum verstellen
eines Winkels des Auslegers, einem Sensor zur Erfassung des Winkels und einer Steuerungs-/
[0004] Regelvorrichtung zur Steuerung des Auslegerantriebs. Wenn die Last nun vom Boden
angehoben wird bzw. in dem Moment, in dem die Last den Boden kaum oder gar nicht mehr
berührt, entsteht aufgrund des zuvor entstandenen Schrägzugs des Seils eine Pendelbewegung
der nunmehr freihängenden bzw. angehobenen Last. Ebenso kann beim Absetzen einer Last
eine Entspannung des Stahlbaus bzw. des Turmkrans dazu führen, dass der Turmkran zurückfedert
und damit abermals ein Schrägzug des Seils bewirkt wird. Dies geht mit möglichen Gefahren,
wie dem Entstehen eines Lastpendelns einher, was insbesondere bei engen Platzverhältnissen
zu Sach- oder Personenschäden, wie beispielsweise Quetschungen, führen kann. Weiterhin
kann die Horizontalbewegung der Last dazu führen, dass das zulässige Lastmoment des
Turmkrans überschritten wird.
[0005] Bekannterweise gleichen geübte Kranfahrer den Schrägzug durch ein gezieltes Korrigieren
der Ausladung, wie z.B. durch Verfahren einer Laufkatze bei Katzauslegerkranen oder
durch Verstellen des Auslegerwinkels bei Verstellauslegerkranen aus. Bei Verstellauslegerkranen,
bei denen für gewöhnlich ein Neigungssensor im Ausleger installiert ist, kann damit
die Winkeländerung aufgrund der Belastung erfasst werden. Der Kranfahrer hat so die
Möglichkeit, den Auslegerwinkel auf den ursprünglichen Wert zu korrigieren, bevor
die Last vom Boden abhebt. Dies erfolgt jedoch nicht automatisch, das heißt der Kranfahrer
muss zum Anheben einer Last zwei Antriebe parallel ansteuern. Außerdem wird hierbei
lediglich der Biegewinkel von Turm und Ausleger, nicht jedoch die Durchbiegung des
Turms bzw. ein horizontaler Weg oder eine Abweichung von der Horizontalen des Oberkrans
in Folge der Turmbiegung kompensiert. Bei Katzauslegerkranen gibt es in der Regel
keine Möglichkeit, die Verformung zu erfassen.
[0006] Vor diesem Hintergrund ist es Aufgabe der Erfindung eine Vorrichtung bereitzustellen,
mittels der die Kompensation des Schrägzugs bei Turmkranen verbessert bzw. vereinfacht
werden kann.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Vorrichtung zur Kompensation von Schrägzug
bei Turmkranen mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Ausbildungen
sind Gegenstand der Unteransprüche. Demnach ist eine Vorrichtung mit wenigstens einem
Ausleger, einem Auslegerantrieb zum Verstellen eines Winkels und/oder einer Länge
des Auslegers und/oder zum Verfahren einer Laufkatze, einem Sensor zur Erfassung des
Winkels des Auslegers und/oder der Verformung wenigstens eines Teils des Turmkrans
und einer Steuerungs-/Regelungsvorrichtung zur Steuerung des Auslegerantriebs vorgesehen,
wobei beim Anheben und/oder Absetzen einer Last durch den Turmkran der erfasste Sensorwert
mittels der Steuerungs-/Regelungsvorrichtung und des Auslegerantriebs konstant gehalten
ist.
[0008] Bei dem Auslegerantrieb kann es sich beispielsweise um eine Motorwinde zur Veränderung
der Abspannung des Turmkrans oder der Position der Laufkatze und/oder um eine hydraulische
Zylinderkolbenvorrichtung handeln, mittels der der Ausleger verschwenkt werden kann.
[0009] Somit kann die erfindungsgemäße Vorrichtung auch bei einem mobilen Turmkran angewandt
bzw. mit diesem gekoppelt werden und entsprechend zur Reduktion bzw. Verhinderung
von Schrägzug bei Mobilkranen genutzt werden.
[0010] Mit dem erfassten Sensorwert kann ein Winkel des Auslegers gemeint sein, welcher
vom Ausleger und der Horizontalen aufgespannt wird. Alternativ kann der Sensorwert
ein Wert sein, der proportional zu einer Verformung des Turmkrans ist und beispielsweise
einer Spannung in der Krankonstruktion entspricht. Mit dem Konstanthalten des Sensorwertes
ist gemeint, dass die Steuerungs-Regelungsvorrichtung mittels des Sensors einen ersten
Ist-Wert erfasst und bei im Folgenden erfasster Veränderung des zuerst gemessenen
Ist-Werts den Auslegerantrieb so ansteuert/anregelt, dass der Fehler bzw. die Veränderung
oder Abweichung zwischen einem zunächst gemessenen Ist-Wert und einem danach gemessenen
abweichenden Wert minimiert wird. Bei der Verformung des Turmkrans kann es sich beispielsweise
um die Biegung des Turm oder des Auslegers des Turmkrans handeln. Vorteilhafterweise
kann so erfindungsgemäß unter Verwendung von in bekannten Turmkranen vorgesehenen
Sensoren eine Schrägzugkompensation durchgeführt werden.
[0011] In einer bevorzugten Ausführung ist denkbar, dass der Auslegerantrieb eine Einziehwinde
oder eine Abspannwinde ist. Die entsprechende Winde kann so über die Steuerungs-/Regelungsvorrichtung
zum Bewegen des Auslegers angesteuert bzw. angeregelt werden, dass der vom Sensor
erfasste Sensorwert bzw. Parameter konstant oder eine Abweichung zwischen einem zuerst
gemessenen Sensorwert und einem dem weiteren Betrieb des Turmkrans gemessenen Wert
verringert bzw. minimiert wird. Dabei ist es denkbar, dass die Einziehwinde bzw. die
Abspannwinde zur Veränderung der Länge des Auslegers des Turmkrans durch entsprechendes
Ein- oder Ausfahren des Auslegers genutzt wird. Hierdurch kann der Schrägzug ebenfalls
verringert, allerdings nicht vollständig kompensiert werden, da die Durchbiegung des
Turms bzw. des Auslegers nicht kompensiert wird. Alternativ ist auch denkbar, dass
der Auslegerantrieb als Zylinderkolbenvorrichtung ausgebildet ist und zum Verschwenken
des Auslegers mit diesem gekoppelt ist.
[0012] In einer weiteren bevorzugten Ausführung ist denkbar, dass der wenigstens eine Sensor
ein Neigungssensor, ein optischer Sensor, ein Längengeber zur Messung von Verformungen,
ein GPS-Sensor und/oder ein Seilzugsensor in oder an einer Abspannung des Turmkrans
ist. Demnach ist eine Verwendung von mehr als einem Sensor zur Erfassung der jeweiligen
Kranparameter bzw. der geometrischen Ausbildung oder Verformung des Turmkrans einsetzbar.
Insbesondere ist es möglich, mehr als einen Sensor zur Erfassung der Ausrichtung bzw.
Verformung des Turmkrans kombiniert zu verwenden.
[0013] In einer weiteren bevorzugten Ausführung ist denkbar, dass die Steuerungs-/Regelungsvorrichtung
den Auslegerantrieb auf Grundlage eines aus mehreren Sensorwerten berechneten Bezugswerts
ansteuert. Bei dem berechneten Bezugswert kann es sich beispielsweise um das Lastmoment
handeln, welches von dem Gewicht der vom Turmkran gehobenen Last und der entsprechenden
Ausladung oder von den auf den Turmkran einwirkenden Abstützkräften und der Ausladung
abgeleitet werden kann.
[0014] In einer weiteren bevorzugten Ausführung ist denkbar, dass das Verhältnis von Sensorwert
und/oder Bezugswert zur Ausladungsverschiebung aufgrund der Verformung des Turmkrans
mit einem Prüfgewicht skaliert oder bestimmt und/oder rechnerisch ermittelt ist. Zur
rechnerischen Ermittlung des Verhältnisses von Sensorwert bzw. Bezugswert zur Ausladungsverschiebung
kann die Steifigkeit und der Kranaufbau bzw. die Geometrie des Turmkrans herangezogen
werden. Die Erfindung ist ferner auf einen Turmkran mit einer Vorrichtung nach einem
der Ansprüche 1 bis 7 gerichtet.
[0015] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung sind anhand der in den Figuren beispielhaft
gezeigten Ausführungen erläutert. Dabei zeigen:
Figur 1a: Gattungsgemäßer Turmkran mit auf dem Untergrund aufliegender Last;
Figur 1b: Gattungsgemäßer Turmkran kurz vor dem Anheben einer Last;
Figur 1c: Gattungsgemäßer Turmkran kurz nach dem Anheben einer Last;
Figur 2a: Turmkran mit erfindungsgemäßer Vorrichtung zur Kompensation vom Schrägzug
mit auf dem Untergrund aufliegender Last;
Figur 2b: Turmkran mit erfindungsgemäßer Vorrichtung zur Kompensation vom Schrägzug
kurz vor dem Anheben einer Last;
Figur 2c: Turmkran mit erfindungsgemäßer Vorrichtung zur Kompensation vom Schrägzug
kurz nach dem Anheben einer Last;
Figur 3: Wirkstruktur bei der Nutzung eines Turmkrans mit erfindungsgemäßer Vorrichtung;
Figur 4a-4c: Turmkran beim Anheben einer Last;
Figur 5: Kennlinie des Lastmoments und der Ausladungsverschiebung eines Turmkrans;
Figur 6: Kennlinie des Lastmoments und der Ausladungsverschiebung eines Turmkrans
mit Zeitpunkt des Abhebens einer Last;
Figur 7: Kennlinien der Ausgabewerte eines Absolutwertgebers und des Auslegerwinkels
eines Turmkrans ohne Last und mit maximal zulässiger Last;
Figur 8: schematische Ansicht einer abweichenden Auslegerneigung gemäß einem ersten
Ansatz; und
Figur 9: schematische Ansicht einer abweichenden Auslegerneigung gemäß einem zweiten
Ansatz.
[0016] Figur 1a zeigt einen aus dem Stand der Technik bekannten Turmkran 1 mit einem Ausleger
2, der über keine erfindungsgemäße Vorrichtung zur Kompensation von Schrägzug verfügt.
Der Turmkran 1 umfasst einen Auslegerantrieb 3, der den Ausleger 2 verstellen und/oder
die Laufkatze 7 bewegen kann. Bei auf dem Boden abgelegter Last 6 ist der Turmkran
1 zumindest von der Last 6 nicht belastet und weist auch daher keine durch die Last
6 bedingten Verformungen auf.
[0017] Mit dem Begriff des Auslegerantriebs 3 kann ein Antrieb zum Bewegen des Auslegers
2 oder auch ein sonstiger am Turmkran vorgesehener Antrieb gemeint sein, wie beispielsweise
eine Einziehwinde 8 oder Abspannwinde 9, mittels der weitere oder andere Krankomponenten
bewegt werden können.
[0018] Bei Anheben der Last 6 vom Boden wird entsprechend auch der Turmkran 1 belastet,
auch dann schon, während die Last zunächst noch am Boden liegen bleibt bzw. den Boden
berührt. Dies führt unter anderem zu einer Horizontalbewegung des
[0019] Oberkrans bzw. insbesondere des Auslegers 2 und einem entsprechenden Schrägzug des
Seils, wie Figur 1b zeigt.
[0020] Hebt die Last 6, wie in Figur 1c gezeigt vom Boden ab, so ergibt sich durch die zuvor
in Figur 1b gezeigte Horizontalbewegung bzw. Drehbewegung des Oberkrans im Moment
des Anhebens der Last 6 eine Schräglage bzw. ein Schrägzug des Seils des Turmkrans
1, was zum Lastpendeln und entsprechend zu einer Ausladungsvergrößerung durch das
Lastpendeln führen kann.
[0021] Der in der Figur 2a gezeigte Turmkran 1 mit erfindungsgemäßer Vorrichtung zur Kompensation
des Schrägzugs unterscheidet sich zunächst kaum vom in der Figur 1a gezeigten, aus
dem Stand der Technik bekannten Turmkran 1, wobei in Figuren 1a und 2a jeweils Turmkrane
in einem unbelasteten Zustand gezeigt sind. Beginnt allerdings der erfindungsgemäße
Turmkran 1 gemäß Figur 2b die Last 6 anzuheben, während diese noch am Boden ist bzw.
noch den Boden berührt, so kann erfindungsgemäß die Ausladung des Turmkrans 1 automatisch
reduziert werden, wodurch der Schrägzug entsprechend reduziert und einer Pendelbewegung
bei weiterem Anheben der Last 6 vorgebeugt wird. Hebt der Turmkran 1 wie in Figur
2c gezeigt die Last vom Boden ab, so liegt in dem Moment erfindungsgemäß kein Schrägzug
vor und es stellt sich kein Lastpendeln ein. Hierzu wird wie in Figur 2b gezeigt die
Laufkatze 7 so verfahren und/oder der Ausleger 2 so verschwenkt, dass das Seil keinen
Schrägzug aufweist bzw. vertikal angeordnet ist.
[0022] Mittels des in den Figuren 2a bis 2c gezeigten Sensors 5 kann beispielsweise die
Neigung des Auslegers 2, die Verformung auf Basis einer erfassten Längenänderung des
Auslegers 2 und/oder die Spannung in der Abspannung des Turmkrans 1 erfasst werden.
[0023] Wenigstens ein entsprechender Sensor 5 kann zum Beispiel am Ausleger 2 vorgesehen
sein oder alternativ oder zusätzlich dazu an weiteren Komponenten wie dem Turm des
Turmkrans vorgesehen sein. Die Steuerungs-/Regelungsvorrichtung 4 kann die von dem
Sensor 5 oder von den Sensoren 5 erfassten Werte erfassen und auf deren Grundlage
bestimmen, wie der Auslegerantrieb 3 anzusteuern ist, damit sich möglichst kein Schrägzug
einstellt.
[0024] Um die Steuerungs-/Regelungsvorrichtung 4, die beispielsweise als Teil des Turmkrans
1 ausgebildet sein kann, entsprechend zur Steuerung des Auslegerantriebs 3 einzustellen,
kann mittels des Turmkrans 1 ein bekanntes Prüfgewicht angehoben werden, wobei die
erfassten Sensorwerte entsprechend hinterlegt werden können. Dies kann bei unterschiedlichen
Auslegerwinkeln bzw. Ausladungen des Turmkrans 1 durchgeführt werden. Eine entsprechend
erstelle Wertetabelle mit den erfassten Sensorwerten, dem Prüfgewicht und/oder den
entsprechenden Auslegerwinkeln bzw. Ausladungen kann im Betrieb des Krans 1 zur Kompensation
des Schrägzugs herangezogen werden.
[0025] Figur 3 zeigt eine schematische Darstellung der Wirkstruktur bei der Nutzung eines
Turmkrans 1 mit erfindungsgemäßer Vorrichtung. Hierbei werden zunächst eine oder mehrere
Bezugsgrößen ermittelt, die in einem eindeutigen Zusammenhang zur Verformung des Turmkrans
1 bzw. des Stahlbaus des Turmkrans 1 stehen. Ebenso kann durch das Zusammenwirken
zweier oder mehrerer Sensoren 5 eine insbesondere rechnerische Größe generiert bzw.
erfasst werden. Hierbei können die folgenden Sensoren in beliebiger Kombination und
Anzahl verwendet werden: Lastmomentsensoren, Neigungssensoren im Turm und/oder Ausleger
2 des Turmkrans 1, Kraftsensoren bzw. eine Messachse oder ein Zugkraftsensor im Hubseilstrang,
Ausladungssensoren, Kraftsensoren in der Abspannung, im Abspannseil, in Nackenseil
und/oder im Einziehseil, GPS-Sensoren, optische Sensoren wie beispielsweise eine Kamera,
Kraftsensoren und/oder Dehnungssensoren und/oder Längengeber im Stahlbau des Krans
1, Kraftsensoren und/oder hydrostatische Drucksensoren in der Abstützung des Turmkrans
1, Drucksensoren in einem Verstellzylinder des Turmkrans 1, und/oder Absolutwertgeber
auf einer Seiltrommel bzw. Winde.
[0026] Mit einer Übertragungsfunktion kann aus der ermittelten Bezugsgröße bzw. aus den
ermittelten Bezugsgrößen die Verformung des Turmkrans 1 generiert bzw. bestimmt werden.
Die Übertragungsfunktion kann zum Beispiel mit einem rechnerischen Zusammenhang oder
einem Kennfeld abgebildet werden. Die Verformung kann zum Beispiel einer Ausladungsverschiebung
und/oder einer Winkeländerung von Turm und/oder Ausleger 2 entsprechen. Je nach Krantyp
können hier unterschiedliche Krankonfigurationen bzw. Turm-/Auslegerkonfigurationen
oder Hubseileinscherungen berücksichtigt werden.
[0027] Es bestehen die folgenden Möglichkeiten für die Ermittlung der Übertragungsfunktion:
- Die Übertragungsfunktion kann fest in einer Steuerung bzw. in der Steuerungs-/Regelungsvorrichtung
4 hinterlegt sein. Vorliegend können die Begriffe der Steuerung und der Steuerungs-/Regelungsvorrichtung
4 synonym verwendet werden.
- Die Übertragungsfunktion oder die Übertragungsfunktionen können vom Kranhersteller
einmalig, zum Beispiel durch Messungen und/oder durch Berechnungen ermittelt und dann
fest in der Steuerung bzw. Steuerungs-/Regelungsvorrichtung 4 hinterlegt werden.
- Die Übertragungsfunktion kann durch Referenzmessung bzw. durch Skalieren bestimmt
sein. Bei einer oder mehreren Messungen können die Bezugsgröße bzw. die Bezugsgrößen
und zusätzlich die Verformung gemessen werden, um deren Zusammenhang zu ermitteln.
- Die Übertragungsfunktion kann durch Kombination aus Rechnung und Referenzmessung bestimmt
werden. Der Zusammenhang zwischen Bezugsgröße und Ausladungsverschiebung kann in der
Kransteuerung hinterlegt sein, kann aber zudem durch eine Referenzmessung überprüft
und/oder angepasst werden.
- Die Übertragungsfunktion kann durch deren Berechnung in der Steuerung bzw. Steuerungs-/Regelungsvorrichtung
4 ermittelt werden.
- Die Übertragungsfunktion kann an die Steuerung bzw. Steuerungs-/Regelungsvorrichtung
4 über beispielsweise UMTS, LTE, 4G und/oder 5G gesendet werden. Schließlich kann
gemäß dem gezeigten Wirkprinzip die nun bekannte Verformung des Turmkrans und damit
der Schrägzug angezeigt und korrigiert bzw. ausgeglichen werden.
- Bei der Anzeige der Verformung wird die Verformung lediglich visualisiert, z.B. auf
einem Display. Der Bediener hat damit die Möglichkeit, selber die Korrektur beispielsweise
über eine manuelle Steuereinrichtung vorzunehmen.
- Bei einer automatischen Korrektur kompensiert die Kransteuerung die Ausladungsverschiebung
vollautomatisch. Dieser Modus könnte entweder dauerhaft aktiv sein oder vom Bediener
nach Bedarf z.B. über einen Wahlschalter und/oder eine Displayeingabe aktiviert werden.
- Die Korrekturbewegung kann auch vom Bediener über einen Taster, einen Steuerhebel
und/oder über eine Displayeingabe gesteuert werden. Die Fahrbewegung zum Ausgleich
des Schrägzugs wird damit bewusst vom Bediener vorgegeben.
[0028] Die Verformung des Turmkrans 1 kann beispielsweise unter Nutzung eines Nutzlastsensors
und eines Ausladungssensors gemessen werden.
[0029] In einem ersten Ansatz können im Turmkran 1 die entsprechenden Sensoren 5 zum Messen
der Nutzlast und der Ausladung installiert sein. Aus diesen zwei Sensoren 5 wird in
der Kransteuerung rechnerisch das Lastmoment ermittelt, welches in diesem Fall die
Bezugsgröße darstellt. Ebenso denkbar ist, dass zusätzlich zum Lastmoment die Ausladung
eine zweite Bezugsgröße ist. Dies hängt im Wesentlichen vom Kranaufbau und den dadurch
bedingten statischen Zusammenhängen ab.
[0030] Der Schrägzug kann dann durch eine Referenzmessung bzw. durch Skalieren ermittelt
werden. Nach der Montage des Turmkrans 1 kann mit einer Referenzmessung der Zusammenhang
zwischen der Bezugsgröße "Lastmoment" und der Ausladungsverschiebung ermittelt werden.
Die Ausladungsverschiebung kann hierbei der Verformung des Stahlbaus des Turmkrans
1 entsprechen. Hierfür wird eine bekannte Nutzlast bei einer bekannten Ausladung angehoben
und die durch das Anheben resultierende Ausladungsvergrößerung gemessen. Die Ausladungsverschiebung
Δs ergibt sich hierbei aus der folgenden Gleichung:
Δs = sreal - sAusladungssensor
[0031] Figuren 4a - 4c verdeutlichen diesen Zusammenhang. Figur 4a zeigt dabei einen Turmkran
mit am Boden abgelegter Last, wobei der Kran nicht durch die Last belastet ist. Figur
4b zeigt einen Turmkran, bei dem die von ihm zu hebende Last zwar noch auf dem Boden
aufliegt, jedoch den Turmkran bereits mit einem Teil ihrer Gewichtskraft beaufschlagt.
In diesem Zustand wird eine Horizontalbewegung des Turmkrans 1 bzw. des Oberkrans
bewirkt. Figur 4c zeigt den Turmkran von Figur 4b im Moment des Anhebens der Last
vom Boden, wobei die gemessene Ausladungsvergrößerung Δs in den Figuren 4b und 4c
gezeigt ist.
[0032] In diesem Beispiel wird von einem linearen Zusammenhang zwischen Lastmoment und Ausladungsverschiebung
ausgegangen, der in Figur 5 gezeigt ist. Ebenso denkbar wären nichtlineare Zusammenhänge.
Der oben ermittelte Zusammenhang wird in der Kransteuerung 4 abgespeichert.
[0033] Der Kranführer kann an einem Display die automatische Korrektur des Schrägzugs aktivieren,
um einen unerwünschten Schrägzug auszugleichen. Beim Anheben einer Last wird dann
aus der Nutzlast und der Ausladung insbesondere online das Lastmoment berechnet. Dabei
wird automatisch die Ausladung mit der Laufkatze 7 um die entsprechend ermittelte
Ausladungsverschiebung korrigiert.

[0034] Da sich der Turmkran 1 vor dem Abheben der Last 6 zunächst verformt und diese Verformung
gleichzeitig oder zeitversetzt kompensiert wird, liegt zum Zeitpunkt des Abhebens
der Last 6 vom Boden kein Schrägzug mehr vor. Diese Situation ist in Figur 6 und in
den Figuren 2a bis 2c gezeigt.
[0035] Wird die Erfindung im Zusammenhang mit einem mobilen Turmkran mit Verstellausleger
genutzt, so kommt auch ein anderes Wirkprinzip in Frage. So ist es denkbar, dass die
Verformung des Stahlbaus durch Neigungssensoren im Ausleger und Absolutwertgeber der
Abspannwinde 9 gemessen wird. Der Schrägzug kann in dieser Situation mittels einer
Übertragungsfunktion ermittelt werden, die fest in der Steuerung hinterlegt sein kann.
Das Ausgleichen des Schrägzugs erfolgt dann über entsprechende Korrekturbefehle.
[0036] In diesem Fall wird bei einem mobilen Turmkran mit Verstellausleger die Auslegerneigung
mit der Abspannwinde 9 verstellt, welche mit einem Absolutwertgeber ausgeführt ist.
Zwischen den Werten des Neigungssensors im Ausleger und des Absolutwertgebers der
Abspannwinde 9 besteht ein Zusammenhang. Beim Anhängen einer Nutzlast verändert sich
aufgrund der Verformung des Stahlbaus von Turm und Ausleger sowie der Dehnung des
Abspannseils die Neigung des Auslegers, der Absolutwertgeber der Abspannwinde bleibt
hingegen konstant. Dadurch ändert sich der Zusammenhang zwischen Auslegerwinkel und
Absolutwertgeber. Näheres hierzu ist der Figur 7 entnehmbar.
[0037] Der Zusammenhang zwischen den Messgrößen des Neigungssensors und des Absolutwertgebers
der Abspannwinde sind bei unbelastetem Zustand (ohne Nutzlast) in diesem Beispiel
fest hinterlegt. Damit wird jedem Wert des Absolutwertgebers ein erwarteter Neigungswinkel
zugeordnet. Beim Anheben einer Nutzlast kommt es nun zu einer Abweichung zwischen
erwarteter und tatsächlicher Auslegerneigung. Im ersten Ansatz kann diese Abweichung
korrigiert werden, indem der Auslegerwinkel mit der Abspannwinde 9 wieder auf den
ursprünglichen Wert korrigiert wird. Hierbei wird jedoch lediglich der Biegewinkel
von Turm und Ausleger, nicht jedoch die Durchbiegung des Turms (horizontaler Weg des
Oberkrans infolge der Turmbiegung) kompensiert. Näheres ist hierzu Figur 8 entnehmbar.
[0038] In einem zweiten Ansatz kann zusätzlich zur Kompensation des Winkels auch die Durchbiegung
des Turms ausgeglichen wird. In diesem Fall muss der Auslegerwinkel bei einer Belastung
steiler als ursprünglich eingestellt werden. Näheres hierzu ist Figur 9 entnehmbar.
[0039] Zum Ausgleichen des Schrägzugs wird dem Kranführer an einem Display der Schrägzug
visuell dargestellt, eventuell mit akustischem Signal. Mit einem Taster oder einer
Eingabe am Touchdisplay kann er dann die Korrekturbewegung bzw. einen Korrekturbefehl
zum Verstellen des Auslegers auslösen.
1. Turmkran (1) mit einer Vorrichtung zur Kompensation von Schrägzug bei einem Turmkran
(1) mit wenigstens einem Ausleger (2), wenigstens einem Auslegerantrieb (3) zum Verstellen
eines Winkels und/oder einer Länge des Auslegers (2) und/oder zum Verfahren einer
Laufkatze (7), mit wenigstens einem Sensor (5) zur Erfassung des Winkels des Auslegers
(2) und/oder der Verformung wenigstens eines Teils des Turmkrans (1) und mit wenigstens
einer Steuerungs-/Regelungsvorrichtung (4) zur Steuerung des Auslegerantriebs (3),
wobei beim Anheben und/oder Absetzen einer Last (6) durch den Turmkran (1) der erfasste
Sensorwert mittels der Steuerungs-/Regelungsvorrichtung (4) und des Auslegerantriebs
(3) konstant gehalten ist.
2. Turmkran (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Auslegerantrieb (3) wenigstens eine Einziehwinde (8) oder Abspannwinde (9) ist.
3. Turmkran (1) nach Anspruch 1, dass der Auslegerantrieb (3) eine hydraulische Kolben-Zylinder-Vorrichtung
ist.
4. Turmkran (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Sensor (5) ein Neigungssensor, ein optischer Sensor, ein Längengeber zur Messung
von Verformungen, ein GPS-Sensor und/oder ein Seilzugsensor in oder an einer Abspannung
des Turmkrans (1) ist.
5. Turmkran (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerungs-/Regelungsvorrichtung (4) den Auslegerantrieb (3) auf Grundlage eines
aus mehreren Sensorwerten berechneten Bezugswerts ansteuert.
6. Turmkran (1) nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Bezugswert das aus der Ausladung des Turmkrans (1) und dem Gewicht der Last (6)
oder den Abstützkräften berechnete Lastmoment ist.
7. Turmkran (1) wenigstens nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis von Sensorwert und/oder Bezugswert zur Ausladungsverschiebung aufgrund
der Verformung des Turmkrans (1) mit einem Prüfgewicht skaliert oder bestimmt und/oder
rechnerisch ermittelt ist.
1. Tower crane (1) comprising a device for compensation of diagonal pull in a tower crane
(1) comprising at least one boom (2), at least one boom drive (3) for adjusting an
angle and/or a length of the boom (2) and/or for displacing a trolley (7), comprising
at least one sensor (5) for recording the angle of the boom (2) and or the deformation
of at least a portion of the tower crane (1), and comprising at least one control/regulating
device (4) for controlling the boom drive (3), wherein the recorded sensor value is
kept constant by means of the control/regulating device (4) and the boom drive (3)
during raising and/or lowering of a load (6) by the tower crane (1).
2. Tower crane (1) according to claim 1, characterised in that the boom drive (3) is at least one retracting winch (8) or guying winch (9).
3. Tower crane (1) according to claim 1, characterised in that the boom drive (3) is a hydraulic piston-cylinder apparatus.
4. Tower crane (1) according to any of the preceding claims, characterised in that the sensor (5) is a tilt sensor, an optical sensor, a length sensor for measuring
deformations, a GPS sensor, and/or a cable sensor in or on a guy of the tower crane
(1).
5. Tower crane (1) according to any of the preceding claims, characterised in that the control/regulating device (4) actuates the boom drive (3) on the basis of a reference
value calculated from a plurality of sensor values.
6. Tower crane (1) according to claim 5, characterised in that the reference value is the load torque calculated from the outreach of the tower
crane (1) and the weight of the load (6) or the supporting forces.
7. Tower crane (1) at least according to claim 5, characterised in that the ratio of the sensor value and/or reference value to the outreach shift on account
of the deformation of the tower crane (1) is scaled or determined and/or calculated
mathematically using a test weight.
1. Grue à tour (1) avec un dispositif pour la compensation de traction oblique dans une
grue à tour (1) avec au moins une flèche (2), au moins un entraînement de flèche (3)
pour ajuster un angle et/ou une longueur de la flèche (2) et/ou pour déplacer un chariot
roulant (7), avec au moins un capteur (5) pour détecter l'angle de la flèche (2) et/ou
la déformation d'au moins une partie de la grue à tour (1) et avec au moins un dispositif
de commande/de régulation (4) pour commander l'entraînement de flèche (3), dans lequel
lors du soulèvement et/ou de l'abaissement d'une charge (6) par la grue à tour (1),
la valeur de capteur détectée est maintenue constante au moyen du dispositif de commande/régulation
(4) et de l'entraînement de flèche (3).
2. Grue à tour (1) selon la revendication 1, caractérisée en ce que l'entraînement de flèche (3) est au moins un treuil de rétraction (8) ou un treuil
de mise en tension (9).
3. Grue à tour (1) selon la revendication 1, caractérisée en ce que l'entraînement de flèche (3) est un dispositif à piston-cylindre hydraulique.
4. Grue à tour (1) selon l'une quelconque des revendications précédentes, caractérisée en ce que le capteur (5) est un capteur d'inclinaison, un capteur optique, une sonde de longueurs
pour mesurer des déformations, un capteur GPS et/ou un capteur de traction de câble
dans ou sur un haubanage de la grue à tour (1).
5. Grue à tour (1) selon l'une quelconque des revendications précédentes, caractérisée en ce que le dispositif de commande/régulation (4) pilote l'entraînement de flèche (3) sur
la base d'une valeur de référence calculée à partir de plusieurs valeurs de capteur.
6. Grue à tour (1) selon la revendication 5, caractérisée en ce que la valeur de référence est le couple de charge calculé à partir de la portée de la
grue à tour (1) et du poids de la charge (6) ou des forces de soutien.
7. Grue à tour (1) au moins selon la revendication 5, caractérisée en ce que le rapport de la valeur de capteur et/ou la valeur de référence par rapport au décalage
de portée est mis à l'échelle ou défini et/ou déterminé par calcul avec un poids de
contrôle en raison de la déformation de la grue à tour (1).