GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein System umfassend einen Kältemittelkompressor
und eine elektronische Steuerungseinrichtung für den Kältemittelkompressor, welcher
Kältemittelkompressor zumindest umfasst
eine Antriebseinheit,
einen mit einem Rotor der Antriebseinheit in Wirkverbindung stehenden Kompressionsmechanismus
mit zumindest einem in einem Zylinder eines Zylinderblocks hin und her bewegbaren,
über eine Kurbelwelle antreibbaren Kolben, um zyklisch Kältemittel während einer Saugphase
in den Zylinder zu saugen und das Kältemittel während einer auf die Saugphase folgenden
Verdichtungsphase im Zylinder zu verdichten,
wobei die elektronische Steuerungseinrichtung dazu eingerichtet ist,
eine Drehzahl der Kurbelwelle zu erfassen und zu steuern und/oder regeln,
eine Kolbenposition des Kolbens zumindest annähernd zu erfassen.
[0002] Die vorliegende Erfindung bezieht sich außerdem auf ein Verfahren zum Betreiben eines
Kältemittelkompressors mit einer Antriebseinheit, einem mittels der Antriebseinheit
antreibbaren Kompressionsmechanismus umfassend einen Kolben sowie eine mit diesem
über ein Pleuel in Verbindung stehende Kurbelwelle.
STAND DER TECHNIK
[0003] Derartige elektronische Steuerungseinrichtungen kommen bei drehgeschwindigkeitsvariablen
bzw. drehzahlvariablen Kältemittelkompressoren zum Einsatz, insbesondere auch bei
Kältemittelkompressoren, die auf dem Hubkolbenprinzip aufbauen. Drehzahlvariable Kältemittelkompressoren
haben den Vorteil, dass sie spezifischer auf Kälteanforderungen des zu kühlenden Objekts
abgestimmt werden können indem sie beispielsweise im Falle geringerer Kälteanforderungen
mit geringerer Drehzahl und im Falle einer erhöhten Kälteanforderung, mit entsprechend
erhöhter Drehzahl betrieben werden können.
[0004] Der Aufbau von drehzahlvariablen Hubkolbenkältemittelkompressoren ist hinlänglich
bekannt. Sie bestehen im Wesentlichen aus einer Antriebseinheit und einem Kompressionsmechanismus
in Form eines in einem Zylindergehäuse sich zwischen einem oberen und unteren Totpunkt
hin und her bewegenden Kolben, der über ein Pleuel mit einer Kurbelwelle verbunden
ist, die wiederum drehstarr mit einem Rotor der Antriebseinheit gekoppelt ist.
[0005] Als Antriebseinheit kommt typischerweise ein bürstenloser Gleichstrommotor zum Einsatz.
Dabei ist es möglich die relative Position des Rotors des Gleichstrommotors und damit
auch die Drehgeschwindigkeit sowie die Drehzahl des Motors bzw. des Kompressionsmechanismus
auf Basis der in der Motorwicklung induzierten Gegenspannung (Induktionsgegenspannung)
zu bestimmen. Dieses Verfahren kommt ohne separate Sensoren aus und ist daher besonders
einfach zu implementieren und wenig störanfällig.
[0006] Problematisch gestaltet sich bei Hubkolbenkältemittelkompressoren der Anhalteprozess.
Im Betriebszustand des Kältemittelkompressors wirken in der Saug-und Kompressionsphase
unterschiedliche Gaskräfte (bewirkt durch die Kältemitteldruckverhältnisse im System)
und Reibungskräfte (beide gemeinsam werden als Lastmoment bezeichnet) auf den Kompressionsmechanismus,
was bei genauerer Betrachtung in einer über den Kurbelwinkel ungleichförmigen, weil
variierenden Drehgeschwindigkeit resultiert. In der vorliegenden Anmeldung wird grundsätzlich
zwischen den Begriffen Drehzahl und Drehgeschwindigkeit unterschieden. Der Begriff
Drehgeschwindigkeit wird verwendet, wenn die tatsächliche, momentane Drehgeschwindigkeit
gemeint ist, die bei Hubkolbenkältemittelkompressoren nach dem Stand der Technik über
den Kurbelwinkel variiert, wohingegen der Begriff Drehzahl dann verwendet wird, wenn
die durchschnittliche Drehzahl einer Kurbelwellenumdrehung gemeint ist, also jener
Wert der gemeinhin gemeint ist, wenn man von der Drehzahl eines Hubkolbenkältemittelkompressors
spricht.
[0007] Konkret wirkt während der Kompressionsphase, welche im Wesentlichen einer Bewegung
des Kolbens vom unteren Totpunkt zum oberen Totpunkt entspricht, ein gegenüber der
Saugphase erhöhtes Lastmoment auf den Kompressionsmechanismus, welches vom Betriebsdrehmoment
der Antriebseinheit überwunden werden muss, um den Verdichtungsprozess in Gang zu
halten. Das erhöhte Lastmoment in der Kompressionsphase führt bei Hubkolbenkältemittelkompressoren
nach dem Stand der Technik, die mit konstanter Spannung betrieben werden, zu einer
Verringerung der Drehgeschwindigkeit des Kompressionsmechanismus in der Kompressionsphase.
[0008] Während der Saugphase, welche im Wesentlichen einer Bewegung des Kolbens vom oberen
zum unteren Totpunkt entspricht, hingegen, bewirken die Gaskräfte gegenüber der Kompressionsphase
ein verringertes Lastmoment. Dies führt zu einer Erhöhung der Drehgeschwindigkeit
des Kompressionsmechanismus während der Saugphase.
[0009] Insgesamt wirkt somit ein über den Kurbelwinkel variierendes Lastmoment auf den Kompressionsmechanismus,
wobei die Schwankungsbreite des Lastmomentes vor allem vom Druckverhältnis im Kältemittelkreislauf
abhängt und zu unterschiedlich hohen Winkelbeschleunigungen und damit zu einer über
den Kurbelwinkel ungleichförmigen Drehgeschwindigkeit des Kompressionsmechanismus
während einer Kurbelwellenumdrehung führt.
[0010] Um Schwingungen und Vibrationen des Kompressionsmechanismus während des Betriebs
auszugleichen, ist dieser samt Antriebseinheit über Federelemente in einem Gehäuse
gelagert. Die Eigenfrequenzen dieses Schwingungssystems liegen je nach Kompressortyp
zwischen 5 Hz und 16 Hz.
[0011] Somit führt das während jeder Kurbelwellenumdrehung wiederkehrende, erhöhte Lastmoment
während der Kompressionsphase, insbesondere bei Betrieb des Hubkolbenkältemittelkompressors
bei Drehgeschwindigkeiten bzw. Drehzahlen unterhalb eines Bereichs zwischen 1000 U/min
und 700 U/min zu Stößen auf den Kompressionsmechanismus, welche den Kompressionsmechanismus
samt Antriebseinheit in die Federelemente drücken und diese auslenken, wobei die Stoßfrequenz
im Bereich der Eigenfrequenz des Schwingungssystems liegt, sodass sich die Auslenkungen
der Federelemente mit jeder Kurbelwellenumdrehung derart vergrößern, dass der Kompressionsmechanismus
und/oder die Antriebseinheit gegen das Gehäuse schlagen können, wodurch es zu unerwünschten
Schallemissionen kommen kann. Dieser Umstand ist auch ein Grund, dass bekannte Hubkolbenkältemittelkompressoren
in der normalen, geregelten Betriebsphase nicht unterhalb eines Bereichs zwischen
1000 U/min und 700 U/min betrieben werden.
[0012] Die beschriebenen, unerwünschten Schallemissionen eines Hubkolbenkältemittelkompressors
bei geringen Drehgeschwindigkeiten/Drehzahlen treten aber nicht nur im normalen, geregelten
Betrieb auf sondern vor allem auch während des Anhalteprozesses, wo diese geringen
Drehgeschwindigkeiten/Drehzahlen durchfahren werden müssen. Der Anhalteprozess läuft
in der Regel wie folgt ab:
Ist nach einer entsprechend andauernden normalen, geregelten Betriebsphase des Kältemittelkompressors
die Zieltemperatur des zu kühlenden Objektes, beispielsweise eines Kühlfachs eines
Kühlschranks erreicht, sendet die elektronische Steuerungseinrichtung des Kühlschranks
ein Signal an die elektronische Steuerungseinrichtung des Kältemittelkompressors,
mit welchem dieser mitgeteilt wird, dass keine Kühlleistung mehr benötigt wird, da
die Zieltemperatur erreicht ist. Aus dem Stand der Technik ist es bekannt, dass daraufhin
die elektronische Steuerungseinrichtung des Kältemittelkompressors den Antrieb abschaltet
(Abschaltzeitpunkt) und der Anhalteprozess beginnt.
[0013] Die Kurbelwelle des Kompressionsmechanismus durchläuft auch nach dem Abschaltzeitpunkt
jeweils vollständige Umdrehungen beginnend beim oberen Totpunkt (Kurbelwinkel 0°),
wobei zunächst eine Saugphase (korrekt: Saug- und Rückexpansionsphase) durchlaufen
wird, während welcher Kältemittel in den Zylinder gesaugt wird. Diese Saugphase endet,
theoretisch wenn der Zylinder den unteren Totpunkt (Kurbelwinkel 180°) erreicht hat.
Danach beginnt die Kompressionsphase (korrekt: Kompressions- und Ausschiebephase),
während welcher das im Zylinder befindliche Kältemittel komprimiert wird und aus dem
Zylinder ausgeschoben wird. Die Kompressionsphase endet theoretisch, wenn der Kolben
den oberen Totpunkt (Kurbelwinkel 360°) wieder erreicht hat. In der Praxis beginnt
die tatsächliche Kompression des Kältemittels allerdings erst bei einem Kurbelwinkel
von in etwa 210° (abhängig vom Kältemittelkompressor, den Druckverhältnisse, der Ventilauslegung
etc.) jedenfalls aber nach 180° und die Saugphase in etwa bei 30°, jedenfalls aber
nach dem oberen Totpunkt.
[0014] Das Abschalten der Antriebseinheit des Kältemittelkompressors zu einem Abschaltzeitpunkt
leitet den Anhalteprozess ein und führt dazu, dass sich der Kompressionsmechanismus
in einem antriebslosen Zustand (ohne Betriebsdrehmoment) befindet und sich nur aufgrund
seiner Massenträgheit noch weiter dreht, bis er vollkommen zum Stillstand gekommen
ist, d.h. seine Drehgeschwindigkeit bzw. Drehzahl 0 ist. Umgangssprachlich könnte
man auch sagen, dass der Kältemittelkompressor "ausläuft".
[0015] Während des antriebslosen Zustandes drehen sich der Kompressionsmechanismus und die
Antriebseinheit ausschließlich aufgrund der kinetischen Energie, die sie zum Abschaltzeitpunkt
innehaben, sowie der Massenträgheit. Sie drehen sich damit sozusagen unkontrolliert
und ihr Drehgeschwindigkeitsverhalten bzw. Drehzahlverhalten ist abhängig von dem
auf den Kompressionsmechanismus wirkenden Lastmoment. Das Lastmoment führt zu einer
Verringerung der Drehgeschwindigkeit bzw. der Drehzahl des antriebslos ausdrehenden
Kältemittelkompressors, so dass die kinetische Energie des Kompressionsmechanismus
immer geringer wird, bis sie, abhängig von den Druckverhältnissen im Kältemittelkreislauf,
möglicherweise nicht mehr ausreicht, um das Lastmoment zu überwinden.
[0016] Besonders problematisch ist dabei jener Fall, in welchem sich der Kolben gerade in
einer Kompressionsphase befindet, wenn die kinetische Energie des Kompressionsmechanismus/der
Antriebseinheit nicht mehr ausreicht, das Lastmoment zu überwinden, und der Kolben
des Kompressionsmechanismus wieder in Richtung unterer Totpunkt zurückgedrückt wird,
wobei sich die Drehrichtung des Kompressionsmechanismus damit umkehrt. Mit anderen
Worten reicht die kinetische Energie nicht mehr aus, die Kompressionsphase abzuschließen
und das verdichtete Kältemittel auszuschieben, sodass das verdichtete Kältemittel
im Zylinder rückexpandiert und so den Kolben in Richtung des unteren Totpunkts zurückdrückt.
[0017] Mit der Drehrichtungsumkehr ist ein zusätzlicher, auf den Kompressionsmechanismus
wirkender Anhalteruck verbunden, der den Kompressionsmechanismus/die Antriebseinheit
in die Federelemente drückt und diese zusätzlich auslenkt.
[0018] Gerade während des Anhalteprozesses, wo, wie oben bereits beschrieben, kein positives
Betriebsdrehmoment dem Lastmoment entgegenwirkt, trägt der Anhaltruck aufgrund der
Drehrichtungsumkehr maßgeblich zur Auslenkung der Federelemente bei, so dass die Wahrscheinlichkeit,
dass der Kompressionsmechanismus/die Antriebseinheit an der Gehäusewand anschlagen
und damit unerwünschte Geräuschemissionen verursach werden, wesentlich erhöht wird.
Dieser Effekt resultiert im Wesentlichen aus dem Impulserhaltungssatz, gemäß welchem
der Anhaltruck durch eine Gegenauslenkung der Antriebseinheit ausgeglichen wird. Insbesondere
für Antriebseinheiten mit verringerten Massenträgheitsmomenten, wie beispielsweise
bürstenlose Gleichstrommotoren (Brushless DC Motoren), führt derselbe Anhaltruck zu
einer entsprechend größeren Auslenkung.
[0019] Aus dem Stand der Technik ist es bekannt, die antriebslose Phase durch Anlegen eines
Bremsmomentes zu beenden und dadurch zumindest ein Zurückschlagen des Kältemittelkompressors
und damit des Anhalterucks zu vermeiden. Konkret ist es aus der
EP 2669519 A1 und der daraus abgezweigten
DE 202012013046 U1 bekannt, den antriebslos drehenden Kompressionsmechanismus/Antriebseinheit nach dem
Abschaltzeitpunkt bei Unterschreiten einer bestimmten Drehzahl mittels eines Bremsmomentes
abzubremsen. Dazu ist es erforderlich, die Drehzahl des antriebslos drehenden Kompressionsmechanismus
nach dem Abschaltzeitpunkt ständig zu überwachen und bei einer definierten Drehzahl,
die jedenfalls noch ausreichend hoch sein muss, um das Lastmoment bis dahin zu überwinden,
den Kompressionsmechanismus mittels eines Bremsmomentes, welches an den Kompressionsmechanismus
angelegt wird, aktiv abzubremsen.
[0020] Ein Nachteil des Stands der Technik äußert sich darin, dass der aktive Bremsvorgang
die Energieeffizienz des Kältemittelkompressors negativ beeinflusst, da bei jedem
Anhalteprozess Bremsenergie aufgebracht werden muss. Zusätzlich dazu wird das Bremsmoment
bereits bei einer verhältnismäßig hohen Drehzahl angelegt werden, was energetisch
nachteilig ist und darüberhinaus auch zusätzliche Schallemissionen verursacht.
AUFGABE DER ERFINDUNG
[0021] Ziel der Erfindung ist es daher, ein System mit einem Kältemittelkompressor, vorzugsweise
einem Hubkolbenkältemittelkompressor, und einer elektronischen Steuerungseinrichtung
für den Kältemittelkompressor vorzusehen sowie ein Verfahren zum Betreiben eines Kältemittelkompressors,
vorzugsweise eines Hubkolbenkältemittelkompressors, welche das Auftreten des Anhaltrucks
zuverlässig verhindern, ohne dass dafür aktiv ein Bremsmoment angelegt werden muss,
womit ein optimierter Betrieb des Kältemittelkompressors hinsichtlich Energieeffizienz
und Schallemissionen ermöglicht wird.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0022] Kern der gegenständlichen Erfindung zur Lösung der oben genannten Aufgabe ist es,
wesentliche Parameter des Anhalteprozess nicht dem Zufall zu überlassen, sondern so
einzustellen, dass nach dem Abschalten der Antriebseinheit beim Auslaufen des Kompressionsmechanismus
möglichst kein Anhaltruck auftritt, indem der Kompressionsmechanismus in der Saugphase
zum Stillstand kommt. Hierdurch wird ausgeschlossen, dass eine weitere Kompressionsphase
begonnen wird und damit ein Anhaltruck entsteht. Konkret ist es bei einem System umfassend
einen Kältemittelkompressor und eine elektronische Steuerungseinrichtung für den Kältemittelkompressor,
welcher Kältemittelkompressor zumindest umfasst
eine Antriebseinheit,
einen mit einem Rotor der Antriebseinheit in Wirkverbindung stehenden Kompressionsmechanismus
mit zumindest einem in einem Zylinder eines Zylinderblocks hin und her bewegbaren,
über eine Kurbelwelle antreibbaren Kolben, um zyklisch Kältemittel während einer Saugphase
in den Zylinder zu saugen und das Kältemittel während einer auf die Saugphase folgenden
Verdichtungsphase im Zylinder zu verdichten,
wobei die elektronische Steuerungseinrichtung dazu eingerichtet ist,
eine Drehzahl der Kurbelwelle zu erfassen und zu steuern und/oder regeln,
eine Kolbenposition des Kolbens zumindest annähernd zu erfassen,
erfindungsgemäß vorgesehen, dass die elektronische Steuereinrichtung dazu eingerichtet
ist,
bei abgeschalteter Antriebseinheit eine
Energiebeurteilungsgrößendifferenz zu bestimmen, die proportional zu einer für die
Durchführung einer Kurbelwellenumdrehung benötigten Energie ist,
bei einer Messdrehzahl eine Energiebeurteilungsgröße, die proportional zu einer Rotationsenergie
bei der Messdrehzahl ist, zu bestimmen sowie die Anzahl der bei abgeschalteter Antriebseinheit
verbleibenden Kurbelwellenumdrehungen bis zum Stillstand des Kompressionsmechanismus,
zu prüfen, ob die verbleibenden Kurbelwellenumdrehungen bei Abschalten der Antriebseinheit
bei einer Referenz-Kolbenposition ein Anhalten des Kompressionsmechanismus in dessen
Saugphase ermöglichen,
gegebenenfalls die Antriebseinheit einzuschalten und unter Berücksichtigung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz
eine Abschalt-Drehzahl zu bestimmen, bei welcher die Antriebseinheit bei der Referenz-Kolbenposition
abzuschalten ist, um einen Stillstand des Kompressionsmechanismus in der Saugphase
zu bewirken und die Antriebseinheit bei der Abschalt-Drehzahl abzuschalten,
oder gegebenenfalls die Antriebseinheit einzuschalten und diese mit einer vorgebbaren
Grenz-Drehzahl zu betreiben und unter Berücksichtigung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz
eine Abschalt-Kolbenposition zu bestimmen und die Antriebseinheit bei der Grenz-Drehzahl
und der Abschalt-Kolbenposition abzuschalten.
[0023] Analog ist es bei einem Verfahren zum Betreiben eines Kältemittelkompressors mit
einer Antriebseinheit, einem mittels der Antriebseinheit antreibbaren Kompressionsmechanismus
umfassend einen Kolben sowie eine mit diesem über ein Pleuel in Verbindung stehende
Kurbelwelle erfindungsgemäß vorgesehen, dass das Verfahren folgende Schritte umfasst:
bei abgeschalteter Antriebseinheit, Bestimmen einer Energiebeurteilungsgrößendifferenz,
die proportional zu einer für die Durchführung einer Kurbelwellenumdrehung benötigten
Energie ist,
bei einer Messdrehzahl, Bestimmen einer Energiebeurteilungsgröße, die proportional
zu einer Rotationsenergie bei der Messdrehzahl ist, und Berechnen der Anzahl der bei
abgeschalteter Antriebseinheit verbleibenden Kurbelwellenumdrehungen bis zum Stillstand
des Kompressionsmechanismus,
Prüfen, ob die verbleibenden Kurbelwellenumdrehungen bei Abschalten der Antriebseinheit
bei einer Referenz-Kolbenposition ein Anhalten des Kompressionsmechanismus in dessen
Saugphase ermöglichen,
gegebenenfalls Einschalten der Antriebseinheit und unter Berücksichtigung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz
Bestimmen einer Abschalt-Drehzahl, bei welcher die Antriebseinheit bei der Referenz-Kolbenposition
abzuschalten ist, um einen Stillstand des Kompressionsmechanismus in der Saugphase
zu bewirken und Abschalten der Antriebseinheit bei der Abschalt-Drehzahl,
oder gegebenenfalls Einschalten der Antriebseinheit und Betreiben derselben mit einer
vorgebbaren Grenz-Drehzahl und unter Berücksichtigung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz
Bestimmen einer Abschalt-Kolbenposition und Abschalten der Antriebseinheit bei der
Grenz-Drehzahl und bei der Abschalt-Kolbenposition.
[0024] Die Erfassung der Drehzahl schließt prinzipiell nicht aus, dass auch die Drehgeschwindigkeit
erfasst werden kann.
[0025] Unter Kolbenposition ist klarerweise eine aktuelle Kolbenposition zu verstehen, die
insbesondere als Kurbelwellendrehposition in Grad angegeben werden kann, wobei beispielsweise
der obere oder untere Totpunkt des Kolbens als 0° definiert werden kann.
[0026] Unter "abgeschalteter Antriebseinheit" ist zu verstehen, dass die Antriebseinheit
kein positives (also beschleunigendes) oder negatives (also bremsendes) Betriebsdrehmoment
erzeugt und der Kompressionsmechanismus antriebslos, d.h. aufgrund der Massenträgheit
bzw. der Trägheitsmomente des Rotors und Kompressionsmechanismus, weiterläuft bzw.
ausläuft. Die Antriebseinheit wird also in der Praxis im abgeschalteten Zustand nicht
mit Strom versorgt bzw. betrieben. Dies schließt freilich nicht aus, dass z.B. aufgrund
unvermeidbarer Reibung in der Antriebseinheit die Antriebseinheit im abgeschalteten
Zustand ein gewisses negatives Drehmoment auf den Kompressionsmechanismus ausübt.
[0027] Im sich drehenden Kompressionsmechanismus und Rotor ist Rotationsenergie gespeichert.
Sofern das Trägheitsmoment des Rotors gegenüber jenem des Kompressionsmechanismus
vernachlässigt werden kann, kann man auch sagen, ist die Rotationsenergie im Wesentlichen
im Kompressionsmechanismus gespeichert. Die Energiebeurteilungsgrößendifferenz ist
ein Maß dafür, wieviel dieser Rotationsenergie pro Kurbelwellenumdrehung beim Auslaufen
aufgebraucht wird. Die pro Kurbelwellenumdrehung aufgebrauchte Rotationsenergie könnte
man auch als Rotationsenergiedekrement bezeichnen. Insbesondere genügt es, wenn die
Energiebeurteilungsgröße in einem bestimmten, nicht notwendigerweise bekannten Verhältnis
zum Rotationsenergiedekrement steht. Es ist freilich auch der Fall denkbar, wo das
Verhältnis einfach 1:1 ist, d.h. wo ein Proportionalitätsfaktor zwischen dem Rotationsenergiedekrement
und der Energiebeurteilungsgrößendifferenz einfach 1 ist. Da das Auslaufen rasch vonstatten
geht (typischerweise innerhalb von 1 bis 2 Sekunden), ändert sich die Belastung bzw.
das Lastmoment durch Drücke und Temperatur während des Auslaufens praktisch nicht.
Folglich kann zumindest in erster Näherung davon ausgegangen werden, dass die Energiebeurteilungsgrößendifferenz
tatsächlich konstant während des gesamten Auslaufens, also bis zum Stillstand des
Kompressionsmechanismus bzw. Rotors (letzterer steht zwangsläufig still, wenn der
Kompressionsmechanismus stillsteht und umgekehrt), ist.
[0028] Die Energiebeurteilungsgröße bei einer gewissen, prinzipiell beliebigen Messdrehzahl
ist ein Maß dafür, wie groß die Rotationsenergie bei dieser Messdrehzahl ist. Insbesondere
genügt es, wenn die Energiebeurteilungsgröße in einem bestimmten, nicht notwendigerweise
bekannten Verhältnis zur Rotationsenergie steht. Analog zu oben Gesagten ist freilich
auch der Fall denkbar, wo das Verhältnis einfach 1:1 ist, d.h. wo ein Proportionalitätsfaktor
zwischen der Rotationsenergie und der Energiebeurteilungsgröße einfach 1 ist.
[0029] Entsprechend lässt sich für den Fall, dass die Antriebseinheit bei der betrachteten
Messdrehzahl ausgeschaltet wird, die Umdrehungsanzahl bzw. die Anzahl der verbleibenden
Kurbelwellenumdrehungen bis zum Stillstand des Kompressionsmechanismus durch eine
einfache Division der entsprechenden Energiebeurteilungsgröße durch die Energiebeurteilungsgrößendifferenz
berechnen. Durch diese Quotientenbildung fällt der - möglicherweise unbekannte - Proportionalitätsfaktor
vor der Rotationsenergie (bei der Messdrehzahl) und vor dem Rotationsdekrement weg.
[0030] Unter "Anhalten des Kompressionsmechanismus in dessen Saugphase" ist klarerweise
das Zum-Stillstand-Kommen des Kompressionsmechanismus in dessen Saugphase zu verstehen.
[0031] Auf Basis der Information über die Umdrehungsanzahl kann der Kompressionsmechanismus
durch Ein- und Ausschalten der Antriebseinheit so betrieben und auslaufen gelassen
werden, dass der Kompressionsmechanismus zum Stillstand kommt. Beim Ausschalten ist
dabei der Kolbenposition, bei der ausgeschaltet wird, bezogen auf die Referenz-Kolbenposition
gebührend Rechnung zu tragen.
[0032] Die vorgebbare Grenz-Drehzahl kann z.B. in einem Speicher der Steuereinrichtung hinterlegt
sein bzw. kann ggf. dort hinterlegt werden. Sie kann - muss aber nicht - denselben
Wert wie die Abschalt-Drehzahl haben.
[0033] Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Systems ist es daher
vorgesehen, dass die Steuereinrichtung dazu eingerichtet ist,
die Energiebeurteilungsgrößendifferenz durch Bildung der Differenz der Energiebeurteilungsgrößen
bei zwei aufeinanderfolgenden Umdrehungen der Kurbelwelle zu bestimmen, um durch eine
Bildung des Quotienten Energiebeurteilungsgröße/ Energiebeurteilungsgrößendifferenz
bestimmen zu können, wieviele Umdrehungen der antriebslose Kompressionsmechanismus
ausgehend von der Messdrehzahl und der Referenz-Kolbenposition noch weiterlaufen kann,
wobei aufgrund des Nachkommaanteils der ermittelten Umdrehungsanzahl bestimmbar ist,
ob der Kompressionsmechanismus in der Saugphase oder in der Verdichtungsphase zum
Stillstand kommen würde,
und unter Anwendung der Quotientenbildung und Berücksichtigung des Nachkommaanteils
der ermittelten Umdrehungsanzahl den Kompressionsmechanismus so anzutreiben und die
Antriebseinheit so abzuschalten, dass der Kompressionsmechanismus während der Saugphase
zum Stillstand kommt.
[0034] Analog ist es bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
vorgesehen, dass
die Energiebeurteilungsgrößendifferenz durch Bildung der Differenz der Energiebeurteilungsgrößen
bei zwei aufeinanderfolgenden Umdrehungen der Kurbelwelle bestimmt wird,
durch eine Bildung des Quotienten Energiebeurteilungsgröße/ Energiebeurteilungsgrößendifferenz
bestimmt wird, wieviele Umdrehungen der antriebslose Kompressionsmechanismus ausgehend
von der Messdrehzahl und der Referenz-Kolbenposition noch weiterlaufen kann, wobei
aufgrund des Nachkommaanteils der ermittelten Umdrehungsanzahl bestimmt wird, ob der
Kompressionsmechanismus in der Saugphase oder in der Verdichtungsphase zum Stillstand
kommen würde,
unter Anwendung der Quotientenbildung und Berücksichtigung des Nachkommaanteils der
ermittelten Umdrehungsanzahl der Kompressionsmechanismus so angetrieben und die Antriebseinheit
so abgeschaltet wird, dass der Kompressionsmechanismus während der Saugphase zum Stillstand
kommt.
[0035] Die Energiebeurteilungsgrößendifferenz lässt sich auf die geschilderte Weise, wenn
die Antriebseinheit ausgeschaltet ist und der Kompressionsmechanismus ausläuft, besonders
leicht und rasch bestimmen. Durch Berücksichtigung des Nachkommanteils der ermittelten
Umdrehungszahl lässt sich genau einstellen, ob der Kompressionsmechanismus in der
Saugphase zum Stillstand kommt oder nicht.
[0036] Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Systems ist vorgesehen,
dass die Steuereinrichtung dazu eingerichtet ist, die Antriebseinheit nur dann abzuschalten
und die Energiebeurteilungsgrößendifferenz zu bestimmen, wenn die Drehzahl größer
gleich einer, vorzugsweise vorgebbaren, Mindestdrehzahl ist. Analog ist es bei einer
bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens vorgesehen, dass die
Antriebseinheit nur dann abgeschaltet und die Energiebeurteilungsgrößendifferenz bestimmt
wird, wenn die Drehzahl größer gleich einer, vorzugsweise vorgebbaren, Mindestdrehzahl
ist. Insbesondere kann auf diese Weise sichergestellt werden, dass nach dem Abschalten
noch zwei Umdrehungen möglich sind, sodass die Energiebeurteilungsgrößendifferenz
zuverlässig und genau bestimmt werden kann. Wiederum kann die Mindestdrehzahl z.B.
im Speicher der Steuereinrichtung hinterlegt sein bzw. werden.
[0037] Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Systems bzw. Verfahrens
ist vorgesehen, dass die Referenz-Kolbenposition der obere Totpunkt (OT) des Kolbens
im Zylinder ist. Der obere Totpunkt ist wohldefiniert und eignet sich daher sehr gut
als Referenz-Kolbenposition.
[0038] Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Systems ist vorgesehen,
dass die elektronische Steuereinrichtung dazu eingerichtet ist, den Kompressionsmechanismus
so anzutreiben, dass die Abschalt-Drehzahl (ω
abschalt) erreicht wird, und die Antriebseinheit bei der Abschalt-Drehzahl und der Referenz-Kolbenposition
abzuschalten, wobei die Abschalt-Drehzahl bestimmt wird, indem die Energiebeurteilungsgröße
bei einer als Messdrehzahl fungierenden Bestimmungsdrehzahl (ω
b), die vorzugsweise bei zur Bestimmung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz abgeschalteter
Antriebseinheit vorliegt, bestimmt wird,
die Umdrehungsanzahl durch Quotientenbildung berechnet wird:

eine adaptierte Umdrehungsanzahl (N') berechnet wird, indem die Umdrehungsanzahl
auf die nächstgrößere ganze Zahl aufgerundet wird und anschließend eine Anpassungszahl
zwischen 0 und 1 addiert wird, und
die Abschalt-Drehzahl bis auf einen konstanten Faktor (c) berechnet wird als die Wurzel
aus dem Produkt der adaptierten Umdrehungsanzahl und der Energiebeurteilungsgrößendifferenz:

[0039] Analog ist es bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
vorgesehen, dass der Kompressionsmechanismus so getrieben wird, dass die Abschalt-Drehzahl
(ω
abschalt) erreicht wird, und die Antriebseinheit bei der Abschalt-Drehzahl und der Referenz-Kolbenposition
abgeschaltet wird, wobei die Abschalt-Drehzahl bestimmt wird, indem
die Energiebeurteilungsgröße bei einer als Messdrehzahl fungierenden Bestimmungsdrehzahl
(ω
b), die vorzugsweise bei zur Bestimmung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz abgeschalteter
Antriebseinheit vorliegt, bestimmt wird, die Umdrehungsanzahl durch Quotientenbildung
berechnet wird:

eine adaptierte Umdrehungsanzahl (N') berechnet wird, indem die Umdrehungsanzahl
auf die nächstgrößere ganze Zahl aufgerundet wird und anschließend eine Anpassungszahl
zwischen 0 und 1 addiert wird, und
die Abschalt-Drehzahl bis auf einen konstanten Faktor (c) berechnet wird als die Wurzel
aus dem Produkt der adaptierten Umdrehungsanzahl und der Energiebeurteilungsgrößendifferenz:

[0040] Durch die Addition der Anpassungszahl wird sichergestellt, dass der Nachkommaanteil
der adaptierten Umdrehungsanzahl so ist, dass bezogen auf die Referenz-Kolbenposition
der Kompressionsmechanismus sicher in der Saugphase zum Stillstand kommt. D.h. wenn
der Kompressionsmechanismus zum Stillstand kommt, muss die Kolbenposition hinreichend
nach dem oberen Totpunkt und hinreichend vor der Verdichtungsphase, vorzugsweise vor
dem unteren Totpunkt, sein.
[0041] Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Systems bzw.
Verfahrens ist vorgesehen, dass die Bestimmungsdrehzahl in einem Bereich von 500 min
-1 bis 1500 min
-1, vorzugsweise von 800 min
-1 bis 1200 min
-1, liegt. Hierdurch wird sichergestellt, dass die Bestimmungsdrehzahl über einer niedrigsten
Betriebsdrehzahl des Kompressors liegt und die Energiebeurteilungsgrößendifferenz
entsprechend zuverlässig und genau bestimmt werden kann.
[0042] Der oben genannte konstante Faktor c richtet sich entsprechend danach, wie die Energiebeurteilungsgröße
E(ω) berechnet wird. Wird für die Berechnung der Energiebeurteilungsgröße einfach
E(ω)=ω
2 verwendet, so ist c=1. Entsprechend ist es bei einer bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Systems vorgesehen, dass die elektronische Steuereinrichtung
dazu eingerichtet ist, die Energiebeurteilungsgröße für die Messdrehzahl durch Quadrieren
der Messdrehzahl zu bestimmen. Analog ist es bei einer bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens vorgesehen, dass die elektronische Steuereinrichtung
dazu eingerichtet ist, die Energiebeurteilungsgröße für die Messdrehzahl durch Quadrieren
der Messdrehzahl zu bestimmen.
[0043] Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Systems ist vorgesehen,
dass die elektronische Steuereinrichtung dazu eingerichtet ist, den Kompressionsmechanismus
so antreiben, dass die Grenz-Drehzahl (ω
grenz) erreicht wird, und die Antriebseinheit bei der Grenz-Drehzahl und der Abschalt-Kolbenposition
abzuschalten, wobei die Abschalt-Kolbenposition bestimmt wird, indem die Energiebeurteilungsgröße
bei der Grenz-Drehzahl bestimmt wird,
die Umdrehungsanzahl (N) durch Quotientenbildung berechnet wird: N = E (ω
grenz) /W,
der Nachkommaanteil der Umdrehungsanzahl bestimmt wird,
ein adaptierter Nachkommaanteil bestimmt wird, indem vom Nachkommaanteil der Umdrehungsanzahl
eine Anpassungszahl zwischen 0 und 1 subtrahiert wird,
der adaptierte Nachkommaanteil in eine Kolbenposition umgerechnet und diese von der
Referenz-Kolbenposition abgezogen wird.
[0044] Analog ist es bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
vorgesehen, dass der Kompressionsmechanismus so angetrieben wird, dass die Grenz-Drehzahl
(ω
grenz) erreicht wird, und die Antriebseinheit bei der Grenz-Drehzahl und der Abschalt-Kolbenposition
abgeschaltet wird, wobei die Abschalt-Kolbenposition bestimmt wird, indem die Energiebeurteilungsgröße
bei der Grenz-Drehzahl bestimmt wird,
die Umdrehungsanzahl (N) durch Quotientenbildung berechnet wird: N = E (ω
grenz) /W,
der Nachkommaanteil der Umdrehungsanzahl bestimmt wird,
ein adaptierter Nachkommaanteil bestimmt wird, indem vom Nachkommaanteil der Umdrehungsanzahl
eine Anpassungszahl zwischen 0 und 1 subtrahiert wird,
der adaptierte Nachkommaanteil in eine Kolbenposition umgerechnet und diese von der
Referenz-Kolbenposition abgezogen wird.
[0045] Bei dieser Variante wird der Kompressionsmechanismus also gewissermaßen fix mit der
vorgebbaren bzw. vorgegebenen Grenz-Drehzahl mittels der Antriebseinheit angetrieben.
Statt der Abschalt-Drehzahl wird eine geeignete Kolbenposition, nämlich die Abschalt-Kolbenposition,
bestimmt, bei der die Antriebseinheit abgeschaltet wird um sicherzustellen, dass der
Kompressionsmechanismus in der Saugphase zum Stillstand kommt.
[0046] Es sei bemerkt, dass die Mindestdrehzahl größer sein muss als die Grenz-Drehzahl.
Um dies leicht sicherstellen zu können, ist es bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Systems bzw. Verfahrens vorgesehen, dass die Grenz-Drehzahl
in einem Bereich von 500 min
-1 bis
1500 min
-1, vorzugsweise von 800 min
-1 bis 1200 min
-1, liegt.
[0047] Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Systems ist vorgesehen,
dass die elektronische Steuereinrichtung dazu eingerichtet ist,
- a) die Antriebseinheit abzuschalten und
- b) bei abgeschalteter Antriebseinheit
b1) die Energiebeurteilungsgrößendifferenz zu bestimmen,
b2) die Energiebeurteilungsgröße (E(ωauslauf)) für eine dann vorliegende, als Messdrehzahl fungierende Auslauf-Drehzahl (ωauslauf) zu bestimmen,
b3) die Umdrehungsanzahl (N) durch Quotientenbildung zu berechnen: N = E(ωauslauf) /W
b4) und den Nachkommaanteil der Umdrehungsanzahl mit einer Anpassungszahl zwischen
0 und 1 zu vergleichen und
- c) wenn der Nachkommaanteil größer als die Anpassungszahl ist, den Kompressionsmechanismus
nur für die Dauer eines Teils einer vollständigen Umdrehung der Kurbelwelle anzutreiben.
[0048] Analog ist es bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
vorgesehen, dass
- a) die Antriebseinheit geschaltet wird und
- b) bei abgeschalteter Antriebseinheit
b1) die Energiebeurteilungsgrößendifferenz bestimmt wird,
b2) die Energiebeurteilungsgröße (E(ωauslauf)) für eine dann vorliegende, als Messdrehzahl fungierende Auslauf-Drehzahl (ωauslauf) bestimmt wird,
b3) die Umdrehungsanzahl (N) durch Quotientenbildung berechnet wird: N = E(ωauslauf) /W
b4) und der Nachkommaanteil der Umdrehungsanzahl mit einer Anpassungszahl zwischen
0 und 1 verglichen wird und
- c) wenn der Nachkommaanteil größer als die Anpassungszahl ist, der Kompressionsmechanismus
nur für die Dauer eines Teils einer vollständigen Umdrehung der Kurbelwelle angetrieben
wird.
[0049] Vereinfacht gesagt, wird bei dieser Variante während des Auslaufens zunächst bestimmt,
ob der Kompressionsmechanismus in der Saugphase zum Stillstand kommen würde (durch
Vergleich des Nachkommaanteils der für die aktuell vorliegende Auslauf-Drehzahl bestimmten
Umdrehungsanzahl mit der Anpassungszahl). Sofern der Kompressionsmechanismus nicht
- oder nicht sicher genug - in der Saugphase zum Stillstand kommen würde, wird der
Kompressionsmechanismus ein wenig "angeschubst", um dessen Anhalten in der Saugphase
sicherzustellen. Besagtes Anschubsen findet statt, indem der Kompressionsmechanismus
nur für einen Bruchteil der Dauer einer vollständigen Kurbelwellenumdrehung angetrieben
wird, was wiederum durch ein entsprechend kurzes Einschalten der Antriebseinheit bewerkstelligt
wird.
[0050] Es ist denkbar, dass ein einmaliges Anschubsen nicht ausreicht, um die Rotationsenergie
soweit und/oder genau genug zu erhöhen, dass der auslaufende Kompressionsmechanismus
in der Saugphase zum Stillstand kommt. Daher ist es bei einer besonders bevorzugten
Ausführungsform des erfindungsgemäßen Systems vorgesehen, dass die elektronische Steuereinrichtung
(13) dazu eingerichtet ist, zumindest die Schritte b2), b3), b4) und c) iterativ zu
wiederholen. Analog ist es bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens vorgesehen, dass zumindest die Schritte b2), b3), b4) und c) iterativ wiederholt
werden.
[0051] D.h. die besagten Schritte werden solange wiederholt, bis sichergestellt ist, dass
der auslaufende Kompressionsmechanismus in der Saugphase zum Stillstand kommen wird,
was in Schritt c) festgestellt wird. Mit anderen Worten entscheidet sich in Schritt
c) ob eine weitere Iteration durchgeführt wird oder nicht.
[0052] Theoretisch ist es dabei denkbar auch Schritt b1) zu wiederholen, was in der Praxis
aber üblicherweise nicht notwendig ist, da die Energiebeurteilungsgrößendifferenz
zumindest näherungsweise konstant ist.
[0053] Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Systems bzw.
Verfahrens ist vorgesehen, dass die Auslauf-Drehzahl in einem Bereich von 500 min
-1 bis 1500 min
-1, vorzugsweise von 800 min
-1 bis 1200 min
-1, liegt. Bei einer derartigen Auslauf-Drehzahl kann durch das Anschubsen die Rotationsenergie
sehr genau gezielt erhöht werden. Entsprechend kann besonders zuverlässig sichergestellt
werden, dass der Kompressionsmechanismus in der Saugphase zum Stillstand kommt.
[0054] Wie bereits gesagt, eignet sich der obere Totpunkt besonders gut als Referenz-Kolbenposition.
Für diesen Fall ist es bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Systems bzw. Verfahrens vorgesehen, dass die (jeweilige) Anpassungszahl im Bereich
von 0,1 bis 0,4, vorzugsweise von 0,2 bis 0,3, liegt, um zu garantieren, dass der
Kompressionsmechanismus in der Saugphase zum Stillstand kommt. Dies gilt für alle
drei oben geschilderten Spezialfälle, bei denen wahlweise die Bestimmungsdrehzahl,
die Grenz-Drehzahl oder die Auslauf-Drehzahl herangezogen wird.
[0055] Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Systems ist
vorgesehen, dass die Steuereinrichtung dazu eingerichtet ist, die Energiebeurteilungsgrößendifferenz
so zu bestimmen, dass mehrere Energiebeurteilungsgrößendifferenzen für Drehzahlen
bei jeweils zwei aufeinanderfolgenden Umdrehungen in einer Abfolge von mehr als zwei
aufeinanderfolgenden Umdrehungen bestimmt werden und aus diesen Energiebeurteilungsgrößendifferenzen
ein Mittelwert gebildet wird. Analog ist es bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens vorgesehen, dass die Energiebeurteilungsgrößendifferenz
so bestimmt wird, dass mehrere Energiebeurteilungsgrößendifferenzen für Drehzahlen
bei jeweils zwei aufeinanderfolgenden Umdrehungen in einer Abfolge von mehr als zwei
aufeinanderfolgenden Umdrehungen bestimmt werden und aus diesen Energiebeurteilungsgrößendifferenzen
ein Mittelwert gebildet wird. Durch besagte Mittelwertbildung kann die Energiebeurteilungsgrößendifferenz
besonders genau bestimmt werden. Entsprechend genau gestaltet sich die Berechnung
der Umdrehungsanzahl bzw. in weiterer Folge die Sicherstellung, dass der Kompressionsmechanismus
in der Saugphase zum Stillstand kommt.
KURZE BESCHREIBUNG DER FIGUREN
[0056] Die Erfindung wird nun anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert. Die Zeichnungen
sind beispielhaft und sollen den Erfindungsgedanken zwar darlegen, ihn aber keinesfalls
einengen oder gar abschließend wiedergeben.
[0057] Dabei zeigt:
- Fig.1
- eine schematische Darstellung eines Hubkolbenkältemittelkompressors in einem Kältemittelkreislauf
gemäß dem Stand der Technik
- Fig.2
- eine schematische Ansicht eines Kompressionsmechanismus gemäß dem Stand der Technik
- Fig.3
- ein Diagramm betreffend den Lastmomentverlauf und Betriebsdrehmomentverlauf über dem
Kurbelwinkel bei einem Hubkolbenkältemittelkompressor gemäß dem Stand der Technik,
wobei aus Übersichtsgründen das Lastmoment und das Betriebsdrehmoment unterschiedlich
skaliert sind
- Fig. 4
- einen Drehzahlverlauf mit einem Anhalteprozess eines Kältemittelkompressors eines
erfindungsgemäßen Systems
- Fig. 5
- einen Drehzahlverlauf mit einem Anhalteprozess des Kältemittelkompressors einer zweiten
Ausführungsform des erfindungsgemäßen Systems
- Fig. 6
- einen Drehzahlverlauf mit einem Anhalteprozess des Kältemittelkompressors einer dritten
Ausführungsform des erfindungsgemäßen Systems
WEGE ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
[0058] Fig.1 zeigt eine schematische Darstellung eines an eine elektrische Stromversorgung
12 angeschlossenen, über eine elektronische Steuereinrichtung 13 geregelten Hubkolbenkältemittelkompressors
1 in einem an sich bekannten Kühlmittelkreislauf mit einem Kondensator 2 einer Drosselvorrichtung
3 sowie einem Verdampfer 4. Das Kältemittel nimmt im Verdampfer 4 Wärme aus einem
Kühlraum auf, wodurch dieser gekühlt wird. Das verdampfte Kältemittel wird über einen
Kompressionsmechanismus 5 des Hubkolbenkältemittelkompressors 1 auf eine höhere Temperatur
verdichtet und in weiterer Folge im Kondensator 2 wieder verflüssigt, um schlussendlich
über die Drosselvorrichtung 3 wieder dem Verdampfer 4 des Kühlraums zugeführt zu werden.
[0059] In Fig. 1 kommuniziert die elektronische Steuerungseinrichtung 13 das Kältemittelkompressors
1 mit einer elektronischen Steuerungseinrichtung 14 eines Kühlschranks 15. Allerdings
wird eine solche Kommunikationsmöglichkeit als nicht erfindungswesentlich angesehen,
denn es ist auch denkbar, dass die elektronische Steuerungseinrichtung 13 mit einem
Kühlschrank 15 kommuniziert, der selbst keine eigene elektronische Steuerungseinrichtung
aufweist sondern lediglich einen Thermostat.
[0060] Fig.2 zeigt eine schematische Ansicht des Kompressionsmechanismus 5 bestehend aus
einer mittels einer Antriebseinheit 16 angetriebenen Kurbelwelle 6, einem Pleuel 7
sowie einem in einem Zylinderblock 8 auf und ab bewegbaren Kolben 9. Der Kompressionsmechanismus
5 ist über Federelemente 10 in einem Gehäuse 11 gelagert, welche Federelemente 10
die aufgrund der Drehung der Kurbelwelle 6 sowie der Bewegungen des Kolbens 9 auftretenden
Schwingungen der Einheit bestehend aus Kompressionsmechanismus 5 und Antriebseinheit
16 aufnehmen und ausgleichen sollen.
[0061] Bei der von der elektronischen Steuerungseinrichtung 13 gesteuerten Antriebseinheit
16 handelt es sich um eine drehzahlvariable Antriebseinheit 16, typischerweise um
einen bürstenlosen Gleichstrommotor, dessen Drehzahl ω mittels der elektronischen
Steuerungseinrichtung 13 geregelt werden kann. Die für die Regelung der Drehzahl ω
erforderliche Erfassung der Istdrehzahl erfolgt durch Detektion der in einer Motorwicklung
der Antriebseinheit 16 induzierten Gegenspannung (Induktionsgegenspannung), so dass
keine weiteren Sensoren erforderlich sind und womit auch die Istdrehgeschwindigkeit
detektiert wird. Es sei jedoch bemerkt, dass die erfindungsgemäße elektronische Steuerungseinrichtung
13 selbstverständlich auch mit separaten Sensoren zur Drehgeschwindigkeitsmessung
bzw. Drehzahlmessung zusammenarbeiten kann, wie beispielsweise mit Hall-Sensoren.
[0062] Während der Betriebsdauer eines drehzahlvariablen Hubkolbenkältemittelkompressors
1 sind grundsätzlich 3 Phasen zu unterscheiden:
- die Startphase
- die normale, geregelte Betriebsphase
- der Anhalteprozess
[0063] Basis bildet eine vom Benutzer eines Kühlschranks 15 in Grenzen vorwählbare Kühlraumtemperatur
(=Zieltemperatur) des Kühlschranks 15. Geht man von einem auf die Zieltemperatur gekühlten
Kühlraum aus und wird der Kühlschrank 15 beladen bzw. wird die Kühlschranktür geöffnet,
strömt warme Luft in den Kühlraum. Die elektronische Steuerungseinrichtung 14 des
Kühlschranks 15 detektiert, dass die Kühlraumtemperatur ansteigt und sendet ein Signal
(in der Regel ein Frequenzsignal) an die elektronische Steuerungseinrichtung 13 des
Kältemittelkompressors 1, mit welchem letzterer mitgeteilt wird, dass Kühlleistung
benötigt wird, woraufhin diese den Kältemittelkompressor 1 entsprechend ihrer Programmierung
steuert und regelt, um (mehr oder weniger) Kühlleistung zu liefern.
[0064] Im gegenständlichen Beispiel wird die elektronische Steuerungseinrichtung 13 des
Kältemittelkompressors 1 diesen starten, um das Kältemittel zu verdichten und dem
Kühlraum Wärme zu entziehen und die Zieltemperatur wieder zu erreichen. Dieses "Anspringen"
leitet die Startphase ein. Dabei wird der Kältemittelkompressor 1, konkret dessen
Antriebseinheit 16, auf eine bestimmte, von der elektronischen Steuerungseinrichtung
13 des Kältemittelkompressors 1 vorgegebene Drehzahl ω beschleunigt. Das Erreichen
dieser Drehzahl ω beendet die Startphase. Zu diesem Zeitpunkt ist die Zieltemperatur
in der Regel noch nicht erreicht.
[0065] Der Kältemittelkompressor 1 geht dann in die normale, geregelte Betriebsphase über.
Diese hält an, solange der Kältemittelkompressor 1 eingeschaltet ist oder etwas technischer
formuliert, solange dem Kältemittel über den Kompressionsmechanismus 5 Energie zugeführt
wird und die Antriebseinheit 16 des Kältemittelkompressors 1 ein Betriebsdrehmoment
B
m erzeugt. Der Kompressionsmechanismus 5 kann sich während dieser normalen, geregelten
Betriebsphase mit unterschiedlichen Drehzahlen ω drehen, je nach dem, ob dem Kühlraum
mehr oder weniger Wärme entzogen werden soll. Öffnet man beispielsweise die Türe des
Kühlschranks 15 während einer solchen normalen, geregelten Betriebsphase, so wird
aufgrund der einströmenden warmen Luft, die elektronische Steuerungseinrichtung 14
des Kühlschranks 15 mehr Kühlleistung vom Kältemittelkompressor 1 fordern, sodass
die elektronische Steuerungseinrichtung 13 des Kältemittelkompressors 1 die Drehzahl
ω der Antriebseinheit 16 und damit des Kompressionsmechanismus 5 erhöht, um die in
den Kühlraum einströmende Wärme abtransportieren zu können.
[0066] Die Erhöhung der Drehzahl ω ist verbunden mit einem erhöhten Energiebedarf des Kältemittelkompressors
1. Erkennt die elektronische Steuerungseinrichtung 14 des Kühlschranks 15, dass sich
die aktuelle Kühlraumtemperatur der Zieltemperatur annähert, so wird die elektronische
Steuerungseinrichtung 14 des Kühlschranks 15 ein entsprechendes Signal an die elektronische
Steuerungseinrichtung 13 des Kältemittelkompressors 1 senden, um weniger Kühlleistung
zu fordern und nicht über die Zieltemperatur "hinauszuschießen" und sich dieser langsam
anzunähern. Die elektronische Steuerungseinrichtung 13 des Kältemittelkompressors
1 wiederum wird aufgrund dieser Anforderung die Drehzahl ω der Antriebseinheit 16
/ des Kompressionsmechanismus 5 reduzieren.
[0067] Erkennt die elektronische Steuerungseinrichtung 14 des Kühlschranks 15, dass zwischenzeitlich
die Kühlraumtemperatur wieder ansteigt, weil beispielsweise der Kühlraum neu beladen
wurde, so wird die elektronische Steuerungseinrichtung 14 des Kühlschranks 15 von
der elektronischen Steuerungseinrichtung 13 des Kältemittelkompressors 1 wieder mehr
Kühlleistung fordern, so dass diese die Drehzahl ω der Antriebseinheit 16 /des Kompressionsmechanismus
5 wieder erhöhen wird.
[0068] Ist nach einer entsprechend andauernden normalen, geregelten Betriebsphase die Zieltemperatur
erreicht, sendet die elektronische Steuerungseinrichtung 14 des Kühlschranks 15 ein
Signal an die elektronische Steuerungseinrichtung 13 des Kältemittelkompressors 1,
mit welchem dieser mitgeteilt wird, dass die Zieltemperatur erreicht ist. Daraufhin
schaltet die elektronische Steuerungseinrichtung 13 des Kältemittelkompressors 1 die
Antriebseinheit 16 ab. Das Abschalten der Antriebseinheit 16 führt dazu, dass sich
der Kompressionsmechanismus 5 samt Antriebseinheit 16 in einem antriebslosen Zustand
befindet und nur aufgrund der Massenträgheit weiter dreht, bis die Drehzahl ω bzw.
die Drehgeschwindigkeit 0 ist. Umgangssprachlich könnte man auch sagen, dass der Kältemittelkompressor
1 "ausläuft".
[0069] Während des Betriebs des Kompressionsmechanismus 5 kommt es zu vom Lastmoment L
m während der Kompressionsphase auf den Kompressionsmechanismus 5 ausgeübten Stößen,
die sich mit jeder Kurbelwellenumdrehung wiederholen und bei geringen Drehzahlen ω
mit der Eigenfrequenz des durch die Federelemente 10 gebildeten Schwingungssystems
zusammenfallen können, wodurch deren Auslenkung derart ansteigt, dass es zu Berührungen
zwischen der Einheit bestehend aus Kompressionsmechanismus 5 und Antriebseinheit 16
mit dem Gehäuse 11 kommen kann, wodurch unerwünschte Schallemissionen erzeugt werden.
[0070] Darüberhinaus kann es während des Anhalteprozesses, wenn die Antriebseinheit 16 kein
- weder ein positives noch negatives - Betriebsdrehmoment B
m mehr erzeugt, zu einer Drehrichtungsumkehr des Kompressionsmechanismus 5 kommen,
wodurch ein zusätzlicher Stoß auf den Kompressionsmechanismus 5 ausgeübt wird, der
ebenfalls eine unerwünscht starke Auslenkung der Federelemente 10 zur Folge hat, mit
dem Resultat, dass auch durch diese Drehrichtungsumkehr die Gefahr besteht, dass die
Einheit bestehend aus Kompressionsmechanismus 5 und Antriebseinheit 16 mit dem Gehäuse
11 in Kontakt gebracht wird und Schallemissionen verursacht.
[0071] Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass geringe Drehzahlen ω, unabhängig davon,
ob sich der Kältemittelkompressor 1 in der Startphase, der normalen, geregelten Betriebsphase
oder aber im Anhalteprozess befindet, stets die Gefahr bergen, dass das durch die
Federelemente 10 gebildete Schwingungssystem im Bereich seiner Eigenfrequenz angeregt
wird und es dadurch zu den beschriebenen, Lärm verursachenden Berührungen zwischen
der Einheit bestehend aus Kompressionsmechanismus 5 und Antriebseinheit 16 und dem
Gehäuse 11 kommt.
[0072] Fig.3 zeigt ein Diagramm des Verlaufs des Lastmomentes L
m (strichpunktierte Linie in Fig. 3) über dem Kurbelwinkel φ während einer normalen,
geregelten Betriebsphase eines aus dem Stand der Technik bekannten Hubkolbenkältemittelkompressors
1, dessen Antriebseinheit 16 den Kompressionsmechanismus 5 mit einem Betriebsdrehmoment
B
m (strichlierte Linie in Fig. 3) antreibt. Dabei wurde angenommen, dass sich die Kurbelwelle
6 im Uhrzeigersinn dreht. Die Drehrichtung erfolgt somit von 0° (oberer Totpunkt (OT))
zu 360° (wiederum oberer Totpunkt (OT)). Weiters sei darauf hingewiesen, dass aus
Darstellungsgründen das Lastmoment L
m und das Betriebsdrehmoment B
m in Fig. 3 unterschiedlich skaliert sind.
[0073] Wie sich aus dem Diagramm ergibt, ist das Lastmoment L
m kurz bevor der Kolben 9 in der Kompressionsphase den oberen Totpunkt erreicht, also
bei ca. 330°, betragsmäßig am höchsten und wirkt dem Betriebsdrehmoment B
m entgegen. Zu Beginn der Saugphase, also im vorliegenden Fall bei ca. 10°, wirkt das
Lastmoment L
m in die gleiche Drehrichtung wie das Betriebsdrehmoment B
m, d.h. dass das Lastmoment L
m in diesem Abschnitt der Saugphase (Rückexpansionsphase) die Drehung des Kompressionsmechanismus
5 sogar unterstützt.
[0074] Zur Verhinderung eines Anhaltrucks und damit einhergehender Schallemissionen, ohne
dass dafür aktiv ein Bremsmoment angelegt werden muss, ist es bei einem System aus
Kältemittelkompressor 1 und zugehöriger elektronischer Steuereinrichtung 13 erfindungsgemäß
vorgesehen, dass die elektronische Steuereinrichtung 13 zur Durchführung eines erfindungsgemäßen
Verfahrens zum Betreiben des Kältemittelkompressors 1 eingerichtet ist, nämlich dazu,
- bei abgeschalteter Antriebseinheit 16 eine Energiebeurteilungsgrößendifferenz W zu
bestimmen, die proportional zu einer für die Durchführung einer Kurbelwellenumdrehung
benötigten Energie ist,
- bei einer Messdrehzahl ω eine Energiebeurteilungsgröße E(ω), die proportional zu einer
Rotationsenergie bei der Messdrehzahl ω ist, zu bestimmen sowie die Anzahl N der bei
abgeschalteter Antriebseinheit 16 verbleibenden Kurbelwellenumdrehungen bis zum Stillstand
des Kompressionsmechanismus 5,
- zu prüfen, ob die verbleibenden Kurbelwellenumdrehungen N bei Abschalten der Antriebseinheit
16 bei einer Referenz-Kolbenposition ein Anhalten des Kompressionsmechanismus 5 in
dessen Saugphase ermöglichen,
- gegebenenfalls die Antriebseinheit 16 einzuschalten und unter Berücksichtigung der
Energiebeurteilungsgrößendifferenz W eine Abschalt-Drehzahl ωabschalt zu bestimmen, bei welcher die Antriebseinheit 16 bei der Referenz-Kolbenposition
abzuschalten ist, um einen Stillstand des Kompressionsmechanismus 5 in der Saugphase
zu bewirken und die Antriebseinheit 16 bei der Abschalt-Drehzahl ωabschalt abzuschalten,
- oder gegebenenfalls die Antriebseinheit 16 einzuschalten und diese mit einer vorgebbaren
Grenz-Drehzahl ωgrenz zu betreiben und unter Berücksichtigung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz W
eine Abschalt-Kolbenposition zu bestimmen und die Antriebseinheit 16 bei der Grenz-Drehzahl
ωgrenz und der Abschalt-Kolbenposition abzuschalten.
[0075] Im Folgenden werden drei Ausführungsvarianten des erfindungsgemäßen Systems bzw.
Verfahrens anhand von Diagrammen der Drehzahl ω in Abhängigkeit der Zeit t näher beleuchtet.
Dabei ist die Steuereinrichtung 13 jeweils dazu eingerichtet
- die Energiebeurteilungsgrößendifferenz W durch Bildung der Differenz der Energiebeurteilungsgrößen
E(ω1), E(ω2) bei zwei aufeinanderfolgenden Umdrehungen der Kurbelwelle 6 zu bestimmen, um durch
eine Bildung des Quotienten N = E(ω)/W bestimmen zu können, wieviele Umdrehungen N
der antriebslose Kompressionsmechanismus 5 ausgehend von der Messdrehzahl ω und der
Referenz-Kolbenposition noch weiterlaufen kann, wobei aufgrund des Nachkommaanteils
der ermittelten Umdrehungsanzahl N bestimmbar ist, ob der Kompressionsmechanismus
5 in der Saugphase oder in der Verdichtungsphase zum Stillstand kommen würde,
- und unter Anwendung der Quotientenbildung und Berücksichtigung des Nachkommaanteils
der ermittelten Umdrehungsanzahl N den Kompressionsmechanismus 5 so anzutreiben und
die Antriebseinheit 16 so abzuschalten, dass der Kompressionsmechanismus 5 während
der Saugphase zum Stillstand kommt.
[0076] In den gezeigten Ausführungsbeispielen ist die Referenz-Kolbenposition der obere
Totpunkt (OT) des Kolbens 9 im Zylinder 8.
[0077] Weiters wird in den gezeigten Ausführungsbeispielen die Energiebeurteilungsgröße
E(ω) für die Messdrehzahl ω durch Quadrieren der Messdrehzahl ω berechnet bzw. bestimmt,
d.h. E(ω) = ω
2.
[0078] Bei der ersten Ausführungsvariante ist die Steuereinrichtung 13 dazu eingerichtet,
den Kompressionsmechanismus 5 so anzutreiben, dass die Abschalt-Drehzahl ω
abschalt erreicht wird, und die Antriebseinheit 16 bei der Abschalt-Drehzahl ω
abschalt und der Referenz-Kolbenposition abzuschalten, wobei die Abschalt-Drehzahl ω
abschalt bestimmt wird, indem
- die Energiebeurteilungsgröße E(ωb) bei einer als Messdrehzahl fungierenden Bestimmungsdrehzahl ωb, die bei zur Bestimmung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz W abgeschalteter Antriebseinheit
16 vorliegt, bestimmt wird,
- die Umdrehungsanzahl N durch Quotientenbildung berechnet wird: N = E(ωb)/W,
- eine adaptierte Umdrehungsanzahl N' berechnet wird, indem die Umdrehungsanzahl N auf
die nächstgrößere ganze Zahl aufgerundet wird und anschließend eine Anpassungszahl
im Bereich von 0,1 bis 0,4, vorzugsweise von 0,2 bis 0,3, addiert wird, und
- die Abschalt-Drehzahl ωabschalt berechnet wird als die Wurzel aus dem Produkt der adaptierten Umdrehungsanzahl N'
und der Energiebeurteilungsgrößendifferenz W:

[0079] Fig. 4 zeigt das sich ergebende Diagramm aus Drehzahl ω über der Zeit t für einen
Anwendungsfall, bei dem der Kältemittelkompressor 1 zunächst mit einer bestimmten
Drehzahl ω
0, z.B. 2000 min
-1, betrieben wird. Zur Bestimmung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz W wird die
Antriebseinheit 16 ausgeschaltet, sodass der Kompressionsmechanismus 5 antriebslos
weiterläuft. Nun werden bei zwei aufeinanderfolgenden Kurbelwellenumdrehungen mit
den Drehzahlen ω
1 und ω
2 die zugehörigen Energiebeurteilungsgrößen berechnet: E(ω
1)= ω
12 und E(ω
2)= ω
22.
[0080] Bzw. ergibt sich sofort die Energiebeurteilungsgrößendifferenz

[0081] Der Kompressionsmechanismus läuft weiter aus, bis die Bestimmungsdrehzahl ω
b erreicht ist, bei der der Kompressionsmechanismus 5 mittels eingeschalteter Antriebseinheit
16 betrieben wird und bei der die Energiebeurteilungsgröße E(ω
b) = ω
b2 berechnet wird.
[0082] Sodann wird die Umdrehungsanzahl N = ω
b2 / (ω
12 - (ω
22) bzw. die adaptierte Umdrehungsanzahl N' berechnet und entsprechend der obigen Formel
die Abschalt-Drehzahl ω
abschalt, die im in Fig. 4 dargestellten Beispiel größer ist als die Bestimmungsdrehzahl ω
b. Entsprechend ist in Fig. 4 erkennbar, dass der Kompressionsmechanismus 5 mittels
der Antriebseinheit 16 auf die Abschalt-Drehzahl ω
abschalt beschleunigt wird. Wenn diese eingestellt ist, wird die Antriebseinheit 16 abgeschaltet,
sobald die Referenz-Kolbenposition (OT) erreicht ist. Der Kompressionsmechanismus
5 läuft dann bis Drehzahl null aus und kommt in der Saugphase zum Stillstand.
[0083] Bei der zweiten Ausführungsvariante ist die Steuereinrichtung 13 dazu eingerichtet,
- a) die Antriebseinheit 16 abzuschalten und
- b) bei abgeschalteter Antriebseinheit 16
b1) die Energiebeurteilungsgrößendifferenz W zu bestimmen,
b2) die Energiebeurteilungsgröße E (ωauslauf) für eine dann vorliegende, als Messdrehzahl fungierende Auslauf-Drehzahl ωauslauf zu bestimmen,
b3) die Umdrehungsanzahl N durch Quotientenbildung zu berechnen: N = E(ωauslauf) /W
b4) und den Nachkommaanteil der Umdrehungsanzahl N mit einer Anpassungszahl im Bereich
von 0,1 bis 0,4, vorzugsweise von 0,2 bis 0,3, zu vergleichen und
- c) wenn der Nachkommaanteil größer als die Anpassungszahl ist, den Kompressionsmechanismus
5 nur für die Dauer eines Teils einer vollständigen Umdrehung der Kurbelwelle 6 anzutreiben.
[0084] Fig. 5 zeigt das zugehörige Diagramm Drehzahl ω versus Zeit t, wiederum für einen
Anwendungsfall, bei dem der Kältemittelkompressor 1 zunächst mit einer bestimmten
Drehzahl ω
0, z.B. 2000 min
-1, betrieben wird. Zur Bestimmung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz W wird die
Antriebseinheit 16 ausgeschaltet, sodass der Kompressionsmechanismus 5 antriebslos
weiterläuft. Nun werden bei zwei aufeinanderfolgenden Kurbelwellenumdrehungen mit
den Drehzahlen ω
1 und ω
2 die zugehörigen Energiebeurteilungsgrößen berechnet: E(ω
1)= ω
12 und E(ω
2) = ω
22.
[0085] Bzw. ergibt sich sofort die Energiebeurteilungsgrößendifferenz W = ω
12 - ω
22. Diese Berechnung erfolgt praktisch instantan, sodass die nun vorliegende Auslauf-Drehzahl
ω
auslauf gleich ω
2 ist, sodass E (ω
auslauf) = E (ω
2) = ω
22 gilt. Nun kann die Umdrehungszahl N = E(ω
auslauf) /W berechnet werden.
[0086] Aufgrund des Vergleichs des Nachkommaanteils von N mit der Anpassungszahl wird die
Antriebseinheit 16 einen Augenblick, währenddessen nur ein Teil einer vollständigen
Umdrehung der Kurbelwelle 6 erfolgt, eingeschaltet, um dem Kompressionsmechanismus
5 gewissermaßen "anzuschubsen". Entsprechend erhöht sich momentan die Drehzahl ω geringfügig
(in Fig. 5 aus Klarheitsgründen über eine nicht maßstabsgetreu dargestellte Zeitspanne
eingezeichnet). Sodann läuft der Kompressionsmechanismus 5 bis Drehzahl null aus und
kommt in der Saugphase zum Stillstand.
[0087] Bei der dritten Ausführungsvariante ist die Steuereinrichtung 13 dazu eingerichtet,
den Kompressionsmechanismus 5 so antreiben, dass die Grenz-Drehzahl ω
grenz erreicht wird, und die Antriebseinheit 16 bei der Grenz-Drehzahl ω
grenz und der Abschalt-Kolbenposition abzuschalten, wobei die Abschalt-Kolbenposition bestimmt
wird, indem
- die Energiebeurteilungsgröße E(ωgrenz) bei der Grenz-Drehzahl ωgrenz bestimmt wird,
- die Umdrehungsanzahl N durch Quotientenbildung berechnet wird: N = E(ωgrenz) /W,
- der Nachkommaanteil der Umdrehungsanzahl N bestimmt wird,
- ein adaptierter Nachkommaanteil bestimmt wird, indem vom Nachkommaanteil der Umdrehungsanzahl
N eine Anpassungszahl im Bereich von 0,1 bis 0,4, vorzugsweise von 0,2 bis 0,3, subtrahiert
wird,
- der adaptierte Nachkommaanteil in eine Kolbenposition umgerechnet und diese von der
Referenz-Kolbenposition (OT) abgezogen wird.
[0088] Fig. 6 zeigt das sich ergebende Diagramm aus Drehzahl ω über der Zeit t für einen
Anwendungsfall, bei dem der Kältemittelkompressor 1 zunächst mit einer bestimmten
Drehzahl ω
0, z.B. 2000 min
-1, betrieben wird. Zur Bestimmung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz W wird die
Antriebseinheit 16 ausgeschaltet, sodass der Kompressionsmechanismus 5 antriebslos
weiterläuft. Nun werden bei zwei aufeinanderfolgenden Kurbelwellenumdrehungen mit
den Drehzahlen ω
1 und ω
2 die zugehörigen Energiebeurteilungsgrößen berechnet: E(ω
1)= ω
12 und E(ω
2)= ω
22.
[0089] Bzw. ergibt sich sofort die Energiebeurteilungsgrößendifferenz W = ω
12 - ω
22. Weiters wird, wie oben geschildert, die Umdrehungsanzahl N bzw. deren Nachkommaanteil
bestimmt und wird durch Subtraktion der Anpassungszahl vom Nachkommaanteil jene Kolbenposition
bestimmt, die von der Referenz-Kolbenposition abgezogen wird, um die Abschalt-Kolbenposition
zu erhalten.
[0090] Im Gegensatz zum in Fig. 4 dargestellten Fall der ersten Ausführungsvariante läuft
nun der Kompressionsmechanismus 5 bis zur Grenz-Drehzahl ω
grenz aus und wird dann mittels der Antriebseinheit 16 bei der Grenz-Drehzahl ω
grenz gehalten. Es wäre aber natürlich auch denkbar, dass nach Bestimmung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz
W der Kompressionsmechanismus 5 mit eingeschalteter Antriebseinrichtung 16 bis zur
Grenz-Drehzahl ω
grenz gefahren und dort gehalten wird. Das Halten bei der Grenz-Drehzahl ω
grenz erfolgt jedoch nur sehr kurz bzw. einen Augenblick lang, was in Fig. 6 aus Klarheitsgründen
übertrieben dargestellt ist, nämlich so lange, bis die Abschalt-Kolbenposition erreicht
ist. Sobald die Abschalt-Kolbenposition erreicht ist, wird die Antriebseinheit 16
endgültig abgeschaltet, und der Kompressionsmechanismus 5 läuft bis zum Stillstand
aus, wobei der Kompressionsmechanismus 5 in der Saugphase zum Stillstand kommt.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0091]
- 1
- Kältemittelkompressor
- 2
- Kondensator
- 3
- Drosselvorrichtung
- 4
- Verdampfer
- 5
- Kompressionsmechanismus
- 6
- Kurbelwelle
- 7
- Pleuel
- 8
- Zylinderblock
- 9
- Kolben
- 10
- Federelemente
- 11
- Gehäuse
- 12
- Stromversorgung
- 13
- elektronische Steuerungseinrichtung des Kältemittelkompressors
- 14
- elektronische Steuerungseinrichtung des Kühlschranks
- 15
- Kühlschrank
- 16
- Antriebseinheit
- Bm
- Betriebsdrehmoment
- Lm
- Lastmoment
- φ
- Kurbelwinkel bzw. Drehwinkel
- t
- Zeit
- E
- Energiebeurteilungsgröße
- W
- Energiebeurteilungsgrößendifferenz
- ω
- (Mess-)Drehzahl
- N
- Umdrehungsanzahl
- N'
- adaptierte Umdrehungsanzahl
- ωabschalt
- Abschalt-Drehzahl
- ωgrenz
- Grenz-Drehzahl
- ωb
- Bestimmungsdrehzahl
- ωauslauf
- Auslauf-Drehzahl
1. System umfassend einen Kältemittelkompressor und eine elektronische Steuerungseinrichtung
(13) für den Kältemittelkompressor (1), welcher Kältemittelkompressor (1) zumindest
umfasst
- eine Antriebseinheit (16),
- einen mit einem Rotor der Antriebseinheit (16) in Wirkverbindung stehenden Kompressionsmechanismus
(5) mit zumindest einem in einem Zylinder eines Zylinderblocks (8) hin und her bewegbaren,
über eine Kurbelwelle (6) antreibbaren Kolben (9), um zyklisch Kältemittel während
einer Saugphase in den Zylinder zu saugen und das Kältemittel während einer auf die
Saugphase folgenden Verdichtungsphase im Zylinder zu verdichten,
wobei die elektronische Steuerungseinrichtung (13) dazu eingerichtet ist,
- eine Drehzahl (ω) der Kurbelwelle (6) zu erfassen und zu steuern und/oder regeln,
- eine Kolbenposition des Kolbens (9) zumindest annähernd zu erfassen,
dadurch gekennzeichnet, dass die elektronische Steuereinrichtung (13) dazu eingerichtet ist,
- bei abgeschalteter Antriebseinheit (16) eine Energiebeurteilungsgrößendifferenz
(W) zu bestimmen, die proportional zu einer für die Durchführung einer Kurbelwellenumdrehung
benötigten Energie ist,
- bei einer Messdrehzahl (ω) eine Energiebeurteilungsgröße (E(ω)), die proportional
zu einer Rotationsenergie bei der Messdrehzahl (ω) ist, zu bestimmen sowie die Anzahl
der bei abgeschalteter Antriebseinheit (16) verbleibenden Kurbelwellenumdrehungen
(N) bis zum Stillstand des Kompressionsmechanismus (5),
- zu prüfen, ob die verbleibenden Kurbelwellenumdrehungen (N) bei Abschalten der Antriebseinheit
(16) bei einer Referenz-Kolbenposition ein Anhalten des Kompressionsmechanismus (5)
in dessen Saugphase ermöglichen,
- gegebenenfalls die Antriebseinheit (16) einzuschalten und unter Berücksichtigung
der Energiebeurteilungsgrößendifferenz (W) eine Abschalt-Drehzahl (ωabschalt) zu bestimmen, bei welcher die Antriebseinheit (16) bei der Referenz-Kolbenposition
abzuschalten ist, um einen Stillstand des Kompressionsmechanismus (5) in der Saugphase
zu bewirken und die Antriebseinheit (16) bei der Abschalt-Drehzahl (ωabschalt) abzuschalten,
- oder gegebenenfalls die Antriebseinheit (16) einzuschalten und diese mit einer vorgebbaren
Grenz-Drehzahl (ωgrenz) zu betreiben und unter Berücksichtigung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz (W)
eine Abschalt-Kolbenposition zu bestimmen und die Antriebseinheit (16) bei der Grenz-Drehzahl
(ωgrenz) und der Abschalt-Kolbenposition abzuschalten.
2. System nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (13) dazu eingerichtet ist,
- die Energiebeurteilungsgrößendifferenz (W) durch Bildung der Differenz der Energiebeurteilungsgrößen
(E(ω1), E(ω2)) bei zwei aufeinanderfolgenden Umdrehungen der Kurbelwelle (6) zu bestimmen, um
durch eine Bildung des Quotienten Energiebeurteilungsgröße/ Energiebeurteilungsgrößendifferenz
(E(ω)/W) bestimmen zu können, wieviele Umdrehungen (N; N = E(ω)/W) der antriebslose
Kompressionsmechanismus (5) ausgehend von der Messdrehzahl (ω) und der Referenz-Kolbenposition
noch weiterlaufen kann, wobei aufgrund des Nachkommaanteils der ermittelten Umdrehungsanzahl
(N) bestimmbar ist, ob der Kompressionsmechanismus (5) in der Saugphase oder in der
Verdichtungsphase zum Stillstand kommen würde,
- und unter Anwendung der Quotientenbildung und Berücksichtigung des Nachkommaanteils
der ermittelten Umdrehungsanzahl (N) den Kompressionsmechanismus (5) so anzutreiben
und die Antriebseinheit (16) so abzuschalten, dass der Kompressionsmechanismus (5)
während der Saugphase zum Stillstand kommt.
3. System nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (13) dazu eingerichtet ist, die Antriebseinheit (16) nur dann
abzuschalten und die Energiebeurteilungsgrößendifferenz (W) zu bestimmen, wenn die
Drehzahl (ω) größer gleich einer, vorzugsweise vorgebbaren, Mindestdrehzahl (ωmin) ist.
4. System nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Referenz-Kolbenposition der obere Totpunkt des Kolbens (9) im Zylinder (8) ist.
5. System nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass die elektronische Steuereinrichtung (13) dazu eingerichtet ist, den Kompressionsmechanismus
(5) so anzutreiben, dass die Abschalt-Drehzahl (ω
abschalt) erreicht wird, und die Antriebseinheit (16) bei der Abschalt-Drehzahl (ω
abschalt) und der Referenz-Kolbenposition abzuschalten, wobei die Abschalt-Drehzahl (ω
abschalt) bestimmt wird, indem
- die Energiebeurteilungsgröße (E(ωb)) bei einer als Messdrehzahl fungierenden Bestimmungsdrehzahl (ωb), die vorzugsweise bei zur Bestimmung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz (W)
abgeschalteter Antriebseinheit (16) vorliegt, bestimmt wird,
- die Umdrehungsanzahl (N) durch Quotientenbildung berechnet wird: N = E(ωb)/W,
- eine adaptierte Umdrehungsanzahl (N') berechnet wird, indem die Umdrehungsanzahl
(N) auf die nächstgrößere ganze Zahl aufgerundet wird und anschließend eine Anpassungszahl
zwischen 0 und 1 addiert wird, und
- die Abschalt-Drehzahl (ωabschalt) bis auf einen konstanten Faktor (c) berechnet wird als die Wurzel aus dem Produkt
der adaptierten Umdrehungsanzahl (N') und der Energiebeurteilungsgrößendifferenz (W):

6. System nach Anspruch 5 und nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Anpassungszahl im Bereich von 0,1 bis 0,4, vorzugsweise von 0,2 bis 0,3, liegt.
7. System nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass die elektronische Steuereinrichtung (13) dazu eingerichtet ist, den Kompressionsmechanismus
(5) so antreiben, dass die Grenz-Drehzahl (ω
grenz) erreicht wird, und die Antriebseinheit (16) bei der Grenz-Drehzahl (ω
grenz) und der Abschalt-Kolbenposition abzuschalten, wobei die Abschalt-Kolbenposition
bestimmt wird, indem
- die Energiebeurteilungsgröße (E (ωgrenz)) bei der Grenz-Drehzahl (ωgrenz) bestimmt wird,
- die Umdrehungsanzahl (N) durch Quotientenbildung berechnet wird: N = E (ωgrenz) /W,
- der Nachkommaanteil der Umdrehungsanzahl (N) bestimmt wird,
- ein adaptierter Nachkommaanteil bestimmt wird, indem vom Nachkommaanteil der Umdrehungsanzahl
(N) eine Anpassungszahl zwischen 0 und 1 subtrahiert wird,
- der adaptierte Nachkommaanteil in eine Kolbenposition umgerechnet und diese von
der Referenz-Kolbenposition abgezogen wird.
8. System nach Anspruch 7 und nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Anpassungszahl im Bereich von 0,1 bis 0,4, vorzugsweise von 0,2 bis 0,3, liegt.
9. System nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass die elektronische Steuereinrichtung (13) dazu eingerichtet ist,
a) die Antriebseinheit (16) abzuschalten und
b) bei abgeschalteter Antriebseinheit (16)
b1) die Energiebeurteilungsgrößendifferenz (W) zu bestimmen,
b2) die Energiebeurteilungsgröße (E(ωauslauf)) für eine dann vorliegende, als Messdrehzahl fungierende Auslauf-Drehzahl (ωauslauf) zu bestimmen,
b3) die Umdrehungsanzahl (N) durch Quotientenbildung zu berechnen: N = E(ωauslauf)/W
b4) und den Nachkommaanteil der Umdrehungsanzahl (N) mit einer Anpassungszahl zwischen
0 und 1 zu vergleichen und
c) wenn der Nachkommaanteil größer als die Anpassungszahl ist, den Kompressionsmechanismus
(5) nur für die Dauer eines Teils einer vollständigen Umdrehung der Kurbelwelle (6)
anzutreiben.
10. System nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die elektronische Steuereinrichtung (13) dazu eingerichtet ist, zumindest die Schritte
b2), b3), b4) und c) iterativ zu wiederholen.
11. System nach einem der Ansprüche 9 bis 10 und nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Anpassungszahl im Bereich von 0,1 bis 0,4, vorzugsweise von 0,2 bis 0,3, liegt.
12. System nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die elektronische Steuereinrichtung (13) dazu eingerichtet ist, die Energiebeurteilungsgröße
(E(ω)) für die Messdrehzahl (ω) durch Quadrieren der Messdrehzahl (ω) zu bestimmen.
13. System nach einem der Ansprüche 2 bis 12 und nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (13) dazu eingerichtet ist, die Energiebeurteilungsgrößendifferenz
(W) so zu bestimmen, dass mehrere Energiebeurteilungsgrößendifferenzen (W) für Drehzahlen
(ωi, ωi+1) bei jeweils zwei aufeinanderfolgenden Umdrehungen in einer Abfolge von mehr als
zwei aufeinanderfolgenden Umdrehungen bestimmt werden und aus diesen Energiebeurteilungsgrößendifferenzen
(W) ein Mittelwert gebildet wird.
14. Verfahren zum Betreiben eines Kältemittelkompressors mit einer Antriebseinheit (16),
einem mittels der Antriebseinheit (16) antreibbaren Kompressionsmechanismus (5) umfassend
einen Kolben (9) sowie eine mit diesem über ein Pleuel in Verbindung stehende Kurbelwelle
(6),
dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren folgende Schritte umfasst:
- bei abgeschalteter Antriebseinheit (16), Bestimmen einer Energiebeurteilungsgrößendifferenz
(W), die proportional zu einer für die Durchführung einer Kurbelwellenumdrehung benötigten
Energie ist,
- bei einer Messdrehzahl (ω), Bestimmen einer Energiebeurteilungsgröße (E(ω)), die
proportional zu einer Rotationsenergie bei der Messdrehzahl (ω) ist, und Berechnen
der Anzahl (N) der bei abgeschalteter Antriebseinheit (16) verbleibenden Kurbelwellenumdrehungen
bis zum Stillstand des Kompressionsmechanismus,
- Prüfen, ob die verbleibenden Kurbelwellenumdrehungen (N) bei Abschalten der Antriebseinheit
(16) bei einer Referenz-Kolbenposition ein Anhalten des Kompressionsmechanismus (5)
in dessen Saugphase ermöglichen,
- gegebenenfalls Einschalten der Antriebseinheit (16) und unter Berücksichtigung der
Energiebeurteilungsgrößendifferenz (W) Bestimmen einer Abschalt-Drehzahl (ωabschalt), bei welcher die Antriebseinheit (16) bei der Referenz-Kolbenposition abzuschalten
ist, um einen Stillstand des Kompressionsmechanismus (5) in der Saugphase zu bewirken
und Abschalten der Antriebseinheit (16) bei der Abschalt-Drehzahl (ωabschalt),
- oder gegebenenfalls Einschalten der Antriebseinheit (16) und Betreiben derselben
mit einer vorgebbaren Grenz-Drehzahl (ωgrenz) und unter Berücksichtigung der Energiebeurteilungsgrößendifferenz (W) Bestimmen
einer Abschalt-Kolbenposition und Abschalten der Antriebseinheit (16) bei der Grenz-Drehzahl
(ωgrenz) und bei der Abschalt-Kolbenposition.
15. Verfahren nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Energiebeurteilungsgrößendifferenz (W) durch Bildung der Differenz der Energiebeurteilungsgrößen
(E(ω1), E(ω2)) bei zwei aufeinanderfolgenden Umdrehungen der Kurbelwelle (6) bestimmt wird,
- durch eine Bildung des Quotienten Energiebeurteilungsgröße/ Energiebeurteilungsgrößendifferenz
(E(ω)/W) bestimmt wird, wieviele Umdrehungen (N; N = E(ω)/W) der antriebslose Kompressionsmechanismus
(5) ausgehend von der Messdrehzahl (ω) und der Referenz-Kolbenposition noch weiterlaufen
kann, wobei aufgrund des Nachkommaanteils der ermittelten Umdrehungsanzahl (N) bestimmt
wird, ob der Kompressionsmechanismus (5) in der Saugphase oder in der Verdichtungsphase
zum Stillstand kommen würde,
- unter Anwendung der Quotientenbildung und Berücksichtigung des Nachkommaanteils
der ermittelten Umdrehungsanzahl (N) der Kompressionsmechanismus (5) so angetrieben
und die Antriebseinheit (16) so abgeschaltet wird, dass der Kompressionsmechanismus
(5) während der Saugphase zum Stillstand kommt.