[0001] Die Erfindung betrifft einen Rollstuhl der im Oberbegriff des Anspruchs 1 genannten
Art.
[0002] Derartige Rollstühle sind allgemein bekannt und können beispielsweise als Greifreifenrollstuhl
ausgebildet sein. Sie weisen einen Rahmen auf, an dem Reifen aufweisende Antriebsräder
angeordnet sind. Die bekannten Rollstühle weisen ferner eine Bremse auf, die zum Abbremsen
des Rollstuhles in Eingriff und für einen Fahrbetrieb außer Eingriff bringbar ist.
[0003] Entsprechende Rollstühle ermöglichen es Personen, die in ihrer Gehfähigkeit eingeschränkt
sind, sich mittels der Muskelkraft ihrer Arme selbstständig in dem Rollstuhl fortzubewegen.
[0004] Bei entsprechenden Rollstühlen ist es temporär wünschenswert, eine Unterstützung
durch einen motorischen Antrieb zu erhalten. Zu diesem Zweck ist es insbesondere bekannt,
den Rollstuhl mit einem elektromotorischen Reibradantrieb zu versehen, bei dem über
Reibräder das Antriebsdrehmoment des Elektromotors auf die Räder des Rollstuhles übertragen
wird.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, einen Rollstuhl der im Oberbegriff des
Anspruchs 1 genannten Art anzugeben, der insbesondere in Bezug auf seine Praxistauglichkeit
verbessert ist.
[0006] Diese Aufgabe wird durch die im Anspruch 1 angegebene Erfindung gelöst.
[0007] Der Erfindung liegt der Gedanke zu Grunde, die Praxistauglichkeit des Rollstuhles
dadurch zu verbessern, dass seine Bedienung vereinfacht wird, indem sowohl die Bremse
als auch der Reibradantrieb mittels eines gemeinsamen Betätigungselements betätigt
werden. Zu diesem Zweck sieht die Erfindung vor, dass die Bremse und der Reibradantrieb
mit einem gemeinsamen Betätigungselement zum Ineingriffbringen und Außereingriffbringen
der Bremse und des Reibradantriebs in Wirkungsverbindung stehen. Da also erfindungsgemäß
Bremse und der Reibradantrieb mittels ein und desselben Betätigungselementes bestätigt
werden, ist die Bedienung eines mit einem Reibradantrieb ausgestatteten Rollstuhles
wesentlich vereinfacht und sicherer gestaltet.
[0008] Der erfindungsgemäße Reibradantrieb kann auf einfache und schnelle Weise montiert
und demontiert sowie auch an bestehenden Rollstühlen nachgerüstet werden.
[0009] Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Reibradantriebs besteht darin, dass er
das Gewicht des Rollstuhles bei gleichzeitig wesentlicher Erweiterung von dessen Funktionalität
nur geringfügig erhöht.
[0010] Weiterhin ist vorteilhaft, dass der Reibradantrieb bei entsprechender Anordnung an
dem Rahmen des Rollstuhls die Breite des Rollstuhls nicht vergrößert und auch seine
Faltbarkeit nicht beeinträchtigt.
[0011] Abgesehen von einem Montagepunkt für die Reibradantriebseinheit erfordert die Montage
eines erfindungsgemäßen Reibradantriebs keine bleibenden Veränderungen am Rahmen des
Rollstuhls, insbesondere keine Eingriffe in Form von Bohrungen oder dergleichen.
[0012] Eine vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass das gemeinsame Betätigungselement
ein handbetätigbares Betätigungselement ist oder aufweist.
[0013] Um die Betätigung der Bremse und des Reibradantriebs besonders einfach zu gestalten,
sieht eine andere vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung vor, dass das handbetätigbare
Betätigungselement
- eine Neutralstellung, in der sich sowohl die Bremse als auch der Reibradantrieb außer
Eingriff befinden,
- eine Bremsstellung, in der sich die Bremse in Eingriff und der Reibradantrieb außer
Eingriff befindet, und
- eine Reibradantriebsstellung, in der sich die Bremse außer Eingriff und der Reibradantrieb
in Eingriff befindet,
hat.
[0014] Eine vorteilhafte Weiterbildung der vorgenannten Ausführungsform sieht vor, dass
die Bremsstellung einer in Fahrtrichtung des Rollstuhles vorderen Endstellung, die
Neutralstellung einer in Fahrtrichtung des Rollstuhles hinteren Endstellung und die
Reibradantriebsstellung einer Zwischenstellung des Betätigungselementes entsprechen.
Auf diese Weise ist die von herkömmlichen Rollstühlen bekannte Art und Weise der Betätigung
der Bremse beibehalten.
[0015] Das Betätigungselement kann erfindungsgemäß entsprechend den jeweiligen Anforderungen
und Gegebenheiten auf unterschiedliche Weise ausgestaltet sein. Insoweit sieht eine
vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung vor, dass das handbetätigbare Betätigungselement
als Betätigungshebel ausgebildet ist.
[0016] Bei der vorgenannten Ausführungsform ist zweckmäßigerweise der Betätigungshebel um
eine bezogen auf den Rahmen des Rollstuhles ortsfeste Hebelachse schwenkbar gelagert,
wie es eine vorteilhafte Weitebildung der Erfindung vorsieht.
[0017] Erfindungsgemäß kann die erforderliche Wirkungsverbindung zwischen dem Betätigungshebel
und der Bremse bzw. dem Reibradantrieb entsprechend den jeweiligen Anforderungen und
Gegebenheiten auf unterschiedliche Weise hergestellt sein. Eine au-ßerordentlich vorteilhafte
Weiterbildung der Erfindung sieht insoweit vor, dass der Betätigungshebel über ein
Hebelgetriebe mit der Bremse und dem Reibradantrieb in Wirkungsverbindung steht, das
derart ausgebildet ist, dass
- in der Neutralstellung sowohl die Bremse als auch der Reibradantrieb außer Eingriff,
- in der Bremsstellung die Bremse in Eingriff und der Reibradantrieb außer Eingriff
und
- in der Reibradantriebsstellung die Bremse außer Eingriff und der Reibradantrieb in
Eingriff
gebracht sind bzw. ist. Die Kinematik des Hebelgetriebes kann so gestaltet werden,
dass beim Umschalten zwischen den unterschiedlichen Stellungen des Betätigungselementes
Bremse und Reibradantrieb gleichzeitig in Eingriff bzw. außer Eingriff gebracht werden.
[0018] Grundsätzlich kann der Reibradantrieb fest an dem Rollstuhl installiert sein. Eine
außerordentlich vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung sieht jedoch vor, dass der
Reibradantrieb als Reibradantriebseinheit ausgebildet ist, die derart ausgebildet
ist, dass sie werkzeuglos an dem Rollstuhl montierbar bzw. von dem Rollstuhl demontierbar
ist. Auf diese Weise kann der Reibradantrieb von einem Benutzer des Rollstuhles bedarfsweise,
beispielsweise zum Überwinden einer Steigung, montiert und benutzt und nach Benutzung
wieder demontiert werden, ohne dass hierzu Werkzeug benötigt wird.
[0019] Eine vorteilhafte Weiterbildung der vorgenannten Ausführungsform sieht Verriegelungsmittel
zur Verriegelung der Reibradantriebseinheit in der Montageposition vor. Auf diese
Weise ist verhindert, dass sich die Reibradantriebseinheit während der Benutzung in
unerwünschter Weise löst.
[0020] Eine vorteilhafte Weiterbildung der Ausführungsformen mit dem Hebelgetriebe sieht
vor, dass das Hebelgetriebe ein dem Reibradantrieb zugeordnetes erstes Teilgetriebe
und ein der Bremse zugeordnetes zweites Teilgetriebe aufweist.
[0021] Vorteilhafte Weiterbildungen der vorgenannten Ausführungsform sehen vor, dass das
erste Teilgetriebe einen zweiarmigen ersten Hebel aufweist, der um eine bezogen auf
den Rahmen des Rollstuhles ortsfeste erste Achse drehbar gelagert ist, wobei ein Ende
des zweiarmigen ersten Hebels in Montageposition des Reibradantriebs ein Reibrad des
Reibradantriebs trägt und sein anderes Ende drehbar mit einem Ende eines ersten geknickten
Hebels verbunden ist, dessen anderes Ende zu der Hebelachse des Betätigungshebels
exzentrisch drehbar mit demselben verbunden ist und/oder dass das zweite Teilgetriebe
einen einarmigen zweiten Hebel aufweist, der um eine bezogen auf den Rahmen des Rollstuhles
ortsfeste zweite Achse drehbar gelagert ist, wobei ein freies Ende des zweiten Hebels
ein Bremselement der Bremse trägt und mit dem zweiten Hebel entfernt zu dessen Enden
drehbar ein Ende eines zweiten geknickten Hebels verbunden ist, dessen anderes Ende
drehbar mit dem Betätigungshebel exzentrisch zu dessen Hauptachse verbunden ist.
[0022] Um bei den vorgenannten Ausführungsformen die Kinematik des Hebelgetriebes besonders
günstig zu gestalten, sieht eine vorteilhafte Weiterbildung vor, dass die ortsfeste
Hauptachse, die ortsfeste erste Achse und die ortsfeste zweite Achse auf einer Geraden
angeordnet sind.
[0023] Um in der Bremsstellung bzw. der Reibradantriebsstellung eine gewisse Verriegelung
des Hebelgetriebes zu erzielen, sehen vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung vor,
dass das erste Teilgetriebe eine Totpunktanordnung bildet, die sich in der Reibradantriebsstellung
im Totpunkt befindet und/oder dass das zweite Teilgetriebe eine Totpunktanordnung
bildet, die sich in der Bremsstellung im Totpunkt befindet. Durch eine entsprechende
Totpunktanordnung ist verhindert, dass sich das Hebelgetriebe aus der gewählten Stellung
(Bremsstellung bzw. Reibradantriebsstellung) in unerwünschter Weise, also ohne Betätigung
des Betätigungselementes, in eine andere Stellung bewegt.
[0024] Eine vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung, die für sich genommen bei Reibradantrieben
für Rollstühle eine eigenständige erfinderische Bedeutung besitzt, sieht vor, dass
die Reibradantriebseinheit eine Messrolle aufweist, die Montageposition der Reibradantriebseinheit
vorzugsweise federbelastet an einem Reifen den Rollstuhles anliegt und mit einem Drehgeber
in Drehantriebsverbindung steht, der mit einer Steuerungseinrichtung in Signalübertragungsverbindung
steht, die derart ausgebildet und programmiert ist, dass die Reibradantriebseinheit
in Abhängigkeit von Ausgangssignalen des Drehgebers ansteuerbar ist oder angesteuert
wird.
[0025] Die Messrolle kann beispielsweise und insbesondere dazu dienen, die tatsächliche
Drehzahl eines Antriebsrades des Rollstuhles, dem der Reibradantrieb zugeordnet ist,
festzustellen, die beispielsweise aufgrund von Schlupf von der aufgrund der Drehzahl
des Reibradantriebs angenommenen Drehzahl abweicht. Eine vorteilhafte Weiterbildung
der vorgenannten Ausführungsform sieht dementsprechend vor, dass die Steuerungseinrichtung
derart ausgebildet und programmiert ist, dass aus den Ausgangssignalen des Drehgebers
die tatsächliche Drehzahl des durch die Reibradantriebseinheit angetriebenen Antriebsrades
des Rollstuhles ermittelbar ist oder ermittelt wird.
[0026] Eine andere vorteilhafte Weiterbildung der Ausführungsform mit der Messrolle sieht
vor, dass jedem der beiden Antriebsräder des Rollstuhles eine Reibradantriebseinheit
zugeordnet ist und die Drehgeber der Messrollen der Reibradantriebseinheiten mit der
Steuerungseinrichtung in Signalübertragungsverbindung stehen, die derart ausgebildet
und programmiert ist, dass beide Reibradantriebseinheiten in Abhängigkeit von Ausgangssignalen
der Drehgeber ansteuerbar sind oder angesteuert werden. Auf diese Weise können beispielsweise
die Drehzahlen der den beiden Antriebsrädern zugeordneten Reibradantriebseinheiten
unabhängig voneinander so gesteuert bzw. geregelt werden, dass auch beim Auftreten
von Schlupf zwischen Reibradantriebseinheit und Antriebsrad eine Geradeausfahrt des
Rollstuhles gewährleistet ist, wenn ein Benutzer des Rollstuhles eine Bedieneinheit
der Reibradantriebs für eine Geradeausfahrt betätigt hat Eine vorteilhafte Weiterbildung
der vorgenannten Ausführungsform sieht vor, dass die Drehzahlen der Reibradantriebseinheiten
in Abhängigkeit von der Ausgangssignalen der Messrollen unabhängig voneinander steuerbar
bzw. regelbar sind.
[0027] Anstelle einer Messrolle in Kombination mit einem Drehgeber können erfindungsgemäß
auch andere Mittel zur Ermittlung bzw. Messung der tatsächlichen Drehzahl des jeweiligen
Antriebsrades des Rollstuhles vorgesehen sein.
[0028] Eine andere vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass die Bremse ein
mit dem Rahmen des Rollstuhles verbundenes Trägerelement aufweist, an dem ein Bremselement
angeordnet ist, das zwischen einer Eingriffsposition, in der sich die Bremse in Eingriff
befindet, und einer Außereingriffsposition, in der sich die Bremse außer Eingriff
befindet, beweglich ist, wobei an dem Trägerelement eine Aufnahme zur Montage der
Reibradantriebseinheit gebildet ist. Bei dieser Ausführungsform bildet das Trägerelement
der Bremse gleichzeitig eine Aufnahme und einen Montagepunkt für die Reibradantriebseinheit.
[0029] Das oder jedes Reibrad (Reibrolle) des Reibradantriebs kann entsprechend den jeweiligen
Anforderungen aus einem beliebigen geeigneten Material bestehen. Beispielsweise und
insbesondere kann das Reibrad aus Stahl, beispielsweise rostfreiem Edelstahl, bestehen
und an seinem äußeren Umfang mit einer Rändelung versehen sein. Auf diese Weise ist
das Reibrad unanfällig gegen Umwelteinflüsse und gegenüber mechanischer Abnutzung.
[0030] Gemäß einer anderen vorteilhaften Weiterbildung steht das Betätigungselement derart
mit dem Reibradantrieb in Wirkungsverbindung, dass das Betätigungselement den Reibradantrieb
elektrisch schaltet. Bei dieser Ausführungsform wird der Reibradantrieb elektrisch
ein- bzw. ausgeschaltet, wenn das Betätigungselement in eine entsprechende Position
gebracht wird. Auf diese Weise bricht sich ein separater Schalter zum elektrischen
Schalten des Reibradantriebs.
[0031] Zur Steuerung des Reibradantriebs kann beispielsweise und insbesondere wenigstens
ein Joystick vorgesehen sein, der beispielsweise und insbesondere an einem Gehäuse
einer Reibradantriebseinheit angeordnet sein kann. Entsprechend den jeweiligen Anforderungen
kann auch mehr als ein Joystick vorgesehen sein, beispielsweise bei zwei Reibradantriebseinheiten
an dem Gehäuse jeder der Reibradantriebseinheiten ein separater Joystick. Es ist beispielsweise
auch möglich, einen Joystick an einem Schiebegriff des Rollstuhles anzuordnen, damit
der Reibradantrieb durch eine Begleitperson betätigt wird.
[0032] Die Steuerung des Reibradantriebs kann beispielsweise auch über ein Smartphone erfolgen,
das der Benutzer des Rollstuhls oder eine Begleitperson bei sich trägt. Auch eine
Steuerung über einen separaten Handsender ist entsprechend den jeweiligen Anforderungen
möglich. Bei Verwendung einer entsprechenden drahtlosen Bedieneinheit steht diese
vorzugsweise über eine Funkverbindung mit dem Reibradantrieb in Steuerungsverbindung.
[0033] Die elektrischen und mechanischen Bestandteile einer Reibradantriebseinheit, insbesondere
der eigentlich elektromotorische Antrieb, eine zugehörige elektronische Steuerungseinrichtung
und eine Batterie bzw. ein Akku, können entsprechend den jeweiligen Anforderungen
in oder an einem Gehäuse einer Reibradantriebseinheit aufgenommen bzw. angeordnet
sein.
[0034] Um Fehlfunktionen des Reibradantriebs zu vermeiden, ist es vorteilhaft, wenn die
Reifen des Rollstuhles mit einem Reifendruckkontrollsystem ausgestattet sind. Durch
Einhaltung eines vorgegebenen bzw. vorbestimmten Reifendrucks ist sichergestellt,
dass sich ein Reibrad des Reibradantriebs stets in definierter Anlage an dem zugeordneten
Reifen des Rollstuhls befindet.
[0035] Zur Montage einer Reibradantriebseinheit an einem Rahmen eines Rollstuhls kann beispielsweise
und insbesondere ein mit dem Rahmen über eine Klemmverbindung verbundener Adapter
verwendet werden. Auf diese Weise können bestehende Rollstühle auf einfache und unkomplizierte
Weise mit einem erfindungsgemäßen Reibradantrieb ausgerüstet bzw. -nachgerüstet werden.
[0036] Wenn beide Räder des Rollstuhls angetrieben werden sollen, so ist jedem Rad eine
separate Reibradantriebseinheit zugeordnet. Es ist erfindungsgemäß jedoch auch möglich,
nur an einem Rad eine Reibradantriebseinheit zu verwenden, so dass das entsprechende
Rad elektromotorisch angetrieben wird und der Benutzer des Rollstuhles das andere
Rad von Hand antreibt. Eine entsprechende Ausführungsform ist insbesondere für Personen
mit Halbseiteneinschränkung relevant.
[0037] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme
auf die beigefügte teilweise stark schematisierte Zeichnung näher erläutert. Dabei
bilden alle in der Beschreibung beschriebenen, in der Zeichnung dargestellten und
in den Patentansprüchen beanspruchten Merkmale für sich genommen sowie in beliebiger
geeigneter Kombination miteinander in Gegenstand der Erfindung, unabhängig von ihrer
Zusammenfassung in den Patentansprüchen und deren Rückbezügen sowie unabhängig von
ihrer Beschreibung bzw. Darstellung in der Zeichnung.
[0038] Es zeigt:
- Fig. 1
- in einer Perspektivansicht ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Rollstuhls,
- Fig. 2
- in Perspektivansicht und teilweise in Phantomdarstellung eine Reibradantriebseinheit
in Kombination mit dem Rollstuhl,
- Fig. 3
- in einer Seitenansicht die Reibradantriebseinheit gemäß Fig. 2 in Kombination mit
dem Rollstuhl,
- Fig. 4
- in einer anderen Perspektivansicht die Reibradantriebseinheit gemäß Fig. 2,
- Fig. 5
- in gleicher Darstellung wie Fig. 4 die Reibradantriebseinheit gemäß Fig. 4, wobei
aus Gründen der Veranschaulichung ein Gehäuse der Reibradantriebseinheit weggelassen
ist,
- Fig. 6
- in einer Perspektivansicht und Explosionsdarstellung Bauteile der Reibradantriebseinheit
im Bereich eines Reibrades,
- Fig. 7A
- in einer Seitenansicht den Betätigungshebel in Neutralstellung,
- Fig. 7B
- in gleicher Darstellung wie Fig. 7A in den Betätigungshebel in Reibradantriebsstellung,
- Fig. 7C
- in gleicher Darstellung wie Fig. 7A den Betätigungshebel in Bremsstellung,
- Fig. 8
- eine Betätigungseinheit des Rollstuhles gemäß Fig. 1 in einer Seitenansicht,
- Fig. 9
- die Betätigungseinheit gemäß Fig. 8 in einer Perspektivansicht,
- Fig. 10
- die Betätigungseinheit gemäß Fig. 8 in einer anderen Seitenansicht,
- Fig. 11
- die Betätigungseinheit gemäß Fig. 8 in einer anderen Perspektivansicht,
- Fig. 12
- Verriegelungsmittel zur Verriegelung der Reibradantriebseinheit in einer 1. Stellung,
- Fig. 13
- die Verriegelungsmittel gemäß Fig. 12 in einer zweiten Stellung,
- Fig. 14
- in eine Perspektivansicht Bestandteile der Verriegelungsmittel,
- Fig. 15
- in einer perspektivischen Explosionszeichnung Bestandteile der Verriegelungsmittel
gemäß Fig. 14 und
- Fig. 16
- in einer anderen perspektivischen Explosionszeichnung Bestandteile der Verriegelungsmittel
gemäß Fig. 14.
[0039] Nachfolgend wird anhand der Figuren 1 bis 16 ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen
Rollstuhles näher erläutert.
[0040] In Fig. 1 ist in einer Perspektivansicht ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen
manuell betriebenen Rollstuhles 2 dargestellt, der als Greifreifenrollstuhl ausgebildet
ist. Der Rollstuhl 2 weist einen Rahmen 4 auf, an dem Reifen aufweisende Antriebsräder
6, 8 angeordnet sind. Der Rollstuhl 2 weist eine Bremse 10 auf, die zum Abbremsen
des Rollstuhles 2 in Eingriff und für einen Fahrbetrieb außer Eingriff bringbar ist.
[0041] Der Rollstuhl 2 weist ferner einen Reibradantrieb 12 auf, der für einen motorischen
Fahrbetrieb in Eingriff und für einen manuellen Fahrbetrieb außer Eingriff bringbar
ist.
[0042] Erfindungsgemäß stehen die Bremse 10 und der Reibradantrieb 12 mit einem gemeinsamen
Betätigungselement zum Ineingriffbringen und Außereingriffbringen der Bremse 10 und
des Reibradantriebs 12 in Wirkungsverbindung.
[0043] Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel ist das gemeinsame Betätigungselement ein
handbetätigbares Betätigungselement in Form eines Betätigungshebels 14 (vgl. Fig.
1).
[0044] Zur gemeinsamen Betätigung der Bremse 10 und des Reibradantriebs 12 hat der Betätigungshebel
14 eine Neutralstellung, in der sich sowohl die Bremse als auch der Reibradantrieb
außer Eingriff befinden, eine Bremsstellung, in der sich die Bremse in Eingriff und
der Reibradantrieb außer Eingriff befindet, und eine Reibradantriebsstellung, in der
sich die Bremse außer Eingriff und der Reibradantrieb in Eingriff befindet, auf. Wie
weiter unten anhand der Fig. 7A bis Fig. 7C näher erläutert wird, entspricht bei dem
dargestellten Ausführungsbeispiel die Bremsstellung einer in Fahrtrichtung des Rollstuhles
2 vorderen Endstellung, die Neutralstellung einer in Fahrtrichtung des Rollstuhles
hinteren Endstellung und die Reibradantriebsstellung einer Zwischenstellung des Betätigungshebels
14.
[0045] Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel weist der Reibradantrieb 12 Reibradantriebseinheiten
auf, die derart ausgebildet sind, dass sie werkzeuglos an dem Rollstuhl 2 montierbar
bzw. von dem Rollstuhl 2 demontierbar sind. Nachfolgend wird ausschließlich eine dem
Rad 8 zugeordnete Reibradantriebseinheit 16 näher erläutert. Eine dem Rad 6 zugeordnete
entsprechende Reibradantriebseinheit ist entsprechend aufgebaut. Sie wird daher hier
nicht näher erläutert und ist auch aus Gründen der Übersichtlichkeit in der Zeichnung
weggelassen.
[0046] Die Reibradantriebseinheit 16 ist in Fig. 2 und Fig. 3 zusammen mit dem Rollstuhl
2 und in Fig. 4 und Fig. 5 für sich genommen ohne den Rollstuhl 2 dargestellt.
[0047] Die Reibradantriebseinheit 16 weist ein Reibrad 18 auf, das mit einem Elektromotor
20 in Drehantriebsverbindung steht (vgl. Fig. 2 und Fig.3) In Montageposition der
Reibradantriebseinheit 16 liegt das Reibrad 18 an der radialen Außenfläche des Antriebsrades
8 an, so dass bei Drehung des Reibrades 18 das Antriebsrad 8 drehangetrieben wird.
Die Reibradantriebseinheit 16 und die weitere, dem Antriebsrad 6 zugeordnete Reibradantriebseinheit
stehen mit einer gemeinsamen Steuerungseinrichtung in Steuerungsverbindung, so dass
die Reibradantriebseinheiten entsprechend der von einem Benutzer des Rollstuhles 2
gewünschten Fahrtrichtung und Fahrgeschwindigkeit die Antriebsräder 6, 8 des Rollstuhles
2 antreiben.
[0048] Auf diese Weise erhält der Benutzer des Rollstuhles 2 im motorischen Fahrbetrieb
bei Bedarf eine Unterstützung. Hierzu kann der Benutzer des Rollstuhles 2 bei Bedarf
den Reibradantrieb 12 in Form der Reibradantriebseinheit 16 und der weiteren Reibradantriebseinheit
werkzeuglos montieren und in entsprechender Weise werkzeuglos demontieren, wenn er
zum manuellen Fahrbetrieb zurückkehren möchte.
[0049] Fig. 2 und Fig. 3 zeigen die Reibradantriebseinheit 14 im von dem Rollstuhl 2 demontierten
Zustand. Zur Verriegelung der Reibradantriebseinheit 16 in der Montageposition sind
Verriegelungsmittel 22 vorgesehen, die weiter unten anhand der Figuren 12 bis 16 näher
erläutert werden.
[0050] In Fig. 2 ist ein Trägerelement 24 der Bremse 10 erkennbar, das mittels eines Klemmblocks
26 mit dem Rahmen 4 des Rollstuhles 2 verbunden ist. An dem Trägerelement 24 ist ein
Bremselement 28 angeordnet, das zwischen einer Eingriffsposition, in der sich das
Bremselement 28 in Eingriff befindet, und einer Außereingriffsposition, in der sich
das Bremselement 28 außer Eingriff befindet, beweglich ist. An dem Trägerelement 24
ist eine Aufnahme 30 gebildet, in die die Reibradantriebseinheit 16 zur Montage an
dem Rollstuhl 2 mit einer Steckachse 32 einsteckbar ist. Das Trägerelement 24 der
Bremse 10 bildet damit eine Aufnahme und einen Montagepunkt für die Reibradantriebseinheit
16. Die Montage der Reibradantriebseinheit 16 an der Aufnahme 30 wird weiter unten
anhand der Figuren 12 bis 16 näher erläutert.
[0051] Fig. 4 zeigt die Reibradantriebseinheit 16 in Montageposition an dem Trägerelement
24. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist in Fig. 4 die Reibradantriebseinheit 16
ausschließlich zusammen mit dem Trägerelement 24 dargestellt, während die übrigen
Bestandteile des Rollstuhles 2 weggelassen sind.
[0052] In Fig. 4 ist das Bremselement 28 erkennbar, das mittels des Betätigungshebels 14
in dessen Bremsstellung zum Abbremsen des Rollstuhles 2 in Eingriff mit der radialen
Außenfläche des Reifens des Antriebsrades 8 steht. Ferner ist in Fig. 4 das Reibrad
18 erkennbar, dass in der Reibradantriebsstellung in Eingriff mit der radialen Außenfläche
des Reifens des Antriebsrades 8 steht. Die radiale Außenfläche sowohl des Reibrades
18 als auch des Bremselements 28 kann vorzugsweise aus einem elastomeren Material
bestehen. Die Bestandteile der Reibradantriebseinheit 16 sind in einem Gehäuse 34
aufgenommen. In Fig. 4 ist ferner ein Verriegelungshebel 35 der Verriegelungsmittel
22 erkennbar, dessen Funktion weiter unten näher erläutert wird.
[0053] Fig. 5 zeigt die Reibradantriebseinheit 16 ohne das Gehäuse 34, wobei Batteriezellen
36 erkennbar sind, die zur Speisung des Elektromotors 20 der Reibradantriebseinheit
16 dienen. Bei den Batteriezellen 36 handelt sich um wiederaufladbare Batteriezellen.
[0054] Fig. 6 zeigt in einer Perspektivansicht eine Einzelheit der Reibradantriebseinheit
16 im Bereich des Reibrades 18. Das Reibrad 18 steht derart mit dem Elektromotor 20
in Drehantriebsverbindung, dass sich das Reibrad 18 bei Drehung der Abtriebswelle
des Elektromotors 20 dreht und in der Montageposition der Reibradantriebseinheit 16
das Antriebsrad 8 des Rollstuhles 2 drehantreibt.
[0055] Anhand von Fig. 7A bis Fig. 11 wird nachfolgend näher erläutert, wie der Betätigungshebel
14 so in Wirkungsverbindung mit der Bremse 10 und der Reibradantriebseinheit 16 steht,
dass sich in der Neutralstellung sowohl die Bremse 10 als auch der Reibradantrieb
12 außer Eingriff befinden, in einer Bremsstellung sich die Bremse 10 in Eingriff
und der Reibradantrieb 12 außer Eingriff befindet und in einer Reibradantriebsstellung
sich die Bremse 10 außer Eingriff und der Reibradantrieb 12 in Eingriff befindet.
[0056] Fig. 7A zeigt den Betätigungshebel 14 in der Neutralstellung, in der sich sowohl
das Reibrad 18 als auch das Bremselement 28 außer Eingriff von der radialen Außenfläche
38 des Antriebsrades 8 befindet. In dieser Neutralstellung kann der Rollstuhl 2 von
seinem Benutzer manuell angetrieben werden
[0057] Fig. 7B zeigt dem Betätigungshebel 14 in der Reibradantriebsstellung, in der sich
das Reibrad 18 in Eingriff mit der radialen Außenfläche 38 des Antriebsrades 8 befindet,
so dass das Antriebsrad 8 mittels der Reibradantriebseinheit 16 drehangetrieben wird.
Gleichzeitig befindet sich in der Reibradantriebsstellung das Bremselement 28 außer
Eingriff.
[0058] Fig. 7C zeigt den Betätigungshebel 14 in der Bremsstellung, in der sich das Bremselement
28 in Eingriff mit der radialen Außenfläche 38 des Antriebsrades 8 befindet, so dass
der Rollstuhl 2 abgebremst ist. Gleichzeitig befindet sich in der Bremsstellung das
Reibrad 18 außer Eingriff von der radialen Außenfläche 38 des Antriebsrades 8.
[0059] Nachfolgend wird anhand der Fig. 8 bis 11 die erfindungsgemäße Wirkungsverbindung
zwischen dem Betätigungshebel 14 und der Bremse 10 sowie der Reibradantriebseinheit
16 näher erläutert.
[0060] Der Betätigungshebel 14 ist um eine bezogen auf den Rahmen 4 des Rollstuhles 2 ortsfeste
Hebelachse 40 drehbar gelagert und steht mit der Bremse 10 (Bremselement 28) und dem
Reibradantrieb 12 (Reibrad 18 der Reibradantriebseinheit 16) über ein Hebelgetriebe
42 in Wirkungsverbindung, und zwar derart, dass sich in der Neutralstellung (Fig.
7A) sowohl die Bremse 10 als auch der Reibradantrieb 12 außer Eingriff befindet, in
der Reibradantriebsstellung (vgl. Fig. 7B) sich die Bremse 10 außer Eingriff und der
Reibradantrieb 12 in Eingriff befindet und sich in der Bremsstellung die Bremse 10
in Eingriff und der Reibradantrieb 12 außer Eingriff (vgl. Fig. 7C) befindet.
[0061] Das Hebelgetriebe 42 weist ein dem Reibradantrieb 12 zugeordnetes erstes Teilgetriebe
44 und ein der Bremse 10 zugeordnetes zweites Teilgetriebe 46 auf.
[0062] Das erste Teilgetriebe 42 weist einen zweiarmigen ersten Hebel 48 auf, der um eine
bezogen auf den Rahmen 4 des Rollstuhles 2 ortsfeste erste Achse 50 drehbar an dem
Trägerelement 24 und damit an dem Rahmen 4 des Rollstuhles 2 gelagert ist. Ein Ende
des zweiarmigen ersten Hebels 48 weist die Aufnahme 30 auf und trägt damit in Montageposition
der Reibradantriebseinheit 16 das Reibrad 18. Das andere Ende des ersten Hebels 48
ist drehbar (Drehpunkt 51) mit einem Ende eines ersten geknickten Hebels 52 verbunden,
dessen anderes Ende zu der Hebelachse 40 des Betätigungshebels 14 exzentrisch und
drehbar (Drehpunkt 49) mit demselben verbunden ist.
[0063] Das zweite Teilgetriebe 44 weist einen einarmigen zweiten Hebel 54 auf, der um eine
bezogen auf den Rahmen 4 des Rollstuhles 2 ortsfeste zweite Achse 56 drehbar gelagert
ist. Ein freies Ende des zweiten Hebels 54 trägt das Bremselement 28. Mit dem zweiten
Hebel 54 ist entfernt zu dessen Enden ein Ende eines zweiten geknickten Hebels 58
drehbar (Drehpunkt 57) verbunden, dessen anderes Ende drehbar (Drehpunkt 55) mit dem
Betätigungshebel 14 exzentrisch zu dessen Hebelachse 40 verbunden ist.
[0064] Die ortsfeste Hebelachse 40, die ortsfeste erste Achse 50 und die ortsfeste zweite
Achse 56 sind auf einer Geraden angeordnet.
[0065] Das erste Teilgetriebe 44 bildet eine Totpunktanordnung, die sich in der Reibradantriebsstellung
(vgl. Fig. 7B) im Totpunkt befindet. Hierzu in entsprechender Weise bildet das zweite
Teilgetriebe 46 eine Totpunktanordnung, die sich in der Bremsstellung (vgl. Fig. 7C)
im Totpunkt befindet.
[0066] Wie sich aus der Zeichnung und insbesondere aus einem Vergleich der Figuren 7A bis
7C ergibt, ist die resultierende Kinematik derart, dass sich bei einer Bewegung des
Betätigungshebels 14 ausgehend von der in Fig. 7A dargestellten Neutralstellung in
Richtung auf die in Fig. 7B dargestellte Reibradantriebsstellung sowohl das Reibrad
18 also Bremselement 28 radial in Richtung zu dem Reifen des Antriebsrades 8 hin bewegen.
Die Längenverhältnisse der Hebel des Hebelgetriebes 42 sind dabei so gewählt, dass
in der Reibradantriebsstellung (vgl. Fig. 7B), in der das Reibrad 18 radial an dem
Reifen des Antriebsrades 8 anliegt, das Bremselement 28 radial noch zu dem Reifen
des Antriebsrades 8 beabstandet ist.
[0067] Bei einer weiteren Bewegung des Betätigungshebels 14 aus der Reibradantriebsstellung
gemäß Fig. 7B in die Bremsstellung gemäß Fig. 7C bewegt sich das Bremselement 28 radial
weiter zu dem Reifen des Antriebsrades 8 hin, bis es in der Bremsstellung an demselben
zur Anlage gelangt und die Bremse 10 sich damit in Eingriff befindet. Gleichzeitig
bewegt sich bei einer Bewegung des Betätigungshebels 14 aus der Reibradantriebsstellung
in die Bremsstellung das Reibrad 18 wieder von dem Reifen des Antriebsrades 8 weg,
so dass das Reibrad 18 außer Eingriff von dem Reifen gelangt.
[0068] Bei einer Bewegung des Betätigungshebels aus der in Fig. 7A dargestellten Neutralstellung
in die in Fig. 7C dargestellte Bremsstellung führt das Bremselement 18 also eine kontinuierliche
Bewegung in Richtung zu dem Reifen hin aus, während das Reibrad 18 zunächst eine Bewegung
in Richtung zu dem Reifen hin ausgeführt und in der Reibradantriebsstellung (vgl.
Fig. 7B) an dem Reifen zur Anlage gelangt, sich danach aber bei einer Betätigung des
Betätigungshebels aus der Reibradantriebsstellung in die Bremsstellung wieder weg
von dem Reifen bewegt.
[0069] Die Betätigung sowohl der Bremse 10 als auch des Reibradantriebs 12 mittels des gemeinsamen
Betätigungshebels 14 ermöglicht eine besonders einfache und intuitive Bedienung des
Rollstuhles 2. Dabei entspricht bei der gewählten Kinematik die Bremsstellung der
in Fahrtrichtung vorderen Endstellung des Betätigungshebels 14, wie es von manuell
betriebenen Rollstühlen ohne Reibradantrieb allgemein bekannt ist. Ein Umdenken bzw.
Umlernen ist für einen Benutzer eines herkömmlichen Rollstuhles damit nicht erforderlich.
[0070] In den Figuren 9 bis 11, die verschiedene Ansichten des Trägerelementes 24 nebst
Betätigungshebel 14 und Hebelgetriebe 42 zeigen, sind die Hebel des Hebelgetriebes
42 sowie die Anordnung der zugeordneten Drehpunkte weiter veranschaulicht.
[0071] Anhand der Figuren 12 bis 16 wird nachfolgend die Funktion der Verriegelungsmittel
22 näher erläutert.
[0072] Wie in Fig. 2 und Fig. 3 dargestellt, weisen die Verriegelungsmittel 32 eine drehbar
an dem Gehäuse 34 der Reibradantriebseinheit 16 angeordnete Steckachse 32 auf, die
drehfest mit dem Verriegelungshebel 32 verbunden ist. Die Steckachse 32 weist im Bereich
ihres freien Endes einen Querstift 60 auf. Die Aufnahme 30 ist in einem äußeren Teil
62 (vgl. insbesondere Fig. 15) gebildet, das drehbar auf einem inneren Teil 64 angeordnet
ist, das drehfest mit dem Trägerelement 24 verbunden ist. Zwischen dem äußeren Teil
62 und dem inneren Teil 64 wirkt eine Feder 66.
[0073] Fig. 14 zeigt das äußere Teil 62 im an den inneren Teil 64 montierten Zustand.
[0074] Fig. 15 zeigt das äußere Teil 62 im von den inneren Teil 64 demontierten Zustand.
[0075] Fig. 16 zeigt die Bauteile, die die Aufnahme 30 bilden, in einer Explosionszeichnung.
[0076] Zur Montage der Reibradantriebseinheit 16 wird die Steckachse 32 bis zum Anschlag
in die Aufnahme 30 eingesteckt. Die Drehlage der Steckachse 32 ist dabei durch den
Querstift 60 vorgegeben, der in Nuten 68, 70 der Aufnahme 30 eingreift. Daran anschließend
wird die Steckachse 32 mittels des Verriegelungshebels 35 in Fig. 2 entgegen dem Uhrzeigersinn
verdreht, bis ein Vorsprung 72 an dem Verriegelungshebel 35 in eine zu dem Vorsprung
72 komplementär geformte Ausnehmung 74 (vgl. Fig. 12 und Fig. 13) an einer Hülse 76
einrastet. Hierzu ist der den Vorsprung 72 tragende Teil des Verriegelungshebels 35
relativ zu der Hülse 76 in Axialrichtung der Steckachse 32 in Fig. 12 nach links federbelastet.
[0077] In der eingerasteten Position des Verriegelungshebels 35 ist der Querstift 60 gegenüber
den Nuten 68, 70 verdreht und dadurch gegen axiale Bewegung gesichert, so dass auf
diese Weise die Reibradantriebseinheit 16 an dem Trägerelement 24 und damit an dem
Rahmen 4 des Rollstuhles 2 verriegelt ist.
[0078] Durch den formschlüssigen Eingriff des Vorsprunges 72 in die Ausnehmung 74 an der
Hülse 76 ist in Kombination mit der axialen Federbelastung eine versehentliche Entriegelung
der Reibradantriebseinheit 16 vermieden. Zur Entriegelung ist es erforderlich, den
Verriegelungshebel 35 entgegen der axialen Federbelastung in Fig. 13 nach rechts zu
ziehen und daran anschließend in Fig. 2 im Uhrzeigersinn zu verdrehen, so dass der
Vorsprung aus der Ausnehmung 74 freikommt und der Verriegelungshebel 35 zurück in
die in Fig. 12 dargestellte Position bewegt wird, in der die Reibradantriebseinheit
16 aus der Aufnahme 30 heraus- und abgezogen werden kann.
[0079] Beim Verdrehen der Steckachse 32 bei der Verriegelung der Reibradantriebseinheit
16 wird gleichzeitig die Feder 66 gespannt, so dass sich die Reibradantriebseinheit
16 mit einer drehbar an dem Gehäuse 34 der Reibradantriebseinheit 16 gelagerten Messrolle
78 federbelastet in Eingriff mit der radialen Außenfläche des Reifens des Antriebsrades
8 befindet. Damit liegt die Reibradantriebseinheit 16 in der Reibradantriebsstellung
des Betätigungshebels 14 einerseits mit dem Reibrad 18 und andererseits mit der Messrolle
78 an der radialen Außenfläche des Reifens an. Dadurch ist eine definierte Anlage
der Reibradantriebseinheit 16 an dem Reifen sichergestellt.
[0080] Die Messrolle 78 steht mit einem Drehgeber in Drehantriebsverbindung, der seinerseits
mit einer Steuerungseinrichtung zur Ansteuerung der Reibradantriebseinheit 16 in Signalübertragungsverbindung
steht.
[0081] Aufgrund von Schlupf zwischen dem Reibrad 18 und dem Reifen des Antriebsrades 8 kann
die Drehzahl des Antriebsrades 8 von der durch die Reibradantriebseinheit 16 vorgegebenen
Drehzahl abweichen. Sofern an beiden Antriebsrädern 6, 8 unterschiedlicher Schlupf
auftreten würde, so wären die Drehzahlen der Antriebsräder 6, 8 unterschiedlich, so
dass trotz gleicher Drehzahl der den Antriebsrädern 6, 8 zugeordneten Reibradantriebseinheiten
der Rollstuhl 2 nicht geradeaus, sondern vielmehr eine Kurve fahren würde.
[0082] Durch Teststellung der tatsächlichen Drehzahl der Antriebsräder 6, 8 mittels der
Messrollen 78 der Reibradantriebseinheiten 16 können die Drehzahlen der Reibradantriebseinheiten
unabhängig voneinander so gesteuert bzw. geregelt werden, dass der Rollstuhl 2 geradeaus
fährt, wenn der Benutzer des Rollstuhles 2 dies über eine Bedieneinheit des Reibradantriebs
12 vorgibt.
[0083] Auf diese Weise sind der Fahrkomfort und die Fahrsicherheit des Rollstuhles 2 verbessert.
[0084] Es versteht sich von selbst, dass beliebige Kurvenfahrten durch entsprechend unterschiedliche
Steuerung bzw. Regelung der Drehzahlen der den Antriebsrädern 6, 8 zugeordneten Reibradantriebseinheiten
16 realisierbar sind.
[0085] Darüber hinaus ermöglichen die Messrollen 78 weitere Fahrfunktionen. Da sich die
Messrollen 78 stets in Eingriff mit den Reifen der Antriebsräder 6, 8 des Rollstuhles
2 befinden, wird die tatsächliche Drehzahl der Antriebsräder 6, 8 auch in der Neutralstellung
des Betätigungshebels 14, also bei manuellem Betrieb des Rollstuhles 2 gemessen. Es
ist dann beispielsweise möglich, dass der Benutzer den Rollstuhl 2 manuell auf eine
gewünschte Geschwindigkeit beschleunigt und die erreichte Geschwindigkeit durch die
Steuerungseinrichtung abgespeichert wird. Die abgespeicherte gewünschte Geschwindigkeit
kann dann durch entsprechende Steuerung bzw. Regelung der Drehzahlen der Reibradantriebseinheiten
eingestellt und konstant gehalten werden, wenn der Benutzer des Rollstuhles den Reibradantrieb
12 einschaltet, indem er den Betätigungshebel 14 in die Reibradantriebsstellung bringt.
[0086] Das Vorsehen einer Messrolle, die mit einem Drehgeber in Drehantriebsverbindung steht,
genießt für sich genommen und unabhängig von der erfindungsgemäßen Ausgestaltung der
gemeinsamen Betätigung von Bremse und Reibradantrieb eine eigenständige erfinderische
Bedeutung bei Reibradantrieben für Rollstühle.
1. Manuell betriebener Rollstuhl (2), beispielsweise Greifreifenrollstuhl,
mit einem Rahmen (4), an dem Reifen aufweisende Antriebsräder (6, 8) angeordnet sind,
mit einer Bremse (10), die zum Abbremsen des Rollstuhles (2) in Eingriff und für einen
Fahrbetrieb außer Eingriff bringbar ist,
mit einem elektromotorischen Reibradantrieb (12), der für einen motorischen Fahrbetrieb
in Eingriff und für einen manuellen Fahrbetrieb außer Eingriff bringbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bremse (10) und der Reibradantrieb (12) mit einem gemeinsamen Betätigungselement
zum Ineingriffbringen und Außereingriffbringen der Bremse (10) und des Reibradantriebs
(12) in Wirkungsverbindung stehen.
2. Rollstuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das gemeinsame Betätigungselement ein handbetätigbares Betätigungselement ist oder
aufweist, das vorzugsweise als Betätigungshebel (14) ausgebildet ist, wobei der Betätigungshebel
(14) vorzugsweise um eine bezogen auf den Rahmen des Rollstuhles (2) ortsfeste Hebelachse
(40) schwenkbar gelagert ist.
3. Rollstuhl nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass das handbetätigbare Betätigungselement
- eine Neutralstellung, in der sich sowohl die Bremse (10) als auch der Reibradantrieb
(12) außer Eingriff befinden,
- eine Bremsstellung, in der sich die Bremse (10) in Eingriff und der Reibradantrieb
(12) außer Eingriff befindet, und
- eine Reibradantriebsstellung, in der sich die Bremse (10) außer Eingriff und der
Reibradantrieb (12) in Eingriff befindet,
hat, wobei vorzugsweise die Bremsstellung einer in Fahrtrichtung des Rollstuhles (2)
vorderen Endstellung, die Neutralstellung einer in Fahrtrichtung des Rollstuhles (2)
hinteren Endstellung und die Reibradstellung einer Zwischenstellung des Betätigungselementes
entspricht.
4. Rollstuhl nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, dass der Betätigungshebel (14) über ein Hebelgetriebe (42) mit der Bremse (10) und dem
Reibradantrieb (12) in Wirkungsverbindung steht, das derart ausgebildet ist, dass
- in der Neutralstellung sowohl die Bremse (10) als auch der Reibradantrieb (12) außer
Eingriff,
- in der Bremsstellung die Bremse (10) in Eingriff und der Reibradantrieb (12) außer
Eingriff und
- in der Reibradantriebsstellung die Bremse (10) außer Eingriff und der Reibradantrieb
(12) in Eingriff gebracht sind bzw. ist.
5. Rollstuhl nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Reibradantrieb (12) wenigstens eine Reibradantriebseinheit (16) aufweist, die
derart ausgebildet ist, dass sie werkzeuglos an dem Rollstuhl (2) montierbar bzw.
von dem Rollstuhl (2) demontierbar ist.
6. Rollstuhl nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass Verriegelungsmittel (22) zur Verriegelung der Reibradantriebseinheit (16) in der
Montageposition vorgesehen sind.
7. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Hebelgetriebe (42) ein dem Reibradantrieb (12) zugeordnetes erstes Teilgetriebe
(44) und ein der Bremse (10) zugeordnetes zweites Teilgetriebe (46) aufweist.
8. Rollstuhl nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Teilgetriebe (44) einen zweiarmigen ersten Hebel (48) aufweist, der um
eine bezogen auf den Rahmen (4) des Rollstuhles (2) ortsfeste erste Achse (50) drehbar
gelagert ist, wobei ein Ende des zweiarmigen ersten Hebels (48) in Montageposition
des Reibradantriebs (12) ein Reibrad (18) des Reibradantriebs (12) trägt und sein
anderes Ende drehbar mit einem Ende eines ersten geknickten Hebels (52) verbunden
ist, dessen anderes Ende zu der Hebelachse (40) des Betätigungshebels (14) exzentrisch
drehbar mit demselben verbunden ist und/oder dass das zweite Teilgetriebe (46) einen
einarmigen zweiten Hebel (54) aufweist, der um eine bezogen auf den Rahmen (4) des
Rollstuhles (2) ortsfeste zweite Achse (56) drehbar gelagert ist, wobei ein freies
Ende des zweiten Hebels (54) ein Bremselement (28) der Bremse (10) trägt und mit dem
zweiten Hebel (54) entfernt zu dessen Enden drehbar ein Ende eines zweiten geknickten
Hebels (58) verbunden ist, dessen anderes Ende drehbar mit dem Betätigungshebel (14)
exzentrisch zu dessen Hebelachse (40) verbunden ist.
9. Rollstuhl nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die ortsfeste Hebelachse (40), die ortsfeste erste Achse (50) und die ortsfeste zweite
Achse (56) auf einer Geraden angeordnet sind.
10. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Teilgetriebe (44) eine Totpunktanordnung bildet, die sich in der Reibradantriebstellung
im Totpunkt befindet und/oder dass das zweite Teilgetriebe (46) eine Totpunktanordnung
bildet, die sich in der Bremsstellung im Totpunkt befindet.
11. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 5 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Reibradantriebseinheit (16) eine Messrolle (78) aufweist, die Montageposition
der Reibradantriebseinheit vorzugsweise federbelastet an einem Reifen den Rollstuhles
(2) anliegt und mit einem Drehgeber in Drehantriebsverbindung steht, der mit einer
Steuerungseinrichtung in Signalübertragungsverbindung steht, die derart ausgebildet
und programmiert ist, dass die Reibradantriebseinheit (14) in Abhängigkeit von Ausgangssignalen
des Drehgebers ansteuerbar ist oder angesteuert wird.
12. Rollstuhl nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerungseinrichtung derart ausgebildet und programmiert ist, dass aus den Ausgangssignalen
des Drehgebers die tatsächliche Drehzahl bzw. Umfangsgeschwindigkeit des durch die
Reibradantriebseinheit (16) angetriebenen Antriebsrades (8) des Rollstuhles (2) ermittelbar
ist oder ermittelt wird.
13. Rollstuhl nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass jedem der beiden Antriebsräder (6, 8) des Rollstuhles (2) eine Reibradantriebseinheit
(16) zugeordnet ist und die Drehgeber der Messrollen der Reibradantriebseinheiten
(16) mit der Steuerungseinrichtung in Signalübertragungsverbindung stehen, die derart
ausgebildet und programmiert ist, dass beide Reibradantriebseinheiten (16) in Abhängigkeit
von Ausgangssignalen der Drehgeber ansteuerbar sind oder angesteuert werden.
14. Rollstuhl nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Drehzahlen der Reibradantriebseinheiten (16) in Abhängigkeit von der Ausgangssignalen
der Drehgeber der Messrollen unabhängig voneinander steuerbar oder regelbar sind.
15. Rollstuhl nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bremse (10) ein mit dem Rahmen (4) des Rollstuhles (2) verbundenes Trägerelement
(24) aufweist, an dem ein Bremselement (28) angeordnet ist, das zwischen einer Eingriffsposition,
in der sich die Bremselement (28) in Eingriff befindet, und einer Außereingriffsposition,
in der sich das Bremselement (28) außer Eingriff befindet, beweglich ist, wobei an
dem Trägerelement (24) eine Aufnahme zur Montage der Reibradantriebseinheit (16) gebildet
ist.