[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Formen oder
Kernen für Gießereizwecke unter Verwendung von Strom mittels Anpassung des spezifischen
elektrischen Widerstandes des Kernkastenmaterials an eine Mischung aus einem Formstoff
und einem Wasser enthaltenden anorganischen Bindemittel, welches in gelöster Form
ein Elektrolyt bildet und eine ausreichende elektrische Leitfähigkeit aufweist. Die
Erfindung betrifft außerdem ein Form- oder Kernwerkzeug zum Herstellen von Formen
oder Kernen.
[0002] Aus der
WO 2003/013761 A1 und
US 2004/0192806 A1 ist ein gattungsgemäßes Verfahren bekannt, bei welchem als anorganisches Bindemittel
Magnesiumsulfat verwendet wird, welches in Wasser dispergiert und/oder gelöst und
anschließend mit Gießereisand vermischt ist. Anschließend wird diese Mischung aus
einem Formstoff, das heißt bspw. Gießereisand und dem Wasser enthaltenden Bindemittel,
in das Form- oder Kernwerkzeug eingebracht und dort durch Erhitzen ausgehärtet. Durch
die Verwendung eines anorganischen Bindemittels soll ein Austreten von umweltschädigenden
Gasen beim Aushärten der Mischung vermieden werden. Dies Anmeldung basiert dabei teilweise
auf der Patentanmeldung
DE 24 35 886 A1 aus dem Jahre 1974 zum Erhärten von Sandkernen mittels "Hindurchleiten eines elektrischen
Stromes".
[0003] In der erwähnten Druckschrift
WO 2003/013761 A1 ist ausgeführt, dass die zur Aushärtung erforderliche Energie mittels Elektrizität
zur Verfügung gestellt wird. Die Elektrizität wird dabei über zwei oder mehrere Elektroden
an "wenigstens teilweise elektrisch leitenden, gegeneinander isolierten Teilen der
trennbaren Form- oder Kernwerkzeuge" angelegt. Die genannte Anmeldung berücksichtigt
nicht die Unterschiede zwischen den elektrisch spezifischen Widerstandseigenschaften
des Kernwerkzeugs und den elektrisch spezifischen Widerstandseigenschaften des Sand-Binder-Gemisches.
Es verwendet "gegeneinander isolierte[n] Teile der trennbaren Form- oder Kernwerkzeuge".
[0004] Aus der
DE 37 35 751 A1 ist ein gasdurchlässiges Formwerkzeug zur Herstellung von Guss- und Kernformen aus
aushärtbarem Formsand bekannt, wobei das Werkzeug aus heteroporös aufgebautem, offenporigem
Material besteht und wobei die Wand des Formwerkzeuges einen ersten, an den Formsand
angrenzenden feinporigen Schichtbereich von 0,2-2 mm Dicke, 75-95% der theoretischen
Materialdichte und Porendurchmesser < 50 µm aufweist, an den ein zweiter, massiver
Bereich in Form eines großporigen Stützskeletts von < 80% der theoretischen Materialdichte
und einem mittleren Porendurchmesser < 100 µm materialschlüssig angrenzt.
[0005] Aus der
DE 24 35 886 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung von Gießereiformen oder -kernen durch Einbringen
eines Gemisches aus Aggregat und Binder in einen Form- oder Kernkasten und Erhitzen
des Gemisches bekannt, wobei das Erhitzen mittels Durchleiten eines- elektrischen
Stromes durch das Gemisch bewirkt wird.
[0006] Aus der
EP 3 103 562 A1 ist eine Schablone bekannt, welche eine rahmenförmige oder kastenförmige, sich vorzugsweise
nach unten leicht verjüngend ausgebildete, Ausgestaltung mit einer umlaufende Wandung
und bei kastenförmiger Ausgestaltung auch einem Boden aufweist.
[0007] Form- oder Kernwerkzeuge für anorganische Verfahren werden vornehmlich aus Metall
wie z.B. Stahl oder Aluminium hergestellt.
[0008] Der Nachteil der oben genannten Anmeldung ist, dass eine Isolationsschicht zwischen
den Teilen des Form- oder Kernwerkzeuge benötigt wird, welche den Kurzschluss beim
Anlegen der Spannung verhindern soll und somit den Stromfluss durch das Sand-Binder-Gemisch
bewirken soll.
[0009] Ein weiterer Nachteil der Technik ergibt sich trotz der Verwendung einer Isolationsschicht.
Der elektrische Strom sucht stets den Weg des geringsten Widerstandes zum Ausgleich
der elektrischen Potentiale.
[0010] Metallische Kernwerkzeuge haben einen Widerstandsbereich von z.B. 2x10
-7 Ohmmeter(Stahl) wobei Sand-Bindergemische im Bereich von ca. 10
1 bis 10
2 Ohmmeter liegen. Da der Widerstand am Kernkasten wesentlich geringer ist als im Sandbinder-Gemisch
fließt der Strom bis zur Kontaktfläche innerhalb des Kernkastens und wird dann für
eine kurze Strecke durch das Sand-Bindergemisch geleitet. Dies hat zur Folge, dass
an dickeren Teilen des Sandkerns fast kein Strom fließt und somit keine ausreichende
Erwärmung erfolgt. Damit ergibt sich keine gleichmäßige Aushärtung der Mischung.
[0011] Wird ein derartig lediglich teilweise ausgehärteter Kern aus dem Form- oder Kernwerkzeug
entnommen, kann dieser Schaden nehmen oder zu einem Schaden bei einer späteren Verwendung
in einem Gießwerkzeug führen.
[0012] Ein weiterer Nachteil basiert auf dem gleichen Ansatz, dass Strom sich immer den
Weg des geringsten Widerstandes sucht. Bei Kernkästen aus nichtleitendem Material
und zwei gegenüberliegenden Elektroden würde das Verfahren daher nur bei Geometrien
mit gleichen Sandkerndicken funktionieren. Zum Beispiel ist dies der Fall bei Zylindern
und Quadern. Somit ist das Verfahren nur anwendbar bei einfachen geometrischen Formen.
[0013] Ein weiterer Nachteil ist bei Aushärtung mittels Wärmeübertragung zu beobachten.
Da Sand-Bindergemische gemeinhin eher schlechte Wärmeleiter darstellen kommt es bei
Wärmeübertragung von beheizten Kernkästen zur Schalenbildung an den Außenkanten des
Sandkernes da die Schale eher aushärtet als das Sandkerninnere. Aus wirtschaftlichen
Gründen wird dabei nicht immer die vollständige Aushärtung vor der Entnahme abgewartet,
so dass die Sandkerne leichter Brechen können.
[0014] Ein weiterer Nachteil ergibt sich durch den Effekt der oben genannten Schalenbildung.
Da Aufgrund der Schalenbildung das Innere des Sandkerns noch nicht vollständig ausgehärtet
ist, führt dies zu einer Begrenzung der maximalen Sandkerndicken, welche mit bestehenden
Verfahren hergestellt werden können. Die maximale Dicke des Sandkerns hängt dabei
von der Dauer der Erwärmung sowie dem Eigengewicht des Sandkerns ab. Ist die Erwärmung
nicht ausreichend, so kann die äußere Schale des Sandkerns trotz vollständiger Aushärtung
das Gewicht nicht vollständig tragen und kann somit zum Bruch des Sandkerns führen.
[0015] Die vorliegende Erfindung beschäftigt sich daher mit dem Problem, für ein Verfahren
der gattungsgemäßen Art eine verbesserte oder zumindest eine alternative Ausführungsform
anzugeben, die insbesondere die aus dem Stand der Technik bekannten Nachteile überwindet.
[0016] Dieses Problem wird erfindungsgemäß durch die Gegenstände der unabhängigen Ansprüche
gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0017] Die vorliegende Erfindung beruht auf dem allgemeinen Gedanken, bei der Auswahl des
Materials der trennbaren Form- oder Kernwerkzeuge die spezifische elektrische Leitfähigkeit
so zu berücksichtigen, dass sie der elektrischen Leitfähigkeit einer (Sand-Binder-)
Mischung annährend während der optimale Arbeitstemperatur entspricht. Die elektrische
spezifische Leitfähigkeit des Form- oder Kernwerkzeuges (Kavität) wird also durch
das verwendete Sand-Bindergemisch bestimmt.
[0018] Hierdurch kann der besondere Effekt erreicht werden, dass ein in das Material eingeleiteter
Strom in diesem und in der Mischung überall die annährend gleiche elektrische Leitfähigkeit
vorfindet und dadurch sich keinen gravierend kürzerer, insbesondere abkürzenden, Weg
durch die Mischung sucht, wodurch eine gleichmäßige Durchströmung der Mischung mit
Strom und damit auch ein gleichmäßiges Erhitzen und hierdurch auch ein gleichmäßiges
Aushärten derselben erreicht werden können und zwar unabhängig von der jeweils individuellen
Form bzw. Gestalt des Kerns.
[0019] Generell wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zunächst ein elektrisch leitfähiges
Material permanent in ein Gehäuse des Form- oder Kernwerkzeugs eingebracht und nimmt
dort die zuvor beschriebene Mischung aus einem Formstoff, bspw. aus Sand (Gießereisand),
und Wasser enthaltenden Bindemittel, welches in gelöster Form ein Elektrolyt bildet
und eine ausreichende elektrische Leitfähigkeit aufweist, auf.
[0020] Die vorliegende Erfindung beruht weiter auf dem allgemeinen Gedanken, ein Form- oder
Kernwerkzeug zum Herstellen von Formen oder Kernen, bspw. Gießkernen, aus einer Mischung
aus einem Formwerkstoff und einem Wasser enthaltenden Bindemittel anzugeben, welches
in gelöster Form ein Elektrolyt bildet und eine ausreichende elektrische Leitfähigkeit
aufweist, wobei das erfindungsgemäße Form- oder Kernwerkzeug ein aus zumindest zwei
Teilen bestehendes, elektrisch nicht leitendes, Gehäuse besitzt. Das Form- oder Kernwerkzeug
weist darüber hinaus zumindest zwei Elektroden auf, wobei jeweils eine Elektrode in
einem Teil des Gehäuses angeordnet ist. Über die beiden parallelen Elektroden wird
später elektrische Energie in das Material und über dieses in die Mischung eingeleitet,
wodurch die Mischung erhitzt und dadurch ausgehärtet wird.
[0021] Für das Verfahren ist ein direkter Kontakt des leitenden Materials und der Elektroden
des Kernkastens notwendig. Somit kann auf eine Isolationsschicht zwischen den Kernkastenteilen
verzichtet werden.
[0022] Die Einbringung der Mischung erfolgt für jeden Zyklus der Sandkernherstellung wobei
das elektrisch leitfähige Material einmalig pro Herstellung des Form- oder Kernwerkzeugs
eingebracht wird. Das Material bildet somit die Negativkontur des später darin herzustellenden
Sandkerns bzw. der Form. Nachdem die Mischung in dem Material eingebettet ist, wird
anschließend dem Material über die im/am Gehäuse des Form- oder Kernwerkzeugs angeordneten
Elektroden, elektrische Energie und darüber Wärme zugeführt, die zu einem Aushärten
der Mischung führt.
[0023] Wie bei bestehenden Patentanmeldungen, stellt das Gehäuse lediglich ein Behältnis
zur Aufnahme des leitenden Materials dar und muss elektrisch nicht leitfähig sein,
da ansonsten der Strom ausschließlich über das Gehäuse geführt wird und nicht durch
das Material bzw. die Mischung. Das Gehäuse kann aus Kunststoff sein und bietet den
Vorteil, dass es vergleichsweise leicht und damit leicht zu handhaben ist. Alternativ
kann auch eine Isolationskeramik oder ein anderes elektrisch nicht leitendes Material
verwendet werden.
[0024] Teile des Gehäuses können dabei über eine oder mehrere Trennebenen miteinander verbunden
sein, wobei die Elektroden vorzugsweise parallel zueinander angeordnet oder sogar
in einen Teil des Gehäuses eingebettet sein können.
[0025] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform ist eine Einrichtung zur Steuerung/Regulierung
der elektrischen Spannung an den Elektroden vorgesehen. Mittels einer derartigen Einrichtung
kann die an die Elektroden angelegte Spannung reguliert, bspw. erhöht werden, so dass
kurze Taktzeiten für den Aushärtevorgang erreichbar sind. Kurze Taktzeiten wiederum
ermöglichen eine vergleichsweise kostengünstige Fertigung der Formen bzw. Kerne. Die
Regelung der Leistung/Spannung kann mittels Wechselrichter/Leistungssteller erfolgen
oder durch Aufschalten unterschiedlicher Spannungen. Alternativ kann das Verfahren
auch mittels konstanter angelegter Spannung betrieben werden.
[0026] Wie bereits in der
DE 24 35 886 A1 ausgeführt, kann die elektrische Energie in Form von Wechselstrom oder Gleichstrom
dem Material und Sand-Bindergemisch (Mischung) zugeführt werden. Wechselstrom ist
überall vorhanden und kann fast beliebig geregelt werden.
[0027] Zusätzlich sind im Material, in den Elektroden sowie im Gehäuse Entlüftungsschlitze
(Düsen) vorzusehen, um das Entweichen der Gase bzw. des Wasserdampfes zu ermöglichen.
Beim Aushärten entstehende Gase bzw. Wasserdampf kann wie bei bestehenden Verfahren
mittels Kernmarken(Düsen) aus dem Sandkern (Kern) und dem Material, der Elektroden
und dem Gehäuse über Bohrungen abgeführt werden. Alternativ kann das Material auch
porös sein und somit das Entweichen der Gase oder Wasserdampf ermöglichen.
[0028] Weiterhin sind im Material Bohrungen für nichtleitende Ausstoßbolzen vorgesehen,
welche zur Entnahme der (Sand-)kerne Verwendung finden. Diese erlauben die Entnahme
der Sandkerne nach dem Aushärten der Mischung und dem Auseinanderfahren der Gehäuseteile.
Die Ausstoßbolzen sollten dabei aus nichtleitendem Material sein, um einen Kurzschluss
zu vermeiden. Benötigte Ausstoßbolzen werden in den dafür vorgesehenen Ausstoßbohrungen
mit der Grundplatte des Werkzeuges befestigt.
[0029] Alternativ können auch leitende Ausstoßbolzen verwendet werden, sofern konstruktionstechnisch
sichergestellt ist, dass diese keinen Kontakt mit einem Strom leitenden Material haben,
während der Strom eingeschaltet ist.
[0030] Durch die erfindungsgemäße Lösung, wonach die spezifische elektrische Leitfähigkeit
des Materials zumindest annähernd der spezifischen elektrischen Leitfähigkeit der
Mischung bei Arbeitstemperatur entspricht, kann ein gleichmäßiges und insbesondere
gleichförmiges Durchleiten von Strom bzw. Spannung durch sowohl das Material als auch
durch die Mischung erreicht werden, wodurch letztere gleichmäßig erwärmt und dadurch
besonders gleichmäßig und dadurch qualitativ hochwertig ausgehärtet werden kann.
[0031] Zur optimalen Auswahl elektrisch leitender Materialien für dieses Verfahren sind
mehrere Schritte notwendig. Jeder Binder verfügt über eine optimale Arbeitstemperatur
welche die bestmögliche Aushärtung sicherstellt. Bei den getesteten Bindern lag diese
bei ca. 150-180°C und ist abhängig von den Herstellerangaben sowie möglicherweise
von verwendeten Binderzusätzen. Im Vergleich zu bisher aus dem Stand der Technik bekannten
Verfahren, bei welchen stets befürchtet werden musste, dass die Mischung aufgrund
unterschiedlicher interner elektrischer Widerstände, bspw. hervorgerufen durch unterschiedliche
Sandkerndicken, einen lokal unterschiedlichen Aushärtegrad aufwies, kann mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren erstmals eine gleichförmige, das heißt gleichmäßige und zudem prozesssichere
Aushärtung der Mischung erreicht werden, wodurch sich Formen bzw. Gießkerne von besonders
hoher Qualität unabhängig von ihrer geometrischen Struktur herstellen lassen. Darüber
hinaus wird mit dem erfindungsgemäßen Verfahren die Gefahr der Schalenbildung an einer
Kernoberfläche bzw. einer Formoberfläche verhindert, was beispielsweise bei einem
Aushärten mittels Wärme von außen (z.B. Ölheizung) der Fall wäre.
[0032] Mit dem erfindungsgemäßen Form- oder Kernwerkzeug ist somit erstmals eine prozesssichere
Herstellung von Formen bzw. Kernen möglich, durch die Anpassung der elektrisch spezifischen
Leitfähigkeit des Form-Kernkastenmaterials an das Sand-Binder-Gemisch. Dies erlaubt
die gleichmäßige Durchleitung von elektrischer Energie und somit gleichmäßige Erhitzung
und dadurch ein gleichmäßiges Aushärten. Dies war bislang aufgrund der oben genannten
Nachteile nicht möglich.
[0033] Durch die Anpassung des elektrischen Widerstandes des Materials an das Sand-Binder-Gemisch
können auch größere und kompliziertere Sandkerne mittels einer Elektrode pro Kernteil
wirtschaftlich hergestellt werden da es an keiner Stelle zu signifikanten Widerstandsunterschieden
aufgrund von Sandkerndicken durch unterschiedliche Konturen kommt.
[0034] Zudem kann mittels Anpassung des spezifischen elektrischen Widerstandes je nach Sandkerndicke
auch entsprechend den Richtlinien der Niederspannung von bis zu 1000 V gearbeitet
werden. Damit weist das Verfahren nicht nur eine höhere Sicherheit für die Mitarbeiter
auf, sondern ist auch kostengünstiger. Grundsätzlich sind aber auch höhere Spannungen
wie in bestehenden Patenten möglich. Dabei gilt, dass je dicker der Sandkern ist,
desto höhere Spannungen sollten verwendet werden.
[0035] Durch die direkte Erwärmung des Sandkerns sowie des Materials ohne Umwege über externe
Heizvorrichtungen wie bei Ölheizungen oder Wasserdampf steigt die Effizienz des Verfahrens
und dank der gleichmäßigen Wärmzuführung über die gesamte Oberfläche des Kerns ergeben
sich kurze Erwärmungsphasen und damit kurze Taktzeiten.
[0036] Ein weiterer Vorteil ergibt sich dadurch, dass keine externen Heizvorrichtungen benötigt
werden. Dies steigert nicht nur wie oben beschrieben die Effizienz des Verfahrens
sondern reduziert auch die Anschaffungs- und Unterhaltskosten für eventuelle externe
Heizvorrichtungen. Zudem ermöglicht dies Anlagen mit einem geringerem Platzbedarf
vorzusehen so dass tendenziell mehr Anlage auf der gleichen Fläche untergebracht werden
können.
[0037] Ein weiterer Vorteil ergibt sich für das Kernwerkzeug. Bestehende Systeme welche
Wärmeenergie zum Aushärten benötigen, erfordern, dass die Wärme von der Heizquelle
möglichst nah an den Sandkern im Kernkasten zugeführt wird. Dies wird teilweise durch
komplizierte Heizbohrungen innerhalb der Grundplatte oder des Kernkastens gelöst.
Diese Arbeitsschritte können komplett entfallen, da die Wärme direkt dort erzeugt
wird, wo sie benötigt wird: Im Sandkern und Kernkasten.
[0038] Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der Verwendung von Materialien wie z.B. Siliziumkarbid-Keramik
welche im Vergleich zu bestehenden Kernwerkzeugmaterialien wie Stahl oder Aluminium
eine sehr hartes Material darstellt (Mohs Stärke 9,5) und somit sich die Lebensdauer
des Kernkastens verlängert aufgrund geringerem Verschleiß.
[0039] Generell funktioniert dabei ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Herstellung von Formen
oder Kernen für Gießereizwecke, mittels Anpassung des spezifischen elektrischen Widerstandes
des Materials des Werkzeugeinsatzes an den spezifischen elektrischen Widerstand einer
Mischung aus mindestens einem Formstoff, insbesondere Gießereisand, und mindestens
einem Wasser enthaltenden anorganischen, Wärme aushärtbaren Bindemittel, welches eine
ausreichende elektrische Leitfähigkeit von mindestens 5 · 10
-3 S/m aufweist.
[0040] Dabei
- wird in ein elektrisch nicht leitendes Gehäuse mindestens ein Werkzeugeinsatz aus
einem elektrisch leitfähigen Material zur Aufnahme der Mischung eingebracht, wobei
die elektrische Leitfähigkeit des Materials bei Betriebstemperatur zwischen 150 und
180 °C zumindest näherungsweise der spezifischen elektrischen Leitfähigkeit der Mischung
bei einer Temperatur zwischen ca. 100°C bis 130°C entspricht,
- wird dem Werkzeugeinsatz über in/an dem Gehäuse parallel angeordnete und bei Bedarf
vollflächigen Elektroden elektrische Energie und darüber Wärme zugeführt, die zum
Aushärten der Mischung führt,
- besteht das Gehäuse aus mindestens zwei Gehäuseteilen, welche zum Beginn und Abschluss
des Taktvorgangs der Form- oder Kernherstellung zusammen- bzw. auseinandergefahren
werden und zusammengefahren eine direkte Kontaktfläche ohne isolierende Zwischenschicht
bilden,
- sind benötigte Bohrungen für Ausstoßbolzen im Werkzeug, mindestens einer Elektrode
sowie mindestens eines Teiles des Gehäuses zur Entnahme der Sandkerne vorhanden,
- sind zum Entweichen von Wasserdampf oder Gasen sowohl das Werkzeug als auch die Elektroden
sowie mindestens ein Teil des Gehäuses porös ausgeführt und/oder Entlüftungsschlitze
vorhanden und
- werden der oder die Formen oder Kerne nach dem Aushärten der Mischung und dem Auseinanderfahren
der Gehäuseteile mittels Ausstoßbolzen aus dem Werkzeug gedrückt und entnommen.
[0041] Weitere wichtige Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen,
aus den Zeichnungen und aus der zugehörigen Figurenbeschreibung anhand der Zeichnungen.
[0042] Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend noch zu erläuternden
Merkmale nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen
Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden
Erfindung zu verlassen, der durch die Ansprüche definiert wird.
[0043] Bevorzugte Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Zeichnungen dargestellt
und werden in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert, wobei sich gleiche Bezugszeichen
auf gleiche oder ähnliche oder funktional gleiche Komponenten beziehen.
[0044] Es zeigen, jeweils schematisch,
- Fig. 1
- eine Schnittdarstellung durch ein erfindungsgemäßes Form- oder Kernwerkzeug,
- Fig. 2
- ein Phasendiagramm mit qualitativer Darstellung einer eingebrachten elektrischen Leistung
und eines zugehörigen Widerstandes in einem Kern oder einer Form,
- Fig. 3
- eine Darstellung der Erwärmung mittels bestehenden elektrischen Verfahren ohne Anpassung
des spezifischen Widerstandes des (Kernkasten-) Materials an das Sand-Bindergemisch
(Mischung),
- Fig. 4
- eine Darstellung einer möglichen Kernkastenausführung,
- Fig. 5
- eine Befestigung des Materials mit isolierendem Gehäuse und Grundplatte,
- Fig. 6
- eine Darstellung von Entlüftungs- und Ausstoßbohrungen mit einer Ansicht von oben
(Fig. 6 a.)), einer Ansicht von vorne (Fig. 6 b.)) und einer Seitenansicht (Fig. 6
c.)).
[0045] Entsprechend der Fig. 1 weist ein erfindungsgemäßes Form- oder Kernwerkzeug 1 zur
Herstellung von Formen 2 oder Kernen 2' für Gießereizwecke, ein zur Maschine hin elektrisch
isoliertes Gehäuse 3 auf, das aus zwei Teilen 4, 5 besteht, die über eine Trennebene
6 miteinander verbunden sind. Das Gehäuse 3 ist auf einer Grundplatte 12 befestigt.
Das Gehäuse 3 ist dabei aus Kunststoff, Isolationskeramik oder einem anderem nicht
leitenden Material ausgebildet und nimmt ein elektrisch leitfähiges Material 7 auf.
Das Material 7 bildet eine Form zur Aufnahme einer Mischung 9, aus welcher nach dem
Aushärten der Kern 2' bzw. die Form 2 gebildet wird. Das Material 7 kann beispielsweise
ein Keramikmaterial sein. Erfindungsgemäß sind dabei die spezifische elektrische Leitfähigkeit
der Mischung 9 und die spezifische elektrische Leitfähigkeit des Materials 7 zumindest
annähernd gleich groß, unterscheiden sich bspw. nicht mehr als in Phase 2 von Fig.
2, so dass im Material 7 und der Mischung 9 im Wesentlichen dieselbe spezifische elektrische
Leitfähigkeit und derselbe spezifische elektrische Widerstand herrschen. Das erfindungsgemäße
Form- oder Kernwerkzeug 1 besitzt darüber hinaus zumindest zwei Elektroden 10, die
parallel zueinander angeordnet sind. Vorgesehen ist eine Einrichtung 8 zur Regulierung
bzw. Steuerung der den Elektroden 10 zugeführten Spannung.
[0046] Erfindungsgemäß entspricht nun die spezifische elektrische Leitfähigkeit des Materials
7 des Kerns 2' oder der Form 2 näherungsweise der spezifischen elektrischen Leitfähigkeit
der Mischung 9 in Phase 2 von Fig. 2, wodurch ein vergleichsweise gleichmäßiges Durchleiten
von elektrischer Energie durch die Mischung 9 möglich ist.
[0047] Mit dem erfindungsgemäßen Form- oder Kernwerkzeug 1 lässt sich dabei eine Form 2
bzw. ein Kern 2' bzw. ein Gießkern 2', auf qualitativ höchstem Niveau herstellen,
da aufgrund der zumindest nahezu gleichen elektrischen Leitfähigkeit der für die Form
2 bzw. den Kern 2' benutzten Mischung 9 und des Materials 7 eine gleichmäßige Durchleitung
von elektrischem Strom durch das Material 7 und die Mischung 9 und damit ein gleichmäßiges
Erwärmen und Aushärten der Mischung 9 erfolgen können und zwar unabhängig von den
jeweiligen geometrischen Abmessungen der Form 2 bzw. des Kerns 2'.
[0048] Hergestellt wird die Form 2 oder der Kern 2' dabei wie folgt: Zunächst wird nach
der genannten Materialauswahl beim erstmaligen Aufbau das elektrisch leitfähige Material
7 in das Gehäuse 3 des Form- oder Kernwerkzeugs 1 eingebracht und bildet eine Negativform
für die die spätere Form 2 bzw. den späteren Kern 2' bildende Mischung 9. Anschließend
wird dem Material 7 über die Elektroden 10 elektrische Energie und damit Wärme zugeführt,
die zu einem Aushärten der Mischung 9 führen. Ein Aushärten der Mischung 9 erfolgt
dabei insbesondere durch ein Verdampfen von Wasser aus der Mischung 9, wobei die Mischung
9 ein anorganisches Bindemittel, Wasser und Gießereisand enthält.
[0049] Das in der Mischung 9 (Sand-Bindergemisch) eingesetzte anorganische Bindemittel kann
dabei wasserlöslich sein, enthält aber zumindest Wasser und ist auf alle Fälle elektrisch
leitfähig. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren und mit dem erfindungsgemäßen Form-
oder Kernwerkzeug 1 lässt sich ein besonders gleichmäßig erhitzter und dadurch auch
besonders gleichmäßig ausgehärteter und damit homogener Gießkern bzw. Kern 2' schaffen
und dies unabhängig von der jeweiligen geometrischen Abmessung des Kerns 2' bzw. der
Form 2, da aufgrund der vorzugsweise gleichen elektrischen Leitfähigkeit der Mischung
9 für den Kern 2' und des Materials 7 sich der elektrische Strom keine kürzeren Wege
sucht, wie dies bei bislang aus dem Stand der Technik bekannten Form- oder Kernwerkzeugen
der Fall war. Dies hatte bislang nämlich dazu geführt, dass aufgrund der durch die
geometrischen Abmessungen des Kerns 2' bzw. der Form 2 bedingten elektrischen Pfade
diese unter Umständen bislang nicht gleichmäßig ausgehärtet waren und somit Bereiche
mit vollständiger Aushärtung und lediglich teilweise oder gar keiner Aushärtung aufwiesen,
wodurch die Qualität der bislang mit den bisherigen Form- oder Kernwerkzeugen hergestellten
Formen bzw. Kernen oftmals nicht zufriedenstellend war.
[0050] Durch die Einrichtung 8 lässt sich insbesondere die Spannung erhöhen oder erniedrigen,
wodurch eine Taktzeit zur Herstellung der Form 2 bzw. des Kerns 2' steuerbar ist.
[0051] Die Grundplatte des Werkzeuges 12 nimmt das Gehäuse 3 bzw. die Teile 4,5 sowie das
Material 7 auf und Isolierschrauben 13 und Winkel 14 sorgen für eine Befestigung.
Isolierschrauben 13 können dabei auch durch Schnellspannsysteme ersetzt werden, um
einen leichteren und schnelleren Ausbau zu ermöglichen. Das Material "schwimmt" auf
der Elektrode 10 und die Elektrode 10 wird durch Ausrichtungsbolzen 15 in ihrer Position
gehalten.
[0052] Nachfolgend ist die Tabelle 1 zum weiteren Verständnis beigefügt. Tabelle 1 zeigt
dabei mehrere Messreihen mit unterschiedlichen Sand-Bindergemischen 9. Die Erkenntnis
ist dabei, dass die spezifische elektrische Leitfähigkeit dabei vom gewünschten Sand-Bindergemisch
9 abhängt und durch Variation von Zusätzen und/oder von Veränderung der prozentualen
Anteile beeinflusst werden kann. Je stärker der elektrisch leitenden Anteil im Sand-Bindergemisch
9, desto geringer der spezifische elektrische Widerstand im Sand-Bindergemisch 9.
Tabelle 1: Messreihen Sand-Binder Gemische.
| Messreihe |
spezifische Wärme Sand |
Fläche Probekörper cm2 |
Höhe Probekörper cm2 |
Geringster gemessener Widerstand (Optimaler Punkt) Ohm |
| Wasserglass 2% |
0,835J/g*K |
6,1 |
2 |
1080 |
| Wasserglass 3% |
0,835J/g*K |
6,1 |
2 |
1130 |
| Wasserglass 3% und Graphit 0,5% |
0,835J/g*K |
6,1 |
2 |
588 |
| Wasserglass 3% Graphit 1% Messreihe 1 |
0,835J/g*K |
6,1 |
2 |
529 |
| Wasserglass 3% Graphit 1% Messreihe 2 |
0,835J/g*K |
6,1 |
2 |
498 |
| Wasserglass 4% Messreihe 1 |
0,835J/g*K |
6,1 |
2 |
523 |
| Wasserglass 4% Messreihe 2 |
0,835J/g*K |
6,1 |
2 |
584 |
| Wasserglass 10% und Graphit 5,0% |
0,835J/g*K |
6,1 |
2 |
12,78 |
| Innotek Binder von ASK |
0,835J/g*K |
6,1 |
2 |
781 |
| Cordis Binder von Hüttenes Albertus |
0,835J/g*K |
6,1 |
2 |
683 |
| Gießerbinder (undisclosed) |
0,835J/g*K |
9,6 |
3,5 |
499 |
[0053] Daher ist die nachfolgend beschriebene Vorgehensweise zur Ermittlung der spezifischen
elektrischen Eigenschaft des gewünschten Sand-Bindergemisches 9 anzuwenden. Allerdings
kann auch dieses Verfahren angewendet werden, wenn die (Sand-Binder-)Mischung 9 noch
nicht definiert ist. In diesem Falle kann versucht werden z.B. mittels der Variation
von Zusätzen die elektrisch spezifische Eigenschaft des Sand-Bindergemisches 9 gezielt
zu beeinflussen, um die Effizienz des Verfahrens zu verbessern.
[0054] Zur optimalen Auswahl elektrisch leitender Materialien für dieses Verfahren sind
mehrere Schritte notwendig. Jeder Binder verfügt über eine optimale
[0055] Arbeitstemperatur welche die bestmögliche Aushärtung sicherstellt. Bei den getesteten
Bindern lag diese bei ca. 150-180°C und ist abhängig von den Herstellerangaben sowie
möglicherweise von verwendeten Binderzusätzen. Zuerst muss die spezifische Widerstandskurve
des gewünschten anorganischen Sand-Binder-Gemisches 9 in Abhängigkeit der Temperatur
ermittelt werden. In Tabelle 1 sind beispielhaft ausgewählte Widerstands-Temperaturwerte
für Sand-Bindergemische basierend auf anorganischer Binder und Bindervariationen abgebildet.
Dabei wurden ebenfalls verschiedene Wasserglasanteile sowie Graphitzusätze untersucht.
Die Kurven wurden wie folgt ermittelt:
[0056] Zuerst muss ein Vergleichsprobekörper erstellt werden. Der Probekörper besteht aus
zwei gegenüberliegenden metallischen Elektroden und einem Isolierrohr zwischen den
Elektroden. Geometrie (Fläche und Abstand der Elektroden) des Körpers innerhalb des
Isolierrohres muss bestimmt werden. Der Hohlraum wird mit einer grünen, nicht ausgehärteten
Sand-Bindermischung 9 befüllt. Das Sand-Bindergemisch 9 muss der später zu verwendenden
Mischung 9 während der Produktion entsprechen. Die Mischung 9 muss entsprechend realen
Anwendungsbedingungen verdichtet werden. An die Elektroden werden Messgeräte zur Ermittlung
der Spannung, des Stromes und der Temperatur angeschlossen. An die Elektroden wird
über eine Stromzuführung eine konstante Spannung angelegt. Der berechnete Widerstand
ergibt sich aus der angelegten Spannung geteilt durch den gemessenen Strom.
[0057] Eine Berechnung des temperaturabhängigen spezifischen Widerstandes erfolgt dabei
wie folgt:

mit
- Rho:
- spezifischer elektrischer Widerstand der Mischung
- R:
- Widerstand vor Anstieg des elektrischen Widerstandes der Probe
- A:
- Elektrodenfläche der Mischung
- I:
- Dicke der Probe
[0058] Damit ergibt sich für jedes Sand-Bindergemisch 9 eine temperaturabhängige Widerstandskurve.
[0059] Alle gemessenen Widerstandskurven weisen dabei folgende charakteristische Form auf
wie in Figur 2.
[0060] In Fig. 2 ist der typische Verlauf des elektrischen Widerstandes und der eingebrachten
elektrischen Leistung einer konduktiv erwärmten Mischung 9 eines beliebigen anorganischen
Sand-/Bindergemischs dargestellt. Nach dem Einschalten der Spannung sinkt der Widerstand
innerhalb kürzester Zeit deutlich (Phase 1: Kapazitive Last). Danach beginnt die Phase
2 des langsam abfallenden elektrischen Widerstandes im Kurvenverlauf (Zunahme der
Ladungsträger). In dieser Zeit steigt auch die durch die Probe aufgenommene Leistung
kontinuierlich bis durch die erreichte Temperatur Ladungsträger verdampfen. Der Widerstand
steigt nun sehr schnell an (Phase 3).
[0061] Für die Wahl des spezifischen elektrischen Widerstandes (Rho) des keramischen Materials
für eine spätere Form ist der Zeitpunkt vor dem Anstieg des elektrischen Widerstandes
der Probe in Phase 3 optimal, da hier die größte Leistung eingebracht werden kann
(kurz vor Ende Phase 2). Dies ist in Fig. 2 mit 11 bezeichnet.
[0062] Weiterhin sind auch spezifische elektrische Widerstände, die sich aus der Berechnung
der Werte innerhalb der Phase 2 ergeben, denkbar.
[0063] Der spezifische elektrische Widerstand der getesteten Mischungen 9 ändert sich während
des Erwärmungsprozesses. Er liegt bei unter 100°C bei ca. 85
[0064] Ohmmeter und fällt bei weiterer Erwärmung unter 25 Ohmmeter bei über 130°C. Mit weiterer
Erwärmung nimmt der spezifische Widerstand sprunghaft zu. Dann ist aber auch die erforderliche
Energie zur Austreibung des Wassers aus dem Binder, das zur Aushärtung führt, im Sand-Bindergemisch
9 vorhanden.
[0065] Zur optimalen Auswahl elektrisch leitender Materialien für dieses Verfahren ist nach
der Ermittlung der Temperatur-Widerstandskurve des Sand-Bindergemisches 9 die Bestimmung
des Materials 7 basierend auf dem benötigten spezifischen Widerstand möglich.
[0066] Basierend auf dem spezifischen Widerstandes des Sand-Binder-Gemisches 9 muss eine
Materialkomposition mittels Testreihen bestimmt werden, welche einen passenden elektrischen
spezifischen Widerstand bei bestimmter Temperatur aufweist. Diese bestimmte Temperatur
richtet sich dabei nach der optimalen Temperatur welche der Binder benötigt um am
besten auszuhärten. Bei unseren Versuchen benötigten getestete Binder Temperaturen
von ca. 150°C bis ca. 180°C um auszuhärten. Der Bereich um den optimalen Widerstand
wurde dabei mittels Temperatur-Widerstandskurve (siehe oben) um ca. 25 Ohmmeter ermittelt.
Folglich erfordert die getestete Binder-Mischung 9 ein Material 7 mit einem spezifischen
Widerstand von ca. 25 Ohmmeter bei 150-180°C.
[0067] Prinzipiell sollte der spezifische Widerstand des Materials 7 gleich sein gegenüber
dem optimalen spezifischen Widerstand für das Sand-Bindergemisch 9. Sollte bei der
Umsetzung der spezifische Widerstand des Materials 7 über dem des Sand-Bindergemisches
9 liegen, so führt dies tendenziell zu einer Erwärmung vom Zentrum des Kernes 2 in
Richtung des Kernkastenmaterials 7, da hier der Strom den Weg des geringeren Widerstandes
vorfindet.
[0068] Sollte bei der Umsetzung der spezifische Widerstand des Materials 7 geringer sein
als im Sand-Bindergemisch 9, so erfolgt tendenziell die Erwärmung von dem Kernkastenmaterial
7 in Richtung Sandkernzentrum.
[0069] Ebenso sollte der Verlauf der Temperatur-Widerstandskurve des Materials 7 ähnlich
verlaufen wie die Temperatur-Widerstandskurve des Sand-Bindergemisches 9. Je geringer
die Abweichung beider Kurven ist, desto effektiver ist das Verfahren.
[0070] Die Testreihen zur Bestimmung des Materials können dabei wie folgt durchgeführt werden:
Ein Ausgangsmaterial, wie z. Beispiel Silizium Karbid, wird in Form einer kleinen
Probeplatte hergestellt. Diese Materialprobe wird dann in eine Vorrichtung zwischen
zwei Elektroden eingespannt, so dass diese Elektroden einen direkten Kontakt zur Probeplatte
haben. Anschließend wird die Temperatur-Widerstandskurve für dieses Probematerial
ermittelt. Sollte die Abweichung zwischen dem spezifischen Widerstand des Probematerials
und des optimalen spezifischen Widerstandes des Sand-Bindergemisches 9 zu groß sein,
muss die Materialkomposition überarbeitet werden. Bei durchgeführten Tests haben sich
Siliziumkarbid-Kompositionen mit einer Variation des Graphitanteils in der Keramikmischung
als positiv erwiesen. Aber grundsätzlich sind auch andere Materialkompositionen oder
Materialzusätze, welche den elektrischen spezifischen Widerstand beeinflussen, möglich.
Der Graphitanteil ist dabei in der Keramik gebunden und hat somit keinen Einfluss
auf weitere Abguss-Prozesse. Diese Tests müssen solange wiederholt werden, bis eine
geeignete Materialkomposition gefunden wurde, welche den gewünschten spezifischen
Widerstand aufweist.
[0071] Weiterhin muss das ausgewählte Material 7 auch die sonstigen physischen Eigenschaften
für das Umfeld von Gießereien erfüllen. Beispielweise sind hier Bruchfestigkeit, Oberflächenrauigkeit,
Wärmausdehnung und Wärmeleitfähigkeit genannt.
[0072] Beispielsweise verfügt die für weitere Tests ausgewählte Keramik bei Erreichen der
erforderlichen Betriebstemperatur von ca. 180°C einen spezifischen Widerstand von
ca. 30 Ohmmeter für das oben genannte Sand-Bindergemisch 9. Anschließend muss die
maximale Kurzzeitbelastung des Materials 7 ermittelt werden, bei der noch keine permanente
Beschädigung des Materials 7 auftritt. Diese maximale Kurzzeitbelastung spielt nachfolgend
für die Elektrosteuerung eine wichtige Rolle. Dies wird mit Belastungstests ermittelt
und kann zu Abplatzungen am Material 7 bei Überschreiten der maximalen Kurzzeitbelastung
führen.
[0073] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der erfindungsgemäßen Lösung kann
das vorstehend und nachstehend genannte Material 7 durch andere Materialien ersetzt
werden, wie sie in den unabhängigen Ansprüchen definiert werden, sofern diese elektrisch
leitfähig sind und die Anpassung des elektrisch spezifischen Widerstandes der gewählten
Mischung 9 entspricht und auch die sonstigen Anforderungen an den Gießereibetrieb
erfüllt werden.
[0074] Der wiederholte Begriff der "Anpassung" beschreibt die vorher genannten Schritte
zur Auswahl eines geeigneten Materials 7 an die spezifisch elektrischen Eigenschaften
von Sand-Bindergemischen 9. Nachdem die Auswahl(Anpassung) des geeigneten Materials
7 nach dem oben beschriebenen Verfahren erfolgreich war und an das Sand-Bindergemisch
9 angepasst wurde, kann der Aufbau des Kernkastens für die Anwendung des Verfahrens
hergestellt werden. Der kritischste Arbeitsschritt ist dabei die Herstellung des Materials
7. Bei der beispielhaft genannten Siliziumkarbid-Keramik wird die Keramik in mehreren
Fertigungsschritten nach gängigen Keramikherstellungsverfahren hergestellt. Besonders
die Feinbearbeitung nach dem Sintern erfordert größte Aufmerksamkeit aufgrund des
sehr harten Materials (Mohshärte von ca. 9,5). Je genauer die Feinbearbeitung erfolgt,
desto geringer sind die späteren Toleranzabweichungen für mit dem Verfahren produzierten
Sandkerne 2.
[0075] Sobald die Feinbearbeitung des Materials 7 erfolgreich abgeschlossen ist, kann die
Befestigung im Kernkasten erfolgen. Das Material 7 benötigt auf der gegenüberliegenden
Seite der konturgebenden Oberfläche eine direkte Kontaktfläche mit der jeweiligen
Elektrode. In Versuchen hat sich dabei empfohlen, die Kontaktfläche eben zu schleifen,
um einen sehr guten Kontakt zwischen der Elektrode 10 und dem Material 7 zu ermöglichen.
Dies führt zu dem gewünschten Effekt die Übergangswiderstände dabei gering zu halten.
[0076] Wie in Figur 4 dargestellt sollte die Elektrode 10 dabei auf der Rückseite des Materialteils
schwimmend verlegt werden. Dies ist geboten, da das Material der Elektroden 10 normalerweise
eine höhere Wärmeausdehnung besitzt als das Kernkastenmaterial. Hierzu können in der
Rückseite des Materials zwei Stifte befestigt werden, welche die Elektroden 10 während
des Produktionsprozesses in Position halten.
[0077] Durch die parallele Anordnung der Elektroden 10 kann eine vergleichsweise gleichmäßige
Durchleitung elektrischer Energie durch das Material 7 und die Mischung 9 erreicht
werden, woraus sich wiederum Vorteile bezüglich einer gleichmäßigen Erwärmung und
einer gleichmäßigen Aushärtung ergeben. Eine mögliche Ausführung sieht auch eine Einbringung
der Elektroden 10 in das Material 7 vor. In diesem Falle würden keine Stifte zur Ausrichtung
benötigt. Die Elektroden 10 sowie das Material 7 werden dann mittels einer Vertiefung
in einem isolierenden Material aufgenommen werden.
[0078] Die Befestigung der mehrlagigen Ebenen kann dabei mittels Verankerung in der Grundplatte
12 des Werkzeugs erfolgen. Für die Befestigung können Winkel 14 mit Schraubverbindungen
15 verwendet werden, wie in Figur 5 beispielhaft aufgezeigt. Um einen schnellen Austausch
einzelner Materialien zu ermöglichen, können hierbei auch Schnellschlusssystem anstelle
von Schrauben verwendet werden.
[0079] Die Befestigungsschrauben 15 sollten dabei aus nichtleitendem Material sein, um eine
Stromführung auf das Gehäuse 3 zu vermeiden. Zusätzlich sind im Material 7, in den
Elektroden 10 sowie im Gehäuse 3 Entlüftungsschlitze 17 (Düsen) vorzusehen, um das
Entweichen der Gase bzw. des Wasserdampfes zu ermöglichen. Beim Aushärten entstehende
Gase bzw. Wasserdampf kann wie bei bestehenden Verfahren mittels Kernmarken(Düsen)
aus dem Sandkern 2" (Kern) und dem Material 7, der Elektroden 10 und dem Gehäuse 3
über Bohrungen 17 abgeführt werden. Alternativ kann das Material auch porös sein und
somit das Entweichen der Gase oder Wasserdampf ermöglichen.
[0080] Die Elektroden 10 benötigen eine Stromzuführung, welche mit dem externen Schaltschrank
verbunden ist und somit eine Elektrosteuerung 8 ermöglicht.
[0081] Die Elektrosteuerung 8 muss auf den Kernkasten sowie das Verfahren angepasst werden.
Die Elektrosteuerung 8 übernimmt dabei die Aufgabe den Kernkasten mittels Stromführung
und Elektroden 10 ausreichend mit Strom zu versorgen. Bei neuen Anlagen muss die Elektrosteuerung
8 (Einrichtung 8) entsprechend mit eingeplant werden. Beim Umbau von bestehenden Anlagen
auf das neue Verfahren können unter Umständen bestehende Schaltanlagen umgebaut und
angepasst werden. Wichtig ist, dass die Energiezufuhr in das Material 7 über Elektroden
10 erfolgt. Dabei ist Wechselstrom oder Gleichstrom denkbar.
[0082] Die Steuerung der Stromzuführung muss die maximale Kurzzeitbelastung des gewählten
Materials 7 sowie die Widerstands-Temperaturkurve des Materials 7 und des Sand-Bindergemisches
9 berücksichtigen.
[0083] Die Elektrosteuerung 8 ist so zu wählen, dass ein möglichst hoher Leistungseintrag
mittels hoher Spannung erfolgt jedoch die maximale Kurzzeitbelastungsgrenze nie überschritten
wird um Beschädigungen am Material 7 zu verhindern und somit ein wirtschaftliches
Verfahren zu gewährleisten. Der Leistungseintrag und damit zusammenhängende Wärmeentwicklung
in das Sand-Binder-Gemisch 9 ist abhängig von dem spezifischen Widerstand sowie der
angelegten Spannung. Daher kann mit Regelung der Spannung auch der Leistungseintrag
und die Temperatur gesteuert werden. Zusätzlich sollte der Kernkasten über Temperatursensoren
verfügen, um eine Erwärmung über den vorgeschriebenen Arbeitsbereichs des Binders
zu vermeiden, da eine zu hohe Temperatur die Bindungskraft ansonsten negativ beeinflussen
würde.
[0084] Die Elektrosteuerung 8 regelt dabei auch die unterschiedlichen Prozessschritte der
Kernschießmaschine. Dabei muss speziell beim Zusammenfahren der Kernkastenteile darauf
geachtet werden, das die Zusammenführung in einem angepassten Tempo passiert um eine
Stoßwirkung im Kernkastenmaterial und somit eine mögliche permanente Beschädigung
zu vermeiden.
[0085] Bei Kernwerkzeugen mit mehreren Sandkernen 2 können entweder ein Elektrodenpaar pro
Sandkern 2" verwendet werden oder ein Elektrodenpaar welche alle Sandkerne 2 des kompletten
Kernkasten abdeckt. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass beim Erwärmungsprozess die
Steuerung so zu wählen ist, dass alle Sandkerne 2 in der gewünschten Taktzeit aushärten
können aber auch niemals die Temperatur im Sandkern 2" über den Punkt steigt, an dem
die Binder ihre Bindungskraft verlieren.
[0086] Sonstige Vorrichtungen zur externen Beheizung von Kernkästen können entfallen. Andere
Vorrichtungen wie zum Beispiel zur Drucklüftung können weiterverwendet werden.
[0087] Der regelmäßige Produktionsprozess unterteilt sich dabei in drei Prozesse. Der erste
Prozess beschreibt die Inbetriebnahme der Anlage nach einem kurzen oder längeren Stillstand.
[0088] Ein Merkmal während dieses Prozesses ist, dass das Material 7 noch nicht die geplante
Betriebstemperatur erreicht hat. Die Erwärmung des Kernkastens erfolgt dabei wie auch
bei dem typischen Produktionsprozess. Die Teile 4, 5 werden von ihrer Ausgangsposition
zusammengeführt und bilden eine Kontaktfläche. Anschließend kann das Sand-Bindergemisch
9 in den Kernkasten geschossen werden. Im nächsten Schritt erfolgt dann die Energiezuführung
mittels Strom dank der Elektrosteuerung 8. Aufgrund erhöhter spezifischer Widerstände
des Materials 7 benötigt der Aufwärmprozess etwas länger als die regulären Produktionstaktzeiten.
Während des Aufwärmprozesses erwärmt sich langsam der Kernkasten und mit dem Anstieg
der Temperatur fällt der spezifische Widerstand des Materials 7. Je stärker der Widerstand
fällt, umso schneller erwärmt sich das Material 7 weiter nach dem Prinzip der Widerstandsheizung.
Da der Wärmeeintrag bei den ersten Sandkernen 2 nicht unter optimalen Bedingungen
erfolgt, kann es zu einem erhöhten Ausschuss während dieses Prozesses kommen.
[0089] Sobald die gewünschte Betriebstemperatur für den Binder am Kernkasten erreicht ist,
beginnt der eigentliche Produktionsprozess. Die Prozessparameter können dabei wie
folgt beschrieben werden. Das Material 7 des Kernkastens verfügt über die Betriebstemperatur
und damit über den optimalen spezifischen Widerstand des Sand-Bindergemisches 9. Die
Kernkastenteile 4, 5 sind auseinandergefahren und die Sandkernkavität ist leer. Im
ersten Schritt werden die Kernkastenteile 4, 5 geschlossen und anschließend das Sand-Bindergemisch
9 in den Kernkasten geschossen. Der spezifische Widerstand ist abhängig von der Temperatur
des Sand-Bindergemisches 9. Das Gemisch 9 kann dabei Raumtemperatur haben oder bereits
vorgeheizt sein. Sobald das Sand-Bindergemisch 9 in den Kernkasten geschossen wurde,
kühlt die direkte Kontaktfläche zum Sand-Bindergemisch 9 des Kernkastenmaterials etwas
ab. Damit steigt kurzfristig der Widerstand des Kernkastenmaterials 7, wobei gleichzeitig
dank der Wärmeaufnahme der spezifische Widerstand des Sand-Bindergemisches 9 fällt.
Da wie oben beschrieben die Temperatur-Widerstandskurven des Materials 7 und des Sand-Bindergemisches
9 ähnlich verlaufen, bleibt die Abweichung des spezifischen Widerstandes begrenzt.
Die Elektrosteuerung 8 aktiviert den Stromfluss und dies führt zu einem Stromfluss
durch das Material 7 als auch durch den Sandkern 2". Mit steigender Erwärmung nimmt
nun der Widerstand des Sand-Bindergemisches 9 als auch im Material 7 ab bis annährend
der optimale Widerstand erreicht ist. In diesem Moment ist der Leistungseintrag optimal.
[0090] Das Sand-Bindergemisch 9 hat sich nun von der Ausgangstemperatur auf ca. 100 bis
130°C je nach Größe innerhalb weniger Sekunden erwärmt. Sobald durch Verdampfung des
Wasseranteils im Sand-Bindergemisch 9 die freien Ladungsträger reduziert werden, beginnt
schlagartig der spezifische Widerstand des Sand-Bindergemisches 9 zu steigen. In diesem
Moment ist der Stromfluss innerhalb des Sandkerns 2 reduziert. Um die gewünschte optimale
Betriebstemperatur für den Sand-Bindergemisch 9 zu erreichen, muss nun die verbleibende
Wärmeenergie über das Kernkastenmaterial 7 wie auch bei bestehenden Verfahren übertragen
werden.
[0091] In durchgeführten Tests wird dabei das Siliziumkarbidmaterial kontinuierlich weiter
mittels Stromfluss erwärmt, um den Wärmeverlust des Materials 7 an den Sandkern 2"
auszugleichen.
[0092] Der besondere Vorteil des Verfahrens liegt daher besonders in der Erwärmung des Sand-Bindergemisches
9 von der Temperatur bei Einschuss bis auf ca. 130°C durch das Prinzip der Widerstandsheizung
mittels Stromfluss innerhalb des Sandkerns 2. Der weitere Vorteil ist das effiziente
Erwärmen des Materials 7 und damit der Wärmezuführung in der Phase von 130°C bis auf
die gewünschte Betriebstemperatur des Sand-Bindergemisches 9.
[0093] Als Beispiel wird ein Sand-Bindergemisch 9 mit einer Betriebstemperatur von ca. 170°C
und einer Einschusstemperatur von ca. 20°C herangezogen. In Summe werden ca. 150°C
zur Erwärmung benötigt. Mittels des Verfahrens kann daher 2/3 (ca. 100°C) der benötigten
Wärmeenergie sehr schnell mittels Widerstandsheizung innerhalb des Sandkerns 2 erzeugt
werden und ca. 1/3 mittels Wärmeübertragung des Materials 7 auf den Sandkern 2".
[0094] Nach dem Erreichen der Betriebstemperatur bzw. dem Aushärten kann der Sandkern 2"
wie bei bestehenden Kernschießverfahren entnommen werden. Benötigte Ausstoßbolzen
16 zum Ausstoß des Sandkerns aus der Kavität werden in den dafür vorgesehenen Ausstoßbohrungen
16' befestigt und ermöglichen die Loslösung der Sandkerne 2 aus dem Material 7.
[0095] Der dritte Prozess beschreibt die Abkühlungsphase vor einer Pause bzw. Abschaltung.
In dieser Phase kann der Kernkasten einfach im ausgefahrenen Zustand abkühlen und
steht dann jederzeit für den 1. Prozessschritt wieder zur Verfügung.
[0096] Im Vergleich zu bisher aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren, bei welchen
stets befürchtet werden musste, dass die Mischung 9 aufgrund unterschiedlicher interner
elektrischer Widerstände, bspw. hervorgerufen durch unterschiedliche Sandkerndicken,
einen lokal unterschiedlichen Aushärtegrad aufwies, kann mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren erstmals eine gleichförmige, das heißt gleichmäßige und zudem prozesssichere
Aushärtung der Mischung 9 erreicht werden, wodurch sich Formen 2 bzw. Gießkerne 2'
von besonders hoher Qualität unabhängig von ihrer geometrischen Struktur herstellen
lassen. Darüber hinaus wird mit dem erfindungsgemäßen Verfahren die Gefahr der Schalenbildung
an einer Kernoberfläche bzw. einer Formoberfläche verhindert, was beispielsweise bei
einem Aushärten mittels Wärme von außen (z.B. Ölheizung) der Fall wäre.
[0097] Mit dem erfindungsgemäßen Form- oder Kernwerkzeug 1 ist somit erstmals eine prozesssichere
Herstellung von Formen 2 bzw. Kernen 2' möglich, durch die Anpassung der elektrisch
spezifischen Leitfähigkeit des Form-Kernkastenmaterials 7 an das Sand-Binder-Gemisch
9. Dies erlaubt die gleichmäßige Durchleitung von elektrischer Energie und somit gleichmäßige
Erhitzung und dadurch ein gleichmäßiges Aushärten. Dies war bislang nicht möglich.
1. Verfahren zur Herstellung von Formen (2) oder Kernen (2') für Gießereizwecke, mittels
Anpassung des spezifischen elektrischen Widerstandes des Materials des Werkzeugeinsatzes
an den spezifischen elektrischen Widerstand einer Mischung (9) aus mindestens einem
Formstoff, insbesondere Gießereisand, und mindestens einem Wasser enthaltenden anorganischen,
Wärme aushärtbaren Bindemittel, welches eine elektrische Leitfähigkeit von mindestens
5 · 10
-3 S/m aufweist, wobei,
- in ein elektrisch nicht leitendes Gehäuse (3) mindestens ein Werkzeugeinsatz aus
einem elektrisch leitfähigen Material (7) zur Aufnahme der Mischung (9) eingebracht
wird, wobei die elektrische Leitfähigkeit des Materials (7) bei Betriebstemperatur
zwischen 150 und 180 °C zumindest näherungsweise der spezifischen elektrischen Leitfähigkeit
der Mischung (9) bei einer Temperatur zwischen 100°C bis 130°C entspricht,
- dem Werkzeugeinsatz (7) über in/an dem Gehäuse (3) parallel angeordnete Elektroden
(10) elektrische Energie und darüber Wärme zugeführt wird, die zum Aushärten der Mischung
(9) führt,
- wobei das Gehäuse (3) aus mindestens zwei Gehäuseteilen (4, 5) besteht, welche zum
Beginn und Abschluss des Taktvorgangs der Form- oder Kernherstellung zusammen- bzw.
auseinandergefahren werden und zusammengefahren eine direkte Kontaktfläche bilden,
- wobei Bohrungen (16') für Ausstoßbolzen (16) im Werkzeug, mindestens einer Elektrode
(10) sowie mindestens eines Teiles (4, 5) des Gehäuses (3) zur Entnahme der Sandkerne
vorhanden sind,
- wobei zum Entweichen von Wasserdampf oder Gasen sowohl das Werkzeug als auch die
Elektroden sowie mindestens ein Teil des Gehäuses (4, 5) porös ausgeführt und/oder
Entlüftungsschlitze (17) vorhanden sind und
- wobei der oder die Formen oder Kerne (2,2') nach dem Aushärten der Mischung (9)
und dem Auseinanderfahren der Gehäuseteile (4, 5) mittels Ausstoßbolzen (16) aus dem
Werkzeug gedrückt und entnommen werden dadurch gekennzeichnet, dass ein Material (7) für Werkzeugeinsätze verwendet wird, welches folgende Eigenschaften
aufweist:
- es handelt sich um einen gesinterten Festkörper, der
- eine Mohshärte von mehr als 4 aufweist, wobei
- der spezifische elektrische Widerstand des Materials (7) zwischen 0,5 Ohmmeter und
200 Ohmmeter bei einer Betriebstemperatur von 150°C bis 180 °C liegt und
- die Wärmeleitfähigkeit mindestens 0,56 w/(m∗K) beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass dem Werkzeugeinsatz (7) die elektrische Energie in Form von Wechselstrom oder Gleichstrom
zugeführt wird und mittels einer Einrichtung (8) zur Steuerung/Regulierung die elektrische
Spannung unter Berücksichtigung der spezifischen Temperatur-Widerstandskurve des Sand-Bindergemisches,
der Temperatur des Werkzeugeinsatzes (7) sowie der maximalen Kurzzeitbelastung des
Werkzeugeinsatzmaterials regelt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 bis 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Material (7) ein gesintertes Keramikmaterial verwendet wird, das überwiegend
aus Siliziumkarbid oder Siliziumnitrid besteht.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass für das Verfahren zur Herstellung von Formen (2) oder Kernen (2') mindestens ein
Werkzeugeinsatz mit mindestens einer Kavität für die herzustellende Form (2) oder
den herzustellenden Kern (2') verwendet wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass Ausstoßbolzen (16) zum Ausstoßen der Sandkerne aus nichtleitendem Material sind,
oder konstruktionstechnisch so verwendet werden, dass leitende Ausstoßbolzen (16)
während des Herstellungsvorganges der Formen (2) oder Kerne (2') nicht in Kontakt
mit stromführenden Komponenten des Kernkastens kommen.
6. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass durch Hinzufügen von Zusätzen, wie z.B. Graphit oder Kochsalz die elektrische Leitfähigkeit
der Mischung (9) so beeinflusst wird, dass ein geringer spezifischer Widerstand erzielt
wird.
7. Form- oder Kernwerkzeug (1) zum Herstellung von Formen (2) oder Kernen (2') für Gießereizwecke,
mit einem aus zumindest zwei Teilen (4,5) bestehenden Gehäuse (3), wobei,
- in ein elektrisch nicht leitendes Gehäuse (3) mindestens ein Werkzeugeinsatz aus
einem elektrisch leitfähigen Material (7) zur Aufnahme einer Mischung (9) eingebracht
ist, wobei das Material (7) aus einem gesinterten, überwiegend aus Siliziumcarbid
oder Siliziumnitrid bestehenden Sinterwerkstoff besteht,
- zumindest zwei parallel angeordnete Elektroden (10) vorgesehen sind, wobei jeweils
mindestens eine Elektrode (10) in mindestens einem Teil (4, 5) des Gehäuses (3) angeordnet
ist,
- zum Entweichen von Wasserdampf oder Gasen sowohl das Form- oder Kernwerkzeug (1)
als auch die Elektroden (10) sowie mindestens ein Teil des Gehäuses (4, 5) porös ausgeführt
sind und/oder Entlüftungsschlitze (17) enthalten.
8. Form- oder Kernwerkzeug nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass zumindest ein Teil (4, 5) des Gehäuses (3) aus Kunststoff, elektrischem Isolierstoff
oder Isolationskeramik ausgebildet ist.
9. Form- oder Kernwerkzeug nach einem der Ansprüche 7 oder 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die mindestens zwei Teile (4, 5) des Gehäuses (3) über mindestens eine Trennebene
(6) miteinander verbunden sind, wobei die Elektroden (10) parallel zueinander und
zwischen dem Material (7) und der Isolationsschicht angeordnet sind.
10. Form- oder Kernwerkzeug nach einem der Ansprüche 7 bis 9
dadurch gekennzeichnet,
dass in mindestens einem Werkzeugeinsatz mindestens eine Sandkernkavität vorgesehen ist,
welche mit einem Schnellspannsystem im Gehäuse (3) befestigbar ist und somit den schnellen
Austausch des Werkzeugeinsatzes innerhalb des Kernkastens ermöglicht.
1. A method for producing moulds (2) or cores (2') for foundry purposes by means of adapting
the specific electrical resistance of the material of the tool insert to the specific
electrical resistance of a mixture (9) of at least one moulding material, in particular,
foundry sand, and at least one water-containing inorganic binder that can be cured
by means of heat and that has an electrical conductivity of at least 5 · 10
-3 S/m,
- at least one tool insert made of an electrically conductive material (7) for holding
the mixture (9) being introduced into an electrically non-conductive housing (3),
the electrical conductivity of the material (7) at an operating temperature between
150 and 180 °C at least approximately corresponding to the specific electrical conductivity
of the mixture (9) at a temperature between approximately 100 °C and 130 °C,
- electrical energy and thus heat being supplied to the tool insert (7) via electrodes
(10) that are arranged in parallel in/on the housing (3), which leads to the curing
of the mixture (9),
- the housing (3) being made of at least two housing parts (4, 5), which are moved
together or apart from each other at the beginning and upon completion of the cycle
process of the mould or core production and forming a direct contact surface,
- holes (16') for ejection pins (16) in the tool, at least one electrode (10), as
well as at least at least a part (4, 5) of the housing (3) being provided for removing
the sand core,
- both the tool and the electrodes as well as at least a part of the housing (4, 5)
being porous and/or ventilation slits (17) being provided, and
- the mould(s) or the core(s) (2, 2') being pressed out of the tool and removed by
means of ejection pins (16) after the curing of the mixture (9) and once the housing
parts (4, 5) have been moved apart from each other,
characterised in that a material (7) for tool inserts is used, which has the following characteristics:
- it is a sintered solid body which
- has a Mohs hardness of more than 4,
- the specific electrical resistance of the material (7) being between 0.5 ohmmeters
and 200 ohmmeters at an operating temperature of 150 °C to 180 °C, and
- the heat conductivity being at least 0.56 W/(m*K).
2. The method according to claim 1,
characterised in that
the electrical energy is supplied in the form of alternating current or direct current
to the tool insert (7) and the electrical voltage is controlled by means of a device
(8) for open-loop/closed-loop control, under consideration of the specific temperature-resistance
curve of the sand-binder mixture, the temperature of the tool insert (7) as well as
the maximum short-term stress load of the tool insert material.
3. The method according to claims 1 to 2,
characterised in that
a sintered ceramic material primarily consisting of silicon carbide or silicon nitride
is used as material (7).
4. The method according to claims 1 to 3,
characterised in that,
for the method for producing moulds (2) or cores (2'), at least one tool insert with
at least one cavity is used for the mould (2) to be produced or the core (2') to be
produced.
5. The method according to claims 1 to 4,
characterised in that
the ejection pins (16) for ejecting the sand cores are made of non-conductive material
or are used on a technical constructive level in such a way that conductive ejection
pins (16) do not come into contact during the production process of the moulds (2)
or cores (2') with the electrically live components of the core box.
6. The method according to claim 1,
characterised in that
by adding additives, such as graphite or table salt, the electrical conductivity of
the mixture (9) is influenced in such a way that a lower specific resistance is achieved.
7. A mould or core tool (1) for producing moulds (2) or cores (2') for foundry purposes,
with a housing (3) consisting of at least two parts (4, 5), wherein
- at least one tool insert made of an electrically conductive material (7) for holding
a mixture (9) is introduced into an electrically non-conductive housing (3), wherein
the material (7) consists of a sintered material primarily formed from silicon carbide
or silicon nitride,
- at least two electrodes (10) arranged in parallel are provided, wherein in each
case at least one electrode (10) is arranged in at least a part (4, 5) of the housing
(3),
- both the mould or core tool (1) and the electrodes (10) as well as at least one
part of the housing (4, 5) are porous and/or contain ventilation slits (17) for the
escape of water vapour or gases.
8. The mould or core tool according to claim 7,
characterised in that
at least part (4, 5) of the housing (3) is made of plastic, electric insulation or
insulating ceramic.
9. The mould or core tool according to one of claims 7 or 8,
characterised in that
the at least two parts (4, 5) of the housing (3) are connected to each other via at
least one separation plane (6), the electrodes (10) being arranged parallel to one
another and between the material (7) and the insulation layer.
10. The mould or core tool according to one of claims 7 to 9,
characterised in that
in at least one tool insert, at least one sand-core cavity is provided, which can
be attached to a rapid-clamping system in the housing (3) and therefore, makes the
quick replacement of the tool insert possible inside the core box.
1. Procédé pour fabriquer des moules (2) ou des noyaux (2') pour de l'outillage pour
la fonderie au moyen de l'adaptation de la résistance électrique spécifique du matériau
de l'insert de l'outil à la résistance électrique spécifique d'un mélange (9) composé
d'au moins un matériau de moulage, en particulier de sable de fonderie, et d'au moins
un liant anorganique contenant de l'eau, durcissable à la chaleur, qui présente une
conductivité électrique d'au moins 5 · 10
-3 S/m, cependant que,
- dans un boîtier non-électroconducteur (3), au moins un insert d'outil en un matériau
électroconducteur (7) est inséré pour recevoir le mélange (9), cependant que la conductivité
électrique du matériau (7) correspond, à une température de service entre 150 et 180°C,
au moins approximativement à la conductivité électrique spécifique du mélange (9)
à une température entre 100°C et 130°C,
- de l'énergie électrique est amenée à l'insert d'outil (7) par des électrodes (10)
placées parallèlement dans/sur le boîtier (3) et de la chaleur qui entraîne le durcissement
du mélange (9),
- cependant que le boîtier (3) est constitué par au moins deux parties de boîtier
(4, 5) qui sont rapprochées et/ou écartées au début et à la fin du processus cadencé
de la fabrication de moule ou de noyau et qui, lorsqu'elles sont rapprochées, forment
une surface de contact direct,
- cependant qu'il existe des forures (16') pour des boulons d'éjection (16) dans l'outil,
au moins d'une électrode (10) ainsi que d'au moins une partie (4, 5) du boîtier (3)
pour enlever les noyaux en sable,
- cependant que, pour faire échapper la vapeur d'eau ou les gaz, aussi bien l'outil
que les électrodes ainsi qu'au moins une partie du boîtier (4, 5) sont réalisés en
matériau poreux et/ou qu'il existe des fentes d'aération (17) et
- cependant qu'après le durcissement du mélange (9) et l'écartement des parties de
boîtier, le ou les moules ou noyaux (2, 2') sont poussés hors de l'outil au moyen
de boulons d'éjection (16) et enlevés
caractérisé en ce qu'il est utilisé un matériau pour inserts d'outil qui présente les propriétés suivantes
:
- Il s'agit d'un corps solide fritté qui
- présente une dureté Mohs supérieure à 4, cependant que
- la résistance électrique spécifique du matériau (7) se situe entre 0,5 ohmmètre
et 200 ohmmètres pour une température de service de 150°C à 180°C et
- la conductivité thermique est d'au moins 0,56 W/(m*K).
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que l'énergie électrique est amenée à l'insert d'outil (7) sous forme de courant alternatif
ou de courant continu et que la tension électrique est réglée au moyen d'un dispositif
(8) pour la commande/la régulation en tenant compte de la courbe spécifique température/résistance
du mélange de sable et de liant, de la température de l'insert d'outil (7) ainsi que
de la charge maximale de courte durée du matériau de l'insert d'outil.
3. Procédé selon la revendication 1 à 2, caractérisé en ce qu'un matériau céramique fritté qui est constitué principalement par du carbure de silicium
ou du nitrure de silicium est utilisé comme matériau (7).
4. Procédé selon les revendications 1 à 3, caractérisé en ce qu'au moins un insert d'outil avec au moins une cavité pour le moule à fabriquer (2)
ou le noyau à fabriquer (2') est utilisé pour le procédé de fabrication de moules
(2) ou de noyaux (2').
5. Procédé selon les revendications 1 à 4, caractérisé en ce que des boulons d'éjection (16) pour l'éjection des noyaux de sable sont en matériau
non conducteur ou sont utilisés en matière de construction de telle manière que des
boulons d'éjection conducteurs (16) n'entrent pas en contact avec des composants électroconducteurs
de la boîte à noyau pendant le processus de fabrication des moules (2) ou des noyaux
(2').
6. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'en ajoutant des additifs comme, par exemple, du graphite ou du sel de cuisine, la
conductivité électrique du mélange (9) est influencée de telle manière qu'une faible
résistance spécifique est obtenue.
7. Outil de moule ou de noyau (1) pour la fabrication de moules (2) ou de noyaux (2')
dans la fonderie avec un boîtier (3) qui est constitué par au moins deux parties (4,
5), cependant
- qu'au moins un insert d'outil en un matériau électroconducteur (7) est inséré dans
un boîtier non électroconducteur (3) pour recevoir un mélange (9), le mélange étant
constitué par un matériau fritté constitué principalement par du carbure de silicium
ou du nitrure de silicium,
- qu'il est prévu au moins deux électrodes (10) placées parallèlement, cependant qu'au
moins une électrode (10) est placée respectivement dans au moins une partie (4, 5)
du boîtier (3),
- que, pour faire échapper la vapeur d'eau ou des gaz, aussi bien l'outil de moule
ou de noyau (1) que les électrodes (10) ainsi qu'au moins une partie du boîtier (4,
5) sont réalisés en matériau poreux et/ou contiennent des fentes d'aération (17).
8. Outil de moule ou de noyau selon la revendication 7, caractérisé en ce qu'au moins une partie (4, 5) du boîtier (3) est faite en matière plastique, en matériau
isolant électrique ou en céramique isolante.
9. Outil de moule ou de noyau selon l'une des revendications 7 ou 8, caractérisé en ce que les au moins deux parties (4, 5) du boîtier (3) sont reliées l'une à l'autre par
au moins un plan de séparation (6), cependant que les électrodes (10) sont placées
parallèlement l'une à l'autre et entre le matériau (7) et la couche d'isolation.
10. Outil de moule ou de noyau selon l'une des revendications 7 à 9, caractérisé en ce qu'au moins une cavité de noyau de sable est prévue dans au moins un insert d'outil,
cavité qui peut être fixée dans le boîtier (3) avec un système de serrage rapide et
qui permet ainsi le remplacement rapide de l'insert d'outil à l'intérieur de la boîte
à noyau.