[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Stanznietvorrichtung mit einem Schwingsystem,
insbesondere eine sog. Ultraschallstanznietvorrichtung.
Stand der Technik
[0002] Verfahren und Vorrichtungen zum Stanznieten dienen zum Verbinden wenigstens zweier
in einem Verbindungsbereich insbesondere eben ausgebildeter Bauteile. Ein Stanznietverfahren
zeichnet sich dadurch aus, dass ein Vorlochen der miteinander zu verbindenden Bauteile
nicht erforderlich ist. Vielmehr wird ein Niet mittels eines Stempels oder eines Stempelwerkzeugs
in die wenigstens zwei Bauteile eingedrückt, wobei durch einen entsprechend geformten
Gegenhalter, beispielsweise in Form einer Matrize, der mit dem Stempelwerkzeug zusammenwirkt,
sichergestellt ist, dass der Niet sich in einer bestimmten Art und Weise innerhalb
der miteinander zu verbindenden Bauteile verformt, um eine kraft- und formschlüssige
Verbindung zwischen den Bauteilen herzustellen und gleichzeitig ein Durchdringen des
dem Niet abgewandten Bauteils zu vermeiden. Aus der
WO 2015/107351 A1 ist beispielsweise eine Stanznietvorrichtung bekannt.
[0003] Weiterhin sind beispielsweise aus der
EP 2 318 161 B1 oder der
DE 10 2014 203 357 A1 sog. Ultraschall-Stanznietverfahren bzw. -vorrichtungen bekannt, bei denen ein Schwingungserzeuger,
wie beispielsweise ein Ultraschall-Generator verwendet wird, um ein oder mehrere Komponenten
beim Verbinden der Bauteile in Schwingung zu versetzen. Durch diese Schwingung wird
beispielsweise die aufzuwendende Kraft zum Eindrücken des Niets reduziert. Aus der
DE 10 2014 224 596 A1 ist beispielsweise eine Ultraschall-Stanznietvorrichtung mit sog. X-Zange bekannt.
Offenbarung der Erfindung
[0004] Erfindungsgemäß wird eine Stanznietvorrichtung mit den Merkmalen des Patentanspruchs
1 vorgeschlagen. Vorteilhafte Ausgestaltungen sind Gegenstand der Unteransprüche sowie
der nachfolgenden Beschreibung.
[0005] Die Erfindung geht aus von einer Stanznietvorrichtung zum Verbinden wenigstens zweier
Bauteile mittels eines Niets, mit einem Stempel und einem Gegenhalter, zwischen welchen
die wenigstens zwei Bauteile und der Niet anordenbar sind. Dabei weist die Stanznietvorrichtung
ein Schwingsystem auf, welches wiederum den Stempel und einen Schwingungskonverter
aufweist, der mit einem Schwingungserzeuger derart gekoppelt oder koppelbar ist, dass
das Schwingsystem zum Schwingen anregbar ist. Der Schwingungskonverter kann beispielsweise
als elektro-mechanischer Wandler, insbesondere als Piezo-Konverter, ausgebildet sein
und direkt oder indirekt über einen sog. Booster (bzw. Amplitudenverstärker) mit dem
Stempel, der dann auch als Sontrode dient, verbunden bzw. gekoppelt sein. Bei dem
Schwingungserzeuger kann es sich insbesondere um einen Frequenz- bzw. Schallgenerator,
insbesondere um einen Ultraschallgenerator, jeweils bevorzugt auch in Form eines Funktionsgenerators
handeln, der den Schwingungskonverter mit einem geeigneten Signal versorgt, sodass
dieser entsprechend zum Schwingen angeregt wird.
[0006] Die Stanznietvorrichtung weist weiterhin einen Antrieb auf, mittels dessen das Schwingsystem
und damit der Stempel mit einer Kraft beaufschlagbar und in einer Fügerichtung bewegbar
sind, um einen zwischen dem Stempel und einem dem Stempel zugewandten Bauteil der
wenigstens zwei Bauteile angeordneten Niet mittels des Stempels in die wenigstens
zwei Bauteile einzudrücken.
[0007] Problematisch bei bekannten Stanznietvorrichtungen mit Schwingungseinkopplung kann
sein, dass unerwünschte Kippmomente auftreten. Dies gilt besonders dann, wenn der
Antrieb und das Schwingsystem in Fügerichtung gesehen in Reihe bzw. hintereinander
angeordnet sind. Jedoch kann dies ebenso auftreten, wenn der Antrieb und das Schwingsystem
zwar parallel oder zumindest in Fügerichtung gesehen überlappend angeordnet sind,
der Antrieb jedoch regulär am Rahmen der Stanznietvorrichtung angebracht ist. Gleiches
gilt für die erwähnte Ultraschall-Stanznietvorrichtung mit X-Zange.
[0008] Solche Kippmomente verursachen eine verstärkte Aufbiegung des gesamten Systems bzw.
insbesondere des Rahmens der Stanznietvorrichtung, was dazu führt, dass die durch
den Antrieb und das Schwingsystem erzeugten Kräfte bzw. Schwingungen nicht mehr senkrecht
auf die Oberflächen der zu verbindenden Bauteile wirken. Dies kann zu unerwünschten
Effekten im Fügeprozess führen und insbesondere die Symmetrie der erzeugten Nietverbindung
negativ beeinflussen. Entsprechend wird auch die Verbindungsfestigkeit negativ beeinflusst.
[0009] Erfindungsgemäß ist eine Antriebs- und Führungseinheit zur Führung des Schwingsystems
in Fügerichtung vorgesehen, die den Antrieb aufweist und an einem Rahmen der Stanznietvorrichtung
angeordnet ist. Es wird somit eine kombinierte Einheit für den Anrieb und die Führung
des Schwingsystems gebildet. Diese Antriebs- und Führungseinheit bzw. eine Komponente
davon umschließt dabei das Schwingsystem in einem sich in Fügerichtung erstreckenden
Abschnitt, oder aber die Antriebs- und Führungseinheit weist eine erste Komponente
auf, an der das Schwingsystem in Bezug auf die Fügerichtung zentrisch angeordnet ist
und die eine zweite Komponente der Antriebs- und Führungseinheit in einem sich in
Fügerichtung erstreckenden Abschnitt umschließt. Ebenso können beide Varianten verwendet
werden.
[0010] Es wird also vorgeschlagen, das Schwingsystem derart zu führen, dass das Schwingsystem
oder zumindest eine (bzw. die erste) Komponente der Antriebs- und Führungseinheit,
an die das Schwingsystem dann in Fügerichtung gesehen gekoppelt ist, von einer anderen
(bzw. der zweiten) Komponente der Antriebs- und Führungseinheit umschlossen wird,
was eine deutlich stabilere und verwindungssteifere Führung ermöglicht, als eine einfache
Anbindung oder aber auch als eine seitlich angebrachte Führung. Insbesondere wird
damit erreicht, dass ein Angriffspunkt der von dem Antrieb bereitgestellten Kraft
an dem Schwingsystem in einer sich in Fügerichtung erstreckenden Achse des Schwingsystems
liegen kann. Die erwähnten Nachteile werden auf diese Weise vermieden oder zumindest
reduziert
[0011] Vorzugsweise weist die Antriebs- und Führungseinheit eine Führungseinrichtung zur
Führung des Schwingsystems auf, die als ein Teil bzw. eine Komponente der Antriebs-
und Führungseinheit das Schwingsystem in dem sich in Fügerichtung erstreckenden Abschnitt
umschließt. Dabei ist die Führungseinrichtung insbesondere eine von dem Antrieb getrennt
ausgebildete Komponente. Diese Führungseinrichtung kann zudem insbesondere derjenige
Teil der Antriebs- und Führungseinheit sein, der an dem Rahmen angeordnet ist. Auf
diese Weise ist eine besonders stabile Führung des Schwingsystems möglich, da dieses
direkt von der Führungseinrichtung umgeben ist. In der Führungseinrichtung können
dann beispielsweise noch geeignete Lager wie Rollen-, Kugel- oder Gleitlager vorgesehen
sein. Je nach Art des Schwingsystems kann dieses dann unmittelbar oder mittels einer
Halterung in der Führungseinrichtung geführt sein. Mit einer Halterung kann beispielsweise
eine einfachere Anpassung des Schwingsystems an die Führungseinrichtung, insbesondere
hinsichtlich der Geometrie, die für das Schwingsystem oftmals sehr spezifisch sein
kann, erreicht werden.
[0012] Die Führungseinrichtung kann insbesondere rohrförmig mit rundem oder rechteckigem
Querschnitt ausgebildet sein. Damit wird einerseits eine besonders stabile Führungseinrichtung
ermöglicht, anderseits aber auch eine besonders einfache Herstellung.
[0013] Vorteilhafterweise ist der Antrieb an dem Rahmen angeordnet und mittels eines Hebels
an das Schwingsystem gekoppelt. Damit ist für den Antrieb beispielsweise eine geringere
Kraft, die er aufbringen können muss, ausreichend, da eine Übersetzung mittels des
Hebels möglich ist. Hierzu kann der Hebel insbesondere zwischen einem Drehpunkt, an
dem der Hebel an dem Rahmen drehbar gelagert ist, und einem Angriffspunkt des Antriebs
an dem Hebel mit dem Schwingsystem gekoppelt sein, beispielsweise über ein Gelenk.
Denkbar ist dabei auch, dass der Hebel über die Halterung, wenn vorhanden, an das
Schwingsystem gekoppelt ist.
[0014] Alternativ ist es bevorzugt, wenn der Antrieb in die Führungseinrichtung integriert
ist, und insbesondere als Linearantrieb ausgebildet ist. Damit wird eine besonders
kompakte Stanznietvorrichtung ermöglicht.
[0015] Weiter alternativ - sowohl als Alternative zur Führungseinrichtung an sich oder aber
auch zusätzlich zur Führungseinrichtung - ist es bevorzugt, wenn der Antrieb als hydraulischer
Antrieb mit einem Zylinder und einem Kolben ausgebildet ist, wobei der Kolben dann
die erwähnte erste Komponente bildet, an der das Schwingsystem in Bezug auf die Fügerichtung
zentrisch angeordnet ist, und der Zylinder dann die zweite Komponente bildet, die
(als Teil der Antriebs- und Führungseinrichtung) die erste Komponente in dem sich
in Fügerichtung erstreckenden Abschnitt umschließt. Damit ist zunächst nicht notwendigerweise
eine zusätzliche Führungsrichtung zum Antrieb nötig, da durch diese spezielle Art
von Antrieb bereits eine Umschließung einer bewegten Komponente und damit eine stabile
Führung ermöglicht werden. Dennoch kann durch eine zusätzliche - insbesondere getrennt
vom Antrieb ausgebildete - Führungseinrichtung, die das Schwingsystem in einem entsprechenden
Abschnitt umschließt, eine noch stabilere Führung des Schwingsystems erreicht werden.
[0016] Weitere Vorteile und Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus der Beschreibung
und der beiliegenden Zeichnung.
[0017] Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachfolgend noch zu erläuternden
Merkmale nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen
Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden
Erfindung zu verlassen.
[0018] Die Erfindung ist anhand von Ausführungsbeispielen in der Zeichnung schematisch dargestellt
und wird im Folgenden unter Bezugnahme auf die Zeichnung ausführlich beschrieben.
Figurenbeschreibung
[0019]
- Figur 1
- zeigt vereinfacht und schematisch eine Fertigungseinrichtung mit einer erfindungsgemäßen
Stanznietvorrichtung.
- Figur 2
- zeigt schematisch eine nicht erfindungsgemäße Stanznietvorrichtung.
- Figuren 3a und 3b
- zeigen schematisch eine erfindungsgemäße Stanznietvorrichtung in einer bevorzugten
Ausführungsform.
- Figuren 4a und 4b
- zeigen schematisch eine erfindungsgemäße Stanznietvorrichtung in einer weiteren bevorzugten
Ausführungsform.
- Figuren 5 und 6
- zeigen schematisch erfindungsgemäße Stanznietvorrichtungen weiteren bevorzugten Ausführungsformen.
Detaillierte Beschreibung der Zeichnung
[0020] In Figur 1 ist vereinfacht und schematisch eine Fertigungseinrichtung 100 gezeigt.
Bei der Fertigungseinrichtung 100 kann es sich beispielsweise um einen Industrieroboter
in einer Fertigungshalle, beispielsweise für einen automobilen Karosseriebau, handeln.
[0021] Die Fertigungseinrichtung 100 weist dabei eine auf einem Boden angeordnete Trägerstruktur
3 und zwei daran angeordnete, miteinander verbundene und bewegliche Arme 4 und 5 auf.
Am Ende des Armes 5 ist eine erfindungsgemäße Stanznietvorrichtung 200 in einer bevorzugten
Ausführungsform angeordnet, welche hier nur schematisch gezeigt und nachfolgend noch
detaillierter beschrieben wird.
[0022] Weiterhin ist eine Recheneinheit 80 gezeigt, bei der es sich beispielsweise um eine
Steuereinheit der Stanznietvorrichtung 200 handelt. Die Recheneinheit 80 kann zudem
auch als Steuereinheit für die gesamte Fertigungseinrichtung, d.h. neben der Stanznietvorrichtung
insbesondere auch für die Ansteuerung der beweglichen Arme vorgesehen sein. Weiterhin
sind Anzeigemittel 90, beispielsweise ein Display, vorgesehen, auf denen beispielsweise
aktuelle Betriebsparameter der Stanznietvorrichtung angezeigt werden können. Es kann
sich bei dem Element 90 auch um ein kombiniertes Anzeige-/Eingabemittel, z.B. einen
Touchscreen, handeln.
[0023] In Figur 2 ist schematisch eine nicht erfindungsgemäße Stanznietvorrichtung 10 dargestellt,
an der eine Problematik erläutert werden soll, die mit der vorliegenden Erfindung
gelöst wird. Die Stanznietvorrichtung 10 weist einen Rahmen 60 auf, der vorzugsweise
in Form eines C-Rahmens oder C-Bügels vorliegt, an welchem die einzelnen Komponenten
bei einer Stanznietvorrichtung in der Regel angeordnet sind, um die gewünschte Position
zueinander einnehmen zu können. Über den Rahmen 60 kann die Stanznietvorrichtung 10
beispielsweise an einem Arm wie in Figur 1 gezeigt befestigt sein.
[0024] Die Stanznietvorrichtung 10 weist einen Stempel (bzw. eine Sonotrode) 15 auf, beispielhaft
mit einem runden Querschnitt. Der Stempel 15 ist von einem (hülsenförmigen) Niederhalter
16 radial umgeben und relativ zu diesem in Längsrichtung beweglich angeordnet. Der
Niederhalter ist hierbei vorzugsweise an einem sog. Nullamplitudendurchgang des Stempels,
d.h. einer Position des Stempels, an der Schwingungsamplituden Null oder zumindest
möglichst gering sind, mittels einer Feder befestigt. Insbesondere ist der Stempel
15 mit einem Antrieb 50 gekoppelt, der dazu dient, eine zum Eindrücken eines Niets
20 in die beiden Bauteile 11, 12 benötigte Kraft F in Fügerichtung R aufzubringen.
Der Antrieb 50 kann beispielsweise mittels der Recheneinheit 80 gesteuert werden.
Dabei kann die Kraft F beispielsweise über einen Sollwert vorgegeben und als Istwert
erfasst werden.
[0025] Ebenfalls ist der Niederhalter 16 dazu eingerichtet, gegen die Oberfläche des dem
Stempel 15 zugewandten Bauteils 11 mit einer Niederhaltekraft zu drücken. Hierzu kann
beispielsweise ein eigener Antrieb vorgesehen sein. Jedoch kann der Niederhalter auch
(wie hier gezeigt) an den Antrieb des Stempels oder an den Stempel selbst gekoppelt
sein, beispielsweise mittels einer Feder.
[0026] Auf der dem Stempel 15 und dem Niederhalter 16 gegenüberliegenden Seite der beiden
Bauteile 11, 12 ist ein Gegenhalter in Form einer Matrize 18 angeordnet. Der Stempel
15 und die Matrize 18 sind in vertikaler Richtung, wie auch der Niederhalter 16, angeordnet
und relativ zueinander bewegbar, wobei die Matrize 18 selbst in der Regel nicht beweglich
ist. Der Niederhalter 16 und die Matrize 18 dienen dazu, die beiden Bauteile 11, 12
zwischen dem Niederhalter 16 und der Matrize 18 während der Bearbeitung durch den
Stempel 15 einzuspannen bzw. zusammenzudrücken.
[0027] Der Niet 20, hier beispielhaft ein Halbhohlstanzniet, besteht bevorzugt aus einem
gegenüber den Werkstoffen der beiden Bauteile 11, 12 härteren Material, zumindest
im Bereich eines Nietschafts. Die dem Bauteil 11 abgewandte, ebene Oberseite des Niets
ist in Wirkverbindung mit dem Stempel 15 angeordnet, der an der Oberseite des Niets
20 flächig anliegt.
[0028] Der Stempel 15 ist mit einem (elektro-mechanischen) Schwingungskonverter 30, beispielsweise
einem Piezokonverter, wirkverbunden. Der Schwingungskonverter 30 wiederum ist mit
einem (elektrischen) Schwingungserzeuger 32, beispielsweise einem Ultraschallgenerator,
verbunden. Auf diese Weise können Schwingungen bzw. Vibrationen erzeugt und auf den
Stempel und damit den Niet eingekoppelt werden. Insbesondere werden mittels des Schwingungserzeugers
32 und des Schwingungskonverters 30 Ultraschallschwingungen mit einer Schwingweite
(Abstand zwischen maximaler positiver und negativer Amplitude einer Schwingung, insbesondere
gemessen an der Schnittstelle zwischen Stempel und Niet) zwischen 10 µm und 110 µm
(entspricht einer Amplitude von 5 µm bis 55 µm) und einer Frequenz zwischen 15 kHz
und 35 kHz oder ggf. auch höher erzeugt. Der Schwingungserzeuger 32 ist an die Recheneinheit
80 angebunden (oder kann auch Teil der Recheneinheit sein) und kann von dieser angesteuert
werden.
[0029] Bei dem Antrieb 50 kann es sich beispielsweise um einen Antrieb mit Kugel-, Rollen-,
Planetengewinde- oder Gewinderollenschraubtrieb oder dergleichen handeln, der dazu
geeignet ist, eine Kraft F zum Eindrücken des Niets 20 in die Bauteile 11, 12 aufzubringen.
An dem Antrieb 50 ist eine Haltevorrichtung 35, beispielsweise in Form eines Rahmens
oder eines Gestells, angebracht. An der Haltevorrichtung 35 ist ein Schwingsystem
39, das vorliegend den Schwingungskonverter 30, einen Booster (Amplitudenverstärker)
31 und den Stempel bzw. die Sonotrode 15 sowie den Niederhalter 16 umfasst, angeordnet.
[0030] Beim Betrieb der Stanznietvorrichtung 10, also beim sog. Ultraschall-Stanznieten,
kann es durch die hochfrequente Längsschwingung des Fügewerkzeuges, d.h. Sonotrode
15, Booster 31 und Schwingungskonverter 30, zu einem seitlichen Abwandern bzw. Abknicken
oder Ausweichen des Fügewerkzeugs kommen. Dies wird durch hohe seitliche Querkräfte
hervorgerufen, welche durch eine hämmernde bzw. schlagende Bewegung des Stempels 15
auf den Niet 20 oder durch eine schwingende Bewegung des Stempels 15 in Dauerkontakt
mit dem Niet 20 jeweils in Kombination mit geringsten Unebenheiten (wie beispielsweise
Bauteilradien, unebene Bleche, unzureichend eingestellte bzw. gefertigte Werkzeugfluchtung,
Aufbiegung des Bügels bzw. Rahmens, unsymmetrischer Aufbau des Bügels und dergleichen
auftreten können) und kann die Werkzeugstandzeit und die Fügepunktqualität negativ
beeinträchtigen.
[0031] Solche Querkräfte sind in Figur 2 beispielhaft mit F
Q bezeichnet. Zudem ist in Figur 2 das Verkippen des Fügewerkzeugs bzw. des gesamten
Schwingsystems 39 auch graphisch dargestellt. Derartige Querkräfte sind bei bisherigen,
konventionellen Stanznietvorrichtungen (ohne Schwingungs- bzw. Ultraschallunterstützung)
in diesen Größenordnungen nicht bekannt, da das Fügewerkzeug nicht mit hochfrequenten
Längsschwingungen beaufschlagt wird.
[0032] In den Figuren 3a bis 6 sind schematisch erfindungsgemäße Stanznietvorrichtungen
in verschiedenen bevorzugten Ausführungsformen dargestellt. Die grundlegenden Komponenten
dieser Stanznietvorrichtungen entsprechen den Komponenten der Stanznietvorrichtung
10 gemäß Figur 2 und sind insoweit auch mit den gleichen Bezugszeichen versehen. Insofern
sei auch auf die dortige Beschreibung verwiesen. Der Übersichtlichkeit sind jedoch
teils einzelne Komponenten nicht dargestellt.
[0033] In Figur 3a ist schematisch eine erfindungsgemäße Stanznietvorrichtung 200 in einer
bevorzugten Ausführungsform dargestellt. Hierbei ist eine Antriebs- und Führungseinheit
70 vorgesehen, die als Komponenten den Antrieb 50 sowie eine Führungseinrichtung 75
aufweist. Die Führungseinrichtung 75, hier beispielhaft rohrförmig mit rundem Querschnitt,
ist dabei an dem Rahmen angeordnet. Denkbar ist, dass die Führungseinrichtung integral
mit dem Rahmen ausgebildet ist, ebenso kann die Führungseinrichtung 75 aber auch auf
geeignete Weise an dem Rahmen befestigt werden.
[0034] Das Schwingsystem 39 ist in einer Halterung 35 angeordnet, welche vergleichbar der
in Figur 2 gezeigten Halterung sein kann. Hier ist das Schwingsystem 39 jedoch mittels
der Halterung 35 in der Führungseinrichtung 75 und damit auch in der Antriebs- und
Führungseinheit 70 geführt. Dies erfolgt hier mittels geeigneter Lager wie Rollen-,
Kugel- oder Gleitlager.
[0035] Der Antrieb 50 wiederum ist an dem Rahmen angeordnet und weist einen Hebel 51 auf,
der zum einen drehbar, beispielsweise mittels eines geeigneten Gelenks an der Führungseinrichtung
75 angebracht, und zum anderen an die Halterung 35 und damit an das Schwingsystem
39 gekoppelt ist. Zudem ist der Antrieb 50 entsprechend an dem Hebel 51 befestigt.
Der Antrieb 50 kann im Übrigen, d.h. insbesondere hinsichtlich seiner Funktionsweise,
wie in Bezug auf Figur 2 erläutert ausgebildet sein.
[0036] Auf diese Weise ist das Schwingsystem 39 also besonders stabil in Fügerichtung R
führbar und bewegbar. Insbesondere können etwaige, aus Querkräften resultierende Verkippungen
oder Aufbiegungen vermieden oder zumindest reduziert werden. Dies liegt insbesondere
in der besonders stabil ausgestaltbaren Führungseinrichtung 75 begründet, wie dies
eingangs bereits näher erläutert wurde.
[0037] In Figur 3b ist die Stanznietvorrichtung 200 in einer Draufsicht gezeigt. Hierbei
ist insbesondere der runde Querschnitt der rohrförmigen Führungseinrichtung 75 mit
einer Mittelachse A zu sehen. Weiterhin ist zu sehen, dass die Halterung 35, welche
das Schwingsystem 39 trägt, ebenfalls einen runden Querschnitt aufweist. Auch einige
oder alle Teile des Schwingsystems 39 können jeweils einen runden Querschnitt, vorzugsweise
alle mit derselben Mittelachse A, aufweisen.
[0038] Zudem gezeigt ist eines der Lager mit Lagerelementen 76, beispielsweise Kugeln, die
hier um den Umfang verteilt sind, wodurch eine besonders gleichmäßige und damit stabile
Führung erreicht wird.
[0039] Es sei angemerkt, dass das Schwingsystem ggf. auch ohne die Halterung 35 in der Führungseinrichtung
75 bzw. der Antriebs- und Führungseinheit 70 geführt sein kann, zumal hier eine Führungseinrichtung
mit rundem Querschnitt verwendet wird.
[0040] In Figur 4a ist schematisch eine erfindungsgemäße Stanznietvorrichtung 300 in einer
weiteren bevorzugten Ausführungsform dargestellt. Im Unterschied zu der Stanznietvorrichtung
200 gemäß den Figuren 3a und 3b ist der Antrieb 50 als Teil der Antriebs- und Führungseinheit
70 in die Führungseinrichtung 75 integriert und dabei insbesondere als Linearantrieb
ausgebildet.
[0041] In Figur 4b, die die Stanznietvorrichtung 300 in einer Draufsicht zeigt, ist insbesondere
zu sehen, dass der Querschnitt der rohrförmigen Führungseinrichtung 75 rechteckig
ist. Während die Lager 76 hier an zwei gegenüberliegenden Seiten angeordnet sind,
sind an den beiden anderen Seiten jeweils Komponenten des Antriebs bzw. Linearantriebs
50 angeordnet. In diesem Fall wird die gleichmäßige und stabile Führung durch ein
Zusammenspiel der Lager 76 mit dem Antrieb 50 selbst erreicht.
[0042] Da das Schwingsystem in aller Regel einen runden Querschnitt aufweist, ist hier der
Einsatz der Halterung 35 zweckmäßig. Durch die Halterung 35, die dann einen rechteckigen
Querschnitt aufweisen kann, ist eine möglichst gute Führung durch die Führungseinrichtung
75 und damit die Antriebs- und Führungseinheit 70 möglich.
[0043] Im Übrigen, d.h. insbesondere für andere Komponenten als den Antrieb 50, sei an dieser
Stelle auch auf die Figuren 3a und 3b mit zugehöriger Beschreibung verwiesen, die
hier entsprechend gelten.
[0044] In Figur 5 ist schematisch eine erfindungsgemäße Stanznietvorrichtung 400 in einer
weiteren bevorzugten Ausführungsform dargestellt. Bei der Antriebs- und Führungseinheit
70 sind hier - im Gegensatz zu den Stanznietvorrichtungen 200 und 300 - Antrieb und
Führung baulich kombiniert. Insbesondere dient der Antrieb 50 selbst, der hier als
hydraulischer Antrieb ausgebildet und an dem Rahmen 60 befestigt bzw. angeordnet ist,
als Führung.
[0045] Der Antrieb 50 weist dabei insbesondere einen Zylinder 52 mit einem darin beweglich
angeordneten Kolben 55 auf. An den Anschlüssen 53 und 54 kann der Antrieb 50 mit einem
geeigneten Hydraulikfluid versorgt werden.
[0046] Der Kolben 55 bildet hierbei diejenige Komponente, an der das Schwingsystem 39 in
Bezug auf die Fügerichtung R zentrisch angeordnet ist, also die erwähnte erste Komponente,
und der Zylinder 52 bildet die zweite Komponente der Antriebs- und Führungseinheit
70, die die erste Komponente bzw. den Kolben 55 in einem sich in Fügerichtung erstreckenden
Abschnitt umschließt. Das Schwingsystem 39 kann dabei auf geeignete Weise an dem Kolben
55 befestigt sein. Denkbar ist auch hier die Verwendung einer geeigneten Halterung.
[0047] In Figur 6 ist schematisch eine erfindungsgemäße Stanznietvorrichtung 500 in einer
weiteren bevorzugten Ausführungsform dargestellt. Die Stanznietvorrichtung 500 entspricht
im Grunde der Stanznietvorrichtung 400 gemäß Figur 5, jedoch ist zusätzlich eine getrennt
von dem Antrieb 50 ausgebildete Führungseinrichtung 75 vorgesehen, die an dem Rahmen
60 angeordnet sein kann.
[0048] Damit werden die durch den Antrieb 50 selbst bereitgestellte Führung und die Führung
mittels der Führungseinrichtung 75 kombiniert, sodass eine noch gleichmäßigere und
stabilere Führung ermöglicht wird. Die Führungseinrichtung 75 kann dabei vergleichbar
der Führungseinrichtung der Stanznietvorrichtung 200 ausgebildet sein, ggf. jedoch
angepasst in der Länge in Fügerichtung R.
[0049] Ebenso kann hier zusätzlich, wie bei der Stanznietvorrichtung 200, eine Halterung
für das Schwingsystem 39 zur Führung in der Führungseinrichtung 75 vorgesehen sein.
Denkbar ist auch die gleichzeitige Verwendung einer solchen Halterung zur Führung
in der Führungseinrichtung 75 und zur Befestigung an dem Kolben 55.
1. Stanznietvorrichtung (200, 300, 400, 500) zum Verbinden wenigstens zweier Bauteile
(11, 12) mittels eines Niets (20), mit einem Stempel (15) und einem Gegenhalter (18),
zwischen welchen die wenigstens zwei Bauteile (11, 12) und der Niet (20) anordenbar
sind, mit einem Schwingsystem (39), aufweisend den Stempel (15) und einen Schwingungskonverter
(30), der mit einem Schwingungserzeuger (32) derart gekoppelt oder koppelbar ist,
dass das Schwingsystem (39) zum Schwingen anregbar ist, und mit einem Antrieb (50),
mittels dessen das Schwingsystem (39) und damit der Stempel (15) mit einer Kraft (F)
beaufschlagbar und in einer Fügerichtung (R) bewegbar sind, um einen zwischen dem
Stempel (15) und einem dem Stempel zugewandten Bauteil (11) der wenigstens zwei Bauteile
angeordneten Niet (20) mittels des Stempels (15) in die wenigstens zwei Bauteile (11,
12) einzudrücken, gekennzeichnet durch eine Antriebs- und Führungseinheit (70) zur Führung des Schwingsystems (39) in Fügerichtung
(R), die den Antrieb (50) aufweist und an einem Rahmen (60) der Stanznietvorrichtung
angeordnet ist, und die das Schwingsystem (39) in einem sich in Fügerichtung (R) erstreckenden
Abschnitt umschließt, und/oder die eine erste Komponente (55) aufweist, an der das
Schwingsystem (39) in Bezug auf die Fügerichtung (R) zentrisch angeordnet ist, und
die eine zweite Komponente aufweist, die die erste Komponente in einem sich in Fügerichtung
(R) erstreckenden Abschnitt umschließt.
2. Stanznietvorrichtung (200, 300, 500) nach Anspruch 1, wobei die Antriebs- und Führungseinheit
(70) eine Führungseinrichtung (75) zur Führung des Schwingsystems (39) aufweist, die
als Teil der Antriebs- und Führungseinheit das Schwingsystem (39) in dem sich in Fügerichtung
erstreckenden Abschnitt umschließt.
3. Stanznietvorrichtung (200, 300, 500) nach Anspruch 2, wobei die Führungseinrichtung
(70) eine von dem Antrieb (50) getrennt ausgebildete Komponente ist.
4. Stanznietvorrichtung (200, 300) nach Anspruch 2 oder 3, wobei das Schwingsystem (39)
unmittelbar oder mittels einer Halterung (35) in der Führungseinrichtung (75) geführt
ist.
5. Stanznietvorrichtung (200, 300) nach einem der Ansprüche 2 bis 4, wobei die Führungseinrichtung
(75) rohrförmig mit rundem oder rechteckigem Querschnitt ausgebildet ist.
6. Stanznietvorrichtung (200) nach einem der Ansprüche 2 bis 5, wobei der Antrieb (50)
an dem Rahmen (50) angeordnet und mittels eines Hebels (51) an das Schwingsystem (39)
gekoppelt ist.
7. Stanznietvorrichtung (300) nach einem der Ansprüche 2 bis 5, wobei der Antrieb (50)
in die Führungseinrichtung (75) integriert ist, und insbesondere als Linearantrieb
ausgebildet ist.
8. Stanznietvorrichtung (400, 500) nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei der Antrieb
(50) als hydraulischer Antrieb mit einem Zylinder (52) und einem Kolben ausgebildet
ist, wobei der Kolben die erste Komponente (55) der Antriebs- und Führungseinheit
bildet, an der das Schwingsystem (39) in Bezug auf die Fügerichtung zentrisch angeordnet
ist, und wobei der Zylinder (52) die zweite Komponente der Antriebs- und Führungseinrichtung
bildet.
9. Stanznietvorrichtung (200, 300, 400, 500) nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei
die Antriebs- und Führungseinheit (70) derart ausgebildet ist, dass ein Angriffspunkt
der von dem Antrieb (50) bereitgestellten Kraft an dem Schwingsystem in einer sich
in Fügerichtung erstreckenden Achse des Schwingsystems (39) liegt.
10. Stanznietvorrichtung (200, 300, 400, 500) nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei
der Schwingungserzeuger (32) als Schallgenerator, insbesondere als Ultraschall-Generator,
ausgebildet ist.