[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Inspektionssystem für Feuerlöschgeräte gemäss
Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Zur Bekämpfung von Bränden in Gebäuden und in Verkehrsmitteln werden häufig stationäre
oder tragbare Feuerlöschgeräte eingesetzt. Diese Feuerlöschgeräte beinhalten ein Löschmittel,
welches im Brandfall bereits unter Druck steht oder unter Druck gesetzt wird und danach
mit einer definierten Durchflussmenge und Geschwindigkeit in Richtung des Brandguts
gespritzt werden soll. Besteht in einem Feuerlöscher kein Druck mehr oder kann der
Druck nicht aufgebaut werden, wird der Feuerlöscher nicht mehr funktionieren. Die
Funktionsfähigkeit der Feuerlöschgeräte muss also regelmässig überwacht werden, um
festzustellen, ob noch Druck vorhanden ist bzw. im Nutzungsfall Druck aufgebaut werden
könnte. Zusätzlich müssen bei bestimmten kritischen Feuerlöscher-Modellen in definierten
Zeitabständen Zustandskontrollen durchgeführt werden.
[0003] Heute sind zwei grosse Familien von Feuerlöschgeräten auf dem Markt erhältlich: Dauerdruck-Feuerlöschgeräte
und Auflade-Feuerlöschgeräte. Bei Dauerdruck-Feuerlöschgeräten stehen der Löschmittelbehälter
und das sich darin befindende Löschmittel dauernd unter Druck, sodass das Feuerlöschgerät
bei Auslösung durch den Benutzer sofort einsatzbereit ist. Bei Auflade-Feuerlöschgeräten
wird im Löschmittelbehälter der nötige Gasdruck in einer separaten Druckflasche gespeichert.
Diese Druckflasche wird bei der Auslösung durch den Benutzer angestochen, so dass
mit dem Überdruck aus der Druckflasche der Betriebsdruck im Löschmittelbehälter erreicht
und das Löschmittel vom Feuerlöschgerät herausgetrieben wird. Der Löschmittelbehälter
und das sich darin befindende Löschmittel stehen also nur im Benutzungsfall unter
Druck.
[0004] Zur Kontrolle der Betriebsbereitschaft und des inneren Drucks von Dauerdruck-Feuerlöschgeräten
werden diese oft mit einem Manometer versehen, wie beispielsweise in der
EP 1 311 323 B1 und in der
EP 2 938 410 B1 beschrieben. Manometer sind allerdings empfindliche Messgeräte, welche über die Jahre
unrichtige Druckwerte vermitteln können. Übliche Manometer bestehen aus beweglichen
Messteilen, welche aufgrund chemischer Reaktionen oder der Einwirkung von Dämpfen
elastisch verformen. Diese Messteile sind mit einem Zeiger oder einem elektronischen
Sensor verbunden, welcher von dieser Bewegung bzw. Verformung einen Druckwert ableitet.
Bei Feuerlöschgeräten stehen die Manometer meistens jedoch jahrelang reglos. Im Laufe
der Zeit kann sich nebst chemischen Reaktionen Kondenswasser im Manometer bilden,
mithin metallische Teile korrodieren können. Bei den bekannten Vorrichtungen besteht
also die Gefahr, dass die Manometer erstarren, nicht immer den aktuellen Druckzustand
vermitteln, und somit ein Druckverlust des Löschmittels nicht festgestellt wird. Ein
weiterer Nachteil der herkömmlichen Dauerdruck-Feuerlöschgeräte ist der Umstand, dass
der Löschmittelbehälter in der Regel aus Metall gefertigt ist. Löschmittelbehälter
aus Metall haben latente Korrosionsrisiken, welche von der Aggressivität des Löschmittels
her rühren. Dauerdruck-Feuerlöschgeräte müssen also regelmässig geöffnet werden, um
den Löschmittelbehälter zu kontrollieren und die Funktion der Manometer zu überprüfen.
[0005] Auflade-Feuerlöschgeräte wurden entwickelt, um das Innenleben des metallischen Löschmittelbehälters
einfacher kontrollieren zu können, da dieser nicht unter dauerndem Druck steht. Auflade-Feuerlöschgeräte
werden je nach Land jährlich oder alle 2 - 3 Jahren geöffnet, um Zustandskontrollen
des Löschmittelbehälters durchzuführen, insbesondere der metallischen Druckflasche.
Nachteilig an dieser Praxis ist der Umstand, dass aufwändige Wartungsarbeiten gemacht
werden müssen, nur um festzustellen, ob die Innenbeschichtung der Löschmittelbehälter
noch in Ordnung ist und ob die Druckflasche noch über einen genügend hohen Druck verfügt
und nicht korrosionsgeschädigt ist. Besonders nachteilig ist ausserdem, dass wenn
die Druckflasche zwischen zwei Wartungsintervallen nicht mehr funktioniert, dies von
aussen nicht erkennbar ist. Das Feuerlöschgerät bleibt also, auch wenn die Druckflasche
nicht mehr funktionstüchtig ist, weiterhin plombiert. Dieser Zustand ist für den Benutzer
täuschend, da dieser bei einem plombierten Feuerlöschgerät davon ausgeht, dass dieser
einwandfrei funktioniert.
[0006] Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass heutige Feuerlöschgeräte regelmässig
geöffnet werden müssen, um festzustellen, ob die Löschmittelbehälter und zusätzlich
bei Auflade-Feuerlöschgeräten auch die inneren Druckflaschen korrodiert und/oder noch
betriebsbereit sind. Dies muss durch einen spezialisierten Fachmann durchgeführt werden
und verursacht hohe Kosten und einen erheblichen logistischen Aufwand.
[0007] Die vorliegende Erfindung stellt sich nunmehr die Aufgabe, ein Inspektionssystem
für Feuerlöschgeräte bereitzustellen, mit welchem das Feuerlöschgerät mit einer einfachen
Sichtkontrolle zuverlässig auf die Einsatzfähigkeit überprüft werden kann.
[0008] Dadurch sollen teure und aufwändige Kontrollarbeiten von einem spezialisierten Fachmann
durch einfache Sichtkontrollen durch den Laien, z. B. den Betreiber, ersetzt werden.
Eine weitere erfindungsgemässe Aufgabe ist die Signalisierung einer allfälligen Funktionsstörung
durch das Inspektionssystem.
[0009] Diese Aufgabe löst ein Inspektionssystem für Feuerlöschgeräte gemäss Oberbegriff
des Patentanspruchs 1. Weitere Merkmale und Ausführungsbeispiele gehen aus den abhängigen
Ansprüchen hervor und deren Vorteile sind in der nachfolgenden Beschreibung erläutert.
[0010] Grundlage der Erfindung ist ein Inspektionssystem für Feuerlöschgeräte mit einer
Inspektionseinrichtung, die den inneren Druckzustand eines korrosionsresistenten Druckbehälters
misst. Bei einem Dauerdruck-Feuerlöschgerät enthält der Druckbehälter direkt das Löschmittel,
bei einem Auflage-Feuerlöschgerät befindet sich der Druckbehälter im Innern des Löschmittelbehälters.
Die Anzeige des internen Druckzustands erlaubt es jedermann, auch dem Laien, ohne
Weiteres festzustellen, ob der Druckbehälter noch unter genügendem Druck steht, und
also ob das Feuerlöschgerät betriebsfähig ist. Erfindungsgemäss sind zwei wesentlichen
Massnahmen zur Verbesserung der herkömmlichen Feuerlöschgeräte insbesondere solche
mit langen Wartungsintervallen mit dem erfindungsgemässen Inspektionssystem vorgesehen:
- die Inspektionseinrichtung mit verbesserten, zuverlässigeren Mitteln zur Kontrolle
des inneren Druckzustands; und
- die Fertigung des Druckbehälters aus korrosionsresistentem Material.
[0011] Diese zwei Massnahmen sind unumgänglich zur Gewährleistung der hohen Zuverlässigkeit
der Druckmessung und -anzeige, wobei aufwändige Kontrollarbeiten hinfällig werden
und durch eine einfache Sichtkontrolle ersetzt werden können. Speziell bei Feuerlöschgeräten
mit langen Wartungsintervallen sind diese Massnahmen Voraussetzung um die Betriebsbereitschaft
jederzeit zu gewährleisten.
Inspektionseinrichtung
[0012] Die Inspektionseinrichtung besteht aus mindestens zwei Messeinrichtungen, z. B. Manometern,
Drucksensoren usw., welche den inneren Druck des Druckbehälters unabhängig voneinander
messen.
[0013] In einer möglichen Ausführungsvariante der Erfindung sind die Messeinrichtungen in
isobaren Bereichen des Druckbehälters angeordnet, mithin sie die gleichen Druckwerte
ermitteln sollten. Eine zu grosse Abweichung zwischen den Druckwerten ist also das
Zeichen einer Fehlfunktion mindestens einer Messeinrichtung oder eines anderen Problems.
[0014] Die Messeinrichtungen können nebeneinander an derselben Stelle oder an zwei separaten
Stellen des Druckbehälters angeordnet werden. In einer besonders vorteilhaften Ausführungsvariante
liegt die Inspektionseinrichtung mit den Messeinrichtungen in Form eines einzelnen
und kompakten Teils vor. Damit die Messeinrichtungen jedoch voneinander möglichst
unabhängig sind und nicht denselben Beschädigungen ausgesetzt werden, ist es vorteilhaft,
wenn sie möglichst nicht im direkten Kontakt miteinander stehen und unterschiedlich
orientiert sind. Idealerweise sind Sie an unterschiedlichen Stellen angebracht und
weisen keine gemeinsamen funktionellen Teile auf. Insbesondere hat jede Messeinrichtung
eine separate Mündung zum Inneren des Druckbehälters, um zu vermeiden, dass ein Teildefekt
gleichzeitig mehrere Messeinrichtungen beeinflusst.
[0015] In einer möglichen Ausführungsvariante der Erfindung ist die Inspektionseinrichtung
mit einer Vergleichseinheit versehen, welche die Druckwerte abliest und miteinander
und/oder mit einem oder mehreren vordefinierten Sollwerten vergleicht. Wenn aus dem
Vergleich hervorgeht, dass eine oder mehrere Messeinrichtungen inkonsistente bzw.
mit dem erwarteten Sollwert nicht übereinstimmende Messwerte angeben, wird eine Fehlermeldung
angezeigt oder ausgelöst.
[0016] Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Inspektionseinrichtung eine Anzeigeeinheit
zum Anzeigen der Messwerte und/oder allfälliger Fehlermeldungen aufweist. Die Anzeigeeinheit
kann beispielsweise ein Zifferblatt mit einem beweglichen Zeiger sein, oder eine Digitalanzeige.
In möglichen Ausführungsvarianten der Erfindung weist die Inspektionseinrichtung zusätzlich
oder stattdessen einen Lautsprecher zum Ausgeben eines akustischen Signals, z. B.
für Fehlermeldungen. In der bevorzugten Ausführungsvariante weist die Inspektionseinrichtung
zusätzlich oder stattdessen eine Übertragungseinheit zur Übertragung der Messwerte
und/oder allfälliger Fehlermeldungen an eine ferne Kontrolleinheit. Je nach Ausführungsvariante
erfolgt die Übertragung der Daten mit einer Kabelverbindung oder drahtlos, z. B. über
eine Wifi oder Bluetooth Verbindung oder ein anderes übliches drahtloses Protokoll.
Die ferne Kontrolleinheit könnte ein Smartphone oder ein Tablet sein, auf welchem
eine entsprechende App zur Kommunikation mit dem erfindungsgemässen Inspektionssystem
installiert ist. Die Übertragung der Daten erfolgt beispielsweise dynamisch, sobald
eine Fehlfunktion erkannt wird, oder auf Abfrage der fernen Kontrolleinheit/Kontrollstelle
oder sogar automatisch, sobald sich die Kontrolleinheit in der Nähe des Inspektionssystems
befindet. So könnte ein Wartungsbeauftragter einfach an den Feuerlöschgeräten, die
mit dem Inspektionssystem versehen sind, vorbeigehen, und automatisch Meldungen oder
Messwerte auf seinem mobilen Gerät (der Kontrolleinheit) erhalten.
Druckbehälter
[0017] Wichtig ist, dass der Druckbehälter aus korrosionsresistentem Material besteht. Weiter
ist bei einem Dauerdruckbehälter wichtig, das sich im Druckbehälter kein Sauerstoff,
sondern ein Edelgas, z. B. Stickstoff befindet, um die langjährige Stabilität des
Löschmittels nicht negativ zu beeinflussen.
[0018] Geeignete korrosionsresistente Materialien für den Druckbehälter sind z. B. Kunststoffe
oder Harze, welche auch in Kombination mit anderen Materialien in Form von Verbundstoffen
eingesetzt werden können. Besonders vorteilhaft ist die Verwendung eines Verbundstoffs
bestehend aus einer flexiblen Matrix mit Verstärkerungsfasern aus einem Material mit
hoher Zug- und Reissfestigkeit. Beispielsweise können PEEK (Polyetheretherketon),
Aramide (insbesondere Kevlar) oder Harze (insbesondere Epoxidharz) für die Herstellung
der verschiedenen Bestandteile des Druckbehälters einzeln oder als Matrix eines Verbundstoffs
benutzt werden. Geeignete Verstärkerungsfasern für Verbundstoffe sind beispielsweise
Aramidfasern (insbesondere Kevlarfasern), PEEK-Fasern oder Kohlenstofffasern (Karbonfasern).
[0019] Mit den vorgestellten Massnahmen wird ein Inspektionssystem für Feuerlöschgeräte
mit Druckbehälter und Inspektionseinrichtung bereitgestellt, mit welchem ein Feuerlöschgerät
mit einer einfachen Kontrolle der Inspektionseinrichtung zuverlässig auf die Einsatzfähigkeit
überprüft werden kann. Dadurch können teure und aufwändige Kontrollarbeiten von einem
spezialisierten Fachmann durch einfache Sichtkontrollen durch den Laien, z. B. den
Betreiber, ersetzt werden. Ausserdem kann eine allfällige Funktionsstörung des Druckbehälters
und des Feuerlöschgeräts durch die Inspektionseinrichtung automatisch an eine ferne
Kontrolleinheit signalisiert werden.
1. Inspektionssystem für Feuerlöschgeräte bestehend aus einer Inspektionseinrichtung
und einem Druckbehälter, wobei die Inspektionseinrichtung eine erste Messeinrichtung
umfasst,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Druckbehälter aus korrosionsresistentem Material besteht, dass die Inspektionseinrichtung
mindestens eine zweite Messeinrichtung umfasst, und dass
der innere Druckzustand des Druckbehälters mit jeder Messeinrichtung unabhängig messbar
ist.
2. Inspektionssystem gemäss Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Druckbehälter ganz oder teilweise aus Kunststoff oder Harz besteht.
3. Inspektionssystem gemäss Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Druckbehälter aus einem Verbundstoff mit einer flexiblen Matrix und Verstärkerungsfasern
aus einem Material mit hoher Zug- und Reissfestigkeit besteht.
4. Inspektionssystem gemäss Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Druckbehälter ganz oder teilweise aus Kevlar oder Karbon besteht.
5. Inspektionssystem gemäss Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Inspektionseinrichtung eine Vergleichseinheit umfasst, mit welcher die Druckwerte
ablesbar und miteinander und/oder mit einem oder mehreren vordefinierten Sollwerten
vergleichbar sind.
6. Inspektionssystem gemäss Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
mit der Inspektionseinrichtung eine Fehlermeldung anzeigbar oder auslösbar ist, wenn
aus dem Vergleich hervorgeht, dass eine oder mehrere Messeinrichtung inkonsistente
bzw. nicht übereinstimmende Messwerte angeben.
7. Inspektionssystem gemäss Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Inspektionseinrichtung eine Anzeigeeinheit aufweist.
8. Inspektionssystem gemäss Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Inspektionseinrichtung einen Lautsprecher zum Ausgeben eines akustischen Signals
aufweist.
9. Inspektionssystem gemäss Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Inspektionseinrichtung eine Übertragungseinheit zur Übertragung von Daten an eine
ferne Kontrolleinheit aufweist.