[0001] Die Erfindung betrifft ein Blatthaltesystem oder eine Ligatur für Holzblasinstrumente,
insbesondere Klarinette oder Saxophon, welches unter Verwendung eines Aufnahmeschuhs
ein Rohrblatt zum Musizieren am Mundstück des Holzblasinstruments verdreh- bzw. verschiebesicher
aufspannt, insbesondere nach Oberbegriff des Anspruchs 7. Ferner betrifft die Erfindung
einen Aufnahmeschuh nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 und eine Verwendung des Blatthaltesystems
(siehe Anspruch 8).
[0002] Als Holzblasinstrumente werden unter anderem Klarinette und Saxophon bezeichnet,
bei denen die Töne mittels eines Rohrblatts erzeugt werden. Für die Tonerzeugung wird
vom Spieler das auf das Mundstück geklemmte Rohrblatt in Schwingung versetzt. In der
direkten Folge überträgt das Rohrblatt seine Schwingung auf den sie umgebenden Instrumentenkorpus
und benutzt diesen als Resonanzkörper. Wie der Name schon sagt, werden die meisten
Rohrblätter aus Schilf-, Pfahl- oder Bambusrohr hergestellt.
[0003] Die Problematik des herkömmlichen Aufspannens eines Rohrblatts ergibt sich durch
die Tatsache, dass drei Elemente: erstens Mundstück, zweitens Rohrblatt und drittens
Aufspannvorrichtung (diese wird auch Blattschraube oder Ligatur genannt) gleichzeitig
mit lediglich zwei Händen möglichst rasch und präzise in Übereinstimmung, d.h. in
eine vorgesehene Position zueinander, gebracht werden müssen. Das Rohrblatt wird mit
einem Blatthalter am Mundstück zum Musizieren befestigt. Dabei ist die genaue Platzierung
des Rohrblatts auf der dafür vorgesehenen Auflagefläche am Mundstück entscheidend.
So muss die Vorderkante des Rohrblatts in etwa bündig mit der Vorderkante des Mundstücks
abschließen, damit das Instrument überhaupt musikalische Töne erzeugen kann. Gleichzeitig
haben die genaue Lage des Rohrblatts auf dem Mundstück, die Lage des Blatthalters
auf dem Rohrblatt und die Anpresskraft, die der Blatthalter auf das Rohrblatt ausübt,
einen großen Einfluss auf den individuellen Klang des Musikinstruments. Musiker sind
also stets daran interessiert, durch reproduzierbares Positionieren des Rohrblatts
einen individuellen und reproduzierbaren Klang zu erhalten.
[0004] Für den individuellen Klang des Instruments ist auch entscheidend, wo und wie die
Aufspannvorrichtung des Blatthaltesystems das Rohrblatt am Mundstück befestigt. Neben
Größe und Platzierung der Kontaktbereiche zwischen Aufspannvorrichtung und Mundstück
ist dabei auch das Material der Aufspannvorrichtung wichtig. Nach dem heutigen Stand
der Technik haben die allermeisten Aufspannvorrichtungen einen engen, umschlingenden
Kontakt zum Mundstück. Die Aufspannvorrichtungen bestehen vielfach aus Leder, gummihaltigem
Gewebe oder Stoff- bzw. Kunststoffgewebe. Diese Materialien haben eine starke frequenzhemmende
bzw. -dämpfende Wirkung auf das Mundstück. Metallische Werkstoffe besitzen ein Eigenschwingungsverhalten,
welches nicht in jedem Fall mit dem Schwingungsverhalten des Mundstücks übereinstimmt.
Wenn die Aufspannvorrichtung nun einen frequenzdämpfenden Einfluss auf das Mundstück
hat, wirkt sich dies vor allem hemmend auf das Ansprechverhalten des Instruments,
insbesondere beim Erzeugen hoher Töne aus. Unter dem Ansprechverhalten ist die Verzugszeit
zu verstehen, mit der ein gewünschter Ton hörbar wird. Die Erzeugung hoher Töne ist
grundsätzlich schwieriger als das Erzeugen tiefer Töne. Nach dem Musizieren wird das
Rohrblatt vom Mundstück entfernt und die Teile werden getrennt aufbewahrt. Das Musizieren
erfordert somit häufige Montage- und Demontagevorgänge von Rohrblatt und Mundstück.
Insbesondere für Musiker mit fehlender Routine, z.B. Kinder, ist dies eine zeitaufwendige
und fehleranfällige Prozedur.
[0005] Zudem ist das Rohrblatt je nach Ausführungsform des Blatthalters einem erheblichen
Verschleiß ausgesetzt, sofern bspw die Spitzen von Feststellschrauben Druckstellen
im Rohrblatt hinterlassen. Dies macht ein häufiges Auswechseln des Rohrblatts notwendig.
Außerdem wird dadurch ein Nachjustieren des Rohrblatts erschwert, weil die linien-
oder punktförmigen Druckkontakte zwischen Blatthalterung und Rohrblatt wieder in,
noch von früheren Aufspannvorgängen existierende, Druckstellen im Rohrblatt zurückgleiten.
Auch sind negative Auswirkungen der Deformierung auf die Klangqualität anzunehmen.
Das Bestreben, Rohrblätter einfach, reproduzierbar, verschleißarm und einen individuellen
Klang erhaltend, einzuspannen und natürlich ästhetische Ansprüche für Bühnenmusiker
haben zu Blatthaltesystemen in den verschiedensten Ausführungsformen geführt. Oftmals
ist dabei auch das Mundstück des Musikinstruments modifiziert worden.
[0006] Des Weiteren gibt es im Bereich der Herstellung von Mundstücken für unterschiedliche
Holzblasinstrumente (Klarinette, Es-Saxophon, Bariton-Saxophon und dergleichen) keine
Norm für die Außenmaße der Mundstücke. So ist es bei der Entwicklung einer neuen Ligatur
typischerweise eine Herausforderung, einen Klemm-Mechanismus zu finden, der für möglichst
viele unterschiedliche Durchmesser einsetzbar ist. Die meisten Hersteller für Ligaturen
unterteilen ihre Produkte, ähnlich wie bei Textilien, in die Größen S (Small), M (Medium),
L (Large) und XL (Extra Large). Beim Kauf einer neuen Ligatur muss der Musiker sein
Mundstück zur Hand haben, um die richtige Größe auszuwählen.
[0007] Beinhaltet die Ligatur eine als Spanngurt und/oder Spannriemen und/oder Textilschlaufe
und/oder Gewebeschlaufe gestaltete Spannvorrichtung mit einer Feststellschraube zum
Aufspannen des Rohrblatts am Mundstück, so bietet eine zu groß dimensionierte Ligatur
keinen Halt am Mundstück, während das Gewinde der Feststellschraube einer zu klein
dimensionierten Ligatur unter Umständen das Mundstück verkratzt.
[0008] Die
EP 0 847 575 B1 offenbart ein Blatthaltesystem mit einem gerippten/gewellten Fixierblech, welches
das Rohrblatt an den Rippen gegen die vorgesehene Auflagefläche am Mundstück anpresst.
Dadurch, dass dieses Fixierblech austauschbar ist, können verschiedene Materialien
für das Fixierblech eingesetzt werden, um eine bestimmte Klangfarbe zu erreichen.
[0009] Die
US 2014 / 0 305 279 A1 beschreibt eine Ligatur mit einer Druckplatte für ein Rohrblatt mit einer oder zwei
Drehachsen, womit die Ausrichtung der Kraft zum Andrücken des Rohrblatts mit der Druckplatte
an den konischen Winkel des Mundstücks angepasst wird. Hierbei übt die Druckplatte
ausschließlich einen Druck auf den Rücken des Rohrblatts aus, und zwar nur dann, wenn
dieses bereits auf der Auflagefläche des Mundstücks aufliegt.
Die
US 2009 / 288 554 A1 betrifft ebenfalls eine Ligatur, welche an verschiedene Mundstücke angepasst werden
kann. Zu diesem Zweck wird in einem einmalig durchgeführten Montagevorgang ein Rohrblatt
mit einer Druckplatte auf die vorgesehene Fläche am Mundstück angedrückt. Ein Band
wird anschließend um das Mundstück herumgewickelt und an der passenden Länge abgeschnitten.
[0010] Die
DE 20 2015 000 307 U1 offenbart einen Blatthalter für ein Holzblasinstrument mit einem Anlageelement aus
verholztem Süßgras zur Ausübung eines, mittels der durch ein Aufspannmittel bereitgestellten
Spannkraft, Drucks auf das Rohrblatt. Der Druck wird hierbei ausschließlich auf den
Rücken des Rohrblatts ausgeübt.
[0011] Die
US 5,000,073 A beschreibt unter anderem ein Herstellungsverfahren für eine Ligatur, welche im Wesentlichen
aus einem ausgestanzten Metallband besteht, welches mit Rippen versehen ist, die in
Umfangsrichtung um das Mundstück herum verlaufen. Durch diese Rippen soll die Kontaktfläche
zum Rohrblatt und auch zum Mundstück minimiert werden.
[0012] In der
US 1,525,105 A ist ein Blatthaltesystem in fester Verbindung mit dem Mundstück dargestellt. Die
Ausbildung des Mundstücks weist eine nichtmetallische Hülle auf und eine Metallbuchse,
die eng in den Durchmesser der Hülle eingepasst ist, als Befestigung. Durch diese
metallische Innenbuchse ist das Rohrblatt über Schraubverbindungen fest mit dem Mundstück
fixierbar. Das Blatthaltesystem ist jedoch, da fest verbunden mit dem Mundstück, nicht
universell auf anderen Mundstücken einsetzbar.
[0013] Die
US 2004 / 0 177 743 A1 soll die Berührung zwischen Blatthaltesystems und Rohrblatt reduziert werden. Dabei
ist unter anderem vorgesehen, verschiedene mit Kanten und Vorsprüngen, ausgebildete
Druckplättchen zu verwenden.
[0014] Die
US 2009 / 10 217 798 A1 beschreibt eine Ligatur mit einem flexiblen, dehnbaren Gurtmaterial, welches in Längsrichtung
großflächigen Kontakt mit dem Rohrblatt ausbildet, um den Druck auf das Rohrblatt
zu minimieren und die bei der Tonbildung entstehenden Vibrationen, welche sich auf
das Mundstück und auf das gesamte Instrument ausbreiten, zu verhindern bzw. zu dämpfen.
Insbesondere soll durch diese Ligatur auch noch Gewicht reduziert werden.
[0015] Diese Ligatur aus der
US 1,801,421 A ist eine häufig verwendete Standard-Ligatur. Aufgrund der vielen - nicht standardisierten
- Mundstückgrößen (Durchmesserunterschiede), die unablässig auf den Markt kommen,
ist diese Ausführung nur sehr begrenzt einsetzbar. Als Abhilfe wurden, wie bereits
oben beschrieben, verschiedene Größen eingeführt. Die flexible Nutzung ist jedoch
eingeschränkt.
[0016] In der
DE 100 15 108 A1 ist ein neues Blatthaltesystem in ein Mundstück fest integriert. Metallische Bauteile,
welche nicht zueinander fest verspannt sind, neigen bei der Resonanzbildung (Tonerzeugung)
zum "Rasseln", sobald die Eigenfrequenz erreicht wird. Das Rohrblatt ist von der Mundstückvorderkante
aus gegen den Widerstand einer spannenden Blattfeder einzuschieben. Nachteilig ist,
dass die Schiebekraft nur auf das Rohrblatt an seiner empfindlichsten Zone - der Blattvorderkante
- ausgeübt werden kann.
[0017] Die
US 2012 / 0 085 218 A1 offenbart eine Ligatur aus Ebonit zur Verbesserung der Klangqualität, mit einem konisch
zulaufenden Hohlzylinder, der von Spannfelgen umgeben ist.
[0018] Damit eine Spannvorrichtung mit einer Feststellschraube für unterschiedlich große
Mundstücke geeignet ist, sind aus dem Stand der Technik Ligaturen mit zusätzlichen
Stellschrauben bekannt, die einen Mindestabstand zwischen Mundstück und Feststellschraube
gewährleisten. Nachteilig ist hier die Montageprozedur zum Aufspannen des Rohrblatts,
die eher für geübte Musiker geeignet ist.
[0019] Weiter bekannt aus dem Stand der Technik ist ein Spanndraht bzw. eine Spannschnur
bzw. eine Spannkordel, mit dem oder der ein Rohrblatt an einem Mundstück quasi "festgebunden"
werden kann. Vom Prinzip ist es vergleichbar mit einem klassischen Schnürschuh, der
mit Schnürsenkeln/Schnürbändern gespannt wird. Durch den Draht, die Schnur oder die
Kordel ist eine gleichmäßige Kraft auf das Rohrblatt ausübbar und es kann ein großer
Spannbereich abgedeckt werden. Nachteilig ist hier, dass ein derartiges Montagematerial
nicht formstabil ist, womit auch hier die Montage eines Rohrblatts für Kinder und
Anfänger ungeeignet ist.
[0020] Die
WO 2017 029 454 A1 offenbart eine Ligatur für ein Holzblasinstrument vom mit einem Sockel. Der Sockel
hält ein Rohrblatt mittels Federn, die auf die Seitenflächen des Rohrblatts einen
Druck ausüben. Dafür liegen zwei gebogene Blattfedern vor, die jeweils an beiden Enden
mit dem Sockel befestigt sind. Zwischen den Befestigungspunkten wölbt sich die Blattfeder
in das Innere des Sockels und kann dadurch das Rohrblatt festhalten.
[0021] Nachteilig ist den Ligaturen aus dem Stand der Technik ebenfalls, dass die verwendeten
Fixierbleche oder Druckplatten meist keine seitliche formschlüssige oder kraftschlüssige
Führung für das Rohrblatt bietet. Auch erzeugen die Rippen Druckstellen auf der dem
Mundstück abgewandten Seite des Rohrblatts, welche ein nachträgliches Verschieben
des Rohrblatts auf dem Mundstück relativ zum Blatthalter sehr erschweren. Außerdem
ist das Austauschen des Fixierblechs oder der Druckplatte für ungeübte Musiker durch
die Montage bzw. Demontage mehrerer Kleinteile langwierig und fehleranfällig.
[0022] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, den Stand der Technik von Blatthaltesystemen
für Holzblasinstrumente zu verbessern und eine Vorrichtung und ein Verfahren bereitzustellen,
wobei mit einer Ligatur verschieden große Rohrblätter auf verschieden große Mundstücke
einfach und reproduzierbar montierbar sind oder montiert werden können. Zur Lösung
der Aufgabe werden das Blatthaltesystem in Anspruch 7, der Aufnahmeschuh in Anspruch
1 und die Verwendung des Blatthaltesystems gemäß Anspruch 8 vorgeschlagen. Optionale,
vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen,
sowie aus einer Kombination mit den jeweiligen Merkmalen der Ansprüche und/oder der
nachfolgenden Beschreibung. Es ist ferner darauf hinzuweisen, dass die in der nachfolgenden
Beschreibung einzeln aufgeführten Merkmale sowie Maßnahmen in beliebiger, technisch
für Musiker sinnvollen Weise miteinander kombiniert werden können und weitere Ausgestaltungen
der Erfindung aufzeigen. Die Beschreibung charakterisiert und spezifiziert die Erfindung
insbesondere im Zusammenhang mit den Figuren zusätzlich.
[0023] Die Erfindung ist ein Blatthaltesystem, insbesondere für Holzblasinstrumente wie
Klarinette oder Saxophon. Dieser Blatthalter weist einen Aufnahmeschuh auf, welcher
ein Rohrblatt am Mundstück des Holzblasinstruments beim Musizieren durch Ausübung
einer auf das Rohrblatt wirkenden Druckkraft, eine sogenannte Anpresskraft, fixiert.
Dabei wird das Rohrblatt verdreh- bzw. verschiebesicher aufgespannt, sodass die Symmetrieachse
oder Längsrichtung des Rohrblatts mit einer Symmetrieachse oder Längsrichtung der
für das Rohrblatt vorgesehenen Auflagefläche des Mundstücks zur Deckung kommt und
die Vorderkante des Rohrblatts in etwa bündig mit der Vorderkante des Mundstücks abschließt.
Dies erreicht der Aufnahmeschuh dadurch, dass er zur kraftschlüssigen Aufnahme des
Rohrblatts und/oder zur Ausbildung eines Formschlusses mit wenigstens einer Seitenfläche
des Rohrblatts geeignet oder ausgebildet ist.
[0024] Der erfindungsgemäße Aufnahmeschuh ist bereits im Blatthaltesystem ausgerichtet und
befestigt. Beim Aufspannen des Rohrblatts ist zunächst dieses in den Aufnahmeschuh
aufgenommen und von diesem in Position festgehalten. Im nächsten Schritt ist das Blatthaltesystems
inkl. Aufnahmeschuh und Rohrblatt als Einheit auf das Mundstück aufgeschoben. Letztlich
muss diese Einheit nur noch in Längsachse bzw. der Symmetrieachse verschiebbar sein,
so dass die Vorderkante des Rohrblatts in etwa mit der des Mundstücks abschließt.
Erst die Verbindung des neuen, erfindungsgemäßen Aufnahmeschuhs gegebenenfalls mit
einem herkömmlichen Blatthaltesystem, ergibt eine hilfreiche, sichere und schnelle
Handhabung der Ligatur, welche auch von Ungeübten oder Kindern leicht beherrschbar
ist.
[0025] Das Blatthaltesystem umfasst die Eignung für eine Vormontage-Anordnung (vgl. insbesondere
Figuren 6a, 6b und 14) bzw. die Verwendung als auf das Mundstück montierbare Vormontage-Anordnung,
wobei unter Vormontage-Anordnung eine kraftschlüssige und/oder formschlüssige Kopplung
von Rohrblatt und einem dieses haltenden Aufnahmeschuhs zu verstehen ist, noch bevor
das Blatthaltesystem mit dem Rohrblatt auf das Mundstück aufgeschoben ist. Bei dieser
Vormontage-Anordnung ist das Rohrblatt bereits vor der Kopplung mit dem Mundstück
in seiner endgültigen Relativposition zu dem Blatthaltesystem mit dem Aufnahmeschuh
oder dem Blatthaltesystem in dem Blatthaltesystem positioniert und kraftschlüssig
und/oder formschlüssig mit diesem gekoppelt. Sowohl die kraftschlüssige als auch die
formschlüssige Kopplung kann von den seitlichen Begrenzungswandungen des Aufnahmeschuhs
ausgehen. Entweder sind die Seiteninnenflächen der Begrenzungswandungen an den konischen
Verlauf des Rohrblatts angepasst und/oder die Begrenzungswandungen weisen Einrichtungen
zur Ausübung einer Druckkraft auf die Seitenflächen des Rohrblatts auf. Das Rohrblatt
kann nicht mehr selbstständig aus dem Blatthaltesystem herausfallen, wodurch der Musiker
beide Hände für das Aufschieben auf das Mundstück und den Spannvorgang, bspw an der
Feststellschraube, zur Verfügung hat. Die Möglichkeit der Vormontage hat den unschätzbaren
Vorteil für den Anwender, dass er sozusagen das Rohrblatt auf dem Mundstück in Position
bringen kann und damit alle "Richtarbeiten" vorweggenommen hat.
[0026] Die Spannvorrichtung für das Blatthaltesystem kann als Riemen bzw. Gurt, bspw aus
Leder bzw. Kunststoff, oder als federelastisches/dauerelastisches Band, beispielsweise
aus Metall bzw. Kunststoff ausgeführt sein. Die notwendige Spannkraft zum Fixieren
des Blatthaltesystems wird durch eine Feststellschraube bereitgestellt, welche die
beiden Enden des Riemens bzw. Bandes typischerweise an der dem Rohrblatt abgewandten
Seite des Mundstücks miteinander verbindet. Durch die Spannkraft der Feststellschraube
wird eine Druckkraft auf den Aufnahmeschuh ausgeübt, welche wiederum das Rohrblatt
auf die Auflagefläche des Mundstücks aufpresst. Zusammen mit dem formschlüssigen und/oder
kraftschlüssigen Eingriff des Rohrblatts mit dem Aufnahmeschuh und einer Arretiervorrichtung
zwischen Aufnahmeschuh und Riemen oder Band bleibt das Rohrblatt auch während dem
Musizieren verdreh- bzw. verschiebesicher aufgespannt, sodass die Symmetrieachse oder
Längsachse des Rohrblatts mit der Symmetrieachse oder Längsachse der Auflagefläche
des Mundstücks zur Deckung kommt und die Vorderkante des Rohrblatts in etwa bündig
mit der Vorderkante des Mundstücks abschließt.
[0027] Eigenständiger Erfindungsschutz wird beansprucht für den Aufnahmeschuh für das oben
beschriebene Blatthaltesystems, wobei der Aufnahmeschuh eine Einrichtung zur kraftschlüssigen
Kopplung mit dem Rohrblatt und/oder zur Ausbildung eines Formschlusses mit wenigstens
einer Seitenfläche des Rohrblatts aufweist.
[0028] Die kraftschlüssige Aufnahme oder Kopplung wird in einer vorteilhaften Weiterbildung
der Erfindung dadurch bereitgestellt, dass der Aufnahmeschuh reversibel elastische
Elemente aufweist und/oder mit dauerelastisch verformbarem Material versehen ist,
wobei sich das Material und/oder das entsprechende Element bei Einlegen des Rohrblatts
durch Verformung mittelbar oder unmittelbar an die Seitenflächen des Rohrblatts anpasst.
Unter mittelbarer Anpassung ist zu verstehen, dass die Kontaktflächen des Aufnahmeschuhs
zu den Seitenflächen des Rohrblattes mit starrem Material gebildet sind und sich das
dauerelastische Material von den Seitenflächen des Rohrblattes abgewandt oder beabstandet
in den Begrenzungswandungen des Aufnahmeschuhs befindet, ohne direkten Kontakt mit
den Seitenflächen des Rohrblattes auszubilden. Bei geeigneten elastischen Eigenschaften
wenigstens von Teilen des Aufnahmeschuhmaterials können die Seiteninnenflächen des
Aufnahmeschuhs auch parallel zur Symmetrieachse der gewölbten inneren Auflagefläche
des Aufnahmeschuhs verlaufen. Beim Einlegen des Rohrblatts in den Aufnahmeschuh verformen
sich die Begrenzungswandungen entsprechend den konisch zueinander zulaufenden Seitenflächen
des Rohrblatts.
[0029] Erfindungsgemäß ist die Eignung des Blatthaltesystems für eine Vormontage-Anordnung
mit wenigstens einem Federbügel oder sonstigem elastischem Bügel, bspw aus Metall
oder Kunststoff, realisiert. Dieser Federbügel kann mit federelastischem, bspw gewalztem,
Flachmaterial, bspw Federstahl, Messing oder Kunststoff gebildet sein. In einer ersten
Ausführungsform sind die Bügel als Biegefedern ausgebildet. Vergleichbar mit einer
halbelliptischen Blattfeder aus dem Kraftfahrzeugbau, ist die Biegefeder mittig an
einem Auflagerpunkt drehbar gelagert. Die Enden der Biegefeder bilden beim Einlegen
des Rohrblatts in den Aufnahmeschuh Kontaktpunkte mit den Seitenflächen des Rohrblatts
aus (vgl. Figur 6b). Dabei biegt sich die Feder durch, in dem die Krümmung der Feder
abnimmt. Dadurch übt der Bügel an diesen Kontaktpunkten einen Kraftschluss mit den
Seitenflächen des eingelegten Rohrblatts aus.
[0030] In einer dazu alternativen Ausführungsform ist der Federbügel oder der sonstige elastisch
biegbare Bügel eingelassen in eine der beiden Begrenzungswandungen des Aufnahmeschuhs,
wodurch die jeweilige Seiteninnenfläche der entsprechenden Begrenzungswandung unterbrochen
ist. Der Federbügel ist geeignet zur Ausbildung eines Kraftschlusses durch Einwirkung
mit einer Druckkraft, insbesondere unter Wölbung des Bügels bei gleichzeitiger Ausbildung
von zwei Kontaktpunkten, auf die angrenzende Seitenfläche eines einzulegenden Rohrblatts
(vgl. Figur 6a). Die nicht unterbrochenen Begrenzungswandungen sind komplementär zur
Form des Rohrblattes in seinem Spannbereich gestaltet und stehen zusätzlich und/oder
alternativ für einen Formschluss mit dem Rohrblatt zur Verfügung. Mit einer derartigen
Vormontage-Anordnung ist gleichzeitig ein Kraftschluss und ein Formschluss zwischen
Rohrblatt und Blatthaltesystem realisierbar und damit ist die verrutsch- bzw. verschiebesichere
Montage des Rohrblatts auf das Mundstück erheblich erleichtert.
[0031] Vorzugsweise liegt das Rohrblatt mit seiner gewölbten Oberfläche entlang seines Spannbereichs
im Aufnahmeschuh auf einer inneren Auflagefläche auf, welche als formschlüssig gewölbtes
Gegenstück zur Fläche des Rohrblatts ausgebildet ist. Diese Auflagefläche erstreckt
sich teilweise oder vollständig über die Länge des gewölbten Spannbereichs des Rohrblatts.
Dadurch entstehen auch keine Druckstellen im Rohrblatt. An den seitlichen Rändern
der gewölbten inneren Auflagefläche des Aufnahmeschuhs befinden sich optional Begrenzungswandungen
zur formschlüssigen Führung des Rohrblatts. Die Seiteninnenflächen dieser Wandungen
sind dann so ausgeformt und angeordnet, dass sie formschlüssig bzw. komplementär an
den konisch zueinander zulaufenden Seitenflächen in dem Spannbereich des Rohrblatts
oder in Teilen davon anliegen. Die formschlüssige Aufnahme wird dadurch realisiert,
dass der Aufnahmeschuh zum teilweisen, formschlüssigen Umfassen des Rohrblatts gestaltet
ist.
[0032] Die marktüblichen Rohrblätter unterliegen gewissen Maßtoleranzen bzw. Fertigungstoleranzen.
Einzelne Maße können daher für einen ausschließlich formschlüssigen, starr ausgebildeten
Aufnahmeschuh zu groß oder zu klein ausfallen. Um für eine formschlüssige Aufnahme
dennoch jedes marktübliche Rohrblatt für jede gewünschte Position verwenden zu können,
bieten sich Ausführungsformen mit einer integrierten Einrichtung zur Toleranzanpassung
an, welche die Fertigungstoleranzen ausgleichen. Durch Hinzufügen von Nuten und/oder
Einkerbungen an Innen- und Außenflächen des Aufnahmeschuhs, welche parallel und zugleich
paarweise achsensymmetrisch zur Symmetrieachse der gewölbten inneren Auflagefläche
des Aufnahmeschuhs linienförmig über die gesamte Länge des Aufnahmeschuhs verlaufen,
erhält der Aufnahmeschuh einen mäanderförmigen Querschnitt. Dadurch weist der Aufnahmeschuh
eine Eigenfederung auf, bei der die Seiteninnenflächen der Begrenzungswandungen als
Schenkel einer sogenannten Mäanderfeder fungieren und auch bei Maßtoleranzen formschlüssig
an den Seitenflächen des Rohrblatts anliegen.
[0033] Soll eine Federwirkung für Aufnahmeschuhe aus Holz oder Plastik realisiert werden,
sind in die Begrenzungswandungen elastische Federbügel eingelassen. Sie verlaufen
bevorzugt paarweise achsensymmetrisch zu der Symmetrieachse der gewölbten inneren
Auflagefläche des Aufnahmeschuhs. Beim Einlegen des Rohrblatts in den Aufnahmeschuh
wölben sich diese Federbügel elastisch und vorzugsweise wellenförmig unter der Realisierung
einer punktförmigen Auflage, unabhängig von Toleranzabweichungen des Rohrblatts. Die
Federbügel können dabei zwischen 0,1 mm und mehr als 1 mm dick sein, wobei die Dicke
auch von der Wahl der Materialien für die Bügel abhängt. So können die Bügel aus Metall
oder auch aus einem federelastischen Kunststoff bestehen. Die Verformung auch der
Federbügel ist dabei nach der Entnahme des Rohrblatts vollständig reversibel.
[0034] Je nach gewünschter Klangfarbe kann der Aufnahmeschuh aus Holz, aber auch aus einem
duroplastischen bzw. thermoplastischen Kunststoff oder aus Metall bestehen. Insbesondere
kann der Aufnahmeschuh aus demselben Material wie das Mundstück gefertigt sein oder
wie der Resonanzkörper des Musikinstruments. In einer bevorzugten Ausführungsform
ist der Aufnahmeschuh für eine Klarinette daher aus Grenadilholz gefertigt, welches
für den Klarinettenbau üblich ist. Um eine Materialgleichheit mit dem Mundstück herzustellen,
kann der Aufnahmeschuh aus Ebonit, einem Naturkautschuk, hergestellt sein. Sollen
die Seiteninnenflächen der Begrenzungswandungen parallel zueinander verlaufen, muss
der Aufnahmeschuh zumindest in Teilbereichen ein dauerelastisch verformbares Material
aufweisen. Ein bevorzugter Werkstoff hierfür ist Polyurethan oder Hartgummi.
[0035] Neben der einfachen und fehlerfreien Montage des Rohrblatts am Mundstück soll auch
durch die Wahl einer geeigneten Befestigungseinrichtung eine schnelle Austauschbarkeit
des Aufnahmeschuhs im Blatthaltesystem gewährleistet sein, damit der interessierte
Musiker bequem verschiedene Ausführungsformen und -materialien eines Aufnahmeschuhs
durchprobieren kann. Insbesondere wird ein werkzeugloser Austausch des Aufnahmeschuhs,
also ohne den Einsatz von Schraubendrehern oder ähnlichem, angestrebt. Zweckmäßig
ist dazu wenigstens eine Aussparung (bspw in Form einer Bohrung oder einer Tasche)
vorgesehen, welche mithilfe eines stiftförmigen Kleinteils (bspw einer Schraube, einer
Niete, eines Bolzens oder eines Nagels) an einer Spannvorrichtung des Blatthaltesystems
arretiert ist.
[0036] Eigenständiger Erfindungsschutz wird zudem für ein Blatthaltesystem mit einer Distanzhalteeinrichtung
gemäß Anspruch 6 beansprucht. Die Distanzhalteeinrichtung hat es zur Aufgabe, Komponenten
der Spannvorrichtung (wie zum Beispiel einen Lederriemen, ein Metallband oder eine
Feststellschraube) von direktem Kontakt mit dem Mundstück abzuhalten, damit keine
unerwünschte Komponente des Blatthaltesystems das Mundstück bei der Tonerzeugung und
damit beim Resonanzaufbau behindert und sämtliche frequenzhemmenden und frequenzdämpfenden
Einflüsse am Mundstück ausschaltet bzw. auf ein Mindestmaß reduziert. Durch die Wahl
wenigstens eines geeigneten Distanzhalters, insbesondere geeigneten Materials und/oder
geeigneter Ausformung, kann gezielter Einfluss auf die Klangqualität des Musikinstruments,
und insbesondere das Ansprechverhalten hoher Töne ausgeübt werden.
[0037] In einer bevorzugten Ausführungsform sind dieser oder diese Distanzhalter aus Holz
oder Metall. Dadurch wird vor allem erreicht, dass kein dämpfendes, resonanzhemmendes
Material, wie zum Beispiel ein Spannriemen die Tonbildung beeinflusst. Dabei sind
der oder die Distanzhalter vorzugsweise aus demselben Material wie das Mundstück (z.
B. Ebonit) oder der Resonanzkörper (Grenadilholz) des Musikinstruments. Dadurch kann
eine Ausführungsform realisiert werden, in der ein Blatthaltesystem ohne Kontakt von
Fremdmaterial zum Mundstück und damit zum Resonanzkörper des Musikinstruments realisiert
ist. Dies führt zur Möglichkeit eines sozusagen sortenreinen Musikinstruments.
[0038] In einer sehr einfachen erfindungsgemäßen Ausführungsform sind diese Distanzhalter
als stäbchenförmige Elemente mit der Länge von ca. 1 cm zur Ausbildung eines linienförmigen
Kontaktbereichs zwischen den Distanzhaltern und dem Mundstück ausgeformt. Diese Stäbchen
werden bspw einfach zwischen einem Spannriemen und das Mundstück eingelegt und verhindern
den Kontakt zwischen Spannriemen und Mundstück. Dadurch sind nur noch die Distanzhalter
und das Rohrblatt in Kontakt mit dem Mundstück. Für die Distanzhalter bietet sich
bspw eine zylinder- oder prismenförmige Querschnittsform an, die sich auch über die
Länge des Distanzhalters ändern kann. Die Distanzhalter können aus vollem Material
oder mit Hohlräumen ausgeführt sein. Dadurch kann alternativ neben einem linienförmigen
Kontaktbereich auch ein punktförmiger Kontaktbereich zwischen den Distanzhaltern und
dem Mundstück ausgebildet sein. Auch Kombinationen aus linien- und punktförmigem Kontaktbereich
sind denkbar. Ferner können die Distanzhalter zusätzliche Kanten, konvexe Wölbungen
oder sonstige Vorsprünge oder Oberflächen-Erhöhungen aufweisen.
[0039] In einer optionalen Weiterbildung der Erfindung ist ein festes Verbinden der Stäbchen
mit der Spannvorrichtung denkbar. So können die Distanzhalter auch als Kanten, Wölbungen,
Vorsprünge oder sonstige Oberflächen-Erhöhungen eines Halteteils oder mehrerer Halteteile
ausgebildet sein, welches oder welche auf der dem Rohrblatt gegenüberliegenden Seite
des Mundstücks dieses lediglich linien- oder punktförmig berührt oder berühren. So
kann ein Halteteil in Form eines Oberstücks oder eines Druckschuhs als Gegenstück
bspw zu einem Aufnahmeschuh auf der Oberseite des Mundstücks ausgebildet sein. Anstatt
eines erfindungsgemäßen Aufnahmeschuhs kann zusätzlich zu der Distanzhalteeinrichtung
eine beliebige Fixiervorrichtung für das Rohrblatt eingesetzt sein.
[0040] Bei der Verwendung eines Aufnahmeschuhs als Bestandteil eines erfindungsgemäßen Blatthaltesystems
mit einer Distanzhalteeinrichtung, kann dieser Aufnahmeschuh in allen zuvor und nachfolgend
beschriebenen Ausführungsformen des Blatthaltesystems verwendet werden.
[0041] Das Oberstück kann optional eine Feststellschraube als Feststellmittel aufweisen,
welche die nötige Kraft für das Blatthaltesystem zur Befestigung am Mundstück aufbringt.
Ferner kann sich an der Spitze der Feststellschraube ein Kontaktstück als Teil des
Oberstücks befinden. Das Innengewinde als Gegenstück zum Außengewinde der Feststellschraube
befindet sich in einem Auflageanker. Beim Festdrehen der Schraube drückt das Kontaktstück
unter Ausbildung eines linienförmigen Kontaktbereichs auf das Mundstück. Dabei wird
ein Druck aufgebaut, der sich auf das gesamte Blatthaltesystem überträgt. Als Feststellmittel
kommen jedoch für den Fachmann auch andere naheliegende Methoden infrage. Für eine
besonders schnelle Montage der Vorrichtung würde sich bspw ein Exzenterhebel eignen.
[0042] In einer optionalen Weiterbildung der Erfindung können statt des Spannriemens starre
Anker verwendet werden, um das Oberteil mit einem Aufnahmeschuh oder einer sonstigen
Fixiervorrichtung (beispielsweise einer Druckplatte) auf der gegenüberliegenden Seite
des Mundstücks zu verbinden. Diese Anker können an dem Auflageanker des Oberstücks
fest montiert werden. Dadurch können die Fixiervorrichtung und die Distanzhalteeinrichtung
beliebig klein dimensioniert werden. Die Anker sind so gewölbt, dass sie die beiden
Komponenten berührungslos miteinander verbinden und die Kraft des Feststellmittels
entsprechend auf das Rohrblatt übertragen. Insbesondere bei integraler Ausführung
von Oberstück und Distanzhalterung sind Auflageanker und Kontaktstück in einer bevorzugten
Ausführungsform so ausgebildet, dass sie sich beim Auflegen des Blatthaltesystems
auf das Mundstück an die Geometrie und dabei insbesondere an den konischen Verlauf
des Mundstücks näherungsweise anpassen. Die Verbinder werden mit Hilfe von Befestigungsmitteln
an der Fixiervorrichtung und dem Oberstück verbunden. Auch aus optischen Gründen bieten
sich hierbei besonders Befestigungsmittel an, wie sie für die einzelnen Klappen am
Musikinstrument ohnehin verwendet werden. Gleichzeitig wird dadurch die Verwendung
von Musikinstrumentfremdem Material erfindungsgemäß erwünscht reduziert. Die Anker
selbst können aus Aluminium oder Neusilber gefertigt sein.
[0043] Ein weiterer Vorteil des Aufnahmeschuhs ergibt sich aus dem Verständnis, welche Druckkräfte
ein Blatthalter auf das Rohrblatt und somit auf die Anpresskraft an das Mundstück
ausüben kann. Die entsprechende Kraft des Blatthaltesystems verläuft tangential zum
Verlauf eines Spanngurtes oder eines Ankers. Sie lässt sich in eine vertikale und
in eine horizontale Kraftkomponente zerlegen. Während die Anpresskraft aus der vertikalen
Kraft gebildet wird, zeigt die horizontale Kraftkomponente keine funktionale Wirkung.
Wünschenswert ist daher eine Blatthalterung, bei der vor allem die vertikale Kraftkomponente
möglichst stark ausgeprägt ist. Durch die Fixiervorrichtung bzw. den Aufnahmeschuh
und insbesondere deren geometrischen Außenabmessungen kann beeinflusst werden, mit
welcher Form der Riemen das Mundstück umwickelt, bzw. der Anker an die Fixiervorrichtung
anbindet. Je größer dabei die Außenabmessungen der Fixiervorrichtung, desto steiler/vertikaler
verläuft der Riemen bzw. der Anker im Bereich der Seitenflächen des Rohrblatts. Dadurch
wird die vertikale Kraftkomponente, die die Verbinder auf das Rohrblatt ausüben, gestärkt.
Im Idealfall sind Fixiervorrichtung bzw. Aufnahmeschuh so breit, dass die Verbinder
senkrecht zur Mitte an den Seitenflächen des Rohrblatts vorbeigeführt werden und der
Verbinder somit nur noch eine vertikale Kraft auf das Rohrblatt ausübt. Dadurch wird
die erreichbare Anpresskraft des Riemens bzw. des Ankers maximal.
[0044] In einer weiteren optionalen Weiterbildung der Vorrichtung wird eine Spannschlaufe
zum Aufspannen eines Rohrblatts auf Mundstücke von Holzblasinstrumenten, wie Klarinette
oder Saxophon genutzt, wobei die Spannschlaufe mit reversibel verformbarem und/oder
elastischem Material gebildet ist. Zur Ausbildung oder Herstellung der Spannschlaufe
kann bspw federhart gewalztes Messingblech, federhart gewalzter Federstahl oder ein
geeigneter Kunststoff verwendet werden. Es ist jedes Material geeignet, welches sich
unter einer bestimmten Spannung verformt, um danach ohne bleibende Verformung elastisch
in den Ausgangszustand zurückzukehren. Ferner zeichnet sich die Spannschlaufe durch
einen Spannbügel aus, der als vorzugsweise länglich ausgebildetes elastisches Bandstück,
Blechbandstück oder Drahtstück zum Biegen um das Mundstück ausgebildet ist oder ein
solches aufweist. Dieses Bandstück kann ein federhart gewalztes Messingblech und/oder
Federbandstahl und/oder ein Kunststoff sein. Derartige Bandstücke werden typischerweise
für Flachfedern eingesetzt. Da die Spannschlaufe ein von außen am Mundstück sichtbares
Bauteil ist, kann sie aus optischen Gründen versilbert werden. Ferner weist die Spannschlaufe
ein Bandstück, das einen ersten Endabschnitt, ein Mittelteil und einen zweiten Endabschnitt
auf, wobei das Blechbandstück zum umgeben und/oder Umgreifen eines Mundstücks, umbiegbar
und/oder umgebogen ist und die beiden Enden oder mindestens zwei Endabschnitte jeweils
eine Einrichtung zur unmittelbaren Kopplung miteinander aufweisen. Das Blechbandstück
schließt beim Umgreifen des Mundstücks eine näherungsweise kreisförmige Fläche ein,
die im Wesentlichen senkrecht zu einer Längsachse des Mundstücks ausgerichtet ist.
Die Kopplung ist typischerweise gleichzeitig eine Verschlusseinrichtung, wodurch das
Blechband die Form, die es beim Umgreifen des Mundstücks annimmt, beibehält. Im Falle
einer mittelbaren Kopplung kann ein zusätzliches Zwischenstück oder ein Adapter zwischen
den Endabschnitten des Spannbügels eingesetzt werden.
[0045] In einer bevorzugten Weiterbildung der Erfindung weist der Spannbügel eine Einrichtung
zur Kopplung an seinem ersten Endabschnitt des Bandstücks auf, die als Langloch und/oder
Nut und/oder Schiene und/oder Vertiefung und/oder eine Raste ausgebildet ist. Das
Langloch kann bspw gestanzt oder gefräst ausgebildet sein.
[0046] Optional ist zusätzlich die Einrichtung zur Kopplung am zweiten Endabschnitt des
Bandstücks als Eingriffselement oder komplementäre Gegenraste zur Kopplung mit dem
Langloch und/oder der Nut und/oder der Schiene und/oder der Vertiefung und/oder der
Raste ausgebildet. Durch das Eingriffselement, bspw in das Langloch, wird der Verschlusseffekt
erzielt, der die Endabschnitte des Bandstücks zusammenhält.
[0047] In einer bevorzugten Ausbildung ist die Einrichtung zur Kopplung und/oder das Eingriffselement
mit dem Bandstück einstückig ausgebildet. Damit kann der Bügel, aufweisend das Bandstück,
das Langloch und das Eingriffselement, bspw als ein Stück aus Blechmaterial gestanzt
werden.
[0048] In einer weiteren optionalen Ausführungsform der Erfindung umfasst die Spannschlaufe
ein(e) als Führung ausgebildete(s) Langloch und/oder Nut und/oder Schiene und/oder
Vertiefung und/oder Raste. Entlang dieser Führung bleibt das Eingriffselement zum/unter
Verschluss und/oder Kopplung bewegbar oder verstellbar. Nach der Relativposition des
Eingriffselements in dieser Führung bzw. in diesem Langloch richtet sich der Durchmesser,
den die Spannschlaufe umgreifen kann. Wird das Eingriffselement entlang der Führung
hin zum Mittelteil des Bandstücks bewegt, wird der vom Bandstück bzw. vom Spannbügel
umgriffene Durchmesser kleiner. Ist ein geeignetes Mundstück in die Spannschlaufe
eingeschoben, kann dadurch der Spannvorgang eingeleitet werden, indem ein, bspw durch
einen erfindungsgemäßen Aufnahmeschuh, mit dem Spannbügel gekoppeltes Rohrblatt auf
das Mundstück aufgepresst wird. Mit diesem Mechanismus kann ein Rohrblatt auch auf
unterschiedlich große Mundstücke aufgespannt bzw. montiert werden. Es kann damit ein
vergleichsweise großer Spannbereich abgedeckt werden.
[0049] Zur Anpassung an den konischen Verlauf der Mundstücke weist in einer bevorzugten
Ausführungsform der Erfindung die Spannschlaufe einen Spannbügel auf, wobei der erste
und/oder der zweite Endabschnitt als längliche Schenkel ausgebildet sind. Im entrollten,
eben abgelegten Zustand betrachtet, sind diese Schenkel gegenüber einer horizontalen
Achse oder Längsachse des Bandstücks oder dessen Mittelteil mit einem Winkel, bspw
von 10° oder von 5-40°, ausgerichtet, wobei der Winkel je nach Konizität des Mundstücks
variieren kann. Diese näherungsweise horizontale Achse oder Längsachse des Bandstücks
verläuft im Wesentlichen parallel zum Boden und näherungsweise senkrecht zur Längsachse
des Mundstücks. In einer optionalen Weiterbildung der Erfindung weist das Mittelteil
der Spannschlaufe Aufhängemittel zur Montage einer Fixiervorrichtung, bspw einen Aufnahmeschuh
oder eine andere Druckplatte, für ein Rohrblatt am Mundstück auf. Diese Aufhängemittel
können bspw als in einem Blechbandstück ausgestanzte Löcher ausgebildet sein. An diesen
Löchern kann mittels geeigneten Befestigungsmitteln, bspw Schrauben oder Arretierstiften,
die Fixiervorrichtung montierbar sein.
[0050] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist die Spannschlaufe mit einer
Feststellschraube oder einem sonstigen, manuell betätigbarem Stellelement zum Verschieben
oder Verstellen des Eingriffselements während des Aufspannvorgangs des Rohrblatts
am Mundstück entlang der, durch das Langloch und/oder Nut und/oder Schiene und/oder
Vertiefung und/oder Raste gebildeten, Führung versehen. Durch Betätigung der Feststellschraube
wird der Spannvorgang oder die Spannbewegung der Spannschlaufe am bzw. gegenüber einem
gedachten Instrumenten-Musikstück eingeleitet. Der durch das Bandstück bzw. die Spannschlaufe
umgriffene Durchmesser wird dadurch weiter oder enger, bis ggf. schließlich die erwünschte
Spannkraft für das Rohrblatt erreicht ist.
[0051] In einer optionalen Weiterbildung der Erfindung umfasst die Feststellschraube der
Spannschlaufe ein Gewinde, welches einen ersten Gewindeabschnitt und einen zweiten
Gewindeabschnitt aufweist. Dabei weisen der erste und der zweite Gewindeabschnitt
einen zueinander gegenläufigen Drehsinn auf. Der erste Abschnitt, benachbart dem Griff
der Feststellschraube, kann bspw ein rechtläufiges Gewinde aufweisen. In diesem Fall
weist der zweite Abschnitt, der weiter beabstandet zu dem Griff der Feststellschraube
angeordnet ist, ein linksläufiges Gewinde auf. Der Griff der Feststellschraube kann
auch mittig zwischen den beiden Abschnitten angeordnet und als Stellrad ausgebildet
sein. Ferner ist die Kopplung des Spannbügels mit der Feststellschraube dadurch realisiert,
dass an einem ersten Endabschnitt oder im Bereich des ersten Endabschnitts des Spannbügels
eine Mutter mit einem Innengewinde montiert ist. Alternativ oder zusätzlich dazu ist
die Kopplung des Spannbügels mit der Feststellschraube dadurch realisiert, dass an
dem zweiten Endabschnitt des Spannbügels oder im Bereich des zweiten Endabschnitts
eine Mutter mit einem Innengewinde montiert ist. Die Muttern sind durch Verschweißen,
Verkleben, Vernieten und/oder Verpressen mit dem Spannbügel verbunden. In einer vorteilhaften
Ausführungsform der Spannschlaufe ist die Mutter des ersten Endabschnitts zu dem zweiten
Gewindeabschnitt der Feststellschraube und/oder die Mutter des zweiten Endabschnitts
zu dem ersten Gewindeabschnitt der Feststellschraube komplementär ausgebildet, d.h.
sie stehen in kämmendem Eingriff. Weist also beispielweise der erste Gebindeabschnitt
ein rechtsläufiges Gewinde auf, so ist die Mutter des zweiten Endabschnitts des Spannbügels
komplementär und für einen kämmenden Eingriff zu einem rechtsläufigen Gewinde ausgebildet.
[0052] Eine optionale erfindungsgemäße Weiterbildung der Spannschlaufe ist derart ausgebildet,
dass der Spannvorgang zum Aufspannen eines Rohrblatts auf das Mundstück mit Betätigung
der Feststellschraube in einem ersten Drehsinn durchführbar ist und sich dabei, bedingt
durch den gegenläufigen Drehsinn der Gewindeabschnitte, der Abstand zwischen den beiden
Muttern voneinander vergrößert. Beim Demontagevorgang der Spannschlaufe vom Mundstück
wird die Feststellschraube mit dem anderen zweiten, zum ersten Drehsinn gegenläufigen
Drehsinn gedreht, wobei sich der Abstand zwischen den beiden Muttern voneinander verkleinert.
Die Bewegung der Muttern verläuft näherungsweise symmetrisch zu einer Symmetrieebene
des Mundstücks, was in einer symmetrischen Krafteinwirkung resultiert.
[0053] In einer alternativen Weiterbildung der Erfindung ist ein oben beschriebenes Oberstück
und/oder ein Druckschuh und/oder oben beschriebener Auflageanker und/oder oben beschriebenes
Kontaktstück vorgesehen, welches während des Spannvorgangs gegen die Oberfläche des
Mundstücks drückbar, andrückbar und/oder pressbar ist. Dadurch wird einerseits verhindert,
dass das Mundstück durch das Gewinde der Feststellschraube und/oder das Blechband
zerkratzt wird. Andererseits kann dadurch das Material für die Kontaktfläche zwischen
Spannschlaufe und Mundstück beliebig gewählt werden.
[0054] In noch einer weiteren Ausbildung der Spannschlaufe weist diese einen Aufnahmeschuh
mit mindestens zwei elastischen Federbügeln, bspw aus Metall oder Kunststoff, auf.
Dabei ist entweder ein Federbügel in je eine der beiden Begrenzungswandungen des Aufnahmeschuhs
eingelassen ist, oder je ein Federbügel ist als Biegefeder ausgebildet und vorzugsweise
den Begrenzungswandung drehbar vorgelagert. Dadurch wird ein symmetrischer, und damit
besonders stabiler Kraftschluss, durch Einwirkung mit einer beidseitigen Druckkraft
auf die Seitenflächen des Rohrblatts mit vorzugsweise vier Kontaktpunkten zwischen
Federbügeln und Rohrblatt, insbesondere während der Vormontage-Anordnung, zwischen
Aufnahmeschuh und Rohrblatt erreicht. Formschluss kann auch bei dieser Ausführungsform
zusätzlich einerseits über die Konizität der Begrenzungswandungen des Aufnahmeschuhs
andererseits über die toleranzausgleichenden Blattfedern in den Begrenzungswandungen
oder den Begrenzungswandungen vorgelagert realisiert werden.
[0055] In der bevorzugten Ausführungsform ist das Blatthaltesystems für jedes Mundstück
geeignet und es müssen keine Modifikationen am Mundstück vorgenommen werden. In weiteren
erfindungsgemäßen Ausführungsformen können einzelne Merkmale des erfindungsgemäßen
Blatthaltesystems fest in das Mundstück integriert sein. Das vorgestellte Blatthaltesystem
ist dabei nicht auf Instrumente, wie Klarinette oder Saxophon beschränkt, sondern
ist für eine Vielzahl von Holzblasinstrumenten mit Rohrblättern durch naheliegende
technische Anpassungen möglich. Dadurch, dass das Mundstück nicht verändert werden
muss, wird die Nachrüstung existierender Instrumente/Mundstücke vereinfacht.
[0056] Ein optionales Verfahren zur Montage eines Rohrblatts auf ein Mundstück für Holzblasinstrumente
wie Klarinette oder Saxophon ist in nachfolgende Schritte gegliedert:
- Einlegen und/oder Einschieben eines Rohrblatts mit der Unterseite frei nach außen,
gegebenenfalls an einer vorhandenen Markierung, in den Aufnahmeschuh oder in das Blatthaltesystems
an eine vorbestimmte Endposition relativ zum Aufnahmeschuh unter Ausbildung einer
Vormontage-Anordnung, bis entweder die Seiteninnenflächen der Begrenzungswandungen
die Seitenflächen des Rohrblatts formschlüssig umschließen und/oder sich eine auf
die Seitenflächen des Rohrblattes gerichtete vorbestimmte kraftschlüssige Kopplung
zwischen dem Aufnahmeschuh oder dem Blatthaltesystem und dem Rohrblatt ausbildet.
- Aufschieben dieser Vormontage-Anordnung auf das Mundstück unter bündiger Ausrichtung
einer Rohrblatt-Vorderkante mit einer Vorderkante des Mundstücks. Durch den Formschluss
und/oder insbesondere den Kraftschluss, der eine Kraft auf die Seitenflächen des Rohrblatts
richtet, bleibt das Rohrblatt in der vorgesehenen Position relativ zum Aufnahmeschuh
und/oder zum sonstigen Blatthaltesystem. Das Rohrblatt kann nicht mehr ohne Weiteres
aus dem Blatthaltesystem fallen und der Musiker ist nicht gezwungen, das Rohrblatt
mit einer Hand in der vorgesehenen Position im Blatthaltesystems und/oder auf dem
Mundstück zu halten.
- Betätigung eines Spannbügels, beispielsweise einer Spannschlaufe, einer Spannschraube
oder eines Exzenterhebels zum Aufspannen oder Andrücken der Rohrblatt-Unterseite im
Spannbereich des Rohrblatts auf die dafür vorgesehene Auflagefläche des Mundstücks.
Die zentrierte Ausrichtung des Rohrblatts auf der Symmetrieachse oder Längsachse der
Auflagefläche des Mundstücks übernimmt das Blatthaltesystem beim Spannen automatisch.
Dies erleichtert das Aufspannen des Rohrblatts zusätzlich.
[0057] Weitere Einzelheiten, Merkmale, Merkmalskombinationen, Wirkungen und Vorteile der
Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung der Erfindung und den Zeichnungen.
Diese zeigen in
Fig. 1 eine perspektivische Darstellung eines handelsüblichen Rohrblatts,
Fig. 2 in perspektivischer Ansicht Zusammenbau eines Mundstücks, einer handelsüblichen
Blattschraube und eines Rohrblatts, wie im Stand der Technik bekannt
Fig. 3 eine perspektivische Ansicht auf einen Aufnahmeschuh aus Holz, welcher formschlüssig
an das Rohrblatt angepasst ist,
Fig. 4 eine perspektivische Ansicht auf eine Spannvorrichtung, mit Riemen und Feststellschraube
zum Umfassen des Mundstücks,
Fig. 5 eine Schnittansicht eines Aufnahmeschuhs, versehen mit einer Mäanderfederung,
Fig. 6a eine perspektivische Ansicht auf eine Vormontage-Anordnung mit einem Aufnahmeschuh
mit seitlich eingelassenen Federbügeln zur Ausbildung eines Kraftschlusses auf die
Seitenflächen des Rohrblatts ,
Fig. 6b eine perspektivische Ansicht auf eine Vormontage-Anordnung mit einem Aufnahmeschuh
mit seitlich angrenzenden Federbügeln zur Ausbildung eines Kraftschlusses auf die
Seitenflächen des Rohrblatts,
Fig. 7 eine perspektivische Ansicht auf einen Aufnahmeschuh mit Arretierschrauben
zum Arretieren an einem Spannriemen,
Fig. 8 eine perspektivische Ansicht auf eine vormontierte Anordnung aus Riemen, Feststellschraube
und Aufnahmeschuh mit Arretierschrauben,
Fig. 9 eine perspektivische Ansicht auf einen Zusammenbau aus einem Blatthaltesystem
mit Distanzhaltern,
Fig. 10 eine Schnittansicht eines Zusammenbaus einer Distanzhalteeinrichtung mit einer
Fixiervorrichtung am Rohrblatt nach Zusammenbau,
Fig. 11 eine Seitenansicht der Ausführungsform gemäß Fig. 10,
Fig. 12 eine Schnittansicht einer Anordnung einer Distanzhalteeinrichtung mit einem
Aufnahmeschuh am Rohrblatt nach Zusammenbau,
Fig. 13 eine Seitenansicht der Ausführungsform gemäß Fig. 12
Fig. 14 eine perspektivische Darstellung einer Vormontage-Anordnung aus Oberstück,
Aufnahmeschuh, Verankerung und Rohrblatt,
Fig.15 eine perspektivische Vorderansicht auf den Zusammenbau,
Fig.16 eine seitlich-perspektivische Ansicht auf den Zusammenbau,
Fig. 17 eine Schnittansicht des Zusammenbaus mit vergrößertem Aufnahmeschuh mit eingezeichneten
Kraftrichtungen, die auf das Rohrblatt wirken
Fig. 18 eine Draufsicht des entrollten Bandstücks eines Spannbügels
Fig. 19 eine perspektivische Darstellung des Bandstücks eines Spannbügels
Fig. 20 eine perspektivische Darstellung einer Spannschlaufe
Fig. 21 eine Schnittdarstellung einer Spannschlaufe
Fig. 22 eine perspektivische Darstellung einer Spannschlaufe mit Auflageanker und
Aufnahmeschuh.
[0058] Figur 1 zeigt ein gewöhnliches, meist symmetrisches Rohrblatt 1 mit der Symmetrieachse
oder Längsachse 1f für Rohrblatt- bzw. Holzblasinstrumente. Die Vorderkante 1a ist
die vibrierende Kante des Schwingbereichs 1b. In einem im Vergleich zum Schwingbereich
1b verdickten Spannbereich 1c wird das Rohrblatt in einem Blatthaltesystem eingespannt,
wobei dessen Einspannvorrichtungen gemäß Stand der Technik eine mehr oder weniger
großflächige Anpresskraft auf die in Querrichtung des Rohrblatts gewölbte Fläche des
Spannbereichs 1c ausübt. Da das Rohrblatt im Schwingbereich 1b zur Tonerzeugung schwingen
muss, weist es nur eine sehr geringe Dicke auf, welche zur Ausbildung der beiden Seitenbegrenzungsflächen
1d führt. Im Spannbereich 1c laufen die Seitenbegrenzungsflächen 1d konisch aufeinander
zu, sodass das Rohrblatt 1 nach hinten zunehmend schmaler wird. Nicht zu sehen in
dieser Figur ist die völlig eben ausgebildete Unterseite 1e (vgl. Fig. 6a, 6b) des
Rohrblatts, welche nach dem Zusammenbau den Kontakt zur Auflagefläche des Mundstücks
2 (vgl. Fig. 2) ausbildet.
[0059] Figur 2 zeigt eine Standardausführung für ein zum Musizieren zusammengebautes Mundstück
2, wie sie bei der überwiegenden Zahl von Holzblasinstrumenten mit Rohrblatt 1 verwendet
wird. Das Mundstück 2 weist ein Verbindungsstück 2a zum Klangkörper des Musikinstruments
auf, sowie eine Vorderkante 2b, in die die Luft vom Musiker eingeblasen wird. Dabei
schließt die Vorderkante 2b notwendigerweise mit der Vorderkante des Rohrblatts 1a
in etwa bündig ab. Im Spannbereich 1c des Rohrblatts wird der Blatthalter 3 gemäß
dem Stand der Technik montiert. Die Unterseite 1e des Rohrblatts liegt auf einer meist
achsensymmetrischen Auflagefläche des Mundstücks 2 auf. Der Blatthalter 3 weist ein
Blech 3a auf, welches das Mundstück 2 zusammen mit dem Rohrblatt 1 umfasst. Die Spannkraft
der Blatthalterung 3 und damit die Anpresskraft auf das Rohrblatt 1 wird durch zwei
Feststellschrauben 3b ausgeübt. Eine spezielle Führung für das Rohrblatt 1 zur verdreh-
bzw. verschiebesicheren Montage, insbesondere auch für eine Vormontage-Anordnung 7,
19 (vgl. Figur 6a, 6b, 14) ist nicht vorgesehen.
[0060] Gemäß Figur 3 wird das Rohrblatt 1 zunächst in einen vorzugsweise achsensymmetrisch
ausgebildeten Aufnahmeschuh 4 eingelegt, welcher aus Holz geformt, wie in Figur 3
angedeutet, sein kann. Die in diesem Ausführungsbeispiel ausschließlich formschlüssige
Halterung für das Rohrblatt 1 wird dadurch erreicht, dass zum einen die innere Auflagefläche
4a des Aufnahmeschuhs 4 komplementär zum gewölbten Spannbereich 1c des Rohrblatts
1 ausgebildet ist. Zum anderen sind die Begrenzungswandungen 4b und die an deren Innenseiten
gebildeten Seiteninnenflächen 4c an den konischen Verlauf der Seitenbegrenzungsflächen
1d des Rohrblatts 1 angepasst. Die Ausformung dieser Flächen (4a, 4c) bewirkt, dass
keine punktuellen Kräfte auf das Rohrblatt 1 wirken müssen, was den Verschleiß des
Rohrblatts 1 verringert. Die dem Rohrblatt abgewandte Außenfläche 4d des Aufnahmeschuhs
4 kann zweckmäßigerweise ebenfalls gewölbt sein. Zur Erleichterung der Montage befindet
sich an der Vorderkante 4e des Aufnahmeschuhs 4 eine bspw mit einer Einkerbung oder
sonstigen Vertiefung gebildete Markierung 4f. Diese Markierung 4f zeigt dem Musiker,
dass an dieser Stelle das Rohrblatt 1 mit der Vorderkante 1a voraus in den Aufnahmeschuh
4 eingeschoben werden muss. Zur Arretierung des Aufnahmeschuhs 4 an den übrigen Komponenten
der Blatthalterung 5 (vgl. Figur 4) befinden sich zwei durchgehende Bohrungen 4g,
vorzugsweise symmetrisch zu einer Längs- und/oder Querachse angeordnet in der inneren
Auflagefläche 4a des Aufnahmeschuhs 4.
[0061] In Figur 4 ist die erfindungsgemäß ausgebildete Blatthalterung bzw. Spannvorrichtung
für den Aufnahmeschuh 5 abgebildet, wobei der Aufnahmeschuh 4 (vgl. Figur 3) mit verschiedensten
Blatthalterungen 5 aus dem Stand der Technik kombinierbar ist. In bevorzugter Ausführungsform
besteht die Spannvorrichtung 5 aus einem Gurt/Riemen 5a, bspw aus Leder oder Kunststoff,
dessen Enden durch eine Feststellschraube 5b mit Gewinde 5c und zwei Führungen 5d
miteinander auf der dem Aufnahmeschuh 4 abgewandten Seite des Mundstücks 2 (vgl. Figur
8) zusammengespannt sind. Gemäß Figur 4 weist der Gurt/Riemen zwei Aufnahmelöcher
5e auf, die deckungsgleich zu den Bohrungen 4g des Aufnahmeschuhs 4 (vgl. Figur 3)
platziert sind.
[0062] Figur 5 zeigt eine alternative Ausführungsform des Aufnahmeschuhs 4 mit einer Mäanderfederung
6, durch die sich das Rohrblatt 1 (vgl. Figur 1) unterschiedlich weit den Aufnahmeschuh
hineinschieben lässt und dabei trotzdem durch die Begrenzungswandungen 4b des Aufnahmeschuhs
4 (vgl. Figur 3) formschlüssig eingefasst bleibt. Diese Form der Federung wird dadurch
erreicht, dass an der Außenfläche 4d des Aufnahmeschuhs wenigstens zwei Nuten, Einkerbungen
oder sonstige Vertiefungen 6a über dessen gesamte Länge oder auch einen Teil davon
paarweise symmetrisch und parallel zur Symmetrieachse des Aufnahmeschuhs eingefräst
werden. Zur Verstärkung der Feder-Wirkung wird eine analoge Ausbildung an der Innenseite
des Aufnahmeschuhs 4, bspw an der Schnittkante zwischen Seiteninnenflächen 4c und
innerer Auflagefläche 4a vorgenommen (vgl. Figur 3). Durch diese Ausführungsform der
Erfindung ist eine Anpassung des Aufnahmeschuhs 4 an Maßabweichungen bei der Fertigung
von Rohrblättern 1 möglich.
[0063] In Figur 6a ist eine Ausführungsform einer Vormontage-Anordnung 7 zur Ausbildung
eines Formschlusses und/oder gleichzeitig einer kraftschlüssigen Kopplung mit den
Seitenflächen 1d des Rohrblatts 1 dargestellt. Abgebildet ist ein Aufnahmeschuh 4
mit eingelegtem Rohrblatt 1, wobei dessen ebene Unterseite 1e dem Betrachter zugewandt
ist. In den Begrenzungswandungen 4b des Aufnahmeschuhs sind zwei ein- oder mehrmals
gebogene oder gekrümmte elastische Federbügel 8 unter mechanischer Spannung mit ihren
Enden fixiert. Mit dem Einlegen eines Rohrblatts 1 biegen sich die Federbügel 8 wellenförmig
durch, sodass sich Kontaktpunkte 8a zwischen dem Federbügel 8 und den Seitenflächen
1d des Rohrblatts ausbilden. Gleichzeitig liegen in den Endbereichen des Aufnahmeschuhs
4 die hier nicht sichtbaren Seiteninnenflächen 4c an den Seitenflächen 1d des Rohrblatts
formschlüssig an. Sollte also ein Rohrblatt 1 aufgrund von Fertigungstoleranzen etwas
kleiner ausfallen, so kann es dennoch durch den Kraftschluss der Federbügel 8 an der
gewünschten Stelle im Aufnahmeschuh 4 fixiert werden.
[0064] In Figur 6b ist eine dazu alternative Ausführungsform einer Vormontage-Anordnung
7 mit einem Aufnahmeschuh 4 zur Ausbildung wenigstens einer kraftschlüssigen Kopplung
mit den Seitenflächen 1d des Rohrblatts 1 dargestellt. Abgebildet ist ebenfalls ein
Aufnahmeschuh 4 mit eingelegtem Rohrblatt 1, wobei dessen ebene Unterseite 1e dem
Betrachter zugewandt ist. Die Begrenzungswandungen 4b selbst bilden hier keinen Formschluss
mit dem Rohrblatt aus. Vielmehr wirken zwei jeweils vorzugsweise mittig und/oder drehbar
gelagerte elastische Bügel 8 unter Ausbildung einer mechanischen Druckkraft an den
vorzugsweise endständigen Kontaktpunkten 8a auf die Seitenflächen 1d des Rohrblatts
1 ein. In dieser Abbildung sind die elastischen Bügel 8 den Begrenzungswandungen 4b
zur Symmetrieebene und/oder Mittelebene des Aufnahmeschuhs 4 vorgelagert. Mit dem
Einlegen eines Rohrblatts 1 biegen sich die Federbügel 8 unter Abnahme der Krümmung.
Das Rohrblatt 1 kann nun so weit in den Aufnahmeschuh 4 eingeschoben werden, bis die
konisch zueinander zulaufenden Seitenflächen 1d des Rohrblatts an die zentralen Auflagerpunkte
9b, welche gleichzeitig als Rotationsachsen der Federbügel 8 ausgebildet sind, anschlagen.
In dieser Endposition wird zusätzlich zum Kraftschluss ein Formschluss erreicht.
[0065] Figur 7 zeigt den Aufnahmeschuh aus Figur 3 in einer Ansicht auf den Außenmantel
4d, durch dessen Arretierungsbohrungen 4g zwei Arretierstifte 9 geführt werden. Die
Arretierstifte 9 sollen den Aufnahmeschuh 4 mit einer Spannvorrichtung 5 in den dafür
vorgesehenen Löchern 5e (siehe Figur 4) verbinden, bzw. verbindbar machen.
[0066] Figur 8 zeigt eine Anordnung der Spannvorrichtung 5 zusammen mit dem Aufnahmeschuh
4, noch vor dem Einlegen des Rohrblatts 1. Der Gurt/Riemen 5a weist ebenfalls zwei
Aufnahmelöcher 5e (siehe Figur 3) auf, in welche die Arretierstifte 9 eingeführt werden
können. Die Bohrungen im Gurt/Riemen 5a weisen kein Gewinde auf. Dadurch ist ein einfacher
und werkzeugloser Austausch des Aufnahmeschuhs 4 möglich, bspw um Aufnahmeschuhe mit
verschiedenen Materialien auszuprobieren.
[0067] Figur 9 zeigt einen erfindungsgemäßen Zusammenbau, basierend auf der Anordnung 10,
des Rohrblatts 1 und des Mundstücks 2 zusammen mit Distanzhaltern 12. Die Distanzhalter
12 erfüllen in dieser Ausführungsform die Funktion, jeglichen Kontakt zwischen der
Spannvorrichtung 5 und dem Mundstück 2 so gering wie möglich zu halten und im Idealfall
ganz zu unterbinden. Für diese Funktion sind die Distanzhalter 12 zwischen dem Gurt/Riemen
5a und dem Mundstück 2 an beiden Seiten des Mundstücks 2 (links nicht zu sehen) eingeschoben.
Die Distanzhalter 12 sind selbst so ausgeformt, dass der Kontaktbereich 12a zwischen
ihnen selbst und dem Mundstück 2 möglichst punkt- und/oder linienförmig ausgebildet
ist. Dadurch werden dämpfende Auswirkungen des Spanngurtes 5a auf die Klangqualität
und das Ansprechverhalten unterbunden. Die Distanzhalter 12 können aus jedem Material
gefertigt sein, insbesondere aus demselben Material wie das Mundstück 2 und/oder der
Klangkörper des Musikinstruments. Um die Abmessungen der Distanzhalter 12 möglichst
klein zu halten, kann der Aufnahmeschuh 4 entsprechend so vergrößert werden, sodass
die seitlichen Bereiche des Spanngurtes 5a möglichst beabstandet vom Mundstück 2 geführt
werden.
[0068] Figur 10 zeigt eine quer zur Längsachse 2c in Figur 11 vorgenommene Schnittansicht
eines Blatthaltesystems, welches eine Distanzhalteeinrichtung aufweist. Bei dieser
Distanzhalteeinrichtung sind die Kontaktpunkte, -linien und/oder -flächen 12a als
Kanten bzw. Vorsprünge eines Oberstücks 17 ausgebildet. Das Oberstück 17 ist über
zwei starre Anker 16 mit einer einfachen Fixiervorrichtung 15 auf der anderen Seite
des Mundstücks 2 verbunden, welche das Rohrblatt 1 fixiert. Als Fixiervorrichtung
15 kommt jede dem Musikfachmann bekannte Vorrichtung, insbesondere eine Druckplatte,
infrage. Ein Kontakt zum Mundstück 2 wird nur am Rohrblatt 1 selbst und an den dem
Kontaktbereich 12a hergestellt. Dafür sind die Anker 16 über einen flächigen Kontakt
16a an das Oberstück 17 formschlüssig angelegt. Über Befestigungsmittel 16b, wie sie
bspw auch an Rohrklappen des Musikinstruments zu finden sind, wird erreicht, dass
sich das Rohrblatt 1 nach dem Montieren nicht mehr verdrehen oder verschieben lässt.
Die Spannkraft wird durch das Oberstück 17 bereitgestellt. Dieser besteht aus einem
Auflageanker 17a, an welchen die Anker 16 angeschlossen sind. Die Spannkraft selbst
wird durch ein Kontaktstück 17b erzeugt, welches über ein Gewinde mit einer Rändelschraube
18 als Feststellschraube verbunden ist. Das Innengewinde, welches mit der Feststellschraube
in kämmendem Eingriff steht, befindet sich im Auflageanker 17a. Dreht man die Rändelschraube
18 fest, bewegt sich das Kontaktstück 17b auf das Mundstück 2 zu und bildet einen
linienförmigen Kontaktbereich 12a zum Mundstück 2 aus.
[0069] Figur 11 zeigt eine Seitenansicht der Ausführungsform aus Figur 10. Zu erkennen ist
hier das konisch verlaufende Mittelstück des Mundstücks 2, um das herum das Blatthaltesystem
mit Distanzhalteeinrichtung montiert ist, um das Rohrblatt 1 in seinem Spannbereich
1c mit dem Mundstück 2 zu verbinden. Für einen möglichst formschlüssigen Halt des
Blatthaltesystems am Mundstück 2 sind die Fixiervorrichtung 15 und der Oberstück 17
zueinander quer zu einer Längsachse 2c des Mundstücks kippbar.
[0070] Figur 12 zeigt eine quer zur Längsachse 2c in Figur 13 vorgenommene Schnittansicht
einer Erfindungsausbildung mit zwei Unterschieden zur Ausführungsform aus Figur 10.
Die Fixiervorrichtung 15 ist durch einen erfindungsgemäßen Aufnahmeschuh 4 ersetzt
mit allen daraus resultierenden, bereits beschriebenen Vorteilen. Des Weiteren bilden
die Anker 16 an der Verbindung zum Auflageanker 17a keine flächige Auflagefläche 16a
aus. Das Fehlen der flächigen Kontaktfläche 16a kann in Figur 13 anschaulich nachvollzogen
werden.
[0071] Figur 14 zeigt die Vormontage-Anordnung 19 eines erfindungsgemäßen Blatthaltesystems
mit Distanzhalteeinrichtung (16, 17, 18) und Aufnahmeschuh 4 (vgl. Vormontage-Anordnung
7 mit Federbügeln 8, Figur 6a). Das Rohrblatt 1 wird nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
an die gewünschte Position im Aufnahmeschuh 4 nach hinten eingeschoben, sodass die
Federbügel 8 Kontakt mit den Seitenflächen 1d des Rohrblatts aufnehmen. Unter gewünschter
Position ist die Position des Rohrblatts 1 relativ zum Aufnahmeschuh 4 zu verstehen.
Durch den gleichzeitig durch die Federbügel 8 ausgebildeten Kraftschluss kann das
Rohrblatt 1 diese Position nicht mehr verändern, insbesondere kann es nicht aus dem
Aufnahmeschuh 4 herausfallen.
[0072] Figur 15 und Figur 16 zeigen perspektivisch den Zusammenbau mit Mundstück 2 basierend
auf der Vormontage-Anordnung 19 gemäß Figur 14. In dieser Ausführung ist der Kontakt
zwischen Vormontage-Anordnung 19 und dem Mundstück 2 auf das Rohrblatt 1 selbst und
die Kontaktfläche 12a am Kontaktstück 17b beschränkt. Mit dem Festdrehen der Rändelschraube
18 ist auch das Rohrblatt 1 fertig für das Musizieren verdreh- und verschiebesicher
fixiert.
[0073] Figur 17 zeigt eine Schnittansicht des Zusammenbaus, vorgenommen entlang der in Figur
9 eingezeichneten gestrichelten Linie durch das Mundstück 2, wobei die Distanzhalter
12 und der Spanngurt 5a zur übersichtlichen Darstellung ausgeblendet sind. Veranschaulicht
ist hier der Einfluss des Aufnahmeschuhs 4 auf die Anpresskraft 14, welche das Rohrblatt
1 auf das Mundstück 2 presst. Zerlegt man die Kraft, die der Spanngurt 5a tangential
zu seinem Verlauf ausübt, in eine vertikale und eine horizontale Komponente, so ist
alleine die vertikale Komponente für die Anpresskraft des Rohrblatts 1 auf das Mundstück
2 verantwortlich. Je senkrechter also der Spanngurt 5a am Rohrblatt 1 vorbeigeführt
wird, desto größer ist die vertikale Komponente der Spannkraft des Gurtes 5a. In vorliegender
Ausführungsform ist der Aufnahmeschuh 4 so breit gestaltet, dass der Spanngurt 5a
vollständig senkrecht am Mundstück 2 vorbeigeführt werden kann. Somit dient die Spannkraft
14 des Gurtes 5a an der entsprechenden Stelle ausschließlich zum verdreh- bzw. verschiebesicheren
Anpressen des Rohrblatts 1, was die Gefahr des Verrutschens beim Musizieren verringert.
Auch die Distanzhalteeinrichtung, insbesondere Oberstück 17 und Anker 16, kann durch
geeignete Dimensionierung bewirken, dass die Anpresskraft 14 vorteilhaft ausgebildet
ist.
[0074] Figur 18 zeigt einen Spannbügel 21 für eine Spannschlaufe 20 (siehe Figur 20), welcher
gemäß Ausführungsbeispiel einstückig mit einem länglichen Bandstück 21a gebildet ist.
Der Spannbügel 21 bzw. das Bandstück 21a ist vorzugsweise mit federhart gewalztem
Messingblech, elastisch biegbarem Kunststoff oder vergleichbar geeigneten Materialien
gebildet und gemäß Figur 18 im eben abgelegten Zustand dargestellt. Seine längliche
Grundform lässt sich untergliedern in drei Abschnitte: Einen Mittelteil 21h und zwei
Endabschnitte 21f, 21g, welche sich jeweils an eines der beiden entgegengesetzten
Enden des für sich bereits länglichen Mittelteils 21h anschließen. Letzterer ist gegenüber
den beiden Endbereichen 21f, 21g verbreitert und geeignet, Fixiervorrichtungen (allg.
15, vgl. Figur 10 und/oder Aufnahmeschuh 4, vgl. Figur 13) für ein Rohrblatt 1 auf
dem Mundstück 2 zu montieren. Der erste Endabschnitt 21f (in Figur 18 links) ist mit
einer Aussparung versehen, welche ein Langloch 21b zum Einrücken eines Eingriffselements
21c bildet. Letzteres ist am freien Ende des zweiten Endabschnitts 21g in Form einer
Verbreiterung gegenüber der Längserstreckung des Bands 21a gestaltet. In seinem mittleren
Abschnitt 21h ist optional eine längliche Mittel-Aussparung bzw. Ausstanzung ausgebildet,
welche insbesondere der Gewichtsminderung dient. Die gegenüberliegenden Längsränder,
welche die Mittel-Aussparung beidseitig begrenzen, sind mit Aufhängemitteln 21d, gemäß
Ausführungsbeispiel realisiert als ausgestanzte oder gebohrte Befestigungslöcher,
versehen, welche vorzugsweise mittig bezüglich der Längserstreckung des Bandstücks
21a angeordnet sind. Bezüglich einer Längsachse 21e des Mittelteils 21h verlaufen
die beiden Endabschnitte 21f, 21g in schräger Ausrichtung, wobei mit der Längsachse
21e ein spitzer Winkel von bspw 5-40°, gemäß Zeichnung 10°, gebildet wird. Durch diesen
quasi gebogenen, geknickten oder gekrümmten Längsverlauf kann sich das Bandstück 21a
bzw. der Spannbügel 21, wenn dieser durch Umbiegen, Verdrehen um eine eigene Körperachse
und Einführen des Eingriffselements 21c in das Langloch 21b in sich geschlossen worden
ist, an den konischen Verlauf eines Mundstücks 2 anpassen. Die Verdrehung des Eingriffselements
21c um seine Körperachse ist wegen der Gestaltung mit der oben angesprochenen Verbreiterung
notwendig.
[0075] Figur 19 zeigt den in Figur 18 eben abgelegt dargestellten Spannbügel 21 mit umgebogenem
und in sich kreisartig geschlossenem Bandstück 21a. Mit diesem näherungsweise zu einer
Kreisform umgebogenen Bandstück 21a bzw. Spannbügel 21 lässt sich ein Mundstück 2
mit näherungsweise kreisförmigem Querschnitt vollständig umfassen. Das mit der Verbreiterung
realisierte Eingriffselement 21c ist in das Langloch 21b eingerückt. Um diese Kopplung
wieder zu lösen, muss das Bandstück 21a elastisch reversibel um seine Längsachse verdreht
werden, um das Eingriffselement 21c bzw. dessen Verbreiterung parallel oder wenigstens
mit einem derartigen Schrägwinkel zu den Langloch-Längsseiten auszurichten, dass das
Eingriffselement 21c mit seiner Verbreiterung ungehindert durch das Langloch 21b geschoben
werden kann. Je nach Position des Eingriffselements 21c innerhalb des Langlochs 21b
relativ zu dessen Längserstreckung kann der Spannbügel 21 Mundstücke 2 unterschiedlicher
Größe umfassen. Da gemäß Figur 19 keine Stellvorrichtungen oder sonstige Hilfsmittel
auf den Spannbügel 21 zu dessen Verstellung einwirken, nimmt das Eingriffselement
21c aufgrund der federharten elastisch reversiblen Materialeigenschaften und der daraus
resultierenden Rückstellkraft eine Position am äußersten Ende des Langlochs 21b ein,
wobei der Umfang maximal wird, der durch das Bandstück 21a umgriffen werden kann.
[0076] Figur 20 zeigt eine Spannschlaufe 20, welche hier einen Spannbügel 21 (vgl. Figur
19) und Anpassungsmittel zur Verschiebung bzw. zum Verstellen des Eingriffselements
21c innerhalb des Langlochs 21b aufweist, um Mundstücke 2 unterschiedlicher Größen
umgreifen bzw. umschließen bzw. umfassen zu können. Diese Mittel zur Anpassung an
unterschiedlich große Mundstücke 2 umfassen bspw eine Verstell- und Feststellschraube
22 und zwei mit der Feststellschraube kämmenden Muttern 23a, 23b. Eine der Muttern
23a, 23b ist durch Verschweißen, Vernieten, Verkleben oder sonstige lösbare oder nicht
lösbare Fügeverfahren mit dem ersten Spannbügel-Endabschnitt 21f verbunden und dort
vorzugsweise am das Langloch 21b abschließenden, freien Ende des Bandstücks fixiert.
Die andere der Muttern 23a, 23b ist mit dem zweiten Spannbügel-Endabschnitt 21g verbunden
und dort vorzugsweise am das Eingriffselement 21c bildenden, verbreiterten Ende des
Bandstücks 21a befestigt. Das Gewinde der Feststellschraube 22 ist in zwei in Schrauben-Längsrichtung
aufeinanderfolgende Abschnitte unterteilt, einen ersten Gewinde-Abschnitt 22a und
einen zweiten Gewinde-Abschnitt 22b, wobei die Drehsinne der beiden Abschnitte 22a,
22b zueinander gegenläufig, also einander entgegengesetzt orientiert sind. Der Drehsinn
des ersten Gewindeabschnitts 22a ist bspw als Rechtsgewinde ausgebildet, während das
Gewinde des zweiten Gewindeabschnitts 22b als Linksgewinde ausgebildet ist. Die beiden
Gewindeabschnitte 22a, 22b sind bspw durch eine radiale Verdickung 22c des Wellenschafts
voneinander getrennt bzw. abgegrenzt. Die Feststellschraube 22 ist über einen Handgriff
22d bedienbar bzw. betätigbar.
[0077] Figur 21 veranschaulicht in einer schematischen Ansicht auf die Stirnseite der Spannschlaufe
20 und die Stellschraube 22 in ihrer Längserstreckung die Bedienungsweise, mit der
der Spannbügel 21 bzw. das Bandstück 21a an den Durchmesser eines Mundstücks 2 angepasst
werden kann. Wird der Griff 22d der Stellschraube 22 im Uhrzeigersinn gedreht, werden
aufgrund der gegenläufigen Gewindeausrichtungen der Stellschraube 22 den beiden damit
kämmenden Muttern 23a, 23b einander entgegengesetzte Translationsbewegungen erteilt,
so dass sich der Abstand zwischen den beiden Muttern 23a, 23b vergrößert. Damit einher
geht ein zunehmendes Umspannen der Anordnung aus Aufnahmeschuh 4, Auflageanker 17a
und gegebenenfalls weiterer Teile der Rohrblatt-Fixiervorrichtung 15. Die abgebildeten
Pfeile veranschaulichen diesen Spannvorgang 24. Durch die Vergrößerung des Abstandes
zwischen den beiden Muttern 23a, 23b verringert sich der Durchmesser, den das Bandstück
21a umschließen kann. Damit wird der Spannvorgang 24 eingeleitet, mit dem, mit Montage
einer entsprechenden Fixiervorrichtung 15 (allg. 15, vgl. Figur 10 und/oder Aufnahmeschuh
4, vgl. Figur 13) an den entsprechenden Aufhängemitteln 21d (vgl. Figuren 19/20),
ein Rohrblatt 1 auf das Mundstück 2 aufgespannt werden kann.
[0078] Figur 22 zeigt eine derartige Fixiereinrichtung, gestaltet als erfindungsgemäßer
Aufnahmeschuh 4 (vgl. Figur 3), welcher mit Befestigungsmitteln 25, bspw Schrauben,
an den Aufhängemitteln 21d (vgl. Figuren 19/20) des Bandstücks 21a montiert ist. Gegenüberliegend
dem Aufnahmeschuh 4 befindet sich ein Auflageanker 17a. Durch den spezifisch über
die Stellschraube 22 und das im Langloch 21b befindliche Eingriffselement 21c eingestellten
Schließmechanismus kann auf ein Kontaktstück 17b (vgl. Figur 15) verzichtet werden.
Wird die Feststellschraube 22 am Griff 22d zum Einleiten des Spannvorgangs 24 (vgl.
Fig. 21) betätigt, bewegt sich das Eingriffselement 21c des Blechbandstücks 21a gemäß
Darstellung in Figur 22 im Langloch 21b (vgl. Fig. 19) nach zu demjenigen Langloch-Ende,
das vom freien Ende des Bandstücks 21a entfernt bzw. dessen Mittelteil 21h am nächsten
liegt. Besonders bevorzugt kann diese Anordnung aus Spannschlaufe 20 und Aufnahmeschuh
4 als Vormontage-Anordnung 19 (vgl. Figur 14) ausgeführt sein, bei dem das Rohrblatt
1 durch Federbügel 8, bspw aus Metall oder Kunststoff, im Aufnahmeschuh 4 (Fig. 6a,
6b) bereits vor Einleiten des Spannvorgangs 24 (vgl. Fig. 21) im Aufnahmeschuh 4 fixiert
ist. Dadurch ist der Montagevorgang auf das Mundstück 2 erheblich erleichtert, da
der Musiker für das Aufschieben der Spannschlaufe 20 auf das Mundstück 2 beide Hände
zur Verfügung hat und nur noch die Vorderkante 1a des Rohrblatts 1 an der Vorderkante
2b des Mundstücks 2 ausrichten muss. Zwecks Herstellung einer Materialgleichheit,
können sowohl Aufnahmeschuh 4, als auch Auflageanker 17a aus dem gleichen Material
wie das Mundstück 2 hergestellt werden. Viele Mundstücke 2 sind aus Ebonit, einem
Naturkautschuk, hergestellt. Es ist daher zweckmäßig, alle Bauteile des Blatthaltesystems,
die, montiert auf dem Mundstück 2, eine Kontaktfläche mit dem Mundstück 2 ausbilden,
aus Ebonit herzustellen. Sämtliche fremden Materialien, wie Messing oder Eisen können
damit vom Mundstück 2 ferngehalten werden.
Bezugszeichenliste
[0079]
1 Rohrblatt
1a Vorderkante des Rohrblatts
1b Schwingbereich des Rohrblatts
1c Spannbereich des Rohrblatts
1d Seitenflächen des Rohrblatts
1e Unterseite des Rohrblatts
1f Symmetrieachse oder Längsachse des Rohrblatts
2 Mundstück
2a Verbindung zum Instrumentenkörper
2b Vorderkante des Mundstücks
2c Längsachse des Mundstücks
2d Auflagefläche des Mundstücks
3 Herkömmliche Blatthalter
3a Halteblech des Blatthalters
3b Feststellschrauben das Blatthalters
4 Aufnahmeschuh
4a innere Auflagefläche des Aufnahmeschuhs
4b Begrenzungswandungen
4c Seiteninnenflächen der Begrenzungswandungen
4d Außenseite des Aufnahmeschuhs
4e Vorderkante des Aufnahmeschuhs
4f Einlegehilfe
4g Arretierlöcher
5 Spannvorrichtung
5a Spanngurt/Spannriemen
5b Feststellschraube
5c Gewinde der Feststellschraube
5d Führung der Feststellschraube
5e Aufnahmelöcher für Arretierstifte
6 Mäanderfederung für Aufnahmeschuh
6a Nuten/Einkerbungen an der Außenseite des Aufnahmeschuhs
6b Nuten/Einkerbungen an der Innenseite des Aufnahmeschuhs
7 Vormontage-Anordnung mit Aufnahmeschuh
8 Federbügel/elastische Federn
8a 4-Punktauflagerpunkt zwischen Federbügel und Rohrblatt
8b Auflagerpunkt zwischen Federbügel und Aufnahmeschuh
9 Arretierstifte/Arretierschrauben
10 Anordnung des Aufnahmeschuhs in der Spannvorrichtung
12 Distanzhalter
12a Kontaktbereich zwischen Distanzhalter und Mundstück
14 Kräfte des Blatthalters auf das Rohrblatt
15 Allgemeine Fixiervorrichtung für Rohrblatt/Druckplatte
16 Verbinder/Anker
16a flächiger Anschluss zum Oberstück
16b Befestigungsmittel
17 Oberstück
17a Auflageanker
17b Kontaktstück
18 Feststellmittel/Rändelschraube mit Gewinde
19 Vormontage-Anordnung mit Aufnahmeschuh und Distanzhalteeinrichtung
20 Spannschlaufe
21 Spannbügel/Bügel
21a Bandstück
21b Langloch
21c Eingriffselement
21d Aufhängemittel für Rohrblatt-Fixiervorrichtung oder Aufnahmeschuh
21e Längsachse des Spannbügels
21f erster Endabschnitt des Spannbügels bzw. Spannblechs
21g zweiter Endabschnitt des Spannbügels bzw. Spannblechs
21h Mittelteil des Spannbügels bzw. Spannblechs
22 Feststellschraube
22a erster Gewindeabschnitt
22b zweiter Gewindeabschnitt
22c radiale Verdickung
22d Griff
23a Mutter des ersten Gewindeabschnitts
23b Mutter des zweiten Gewindeabschnitts
24 Spannvorgang
25 Befestigungsmittel