Technisches Gebiet
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Leitschaufel für eine Turbine einer axialen
Strömungsmaschine.
Stand der Technik
[0002] Bei der Strömungsmaschine kann es sich bspw. um ein Strahltriebwerk handeln, z. B.
um ein Mantelstromtriebwerk. Funktional gliedert sich die Strömungsmaschine in Verdichter,
Brennkammer und Turbine. Etwa im Falle des Strahltriebwerks wird angesaugte Luft vom
Verdichter komprimiert und in der nachgelagerten Brennkammer mit hinzugemischtem Kerosin
verbrannt. Das entstehende Heißgas, eine Mischung aus Verbrennungsgas und Luft, durchströmt
die nachgelagerte Turbine und wird dabei expandiert. Das Heißgas, das auch als Arbeitsgas
bezeichnet wird, durchströmt auf einem Pfad von der Brennkammer über die Turbine bis
zur Düse ein Volumen, wobei vorliegend zunächst eine Leitschaufel bzw. ein Turbinenmodul
und damit ein Abschnitt dieses Pfads bzw. Volumens betrachtet wird, der nachstehend
als Ringraum in Bezug genommen wird.
[0003] Die in Rede stehende Leitschaufel weist ein Leitschaufelblatt auf, das sich zwischen
einem Innendeckband und einem Außendeckband erstreckt. Die Deckbänder begrenzen den
Ringraum, in dem das das Leitschaufelblatt umströmende Arbeitsgas geführt ist, in
radialer Richtung. Vorliegend wird zunächst auf eine Leitschaufel Bezug genommen,
diese ist dann Teil eines Leitschaufelkranzes, der umlaufend eine Mehrzahl in der
Regel baugleicher Leitschaufeln aufweist. Dies soll, wie auch die Bezugnahme auf ein
Strahltriebwerk, den vorliegenden Gegenstand zunächst illustrieren, den Erfindungsgedanken
aber nicht in seiner Allgemeinheit beschränken. Bei der Strömungsmaschine kann es
sich bspw. auch um eine stationäre Gasturbine handeln.
Darstellung der Erfindung
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt das technische Problem zugrunde, eine besonders
vorteilhafte Leitschaufel sowie ein vorteilhaftes Turbinenmodul mit einer solchen
Leitschaufel anzugeben.
[0005] Dies wird erfindungsgemäß mit der Leitschaufel gemäß Anspruch 1 sowie dem Turbinenmodul
nach Anspruch 5 gelöst. Die Leitschaufel ist als Hohlschaufel ausgeführt, ist nämlich
in ihrem Inneren von einem Leitschaufelblattkanal durchzogen, der sich zwischen einem
Einlass radial innen und einem Auslass radial außen erstreckt. Hohlschaufeln an sich
sind bekannt, nämlich als zu Kühlzwecken von einem Kühlfluid durchströmte Bauteile.
Eine Besonderheit liegt vorliegend in der Positionierung des Einlasses derart, dass
das Gas, das den Leitschaufelblattkanal im Betrieb durchströmt, zumindest anteilig
von dem in dem Ringraum geführten Arbeitsgas gebildet wird. Dieses wird also durch
den Schaufelblattkanal von radial innen nach radial außen umverteilt.
[0006] Diese Umverteilung kann zunächst den Temperaturhaushalt betreffend von Vorteil sein.
Die Temperaturen im Gehäusebereich (radial außen) sind nämlich in der Regel deutlich
höher als im Nabenbereich (radial innen). In der Folge können sich mit zunehmender
Nutzungsdauer Laufspalte radial außen stärker vergrößern, wodurch der Arbeitsumsatz
dort weiter abnimmt, die Laufspalte verursachen auch Strömungsverluste (Spaltströmung).
Mit dem Erfindungsgegenstand wird durch den Leitschaufelblattkanal kühleres Arbeitsgas
von radial innen nach radial außen gebracht. Das Außendeckband der stromabwärts der
Leitschaufel angeordneten Laufschaufel wird bei einem Design nach dem Stand der Technik
von heißem Arbeitsgas umströmt, wobei es sich stark aufheizt, was zu mechanischen
Problemen führen kann. Die hohe Fliehkraftbeanspruchung in Kombination mit hohen Temperaturen
führen zu hohen Kriechbeanspruchungen. Ein Vorteil vorliegend kann sich aus der Verringerung
der Temperatur am Außendeckband der Laufschaufel ergeben, generell ist eine Absenkung
des Temperaturniveaus im Gehäusebereich vorteilhaft.
[0007] Wie nachstehend im Einzelnen diskutiert, kann das umverteilte Gas anteilig auch ein
Sperrfluid enthalten, das radial innerhalb des Innendeckbands eingeblasen wird, um
die Rotorscheiben gegenüber den hohen Temperaturen im Ringraum abzuschirmen. Hinsichtlich
der Kompensierung des radialen Temperaturgradienten kann dies insoweit von Vorteil
sein, als das Sperrfluid in der Regel deutlich kühler als das Arbeitsgas ist, bspw.
Verdichterluft, also nicht nur Arbeitsgas umverteilt, sondern ein in der Gesamtschau
kühleres Gas nach radial außen gefördert wird. Das Absaugen des Sperrfluids dort,
wo dieses radial innen in den Ringraum strömt, kann auch strömungstechnisch und damit
den Wirkungsgrad betreffend von Vorteil sein. Das einströmende Sperrfluid hat nämlich
eine deutlich andere Geschwindigkeit und Richtung als das im Ringraum geführte Arbeitsgas,
was ohne die Absaugung die Hauptströmung erheblich stören würde. Bildlich gesprochen
wird eine strömungstechnisch problematische Grenzschicht radial innen im Ringraum
abgesaugt (in der Regel zusammen mit einem Sperrfluid, s. u.), was die Störung der
Hauptströmung verringern kann. Dementsprechend kann mit der erfindungsgemäßen Anordnung
einem Wirkungsgradeinbruch im Nabenbereich vorgebeugt werden.
[0008] Bevorzugte Ausgestaltungen finden sich in den abhängigen Ansprüchen und der gesamten
Beschreibung, wobei in der Darstellung der Merkmale nicht immer im Einzelnen zwischen
Vorrichtungs- und Verfahrens- bzw. Verwendungsaspekten unterschieden wird; jedenfalls
implizit ist die Offenbarung hinsichtlich sämtlicher Anspruchskategorien zu lesen.
Die Offenbarung bezieht sich insbesondere stets sowohl auf die Leitschaufel als auch
auf ein Turbinenmodul mit einer solchen Leitschaufel bzw. entsprechende Verwendungen.
[0009] Generell bezieht sich im Rahmen dieser Offenbarung "axial" auf die Längsachse des
Turbinenmoduls, mithin also die Längsachse der Strömungsmaschine, die bspw. mit einer
Drehachse der Rotoren zusammenfällt. "Radial" betrifft die dazu senkrechten, davon
weg weisenden Radialrichtungen, und ein "Umlauf" bzw. "umlaufend" oder die "Umlaufrichtung"
betreffen die Drehung um die Längsachse. "Ein" und "eine" sind im Rahmen dieser Offenbarung
ohne ausdrücklich gegenteilige Angabe als unbestimmte Artikel und damit immer auch
als "mindestens ein" bzw. "mindestens eine" zu lesen. Es hat also bspw. der Leitschaufelkranz
mit dem erfindungsgemäßen Leitschaufelblatt eine Mehrzahl solcher Blätter, die bspw.
um die Längsachse zueinander drehsymmetrisch angeordnet sind. Dabei können auch mehrere
Leitschaufeln integral miteinander vorgesehen, also zu einem Leitschaufelsegment zusammengefasst
sein, das dann bspw. 2, 3, 4, 5 oder 6 Schaufeln aufweisen kann.
[0010] Bezogen auf die Umströmung mit dem Arbeitsgas hat das Leitschaufelblatt eine Vorder-
und eine Hinterkante sowie zwei jeweils die Vorder- und Hinterkante miteinander verbindende
Seitenflächen, wovon eine die Saug- und die andere die Druckseite bildet. Der Leitschaufelblattkanal
ist im Inneren des Leitschaufelblatts angeordnet. Bevorzugt ist der Leitschaufelblattkanal
in seiner Erstreckung zwischen Ein- und Auslass frei von Schleifen, gibt es also genau
einen Kanal von innen nach außen, der Ein- und Auslass direkt miteinander verbindet.
[0011] Bei einer bevorzugten Ausführungsform ist der Auslass des Leitschaufelblattkanals
radial außerhalb des Außendeckbands angeordnet. Das von radial innen nach außen geführte
Gas wird also zumindest nicht direkt in den Ringraum eingeblasen, was strömungstechnisch
von Vorteil ist. Gleichwohl kann eine Kühlung des Gehäusebereichs erreicht werden.
[0012] In bevorzugter Ausgestaltung ist der Auslass zur Hinterkante des Leitschaufelblatts
nach stromabwärts versetzt. Die Angaben "stromabwärts" und "stromaufwärts" beziehen
sich generell ohne ausdrücklich gegenteilige Angabe auf die Strömung des Arbeitsgases
im Ringraum. Mit dem nach hinten versetzten Auslass kann insbesondere ein Überströmen
des Außendeckbands der nachgelagerten Laufschaufel(n) mit dem nach radial außen geführten
Gas erreicht werden, siehe unten im Detail.
[0013] Bei einer bevorzugten Ausführungsform ist der Einlass des Leitschaufelblattkanals
an einer nach stromaufwärts weisenden Vorderkante der Leitschaufel angeordnet. Ein
Einströmen von Arbeitsgas aus dem Ringraum könnte zwar im Allgemeinen auch mit einem
im Deckband selbst angeordneten Einlass erreicht werden, die Anordnung an der Vorderkante
kann jedoch bspw. hinsichtlich des anteiligen Einströmens des Sperrfluids vorteilhaft
sein.
[0014] Die Erfindung betrifft auch ein Turbinenmodul mit einer vorliegend offenbarten Leitschaufel,
bevorzugt handelt es sich dabei um ein Niederdruck-Turbinenmodul.
[0015] In bevorzugter Ausgestaltung des Turbinenmoduls ist stromaufwärts der Leitschaufel
eine Laufschaufel angeordnet (die in der Regel analog der Leitschaufel Teil eines
Kranzes mit mehreren zueinander baugleichen und drehsymmetrischen Blättern ist). Ein
Innendeckband der stromaufwärtigen Laufschaufel bildet dann gemeinsam mit dem Innendeckband
der Leitschaufel eine Labyrinthdichtung, der von radial innen ein Sperrfluid zugeführt
wird (die Labyrinthdichtung wird als "Dichtung" bezeichnet, weil sie der Abschirmung
der Rotorscheiben im Nabenbereich dient, siehe vorne). Konkret wird die Labyrinthdichtung
gebildet, indem eine stromabwärtige Hinterkante des Innendeckbands der Laufschaufel
mit einer stromaufwärtigen Vorderkante des Innendeckbands der Leitschaufel einen axialen
Überlapp hat, wobei die Hinterkante des Innendeckbands der Laufschaufel bevorzugt
radial innerhalb der Vorderkante des Innendeckbands der Leitschaufel liegt.
[0016] In bevorzugter Ausgestaltung ist als Teil der Labyrinthdichtung radial innerhalb
des Innendeckbands der Leitschaufel ein Dichtsteg vorgesehen. Dieser erstreckt sich
typischerweise von einer Dichtungsträgerwand weg nach axial vorne, mit der Hinterkante
des Innendeckbands der Laufschaufel hat er bevorzugt einen axialen Überlapp. Besagte
Hinterkante ist somit radial zwischen der Vorderkante des Innendeckbands der Leitschaufel
und dem Dichtsteg eingefasst, weswegen diese Anordnung auch als "Fischmauldichtung"
bezeichnet wird. In einem Axialschnitt betrachtet durchströmt das Sperrfluid die Labyrinthdichtung
dann von radial innen nach radial außen mit einem S-förmigen Verlauf.
[0017] Wie bereits erwähnt, kann ein Vorteil des Erfindungsgegenstands dann darin liegen,
dass dieses zur Abschirmung der Rotornabe eingebrachte Sperrfluid zumindest anteilig
durch den Einlass abgesaugt wird, sodass die Hauptströmung im Ringraum nicht maßgeblich
gestört wird. Trotz dieser Absaugung durchströmt das Sperrfluid die beschriebenen
Überlappungsbereiche, ist also der Nabenbereich gegen das Arbeitsgas gesperrt. Betrachtet
man den Lauf- bzw. Leitschaufelkranz insgesamt, bestehen die genannten Überlappungen
idealerweise unabhängig von der axialen Position des Rotors relativ zum Stator.
[0018] Das den Leitschaufelblattkanal im Betrieb durchströmende Gas ist, wie erwähnt, in
bevorzugter Ausgestaltung anteilig auch am Einlass abgesaugtes Sperrfluid. Bevorzugt
ist gleichwohl der größere Teil des nach radial außen geführten Gases im Ringraum
abgesaugtes Arbeitsgas.
[0019] Eine bevorzugte Ausführungsform betrifft ein Turbinenmodul mit einer stromabwärts
der Leitschaufel angeordneten Laufschaufel bzw. einem entsprechenden Laufschaufelkranz.
Die stromabwärtige Laufschaufel hat ein Laufschaufelblatt, das sich zwischen einem
Innendeckband (radial innen) und einem Außendeckband (radial außen) erstreckt. Der
Auslass des Leitschaufelblattkanals ist dann vorteilhafterweise derart angeordnet,
dass das nach außen geführte Gas dem Auslass nachgelagert radial außerhalb des Außendeckbands
der Laufschaufel vorbeigeführt wird bzw. das Außendeckband umströmt (es muss selbstverständlich
nicht das gesamte nach außen geführte Gas außerhalb des Außendeckbandes strömen).
Das Gas wird also zumindest nicht überwiegend in den Ringraum ausgeblasen, sondern
außerhalb des Hauptströmungskanals in den Bereich außerhalb der Deckbänder. Damit
kann einerseits bereits eine Kühlung dieses Bereichs erreicht werden.
[0020] Andererseits ist die Gasmenge in bevorzugter Ausgestaltung derart bemessen, dass
das Laufschaufelaußendeckband ausschließlich mit dem nach radial außen geführten Gas
überströmt wird. Dies bedeutet umgekehrt, dass kein Arbeitsgas aus den Grenzschichten
des Ringraums die Außendeckbänder überströmt, was thermisch von Vorteil sein kann
(das Außendeckband heizt sich weniger stark auf), insbesondere aber auch eine geringere
Störung der Hauptströmung bedeuten kann. Dementsprechend kann idealerweise auch eine
lokale Wirkungsgradverbesserung erreicht werden.
[0021] Bei einer bevorzugten Ausführungsform ist der Auslass des Leitschaufelblattkanals
derart vorgesehen, dass das austretende Gas in Umlaufrichtung aufgefächert, also divergent
ist. Dementsprechend können die eben geschilderten Effekte dann bspw. nicht nur axial
mit dem bzw. den Leitschaufelblatt bzw. -blättern fluchtend erreicht werden, sondern
idealerweise über im Wesentlichen den gesamten Umlauf.
[0022] Bei einer bevorzugten Ausführungsform ist der Auslass des Leitschaufelblattkanals
derart vorgesehen, dass sich das austretende Gas in seiner Geschwindigkeit und/oder
Richtung von dem im Ringraum geführten Arbeitsgas unterscheidet, also der Geschwindigkeit
und/oder Richtung des Arbeitsgases in diesem radial äußeren Bereich des Ringraums.
Das nach radial außen geführte Gas kann in seinen Strömungseigenschaften von dem Arbeitsgas
unabhängig eingestellt werden, es kann bspw. eine Umlaufkomponente kleiner als die
Umlaufgeschwindigkeit des stromabwärtigen Rotordeckbands sein.
[0023] Generell ergibt sich die Durchströmung des Leitschaufelblattkanals, also das Ansaugen
radial innen und das Ausblasen radial außen, aus einem Druckunterschied über die Leitschaufel.
Über die Größe (den Querschnitt des Auslasses) lässt sich die Geschwindigkeit einstellen,
die Orientierung bestimmt die Richtung des austretenden Fluidstroms. Dies eröffnet
die geschilderten Gestaltungsmöglichkeiten dahingehend, dass Strömungsverluste im
Ringraum und damit Wirkungsgradeinbußen verringert werden können. Auch Reibverluste
und damit eine lokale Aufheizung, z. B. des Außendeckbandes, können minimiert werden.
[0024] Bevorzugt weist das Turbinenmodul eine Mehrzahl Stufen auf, jeweils mit Leit- und
stromabwärtigem Laufschaufelkranz. Vorzugsweise sind dann die Leitschaufeln in allen
Stufen der Turbine mit entsprechenden Leitschaufelblattkanälen vorgesehen, sodass
sich insgesamt eine niedrigere Temperatur im Gehäusebereich einstellt. Der Kühlluftbedarf
im Gehäuse sinkt, zudem kann die Spalthaltung verbessert sein.
[0025] Bei einer bevorzugten Ausführungsform ist ein stromabwärts der Leitschaufel mit Leitschaufelblattkanal
angeordnetes Laufschaufelblatt aus einem Schmiedewerkstoff vorgesehen, bspw. aus Udimet720,
Nimonic90 oder Nimonicl 15. Bevorzugt ist die gesamte Laufschaufel aus einem Schmiedewerkstoff
vorgesehen.
[0026] Generell kann ein Schmiedewerkstoff bspw. aufgrund besserer Festigkeitseigenschaften
im Vergleich zu einem Gusswerkstoff von Interesse sein, also bspw. hinsichtlich Zugfestigkeit,
Streckgrenze, HCF, LCF, Kerbschlagzähigkeit, Bruchdehnung etc. Speziell in den hinteren
Stufen der Turbine bzw. Niederdruckturbine kann deshalb die Verwendung eines Schmiedewerkstoffs
interessant sein, bei Turbinen nach dem Stand der Technik sind jedoch die Temperaturen
hierfür in der Regel noch immer zu hoch, weswegen auf temperaturbeständige Gusswerkstoffe
zurückgegriffen wird. Mit dem erfindungsgemäßen Ansatz lassen sich insbesondere im
radial äußeren Bereich die Temperaturen reduzieren, was hinsichtlich einer erhöhten
Lebensdauer schon an sich von Vorteil sein kann, aber eben auch den Einsatz anderer
Werkstoffe ermöglicht. Bevorzugt werden Schmiedewerkstoffe eingesetzt.
[0027] Auch eine weitere bevorzugte Ausgestaltung betrifft den Einsatz eines Schmiedewerkstoffs,
aus dem dann der gesamte Turbinenblisk vorgesehen ist. Es wird also die Rotorscheibe
samt den integral daran vorgesehenen Schaufelblättern aus dem Schmiedewerkstoff gefasst.
[0028] Die Erfindung betrifft auch die Verwendung eines vorliegend beschriebenen Turbinenmoduls,
insbesondere für eine axiale Strömungsmaschine, bevorzugt ein Strahltriebwerk. Im
Zuge der Verwendung wird einerseits der Ringraum von dem Arbeitsgas durchströmt und
wird andererseits durch den Leitschaufelblattkanal von radial innen nach radial außen
Gas umverteilt, das zumindest anteilig von Arbeitsgas gebildet wird, bevorzugt anteilig
auch von Sperrfluid.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0029] Im Folgenden wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert,
wobei die einzelnen Merkmale im Rahmen der nebengeordneten Ansprüche auch in anderer
Kombination erfindungswesentlich sein können und auch weiterhin nicht im Einzelnen
zwischen den unterschiedlichen Anspruchskategorien unterschieden wird.
[0030] Im Einzelnen zeigt
Fig. 2 ein erfindungsgemäßes Turbinenmodul mit einer Leitschaufel mit Leitschaufelblattkanal
in einem Axialschnitt;
Fig. 1 im Vergleich zu Fig. 2 eine Variante ohne Leitschaufelblattkanal zur Illustration
der erfindungsgemäß erreichten Vorteile;
Fig. 3 ein Diagramm zur Illustration des radialen Temperaturverlaufs;
Fig. 4 ein Diagramm zur Illustration des radialen Wirkungsgradverlaufs;
Fig. 5 eine Strömungsmaschine mit einem Turbinenmodul gemäß Fig. 1 in einem Axialschnitt.
Bevorzugte Ausführung der Erfindung
[0031] Fig. 1 zeigt einen Ausschnitt eines Turbinenmoduls 1 in einem Axialschnitt. Ein von dem
Turbinenmodul 1 gebildeter Ringraum 2 wird im Betrieb von Arbeitsgas durchströmt,
das sich von der Brennkammer (links des Turbinenmoduls 1) zur Düse (rechts davon)
ausbreitet, vgl. auch Fig. 5 zur Illustration. In diesem Ringraum 2 ist eine Leitschaufel
3 angeordnet, die ein Innendeckband 3a, ein Außendeckband 3b und dazwischen ein Leitschaufelblatt
3c aufweist. Stromaufwärts der Leitschaufel 3 ist eine Laufschaufel 4 angeordnet,
stromabwärts davon eine Laufschaufel 5. Die Leitschaufel 3 ist geschnitten dargestellt,
das Leitschaufelblatt 3c wird von radial innen nach radial außen von einem Leitschaufelblattkanal
3d durchzogen. Der Einlass 6 in den Leitschaufelblattkanal 3d liegt am Innendeckband
3a der Leitschaufel 3, konkret an dessen stromaufwärtiger Vorderkante. Der Auslass
7 des Leitschaufelblattkanals 3d ist radial außerhalb des Außendeckbands 3b angeordnet
und bezogen auf die Hinterkante 3ca des Leitschaufelblatts 3c nach axial stromabwärts
versetzt.
[0032] Aufgrund des Druckunterschieds über die Leitschaufel 3 wird radial innen, am Einlass
6 angesaugt und radial außen, am Auslass 7 ausgeblasen. Der Einlass 6 ist dabei derart
angeordnet, dass das Gas 8, das den Leitschaufelblattkanal 3d durchströmt, anteilig
von dem im Ringraum 2 geführten Arbeitsgas gebildet wird. Konkret wird eine Seitenwandgrenzschicht
10 der Hauptströmung abgesaugt. Dies ist schon strömungstechnisch von Vorteil, zudem
sind die Temperaturen im Ringraum radial innen kleiner als radial außen, kann also
durch die Umverteilung einem übermäßigen Temperaturgradienten vorgebeugt werden.
[0033] Ferner wird durch den Einlass 6 anteilig auch ein Sperrfluid 11 eingesaugt, das zur
Abschirmung des Nabenbereichs radial innen eingebracht wird und eine Labyrinthdichtung
12 durchströmt. Letztere wird durch den axialen Überlapp eines Dichtstegs 13, des
Innendeckbands 4a der Laufschaufel 4, konkret der Hinterkante davon, und des Innendeckbands
3a der Leitschaufel 3, konkret der Vorderkante davon, gebildet. Bei diesem Sperrfluid
11 handelt es sich um deutlich kühlere Verdichterluft, deren Umverteilung nach radial
außen durch den Leitschaufelblattkanal 3d hinsichtlich der Vermeidung überproportionaler
Temperaturgradienten von Vorteil ist.
[0034] Fig. 2 zeigt zum Vergleich ein Turbinenmodul 1 mit einer analog aufgebauten Labyrinthdichtung
12, wobei das Leitschaufelblatt 3 im Unterschied zur Fig. 1 nicht mit einem Leitschaufelblattkanal
3d versehen ist. Dementsprechend strömt das Sperrfluid 11 in den Ringraum 2, was die
Hauptströmung dort stört. Zudem sind die Seitenwandgrenzschichten 10 in der Regel
ohnehin strömungstechnisch belastet, ist also insgesamt mit Strömungsverlusten und
Wirkungsgradeinbußen zu rechnen (im Vergleich zu der Variante gemäß Fig. 1). Fig.
2 illustriert ferner, dass es auch radial außen eine Leckageströmung 20 gibt, welche
die Außendeckbänder 4b, 5b der Laufschaufeln 4, 5 überströmt. Auch dies bedingt eine
Störung der Hauptströmung.
[0035] Mit dem erfindungsgemäßen Aufbau wird diese vermieden, indem der Auslass 7 des Leitschaufelblattkanals
3d derart angeordnet ist, dass das nach radial außen geführte Gas 8 das Außendeckband
5b der Laufschaufel 5 überströmt. Die Menge ist dabei derart bemessen, dass kein Arbeitsgas
aus dem Ringraum 2 das Außendeckband 5b überströmt. Dies gilt, wie aus Fig. 1 ersichtlich,
analog auch für die vorgelagerte Turbinenstufe, der Übersichtlichkeit halber bezieht
sich die Beschreibung jedoch auf die Wechselwirkung der Leitschaufel 3 mit der Laufschaufel
5.
[0036] Fig. 3 illustriert einen radialen Temperaturverlauf, wie er sich in einem Turbinenmodul
1 gemäß Fig. 2 einstellt, also ohne Umverteilung durch den Leitschaufelblattkanal
3d. Auf der x-Achse ist die Temperatur T aufgetragen, auf der y-Achse der vom Innendeckband
weg genommene Radius R. Die durchgezogene Linie gibt die Temperatur des Arbeitsgases
wieder, die primär durch das Temperaturprofil am Brennkammeraustritt bestimmt wird.
Die Temperatur nimmt nach radial außen zu, vgl. auch die Beschreibungseinleitung.
[0037] Fig. 4 illustriert den Wirkungsgrad η (x-Achse) relativ zum Radius R (y-Achse). Unter anderem
aufgrund der Grenzschichtströmung 10 und der Leckageströmung 20 ein Wirkungsgradabfall
radial innen und radial außen. Hinzu kommt eine Störung durch das radial innen in
den Ringraum strömende Sperrfluid 11. Letzteres hat, wie aus Fig. 3 ersichtlich, auch
eine deutlich geringere Temperatur als das Arbeitsgas dort, vgl. den Punkt T
11 auf der x-Achse. Strömt das Sperrfluid 11 in den Ringraum 2, stellt sich dort also
eine Mischtemperatur T
Mix ein, sodass der Temperaturgradient (ΔT
(a-Mix)) noch größer als bei Betrachtung des Arbeitsgases allein ist (ΔT
(a-i)).
[0038] Wie oben dargelegt, wird mit dem erfindungsgemäßen Ansatz das kühlere Sperrfluid
11 und zudem kühleres Arbeitsgas von radial innen nach radial außen umverteilt, sodass
sich die Temperaturgradienten verringern lassen. Aufgrund der verringerten Störung
der Hauptströmung radial innen und radial außen lässt sich auch ein verbesserter Wirkungsgradverlauf
erreichen.
[0039] Fig. 5 zeigt eine Strömungsmaschine 50 in einem Axialschnitt, konkret ein Strahltriebwerk.
Funktional gliedert sich die Strömungsmaschine 50 in Verdichter 50a, Brennkammer 50b
und Turbine 50c. Sowohl der Verdichter 50a als auch die Turbine 50c sind jeweils aus
mehreren Komponenten bzw. Stufen aufgebaut, jede Stufe setzt sich aus einem Leit-
und einem Laufschaufelkranz zusammen. Die Laufschaufelkränze rotieren vom Arbeitsgas
51 angetrieben um die Längsachse 52 der Strömungsmaschine 50. Das vorstehend beschriebene
Turbinenmodul 1 ist Teil der Turbine 50c, bildet konkret die Niederdruck-Turbine.
BEZUGSZEICHENLISTE
Turbinenmodul |
1 |
Ringraum |
2 |
Leitschaufel |
3 |
Innendeckband |
3a |
Außendeckband |
3b |
Leitschaufelblatt |
3c |
Hinterkante |
3ca |
Leitschaufelblattkanal |
3d |
Laufschaufel (stromaufwärts) |
4 |
Innendeckband |
4a |
Außendeckband |
4b |
Laufschaufelblatt |
4c |
Laufschaufel (stromabwärts) |
5 |
Innendeckband |
5a |
Außendeckband |
5b |
Laufschaufelblatt |
5c |
Einlass |
6 |
Auslass |
7 |
Gas |
8 |
Seitenwandgrenzschicht / Grenzschichtströmung |
10 |
Sperrfluid |
11 |
Labyrinthdichtung |
12 |
Dichtsteg |
13 |
Leckageströmung |
20 |
Strömungsmaschine |
50 |
Verdichter |
50a |
Brennkammer |
50b |
Turbine |
50c |
Arbeitsgas |
51 |
Längsachse |
52 |
Temperatur |
T |
Radius |
R |
Wirkungsgrad |
η |
1. Leitschaufel (3) für eine Turbine (50c) einer Strömungsmaschine (50), mit
einem Leitschaufelblatt (3c), einem Innendeckband (3a) und einem Außendeckband (3b),
wobei das Innendeckband (3a) und das Außendeckband (3b) bezogen auf eine Längsachse
(52) der Strömungsmaschine (50) einen Ringraum (2) in radialer Richtung begrenzen,
in dem im Betrieb Arbeitsgas (51) geführt ist,
und wobei das Leitschaufelblatt (3c) im Inneren von einem Leitschaufelblattkanal (3d)
durchzogen ist, der sich zwischen einem Einlass (6) radial innen und einem Auslass
(7) radial außen erstreckt,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Einlass (6) derart angeordnet ist, dass ein den Leitschaufelblattkanal (3d) im
Betrieb durchströmendes Gas (8) zumindest anteilig von dem in dem Ringraum (2) geführten
Arbeitsgas (51) gebildet wird, dieses also von radial innen nach radial außen umverteilt
wird.
2. Leitschaufel (3) nach Anspruch 1, bei welcher der Auslass (7) des Leitschaufelblattkanals
(3d) radial außerhalb des Außendeckbands (3b) der Leitschaufel (3) angeordnet ist.
3. Leitschaufel (3) nach Anspruch 2, bei welcher der Auslass (7) des Leitschaufelblattkanals
(3d) zu einer Hinterkante (3ca) des Leitschaufelblatts (3c) bezogen auf die Durchströmung
des Ringraums (2) mit dem Arbeitsgas (51) nach stromabwärts versetzt ist.
4. Leitschaufel (3) nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei welcher der Einlass (6)
des Leitschaufelblattkanals (3d) an einer bezogen auf die Durchströmung des Ringraums
(2) mit dem Arbeitsgas (51) nach stromaufwärts weisenden Vorderkante des Innendeckbands
(3a) der Leitschaufel (3) angeordnet ist.
5. Turbinenmodul (1) mit einer Leitschaufel (3) nach einem der vorstehenden Ansprüche.
6. Turbinenmodul (1) nach Anspruch 5 mit einer bezogen auf die Durchströmung des Ringraums
(2) mit dem Arbeitsgas (51) stromaufwärts der Leitschaufel (3) angeordneten Laufschaufel
(4), die ein Innendeckband (4a) und ein Laufschaufelblatt (4c) aufweist, wobei eine
nach stromabwärts weisende Hinterkante des Innendeckbands (4a) der Laufschaufel (4)
zur Ausbildung einer Labyrinthdichtung (12) einen axialen Überlapp mit einer nach
stromaufwärts weisenden Vorderkante des Innendeckbands (3a) der Leitschaufel (3) hat.
7. Turbinenmodul (1) nach Anspruch 6, bei welchem radial innerhalb des Innendeckbands
(3a) der Leitschaufel (3) ein Dichtsteg (13) angeordnet ist, der als Teil der Labyrinthdichtung
(12) radial innerhalb der Hinterkante des Innendeckbands (4a) der Laufschaufel (4)
vorgesehen ist und mit dieser einen axialen Überlapp hat.
8. Turbinenmodul (1) nach Anspruch 6 oder 7, welches dazu ausgelegt ist, dass ein Sperrfluid
(11), welches die Labyrinthdichtung (12) im Betrieb von radial innen nach radial außen
durchströmt, zumindest anteilig durch den Einlass (6) des Leitschaufelblattkanals
(3d) abgesaugt wird und den Leitschaufelblattkanal als Teil des Gases (8) durchströmt.
9. Turbinenmodul (1) nach einem der Ansprüche 5 bis 8 mit einer bezogen auf die Durchströmung
des Ringraums (2) mit dem Arbeitsgas (51) stromabwärts der Leitschaufel (3) angeordneten
Laufschaufel (5), die ein Laufschaufelblatt (5c) sowie ein Innendeckband (5a) und
ein Außendeckband (5b) aufweist, wobei der Auslass (7) des Leitschaufelblattkanals
(3d) derart angeordnet ist, dass das den Leitschaufelblattkanal (3d) durchströmende
Gas (8) zumindest anteilig radial außerhalb des Außendeckbands (5b) der Laufschaufel
(5) vorbeigeführt wird.
10. Turbinenmodul (1) nach Anspruch 9, bei welchem das Gas, das radial außerhalb des Außendeckbands
(5b) der Laufschaufel (5) vorbeigeführt wird, in seiner Menge so bemessen ist, dass
ein Überströmen des Außendeckbands (5b) der Laufschaufel (5) mit unmittelbar aus dem
Ringraum (2) austretenden Arbeitsgas (51) gesperrt ist.
11. Turbinenmodul (1) nach Anspruch 9 oder 10, bei welchem der Auslass (7) des Leitschaufelblattkanals
(3d) derart vorgesehen ist, dass das den Leitschaufelblattkanal (3d) durchströmende
Gas (8) in Umlaufrichtung divergent austritt.
12. Turbinenmodul (1) nach einem der Ansprüche 9 bis 11, bei welchem der Auslass (7) des
Leitschaufelblattkanals (3d) derart vorgesehen ist, dass das den Leitschaufelblattkanal
(3d) durchströmende Gas (8) mit einer anderen Geschwindigkeit und/oder Richtung austritt,
als sie das in dem Ringraum (2) geführte Arbeitsgas (51) in diesem Bereich hat.
13. Turbinenmodul (1) nach einem der Ansprüche 5 bis 12, bei welchem eine bzw. die stromabwärts
der Leitschaufel (3) angeordnete Laufschaufel (5) ein aus einem Schmiedewerkstoff
vorgesehenes Laufschaufelblatt (5c) aufweist.
14. Turbinenmodul (1) nach einem der Ansprüche 5 bis 12, bei welchem eine bzw. die stromabwärts
der Leitschaufel (3) angeordnete Laufschaufel (5) Teil einer Scheibe mit integralen
Schaufelblättern ist, die aus einem Schmiedewerkstoff vorgesehen ist.
15. Verwendung eines Turbinenmoduls (1) nach einem der Ansprüche 5 bis 14, bei welcher
Verwendung in dem Ringraum (2) Arbeitsgas (51) geführt wird und der Leitschaufelblattkanal
(3d) von radial innen nach radial außen von dem Gas (8) durchströmt wird, welches
zumindest anteilig von dem in dem Ringraum (2) geführten Arbeitsgas (51) gebildet
wird, sodass dieses von radial innen nach radial außen umverteilt wird.