[0001] Die Erfindung betrifft ein Gebäude mit einer Fassade, welche einen Innenraum von
einem das Gebäude umgebenden Außenraum trennt, wobei die Fassade zumindest eine verschließbare
Öffnung aufweist, durch welche ein Luftaustausch zwischen Innenraum und Außenraum
ermöglicht werden kann. Weiterhin betrifft die Erfindung ein Verfahren zum Verschließen
einer Öffnung in einer Fassade, welche einen Innenraum von einem das Gebäude umgebenden
Außenraum trennt, wobei die Öffnung einen Luftaustausch zwischen Innenraum und Außenraum
ermöglicht. Vorrichtungen und Verfahren der genannten Art können dazu verwendet werden,
ein Gebäude mit kühler Außenluft zu durchströmen und hierdurch zu entwärmen.
[0002] Aus der
WO 2014/114563 A1 ist ein Konstruktionselement mit regelbarem Wärmedurchgangskoeffizient bekannt. Dieses
kann beispielsweise dazu verwendet werden, bei kühlen Außentemperaturen im Winter
oder auch an heißen Sommertagen den U-Wert zu reduzieren, um den Wärmeeintrag bzw.
den Wärmeaustrag aus dem Gebäude zu minimieren. Wenn ein erhöhter Wärmeaustrag gewünscht
ist, beispielsweise zur Entwärmung des Innenraums in kühlen Sommernächten, kann der
U-Wert erhöht werden, sodass aus dem Innenraum Wärme an den Außenraum abgegeben werden
kann. Hierdurch kann Energie für die Kühlung bzw. Klimatisierung des Innenraumes eingespart
werden.
[0003] Dieses bekannte Konstruktionselement weist jedoch den Nachteil auf, dass der U-Wert
nicht größer werden kann als derjenige einer Doppelverglasung von etwa 2,7 W/(m
2·K). Wird das Konstruktionselement mit niedrigem U-Wert betrieben, um den Wärmeaustausch
zwischen Innen- und Außenraum zu beschränken, so reduziert sich dieser U-Wert auf
etwa 1.3, also um etwa einen Faktor 2.
[0004] Alternativ ist aus der Praxis bekannt, im Sommer Fenster oder Türen eines Gebäudes
während der kühlen Nachtstunden zu öffnen, um damit eine natürliche Durchströmung
des Gebäudes zu erzielen. Dieses Vorgehen ist jedoch oftmals aus Sicherheitsgründen
unerwünscht, da unbefugte Personen, Tiere oder auch Niederschläge in das Gebäude eindringen
können. In einigen Fällen werden geöffnete Fenster aufgrund des sich ergebenden, unruhigen
Fassadenbildes auch als unästhetisch empfunden.
[0005] Ausgehend vom Stand der Technik liegt der Erfindung somit die Aufgabe zugrunde, ein
Gebäude im Sommer effizient zu entwärmen und andererseits Wärmeverluste im Winter
zu vermeiden. Dabei soll der Energieverbrauch gegenüber einer maschinellen Lüftung
bzw. Klimatisierung reduziert und die Sicherheit gegenüber einer Fensterlüftung erhöht
sein.
[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Vorrichtung gemäß Anspruch 1 und ein
Verfahren nach Anspruch 11 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung finden
sich in den Unteransprüchen.
[0007] Erfindungsgemäß wird vorgeschlagen, ein Gebäude mit einer Öffnung zu versehen. Die
Fassade des Gebäudes kann dabei in an sich bekannter Weise in Leicht- oder Massivbauweise
ausgeführt sein. Beispielsweise kann die Fassade aus Beton, Mauerwerk, Stahlbau oder
in Holzständerbauweise errichtet sein. Die Fassade kann optional mit einer Dämmung
versehen werden, welche beispielsweise Vakuumpaneele, Hartschaum, Stein- oder Glaswolle
oder andere, an sich bekannte Dämmstoffe enthält. Die Fassade trennt auf diese Weise
einen Innenraum des Gebäudes von einem das Gebäude umgebenden Außenraum. Durch die
Fassade wird der Innenraum im Wesentlichen luftdicht, schalldicht und thermisch getrennt
vom Außenraum abgekoppelt. Unter der Fassade wird im Sinne der vorliegenden Beschreibung
zumindest ein im Wesentlichen vertikal angeordnetes Teil der Gebäudehülle verstanden.
Das so hergestellte Gebäude kann ein Wohnhaus, ein Bürohaus oder ein Industriebau
sein, beispielsweise eine Produktionshalle.
[0008] In der Fassade wird in an sich bekannter Weise zumindest eine verschließbare Öffnung
angeordnet. Die Öffnung erlaubt einen Luftaustausch zwischen Innenraum und Außenraum,
beispielsweise um verbrauchte Luft aus dem Innenraum zu entfernen oder um einen kühlen
Innenraum durch warme Umgebungsluft zu erwärmen. Insbesondere dient die Öffnung dazu,
einen in den Sommermonaten an heißen Tagen erwärmten Innenraum während der Nachtstunden
zu kühlen, indem kühlere Außenluft in den Innenraum eindringen kann. Hierzu wird die
Öffnung mit einem Verschlusselement versehen, welches dazu eingerichtet ist, den Luftaustausch
zwischen Innenraum und Außenraum zu kontrollieren. Durch Öffnen des Verschlusselementes
kann die Luft aus dem Innenraum in den Außenraum entweichen und Luft aus dem Außenraum
in den Innenraum eintreten. Durch Verschließen des Verschlusselementes kann der Luftaustausch
zwischen Innenraum und Außenraum zumindest reduziert sein. Soweit das Verschlusselement
die Öffnung im Wesentlichen luftdicht abdichtet, kann der Luftaustausch zwischen Innenraum
und Außenraum auch vollständig unterbunden sein. Die Öffnung kann somit ein Fenster,
eine Tür oder ein Lüftungskanal sein oder solche Elemente enthalten.
[0009] Erfindungsgemäß wird nun vorgeschlagen, dass das Verschlusselement zumindest ein
Dichtelement aus einem elastischen Material enthält, welches zum Verschließen der
Öffnung mit einem Innendruck beaufschlagt werden kann. Der Innendruck innerhalb des
Dichtelementes führt dazu, dass dieses seine Form ändert und/oder seinen Querschnitt
vergrößert bzw. die in der Ebene der Öffnung projizierte Fläche des Dichtelementes
vergrößert wird. Hierdurch kann das Dichtelement die freie Fläche der Öffnung vollständig
oder teilweise bedecken und so die Öffnung verschließen. Durch Reduzieren bzw. Ablassen
des Innendrucks aus dem Dichtelement wird dessen Querschnitt bzw. die in der Fläche
der Öffnung projizierte Fläche reduziert, sodass die Öffnung ganz oder teilweise freigelegt
oder zumindest ein Strömungspfad zumindest teilweise geöffnet wird. In diesem Fall
ist ein Luftaustausch zwischen Innenraum und Außenraum wieder möglich. Das Dichtelement
weist somit das Aussehen und die Funktion eines Luftkissens auf, welches durch Aufblasen
die Öffnung vollständig oder teilweise abdichten kann. Durch Ablassen des Innendrucks
wird die Öffnung vollständig oder teilweise wieder freigegeben.
[0010] In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann eine Öffnung mit einem bis etwa 20
Dichtelementen versehen sein. In einigen Ausführungsformen der Erfindung können die
Außenmaße des Dichtelementes bei Anlegen eines Innendruckes zwischen etwa 5 % und
etwa 100 % oder zwischen etwa 25 % und etwa 100 % oder zwischen etwa 50 % und etwa
100 % oder zwischen etwa 10 % und etwa 50 % oder zwischen 10 % und etwa 25 % der Öffnung
bedecken. Hierdurch kann die Betriebssicherheit erhöht oder der zum Luftaustausch
zur Verfügung stehende freie Querschnitt der Öffnung vergrößert werden.
[0011] In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann das Dichtelement eine Hülle aufweisen,
welche ein Polymer und/oder ein Metall und/oder eine Legierung enthält oder daraus
besteht. Beispielsweise kann die Hülle des Dichtelementes aus Polyethylen, Polypropylen,
Ethylen-Tetrafluorethylen, Aluminiumfolie oder anderen, hier nicht explizit genannten
Materialien bestehen. Hierdurch wird einerseits eine hohe Flexibilität sichergestellt,
welche ein zuverlässiges Öffnen und Schließen des Dichtelements ermöglicht. Andererseits
kann eine hohe UV-Beständigkeit und Witterungsbeständigkeit zu einer langen Lebensdauer
des Dichtelementes beitragen und zuverlässigen Betrieb ermöglichen.
[0012] In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann die Hülle des Dichtelementes ein
Polymer enthalten, welches mit einem Metall oder einer Legierung beschichtet ist.
Ein solches Metall oder eine Legierung kann so ausgewählt sein, dass dieses insbesondere
im infraroten Spektralbereich reflektiert. Hierdurch kann die Wärmedämmung des Dichtelementes
verbessert sein, sodass der U-Wert der Öffnung bei geschlossenem Verschlusselement
weiter abnimmt.
[0013] In einigen Ausführungsformen der Erfindung können die Außenmaße des Dichtelementes
bei Anlegen eines Innendruckes entlang des Normalenvektors der Fassade weniger als
etwa 10 cm oder weniger als etwa 5 cm oder weniger als etwa 1 cm betragen. Solche
vergleichsweise dünnen, aber großflächigen Dichtelemente weisen eine geringere konvektive
Strömung auf und können dadurch im befüllten Zustand einen niedrigeren U-Wert aufweisen.
Innerhalb der durch die Fassade definierten Ebene kann das Dichtelement eine Fläche
von etwa 0,25 m
2 bis etwa 50 m
2 oder von etwa 1 m
2 bis etwa 30 m
2 oder von etwa 1,5 m
2 bis etwa 25 m
2 oder von etwa 2 m
2 bis etwa 20 m
2 aufweisen.
[0014] In einigen Ausführungsformen der Erfindung können die Dichtelemente in mehreren Ebenen
vor der Öffnung angeordnet sein. Dies ermöglicht eine verbesserte Abdichtung und/oder
eine bessere Wärmedämmung der Öffnung in geschlossener Stellung des Verschlusselementes.
In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann die Anzahl der Lagen bzw. Ebenen der
Dichtelemente zwischen 3 und 5 oder zwischen 2 und 4 betragen.
[0015] In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann im Inneren des Dichtelementes zumindest
ein Dämmstoff angeordnet sein. Ein solcher Dämmstoff kann beispielsweise einen offenporigen
Schaum enthalten oder daraus bestehen. Hierdurch wird die Luftzirkulation im Inneren
des Dichtelementes reduziert, sodass der U-Wert weiter sinkt und die Wärmedämmung
der Fassade des Gebäudes insgesamt verbessert ist.
[0016] In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann im Inneren des Dichtelementes zumindest
ein Federelement angeordnet sein. In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann
in der Hülle des Dichtelementes zumindest ein Federelement angeordnet sein. Solche
Federelemente können dafür Sorge tragen, dass bei Ablassen des Innendruckes des Dichtelementes
dieses in eine möglichst flache bzw. platzsparende Form gebracht wird, sodass die
Zirkulation bzw. der Luftaustausch durch die Öffnung der Fassade verbessert ist. In
einigen Ausführungsformen der Erfindung können solche Federelemente als Blattfeder
ausgeführt sein. Beim Beaufschlagen des Dichtelementes mit einem Innendruck kann dieser
Druck gegen die Federkraft der Federelemente das Dichtelement in seine vergrößerte
bzw. geschlossene Form bringen.
[0017] In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann das Dichtelement zumindest teilweise
transparent oder transluzent ausgestaltet sein. Ein solches Dichtelement kann in an
sich bekannter Weise als Fensterelement oder als Oberlicht eingesetzt werden und so
das Wohlbefinden eines Benutzers im Inneren des Gebäudes zusätzlich verbessern, indem
Tageslicht in das Gebäude eindringt und/oder der Ausblick aus dem Gebäude ermöglicht
wird.
[0018] In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann die Öffnung mit zumindest einem Gitter
verschlossen sein. In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann sich das Dichtelement
bei Anlegen eines Innendrucks zumindest teilweise mit zumindest einer seiner Außenflächen
an das Gitter anlegen. Ein solches Gitter kann eine Mehrzahl von Vorteilen aufweisen.
Beispielsweise können unbefugte Personen oder Tiere auch bei geöffnetem Verschlusselement
davon abgehalten werden, in den Innenraum des Gebäudes einzudringen. Weiterhin können
die Dichtelemente bzw. das Verschlusselement insgesamt vor unbefugtem Zugriff geschützt
werden und so die Betriebssicherheit erhöht sein. Schließlich kann die Gefahr der
Beschädigung der Dichtelemente durch auftreffende Gegenstände reduziert sein und eine
flächigere Ästhetik der Fassade erreicht werden.
[0019] In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann die Öffnung in Form eines Strömungskanals
ausgebildet sein. Dies erlaubt es, die Außenseite der Fassade mit zusätzlichem Dämmmaterial
oder mit Solarkollektoren zu versehen oder auch eine gewünschte farbliche Gestaltung
oder eine Natursteinfassade aufzubringen. Die Gestaltungsfreiheit der Fassade wird
damit erhöht. Gleichwohl kann ein Luftaustausch durch den Strömungskanal mit dem hinter
der Fassade liegenden Innenraum erfolgen. Der Strömungskanal lässt sich aufgrund seines
reduzierten Querschnittes besonders einfach durch das zumindest eine Dichtelement
des Verschlusselementes abdichten, sodass der U-Wert in geschlossenem Zustand weiter
sinkt und der Schalthub vergrößert sein kann.
[0020] In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann weiterhin zumindest eine Steuereinrichtung
vorhanden sein, welche den Innendruck des Dichtelementes in Abhängigkeit einer Temperaturdifferenz
zwischen Innenraum und Außenraum und/oder in Abhängigkeit der Tageszeit und/oder in
Abhängigkeit der absoluten Temperaturen und/oder in Abhängigkeit der Jahreszeit steuert
bzw. regelt. Eine solche Steuereinrichtung kann beispielsweise einen Mikroprozessor
oder einen Mikrocontroller aufweisen. In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann
eine Software verwendet werden, welche die gewünschten Steuer- bzw. Regelvorgänge
ausführt, wenn die Software auf dem Mikroprozessor ausgeführt wird. Zusätzlich kann
die Steuereinrichtung eine Datenverbindung aufweisen, welche beispielsweise Informationen
über die Witterung, über Temperaturen, über die Tageszeit und/oder über die Jahreszeit
übermittelt. Auf diese Weise kann ein vollautomatischer Betrieb des Verschlusselementes
erfolgen, sodass der Benutzer ohne weiteres Zutun stets ein optimales Klima im Innenraum
des Gebäudes vorfindet. So kann beispielsweise während der Nachtstunden der Luftaustausch
intensiviert werden, um die tagsüber eingetragene Wärme abzuführen. In anderen Ausführungsformen
der Erfindung kann im Winter das Verschlusselement geschlossen bleiben oder nur zeitweise
im geringen Umfang geöffnet werden, um die aufgewendete Heizenergie im Gebäude zu
halten und/oder verbrauchte Luft auszutauschen.
[0021] In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann der Wärmedurchgangskoeffizient bzw.
U-Wert durch die Öffnung beim Anlegen eines Innendruckes an das zumindest eine Dichtelement
um mehr als einen Faktor 20 oder mehr als einen Faktor 100 oder mehr als einen Faktor
1000 größer sein als beim Ablassen des Innendrucks aus dem zumindest einen Dichtelement.
Dieser besonders große Schalthub im Vergleich zu dem vorbekannten Konstruktionselement
ergibt sich insbesondere durch die Möglichkeit, einen kontrollierten Luftaustausch
zwischen Innenraum und Außenraum vorzunehmen. Hierdurch kann eine größere Wärmemenge
transportiert werden, als durch reine Wärmeleitung oder Wärmestrahlung.
[0022] In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann der Innendruck des Verschlusselementes
durch Einleiten von Luft und/oder einem Edelgas und/oder Stickstoff erzeugt werden.
Ein Edelgas kann ausgewählt sein aus Argon oder Krypton. Durch Verwendung von Füllgasen
mit großer Molekülmasse kann die Diffusion innerhalb des Dichtelementes und damit
die Wärmeleitung reduziert sein, sodass der U-Wert im geschlossenen Zustand sinkt.
[0023] In einigen Ausführungsformen der Erfindung kann zum Verschließen der Öffnung ein
Überdruck von etwa 0,03 bar bis etwa 0,1 bar oder von etwa 0,05 bar bis etwa 0,08
bar vorhanden sein. Ein solcher Druck ist einfach zu erreichen, beispielsweise durch
eine Kompressor oder einen Lüfter, und erzielt bereits eine hinreichende Formstabilität
des Dichtelementes, sodass das Verschlusselement die Öffnung sicher abdichten kann.
[0024] Nachfolgend soll die Erfindung anhand von Figuren ohne Beschränkung des allgemeinen
Erfindungsgedankens näher erläutert werden. Dabei zeigt
Figur 1 eine erste Ausführungsform der Erfindung in geschlossenem Zustand.
Figur 2 zeigt die erste Ausführungsform der Erfindung in geöffnetem Zustand.
Figur 3 zeigt eine zweite Ausführungsform der Erfindung in geschlossenem Zustand.
Figur 4 zeigt die zweite Ausführungsform der Erfindung in geöffnetem Zustand.
Figur 5 zeigt eine dritte Ausführungsform der Erfindung in geschlossenem Zustand.
Figur 6 zeigt die dritte Ausführungsform in geöffnetem Zustand.
[0025] Anhand der Figuren 1 und 2 wird eine erste Ausführungsform der Erfindung erläutert.
Die Figur zeigt einen horizontalen Querschnitt durch eine Fassade 1. Die Fassade 1
trennt einen Innenraum 11 eines Gebäudes von einem das Gebäude umgebenden Außenraum
12. In der Fassade ist eine Öffnung 2 angeordnet, durch welche ein Luftaustausch zwischen
Innenraum 11 und Außenraum 12 ermöglicht werden kann. Somit kann überschüssige Wärme
und verbrauchte Luft aus dem Innenraum 11 abgeführt und durch kühlere Frischluft aus
dem Außenraum 12 ersetzt werden. Zu anderen Tages- oder Jahreszeiten kann der Luftaustausch
jedoch unerwünscht sein, beispielsweise an heißen Sommertagen, an welchen zu viel
Wärme eingetragen würde, oder auch während des Winterhalbjahres, um die Verluste an
Heizenergie zu minimieren. Daher steht ein Verschlusselement 3 zur Verfügung, mit
welchem die Öffnung 2 temporär verschlossen werden kann.
[0026] Das Verschlusselement 3 enthält zumindest ein Dichtelement 30 aus einem elastischen
Material, welches zum Verschließen der Öffnung mit einem Innendruck beaufschlagt werden
kann. Im dargestellten Ausführungsbeispiel sind neun Dichtelemente 30 dargestellt,
welche jeweils einen hexagonalen Querschnitt aufweisen. Hierdurch können benachbarte
Dichtelemente 30 im Randbereich 31 überlappend angeordnet werden, um das Auftreten
von Kältebrücken zu verringern. Um die Wärmedämmung zu erhöhen, sind die Dichtelemente
30 in unterschiedlichen Ebenen parallel zur Fassade 1 hintereinander angeordnet, sodass
an jeder Stelle entlang des Normalenvektors der Fassade 1 drei Dichtelemente hintereinander
zu liegen kommen. Aufgrund des trapezförmigen Querschnittes sind die in Figur 1 in
der Mitte dargestellten Dichtelemente gegenüber den danebenliegenden äußeren Dichtelementen
um eine halbe Dicke des Dichtelementes nach innen versetzt. Es ist darauf hinzuweisen,
dass die dargestellte Anzahl von neun Dichtelementen lediglich erläuternd und nicht
beschränkend zu verstehen ist. Die Erfindung lehrt nicht die Verwendung von exakt
neun Dichtelementen als Lösungsprinzip. Vielmehr kann sich die dargestellte Anordnung
zyklisch nach rechts und links fortsetzen, wenn die Öffnung 2 entsprechend groß bzw.
die Dichtelemente 30 entsprechend klein sind. In anderen Ausführungsformen der Erfindung
können zur Verbesserung der Wärmedämmung auch mehr als drei Dichtelemente 30 hintereinander
angeordnet sein oder weniger Dichtelemente verwendet werden, wenn eine technisch weniger
komplexe Lösung im Vordergrund steht.
[0027] Die Dichtelemente 30 weisen jeweils eine elastische Hülle 35 auf, welche durch Beaufschlagen
des Dichtelementes 30 mit einem Innendruck auseinandergefaltet werden, sodass die
Dichtelemente 30 die in Figur 1 dargestellte Form annehmen. Zum Öffnen des Verschlusselementes
3 kann der Innendruck aus den Dichtelementen 30 abgelassen werden. Diese Situation
ist in Figur 2 dargestellt. Wie aus Figur 2 ersichtlich ist, nehmen die Dichtelemente
30 nunmehr entlang des Normalenvektors der Fassade 1 nur noch eine vergleichsweise
geringe Ausdehnung ein. Hierdurch öffnet sich im Randbereich 31 jeweils ein Spalt,
durch welchen ein Luftaustausch zwischen dem Innenraum 11 und dem Außenraum 12 ermöglicht
werden kann. Da die Dichtelemente 30 aufgrund ihrer engeren Form nunmehr auch einen
geringeren Wärmedämmwert bzw. einen größeren U-Wert aufweisen, kann zusätzlich zur
Konvektion auch Strahlungswärme mit der Umgebung ausgetauscht werden. Die Hülle 35
der Dichtelemente 30 kann mit Federelementen versehen werden, welche dafür Sorge tragen,
dass die in Figur 2 dargestellte Form der Dichtelemente 30 eingenommen wird. Beim
Beaufschlagen der Dichtelemente 30 mit einem Innendruck nehmen diese wiederum die
in Figur 1 dargestellte Form entgegen der Federkraft an.
[0028] Die Hülle 35 kann in einigen Ausführungsformen der Erfindung aus einem Polymer bestehen.
Dieses kann optional mit einer metallischen bzw. spiegelnden Beschichtung versehen
sein, um Strahlungswärmeverluste zu verringern. Eine solche Beschichtung kann ein
Metall oder eine Legierung enthalten oder daraus bestehen.
[0029] Aus Figur 1 und Figur 2 ist weiterhin ersichtlich, dass die Öffnung 2 ein erstes
Gitter 41 und ein zweites Gitter 42 aufweist, welche einen Abstand 40 einschließen.
Das Verschlusselement 3 ist in diesem Abstand 40 angeordnet und so vor Beschädigung
durch äußere Einwirkungen geschützt, und zwar sowohl vom Außenraum 12 als auch vom
Innenraum 11. Das Gitter 41 bzw. 42 kann auf seiner dem Innenraum zugewandten Seite
und/oder seiner dem Außenraum zugewandten Seite eine dekorative Beschichtung aufweisen,
um dem Gebäude ein gewünschtes Aussehen zu geben.
[0030] Das Öffnen und Schließen des Verschlusselementes 3 kann somit in einfacher Weise
durch Anlegen eines Innendruckes erfolgen. Dies kann wahlweise auch durch eine elektronische
Steuer- oder Regeleinrichtung erfolgen. Anders als an sich bekannte Fenster kann die
Lüftung somit erfindungsgemäß vollautomatisch in Abhängigkeit von Tageszeit, Jahreszeit
oder Temperaturdifferenz erfolgen. Auch wenn die Öffnung 2 in der in Figur 2 dargestellten
geöffneten Stellung betrieben wird, verhindern die Gitter 41 und/oder 42 zuverlässig
das Eindringen von Schmutz, Tieren oder unerwünschten Personen, sodass die Sicherheit
im Vergleich zu einer bekannten Fensterlüftung erhöht ist.
[0031] Anhand der Figuren 3 und 4 wird eine zweite Ausführungsform der Erfindung näher erläutert.
Gleiche Bestandteile der Erfindung sind mit gleichen Bezugszeichen versehen, sodass
sich die nachfolgende Beschreibung auf die wesentlichen Unterschiede beschränkt. Wie
in Figur 4 ersichtlich ist, sind die Dichtelemente 30 im Vergleich zur vorher beschriebenen
ersten Ausführungsform um etwa 90° gedreht im Zwischenraum 40 zwischen den Gittern
41 und 42 angeordnet. Hierdurch ergibt sich ein geringerer Strömungswiderstand und
dadurch ein verbesserter Luftaustausch zwischen Innenraum 11 und Außenraum 12, wenn
das Verschlusselement 3 geöffnet ist. Im geschlossenen Zustand berühren sich die Dichtelemente
30, sodass diese den Zwischenraum 40 nahezu vollständig ausfüllen und somit eine gute
Abdichtung der Öffnung 3 mit geringem U-Wert bewirken.
[0032] Anhand der Figuren 5 und 6 wird eine dritte Ausführungsform der Erfindung erläutert.
Auch in diesem Fall sind gleiche Bestandteile der Erfindung mit gleichen Bezugszeichen
versehen. Die Figuren 5 und 6 zeigen einen Längsschnitt durch eine Fassade 1, welche
wiederum einen Innenraum 11 von einem das Gebäude umgebenden Außenraum 12 trennt.
Die Fassade 12 enthält einen Dämmstoff 15, welcher beispielsweise ein Hartschaum,
Glaswolle oder auch Steinwolle enthalten kann. Hierdurch weist die Fassade 1 gute
Dämmwerte auf. Auf der dem Innenraum 11 zugewandten Seite der Fassade 11 befindet
sich ein Gitter 41, welches einen effizienten Luftaustausch zwischen Innenraum 11
und Außenraum 12 ermöglicht. Hinter dem Gitter 41 befindet sich ein Strömungskanal
5, welcher in den Außenraum 12 mündet. Somit kann Luft vom Außenraum 12 über den Strömungskanal
5 zum Gitter 41 und von dort weiter in den Innenraum 11 strömen. Dieser Schaltzustand
der Öffnung 2 ist in Figur 6 dargestellt. Die Dichtelemente 30 liegen in diesem Fall
an einer Innenwandung des Strömungskanals 5 an, sodass der lichte Querschnitt des
Strömungskanals 5 maximiert ist.
[0033] Figur 5 zeigt die geschlossene Stellung des Verschlusselementes 3. In diesem Fall
sind die Dichtelemente 30 mit einem Innendruck beaufschlagt, sodass sich deren Querschnitt
vergrößert und der Strömungskanal 5 vollständig oder teilweise vom Dichtelement 30
ausgefüllt wird. Hierdurch wird der Strömungskanal 5 blockiert, sodass kein Luftaustausch
zwischen Innenraum 11 und Außenraum 12 möglich ist. In dem in Figur 5 dargestellten
geschlossenen Fall bestimmt die Dicke des Dämmmaterials 15 den U-Wert der Fassade
1, welcher bei einer Fassadentiefe von 0,2 m beispielsweise etwa 0,15 W/(m
2K) bis etwa 0,25 W/(m
2K) sei kann.
[0034] In dem in Figur 6 dargestellten geöffneten Fall kann Wärme über den Strömungskanal
5 entweichen, sodass der U-Wert der Fassade 1 zwischen etwa 4 und etwa 6 Watt/(m
2K) betragen kann. Der Schalthub des erfindungsgemäßen Fassadenelementes beträgt somit
einen Faktor von etwa 20 bis etwa 30. Wenn zusätzlich noch eine Druckdifferenz vorliegt,
welche zur Ausbildung einer Strömung durch den Strömungskanal 5 und das Gitter 41
führt, so ist auf diese Weise eine weitere Steigerung des U-Wertes möglich. Wenn beispielsweise
die Strömungskanäle 5 eines Fassadenelementes mit einer Fläche von einem Quadratmeter
0,05 m hoch sind und der Wind mit einer Strömungsgeschwindigkeit von 0,2 m/s durch
diese horizontalen Strömungskanäle 5 strömt, ergibt sich bei einer Temperaturdifferenz
von 15 K zwischen Innenraum 11 und Außenraum 12 ein äquivalenter U-Wert von 26. Der
Schalthub beträgt sodann mindestens einen Faktor 130. Somit ist eine sehr effiziente
Entwärmung des Innenraums 11 möglich, was zur Einsparung von Primärenergie zur Lüftung
und Klimatisierung führt.
[0035] Selbstverständlich ist die Erfindung nicht auf die dargestellten Ausführungsformen
beschränkt. Die vorstehende Beschreibung ist daher nicht als beschränkend, sondern
als erläuternd anzusehen. Die nachfolgenden Ansprüche sind so zu verstehen, dass ein
genanntes Merkmal in zumindest einer Ausführungsform der Erfindung vorhanden ist.
Dies schließt die Anwesenheit weiterer Merkmale nicht aus. Sofern die Ansprüche und
die vorstehende Beschreibung "erste" und "zweite" Ausführungsformen definieren, so
dient diese Bezeichnung der Unterscheidung zweier gleichartiger Ausführungsformen,
ohne eine Rangfolge festzulegen.
1. Gebäude mit einer Fassade (1), welche einen Innenraum (11) von einem das Gebäude umgebenden
Außenraum (12) trennt, wobei die Fassade (1) zumindest eine verschließbare Öffnung
(2) aufweist, durch welche ein Luftaustausch zwischen Innenraum (11) und Außenraum
(12) ermöglicht werden kann,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Öffnung (2) mit einem Verschlusselement (3) versehen ist, welches zumindest ein
Dichtelement (30) aus einem elastischen Material enthält, welches zum Verschließen
der Öffnung (2) mit einem Innendruck beaufschlagt werden kann.
2. Gebäude nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Außenmaße des Dichtelementes bei Anlegen eines Innendruckes zwischen etwa 5%
und etwa 100% oder zwischen etwa 25% und etwa 100% oder zwischen etwa 50% und etwa
100% oder zwischen etwa 10% und etwa 50% oder zwischen etwa 10% und etwa 25% der Öffnung
(2) bedecken.
3. Gebäude nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Dichtelement (30) eine Hülle (35) aufweist, welche ein Polymer und/oder ein Metall
und/oder eine Legierung enthält oder daraus besteht und/oder dass die Hülle des Dichtelementes
(30) ein Polymer enthält, welches mit einem Metall oder einer Legierung beschichtet
ist.
4. Gebäude nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Außenmaße des Dichtelementes (30) bei Anlegen eines Innendruckes entlang des
Normalenvektors der Fassade (1) weniger als etwa 10 cm oder weniger als etwa 5 cm
oder weniger als etwa 1 cm betragen.
5. Gebäude nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass im Inneren des Dichtelementes (30) zumindest ein Dämmstoff angeordnet ist und/oder
dass im Inneren des Dichtelementes (30) zumindest ein Federelement angeordnet ist
und/oder
dass in der Hülle (35) des Dichtelementes (30) zumindest ein Federelement angeordnet
ist.
6. Gebäude nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Dichtelement (30) zumindest teilweise transparent oder transluzent ausgestaltet
ist.
7. Gebäude nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Öffnung (2) mit zumindest einem Gitter (41, 42) verschlossen ist, an welchem
das Dichtelement (30) bei Anlegen eines Innendruckes zumindest teilweise mit zumindest
einer seiner Außenflächen anliegt.
8. Gebäude nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Öffnung (2) in Form eines Strömungskanals (5) ausgebildet ist.
9. Gebäude nach einem der Ansprüche 1 bis 8, weiterhin enthaltend zumindest eine Steuereinrichtung,
welche den Innendruck des Dichtelementes (30) in Abhängigkeit einer Temperaturdifferenz
zwischen Innenraum (11) und Außenraum (12) und/oder in Abhängigkeit der Tageszeit
und/oder in Abhängigkeit der Jahreszeit steuert bzw. regelt.
10. Gebäude nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Wärmedurchgangskoeffizient durch die Öffnung (2) beim Anlegen eines Innendruckes
an das zumindest eine Dichtelement (30) um mehr als einen Faktor 20 oder mehr als
einen Faktor 100 oder mehr als einen Faktor 1000 größer ist als bei Ablassen des Innendruckes
aus dem zumindest einen Dichtelement (30).
11. Verfahren zum Verschließen einer Öffnung in einer Fassade (1), welche einen Innenraum
(11) von einem das Gebäude umgebenden Außenraum (12) trennt, wobei die Öffnung (2)
einen Luftaustausch zwischen Innenraum (11) und Außenraum (12) ermöglicht, dadurch
ge¬kenn¬zeich¬net, dass die Öffnung (2) mit einem Verschlusselement (3) versehen ist,
welches zumindest ein Dichtelement (30) aus einem elastischen Material enthält, welches
zum Verschließen der Öffnung (2) mit einem Innendruck beaufschlagt wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Innendruck des Verschlusselementes (3) durch Einleiten von Luft und/oder einem
Edelgas und/oder Stickstoff erzeugt wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass zum Verschließen der Öffnung (2) zwischen 1 und 20 oder zwischen 1 und 4 oder zwischen
2 und 4 Dichtelemente (30) mit dem Innendruck beaufschlagt werden.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass das zumindest eine Dichtelement (30) beim Ablassen des Innendruckes durch Federkraft
verformt wird.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass der Wärmedurchgangskoeffizient durch die Öffnung (2) beim Anlegen eines Innendruckes
an das zumindest eine Dichtelement (30) um mehr als einen Faktor 20 oder mehr als
einen Faktor 100 oder mehr als einen Fakor 1000 größer ist als bei Ablassen des Innendruckes
aus dem zumindest einen Dichtelement.