[0001] Die Erfindung betrifft ein Tiefbauverfahren zum Erstellen einer säulenförmigen Struktur
im Boden, bei dem ein Tiefbauwerkzeug um eine Drehachse drehend angetrieben und mit
einem Vorschub in einen Boden eingebracht wird, wobei die säulenförmige Struktur im
Boden erstellt wird, gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Die Erfindung betrifft weiterhin ein Baugerät zum Erstellen einer säulenförmigen
Struktur im Boden, mit einem Tiefbauwerkzeug, welches drehend um eine Drehachse mittels
eines Drehantriebes antreibbar und mittels eines Vorschubantriebes in einer Vorschubrichtung
in den Boden verfahrbar ist, mindestens einer Erfassungseinrichtung zum Erfassen einer
Drehbewegung des Tiefbauwerkzeugs und einer Vorschubbewegung und mindestens einer
Sensoreinrichtung zum Erfassen mindestens eines weiteren Betriebsparameters, gemäß
dem Oberbegriff des Anspruchs 10.
[0003] Ein gattungsgemäßes Tiefbauverfahren und ein gattungsgemäßes Baugerät gehen aus der
EP 2 806 070 B1 hervor. Bei diesem bekannten Verfahren wird ein Hochdruckinjektionskörper im Boden
mittels eines Bohrgestänges erstellt, welches einen Auslass zum Ausstoßen eines Injektionsmediums
in den Boden aufweist. An dem Bohrgestänge ist ein gyroskopisches Messmittel zum Erfassen
einer durch den Ausstoß des Injektionsmediums hervorgerufenen Bewegungsrichtung von
zumindest einem Teil des Bohrgestänges vorgesehen. Ein elektronisches Auswertemittel
ermöglicht es, der momentanen Ausgaberichtung ermittelte Ausbreitungstiefen des Injektionsmediums
zuzuordnen.
[0004] Indem das Bohrgestänge mit dem Auslass gedreht wird, wird das Injektionsmedium radial
um das Bohrgestänge in den Boden gegeben. Es ist möglich, den Boden zunächst durch
einen Hochdruckwasserstrahl zu erodieren und sodann das Injektionsmedium in die Umgebung
auszustoßen, welche aus erodiertem Boden und Wasser besteht. Durch Anheben des Bohrgestänges
mit dem Auslass kann ein etwa zylinderförmiger Hochdruckinjektionskörper (HDI-Körper)
gebildet werden.
[0005] HDI-Körper oder HDI-Säulen werden für verschiedene Zwecke eingesetzt. Insbesondere
kann ein Baugrund verfestigt werden oder gegen das Eindringen von Grundwasser abgedichtet
werden. Bei Baugrubenabsicherungen können durch HDI-Körper unterschiedliche Wandtypen
miteinander verbunden werden, beispielsweise Pfahlwände und Spundwände.
[0006] Das Injektionsmedium kann grundsätzlich ein beliebiges Fluid oder eine beliebige
Flüssigkeit oder Suspension sein, welche auch mit Feststoffen versetzt sein kann.
Beispielsweise können eine Zementsuspension, Chemikalien oder Kunstharze eingesetzt
werden.
[0007] Damit ein HDI-Körper die gewünschte Abdichtung oder Stabilität bietet, müssen die
tatsächlich erzeugten Abmessungen des HDI-Körpers mit gewünschten Abmessungen ausreichend
übereinstimmen. Dies ist von besonderer Bedeutung, wenn mehrere HDI-Körper nebeneinander
im Boden eine Abdichtung bereitstellen sollen. In diesem Fall darf zwischen den HDI-Körpern
kein Freiraum verbleiben.
[0008] Die genauen Abmessungen eines HDI-Körpers, insbesondere in Radialrichtung zu dem
Bohrgestänge, können jedoch abhängig vom Boden verschieden ausfallen. So kann beispielsweise
ein Hindernis im Boden ein Eindringen des Injektionsmediums verhindern. Als Folge
hat ein erzeugter HDI-Körper in der Regel keine exakte Zylinderform. Vielmehr ist
dessen radiale Ausdehnung abhängig von der Tiefe und dem Azimutalwinkel. Dieser gibt
eine Richtung in einer Ebene senkrecht zur Bohrachse an.
[0009] Um dennoch eine abdichtende Wirkung mit HDI-Körpern bereitzustellen, werden diese
üblicherweise mit einem Überlapp im Boden erzeugt. Der Überlapp wird umso größer gewählt,
je unsicherer die Kenntnis der Abmessungen der HDI-Körper ist. Damit steigt die Anzahl
zu errichtenden HDI-Körper, womit ein größerer Zeitbedarf und höhere Kosten einhergehen.
[0010] Um den Überlapp zwischen benachbarten HDI-Körpern gering halten zu können, werden
Messeinrichtungen eingesetzt. Bei
DE 195 21 639 A1 wird die Errichtung eines HDI-Körpers mit einem Geophon überwacht. Dieses wird beabstandet
zum Bohrgestänge in den Boden getrieben. Indem es Bodenerschütterungen erfasst, kann
die Reichweite geschätzt werden, bis zu welcher das Injektionsmedium ausgestoßen wird.
Das Eintreiben eines Geophons stellt aber einen zusätzlichen Arbeitsaufwand dar, durch
den der Zeitbedarf und die personellen Anforderungen steigen. Zudem ist die hierdurch
erreichbare Genauigkeit begrenzt.
[0011] Demgegenüber werden bei einer gattungsgemäßen Vorrichtung und einem gattungsgemäßen
Verfahren, wo die Messeinrichtung am Bohrgestänge befestigt ist, Vorteile erreicht.
Der Betrieb einer solchen Messeinrichtung ist mit praktisch keinem zusätzlichen Arbeitsaufwand
verbunden. Eine solche Vorrichtung und ein solches Verfahren werden beispielsweise
in
DE 196 22 282 C1 beschrieben. Die Messeinrichtung umfasst dort einen Schallsender und -empfänger.
Der ausgesendete Schall wird an einer Grenzfläche des Bohrlochs, insbesondere zu einem
Injektionskörper, zurückgeworfen. Aus der Laufzeit des Schallsignals kann sodann die
radiale Ausdehnung des Bohrlochs oder die Ausbreitungstiefe des Injektionsmediums
bestimmt werden.
[0012] Eine weitere Vorrichtung und ein weiteres Verfahren sind aus
DE 198 34 731 C1 bekannt. Dort umfasst die Messeinrichtung eine Spule mit abwickelbarer Messleine.
Indem die Ausmaße des Abrollens der Messleine erfasst werden, kann auf die radialen
Abmessungen des Hochdruckinjektionskörpers geschlossen werden.
[0013] In dieser Weise können zwar die Maße des Injektionskörpers bestimmt werden, jedoch
bedarf die Auswertung und Interpretation der Messdaten eines nicht unerheblichen Aufwandes.
Es ist aber wünschenswert, die im Boden erstellte dreidimensionale Struktur besonders
genau zu bestimmen und eine effiziente Überprüfung des Bearbeitungsergebnisses zu
ermöglichen.
[0014] Es ist eine
Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren und ein Baugerät zum Erstellen einer dreidimensionalen
Struktur im Boden bereitzustellen, mit denen die erstellte Struktur besonders effizient
ermittelt und überprüft werden kann.
[0015] Diese Aufgabe wird durch ein Tiefbauverfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 sowie
durch ein Baugerät mit den Merkmalen des Anspruchs 10 gelöst.
[0016] Bevorzugte Varianten der Erfindung sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0017] Das erfindungsgemäße Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass beim Erstellen der
säulenförmigen Struktur eine Drehbewegung und eine Vorschubbewegung des Tiefbauwerkzeugs
über die Zeit erfasst und zu einer Auswerteeinheit weitergeleitet werden, dass mittels
einer Sensoreinrichtung mindestens ein weiterer Bearbeitungsparameter zum Erstellen
der säulenförmigen Struktur in dem Boden über die Zeit erfasst und zu der Auswerteeinheit
weitergeleitet wird und dass durch die Auswerteeinheit ein dreidimensionales Modell
der säulenförmigen Struktur erstellt und angezeigt wird.
[0018] Ein Aspekt der Erfindung besteht darin, bei einem Tiefbauverfahren zum Erstellen
einer säulenförmigen Struktur im Boden bestimmte Messwerte über die Zeit zu erfassen
und hieraus in möglichst anschaulicher Weise ein dreidimensionales Modell der erstellten
säulenförmigen Struktur zu bilden und anzuzeigen. Dabei muss das erstellte dreidimensionale
Modell der säulenförmigen Struktur kein maßstabgetreues Modell der tatsächlich im
Boden erstellten säulenförmigen Struktur, etwa eines Gründungspfahles, sein. Maßgeblich
ist, dass das erzeugte dreidimensionale Modell anschaulich eine korrekte Durchführung
des Tiefbauverfahrens und mögliche Fehlstellen der erzeugten Struktur darstellen kann.
Dabei werden während des Herstellungsprozesses eine Drehbewegung des drehenden Tiefbauwerkzeuges
und gleichzeitig eine Vorschubbewegung des Tiefbauwerkzeuges über die Zeit erfasst.
[0019] Weiterhin wird mindestens ein weiterer Bearbeitungsparameter über die Zeit erfasst,
welcher für das Erstellen der säulenförmigen Struktur im Boden wesentlich ist. Hieraus
kann dann durch die Auswerteeinheit ein anschauliches dreidimensionales Säulenmodell
der säulenförmigen Struktur erstellt und unmittelbar an einer Anzeigeeinrichtung an
einer Bedien- oder Überwachungsstation, etwa unmittelbar im Baugerät, angezeigt werden.
[0020] So kann etwa einem Maschinenbediener unmittelbar angezeigt werden, wenn die erstellte
säulenförmige Struktur im Boden eine unerwünschte Fehlstelle aufweist. Durch dieses
unmittelbare Anzeigen kann der Maschinenbediener unmittelbar, insbesondere solange
etwa eine eingebrachte Zementsuspension noch nicht ausgehärtet ist, eine Nacharbeitung
mit dem Tiefbauwerkzeug durchführen. Eine derartige zeitnahe Fehlerbehebung ist deutlich
einfacher und kostengünstiger durchführbar als wenn eine Fehlstelle erst bei der fertigen
und ausgehärteten Struktur im Boden festgestellt wird.
[0021] Grundsätzlich kann eine beliebige säulenförmige Struktur im Boden erstellt werden,
etwa ein HDI-Element für einen Injektionsanker oder eine Kalk- oder Kiessäule. Besonders
bevorzugt ist es nach einer Ausführungsform der Erfindung, dass als säulenförmige
Struktur ein Gründungspfahl im Boden erstellt wird. Der Gründungspfahl kann dabei
durch ein materialabtragendes Bohren oder durch ein Verdrängungsbohren hergestellt
werden, wobei in das erzeugte Bohrloch eine aushärtbare Suspension eingeleitet wird.
[0022] Dabei ist es nach einer Weiterbildung der Erfindung besonders vorteilhaft, dass als
Tiefbauwerkzeug ein Bohrwerkzeug mit Injektionsöffnung oder eine Injektionslanze zum
Injizieren einer aushärtbaren Suspension verwendet wird und dass eine aushärtbare
Suspension durch das drehende Tiefbauwerkzeug in den Boden zum Erstellen der säulenförmigen
Struktur in den Boden eingebracht wird. Mit derartigen drehenden Bohrwerkzeugen können
gleichzeitig das Bohrloch erstellt und im gleichen oder einem anschließenden Arbeitsgang
die aushärtbare Suspension eingebracht werden. Bei diesem Einbringen führt das Bohrwerkzeug
mit der Injektionsöffnung eine schraubenförmige Bewegung durch, welche durch eine
Überlagerung zwischen einer Drehbewegung und einer Vorschubbewegung entsteht.
[0023] Als weiterer Betriebsparameter kann jeder Parameter beim Erstellen der säulenförmigen
Struktur im Boden erfasst werden, welcher eine Aussage über die erstellte Struktur
im Boden zulässt. Besonders vorteilhaft ist es dabei, dass als mindestens ein weiterer
Betriebsparameter ein Injektionsdruck, ein Pumpendruck, ein Injektionsvolumen, eine
Temperatur, eine Werkzeugauslenkung und/oder ein Schallmesswert erfasst wird. Diese
Parameter können einzeln oder auch in einer beliebigen Kombination zueinander erfasst
und zum Erzeugen des dreidimensionalen Modells herangezogen werden. Eine besonders
gute Aussage über das Einbringen einer aushärtbaren Suspension kann durch Messung
einer Werkzeugauslenkung oder eines Schalls erfasst werden, so wie dies etwa in den
in der Beschreibungseinleitung genannten Druckschriften
EP 2 896 070 B1 beziehungsweise
DE 196 22 282 C1 angegeben und einem Durchschnittsfachmann auch grundsätzlich bekannt ist.
[0024] Nach einer weiteren Verfahrensvariante der Erfindung ist es bevorzugt, dass durch
die Auswerteeinheit abhängig von der über die Zeit erfassten Drehbewegung und Vorschubbewegung
eine helixförmige Zeitachse gebildet wird und dass der mindestens eine über die Zeit
erfasste Bearbeitungsparameter zum Bilden des dreidimensionalen Modells der helixförmigen
Zeitachse zugeordnet wird. Die Auswerteeinheit kombiniert dabei die ermittelte Drehbewegung
und die ermittelte Vorschubbewegung so, dass keine linienförmige gerade Zeitachse
gebildet wird, sondern eine helixförmige Zeitachse. Dabei kann die Mittenachse der
Helixform vorzugsweise ein Maß für den zurückgelegten Weg, also die Tiefe im Boden,
sein. Wird nunmehr der mindestens eine weitere Parameter über die helixförmige Zeitachse
abgetragen, ergibt dies eine anschauliche Darstellung, die unmittelbare Vergleiche
zu der im Boden tatsächlich erstellten Säulenstruktur zulässt und insbesondere Abweichungen
und Fehlstellen leicht erkennen lässt.
[0025] Besonders vorteilhaft ist es dabei, dass durch die Auswerteeinheit nach Zuordnung
des mindestens einen Bearbeitungsparameters zu der helixförmigen Zeitachse das dreidimensionale
Modell der säulenförmigen Struktur durch Interpolation gebildet wird. Dabei werden
die zwischen den Schraubenwindungen fehlenden Bereiche durch entsprechende Interpolation
der in Axialrichtung gegenüberliegenden Betriebsparameter auf den angrenzenden Windungen
der helixförmigen Zeitachse mathematisch bestimmt. Vorzugsweise wird hierbei eine
lineare Interpolation vorgesehen. So kann relativ einfach aus einer linearen Erfassung
eines Parameters ein räumliches, säulenförmiges Modell erstellt werden.
[0026] Eine bevorzugte Verfahrensvariante besteht weiter darin, dass die Drehbewegung unmittelbar
an einem Drehantrieb oder durch ein Drehzahlmesselement an dem Tiefbauwerkzeug erfasst
wird. Das Drehzahlmesselement kann insbesondere ein Drehzahlmesser sein. Alternativ
kann die Drehbewegung auch unmittelbar von einem Drehzahlmesser am Drehantrieb abgenommen
werden.
[0027] Eine Messung der Vorschubbewegung kann grundsätzlich in jeder geeigneten Weise erfolgen.
Besonders bevorzugt ist es, dass die Vorschubbewegung unmittelbar an einem Vorschubantrieb
oder durch ein Wegmesselement an dem Tiefbauwerkzeug erfasst wird.
[0028] Ein besonders effizientes Tiefbauverfahren wird nach einer Weiterbildung der Erfindung
dadurch erreicht, dass in der Auswerteeinheit ein dreidimensionales Soll-Modell für
die zu erstellende säulenförmige Struktur im Boden abgespeichert ist, dass durch die
Auswerteeinheit das ermittelte dreidimensionale Modell für die säulenförmige Struktur
als ein Ist-Modell mit dem Soll-Modell verglichen wird und dass an einer Anzeigeeinrichtung
Abweichungen zwischen dem Soll-Modell und dem Ist-Modell angezeigt werden. Diese Abweichungen
können als Fehlstellen angesehen werden, insbesondere wenn das Ist-Modell in seinem
Außenumfang nicht dem Soll-Modell mit seinem Außenumfang entspricht. Diese Fehlstellen
können vorzugsweise auf einem farbigen Display mit einer anderen Farbe, etwa der Farbe
Rot, dargestellt werden. Somit ist für einen Maschinenbediener unmittelbar eine Fehlstelle
oder eine nicht ausreichende Ausbildung der säulenförmigen Struktur im Boden ersichtlich.
Wenn die Längsachse des säulenförmigen Modells einer Vertikalachse der säulenförmigen
Struktur im Boden entspricht, kann auch unmittelbar die Tiefenlage festgestellt werden,
in der eine Fehlstelle bei der erstellten säulenförmigen Struktur im Boden vorliegt.
Somit kann diese Fehlstelle unmittelbar durch den Maschinenbediener durch eine Nachbearbeitung
beseitigt werden.
[0029] Das erfindungsgemäße Baugerät ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Auswerteeinheit
vorgesehen ist, welche mit der mindestens einen Erfassungseinrichtung und der Sensoreinrichtung
verbunden ist, wobei die Auswerteeinheit ausgebildet ist, basierend auf den erfassten
Daten ein dreidimensionales Modell der säulenförmigen Struktur zu erstellen, und dass
eine Anzeigeeinrichtung vorgesehen ist, mit der das erstellte dreidimensionale Modell
der säulenförmigen Struktur anzeigbar ist.
[0030] Mit dem erfindungsgemäßen Bohrgerät kann insbesondere das zuvor beschriebene erfindungsgemäße
Verfahren ausgeführt werden. Es ergeben sich dabei die zuvor beschriebenen Vorteile.
[0031] Das Baugerät kann insbesondere ein Bohrgerät zum Erstellen eines Gründungspfahles
im Boden oder eines Injektionsankers sein.
[0032] Besonders bevorzugt ist es nach einer Weiterbildung der Erfindung, dass das Tiefbauwerkzeug
ein Bohrwerkzeug mit Injektionsöffnung oder einer Injektionslanze zum Injizieren einer
aushärtbaren Suspension ist. Dabei wird als weiterer Bearbeitungsparameter vorzugsweise
ein Messwert herangezogen, welcher ein Maß für die eingebrachte aushärtbare Suspension
pro Zeit und Ort darstellt.
[0033] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Bohrgerätes besteht
darin, dass ein Drehzahlmesselement vorgesehen ist, mit dem eine Drehbewegung des
Tiefbauwerkzeugs über die Zeit erfassbar ist, und/oder dass ein Wegmesselement vorgesehen
ist, mit dem ein Verfahrweg des Tiefbauwerkzeuges über die Zeit erfassbar ist.
[0034] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen erläutert,
welche schematisch in den Zeichnungen dargestellt sind. In den Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1
- einen Ausschnitt eines stark schematisierten Baugeräts bei der Herstellung einer säulenförmigen
Struktur im Boden;
- Fig. 2
- ein Messdatenbeispiel einer Datenkurve einer gemessenen Schallintensität über die
Zeit bei der Erstellung einer säulenförmigen Struktur im Boden gemäß der Anordnung
von Fig. 1;
- Fig. 3
- eine helixförmige Darstellung der Zeitachse t über den Weg s, wobei ein 360°-Abschnitt
der Helix einer Drehung des Tiefbauwerkzeuges gemäß Fig. 1 entspricht; und
- Fig. 4
- eine Veranschaulichung der schematischen Übertragung einer Rohdatenkurve gemäß Fig.
2 auf die helixförmige Zeitachse und die schematische Ermittlung eines dreidimensionalen
säulenförmigen Modells hieraus.
[0035] Fig. 1 zeigt schematisch ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Baugeräts
100 zur Herstellung einer säulenförmigen Struktur 32 in einem Boden 3.
[0036] Das Baugerät 100 umfasst als ein Tiefbauwerkzeug 10 ein Bohrgestänge, mit dem ein
in Fig. 1 ausschnittsweise dargestelltes Bohrloch 5 erzeugt werden kann. An dem gestängeförmigen
Tiefbauwerkzeug 10 ist eine Injektionsöffnung 20 ausgebildet. Durch diese kann ein
Injektionsmedium 22 aus dem Tiefbauwerkzeug 10 in den Boden 3 ausgestoßen werden.
Die Injektionsöffnung 20 ist gemeinsam mit dem Tiefbauwerkzeug 10 oder auch unabhängig
hiervon um eine Drehachse 14, auch Bohrachse genannt, drehbar. Dadurch wird eine säulenförmige
Struktur 32 erzeugt, welche das stangenförmige Tiefbauwerkzeug 10 umgibt.
[0037] Das ausgestoßene Injektionsmedium 22 dringt bis zu einer Ausbreitungstiefe 28 vor.
Die Ausbreitungstiefe 28 ist eine radiale Strecke, die ab der Injektionsöffnung 20
oder ab der Drehachse 14 bestimmt sein kann. Aufgrund von Hindernissen im Boden kann
die Größe der Ausbreitungstiefe 28 vom Azimutwinkel um die Drehachse 14 und/oder von
der Höhe der Injektionsöffnung 20 entlang der Drehachse 14 abhängen.
[0038] Zur Messung der Ausbreitungstiefe 28 ist eine Sensoreinrichtung 40 mitdrehend an
dem Tiefbauwerkzeug 10 angeordnet. Dieses empfängt ein Messsignal, beispielsweise
ein Schallsignal. Als Schallsignal kann das Injektionsgeräusch verwendet werden oder
es kann mit einem Sender ein akustisches Signal ausgesandt werden, dessen Reflexionen
als Schallsignal von der Sensoreinrichtung 40 gemessen wird. Das Signal kann insbesondere
an einer Grenzfläche zwischen dem Injektionsmedium 22 und dem Boden 3 zurückgeworfen
werden.
[0039] Zu der ermittelten Ausbreitungstiefe 28 wird auch die zugehörige Azimutalrichtung
ermittelt, welche eine Drehstellung der Injektionsöffnung 20 um die Drehachse 14 angibt.
Hierfür können kryoskopische Messmittel 30 am stangenförmigen Tiefbauwerkzeug 10 vorgesehen
sein. Diese erfassen eine Bewegungsrichtung 26 von zumindest einem Teil des Tiefbauwerkzeuges
10. Diese Bewegung wird durch den Ausstoß des Injektionsmediums 22 verursacht. Daher
sind eine Ausstoßrichtung 24 und die Bewegungsrichtung 26 des Bohrgestänges 10 gerade
entgegengesetzt zueinander. Somit kann eine elektronische Auswerteeinheit aus den
Messwerten der kryoskopischen Messmittel 30 verschiedener Ausstoß- oder Ausgaberichtungen
24 der Injektionsöffnung 20 errechnet werden. Eine korrekte Drehstellung kann auch
über die Erfassung des Drehwinkels oder einer Drehzahl ausgehend von einer Ausgangsdrehstellung
ermittelt und erfasst werden.
[0040] Vorzugsweise werden für eine 360°-Drehung der Injektionsöffnung 20 mehrere verschiedene
Ausgaberichtungen 24 nacheinander mit den kryoskopischen Messmitten 30 erfasst und
die zugehörigen Ausbreitungstiefen 28 zu der Auswerteeinheit weitergeleitet. Dadurch
können die Abmessungen der gebildeten säulenförmigen Struktur 32 im Boden mit hoher
Genauigkeit ermittelt werden.
[0041] In Fig. 2 ist eine mögliche Rohdatenkurve gezeigt, welche mit der Anordnung von Fig.
2 durch eine Schallmessung ermittelt wird. Dabei zeigt Fig. 2 über eine Zeitachse
t die periodisch je Umdrehung gemessene Schallintensität I, welche ein Maß für die
Ausbreitungstiefe des Injektionsmediums 22 und damit als ein Maß für die äußere Form
der im Boden erstellten säulenförmigen Struktur 32 darstellt. Die säulenförmige Struktur
32 kann dabei insbesondere ein Gründungpfahl im Boden 3 sein.
[0042] Gemäß der Erfindung wird die unmittelbar wenig aussagekräftige Rohdatenkurve auf
eine helixförmige Zeitachse t übertragen, welche schematisch in Fig. 3 dargestellt
ist. Dabei ist die Längsachse s der Helixform ein Maß für den zurückgelegten Weg beziehungsweise
die Tiefe des Tiefbauwerkzeuges 10 im Boden 3. Eine 360°-Wicklung der Helixform stellt
dabei eine 360°-Drehung des Tiefbauwerkzeugs 10 im Betrieb dar, wobei der zugehörige
Axialweg s mit einem Vorschub des Tiefbauwerkzeuges 10 pro Umdrehung korrespondiert.
[0043] Auf die so gebildete helixförmige Zeitachse t gemäß Fig. 3 kann die Rohdatenkurve
gemäß Fig. 2 mit dem Schallwert als weiterem Bearbeitungsparameter übertragen werden.
Hieraus kann dann durch eine einfache mathematische Interpolation gemäß Fig. 4 ein
säulenförmiges Modell 50 erstellt und an einer Anzeigeeinrichtung vorzugsweise an
dem Baugerät 100, angezeigt werden. Dabei können die Werte für die Schallintensität
I in einer radialen Richtung zur Längsachse s aufgetragen werden, so dass sich eine
im Wesentlichen zylindrische Säulenform ergibt. Aufgrund von Abweichungen in der Schallintensität
lassen sich in dem säulenförmigen Modell 50 Abweichungen als Dellen 52 oder Beulen
und damit als mögliche Fehlstellen bei dem erstellten Gründungspfahl unmittelbar erkennen.
1. Tiefbauverfahren zum Erstellen einer säulenförmigen Struktur (32) im Boden (3), bei
dem ein Tiefbauwerkzeug (10) um eine Drehachse (14) drehend angetrieben und mit einem
Vorschub in einen Boden (3) eingebracht wird, wobei die säulenförmige Struktur (32)
im Boden (3) erstellt wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass beim Erstellen der säulenförmigen Struktur (32) eine Drehbewegung und eine Vorschubbewegung
des Tiefbauwerkzeugs (10) über die Zeit erfasst und zu einer Auswerteeinheit weitergeleitet
werden,
dass mittels einer Sensoreinrichtung (40) mindestens ein weiterer Bearbeitungsparameter
beim Erstellen der säulenförmigen Struktur (32) in dem Boden (3) über die Zeit erfasst
und zu der Auswerteeinheit weitergeleitet wird und
dass durch die Auswerteeinheit ein dreidimensionales Modell (50) der säulenförmigen Struktur
(32) erstellt und angezeigt wird.
2. Tiefbauverfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass als säulenförmige Struktur (32) ein Gründungspfahl im Boden (3) erstellt wird.
3. Tiefbauverfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Tiefbauwerkzeug (10) ein Bohrwerkzeug mit Injektionsöffnung (20) oder eine Injektionslanze
zum Injizieren einer aushärtbaren Suspension verwendet wird und
dass eine aushärtbare Suspension durch das drehende Tiefbauwerkzeug (10) in den Boden
(3) zum Erstellen der säulenförmigen Struktur (32) eingebracht wird.
4. Tiefbauverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass als mindestens ein weiterer Betriebsparameter ein Injektionsdruck, ein Pumpendruck,
ein Injektionsvolumen, eine Temperatur, eine Werkzeugauslenkung und/oder ein Schallmesswert
erfasst wird.
5. Tiefbauverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass durch die Auswerteeinheit abhängig von der über die Zeit erfassten Drehbewegung und
Vorschubbewegung eine helixförmige Zeitachse gebildet wird und dass der mindestens
eine über die Zeit erfasste Bearbeitungsparameter zum Bilden des dreidimensionalen
Modells (50) der helixförmigen Zeitachse zugeordnet wird.
6. Tiefbauverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Drehbewegung unmittelbar an einem Drehantrieb oder durch ein Drehzahlmesselement
an dem Tiefbauwerkzeug (10) erfasst wird.
7. Tiefbauverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Vorschubbewegung unmittelbar an einem Vorschubantrieb oder durch ein Wegmesselement
an dem Tiefbauwerkzeug (10) erfasst wird.
8. Tiefbauverfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass durch die Auswerteeinheit nach Zuordnung des mindestens einen Bearbeitungsparameters
zu der helixförmigen Zeitachse das dreidimensionale Modell (50) der säulenförmigen
Struktur (32) durch Interpolation gebildet wird.
9. Tiefbauverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass in der Auswerteeinheit ein dreidimensionales Soll-Modell für die zu erstellende säulenförmige
Struktur (32) im Boden (3) abgespeichert ist,
dass durch die Auswerteeinheit das ermittelte dreidimensionale Modell (50) für die säulenförmige
Struktur (32) als ein Ist-Modell mit dem Soll-Modell verglichen wird und
dass an einer Anzeigeeinrichtung Abweichungen zwischen dem Soll-Modell und dem Ist-Modell
angezeigt werden.
10. Baugerät zum Erstellen einer säulenförmigen Struktur (32) im Boden (3), insbesondere
mit einem Tiefbauverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
mit
- einem Tiefbauwerkzeug (10), welches drehend um eine Drehachse (14) mittels eines
Drehantriebes drehend antreibbar ist und mittels eines Vorschubantriebes in einer
Vorschubrichtung in den Boden (3) verfahrbar ist,
- mindestens einer Erfassungseinrichtung zum Erfassen einer Drehbewegung des Tiefbauwerkzeuges
(10) und einer Vorschubbewegung über die Zeit und
- mindestens einer Sensoreinrichtung (40) zum Erfassen mindestens eines weiteren Bearbeitungsparameters,
dadurch gekennzeichnet,
- dass eine Auswerteeinheit vorgesehen ist, welche mit der mindestens einen Erfassungseinrichtung
und der Sensoreinrichtung (40) verbunden ist, wobei die Auswerteeinheit ausgebildet
ist, basierend auf den erfassten Daten ein dreidimensionales Modell der säulenförmigen
Struktur (32) zu erstellen, und
- dass eine Anzeigeeinrichtung vorgesehen ist, mit der das erstellte dreidimensionale Modell
(50) der säulenförmigen Struktur (32) anzeigbar ist.
11. Baugerät nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Tiefbauwerkzeug (10) ein Bohrwerkzeug mit Injektionsöffnung (22) oder einer Injektionslanze
zum Injizieren einer aushärtbaren Suspension ist.
12. Bohrgerät nach Anspruch 10 oder 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein Drehzahlmesselement vorgesehen ist, mit dem eine Drehbewegung des Tiefbauwerkzeugs
(10) über die Zeit erfassbar ist, und/oder dass ein Wegmesselement vorgesehen ist,
mit dem ein Verfahrweg des Tiefbauwerkzeuges (10) über die Zeit erfassbar ist.