[0001] Die Erfindung betrifft eine Wand, z.B. als Frontwand, Innenfrontwand, Rückwand, Seitenwand
oder Blende, insbesondere für einen Ausschub, wie z.B. eine Schublade oder dergleichen,
bestehend aus Metall, insbesondere aus Stahl, als L-, U-, C oder Hohlprofil, mit wenigstens
einer Kante, deren Außenradius gleich oder kleiner ist als die Materialdicke des Profils.
[0002] Es ist allgemein bekannt, eine Wand, die sichtbar oder verdeckt als Möbelteil verwendet
wird, aus Aluminium im Strangpressverfahren herzustellen. Dabei sind relativ kleine
Radien an den Kanten möglich.
[0003] Es ist außerdem bekannt, dass in der Sanitär- und Ladenbauindustrie Formteile, insbesondere
Kassetten und Deckel mit seitlichen Aufkantungen, aus Blech hergestellt werden, die
üblicherweise gebogen werden. Aus optischen Gründen ist es erwünscht, dass die äußeren
Biegekanten möglichst scharfkantig und die Ecken spitz ausgeführt werden. Beim konventionellen
Biegen entstehen Außenradien, die mindestens die Größe der Blechdicke aufweisen. Üblicherweise
betragen die Außenradien das 1,5- bis 2-fache der Blechdicke. Um das gewünschte Erscheinungsbild
zu erzielen werden die Kanten gegenwärtig spanend nachbearbeitet, oder die Winkel
werden aus scharfkantig geschnittenen Einzelblechen zusammengefügt. In der
DE 20 2014 005 638 U1 werden scharfkantig und spitzeckig gebogenes Blechformteil offenbart, wobei der Außenradius
der Biegekante kleiner ist als die Blechdicke des Ausgangsmaterials. Aus der
WO 2017/106890 A1 ist eine Schubladenseitenwand bekannt, deren Stahlblech entsprechend gebogen und
anschließend mit einem metallischen Trägerprofil verschweißt wird, sodass die Seitenwand
eine ausreichende Verwindungssteifigkeit aufweist. Die
10 2009 004 674 A1 betrifft eine Vorrichtung zum Biegen eines U- oder L-Blechprofils zu einer winkelförmigen,
insbesondere rechtwinkligen Ecke. Aus der
AT 402 593 B ist eine Schubladenzarge aus Stahlblech mit mehreren Stegen bekannt. Die
DE 39 34 419 A1 offenbart ein Schubladen-Seitenwandprofil aus Metall mit einer die senkrechte Seitenwand
der Schublade bildenden Stegwand. Ein Seitenwandprofil ist aus wenigstens zwei aus
Metallblech gekanteten Teilprofilen hergestellt, von denen das eine Teilprofil den
oberen Teil der Stegwand und den oberen streifenförmigen Schenkelabschnitt und das
andere Teilprofil den unteren Teil der Stegwand und den unteren streifenförmigen,
den Schubladenboden haltenden Schenkel umfasst. Die Teilprofile werden in einem streifenförmigen
Bereich in Übereinanderlage gebracht und miteinander verbunden.
[0004] Die
EP 0 692 208 A1 zeigt eine Schublade mit metallischen Schubladenzargen, deren Vertikalstege die Seitenbegrenzung
der Schublade zumindest im Bereich des Schubladenbodens bilden und die unten einen
horizontalen Auflagesteg aufweisen, auf dem eine Bodenplatte aufliegt, wobei aus den
Schubladenzargen mehrere Lappen ausgestanzt und ausgebogen sind, die bei ihren freien
Enden mit einem Loch versehen sind und die Lappen zwischen ihrer Verbindungsstelle
mit dem Auflagesteg und dem Loch einen Knick aufweisen, und die Lappen beim Knick
steifer sind als an der Verbindungsstelle mit dem Auflagesteg.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde eine Wand für ein Möbel bereit zu stellen,
das nicht mittels eines Strangpressprofils hergestellt wurde, das aber dennoch kleine
Radien aufweist, insbesondere an den Kanten und Ecken.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einer Wand gelöst, wobei die Wand als Frontwand,
Innenfrontwand, Rückwand, Seitenwand oder Blende, insbesondere für einen Ausschub,
wie z.B. eine Schublade oder dergleichen, ausgebildet ist und aus Metall, insbesondere
aus Stahl besteht, und durch Umformung ein L-, U-, C oder Hohlprofil aufweist, mit
wenigstens einer Kante, deren Außenradius gleich oder kleiner ist als die Materialdicke
des Profils, wobei die Umformung des Profils mittels einer Prägebiegung erfolgt, und/oder
wobei die Kante auf der Innenfläche angestanzt oder der Kante auf der Innenfläche
eine Sicke eingeprägt ist.
[0007] Die Verwendung eines durch Umformen hergestellten L-, U-, C- oder Hohlprofils als
Frontwand, Innenfrontwand, Rückwand, Seitenwand oder Blende, die aus Metall, insbesondere
aus Stahl besteht, besitzt gemäß der Erfindung den wesentlichen Vorteil gegenüber
stranggepressten Profilen, dass sie dünnwandig ausgebildet sein können und daher leicht
sind, und dass deren Kanten und Ecken Radien aufweisen, die gleich oder kleiner sind,
als die Wanddicke.
[0008] Das Metall wird im umzubiegenden Bereich in einen kleinen Radius eingepresst, wodurch
das Material in diesem Bereich verdichtet wird. Außerdem wird die Wandstärke in diesem
Bereich verringert, so dass beim anschließenden oder gleichzeitig Biegen kleinere
Radien erzeugt werden können.
[0009] Alternativ wird das Metall im Bereich der vorzusehenden Kante auf der Innenfläche
angestanzt oder es wird eine Sicke eingeprägt. Auf diese Weise wird der Kanten- oder
Eckbereich beim anschließenden Umbiegen mit einem kleineren Radius wie üblich versehen.
[0010] Ein weiterer wesentlicher Vorteil der Erfindung besteht bei einem Ausführungsbeispiel
darin, dass das Material beim Umbiegen kaltverdichtet wird.
[0011] Erfindungsgemäß weist das Material im gebogenen Bereich eine höhere Festigkeit auf.
Das Verpressen des Materials vor oder während des Biegens erfolgt bei Zimmertemperatur
und führt zu einer zusätzlichen Materialverdichtung im umzubiegenden Bereich.
[0012] Dabei verläuft in bevorzugter Weise die Sicke parallel zur Kante, d.h. die Sicke
verläuft nach dem Umbiegen direkt gegenüber der Kante. Bei einer anderen Variante
liegt die Sicke mit geringem Abstand seitlich versetzt zur Diagonalen der Kante. Hierdurch
kann gezielt auf die Formgebung des Radius Einfluss genommen werden. Dabei kann der
Radius in Richtung der einen Seitenfläche größer gestaltet sein, als der Radius zur
anderen Seitenfläche, so dass die Krümmung der Kante von der einen zur anderen Seitenfläche
der Wand sich ändert. Der Übergang von der einen Krümmung zur anderen verläuft vorteilhaft
stetig. Mit anderen Worten, verläuft die Biegung versetzt zur Sicke.
[0013] Die Formgebung der Kante wird dadurch variiert, indem der Abstand zwischen 10% und
90%, insbesondere zwischen 25% und 75% der Wanddicke beträgt.
[0014] Die Krümmung bzw. der Radius der Kante wird beeinflusst durch die Tiefe der Sicke,
die 5 % bis 90%, insbesondere 20% bis 80%, vorzugsweise 30% bis 70% der Materialdicke
entspricht.
[0015] Scharfkantige Übergänge werden durch sehr tiefe Sicken erzielt.
[0016] Eine andere Art der Formgebung der Kante wird dadurch erreicht, dass die Breite der
Sicke 2% bis 20%, insbesondere 4% bis 10%, vorzugsweise 6% bis 8% der Materialdicke
entspricht. Bei breiteren Sicken, kann beim Umformen mehr Material nachgepresst, d.h.
in einen kleineren Radius der Matrize eingepresst werden, da die Wandstärke oder Materialstärke
verformbarer ist.
[0017] Bei Bedarf ist die Sicke ein Sägeschnitt oder eine Prägung, so dass die Menge an
Material exakt auf die Bedürfnisse bei der Biegung eingestellt ist.
[0018] Die Erfindung betrifft auch ein Möbel oder Möbelteil mit einer Wand, die eine oder
mehrere der oben genannten Merkmale aufweist. Derartige Möbel können kostengünstig
hergestellt werden und die Varianten aus Aluminium ersetzen. Das Design der erfindungsgemäßen
Möbel oder Möbelteile sind gleich zu jenen aus Aluminium, so dass beide Ausführungsformen
im Verbund eingesetzt werden können. Die Größen der Radien beider Varianten aus Stahl
und Aluminium sind gleich und unterscheiden sich nicht.
[0019] Weitere Merkmale und Vorteile ergeben sich aus der nachfolgenden Bescheidung, in
der auf die Zeichnung Bezug genommen wird.
[0020] In der Zeichnung zeigen:
- Figur 1
- eine perspektivische Ansicht einer Frontwand einer Schublade;
- Figur 2
- einen Querschnitt II - II durch die Frontwand der Schublade gemäß Figur 1;
- Figur 3
- eine vergrößerte Ansicht eines Ausschnitts III gemäß Figur 2 nach einem ersten Ausführungsbeispiel;
- Figur 4
- eine vergrößerte Ansicht eines Ausschnitts IV gemäß Figur 2 nach einem zweiten, alternativen
Ausführungsbeispiel;
- Figur 5
- eine vergrößerte Ansicht eines Ausschnitts V gemäß Figur 4 nach dem zweiten Ausführungsbeispiel;
und
- Figur 6
- eine vergrößerte Ansicht ähnlich wie in Figur 5, gemäß einer Variante des zweiten
Ausführungsbeispiels.
[0021] Auszüge, insbesondere Schubladen oder dergleichen von Möbel oder Möbelstücken besitzen
in der Regel eine Wand, die von einer Frontwand, Innenfrontwand, Rückwand, Seitenwand
oder Blende gebildet wird. In der Figur 1 ist beispielsweise eine Frontwand 10 dargestellt,
die die Erfindung aber nicht einschränken soll. Die Frontwand 10 besteht aus Stahlblech
und besitzt eine Innenseite 12, eine Außenseite 14, eine Oberseite 16 sowie eine Unterseite
18, wobei das Stahlblech an den Kanten 20 derart umgebogen ist, dass die freien, die
Unterseite 18 bildenden Schenkel einander zugewandt sind, so dass sie z.B. verschweißt,
verkrimpt, gebördelt, verklebt, verschraubt oder vernietet werden können. Die Innenseite
12 sowie die Unterseite 18 besitzen Öffnungen 22 zur Befestigung der Frontwand 10
oder zum Anbau von Beschlägen oder anderer Möbelteile.
[0022] Aus Figur 2, die einen Querschnitt durch die Frontwand 10 der Figur 1 zeigt, ist
erkennbar, dass das umgeformte Stahlblech ein Hohlprofil bildet und die Innenseite
12 und Außenseite 14 sowie die Oberseite 16 und Unterseite 18 jeweils parallel zueinander
verlaufen. Die Form des dargestellten, umgeformten Stahlblechs ist beispielhaft und
andere Formen sind möglich. Die Erfindung bezieht sich primär auf die Ausgestaltung
wenigstens einer der Kanten 20 oder einer der in Figur 1 gezeigten Ecken 24.
[0023] Die in Figur 3 vergrößert wiedergegebene Kante 20, über welche die Innenseite 12
mit der Oberseite 16 oder die Oberseite 16 mit die Außenseite 14 verbunden ist, besitzt
einen Außenradius 26 und einen Innenradius 28, wobei primär der Außenradius 26 für
den Benutzer sichtbar ist. Der Außenradius 26 stellt ein Designelement der Wand und
insbesondere des Möbels oder des Möbelteils dar. Die Kante 20 wird mittels Einpressen
eines entsprechend kleinen Außenradius 26 beim Umbiegen hergestellt. Dabei wird das
Material des Stahlbleches verdichtet und das gewünschte Profil im Umformungsbereich
erzeugt. Die Größe des Außenradius 26 ergibt sich beim Prägebiegen aus der Form der
Matrize, in welche das Stahlblech gepresst wird. Die Form des Innenradius 28 wird
vom Stempel bestimmt. Auf diese Weise, d.h. beim Prägebiegen, können kleinere Radien
hergestellt werden, als beim einfach Biegen. Die kleineren Radien entsprechen dann
den Radien, wie bei mittels Strangpressverfahren hergestellten Profilen aus Aluminium.
[0024] Die Figur 4 zeigt eine alternative Ausführungsform der erfindungsgemäßen Wand 10,
wobei die Kante 20 auf andere oder durch zusätzliche Maßnahmen hergestellt wurde.
Die Wand 10 besteht ebenfalls aus einem umgeformten Stahlblech und besitzt ebenfalls
eine Innenseite 12 und eine Außenseite 14 sowie eine Oberseite 16 und eine Unterseite
18 und bildet ein Hohlprofil, von welchem lediglich ein Teil dargestellt ist. Die
Herstellung der Kante 20 und insbesondere des Außenradius 26 wird in den nachfolgenden
Figuren 5 und 6 näher erläutert.
[0025] In der Figur 5 wird der Ausschnitt V gemäß Figur 4 gezeigt, wobei mit durchgezogener
Linie der Außenradius 26 gemäß der Erfindung dargestellt ist. Mit gestrichelter Linie
ist ein Außenradius 30 gezeigt, wie er durch einfaches Biegen des Stahlbleches entsteht.
Vor dem Biegevorgang wird die Innenfläche 32 des Stahlbleches mit einer Sicke 34 versehen,
über welche die Dicke D des Stahlblechs verringert wird. Je tiefer die Sicke 34 in
das Stahlblech eindringt, desto kleiner kann der Außenradius 26 beim anschließenden
Umformprozess erzeugt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Sicke 34 in
die Innenfläche 32 des Stahlbleches eingesägt und dadurch Material entfernt wird.
Im Bereich einer Ecke 24 wird Material ausgestanzt und dadurch die Möglichkeit geschaffen,
beim Umformen eine Ecke 24 mit kleinerem Außenradius 26 zu erzeugen.
[0026] In der Figur 5 ist weiterhin erkennbar, dass die Sicke 34 dem Außenradius 26 gegenüber
liegt und somit parallel zur Kante 20 verläuft. Die Kante 20 besitzt sowohl in Richtung
der Außenfläche 36 der Oberseite 16 als auch der in Richtung der Außenfläche 38 der
Innenseite 12 den gleichen Außenradius 26. Die Kante 20 ist somit spiegelsymmetrisch
bezügliche der Diagonalen 40.
[0027] Die Figur 6 zeigt eine Variante der zweiten Ausführungsform einer Kante 20, bei der
der Außenradius 26A in Richtung der Außenfläche 36 der Oberseite 16 kleiner ist, als
der Außenradius 26B in Richtung der Außenfläche 38 der Innenseite 12. Dabei beträgt
bei dieser Variante die Größe des Außenradius 26A etwa ein Fünftel der Größe des Außenradius
26B. Außerdem gehen die Außenflächen 36 und 38 stetig in die Radien 26A und 26B über.
[0028] Die Sicke 34 ist bei dieser Variante in Richtung Außenradius 26A versetzt, d.h. sie
besitzt einen Abstand A zur Biegemitte oder Diagonalen 40 der Kante 20. Dieser Abstand
A verursacht auch einen Versatz der Sicke 34 zur Mitte des Biegebereichs, so dass
unterschiedliche Außenradien 26 entstehen, wenn das Biegewerkzeug bezüglich der Sicke
34 versetzt ist, d.h. die Sicke 34 nicht mittig in Werkzeug liegt.
1. Wand als Frontwand (10), Innenfrontwand, Rückwand, Seitenwand oder Blende, insbesondere
für einen Ausschub, wie z.B. eine Schublade oder dergleichen, bestehend aus Metall,
insbesondere aus Stahl, als umgeformtes L-, U-, C- oder Hohlprofil, mit wenigstens
einer Kante (20), deren Außenradius (26) gleich oder kleiner ist als die Materialdicke
(D) des Profils, dadurch gekennzeichnet, dass die Umformung des Profils mittels einer Prägebiegung erfolgt, und/oder dass die Kante
(20) auf der Innenfläche (32) angestanzt oder der Kante (20) auf der Innenfläche (32)
eine Sicke (34) eingeprägt ist.
2. Wand nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Material beim Biegen kaltverdichtet wird.
3. Wand nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Material im umgebogenen Bereich eine höhere Festigkeit aufweist.
4. Wand nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Sicke (34) nach dem Umbiegen parallel zur Kante (20) verläuft.
5. Wand nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Sicke (34) nach dem Umbiegen mit geringem Abstand zur Kante (20) verläuft.
6. Wand nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Abstand zur Biegemitte zwischen 10% und 90%, insbesondere zwischen 25% und 75%
der Materialdicke (d) beträgt.
7. Wand nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Tiefe der Sicke (34) 5 % bis 90%, insbesondere 20% bis 80%, vorzugsweise 30%
bis 70% der Materialdicke (D) entspricht.
8. Wand nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Breite (B) der Sicke (34) 2% bis 20%, insbesondere 4% bis 10%, vorzugsweise 6%
bis 8% der Materialdicke (D) entspricht.
9. Wand nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Sicke (34) ein Sägeschnitt oder eine Prägung ist.
10. Möbel oder Möbelteil mit einer Wand (10) nach einem der vorhergehenden Ansprüche.