GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die Erfindung betrifft ein H-Profil für eine Körperschutzpanzerung, insbesondere
für den Stichschutz, sowie eine Körperschutzpanzerung nach dem Oberbegriff des Anspruchs
1 bzw. 7.
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
[0002] Aus dem deutschen Patent
DE 101 10 851 C1 ist eine Körperschutzpanzerung für den Stichschutz mit körpergerecht geformten durchstichsicheren
Flächenelementen bekannt, die aus tiefgezogenem Leichtmetallblech hergestellt sind.
Aneinander angrenzende Flächenelemente sind dabei gelenkig über Klammern miteinander
verbunden unter Einschluss lang gestreckter H-Profile, die eine Beweglichkeit der
angrenzenden Flächenelemente quer zur Profilachse ermöglichen und beschränken bei
Sicherstellung einer Durchstichsicherheit auch im Grenzbereich zwischen zwei Flächenelementen.
[0003] Die bekannte Körperschutzpanzerung erzielt ein Optimum an Tragekomfort und Sicherheit.
Bei Kraftbeaufschlagung durch stumpfe oder spitze Waffen oder Beschuss im Verbindungsbereich
zweier Flächenelemente biegt sich die Körperschutzpanzerung bestimmungsgemäß in Richtung
auf den Körper durch. Dieses Durchbiegen ist für einen hohen Tragekomfort und die
Faltbarkeit der Körperschutzpanzerung zwecks Transport gewollt. Allerdings kann eine
sehr starke Kraftbeaufschlagung zu einem punktuellen Wirkeinschlag auf die zu schützende
Person entlang des H-Profils führen. Zudem werden die Klammern belastet.
ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zu Grunde, ein H-Profil für eine Körperschutzpanzerung,
insbesondere für den Stichschutz, sowie eine Körperschutzpanzerung nach dem Oberbegriff
des Anspruchs 1 bzw. 7 zu schaffen, die einen verbesserten Körperschutz gegen Kraftbeaufschlagung
bei erhöhter Lebensdauer und geringerem Gewicht ohne Abstriche beim Tragekomfort und
der Transportfähigkeit ermöglichen.
[0005] Diese Aufgabe wird entsprechend den Merkmalen des Anspruchs 1 bzw. 7 gelöst.
[0006] Demnach wird ein insbesondere lang gestrecktes H-Profil zur Verbindung von Flächenelementen
einer Körperschutzpanzerung mit sich an entgegengesetzten Enden, insbesondere paarweise,
aus einem Verbindungssteg heraus erstreckenden Schenkeln zur Aufnahme eines Flächenelements
dazwischen geschaffen, bei dem einer der Schenkel einen Flächenelement-Auslenkungswinkel
aufweist, der geringer ist als ein Flächenelement-Auslenkungswinkel des gegenüberliegenden
Schenkels.
[0007] Hierdurch wird eine asymmetrische Auslenkung der Flächenelemente ermöglicht. Bei
Kraftbeaufschlagung im Verbindungsbereich durch beispielsweise stumpfe oder spitze
Waffen oder bei Beschuss wird eine Belastungsspitze im Verbindungsbereich dadurch
vermieden, dass die Auslenkung der Flächenelemente in Richtung auf den Körper beschränkt
wird. Die Kraft wird über das H-Profil auf die Flächenelemente abgeleitet und wirkt
weniger punktuell und eher flächig, wodurch das Traumatisierungspotential verringert
wird. Gleichzeitig wird eine hohe Beweglichkeit durch große Auslenkbarkeit in die
andere Richtung sichergestellt, wodurch auch eine gute Transportfähigkeit sichergestellt
bleibt. Schließlich wirkt weniger Kraft auf die Verbindungsklammern oder dergleichen,
so dass die Lebensdauer erhöht wird und die Klammern leichter ausgeführt werden können,
beispielsweise aus dünnerem Metall und/oder Kunststoff.
[0008] Praxisgerecht sind insbesondere Differenzen zwischen den Flächenelement-Auslenkungswinkeln
in den Bereichen zwischen 5° bis 20°, 7,5° bis 15° oder 10° bis 13°.
[0009] Zur flächigen Kraftaufnahme- und -ableitung kann der Schenkel einen verbindungsstegfernen
und/oder -nahen Auflagebereich zur flächigen Auflage des Flächenelements in Maximalauslenkung
aufweisen. Zweckmäßigerweise erstreckt sich der Auflagebereich über zumindest 50%,
75%, 80%, 90%, 95% oder die gesamte Länge des H-Profils und/oder über 5% - 15%, 5%
- 20%, 5% - 30% der Innenlänge des Schenkels im Falle des verbindungsstegfernen Auflagebereichs
und 30% - 70%, 35% - 80% oder 20% - 90% im Falle des verbindungsstegnahen Auflagebereichs.
Vorzugsweise erstreckt sich der verbindungsferne Auflagebereich über einen geringeren
Innenlängenabschnitt des Schenkels als der verbindungsstegnahe Auflagebereich. So
kann die Länge, quer zur Längsachse des H-Profils des verbindungsfernen Auflagebereichs
5% - 10%, 5% - 20%, 10% - 30%, 10% - 45% der Länge des verbindungsnahen Auflagebereichs
betragen. Hierdurch werden auch etwa vorhandene Verbindungsklammern und dergleichen
entlastet. Ein Aufbiegen oder Brechen infolge Kraftbeaufschlagung oder auch Belastung
beim Packen wird vermieden. Infolge der verringerten mechanischen Belastung können
die Verbindungsklammern leichter und/oder aus anderem Material wie etwa Kunststoff
ausgestaltet werden.
[0010] Der verbindungsstegnahe Auflagebereich eines Schenkels kann bei flächiger Ausgestaltung
der Auflagebereiche den gleichen Winkel relativ zur Horizontalen aufweisen wie der
verbindungsstegferne Auflagebereich des gegenüberliegenden Schenkels, so dass beide
Auflagebereiche zusammenwirkend den Flächenelement-Auslenkungswinkel in eine Richtung
festlegen. Die andere Richtung wird zweckmäßigerweise auf gleiche Weise festgelegt.
[0011] Das H-Profil ist vorzugsweise zur Verbindungsstegebene spiegelsymmetrisch ausgestaltet
ist, kann ggf. je nach Körperregion auch unsymmetrisch dergestalt ausgeführt sein,
dass das eine Flächenelement stärker auslenkbar ist als das benachbarte.
[0012] Das H-Profil ist zweckmäßigerweise länger als es breit ist, also lang gestreckt,
um sich über einen größtmöglichen Abschnitt entlang der Flächenelementkanten erstrecken
zu können. Das Länge/Breite-Verhältnis ist vorzugsweise größer 15, kann aber z.B.
bei Spalten mit Rundungen oder kurzen Spalten kurz sein, z.B. zwischen 0,5 und 2,
insbesondere 0,75 und 1,25 betragen. Die Schenkel erstrecken sich vorzugsweise paarweise
gegenüberliegend über zweckmäßigerweise die gesamte Länge des H-Profils, können jedoch
kammartig unterbrochen und/oder versetzt sein.
[0013] Die Erfindung schafft ferner eine Körperschutzpanzerung mit Flächenelementen, die
unter Ausbildung eines Spalts benachbart zueinander angeordnet sind, wobei im Spalt
ein erfindungsgemäßes H-Profil angeordnet ist. Das H-Profil kann sich über 70%, 80%
90%, 95% oder mehr als 95% der Spaltlänge erstrecken. Vorzugsweise ist ein Verbindungselement,
insbesondere eine Klammer, einen- oder beidenends des H-Profils angeordnet, um die
Flächenelemente aneinander gelenkig zu befestigen. Es nimmt dabei im Wesentlichen
nur in der Flächenelementebene gerichtete Kräfte auf, wie etwa beim Auseinanderziehen
der Flächenelemente. Das Verbindungselement kann daher, insbesondere bei Erstreckung
des H-Profils über mehr als 70%, 80%, 90%, oder 95% der Spaltlänge, aus Kunststoff
oder Blech oder dergleichen nicht biegesteifen Material bestehen, da es kaum biegebelastet,
sondern im Wesentlichen zugbelastet wird.
[0014] Die Schenkel mit den geringeren Flächenelement-Auslenkungswinkeln sind zweckmäßigerweise
körperaußenseitig angeordnet, um die Auslenkung in Richtung auf den Körper der zu
schützenden Person zu begrenzen.
[0015] Weitere Merkmale und Ausführungsformen der Erfindung sind der nachfolgenden Beschreibung,
den Figuren und den Ansprüchen zu entnehmen.
FIGURENBESCHREIBUNG
[0016]
Fig. 1 a), b) und c) zeigt zwei Flächenelemente einer Körperschutzpanzerung in Drauf-,
Seiten- bzw. Perspektivansicht.
Fig. 2 zeigt eine Körperschutzpanzerung in Perspektivansicht.
Fig. 3 zeigt die Körperschutzpanzerung aus Fig. 2 unter Kraftbeaufschlagung.
Fig. 4 zeigt ein bekanntes H-Profil im Querschnitt.
Fig. 5 zeigt ein erfindungsgemäßes H-Profil im Querschnitt.
Fig. 6 illustriert die Auslenkung der Körperschutzpanzerung im H-Profilbereich unter
Kraftbeaufschlagung.
Fig. 7 illustriert verbindungsstegnahe und -ferne Auflagebereiche.
DETAILLIERTE BESCHREIBUNG EINZELNER AUSFÜHRUNGSFORMEN
[0017] Fig. 1 illustriert die Verbindung zweier Flächenelemente 1 einer aus der
DE 101 10 851 C1 bekannten Körperschutzpanzerung, insbesondere einer Stichschutzweste, mittels eines
H-Profils 2 und Klammern 3.
[0018] Die unter Bildung eines Spalts 4 benachbarten plattenförmigen Flächenelemente 1 sind
durch das H-Profil 2 und die Klammern 3 scharniergelenkartig miteinander verbunden
unter durch das H-Profil 2 vorgegebener Auslenkungsfreiheit entlang der Pfeile 5.
[0019] Wie im Übergang von
Fig. 2 zu
Fig. 3 dargestellt, werden die Flächenelemente 1 bei Kraftbeaufschlagung im Bereich des
H-Profils 2 in Richtung des Pfeils 6 ausgelenkt. Es bildet sich eine im wesentlichen
V- oder U-förmige Kontaktfläche zum zu schützenden Körper, über welche die Kraftübertragung
erfolgt. Beschränkt wird die Auslenkung durch die Klammern 3, die einer hohen Belastung
ausgesetzt sind.
[0020] Hierbei ist sind im Stand der Technik die Flächenelement-Auslenkungswinkel 7, 8 des
H-Profil, gemessen von der Waagerechten Ebene 9, zum Körper hin bzw. vom Körper weg
identisch, siehe
Fig. 4. Erfindungsgemäß sind die Flächenelement-Auslenkungswinkel 7, 8 hingegen unterschiedlich,
siehe
Fig. 5. Die Differenz liegt vorzugsweise bei 10° bis 15°.
[0021] Das H-Profil 2 weist dabei paarweise von einem Verbindungssteg 10 heraus erstreckenden
Schenkel 11, 12 zur Flächenelementaufnahme dazwischen auf, wobei der Schenkel 12 relativ
zum gegenüberliegenden Schenkel 11 den kleineren Flächenelement-Auslenkungswinkel
8 aufweist. Die U- oder V-förmige Auslenkung in Richtung auf den in den Figur 4, 5
unten befindlichen, zu schützenden Körper ist damit geringer, siehe
Fig. 6, in der die mit bekanntem H-Profil 2 ausgelenkten Flächenelemente 1 durch gestrichelte
und die mit erfindungsgemäßem H-Profil 2 ausgelenkten Flächenelemente 1 durch durchgezogene
Linien illustriert sind.
[0022] Zweckmäßig zur Kraftaufnahme und -ableitung sind verbindungsstegferne und/oder -nahe
Auflagebereiche 13 bzw. 14 zur flächigen Auflage 14, siehe Fig. 5 und
Fig. 7, des Flächenelements 1 in Maximalauslenkung vorgesehen. Die Auflagebereiche sind
vorzugsweise flächig und erstrecken sich, benachbart oder beabstandet, über einen
Innenflächenabschnitt des Schenkels 11, 12.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0023]
- 1
- Flächenelement
- 2
- H-Profil
- 3
- Klammer
- 4
- Spalt
- 5
- Pfeil
- 6
- Pfeil
- 7
- Flächenelement-Auslenkungswinkel
- 8
- Flächenelement-Auslenkungswinkel
- 9
- Ebene
- 10
- Verbindungssteg
- 11
- Schenkel
- 12
- Schenkel
- 13
- verbindungsstegferner Auflagebereich
- 14
- verbindungsstegnaher Auflagebereich
- 15
- Auflage
1. H-Profil (2) zur Verbindung von Flächenelementen (1) einer Körperschutzpanzerung,
mit sich paarweise von einem Verbindungssteg (10) heraus erstreckenden Schenkeln (11,
12) zur Aufnahme eines Flächenelements (1) dazwischen, dadurch gekennzeichnet, dass einer der Schenkel (11) einen Flächenelement-Auslenkungswinkel (8) aufweist, der
geringer ist als ein Flächenelement-Auslenkungswinkel (7) des gegenüberliegenden Schenkels
(12).
2. H-Profil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Differenz zwischen den Flächenelement-Auslenkungswinkeln (7, 8) 5° bis 20°, 7,5°
bis 15° oder 10° bis 13° beträgt.
3. H-Profil nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Schenkel (11, 12) einen verbindungsstegfernen Auflagebereich (13) zur flächigen
Auflage des Flächenelements (1) in Maximalauslenkung aufweist.
4. H-Profil nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Schenkel einen verbindungsstegnahen Auflagebereich (14) zur flächigen Auflage
des Flächenelements (1) in Maximalauslenkung aufweist.
5. H-Profil nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass es zur Verbindungsstegebene spiegelsymmetrisch ausgestaltet ist.
6. H-Profil nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass es ein Länge/Breite-Verhältnis zwischen 0,5 und 2, insbesondere 0,75 und 1,25, oder
größer 5, größer 10, größer 15 oder größer 20 aufweist.
7. Körperschutzpanzerung mit zwei Flächenelementen (1), die unter Ausbildung eines Spalts
(4) benachbart zueinander angeordnet sind, gekennzeichnet durch ein im Spalt (4) angeordnetes H-Profil (2) nach einem der vorhergehenden Ansprüche.
8. Körperschutzpanzerung nach Anspruch 7, gekennzeichnet durch ein Verbindungselement, insbesondere eine Klammer, einen- oder beidenends des H-Profils
(2).
9. Körperschutzpanzerung nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Schenkel (11) mit den geringeren Flächenelement-Auslenkungswinkeln (8) körperinnenseitig
angeordnet sind.
10. Körperschutzpanzerung nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass sich das H-Profil (2) über im wesentlichen die gesamte Länge des Spalts (4) erstreckt.