[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur kontinuierlichen und lösungsmittelfreien
Herstellung einer Haftklebemasse auf Basis von festem EPDM-Kautschuk, eine nach diesem
Verfahren erhältliche Haftklebemasse sowie ein Haftklebeband, das mindestens eine
Schicht aus einer solchen Haftklebemasse umfasst.
[0002] Haftklebemassen sind seit langem bekannt. Als Haftklebemassen werden Klebemassen
bezeichnet, die bereits unter relativ schwachem Andruck eine dauerhafte Verbindung
mit dem Haftgrund erlauben und nach Gebrauch im Wesentlichen rückstandsfrei vom Haftgrund
wieder abgelöst werden können. Haftklebemassen wirken bei Raumtemperatur permanent
haftklebrig, weisen also eine hinreichend geringe Viskosität und eine hohe Anfassklebrigkeit
auf, so dass sie die Oberfläche des jeweiligen Klebegrunds bereits bei geringem Andruck
benetzen. Die Verklebbarkeit der Klebemassen und die Wiederablösbarkeit beruhen auf
ihren adhäsiven Eigenschaften und auf ihren kohäsiven Eigenschaften. Als Basis für
Haftklebemassen kommen verschiedene Verbindungen in Frage.
[0003] Klebebänder, die mit Haftklebemassen ausgerüstet sind, so genannte Haftklebebänder,
werden heute im industriellen und privaten Bereich in vielfältiger Weise verwendet.
Üblicherweise bestehen Haftklebebänder aus einer Trägerfolie, die ein- oder beidseitig
mit einer Haftklebmasse ausgerüstet ist. Es gibt auch Haftklebebänder, die ausschließlich
aus ein oder mehreren Haftklebmasseschichten und keiner Trägerfolie bestehen, die
so genannten Transfertapes. Die Zusammensetzung der Haftklebebänder kann sehr unterschiedlich
sein und richtet sich nach den jeweiligen Anforderungen der unterschiedlichen Anwendungen.
Die Träger bestehen üblicherweise aus Kunststofffolien wie zum Beispiel Polypropylen
(PP), Polyethylen (PE), Polyester wie Polyethylenterephthalat oder auch aus Papier,
Gewebe oder Vliesstoff.
[0004] Die Selbst- beziehungsweise Haftklebemassen bestehen üblicherweise aus Acrylat-Copolymeren,
Silikonen, Naturkautschuk, Synthesekautschuk, Styrolblockcopolymeren oder Polyurethanen.
[0005] Als Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuke, Kurzzeichen EPDM-Kautschuke, abgeleitet von
Ethylen-Propylen-Dien, M-Gruppe, werden mindestens terpolymere Synthesekautschuke
bezeichnet, die typischerweise durch katalytische Copolymerisation von Ethylen, Propylen,
einem Dien und gegebenenfalls weiteren Monomeren erhalten werden. EPDM gehört zu den
Synthesekautschuken mit gesättigter Hauptkette (nach DIN: M-Gruppe). Sie besitzen
dafür Doppelbindungen in den Seitenketten und sind somit leicht vernetzbar. Als Diene
eignen sich nichtkonjugierte Diene, deren Doppelbindungen unterschiedliche Reaktivitäten
aufweisen. Eine Doppelbindung soll bei der Polymerisation bevorzugt reagieren und
in die Kette eingebaut werden, während die zweite Doppelbindung dabei möglichst inaktiv
in der Seitenkette bestehen bleibt und eine ausreichend hohe Reaktivität für eine
spätere Vernetzung haben soll. Der Anteil an Ethylen liegt typischerweise bei 45-75
Gew.-%.
[0006] EPDM-Kautschuke sind von einer Vielzahl von Herstellern wie zum Beispiel Exxon Mobil,
Kumho und Lion Copolymers erhältlich.
[0007] Zur Einstellung anwendungsgerechter Eigenschaften können Haftklebemassen durch Zumischen
von Klebharzen, Weichmachern, Vernetzern oder Füllstoffen modifiziert werden. Zwecks
verbesserter Verarbeitungsfähigkeit von Kautschuken werden den Kautschuken häufig
inerte Trennhilfsmittel wie Talkum, Silicate (Talk, Ton, Glimmer), Zinkstearat und
PVC-Puder zugesetzt.
[0008] Üblicherweise wird eine Haftklebmasse auf Basis von festem EPDM-Kautschuk hergestellt,
indem das Basispolymer und die weiteren Bestandteile wie zum Beispiel Klebharz in
einem geeigneten Lösungsmittel gelöst werden, und die erhaltene Mischung mittels beispielsweise
Rasterwalzenauftrag, Kommarakelbeschichtung, Mehrwalzenbeschichtung oder in einem
Druckverfahren auf einen Träger oder Liner beschichtet und anschließend das Lösungsmittel
in einem Trockenkanal oder -ofen entfernt wird. Nachteilig an einem solchen Lösungsmittelverfahren
sind insbesondere ein begrenzter Masseauftrag sowie das aufwändige Trocknen.
[0009] Alternativ kann die Beschichtung des Trägers oder Liners auch in einem Lösungsmittelfreien
Verfahren erfolgen. Hierzu wird der feste EPDM-Kautschuk mit zumindest einem Teil
des zuzugebenden Klebharzes in einem Extruder erwärmt und aufgeschmolzen. In dem Extruder
können weitere Prozessschritte wie das Mischen mit weiteren Bestandteilen, Filtration
oder eine Entgasung erfolgen. Die Schmelze wird dann mittels eines geeigneten Auftragsverfahrens,
beispielsweise unter Verwendung einer Düse oder eines Kalanders, auf den Träger oder
Liner beschichtet.
[0011] Eine Lösungsmittelfreie Herstellung von Haftklebemassen auf Basis von festem EPDM
ist bislang möglich, sofern der Anteil an festem EPDM-Kautschuk sehr hoch ist. Haftklebemassen
mit hohen Anteilen an festem EPDM wie z.B. 50 Gew.-% lassen sich per Extrusion häufig
in homogener Form herstellen. Allerdings weisen Haftklebemassen mit derart hohen Anteilen
an festem EPDM typischerweise geringe Klebkräfte auf Untergründen wie z.B. Stahl auf.
Haftklebemassen mit geringeren Anteilen an festem EPDM wie z.B. 30 Gew.-% weisen hohe
Klebkräfte auf verschiedenen Untergründen auf. Aufgrund der höheren Anteile an schmierenden
Komponenten, d.h. Weichkomponenten, wie insbesondere Klebharzen und der damit verbundenen
geringeren Scherkräfte lassen sich solche Haftklebemassen im Extrusionsverfahren jedoch
nicht in homogener Form erzeugen, d.h. solche Haftklebemassen enthalten typischerweise
insbesondere zahlreiche unaufgeschlossene Kautschukpartikel. Dies gilt vor allem für
EPDM-Kautschuke mit hohem Ethylengehalt. Die alternative Herstellung per Lösungsmittelverfahren
hat den großen Nachteil, dass sie nicht zur Herstellung dicker Klebeschichten geeignet
ist.
[0012] Die der vorliegenden Erfindung zugrunde liegende Aufgabe besteht somit darin, ein
Verfahren zur lösungsmittelfreien Herstellung einer Haftklebemasse auf Basis von festem
EPDM-Kautschuk bereitzustellen, bei dem die resultierende Haftklebemasse homogen ist
und gleichzeitig eine brauchbare Klebkraft auf diversen Untergründen aufweist.
[0013] Die Aufgabe wird überraschenderweise durch ein Verfahren gelöst, wie es in Anspruch
1 beschrieben ist. Vorteilhafte Ausführungsformen des Verfahrens befinden sich in
den abhängigen Ansprüchen.
[0014] Dementsprechend betrifft die Erfindung ein Verfahren zur kontinuierlichen und lösungsmittelfreien
Herstellung einer Haftklebemasse auf Basis von festem EPDM-Kautschuk in einem kontinuierlich
arbeitenden Aggregat in Form eines Planetwalzenextruders mit einem Füllteil und einem
Compoundierteil, wobei der Compoundierteil aus mindestens zwei gekoppelten Walzenzylindern
besteht, bei dem
- a) der feste EPDM-Kautschuk und gegebenenfalls weitere Komponenten in den Füllteil
des Planetwalzenextruders aufgegeben werden,
- b) die Komponenten aus dem Füllteil in den Compoundierteil übergeben werden,
- c) flüssiger EPDM-Kautschuk, Weichmacher, Klebharz und gegebenenfalls weitere Komponenten
dem Compoundierteil zugegeben werden, und
- d) die sich ergebende Haftklebemasse ausgetragen wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
der feste EPDM-Kautschuk als Schmelze in den Füllteil aufgegeben wird.
[0015] Da das erfindungsgemäße Verfahren Lösungsmittelfrei ist, eignet es sich gut zur Herstellung
von Haftklebemasseschichten unterschiedlicher Dicken, insbesondere auch hoher Dicken.
Aufwändiges Trocknen bei der Herstellung entfällt. Insbesondere lassen sich durch
das erfindungsgemäße Verfahren Haftklebemassen herstellen, die homogen sind und gleichzeitig
eine brauchbare Klebkraft auf diversen Untergründen aufweisen. Damit sind typischerweise
Haftklebemassen gemeint, die eine hohe Klebkraft auf Untergründen verschiedener Polarität
aufweisen, wie zum Beispiel auf polaren Untergründen wie Stahl oder auf unpolaren
Untergründen, d.h. LSE ("low surface energy")- Oberflächen, wie Polypropylen oder
Polyethylen. Die Klebkräfte sind vergleichbar mit den Klebkräften von entsprechenden
Haftklebemassen, die nach dem Lösungsmittelverfahren hergestellt worden sind.
[0016] Überraschenderweise wurde somit gefunden, dass das erfindungsgemäße Vorab-Aufschmelzen
des festen EPDM-Kautschuks im dargestellten Verfahren auch bei Einsatz eines verhältnismäßig
geringen Anteils an festem EPDM Haftklebemassen auf Basis von festem EPDM-Kautschuk
hervorbringt, die homogen sind.
[0017] Ebenso überraschend ist, dass das erfindungsgemäße Verfahren im Gegensatz zum Lösungsmittelverfahren
auch die Herstellung von homogenen Haftklebemassen auf Basis von festem EPDM-Kautschuk
ermöglicht, der einen verhältnismäßig hohen Ethylengehalt, wie insbesondere von mehr
als 55 bis 62 Gew.-%, aufweist. Die viskoelastischen Eigenschaften von EPDM werden
wesentlich vom Ethylengehalt bestimmt, da Polyethylen eine starke Tendenz zum Kristallisieren
hat. Polymere mit einem Ethylengehalt zwischen 40 und 55 Gew.-% sind amorph und haben
die beste Kälteflexibilität. Mit steigendem Gehalt an Ethylen nimmt die Kristallinität
zu. Ein EPDM mit mittlerem Ethylengehalt von 55 bis 65 Gew.-% ist teilkristallin.
Polymere mit über 65 Gew.-% Ethylen haben größere kristalline Bereiche und verhalten
sich wie thermoplastische Elastomere; diese haben bereits im unvernetzten Zustand
eine hohe Reißfestigkeit, die mit steigendem Ethylenanteil bis zu 12 MPa betragen
kann. Homogene Haftklebemassen auf Basis teilkristallinen festen EPDMs lassen sich
durch das erfindungsgemäße Verfahren sogar dann erzielen, wenn der Anteil an festem
EPDM verhältnismäßig gering ist.
[0018] Dementsprechend betrifft die vorliegende Erfindung auch eine Haftklebemasse auf Basis
von festem EPDM-Kautschuk, die flüssigen EPDM-Kautschuk, Weichmacher und Klebharz
enthält, dadurch gekennzeichnet, dass der feste EPDM-Kautschuk zu 55 bis 75 Gew.-%,
vorzugsweise 55 bis 65 Gew.-%, wie zum Beispiel größer 55 bis 62 Gew.-%, aus Ethylen
aufgebaut ist, bezogen auf das Gesamtgewicht der zugrunde liegenden Monomerzusammensetzung.
Die vorteilhaften Ausführungsformen des erfindungsgemäßen Verfahrens, die Art und
Menge der eingesetzten Komponenten betreffen, gelten entsprechend auch für die genannte
Haftklebemasse.
[0019] Die vorliegende Erfindung betrifft zudem eine Haftklebemasse, die gemäß dem erfindungsgemäßen
Verfahren erhältlich ist, sowie ein Haftklebeband, das mindestens eine Schicht aus
einer derartigen Haftklebemasse umfasst. Die vorteilhaften Ausführungsformen des erfindungsgemäßen
Verfahrens gelten entsprechend auch für die genannte Haftklebemasse sowie das genannte
Haftklebeband.
[0020] Wie vorstehend beschrieben, sind die erfindungsgemäßen Haftklebemassen typischerweise
homogen. Die Prüfung einer Haftklebemasse auf Homogenität wird im Rahmen der vorliegenden
Anmeldung wie folgt durchgeführt: 5 g der Haftklebemasse werden nach dem Austritt
aus dem Planetwalzenextruder entnommen und zwischen zwei Prozesslinern mithilfe einer
Heißpresse bei 110°C und 5 bar Druck verpresst. Als Prozessliner werden dabei beidseitig
mit unterschiedlich abgestuften Silikonsystemen beschichtete PET-Folien einer Dicke
von 75 µm eingesetzt. Nach dem Abkühlen wird der Pressling auseinandergezogen, so
dass sich eine Dicke der sich ergebenden Haftklebemasseschicht von etwa 50 µm ergibt.
Die Schicht wird vor eine Lampe gehalten. Sie wird als homogen bezeichnet, wenn auf
einer gestreckten Fläche von 100 cm
2 mit dem Auge weniger als 10, bevorzugt weniger als 5, und insbesondere weniger als
2 unaufgeschlossene Kautschuk-Partikel zu finden sind. Bei der genannten Prüfung sollten
ferner keine schmierenden Komponenten wie nicht eingearbeitetes Klebharz zu sehen
sein. Unter schmierenden Komponenten sind erfindungsgemäß insbesondere Klebharze,
Weichmacher und flüssiger EPDM-Kautschuk gemeint. Klebharze schmelzen ggf. erst während
des Compoundierprozesses bei Einwirken von Scherenergie und/oder äußerer Temperierung
auf.
[0021] Im Rahmen dieser Anmeldung wird zudem unter dem Begriff "Schmelze" insbesondere ein
Zustand verstanden, in dem eine Komponente wie insbesondere fester EPDM-Kautschuk
oder eine Mischung von Komponenten plastisch verformbar ist. Aufgrund des typischerweise
elastischen Charakters des oder der Polymere und des fehlenden thermoplastischen Verhaltens
wird dabei kein aufgeschmolzener Zustand erreicht, bei dem das Verhalten einer Flüssigkeit
vorliegt. Im Fall einer Mischung bezieht sich das Verhalten dabei auf die homogene
Mischung und nicht auf einzelne Mischungskomponenten, die durchaus im flüssigen Zustand
vorliegen können.
[0022] Flüssige Kautschuke zeichnen sich gegenüber festen Kautschuken dadurch aus, dass
sie einen Erweichungspunkt T
E von weniger als 40 °C aufweisen. Feste Kautschuke sind somit dadurch gekennzeichnet,
dass sie keinen Erweichungspunkt T
E von weniger als 40 °C aufweisen. "Feste Kautschukkomponenten" sind gemäß der vorliegenden
Erfindung somit bei Raumtemperatur fest, auch wenn sie erfindungsgemäß vor Aufgabe
auf den Extruder geschmolzen werden.
[0023] Mit einer Haftklebemasse auf Basis von festem EPDM-Kautschuk ist typischerweise eine
Haftklebemasse gemeint, deren Polymer zu mindestens 50 Gew.-% aus festem EPDM-Kauschuk
besteht, bezogen auf das gesamte in der Haftklebemasse enthaltene Polymer. In einer
bevorzugten Ausführungsform besteht das in der Haftklebemasse enthaltene Polymer zu
mehr als 90 Gew.-%, bevorzugter zu mehr als 95 Gew.-%, und insbesondere zu 100 Gew.-%
aus festem, und gegebenenfalls flüssigem, EPDM-Kautschuk. Im Rahmen der vorliegenden
Anmeldung gelten Klebharze dabei nicht als Polymere.
[0024] Der feste EPDM-Kautschuk ist vorzugsweise zu 30 bis 80 Gew.-%, bevorzugter 40 bis
75 Gew.-%, noch bevorzugter 45 bis 70 Gew.-%, insbesondere 55 bis 65 Gew.-%, wie zum
Beispiel größer 55 bis 62 Gew.-%, aus Ethylen aufgebaut, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht
der zugrunde liegenden Monomerzusammensetzung.
[0025] Der feste EPDM-Kautschuk ist vorzugsweise zu 20 bis 60 Gew.-%, bevorzugter 30 bis
50 Gew.-%, aus Propylen aufgebaut, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht der zugrunde
liegenden Monomerzusammensetzung.
[0026] Der feste EPDM-Kautschuk ist vorzugsweise zu bis zu 20 Gew.-%, bevorzugter 5 bis
10 Gew.-%, aus Dien aufgebaut, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht der zugrunde
liegenden Monomerzusammensetzung. Der Dien-Gehalt kommerzieller Produkte liegt zwischen
2 und 12 Gew.-%, entsprechend einem Anteil von 3 bis 16 Doppelbindungen pro 1000 C-Atomen.
Ein höherer Dien-Gehalt bewirkt eine höhere Vernetzungsgeschwindigkeit, eine höhere
Vernetzungsdichte, höhere Festigkeiten und eine geringere bleibende Verformung. Die
Alterungs-, Witterungs- und Ozonbeständigkeit nimmt dagegen mit steigendem Dien-Gehalt
ab. Vorzugsweise ist das Dien Ethyliden-Norbornen (ENB), Dicyclopentadien oder 1,4-
Hexadien.
[0027] Die Mooney-Viskosität (ML 1 + 4/125 °C) des festen EPDM-Kautschuks gemessen gemäß
DIN 53523 beträgt vorzugsweise 20 bis 120, bevorzugter 40 bis 90 und insbesondere
50 bis 80.
[0028] Vorzugsweise beträgt im erfindungsgemäßen Verfahren der Anteil an festem EPDM-Kautschuk
mindestens 15 Gew.-%, bevorzugter 20 bis 45 Gew. %, insbesondere 25 bis weniger als
40 Gew.-%, wie zum Beispiel 28 bis 35 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der herzustellenden
Haftklebemasse. Bei Verwendung von verhältnismäßig geringen Anteilen an festem EPDM-Kautschuk
lassen sich Haftklebemassen mit besonders guten Klebkräften auf Oberflächen unterschiedlicher
Polarität wie zum Beispiel Stahl, Polypropylen bzw. Polyethylen herstellen.
[0029] Der flüssige EPDM-Kautschuk ist vorzugsweise zu 30 bis 70 Gew.-%, bevorzugter 40
bis 68 Gew.-%, aus Ethylen aufgebaut, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht der zugrunde
liegenden Monomerzusammensetzung. Zudem weist der flüssige EPDM-Kautschuk vorzugsweise
ein gewichtsmittleres Molgewicht M
w ≤ 100.000 Da, bevorzugter ≤ 50.000 Da, noch bevorzugter ≤ 30.000 Da und insbesondere
≤ 20.000 Da auf.
[0030] Vorzugsweise beträgt im erfindungsgemäßen Verfahren der Anteil an flüssigem EPDM-Kautschuk
bis zu 30 Gew.-%, insbesondere 10 bis 20 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der
herzustellenden Haftklebemasse. Ebenso bevorzugt wird der flüssige EPDM-Kautschuk
in einer Menge von bis zu 100 phr, vorzugsweise 33 bis 67 phr eingesetzt.
[0031] Die in der vorliegenden Anmeldung gemachten Angaben in phr (engl. "parts per hundred
rubber") bedeuten jeweils Gewichtsteile der betreffenden Komponente bezogen auf 100
Gewichtsteile aller festen Kautschukkomponenten der Haftklebemasse, also beispielsweise
ohne Berücksichtigung von Klebharz oder flüssigem Kautschuk.
[0032] Weichmacher sind Plastifizierungsmittel wie zum Beispiel Weichharze, Phosphate oder
Polyphosphate, paraffinische und naphthenische Öle, Oligomere wie Oligobutadienen,
- isoprenen, flüssigen Terpenharze, pflanzliche und tierische Ölen und Fette. Weichharze
können die gleiche chemische Basis wie die erfindungsgemäß einsetzbaren Klebharze
aufweisen, unterscheiden sich von diesen jedoch durch ihren Erweichungspunkt, der
typischerweise bei < 40 °C liegt. Besonders bevorzugt kommen im erfindungsgemäßen
Verfahren als Weichmacher Weißöle zum Einsatz. Weißöle sind paraffinische, d.h. paraffinhaltige
Öle. Neben paraffinischen Bestandteilen enthalten sie häufig naphthenische Bestandteile.
Bevorzugt enthalten sie keine aromatischen Bestandteile und keine Schwefelverbindungen.
Falls als Weichmacher Öl eingesetzt wird, kann es sich um Mineralöl oder synthetisches
Öl handeln.
[0033] Der Anteil von im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetztem Weichmacher beträgt vorzugsweise
bis zu 20 Gew.-%, insbesondere zwischen 5 und 15 Gew.-%, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht
der herzustellenden Haftklebemasse. Ebenso bevorzugt wird der Weichmacher in einer
Menge von bis zu 67 phr, vorzugsweise 17 bis 50 phr eingesetzt.
[0034] Im erfindungsgemäßen Verfahren wird unter anderem Klebharz eingesetzt. Unter der
Bezeichnung "Klebharz", englisch "Tackifier Resins", versteht der Fachmann einen Stoff
auf Harzbasis, der die Klebrigkeit erhöht. Typische Erweichungspunkte T
E von Klebharzen liegen bei mindestens 40 °C.
[0035] Als Klebharze können im erfindungsgemäßen Verfahren beispielsweise hydrierte oder
unhydrierte Kohlenwasserstoffharze (C9 oder C5-Harze wie zum Beispiel Regalite) verwendet
werden.
[0036] Geeignet und bevorzugt sind auch modifizierte Kohlenwasserstoffharze wie zum Beispiel
modifizierte C9-Harze mit einem DACP von kleiner als - 30 °C.
[0037] Auch Kombinationen der vorstehend genannten Klebharze sowie weitere geeignete Klebharze
können eingesetzt werden, um die Eigenschaften der resultierenden Haftklebemasse wunschgemäß
einzustellen. Auf die Darstellung des Wissensstandes im "Handbook of Pressure Sensitive
Adhesive Technology" von Donatas Satas (van Nostrand, 1989) sei ausdrücklich hingewiesen.
Dem Fachmann ist geläufig, welche Harze abhängig von den Eigenschaften des EPDM-Kautschuks,
insbesondere des Ethylengehalts, vorzugsweise auszuwählen sind. Bevorzugte Klebharze
weisen einen DACP von weniger als - 20 °C, bevorzugter weniger als - 40 °C und insbesondere
weniger als - 60 °C auf.
[0038] Wenn im erfindungsgemäßen Verfahren das Klebharz in einer Menge von insgesamt 30
bis 180 phr eingesetzt wird, ist die sich ergebende Haftklebemasse insbesondere gleichzeitig
durch gute Adhäsions- und Kohäsionswerte gekennzeichnet. Vorzugsweise wird das Klebharz
in einer Menge von 90 bis 170 phr, bevorzugter 100 bis 160 phr eingesetzt. Hierdurch
lassen sich typischerweise gleichzeitig besonders gute Adhäsions- und Kohäsionswerte
der sich ergebenden Haftklebemasse erzielen. Ebenso bevorzugt wird dementsprechend
das Klebharz in einer Menge von 9 bis 54 Gew.-%, bevorzugter von 27 bis 51 Gew.-%
und insbesondere von 30 bis 48 Gew.-% eingesetzt, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht
der sich ergebenden Haftklebemasse.
[0039] Bei Verwendung der angegebenen bevorzugten Mengen der schmierenden Komponenten (flüssiger
EPDM-Kautschuk, Weichmacher, Klebharz) lassen sich erfindungsgemäß besonders homogene
Klebemassen herstellen.
[0040] Neben dem festen EPDM-Kautschuk, dem flüssigen EPDM-Kautschuk, dem Weichmacher und
dem Klebharz können vor allem zur Einstellung der optischen und klebtechnischen Eigenschaften
als weitere Komponenten insbesondere Füllstoffe, Farbstoffe, Alterungsschutzmittel,
Flammschutzmittel und/oder Vernetzer eingesetzt werden. Vernetzungspromotoren werden
erfindungsgemäß auch als Vernetzer angesehen. Die weiteren Komponenten können in den
Füllteil des Planetwalzenextruders aufgegeben werden und/oder dem Compoundierteil
zugegeben werden.
[0041] Füllstoffe werden beispielsweise zur Steigerung der Kohäsion einer Haftklebemasse
eingesetzt. Füllstoffe können auch den Aufschluss der eingesetzten Polymere verbessern.
Füllstoffe werden auch zur Gewichts- beziehungsweise Volumenerhöhung beigemischt.
Die Füllstoffzugabe verbessert oftmals die technische Verwendbarkeit der Produkte
und hat Einfluss auf deren Qualität, zum Beispiel Festigkeit, Härte usw. Die natürlichen,
anorganischen und organischen Füllstoffe wie Calciumcarbonat, Kaolin, Dolomit und
dergleichen werden mechanisch hergestellt. Auch bei Kautschuk kann man durch geeignete
Füllstoffe die Qualität verbessern, so beispielsweise Härte, Festigkeit, Elastizität
und Dehnung. Viel gebrauchte Füllstoffe sind Carbonate, insbesondere Calciumcarbonat,
aber auch Silicate (Talk, Ton, Glimmer), Kieselerde, Calcium- und Bariumsulfat, Aluminiumhydroxid,
Glasfasern und -kugeln sowie Ruße. Man kann anorganische und organische Füllstoffe
auch nach ihrer Dichte unterscheiden. So erhöhen die oft in Klebemassen verwendeten
anorganischen Füllstoffe wie Kreide, Titandioxid, Calcium- und Bariumsulfat die Dichte
des Composites.
[0042] Bei den Alterungsschutzmitteln handelt es sich insbesondere um Antiozonantien, primäre
Antioxidantien wie zum Beispiel sterisch gehinderte Phenole, sekundäre Antioxidantien
wie zum Beispiel Phosphite oder Thioether, oder um Lichtschutzmittel wie zum Beispiel
UV-Absorber oder sterisch gehinderte Amine.
[0043] Beim Vernetzer kann es sich beispielsweise um einen thermisch aktivierbaren Vernetzer
handeln, beispielsweise ausgewählt aus der Gruppe der reaktiven Phenolharz- oder Diisocyanatvernetzungssysteme.
Typischerweise wird der thermisch aktivierbare Vernetzer erfindungsgemäß erst bei
einer solchen Temperatur aktiviert, die höher ist als die Temperatur der Masse im
Compoundierteil des Planetwalzenextruders zumindest ab Zugabe des Vernetzers. Vorzugsweise
wird der thermische Vernetzer erfindungsgemäß oberhalb von 140 °C und insbesondere
oberhalb von 150 °C aktiviert. Ansonsten ist wegen im Compoundierteil einsetzender
chemischen Vernetzungsreaktionen mit einer erheblichen Viskositätserhöhung zu rechnen,
so dass die resultierende Haftklebemasse ihre Streichfähigkeit einbüßt und somit nicht
mehr auf ein bahnförmiges Material aufgetragen werden kann. In einer bevorzugten Ausführungsform
kann die erfindungsgemäße Haftklebemasse mittels Elektronenstrahlen vernetzt werden,
d.h. eine ESH-Vernetzung durchgeführt werden. Die ESH-Vernetzung kann mit oder ohne
Vernetzungspromotor durchgeführt werden. Vorzugsweise wird ein Vernetzungspromotor
eingesetzt. Dabei kann es sich beispielsweise um ein multifunktionelles (Meth)Acrylat
wie Trimethylolpropantriacrylat (TMPTA) handeln.
[0044] Das Verfahren zur Herstellung einer Haftklebemasse auf Basis von festem EPDM-Kautschuk
wird in einem Planetwalzenextruder mit einem Füllteil und einem Compoundierteil durchgeführt,
wobei der Compundierteil aus mindestens zwei gekoppelten Walzenzylindern besteht.
[0045] Planetwalzenextruder bestehen aus mehreren Teilen, nämlich einer umlaufenden Zentralspindel,
einem die Zentralspindel im Abstand umgebenden Gehäuse mit einer Innenverzahnung und
Planetspindeln, welche in dem Hohlraum zwischen Zentralspindel und innen verzahntem
Gehäuse wie Planeten um die Zentralspindel umlaufen. Soweit im Folgenden von einer
Innenverzahnung des Gehäuses gesprochen wird, so schließt das auch ein mehrteiliges
Gehäuse mit einer Buchse ein, welches die Innenverzahnung des Gehäuses bildet. Im
Planetwalzenextruder kämmen die Planetspindeln sowohl mit der Zentralspindel als auch
mit dem innen verzahnten Gehäuse. Zugleich gleiten die Planetspindeln mit dem in Förderrichtung
weisenden Ende an einem Anlaufring. Die Planetwalzenextruder besitzen im Vergleich
zu allen anderen Extruderbauarten eine extrem gute Mischwirkung, jedoch eine viel
geringere Förderwirkung.
[0046] Planetwalzenextruder fanden zuerst Einsatz in der Verarbeitung von Thermoplasten
wie zum Beispiel PVC, wo sie hauptsächlich zum Beschicken der Folgeeinheiten wie zum
Beispiel Kalander oder Walzwerke verwendet wurden. Durch ihren Vorteil der großen
Oberflächenerneuerung für Material- und Wärmeaustausch, mit dem sich die über Friktion
eingebrachte Energie rasch und effektiv abführen lässt, sowie der geringen Verweilzeit
und des engen Verweilzeitspektrums hat sich ihr Einsatzgebiet in letzter Zeit unter
anderem auch auf Compoundierprozesse erweitert, die eine besonders temperaturkontrollierte
Fahrweise erfordern.
[0047] Planetwalzenextruder gibt es je nach Hersteller in verschiedenen Ausführungen und
Größen. Je nach gewünschter Durchsatzleistung liegen die Innendurchmesser der Walzenzylinder,
d.h. Walzenzylinderdurchmesser, typischerweise zwischen 70 mm und 400 mm.
[0048] Für die Verarbeitung von Kunststoffen haben Planetwalzenextruder in der Regel einen
Füllteil und einen Compoundierteil.
[0049] Der Füllteil des eingesetzten Planetwalzenextruders weist gemäß einer ersten Alternative
eine Förderschnecke auf, auf die der feste EPDM-Kautschuk und gegebenenfalls weitere
Komponenten kontinuierlich dosiert werden. Die Förderschnecke übergibt das Material
dann dem Compoundierteil des Planetwalzenextruders. Der Bereich des Füllteils mit
der Schnecke ist vorzugsweise auf unter 20 °C gekühlt, beispielsweise auf 5 bis 18
°C, und insbesondere 8 bis 15 °C, um Anbackungen von Materialien auf der Schnecke
möglichst zu vermeiden. Es gibt aber auch Ausführungsformen ohne Schneckenteil, bei
denen das Material direkt zwischen Zentral- und Planetenspindeln aufgegeben wird.
Für die Wirksamkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dies nicht von Bedeutung.
Auch die Zentralspindel ist vorzugsweise auf unter 20 °C gekühlt, beispielsweise auf
5 bis 18 °C, und insbesondere 8 bis 15 °C, um Anbackungen von Materialien auf der
Zentralspindel möglichst zu vermeiden. Typischerweise ist die Zentralspindel dabei
mit einem Medium wie zum Beispiel Wasser oder Öl gekühlt. Ebenso bevorzugt ist eine
Temperierung der Zentralspindel auf 20 bis 30 °C.
[0050] Das Compoundierteil besteht aus einer angetriebenen Zentralspindel und mehreren Planetenspindeln,
die innerhalb eines oder mehrerer Walzenzylinder mit Innenschrägverzahnung um die
Zentralspindel umlaufen. Die Drehzahl der Zentralspindel und damit die Umlaufgeschwindigkeit
der Planetenspindeln kann variiert werden und ist damit ein wichtiger Parameter zur
Steuerung des Compoundierprozesses.
[0051] Das umgebende Gehäuse hat in zeitgemäßer Ausbildung einen Doppelmantel. Der Innenmantel
wird durch eine Buchse, die mit der Innenverzahnung versehen ist, gebildet. Zwischen
Innen- und Außenmantel ist die wichtige Kühlung des Planetwalzenextruders vorgesehen.
[0052] Die Planetenspindeln bedürfen keiner Führung in Umfangsrichtung. Durch die Verzahnung
ist gewährleistet, dass der Abstand der Planetenspindeln in Umfangsrichtung gleich
bleibt. Es kann von einer Eigenführung gesprochen werden.
[0053] Die Materialien werden zwischen Zentral- und Planetenspindeln beziehungsweise zwischen
Planetenspindeln und Schrägverzahnung des Walzenteils umgewälzt, so dass unter Einfluss
von Scherenergie und äußerer Temperierung die Dispergierung der Materialien zu einem
homogenen Compound erfolgt.
[0054] Die Anzahl und Art der in jedem Walzenzylinder umlaufenden Planetenspindeln kann
variiert und somit den Erfordernissen des Prozesses angepasst werden. Die Spindelanzahl
und -art beeinflusst das freie Volumen innerhalb des Planetwalzenextruders, die Verweilzeit
des Materials im Prozess und bestimmt zudem die Flächengröße für den Wärme- und Materialaustausch.
Die Anzahl und Art der Planetenspindeln hat über die eingeleitete Scherenergie Einfluss
auf das Compoundierergebnis. Bei konstantem Walzenzylinderdurchmesser lässt sich mit
größerer Spindelanzahl eine bessere Homogenisier- und Dispergierleistung beziehungsweise
ein größerer Produktdurchsatz erzielen. Gemäß vorliegender Erfindung sind zum Erzielen
eines guten Verhältnisses von Compoundiergüte zu Produktrate vorzugsweise mindestens
die Hälfte, besonders bevorzugt sogar mindestens ¾ der möglichen Anzahl an Planetenspindeln
einzusetzen. Selbstverständlich kann jeder Walzenzylinder hinsichtlich Anzahl und
Art der Planetenspindeln unterschiedlich bestückt sein und so den jeweiligen rezepturiellen
und verfahrenstechnischen Anforderungen angepasst sein.
[0055] Die maximale Anzahl an Planetenspindeln, die sich zwischen Zentralspindel und Walzenzylinder
einbauen lässt, ist abhängig vom Durchmesser des Walzenzylinders und vom Durchmesser
der verwendeten Planetenspindeln. Bei Verwendung größerer Walzenzylinderdurchmesser,
wie sie zum Erzielen von Durchsatzraten im Produktionsmaßstab notwendig sind, beziehungsweise
kleinerer Durchmesser für die Planetenspindeln können die Walzenzylinder mit einer
größeren Anzahl an Planetenspindeln bestückt werden. Typischerweise werden bei einem
Innendurchmesser des Walzenzylinders von 70 mm bis zu sieben Planetenspindeln verwendet,
während bei einem Innendurchmesser des Walzenzylinders von 200 mm zum Beispiel zehn
und bei einem Innendurchmesser des Walzenzylinders von 400 mm beispielsweise 24 Planetenspindeln
verwendet werden können.
[0056] Als vorteilhaft hat sich die Verwendung eines Planetwalzenextruders herausgestellt,
dessen Compoundierteil aus zwei bis acht gekoppelten Walzenzylindern, vorzugsweise
aus drei oder vier gekoppelten Walzenzylindern besteht.
[0057] Über Seitenbeschicker (Side-feeder) lassen sich dem Compoundierteil sowohl flüssige,
als auch feste Komponenten zugeben. Die Walzenzylinder sind typischerweise in ungefähr
der Mitte der Zylinder mit einer Öffnung für Seitenbeschickung versehen. Ebenso geeignet
und bevorzugt sind alternativ Seitenbeschicker nach ungefähr ¼ jedes Zylinders. Flüssigkeiten
werden dem Compoundierteil üblicherweise über Seitenbeschicker und/oder Anlaufringe
und/oder Einspritzringe mit vorzugsweise radialen Bohrungen zugegeben. Zwischen zwei
zusammengeschalteten Walzenzylindern befindet sich im Allgemeinen ein Anlaufring,
durch dessen freien Querschnitt die Zentralspindel führt und der die Planetenspindeln
eines Walzenzylinders ortsfest hält. Anlaufringe können über zusätzlich eingesetzte
Dispergierringe verschiedene freie Querschnitte aufweisen, womit der Rückstau des
Produkts und damit der Füllgrad und die Verweilzeit beziehungsweise das Ausmaß an
Scherenergie variiert und an die Prozessanforderungen angepasst werden kann. Zusätzlich
können die Anlaufringe mit radialen Bohrungen versehen sein, über die Flüssigkeiten
oder auch Schutzgase wie Stickstoff, Argon, Kohlendioxid o. ä. dem Compoundierteil
des Planetwalzenextruders zugeführt werden können. Komponenten können so über den
sich zwischen dem Füllteil und dem ersten Walzenzylinder befindlichen Einspritzring
dem ersten Walzenzylinder zugegeben werden, über den ersten Anlaufring dem zweiten
Walzenzylinder, über den zweiten Anlaufring dem dritten Walzenzylinder usw.
[0058] Die Walzenzylinder sind üblicherweise separat temperierbare Walzenzylinder, was eine
ausgewogene Temperaturführung des Prozesses ermöglicht, die beispielsweise die Verwendung
von thermisch aktivierbaren Vernetzersystemen erlaubt. Die Zentralspindel sowie jeder
Walzenzylinder sollten vorzugsweise über einen oder mehrere separate Temperier- beziehungsweise
Kühlkreise verfügen, um ein Temperaturregime zu ermöglichen, das den Einsatz thermisch
aktivierbarer Vernetzungssysteme erlaubt. In Fällen, wo dies nicht erforderlich ist,
können die Temperierkreise zusammengeschalteter Walzenzylinder auch miteinander verbunden
werden, um die Anzahl an Temperiergeräten möglichst gering zu halten.
[0059] Vorzugsweise beträgt die Wandungstemperatur der Walzenzylinder unabhängig voneinander
weniger als 160 °C, bevorzugter 80 bis 150 °C, wie insbesondere 100 bis 140 °C. Über
die Wandungstemperatur der Walzenzylinder lässt sich insbesondere der Eintrag an Prozesswärme
steuern. Bei den genannten Wandungstemperaturen lassen sich Haftklebemassen herstellen,
die typischerweise besonders homogen sind und gleichzeitig allenfalls einer geringfügigen
Mastikation unterliegen.
[0060] Der Energieeintrag wird außerdem durch die Konfiguration des Planetwalzenextruders
beeinflusst. Über die Drehzahl der Zentralspindel des Planetwalzenextruders lassen
sich wiederum insbesondere der Eintrag von Scherenergie und die Gesamtverweildauer
der Masse im Planetwalzenextruder steuern. Neben der Wandungstemperatur der Walzenzylinder
und dem eingesetzten Extrudertyp wird der Energieeintrag daher auch durch die Drehzahl
der Zentralspindel beeinflusst. Erfindungsgemäß kann einer Verringerung bzw. Erhöhung
der Wandungstemperatur der Walzenzylinder typischerweise durch eine gegenläufige Veränderung
der Drehzahl der Zentralspindel begegnet werden, um eine Haftklebemasse mit einem
vergleichbaren Eigenschaftsprofil zu erhalten.
[0061] Insbesondere wird die Drehzahl aber beim Übergang von kleineren zu größeren Maschinen
und Durchsätzen verändert, wobei typischerweise eine kleinere Maschine (also eine
solche mit kleinerem Innendurchmesser der Walzenzylinder) mit einer höheren Drehzahl
betrieben wird, um ein vergleichbares Ergebnis zu erhalten zu einer größeren Maschine
(also einer mit einem größeren Innendurchmesser der Walzenzylinder) mit einer niedrigeren
Drehzahl. Dem Fachmann sind solche Scale-Up Anpassungen in Bezug auf Maschinengröße
und Materialdurchsatz geläufig.
[0062] Charakteristisch für den Planetwalzenextruder ist aber auch, dass die Temperaturkontrolle
der verarbeiteten Masse sehr gut über die eingestellten Gehäusetemperaturen gelingt,
und regelmäßig besser als beispielsweise mit einem Doppelschneckenextruder. Bei einem
Planetwalzenextruder kann deshalb oft auch bei einem Scale-Up-Schritt mit ähnlichen
Wandungstemperaturen gearbeitet werden, selbst wenn die Drehzahl deutlich geändert
wird.
[0063] Beim Austritt aus dem Planetwalzenextruder ergeben sich typischerweise Temperaturen
der Haftklebemassen von weniger als 170 °C, vorzugsweise von 80 bis 150 °C, bevorzugter
von 90 °C bis 140 °C, wie insbesondere 100 bis 120 °C. Die Austrittstemperatur der
Haftklebemasse wird typischerweise mittels Einstechfühler im Produktaustritt ermittelt.
[0065] In den Beispielen wurde ein Planetwalzenextruder der Firma ENTEX Rust&Mitschke verwendet.
Die Planetwalzenextruder-Konfiguration, die in den Beispielen verwendet wird, zeigt
Figur 1.
[0066] Der Planetwalzenextruder hat einen Füllteil (2) und einen Compoundierteil (5), der
aus drei hintereinander geschalteten Walzenzylindern (5a-5c) besteht. Innerhalb eines
Walzenzylinders tauschen die durch die Umdrehung der Zentralspindel (6) angetriebenen
Planetenspindeln (7) die Materialien zwischen Zentralspindel (6) und Planetenspindeln
(7) beziehungsweise zwischen Planetenspindeln (7) und der Wandung (10) des Walzenzylinders
(5a-5c) ab.
[0067] Am Ende jedes Walzenzylinders (5a-5c) befindet sich ein Anlaufring (8a-8c), der die
Planetenspindeln (7) ortsfest hält. Optional befinden sich an diesen Stellen zusätzlich
Dispergierringe.
[0068] Über die Füllöffnung (1) können Komponenten wie zum Beispiel der feste EPDM-Kautschuk
auf die Förderschnecke (3) des Füllteils (2) des Planetwalzenextruders dosiert werden.
Die Förderschnecke (3) übergibt die Materialien danach auf die Zentralspindel (6)
des ersten Walzenzylinders (5a). Zur Verbesserung des Materialeinzugs zwischen Zentralspindel
(6) und Planetenspindeln (7) werden im ersten Walzenzylinder (5a) vier lange und drei
kurze Planetenspindeln (7) verwendet.
[0069] Die innen hohle Förderschnecke (3) und Zentralspindel (6) sind kraftschlüssig miteinander
verbunden und besitzen einen gemeinsamen Temperierkreis. Jeder Walzenzylinder (5a-5d)
des Compoundierteils (5) verfügt über eine unabhängige Temperierung. Über einen weiteren
Temperierkreis kann das Füllteil (2) gekühlt werden. Als Temperiermedium kann Wasser
verwendet werden.
[0070] Die Dosierung von Flüssigkeiten wie zum Beispiel flüssigem EPDM-Kautschuk, Weichmacher,
flüssigem Klebharz beziehungsweise Vernetzer kann beispielsweise über den Einspritzring
(4) vor dem ersten Walzenzylinder (5a) beziehungsweise über die mit Bohrungen versehenen
Anlaufringe (8a-8c) oder in Kombination beider Möglichkeiten erfolgen. Die Walzenzylinder
(5a-5c) sind in ungefähr der Mitte der Zylinder mit einer Öffnung für Seitenbeschickung
versehen. Über diese können bei Bedarf über Seitenbeschicker (9a-9c) flüssige oder
feste Komponenten zugegeben werden.
[0071] Die Temperatur der Haftklebemasse wird mittels Einstechfühler im Produktaustritt
(11) ermittelt.
[0072] Der feste EPDM-Kautschuk wird vor Aufgabe auf den Füllteil in einem Extruder, vorzugsweise
einem Einschneckenextruder (ESE), aufgeschmolzen, beispielsweise bei einer Wandungstemperatur
von 180 bis 200 °C, wie insbesondere bei 190 °C. Typischerweise hängt die optimale
Wandungstemperatur vom kristallinen Anteil des festen EPDM-Kautschuks ab, wobei mit
steigender Kristallinität üblicherweise steigende Temperaturen gewählt werden. Das
Aufschmelzen kann auch in einem Doppelschneckenextruder oder einem beliebigen anderen
Extruder erfolgen.
[0073] In den Beispielen wurde ein Blaake Einschneckenextruder ES45/25D eingesetzt. Dessen
maximale Schneckendrehzahl beträgt 124 Umdrehungen pro Minute. Der Schneckendurchmesser
beträgt 45 mm, die Schneckenlänge 25 * D (D = Schneckendurch messer).
[0074] Bei der beispielhaften Vorrichtung für das erfindungsgemäße Verfahren ist somit zusätzlich
zu dem in Fig. 1 gezeigten Planetwalzenextruder ein weiterer Extruder vorgesehen,
in dem der feste EPDM-Kautschuk aufgeschmolzen wird, bevor er über die Füllöffnung
(1) in den Füllteil (2) gegeben und so dem Planetwalzenextruder als Schmelze zugeführt
wird.
[0075] Erfindungsgemäß werden dem Compoundierteil flüssiger EPDM-Kautschuk, Weichmacher,
Klebharz und gegebenenfalls weitere Komponenten zugegeben. Die genannten (schmierenden)
Komponenten können dem Compoundierteil dabei unabhängig voneinander in ein oder mehreren
Portionen zugegeben werden. Erfindungsgemäß bevorzugt ist es, insbesondere aus verfahrensökonomischen
Gründen, wenn die Komponenten dem Compoundierteil in jeweils einer einzigen Portion
zugegeben werden. Ein oder mehrere der genannten (schmierenden) Komponenten kann anteilig
auch zusammen mit dem festen EPDM-Kautschuk und gegebenenfalls weiteren Komponenten
in den Füllteil des Planetwalzenextruders aufgegeben werden. Im Verfahren gemäß vorliegender
Erfindung können die Komponenten zudem als separate Komponenten, als gemeinsamer Premix
oder als Teilvormischungen auf- bzw. zugegeben werden. Beispielsweise können gegebenenfalls
eingesetzte weitere Komponenten wie zum Beispiel Vernetzer als Mischung mit dem festen
EPDM-Kautschuk oder mit einer schmierenden Komponente, wie zum Beispiel Weichmacher,
auf- bzw. zugegeben werden.
[0076] Im Unterschied zu sonst üblichen Herstellungsverfahren wird davon ausgegangen, dass
im Planetwalzenextruder gemäß dem Verfahren der vorliegenden Erfindung allenfalls
eine geringfügige Mastikation des Kautschuks stattfindet, da dieser hier nicht separat
dem Einfluss hoher Scherenergie unterworfen wird, sondern zusammen mit den schmierenden
Komponenten verarbeitet wird. Durch die Anwesenheit dieser schmierenden Komponenten
wird das Ausmaß an Friktionsenergie derartig limitiert, dass die Mastikation des Kautschuks,
d. h. der Molekulargewichtsabbau der Elastomeren, gering gehalten sowie hohe resultierende
Compoundierungstemperaturen vermieden werden können. Dementsprechend ist es bevorzugt,
wenn die erste schmierende Komponente oder zumindest ein Teil davon dem Füllteil oder
dem ersten Walzenzylinder des Compoundierteils, typischerweise über den sich zwischen
Füllteil und erstem Walzenzylinder befindlichen Einspritzring oder einen Seitenbeschicker,
auf- bzw. zugegeben wird. Besonders bevorzugt wird die erste schmierende Komponente
über den Einspritzring dem ersten Walzenzylinder zugegeben.
[0077] Die schmierenden Komponenten können dem Planetwalzenextruder an dergleichen Stelle
oder an unterschiedlichen Stellen zugegeben werden. Typischerweise werden sie dem
Planetwalzenextruder an unterschiedlichen Stellen zugegeben, was sich positiv auf
die Homogenität der sich ergebenden Klebemasse auswirkt. Die Reihenfolge der Zugabe
kann dabei erfindungsgemäß beliebig sein. Bei der ersten auf- bzw. zugegebenen schmierenden
Komponente handelt es sich erfindungsgemäß vorzugsweise um den flüssigen EPDM-Kautschuk.
Ebenso vorzugsweise ist die nächste, d.h. zweite, schmierende Komponente, die stromabwärts
dem Planetwalzenextruder zugegeben wird, der Weichmacher. Vorzugsweise wird die zweite
schmierende Komponente dem zweiten Walzenzylinder des Compoundierteils, typischerweise
über den sich zwischen dem ersten und zweiten Walzenzylinder befindlichen ersten Anlaufring
oder einen Seitenbeschicker, zugegeben. Besonders bevorzugt wird die zweite schmierende
Komponente über einen Seitenbeschicker dem zweiten Walzenzylinder zugegeben. Ebenso
vorzugsweise ist die dritte schmierende Komponente, die stromabwärts dem Planetwalzenextruder
zugegeben wird, das Klebharz. Vorzugsweise wird die dritte schmierende Komponente
dem dritten Walzenzylinder des Compoundierteils, typischerweise über den sich zwischen
dem zweiten und dritten Walzenzylinder befindlichen zweiten Anlaufring oder einen
Seitenbeschicker, zugegeben. Besonders bevorzugt wird die dritte schmierende Komponente
über den sich zwischen dem zweiten und dritten Walzenzylinder befindlichen zweiten
Anlaufring dem dritten Walzenzylinder zugegeben; dies gilt insbesondere dann, wenn
das Compoundierteil lediglich aus drei Walzenzylindern besteht.
[0078] Vorzugsweise ist das Compoundierteil des eingesetzten Planetwalzenextruders bzw.
das erfindungsgemäße Verfahren derart ausgestaltet, dass die sich nach Zugabe der
letzten (schmierenden) Komponente ergebende Masse mindestens einen weiteren Walzenzylinder
passiert. Dies fördert ein vollständiges Aufschließen des Kautschuks bzw. die gewünschte
Homogenisier- und Dispergierleistung bei wirtschaftlichen Durchsatzraten. Dementsprechend
besteht das Compoundierteil des Planetewalzenextruders erfindungsgemäß vorzugsweise
aus drei oder vier gekoppelten Walzenzylindern.
[0079] Das Klebharz kann als festes oder flüssiges Klebharz zu- bzw. aufgegeben werden.
Vorzugsweise wird das Klebharz als flüssiges Klebharz zu- bzw. aufgegeben, um eine
besonders homogene Klebemasse herzustellen. Mit der Zu- bzw. Aufgabe von flüssigem
Klebharz ist erfindungsgemäß gemeint, dass das Klebharz oberhalb seines Erweichungspunkts
T
E zu- bzw. aufgegeben wird, beispielsweise 20 bis 40 °C oberhalb seines Erweichungspunkts
T
E. Mit der Auf- bzw. Zugabe von festem Klebharz ist erfindungsgemäß dementsprechend
gemeint, dass das Klebharz unterhalb seines Erweichungspunkts T
E zu- bzw. aufgegeben wird. Beim festen und flüssigen Klebharz kann es sich erfindungsgemäß
somit um das gleiche Klebharz handeln, das jedoch je nach Anwendungstemperatur fest
oder flüssig ist. Erfindungsgemäß kann das Klebharz auch als Harzsplit eingesetzt
werden, wobei Teile des Klebharzes beispielsweise zusammen mit dem festen EPDM-Kautschuk
und gegebenenfalls weiteren Komponenten in den Füllteil des Planetwalzenextruders
aufgegeben werden.
[0080] Im erfindungsgemäßen Verfahren kann die Haftklebemasse nach dem Austragen aus dem
Planetwalzenextruder mindestens einseitig auf ein bahnförmiges Material, d.h. einen
bahnförmigen Träger, beschichtet werden. Als bahnförmige Trägermaterialien für die
erfindungsgemäß hergestellten hochleistungsfähigen Haftklebemassen sind je nach Verwendungszweck
des bereitzustellenden Klebebandes alle bekannten Träger, gegebenenfalls mit entsprechender
chemischer oder physikalischer Oberflächenvorbehandlung der Streichseite sowie antiadhesiver
physikalischer Behandlung oder Beschichtung der Rückseite geeignet. Genannt seien
beispielsweise gekreppte und ungekreppte Papiere, Polyethylen-, Polypropylen-, mono-
oder biaxial orientierte Polypropylenfolien, Polyesterfolien wie PET-Folien, PVC-
und andere Folien, bahnförmige Schaumstoffe, beispielsweise aus Polyethylen und Polyurethan,
Gewebe, Gewirke und Vliese. Schließlich kann das bahnförmige Material ein antiadhäsives
oder beidseitig antiadhäsiv beschichtetes Material sein wie Trennpapiere oder Trennfolien.
Das bahnförmige Material kann somit ein permanenter Träger oder ein temporärer Träger,
d.h. ein Liner, sein. Temporäre Träger werden erfindungsgemäß nicht als Bestandteil
eines Haftklebebands angesehen.
[0081] Das erfindungsgemäße Verfahren erlaubt somit im Verbund mit einer nachgeschalteten
Beschichtungs- und gegebenenfalls Vernetzungseinheit die Herstellung von hochleistungsfähigen
Haftklebebändern. Dabei wird die erfindungsgemäß hergestellte Haftklebemasse mit einem
Auftragswerk zumindest einseitig auf ein bahnförmiges Material Lösungsmittelfrei beschichtet.
Die vorliegende Erfindung betrifft dementsprechend auch ein Haftklebeband, das mindestens
eine Schicht aus einer nach dem erfindungsgemäßen Verfahren herstellbaren Haftklebemasse
umfasst.
[0082] Vorzugsweise ist die Beschichtungseinheit ein Kalander oder eine Düse, durch den
beziehungsweise durch die die Klebemasse auf ein Trägermaterial aufgebracht wird.
Kalander ermöglichen, dass die Klebemasse beim Durchgang durch einen oder mehrere
Walzenspalte auf die gewünschte Dicke ausgeformt wird.
[0083] Erfindungsgemäß wird vorgeschlagen, die Beschichtung der erfindungsgemäß hergestellten
Klebemassen mit einem Mehrwalzenauftragswerk durchzuführen. Dies können Auftragswerke
bestehend aus mindestens zwei Walzen mit mindestens einem Walzenspalt bis zu fünf
Walzen mit drei Walzenspalten sein.
[0084] Um das Übergabeverhalten der ausgeformten Masseschicht von einer auf eine andere
Walze zu verbessern, können weiterhin antiadhäsiv ausgerüstete Walzen oder Rasterwalzen
zum Einsatz kommen. Um einen hinreichend präzise ausgeformten Klebstofffilm zu erzeugen,
können die Umfangsgeschwindigkeiten der Walzen Differenzen aufweisen.
[0085] Das bevorzugte 4-Walzenauftragswerk wird gebildet von einer Dosierwalze, einer Rakelwalze,
die die Dicke der Schicht auf dem Trägermaterial bestimmt und die parallel zur Dosierwalze
angeordnet ist, und einer Übertragungswalze, die sich unterhalb der Dosierwalze befindet.
Auf der Auflegewalze, die zusammen mit der Übertragungswalze einen zweiten Walzenspalt
bildet, werden die Masse und das bahnförmige Material zusammengeführt.
[0086] Je nach Art des zu beschichtenden bahnförmigen Trägermaterials kann die Beschichtung
im Gleichlauf- oder Gegenlaufverfahren erfolgen.
[0087] Das Ausformaggregat kann auch durch einen Spalt gebildet werden, der sich zwischen
einer Walze und einer feststehenden Rakel ergibt. Die feststehende Rakel kann eine
Messerrakel sein oder eine feststehende (Halb-)Walze.
[0088] Ein weiteres bevorzugtes Beispiel ist ein 3-Walzenauftragswerk aus zwei Masseauftragswalzen
und einer Kühlwalze, wobei vorzugsweise die Masseauftragswalzen eine Temperatur von
80 bis 160 °C, bevorzugter 100 bis 140 °C aufweisen und die Kühlwalze vorzugsweise
eine Temperatur von weniger als 20 °C, vorzugsweise weniger als 10 °C aufweist, und
wobei typischerweise die Temperatur der zweiten Masseauftragswalze geringer ist als
die der ersten Masseauftragswalze.
[0089] Ein weiteres bevorzugtes Auftragsverfahren umfasst die Beschichtung zwischen zwei
bahnförmigen Trägermaterialien, wobei die Klebmasse an einem Zweiwalzenkalander zwischen
diesen beiden Trägermaterialien ausgeformt wird. Die Walzentemperaturen betragen typischerweise
zwischen 60 und 140 °C. Bevorzugt sind die Trägermaterialien dabei antiadhäsiv ausgerüstet,
wie beispielsweise silikonisiertes PET oder Papier.
[0090] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens ist zwischen
Planetwalzenextruder und der eingesetzten Beschichtungsvorrichtung eine Schmelzepumpe
oder ein Extruder zur Klebmasseförderung, insbesondere ein Entgasungsextruder wie
beispielweise ein Doppelschneckenextruder, angeordnet, der drehzahl- oder druckgeregelt,
vorzugsweise druckgeregelt betrieben wird. Um beim Beschichten einen definierten,
vollflächigen Masseauftrag auf dem bahnförmigen Material, d.h. bahnförmigen Träger,
zu erhalten, ist es vorteilhaft, wenn die Haftklebemasse vor Eintritt in eine Beschichtungsdüse
und/oder einen Kalander einer Entgasung unterworfen wird, was besonders wichtig ist
im Falle der Verwendung von Schutzgasen während des Compoundierprozesses im Planetwalzenextruder.
Gemäß dem Verfahren der vorliegenden Erfindung erfolgt die Entgasung unter Einfluss
von Vakuum vorzugsweise in Schneckenmaschinen, die zugleich die Druckverluste der
Rohrleitungen und Beschichtungsdüse überwinden können.
[0091] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
die Haftklebemasse in einem der Beschichtung nachfolgenden Schritt vernetzt, wobei
die Haftklebemasse vorzugsweise mittels Elektronenstrahlen vernetzt wird (ESH-Vernetzung).
Gegebenenfalls wird dabei ein Vernetzungspromotor eingesetzt. Eine Vernetzung der
Haftklebemasse hat insbesondere den Vorteil, dass dadurch die Scherfestigkeit, auch
bei erhöhten Temperaturen wie zum Beispiel 70 °C oder 80 °C, weiter erhöht wird.
[0092] Alternativ kann unter Temperatureinwirkung, d.h. thermisch vernetzt werden, hierbei
müssen der Haftklebemasse entsprechende thermisch aktivierbare Vernetzer zugesetzt
werden. Die hierzu notwendige Erwärmung der Haftklebemasse kann mit Hilfe der vorbekannten
Techniken erfolgen, insbesondere mit Hilfe von Hochtemperatur-Kanälen, aber auch mit
Hilfe von Infrarot-Strahlern oder mittels hochfrequenter magnetischer Wechselfelder,
beispielsweise HF- UHF- oder Mikrowellen. Eine thermische Vernetzung ist besonders
interessant im Fall von ESH-sensiblen Trägern. ESH- und thermische Vernetzung können
auch kombiniert werden.
[0093] Vom Erfindungsgedanken ist wie vorstehend erläutert auch ein Haftklebeband umfasst,
das unter Verwendung einer nach dem erfindungsgemäßen Verfahren herstellbaren Haftklebemasse
hergestellt wird, indem auf ein bahnförmiges Material zumindest einseitig, gegebenenfalls
auch beidseitig, die Haftklebemasse aufgetragen wird.
[0094] Unter Verwendung der erfindungsgemäßen Haftklebemasse lassen sich somit sowohl einseitig
klebende, d.h. einseitige, als auch beidseitig klebende, d.h. doppelseitige Haftklebebänder
herstellen. Wird die erfindungsgemäße Haftklebemasse einseitig auf einen permanenten
Träger aufgetragen, so ergibt sich ein einseitiges Klebeband. Wird die erfindungsgemäße
Haftklebemasse beidseitig auf einen permanenten Träger aufgetragen, so ergibt sich
ein doppelseitiges Klebeband. Alternativ lässt sich ein solches einseitiges Haftklebeband
auch herstellen, indem die erfindungsgemäße Haftklebemasse auf einen Liner aufgebracht
wird, und die sich ergebende Haftklebemasseschicht anschließend auf den permanenten
Träger kaschiert wird. Ein solches doppelseitiges Haftklebeband lässt sich alternativ
auch herstellen, indem die erfindungsgemäße Haftklebemasse auf einen Liner aufgebracht
wird, und die sich ergebende Haftklebemasseschicht anschließend beidseitig auf den
permanenten Träger kaschiert wird. Nachdem die erfindungsgemäße Haftklebemasse auf
einen Liner aufgebracht worden ist, kann die sich ergebende Haftklebemasseschicht
alternativ auf einen weiteren Liner kaschiert werden. Ein solches einschichtiges,
beidseitig selbstklebendes Klebeband, d.h. doppelseitiges Klebeband, wird auch als
"Transfertape" bezeichnet.
[0095] Die Dicke der Haftklebemasse auf dem bahnförmigen Material kann typischerweise zwischen
10 µm und 5000 µm betragen, vorzugsweise beträgt sie zwischen 15 µm und 150 µm. In
einem Transfertape beträgt die Dicke der Haftklebemasse außerdem vorzugsweise 800
µm bis 1200 µm. Ein derartiges Transfertape ist, insbesondere nach Vernetzung, vielseitig
anwendbar.
[0096] Nachfolgend wird die Erfindung durch Beispiele näher erläutert. Anhand der nachfolgend
beschriebenen Beispiele werden besonders vorteilhafte Ausführungen der Erfindung näher
erläutert, ohne damit die Erfindung unnötig einschränken zu wollen.
Beispiele
[0097] Verwendet wurde ein Planetwalzenextruder der Firma Entex Rust & Mitschke mit drei
gekoppelten Walzenzylindern, die einen Innendurchmesser von 70 mm aufwiesen. Die ersten
beiden Walzenzylinder waren mit jeweils 7 Planetenspindeln bestückt, der nachfolgende
Walzenzylinder mit 6 Planetenspindeln, wobei eine der Spindeln die geometrische Form
eines Mischelementes aufwies. In der vorliegenden Ausführungsform des Planetwalzenextruders
weist das Füllteil eine Förderschnecke auf, auf die das Material dosiert werden kann.
Als Temperiermedium für die Zentralspindel und des Einfüllbereichs wurde in den Versuchen
jeweils Wasser mit einer Vorlauftemperatur von 15 °C verwendet.
[0098] Die eingesetzten Rohstoffe sind wie folgt charakterisiert (Tabelle 1):
Tabelle 1: eingesetzte Rohstoffe.
| |
Handelsname |
Hersteller |
| Festes EPDM (Ethylengehalt: 55 Gew-%; ENB-Gehalt: 5,2 Gew.-%, Mooney (ML, 1+4 125°C):
80) |
Vistalon ® 6602 |
Exxon Mobil |
| Festes EPDM (Ethylengehalt: 57 Gew-%; ENB-Gehalt: 4,5 Gew-%; Mooney (ML, 1+4 125°C):
75) |
Royalene ® 563 |
Lion Copolymers |
| Flüssiges EPDM (Gew.-Verhältnis Ethylen/Propylen: 46:54, ENB-Gehalt: 9,5 Gew.-%) |
Trilene ® 67 |
Lion Copolymers |
| Hydriertes Kohlenwasserstoffharz (Erweichungstemperatur: 100°C) |
Regalite ® R 1100 |
Eastman |
| Trimethylolpropantriacrylat (TMPTA) |
|
Sigma-Aldrich |
| Weißöl (paraffinischnapthenisches Mineralöl) |
Ondina ® 933 |
Shell |
| Benzin 60-95 |
Exxsol ® DSP 60/95 SH |
Exxon Mobil |
Vergleichsbeispiel 1:
[0099] Der feste EPDM-Kautschuk Vistalon ® 6602 in einer Menge von 4,0 kg/h und eine erste
Klebharzfraktion in Form von 37,5 phr festem raumtemperiertem Regalite R ® 1100 (d.h.
die zugegebene Menge an Regalite R ® 1100 betrug 1,5 kg/h) wurden über einen Trichter
in den Füllteil des Planetwalzenextruders aufgegeben. Die Wandungstemperatur der Walzenzylinder
des Planetwalzenextruders betrug 120 °C. Die Zentralspindel wurde mit einer Geschwindigkeit
von 30 Umdrehungen pro Minute angetrieben. Die Mischung wurde aus dem Füllteil in
den Compoundierteil übergeben. Über einen Seitenbeschicker im zweiten Walzenzylinder
wurde mittels Schlauchpumpe das niedrigviskose Weißöl Ondina ® 933 mit 1,5 kg/h zugegeben.
Die restliche Harzmenge Regalite R ® 1100 (75 phr) wurde aufgeschmolzen (Tanktemperatur
130°C) in den 2. Anlaufring zwischen zweitem und drittem Walzenzylinder mit einem
Durchsatz von 3,0 kg/h zudosiert. Die sich ergebende Haftklebemasse wies am Austritt
des Planetwalzenextruders eine Temperatur von 120 °C auf.
[0100] Die Haftklebemasse wurde anschließend zu einer Schichtdicke von 50 µm auf einen 23
µm dicken mit Trichloressigsäure geätzten PET-Träger ausgeformt, so dass sich ein
einseitiges Klebeband ergab. Die Beschichtung des PET-Trägers erfolgte dabei mit einem
3-Walzenauftragswerk aus zwei Masseauftragswalzen und einer Kühlwalze, wobei die erste
Masseauftragswalze eine Temperatur von 140 °C aufwies, die zweite Masseauftragswalze
eine Temperatur von 120 °C aufwies und die Kühlwalze eine Temperatur von weniger als
10 °C aufwies. Anschließend wurde der Verbund mit Trennpapier abgedeckt.
[0101] Zur Prüfung auf Homogenität wurden etwa 5 g der Haftklebemasse nach Austritt aus
dem Planetwalzenextruder entnommen und zwischen zwei Prozesslinern mithilfe einer
Heißpresse bei 110°C und 5 bar Druck verpresst. Als Prozessliner wurden dabei beidseitig
mit unterschiedlich abgestuften Silikonsystemen beschichtete PET-Folien einer Dicke
von 75 µm eingesetzt. Nach dem Abkühlen wurde der Pressling auseinandergezogen, so
dass sich eine Dicke der Haftklebemasseschicht von etwa 50 µm ergab. Die Schicht wurde
vor eine Lampe gehalten, wobei auf einer Fläche von 100 cm
2 mit dem Auge weder unaufgeschlossene Kautschuk-Partikel, noch nicht eingearbeitete
schmierende Komponenten zu sehen waren. Die Haftklebemasse war somit homogen.
Vergleichsbeispiel 2:
[0102] Der feste EPDM-Kautschuk Vistalon ® 6602 in einer Menge von 2,9 kg/h und eine erste
Klebharzfraktion in Form von 46,9 phr festem raumtemperiertem Regalite R ® 1100 (d.h.
die zugegebene Menge an Regalite R ® 1100 betrug 1,36 kg/h) wurden über einen Trichter
in den Füllteil des Planetwalzenextruders aufgegeben. Die Wandungstemperatur der Walzenzylinder
des Planetwalzenextruders betrug 120 °C. Die Zentralspindel wurde mit einer Geschwindigkeit
von 30 Umdrehungen pro Minute angetrieben. Im Einspritzring wurde mittels Tankschmelze
der flüssige EPDM-Kautschuk Trilene ® 67 zudosiert, zur besseren Verarbeitung wurde
der Tank auf 120°C geheizt, der Durchsatz betrug 2,0 kg/h. Über einen Seitenbeschicker
im zweiten Walzenzylinder wurde mittels Schlauchpumpe das niedrigviskose Weißöl Ondina
® 933 (Durchsatz 1,0 kg/h) als Mischung mit TMPTA (Durchsatz 0,1 kg/h) unter Rühren
zugegeben. Die restliche Harzmenge Regalite R ® 1100 (93,8 phr) wurde aufgeschmolzen
(Tanktemperatur 130°C) in den 2. Anlaufring zwischen zweitem und drittem Walzenzylinder
mit einem Durchsatz von 2,72 kg/h zudosiert. Die sich ergebende Haftklebemasse wies
am Austritt des Planetwalzenextruders eine Temperatur von 120 °C auf.
[0103] Im analog zu Vergleichsbeispiel 1 durchgeführten Test auf Homogenität waren in der
Haftklebemasseschicht mit dem Auge zahlreiche deutlich sichtbare unaufgeschlossene
Kautschuk-Partikel zu erkennen. Ferner schwamm der Kautschuk in den schmierenden Komponenten,
d.h. es waren nicht eingearbeitete schmierende Komponenten wie Klebharz zu sehen.
Die Haftklebemasse wies somit eine sehr schlechte Homogenität auf. Dementsprechend
konnte kein bewertbares einseitiges Klebeband analog der Vorschrift aus Vergleichsbeispiel
1 hergestellt werden.
Beispiel 3:
[0104] Beispiel 3 unterscheidet sich von Vergleichsbeispiel 2 darin, dass der feste EPDM-Kautschuk
Vistalon ® 6602 vor der Aufgabe in das Füllteil des Planetwalzenextruders in einem
Einschneckenextruder (Blaake Einschneckenextruder ES45/25D) bei 190 °C aufgeschmolzen
wurde und somit als Schmelze in den Planetwalzenextruder aufgegeben wurde. Zudem wurde
die gesamte Harzmenge Regalite R ® 1100 (140,6 phr) aufgeschmolzen (Tanktemperatur
130°C) in den 2. Anlaufring zwischen zweitem und drittem Walzenzylinder mit einem
Durchsatz von 4,0 kg/h zudosiert, d.h. es wurde kein Klebharz in den Füllteil des
Planetwalzenextruders aufgegeben. Die Wandungstemperatur der Walzenzylinder des Planetwalzenextruders
betrug 140°C. Die Zentralspindel wurde mit einer Geschwindigkeit von 45 Umdrehungen
pro Minute angetrieben. Die sich ergebende Haftklebmasse wies am Austritt des Planetwalzenextruders
eine Temperatur von 100°C auf. Alle weiteren Angaben sind entsprechend Vergleichsbeispiel
2.
[0105] Aus der Haftklebemasse wurde anschließend wie in Vergleichsbeispiel 1 beschrieben
ein einseitiges Klebeband hergestellt.
[0106] Im analog zu Vergleichsbeispiel 1 durchgeführten Test auf Homogenität waren in der
Haftklebemasse mit dem Auge weder unaufgeschlossene Kautschuk-Partikel, noch nicht
eingearbeitete schmierende Komponenten zu sehen. Die Haftklebemasse war somit homogen.
Vergleichsbeispiele 4:
[0107] Es wurde eine Haftklebemasse mit der gleichen Zusammensetzung wie in Beispiel 3 hergestellt,
allerdings mittels des Lösungsmittelverfahrens. Dabei wurden alle Bestandteile als
lösungsmittelbasierte Masse in einem Kneter mit Doppelsigmaknethaken homogenisiert.
Als Lösungsmittel wurde Benzin 60-95 verwendet. Der Kneter wurde dabei mittels Wasserkühlung
gekühlt. In einem ersten Schritt wurde zunächst der feste EPDM-Kautschuk Vistalon
® 6602 mit einem Drittel des insgesamt zu verwendenden Benzin 60-95 versetzt und für
12 Stunden bei 23 °C vorgequollen. Anschließend wurde dieser sogenannte Vorbatch für
15 Minuten geknetet. Anschließend wurde das Klebharz Regalite R 1100 in drei Portionen
zugegeben und jeweils 20 min homogen geknetet. Anschließend wurde das Trilene ® 67
zugegeben und für 10 min homogen geknetet. Danach wurde das Ondina ® 933 zusammen
mit TMPTA zugegeben und für 10 min homogen geknetet. Die Haftklebemasse wurde durch
Zugabe von Benzin auf eine 32 Gew.-%ige Lösung eingestellt.
[0108] Die sich ergebende Haftklebemasse wurde anschließend auf einem handelsüblichen Laborstreichtisch
(zum Beispiel von der Firma SMO (Sondermaschinen Oschersleben GmbH)) mit Hilfe eines
Streichmessers auf einen 23 µm dicken mit Trichloressigsäure geätzten PET-Träger beschichtet.
Das Lösungsmittel wurde bei 105 °C im Umlufttrockenschrank für 10 Minuten abgedampft
und somit die Haftklebemasse getrocknet. Die Spaltbreite beim Beschichten wurde so
eingestellt, dass nach dem Abdampfen des Lösungsmittels eine Dicke der Haftklebemassenschicht
von 50 µm erreicht wurde. Es ergab sich ein einseitiges Klebeband.
[0109] Im analog zu Vergleichsbeispiel 1 durchgeführten Test auf Homogenität waren in der
Haftklebemasse mit dem Auge weder unaufgeschlossene Kautschuk-Partikel, noch nicht
eingearbeitete schmierende Komponenten zu sehen. Die Haftklebemasse war somit homogen.
Beispiel 5:
[0110] Beispiel 5 unterscheidet sich von Beispiel 3 lediglich darin, dass als fester EPDM-Kautschuk
anstelle von Vistalon ® 6602 der insbesondere durch einen höheren Ethylengehalt und
somit höheren kristallinen Anteil gekennzeichnete Kautschuk Royalene ® 563 eingesetzt
wurde, bei gleichem Anteil. Alle weiteren Angaben sind entsprechend Beispiel 3. Auch
wurde aus der Haftklebemasse anschließend wie in Vergleichsbeispiel 1 beschrieben
ein einseitiges Klebeband hergestellt.
[0111] Im analog zu Vergleichsbeispiel 1 durchgeführten Test auf Homogenität waren in der
Haftklebemasse mit dem Auge weder unaufgeschlossene Kautschuk-Partikel, noch nicht
eingearbeitete schmierende Komponenten zu sehen. Die Haftklebemasse war somit homogen.
Vergleichsbeispiel 6:
[0112] Es sollte eine Haftklebemasse mit der gleichen Zusammensetzung wie in Beispiel 5
hergestellt werden, allerdings mittels des Lösungsmittelverfahrens. Aufgrund der hohen
Kristallinität des festen EPDM-Kautschuks Royalene ® 563 war jedoch keine Verarbeitung
mit Lösungsmitteln möglich, Royalene ® 563 konnte nicht gelöst werden. Dementsprechend
konnte kein bewertbares einseitiges Klebeband analog der Vorschrift aus Vergleichsbeispiel
4 hergestellt werden.
Ergebnisse:
[0113] Die Rezepturen und Ergebnisse der erfindungsgemäßen Beispiele und Vergleichsbeispiele
sind in der Tabelle 2 zusammengefasst. Prozentangaben sind jeweils als Gewichtsprozent
zu verstehen.
[0114] Beispiel 3 zeigt, dass sich über das erfindungsgemäße Extrusionsverfahren auf lösungsmittelfreiem
Weg Haftklebemassen auf Basis von festem EPDM-Kautschuk bereitstellen lassen, die
homogen sind und gleichzeitig eine hohe Klebkraft auf Untergründen verschiedener Polarität
wie zum Beispiel Stahl und Polypropylen aufweisen (die Klebkräfte wurden in den (Vergleichs-)Beispielen
jeweils am einseitigen Klebeband ermittelt, das wie in den (Vergleichs-)Beispielen
beschrieben hergestellt wurde).
[0115] Ein Vergleich mit Vergleichsbeispiel 2, bei dem der feste EPDM-Kautschuk nicht als
Schmelze in den Füllteil des Planetwalzenextruders aufgegeben wird, zeigt, dass das
vorherige Aufschmelzen des festen EPDM-Kautschuks wesentlich ist, um bei verschiedenen
und somit auch bei verhältnismäßig geringen Anteilen an festem EPDM-Kautschuk Haftklebemassen
hervorzubringen, die homogen sind. Aufgrund der fehlenden Homogenität der Haftklebemasse
aus Vergleichsbeispiel 2 konnte daraus kein bewertbares einseitiges Klebeband hergestellt
werden, so dass auch keine Klebkräfte ermittelt werden konnten.
Tabelle 2: Rezepturen und Ergebnisse der erfindungsgemäßen Beispiele und Vergleichsbeispiele.
| |
Bsp. 1a |
Bsp.2a |
Bsp. 3b |
Bsp. 4a |
Bsp. 5b |
Bsp. 6a |
| Verfahren |
Extrusion |
Extrusion |
Extrusion |
Lösungsmittel |
Extrusion |
Lösungsmittel |
| Rezepturen |
| Vistalon ® 6602 |
40% |
28,8% |
28,8% |
28,8% |
|
|
| Royalene ® 563 |
|
|
|
|
28,8% |
28,8% |
| Trilene ® 67 |
|
19,8% |
19,8% |
19,8% |
19,8% |
19,8% |
| Regalite ® R 1100 |
45% |
40,5% |
40,5% |
40,5% |
40,5% |
40,5% |
| Ondina ® 933 |
15% |
9,9% |
9,9% |
9,9% |
9,9% |
9,9% |
| TMPTA |
|
1,0% |
1,0% |
1,0% |
1,0% |
1,0% |
| Anteil festes EPDM |
40% |
29% |
29%c |
29% |
40%c |
40% |
| SchmierAnteild |
60% |
71% |
71% |
|
60% |
60% |
| Ergebnisse |
| Homogenität |
+ |
- |
+ |
+ |
+ |
- |
| Klebkraft Stahl [N/cm] |
5,4 |
|
12,0 |
14,0 |
13,9 |
|
| Klebkraft PP [N/cm] |
11,9 |
|
15,4 |
10,4 |
9,9 |
|
| Mikroscherweg [µm] |
134 |
|
308 |
268 |
468 |
|
| SAFT [°C] |
120 |
|
94 |
97 |
86 |
|
| a:Vergleichsbeispiele; b: erfindungsgemaße Beispiele; c:aufgeschmolzen im Einschneckenextruder; d: Schmieranteil = Anteil schmierender Komponenten |
[0116] Vergleichsbeispiel 1 zeigt wiederum, dass sich über das Extrusionsverfahren auch
ohne vorheriges Aufschmelzen des festen EPDM-Kautschuks zwar homogene Haftklebemassen
herstellen lassen, sofern der Anteil an festem EPDM-Kautschuk ausreichend hoch gewählt
wird. Allerdings ergeben sich in diesem Fall deutlich geringere Klebkräfte auf Untergründen
verschiedener Polarität, verglichen mit verhältnismäßig geringen Anteilen an festem
EPDM-Kautschuk (vgl. die Klebkräfte aus Vergleichsbeispiel 1 und Beispiel 3).
[0117] Ein Vergleich von Beispiel 3 mit Vergleichsbeispiel 4 zeigt zudem, dass das erfindungsgemäße
Extrusionsverfahren Haftklebemassen bereitstellt, deren Klebkräfte auf Untergründen
verschiedener Polarität mit den Klebkräften von Haftklebemassen vergleichbar sind,
die mittels des Lösungsmittelverfahrens hergestellt worden sind (bei identischer Rezeptur).
Wie vorstehend beschrieben eignet sich das Extrusionsverfahren allerdings im Gegensatz
zum Lösungsmittelverfahren gut zur Herstellung von Haftklebemasseschichten unterschiedlicher
Dicken, insbesondere auch hoher Dicken. Ferner entfällt aufwändiges Trocknen bei der
Herstellung.
[0118] Ein Vergleich des erfindungsgemäßen Beispiels 5 mit Vergleichsbeispiel 6 zeigt zudem,
dass das erfindungsgemäße Verfahren im Gegensatz zum Lösungsmittelverfahren auch die
Herstellung von homogenen Haftklebemassen auf Basis von festem EPDM-Kautschuk ermöglicht,
der einen verhältnismäßig hohen Ethylengehalt, wie insbesondere von mehr als 55 bis
62 Gew.-%, aufweist. Wie Beispiel 5 zeigt, lassen sich homogene Haftklebemassen auf
Basis teilkristallinen festen EPDMs durch das erfindungsgemäße Verfahren sogar dann
erzielen, wenn der Anteil an festem EPDM verhältnismäßig gering ist.
[0119] Die TMPTA-haltigen erfindungsgemäßen Haftklebemassen aus den Beispielen 3 und 5 können
optional mittels Elektronenstrahlen vernetzt werden, wodurch die (Wärme-)Scherfestigkeit
weiter erhöht werden kann.
Prüfmethoden
[0120] Alle Messungen wurden, sofern nichts anderes angegeben ist, bei 23 °C und 50 % rel.
Luftfeuchtigkeit durchgeführt. Die mechanischen und klebtechnischen Daten wurden wie
folgt ermittelt:
Erweichungspunkt TE
[0121] Die Angaben zum Erweichungspunkt T
E, auch Erweichungstemperatur genannt, insbesondere von oligomeren Verbindungen, polymeren
Verbindungen bzw. Harzen beziehen sich auf das Ring-Kugel-Verfahren gemäß DIN EN 1427:2007
bei entsprechender Anwendung der Bestimmungen (Untersuchung der Oligomer- Polymer-
bzw. Harzprobe statt Bitumens bei ansonsten beibehaltener Verfahrensführung); die
Messungen erfolgen im Glycerolbad.
Glasübergangstemperatur (Tg)
[0122] Glasübergangspunkte - synonym als Glasübergangstemperaturen bezeichnet - werden angegeben
als Ergebnis von Messungen mittels Dynamischer Differenzkalorimetrie DDK (englisch
Dynamic Scanning Calorimetry; DSC) gemäß der DIN 53 765; insbesondere Abschnitte 7.1
und 8.1, jedoch mit einheitlichen Heiz- und Kühlraten von 10 K/min in allen Heiz-
und Kühlschritten (vergleiche DIN 53 765; Abschnitt 7.1; Anmerkung 1). Die Probeneinwaage
beträgt 20 mg.
Dicke
[0123] Die Dicke einer Klebemasseschicht kann durch Bestimmung der Dicke eines bezüglich
seiner Länge und seiner Breite definierten Abschnitts einer solchen auf einen Träger
aufgetragenen Klebemassenschicht bestimmt werden, abzüglich der (bekannten oder separat
ermittelbaren) Dicke eines Abschnitts gleicher Dimensionen des verwendeten Trägers.
Die Dicke der Klebemasseschicht lässt sich über handelsübliche Dickenmessgeräte (Taster-Prüfgeräte)
mit Genauigkeiten von weniger als 1 µm Abweichung ermitteln. In der vorliegenden Anmeldung
wird das Präzisions-Dickenmessgerät Mod. 2000 F eingesetzt, das einen kreisrunden
Taster mit einem Durchmesser von 10 mm (plan) aufweist. Die Messkraft beträgt 4 N.
Der Wert wird 1 s nach Belastung abgelesen. Sofern Dickenschwankungen festgestellt
werden, wird der Mittelwert von Messungen an mindestens drei repräsentativen Stellen
angegeben, also insbesondere nicht gemessen an Kniffen, Falten, Stippen und dergleichen.
180 ° Klebkraft
[0124] Die Prüfung der Schälfestigkeit (Klebkraft) erfolgt in Anlehnung an PSTC-1.
[0125] Ein 2,0 cm breiter Streifen eines Haftklebebandes wird auf dem Prüfuntergrund in
Form einer ASTM-Stahlplatte durch fünfmaliges doppeltes Überrollen mittels einer 4
kg Rolle verklebt.
[0126] Die Oberfläche der Stahlplatte wird zuvor mit Aceton gereinigt. Die Platte wird eingespannt,
und der Haftklebestreifen über sein freies Ende an einer Zugprüfmaschine unter einem
Schälwinkel von 180° mit einer Geschwindigkeit von 300 mm/min abgezogen, und die dafür
notwendige Kraft ermittelt. Die Messergebnisse werden über drei Messungen gemittelt
und normiert auf die Breite des Streifens in N/cm angegeben.
[0127] Die Klebkraft auf alternativen Substraten (bspw. Polypropylen (PP) oder Polyethylen
(PE)) wird entsprechend der obigen Methodik durch Wechsel des Verklebungssubstrates
bestimmt. Die Substratuntergründe Polyethylen und -propylen werden vor der Verwendung
mit Ethanol gereinigt und für 2 h im Prüfklima konditioniert.
Molgewicht Mw
[0128] Das gewichtsmittlere Molgewicht M
w des flüssigen EPDM-Kautschuks wird mittels Gelpermeationschromatographie (GPC) bestimmt.
Als Eluent wird THF mit 0,1 Vol.-% Trifluoressigsäure eingesetzt. Die Messung erfolgt
bei 25°C. Als Vorsäule wird PSS-SDV, 5 µ, 10
3 Å, ID 8,0 mm x 50 mm verwendet. Zur Auftrennung werden die Säulen PSS-SDV, 5 µ, 10
3 sowie 10
5 und 10
6 mit jeweils ID 8,0 mm x 300 mm eingesetzt. Die Probenkonzentration beträgt 4 g/l,
die Durchflussmenge 1,0 ml pro Minute. Es wird gegen PMMA Standards gemessen. (µ =
µm; 1 Å = 10
-10 m).
1. Verfahren zur kontinuierlichen und lösungsmittelfreien Herstellung einer Haftklebemasse
auf Basis von festem EPDM-Kautschuk in einem kontinuierlich arbeitenden Aggregat in
Form eines Planetwalzenextruders mit einem Füllteil und einem Compoundierteil, wobei
der Compoundierteil aus mindestens zwei gekoppelten Walzenzylindern besteht, bei dem
a) der feste EPDM-Kautschuk und gegebenenfalls weitere Komponenten in den Füllteil
des Planetwalzenextruders aufgegeben werden,
b) die Komponenten aus dem Füllteil in den Compoundierteil übergeben werden,
c) flüssiger EPDM-Kautschuk, Weichmacher, Klebharz und gegebenenfalls weitere Komponenten
dem Compoundierteil zugegeben werden, und
d) die sich ergebende Haftklebemasse ausgetragen wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
der feste EPDM-Kautschuk als Schmelze in den Füllteil aufgegeben wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
der feste EPDM-Kautschuk
(i) zu 30 bis 80 Gew.-%, bevorzugter 40 bis 75 Gew.-%,noch bevorzugter 45 bis 70 Gew.-%,
insbesondere 55 bis 65 Gew.-%, wie zum Beispiel größer 55 bis 62 Gew.-%, aus Ethylen
aufgebaut ist,
und/oder
(ii) zu 20 bis 60 Gew.-%, vorzugsweise 30 bis 50 Gew.-%, aus Propylen aufgebaut ist,
und/oder
(iii) zu bis zu 20 Gew.-%, bevorzugter 2 bis 12 Gew.-%, insbesondere 5 bis 10 Gew.-%,
aus Dien aufgebaut ist,
jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht der zugrunde liegenden Monomerzusammensetzung.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche ,
dadurch gekennzeichnet, dass
der feste EPDM-Kautschuk neben Ethylen und Propylen als Dien Ethyliden-Norbornen (ENB),
Dicyclopentadien oder 1,4- Hexadien enthält.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Mooney-Viskosität (ML 1 + 4/125 °C) des festen EPDM-Kautschuks gemessen gemäß
DIN 53523 mindestens 20 bis 120, bevorzugt 40 bis 90 und insbesondere 50 bis 80 beträgt.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
in der Haftklebemasse der Anteil an festem EPDM-Kautschuk mindestens 15 Gew.-% beträgt,
vorzugsweise 20 bis 45 Gew.-%, insbesondere 25 bis weniger als 40 Gew.-%, wie zum
Beispiel 28 bis 35 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Haftklebemasse.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der flüssige EPDM-Kautschuk zu 30 bis 70 Gew.-%, bevorzugter 40 bis 68 Gew.-%, aus
Ethylen aufgebaut ist, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht der zugrunde liegenden
Monomerzusammensetzung.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass das gewichtsmittlere Molgewicht des flüssigen EPDM-Kautschuks Mw ≤ 100.000 Da, vorzugsweise ≤ 50.000 Da, bevorzugter ≤ 30.000 Da und insbesondere
≤ 20.000 Da beträgt.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
in der Haftklebemasse der Anteil an flüssigem EPDM-Kautschuk bis zu 30 Gew.-% beträgt,
vorzugsweise 10 bis 20 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Haftklebemasse.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Weichmacher Weißöl ist.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
in der Haftklebemasse der Anteil an Weichmacher bis zu 20 Gew.-%, vorzugsweise zwischen
5 und 15 Gew.-% beträgt, bezogen auf das Gesamtgewicht der Haftklebemasse.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Haftklebemasse 30 bis 180 phr, 90 bis 170 phr, vorzugsweise 100 bis 160 phr Klebharz
enthält.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Haftklebemasse nach dem Austragen aus dem Planetwalzenextruder auf ein bahnförmiges
Material beschichtet wird.
13. Verfahren nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Haftklebemasse in einem der Beschichtung nachfolgenden Schritt vernetzt wird,
wobei die Haftklebemasse vorzugsweise mittels Elektronenstrahlen vernetzt wird.
14. Haftklebemasse, die gemäß einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13 erhältlich
ist.
15. Haftklebemasse auf Basis von festem EPDM-Kautschuk, die flüssigen EPDM-Kautschuk,
Weichmacher und Klebharz enthält,
dadurch gekennzeichnet, dass
der feste EPDM-Kautschuk zu 55 bis 75 Gew.-%, vorzugsweise 55 bis 65 Gew.-%, wie zum
Beispiel größer 55 bis 62 Gew.-%, aus Ethylen aufgebaut ist, bezogen auf das Gesamtgewicht
der zugrunde liegenden Monomerzusammensetzung.
16. Haftklebeband, das mindestens eine Schicht aus einer Haftklebemasse nach einem der
Ansprüche 14 oder 15 umfasst.