[0001] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung eines Halbleiter- oder
LeiterMaterials aus Monolagen oder mit geschichteter Struktur durch elektrolytische
Exfolierung und dessen Verwendung.
[0002] Die Isolierung einzelner Schichten zweidimensional strukturierter oder geschichteter
Halbleiter- oder Leitermaterialien ist seit einigen Jahren von Interesse, nicht zuletzt,
da die Verwendung dieser Materialien in elektronischen Bauteilen zu enormen Leistungssteigerungen
und effizienten Anwendungen führt.
[0003] Ein Beispiel für eine solche isolierte Schicht eines zweidimensional strukturierten
oder geschichteten Materials ist Graphen, welches eine Monolage, also eine einzelne,
nur eine Atomlage dicke Schicht des Graphits, einer natürlich vorkommenden Erscheinungsform
des Kohlenstoffs in Reinform, darstellt. Graphen bezeichnet aber auch Material, in
dem einige dieser Monolagen übereinander geschichtet angeordnet sind.
[0004] Graphen kann als ein zweidimensionales Netzwerk aneinandergeketteter Benzolringe
verstanden werden, welches u.a. eine enorme elektrische Leitfähigkeit aufweist. Durch
seine elektronischen, thermischen, optischen und mechanischen Eigenschaften ist seine
Verwendung auf vielen Gebieten der Technik von großem Interesse. Verfahren zur skalierbaren
und effizienten Herstellung von qualitativ hochwertigem, möglichst aus der Lösung
heraus prozessierbaren Leiter- und Halbleitermaterialien, wie beispielsweise Graphen,
sind deshalb Gegenstand intensiver Forschungsarbeiten.
[0005] Die Exfolierung von Graphit zur Herstellung von Graphen, beispielsweise in Form von
Flakes oder Flocken stellt eine kostengünstige und verlässliche Strategie zu dessen
Gewinnung dar.
[0006] Graphen Schichten als Flocken wurden bereits erfolgreich aus Graphit als Grundmaterial
in festem Zustand (siehe beispielsweise i)
K. S. Novoselov, A. K. Geim, S. V. Morozov, D. Jiang, Y. Zhang, S. V. Dubonos, I.
V. Grigorieva, A. A. Firsov, Science 2004, 306, 666-669; ii)
V. Leon, M. Quintana, M. A. Herrero, J. L. G. Fierro, A. d. I. Hoz, M. Prato, E. Vazquez,
Chem. Commun. 2011, 47, 10936-10938) oder in flüssiger Phase (siehe beispielweise i)
Z. Y. Xia, S. Pezzini, E. Treossi, G. Giambastiani, F. Corticelli, V. Morandi, A.
Zanelli, V. Bellani, V. Palermo, Adv. Funct. Mater. 2013, 23, 4684-4693; b)
A. Ciesielski, P. Samori, Chem. Soc. Rev. 2014, 43, 381-398.) isoliert.
[0007] Auch durch die Reduktion von Graphenoxid, welches beispielsweise durch die sogenannte
Hummers Methode (
W.S. Hummers et al. J. Am. Chem. Soc. 1958, 80, 6, 1339) hergestellt werden kann, wurde Graphen erfolgreich hergestellt. Nachteilig verbleiben
bei den Reduktionsmethoden jedoch stets Oxidgruppen und weitere Defekte, wie Löcher
oder nicht sechs-zählige Ringe innerhalb des Materials. Diese strukturellen Defekte
führen zu starken Einschränkungen der elektronischen und thermischen Eigenschaften
des so erzeugten Graphens (
C. Gómez-Navarro, R. T. Weitz, A. M. Bittner, M. Scolari, A. Mews, M. Burghard, K.
Kern, Nano Lett. 2007, 7, 3499-3503).
[0008] Die Behandlung von Graphit in flüssiger Phase in organischen Lösungsmitteln ermöglicht
dagegen die Herstellung mit deutlich weniger Defekten (siehe beispielsweise a)
F. Bonaccorso, A. Bartolotta, J. N. Coleman, C. Backes, Adv. Mater. 2016, 28, 6136-6166; b)
A. Ciesielski, S. Haar, M. EI Gemayel, H. Yang, J. Clough, G. Melinte, M. Gobbi, E.
Orgiu, M. V. Nardi, G. Ligorio, V. Palermo, N. Koch, O. Ersen, C. Casiraghi, P. Samorì,
Angew. Chem. Int. Ed. 2014, 53, 10355-10361). Nachteilig erreicht man damit nur geringe Ausbeuten an exfoliertem Graphen und
kleine Schichtgrößen (
J. N. Coleman, Acc. Chem. Res. 2013, 46,14-22).
[0010] So wird darin in einer Literaturstelle beschrieben, dass Graphen in wässrigen Elektrolyten,
enthaltend H2S04 oder H3PO4 mit einer Wechselspannung von +7 - -7 V exfoliert wird.
[0011] Eine weitere Literaturstelle in der o.g. Publikation offenbart die elektrochemische
Exfolierung von Graphen aus Graphit, wobei zunächst Propylencarbonat und Lithiumionen
zugegeben werden, welche zwischen die Schichten interkalieren In einem weiteren, zweiten
Schritt werden Tetrabutylammoniumkationen zugegeben und die Ausdehnung von Graphit
wird beobachtet. Zu diesem schon ausgedehnten Graphit wurde dann ein Aryldiazoniumsalz
zugegeben, um Graphen zu exfolieren und mit Aryldiazoniumgruppen zu funktionalisieren.
[0013] Die elektrochemische Exfolierung von Halbleiter- oder Leitermaterialien aus zweidimensional
strukturierten oder geschichteten Grundmaterialien, wie beispielsweise Graphit, stellt
eine kostengünstige und sehr effiziente Möglichkeit zur Abspaltung einzelner Schichten
dar.
[0014] Das zweidimensional strukturierte Grundmaterial kann dabei entweder als Anode in
wässrigen Lösungen ionischer Flüssigkeiten (siehe beispielsweise
X. Wang, P. F. Fulvio, G. A. Baker, G. M. Veith, R. R. Unocic, S. M. Mahurin, M. Chi,
S. Dai, Chem. Commun. 2010, 46, 4487-4489) oder mineralischer Säuren (siehe beispielsweise a)
K. S. Rao, J. Sentilnathan, H.-W. Cho, J.-J. Wu, M. Yoshimura, Adv. Funct. Mater.
2015, 25,298-305; b)
K. Parvez, R. Li, S. R. Puniredd, Y. Hernandez, F. Hinkel, S. Wang, X. Feng, K. Müllen,
ACS Nano 2013, 7, 3598-3606) oder anorganischer Salze (z.B.(a)
K. Parvez, Z.-S. Wu, R. Li, X. Liu, R. Graf, X. Feng, K. Müllen, J. Am. Chem. Soc.
2014, 136, 6083-6091; b)
S. Yang, S. Brüller, Z.-S. Wu, Z. Liu, K. Parvez, R. Dong, F. Richard, P. Samorì,
X. Feng, K. Müllen, J. Am. Chem. Soc. 2015, 137, 13927-13932) geschalten werden. Unter Einfluss des elektrischen Stromes werden dabei Elektronen
vom zweidimensional strukturierten Grundmaterial, z.B. Graphit, abgespalten hinterlassen
eine positive Ladung an der Anode. Die Anionen des Elektrolyten können dann leicht
zwischen die einzelnen Schichten des Grundmaterials, z.B. Graphit, geschoben werden
und diese abspalten.
[0015] Auch das Einbringen des Grundmaterials als Kathode ist möglich, u.a. in organischen
Lösungsmitteln, enthaltend Lithiumsalze (
Z. Zeng, Z. Yin, X. Huang, H. Li, Q. He, G. Lu, F. Boey, H. Zhang, Angew. Chem. Int.
Ed. 2011, 50, 11093-11097) oder quartäre Ammoniumsalze (
A. J. Cooper, N. R. Wilson, I. A. Kinloch, R. A. W. Dryfe, Carbon 2014, 66, 340-350). Eine elektrisch negative Ausrichtung der Kathode zieht dabei die positiv geladenen
Ionen des Elektrolyten an, welche wiederum zwischen die einzelnen Schichten des Grundmaterials
dringen und deren Abspaltung erleichtern.
[0016] Die anodische Exfolierung erzielt dabei gute Herstellungsraten (über 10 g/h), dünnschichtiger
Graphene Flocken aus 1 bis 3 Monolagen Graphen in hohen Ausbeuten von bis zu 70%.
Auch die durchschnittliche Breite der Flocken ist mit bis zu 5 µm relativ hoch. Nachteilig
enthält das so hergestellte Graphen jedoch hohe Anteile an Sauerstoffgruppen. Grund
dafür sind Sauerstoffradikale wie HO· Oder O·, die während des Herstellungsprozesses
durch die Spaltung von Wasser gebildet werden und an die Graphenschichten addieren
(siehe
K. S. Rao, J. Sentilnathan, H.-W. Cho, J.-J. Wu, M. Yoshimura, Adv. Funct. Mater.
2015, 25, 298-305).
[0018] Ein periodischer Wechsel der Funktion der einzelnen Elektroden zwischen Anode und
Kathode wurde erstmals von Liu et al. beschrieben (
Liu J, Yang H, Zhen SG, Poh CK, Chaurasia A, Luo J, et al. "A green approach to the
synthesis of high-quality graphene oxide flakes via electrochemical exfoliation of
pencilcore". RSC Adv. 2013; 3, 11745-50.) Eine anodische Spannung von +7 bis -7 V wurde an zwei Graphit Elektroden in wässrigen
Elektrolyten, enthaltend Schwefelsäure oder Phosphorsäure, angelegt. Offenbart ist
ein periodischer Wechsel der Funktion der einzelnen Elektroden zwischen Anode und
Kathode, wobei die Frequenz des Wechsels bei < 0,00166 Hz liegt. Nachteilig bildeten
sich dabei sehr dicke geschichtete Graphen Flocken mit einer Dicke von 3 - 9 nm (>10
Atomlagen).
[0019] EP 2878709 A1 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung zweidimensional strukturierter Kohlenstoff-Materialien
durch elektrochemische Exfolierung, wobei mindestens eine der Elektroden ein kohlenstoffhaltiges
Grundmaterial mit Schichtstruktur umfasst und durch Anlegen einer Spannung mittels
Gleichstrom Graphen von dieser Elektrode abgespalten wird. Die verwendete Elektrolytlösung
enthält ein Ammonium-Kation und ein anorganisches Schwefelhaltiges Anion. Das Ammonium-Kation
kann dabei 4 Alkyl-Reste am Stickstoff aufweisen. In einer Ausführungsform kann während
der Elektrolyse die Polarität der Elektroden umgekehrt werden.
[0021] Zunächst wird an die Graphit-Elektroden eine niedrige Spannung von +2,5 V angelegt,
um die Oberfläche der Elektrode zu befeuchten und das Eindringen der Anionen zwischen
die Graphit-Schichten zu forcieren. Nachteilig erfolgt dabei auch in hohem Maße eine
Oxidation des Graphits. Die Elektrolyse wird mittels Gleichstrom betrieben, welcher
periodisch die Richtung wechseln kann. Wird die Elektrode als Kathode geschaltet,
so erfolgt die Reduktion des Graphenoxids. Die Umkehr der Polarität der Elektroden
erfolgt mit einer Periodendauer von 2s bis 1 min. Nachteilig beträgt die Ausbeute
an exfoliertem Graphen nur 5 bis 8 m% des eingesetzten Graphits.
[0022] Aufgabe der Erfindung ist die Bereitstellung eines kostengünstigen, effizienten und
skalierbaren Verfahrens zur Herstellung von Leiter- und/oder Halbleitermaterialien,
insbesondere Graphen, aus zweidimensional strukturiertem, geschichteten Grundmaterialien
mittels Exfolierung.
[0023] Gelöst wird die Aufgabe durch ein Verfahren zur Herstellung eines Halbleiter- oder
Leitermaterials aus einem zweidimensional geschichtet strukturierten Grundmaterial
durch elektrolytische Exfolierung, in einer Elektrolysezelle, umfassend mindestens
ein Elektrodenpaar aus einer ersten und einer zweiten Elektrode, und eine Elektrolytlösung,
enthaltend mindestens ein gelöstes Tetraalkylammoniumsalz oder mindestens ein gelöstes
Tetraalkylammoniumsalz und Schwefelsäure
wobei das Anion des Tetraalkylammoniumsalzes ausgewählt ist aus Sulfat, Hydrogensulfat,
Thiosulfat, Sulfit, Nitrat oder Hydroxid,
wobei beide Elektroden des Elektrodenpaares das zweidimensional geschichtet strukturierte
Grundmaterial enthalten, und wobei während der Elektrolyse die Polarität der ersten
und zweiten Elektrode periodisch umgekehrt wird, wobei die Umkehr der Polarität der
Elektroden durch Anlegen einer Wechselspannung erfolgt und wobei die Umkehrfrequenz
der Wechselspannung bevorzugt 0,001 bis 10 Hz beträgt.
[0024] Im Sinne der Erfindung ist ein Leiter- oder Halbleiter-Material ein elektrisch leitendes
Material mit einer hochgeordneten, geschichteten Struktur, bestehend aus einer Monolage
des Materials oder aus mehreren übereinander angeordnete Lagen des Materials. Das
HalbleiterMaterial weist eine spezifische Bandlücke auf, die aus der Energiedifferenz
zwischen dem Valenzband und Leitungsband gebildet wird.
[0025] In einer Ausführungsform ist das Halbleiter- oder Leiter-Material ausgewählt aus
Graphen, Graphenderivaten, kohlenstoffbasierten Halbleiter- oder Leiter-Polymeren
und/oder geschichteten Chalcogeniden der allgemeinen Formel MQ
2, wobei gilt M = Ti, Zr, Hf, V, Nb, Ta, Mo oder W und wobei gilt Q = O, S, Se oder
Te.
[0026] In einer Ausführungsform ist das zweidimensional geschichtet strukturierte Grundmaterial
ausgewählt aus Graphit, kohlenstoffbasierten Halbleiter- oder Leiter-Polymeren in
Form von zweidimensional strukturiertem Grundmaterial und/oder geschichteten Chalcogeniden.
Graphit kann dabei natürlich vorkommendes oder synthetisch hergestelltes Graphit sein.
[0027] Die Exfolierung des Halbleiter- oder Leitermaterials aus dem oder von dem zweidimensional,
geschichtet strukturierten Grundmaterial erfolgt elektrolytisch in einer Elektrolysezelle,
welche mindestens ein Elektrodenpaar enthält. Ein Elektrodenpaar umfasst eine erste
Elektrode E1 und eine zweite Elektrode E2. Beide Elektroden des Elektrodenpaares enthalten
das Grundmaterial.
[0028] In einer Ausführungsform enthält mindestens eine Elektrode das Grundmaterial in Form
von Flocken, Pulver, Fasern, Folien, Stücken, Pasten oder eine Mischung dieser. Die
Elektrode kann auch eine einzelne Flocke des Grundmaterials sein, oder mehrere dieser
Flocken, die entweder aneinandergepresst oder durch ein leitfähiges Material miteinander
verbunden sind.
[0029] In einer Ausführungsform ist die Elektrolytlösung der Elektrolysezelle eine wässrige
Lösung.
[0030] In einer weiteren Ausführungsform enthält die Elektrolytlösung mindestens ein polares
organisches Lösungsmittel, beispielsweise Propylencarbonat oder Acetonitril.
[0031] Zu Beginn der Elektrolyse wird das mindestens eine Elektrodenpaar in die Elektrolytlösung
eingebracht und die Elektrolyse so betrieben, dass sich die Polarität der ersten und
der zweiten Elektrode periodisch umkehrt.
[0032] Erfindungsgemäß erfolgt die Umkehr der Polarität durch Anlegen einer Wechselspannung
zwischen der ersten und der zweiten Elektrode. Periodisch wechselt damit die Funktion
jeder Elektrode zwischen Anode und Kathode.
[0033] In einer Ausführungsform beträgt die Spannung, bei welcher die Elektrolyse betrieben
wird, +/- 2 V bis +/-20 V, bevorzugt +/- 5V bis +/- 15 V, besonders bevorzugt +/-10
V.
[0034] Beide Elektroden des Elektrodenpaares enthalten das zweidimensional geschichtet strukturierte
Grundmaterial.
[0035] Ist eine Elektrode gerade als Anode geschalten, so erfolgt im Anodenbereich zunächst
die Bildung von sauerstoffhaltigen Radikalen wie HO oder O welche die Grenzflächen
oder intrinsischen Defekte des Grundmaterial angreifen und daran addieren, wobei sich
Oxide des Grundmaterials bilden. Gleichzeitig werden die Randschichten des Grundmaterials
auseinandergetrieben, sodass sich die Anionen des Elektrolyten weit dazwischenschieben
können und den Abstand der einzelnen Schichten des Grundmaterials aufdehnen.
[0036] Wird im nächsten Moment die Polarität der Elektrode umgekehrt, erfolgt die Reduktion
der Anionen, wobei sich ein Gas bildet, das die einzelnen Schichten des Grundmaterials
noch weiter auseinandertreibt. Gleichzeitig erfolgt eine Reduktion der Sauerstofffunktionalitäten
an der nun als Kathode geschalteten Elektrode, womit aus den Oxiden des Grundmaterials
wieder das Grundmaterial entsteht und Sauerstoffdefekte entfernt werden.
[0037] Auch die Interkalation der Kationen des Elektrolyten erfolgt und führt zur Aufweitung
des Abstands zwischen den Schichten, soweit, dass die zwischenmolekularen Kräfte überwunden
werden können, sodass sich einzelne Schichten von der Elektrode abspalten. Somit erfolgt
die Exfoliation einer Monolage oder einer dünnen Schicht des Grundmaterials von der
Elektrode.
[0038] Da beide Elektroden des Elektrodenpaares das zweidimensional geschichtet strukturierte
Grundmaterial enthalten erfolgt die Exfolierung simultan an beiden Elektroden E1 und
E2.
[0039] Es laufen nun im ständigen Wechsel die in den beiden vorhergehenden Abschnitten beschriebenen
Prozess an beiden Elektroden E1 und E2 ab. Während also an der einen Elektrode, beispielsweise
E1, die anodische Oxidation und Interkalation der Elektrolytanionen stattfindet, werden
an der anderen Elektrode E2 diese eingeschobenen Anionen und auch die Sauerstoffdefektstellen
reduziert und durch die entstehenden Gase und die Interkalation der Elektrolytkationen
die Schichten des Grundmaterials exfoliert.
[0040] Kehrt sich die Polarität um, so findet die Abspaltung der Schichten an der E1 statt,
bei erneuter Umkehr der Polarität wieder an der E2.
[0041] Es werden also im ständigen Wechsel an E1 und E2 Schichten des Grundmaterials abgespalten.
[0042] Überraschend hat sich gezeigt, dass die Exfolierung an der Elektrode, die zuerst
als Kathode geschalten wird, unter Verwendung von Wechselstrom vergleichbar effizient
ist, wie die Exfolierung an der Elektrode, die zuerst als Anode geschalten wird.
[0043] Führt man selbigen Versuch unter Verwendung von Gleichstrom durch und kehrt die Polarität
der Elektroden manuell periodisch um, so erfolgt eine gute Exfolierung an der Elektrode,
die zuerst als Anode geschaltet war. Allerdings zeigt findet kaum eine Exfolierung
an der Elektrode statt, die zuerst als Kathode geschaltet war (siehe Fig. 3).
[0044] Vorteilhaft können in dieser Ausführungsform durch das erfindungsgemäße Anlegen eines
Wechselstromes / einer Wechselspannung zwischen beiden Elektroden eine simultane Exfoliation
an beiden Elektroden und hohe Ausbeuten an exfoliertem Material, also an Halbleiter-
oder Leitermaterial erzeugt werden.
[0045] Ein weiterer Vorteil dieser Ausführungsform liegt darin, dass keine kostenintensiven
Edelmetall-Gegenelektroden, wie beispielsweise von Su et al. verwendet (
Su C.Y, Lu A.Y, Xu Y, Chen F.R, Khlobystov A.N, Li L.J. "High-quality thin graphene
films from fast electrochemical exfoliation". ACS Nano 2011; 5:2332-9), benötigt werden, um die Elektrolyse durchzuführen. Würde an Stelle des Platins
ein unedles Metall verwendet, würde die Umkehr der Polarität zu anodischen Potentialen
ein Auflösen des Materials zur Folge haben und ein regelmäßiges Ersetzen der Elektrode
erfordern. Nachteilig würde außerdem das Halbleiter- oder Leitermaterial mit den Ionen
des Elektrodenmaterials kontaminiert werden.
[0046] Bevorzugt beträgt die Umkehrfrequenz des Wechselstromes zwischen 0,001 bis 10 Hz.
[0047] In Ausführungsformen der Erfindung beträgt die Umkehrfrequenz des Wechselstromes
0,01 bis 10 Hz, bevorzugt 0,05 bis 1 Hz, insbesondere 0,1 bis 0,2 Hz.
[0048] Die Polarität der Elektroden kann also periodisch alle 0,1 bis 1000s wechseln, bevorzugt
wechselt sie alle 1 bis 100 s, besonders bevorzugt alle 1 bis 20s, insbesondere alle
5 bis 10 s.
[0049] Durch das schnelle, periodische Umschalten der Polarität erfolgt vorteilhaft der
Prozess aus Oxidation/Aktivierung des Grundmaterials und Reduktion/Exfolierung schneller
und effizienter. Da die Stufe der Oxidation nicht so lang andauert wie aus dem Stand
der Technik bekannt, sondern innerhalb einer kurzen Periode sofort die Reduktion erfolgt,
enthält das exfolierte Leiter- oder Halbleitermaterial vorteilhaft weniger Sauerstoffdefekte.
[0050] Vorteilhaft erhöht sich durch das Anlegen eines Wechselstromes der Anteil an Graphenflocken
aus Mono- und Bilagen, also Graphen, das nur aus einer oder zwei atomaren Lagen an
Kohlenstoff besteht. Hohe Schichtdicken, wie sie sonst aus der kathodischen Exfolierung
bekannt sind, werden vorteilhaft vermieden.
[0051] Gleichzeitig werden Flocken des Halbleiter- oder Leitermaterials mit größerer Ausdehnung
im zweistelligen Mikrometerbereich erhalten.
[0052] In einer Ausführungsform werden pro Gramm Grundmaterial, das in die Elektrolytlösung
taucht, mindestens 100 ml Elektrolytlösung verwendet.
[0053] Die Elektrolytlösung enthält neben dem Lösungsmittel mindestens ein gelöstes Tetraalkylammoniumsalz
oder mindestens ein gelöstes Tetraalkylammoniumsalz und Schwefelsäure.
[0054] In einer erfindungsgemäßen Variante enthält die Elektrolytlösung mindestens ein gelöstes
Tetraalkylammoniumsalz.
[0055] In einer weiteren Variante enthält die Elektrolytlösung eine Mischung aus Schwefelsäure
und mindestens einem gelösten Tetraalkylammoniumsalz.
[0056] In einer Ausführungsform beträgt die Konzentration des Salzes oder der Schwefelsäure
oder die Gesamtkonzentration von Salz und Schwefelsäure in der Elektrolytlösung mindestens
0,001 M, bevorzugt 0,001 bis 2 M, besonders bevorzugt 0,005 bis 1, 5 M, insbesondere
0,05 bis 0,2 M.
[0057] Das in der Elektrolytlösung gelöste Salz ist ausgewählt aus Tetraalkylammoniumsalzen.
[0058] Das Kation des Salzes entspricht also der allgemeinen Formel NR
4+, mit R = C1- bis C5-Alkyl, wobei alle R gleich oder voneinander verschieden sein
können.
[0059] Erfindungsgemäß ist das Anion des Salzes ausgewählt aus Sulfat (S0
42-), Hydrogensulfat (HSO
4-), Thiosulfat (S
2O
3-), Sulfit (SO
32-), Nitrat (NO
3-) oder Hydroxid (OH-), bevorzugt Sulfat und/oder Hydrogensulfat.
[0060] Die Anionen haben einen Durchmesser, mit dem sie während der anodischen Oxidation
zwischen die Schichten des zweidimensional geschichtet strukturierten Grundmaterials
dringen können, so dass sie den Abstand zwischen den einzelnen Schichten aufweiten.
Sulfatanionen haben beispielsweise einen Durchmesser von 0,46 nm.
[0061] Die anschließende Gasbildung durch die Reduktion der Anionen treibt die Schichten
noch weiter auseinander. Tetrabutylammoniumsalze haben den Vorteil, dass sie, während
die Elektrode als Kathode geschaltet ist, anders als Kationen kleinen Durchmessers
wie beispielsweise H+ oder Li+ oder Na+, den Abstand zwischen den Schichten auch durch
ihre Molekülgröße noch weiter aufdehnen können.
[0062] Die bisher im Stand der Technik verwendeten Tetramethyl- oder Tetraethyl-Ammoniumsalze
führten jedoch trotzdem nur zu geringen Ausbeuten und niedrigen Produktionsraten an
Leiteroder Halbeitermaterial wie Graphen.
[0063] In einer Ausführungsform ist das Tetraalkylammoniumsalz Tetrabutylammoniumsulfat
(TBAS) und/ oder Tetrabutlyammoniumhydrogensulfat, deren Kation jeweils ein Tetrabutylammonium-Kation
(C
4H
9)
4N
+ (TBA) ist.
[0064] Vorteilhaft weist das TBA-Kation durch die Butylketten eine flexible Struktur auf,
sodass es im flachen, horizontalen Zustand einen vertikalen Durchmesser von 0,47 nm
hat und einfach zwischen die durch die anodische Reaktion schon leicht aufgeweiteten
Schichten des Grundmaterials dringen kann. Durch den großen vertikalen Durchmesser
des TBA Kations im aufgestellten, vertikalen Zustand von 0,89 nm kann es dann die
Schichten so weit auseinanderdehnen, dass die van-der-Waals Kräfte, die zwischen den
einzelnen Schichten des Grundmaterials herrschen, überwunden werden und die Schichten
so auseinanderdriften.
[0065] Vorteilhaft resultiert daraus eine hohe Produktionsrate an exfoliertem Leiter- oder
Halbleitermaterial, mit geringem Sauerstoffgehalt (Fig.1). Werden beispielsweise 5
Elektrodenpaare, bestehend aus je 2 Graphitfolien mit einer Masse von 1 g gleichzeitig
im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt, so werden Produktionsraten von mindestens
5,5 g exfoliertem Graphen in 15 min, also > 20 g/ h erhalten.
[0066] Hohe Ausbeuten bis 85%, bezogen auf die Ausgangsmasse des Grundmaterials, welches
in die Elektrolytlösung eintaucht, werden erreicht und man erhält exfoliertes Leiter-
oder Halbleitermaterial mit sehr geringen Schichtdicken bzw. sogar einzelnen isolierten
Monolagen.
[0067] Auch wenn nur eine der beiden Elektroden eines Elektrodenpaares das zweidimensional
strukturierte, geschichtete Grundmaterial enthält, so erreicht man hohe Ausbeuten
an Leiteroder Halbleitermaterial von bis 85% bezogen auf die Ausgangsmasse des Grundmaterials,
welches in die Elektrolytlösung eintaucht.
[0068] Enthält die Elektrolytlösung Schwefelsäure, so gestaltet sich das erfindungsgemäße
Verfahren vorteilhaft kostengünstig und umweltfreundlicher, da, im Gegensatz zur Verwendung
von Ammoniumsalzen, keine stickstoffhaltigen Abwässer entstehen.
[0069] Gegenüber den im Stand der Technik verbreiteten Verfahren der Exfolierung mit Gleichstrom,
unter der Verwendung von Schwefelsäure als Elektrolyt, werden hierbei vergleichbare
Produktionsraten erzielt. Durch die wechselnden Polaritäten (Oxidation und Reduktion)
im erfindungsgemäßen Verfahren wird allerdings die Oxidation des erhaltenen Materials
deutlich verringert, und man erhält Material mit wesentlich geringerer Defektdichte
(siehe Fig. 7)
[0070] In einer Ausführungsform wird die Elektrolyse beendet, wenn das gesamte Grundmaterial
exfoliert wurde. In einer weiteren Ausführungsform wird die Elektrolyse bereits vorher
beendet.
[0071] In einer Ausführungsform erfolgt nach der Elektrolyse die Trennung des exfolierten
Materials von der Elektrolytlösung. Dies kann nach den aus dem Stand der Technik bekannten
Methoden wie Filtration, Zentrifugation oder Sedimentation erfolgen.
[0072] In einer Ausführungsform ist das das zweidimensional geschichtet strukturierte Grundmaterial
Graphit. Im erfindungsgemäßen Verfahren werden Ausbeuten an Graphen von 80% bezogen
auf das Graphit erreicht. Die Produktionsraten liegen bei 20 g/h im Labormassstab.
[0073] Vorteilhaft lässt sich das erfindungsgemäße Verfahren durch Auswahl der Größe der
Elektrolysezelle und der eingesetzten Menge an Grundmaterial individuell nach oben
skalieren, sodass die Produktion der Leiter- oder Halbleitermaterialien im technischen
Maßstab in hohen Ausbeuten und hohen Produktionsraten möglich ist.
[0074] Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung des im erfindungsgemäßen Verfahren
hergestellten Halbleiter- oder Leitermaterials in Dünnschicht-Elektroden.
[0075] Dafür können beispielsweise aus dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Graphenflocken
aus einer Dispersion auf Substrate, wie Glas, Siliciumträger oder ITO transferiert
werden. Es ergeben sich Graphenfilme mit sehr geringen Schichtwiderständen.
[0076] Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung des im erfindungsgemäßen Verfahren
hergestellten Halbleiter- oder Leitermaterials in Komposit-Materialien. So können
sie mit leitfähigen Polymeren wie PEDOT:PSS gemischt werden, um diese als Bottom-Elektroden
in verschiedenen elektronischen Bauelementen einzusetzen.
[0077] Die Graphenflocken können beispielsweise auch mit Nanopartikeln verknüpft werden
und damit als High Performance Anodenmaterial für Lithiumspeicher dienen (
J. Am. Chem. Soc., 2015, 137, 5576).
[0078] Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung des im erfindungsgemäßen Verfahren
hergestellten Halbleiter- oder Leitermaterials in Batterien oder Akkumulatoren. Dazu
kann beispielsweise Graphen mit kommerziell erhältlichem Kathodenmaterial, wie beispielsweise
LiFePO
4 zu geringen Gewichtsanteilen, wie beispielsweise 2 m% gemischt und zur Herstellung
einer Batterie verwendet werden. Die so hergestellten Graphen-LiFePO
4 Komposit- Batterien weisen eine hohe Entladungskapazität auf (siehe Ausführungsbeispiel
3).
[0079] Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung von Tetrabutylammoniumsulfat und/oder
Tetrabutylammoniumhydrogensulfat in einem erfindungsgemäßen Verfahren zur Herstellung
von Graphen, gekennzeichnet durch einen Anteil an Flocken mit einer Schichtdicke von
1-3 Monolagen von >70% und/oder durch ein C/O Verhältnis von 10 bis 30, und/oder durch
einen Sauerstoffgehalt von 0 bis 9 at% und/oder durch eine Lochmobilität von 350 bis
1000 cm
2 * V
-1 * S
-1.
[0080] Nachfolgende Abbildungen und Ausführungsbeispiele sollen die Erfindung näher erläutern,
ohne sie jedoch darauf zu beschränken.
[0081] Dabei zeigen:
Fig. 1: XPS Aufnahmen von exfoliertem Graphen aus einer Wechselstrom-Elektrolyse in
wässrigen Lösungen von a) Tetramethylammoniumhydrogensulfat und b) Tetrabutylammoniumhydrogensulfat.
Die Frequenz des Wechselstromes wurde zwischen 0,05 Hz und 0,25 Hz variiert. Die Arbeitsspannung
betrug +/- 10 V, die Konzentration des Elektrolyten betrug 0,1M in Wasser. Es ist
deutlich zu sehen, dass der Sauerstoffgehalt des Graphens, wenn es aus Lösung a) exfoliert
wird, wesentlich höher ist, als der des Graphens aus Lösung b). Die Verwendung von
Tetrabutylammoniumhydrogensulfat führt also zu Graphen mit einem geringeren Sauerstoffgehalt.
Ein geringerer Sauerstoffgehalt bedeutet weniger Defektstellen und damit erhöhte Leitfähigkeit
des Graphens.
Fig. 2: Die Abhängigkeit der Flockengrösse des exfolierten Graphens von der Arbeitsspannung
der Elektrolyse in einer 0,1 M Lösung von Tetrabutylammoniumhydrogensulfat. Die Frequenz
des Wechselstromes beträgt 0,1 Hz. Diese Untersuchung zeigt, dass sich mit höherer
Spannung die Grösse der Flocken wieder verringert. So wird gezeigt, dass durch die
angelegte Spannung die laterale Partikelgröße individuell gesteuert werden kann. Damit
können gezielt Materialien für Anwendungen mit unterschiedlichen Ansprüchen an die
Partikelgröße hergestellt werden.
Fig. 3: Untersuchung der Auswirkung von Gleichstrom (direct current, Fig. 3 oben und
mitte) und Wechselstrom (Alternating current, Fig. 3, untere Abbildung) während der
elektrolytischen Exfolierung von Graphen.
In allen drei Versuchen wurden jeweils zwei Graphitfolien als Elektrodenpaar geschaltet,
sodass an beiden Elektroden Graphen exfoliert werden könnte.
Es zeigt sich, dass unter der Verwendung von Gleichstrom jeweils nur die Elektrode
Graphenschichten exfoliert, die zuerst als Anode geschalten wird. Die Elektrode, die
zuerst als Kathode geschalten ist, zeigt nur wenig exfoliertes Graphen. (oben und
mitte)
Bei der Verwendung von Wechselstrom unter gleichen Bedingungen (unten) zeigt gleichwertig
gute Exfolierung von Graphen an beiden Elektroden.
Fig. 4f und 4g zeigen die I-V Charakteristiken der Graphenflocken-basierten Feldeffekttransistoren,
hergestellt nach Ausführungsbeispiel 2. Es ergibt sich daraus eine Lochmobilität für
das erfindungsgemäß hergestellte Graphen von 430 cm2 * V-1 * S-1.
Fig. 5a zeigt ein Spannungsprofil der EG-LFP Batterie, die mit einer Kapazität von
1C = 170 mAh/g eingesetzt wird und nach dem 20. Zyklus (1) eine Kapazität von 157
mAh/g aufweist. Auch nach dem 200. (2) bzw. 500. (3) Zyklus weist sie noch eine Kapazität
von 167 mAh/g auf.
Fig. 5b verdeutlicht die gute Stabilität der Batteriekapazität über 500 Lade- und
Entladezyklen mit einer Coulombeffizienz von konstant über 95%.
Fig. 6 zeigt eine AFM Aufnahme exfolierter Graphenflocken. Anhand des Höhenprofils
ist erkennbar, dass es sich um eine Monolage Graphen handelt.
Fig. 7 zeigt die Ramanspektren von exfoliertem Graphen zum Nachweis der Anwesenheit
von Defektstellen im Material. In Graph A ist sichtbar, dass die Exfolierung mit Schwefelsäure
als Elektrolyten unter der Verwendung von Gleichstrom eine hohe Dichte an Sauerstoffdefekten
mit sich bringt. (hohe Signalstärke bei 1000 bis 1700 cm-1).
[0082] Die Verwendung von Schwefelsäure in einer Elektrolyse unter Wechselstrom (B) zeigt
dagegen deutlich weniger Sauerstoffdefekte auf, ähnlich wie die Verwendung von Tetrabutylammoniumhydrogensulfat
(C).
Ausführungsbeispiel 1
[0083] Die Exfolierung von Graphen wurde mit einem Elektrodenpaar, bestehend aus zwei Graphitfolien
(1,5 * 5 cm, 100mg pro Folie) (Alfa Aesar) durchgeführt.
[0084] Die Elektroden des Elektrodenpaares wurden parallel in einem festen Abstand von 1,5
cm angeordnet. Die Elektrolytlösung wurde hergestellt durch Lösen von Tetrabutylammoniumhydrogensulfat
Pulver in entionisiertem Wasser (0,1 M, 1,7 g des Salzes in 50 ml Wasser). Der pH-Wert
der Elektrolytlösung wurde mit NaOH auf 7 eingestellt. Ein Wechselstrom mit einer
Arbeitsspannung von +/- 10 V und einer Frequenz von 0,1 Hz wurde angelegt, um die
Graphenschichten abzuspalten. Die Ausrichtung der anodischen Arbeitsspannung wechselte
alle 5 s von positiven zu negativen Werten und zurück. Um ein Überhitzen der Elektrolysezelle
zu verhindern, wurde diese während des gesamten Exfolierungsprozess in einem Eisbad
gekühlt.
[0085] Das in der Elektrolytlösung suspendierte Graphen wurde mittels 0,2 µm PTFE Membranfilter
abgetrennt und dreimal mit Wasser und dreimal mit Ethanol gewaschen, um die Überreste
des Elektrolyten zu entfernen.
[0086] Es wurden 120 mg Graphen generiert.
Ausführungsbeispiel 2
[0087] Für eine Herstellung von Graphen im größeren Maßstab wurden 5 Elektrodenpaare aus
Graphitfolien (6 * 12 cm, 1,02 g pro Folie) mit je 2 cm Abstand zwischen jedem Elektrodenpaar
in Reihe geschalten.
[0088] Die Elektrolyse wurde durchgeführt unter denselben Bedingungen, wie in Ausführungsbeispiel
1 aufgeführt. Es wurden jedoch 1000 ml Elektrolytlösung einer Konzentration von 0,1
M verwendet (34 g Tetrabutylammoniumhydrogensulfat in 1000 ml entionisiertem Wasser).
Die Exfolierung endete automatisch, wenn das Graphit-Material aufgebraucht war.
[0089] Das in der Elektrolytlösung suspendierte Graphen wurde mittels 0,2 µm PTFE Membranfilter
abgetrennt und dreimal mit Wasser und dreimal mit Ethanol gewaschen, um die Überreste
des Elektrolyten zu entfernen. Es wurden 5,5 g Graphen in 15 min generiert.
[0090] Anschließend wurde das Graphen Pulver im Ultraschallbad in N,N-dimethylformamid dispergiert
und konnte so gelagert oder weiterverwendet werden. Dazu wurden 120 mg Graphen in
1 L DMF dispergiert, um eine 0,1 mg/ ml Graphen in DMF Dispersion zu erhalten.
[0091] AFM Aufnahmen zeigten die Bildung von Monolagen von exfoliertem Graphen
(Fig. 6)
[0092] Die Elementaranalyse wurde mittels EuroEA ElementalAnalyser durchgeführt.
[0093] Die XPS Analyse wurde an einem Thermo Scientific K-Alpha X-ray Photoelektronspectrometer
durchgeführt mit einem Kammerdruck von ∼ 10
-8 - 10
-9 mbar mit einer Al Anode als Röntgenquelle (x-ray radiation = 1486.7 eV) mit Punktgrößen
von 400 µm. Die Spektren wurden mit durchschnittlich 10 Scans aufgenommen, mit einer
Energie von 200,00 eV in Stufen von je 1 eV. Hochauflösende Spektren wurden mit durchschnittlich
10 Scans und einer Energie von 50,00 eV in Stufen von je 0,1 eV aufgenommen. Die Ergebnisse
sind in Tabelle 1 dargestellt.
[0094] Der Sauerstoffanteil des exfolierten Graphens wurde mit 4,5 at% (= Atomprozent =
Anteil der Anzahl der Atome an der Gesamtzahl aller Atome in der Verbindung) bestimmt.
Das C/O Verhältnis wurde mit 21,2 bestimmt und liegt damit höher als in exfoliertem
Graphen aus dem Stand der Technik.
Tabelle 1 - Elementaranalyse und XPS Daten der Graphitfolie und des exfolierten Graphens
(EG)
| Sample |
Element |
EA |
XPS |
| Graphite |
C (at %) |
99.57 |
98.21 |
| H (at %) |
-- |
N/A |
| O (at %) |
0.16 |
1.79 |
| C/O |
622 |
54.9 |
| EG |
C (at %) |
95.01 |
95.50 |
| H (at %) |
0.27 |
N/A |
| O (at %) |
4.61 |
4.50 |
| C/O |
20.6 |
21.2 |
[0095] Zur Bestimmung des Schichtwiderstandes wurde ein Si/SiO2 Substrat mit einer Monolage
des exfolierten Graphens beschichtet. Dazu wurden Grahenflocken nach der Langmuir-Blodgett-Methode
aufgetragen. Entionisiertes Wasser wurde als Trägerphase verwendet.
[0096] Es wurde 1 ml einer DMF Dispersion von exfoliertem Graphen (EG) (0,05mg EG /ml DMF)
mit 3 ml Chloroform versetzt und die Mischung vorsichtig mittels Spritze auf eine
Wasseroberfläche getropft. Mittels eines Stücks Filterpapier wurde die Oberflächenspannung
des Wassers während der Kompression des EG Films kontrolliert. Die erreichte Oberflächenspannung
betrug 20 mM/m. Durch vertikales Dip-coating wurde ein dünner Film an EG auf das Silizium-Substrat
(mit einer Oxidschicht von 300 nm) transferiert. Die Proben wurden vorsichtig mit
entionisiertem Wasser gewaschen und bei 200°C für 30 min im Vakuum getrocknet.
[0097] Zur Fabrikation der Graphenflocken-basierten Feldeffekttransistoren wurde eine Platin-schicht
von 100 nm Dicke mittels lonenstrahllithographie auf die Graphenschicht aufgetragen,
um die Flocken mit einer Gold source/drain Elektrode zu verbinden.
[0098] Die Lochmobilität wurde aus dem linearen Regime der Transferkurven
(Fig. 4) bestimmt. Man verwendete dazu folgende Gleichung:

(C
i = dieelektrische Kapazität (11 nF/cm
2), L und
W = Kanallänge und Kanalweite zwischen source und drain Elektrode, Vg = Gate voltage,
Vd = Drain Voltage, Id = Drain Strom, ).
[0099] Es ergibt sich aus den I-V Charakteristiken (siehe Fig. 4, f und g) eine Lochmobilität
von 430 cm
2 * V
-1 * S
-1.
[0100] Der Schichtwiderstand einer einzelnen Monolage EG wurde an selbigem Bauteil gemessen,
der Wert wurde durch folgende Gleichung bestimmt:

(
R = Widerstand bei 0.5 V, L und
W= Kanallänge und Kanalweite zwischen source und drain Elektrode)
Es ergab sich ein Schichtwiderstand von 1,98 kΩ sq
-1.
[0101] Der Schichtwiderstand des EG Films wurde in einem 4 Punkt - Probensystem mit einem
Keithley 2700 Multimeter (Probenabstand: 0.635 mm, R
s=4.532 V/I) gemessen.
[0102] Alle Untersuchungen wurden in einer Glove Box, die mit Inertgas gefüllt war, durchgeführt.
Verwendet wurde ein Keithley SCS 4200 Semiconductor System.
Ausführungsbeispiel 3
[0103] Zur Veranschaulichung des Potentials der Verwendung von erfindungsgemäß hergestelltem
Graphen in Batterieapplikationen, wurde kommerziell erhältliches Kathodenmaterial
(LiFePO4 Pulver, 20 mg, Partikelgrösse < 5µm, von Sigma Aldrich) in 40 ml DMF suspendiert
um eine homogene Dispersion zu ergeben. Diese wurde anschließend mit 8 ml einer Graphendispersion
(0,05mg/ml in DMF) vermischt und im Ultraschallbad behandelt. Die sich so ergebenden
Graphen-beschichteten LiFePO
4 (EG-LFP) Partikel wurden abfiltriert und über Nacht im Ofen bei 100°C getrocknet.
[0104] Die EG-LFP Arbeitselektrode wurde hergestellt durch Vermischen von EG-LFP, Aktivkohle
(super-P) und Polyvinylidendifluorid (PVDF) in einem Massenverhältnis von 80:10:10.
Die Mischung wurde auf eine Aluminiumfolie aufgetragen, getrocknet und in kreisförmige
Zellen mit einem Durchmesser von 10 mm gestanzt. Diese wurden für 12 Stunden im Vakuum
bei 80°C getrocknet.
[0105] Knopfzellen des Typs CR 2032 wurden unter inerter Atmosphäre mit Lithiumfolie (Sigma
Aldrich) als Gegenelektrode bestückt und Polypropylen als Separator. Ein Elektrolyt
wurde hergestellt aus 1M LiPF6 in Ethylencarbonat/Diethylcarbonat (3:7 v/v, mit 2
m% Vinylcarbonat) und die Batterien damit befüllt. Die EG-LFP Arbeitselektrode wurde
eingebaut.
[0106] Alle Untersuchungen zur Bestimmung der Ladungs- und Entladungskurven und Zyclen wurden
mittels eines LAND Batterie Systems unter Raumluftbedingungen durchgeführt.
[0107] Fig. 5a zeigt ein Spannungsprofil der EG-LFP Batterie, die mit einer Kapazität von
1C = 170 mAh/g eingesetzt wird und nach dem 20. Zyklus (1) eine Kapazität von 157
mAh/g aufweist. Auch nach dem 200. (2) bzw. 500. (3) Zyclus weist sie noch eine Kapazität
von 167 mAh/g auf.
[0108] Fig. 5b verdeutlicht die gute Stabilität der Batteriekapazität über 500 Lade- und
Entladezyklen mit einer Coulombeffizienz von konstant über 95%.
1. Verfahren zur Herstellung eines Halbleiter- oder Leitermaterials aus einem zweidimensional
geschichtet strukturierten Grundmaterial durch elektrolytische Exfolierung, in einer
Elektrolysezelle, umfassend mindestens ein Elektrodenpaar aus einer ersten und einer
zweiten Elektrode, und eine Elektrolytlösung, enthaltend mindestens ein gelöstes Salz
oder ein gelöstes Salz und Schwefelsäure , wobei beide Elektroden eines Elektrodenpaares
das zweidimensional geschichtet strukturierte Grundmaterial enthalten , und
wobei das Salz ausgewählt ist aus Tetraalkylammoniumsalzen, und
wobei das Anion des Salzes ausgewählt ist aus Sulfat (SO42-), Hydrogensulfat (HSO4-), Thiosulfat (S2O3-), Sulfit (SO32-) , Nitrat (NO3-) oder Hydroxid (OH-) , und
wobei während der Elektrolyse die Polarität der ersten und zweiten Elektrode periodisch
umgekehrt wird,
dadurch gekennzeichnet, dass die Umkehr der Polarität der Elektroden durch Anlegen einer Wechselspannung erfolgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Halbleiter- oder LeiterMaterial ausgewählt ist aus Graphen, kohlenstoffbasierten
Halbleiter- oder Leiter-Polymeren und/oder geschichteten Chalcogeniden.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das zweidimensional strukturierte Grundmaterial ausgewählt ist aus Graphit, kohlenstoffbasierten
Halbleiter- oder Leiter-Polymeren in Form von zweidimensional strukturiertem Grundmaterial
und/oder geschichteten Chalcogeniden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Wechselspannung +/- 2 V bis +/-20 V beträgt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Umkehrfrequenz der Wechselspannung 0,001 bis 10 Hz beträgt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Tetra-alkylammoniumsalz Tetrabutylammoniumsulfat und/oder Tetrabutylammoniumhydrogensulfat
ist.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine Elektrode das Grundmaterial in Form von Flocken, Brocken, Folien,
Fasern oder einer Mischung dieser enthält.
8. Verwendung des Halbleiter- oder Leiter-Materials, hergestellt in einem Verfahren gemäß
einem der Ansprüche 1 bis 7 in Dünnschicht-Elektroden.
9. Verwendung des Halbleiter- oder Leiter-Materials, hergestellt in einem Verfahren gemäß
einem der Ansprüche 1 bis 7 in Komposit Materialien.
10. Verwendung des Halbleiter- oder Leiter-Materials, hergestellt in einem Verfahren gemäß
einem der Ansprüche 1 bis 7 in Batterien oder Akkumulatoren.
11. Verwendung von Tetrabutylammoniumsulfat und/oder Tetrabutylammoniumhydrogensulfat
in einem Verfahren gemäß der Ansprüche 1 bis 7 zur Herstellung von Graphen, gekennzeichnet durch einen Anteil an extrudierten Flocken mit einer Schichtdicke von 1-3 Monolagen von
>70%, ein C/O Verhältnis von 10 bis 30, einem Sauerstoffgehalt von 0 bis 9 at% und
einer Lochmobilität von 350 bis 1000 cm2 * V-1 * s-1.