GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Drehstuhl, insbesondere einen Konferenz-
oder Bürodrehstuhl.
TECHNISCHER HINTERGRUND
[0002] Obwohl die vorliegende Erfindung sowie die ihr zugrunde liegende Problematik nachstehend
in Bezug auf Bürodrehstühle näher beschrieben wird, ist sie darauf nicht beschränkt,
sondern auf vielfältige Stühle, insbesondere Konferenz- oder Bürostühle, übertragbar.
[0003] Bürodrehstühle existieren mit vielfältigen Ausgestaltungen einer Schwenk- bzw. Synchronmechanik.
Eine Synchronmechanik gibt einen Bewegungsablauf vor und weist eine zusätzliche Feder
auf, welche eine Vorspannung für den Bewegungsablauf bereitstellt.
[0004] Ein Bürodrehstuhl mit Schwenkmechanik ist beispielsweise in der Druckschrift
US 2002/0149247 A1 beschrieben. Basis und Lenker einer derartigen Schwenkmechanik sind relativ massiv
ausgelegt. Insgesamt benötigt sie daher einen relativ großen Bauraum, sodass der gesamte
Aufbau eines derartigen Bürodrehstuhls unterhalb des Sitzträgers sehr massiv wirkt.
[0005] Aus der
DE 10 2016 217503 kennt man bereits einen Stuhl mit demgegenüber feingliedrigerer Anmutung, bei dem
Rückenlehnenträger und Sitzträger eine gelenkige Verbindung aufweisen und bei welchem
die Schwenkmechanik mit einem zwischen dem Rückenlehnenträger und dem Sitzträger angeordneten
Kraftspeicherelement in Form eines Armlehnenträgers verwirklicht ist.
ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
[0006] Vor diesem Hintergrund liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, einen
verbesserten Drehstuhl, insbesondere Konferenz- oder Bürodrehstuhl, anzugeben.
[0007] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch einen Drehstuhl mit den Merkmalen des Patentanspruchs
1 gelöst.
[0008] Demgemäß ist vorgesehen:
- Ein Drehstuhl, insbesondere Konferenz- oder Bürodrehstuhl, mit einer Drehstuhlbasis;
mit einem Rückenlehnenträger; mit einem Sitzträger, welcher einen Sitzaufnahmeabschnitt
zur Aufnahme einer Sitzfläche, einen Basisaufnahmeabschnitt zur Aufnahme der Drehstuhlbasis,
und einen integral mit dem Sitzaufnahmeabschnitt und dem Basisaufnahmeabschnitt ausgebildeten
Kraftspeicher aufweist; und mit einer den Sitzträger mit dem Rückenlehnenträger koppelnden
Übersetzung, welche ein Verschwenken des Rückenlehnenträgers und des Sitzaufnahmeabschnitts
des Sitzträgers mit einem vorbestimmten Bewegungsablauf zwischen einer aufrechten
und einer nach hinten verschwenkten Position erlaubt, wobei die Übersetzung einen
ersten Drehpunkt aufweist, welcher den Rückenlehnenträger mit dem Basisaufnahmeabschnitt
drehbar koppelt, und einen zweiten Drehpunkt aufweist, welcher den Rückenlehnenträger
mit dem Sitzaufnahmeabschnitt drehbar koppelt, wobei der Kraftspeicher derart ausgebildet
ist, dass der vorbestimmte Bewegungsablauf ermöglicht ist und der Kraftspeicher dabei
eine in die aufrechte Position rückstellende Kraft bereitstellt.
[0009] Die der vorliegenden Erfindung zu Grunde liegende Idee besteht darin, im Bereich
der Übersetzung, mittels welcher der betreffende Drehstuhl, beispielsweise ein Büro-
oder Konferenzdrehstuhl, synchron oder synchronähnlich verschwenkbar ist, einen integral
mit dem Sitzaufnahmeabschnitt und dem Basisaufnahmeabschnitt ausgebildeten Kraftspeicher
für einen vorbestimmten Bewegungsablauf beim Verschwenken des Rückenlehnenträgers
und des damit über die Übersetzung gekoppelten Sitzträgers vorzusehen. Dazu wird ein
Kraftspeicher direkt in den Sitzträger integriert bzw. als ein integraler Abschnitt
des Sitzträgers ausgebildet. Bei einem Verschwenken wird der Kraftspeicher gespannt
und überträgt derart eine den Rückenlehnenträger und den Sitzträger in die aufrechte
Position rückstellende Kraft.
[0010] Gemäß einem Aspekt kommen ein Sitzträger und eine Übersetzung völlig ohne zusätzliche
Kraftspeicherelemente aus. Der Sitzträger selbst weist hier im Bereich des integralen
Kraftspeichers die für den Bewegungsablauf benötigte und für die erwünschte Rückstellkraft
geeignete Flexibilität auf.
[0011] Die Sitzbasis ist bei einem Drehstuhl, insbesondere Konferenz- oder Bürodrehstuhl,
als Drehstuhlbasis, beispielsweise mit einem Drehfuß ausgebildet. Der Basisaufnahmeabschnitt
ist entsprechend zur Aufnahme, d. h. zur gesicherten Lagerung des Drehfußes ausgebildet.
[0012] Die Sitzfläche ist zumindest mit einem zur Aufnahme von Sitzkräften und zur Einleitung
der Sitzkräfte in den Sitzträger vorgesehenen Strukturelement gebildet. Auf dem Strukturelement
kann ein Sitzpolster angeordnet sein.
[0013] Der erste Drehpunkt und/oder der zweiten Drehpunkt können eine Drehachse aufweisen.
Beispielsweise kann die Drehachse des ersten Drehpunktes einen in dem Basisaufnahmeabschnitt
gelagerten Stift oder Bolzen und/oder die Drehachse des zweiten Drehpunktes einen
in dem Sitzaufnahmeabschnitt gelagerten Stift oder Bolzen aufweisen, welcher mit dem
Rückenlehnenträger drehbar gekoppelt bzw. darin drehbar verankert ist.
[0014] Darüber hinaus erlaubt eine erfindungsgemäße Integration eines Kraftspeichers eine
neuartige Gesamtauslegung des Stuhls. Insbesondere können somit auch weitere in dem
vorbestimmten Bewegungsablauf bewegliche Teile eine gewisse Flexibilität aufweisen.
Es wird somit hinsichtlich des vorbestimmten Bewegungsablaufs bei dem Verschwenken
des Stuhls ein neuer Weg beschritten. Anstatt einen Bewegungsablauf der Übersetzung
einer Synchronmechanik möglichst exakt starr vorzugeben wird nun eine vorbestimmbare
Flexibilität einzelner oder mehrerer Teile in den vorbestimmten Bewegungsablauf mit
einbezogen.
[0015] Die Übersetzung ist insbesondere als Ersatz für eine herkömmliche Synchronmechanik
vorgesehen und funktioniert vorzugsweise synchronähnlich, sodass beim Verschwenken
in vorbestimmter Bewegungsablauf wie bei einer Synchronmechanik beschrieben wird.
Dementsprechend verschwenken sich der Rückenlehnenträger und der Sitzträger in vorbestimmter
Weise jeweils absolut betrachtet und relativ zueinander. Der Sitzträger und der Rückenlehnenträger
verschwenken somit unterschiedlich stark. Insbesondere kann dazu ein vorbestimmtes
Übersetzungsverhältnis vorgesehen sein. Ferner wird der Sitzträger vorzugsweise leicht
angehoben. Vorteilhaft bleibt somit aus Anwendersicht die Funktionalität einer Synchronmechanik
mit den bekannten Vorteilen, wie beispielsweise Vermeiden des Hemdauszieheffekts und
dergleichen, erhalten.
[0016] Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen ergeben sich aus den weiteren Unteransprüchen
sowie aus der Beschreibung unter Bezugnahme auf die Figuren der Zeichnung.
[0017] Gemäß einer vorteilhaften Ausführungsform eines Stuhls, insbesondere eines erfindungsgemäßen
Drehstuhls, beschreibt der Sitzträger eine einteilige Bügelform, welche einen Winkel
von zumindest 180° einschließt. Es handelt sich also um einen integral in einem Stück
geformten bügelartigen Körper, welcher eine gewisse Flexibilität aufweist, die als
Kraftspeicher geeignet ist. Vorzugsweise schließt die Bügelform einen Winkel von zumindest
210°, besonders bevorzugt in einem Bereich von 210° bis 240°, ein. Auf diese Weise
wirkt der gesamte Sitzträger als eine Art Bügelfeder, welche sich bei Verschwenken
des Rückenlehnenträgers in die nach hinten verschwenkte Position spannt, insbesondere
nach außen aufspannt. Auf diese Weise wird eine Rückstellkraft zum Zurückschwenken
in die aufrechte Position bereitgestellt. Die Sitzbasis bzw. Drehstuhlbasis stellt
dabei den Abstützpunkt bzw. Fixpunkt der Kinematik dar. Im Bereich des Basisaufnahmeabschnitts
wird der Sitzträger somit bei dem Verschwenken nicht verlagert. Relativ dazu wird
der Sitzträger im Bereich des Sitzaufnahmeabschnitts bei dem Verschwenken am stärksten
verlagert. Der zwischen dem Sitzaufnahmeabschnitt und dem Basisaufnahmeabschnitt als
Kraftspeicher dienende Abschnitt des Sitzträgers gleicht diese Verlagerung durch elastische
Verformung bzw. Biegung aus.
[0018] Gemäß einer Weiterbildung weist der Kraftspeicher einen den Sitzaufnahmeabschnitt
mit dem Basisaufnahmeabschnitt verbindenden Federarm auf, welcher zumindest einen
Teil der Bügelform bildet. Der Federarm ist insbesondere flexibler als der Basisaufnahmeabschnitt
ausgebildet. Zusätzlich kann er auch flexibler als der Sitzaufnahmeabschnitt ausgebildet
sein. Vorzugsweise wird er zur Bereitstellung der höheren Flexibilität dünner und/oder
mit einem geringeren Flächenträgheitsmoment dimensioniert. Auf diese Weise lässt sich
die Verformung dahingehend beeinflussen, dass die größten Verformungen und Spannungen
im Bereich des Federarms auftreten, sodass die Anbindungen zur Sitzbasis bzw. Drehstuhlbasis
und zur Sitzfläche davon nicht beeinträchtigt werden.
[0019] Gemäß einer vorteilhaften Ausführungsform weist der Rückenlehnenträger einen mit
dem ersten Drehpunkt und dem zweiten Drehpunkt gekoppelten Lenker auf, welcher in
der aufrechten Position relativ zu einer Schwerkraftrichtung verschwenkt ist und bei
einem nach hinten Verschwenken in eine an die Schwerkraftrichtung angenäherte Position
verschwenkt wird, so dass der Sitzaufnahmeabschnitt bei dem nach hinten Schwenken
angehoben wird. Der Lenker ist beispielsweise einteilig bzw. integral mit dem Rückenlehnenträger
ausgebildet. Vorteilhaft werden für die Übersetzung somit keine zusätzlichen Lenker
benötigt. Auf diese Weise wird einerseits die Teileanzahl verringert und andererseits
ein sehr filigranes äußeres Erscheinungsbild ermöglicht. Insbesondere sind als einzige
Verbindungselemente die beiden Drehpunkte sichtbar, was unter Designaspekten besonders
vorteilhaft ist.
[0020] Gemäß einer Weiterbildung ist der Lenker zur selbstregulierenden Anpassung der Rückstellkraft
an ein auf der Sitzfläche lastendes Gewicht ausgebildet. Die Sitzfläche ist dabei
mit dem Sitzaufnahmeabschnitt aufgenommen bzw. gekoppelt. Insbesondere ist eine Hebellänge
und/oder ein Anstellwinkel in der aufrechten und in der nach hinten verschwenkten
Position jeweils derart ausgelegt, dass die durch die Ausbildung des Sitzträgers vorbestimmte
Federkraft mit einem eine zusätzliche Rückstellkraft bereitstellenden von der Gewichtskraft
hervorgerufenen Moment unterstützt wird.
Die obigen Ausgestaltungen und Weiterbildungen lassen sich, sofern sinnvoll, beliebig
miteinander kombinieren.
[0021] Weitere mögliche Ausgestaltungen, Weiterbildungen und Implementierungen der Erfindung
umfassen auch nicht explizit genannte Kombinationen von zuvor oder im Folgenden bezüglich
der Ausführungsbeispiele beschriebenen Merkmale der Erfindung. Insbesondere wird dabei
der Fachmann auch Einzelaspekte als Verbesserungen oder Ergänzungen zu der jeweiligen
Grundform der vorliegenden Erfindung hinzufügen.
INHALTSANGABE DER ZEICHNUNG
[0022] Die vorliegende Erfindung wird nachfolgend anhand der in den schematischen Figuren
der Zeichnung angegebenen Ausführungsbeispiele näher erläutert. Es zeigen dabei:
- Fig. 1A
- eine schematische Skizze der Kinematik eines Stuhls in einer aufrechten Position;
- Fig. 1B
- eine Skizze der Kinematik gemäß Fig. 1A in einer nach hinten verschwenkten Position;
und
[0023] Fig. 2 eine Seitenansicht eines Drehstuhls mit einer Kinematik gemäß Fig. 1A und
1B.
Die beiliegenden Figuren der Zeichnung sollen ein weiteres Verständnis der Ausführungsformen
der Erfindung vermitteln. Sie veranschaulichen Ausführungsformen und dienen im Zusammenhang
mit der Beschreibung der Erklärung von Prinzipien und Konzepten der Erfindung. Andere
Ausführungsformen und viele der genannten Vorteile ergeben sich im Hinblick auf die
Zeichnungen. Die Elemente der Zeichnungen sind nicht notwendigerweise maßstabsgetreu
zueinander gezeigt.
[0024] In den Figuren der Zeichnung sind gleiche, funktionsgleiche und gleich wirkende Elemente,
Merkmale und Komponenten - sofern nichts anderes ausgeführt ist - jeweils mit denselben
Bezugszeichen versehen.
BESCHREIBUNG VON AUSFÜHRUNGSBEISPIELEN
[0025] Fig.1A zeigt eine schematische Skizze der Kinematik eines Stuhls 101 in einer aufrechten
Position.
[0026] Eine Drehstuhlbasis 104 des Stuhls ist hier schematisch als Festlager symbolisiert.
Im Falle eines Drehstuhles kann die Sitzbasis aber selbstverständlich einen rotatorische
Freiheitsgrad um die vertikale Achse aufweisen.
[0027] Die Sitzbasis ist mit einem Sitzträger 102 gekoppelt. Der Sitzträger 102 weist einen
Sitzaufnahmeabschnitt 105 zur Aufnahme einer Sitzfläche, einen Basisaufnahmeabschnitt
107 zur Aufnahme der Drehstuhlbasis 104, und einen integral mit dem Sitzaufnahmeabschnitt
105 und dem Basisaufnahmeabschnitt 107 ausgebildeten Kraftspeicher 108 auf. Der Sitzträger
ist dabei insbesondere einteilig ausgebildet. Die Abschnitte stellen insofern lediglich
Funktionsabschnitte dar, welche aber integral miteinander geformt sind.
[0028] Der Stuhl 101 weist ferner einen Rückenlehnenträger 103 auf, welcher an zwei Stellen
mit dem Sitzträger 102 gekoppelt ist. Dazu ist eine den Sitzträger 102 mit dem Rückenlehnenträger
103 koppelnden Übersetzung 109 vorgesehen, welche ein Verschwenken des Rückenlehnenträgers
103 und des Sitzaufnahmeabschnitts 105 mit einem vorbestimmten Bewegungsablauf zwischen
einer aufrechten und einer nach hinten verschwenkten Position erlaubt. Die Übersetzung
109 weist einen ersten Drehpunkt 110 auf, welcher den Rückenlehnenträger 103 mit dem
Basisaufnahmeabschnitt 107 des Sitzträgers 102 drehbar koppelt. Ferner ist ein zweiter
Drehpunkt 111 der Übersetzung 109 vorgesehen, welcher den Rückenlehnenträger 103 mit
dem Sitzaufnahmeabschnitt 105 drehbar koppelt.
[0029] Der Kraftspeicher 108 des Sitzträgers 102 stellt eine vorbestimmte elastische Verformbarkeit
zur Verfügung. Ein Verschwenken des Rückenlehnenträgers 103 führt somit zu einer elastischen
Verformung des Sitzträgers im Bereich des Kraftspeichers 108. Durch die integrale
Ausbildung des Kraftspeichers 108 mit dem Basisaufnahmeabschnitt 107 und dem Sitzaufnahmeabschnitt
105 ist somit eine gewisse Relativbewegung des Sitzaufnahmeabschnitts 105 relativ
zu dem Basisaufnahmeabschnitt 107 ermöglicht. Ein bei dieser Relativbewegung vorgesehener
Bewegungsablauf ist durch die Ausbildung des Kraftspeichers 108 vorbestimmt.
[0030] In der dargestellten aufrechten Position ist der Kraftspeicher 108 im Wesentlichen
entspannt. Ein Verschwenken des Rückenlehnenträgers 103 und durch die klimatische
Kopplung über die Übersetzung 109 auch des Sitzaufnahmeabschnitts 105 führt zur elastischen
Verformung des Kraftspeichers 108. Auf diese Weise stellt der Kraftspeicher 108 bei
Verstellen in eine nach hinten verschwenkte Position eine den Rückenlehnenträger 103
und den Sitzaufnahmeabschnitt 105 in die aufrechte Position rückstellende Kraft bereit.
[0031] Fig. 1B zeigt eine Skizze der Kinematik gemäß Fig. 1A in einer nach hinten verschwenkten
Position.
[0032] Hier ist der Kraftspeicher 108 entsprechend elastisch verformt dargestellt. Während
der Basis Aufnahmeabschnitts 107 des Sitzträgers seine ursprüngliche Position beibehält,
wurde der Sitzkoppelabschnitt 105 durch die Übersetzung 109 relativ dazu verschoben.
Die Übersetzung 109 enthält dazu einen mit dem Rückenlehne 303 befestigten oder integral
damit ausgebildeten Lenker 113.
[0033] Der Lenker 113 ist in der aufrechten Position gemäß Fig. 8 A relativ zu der Schwerkraftrichtung,
welche hier vertikal verläuft, nach vorne verschwenkt. Bei einem nach hinten Verschwenken
des Rückenlehnenträgers 103 wird der Lenker 113 somit in eine an die Schwerkraftrichtung
angenäherte Position verschwenkt. Auf diese Weise wird der Sitzaufnahmeabschnitt 105
bei dem nach hinten Schwenken einerseits angehoben und andererseits nach hinten verlagert.
[0034] In der in Fig. 8B dargestellten vollständig nach verschwenkten Position des Rückenlehnenträgers
103 ist noch eine geringfügige verbleibende Anstellung des Lenkers 113 nach vorne
vorgesehen. Auf diese Weise wirkt ein auf den Sitz Aufnahmeabschnitts 105 lastendes
Gewicht einer auf einer daran befestigten Sitzfläche sitzenden Person zusätzlich zu
der Vorspannung des Kraftspeichers 108 zurückstellend. Auf diese Weise wird eine Rückstellkraft
vorteilhaft stets automatisch an ein Gewicht einer auf dem Stuhl sitzenden Person
angepasst. Der Lenker 113 dient somit zur selbstregulierenden Anpassung der Rückstellkraft
an ein auf der Sitzfläche, welche mit dem Sitzaufnahmeabschnitt 105 aufgenommen ist,
lastendes Gewicht.
[0035] Dementsprechend verbleibt der Stuhl in der nach hinten verschwenkten Position sofern
eine auf dem Stuhl sitzende Person ihr Gewicht auf eine mit dem Rückenlehneträger
103 gekoppelte Rückenlehne verlagert. Wird die Rückenlehne jedoch entlastet, richtet
sich der Rückenlehnenträger 103 durch die in dem Kraftspeicher 108 gespeicherte Rückstellkraft
und die durch die Anstellung des Lenkers 113 mit dem Eigengewicht der Person erzeugte
Rückstellkraft automatisch auf.
[0036] Fig. 2 zeigt eine Seitenansicht eines Drehstuhls mit einer Kinematik gemäß Fig. 1A
und 1B.
[0037] Bei dem hier dargestellten Drehstuhl 101 handelt es sich um einen Bürodrehstuhl mit
einem mit Rollen bestückten Drehfuß 114. Selbstverständlich sind aber Ausführungsformen
ohne derartige Rollen denkbar, beispielsweise für einen Konferenzdrehstuhl.
[0038] Dargestellt ist hier lediglich eine aufrechte Position des Drehstuhl 101. Der Rückenlehnenträger
103 dient bei dieser Ausführungsform gleichzeitig als Rückenlehnenrahmen und ist somit
als integral mit der Rückenlehne 115 ausgebildet. Darüber hinaus ist der Lenker 113
einteilig mit dem Rückenlehnenträger 103 gebildet. Der Rückenlehnenträger 103 ist
dazu im Bereich des zweiten Drehpunktes 111 abgewinkelt.
[0039] Darüber hinaus beschreibt der Sitzträger 102 ausgehend von dem zweiten Drehpunkt
111 eine einteilige Bügelform, welche sich bis zu dem ersten Drehpunkt 110 erstreckt.
Von dem zweiten Drehpunkt 111 bis zu dem ersten Drehpunkt 110 schließt die Bügelform
hier beispielhaft in der aufrechten Position einen Winkel von etwa 210° ein. Diese
Winkel ist selbstverständlich an die Geometrie bzw. Auslegung des Sitzträgers anpassbar
und liegt in einem Bereich >180°, bevorzugt in einem Bereich von 200° bis 240°. Auf
diese Weise lässt sich der Sitzträger bei entsprechender Materialauslegung federartig
aufspannen und somit als Kraftspeicher einsetzen.
[0040] Die Bügelform lässt sich vorteilhaft in unterschiedliche Funktionsabschnitte aufteilen.
Die Schenkel der Bügelform stellen hier den Basisaufnahmeabschnitt 107 und den Sitzaufnahmeabschnitt
105 dar. Sie sind dementsprechend vergleichsweise steif ausgebildet. Dazwischen ist
ein die beiden Schenkel verbindender Steg vorgesehen, welcher als Federarm 112 ausgelegt
und dementsprechend elastisch verformbar ausgebildet ist. Der Federarm 112 ist jeweils
zu dem Basisaufnahmeabschnitts 107 und dem Sitaufnahmeabschnitts 105 abgewinkelt und
bildet damit einen Teil der Bügelform aus.
[0041] Auf dem Sitzaufnahmeabschnitt 105 ist eine Sitzfläche 106 aufgebracht, welches ein
die Sitzkräfte in den Sitzträger 102 ein leitendes Strukturteil bzw. eine Sitzschale
und ein Sitzpolster aufweist. Bei weiteren Ausführungsformen wäre auch eine Ausführung
ohne Polsterung einer Sitzschale denkbar.
[0042] Obwohl die vorliegende Erfindung anhand bevorzugter Ausführungsbeispiele vorstehend
vollständig beschrieben wurde, ist sie darauf nicht beschränkt, sondern auf vielfältige
Art und Weise modifizierbar.
Bezugszeichenliste
[0043]
- 101
- Drehstuhl
- 102
- Sitzträger
- 103
- Rückenlehnenträger
- 104
- Drehstuhlbasis
- 105
- Sitzaufnahmeabschnitt
- 106
- Sitzfläche
- 107
- Basiaaufnahmeabschnitt
- 108
- Kraftspeicher
- 109
- Übersetzung
- 110
- erster Drehpunkt
- 111
- zweiter Drehpunkt
- 112
- Federarm
- 113
- Lenker
- 114
- Drehfuß
- 115
- Rückenlehne
1. Drehstuhl (101), insbesondere Konferenz- oder Bürodrehstuhl,
mit einer Drehstuhlbasis (104);
mit einem Rückenlehnenträger (103);
mit einem Sitzträger (102), welcher einen Sitzaufnahmeabschnitt (105) zur Aufnahme
einer Sitzfläche (106), einen Basisaufnahmeabschnitt (107) zur Aufnahme der Drehstuhlbasis
(104), und einen integral mit dem Sitzaufnahmeabschnitt (105) und dem Basisaufnahmeabschnitt
(107) ausgebildeten Kraftspeicher (108) aufweist; und
mit einer den Sitzträger (102) mit dem Rückenlehnenträger (103) koppelnden Übersetzung
(109), welche ein Verschwenken des Rückenlehnenträgers (103) und des Sitzaufnahmeabschnitts
(105) mit einem vorbestimmten Bewegungsablauf zwischen einer aufrechten und einer
nach hinten verschwenkten Position erlaubt, wobei die Übersetzung (109) einen ersten
Drehpunkt (110) aufweist, welcher den Rückenlehnenträger (103) mit dem Basisaufnahmeabschnitt
(107) drehbar koppelt, und einen zweiten Drehpunkt (111) aufweist, welcher den Rückenlehnenträger
(103) mit dem Sitzaufnahmeabschnitt (105) drehbar koppelt, wobei der Kraftspeicher
(108) derart ausgebildet ist, dass der vorbestimmte Bewegungsablauf ermöglicht ist
und der Kraftspeicher (108) dabei eine den Rückenlehnenträger (103) und den Sitzaufnahmeabschnitt
(105) in die aufrechte Position rückstellende Kraft bereitstellt.
2. Drehstuhl nach Anspruch 1,
wobei der Sitzträger (102) eine einteilige Bügelform beschreibt, welche einen Winkel
von zumindest 180°, vorzugsweise zumindest 200°, besonders bevorzugt in einem Bereich
von 200° bis 240°, einschließt.
3. Drehstuhl nach Anspruch 1 oder 2,
wobei der Kraftspeicher einen den Sitzaufnahmeabschnitt (105) mit dem Basisaufnahmeabschnitt
(107) verbindenden Federarm (112) aufweist, welcher zumindest einen Teil der Bügelform
bildet.
4. Drehstuhl nach Anspruch einem der vorangehenden Ansprüche,
wobei die Übersetzung (109) einen mit dem ersten Drehpunkt (110) und dem zweiten Drehpunkt
(111) gekoppelten Lenker (113)aufweist, welcher in der aufrechten Position relativ
zu einer Schwerkraftrichtung verschwenkt ist und bei einem nach hinten Verschwenken
in eine an die Schwerkraftrichtung angenäherte Position verschwenkt wird, so dass
der Sitzaufnahmeabschnitt (105) bei dem nach hinten Schwenken angehoben wird.
5. Drehstuhl nach Anspruch 4,
wobei der Lenker (113) zur selbstregulierenden Anpassung der Rückstellkraft an ein
auf der Sitzfläche, welche mit dem Sitzaufnahmeabschnitt (105) aufgenommen ist, lastendes
Gewicht ausgebildet ist.