[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Detektion des Abnutzungszustands von Tragmitteln
aus elastomerem Material innerhalb eines Trag- oder Aufzugsystems, welches eine Kabine
bzw. eine Trageinrichtung aufweist, die mit einem über Umlenk- oder Antriebsrollen
laufenden Tragmittel mit einem Gegengewicht verbunden ist, wobei die Tragmittel in
ihrer Längsrichtung im Riemenkörper eingebettete Zugträger bzw. Verstärkungselemente
aufweisen, vorzugsweise ausgebildet als getwistete oder geschlagene Corde, wobei nach
einer Einlaufphase des Trag- bzw. Aufzugsystem ausgewählte physikalische Eigenschaften
des Tragmittels als Anfangswerte ermittelt und gespeichert werden und nachfolgend
während des Betriebs periodisch oder permanent entsprechende physikalischen Eigenschaften
des Tragmittels als aktuelle Werte zu den Anfangswerten in Bezug gesetzt und bei Überschreitung
von vorgegebenen Schwellenwerten für die Differenzen zwischen Anfangswerten und aktuellen
Werten ein Warnsignal gegeben bzw. zum Austausch des Tragmittels aufgefordert wird.
Die Erfindung betrifft ebenfalls eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.
[0002] Insbesondere bei Personen- oder Lastenaufzügen unterliegen die Tragmittel der Kabinen,
üblicherweise Stahlseile, strengen Regelungen in Bezug auf ihre Betriebssicherheit
und Zugfestigkeit. Die Zugfestigkeit kann sich im Laufe der Lebensdauer eines Aufzugs
durch Setzungen, Materialverschleiß oder durch Ermüdungserscheinungen innerhalb des
Tragmittels reduzieren. Prüfungsnormen geben hierzu entsprechende Regelungen vor.
Aufzugsanlagen werden von entsprechenden Prüfungsorganisationen sorgfältig auf die
Einhaltung dieser Reglungen und gesetzlichen Vorschriften überprüft.
[0003] Sobald ein Tragmittel die gesetzlichen Anforderungen nicht mehr erfüllt, muss es
ausgetauscht, d.h. abgelegt werden, was bedeutet, dass es aus dem Aufzugssystem entfernt
und durch ein neues Tragmittel ersetzt wird. Dieser Zeitpunkt ist die sogenannte "Ablegereife".
Die hier angesprochenen Tragmittel sind solche, die aus elastomeren Material bestehen
und eingebettete Zugträger bzw. Verstärkungselemente aufweisen, also etwa Traggurte
oder in einer besonderen Weise geformte Trageriemen.
[0004] Das Erreichen der Ablegereife bei den im Stand der Technik für Aufzüge häufig noch
verwendeten Stahlseilen wird unter anderem durch eine optische Kontrolle ermittelt.
Hierzu kann bei Stahlseilen z.B. eine Beurteilung des Zustandes der Zugfestigkeit
durch optische Kontrolle der einzelnen Litzen auf Brüche erfolgen oder durch Messung
eines sich etwa verändernden Durchmessers eines Stahlseils. Solche Methoden sind in
der Normung aufgenommen und gehören daher zum Stand der Technik.
[0005] Bei den heute mehr und mehr als Tragmittel verwendeten Aufzugsgurten oder Tragriemen,
bei denen Stahlseile oder Stahlcorde als Zugträger in einer Polymer- oder Gummimatrix
eingebettet sind, ist eine solche Kontrolle mittels rein optischer Verfahren kaum
möglich, so dass es zusätzlicher verfeinerter Messmethoden bedarf.
[0006] Hier nutzt man eine Kombination aus optischen und messtechnischen bzw. statistischen
Methoden. In der Regel ist dabei zunächst die optische Integrität der Tragmittel zu
überprüfen und sicherzustellen. Die Festigkeit von metallischen Zugelementen im inneren
der Kunststoff- oder Gummimatrix kann z. B. mittels Widerstandsmessung erfolgen. Hierzu
werden die einzelnen Zugträger elektrisch miteinander verbunden. Eine Querschnittsänderung
der Zugträger infolge von Reibung (Fretting) oder l.itzenbrüchen verändern z.B. den
Widerstand im elektrischen Leiter, was als Indikator für die Ablegereife herangezogen
werden kann.
[0007] Die
US 2004/0046540 A1 offenbart ein Verfahren, bei dem eine Abnutzung eines Seils oder auch eines Seile/Tragmittel
enthaltenden Aufzugsgurts mit einer Vielzahl von ferromagnetischen Litzen oder Corden
dadurch überprüft werden kann, dass die Veränderung der magnetischen Feldstärke bzw.
Veränderungen im magnetischen Fluss detektiert werden. Eine solche Überprüfung während
des Betriebes weist jedoch den Nachteil auf, dass relativ komplizierte Vorrichtungen
und Apparate zur Magnetisierung bzw. zur Ermittlung der Feldstärkenveränderung eingesetzt
werden müssen.
[0008] Die
EP 0 845 672 A1 offenbart ebenfalls ein magnetisches Prüfungsverfahren während des Betriebs, welches
eine Prüfung der magnetischen Eigenschaften eines magnetisierbaren länglichen Gegenstandes
erlaubt, etwa eines Aufzuggurtes, wobei Hall-Sensoren etwaige Durchmesserveränderungen
der Zugträger anhand der Veränderungen der magnetischen Eigenschaften ermitteln. Auch
diese Einrichtung erfordert einen relativ hohen konstruktiven bzw. empfindlichen apparativen
Aufwand.
[0009] Bei beiden Offenbarungen ist die Anwendung zudem beschränkt auf Tragmittel mit Seilen/Corden
aus magnetisierbaren bzw. elektromagnetisch beeinflussbaren Materialien als Zugträger.
[0010] Für die Erfindung bestand also die Aufgabe, ein Verfahren bereitzustellen, mit dem
eine sichere Bestimmung des Abnutzungszustands von Zug- oder Tragriemen in Form von
mit Zugträgern verstärkten Tragmitteln, insbesondere von Aufzugsriemen möglich wird
und welches nur einen relativ geringen apparativen/konstruktiven Aufwand für die dazugehörigen
Vorrichtungen beinhaltet.
[0011] Gelöst wird diese Aufgabe durch die Merkmale des Hauptanspruchs. Weitere vorteilhafte
Ausbildungen sind in den Unteransprüchen offenbart.
[0012] Zunächst werden dabei als Anfangswerte die Länge und/oder die elastische Dehnung
des Tragmittels bei einem definierten Hubvorgang im Betrieb ermittelt und gespeichert.
Nachfolgend werden periodisch oder permanent die jeweils aktuelle Werte der Länge
des Tragmittels und/oder der elastischen Dehnung des Tragmittels zu den Anfangswerten
in Bezug gesetzt, wobei über Positionsmesseinrichtungen die Positionen sowohl der
Kabine als auch des Gegengewichts innerhalb des Aufzugsystems bzw. im Aufzugschacht
ermittelt und daraus sowohl die anfängliche Länge L
Anfang und die aktuelle Länge L
Aktuell des Tragmittels als auch die durch elastische Dehnung des Tragmittels entstehenden
unterschiedlichen anfänglichen Verfahrwege S
K der Kabine und des Gegengewichts So ermittelt werden.
[0013] Als Differenzen werden einerseits die Längenänderung des Tragmittels ΔL = L
Anfang - L
Aktuell , quasi als bleibende Dehnung, und andererseits die Änderung des anfänglichen Verhältnisses
der Verfahrwege von Kabine und Gegengewicht S
K-Anfang / S
G-Anfang in Bezug auf das aktuelle Verhältnisses der Verfahrwege von Kabine und Gegengewicht
S
K-aktuell / S
G-aktuell als Maß für die Änderung der elastische Dehnung berechnet bzw. ermittelt.
[0014] Bei der Überschreitung von vorgegebenen Schwellenwerten für die so ermittelten und
berechneten Differenzen wird ein Warnsignal gegeben bzw. zum Austausch des Tragriemens
aufgefordert.
[0015] Unter dem Begriff "eingelaufener Neuzustand" versteht man denjenigen Zustand des
Trag- bzw. Aufzugssystems und des Zugmittels/ Zugriemens, der nach einer Reihe von
mehreren hundert Belastungszyklen durch Setzungen und Einlaufen des Systems entstanden
ist. Als Belastungszyklus ist hier ein einmaliger Aufwärts- oder Abwärtshub zu verstehen.
In Bezug auf den Zugriemen, d.h. das Tragmittel, hat sich dann die Verbindung zwischen
Festigkeitsträgern oder Zugträgern und der Polymer- oder Gummimatrix und das Einlaufen
in die Umlenk- und Antriebsrollen soweit gesetzt, dass wesentliche Zustandsveränderungen
nur noch nach sehr viel längeren Zeiträumen sich ausbilden.
[0016] Hier dient also einerseits die Längenänderung des Tragmittels als Indikator für die
Alterung bzw. den Abbau der Tragfähigkeit bzw. Zugfestigkeit und das Erreichen der
Ablegereife. Mit dieser Methode kann im Gegensatz zur Messung des elektrischen Widerstands
oder der Messung magnetischer Eigenschaften eine Positionsermittlung des ablegereifen
Bereiches erfolgen. Zudem ist keine aufwendige "Aufmagnetisierung" oder eine im Tragmittel
anliegende Spannung nötig.
[0017] Ein vorsorglich zeitlich festgeschriebener und begrenzter Einsatz des Tragmittels
ist hiermit auch nicht mehr nötig, da der Abnutzungs- oder Verschleißzustand, d.h.
die Ablegereife permanent bzw. je nach Bedarf ermittelt werden können.
[0018] Infolge der jeweils vorliegenden Belastungskollektive eines Tragmittels kommt es
im Laufe der Lebenszeit im Tragmittel und in den Festigkeitsträgern/Zugträgern zu
Verschleißerscheinungen. Betrachtet man das Zusammenspiel zwischen der Zugbeanspruchung
des Tragmittels und der Anzahl an Biegungen an den Umlenkrollen und Antriebsscheiben,
so ergibt sich ein typisches Verschleißbild, welches die Zugfestigkeit des Tragmittels
so weit reduziert, dass die Ablegereife erreicht wird. Diese Verringerung der Zugfestigkeit
entsteht im Wesentlichen durch eine Verringerung des tragenden Querschnitts infolge
von Reibung/Verschleiß der einzelnen Filamente zueinander, das so genannte "Fretting".
Auch kann eine Verringerung des tragenden Querschnitts durch Sprödbrüche einzelner
Filamente infolge der Biegewechsel-Dauerbelastung entstehen.
[0019] Durch diese Vorgänge und durch eine geometrische Veränderung der einzelnen Zugelemente
innerhalb der Polymermatrix entsteht eine Längenänderung des Zugmittels. Die geometrische
Veränderung der einzelnen Zugträger/Zugelemente entsteht zum Beispiel dadurch, dass
durch Reibung/Verschleiß der miteinander geschlagenen / getwisteten Filamente, das
heißt durch im Betrieb erfolgende Bewegung der einzelnen Filamente relativ zueinander,
also durch das bereits genannte Fretting, eine Veränderung der Form und der Lage der
einzelnen Filamente und Litzen eines Zugträger resultiert. Dies erzeugt eine Durchmesseränderung
innerhalb der Zugträger und damit auch eine Längung des Tragmittels oder Zugriemens,
die detektierbar ist. Die Längenänderung ist damit ein Maß für die Veränderung des
Zug-Dehnungsverhalten des Tragmittels, d.h. für die Alterung des Tragmittels. Mit
der entsprechenden Korrelation zwischen der Längung des Tragmittels oder Zugriemens
einerseits und der Alterung bzw. verbliebenen Resttragfähigkeit des Tragmittels andereseits
erreicht man durch das erfindungsgemäße Verfahren eine sichere und eindeutige Kontrolle
der Tragfähigkeit des Tragmittels und kann den Ablegezeitpunkt / die Ablegereife mit
hinreichender Genauigkeit bestimmen.
[0020] Es kann natürlich auch eine bestimmte Anzahl von Lastspielen oder eine bestimmte
Betriebszeit vorgegeben werden, wonach jeweils das Verhältnis der ursprünglich gemessenen
Länge und der dann vorhandenen entsprechenden Länge des Tragmittels gemessen wird.
[0021] Ein weiterer Indikator für die Ablegereife, der mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
ebenfalls ermittelt wird, ist die Änderung des anfänglichen Verhältnisses der Verfahrwege
von Kabine S
K und Gegengewicht So im Laufe der Zeit, d.h. die zeitabhängige Veränderung von S
K / So. Dabei wird das anfänglich sich ausbildende Verhältnis der Verfahrwege/Hubwege
S
K-Anfang / S
G-Anfang in Bezug auf das im Betrieb jeweils aktuelle Verhältnis der Verfahrwege von Kabine
und Gegengewicht S
K-aktuell / S
G-aktuell betrachtet und beurteilt.
[0022] Kabine und Gegengewicht werden durch dasselbe Tragmittel bewegt, der zwischen diesen
beiden Elementen über mehrere Umlenkrollen / Antriebsrollen geführt wird. Kabine und
Gegengewicht "hängen" damit an je einem Ende desselben Tragmittels bzw. Aufzugsriemens
/ Aufzugsgurts. Die elastische Dehnung des Tragmittels bewirkt, dass die Verfahrwege,
also die Hub- oder Senkbewegungen von Kabine und Gegengewicht bei Hubvorgängen geringfügig
unterschiedlich sind. Das Verhältnis dieser beiden Verfahrwege kann daher als Maß
für die elastische Dehnung des Tragmittels dienen, gerade bei Beschleunigungen aus
dem Ruhezustand, etwa beim Anfahren.
[0023] Wie bereits oben dargestellt, kommt es infolge der jeweils vorliegenden Belastungskollektive
eines Tragmittels es im Laufe der Lebenszeit im Tragmittel und in den Zugträgern zu
Verschleißerscheinungen, die einen Einfluß auf die Form und die Zugfestigkeit des
Tragmittels haben und z.B. eine Verringerung der tragenden Querschnitte infolge von
Reibung/Verschleiß der einzelnen Filamente zueinander verursachen können. Durch solche
Form-und Festigkeitsveränderungen, also auch durch bleibende Dehnungen und Einschnürungen
der Festigkeitsträger eines Tragmittels, verändert sich auch sein elastisches Verhalten,
nämlich die elastische Dehnung während des Betriebs.
[0024] Damit ändert sich auch das Verhältniss der Verfahrwege von Kabine und Gegengewicht
S
K / S
G im Laufe des Betriebs. Diese Veränderung ist mithilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens
feststellbar und kann mithilfe von vorgegebenen Werten/Schwellenwerten beurteilt werden.
Bei Überschreitung eines bestimmten Schwellenwertes ist dann ebenfalls die Ablegereife
erreicht.
[0025] Eine vorteilhafte Weiterbildung besteht darin, dass die anfänglichen und die aktuellen
Werte der Längen und der elastischen Dehnung des Tragmittels bei einem vorgebenen,
definierten gleichen Zustand des Trag- bzw. Aufzugsystems ermittelt und berechnet
werden. Mit einer solchen Ausbildung des Verfahrens erhält man eine sehr gute Vergleichbarkeit
der Positionsmessungen und eine hohe Aussagegenauigkeit über die Differenzen.
[0026] Dasselbe gilt für eine weitere vorteilhafte Ausbildung des Verfahrens, die darin
besteht, dass die anfänglichen und die aktuellen Werte der elastischen Dehnung des
Tragmittels bei einem definierten Hubvorgang des Trag- bzw. Aufzugsystems ermittelt
und berechnet werden, also beispielsweise bei einer Leerfahrt vom Erdgeschoss in den
2. Stock.
[0027] Eine weitere vorteilhafte Ausbildung besteht darin, dass eine temporäre oder ständige
Aufzeichnung und Speicherung der Positionen sowohl der Kabine als auch des Gegengewichts
erfolgt. Mit einer solchen Verfahrensweise können über die Zeit sehr genaue Belastungskollektive
erstellt werden, die im weiteren Betrieb des Aufzugsystems außerordentliche genaue
Voraussagen über die Ablegerreife ergeben.
[0028] Eine weitere vorteilhafte Ausbildung des Verfahrens besteht darin, dass eine prozentuale
Häufigkeit bestimmter gleicher oder ähnlicher Hubvorgänge ermittelt und in Korrelation
zu den ermittelten Differenzen und/oder vorgegebenen Schwellenwerten gesetzt wird.
[0029] Bei einer solchen Ausbildung des Verfahrens ist im Hinblick auf die Ermittlung der
Längenänderung des Tragmittels beispielsweise folgender Ablauf sinnvoll:
- Abwarten der Einlaufphase,
- Sicherstellen eines gleichbleibenden definierten Zustandes (z.B. Kabine leer in Etage
1),
- Ermittlung der Position der Kabine und des Gegengewichtes mithilfe der Positionsmesseinrichtungen,
- Berechnung der Gesamtlänge des Tragriemens bzw. Tragmittels,
- Speichern der Gesamtlänge des Tragmittels als Basiswert,
- Aufzeichnung der einzelnen Fahrten der Aufzugskabine,
- Dauerhafte Ermittlung des theoretischen Belastungsgrades der Tragmittelabschnitte
- Messung der prozentualen Belastung anhand der Häufigkeit der angefahrenen Etagen (z.
B. : 1.Etage zur 2.Etage → 30%; 2.Etage zur 3.Etage → 20%; 3.Etage zur 4.Etage → 20%)
- Wiederherstellung des Zustandes zum Zeitpunkt der Aufzeichnung des Basiswertes (z.
B. Kabine leer in Etage 1)
- Ermittlung der Position der Kabine und des Gegengewichtes
- Erneute Berechnung der Gesamtlange des Tragmittels
- Errechnung der Gesamtlängung des Tragmittels (ΔL = LAnfang - LAktuell)
- Kalkulation der Lägenänderung bezogen auf bestimmte Bereiche (welcher Tragmittelbereich
steuert welche Längendifferenz bei), wobei die Ablegereife in den Bereichen zuerst
erreicht wird, die am häufigsten frequentiert wird.
[0030] Danach wird die maximale Längenänderung in den entsprechenden Bereichen mit einem
ermittelten und hinterlegten Grenzwert verglichen und eine Entscheidung über die Ablegereife
getroffen.
[0031] Besonders geeignet zur Durchführung des Verfahrens ist ein Aufzugsystem, bei dem
das Aufzugsystem beispielsweise innerhalb eines Aufzugschachts mindestens eine separate
Positionsmesseinrichtung aufweist, vorzugsweise in Form von über Umlenkrollen geführten
Mess-Seilen oder Mess-Gurten, wobei in mindestens einer der Umlenkrollen der Positionsmesseinrichtung
ein inkrementaler Drehgeber vorgesehen ist und Kabine und/oder Gegengewicht an den
Mess-Seilen oder Mess-Gurten über Mitnehmer angelenkt sind. Diese so genannten "Schachtkopierungen"
arbeiten äußerst präzise und es lassen sich damit bereits Längenänderungen bzw. Dehnungen
von < 1 cm auf die Gesamtlänge des Seiles ermitteln.
[0032] Eine weitere vorteilhafte Ausbildung des Verfahrens besteht darin, dass für die Positionen
entweder der Kabine oder des Gegengewichts eine separate Positionsmesseinrichtung
vorgesehen ist, wobei in eine einfachen Ausführung für die Ermittlung die Position
des jeweils anderen Teiles (Kabine oder Gegengewicht) ein inkrementaler Drehgeber
in einer der Umlenkrollen des Tragmittels vorgesehen ist. Das vereinfacht die Bauweise
des Aufzugsystems, da hierbei keine "doppelten" separaten Positionsmesseinrichtungen
für Kabine und Gegengewicht benötigt werden.
[0033] Es können natürlich auch andere geeignete Positionsmesssysteme eingesetzt werden,
bei denen ein codiertes Magnetband in einem Aufzugsschacht montiert wird und ein an
der Kabine oder am Gegengewicht befestigter Sensor an dem Magnetband entlang geführt
wird.
[0034] Anhand eines Ausführungsbeispiels soll die Erfindung näher erläutert werden. Es zeigen
- Fig. 1
- in prinzipieller Darstellung ein hier angesprochenes Tragmittel,
- Fig. 2
- die geometrische Veränderung eines Zugträgers aus getwisteten/geschlagenen metallischen
Filamenten innerhalb des Zugriemens nach Fig. 1,
- Fig. 3
- schematisch eine vorteilhafte Ausbildung eines zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens geeigneten Aufzugsystems.
[0035] Fig. 1 zeigt in prinzipieller Darstellung ein Tragmittel 1 der mit in Längsrichtung
verlaufenden Zugträgern bzw. Festigkeitsträgern 2 versehen ist. Jeder dieser Festigkeitsträger
besteht aus geschlagenen Filamenten 20, etwa aus Metall, wie sie im Detail in der
Figur 2 dargestellt sind.
[0036] Fig. 2 zeigt die im Laufe der Zeit sich ergebende geometrische Veränderung eines
Festigkeitsträgers 2 aus getwisteten/geschlagenen metallischen Filamenten 20 innerhalb
eines Tragmittels. Die geometrische Veränderung der einzelnen Festigkeitsträger entsteht
zum Beispiel dadurch, dass durch Reibung/Verschleiß der miteinander geschlagenen/getwisteten
Filamente 20, wie sie im linken Teil der Figur 2 in ihrer Ursprungslage dargestellt
sind, durch im Betrieb erfolgende Bewegung der einzelnen Filamente relativ zueinander
und das dadurch entstehende "Fretting" in ihrer Form und Lage verändert werden.
[0037] Die Veränderung der Form und der Lage der einzelnen Filamente und Litzen eines Festigkeitsträgers
könnte dann etwa so erfolgen, wie sie dann im rechten Teil der Figur 2 gezeigt ist.
Die hier gezeigte Ansicht ist lediglich beispielhaft und qualitativ zu verstehen,
nicht quantitativ. Deutlich erkennt man aber hier den Unterschied des dann entstandenen
Durchmessers des Festigkeitsträgers im Vergleich zu dem ursprünglich vorhandenen Durchmesser.
Diese Durchmesseränderung erzeugt auch eine Längenänderung und eine Änderung der elastischen
Dehnung des Tragmittels, die detektierbar sind.
[0038] Fig. 3 zeigt schematisch ein zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens besonders
geeignetes erfindungsgemäßes Aufzugsystem 10. Das Aufzugsystem 10 weist eine Kabine
3 auf, die mit einem über Umlenkrollen 4 und eine Antriebsrolle 5 laufenden Tragmittel
1 mit einem Gegengewicht 6 verbunden ist.
[0039] Das Aufzugsystem weist weiterhin innerhalb des hier nicht näher dargestellten Aufzugschachts
zwei separate Positionsmesseinrichtung 7, 8 auf.
[0040] In jeder der Positionsmesseinrichtungen 7, 8 ist ein über Umlenkrollen 9 geführtes
Mess-Seil 11 vorgesehen. Die unteren Umlenkrollen liegen dabei unter dem Boden des
Aufzugsschachts und sind hier nicht näher dargestellt. Die Umlenkrollen 9 der Positionsmesseinrichtungen
7. 8 sind mit einem bekannten und hier nicht näher dargestellten inkrementalen Drehgeber
ausgrüstet und können je nach Ausführung minimale Drehbewegungen und damit Hubbewegung
von Kabine 3 oder Gegengewicht 6 detektieren. Dazu sind Kabine und/oder Gegengewicht
an den Mess-Seilen 11 über Mitnehmer 12 angelenkt. Es handelt sich hierbei um eine
so genannte Schachtkopierung, die zwar als solche im Fachbereich bekannt ist, jedoch
bisher für reine Höhenmessungen oder Steuerungen der Hubbewegung genutzt wurde und
nicht in doppelter Ausführung und innerhalb des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0041] Mit Hilfe der Positionsmesseinrichtungen 7, 8 ist eine genaue Bestimmung der Hubwege
bzw. der Verfahrwege So und S
K des Gegengewichts 6 der Kabine 3 möglich.
[0042] Bei einer verfahrensgemäßen Ermittlung der Ablegereife des Tragmittels anhand der
über einen Schwellenwert hinausgehenden veränderten elastischen Dehnung wäre beispielsweise
folgender Ablauf zur Durchführung des erfindungsgemäßenVerfahrens möglich:
- Abwarten der Einlaufphase
- Sicherstellen eines gleichbleibenden definierten Gewichtszustandes der Kabine (leer)
- Ermittlung der Position der Kabine und des Gegengewichtes
- Verfahren der Kabine über alle Stockwerke
- Aufzeichnung und ständiger Vergleich des Verfahrweges der Kabine und des Gegengewichtes
- Ermittlung der einzelnen Abweichnungen der elastischen Dehnung
- Speichern der einzelnen Abweichungen als Basiskurve
- Bestimmung z.B. gemäß: Verfahrweg So (Bewegung des Gegengewichts) = Verfahrweg SK (Bewegung der Kabine) + x + y , wobei x = Abweichnungen aus elastischem Verhalten
(zeitlicher gleichmäßige Anstieg in Korrelation zur Ablegereife in der Kurve), y =
Alle anderen Einflüsse (z.B. Aufklettern, Riemenriss etc. Sprunghaftes Verhalten in
Kurve)
- Durchführung weiterer Messungen und Vergleich mit Basiskurve
- Bewertungskriterien: Wenn Grenzwert erreicht, dann ablegen, Wenn Sprungfunktion erkannt,
dann Kontrolle.
Bezugszeichenliste
[0043]
- 1
- Tragmittel
- 2
- Festigkeitsträger / Cord
- 3
- Aufzugskabine
- 4
- Umlenkrolle
- 5
- Antriebsrolle
- 6
- Gegengewicht
- 7
- Positionsmesseinrichtung
- 8
- Positionsmesseinrichtung
- 9
- Umlenkrolle mit inkrementalem Drehgeber
- 10
- Aufzugsystem
- 11
- Mess-Seil
- 12
- Mitnehmer des Gewgegewichts
- 13
- Mitnehmer der Kabine
- 20
- Filamente der Festigkeitsträger
- SG
- Verfahrweg/Hubweg des Gegengewichts
- SK
- Verfahrweg/Hubweg der Kabine
1. Verfahren zur Detektion des Abnutzungszustands von Tragmitteln (1) aus elastomerem
Material innerhalb eines Trag- oder Aufzugsystems (10), welches eine Kabine (3) bzw.
eine Trageinrichtung aufweist, die mit einem über Umlenk- oder Antriebsrollen (4,5)
laufenden Tragmittel (1) mit einem Gegengewicht (6) verbunden ist, wobei das Tragmittel
in seiner Längsrichtung im Tragmittelkörper eingebettete Festigkeitsträger (2) bzw.
Verstärkungselemente aufweist, vorzugsweise ausgebildet als aus Filamenten (20) getwistete
oder geschlagene Corde, wobei nach einer Einlaufphase des Trag- bzw. Aufzugsystems
ausgewählte physikalische Eigenschaften des Tragmittels (1) als Anfangswerte ermittelt
und gespeichert werden und nachfolgend während des Betriebs periodisch oder permanent
entsprechende physikalischen Eigenschaften des Tragmittels (1) als aktuelle Werte
zu den Anfangswerten in Bezug gesetzt und bei Überschreitung von vorgegebenen Schwellenwerten
für die Differenzen zwischen Anfangswerten und aktuellen Werten ein Warnsignal gegeben
bzw. zum Austausch des Tragmittels (1) aufgefordert wird, dadurch gekennzeichnet, dass als Anfangswerte die Länge des Tragmittels (1) und/oder die elastische Dehnung des
Tragmittels bei einem definierten Hubvorgang im Betrieb ermittelt und gespeichert
werden und nachfolgend periodisch oder permanent die jeweils aktuelle Werte der Länge
des Tragmittels und/oder der elastischen Dehnung des Tragmittels zu den Anfangswerten
in Bezug gesetzt werden, wobei über Positionsmesseinrichtungen (7, 8) die Positionen
sowohl der Kabine (3) als auch des Gegengewichts (6) innerhalb des Aufzugsystems (10)
bzw. im Aufzugschacht ermittelt und daraus sowohl die anfängliche Länge LAnfang und die aktuelle Länge LAktuell des Tragmittels (1) als auch die durch elastische Dehnung des Tragmittels entstehenden
unterschiedlichen anfänglichen Verfahrwege SK und So der Kabine (3) und des Gegengewichts (6) ermittelt werden, wobei als Differenzen
einerseits die Längenänderung des Tragmittels ΔL = LAnfang - LAktuell und andererseits die Änderung des anfänglichen Verhältnisses der Verfahrwege der
Kabine und des Gegengewichts SK-Anfang / SG-Anfang in Bezug gesetzt werden zum aktuellen Verhältnisses der Verfahrwege von Kabine und
Gegengewicht SK-aktuell / SG-aktuell und daraus die Änderung der elastische Dehnung des Tragmittel (1) berechnet bzw.
ermittelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem die anfänglichen und die aktuellen Werte der Längen
und der elastischen Dehnung des Tragmittels (1) bei einem vorgebenen, definierten
gleichen Zustand des Trag- bzw. Aufzugsystems (10) ermittelt und berechnet werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, bei dem die anfänglichen und die aktuellen Werte
der elastischen Dehnung des Tragmittels (1) bei einem definierten Hubvorgang des Trag-
bzw. Aufzugsystems (10) ermittelt und berechnet werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, bei dem eine temporäre oder ständige Aufzeichnung
und Speicherung der Positionen sowohl der Kabine (3) als auch des Gegengewichts (6)
erfolgt.
5. Verfahren nach Anspruch 4, bei dem eine prozentuale Häufigkeit bestimmter gleicher
oder ähnlicher Hubvorgänge ermittelt und in Korrelation zu den ermittelten Differenzen
und/oder vorgegebenen Schwellenwerten gesetzt wird.
6. Aufzugsystem zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 bis 5, bei der das Aufzugsystem
(10) mindestens eine separate Positionsmesseinrichtung (7, 8) für die Positionen von
Kabine und/oder Gegengewicht aufweist.
7. Aufzugsystem nach Anspruch 6, bei der das Aufzugsystem (10) innerhalb eines Aufzugschachts
mindestens eine separate Positionsmesseinrichtung (7, 8) in Form von über Umlenkrollen
(9) geführten Mess-Seilen (11) oder Mess-Gurten aufweist, wobei in mindestens einer
der Umlenkrollen (9) der Positionsmesseinrichtung ein inkrementaler Drehgeber vorgesehen
ist und Kabine (3) und/oder Gegengewicht (6) an den Mess-Seilen (9) oder Mess-Gurten
über Mitnehmer (12, 13) angelenkt sind.
8. Aufzugsystem nach Anspruch 6 oder 7, bei der für die Positionen entweder der Kabine
(3) oder des Gegengewichts eine separate Positionsmesseinrichtung (7, 8) vorgesehen
ist und für die Ermittlung die Position des jeweils anderen Teiles (Kabine oder Gegengewicht)
ein inkrementaler Drehgeber in einer der Umlenkrollen oder Antriebsrollen des Tragmittels
vorgesehen ist.