[0001] Die Erfindung betrifft einen beschusshemmenden Verbund aus Keramikelementen.
[0002] Keramiken werden, wegen ihrer großen Härte bei gleichzeitig geringem Gewicht, häufig
in modernen beschusshemmenden Schutzeinrichtungen verwendet und entfalten insbesondere
in Verbundsystemen, in denen sie z.B. in Verbindung mit Fasergeweben und / oder Metallen
und / oder Kunststoffen verwendet werden, eine ausgezeichnete Schutzwirkung. Die Eigenschaften
der beschusshemmenden Schutzeinrichtung können durch die geometrische Form und die
Auswahl von Materialeigenschaften der Keramiken gezielt beeinflusst werden. Flächendeckende
beschusshemmende Schutzeinrichtungen werden oft aus einer Vielzahl von kleineren Keramikelementen
oder Keramikplatten zusammengesetzt. Dadurch sind sie z.B. viel besser und flexibler
an gekrümmte Oberflächen anpassbar, als das durch die Verwendung von großflächigen
Keramikelementen möglich wäre, die eben sind oder die bereits an eine Krümmung von
Oberflächen angepasst sind. Außerdem lassen sich einzelne Elemente derartig aufgebauter
Schutzeinrichtungen bei Beschädigungen viel einfacher und kostengünstiger auswechseln.
[0003] Keramikelemente, wie sie zum Aufbau von beschusshemmenden Verbünden verwendet werden,
sind aus dem Stand der Technik bereits bekannt. Eine typische Form sind z.B. zylindrische
Keramikelemente, die mit ihrer Achse senkrecht zu einer zu schützenden Oberfläche
und damit in Richtung eines erwarteten Angriffs ausgerichtet sind. Die Schutzwirkung
des beschusshemmenden Verbunds wird im Wesentlichen durch die Höhe der Zylinder festgelegt.
[0004] In der
WO 00/47944 A1 ist ein beschusshemmender Verbund offenbart, der sich aus zylindrischen Keramikelementen
gleichen Durchmessers und planen Stirnflächen zusammensetzt. Die Zylinder sind orthogonal
auf einem ebenen Trägermaterial in einer hexagonal dichten Packung angeordnet. Die
Zylinder können in leichten Schutzeinrichtungen die Form von flachen Scheiben haben
oder in schweren Schutzeinrichtungen eine deutlich größere Höhe aufweisen. In die
in der hexagonal dichten Packung verbleibenden Zwischenräume zwischen den Zylindern
können zylindrische Füllelemente mit kleinerem Durchmesser eingesetzt sein, durch
welche die Größe der Zwischenräume vermindert wird.
[0005] Die
WO 98/15796 A1 zeigt zylindrische Keramikelemente mit gleichen Durchmessern, die einen beschusshemmenden
Verbund ausbilden. Die Zylinder sind orthogonal auf einem ebenen Trägermaterial in
einer hexagonal dichten Packung angeordnet. Mindestens eine der beiden Stirnflächen
der zylindrischen Keramikelemente ist konvex gekrümmt.
[0006] In der
CN 204 329 778 U sind zylindrische Keramikelemente gleichen Durchmessers beschrieben, die halbkugelförmige
Stirnflächen aufweisen und in einer hexagonal dichten Packung orthogonal zu einem
ebenen Trägermaterial angeordnet sind.
[0007] Bei den aus der
RU 2 462 682 C2 bekannten zylindrischen Keramikelementen weisen die Stirnflächen konvexe Krümmungen
auf. Die Keramikelemente werden mit der Achse orthogonal auf einem ebenen Träger angeordnet.
Der Übergang zwischen den gekrümmten Stirnflächen und der Mantelfläche kann mit konkaven
oder konvexen Radien oder mit Fasen versehen sein. Die vorgenannte
RU 2 462 682 C2 offenbart auch Keramikelemente mit hexagonalem Querschnitt, die ebenfalls gekrümmte
Stirnflächen aufweisen. Durch den hexagonalen Querschnitt können Zwischenräume in
der hexagonal dichten Packung auf ein Minimum reduziert werden.
[0008] Den in den vorgenannten Schriften offenbarten zylindrischen Keramikelementen ist
gemeinsam, dass sie stets orthogonal zu einem ebenen Träger und somit in einer Ebene
angeordnet sind. Eine Ausführung der Keramikelemente für die Anordnung auf einem gekrümmten
Träger ist nicht vorgesehen. Bei der beschriebenen orthogonalen Anordnung der Zylinder
zum Trägermaterial ist davon auszugehen, dass sich Zwischenräume, die in der hexagonal
dichten Packung zwischen den Zylindern auftreten, bei gleicher Anordnung der Zylinder
auf konvex gekrümmten Oberflächen noch zusätzlich aufweiten. Die Zwischenräume zwischen
den Elementen ließen sich möglicherweise überdecken, wenn die Keramikelemente in mindestens
einer zweiten Lage verwendet werden. Die Verwendung einer zweiten Lage erhöht jedoch
auch den Herstellungsaufwand. Eine Verwendung der orthogonalen Anordnung auf konkav
gekrümmten Flächen ist nicht möglich. Diese Problematik würde auch auf die Keramikelemente
mit hexagonalem Querschnitt aus der vorgenannten
RU 2 462 682 C2 zutreffen.
[0009] Die
WO 2008/055468 A1 offenbart kettenartig flexibel verbundene Elemente, die aus harten Werkstoffen, z.B.
aus Keramik, und mit unterschiedlichen Querschnitten, von Kreis- bis Polygonform,
hergestellt werden können. Die Keramikelemente sind mit ihren Achsen parallel zueinander
angeordnet. Für die Ausbildung der Stirnflächen sind ebenfalls verschiedene Formen
möglich. Bei der Verwendung der Keramikelemente in einem beschusshemmenden Verbund
werden benachbarte Ketten versetzt zueinander in einer dichten Packung und mit den
Achsen entweder orthogonal, angewinkelt oder parallel zu einem Träger angeordnet.
Bei einer Anordnung, bei der die Achsen angewinkelt oder parallel zum Träger orientiert
sind, ist auch eine Verlegung auf gekrümmten Oberflächen denkbar. Wegen der dann geringeren
Höhe der Keramikelemente in Angriffsrichtung ist gegenüber der orthogonalen Verlegung
von einer verminderten Schutzwirkung auszugehen. Bei der angewinkelten Anordnung ist
außerdem davon auszugehen, dass der Verbund je nach dem Winkel der Angriffsrichtung
unterschiedliche Schutzwirkungen aufweist. Bei der parallelen Anordnung könnte die
geringere Elementhöhe durch die Verwendung einer zweiten Lage ausgeglichen werden,
was mit einem höheren Herstellungsaufwand verbunden wäre.
[0010] Eine Verwendung mehrerer Lagen von flächig angeordneten Elementen ist in der
DE 10 2017 102 975 A1 offenbart. Die Elemente sind Kugeln, die unter anderem aus Keramikwerkstoffen hergestellt
sein können und in Schichten gestapelt oder unregelmäßig in mehreren Schichten angeordnet
sind. Die Kugeln sind in einer dichten Packung dauerhaft miteinander verbunden. Aus
den Kugeln werden plattenförmige Schutzelemente hergestellt, die in textilen Trägern
zu einem Körperschutz zusammengesetzt werden. Durch den textilen Träger können sich
die Schutzelemente der Form des Körpers gut anpassen. Zwischen den Schutzelementen
verbleiben jedoch Zwischenräume, welche verhindern, dass der Körperschutz lückenlos
geschlossen ist.
[0011] In der
WO 2014/082621 A1 ist ein beschusshemmender Verbund gezeigt, der aus einer Kombination von flächig
aneinander gelegten polyedrischen Grundelementen mit quadratischer Grundfläche und
Füllelementen besteht. Grundelemente und Füllelemente bestehen aus Keramikmaterial.
Das Grundelement weist mehrere geneigte Flächen auf, sodass sich zu beiden Seiten
einer Lage aus Grundelementen pyramidenförmige Einsenkungen ergeben, die mit den Füllelementen
ausgefüllt werden können. Die formschlüssigen Füllelemente decken die zwischen den
Grundelementen verbleibenden Zwischenräume weitestgehend ab. Der beschusshemmende
Verbund eignet sich auch für gekrümmte Flächen, weist jedoch den Nachteil auf, dass
mehrere verschiedenartige Elemente zu dessen Aufbau erforderlich sind.
[0012] Die
DE 10 2006 050 130 A1 zeigt einen beschusshemmenden Verbund, der aus zwei Lagen von Keramikelementen besteht.
Die Keramikelemente sind konisch geformt. In der ersten Lage sind die Keramikelemente
mit aneinandergrenzenden Grundflächen auf einem Träger befestigt. Mit der zweiten
Lage werden die konischen Zwischenräume der ersten Lage mit spiegelverkehrt eingesetzten
Keramikelementen ausgefüllt. Sofern es sich ausschließlich um konvexe Krümmungen handelt,
ist der Verbund auch für gekrümmte Oberflächen geeignet.
[0013] Im Stand der Technik lassen sich noch eine Reihe weiterer Schriften finden, in denen
Möglichkeiten zum Vermeiden von Zwischenräumen zwischen den einzelnen Elementen eines
beschusshemmenden Verbunds offenbart werden.
[0014] Die
US 5 996 115 A beschreibt einen leichten beschusshemmenden Verbund, der aus rechteckigen plattenförmigen
Keramikelementen zusammengesetzt ist. Die Seitenflächen der Elemente sind gegenüber
den Grund- und Deckflächen angewinkelt, sodass aneinander liegende Seitenflächen von
zwei benachbarten Elementen sich unter dem Winkel parallel gegenüber stehen. Durch
die angewinkelten Seitenflächen überlappen sich die benachbarten Elemente, sodass
orthogonal zu den Grund- und Deckflächen und damit in Angriffsrichtung keine Zwischenräume
zwischen den Elementen auftreten. Für eine bessere Anpassung an gekrümmte Oberflächen
können die Elemente in einer Raumrichtung gewölbt sein.
[0015] Ein in der
US 5 771 489 A gezeigtes plattenförmiges Element aus einem keramischen Werkstoff besitzt eine im
Wesentlichen rechteckige Grundfläche. Mindestens eine von zwei parallelen Kanten des
Elements ist als scharnierartige Verbindung ausgeführt, wobei eine Kante die Positivform
und die andere Kante die Negativform des Scharniers ausbildet. Gegenüberliegende Kanten
zweier benachbarter Elemente können ineinander geschoben und formschlüssig verbunden
werden. Das Scharnier ermöglicht eine gelenkige und lückenlose Verbindung der Elemente,
wodurch eine Anpassung des beschusshemmenden Verbunds an in einer Raumrichtung gekrümmte
Oberflächen möglich ist. Die in der anderen Raumrichtung verlaufenden Kanten können
gestuft sein, sodass sich benachbarte Elemente lückenlos überlappen. Durch die Überlappung
ist eine beschränkte Anpassung an leichte Krümmungen in der zweiten Raumrichtung möglich.
[0016] In der
WO 2012/026925 A1 ist ein plattenförmiges quadratisches Keramikelement offenbart, dessen vier Kanten
stets abgestuft und zusätzlich mit Facetten, Fasen oder Radien versehen sind. Durch
die Abstufung der Kanten wird bei den in einer Lage verlegten Elementen eine Überlappung
der Kanten erreicht. Die Facetten, Fasen oder Radien erleichtern das Verlegen der
Elemente auf gekrümmten Oberflächen bei gleichzeitiger Überdeckung von Zwischenräumen
zwischen den Elementen. Für die Verlegung auf gekrümmten Oberflächen können die Elemente
in einer Raumrichtung gewölbt sein.
[0017] Den letztgenannten drei Schriften ist gemeinsam, dass die plattenförmigen Elemente
aufgrund der geringen Höhe der Elemente für beschusshemmende Verbünde mit leichter
Schutzwirkung wie z.B. für Schutzwesten ausgelegt sind. Zur Herstellung von beschusshemmenden
Verbünden mit größerer Schutzwirkung und mit Oberflächen, die eine konvexe und konkave
Krümmung in zwei Raumrichtungen aufweisen, sind derartige Elemente nicht sinnvoll
einsetzbar.
[0018] Ein in der
WO 00/33013 A2 offenbartes scheibenförmiges Keramikelement mit kreisförmiger Grund- und Deckfläche
wird in einer hexagonalen Anordnung überlappend in einer Lage ausgelegt. Die Keramikelemente
können die Form einer ebenen zylindrischen Scheibe, einer in einer Raumrichtung abgewinkelten
Scheibe, einer meniskusförmigen Scheibe, einer bikonvex geformten Linse oder Kombinationen
daraus aufweisen. Die Keramikelemente können Ausnehmungen an den Deckflächen aufweisen,
die genau an den Durchmesser des überlappenden Keramikelements angepasst sind. Einige
der Formen dieser Elemente sind geeignet, um in zwei Raumrichtungen gekrümmte Oberflächen
lückenlos abzudecken. Eine höhere Schutzwirkung lässt sich mit einer Lage dieser relativ
flachen Keramikelemente nicht erreichen.
[0019] Aufgabe der Erfindung ist es, eine einfache Möglichkeit zum Aufbau eines beschusshemmenden
Verbunds aus einer Lage von Keramikelementen zu finden, der auch auf gekrümmten Oberflächen
in Angriffsrichtung lückenlos geschlossen ist und eine hohe Schutzwirkung aufweist.
[0020] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch einen beschusshemmenden Verbund, der aus Keramikelementen
besteht, wobei jedes Keramikelement aus einem einen Durchmesser und eine Höhe aufweisenden
Zylinder mit einer Symmetrieachse, einer Mantelfläche, einer Deckfläche, einer Grundfläche
und einer Ausnehmung besteht, dadurch gelöst, dass das Keramikelement die Form eines
Differenzkörpers aufweist, gebildet durch eine Differenz zweier Zylinder, wobei deren
Symmetrieachsen parallel verlaufen und einen Abstand von dem halben Durchmesser aufweisen
und die Mantelfläche aus einer konvexen ersten Mantelfläche und einer konkaven zweiten
Mantelfläche besteht, und die Deckfläche und die Grundfläche zwei zueinander parallele,
sphärisch gekrümmte Flächen sind, sodass eine Höhe des Keramikelements größer als
die Höhe des Zylinders ist.
[0021] Nachfolgend soll die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert werden.
In den dazugehörigen Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1 -
- einen prinzipiellen Aufbau eines Keramikelements in einer dreidimensionalen Ansicht,
- Fig. 2 -
- eine Ausführung des Keramikelements in einer geschnittenen Seitenansicht,
- Fig. 3 -
- eine Ausführung des Keramikelements in einer Draufsicht,
- Fig. 4 -
- einen prinzipiellen Aufbau eines beschusshemmenden Verbunds aus einer Lage der Keramikelemente
in einer dreidimensionalen Ansicht,
- Fig. 5 -
- eine prinzipielle Anordnung der Keramikelemente in einem beschusshemmenden Verbund
auf einer konkav gekrümmten Oberfläche und
- Fig. 6 -
- eine prinzipielle Anordnung der Keramikelemente in einem beschusshemmenden Verbund
auf einer konvex gekrümmten Oberfläche.
[0022] Bei einem beschusshemmenden Verbund 11 aus Keramikelementen 1 sind die Keramikelemente
1 prinzipiell wie in
Fig. 1 gezeigt aufgebaut. Jedes Keramikelement 1 ist ein Zylinder 2 mit einer Symmetrieachse
10, der einen Durchmesser d und eine Höhe h aufweist. Das Keramikelement 1 weist die
Form eines Differenzkörpers auf, der durch eine Differenz zweier Zylinder 2 gebildet
ist, deren Symmetrieachsen 10 parallel und in einen Abstand von einem halben Durchmesser
d zueinander angeordnet sind. Das Keramikelement 1 weist eine erste Mantelfläche 3
und eine zweite Mantelfläche 4 auf. Eine Deckfläche 5 und eine Grundfläche 6 des Keramikelements
1 sind zwei zueinander parallele, sphärisch gekrümmte Flächen. Eine Höhe H des Keramikelements
1 ist größer als die Höhe h des Zylinders 2.
[0023] In
Fig. 2 und
Fig. 3 ist eine erste Ausführung des Keramikelements 1 in einer geschnittenen Seitenansicht
und in einer Draufsicht gezeigt, wobei die Form des Zylinders 2 durch eine unterbrochene
Strichlinie angedeutet ist. Der Durchmesser d des Zylinders 2 an der ersten Mantelfläche
3 beträgt 20 mm und die Höhe h ist halb so groß wie der Durchmesser d.
[0024] In
Fig. 2 sind die sphärische Deckfläche 5 und die sphärische Grundfläche 6 mit einer unterbrochenen
Punktlinie dargestellt. Sie weisen einen Radius r auf, der dem halben Durchmesser
d entspricht. Dadurch gehen die sphärische Deckfläche 5 und die sphärische Grundfläche
6 tangential in die erste Mantelfläche 3 über. Durch die Krümmung der sphärischen
Deckfläche 5 ist die Höhe H des Keramikelements 1 um den Radius r größer als die Höhe
h des Zylinders 2.
[0025] In
Fig. 3 ist der Querschnitt des Keramikelements 1 zu erkennen, der sich aus der Differenz
der Querschnitte zweier gleichgroßer Zylinder 2 ergibt, die sich in einem Abstand
von einem halben Durchmesser d und mit parallelen Symmetrieachsen 10 durchdringen.
Der daraus entstandene Differenzkörper weist dann die nach außen gekrümmte erste Mantelfläche
3 und die nach innen gekrümmte zweite Mantelfläche 4 auf. Wie anhand der unterbrochenen
Strichlinien zu erkennen ist, bildet die zweite Mantelfläche 4 zur ersten Mantelfläche
3 jeweils eine erste Kante 7 aus, deren Kantenwinkel deutlich kleiner als 90° ist.
Wie in
Fig. 2 zu erkennen, bildet die tangential in die erste Mantelfläche 3 auslaufende Grundfläche
6 eine sehr scharfe zweite Kante 8 aus. Derartige Kanten 7 oder 8 sind nur mit einem
großen Fertigungsaufwand herstellbar und wären mechanisch sehr instabil.
[0026] In einer zweiten Ausführung des Keramikelements 1 wird die erste Kante 7 und die
zweite Kante 8 mit einer Verrundung 9 versehen. Die Verrundung 9 weist an der ersten
Kante 7 einen Radius von 1/20 des Durchmessers d und an der zweiten Kante 8 einen
Radius von 1/40 des Durchmessers d auf. Wie in
Fig. 2 und
Fig. 3 dargestellt, weisen die Verrundungen 9 jeweils einen tangentialen Übergang zu den
jeweils angrenzenden Flächen auf. Durch die Verrundungen 9 wird die Festigkeit der
ersten Kante 7 und der zweiten Kante 8 deutlich erhöht und dadurch die mechanische
Stabilität des gesamten Keramikelements 1 gesteigert.
[0027] Selbstverständlich ist es auch möglich den Radius der Verrundung 9, abweichend von
den zuvor genannten Abmessungen, in einem gewissen Rahmen zu variieren. Unter Beachtung
der mechanischen Stabilität der Kanten 7 und 8 weist der Radius stets einen Maximalwert
und einen Minimalwert auf, bei denen (wie später zu
Fig. 4 beschrieben) auch bei einer Verlegung auf gekrümmten Oberflächen 12 noch eine ausreichende
Überdeckung zwischen aneinanderliegenden Keramikelementen 1 herstellbar ist und eine
gelenkige Bewegung zwischen den aneinanderliegenden Keramikelementen 1 nicht eingeschränkt
wird.
[0028] Das Keramikelement 1 ist aus oxidkeramischen oder nichtoxidkeramischen Werkstoffen
wie z.B. Al
2O
3, ZrO
2, SiC, BN hergestellt. Diese Werkstoffe eignen sich aufgrund ihrer großen Härte und
der geringen Dichte besonders gut zur Herstellung der beschusshemmenden Verbünde,
die im Vergleich zu Panzerungen aus Stahl ein deutlich reduziertes Gewicht haben.
Die Formgebung erfolgt vorzugsweise mittels eines Trockenpressverfahrens, mit dem
die Keramikelemente 1 in großer Stückzahl kostengünstig gefertigt werden können.
[0029] In der
Fig. 4 ist ein Ausschnitt des beschusshemmenden Verbunds 11 in einer möglichen Ausführung
gezeigt. Der beschusshemmende Verbund 11 ist aus einer Vielzahl von Keramikelementen
1 zusammengesetzt, die auf einer sich in x-y-Richtung erstreckenden ebenen Oberfläche
12 in einer Lage angeordnet sind. Die Keramikelemente 1 sind mit der ersten Mantelfläche
3 auf die Oberfläche 12 aufgelegt, wobei die zweite Mantelfläche 4 in x-Richtung weisend
ausgerichtet ist.
[0030] Beim Aufbau des beschusshemmenden Verbunds 11 wird entsprechend
Fig. 4 in der rechten Bildhälfte mit einer ersten Reihe von axial hintereinander angeordneten
Keramikelementen 1 begonnen. Bei der axialen Aufreihung werden die Keramikelemente
1 an den Deckflächen 5 und den Grundflächen 6 zueinander ausgerichtet. Dadurch, dass
die Deckflächen 5 und die Grundflächen 6 den gleichen Radius r aufweisen, liegen die
Keramikelemente 1 in y-Richtung formschlüssig aneinander an.
[0031] Jede weitere, auf die Oberfläche 12 aufgebrachte Reihe von axial aneinander liegenden
Keramikelementen 1 wird mit den zweiten Mantelflächen 4 an den ersten Mantelflächen
3 einer bereits verlegten Reihe angelegt. Dabei vollziehen die Keramikelemente 1 eine
Rotation um die Symmetrieachsen 10, die zu einer optimalen Ausrichtung der Keramikelemente
1 zur Oberfläche 12 führt. Dadurch, dass die Krümmungen der ersten Mantelflächen 3
und der zweiten Mantelflächen 4 den gleichen Radius r aufweisen, liegen die Keramikelemente
1 in x-Richtung formschlüssig aneinander an.
[0032] Durch den Formschluss in x- und y-Richtung weisen die Keramikelemente 1 orthogonal
zu einer Angriffsrichtung 13 stets Überlappungen miteinander auf, sodass zwischen
den Keramikelementen 1 keine offenen Zwischenräume verbleiben. Als Angriffsrichtung
13 wird zum überwiegenden Teil die z-Richtung im Wesentlichen senkrecht zum beschusshemmenden
Verbund 11 angenommen. Mit einer Lage der Keramikelemente 1 ist ein geschlossener
beschusshemmender Verbund 11 in einer Stärke, die nahezu dem Durchmesser d entspricht,
herstellbar.
[0033] Die Krümmungen der ersten Mantelflächen 3, der zweiten Mantelflächen 4 und der sphärischen
Deck- und Grundflächen 5 und 6, sowie die Verrundungen 9 an den zweiten Kanten 8 gestatten
zwischen den Keramikelementen 1 eine gelenkige Bewegung, durch die der beschusshemmende
Verbund 11 auch an gekrümmte Oberflächen 12 anpassbar ist.
[0034] Wie in
Fig. 5 und
Fig. 6 gezeigt, kann die Oberfläche 12 sowohl konvex als auch konkav gekrümmt sein. Bei
einer ausschließlich in einer Raumrichtung gekrümmten Oberfläche 12, also entweder
in x- oder in y-Richtung, kann der Formschluss zwischen den Keramikelementen 1 vollständig
aufrecht erhalten werden, wenn die axiale Ausrichtung der Keramikelemente 1 genau
parallel oder orthogonal zur Richtung der Krümmung erfolgt. In
Fig. 5 ist der beschusshemmende Verbund 11 auf einer in x-Richtung konkav gekrümmten Oberfläche
12 verlegt. Die Keramikelemente 1 sind mit der Symmetrieachse 10 parallel zur y-Richtung
angeordnet. In
Fig. 6 ist der beschusshemmende Verbund 11 auf einer in y-Richtung konvex gekrümmten Oberfläche
12 verlegt. Die Keramikelemente 1 sind mit der Symmetrieachse 10 orthogonal zur x-Richtung
angeordnet.
[0035] Die gelenkige Bewegung zwischen den Keramikelementen 1 erlaubt auch eine Verlegung
des beschusshemmenden Verbunds 11 auf in zwei Raumrichtungen konkav oder konvex gekrümmten
Oberflächen 12. Bei einer derartigen Verlegung oder bei einer Verlegung, bei der die
Symmetrieachsen 10 nicht parallel oder orthogonal zur Richtung der Krümmung orientiert
sind, kann es zu Verschiebungen zwischen den Reihen von axial aneinander liegenden
Keramikelementen 1 in Richtung der Symmetrieachsen 10 kommen.
[0036] Die Verschiebungen in y-Richtung sind beispielhaft in
Fig. 4 an dem auf der ebenen Oberfläche 12 angeordneten beschusshemmenden Verbund 11 dargestellt.
In der rechten Bildhälfte besteht keine Verschiebung zwischen den Reihen der Keramikelemente
1. Die Verschiebung nimmt in Richtung der linken Bildhälfte bis zu einem Maximum zu.
[0037] Auf Oberflächen 12, die mindestens in y-Richtung gekrümmt sind, führen diese Verschiebungen
dazu, dass zwischen der ersten Mantelfläche 3 und zweiten Mantelfläche 4 kein vollständiger
Formschluss mehr erreicht werden kann. Der vollständige Formschluss ist auch nicht
zwingend erforderlich, da durch die bestehenden Überlappungen zwischen den Keramikelementen
1 auch bei unvollständigem Formschluss keine offenen Zwischenräume auftreten, sodass
der beschusshemmende Verbund 11 stets geschlossen ist.
[0038] In einer anderen, nicht in den Figuren gezeigten Ausführung des beschusshemmenden
Verbunds 11 ist der Radius r der sphärischen Deckfläche 5 und der sphärischen Grundfläche
6, unabhängig vom Durchmesser d, größer ausgeführt. Der Radius r kann z.B. im Bereich
zwischen 50 und 200 mm liegen. Die Keramikelemente 1 werden mit einem größeren Durchmesser
d, z.B. im Bereich von 50 bis 100 mm, und mit einer im Verhältnis geringeren Höhe
H, z.B. im Bereich von 20 bis 50 mm, hergestellt. Derartige Keramikelemente 1 sind
besser für beschusshemmende Verbünde 11 mit höherer Schutzwirkung ausgelegt, weisen
aber Einschränkungen beim Verlegen auf stark gekrümmten Oberflächen 12 auf.
[0039] In einer weiteren, nicht in den Figuren gezeigten Ausführung ist der Radius r der
Grundfläche 6 und der zweiten Mantelfläche 4 geringfügig größer als der Radius r der
Deckfläche 5 und der ersten Mantelfläche 3. Geringfügig soll hier bedeuten, dass die
Radien r im Bereich von bis zu 1/20 des halben Durchmessers d größer sein können.
[0040] In weiteren Ausführungen des beschusshemmenden Verbunds 11 können die Keramikelemente
1 auch jede andere Größe aufweisen. Wesentlich ist, dass das Keramikelement 1 stets
ein Differenzkörper aus zwei gleich großen Zylindern 2 mit parallelen Symmetrieachsen
10 ist und die Deckfläche 5 und die Grundfläche 6 stets sphärisch gekrümmte Flächen
sind, die den gleichen oder nahezu den gleichen Radius r aufweisen. Die Dimensionierung
des Durchmessers d und der Höhe H kann an gewünschte Eigenschaften des beschusshemmenden
Verbunds 11 und entsprechend den Eigenschaften der Oberfläche 12 angepasst werden.
Bezugszeichenliste
[0041]
- 1
- Keramikelement
- 2
- Zylinder
- 3
- erste Mantelfläche
- 4
- zweite Mantelfläche
- 5
- Deckfläche
- 6
- Grundfläche
- 7
- erste Kante
- 8
- zweite Kante
- 9
- Verrundung
- 10
- Symmetrieachse
- 11
- beschusshemmender Verbund
- 12
- Oberfläche
- 13
- Angriffsrichtung
- d
- Durchmesser des Zylinders 2
- h
- Höhe des Zylinders 2
- H
- Höhe des Keramikelements 1
- r
- Radius
1. Beschusshemmender Verbund (11), bestehend aus Keramikelementen (1), wobei jedes Keramikelement
(1) aus einem einen Durchmesser (d) und eine Höhe (h) aufweisenden Zylinder (2) mit
einer Symmetrieachse (10), einer Mantelfläche, einer Deckfläche (5), einer Grundfläche
(6) und einer Ausnehmung besteht,
dadurch gekennzeichnet, dass
- das Keramikelement (1) die Form eines Differenzkörpers aufweist, gebildet durch
eine Differenz zweier Zylinder (2), wobei deren Symmetrieachsen (10) parallel verlaufen
und einen Abstand von dem halben Durchmesser (d) aufweisen und die Mantelfläche aus
einer konvexen ersten Mantelfläche (3) und einer konkaven zweiten Mantelfläche (4)
besteht, und
- die Deckfläche (5) und die Grundfläche (6) zwei zueinander parallele, sphärisch
gekrümmte Flächen sind, sodass eine Höhe (H) des Keramikelements (1) größer als die
Höhe (h) des Zylinders (2) ist.
2. Beschusshemmender Verbund (11), bestehend aus Keramikelementen (1), nach Anspruch
1, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Mantelfläche (3) und die zweite Mantelfläche (4) zusammen eine geschlossene
Fläche bilden.
3. Beschusshemmender Verbund (11), bestehend aus Keramikelementen (1), nach Anspruch
1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Höhe (h) des Zylinders (2) den halben Durchmesser (d) aufweist.
4. Beschusshemmender Verbund (11), bestehend aus Keramikelementen (1), nach einem der
Anspruche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Höhe (H) des Keramikelements (1) um den halben Durchmesser (d) größer als die
Höhe (h) des Zylinders (2) ist.
5. Beschusshemmender Verbund (11), bestehend aus Keramikelementen (1), nach einem der
Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Mantelfläche (3) und die zweite Mantelfläche (4) eine gemeinsame erste
Kante (7) aufweisen.
6. Beschusshemmender Verbund (11), bestehend aus Keramikelementen (1), nach einem der
Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Mantelfläche (3) und die Grundfläche (6) eine gemeinsame zweite Kante (8)
aufweisen.
7. Beschusshemmender Verbund (11), bestehend aus Keramikelementen (1), nach Anspruch
5 und 6, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Kante (7) und die zweite Kante (8) eine Verrundung (9) aufweisen.
8. Beschusshemmender Verbund (11), bestehend aus Keramikelementen (1), nach Anspruch
7, dadurch gekennzeichnet, dass die Verrundungen (9) orthogonal zum Verlauf der ersten Kante (7) oder der zweiten
Kante (8) angeordnet sind und tangentiale Übergänge zu den die Kanten (7) oder (8)
bildenden Flächen (3), (4) und (6) aufweisen.
9. Beschusshemmender Verbund (11), bestehend aus Keramikelementen (1), nach Anspruch
7, dadurch gekennzeichnet, dass die Verrundungen (9) der ersten Kante (7) einen Radius von 1/20 des Durchmessers
(d) aufweisen.
10. Beschusshemmender Verbund (11), bestehend aus Keramikelementen (1), nach Anspruch
7, dadurch gekennzeichnet, dass die Verrundungen (9) der zweiten Kante (8) einen Radius von 1/40 des Durchmessers
(d) aufweisen.