[0001] Die Erfindung betrifft ein streifenförmiges Stützelement zur Abstützung eines Fensterrahmens,
insbesondere eine Vorwandmontagezarge.
[0002] Gegenstand der Erfindung ist auch ein Bauwerksabschnitt oder ein Gebäude, welcher
oder welches mindestens ein erfindungsgemäßes Stützelement aufweist, und die Verwendung
des Stützelements zur Brandhemmung eines Gebäudes, z.B. als Brandriegel bzw. zum Verhindern
der Ausbreitung von Flammen und/oder Rauchgas nach oben entlang der Gebäudefassade
oder in/an einem Wärmedämmverbundsystem und/oder zur Verringerung des Temperaturanstiegs
auf einer von einem Brand abgewandten Seite des Stützelements.
[0003] Stützelemente zur Abstützung eines Fensterrahmens, insbesondere Vorwandmontagezargen,
werden seit einigen Jahren in Verbindung mit Wärmedämmverbundsystemen verwendet, um
eine Wandöffnung für ein Fenster künstlich nach außen hin zu verlängern. Gemäß
EP 2 639 394 A2 wird ein Stützteil aus lasttragendem Hartschaumstoff seitlich an der Wand verschraubt
und dient, insbesondere an der Unterseite, der Abstützung des einzusetzenden Fensterrahmens.
So bildet z.B. eine Vorwand mit der inneren Wand einen Zwischenraum, in dem das Stützelement
angeordnet ist. Das Last tragende Stützelement mit mehr oder weniger dreieckigem Querschnitt
kann durch ein Isolierteil ergänzt sein, das beispielsweise aus hartem Weichschaum
besteht und gemeinsam mit dem Stützelement einen zweiteiligen Körper mit vorzugsweise
quaderförmigen Querschnitt bildet.
[0004] EP 2 899 353 A1 stellt ein Stützelement zur Verfügung, das einen besonders einfachen Transport und
Einbau ermöglicht.
[0005] Ein Problem bei dem Einsatz von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS), in denen Vorwandmontagezargen
meist eingesetzt werden, ist eine Brennbarkeit von oft verbauten Isoliermaterialien,
welche z.B. Polystyrol-Hartschaum wie Expandierten Polystyrol-Hartschaum (EPS) oder
Extrudierten Polystyrol-Hartschaum (XPS) umfassen. Insbesondere können sich bei einem
Hausbrand die Flammen über die Fassade oder eventuelle Zwischenräume zwischen innerer
Wand und Vorwand auf das nächsthöhere Stockwerk ausbreiten, wobei ein Kamineffekt
entstehen kann.
[0006] WO 2017/077069 beschreibt einen Funktionswerkstoff, der ein duroplastisches Material wie PUR/PIR-
oder Phenol-Hartschaum, ein Bindematerial zum Binden des duroplastischen Materials
und ein Additiv aufweist, welches das Brandverhalten verbessern soll, z.B. Blähgraphit.
Dieses Material soll z.B. als Wärmedämmelement für WDVS, Fassadendämmung oder Dachdämmung
eingesetzt werden, insbesondere als Platte. Eine Beschichtung oder Imprägnierung von
entflammbaren Wärmedämmelementen und sonstigen Konstruktionsteilen, z.B. Dichtungsband,
mit Flammschutzmitteln ist im Stand der Technik ebenfalls bekannt, siehe z.B.
EP 3 363 959 A1,
EP 2 963 198 A1,
DE 20 017 102 227 U1,
EP 0 902 062 A1.
DE 20 2012 103 609 U1 beschreibt Polystyrolschäume, die mit Hexabromcyclododecan (HBCD) als Flammschutzmittel
ausgerüstet sind, oder die mit einem Mantel aus Polyurethanschaum, welcher Flammschutzmittel
wie TCPP (Trichlorisopropylphosphat), TBBPA-Ester (Tetrabrombisphenolester) oder PBDE
(Pentabromdiphenylether) enthält, versehen sind.
[0007] Es sind im Stand der Technik auch bereits Brandschutzriegel, z.B. aus Metall, Mineralwolle
oder polymeren Materialien bekannt, durch deren Verwendung in einer Wärmedämmung die
Gefahr eines Feuerüberschlags zu einem der nächsthöheren Stockwerke verhindert werden
soll.
EP 2 088 253 A zeigt ein Brandschutzriegelelement aus Polyurethanschaum (PUR-Schaum) und oder Polyisocyanuratschaum
(PIR-Schaum) mit einer homogenen Rohdichte zwischen 26 und 80 kg/m
3. Brandschutzriegel sind z.B. in Deutschland in Hochhäusern alle zwei Stockwerke,
in anderen Ländern zum Teil auch in jedem Stockwerk vorgeschrieben.
[0008] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, den Brandschutz weiterer konstruktiver
Elemente von Gebäuden, z.B. von Vorwandmontagezargen, zu verbessern bzw. mit Hilfe
solcher ohnehin verwendeten Elemente zum Brandschutz, insbesondere im Rahmen von Brandschutzriegeln,
beizutragen.
[0009] Die Erfindung stellt ein streifenförmiges Stützelement zur Verfügung, geeignet zur
Abstützung eines Fensterrahmens mit einer ersten in Längsrichtung verlaufenden Seitenfläche,
die zur Anlage an einer Wand dienen kann, und einer zweiten in Längsrichtung verlaufenden
Seitenfläche, die im Wesentlichen senkrecht zur ersten Seitenfläche verläuft und zur
Abstützung des Fensterrahmens dienen kann, wobei das Stützelement aus einem tragfähigen
Material gebildet ist, und wobei das Stützelement an mindestens einer Oberfläche,
optional an allen Oberflächen, in einer Dicke von mindestens 0,25 mm intumeszentes
Material umfasst. Das intumeszente Material, also das Material mit Blähwirkung, ist
ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus:
- a) Blähgraphit in einem Anteil von 5-70%; und
- b) Natrium- und/oder Kaliumsilikat in einem Anteil von 10-30%.
[0010] Im Rahmen der Erfindung kann das intumeszente Material in einer Dicke von mindestens
10 mm vorliegen und bevorzugt Blähgraphit in einem Anteil von 5-20%, bevorzugt 5-15%
oder 7-10% sein. Prozentuale Anteile sind, sofern nicht anders angegeben, im Rahmen
der vorliegenden Erfindung immer als Masse/Masse definiert. Blähgraphit, auch expandierbarer
Graphit genannt, kann aus dem natürlich vorkommenden Mineral Graphit hergestellt werden.
Eine Graphitflocke besteht aus Schichten von wabenförmig angeordneten Kohlenstoffatomen.
Innerhalb der Schichten sind die Atome durch kovalente Bindungen sehr fest verbunden.
Zwischen den Schichten herrschen nur schwache Bindungskräfte, so dass Moleküle zwischen
die Graphitschichten eingelagert werden können. Durch die Einlagerung von Säuren,
üblicherweise Schwefelsäure, wird Graphit in Blähgraphit umgewandelt. Wird Blähgraphit
erhitzt, expandieren die Graphitflocken je nach Qualität ab einer Temperatur von ca.
140°C auf ein Vielfaches des ursprünglichen Volumens. Durch das Verdampfen der eingelagerten
Verbindungen werden die Graphitschichten ziehharmonikaartig auseinandergetrieben.
Die expandierten Flocken haben eine "würmchenartige" Erscheinungsform und sind üblicherweise
mehrere Millimeter lang (
Vijay J. Bhagat: Behaviour of expandable graphite as a flameretardant in flexible
polyurethane foam Presented at: Polyurethane Foam Association (PFA) Arlington, Virginia,
USA, May 10, 2001). Die Expansionsrate von Blähgraphit ist ca. 30-400 cm
3/g.
[0011] Die Teilchengröße kann zwischen 80% < 75 m und 80% > 1500 µm liegen. Die Teilchengröße
des erfindungsgemäß eingesetzten Blähgraphits liegt im Allgemeinen zu über 60% bei
zumindest 100 µm oder zumindest 500 µm, bevorzugt liegen die mittleren Teilchengrößen
bei 500-1500 µm. Je größer die Teilchengröße, desto mehr Blähdruck entsteht im Brandfall.
Große Korngrößen (300-1500 µm) werden daher vor allem eingesetzt, wenn ein großes
Volumen zugeschäumt werden soll. Die Teilchengröße kann z.B. mit einer Siebanalyse
nach DIN 66165 bestimmt werden.
[0012] Die Start-Temperatur der Expansion ist mindestens 140°C, bevorzugt mindestens 160°C,
mindestens 170°C oder mindestens 180°C. Die Start-Temperatur der Expansion und Expansionsrate
können durch die Feinheit des Graphits beeinflusst werden. Bei Hitzeeinwirkung expandiert
der Blähgraphit und bildet eine Intumeszenzschicht auf der Materialoberfläche. Dies
verlangsamt die Brandausweitung und wirkt den für den Menschen gefährlichsten Brandfolgen,
der Bildung toxischer Gase und Rauch, entgegen. Bevorzugt liegt der Anteil von Blähgraphit
bei 5-10%, was für die brandhemmende Wirkung ausreicht. Bei einem zu großen Anteil
an Blähgraphit kommen andere, für die vorliegend gewünschten Produkte negative Wirkungen
zum Tragen, z.B. die hohe Wärmeleitfähigkeit von Graphit (Öztürk 2012, Hochgefüllte
Graphit-Polymer-Compounds für Einsätze im Wärmemanagement, Dissertation TU Darmstadt).
[0013] Es hat sich herausgestellt, dass die erfindungsgemäße Verwendung von Blähgraphit
neben den für Brandschutz hilfreichen Charakteristika auch weitere Vorteile aufweist,
etwa stauben damit hergestellte Materialien bei der Verarbeitung, z.B. bei Sägen,
weniger. Erfindungsgemäße Materialien können daher auch eingesetzt werden, um die
Staubbildung bei der Verarbeitung zu minieren.
[0014] Alternativ oder zusätzlich kann das intumeszente Material Natrium- und/oder Kaliumsilikat
in einem Anteil von 10-30%, bevorzugt 10-20% sein. Derartiges Wasserglas kann durch
Erstarrung aus einer Schmelze heraus hergestellt werden. Partikel, z.B. in einer Teilchengröße
von ca. 0,1-5 mm, z.B. im Durchschnitt bei 1 mm, können erfindungsgemäß eingebettet
werden, um die Vorteile der Erfindung zu erreichen.
[0015] Das Stützelement umfasst ferner mindestens ein Polymer, bevorzugt Duroplast. Besonders
gute mechanische und Wärmedämmungs-Eigenschaften weist ein Stützelement mit Hartschaum
auf, z.B. PUR-Hartschaum, bevorzugt Polyurethan / Polyisocyanurat-Hartschaum, PIT-Hartschaum
oder Phenol-Hartschaum. In einer bevorzugten Ausführungsform weist das Stützelement
als duroplastisches Material zerkleinerten PUR- und/oder PIR-Hartschaum und/oder zerkleinerten
Phenolhartschaum auf, der durch ein Bindematerial gebunden ist, z.B. zumindest unter
Temperaturbeaufschlagung, bevorzugt auch bei Raumtemperatur (25°C) flüssiges oder
pastöses PUR- und/oder PIR. Im Rahmen der Herstellung werden diese Bestandteile gemeinsam
mit dem eingebrachten Intumeszenzmaterial mit Temperatur und/oder Druck, im Allgemeinen
mit beidem, beaufschlagt. Dabei ist die Partikelgröße des Intumeszenzmaterials bevorzugt
die 0.1-2fache Größe der zerkleinerten Hartschaum-Partikel, am besten ungefähr die
gleiche Größe, um eine gute Mischbarkeit zu gewährleisten.
[0016] Es können ferner Fasermaterialien, z.B. mineralische Fasern oder nicht-mineralische
Fasern, vor dem Pressen in das Ausgangsmaterial eingebracht werden, etwa Carbonfasern.
[0017] Insbesondere wird das Ausgangsmaterial in einer Pressrichtung P verpresst. Bevorzugt
wird das Ausgangsmaterial, welches z.B. Blähgraphit umfasst, in einer Pressrichtung
P zu einer Rohdichte von 500-600 kg/m
3 verpresst. Im Wesentlichen besteht das Stützelement neben dem intumeszenten Material
aus dem Polymer, z.B. einen PUR/PIR-Hartschaum wie hierin beschrieben. Der Anteil
des Polymers (zerkleinerter Hartschaum und Bindematerial gemeinsam) kann z.B. 40-97%
betragen, bei Kombination mit Blähgraphit z.B. 70-97%, bevorzugt 80-95% oder 90-95%.
Da als zerkleinertes duroplastisches Material recycelte Wärmedämmplatten eingesetzt
werden können, können dadurch Verunreinigungen eingebracht werden, z.B. auf diese
Platten aufgebrachtes Folienmaterial, etwa aus Aluminium. Bevorzugt ist das Stützelement
halogenfrei. Dabei ist der Anteil des Bindematerials üblicherweise maximal 20%, und
der Anteil des zerkleinerten Hartschaums üblicherweise ca. 60-75%.
[0018] Durch den Pressvorgang entstandene Platten können in streifenförmige Stützelemente
geschnitten werden, wobei die Herstellung L-förmiger Stützelemente z.B. durch Fräsen
oder durch Verbinden eines breiteren und eines schmaleren Elements möglich ist.
[0019] In einer Ausführungsform besteht das Stützelement aus einem im Wesentlichen homogenen
Material, d.h. das intumeszente Material ist nicht nur in einer oder mehreren Schichten
eingebracht, sondern durchgehend, es besteht also im Wesentlichen das ganze oder das
ganze Stützelement aus der Mischung mit dem intumeszenten Material. Zum Beispiel kann
das Stützelement aus einem Polymer, insbesondere auf PUR oder PUR/PIR-Basis wie einem
Polyurethan-Hartschaum mit Blähgraphit (z.B. 5-10%), bestehen, herstellbar durch Pressen
eines Ausgangsmaterials, indem Blähgraphit-Flocken in einer Polyurethan-Matrix in
einer Pressrichtung P zu einer Rohdichte von 500-600 kg/m
3 verpresst werden. In einer bevorzugten Ausführungsform besteht das Stützelement aus
zerkleinertem PUR- und/oder PIR-Hartschaum, der durch ein Bindematerial gebunden ist,
z.B. flüssiges oder pastöses PUR und/oder PIR. Im Rahmen der Herstellung werden diese
Bestandteile gemeinsam mit dem eingebrachten Intumeszenzmaterial, z.B. Blähgraphit,
mit Druck und optional erhöhter Temperatur in einer Pressrichtung P beaufschlagt.
Die Rohdichte des Materials ist z.B. 300-1000 kg/m
3, 500-600 kg/m
3, oder etwa 550 kg/m
3.
[0020] Bevorzugt weist der erfindungsgemäß eingesetzte Werkstoff ein Brandverhalten gemäß
zumindest einer Brandreaktionsklasse C gemäß DIN EN 13501-1 und/oder entsprechend
zumindest einer Baustoffklasse B1 gemäß DIN 4102-1 auf und gilt damit als schwer entflammbar.
[0021] Die Erfinder haben herausgefunden, dass im Brandfall z.B. bei einer Beflammung über
30 min bei 180°C das Intumeszenzmaterial auf der dem Feuer zugewandten Seite aus einer
ca. 10 mm dicken Schicht expandiert und eine Isolierschicht bildet. Das Stützelement
umfasst daher in einer Ausführungsform an mindestens einer Oberfläche, optional an
allen Oberflächen, in einer Dicke von mindestens 10 mm intumeszentes Material. Dieses
ist vorteilhafterweise im Wesentlichen in der gesamten Ebene oder in der gesamten
Ebene dieser Oberfläche vorhanden. Mindestens innerhalb dieser Dicke ist das intumeszente
Material bzw. die Partikel intumeszenten Materials im Wesentlichen homogen verteilt.
Das intumeszente Material ist in dieser Ausführungsform nicht auf die Oberfläche des
Stützelements beschichtet, sondern in die Matrix des Stützelements eingebettet.
[0022] In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst mindestens eine zu der zweiten Seitenfläche
des Stützelements parallele Schicht das intumeszente Material, bevorzugt die zweite
Seitenfläche des Stützelements. Die zweite in Längsrichtung verlaufende Seitenfläche
des Stützelements verläuft im Wesentlichen senkrecht zur ersten Seitenfläche, welche
zur Anlage an eine Wand dienen kann. Die zweite Seitenfläche kann zur Abstützung eines
Fensterrahmens dienen.
[0023] Die Längsrichtung ist dabei durch die längste Dimension des streifenförmigen Elements
definiert. Das streifenförmige Element kann ohne Verbindung zu weiteren Elementen
vorliegen, es kann aber auch bereits verbaut sein, z.B. in einem Gebäudeabschnitt,
etwa als Vorwandmontagezarge beispielsweise für ein Fenster oder eine Tür.
[0024] Im verbauten Zustand als Zarge, etwa als Vorwandmontagezarge, bildet die zweite Seitenfläche
des Stützelements die dem Fensterrahmen zugewandte Innenseite der Zarge. Damit ist
die Oberfläche dieser Seitenfläche bei einem Brand besonders den Flammen ausgesetzt,
insbesondere oberhalb der Fensteröffnung, aus der bei einem Brand Flammen schlagen
können. Eine erfindungsgemäße brandhemmende oder schwer entflammbare Oberfläche an
dieser Stelle, die durch die Intumeszenzwirkung des Materials, z.B. die Expansion
des Blähgraphits, zustande kommt, kann damit ein Übergreifen der Flammen auf Material,
welches sich oberhalb der Fensteröffnung befindet, z.B. entflammbares Isoliermaterial
eines Wärmedämmverbundsystems, verhindern oder zumindest signifikant verzögern. Auch
bei einem Brand, der sich innerhalb des Wärmedämmverbundsystems ausbreitet, bietet
ein erfindungsgemäßes Stützelement so eine wirkungsvolle Barriere, die ein weiteres
Ausbreiten nach oben verhindern oder signifikant verzögern kann.
[0025] Die Expansion des Blähgraphits verhindert ferner auf der dem Fensterrahmen zugewandten
Seite wirkungsvoll, dass ein im Allgemeinen zwischen Zarge und Fensterahmen angebrachtes
Dichtband brandfördernd wirken kann. Evtl. entstehende Zwischenräume werden durch
die Expansion abgedichtet.
[0026] Umfasst alternativ oder zusätzlich eine zur zweiten Seitenfläche des Stützelements
parallele Schicht das intumeszente Material, welche nicht die zweite Seitenfläche
ist, so handelt es sich um die im verbauten Zustand von der Fensteröffnung abgewandte
Seite, also z.B. die Unterseite einer Zarge, welche ebenfalls eine wirksame horizontale
Barriere gegen das Ausbreiten eines Brandes in oder an einem Gebäude nach oben darstellt.
[0027] Weitere für die Ausbreitung von Bränden kritische Stellen sind Fugen, die zwischen
der Zarge und einer optional im Gebäude vorhandenen Vorwand liegen können. Zwischen
Wand und Vorwand befindliche brennbare Isoliermaterialien können sich im Brandfall
schnell entzünden, wobei sich der Brand, wenn keine weiteren baulichen Maßnahmen ergriffen
wurden, sehr schnell in diesem Zwischenraum nach oben ausbreiten kann. Z.B. wegen
unterschiedlicher Abstände zwischen Wand und Vorwand oder um eine Hinterlüftung der
Vorwand zu gewährleisten, liegen in einem Gebäude oft Fugen zwischen der Zarge und
Vorwand vor, welche eine Ausdehnung von oftmals einigen Zentimetern Breite aufweisen,
z.B. 10-200 mm. Erfindungsgemäß kann eine vertikale Ausbreitung von Bränden durch
diese Fugen verhindert oder zumindest signifikant verzögert werden. Auch ein Hindurchdringen
von Rauch durch solche Fugen kann minimiert werden.
[0028] Erfindungsgemäß kann das Stützelement an mindestens einer Oberfläche intumeszentes
Material umfassen, welche eine dritte in Längsrichtung verlaufende Seitenfläche ist,
die an die zweite Seitenfläche auf der der ersten Seitenfläche gegenüberliegenden
Seite angrenzt. Bevorzugt verläuft dabei die dritte Seitenfläche parallel zu der ersten
Seitenfläche, z.B. bei einer L-Form des Stützelements. Diese Seite kann damit im eingebauten
Zustand einer Vorwand zugewandt sein. Bei Expansion des Blähgraphits an dieser Seitenfläche
verschließt sich vorteilhafterweise eine potentiell dort befindliche Fuge, so dass
eine Ausbreitung von Flammen durch die Fuge verhindert werden kann. Auch bei einer
dreieckigen Form des Stützelements kommt dieser Vorteil, wenn auch je nach Winkel
in geringerem Maße, zum Tragen.
[0029] Bevorzugt weisen im Wesentlichen alle Oberflächen (z.B. mindestens 90% der Fläche)
oder alle Oberflächen des Stützelements das intumeszente Material auf. Optional weist
die erste Seitenfläche, die zur Anlage an eine Wand dienen kann, kein intumeszentes
Material auf, da die Wand im Allgemeinen nicht aus einem brennbaren Material besteht.
[0030] Das intumeszente Material kann in einer Dicke von mindestens 10 mm, etwa in einer
Dicke von 11-50 mm, 12-40 mm, 15-30 mm, oder 10-20 mm, vorliegen. Dann liegt der Anteil
von Blähgraphit vorzugsweise zwischen 5 und 20%.
[0031] Alternativ kann das intumeszente Material in einer Dicke von zwischen 0,25 mm und
10 mm, bevorzugt zwischen 0,5 mm und 5 mm, mehr bevorzugt zwischen 1 mm und 3 mm,
vorliegen. In diesem Fall liegt der Anteil von Blähgraphit zwischen 20 und 70%, vorzugsweise
zwischen 30 und 60%.
[0032] Bevorzugt umfassen mindestens alle Oberflächen des Stützelements außer der ersten
Seitenfläche oder alle Oberflächen des Stützelements das intumeszente Material.
[0033] Es ist jedoch, wie die Erfinder zeigen konnten, nicht zwangsläufig notwendig, dass
auch weiter innen intumeszentes Material umfasst ist. Das Stützelement kann also eine
Schichtkonstruktion aufweisen. In einer Ausführungsform umfasst das Stützelement mindestens
eine Schicht, die eine Tragfähigkeit aufweist, welche die Tragfähigkeit des Materials
an der Oberfläche, welche das intumeszente Material umfasst, übersteigt. Eine solche
innen liegende Schicht mit hoher Tragfähigkeit kann z.B. eine Druckspannung bei 10%
Stauchung nach DIN EN 826 von 2 bis 15 MPa, bevorzugt 4 bis 8 MPa oder besonders bevorzugt
6 bis 8 MPa aufweisen. Sie kann z.B. Fasermaterial, etwa Carbonfasern und/oder Glasfasern,
umfassen. Carbonfasern verlieren ansonsten im Falle eines Brandes signifikant an Tragfähigkeit,
was erfindungsgemäß verhindert werden kann. Das innen liegende Material kann alternativ
im Wesentlichen die gleiche Tragfähigkeit aufweisen wie das äußere Material. Optional
besteht das innen liegende Material aus dem gleichen Material wie die äußere(n) Schicht(en),
bis auf das intumeszente Material. In diesem Fall führt der Schichtaufbau vor allem
zu einer Verringerung der Kosten, da weniger intumeszentes Material eingesetzt werden
muss.
[0034] Eine Schichtkonstruktion kann durch Verbindung (z.B. Verkleben, Verschrauben) verschiedener
Schichten hergestellt werden. Es ist jedoch auch möglich, eine Schichtkostruktion
herzustellen, indem z.B. verschiedene Lagen von zerkleinertem PUR- und/oder PIR-Hartschaum
jeweils außen in Anwesenheit und innen in Abwesenheit von intumeszentem Material (z.B.
Blähgraphit) mit einem Bindematerial, z.B. flüssigem oder pastösem PUR- und/oder PIR
versetzt und im Rahmen der Herstellung gemeinsam mit Druck und optional erhöhter Temperatur
in einer Pressrichtung P beaufschlagt werden, die senkrecht zu der Richtung der Lagen
verläuft. Dabei weisen die äußeren Lagen mit Intumeszenzmaterial eine Dicke von mindestens
10 mm auf. Aus so entstandenen Platten können erfindungsgemäße Stützelemente hergestellt
werden.
[0035] Das Stützelement ist aus einem tragfähigen Material gebildet, d.h., es weist insgesamt
eine Tragfähigkeit oder Druckfestigkeit auf, welche zumindest ausreicht, ein Fenster
zu tragen. Bevorzugt beträgt die Druckspannung bei 10% Stauchung nach DIN EN 826 2
bis 15 MPa, insbesondere 4 bis 8 MPa oder 6 bis 8 MPa.
[0036] Die Pressrichtung P bei der Herstellung des Rohmaterials für das Stützelement hat,
wie die Erfinder festgestellt haben, einen Einfluss auf die Struktur des Rohmaterials,
und damit auch auf die Eigenschaften des Stützelements im Brandfall. Sowohl bei Stützelementen
aus einem homogenen Material als auch bei Schichtkonstruktionen sind herstellungsbedingt
verschiedene Ausrichtungen möglich. Insbesondere kann das Stützelement so ausgebildet
sein, dass die bei der Herstellung relevante Pressrichtung P senkrecht zu der ersten
Seitenfläche des Stützelements ausgerichtet ist oder dass die bei der Herstellung
relevante Pressrichtung P senkrecht zu der zweiten Seitenfläche des Stützelements
ausgerichtet ist.
[0037] Im Rahmen der Erfindung wurde festgestellt, dass die Expansion des Intumeszenzmaterials
an einer Oberfläche senkrecht zu der Pressrichtung P eine stärkere Ausdehnung im Brandfall
bewirkt als an einer Oberfläche parallel zu der Pressrichtung P. Die Expansion von
Blähgraphit an einer Oberfläche senkrecht zu der Pressrichtung P bewirkt bei Beflammung
nach 30 min, wie hierin geschildert, Expansion von Blähgraphit aus einer ca. 1 cm
dicken Schicht an der Oberfläche, die zur Bildung einer ca. 8 cm dicken Isolationsschicht
mit expandiertem Graphit führt. Dagegen führt Expansion von Blähgraphit an einer Oberfläche
parallel zu der Pressrichtung P bei Beflammung nach 30 min, wie hierin geschildert,
zur Expansion von Blähgraphit aus einer ca. 1 cm dicken Schicht an der Oberfläche,
die zur Bildung einer nur ca. 4 cm dicken Isolationsschicht mit expandiertem Graphit
führt.
[0038] Bevorzugt ist daher im Rahmen der Erfindung das Stützelement so ausgebildet, dass
die Pressrichtung P senkrecht zu der zweiten Seitenfläche des Stützelements ausgerichtet
ist. Das Stützelement kann insbesondere Polyurethan-Hartschaum, bevorzugt mit 5-10%
Blähgraphit, umfassen, herstellbar durch Pressen eines Ausgangsmaterials, in dem Blähgraphit-Flocken
in einer Polyurethan und/oder Polyisocyanurat-Matrix in einer Pressrichtung P zu einer
Rohdichte von 500-600 kg/m
3 verpresst werden, wobei die Pressrichtung P senkrecht zu der zweiten Seitenfläche
des Stützelements ausgerichtet ist. Im Brandfall hat dies zwei wesentliche Vorteile:
Zum einen bildet sich an den, wie hierin beschrieben, für den Brandschutz, insbesondere
das Verhindern der Ausbreitung von Flammen nach oben, besonders wichtigen Oberflächen
des Stützelements, die parallel zur zweiten Oberfläche des Stützelements ausgerichtet
sind, eine besonders dicke Isolierschicht aus expandiertem Graphit. Dadurch wird ein
Durchbrennen verhindert oder zumindest signifikant verzögert.
[0039] Zum anderen findet in Richtung der Mauer und der Vorwand eine Expansion statt, die
ausreicht, dort eventuell befindliche Fugen abzudichten. Dennoch sind die Expansion
und damit auch der Druck auf Mauer bzw. Vorwand schwächer als bei einer umgekehrten
Ausrichtung des Stützelements. Dadurch wird die strukturelle Integrität der angrenzenden
Bauelemente weniger beansprucht. Es kommt bei einem Brand zu weniger Bewegung im Baukörper.
Rissbildungen in der Vorwand etwa, die wiederum eine Ausbreitung von Feuer oder ein
Herunterfallen von Teilen auslösen könnten, werden minimiert.
[0040] Eine alternative Ausgestaltung ist die Aufbringung einer dünnen äußeren Schicht mit
intumeszentem Material in einer Dicke von zwischen 0,25 mm und 10 mm, bevorzugt zwischen
0,5 mm und 5 mm, mehr bevorzugt zwischen 1 mm und 3 mm, auf eine Oberfläche des Stützelements.
Hierzu wird die äußere Schicht an der Schicht ohne intumeszentes Material befestigt,
vorzugsweise verklebt. Die äußere Schicht liegt vorzugsweise in Streifenform vor.
Die äußere Schicht kann, muss aber nicht die gesamte Oberfläche dieser Seite des Stützelements
abdecken. In diesen Fällen muss das intumeszente Material Blähgraphit in einem Anteil
von 20 bis 70%, vorzugsweise 30 bis 60%, umfassen.
[0041] Da das erfindungsgemäße Stützelement selbst eine gute Wärmeisolationswirkung aufweist,
kann es ohne zusätzliche Isolierung verwendet werden. Bevorzugt wird das erfindungsgemäße
Stützelement jedoch zusammen mit einem Isolierteil verwendet, das mit dem Stützelement
verbunden sein kann, um die Wärmeisolationsfähigkeit zu verbessern. Das Isolierteil
ist vorzugsweise aus Schaumstoff oder Mineralwolle, bevorzugt aus hartem Weichschaumstoff
gebildet. Dieser Schaumstoff soll vorzugsweise selbsttragend sein. Als Material kommen
beispielsweise Wärmedämmstoffe wie Polystyrol, Styrodur, Styropor, Styrofoam oder
Neopur in Frage. Das Isolierteil kann aus Weichschaumstoff, z.B. hartem Weichschaumstoff,
gebildet sein.
[0042] Um die Einbauarbeiten vor Ort zu erleichtern, kann mindestens eine Durchgangsbohrung
zur Aufnahme eines Befestigungselements zur Befestigung des Stützelements an der Wand
bereits durch einen ersten Schenkel des Stützelements von der inneren Seitenfläche
zur ersten Seitenfläche verlaufend vorgesehen sein. Auf diese Weise bleibt dem Handwerker
der Schritt des Erzeugens der Durchgangsbohrung an der Baustelle erspart.
[0043] Eine im Rahmen der Erfindung besonders bevorzugte Geometrie ist dann gegeben, wenn
das Stützelement im Querschnitt im Wesentlichen L-förmig ausgebildet ist. Hierdurch
wird sichergestellt, dass schräge Flächen am Stützelement vermieden werden, die die
Handhabung beim Erstellen von Durchgangsbohrungen bzw. beim Einführen von Befestigungselementen
in die Durchgangsbohrungen erschweren.
[0044] In einer Variante kann das Stützelement auch im Querschnitt im Wesentlichen T-förmig
ausgebildet sein, oder quaderförmig ausgebildet sein.
[0045] Üblicherweise weist der zweite Schenkel die zweite Seitenfläche auf, und die erste
und die zweite Seitenfläche schneiden sich ebenfalls unter demselben Winkel, unter
dem der zweite Schenkel vom ersten Schenkel abragt. Dies trifft insbesondere auf die
Gestaltung des Stützelements mit L-förmigem Querschnitt zu.
[0046] Ebenso ist es aber möglich, dass der erste Schenkel auch die zweite Seitenfläche
aufweist, die dann angrenzend an die erste Seitenfläche angeordnet ist. Diese Ausgestaltung
ist beim Stützelement mit T-förmigem Querschnitt zwangsläufig, kann aber auch beim
Stützelement mit L-förmigem Querschnitt vorliegen.
[0047] In einer Ausführungsform stellt die Erfindung eine Zarge, etwa eine Vorwandmontagezarge,
bereit, die erfindungsgemäße Stützelemente umfasst, welche jeweils eine Oberfläche
aufweisen, die intumeszentes Material umfasst. Die Zarge kann Teil eines Gebäudeabschnitts
sein.
[0048] Gegenstand der Erfindung ist auch ein Bauwerksabschnitt mit einer Wand, mindestens
einem seitlich von der Wand angeordneten erfindungsgemäßen Stützelement, das mittels
mindestens eines Befestigungselements an der Wand befestigt ist, sodass die erste
Seitenfläche des Stützelements an der Wand anliegt, und einem Fensterrahmen, der zumindest
teilweise an der zweiten Seitenfläche des Stützelements abgestützt ist.
[0049] Üblicherweise umfasst ein mit erfindungsgemäßen Stützelementen ausgestatteter Bauwerksabschnitt
eine Wand, eine Vorwand und einen zwischen Wand und Vorwand angeordneten Zwischenraum.
Die erfindungsgemäßen Stützelemente sind dabei in der Regel in dem Zwischenraum zwischen
Wand und Vorwand angeordnet und mittels Befestigungselementen an der Wand befestigt.
Ein Fensterrahmen ist angrenzend an den Zwischenraum angeordnet und liegt an den zweiten
Seitenflächen der Stützelemente an. Es kann auch nur ein Stützelement vorliegen, das
unterhalb des Fensterrahmens angeordnet ist und somit die Gewichtslast des Fensters
abträgt. Alternativ zur Vorwand kann auch eine an der Wand befestigte Wärmedämmschicht
vorgesehen sein, die eine Öffnung für ein Fenster aufweist. Das Stützelement ragt
dann in diese Wärmedämmschicht hinein. Der Bauwerksabschnitt kann ein Wärmedämmverbundsystem,
eine hinterlüftete Fassade oder ein zweischaliges Mauerwerk aufweisen.
[0050] Bevorzugt umfasst ein erfindungsgemäßes Gebäude einen erfindungsgemäßen Bauwerksabschnitt
und weist ein Wärmedämmverbundsystem, eine hinterlüftete Fassade oder ein zweischaliges
Mauerwerk sowie im Allgemeinen mindestens ein Fenster auf.
[0051] Ein erfindungsgemäßer Bauwerksabschnitt oder ein erfindungsgemäßes Gebäude kann auch
eine Vielzahl von erfindungsgemäßen Stützelementen umfassen. Vorteilhafterweise können
in einer Ausführungsform des Bauwerksabschnitts Stützelemente horizontal durchgehend
ausgebildet sein, z.B. indem sie direkt aneinander anschließen. Dabei bildet mindestens
eine Oberfläche des Stützelements einen horizontal durchgehenden Brandschutzriegel
aus. Dies kann dadurch erreicht werden, dass eine im Wesentlichen horizontal durchgehende
Fensterfront ausgebildet ist, die mit erfindungsgemäßen Stützelementen verbaut ist.
Alternativ ist es möglich, nur ein Stützelement durchgehend auszuführen.
[0052] Alternativ sind die erfindungsgemäßen Stützelemente voneinander beabstandet, wobei
horizontal zwischen den Stützelementen eine brandhemmende Schicht eingebracht ist,
wobei die Schicht Mineralwolle oder ein sonstiges schwer entflammbares Material umfassen
kann.
[0053] Solche Brandschutzriegel können z.B. in jeder Etage oder in jeder zweiten Etage des
Gebäudes ausgebildet sein.
[0054] Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung eines erfindungsgemäßen streifenförmiges
Stützelements oder Bauwerksabschnitts zur Brandhemmung eines Gebäudes. In einer Ausführungsform
dient diese Verwendung dazu, eine Ausbreitung von Flammen und/oder Rauchgas nach oben,
insbesondere in Wärmedämmverbundsystemen, einer hinterlüfteten Fassade oder einem
zweischaligen Mauerwerk zu verhindern oder zumindest signifikant zu verzögern.
[0055] In einer anderen Ausführungsform dient diese Verwendung dazu, den Temperaturanstieg
auf einer von einem Brand abgewandten Seite des Stützelements zu minimieren. Wie im
Beispielteil geschildert, wurde im Rahmen der Erfindung festgestellt, dass der Temperaturanstieg
auf einer von einem Brand abgewandten Seite des Stützelements deutlich geringer ausfällt
als bei einem Stützelement nach dem Stand der Technik, insbesondere an Fugenstößen.
So können erfindungsgemäße Stützelemente eingesetzt werden, damit bevorzugt bei Beflammung
(z.B. bei 180°C nach DIN 1366-4) der Temperaturanstieg an Fugenstößen zwischen aneinandergrenzenden
Stützelementen auf der der Beflammung abgewandten Seite minimiert wird, wobei er bevorzugt
nach 25 min weniger als 55°C beträgt.
[0056] Weitere Vorteile und Eigenschaften des erfindungsgemäßen Stützelements ergeben sich
aus der nachfolgenden Beschreibung unter Bezugnahme auf die Zeichnungen.
- Fig. 1
- zeigt Querschnittsansichten einer ersten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Stützelements,
wobei die untere Darstellung ein Isolierteil während des Verschwenkvorgangs darstellt.
- Fig. 2
- zeigt eine schematische Querschnittsansicht eines Bauwerksabschnitts, der eine Einbausituation
des Stützelements aus Fig. 1 zeigt.
- Fig. 3a bis 3h
- zeigen Ansichten von alternativen erfindungsgemäßen Stützelementen.
- Fig. 4a und 4b
- zeigen von einer Seite (im Bild oben) für 30 min beflammte Ausführungsformen erfindungsgemäßer
Stützelemente mit homogen verteiltem Blähgraphit.
- Fig. 5a, 5b und 5c
- zeigen das Ergebnis der Beflammungsexperimente an Ausführungsformen erfindungsgemäßer
Stützelemente mit homogen verteiltem Blähgraphit mit einer expandierten Graphitschicht
auf der beflammten Seite.
- Fig. 5d
- zeigt den Aufbau der Beflammungsexperimente. Die Pfeile geben die Beflammungsrichtung
in verschiedenen Experimenten an.
- Fig. 6a und 6b
- zeigen die unterschiedliche Bildung von Isolierschichten bei Expansion des Graphits
aus einem erfindungsgemäßen Stützelement je nach Ausrichtung zur Pressrichtung.
[0057] In Fig. 1 ist eine erste Ausführungsform des erfindungsgemäßen Stützelements zur
Abstützung eines Fensterrahmens dargestellt. Das Stützelement 2 ist im Querschnitt
winkelförmig. Ein im Querschnitt quaderförmiges Isolierteil 4 kann mit dem Stützelement
2 verbunden sein. Das Isolierteil 4 kann aber auch anders ausgestaltet sein oder ganz
entfallen.
[0058] Das Stützelement 2 erstreckt sich in erster Linie in einer Längsrichtung. Die Länge
eines Stützelements 2 in Längsrichtung kann dabei frei gewählt werden und liegt vorzugsweise
zwischen 10 und 150 cm. Das Stützelement 2 kann einstückig ausgebildet sein oder aus
zwei fest miteinander verbundenen Teilstücken bestehen. Das Stützelement 2 ist in
der dargestellten Ausführungsform im Querschnitt L-förmig ausgestaltet. Die Form des
Stützelements 2 kann auch quaderförmig sein oder eine abgeschrägt Fläche aufweisen.
Das Stützelement 2 ist aus einem tragfähigen Material gebildet, das dazu geeignet
ist, die Last des Fensterrahmens zu tragen, ohne sich dabei zu verformen.
[0059] Es ist bevorzugt, wenn das Material des Stützelements 2 eine Druckspannung bei 10%
Stauchung nach DIN EN 826 im Bereich von 2 bis 15 MPa, insbesondere im Bereich von
4 bis 8 MPa aufweist. Die Rohdichte des Materials sollte im Bereich von 100 bis 1.200
kg/m
3, bevorzugt zwischen 350 bis 800 kg/m
3 liegen. Die Wärmeleitfähigkeit des Hartschaummaterials sollte im Bereich von 0,05
bis 0,2 W/mK, bevorzugt im Bereich von 0,06 bis 0,15 W/mK liegen. Das Material ist
formstabil und kompressionsstabil unter der Last des Fensters.
[0060] Das Stützelement 2 weist eine erste in Längsrichtung verlaufende Seitenfläche 6 auf,
die zur Anlage an einer Wand 8 (Fig. 2) dient. Die erste Seitenfläche 6 ist Teil eines
ersten Schenkels 10 des Stützelements 2. Das Stützelement 2 weist außerdem eine zweite
in Längsrichtung verlaufende Seitenfläche 12 auf, die im Wesentlichen senkrecht zur
ersten Seitenfläche 6 verläuft und zur Abstützung eines Fensterrahmens 34 (Fig. 2)
dient. Im dargestellten Ausführungsbeispiel ist die zweite Seitenfläche 12 Teil eines
zweiten Schenkels 16 des Stützelements 2, der mit dem ersten Schenkel 10 verbunden
ist und unter einem Winkel vom ersten Schenkel 10 abragt. Im dargestellten Beispielsfall
ist der Winkel 90°. Die erste Seitenfläche 6 und die zweite Seitenfläche 12 stoßen
entlang einer Kante aneinander und schneiden sich ebenfalls unter demselben Winkel
wie die beiden Schenkel 10, 16, hier also unter 90°. Die zweite Seitenfläche 12 und
die dritte Seitenfläche 45 stoßen ebenfalls entlang einer Kante aneinander und schneiden
sich in der dargestellten bevorzugten Ausführungsform in einem Winkel von 90°.
[0061] Im ersten Schenkel 10 können eine oder vorzugsweise mehrere Durchgangsbohrungen 18
vorgesehen sein, die zum Durchtritt eines oder mehrerer Befestigungselemente 20 (Fig.
2), beispielsweise Schrauben, dienen. Jede Durchgangsbohrung 18 verläuft somit durch
den ersten Schenkel 10 des Stützelements 2 von einer inneren Seitenfläche 22, die
der ersten Seitenfläche 6 gegenüberliegt, zur ersten Seitenfläche 6. Wie aus Fig.
2 hervorgeht, dient jedes Befestigungselement 20 zur Befestigung des Stützelements
2 an der Wand 8.
[0062] Ebenso ist es möglich, dass keine Durchgangsbohrung 18 im ersten Schenkel 10 des
Stützelements 2 vorgesehen ist, sondern die Durchgangsbohrung erst vor Ort durch den
Handwerker in das Stützelement 2 eingebracht wird.
[0063] Das Isolierteil 4 ist im Bereich der inneren Seitenfläche 22 des ersten Schenkels
10 des Stützelements 2 angeordnet. Es ist vorzugsweise aus Schaumstoff oder Mineralwolle,
besonders bevorzugt aus hartem Weichschaumstoff gebildet. In der Regel sind derartige
Schaumstoffe selbsttragend, können aber keine Last abtragen. Beispiele derartiger
Materialien sind Polystyrol, Styrodur, Styropor, Styrofoam oder Neopur, mit Raumgewichten
< 100 kg/m
3, vorzugsweise < 50 kg/m
3, die als Wärmedämmstoffe gelten. Die Druckfestigkeit solcher Wärmedämmstoffe liegt
vorzugsweise bei höchstens 50% der Druckfestigkeit des bevorzugt für das Stützelement
2 verwendeten tragfähigen Hartschaumstoffs, in der Regel bei weniger als 20%.
[0064] Das Isolierteil 4 ist mit einem äußeren Randbereich des ersten Schenkels 10 des Stützelements
2 schwenkbar verbunden. Ebenso kann es mit einem äußeren Randbereich des zweiten Schenkels
16 des Stützelements 2 schwenkbar verbunden sein. In Fig. 1 oben ist eine Isolierposition
des Isolierteils 4 dargestellt, in der das Isolierteil 4 die innere Seitenfläche 22
des ersten Schenkels 10 des Stützelements 2 zumindest weitgehend bedeckt, im vorliegenden
Fall sogar vollständig. In dieser Position liegt das Isolierteil 4 vorzugsweise sowohl
am ersten Schenkel 10 als auch am zweiten Schenkel 16 des Stützelements 2 an. Besonders
bevorzugt ist es, wenn das Stützelement 2 und das Isolierteil 4 sich zu einer rechteckigen
Querschnittsform ergänzen. Die Kombination aus Stützelement 2 und Isolierteil 4 wird
vorzugsweise auch in dieser Isolierposition transportiert.
[0065] Fig. 1 unten zeigt das im Schwenken befindliche Isolierteil 4, das auf dem Weg in
eine Arbeitsposition ist, in der es die innere Seitenfläche 22 des ersten Schenkels
10 des Stützelements 2 zumindest weitgehend freilegt. In der Arbeitsposition des Isolierteils
4 können die Befestigungselemente 20 ungehindert in die Durchgangsbohrungen 18 eingeführt
werden. Wenn keine Durchgangsbohrungen 18 im Stützelement 2 vorhanden sind, hat der
Handwerker in der Arbeitsposition des Isolierteils 4 außerdem ungehinderten Zugang
zum ersten Schenkel 10 des Stützelements 2 und kann dort die Durchgangsbohrungen 18
erzeugen, bevor er die Befestigungselemente 20 durch die Durchgangsbohrungen 18 in
die Wand 8 einführt. Der Schwenkwinkel zwischen Arbeitsposition und Isolierposition
des Isolierteils 4 beträgt in der Regel zwischen 60 und 120°, unterliegt aber keinen
Einschränkungen. Die schwenkbare Verbindung zwischen Isolierteil 4 und Stützelement
2 ist vorzugsweise durch einen biegsamen Klebestreifen 24 gebildet, der sowohl am
Isolierteil 4 als auch am Stützelement 2 angeklebt ist. In der in Fig. 1 dargestellten
Ausführungsform ist der Klebestreifen 24 in gerader Überdeckung einer Stoßkante zwischen
Stützelement 2 und Isolierteil 4 ausgebildet. Es kommen jedoch auch viele andere Anordnungen
des Klebestreifens 24 in Frage.
[0066] Neben dem Klebestreifen 24 sind auch viele weitere Möglichkeiten der Realisierung
der Schwenkverbindung zwischen Isolierteil 4 und Stützelement 2 für den Fachmann denkbar.
Beispielsweise könnten Isolierteil 4 und Stützelement 2 über ein anderes elastisches
Element miteinander verbunden sein, das Isolierteil 4 könnte auch kleinflächig direkt
an das Stützelement 2 laminiert sein, oder es könnte eine andere mechanische Schwenkverbindung
zwischen Isolierteil 4 und Stützelement 2 realisiert sein.
[0067] In der dargestellten Ausführungsform aus Fig. 1 ist außerdem ein zweiter Klebestreifen
26 vorgesehen, der den Randbereich des zweiten Schenkels 16 des Stützelements 2 mit
dem Isolierteil 4 verbindet. Dieser Klebestreifen 26 sollte zumindest vom Stützelement
2 leicht lösbar sein, da er vor dem Verschwenken des Isolierteils 4 in die Arbeitsposition
vom Stützelement 2 gelöst werden muss (Fig. 1 unten). Vorzugsweise ist der Klebestreifen
26 wieder verwendbar, so dass er nach Befestigung des Stützelements 2 an der Wand
8 und dem erfolgten Zurückschwenken des Isolierteils 4 in die Isolierposition wieder
am Stützelement 2 befestigt werden kann. Anstelle des zweiten Klebestreifens 26 kann
die lösbare Verbindung zwischen Isolierteil 4 und zweitem Schenkel 16 des Stützelements
2 auch auf andere Weise realisiert werden.
[0068] Wenn die schwenkbare Verbindung zwischen zweitem Schenkel 16 des Stützelements 2
und Isolierteil 4 ausgebildet ist, so liegt die lösbare klebende Verbindung zwischen
Isolierteil 4 und Stützelement 2 logischerweise zwischen Isolierteil 4 und erstem
Schenkel 10 des Stützelements 2 vor.
[0069] Grundsätzlich kann aber die schwenkbare Verbindung zwischen Isolierteil 4 und Stützelement
2 auch die einzige Verbindung dieser beiden Bauteile sein. Das Isolierteil 4 sollte
dann ohne äußere Einwirkung in der Isolierposition verbleiben, beispielsweise indem
es sich aufgrund geeigneter Wahl der Größe und Form von Stützelement 2 und Isolierteil
4 zwischen der senkrecht zur inneren Seitenfläche 22 verlaufenden Innenseite des Stützelements
2 und der Schwenkverbindung lösbar verkeilt.
[0070] Das Isolierteil 4 kann außerdem so ausgestaltet sein, dass die angrenzend an die
innere Seitenfläche 22 des Stützelements 2 angeordnete Fläche des Isolierteils 4 genügend
Freiraum für die ggf. aus der inneren Seitenfläche 22 herausragenden Anteile der Befestigungselemente
20 vorsieht (nicht zeichnerisch dargestellt).
[0071] In Fig. 2 ist die Einbausituation eines erfindungsgemäßen Stützelements 2 skizziert,
wobei die Ausrichtung des Stützelements 2 die Einbausituation unterhalb der Fensteröffnung
darstellt. An den anderen drei Seiten der Fensteröffnung muss das Stützelement 2 entsprechend
gedreht werden. Der dargestellte Bauwerksabschnitt 28 umfasst neben der Wand 8, an
der das Stützelement 2 mittels der Befestigungselemente 20 befestigt ist, zumeist
noch eine Vorwand 30, die in der Regel durch ein Wärmedämmmaterial gebildet ist. Diese
Vorwand 30 ist hinterlüftet und in dem Zwischenraum 32 zwischen Wand 8 und Vorwand
30 ist das erfindungsgemäße Stützelement 2 angeordnet. Die Vorwand 30 ist in der Regel
mittels Stegen, Vorsprüngen oder Stiften mit der Wand 8 verbunden. Der Fensterrahmen
34 ist üblicherweise angrenzend an den Zwischenraum 32 angeordnet und stützt sich
an der zweiten Seitenfläche 12 des Stützelements 2 ab. Hierbei können zwischen Fensterrahmen
34 und Stützelement 2 noch Dichtelemente 36, beispielsweise aus PUR-Schaumstoff, eingefügt
sein. Ebenso können Dichtelemente 38, beispielsweise aus PUR-Schaumstoff, zwischen
Fensterrahmen 34 und einem über die Höhe des Stützelements 2 hinausragenden Vorsprung
der Vorwand 30 angeordnet sein.
[0072] Die streifenförmigen Stützelemente sind in der Regel um die gesamte Fensteröffnung
herum angeordnet. Es können aber auch nur unterhalb der Fensteröffnung ein oder mehrere
Stützelemente angebracht sein, da dort die hauptsächliche Gewichtslast des Fensters
aufliegt.
[0073] Wenn der Fensterrahmen 34 an allen Seiten von erfindungsgemäßen Stützelementen umgeben
ist, so werden das eine oder die mehreren Stützelemente an der Unterseite der Fensteröffnung
meist mittels Schrauben oder Ähnlichem mit der Wand 8 verbunden sein. An dieser Stelle,
vor allem aber auch an den übrigen Seiten der Fensteröffnung kann unter Umständen
auch eine Klebeverbindung zwischen Stützelement 2 und Wand 8 ausreichen. Die Klebeverbindung
kann auch zusätzlich zur Befestigung mittels der Befestigungselemente 20 vorteilhaft
sein. Der Kleber kann vorzugsweise auch gleichzeitig als Diffusionsbremse dienen.
[0074] Üblicherweise entspricht die Länge eines Stützelements exakt der entsprechenden Länge
bzw. Breite der Fensteröffnung. Allerdings können pro Seite der Fensteröffnung auch
mehrere Stützelemente aneinandergereiht werden. In der Regel werden die einzelnen
Stützelemente auf Gehrung zugeschnitten und liegen entweder stumpf aneinander oder
sind vorzugsweise aneinander befestigt, insbesondere verklebt.
[0075] In Fig. 3a bis 3h sind weitere Alternativen der erfindungsgemäßen Stützelemente dargestellt.
[0076] Das Stützelement 2 aus Fig. 3a entspricht dem Stützelement aus Fig. 1 mit dem Unterschied,
dass kein Isolierteil vorliegt. Es ist durchgängig mit intumeszentem Material versehen.
Auch bei den weiteren beschriebenen Ausführungsformen fehlt ein Isolierteil, es könnte
dort aber jeweils auch vorhanden sein.
[0077] Das Stützelement 2 aus Fig. 3b entspricht dem Stützelement aus Fig. 3a mit dem Unterschied,
dass es im Querschnitt nicht L-förmig ausgebildet ist, sondern keilförmig mit einer
Abschrägung an einer der ersten Seitenfläche 6 abgewandten Seite. Die Form der Abschrägung
kann beliebig variiert werden. Ebenso ist es denkbar, dass das Stützelement 2 im Querschnitt
quaderförmig ausgebildet ist.
[0078] Das Stützelement 2 aus Fig. 3c entspricht dem Stützelement aus Fig. 3a mit dem Unterschied,
dass nicht das gesamte Stützelement mit intumeszentem Material versehen ist, sondern
lediglich eine Schicht 47 mit intumeszentem Material an der zweiten Seitenfläche 12
vorgesehen ist. Die übrige Schicht 46 weist kein intumeszentes Material auf. Es ist
hier bevorzugt, dass die Schicht 47 mindestens 10 mm dick ist. Wenn das intumeszente
Material Blähgraphit ist, ist es bevorzugt, dass dieses in der Schicht 47 in einem
Anteil von 5-20% vorliegt. Bei dieser Ausgestaltung ist eine besonders starke Ausdehnung
des intumeszenten Materials im Brandfall nach oben in Richtung des Fensterrahmens
gewährleistet.
[0079] Das Stützelement 2 aus Fig. 3d entspricht dem Stützelement aus Fig. 3c mit dem Unterschied,
dass die Schicht 47 mit intumeszentem Material an der dritten Seitenfläche 45 angeordnet
ist, die der ersten Seitenfläche 6 abgewandt ist. Ansonsten gelten für die Schicht
47 dieselben Parameter wie zu Fig. 3c beschrieben. Bei dieser Ausgestaltung wird eine
besonders starke Ausdehnung des intumeszenten Materials im Brandfall zur Seite (im
Bild nach rechts) in Richtung der Vorwand gewährleistet.
[0080] Das Stützelement 2 aus Fig. 3e entspricht dem Stützelement aus Fig. 3c mit dem Unterschied,
dass eine weitere Schicht 47 mit intumeszentem Material an der Seite angeordnet ist,
die der zweiten Seitenfläche 12 abgewandt ist.
[0081] Das Stützelement 2 aus Fig. 3f entspricht dem Stützelement aus Fig. 3c mit dem Unterschied,
dass die Schicht 47 mit intumeszentem Material dünner ausgebildet ist, vorzugsweise
in einer Dicke von zwischen 0,25 mm und 10 mm, mehr bevorzugt zwischen 0,5 mm und
5 mm, noch mehr bevorzugt zwischen 1 mm und 3 mm. Wenn das intumeszente Material Blähgraphit
ist, liegt es in der Schicht 47 bevorzugt in einem Anteil von 20-70%, mehr bevorzugt
in einem Anteil von 30-60% vor.
[0082] Die streifenförmige Schicht 47 mit intumeszentem Material in Fig. 3f ist gewebeartig,
folienartig oder papierartig. Die Schicht 47 liegt im Ursprungszustand vorzugsweise
als Rollenware vor, die abgewickelt und auf die Schicht 46 aufgeklebt wird. Bei der
Ausgestaltung nach Fig. 3f ist eine besonders starke Ausdehnung des intumeszenten
Materials im Brandfall nach oben in Richtung des Fensterrahmens gewährleistet.
[0083] Das Stützelement 2 aus Fig. 3g entspricht dem Stützelement aus Fig. 3f mit dem Unterschied,
dass die Schicht 47 mit intumeszentem Material an der dritten Seitenfläche 45 angeordnet
ist, die der ersten Seitenfläche 6 abgewandt ist. Ansonsten gelten für die Schicht
47 dieselben Parameter wie zu Fig. 3f beschrieben. Bei dieser Ausgestaltung wird eine
besonders starke Ausdehnung des intumeszenten Materials im Brandfall zur Seite (im
Bild nach rechts) in Richtung der Vorwand gewährleistet.
[0084] Das Stützelement 2 aus Fig. 3h entspricht dem Stützelement aus Fig. 3f mit dem Unterschied,
dass die Schicht 47 mit intumeszentem Material nur einen Teil der zweiten Seitenfläche
12 bedeckt.
[0085] Die Schicht 47 der Ausführungsform der Fig. 3d ist auch mit den Schichten 47 der
Ausführungsform aus Fig. 3c oder 3e kombinierbar. Die dünne Schicht 47 der Ausführungsform
der Fig. 3g ist auch mit der dünnen Schicht 47 der Ausführungsform aus Fig. 3f oder
3h kombinierbar. Außerdem sind verschiedene dünne Schichten 47 mit verschiedenen dicken
Schichten 47 kombinierbar. Beispielsweise kann die dünne Schicht 47 aus Fig. 3g mit
der dicken Schicht 47 aus Fig. 3c kombiniert werden.
[0086] Grundsätzlich gilt, dass alle Seitenflächen oder eine beliebige Auswahl von Seitenflächen
mit einer Schicht 47 mit intumeszentem Material ganz oder teilweise bedeckt sein können.
[0087] Die im Hinblick auf Fig. 3b beschriebenen Geometrien des Stützelements 2 können bei
all diesen Ausführungsformen ebenfalls verwendet werden.
[0088] Bei allen vorgenannten Varianten können sich eine oder mehrere Schichten 47 auch
nur über einen Teil der jeweiligen Seitenfläche erstrecken.
Beispiele der Herstellung
Beispiel 1A: Stützelement mit Wasserglas
[0089] Das inerte Natrium- oder Kaliumsilikat (10-20%) wird mit dem Basismaterial, z.B.
einem PUR-Hartschaum oder einem PUR/PIR-Hartschaum und optional einem oder mehreren
Additiven, z.B. einem Härter, zu einer homogenen Masse gemischt. In einer Form wird
die Mischung gepresst und durch Hitze ausgehärtet. Platten können geschnitten und
zu erfindungsgemäßen streifenförmigen Stützelementen verarbeitet werden.
Beispiel 1B: Stützelement mit Blähgraphit
[0090] Auf eine maximale Teilchengröße von ca. 5 mm, bevorzugt von ca. 1 mm zerkleinerter
PUR- und/oder PIR-Hartschaum, der aus Produktionsresten und/oder Recyclingmaterial
z.B. alter Dämmplatten stammt, wird mit 5-10%, bevorzugt 7,5% Blähgraphit (mittlere
Teilchengröße ca. 1 mm) und Bindematerial auf PUR-Basis im Anteil 1:5, gerechnet auf
die Masse des zerkleinerten Hartschaums, z.B. in flüssiger Form, vermischt. Die Mischung
wird in eine Plattenform gegeben und mit Temperatur und Druck in einer Pressrichtung
P senkrecht zur Oberfläche der Platten beaufschlagt, so dass ein Hartschaummaterial
mit einer Rohdichte von ca. 550 kg/m
3 entsteht. Die Dicke der Platten beträgt bevorzugt 2-7 cm.
[0091] Alternativ können zerkleinerte Hartschaumteile, Blähgraphitflocken und Bindematerial
abwechselnd schichtweise zugegeben werden (z.B. durch Einstreuen) und dann verpresst
werden.
[0092] Durch den Pressvorgang entstandene ausgehärtete Platten werden in streifenförmige
Teile geschnitten, und L-förmige Stützelemente 2 gemäß Fig. 3a werden durch Verbinden
eines breiteren und eines schmaleren Elements hergestellt, wobei bei beiden Elementen
die Pressrichtung P bevorzugt senkrecht zur zweiten Oberfläche 12 ist, die zur Auflage
des Fensterrahmens 24 geeignet ist (siehe Fig. 1). Die Verbindung erfolgt durch Verklebung
und/oder mechanische Befestigung mittels Nägeln, Schrauben oder Metallklammern.
Beispiel 1C: Stützelement mit Blähgraphit-haltiger Schicht
[0093] In der in Fig. 3c dargestellten alternativen Ausführungsform wird die obere Schicht
47 der hergestellten Platte (d.h. eine Oberfläche senkrecht zur Pressrichtung P) in
einer Dicke von mindestens 10 mm, bevorzugt 15 mm, mit Blähgraphit versetzt, wobei
der Rest des Stützelements nicht mit Blähgraphit versetzt wird.
[0094] Die streifenförmigen Stützelemente werden wie in Beispiel 1B beschrieben hergestellt.
Brandversuche
[0095] Nach den Prüfungskriterien nach DIN1366-4 wurden erfindungsgemäße Stützelemente 2
aus PUR/PIR-Hartschaum mit Blähgraphit, hergestellt nach Beispiel 1B, mit 30 mm oder
50 mm Dicke bei 180°C beflammt (siehe Aufbau Fig. 5d) und dabei die Temperaturanstiege
auf der gegenüberliegenden Seite im Vergleich zu entsprechendem Hartschaum ohne Blähgraphit
nach 5, 15 und 25 min gemessen.
[0096] Auf der der Beflammung abgewandten Seite wurde nach 5, 15 und 25 min, jeweils bei
Versuchsanwendungen an Decke (Tabelle 1-4) und Wand (Tabelle 5-6) die Temperaturen
direkt am Material gemessen. Die gemessenen Temperaturanstiege (in Kelvin, Starttemperatur
23°C) sind in den folgenden Tabellen wiedergegeben (Tabelle 1, 3, 5: Messung auf Fläche
der Elemente, Tabellen 2, 4, 6: Messung auf Stoß).
Decke:
[0097]
Tabelle 1: 30 mm, Fläche
| |
Material ohne Blähgraphit |
Material mit Blähgraphit |
| Messstelle |
3.29 |
4.03 |
4.10 |
4.14 |
3.01 |
3.07 |
3.08 |
3.14 |
| 5 min |
1 |
0 |
1 |
0 |
1 |
1 |
1 |
7 |
| 15 min |
15 |
23 |
26 |
2 |
22 |
21 |
24 |
29 |
| 25 min |
52 |
52 |
52 |
20 |
43 |
43 |
48 |
53 |
Tabelle 2: 30mm auf Stoß
| |
ohne Blähgraphit |
mit Blähgraphit |
| Messstelle |
3.32 |
4.07 |
3.04 |
3.11 |
| 5 min |
4 |
2 |
2 |
10 |
| 15 min |
30 |
32 |
17 |
35 |
| 25 min |
117 |
158 |
45 |
56 |
Tabelle 3: 50mm, Fläche
| |
Material ohne Blähgraphit |
Material mit Blähgraphit |
| Messstelle |
4.11 |
4.17 |
4.18 |
4.24 |
3.15 |
3.21 |
3.22 |
3.28 |
| 5 min |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
3 |
3 |
| 15 min |
1 |
3 |
2 |
2 |
2 |
3 |
4 |
4 |
| 25 min |
11 |
11 |
17 |
11 |
9 |
9 |
12 |
12 |
Tabelle 4: 50mm auf Stoß
| |
ohne Blähgraphit |
mit Blähgraphit |
| Messstelle |
4.14 |
4.21 |
3.18 |
3.25 |
| 5 min |
1 |
2 |
0 |
3 |
| 15 min |
2 |
4 |
3 |
4 |
| 25 min |
20 |
18 |
12 |
12 |
Wand:
[0098]
Tabelle 5 30mm Fläche
| |
Material ohne Blähgraphit |
Material mit Blähgraphit |
| Messstelle |
1.15 |
1.21 |
1.22 |
1.28 |
1.29 |
7.07 |
7.08 |
7.14 |
| 5 min |
8 |
0 |
5 |
1 |
8 |
1 |
8 |
5 |
| 15 min |
19 |
22 |
30 |
20 |
33 |
25 |
30 |
30 |
| 25 min |
57 |
50 |
52 |
49 |
57 |
44 |
49 |
50 |
Tabelle 6: 30mm auf Stoß
| |
ohne Blähgraphit |
mit Blähgraphit |
| Messstelle |
1.18 |
1.25 |
1.32 |
7.11 |
| 5 min |
2 |
1 |
2 |
3 |
| 15 min |
30 |
22 |
30 |
25 |
| 25 min |
80 |
67 |
50 |
45 |
[0099] Sowohl an Decken als auch Wänden wurde durch den Einsatz von Blähgraphit in den verwendeten
Stützelementen 2 der Temperaturanstieg, vor allem an den Stößen, deutlich vermindert.
So erhöhte sich bei dem Hartschaum ohne Blähgraphit an der Decke nach 25 min am Stoß
die Temperatur um im Schnitt 137,5°C, bei Material mit Blähgraphit um im Schnitt nur
50,5°C. An der Wand erhöhte sich bei dem Hartschaum ohne Blähgraphit am Stoß die Temperatur
um im Schnitt 73,5°C, bei Material mit Blähgraphit um im Schnitt nur 47,5°C. Der Temperaturanstieg,
vor allem an Fugenstößen, wurde also durch den erfindungsgemäßen Einsatz von Stützelementen
mit Blähgraphit deutlich verringert.
[0100] Fig. 4a und 4b zeigen von einer Seite (im Bild oben) für 30 min beflammte erfindungsgemäße
Stützelemente mit homogen verteiltem Blähgraphit mit einer ursprünglichen Dicke von
3 cm. Aus 1 cm des erfindungsgemäß verwendeten Materials werden ca. 8 cm Graphitschicht.
[0101] Fig. 5a bis 5c zeigen Aufsichten auf die beflammte Seite erfindungsgemäßer Stützelemente
mit homogen verteiltem Blähgraphit mit einer expandierten Graphitschicht auf der beflammten
Seite. In Fig. 5a-5c zeigen die Pfeile auf die Stöße benachbarter Bauteile. Fig. 5d
zeigt den Aufbau der Beflammungsexperimente. In Fig. 5d geben die Pfeile die Beflammungsrichtung
in verschiedenen Experimenten an. Je nach Anordnung (vgl. Fig. 5d, Schemazeichnung
in der Querschnittsebene) ragt die expandierte Graphitschicht deutlich über die Ebene
der Betonelemente zwischen den Stützelementen hervor, während das Element vor Beflammung
plan damit abschloss (insbesondere Fig. 5b).
[0102] In Fig. 6a ist links ein nach 30 min Beflammung von einer Seite angesägtes Teil eines
30 mm dicken Stützelements gezeigt, bei dem die Pressrichtung P, gekennzeichnet durch
den Pfeil, horizontal verläuft. Die Expansion in Richtung der Pressrichtung P ist
ungefähr doppelt so groß (ca. 8 cm) wie die Expansion auf der Seite senkrecht zur
Pressrichtung, hier die den Flammen ausgesetzte Seite rechts (ca. 4 cm). Fig. 6b zeigt
die Probe um 90°C gedreht. Es wurde somit festgestellt, dass die Expansion des Intumeszenzmaterials
an einer Oberfläche senkrecht zu der Pressrichtung P eine stärkere Ausdehnung im Brandfall
bewirkt als an einer Oberfläche parallel zu der Pressrichtung P.
1. Streifenförmiges Stützelement (2) zur Abstützung eines Fensterrahmens (34) mit einer
ersten in Längsrichtung verlaufenden Seitenfläche (6), die zur Anlage an einer Wand
(8) dienen kann, und einer zweiten in Längsrichtung verlaufenden Seitenfläche (12),
die im Wesentlichen senkrecht zur ersten Seitenfläche (6) verläuft und zur Abstützung
des Fensterrahmens (34) dienen kann, wobei das Stützelement (2) aus einem tragfähigen
Material gebildet ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Stützelement (2) an mindestens einer Oberfläche in einer Dicke von mindestens
0,25 mm intumeszentes Material umfasst, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus
a) Blähgraphit in einem Anteil von 5-70%; und
b) Natrium- und/oder Kaliumsilikat in einem Anteil von 10-30%.
2. Streifenförmiges Stützelement (2) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Stützelement (2) ferner Hartschaum umfasst, ausgewählt aus der Gruppe umfassend
Polyurethan-Hartschaum, bevorzugt Polyurethan / Polyisocyanurat-Hartschaum.
3. Streifenförmiges Stützelement (2) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine zu der zweiten Seitenfläche (12) des Stützelements (2) parallele
Schicht intumeszentes Material umfasst, bevorzugt die zweite Seitenfläche (12) des
Stützelements.
4. Streifenförmiges Stützelement (2) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Stützelement (2) an mindestens einer Oberfläche intumeszentes Material umfasst,
welche eine dritte in Längsrichtung verlaufende Seitenfläche (45) ist, die an die
zweite Seitenfläche (12) auf der der ersten Seitenfläche (6) gegenüberliegenden Seite
angrenzt, wobei die dritte Seitenfläche (45) bevorzugt parallel zu der ersten Seitenfläche
(6) verläuft.
5. Streifenförmiges Stützelement (2) nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es eine Schichtkonstruktion aufweist, wobei es mindestens eine außen liegende Schicht
(47) mit intumeszentem Material und mindestens eine Schicht (46) ohne intumeszentes
Material umfasst.
6. Streifenförmiges Stützelement (2) nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Schicht (47) mit intumeszentem Material an der Schicht (46) ohne intumeszentes
Material durch Verklebung und/oder Verschraubung befestigt ist.
7. Streifenförmiges Stützelement (2) nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Stützelement (2) intumeszentes Material in einer Dicke von zwischen 0,25 mm und
10 mm, bevorzugt zwischen 0,5 mm und 5 mm, mehr bevorzugt zwischen 1 mm und 3 mm,
umfasst, und dass das intumeszente Material Blähgraphit ist, bevorzugt in einem Anteil
von 20-70%, mehr bevorzugt in einem Anteil von 30-60%.
8. Streifenförmiges Stützelement (2) nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Stützelement (2) intumeszentes Material in einer Dicke von mindestens 10 mm umfasst,
und dass das intumeszente Material Blähgraphit ist, bevorzugt in einem Anteil von
5-20%, mehr bevorzugt in einem Anteil von 5-10%.
9. Streifenförmiges Stützelement (2) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass es durchgehend intumeszentes Material umfasst, und dass das intumeszente Material
Blähgraphit ist, bevorzugt in einem Anteil von 5-20%, mehr bevorzugt in einem Anteil
von 5-10%.
10. Streifenförmiges Stützelement (2) nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass es Polyurethan-Hartschaum mit 5-10% Blähgraphit umfasst, herstellbar durch Pressen
eines Ausgangsmaterials, in dem Blähgraphit-Flocken in einer Polyurethan und/oder
Polyisocyanurat-Matrix in einer Pressrichtung P verpresst werden, wobei die Pressrichtung
P senkrecht zu der zweiten Seitenfläche (12) des Stützelements (2) ausgerichtet ist.
11. Streifenförmiges Stützelement (2) nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Stützelement (2) intumeszentes Material in einer Dicke von mindestens 10 mm umfasst,
und dass das intumeszente Material Natrium- und/oder Kaliumsilikat in einem Anteil
von 10-30%, bevorzugt 10-20% ist.
12. Bauwerksabschnitt (28) mit
einer Wand (8),
mindestens einem seitlich von der Wand (8) angeordneten Stützelement (2) nach einem
der vorangehenden Ansprüche, das mittels mindestens eines Befestigungselements (20)
an der Wand (8) befestigt ist, sodass die erste Seitenfläche (6) des Stützelements
(2) an der Wand (8) anliegt, und
einem Fensterrahmen (34), der zumindest teilweise an der zweiten Seitenfläche (12)
des Stützelements (2) abgestützt ist.
13. Bauwerksabschnitt (28) nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, dass er eine Vielzahl von Stützelementen (2) nach einem der Ansprüche 1 bis 10 umfasst,
wobei
a) Stützelemente (2) horizontal direkt aneinander anschließen, so dass die mindestens
eine Oberfläche, welche intumeszentes Material umfasst, einen horizontal verlaufenden
Brandschutzriegel ohne Unterbrechung ausbildet, und/oder
b) horizontal zwischen den Stützelementen (2) eine brandhemmende Schicht eingebracht
ist, wobei die Schicht ausgewählt ist aus der Gruppe umfassend Mineralwolle.
14. Gebäude umfassend einen Bauwerksabschnitt (28) nach Anspruch 12 oder 13, wobei das
Gebäude bevorzugt ein Wärmedämmverbundsystem, eine hinterlüftete Fassade oder ein
zweischaliges Mauerwerk aufweist.
15. Verwendung eines streifenförmiges Stützelements (2) nach einem der Ansprüche 1 bis
11 oder eines Bauwerksabschnitts nach Anspruch 12 oder 13 zur Brandhemmung eines Gebäudes,
optional zur Verringerung des Temperaturanstiegs auf einer von einem Brand abgewandten
Seite des Stützelements (2).