[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Auftragung von Lacken auf Holzoberflächen
mit Walzen.
Stand der Technik
[0002] Lackauftrag auf Holzoberflächen (Vollholz, furnierte Holzwerkstoffe) kann durch unterschiedliche
Verfahren erfolgen. Bekannt sind insbesondere im Bereich der Lackaufbringung im industriellen
Maßstab sowohl Spritz-, Gieß- als auch Walzverfahren. Am häufigsten werden Spritzverfahren
eingesetzt, da hierbei alle Formen und Farben verarbeitet werden können. Nachteile
wie hohe Lackverluste etc. werden in Kauf genommen. Bei Gießverfahren durchlaufen
im wesentlichen ebene und wenig geformte Substrate einen Lackvorhang, um so einen
gleichmäßigen Lackauftrag zu sichern. Dieses Verfahren wird beispielsweise zur Erzielung
von qualitativ hochwertigen glatten Decklackaufträgen eingesetzt, beispielsweise bei
der industriellen Fertigung von Türen und Möbelfronten. Walzenauftragungsverfahren
werden bei der Beschichtung von planen Substraten eingesetzt. Der Lack wird dabei
typischerweise mittels einer rotierenden Gummiwalze (Auftragswalze) auf das Substrat
aufgetragen. Die Dosierung erfolgt mithilfe einer Dosierwalze und /oder durch Einstellung
von Anpressdruck der Gummiwalze bzw. Spaltbreite zwischen Dosier- und Auftragswalze.
Der Lackauftrag kann bei Walzenauftragungsverfahren in gleichlaufender oder gegenlaufender
Weise betrieben werden. Beide Systeme können auch in Kombination eingesetzt werden.
So wird in einem ersten gleichlaufenden Walzenauftragungsschritt der Lack auf das
Substrat aufgebracht, so dass sich insbesondere Holzporen und Furnierfugen gefüllt
werden. Im darauffolgenden gegenlaufenden Walzenauftragungsschritt wird die aufgetragene
Lackschicht optimal geglättet, so dass hochwertige, strukturfreie, glatte Oberflächen
erhalten werden.
[0003] Holzoberflächen sollen heute wie unbehandeltes Holz aussehen, jedoch die Beständigkeit
und die Güte von lackierten oder von Kunststoffoberflächen aufweisen. Dieses kann
nur erreicht werden, wenn die verwendeten Lacke einen hohen Mattgrad aufweisen und
die Holzoberfläche fehlerfrei und vollständig umschließen. Bei der Beschichtung von
offenporigem Holz (insbesondere gebürstete Eiche) ist die Beschichtung der tiefen
Poren problematisch. Entweder ist die Pore in der Tiefe auch nach der Lackierung nicht
benetzt und damit ungeschützt, oder die Pore ist vollständig mit Lack gefüllt und
die Holzoberfläche lässt keine Porenstruktur mehr erkennen. Ähnliches gilt auch bei
strukturierten Oberflächen, bei denen konventionelle Lackauftragungen dazu führen
können, dass entweder Teilbereiche nicht oder nur ungenügend mit Lack bedeckt werden
oder durch einen übermäßig starken Lackauftrag die Strukturierung der Oberfläche verlorengeht.
Ziel der Erfindung
[0004] Die vorliegende Erfindung stellt sich also die Aufgabe, ein Verfahren zur Beschichtung
von Holz oder Holzwerkstoffen mit offenen Poren und/oder Strukturierung zur Verfügung
zu stellen, bei dem auch nach dem Beschichten die Porenstruktur bzw. die Strukturierung
optisch sichtbar bleibt, obwohl die Poren durch einen geschlossenen Lackfilm versiegelt
und gegen Eindringen von Feuchtigkeit oder Schmutz geschützt sind bzw. alle Bereiche
der strukturierten Oberfläche mit einem geschlossenen Lackfilm versiegelt sind. Insbesondere
betrifft die vorliegende Erfindung die Beschichtung von Substraten mit offenen Poren,
wodurch die Poren so mit Lack gefüllt werden, dass sie den Anforderungen an eine lackierte
Holzoberfläche (z. B. DIN EN 68861-1 Möbeloberflächen, Verhalten bei chemischer Beanspruchung)
genügen, aber trotzdem eine optisch offene Porenstruktur sichtbar bleibt.
Kurze Beschreibung der Erfindung
[0005] Diese Aufgabe wird durch das Verfahren nach Anspruch 1 gelöst. Bevorzugte Ausführungsformen
finden sich in den Unteransprüchen 2 bis 15 sowie in der nachfolgenden Beschreibung.
Kurze Beschreibung der Figuren
[0006] Figuren 1 a) und 1 b) zeigen schematisch Teilbereiche einer Lackauftragungsvorrichtung,
geeignet zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
[0007] Die Erfindung stellt also ein Verfahren zur Beschichtung von Substraten (Holz- oder
Holzwerkstoffe) zur Verfügung, wie in Anspruch 1 definiert. Bevorzugte Ausgestaltungen
sind in den Unteransprüchen und der nachfolgenden Beschreibung angegeben. Anwendungsmöglichkeiten
sind die Beschichtung plattenförmiger Werkstoffe mit einer strukturierten oder porenhaltigen
Oberfläche, wie z. B. Parkett, furnierte Spanplatten oder Faserplatten (MDF- oder
HDF-Platten). Häufig ist das Holzmaterial der zu beschichtenden Oberfläche Eiche oder
Esche. Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich insbesondere zur Beschichtung von
Eichenparkett und Eichenfurnieren.
[0008] In Ausführungsformen kann dieses Verfahren die folgenden Verfahrensschritte umfassen:
- a) Bereitstellen eines Substrats (z.B. in der Form einer Trägerplatte aus Holz oder
Holzwerkstoff) mit offenen Poren und/oder einer strukturierten Oberfläche. Mit einer
Beschichtungsvorrichtung zum Auftrag von Lack, wie schematisch in Figur 1 a) gezeigt,
kann auf ein derartiges Substrat eine Versiegelungsschicht aufgebracht werden. Der
Ausdruck Versiegelungsschicht bezeichnet dabei z.B. eine Lackschicht, die das Substrat
vollständig beispielsweise gegenüber dem Einfluss von Wasser schützt. Aufgetragen
wird dabei üblicherweise eine Formulierung geeigneter Zusammensetzung, die nach einer
zusätzlichen Behandlung, wie einer Aushärtung die endgültige Versiegelungsschicht
ergibt.
- b) Aufbringen einer Versiegelungsschicht (z. B. ein UV härtender Lack) mittels einer
Walze A. Dazu wird beispielsweise, wie in Figur 1 a) schematisch gezeigt, das Substrat
in der durch den Pfeil gezeigten Transportrichtung mit der Auftragswalze A in Kontakt
gebracht. Die Dosierung des Materials für die Versiegelungsschicht kann durch die
ebenfalls gezeigte Dosierwalze (in der Figur links neben der Walze A) erfolgen. Diese
Walze A kann wie in den Ansprüchen angegeben ausgestaltet sein, d.h. in Übereinstimmung
mit einer der Varianten b), b1) und b2).
- c) vorzugsweise Verteilen der Versiegelungsschicht mittels einer Walze B. (dies kann
die Benetzung der Holzpore bis in die Tiefe durch überschüssiges Versiegelungsmaterial
verbessern). In Figur 1 a) ist diese Spachtelwalze B rechts neben der Auftragungswalze
gezeigt. Diese Walze ist, wie schematisch gezeigt, vorzugsweise in unmittelbarer Nähe
zur Walze A vorgesehen. Diese Walze kann auch dazu dienen, bereits einen Teil des
aufgebrachten Materials der Versiegelungsschicht zu entfernen. Geeignete Ausgestaltungen
sowohl der Walze A als auch der Walze B sind dem Fachmann bekannt. Die Kombination
von Auftragswalze, Walze A und B ist auch als Spachtelmaschine bekannt. Ebenso kann
eine Reversmaschine an dieser Stelle verwendet werden.
- d) Teilweises Entfernen der Versiegelungsschicht aus den Poren mittels einer Walze
C (hierdurch wird die Poren-Struktur des Holzes wieder sichtbar). Diese Walze, gezeigt
in Figur 1 b) ist vorzugsweise als Glattwalze ausgestaltet. Auch hier kann vorzugsweise
erneut eine Dosierwalze in Kombination mit der Walze C vorgesehen werden, wobei die
Auftragungsmenge des Materials für die Versiegelungsschicht hier so eingestellt ist,
dass lediglich ein Minimalauftrag erfolgt, so dass in Summe Material entfernt wird.
Auch in Figur 1 b) ist die Transportrichtung des Substrats durch den Pfeil angegeben.
- e) Behandlung der Versiegelungsschicht mit einer Bürstenwalze. Diese Behandlung kann
bei allen Varianten b) und/oder b1) und/oder b2) der Verfahrensführung gemäß Anspruch
1 durchgeführt werden. Diese ist allerdings nicht zwingend notwendig. Diese zusätzliche
Behandlung führt zu einer Egalisierung der Versiegelungsschicht durch eine weitere
Verteilung des Materials der Versiegelungsschicht auf der Oberfläche, so dass kleinere
"Unebenheiten" nivelliert werden. Dadurch wird insbesondere das Bild der Porenstruktur
besonders gleichmäßig. Geeignete Bürstenwalzen sind dem Fachmann auf dem Gebiet der
Lackauftragung bekannt. Eine bevorzugte Bürstenwalze ist eine Sisalbürste.
- f) Aushärten der Versiegelungsschicht, z. B mit UV-Licht.
[0009] Überraschenderweise hat sich gezeigt, dass durch den Einsatz einer zusätzlichen Walze
C ein Teil der in die Poren eingedrungene Lackmenge vor der Aushärtung einfach wieder
entfernt werden kann, ohne dass die Versiegelung der Poren als solches beeinträchtigt
wird, so dass die gewünschte offenporige Struktur erhalten wird. Nach Aushärten der
Versiegelungsschicht ist die Pore zwar in der Tiefe benetzt und damit wasserdicht
beschichtet, trotzdem ist die Porenstruktur sichtbar und entspricht optisch einer
natürlichen Holzoberfläche. Die oben genannte Aufgabe wird also durch die Verwendung
einer zusätzlichen Walze im Beschichtungsverfahren gelöst. Diese Walze entfernt überschüssigen
Lack aus der Holzpore nachdem diese vollständig mit Lack gefüllt wurde. Erfindungsgemäß
kann eine Walze C oder mehrere, also 2 oder mehr, zum Einsatz kommen.
[0010] Die aufzubringenden Mengen an Material für die Versiegelungsschicht hängen von der
Viskosität des Lackes, der Vorschubgeschwindigkeit der Walzen, sowie der Saugfähigkeit
bzw. Porosität des Untergrundes ab. Ein Fachmann kann die erfindungsgemäß notwendigen
Einstellungen und Verfahrensparameter durch einfache Vorversuche ermitteln, um eine
erfindungsgemäße Versiegelung auf unterschiedlichen Substraten zu erreichen. Wesentlich,
wie bereits ausgeführt und auch durch das nachfolgende Beispiel belegt, ist der Einsatz
der Walze C, um in die Poren eingedrungenes Material für die Versiegelungsschicht
vor der Aushärtung zu entfernen, um so die Struktur/Offenporigkeit sichtbar zu machen,
ohne die Versiegelung nachteilig zu beeinträchtigen. Im Rahmen der zur vorliegenden
Erfindung führenden Untersuchungen hat sich in diesem Zusammenhang gezeigt, dass der
Einsatz der Walze C kritisch ist (und nicht die letztendlich verbleibende Auftragungsmenge),
da beispielsweise Vergleichsuntersuchungen lediglich mit Walze A und/oder mit Walze
A und B (bei gleicher verbleibenden Auftragungsmenge) nicht den erfindungsgemäßen
Effekt zeigt.
[0011] Geeignete Materialien zur Bereitstellung einer Walze A mit einer Shore A- Härte von
kleiner 80, bevorzugt kleiner 20, besonders bevorzugt kleiner 10, sind beispielsweise
Elastomere oder Thermoplaste, ggf. adaptiert durch den Einsatz geeigneter Additive,
wie Weichmacher (die eingesetzt werden können, so lange sie den Auftrag an Material
für die Versiegelungsschicht nicht stören), um so eine ausreichend weiche Oberfläche
zu ergeben.
[0012] Für die einzelnen oben genannten oder in den Ansprüchen aufgeführten Verfahrensschritte
können folgende Ausführungsformen insbesondere Anwendung finden (jeweils einzeln oder
in Kombination):
- a) Das bereitgestellte Substrat ist bevorzugt aus Eiche oder ein Holzwerkstoff mit
einer Holzoberfläche aus Eiche (Furnier). Vor dem Lackauftrag kann dieses bevorzugt
aber auch jedes andere hier beschriebene Substrat bekannten Oberflächenbehandlungen
unterworfen werden, wie einer Schleifbehandlung (z.B. Rohholzschliff z. B. 120, 150,
180). Die zu beschichtende Oberfläche kann auch mit einem Haftprimer oder einer Beize
vorbehandelt sein.
- b) Das Aufbringen einer Versiegelungsschicht (z. B. ein UV härtender Lack), bevorzugt
mit einer typischen Lackauftragungsmenge von 10-200 g/m2, stärker bevorzugt 60 bis 120 g/m2, kann mittels einer Spachtelmaschine erfolgen (Auftragswalze A und Spachtelwalze
B) oder ähnlichem Verfahren (Reversmaschine). Dieser Materialauftrag wird hier auch
als Auftrag eines Materials für die Versiegelungsschicht bezeichnet. Hierdurch wird
mit viel überschüssigem Material (Lack) die Oberfläche beschichtet, so dass die Versieglung
der Pore gesichert ist. Insbesondere wird durch die zweite Walze B gesichert, dass
eine ausreichende Menge des Lacks in die Poren eindringt. In einer Ausführungsform
dient diese zweite Walze lediglich dazu, das Eindringen des Materials für die Versiegelungsschicht
in die Poren des Substrats zu sichern. Bevorzugt wird diese Behandlung allerdings
so durchgeführt, dass gleichzeitig bereits eine gewisse Menge des aufgebrachten Lacks
wieder entfernt wird. Dem Fachmann sind die dazu notwendigen Einstellungen für die
zweite Walze bekannt, bzw. er kann diese durch einfache Vorversuche herausfinden.
In dieser bevorzugten Ausführungsform werden etwa 10 bis 40%, bevorzugt 15 bis 25%
der durch die Walze A aufgetragenen Beschichtungsmenge wieder entfernt. So kann eine
ausreichende Benetzung der Poren gesichert aber gleichzeitig die erfindungsgemäß gewünschte
lebendige Struktur des beschichteten Substrats gesichert werden. Eine derartige Entfernung
einer gewissen Menge an Lack kann durch eine Spachtelwalze erfolgen (die auch geeignet
ist das Eindringen des Materials für die Versiegelungsschicht in die Poren zu erreichen),
die optional mit geeigneten weiteren Vorrichtungen ausgestaltet ist, um die entfernte
Lackmenge (Material für die Versiegelungsschicht) aufzunehmen (also zu verhindern,
dass diese wieder mit dem Substrat in Kontakt kommt).
- c) In der Verfahrensvariante mit einer weichen Walze A mit der Shore A Härte von 80
oder weniger, wie vorstehend beschrieben, ist die Aufgabemenge an Material für die
Versiegelungsschicht wie vorstehend unter b) beschrieben. Dies gilt auch für die erfindungsgemäße
Variante b2), bei der die Gesamtauftragsmenge durch die unterschiedlichen Walzen A
sowie ggf. B aufgebracht wird.
- d) Das (ggf. weitere, d.h. zusätzlich zur Entfernung durch Walze B) teilweise Entfernen
der Versiegelungsschicht aus den Poren erfolgt bevorzugt mittels mindestens einer
Glattwalze C. Diese ist typischer Weise so eingestellt, dass sie das gleiche Material
(z. B. ein UV härtender Lack) wie die Auftragungswalze (z.B. die Spachtelmaschine)
aufträgt, aber auf minimalste Auftragsmenge eingestellt ist. Effektiv wird dadurch
nun überschüssiges Material aus den Poren wieder entfernt und die Poren-Struktur des
Holzes wieder sichtbar. In einer bevorzugten Ausführungsform, wenn bereits durch Walze
B eine gewisse Menge des Materials für die Versiegelungsschicht wieder entfernt wurde,
werden dabei etwa 5 bis 30% der ursprünglichen Auftragsmenge (Walze A), bevorzugt
10 bis 20% entfernt. Auch hier sind die spezifische Ausgestaltung des Verfahrens und
die Ausgestaltung der notwendigen Vorrichtung (beispielsweise der Glattwalze) dem
Fachmann bekannt bzw. er kann diese durch einfache Vorversuche einstellen. Wurde durch
die Walze B kein Material entfernt kann die durch die Walze C zu entfernende Materialmenge
auch höher sein (durch geeignete Einstellungen). Geeignete prozentuale Werte für die
Materialentfernung sind 15 bis 70%, bevorzugt 25 bis 45%. Alternativ kann auch eine
zweite Walze C vorgesehen werden, wobei die durch die Walzen C jeweils zu entfernenden
Materialmengen gleich oder verschieden sein können. Kommen beispielsweise 2 Walzen
C zum Einsatz so werden diese bevorzugt so eingestellt, dass die prozentualen Werte
für die Materialentfernung kumuliert wie vorstehend beschrieben sind. Die Walzen C
können so eingestellt, werden, dass jeweils gleiche Mengen entfernt werden, es ist
allerdings auch möglich, dass unterschiedliche Mengen entfernt werden. Dabei ist es
bevorzugt, wenn die erste Walze C mehr Material entfernt als die zweite Walze C.
- e) Zusätzlich zur Versiegelungsschicht kann auch die Auftragung weiterer Schichten
erfolgen wie beispielsweise Decklackschichten, Effektlackschichten etc. Diese werden
bevorzugt nach vollständiger Aushärtung der Versiegelungsschicht aufgebracht. Geeignete
Materialien und Aufbringungsweisen sind dem Fachmann bekannt.
- f) Sowohl die Versiegelungsschicht als auch die optionalen weiteren Schichten können
zusätzlichen Behandlungen unterworfen werden. Ein Beispiel dafür ist eine Mattierbehandlung,
die vorzugsweise vor der vollständigen Aushärtung der Schicht durchgeführt wird. Diese
wird bevorzugt unter Einsatz eines 172 nm Excimerlasers durchgeführt. Dies hat den
Vorteil, dass ohne den Einsatz von Mattieradditiven eine Mattierung erfolgt, die auf
der Mikrostrukturierung der Oberfläche der behandelten Schicht beruht. Geeignet ist
eine derartige Mattierungsbehandlung bei Materialien z.B. für die Versiegelungsschicht,
die gegenüber dem Laser reaktiv sind, beispielsweise Acrylate, die bei einer derartigen
Behandlung eine Vernetzungsreaktion zeigen. Die Mattierung mit einem Excimerlaser
hat darüber hinaus den Vorteil, dass dieser Schritt gut mit einer Aushärtung durch
UV-Bestrahlung etc. kombiniert werden kann. Derartige Mattierungen ergeben zudem sehr
gut reproduzierbare, identische Oberflächeneigenschaften. Die erhaltenen mattierten
Oberflächen sind häufig besonders angenehm im Hinblick auf ihre Haptik, vorteilhaft
im Hinblick auf Anti-fingerprint Eigenschaften und es lassen sich sehr gute Mattierungseffekt
einstellen, bei sehr niedrigen Glanzgraden.
- g) Das Aushärten der Versiegelungsschicht erfolgt in konventioneller Art und Weise,
z. B mit UV-Licht (meistens Quecksilberdampflampe, 80-120 W/cm) bei Einsatz eines
UVhärtbaren Lacks. Derartige Lacke und damit die Aushärtung mit UV-Licht ist erfindungsgemäß
bevorzugt, da so sehr schnell ein strapazierbarer fester Lackfilm erhalten werden
kann. Die Aushärtung kann bei Einsatz anderer Lacktypen variieren, so können thermisch
aushärtende Lacke beispielsweise mittels IR-Bestrahlung ausgehärtet werden. Der Fachmann
kann dabei auf sein allgemeines Fachwissen zurückgreifen.
[0013] Besonders bevorzugte Ausgestaltungen des Verfahrens sind wie folgt:
- (1) Auftrag mit einer Walze A mit einer Shore A Härte von 80 oder weniger und Einsatz
einer Walze B.
- (2) Auftrag mit zwei Walzen A und B und Einsatz einer Bürstenwalze.
- (3) Wie (1) mit einem Einsatz einer Bürstenwalze.
- (4) Wie (1), (2) oder (3), zusätzlich mit einer Mattierbehandlung für die Versiegelungsschicht
mit einem 172 nm Excimerlaser.
- (5) Wie (1), (2), (3) oder (4), zusätzlich mit der Aufbringung mindestens einer weiteren
Schicht auf die Versiegelungsschicht.
Beispiel
[0014] Auf Eichenholzparkett (fertig geschliffen, Schliff 180, entstaubt) wurde ein Haftprimer
(z. B. Hesse HUW 8831) mit einer Beschichtungsmenge von 10-15 g/m
2 aufgebracht, anschließend wurde vollständig getrocknet. Durch eine Walze A wurde
ein UV-Lack (z. B. Hesse UG 7328) bei einer Aufbringmenge von ca 50 g aufgebracht.
Durch Einsatz einer Spachtelwalze B wurden 10-15 g entfernt aber gleichzeitig eine
gute Eindringtiefe des aufgetragenen Lacks in die Poren gesichert, so dass eine Auftragungsmenge
von 35-40 g/m
2 verblieb, was die Porenstruktur teilweise sichtbar machte, jedoch noch nicht in einem
ausreichenden Maß. Durch den Einsatz einer Glattwalze C wurden weitere 5-10 g entfernt,
so dass eine Beschichtungsmenge von ca 30 g/m
2 verblieb. Anschließend wurde die Schicht mit einer Sisalwalze behandelt. Die Porenstruktur
war gut sichtbar. Anschließend erfolgte eine Aushärtung durch UV Bestrahlung (3 Hg-Strahler
80 W/cm) bei 18m/min Vorschub. Es wurde eine qualitativ hochwertige Lackbeschichtung
erhalten, die Poren waren versiegelt aber die Porenstruktur, wie erwünscht sichtbar.
Ein Vergleichsbeispiel mit einem Lackauftrag von 30 g/m
2 in einem Verfahren ohne Einsatz einer Glattwalze (gleiche Beschichtungsmenge) ergab
eine unzureichende und ungleichmäßige Lackbeschichtung. Es konnte keine sichere Versiegelung
der Poren erreicht werden und die offenporige Struktur war nicht wie gewünscht gleichmäßig
sichtbar (teilweise vollständig glatter Lackfilm, der keine Porenstruktur sichtbar
ließ).
[0015] Das erfindungsgemäß versiegelte Parkett wurde im Hinblick auf Versiegelung der Poren
evaluiert, um sicherzustellen, dass das erfindungsgemäß behandelte Parkett nicht nur
die Porenstruktur sichtbar lässt sondern auch eine zuverlässige und vollständige Versiegelung
ermöglicht.
Testergebnisse:
[0016]
∘ keine Anfärbung der Pore durch Methylenblau-Lösung
∘ keine Verfärbung (Benetzung) des Holzes nach Wassertest, z.B. für 16 h
∘ Dies beweist die zuverlässige und vollständige Versiegelung bis in die Tiefen der
Poren hinein.
1. Verfahren zur Beschichtung von Substraten mit offenen Poren und/oder Substraten mit
einer strukturierten Oberfläche, umfassend die folgenden Verfahrensschritte:
a) Bereitstellen eines Substrats mit offenen Poren und/oder einer strukturierten Oberfläche
b) Aufbringen einer Versiegelungsschicht, bevorzugt mittels Walzen A und B (wie in
einer Spachtel- oder Reversmaschine) oder b1) durch nur eine Walze A, wobei diese
Walze A eine Shore A Härte von 80 oder weniger aufweist, oder b2) durch eine Kombination
aus Walze A mit einer Shore Härte A von 80 oder weniger und dann einer Kombination
aus Walze A und Walze B gemäß Variante b).
c) teilweises Entfernen der Versiegelungsschicht aus den Poren und/oder von der strukturierten
Oberfläche mittels mindestens einer Walze C, und
d) Behandeln der Versiegelungsschicht mit einer Bürstenwalze.
2. Verfahren nach Anspruch 1, weiter umfassend die Härtung und/oder Trocknung der Versiegelungsschicht.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, wobei die Menge an Material für die Versiegelungsschicht
mittels einer Dosierwalze gesteuert wird.
4. Verfahren nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, wobei die Versiegelungsschicht
ein UV-Lack ist.
5. Verfahren nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, wobei eine Walze A zum
Aufbringen der Versiegelungsschicht zum Einsatz kommt, wobei diese Walze A eine Oberflächenhärte
Shore A (ISO 7619-1) von 80 oder weniger aufweist.
6. Verfahren nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, wobei Walze C eine Glattwalze
ist und/oder wobei zwei Walzen C verwendet werden.
7. Verfahren nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, wobei das Substrat ausgewählt
ist unter Parkett, furnierten Spanplatten oder Faserplatten (MDF- oder HDF-Platten)
und/oder wobei das Substrat ein Substrat mit offenen Poren ist, vorzugsweise ein Substrat
mit einer Oberfläche aus Eichenholz.
8. Verfahren nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, wobei die Auftragungsmenge
an Versiegelungsschicht von 10 bis 200, bevorzugt von 60 - 120 g/m2 beträgt.
9. Verfahren nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, wobei das Substrat vor
der Bereitstellung einer Vorbehandlung unterworfen wird, ausgewählt unter Primerauftrag
und/oder Beizeauftrag und/oder Grundierung und/oder Schleifbehandlung.
10. Verfahren nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, wobei durch Walze B bereits
10 bis 40% der aufgebrachten Menge des Materials für die Versiegelungsschicht wieder
entfernt werden.
11. Verfahren nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, wobei durch die Walze(n)
C von 5 bis 30% der aufgebrachten Menge des Materials für die Versiegelungsschicht
wieder entfernt werden.
12. Verfahren nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, wobei die erhaltene versiegelte
Holzoberfläche den Erfordernissen der DIN EN 68861-1 entspricht.
13. Verfahren nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, wobei die Bürstenwalze
eine Sisalbürste ist.
14. Verfahren nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, weiter umfassend die Auftragung
weiterer Schichten auf die Versiegelungsschicht, vorzugsweise nach Aushärtung der
Versiegelungsschicht.
15. Verfahren nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche, weiter umfassend die Behandlung
der Versiegelungsschicht und/oder der weiteren Schichten, wie Decklackschichten, mit
einem Excimerlaser, vorzugsweise einem 172 nm Excimerlaser.