[0001] Die vorliegende Schrift betrifft eine Vorrichtung, ein Verfahren, eine Signalaufbereitungseinheit,
Daten zur akustischen Wiedergabe, ein Schallwandler, insbesondere ein Kopfhörer oder
ein Ohrhörer, und ein Softwareprodukt zur Verbesserung einer Schallwiedergabe.
[0003] Aus dem Stand der Technik sind Probleme bei der Wiedergabe von Schallsignalen über
Kopfhörer bekannt, sodass wenn Schallereignisse über Kopfhörer abgestrahlt werden,
diese Schallereignisse vom menschlichen Gehör unter bestimmten Bedingungen deutlich
anders wahrgenommen als bei vom Ohr entfernten Schallquellen wie z.B. Lautsprecher.
Trotz Anwendung von Außenohrübertragungsfunktionen kann es zu räumlichen Abbildungsfehlern
(Elevationswinkel) kommen, wenn sich die Schallquelle in der Medianebene (gedachte
Ebene senkrecht zwischen den Ohren) des Hörers befindet. Bei solchen korrelierten
Signalen fehlen dann interaurale Pegel und Laufzeitunterschiede. Insbesondere bei
vorne befindlichen Schallquellen werden die Schallsignale oft im Kopf oder sehr nah
am Kopf wahrgenommen (sogenannte Im-Kopf- Lokalisation). Die IKL tritt häufig in Verbindung
mit einer störenden Elevation auf (Lokalisation oben im Kopf). Nur durch technisch
aufwendige optische Unterstützung oder durch Headtracking können diese Probleme bisher
verbessert werden. Weitere Abbildungsfehler betreffen die wahrgenommene Lautstärke
von Schallsignalen, die über Kopfhörer abgestrahlt werden. Gegenüber entfernten Schallquellen
werden Kopfhörer unter Umständen als leiser wahrgenommen, obwohl der Schalldruckpegel
gleich ist. Es hat sich gezeigt, dass dieser sogenannte SLD-Effekt (Sound Pressure
Loudness Divergenz) stets zusammen mit der Im-Kopf-Lokalisation auftritt.
[0004] Somit liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde die obigen Probleme zu
beheben oder zumindest zu verringern, um eine verbesserte Schallwiedergabe zu realisieren.
[0005] Die hier gestellte Aufgabe wird erfindungsgemäß durch den Gegenstand von Anspruch
1 gelöst.
[0006] Im Folgenden wird eine nicht beanspruchte Vorrichtung zur akustischen Wiedergabe
vorgeschlagen, wobei die Vorrichtung versehen ist mit einem ersten elektroakustischen
Schallwandler zum Erzeugen eines Schallfeldes und wobei der erste elektroakustische
Schallwandler einen Eingang zum Empfangen eines elektrischen Signals zum Erzeugen
des entsprechenden Schallfeldes aufweist, wobei die Vorrichtung dadurch gekennzeichnet
ist, dass weiter eine Einrichtung vorgesehen ist, welche eingerichtet ist eine akustische
Wechselwirkung mit dem erzeugten Schallfeld des ersten elektroakustischen Schallwandlers
einzugehen, um ein modifiziertes Schallfeld zu erzeugen und wobei vorgesehen ist,
dass das modifizierte Schallfeld einen vorbestimmten akustischen Impedanzwert aufweist.
[0007] Die Einrichtung kann zumindest ein akustischer Resonator und/oder zumindest ein weiterer
elektroakustischer Schallwandler sein. Somit wird ein elektroakustischer Schallwandler
entweder in Zusammenarbeit mit zumindest einem weiteren elektroakustischen Schallwandler
oder in Zusammenarbeit mit zumindest einem Resonator vorgeschlagen. Hierbei gilt für
beide der vorgenannten Varianten, dass eine akustische Wechselwirkung darauf gerichtet
ist, ein modifiziertes Schallfeld zu erzeugen, sodass das modifizierte Schallfeld
einen vorbestimmten akustischen Impedanzwert aufweist. Alternativ ist vorgesehen,
dass beide der vorgenannten Varianten eingerichtet sind, unterschiedliche Impedanzwerte
bzw. variable Impedanzwerte für das modifizierte Schallfeld einzustellen.
[0008] Der erste elektroakustischer Schallwandler und/oder der weitere elektroakustische
Schallwandler kann eingerichtet sein, ein elektrisches Signal in Abhängigkeit einer
Impedanzinformation zu empfangen und in ein akustisches Signal umzusetzen damit durch
die entsprechende akustische Wechselwirkung das modifizierte Schallfeld einen vorbestimmten
akustischen Impedanzwert aufweist.
[0009] Der akustische Resonator kann als Ausnehmung, Loch oder als Helmholtzresonator ausgeführt
sein, wobei diese insbesondere am Gehäuse der Vorrichtung, insbesondere im inneren
und/oder äußeren Gehäusebereich realisiert ist.
[0010] Der erste elektroakustische Schallwandler und/oder der weitere elektroakustische
Schallwandler und/oder der akustische Resonator kann mittels eines entsprechenden
elektrischen Signals steuerbar sein, um unterschiedliche akustische Impedanzwerte
im modifizierten Schallfeld einzustellen. Hierbei kann die Steuerung entweder direkt
über das einzuspeisende elektrische Audiosignal und/oder über eine gesonderte Signalisierung
erfolgen.
[0011] Ferner wird eine der Vorrichtungen der obigen Art vorgeschlagen, wobei die Vorrichtung
eine Messeinheit, insbesondere ein Mikrofon zum Messen eines Schallfeldparameters
aufweist, um daraus einen gegebenen Impedanzwert im Schallfeld ableiten zu können,
um ein Erzeugen eines anschließenden elektrischen Anpassungssignals zu ermöglichen.
Hierbei wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine oder mehrere der erfindungsgemäß
vorgeschlagenen Ausführungsformen eingerichtet sind, über eine Regelschleife aktiv
eine Messung vorzunehmen, um einen aktuellen Impedanzwert im Schallfeld zu messen,
um eine anschließend Nachregelung durch Generieren eines geeigneten Signals zu realisieren.
[0012] Die Vorrichtung ist als Kopfhörer oder als Ohrhörer ausgeführt. Insbesondere kann
ein entsprechendes Gehäuse zum Aufnehmen der Vorrichtung vorgesehen, sowie als Helm
ausgeführt sein.
[0013] Des Weiteren wird eine Vorrichtung vorgeschlagen wobei die Position und/oder die
Ausrichtung des ersten elektroakustischer Schallwandlers und/oder des weiteren elektroakustischen
Schallwandlers und/oder des akustischen Resonators veränderbar ausgeführt ist und
insbesondere mittels eines geeigneten elektrischen Signals verändert und bedarfsweise
eingestellt werden kann. Hierbei ist insbesondere eine Variabilität in der Position
und/oder Ausrichtung eines Schallwandlers oder Resonator zu verstehen. Weiter kann
im Falle eines Resonators der Frequenzgang und/oder die Schwingmasse steuerbar ausgestaltet
sein.
[0014] Gemäß einem weiteren Aspekt wird eine Signalaufbereitungseinheit zum Aufbereiten
von Signalen zur akustischen Wiedergabe vorgeschlagen, welche dazu eingerichtet ist,
in Abhängigkeit eines ersten Signals, welches zum Erzeugen eines ersten Schallfeldes
vorgesehen ist, ein weiteres Signal zur akustischen Wechselwirkung mit dem ersten
Schallfeld aufzubereiten, um ein modifiziertes Schallfeld zu erzeugen, wobei vorgesehen
ist, dass das modifizierte Schallfeld einen vorbestimmten akustischen Impedanzwert
aufweist.
[0015] Ferner wird eine Signalaufbereitungseinheit vorgeschlagen, wobei die Signalaufbereitungseinheit
in Abhängigkeit von zumindest einem Schalldrucksignal und/oder einer Schallschnelle
des ersten Signals einen Faktor bereitstellt, um ein modifiziertes Schallfeld zu erzeugen,
wobei vorgesehen ist, dass das modifizierte Schallfeld einen vorbestimmten akustischen
Impedanzwert aufweist.
[0016] Ferner wird eine Signalaufbereitungseinheit vorgeschlagen, wobei das Schalldrucksignal
und/oder die Schallschnelle mittels einer Messung, insbesondere mittels von zumindest
einem Mikrofon abgeleitet wird.
[0017] Ferner wird eine Signalaufbereitungseinheit vorgeschlagen, wobei die Signalaufbereitungseinheit
eingerichtet ist, ein Impedanzsignal aufzubereiten, damit das Impedanzsignal einem
Schallwandler bereitgestellt werden kann.
[0018] Ferner wird eine Signalaufbereitungseinheit vorgeschlagen, wobei das modifizierte
Schallfeld einen zeitlich vorbestimmten variablen akustischen Impedanzwert aufweist.
[0019] Ferner wird eine Signalaufbereitungseinheit vorgeschlagen, wobei die Signalaufbereitungseinheit
eingerichtet ist, weitere relevante akustische Parameter, insbesondere geometrische
Parameter eines Kopfhörers oder eines Ohrhörers zu verarbeiten, um für das modifizierte
Schallfeld den vorbestimmten akustischen Impedanzwert einzustellen. Ferner werden
Daten zur akustischen Wiedergabe vorgeschlagen, welche Datenelemente zur akustischen
Wechselwirkung mit einem ersten Schallfeld aufweisen, wobei die Datenelemente eingerichtet
sind, ein modifiziertes Schallfeld zu erzeugen, wobei vorgesehen ist, dass das modifizierte
Schallfeld einen vorbestimmten akustischen Impedanzwert aufweist.
[0020] Ferner werden Daten vorgeschlagen, wobei die Datenelemente eingerichtet und derart
ausgestaltet sind, in ein entsprechendes elektrisches Signal umgesetzt zu werden,
um in einem späteren Schritt von einem akustischen Resonator und/oder von zumindest
einem elektroakustischen Schallwandler wiedergegeben zu werden.
[0021] Die Datenelemente können eine Impedanzinformation aufweisen.
[0022] Ferner werden Daten vorgeschlagen, wobei die Daten Steuerdaten zum Steuern des akustischen
Resonators und/oder des zumindest einem elektroakustischen Schallwandlers beinhalten.
[0023] Ferner werden Daten vorgeschlagen, wobei die Daten mittels einer der obigen Signalaufbereitungseinheiten
erzeugt werden.
[0024] Ferner wird eine Verarbeitungsvorrichtung zum Verarbeiten und/oder Wiedergeben der
Daten vorgeschlagen, wobei die Daten einer der obigen Datenvarianten entsprechen und
wobei die Verarbeitungsvorrichtung insbesondere ein Smartphone, Notebook, Laptop,
Tablet-PC, Personal-Computer, Drahtlossender oder Server ist.
[0025] Ferner wird ein Schallwandler vorgeschlagen, wobei der Schallwandler zur Wiedergabe
eines erzeugten Signals mittels einer der oben vorgeschlagenen Signalaufbereitungseinheiten
und/oder von oben vorgeschlagenen Daten eingerichtet ist.
[0026] Ferner wird ein Softwareprodukt, welches auf einem Speichermedium gespeichert und
von einer elektronischen Datenverarbeitungseinheit verarbeitet werden kann zum Realisieren
einer der oben vorgestellten Signalaufbereitungseinheiten und/oder zur Erzeugung oder
zur Wiedergabe von oben vorgestellten Daten angepasst ist. Ferner wird ein Verfahren
zur akustischen Wiedergabe vorgeschlagen, wobei das Verfahren folgende Schritte aufweist:
Erzeugen eines ersten Schallfeldes und Erzeugen eines zweiten Signals zur akustischen
Wechselwirkung mit dem ersten Schallfeldes, um ein modifiziertes Schallfeld zu erzeugen,
wobei vorgesehen ist, dass das modifizierte Schallfeld einen vorbestimmten akustischen
Impedanzwert aufweist.
[0027] Somit ist vorgesehen, dass neben dem Schalldruck auch Informationen über die Schallfeldimpedanz
am Ohreingang berücksichtigt werden, um auch bei korrelierten Signalen aus der Medianebene
zuverlässig spektrale Informationen zur Schallquellen-Lokalisation zu erhalten. Solche
Impedanzinformationen kann das Gehör jedoch nur aus der Position des Trommelfells
am Ende des Gehörgangs durchführen.
[0028] Die Erfindung zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass ein Kopfhörer oder Ohrhörer
als Teil eines erfindungsgemäßen Systems nicht nur das Schalldrucksignal, sondern
auch die durch eine entfernte Schallquelle am Ohr erzeugte Schallfeldimpedanz am Ohr
nachbildet, um negative Phänomene wie die IKL oder SLD zu verbessern oder ganz zu
vermeiden. Im Unterschied zu der gegenwärtigen Binauraltechnik erhält der Kopfhörer
idealerweise damit kein Schalldrucksignal, das kopfbezogene Schalldruckfrequenzgänge
enthält, da sich diese bei richtig eingestellter Schallfeldimpedanz im Kopfhörer von
selbst einstellen. Die sogenannte Außenohrübertragungsfunktion (HRTF) beschreibt damit
nur noch die Beziehung zwischen den beiden Ohren. Im Folgenden wird das Verfahren
beschrieben, wie die für das Gehör als relevant angesehene Schallfeldimpedanz definiert
ist und wie diese gemessen werden kann.
[0029] Ferner wird ein Verfahren zur Messung kopfbezogener Schallfeldimpedanzen von Kopfhörern
vorgeschlagen.
[0030] Für die Entwicklung eines Kopfhörers ist ein Messverfahren notwendig, das anzeigt,
ob ein Kopfhörer eine hinsichtlich der Vermeidung von IKL und SLD relevante Schallfeldimpedanz
erzeugt. Das ist dann angezeigt, wenn das Messverfahren bei Kopfhörerbeschallung das
gleiche Ergebnis liefert wie bei Beschallung mit Lautsprecher. Das vorgeschlagene
Messverfahren erweitert das bekannte Verfahren zur Bestimmung der kopfbezogenen Schalldruck-Übertragungsfunktion
(Außenohrübertragungsfunktion, HRTF) um eine zweite Übertragungsfunktion, die eine
Information über die Schallfeldimpedanz enthält. Mit Hilfe eines geeigneten Kunstkopfes
an dessen Gehörgangenden sich je ein sogenanntes Impedanz-Mikrofon befindet, das in
der Lage ist, sowohl ein Druck-Signal als auch ein Schnellesignal einer Kraftquelle
zu liefern (siehe unten), kann ein Messprüfstand aufgebaut werden, der sowohl für
Lautsprecher als auch Kopfhörerbeschallung geeignet ist, um ein vom Schalldruck abhängiges
Signal S
p und ein vom Schalldruck und der Schallfeldimpedanz abhängiges Signal Sz zu bestimmen
(Figur 1).
[0031] Bei Lautsprecherbeschallung des Kunstkopfes durch das Signal S ergeben sich die Signale
S
p und Sz an den Ausgängen der Mikrofone für das linke und rechte Ohr. Diese Signale
sind abhängig von der Frequenz und vom Schalleinfallswinkel. Wird der Kunstkopf nun
mit den gleichen Signalen über einen Kopfhörer (mit evtl. Signalaufbereitung) beschallt,
werden die Signale S'
p und S'
Z gemessen.
[0032] Für einen Kopfhörer, der ebenfalls mit dem Signal S
p versorgt wird und der am Ohr einem Lautsprecher vergleichbare Schallfeldverhältnisse
nachzubilden, gilt:

[0033] Hierbei ist anzumerken, dass der Prüfstand für den Kopfhörer kein Kunstkopf sein
muss. Ein vergleichbares Messverfahren, das sich jedoch nur auf den Schalldruck beschränkt,
wird in der Binauraltechnik schon länger angewendet, um auch in Kopfhörern räumlich
wahrnehmbare Schallfelder zu erzeugen. Aus dem gemessenen Signal S
p kann eine Schalldruck-Übertragungsfunktion H
p bestimmt werden, die nicht mehr den Lautsprecherfrequenzgang enthält, indem man die
kopfbezogenen Signale auf die Drucksignale einer Freifeldmessung ohne Kopf bezieht:

[0034] H
p beschreibt die Schalldruckänderung durch Anwesenheit eines menschlichen Kopfes (Körper)
und die Beziehung zwischen den Ohren. Diese in der gegenwärtigen Binauraltechnik auch
als Außenohrübertragungsfunktion (oder HRTF) bezeichnete Funktion muss bei einem neuen
Kopfhörer mit Nachbildung der Schallfeldimpedanz jedoch um den Schalldruck korrigiert
werden, den diese Feldimpedanz selbst erzeugt. Im Idealfall enthält H
p dann nur noch interaurale Beziehungen.
[0035] Das Signal Sz ist neu und stellt gegenüber dem reinen Schalldrucksignal S
p erweiterte Informationen zum Schallfeld vor dem Ohr zur Verfügung. Es beschreibt
den akustischen Widerstand am Ohreingang eines menschlichen Kopfes, den eine im Ohrkanal
befindliche Kraftquelle Q spürt, wenn diese gegen ein äußeres Schallfeld eine Kraft
F
Q ausübt. Die Kraft F
Q wird mittels einer geeigneten Mechanik (ein nicht näher beschriebenes Mikrofon) aus
dem Druck im Ohrkanal abgeleitet und wirkt phasengenau mit dem Druck auf das Schallfeld
zurück. Aus diesem Grund ist das Signal Sz auch vom Schalldruck abhängig. Die Kraftquelle
Q ist dabei selbst der Kraft F
F des äußeren Schallfeldes ausgesetzt. Die Kraftquelle Q prägt somit eine Kraft D
FQ=F
Q- F
F in das Schallfeld ein und reagiert mit der Schnelle v
Q auf die Schallfeldimpedanz Z
F. Somit ist v
Q ganz allgemein eine Funktion vom Schalldruck p und von der Schallfeldimpedanz Z
F:

[0036] Ähnlich der kopfbezogenen Schalldruck-Übertragungsfunktion H
p kann aus dem Signal v
Q eine Impedanz-Übertragungsfunktion Hz ermittelt werden, indem man v
Q auf das Signal einer Freifeldmessung ohne Kopf bezieht:

[0037] Hz stellt somit eine Erweiterung der bisherigen kopfbezogenen Eigenschaften dar und
kann dazu benutzt werden die Eigenschaften von Kopfhörern bezüglich der akustischen
Schallfeldimpedanz vor dem Ohr zu charakterisieren.
[0038] Die Anwendung des beschriebenen Verfahrens zur Messung des Signals Sz kombiniert
mit einem Drucksensor wird hier als Impedanz-Mikrofon bezeichnet. Es ist in der Lage
sowohl ein Schalldrucksignal als auch ein von der Schallfeldimpedanz abhängiges Signal
zu liefern.
[0039] Mit Hilfe der 2-Mikrofon-Methode werden Schallfeldimpedanz-Messungen am Außenohr
einer Versuchsperson durchgeführt, um die Unterschiede bei der Beschallung mit Kopfhörern
und Lautsprechern zu charakterisieren. Dabei werden außerdem Zusammenhänge zu den
subjektiven Hörempfindungen IKL und SLD untersucht. Dabei hat sich herausgestellt,
dass eine Messung der X-Komponente der Schallfeldimpedanz die Unterschiede recht gut
abbildet und eine Vorstellung über die Größe und die Frequenz- und Winkelabhängig
der Schallfeldimpedanz vermittelt.
[0040] Diese Impedanzmessungen sind nicht identisch mit jenen, die aus dem Ohrkanal heraus
mit Impedanz-Mikrofonen und der oben beschriebenen Methode durchgeführt werden. Sie
gelten nur für eine Komponente des Schallfeldes vor dem Ohr.
[0041] Es werden weitere folgende Methoden zur Beeinflussung der Schallfeldimpedanz vor
dem Ohr in einem Kopfhörer oder Ohrhörer vorgestellt.
[0042] Für einen Kopfhörer oder Ohrhörer, der sich durch Verbesserung der Lokalisation in
der Medianebene auszeichnet, insbesondere betreffend die Vorneortung, sind die Schallfeldverhältnisse
vor dem Ohr eines menschlichen Kopfes bei Beschallung durch eine entfernte Schallquelle
modelliert werden. Im Idealfall werden an den Kopfhörer ein kopfbezogenes Impedanz-Signal
und ein frequenzunabhängiges Schalldrucksignal übergeben. Ein Schwingungswandler prägt
ein proportionales Schnellesignal in die Kopfhörerkammer ein und erzeugt an der vorgegebenen
Schallfeldimpedanz den entsprechenden kopfbezogenen Schalldruck. Alternativ können
auch vereinfachte Systeme sinnvoll sein, bei denen die wichtigsten Eigenschaften der
realen Schallfeldimpedanz am Ohr auf einen Kopfhörer übertragen werden.
[0043] Eine erfindungsgemäße Ausführungsform mit an die Realität angenäherte Modellierung
zeichnet sich durch eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften aus:
- a) die Schallfeldimpedanz vor dem Ohr soll einen überwiegend positiven Blindwiderstand
im Frequenzbereich von ca. 100 Hz bis 2.5 kHz erhalten und/oder
- b) bei Beschallung durch eine entfernte Schallquelle aus der Vorne-Richtung entstehen
am Ohr zwei typische Schalldruckminima. In der Regel befinden sie sich in schmalen
Frequenzbereichen um ca. 1 kHz und ca.2.5 kHz, je nach Kopf- und Körpergeometrie.
Diese entstehen durch Minima in der Schallfeldimpedanz als Folge von Interferenzen.
Diese Schalldruckminima werden erfindungsgemäß an den Kopfhörer nicht als Schalldrucksignal
übergeben, vielmehr muss der Kopfhörer die entsprechende Schallfeldimpedanz annehmen,
sodass als Folge davon diese Schalldruckminima entstehen und/oder
- c) zur Realisierung von Richtungshören in der gesamten Medianebene werden die Minima
in der Schallfeldimpedanz mit zunehmendem Schalleinfallswinkel zu tiefen Frequenzen
verschoben, und zwar entsprechend dem Vorbild wie dies am Kopf durch Beschallung mit
einer entfernten Schallquelle geschieht. Bei Schalleinfall von hinten sind die Minima
in der Schallfeldimpedanz stark gedämpft oder verschwinden vollständig und/oder
- d) erfindungsgemäß wird insbesondere eine Kalibriermöglichkeit am Kopfhörer realisiert,
um individuelle Unterschiede von Hörern optimal ausgleichen zu können. Das kann sowohl
die Größenordnung der Schallfeldimpedanz als auch die Lage der charakteristischen
Minima beinhalten.
[0044] Im Folgenden werden Vorrichtungen, Methoden und Verfahren vorgestellt, die in der
Lage sind, die Schallfeldimpedanz eines Kopfhörers zu beeinflussen.
[0045] Gemäß Figur 2 wird eine Modellierung der Schallfeldimpedanz mit Hilfe von Schallwandler-Paaren
realisiert. Hierzu wird neben dem Schalldruck am Ohr eine bestimmte Schallfeldimpedanz
erreicht, und zwar durch den Einsatz von zwei Schallwandlern in einer Kopfhörerkapsel.
Mit einer geeigneten Signalverarbeitung kann die gewünschte Schallfeldimpedanz in
der angeordneten Richtung beeinflusst werden. Dazu werden mit einer geeigneten Impedanz-Messmethode
(2-Mikrofon-Methode) zunächst die Schalldrücke p
1, p
2 und die Schallschnellen v
1, v
2 der einzelnen Schallwandler bestimmt oder durch vorher bestimmte Schalldrücke und
Schallschnellen basierend auf geometriebezogenen Werten. Daraus kann dann ein Faktor
k
F berechnet werden, der den Signalunterschied beider Schallwandler beschreibt. Es können
mehrere Richtungen beeinflusst werden, indem weitere Lautsprecherpaare in anderen
Richtungen angeordnet werden. Figur 8 zeigt ein einfaches Prinzip mit einer Signalaufbereitung,
die das Signal K
2 für den zweiten Lautsprecher in Abhängigkeit des am Eingang vorliegenden Wertes der
Schallfeldimpedanz berechnet. Die Signalaufbereitung kann auch Teil einer Computersimulation
sein, wenn sich Z
Fx zeitlich ändert, wie bei bewegten Schallquellen oder bei Anwendung von Head-Trackern.
p
1, p
2 und v
1, v
2 werden aus Einzelmessungen der Schallwandler Lsp1,2 mit Hilfe der 2-Mikrofon-Methode
bestimmt. S
p ist das Schalldrucksignal und Z
Fx die Impedanz-Information.
[0046] Gemäß Figur 3 wird eine Modellierung der Schallfeldimpedanz mit passiven akustischen
Resonatoren vorgeschlagen. Mit Hilfe von Helmholzresonatoren kann die Schallfeldimpedanz
in einem Kopfhörer zu positiven Reaktanzen verändert werden. Der Resonator besteht
aus einem Rohr mit beliebig geformter Querschnittsfläche, dessen eine Öffnung in das
Volumen zwischen Ohr und dem Schallwandler ragt. Hierbei können auch andere Resonatoren
zum Einsatz kommen. Die beschleunigte Luft im Rohr stellt eine Masse dar, die zusammen
mit der Steifigkeit des Luftvolumens ein Resonanz- System bildet. Der Masse-Charakter
des Schallfeldes stellt sich oberhalb der Resonanzfrequenz ein. Mit einem Strömungswiderstand
kann außerdem die Bandbreite und die Güte des Systems beeinflusst werden. Es sind
auch mehrere Resonatoren in Kombination realisierbar.
[0047] Gemäß einer erfindungsgemäßen Ausführungsform und unter Verweis auf Figur 4 wird
eine Modellierung der Schallfeldimpedanz mit aktiven elektroakustischen Systemen vorgeschlagen.
Mit einem aus Mikrofon, Schallwandler, Verstärker und einer Nachbildungsfunktion bestehenden
System lassen sich gezielt akustische Impedanzen modellieren. Einfache analog realisierbare
Beispiele sind Massen, Federn, Strömungswiderstände oder Resonatoren. Digitale Netzwerke
sind erheblich vielseitiger, setzen jedoch sehr geringe Latenzzeiten voraus. Das Prinzip
basiert auf der Modellierung des Verhältnisses von Druck und Schnelle in der KH-Druckkammer.
Wichtig für die korrekte Funktion sind die Druck-Signal-Proportionalität des Mikrofons
M und die Signal-Membranschnelle-Proportionalität des Wandlers W
Z. Eine Nachbildungsfunktion beschreibt den Kehrwert der gewünschten akustischen Impedanz
Z
F in Form einer Übertragungsfunktion Ua/Ue=v/p=l/Z
F. Die Nachbildungsfunktion reagiert auf das Drucksignal am Eingang mit einem Geschwindigkeitssignal
am Ausgang. Dieses Signal steuert den Wandler W
Z, dessen Membran eine proportionale Geschwindigkeit ausführt. Ist die bewegte Luftmenge
groß genug, bestimmt er das Schallfeld im Kopfhörer. Die Nachbildung kann auch einen
weiteren Eingang besitzen, mit dem die Form dieser Übertragungsfunktion gesteuert
werden kann. Im Folgenden und unter Verweis auf Figur 5 wird eine Funktion zur analogen
Nachbildung von Schallfeldimpedanzen im Kopfhörer aufgezeigt. Das Schallfeld am Ohr
des menschlichen Kopfes im freien Schallfeld und bei tiefen Frequenzen kann man in
einer ersten Näherung als ebene Welle und eine Streuwelle beschreiben, die von einer
als "atmend" angesehenen Kugel reflektiert wird.
[0048] An der Strahlungsimpedanz der "atmenden" Kugel entsteht ein Schalldruck, der sich
mit der ebenen Welle überlagert. Die resultierende Schallfeldimpedanz Z
F ist gleich:

[0049] In folgendem Beispiel sieht man wie eine analoge Nachbildung von 1/Z
F aussehen kann. Das Beispiel zeigt eine zusätzliche Nachbildung 2 einer Interferenz,
die zu einem Minimum im Schalldruck führt.
[0050] Weiter gemäß Figur 6 wird ein Ohrhörer vorgeschlagen.
[0051] Für Ohrhörer sind insbesondere die aktiven elektroakustischen Systeme zur Beeinflussung
der Schallfeldimpedanz interessant. Wichtig ist hierbei die Formgebung der Ohrhörer,
da zwei Schallwandler und ein Mikrofon so platzsparend unterzubringen sind, dass sie
vom Hörer noch bequem getragen werden können. Weiter in Figur 6 sind verschiedene
Anordnungen der Schallwandler in einem Ohrhörer angegeben.