Stand der Technik
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen einer Kerze mit einem
brennbaren Material, einem Docht und einer Hülle, in der das brennbare Material und
der Docht angeordnet sind.
[0002] Derartige Biopolymer-haltige Verbundwerkstoffe bieten den Vorteil, dass sie schwer
entflammbar und ohne großen Aufwand kompostierbar sind. Sie können daher Anwendung
zur Herstellung von Einwegprodukten, wie beispielsweise Kerzen, finden, die nach ihrer
bestimmungsgemäßen Verwendung rückstandsfrei entsorgbar sind.
[0003] Ein derartiges Einwegprodukt in Form einer Kerze ist beispielsweise aus der
US 1 644 115 und der
WO 00/56846 A1 bekannt. Diese Kerze weist einen Docht und ein brennbares Material auf. Das brennbare
Material und der Docht sind von einer biologisch abbaubaren Hülle umgeben, die aus
einem gelatinehaltigen Verbundwerkstoff besteht. Zur Herstellung dieser Hülle werden
Gelatineplatten in kochendes Wasser gegeben und einige Minuten lang gekocht. Unter
Bei der
WO 00/56846 A1 wird unter Rühren Kartoffelstärke, kaltes Wasser, Gelierzucker und Olivenöl beigemischt.
Es wird ein gummiartiges Gelee erhalten, dass in eine Form gegossen wird, in welcher
der gelatinehaltige Verbundwerkstoff aushärtet und erstarrt. Bei dem bekannten Herstellungsverfahren
hat es sich als nachteilig herausgestellt, dass es zu relativ langen Aushärtungszeiten
kommen kann. Die
US 1 644 155 sieht vor ein Substrat in eine Biopolymer-Zubereitung zu tauchen.
Offenbarung der Erfindung
[0004] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein vereinfachtes, insbesondere beschleunigtes,
Verfahren zur Herstellung eines Einwegprodukts anzugeben.
[0005] Es wird beispielhaft ein Verfahren zum Herstellen eines Werkstoffs, insbesondere
Verbundwerkstoffs, enthaltend wenigstens ein Biopolymer beschrieben, wobei eine Biopolymer-Zubereitung
in sprühfähiger Form bereitgestellt wird, die sprühfähige Biopolymer-Zubereitung versprüht
und ausgehärtet wird.
[0006] Unter einem Biopolymer werden insbesondere Polymere verstanden, die aus nachwachsenden
Rohstoffen erhalten werden und/oder biologisch abbaubar, insbesondere vollständig
biologisch abbaubar, sind. Die Herstellung dieser Biopolymere kann umfassende Reinigungsschritte
und/oder Modifizierungsschritte beinhalten.
[0007] Als Biopolymer kommen bevorzugt Gelatine und Polysaccharide oder eine Mischung umfassend
diese Komponenten zum Einsatz.
[0008] Bevorzugte Polysaccharide sind Pullulan und Celluloseether, vorzugsweise Methylcellulose
und/oder Hydroxypropylmethylcellulose.
[0009] Besonders bevorzugt sind als Biopolymer Gelatine, Pullulan, Methylcellulose und Hydroxypropylmethylcellulose,
jeweils allein, oder Mischungen umfassend zwei, drei oder vier dieser Komponenten.
Sofern als Biopolymer eine Mischung umfassend zwei dieser Komponenten verwendet wird,
sind Mischungen aus Gelatine und Pullulan oder Gelatine und Hydroxypropylmethylcellulose
bevorzugt.
[0010] Ganz besonders bevorzugt ist das Biopolymer ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus
Gelatine, Pullulan und Hydroxypropylmethylcellulose, noch weiter bevorzugt ist das
Biopolymer Gelatine. Diese vorstehend genannten Materialien haben den Vorteil, dass
aus diesen Werkstoffen erhaltene Produkte vegan und/oder koscher und/oder halal hergestellt
werden können, wobei der Fachmann versteht, dass Produkte enthaltend Gelatine nicht
vegan sind. Gelatine ist vorzugsweise ein tierisches Protein, vorzugsweise ein Stoffgemisch.
Hauptbestandteil ist vorzugsweise denaturiertes bzw. hydrolysiertes Kollagen, das
aus dem Bindegewebe verschiedener Tierarten, vor allem Schweinen und Rindern, aber
auch Fischen und Geflügel produziert werden kann. Bei der Gelatine kann es sich aber
auch um pflanzliche Gelatine handeln, die üblicherweise auf Polysachariden basieren
oder darauf bestehen.
[0011] Die Biopolymer-Zubereitung kann in sprühfähiger Form eine sprühfähige Zubereitung
von Gelatine mit einem Wassergehalt von 10 Gew.-% bis 90 Gew.-% sein, vorzugsweise
von 10 Gew.-% bis 80 Gew.-%, besonders bevorzugt 15-85 Gew.-% noch weiter bevorzugt
20-80 Gew-% sein. Weiterhin kann es vorteilhaft sein, den Wassergehalt möglichst hoch
zu wählen, um die Verarbeitbarkeit der Zubereitung zu verbessern, beispielweise 25-80
Gew.-%, vorzugsweise 30-80 Gew.-%, besonders bevorzugt 40-80 Gew.-%, noch weiter bevorzugt
50-80 Gew.-%. Hierbei kann es vorteilhaft sein, entmineralisiertes oder destilliertes
Wasser zu verwenden.
[0012] Vorzugsweise handelt es sich bei der Biopolymerzubereitung in sprühfähiger Form um
Gelatine, die in Form einer flüssigen Gelatinezusammensetzung umfassend ≤ 99 Gew.-%
Gelatinehydrolysat vorliegt.
[0013] Vorzugsweise weist diese flüssige Gelatinezusammensetzung als weitere Bestandteile
≤ 20 Gew.-% Zitronensäure (E330) und/oder ≤ 2 Gew.-% Kaliumsorbat (E202) auf. Besonders
bevorzugt ist eine flüssige Gelatinezusammensetzung umfassend ≤ 99 Gew.-% Gelatinehydrolysat,
≤ 2 Gew.-% Zitronensäure (E330) und ≤ 0,2 Gew.-% Kaliumsorbat (E202). Entsprechendes
Gelatinehydrolysat (
CAS-Nr. 68410-45-7, EG-Nr. 270-082-2), Zitronensäure (
CAS-Nr. 77-92-9, EG-Nr. 201-069-1) sowie Kaliumsorbat (
CAS-Nr. 24634-61-5) sind dem Fachmann bekannt.
[0014] Vorzugsweise weist die flüssige Gelatinezusammensetzung einen pH-Wert von 4-8, besonders
bevorzugt 4,5-5,5 auf, bestimmt in der ursprünglichen Lösung bei 60°C nach der Methode
gemäß der Monographie "Standardized Methods for the testing of edible gelatine", Short-Version
12, May 2017 von Gelatine Manufacturers of Europe.
[0015] Bevorzugt weist die flüssige Gelatinezusammensetzung eine Viskosität von 20-140 mPas
auf, bestimmt in der ursprünglichen Lösung bei 60°C nach der Methode gemäß der Monographie
"Standardized Methods for the testing of edible gelatine", Short-Version 12, May 2017
von Gelatine Manufacturers of Europe.
[0016] Eine flüssige Gelatinezusammensetzung enthaltend ≤ 99 Gew.-% Gelatinehydrolysat,
≤ 2 Gew.-% Zitronensäure (E330) und ≤ 0,2 Gew.-% Kaliumsobat (E202) mit einem pH-Wert
von 4,5-5,5 und einer Viskosität von 20-140 mPas ist dem Fachmann bekannt und beispielsweise
unter der Bezeichnung GELITA NOVOTEC
® CB800 von der GELITA AG, DE-69412-Eberbach käuflich am Markt erhältlich. Die Gleichgewichtsfeuchte
bei dieser Gelatine beträgt ca. 7 Gew.-%, d.h. dieser Restwassergehalt stellt sich
nach Trocknung unter Normalbedingungen reversibel ein, unabhängig davon, wieviel Wasser
im Auflöseprozess zum Einsatz kommt.
[0017] Die vorstehend beschriebene flüssige Gelatinezusammensetzung zeichnet sind dadurch
aus, dass sie besonders gut in das besprühte Substrat, beispielsweise Papier, eindringen
kann. Diese Gelatinezusammensetzung geliert nicht und kann gut bei Raumtemperatur,
beispielsweise 15-20°C, versprüht werden. Auch eine Kombination dieser Gelatinezusammensetzung
mit anderen hierin beschriebenen Biopolymeren, insbesondere Gelatinen ist möglich,
insbesondere auch eine Vorbehandlung des Substrates, insbesondere Papieres, mit der
nicht gelierenden Gelatine und einem gleichzeitigen oder nachfolgenden Auftrag von
gelierender Gelatine,
[0018] Die Bereitstellung der Biopolymer-Zubereitung in sprühfähiger Form erfolgt insbesondere
durch das Zusammenbringen von einem oder mehreren Biopolymeren und Wasser, insbesondere
entmineralisiertem Wasser oder destilliertem Wasser, und ggf. unter Erwärmen. Vorzugsweise
kann die Biopolymer-Zubereitung in sprühfähiger Form nur aus Biopolymer bzw. Biopolymer-Zubereitung
und Wasser, insbesondere entmineralisiertem Wasser oder destilliertem Wasser, bestehen.
[0019] Die in sprühfähiger Form bereitgestellte Biopolymer-Zubereitung kann beispielsweise
als Biopolymer in wässriger Lösung oder als Dispersion vorliegen. Beim Versprühen
der Biopolymer-Zubereitung wird diese in Tröpfchen zerteilt, so dass ein Aerosol gebildet
wird. Beim Versprühen wird ein Teil des in der sprühfähigen Zubereitung enthaltenen
Wassers an die Umgebungsluft abgegeben, so dass das Aushärten des Biopolymers bereits
beim Versprühen beginnt. Hierdurch kann eine im Vergleich zu einem Gießverfahren beschleunigte
Aushärtung ermöglicht werden.
[0020] Ein wesentlicher Vorteil eines mit dem diesem beispielhaften Verfahren hergestellten
Werkstoffs, insbesondere Verbundwerkstoffs, ist die durch das Biopolymer gebundene
Restfeuchte, welche bevorzugt in einem Bereich von 3-30 Gew.-%, bevorzugter 5-25 Gew.-%,
noch weiter bevorzugt bei 10-20 Gew.-% liegt. Hierdurch wird der Werkstoff noch schwerer
entflammbar und ist zudem vollständig biologisch abbaubar. Auch trägt der im Verhältnis
zu anderen Biopolymeren hohe Stickstoffanteil im Fall von Gelatine zur einer verringerten
Entflammbarkeit bei.
[0021] Zum Versprühen der Biopolymer-Zubereitung kommt bevorzugt eine Druckdüse, insbesondere
eine Turbulenz-, Flachstrahl-, Prall- oder Hohlkegeldruckdüse, zur Anwendung. In der
Druckdüse erfolgt die Bildung der Tröpfchen allein durch die kinetische Energie der
Biopolymer-Zubereitung, die der Druckdüse zugeführt wird. Alternativ kann zum Versprühen
der Biopolymer-Zubereitung eine Zweistoffdüse verwendet werden, bei welcher die Tröpfchenbildung
im Wesentlichen durch die kinetische Energie eines mit hoher Geschwindigkeit strömendes
Trägergases, beispielsweise Luft, erfolgt.
[0022] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung wird die Umgebungsluft auf eine Temperatur
im Bereich von 25 °C bis 80 °C, bevorzugt im Bereich von 50 °C bis 80 °C, besonders
bevorzugt im Bereich von 60 °C bis 70°C, temperiert. Hierdurch kann ein besonders
schnelles Aushärten der Biopolymer-Zubereitung beim Versprühen und/oder nach dem Versprühen
ermöglicht werden. Falls zum Versprühen der Biopolymer-Zubereitung ein Trägergas verwendet
wird, kann alternativ oder zusätzlich das Trägergas auf eine Temperatur im Bereich
von 25 °C bis 80 °C, bevorzugt im Bereich von 50 °C bis 80 °C, besonders bevorzugt
im Bereich von 60 °C bis 70°C, temperiert werden, so dass die versprühte Biopolymer-Zubereitung
während ihres Flugs durch das Trägergas erwärmt werden kann. Auch das weitere Aushärten
nach Ablagerung der versprühten Biopolymer-Zubereitung kann durch die temperierte
Umgebungsluft und/oder das temperierte Trägergas beschleunigt werden.
[0023] Gemäß einer alternativ oder zusätzlich bevorzugten Ausgestaltung wird die Biopolymer-Zubereitung
durch Induktionserwärmung ausgehärtet. Alternativ oder zusätzlich kann das Aushärten
in einem Trocknungstunnel erfolgen.
[0024] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung des beispielhaften Verfahrens wird zusammen
mit der sprühfähigen Biopolymer-Zubereitung ein Zusatzstoff versprüht, wobei die Biopolymer-Zubereitung
und der Zusatzstoff in eine Werkzeugform gesprüht werden, wobei die Biopolymer-Zubereitung
in der Werkzeugform zur Bildung eines den Zusatzstoff umfassenden, Biopolymer-enthaltenden
Verbundwerkstoffs ausgehärtet wird. Hierdurch kann ein Verbundwerkstoff erhalten werden,
der Biopolymer als Matrixmaterial und den Zusatzstoff als in dem Matrixmaterial eingebettete
Teilchen aufweist. Der Zusatzstoff kann der Biopolymer-Zubereitung vor dem Versprühen
zugegeben werden. Alternativ oder zusätzlich ist es möglich, die Biopolymer-Zubereitung
und den Zusatzstoff separat einer Düse zuzuführen und beide über die Düse zu versprühen,
so dass sich die Biopolymer-Zubereitung und der Zusatzstoff im Flug vermischen und
zusammen auf der Werkzeugform ablagern. Beispielsweise können zusammen mit der sprühfähigen
Biopolymer-Zubereitung insbesondere Papierfasern, versprüht werden, wodurch es möglich
wird, eine Papierbahn, oder eine papierbasierte Folie durch ein Sprühverfahren herzustellen.
[0025] Gemäß einer alternativen, vorteilhaften Ausgestaltung wird ein Substrat aus einem
Zusatzstoff bereitgestellt und die sprühfähige Biopolymer-Zubereitung wird auf das
Substrat gesprüht, wobei die Biopolymer-Zubereitung zur Bildung eines den Zusatzstoff
umfassenden, gelatinehaltigen Verbundwerkstoffs auf dem Substrat ausgehärtet wird.
Hierdurch kann ein Verbundwerkstoff erhalten werden, der einen Schichtaufbau mit einer
im Wesentlichen aus dem Zusatzstoff gebildeten ersten Schicht und einer im Wesentlichen
aus Biopolymer gebildeten, zweiten Schicht besteht. Alternativ ist es, insbesondere
bei faserbasierten oder porösen Substraten, möglich, dass die auf das Substrat gesprühte
Biopolymer-Zubereitung zumindest teilweise in das Substrat eindringt, so dass ein
Verbundwerkstoff gebildet wird, der Biopolymer als Matrixmaterial aufweist, in welchem
der Zusatzstoff eingebettet ist.
[0026] In diesem Zusammenhang hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn das Substrat plattenförmig
oder bandförmig ausgebildet ist. Bei dem Substrat kann es sich beispielsweise um eine
Papierbahn oder Folienbahn handeln. Das Substrat kann der Biopolymer-Zubereitung Feuchtigkeit
entziehen. Derartige Substrate lassen sich beispielsweise durch Thermoformen weiterverarbeiten.
Beim Thermoformen wird ein derartiges Substrat bevorzugt mit Wasserdampf beaufschlagt
und/oder induktiv erwärmt.
[0027] Eine alternativ bevorzugte Ausgestaltung sieht vor, dass das Substrat als Formteil
ausgebildet ist. Das Formteil kann beispielsweise durch Falten, Falzen, Einbringen
von Sicken, Stanzen, Perforieren, Biegen oder Prägen gebildet sein. Durch das Aufbringen
der Biopolymer-Zubereitung auf das Formteil kann die Stabilität des Formteils erhöht
werden. Beispielsweise kann das Formteil aus einem Substrat mit sehr geringer Wandstärke
gebildet sein, beispielsweise mit einer Wandstärke kleiner als 0,5 mm, bevorzugt kleiner
als 0,2 mm, besonders bevorzugt kleiner als 0,1 mm, kleiner als 0,05 mm oder kleiner
als 0,01 mm.
[0028] Das Substrat kann Symbole und/oder Zeichen aufweisen, beispielsweise Sicherheitshinweise,
Anwendungshinweise, Preisauszeichnungen oder dekorative Bilder. Es ist möglich, dass
das Substrat strukturiert ist, beispielsweise durch Rillen, Noppen oder andere Strukturen.
Bevorzugt ist das Substrat bedruckt. Alternativ oder zusätzlich ist es möglich, dass
das Substrat derart zumindest teilweise, bevorzugt vollständig, durchsichtig ist,
so dass ein zumindest teilweise, bevorzugt vollständig, durchsichtiger Verbundwerkstoff
erhalten werden kann. Bevorzugt weist das Substrat eine Opazität von weniger als 80%,
besonders bevorzugt von weniger als 50%, beispielsweise von weniger als 40%, weniger
als 30%, weniger als 20% weniger als 10%, weniger als 5% oder weniger als 1% auf.
Bei der Verwendung eines Verbundwerkstoffs als Hülle für eine Kerze besteht zudem
der Vorteil, dass das von der Kerze erzeugte Licht durch die Hülle durchscheinen kann.
[0029] Eine bevorzugte Ausgestaltung sieht vor, dass eine elektrische Spannung an das Substrat
oder die Werkzeugform angelegt wird, wodurch eine Biopolymer-haltige Schicht mit gleichmäßiger
Schichtdicke erhalten werden kann. In diesem Zusammenhang hat es sich als vorteilhaft
erwiesen, wenn das Substrat, insbesondere das Papier, befeuchtet wird.
[0030] Bevorzugt weist der Zusatzstoff ein Polysaccharid, insbesondere Cellulose und/oder
Stärke, auf. Die Stärke kann Maisstärke, Maniokstärke, Kartoffelstärke, Weizenstärke,
Reisstärke, Rosskastanienstärke sein. Besonders bevorzugt besteht der Zusatzstoff
aus einem Polysaccharid, insbesondere aus Cellulose und/oder Stärke. Die Verwendung
von Polysacchariden, insbesondere von Cellulose und/oder von Stärke zusammen mit der
Biopolymer-Zubereitung bringt den Vorteil mit sich, dass der erhaltene Verbundwerkstoff
auf einfache Weise kompostierbar ist. Zudem kann das Substrat der Biopolymer-Zubereitung
Feuchtigkeit entziehen. Zudem sind derartige Verbundwerkstoffe schwer entflammbar
und/oder resistent gegenüber UV-Strahlung. Der Zusatzstoff kann Kokosfasern und/oder
Algen enthalten.
[0031] Beispielsweise ist der Zusatzstoff Cellulose, so dass ein Verbundwerkstoff gebildet
wird, der Biopolymer, insbesondere Gelatine, und Cellulose aufweist.
[0032] Alternativ oder zusätzlich kann vorgesehen sein, dass der Zusatzstoff Fasern, bevorzugt
textile Fasern und/oder pflanzliche Fasern, wie beispielswiese Holzfasern und/oder
Kokosnussfasern und/oder Algenfasern aufweist. Durch die Fasern können die mechanischen
Eigenschaften des erhaltenen Verbundwerkstoffs eingestellt werden. Beispielsweise
ist es durch einen faserhaltigen Zusatzstoff möglich, nach dem Aushärten einen biegsamen
Verbundwerkstoff zu erhalten. Die Verwendung von Fasern, bevorzugt textile Fasern
und/oder pflanzliche Fasern zusammen mit der Biopolymer-Zubereitung bringt den Vorteil
mit sich, dass der erhaltene Verbundwerkstoff auf einfache Weise kompostierbar ist.
Zudem sind derartige Verbundwerkstoffe schwer entflammbar.
[0033] Alternativ oder zusätzlich kann vorgesehen sein, dass der Zusatzstoff Sandkörner,
insbesondere Quarzsandkörner, und/oder Kristalle, aufweist. Durch Sandkörner und/oder
Kristalle kann das Erscheinungsbild des erhaltenen Verbundwerkstoffs beeinflusst werden.
Beispielsweise kann ein Verbundwerkstoff zur Bildung dekorativer Gegenstände und/oder
Hüllen erhalten werden. Die Verwendung von Sandkörnern und/oder Kristallen zusammen
mit der Biopolymer-Zubereitung bringt den Vorteil mit sich, dass der erhaltene Verbundwerkstoff
auf einfache Weise kompostierbar ist.
[0034] Aus dem gelatinehaltigen Verbundwerkstoff können verschiedene Produkte, insbesondere
Einwegprodukte, hergestellt werden, wobei die nachfolgende Auswahl nur einen Teil
der möglichen Anwendungsbereiche beschreibt: Folien, Verpackungsfolien, Schutzfolien
für Monitore oder Mobiltelefone, Folien für Blister, Trinkhalme, Becher, insbesondere
Trinkbecher, elektrische und/oder thermische Isolatoren.
[0035] Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zum Herstellen eines Werkstoffs,
insbesondere Verbundwerkstoffs, enthaltend Biopolymer, wobei ein Substrat oder ein
Tauchkörper in eine flüssige Biopolymer-Zubereitung getaucht wird, und die Biopolymer-Zubereitung
ausgehärtet wird.
[0036] Vorzugsweise handelt es sich bei der flüssigen Biopolymerzubereitung für einen Tauchkörper
um eine wässrige Lösung von Gelatine, die aus einer pulverförmigen Gelatine (z.B.
Gelatine mit der
CAS-Nr. 9000-70-8, EINECS-Nr. 232-554-6) erhalten wird.
[0042] Eine solche flüssige Gelatinezusammensetzung, welche die vorstehend genannten Eigenschaften
von Bloom-Wert, pH-Wert, Viskosität, Transmission bei 620 nm und 450 nm sowie Leitfähigkeit
in sich vereint, lässt sich beispielsweise erhalten durch Herstellung einer wässrigen
Lösung von Gelatine, wie sie unter der Bezeichnung GELITA IMAGEL
® TC von der GELITA AG, DE-69412-Eberbach käuflich am Markt erhältlich ist. Die Gleichgewichtsfeuchte
bei dieser Gelatine beträgt ca, 10 Gew.-%, d.h. dieser Restwassergehalt stellt sich
nach Trocknung unter Normalbedingungen reversibel ein, unabhängig davon, wieviel Wasser
im Auflöseprozess zum Einsatz kommt.
[0043] Eine entsprechende Zusammensetzung zeichnet sich durch eine hohe Transparenz, hohe
Stabilität der Viskosität über einen langen Zeitraum bei erhöhter Temperatur, sowie
durch einen guten pH-Wert für Stabilität gegen Hydrolyse aus.
[0044] Auch eine Kombination dieser vorstehend beschriebenen, flüssigen Gelatinezusammensetzung
mit anderen hierin beschriebenen Biopolymeren, insbesondere Gelatinen ist möglich.
[0045] Bevorzugt weist der Tauchkörper eine Außenkontur mit einem Tauchbereich auf, welcher
in die flüssige Biopolymer-Zubereitung eingetaucht wird. Der Tauchbereich entspricht
bevorzugt einem Negativ der Innenkontur des herzustellenden Werkstoffs. In einem weiteren
Schritt kann der Tauchkörper aus dem der flüssigen Biopolymer-Zubereitung entnommen
werden. Die Schicht der Biopolymer-Zubereitung, die die Außenkontur des Tauchkörpers
überzieht, kann ausgehärtet und getrocknet werden.
[0046] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung weist der Tauchkörper eine Auswurfeinrichtung
auf, die dazu eingerichtet ist, einen Werkstoff, der gebildet ist durch eine an der
Außenkontur des Tauchkörpers verfestigte Biopolymer-Zubereitung von dem Tauchkörper
zu lösen. Eine solche Auswurfeinrichtung kann als Auswurfelement ausgebildet sein,
welches gegenüber einem Grundelement des Tauchkörpers bewegbar, beispielsweise schwenkbar
oder linear bewegbar, ist. Zum Auswerfen des Werkstoffs aus verfestigter Biopolymer-Zubereitung
kann das Auswurfelement betätigt, d.h. gegenüber dem Grundelement bewegt werden. Alternativ
oder zusätzlich kann die Auswurfeinrichtung eine Vorrichtung zum Auslassen eines Gases,
insbesondere Luft, aus der Außenkontur des Tauchkörpers aufweisen. Zum Auswerfen des
Werkstoffs aus verfestigter Biopolymer-Zubereitung kann das Gas ausgelassen werden
und den Werkstoff von dem Tauchkörper trennen. Eine Auswurfeinrichtung kann bevorzugt
bei solchen Tauchkörpern zur Anwendung kommen, die aus einem Metall, beispielsweise
Stahl, bestehen.
[0047] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung des Verfahrens weist der Tauchkörper, welcher
in die flüssige Biopolymer-Zubereitung getaucht wird, einen Kunststoff, insbesondere
ein Silikon, auf. Bevorzugt ist der Kunststoff, insbesondere das Silikon, verformbar
oder deformierbar.
[0048] Als besonders vorteilhaft hat sich eine Ausgestaltung erwiesen, bei welcher der Tauchkörper
eine deformierbare Kunststoffhülle, insbesondere eine deformierbare Silikonhülle,
und einen Hohlraum aufweist, der von der deformierbaren Kunststoffhülle, insbesondere
der deformierbaren Silikonhülle, zumindest teilweise umschlossen ist. Der Tauchkörper,
insbesondere die Kunststoffhülle bzw. Silikonhülle, kann nach dem Entfernen des Tauchkörpers
aus der flüssigen Biopolymer-Zubereitung derart verformt werden, dass der Hohlraum,
zumindest bereichsweise, verkleinert wird. Hierdurch wird das Entfernen der auf der
äußeren Oberfläche des Tauchkörpers abgeschiedenen, insbesondere verfestigten, Biopolymer-Zubereitung
erleichtert. Auch wird es möglich, einen Werkstoff, der nach Art einer Hülle für eine
Kerze ausgestaltet ist und einen Hinterschnitt aufweist, von dem Tauchkörper zu entformen.
Beispielsweise kann die Kunststoffhülle, insbesondere Silikonhülle, durch Ablassen
eines Gases, insbesondere Luft, aus dem Hohlraum, oder durch das Anlegen eines Unterdrucks
an dem Hohlraum deformiert werden. Alternativ oder zusätzlich ist es möglich, dass
der Tauchkörper, insbesondere die Kunststoffhülle, insbesondere Silikonhülle, vor
dem Eintauchen in die Biopolymer-Zubereitung mit einem Überdruck in dem, Hohlraum
beaufschlagt wird oder ein Gas, insbesondere Luft, in den Hohlraum eingeleitet wird.
[0049] Bevorzugt ist der Tauchkörper, insbesondere die Kunststoffhülle, bevorzugt Silikonhülle,
des Tauchkörpers aus einem polaren Kunststoff bzw. einem polaren Silikon. Durch einen
polaren Kunststoff bzw. ein polares Silikon kann das Entformen der verfestigten Biopolymer-Zubereitung
nach weiter erleichtert werden.
[0050] In diesem Zusammenhang hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn die Polarität des
polaren Kunststoffs, insbesondere polaren Silikons, durch ein elektrisches Potential
oder ein elektrisches Feld eingestellt wird. Beispielsweise kann eine Spannungsquelle
und/oder eine Stromquelle vorgesehen sein, über welche die Polarität des polaren Kunststoffs
bzw. Silikon beeinflusst werden kann.
[0051] Es kann weiterhin vorteilhaft sein, wenn das Silkon zumindest in Teilbereichen oder
auch vollständig eine flächige, sich also über den gewünschten Bereich erstreckende
Oberflächenstrukturierung aufweist. Die Oberflächenstrukturierung, die in ihrer Strukturform
weitgehend homogen ist, also in ihrer Beschaffenheit über die Fläche möglichst gleichförmig
ausgebildet ist, kann vorzugsweise eine Rauheit zwischen 5 µm-200 µm aufweisen Als
"Rauheit" wird hierbei die Rautiefe R
Z verstanden. Die Oberflächenstrukturierung wird durch sich kontinuierlich abwechselnde
Eintiefungen und Erhöhungen gebildet, sie ist derart ausgelegt, dass sich die gewünschte
Rauheit ergibt.
[0052] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung des Verfahrens ist vorgesehen, dass der Tauchkörper
durch ein brennbares Material einer Kerze gebildet wird. Das brennbare Material kann
ein- oder mehrmals in die flüssige Biopolymer-Zubereitung getaucht werden. Das brennbare
Material kann teilweise in das flüssige Biopolymer eingetaucht werden, Auf diese Weise
lässt sich ein Werkstoff in Form eines becherartigen Gefäßes aus der Biopolymer-Zubereitung
erzeugen, dessen Innenkontur an die Außenkontur des brennbaren Materials angepasst
ist. Alternativ ist es möglich, dass brennbare Material vollständig in die flüssige
Biopolymer-Zubereitung einzutauchen, so dass ein verkapseltes Behältnis für das brennbare
Material gebildet wird. Bevorzugt wird ein Docht der Kerze vor dem Eintauchen des
brennbaren Materials in die flüssige Biopolymer-Zubereitung bereits mit dem brennbaren
Material verbunden. Besonders bevorzugt wird das brennbare Material beim Eintauchen
durch den Docht gehalten, so dass das brennbare Material an dem Docht aus der flüssigen
Biopolymer-Zubereitung herausgezogen werden kann.
[0053] Bei einer Ausgestaltung, in welcher der Tauchkörper durch ein brennbares Material,
insbesondere einer Kerze, gebildet wird, ist das brennbare Material bevorzugt in einem
dem Tauchvorgang vorhergehenden Verfahrensschritt durch Pressen geformt worden. Bevorzugt
weist das brennbare Material einen Docht auf. Das brennbare Material kann beispielsweise
Wachs, beispielsweise Bienenwachs, Stearin und/oder Paraffin sein, also insbesondere
gehärtete oder raffinierte pflanzliche und/oder tierische Fette, wachsähnliche Materialien
und/oder technische Wachsgemenge.
[0054] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung wird der aus dem brennbaren Material gebildete
Tauchkörper zunächst gekühlt, insbesondere schockgefroren, und dann in die flüssige
Biopolymer-Zubereitung eingetaucht. Das Kühlen des Tauchkörpers kann beispielsweise
durch kalte Luft erfolgen, welche in Richtung des Tauchkörpers geblasen wird. Diese
Luft weist bevorzugt eine Temperatur im Bereich von 10 bis 20 °C, bevorzugt im Bereich
von 15 bis 18 °C, beispielsweise 16 °C auf.
[0055] Bevorzugt wird die Biopolymer-Zubereitung an dem Substrat oder dem Tauchkörper getrocknet,
insbesondere durch Aufblasen warmer Luft. Diese warme Luft kann eine Temperatur im
Bereich von 20 bis 30 °C, bevorzugt 23 bis 28 °C, beispielsweise 25 °C aufweisen.
Die Luftfeuchtigkeit dieser Luft beträgt bevorzugt 40% bis 60%, besonders bevorzugt
45% bis 55%, beispielsweise 51%. Das Trocknen kann in einer Durchlaufvorrichtung erfolgen,
beispielsweise in einem Trocknungstunnel. Bevorzugt wird die verfestigte Biopolymer-Zusammensetzung
für eine Trocknungsdauer getrocknet, die im Bereich von 30 Minuten bis 4 Stunden,
bevorzugt im Bereich von 45 Minuten bis 3 Stunden, liegt. Optional können weitere
Trocknungsprozesse Anwendung finden, beispielsweise induktives Trocknen, Trocknen
mittels Wärmelampe oder Infrarotstrahlung.
[0056] Bei Bedarf kann der Werkstoff nach dem Verfestigen und ggf. Trocknen geschnitten
werden, um einen gefäßartigen Werkstoff mit einer glatten Kante zu erhalten.
[0057] Das vorstehend beschriebene Verfahren kann einerseits zur Bildung eines Werkstoffs
in Form eines becherartiges Gefäßes Verwendung finden. Hierbei kommt bevorzugt eine
Biopolymer-zubereitung zum Einsatz die nur schwer entflammbar, insbesondere nicht
brennbar, ist. Alternativ kann das vorstehend beschriebene Verfahren zur Bildung eines
Werkstoffs in Form einer Beschichtung der Außenkontur eines brennbaren Materials einer
Kerze zur Anwendung kommen. Hierbei findet bevorzugt eine Biopolymer-Zubereitung Verwendung,
die leicht entflammbar, insbesondere brennbar, ist.
[0058] Bevorzugt erfolgt zum Tauchen des Tauchkörpers ein Einbringen des Tauchkörpers in
die flüssige Biopolymer-Zubereitung und/oder ein Entfernen des Tauchkörpers aus der
flüssigen Biopolymer-Zubereitung durch eine lineare Bewegung, insbesondere senkrecht
zur Oberfläche der flüssigen Biopolymer-Zubereitung. Alternativ kann der Tauchkörper
zum Tauchen durch eine Schwenkbewegung um eine Schwenkachse in die flüssige Biopolymer-Zubereitung
eingebracht und/oder aus der flüssigen Biopolymer-Zubereitung entfernt werden.
[0059] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung wird der mit der flüssigen Biopolymer-Zubereitung
benetzte Tauchkörper nach dem Entfernen des Tauchkörpers aus der Biopolymer-Zubereitung
um eine Schwenkachse geschwenkt, um die Verteilung der flüssigen Biopolymer-Zubereitung
auf der Außenkontur des Tauchkörpers einzustellen. Bevorzugt wird der Tauchkörper
von einer Tauchstellung, in welcher ein Bodenbereich des Tauchkörpers nach unten gerichtet
ist, in einer ersten Schwenkrichtung eine erste Schwenkstellung geschwenkt, wobei
der Tauchkörper in der ersten Schwenkstellung besonders bevorzugt gegenüber der Tauchstellung
um einen Winkel im Bereich von 10° bis 60°, bevorzugt 15° bis 45°, besonders bevorzugt
20° bis 40°, verschwenkt ist. Besonders bevorzugt wird der Tauchkörper ausgehend von
der ersten Schwenkstellung in eine zweite Schwenkstellung verbracht, bevorzugt durch
eine Schwenkbewegung in einer zweiten Schwenkrichtung, die der ersten Schwenkrichtung
entgegengesetzt ist. In der zweiten Schwenkstellung ist der Tauchkörper bevorzugt
um 180° gegenüber der Tauchstellung verschwenkt. Insofern ist der Tauchkörper in der
zweiten Schwenkstellung nach oben gerichtet. Hierdurch kann eine gleichmäßige Benetzung
eines Tauchkörpers mit einem ebenen Bodenbereich erreicht werden.
[0060] Sofern der Tauchkörper durch ein brennbares Material, insbesondere einer Kerze, gebildet
wird, hat es sich als vorteilhaft erwiesen, eine wässrige Lösung von Gelatine als
Biopolymer-zubereitung zu verwenden, die aus einer pulverförmigen Gelatine (z.B. Gelatine
mit der
CAS-Nr. 9000-70-8, EINECS-Nr. 232-554-6) erhalten wird.
[0066] Eine solche flüssige Gelatinezusammensetzung, welche die vorstehend genannten Eigenschaften
von Bloom-Wert, pH-Wert, Viskosität, Transmission bei 620 nm und 450 nm sowie Leitfähigkeit
in sich vereint, lässt sich beispielsweise erhalten durch Herstellung einer wässrigen
Lösung von Gelatine, wie sie unter der Bezeichnung GELITA IMAGEL
® AP von der GELITA AG, DE-69412-Eberbach käuflich am Markt erhältlich ist. Die Gleichgewichtsfeuchte
bei dieser Gelatine beträgt ca. 10 Gew.-%, d.h. dieser Restwassergehalt stellt sich
nach Trocknung unter Normalbedingungen reversibel ein, unabhängig davon, wieviel Wasser
im Auflöseprozess zum Einsatz kommt.
[0067] Eine entsprechende Zusammensetzung zeichnet sich durch eine hohe Transparenz, schnelle
Gelbildung, gute Stabilisierung von zugefügten Partikeln, z.B. Glitter, Metallpartikel,
Sand, etc. aus.
[0068] Auch eine Kombination dieser flüssigen Gelatinezusammensetzung mit anderen hierin
beschriebenen Biopolymeren, insbesondere Gelatinen ist möglich.
[0069] In einer bevorzugten Ausführungsform können den hierin beschriebenen flüssigen Biopolymer-Zubereitungen,
insbesondere die Gelatinezusammensetzungen, auch eines oder mehrere Konservierungsmittel
zugefügt werden, vorzugweise ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Phenoxyethanol,
Methylisothiazolinon (MIT), Benzisothiazolinon (BIT) und Orthophenylphenol (OPP).
[0070] Beispielhaft wird ferner ein Verfahren zum Herstellen einer Kerze mit einem brennbaren
Material, einem Docht und einer Hülle beschrieben, in der das brennbare Material und
der Docht angeordnet sind, wobei zur Bildung der Hülle ein Verbundwerkstoff enthaltend
Biopolymer nach einem vorstehend beschriebenen Verfahren zum Herstellen eines Biopolymer-haltigen
Verbundwerkstoffs bereitgestellt wird.
[0071] Die in sprühfähiger Form bereitgestellte Biopolymer-Zubereitung kann beispielsweise
als Biopolymer in wässriger Lösung oder als Dispersion vorliegen. Beim Versprühen
der Biopolymer-Zubereitung wird diese in Tröpfchen zerteilt, so dass ein Aerosol gebildet
wird. Beim Versprühen wird ein Teil des in der sprühfähigen Zubereitung enthaltenen
Wassers an die Umgebungsluft abgegeben, so dass das Aushärten des Biopolymers bereits
beim Versprühen beginnt. Hierdurch kann eine im Vergleich zu einem Gießverfahren beschleunigte
Aushärtung ermöglicht werden.
[0072] Bevorzugt wird der Verbundwerkstoff enthaltend Biopolymer als Band oder als Folie
bereitgestellt. Beispielsweise kann der Verbundwerkstoff durch Sprühen der Biopolymer-Zubereitung
auf ein plattenförmiges- oder bandförmiges Substrat aus einem insbesondere Cellulosehaltigen
Zusatzstoff gebildet sein. Besonders bevorzugt wird der Verbundwerkstoff durch Sprühen
der Gelatine auf ein bandförmiges Papier gebildet.
[0073] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung wird der Verbundwerkstoff enthaltend Biopolymer
zur Bildung der Hülle durch Thermoformen umgeformt. Thermoformen, das auch als Tiefziehen
oder als Warmumformen bezeichnet wird, eignet sich insbesondere zum Umformen von Biopolymer-haltigen
Verbundwerkstoffen, die plattenförmig, bandförmig oder folienförmig ausgebildet sind.
Zum Tiefziehen kann der Biopolymer-haltige Verbundwerkstoff erwärmt und dann unter
Druck und/oder mit Vakuum in eine Matrize geformt werden. Beim Verformen kann ein
Stempel zum Einsatz kommen, der den Biopolymer-haltigen Verbundwerkstoff in die Matrize
drückt. Bevorzugt sind die Matrize und/oder der Stempel zumindest zweigeteilt, wobei
die Teile relativ zueinander beweglich sind, insbesondere aufeinander zu und voneinander
wegbewegt werden können. Beispielsweise werden die beiden Teile des Stempels zum Formen
der Hülle voneinander weg und zum Entformen aufeinander zu bewegt. Bei der Matrize
ist es genau umgekehrt. Dadurch ist es möglich, thermogeformte Hüllen mit einer zylindrischen
Wandung bzw. Hüllen mit einem Hinterschnitt zu erzeugen, die entformbar sind.
[0074] Dadurch sind Seitenwände herstellbar, die in einem Winkel α von im Wesentlichen 90°
oder weniger zu dem Bodenbereich vorgesehen sind, was die Stapelbarkeit von zwei Kerzen
aufeinander ermöglicht.
[0075] Als besonders vorteilhaft hat es sich erwiesen, wenn dem Biopolymer-haltigen Verbundwerkstoff
beim Thermoformen und/oder nach dem Thermoformen Wasserdampf zugeführt wird. Durch
die Zugabe von Wasserdampf kann die Vernetzung von Biopolymer in dem Verbundwerkstoff
verbessert werden.
[0076] Das brennbare Material der Kerze ist insbesondere Wachs, beispielsweise Bienenwachs,
Stearin und/oder Paraffin, also insbesondere gehärtete oder raffinierte pflanzliche
und/oder tierische Fette, wachsähnliche Materialien und/oder technische Wachsgemenge.
Der Docht wird von dem brennbaren Material umgeben. Das brennbare Material ist zunächst
fest und wird durch die Wärmeabgabe des brennenden Dochts zumindest teilweise verflüssigt.
Das brennbare Material weist vorzugsweise keinerlei Farbstoffe auf. Vorzugsweise ist
das brennbare Material mit einem oder mehreren Duftstoffen versetzt. Vorzugsweise
ist das brennbare Material mit einem Zusatz versetzt, der eine Flammfärbung bewirkt.
Hierdurch ist es in vorteilhafter Weise möglich, eine weiße oder farbige Kerze bereitzustellen,
insbesondere auch eine Kerze, die auch im angezündeten Zustand farbig ist, d.h. eine
gefärbte Flamme aufweist. Falls auch das Material, aus dem die Mulde bzw. das Material
gefertigt ist, farbig ist, wird ein ästhetisch ansprechender Gesamtfarbeindruck erzielt.
[0077] Sofern die erfindungsgemäße Kerze geschlossen ausgebildet ist, können auch bei Raumtemperatur,
insbesondere bei 14 bis 26°C, flüssige Brennmaterialien eingesetzt werden.
[0078] Grundsätzlich kommen alle üblichen, dem Fachmann bekannten Brennmaterialien, wie
Lampenöle beispielsweise auf Basis von Mineralöl, Petroleum, Stearin oder Paraffin
in Betracht. Bevorzugt werden als flüssige Brennmaterialien pflanzliche Öle, vorzugsweise
Rapsöl, Sonnenblumenöl, Sojaöl, Olivenöl oder Mischungen aus wenigstens zwei dieser
vorgenannten Materialien eingesetzt. Diese flüssigen Brennmaterialien können farblos
sein oder einen oder mehrere Farbstoffe aufweisen, um so einen ästhetisch ansprechenden
Eindruck vermitteln. Vorzugsweise kann das flüssige Brennmaterial mit einem oder mehreren
Duftstoffen versetzt sein. Vorzugsweise kann das flüssige Brennmaterial mit einem
Zusatz versetzt sein, der eine Flammfärbung bewirkt. Hierdurch ist es in vorteilhafter
Weise möglich, eine weiße oder farbige Kerze bereitzustellen, insbesondere auch eine
Kerze, die auch im angezündeten Zustand farbig ist, d.h. eine gefärbte Flamme aufweist.
Das Material, aus dem die Mulde bzw. das Material gefertigt ist, kann ebenfalls farbig
sein.
[0079] Das flüssige Brennmaterial weist vorzugsweise einen Duftstoff auf, dessen Duft sich
beim Abrennen des Brennmaterials entfaltet und/oder ändert. Alternativ oder zusätzlich
weist das flüssige Brennmaterial einen Farbstoff auf, der sich beim Abrennen des Brennmaterials
verteilt, aktiviert wird oder den farblichen Gesamteindruck verändert.
[0080] Die flüssigen Brennmaterialien sind wesentlich kostengünstiger als beispielsweise
gehärtete, raffinierte Wachse aus Mineralöl oder Pflanzenfette. Ein weiterer Vorteil,
insbesondere der pflanzlichen Öle, besteht darin, dass diese aus nachwachsenden Rohstoffen
erhalten werden, und sehr rein, insbesondere rußfrei, abrennen. Durch die Verwendung
flüssiger Brennmaterialien können gegenüber der Verwendung fester Brennmaterialien
einige Verarbeitungsschritte bei deren Herstellung entfallen, so dass diese zeit-
und energiesparender hergestellt werden können. Ein weiterer großer Vorteil, den der
Einsatz von flüssigen Brennmaterialien mit sich bringt, besteht darin, dass die Kerzen
enthaltend diese Brennmaterialien auch bei kälteren Temperaturen abgebrannt werden
können, als Kerzen, die feste Brennmaterialien aufweisen, beispielsweise bei Temperaturen
von bis zu -25°C oder bis zu -10°C oder bis zu -5°C oder bis zu 0°C. Dies ist besonders
vorteilhaft bei allen Anwendungen, bei denen die Kerze unter kühlen Außenbedingungen
oder in kühlen Räumen abgebrannt wird, beispielsweise bei der Anwendung als Schwimmkerze,
Friedhofskerze, Kirchen oder Tempeln.
[0081] Das brennbare Material wird vorzugsweise als flüssiges oder pastöses Medium in die
Hülle eingefüllt und härtet dort aus. Wird das Element auslaufsicher versiegelt, kann
die Brennmasse flüssig sein.
[0082] Vorzugsweise wird die Hülle vor, beim und/oder nach dem Einfüllen des brennbaren
Materials gekühlt, um das Härten des brennbaren Materials zu beschleunigen.
[0083] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung wird das brennbare Material in die Hülle
eingefüllt und nach dem Einfüllen des brennbaren Materials wird ein mit der Hülle
verbundener Deckel auf die Hülle aufgebracht, wobei der Deckel insbesondere erzeugt
wird, indem eine Biopolymer-Zubereitung in sprühfähiger Form bereitgestellt wird,
die sprühfähige Biopolymer-Zubereitung versprüht und ausgehärtet wird. Bei einem derartigen
Verfahren wird bevorzugt zunächst die Hülle erzeugt, indem die sprühfertige Biopolymer-Zubereitung
in eine Werkzeugform gesprüht wird. Danach kann die Hülle ausgehärtet werden. Danach
kann ein Docht, bevorzugt ein mit einem Dochthalter verbundener Docht, in die Hülle
eingebracht werden. In einem nachfolgenden Schritt kann das, insbesondere flüssige,
brennbare Material in die Hülle aus dem Biopolymer-haltigen Werkstoff eingebracht
werden. Danach kann der Deckel auf die Hülle aufgebracht werden, indem - wie vorstehend
erwähnt - eine Biopolymer-Zubereitung in sprühfähiger Form bereitgestellt und auf
die Hülle und das brennbare Material versprüht wird. Danach kann das Material des
Deckels ausgehärtet werden, um eine gekapselte Kerze zu erhalten.
[0084] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist der Docht der Kerze ein fadenförmiges
Geflecht. Besonders bevorzugt weist der Docht, insbesondere an seiner Außenseite,
ein Versteifungsmittel auf, beispielsweise einen Hartwachsüberzug und/oder eine Hülse,
insbesondere aus einem brennbaren Material. Dadurch ist es vorteilhafterweise möglich,
dass der Docht eine gewisse Eigenstabilität aufweist und/oder seine Brenneigenschaften
in gewünschter Weise beeinflusst werden können.
[0085] Bevorzugt weist die Hülle der Kerze einen Boden- und einen Wandbereich auf. Der Boden-
und Wandbereich sind vorzugsweise einstückig vorgesehen, können alternativ dazu aber
auch mehrteilig vorgesehen sein, wobei der Boden- und Wandbereich miteinander verbunden,
insbesondere miteinander verklebt, verschachtelt oder kraftschlüssig verbunden, sind.
Vorzugsweise handelt es sich bei der Hülle um eine becherartige Hülle, welche das
brennbare Material zumindest teilweise, vorzugsweise vollständig aufnimmt. Die Hülle
kann als Mulde ausgebildet sein. Der äußere Umfang des Kunststoffelements, insbesondere
der Wandbereich kann aber auch zumindest teilweise von dem brennbaren Material umschlossen
werden. Für den Abbrand der Kerze wird das Kunststoffelement nicht von dem brennbaren
Material getrennt, sondern stellt ein wichtiges Element der Kerze dar, beispielsweise
um zu verhindern, dass das brennbare Material unkontrolliert verläuft und/oder beispielsweise
zum Brandschutz, beispielsweise damit der Docht nicht in Kontakt mit der Auflagefläche
der Kerze kommt.
[0086] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung weist die Kerze einen Dochthalter zum Halten
des Dochts auf. Der Dochthalter kann mit dem Docht, insbesondere mit einem Ende des
Dochts, verbunden sein. Besonders bevorzugt ist der Dochthalter mit dem Boden der
Hülle der Kerze verbunden. Besonders bevorzugt wird der Dochthalter aus einem Material
ausgebildet, das Biopolymer aufweist. Beispielsweise kann zur Bildung des Dochthalters
ein Biopolymer-haltiger Verbundwerkstoff nach einem vorstehend beschriebenen Verfahren
zum Herstellen eines Verbundwerkstoffs enthaltend bereitgestellt werden. Hierdurch
wird es möglich im Stand der Technik verwendete Dochthalter aus Metallen zu ersetzen,
so dass die Kerze nach ihrem Abbrand vollständig kompostierbar ist.
[0087] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform des beispielhaften Verfahrens weist die Hülle
einen Bodenbereich auf, in dem eine Ein- und/oder Ausbuchtung und/oder eine Öffnung
vorgesehen ist, in der der Docht und/oder ein Dochthalter befestigt oder zumindest
teilweise eingebettet ist. Die Befestigung erfolgt besonders bevorzugt durch einen
Form-, Kraft- und/oder Stoffschluss. Durch die Ein- oder Ausbuchtung wird verhindert,
dass der Docht bei der Herstellung der Kerze und/oder beim Abbrand der Kerze verrutscht.
Vorzugsweise weist die Ein- und/oder Ausbuchtung einen Hinterschnitt auf, der form-
und/oder kraftschlüssig mit dem Docht und/oder mit dem Dochthalter zusammenwirkt.
Weiterhin bevorzugt ist der Bodenbereich zumindest abschnittsweise geneigt gegenüber
der Horizontalen vorgesehen. Dadurch wird sichergestellt, dass das brennbare Material,
das sich beim Abbrand der Kerze verflüssigt, in Richtung des Dochts fließt, so dass
zumindest ein möglichst vollständiger Abbrand des brennbaren Materials sichergestellt
ist.
[0088] Gemäß einer alternativ bevorzugten Ausführung des beispielhaften Verfahrens ist der
Dochthalter einstückig mit der Hülle ausgebildet.
[0089] Beispielhaft wird ferner in Verfahren beschrieben zum Herstellen einer Kerze mit
einem brennbaren Material, einem Docht und einer Hülle, in der das brennbare Material
und der Docht angeordnet sind, wobei zur Bildung der Hülle ein flüssiger Biopolymer-haltiger
Werkstoff, insbesondere Verbundwerkstoff, in eine Hohlform gefüllt wird und die Hohlform
bewegt wird, um den flüssigen Biopolymer-haltigen Werkstoff an der Innenkontur der
Hohlform zu verteilen.
[0090] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren nach Anspruch 1 zum Herstellen einer Kerze
mit einem brennbaren Material, einem Docht und einer Hülle, in der das brennbare Material
und der Docht angeordnet sind, wobei unter anderem zur Bildung der Hülle ein, insbesondere
gepresstes, brennbares Material in eine flüssige Biopolymer-Zubereitung getaucht wird,
und die Biopolymer-Zubereitung ausgehärtet wird.
[0091] Das brennbare Material kann teilweise in das flüssige Biopolymer eingetaucht werden,
Auf diese Weise lässt sich eine Hülle in Form eines becherartigen Gefäßes aus der
Biopolymer-Zubereitung erzeugen, dessen Innenkontur an die Außenkontur des brennbaren
Materials angepasst ist. Alternativ ist es möglich, dass brennbare Material vollständig
in die flüssige Biopolymer-Zubereitung einzutauchen, so dass ein verkapseltes Behältnis
für das brennbare Material gebildet wird. Bevorzugt wird ein Docht der Kerze vor dem
Eintauchen des brennbaren Materials in die flüssige Biopolymer-Zubereitung bereits
mit dem brennbaren Material verbunden. Besonders bevorzugt wird das brennbare Material
beim Eintauchen durch den Docht gehalten, so dass das brennbare Material an dem Docht
aus der flüssigen Biopolymer-Zubereitung herausgezogen werden kann.
[0092] Das brennbare Material ist bevorzugt in einem dem Tauchvorgang vorhergehenden Verfahrensschritt
durch Pressen geformt worden. Bevorzugt weist das brennbare Material einen Docht auf.
Das brennbare Material kann beispielsweise Wachs, beispielsweise Bienenwachs, Stearin
und/oder Paraffin sein, also insbesondere gehärtete oder raffinierte pflanzliche und/oder
tierische Fette, wachsähnliche Materialien und/oder technische Wachsgemenge.
[0093] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung wird das brennbare Material zunächst gekühlt,
insbesondere schockgefroren, und dann in die flüssige Biopolymer-Zubereitung eingetaucht.
Das Kühlen des brennbaren Materials kann beispielsweise durch kalte Luft erfolgen,
welche in Richtung des Tauchkörpers geblasen wird. Diese Luft weist bevorzugt eine
Temperatur im Bereich von 10 bis 20 °C, bevorzugt im Bereich von 15 bis 18 °C, beispielsweise
16 °C auf. Alternativ kann das Kühlen des brennbaren Materials mit flüssigem Stickstoff
erfolgen. Bevorzugt wird die Biopolymer-Zubereitung an dem brennbaren Material getrocknet,
insbesondere durch Aufblasen warmer Luft. Diese warme Luft kann eine Temperatur im
Bereich von 20 bis 30 °C, bevorzugt 23 bis 28 °C, beispielsweise 25 °C aufweisen.
Die Luftfeuchtigkeit dieser Luft beträgt bevorzugt 40% bis 60%, besonders bevorzugt
45% bis 55%, beispielsweise 51%. Das Trocknen kann in einer Durchlaufvorrichtung erfolgen,
beispielsweise in einem Trocknungstunnel. Bevorzugt wird die verfestigte Biopolymer-Zusammensetzung
für eine Trocknungsdauer getrocknet, die im Bereich von 30 Minuten bis 4 Stunden,
bevorzugt im Bereich von 45 Minuten bis 3 Stunden, liegt. Optional können weitere
Trocknungsprozesse Anwendung finden, beispielsweise induktives Trocknen, Trocknen
mittels Wärmelampe oder Infrarotstrahlung.
[0094] Beispielhaft beschrieben wird auch eine Kerze mit einem brennbaren Material, einem
Docht und einer Hülle, in der das brennbare Material und der Docht angeordnet sind,
wobei die Hülle aus einem Verbundwerkstoff enthaltend Biopolymer ausgebildet ist.
[0095] In einer vorteilhaften Ausgestaltung ist die Hülle aus Werkstoff bestehend aus Biopolymer
ausgebildet.
[0096] Gemäß einer vorteilhaften Ausbildung weist das Biopolymer Gelatine auf.
[0097] Die Hülle weist bevorzugt eine Dicke auf im Bereich von 1,4 bis 1,8 mm auf, besonders
bevorzugt von 1,6 bis 1,8 mm. Bei einer Ausgestaltung, in welcher die Hülle Gelatine
aufweist oder daraus gebildet ist, führt dies zu einer schweren Entflammbarkeit. Alternativ
bevorzugt kann die Dicke der Hülle < 1,4 mm betragen, so dass die Hülle selbst auch
entflammbar ist.
[0098] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung weist die Kerze einen Dochthalter zum Halten
des Dochts auf, wobei der Dochthalter aus einem Material ausgebildet wird, das Biopolymer
aufweist, insbesondere aus einem Biopolymer-haltigen Verbundwerkstoff. Der Dochthalter
kann mit dem Docht, insbesondere mit einem Ende des Dochts, verbunden sein. Besonders
bevorzugt ist der Dochthalter mit dem Boden der Hülle der Kerze verbunden. Beispielsweise
kann zur Bildung des Dochthalters ein gelatinehaltiger Verbundwerkstoff nach einem
vorstehend beschriebenen Verfahren zum Herstellen eines gelatinehaltigen Verbundwerkstoffs
bereitgestellt werden. Hierdurch wird es möglich im Stand der Technik verwendete Dochthalter
aus Metallen zu ersetzen, so dass die Kerze nach ihrem Abbrand vollständig kompostierbar
ist.
[0099] Bei der Kerze können auch die im Zusammenhang mit dem Werkstoff, insbesondere dem
Verbundwerkstoff, mit den Verfahren zum Herstellen eines Werkstoffs, insbesondere
Verbundwerkstoffs, oder Verfahren zum Herstellen einer Kerze beschriebenen vorteilhaften
Merkmale und Ausgestaltungen allein oder in Kombination Anwendung finden und umgekehrt.
[0100] Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Zeichnungen,
sowie aus der nachfolgenden Beschreibung von bevorzugten Ausführungsformen anhand
der Zeichnungen. Die Zeichnungen illustrieren dabei lediglich beispielhafte Ausführungsformen
der Erfindung, welche den Erfindungsgedanken nicht einschränken.
Kurze Beschreibung der Figuren
[0101]
- Figur 1
- zeigt eine Kerze, die gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen
Herstellungsverfahrens gefertigt ist, in einer Seitenansicht.
- Figuren 2a-f
- zeigen eine Kerze, die gemäß einem zweiten Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen
Herstellungsverfahrens gefertigt ist.
- Figur 3
- zeigt ein Flussdiagramm zur Veranschaulichung eines ersten beispielhaftenHerstellungsverfahrens.
- Figur 4
- zeigt ein Flussdiagramm zur Veranschaulichung eines beispielhaften Herstellungsverfahrens.
- Figur 5a und 5b
- zeigen einen Docht mit einem Dochthalter in einer Seitenansicht und einer perspektivischen
Ansicht.
- Figur 6
- zeigt eine beispielhafte Kerze.
- Figur 7
- zeigt eine beispielhafte Kerze.
- Figur 8
- zeigt ein Flussdiagramm zur Veranschaulichung des erfindungsgemäßen Herstellungsverfahrens.
- Figur 9
- zeigt ein Flussdiagramm zur Veranschaulichung eines dritten Ausführungsbeispiels des
erfindungsgemäßen Herstellungsverfahrens.
Ausführungsformen der Erfindung
[0102] In den verschiedenen Figuren sind gleiche Teile stets mit den gleichen Bezugszeichen
versehen und werden daher in der Regel auch jeweils nur einmal benannt bzw. erwähnt.
[0103] Figur 1 zeigt die eine erfindungsgemäß hergestellte Kerze 1. Die Kerze 1 weist ein brennbares
Material 3, beispielsweise Wachs, ein wachsähnliches Material oder ein technisches
Wachsgemenge, auf, in dem ein Docht 4 vorgesehen ist. Das brennbare Material 3 und
der Docht 4 sind in Hülle 2 angeordnet. Diese Hülle 2, die im vorliegenden Fall einen
Bodenbereich 2.2 und einen Wandbereich 2.1 aufweist, besteht zumindest aus einem gelatinehaltigen
Verbundwerkstoff. Die Gelatine kann vernetzt sein und ist vorzugsweise mit mindestens
einer Substanz versetzt, die die Brennbarkeit der Gelatine und/oder des Polysacharids
und/oder der Cellulose reduziert und/oder deren Glastemperatur erhöht. In dem vorliegenden
Fall ist die Kerze ein sogenanntes Teelicht, bei dem die Hülle 2 das brennbare Material
3 und den Docht 4 vollständig aufnimmt. Das brennbare Material wird mittels des Dochts
in der Hülle 2 abgebrannt. Danach wird die Hülle 2 entsorgt, indem sie beispielsweise
kompostiert wird. Die Hülle 2 ist aus einer gelatinehaltigen Folie tiefgezogen, die
zusätzlich zu der Gelatine einen Zusatzstoff aufweist. Der Zusatzstoff ist bevorzugt
ein Polysaccharid, insbesondere Cellulose und/oder Stärke. Die Stärke kann Maisstärke,
Maniokstärke, Kartoffelstärke, Weizenstärke, Reisstärke, Rosskastanienstärke sein.
[0104] Figuren 2a-2f zeigen eine zweite Kerze 1, die gemäß der Erfindung hergestellt wurde. Die Kerze
1 weist eine Hülle 2, einen Docht 4 und ein brennbares Material 3 auf, das den Docht
4 umgibt. Die Hülle 2 weist einen Bodenbereich 2.2 und einen hier zylindrischen Wandbereich
2.1 auf. Das brennbare Material 3 steht auf dem Bodenbereich 2.2 auf. Die Höhe des
Wandbereichs 2.1 ist in dem vorliegenden Fall kleiner als die Höhe des brennbaren
Materials 3. Gemäß einer Abwandlung der dargestellten Kerze entspricht die Höhe des
brennbaren Materials 3 der Höhe der Seitenwand 2.1 oder die Höhe der Seitenwand 2.1
übersteigt sogar die Höhe des brennbaren Materials 3. Die Innenkontur der Hülle 2
kann derart vorgesehen sein, dass die Hülle 2 die Außenkontur des brennbaren Materials
3 im Wesentlichen spaltfrei umschließt. Es ist aber auch möglich, dass die Kontur
der Seitenwand 2.1 kleiner oder größer als die Kontur des brennbaren Materials 3 vorgesehen
ist, so dass die Seitenwand 2.1 der Hülle 2 nicht zu sehen ist oder ein Spalt zwischen
der Innenkontur der Seitenwand 2.1 und dem brennbaren Material 3 vorgesehen ist. Die
Hülle 2 kann demnach als Kerzenhalter, beispielsweise bei einem Adventskalender dienen.
Sie verhindert dann das Auslaufen von Wachs und dient als Brennstopp für den Docht
4.
[0105] Anhand der Darstellung in
Figur 3 soll nachfolgend auf die einzelnen Abläufe eines ersten Ausführungsbeispiels des
erfindungsgemäßen Herstellungsverfahrens zur Herstellung einer Kerze eingegangen werden.
[0106] Zunächst wird die Gelatine in einem Bereitstellungsschritt 101 in sprühfähiger Form
bereitgestellt, also beispielsweise als Gelatine in wässriger Lösung oder als Dispersion.
[0107] Danach wird die Gelatine in einem Sprühschritt 102 versprüht. Zum Versprühen der
Gelatine kommt bevorzugt eine Druckdüse, insbesondere eine Turbulenz-, Flachstrahl-,
Prall- oder Hohlkegeldruckdüse, zur Anwendung. Alternativ kann zum Versprühen der
Gelatine eine Zweistoffdüse verwendet werden, die beispielsweise mit Luft als Trägergas
betrieben wird.
[0108] Beim dem Ausführungsbeispiel nach
Figur 3 wird zusammen mit der sprühfähigen Gelatine ein Zusatzstoff versprüht. Die Gelatine
und der Zusatzstoff werden in dem Sprühschritt 102 in eine Werkzeugform gesprüht und
zur Bildung eines den Zusatzstoff umfassenden, gelatinehaltigen Verbundwerkstoffs
in der Werkzeugform ausgehärtet. Als Zusatzstoff wird ein ein Polysaccharid verwendet,
insbesondere Cellulose und/oder Stärke.
[0109] Beim Versprühen der Gelatine und des Zusatzstoffs wird die Umgebungsluft auf eine
Temperatur im Bereich von 25 °C bis 80 °C, bevorzugt im Bereich von 50 °C bis 80 °C,
besonders bevorzugt im Bereich von 60 °C bis 70°C, temperiert, so dass das Aushärten
der Gelatine beschleunigt wird.
[0110] In einer dem Sprühschritt 102 nachfolgenden Ruhephase 103 wird der die Gelatine und
das Zusatzmaterial aufweisende Verbundwerkstoff ausgehärtet. Im Vergleich zu einem
Gießverfahren kann die Ruhephase 103 bei dem erfindungsgemäßen Sprühverfahren kürzer
ausfallen.
[0111] Bei dem Ausführungsbeispiel nach
Figur 3 ist die Werkzeugform eine Negativform einer Kerzenhülle, so dass der Verbundwerkstoff
in der Form einer Hülle einer Kerze gebildet wird.
[0112] Nach dem Aushärten der Hülle wird ein Docht in die Hülle eingebracht, siehe Schritt
201.
[0113] Dann wird in einem Einfüllschritt 202 ein brennbares Material, vorzugsweise in flüssiger
oder pastöser Form, in die Hülle eingefüllt. In einem dem Einfüllschritt nachfolgenden
Aushärteschritt 203 härtet das brennbare Material aus. Die Hülle kann vor, während
und/oder nach dem Einfüllen des brennbaren Materials gekühlt werden, um das Aushärten
des brennbaren Materials zu beschleunigen.
[0114] Mit dem in
Figur 3 gezeigten Herstellungserfahren wird eine Kerze erhalten, die ein brennbares Material,
einen Docht und eine Hülle aufweist, in der das brennbare Material und der Docht angeordnet
sind. Im Gebrauch wird der Docht der Kerze angezündet und das brennbare Material verflüssigt
sich innerhalb der Hülle und verbrennt sukzessive. Die leere Hülle kann dann kompostiert
werden.
[0115] Anhand der Darstellung in
Figur 4 soll nachfolgend auf die einzelnen Abläufe eines zweiten Ausführungsbeispiels des
erfindungsgemäßen Herstellungsverfahrens zur Herstellung einer Kerze eingegangen werden.
[0116] Zunächst wird die Gelatine in einem Bereitstellungsschritt 101 in sprühfähiger Form
bereitgestellt, also beispielsweise als Gelatine in wässriger Lösung oder als Dispersion.
[0117] Zudem wird ein Substrat aus einem Zusatzstoff wie beispielsweise Cellulose und/oder
Stärke bereitgestellt. Bei dem Substrat handelt es sich bevorzugt um ein plattenförmiges
oder bandförmiges Substrat, beispielsweise um eine Papierbahn oder eine Folienbahn.
[0118] In dem Sprühschritt 102 wird die sprühfähige Gelatine auf das Substrat gesprüht.
Die Gelatine kann die Oberfläche des Substrats insbesondere vollständig benetzen.
Bevorzugt dringt die Gelatine in das Substrat ein.
[0119] In der nachfolgenden Ruhephase 103 wird die Gelatine ausgehärtet und ein den Zusatzstoff
umfassender, gelatinehaltiger Verbundwerkstoffs erhalten. Dieser Verbundwerkstoff
ist plattenförmig oder bandförmig oder folienartig und weist Gelatine als Matrixmaterial
auf.
[0120] In einem Thermoformschritt 104 wird der gelatinehaltige Verbundwerkstoff zur Bildung
der Hülle durch Thermoformen umgeformt. Dabei kann der gelatinehaltige Verbundwerkstoff
erwärmt und dann unter Druck und/oder mit Vakuum in eine Matrize geformt werden. Beim
Verformen kann ein Stempel zum Einsatz kommen, der den gelatinehaltigen Verbundwerkstoff
in die Matrize drückt. Während des Thermoformens und/oder nach dem Thermoformen kann
Wasserdampf zugeführt werden.
[0121] Nach dem Thermoformschritt 104 wird die Hülle der Kerze mit einem Docht versehen
(Schritt 201) und sodann in einem Einfüllschritt 202 mit fließfähigem brennbaren Material
zumindest teilweise, vorzugsweise lediglich teilweise befüllt. Das brennbare Material
härtet in der tiefgezogenen Hülle aus (Schritt 203). Die Hülle kann vor, während und/oder
nach dem Einfüllen des brennbaren Materials gekühlt werden, um das Aushärten des brennbaren
Materials zu beschleunigen.
[0122] Mit dem in
Figur 4 gezeigten Herstellungserfahren wird eine Kerze 1 erhalten, die ein brennbares Material
3, einen Docht 4 und eine Hülle aufweist, in der das brennbare Material 3 und der
Docht 4 angeordnet sind. Im Gebrauch wird der Docht 4 der Kerze 1 angezündet und das
brennbare Material 3 verflüssigt sich innerhalb der Hülle 2 und verbrennt sukzessive.
Die leere Hülle 2 kann dann kompostiert werden.
[0123] Figur 5a und 5b zeigen einen Dochthalter 7, der mit dem Docht 4 verbunden ist. Vorzugsweise ist der
Dochthalter 7 mit der Hülle 2 verbunden, beispielsweise verklebt. Vorzugsweise umfasst
der Kleber auch Gelatine. Vorzugsweise ist der Dochthalter 7 aus demselben Material
wie die Hülle 2 gefertigt und/oder weist zumindest Gelatine auf.
[0124] In der
Figur 6 ist ein drittes Ausführungsbeispiel einer Kerze 1 gezeigt. Die Kerze 1 weist ein
brennbares Material 3, beispielsweise Wachs, ein wachsähnliches Material oder ein
technisches Wachsgemenge, auf, in dem ein Docht 4 vorgesehen ist. Das brennbare Material
3 und der Docht 4 sind in einer Hülle 2 angeordnet. Der Docht 4 ist mit einem Ende
ist mit einem Dochthalter 7 verbunden. Der Dochthalter ist mit dem Boden der Hülle
2 der Kerze 1 verbunden.
[0125] Die Kerze 1 gemäß
Figur 7 unterscheidet sich von der in der Figur 6 gezeigten Kerze dadurch, dass sie zusätzlich
einen Deckel 6 aufweist, welcher die Hülle 2 nach ober abschließt, wobei der Deckel
6 eine Öffnung für den Docht 4 umfasst. Eine derartige Kerze kann bevorzugt einen
flüssiges brennbares Material 3 aufweisen. Zum Herstellen dieser Kerze 1 kommt bevorzugt
ein Verfahren zur Anwendung, bei dem das brennbare Material 3 in die Hülle 2 eingefüllt
und nach dem Einfüllen des brennbaren Materials 3 ein mit der Hülle 2 verbundener
Deckel 6 auf die Hülle 2 aufgebracht wird, wobei der Deckel 6 erzeugt wird, indem
Gelatine in sprühfähiger Form bereitgestellt wird, die sprühfähige Gelatine versprüht
und ausgehärtet wird. Bei einem derartigen Verfahren wird zunächst die Hülle 2 erzeugt,
indem die sprühfertige Gelatine in eine Werkzeugform gesprüht wird. Danach kann die
Hülle 2 ausgehärtet werden. Danach kann der Docht 4, bevorzugt ein mit einem Dochthalter
7 verbundener Docht 4, in die Hülle 2 eingebracht werden. In einem nachfolgenden Schritt
kann das, insbesondere flüssige, brennbare Material in die Hülle 2 aus dem gelatinehaltigen
Werkstoff eingebracht werden. Danach kann der Deckel 6 auf die Hülle aufgebracht werden,
indem - wie vorstehend erwähnt - Gelatine in sprühfähiger Form bereitgestellt und
auf die Hülle 2 und das brennbare Material versprüht wird. Danach kann das Material
des Deckels 6 ausgehärtet werden, um eine gekapselte Kerze 1 mit flüssigem brennbaren
Material 3 zu erhalten.
[0126] Anhand der Darstellung in
Figur 8 soll nachfolgend auf die einzelnen Abläufe eines dritten Ausführungsbeispiels des
erfindungsgemäßen Herstellungsverfahrens zur Herstellung einer Kerze eingegangen werden.
[0127] Zunächst wird die Biopolymer-Zubereitung in einem Bereitstellungsschritt 301 in flüssiger
Form bereitgestellt, also beispielsweise als Gelatine in wässriger Lösung oder als
Dispersion. Ferner wird in dem Bereitstellungsschritt 301 ein brennbares Material
in fester Form bereitgestellt, beispielsweise ein gepresstes brennbares Material.
Bevorzugt ist das brennbare Material bereits mit einem Docht der Kerze verbunden.
[0128] In einem dem Bereitstellungsschritt 301 nachfolgenden Kühlschritt 302 wird das brennbare
Material gekühlt, insbesondere schockgefroren. Bevorzugt erfolgt das Kühlen durch
kalte Luft, welche in Richtung des brennbaren Materials geblasen wird. Diese Luft
weist bevorzugt eine Temperatur im Bereich von 10 bis 20 °C, bevorzugt im Bereich
von 15 bis 18 °C, beispielsweise 16 °C auf.
[0129] In einem dem Kühlschritt 302 nachfolgenden Tauchschritt 303 wird das brennbare Material
in die flüssige Biopolymer-Zubereitung eingetaucht. Hierzu kann das brennbare Material
beispielsweise an dem, insbesondere nach oben aus dem brennbaren Material hervorstehenden,
Docht gehalten werden. Alternativ kann das brennbare Material direkt gehalten werden,
beispielsweise durch eine Greifeinrichtung, die das brennbare Material greift, oder
durch eine Unterdruckansaugeinrichtung, die das brennbare Material durch Unterdruck
ansaugt.
[0130] Nach dem Tauchschritt 303 wird das mit der Biopolymer-Zubereitung benetzte brennbare
Material aus der flüssigen Biopolymer-Zubereitung entfernt und in einem Schwenkschritt
304 geschwenkt, um die Verteilung der Biopolymer-Zubereitung auf der Außenkontur des
brennbaren Materials einzustellen.
[0131] Nach dem Schwenkschritt 304 wird die Hülle aus Biopolymer-Zubereitung in einem Trocknungsschritt
305 getrocknet, insbesondere durch Aufblasen warmer Luft. Diese warme Luft kann eine
Temperatur im Bereich von 20 bis 30 °C, bevorzugt 23 bis 28 °C, beispielsweise 25
°C aufweisen. Die Luftfeuchtigkeit dieser Luft beträgt bevorzugt 40% bis 60%, besonders
bevorzugt 45% bis 55%, beispielsweise 51%. Das Trocknen kann in einer Durchlaufvorrichtung
erfolgen, beispielsweise in einem Trocknungstunnel. Bevorzugt wird die verfestigte
Biopolymer-Zusammensetzung für eine Trocknungsdauer getrocknet, die im Bereich von
30 Minuten bis 4 Stunden, bevorzugt im Bereich von 45 Minuten bis 3 Stunden, liegt.
Optional können weitere Trocknungsprozesse Anwendung finden, beispielsweise induktives
Trocknen, Trocknen mittels Wärmelampe oder Infrarotstrahlung.
[0132] Anhand der Darstellung in
Figur 9 soll nachfolgend auf die einzelnen Abläufe eines vierten Ausführungsbeispiels des
erfindungsgemäßen Herstellungsverfahrens zur Herstellung einer Kerze eingegangen werden.
[0133] Zunächst wird die Biopolymer-Zubereitung in einem Bereitstellungsschritt 401 in flüssiger
Form bereitgestellt, also beispielsweise als Gelatine in wässriger Lösung oder als
Dispersion.
[0134] In einem dem Bereitstellungsschritt 401 nachfolgenden Kühlschritt 402 wird ein Tauchkörper,
beispielsweise aus einem Metall oder aus einem Kunststoff, insbesondere einem Silikon,
gekühlt. Der Tauchkörper weist eine Außenkontur auf, die der Innenkontur des zu bildenden
Werkstoffs, hier einer Hülle der Kerze, entspricht. Bevorzugt erfolgt das Kühlen durch
kalte Luft, welche in Richtung des brennbaren Materials geblasen wird. Diese Luft
weist bevorzugt eine Temperatur im Bereich von 10 bis 20 °C, bevorzugt im Bereich
von 15 bis 18 °C, beispielsweise 16 °C auf.
[0135] In einem dem Kühlschritt 402 nachfolgenden Tauchschritt 403 wird der Tauchkörper
in die flüssige Biopolymer-Zubereitung eingetaucht.
[0136] Nach dem Tauchschritt 403 wird der mit der Biopolymer-Zubereitung benetzte Tauchkörper
aus der flüssigen Biopolymer-Zubereitung entfernt, beispielsweise durch eine lineare
Bewegung senkrecht zur Oberfläche der flüssigen Biopolymer-Zubereitung. In einem Schwenkschritt
404 wird der Tauchkörper geschwenkt, um die Verteilung der Biopolymer-Zubereitung
auf der Außenkontur des brennbaren Materials einzustellen. Hierbei wird der Tauchkörper
von einer Tauchstellung, in welcher ein Bodenbereich des Tauchkörpers nach unten gerichtet
ist, in einer ersten Schwenkrichtung eine erste Schwenkstellung geschwenkt, wobei
der Tauchkörper in der ersten Schwenkstellung besonders bevorzugt gegenüber der Tauchstellung
um einen Winkel im Bereich von 10° bis 60°, bevorzugt 15° bis 45°, besonders bevorzugt
20° bis 40°, verschwenkt ist. Besonders bevorzugt wird der Tauchkörper ausgehend von
der ersten Schwenkstellung in eine zweite Schwenkstellung verbracht, bevorzugt durch
eine Schwenkbewegung in einer zweiten Schwenkrichtung, die der ersten Schwenkrichtung
entgegengesetzt ist. In der zweiten Schwenkstellung ist der Tauchkörper bevorzugt
um 180° gegenüber der Tauchstellung verschwenkt. Insofern ist der Tauchkörper in der
zweiten Schwenkstellung nach oben gerichtet. Hierdurch kann eine gleichmäßige Benetzung
eines Tauchkörpers mit einem ebenen Bodenbereich erreicht werden.
[0137] Nach dem Schwenkschritt 404 wird die Hülle aus Biopolymer-Zubereitung in einem Trocknungsschritt
405 getrocknet, insbesondere durch Aufblasen warmer Luft. Diese warme Luft kann eine
Temperatur im Bereich von 20 bis 30 °C, bevorzugt 23 bis 28 °C, beispielsweise 25
°C aufweisen. Die Luftfeuchtigkeit dieser Luft beträgt bevorzugt 40% bis 60%, besonders
bevorzugt 45% bis 55%, beispielsweise 51%. Das Trocknen kann in einer Durchlaufvorrichtung
erfolgen, beispielsweise in einem Trocknungstunnel. Bevorzugt wird die verfestigte
Biopolymer-Zusammensetzung für eine Trocknungsdauer getrocknet, die im Bereich von
30 Minuten bis 4 Stunden, bevorzugt im Bereich von 45 Minuten bis 3 Stunden, liegt.
Optional können weitere Trocknungsprozesse Anwendung finden, beispielsweise induktives
Trocknen, Trocknen mittels Wärmelampe oder Infrarotstrahlung.
[0138] Nach dem Trocknen folgt ein Entformungsschritt 406, in welchem die ausgehärtete Hülle
aus der Biopolymer-Zubereitung von dem Tauchkörper gelöst wird. Ist der Tauchkörper
aus einem Metall gebildet, so kann eine Auswurfeinrichtung zu Anwendung kommen, welche
die Hülle durch eine Bewegung eines Auswurfselements oder durch Auslassen eines Gases
von dem Tauchkörper löst. Bei einem Tauchkörper aus Kunststoff bzw. Silikon wird der
Tauchkörper zum Entformen bevorzugt deformiert. Beispielsweise kann der Tauchkörper
eine deformierbare Kunststoffhülle, insbesondere eine deformierbare Silikonhülle,
und einen Hohlraum aufweisen, der von der deformierbaren Kunststoffhülle, insbesondere
der deformierbaren Silikonhülle, zumindest teilweise umschlossen ist. Der Tauchkörper,
insbesondere die Kunststoffhülle bzw. Silikonhülle, kann derart verformt werden, dass
der Hohlraum, zumindest bereichsweise, verkleinert wird. Hierdurch wird das Entfernen
der auf der äußeren Oberfläche des Tauchkörpers abgeschiedenen, insbesondere verfestigten,
Biopolymer-Zubereitung erleichtert.
[0139] In einem weiteren Schneideschritt 407 kann die Hülle der Kerze an ihrer offenen Seite
geschnitten werden, um eine gerade Oberkante der Hülle zu erzeugen. Nachfolgend wird
dann ein Docht in die Hülle eingebracht. Daraufhin wird ein brennbares Material, vorzugsweise
in flüssiger oder pastöser Form, in die Hülle eingefüllt. Das brennbare Material härtet
aus. Die Hülle kann vor, während und/oder nach dem Einfüllen des brennbaren Materials
gekühlt werden, um das Aushärten des brennbaren Materials zu beschleunigen.
Bezugszeichenliste
[0140]
- 1
- Kerze
- 2
- Kunststoffelement
- 2.1
- Seitenwand
- 2.2
- Bodenbereich
- 3
- brennbares Material
- 4
- Docht
- 6
- Deckel
- 7
- Dochthalter
- 101
- Bereitstellungsschritt
- 102
- Sprühschritt
- 103
- Ruhephase
- 104
- Thermoformschritt
- 201
- Einbringen des Dochts
- 202
- Einfüllschritt
- 203
- Aushärteschritt
- 301
- Bereitstellungsschritt
- 302
- Kühlschritt
- 303
- Tauchschritt
- 304
- Schwenkschritt
- 305
- Trocknungsschritt
- 401
- Bereitstellungsschritt
- 402
- Kühlschritt
- 403
- Tauchschritt
- 404
- Schwenkschritt
- 405
- Trocknungsschritt
- 406
- Entformungsschritt
- 407
- Schneideschritt