[0001] Die Erfindung betrifft eine textile Bewehrungsstruktur für ein Bauteil, das Bauteil
umfassend ein zweites Matrixmaterial, wobei die Bewehrungsstruktur wenigstens eine
Wand aufweist, die Öffnungen umfasst und offenmaschig aus textilen Fasern, die durch
ein erstes Matrixmaterial in einer im wesentlichen starren Form gehalten werden, aufgebaut
ist, und wobei die Bewehrungsstruktur einen senkrecht zu einer Schwerpunktachse geschlossenen
Querschnitt mit mindestens einem Hohlraum im Inneren aufweist, wobei die lichte Größe
der Öffnungen ein Durchdringen der Wand mit dem zweiten Matrixmaterial ermöglicht,
sodass dieses in den Hohlraum der Bewehrungsstruktur gelangen kann.
[0002] Ein offenmaschiger Aufbau zeichnet sich durch netzartig ausgebildete, für den vorgesehenen
Zweck ausreichend große Öffnungen aus. Insbesondere ist die Mindestgröße der Maschen
durch die granulometrischen Eigenschaften des zweiten Matrixmaterials bestimmt, das
bei der bestimmungsgemäßen Verwendung der textilen Bewehrungsstruktur das zweite Matrixmaterial
ungehindert hindurchdringen kann.
[0003] Der Verbundwerkstoff Stahlbeton ist der derzeit meistverwendete Baustoff weltweit.
Mit diesem werden und wurden in der Vergangenheit einzigartige Bauwerke errichtet.
Jedoch besitzt der Werkstoff einen gravierenden Nachteil. Der Bewehrungsstahl, welcher
im Verbundwerkstoff die auftretenden Zugkräfte aufnimmt, muss von einer mehrere Zentimeter
dicken Betonschicht umgeben werden, damit der Stahl nicht korrodiert. Trotz dieser
mehrere Zentimeter dicken Schutzschicht treten und traten immer wieder Schäden an
Stahlbetonbauwerken auf, die auf die Korrosion der Bewehrung zurückzuführen sind.
[0004] Aus diesem Grund wurde im Laufe der letzten Jahre der neuartige Verbundwerkstoff
Carbon- bzw. Textilbeton entwickelt, welcher den rostenden Stahl durch nicht korrodierende
Carbonfasern ersetzt. Ebenso kommen Glas,- Basalt und Aramidfasern zum Einsatz. Infolgedessen
kann die Betonschicht, die zum Schutz von Stahlbewehrung vor Korrosion erforderlich
ist, auf ein Minimum reduziert werden, wodurch Beton und folglich wichtige Ressourcen
gespart werden können. Ein weiterer Vorteil, welcher sich durch die Verwendung von
Carbon anstelle von Stahl ergibt, ist die um ein Vielfaches höhere Leistungsfähigkeit
von Carbon im Unterschied zu Stahl, wodurch ebenfalls an Bewehrung gespart werden
kann. In Summe ermöglicht der Textil- bzw. Carbonbeton im Vergleich zum Stahlbeton
filigrane und hochleistungsfähige Bauteile, die das Bauen nachhaltig beeinflussen.
[0005] Aus der Druckschrift
DE 10 2015 100 386 A1 ist ein Bewehrungselement bekannt, das als Stab aufgebaut und im Wesentlichen eindimensional
wirksam ist. Der Stab weist in ein Matrixmaterial eingebettete Filamente auf. Die
Filamente liegen in einer Zugrichtung ausgerichtet vor und sind von einem mineralischen
Matrixmaterial im Wesentlichen vollständig umgeben. Als Matrixmaterial ist Feinbeton
oder eine Suspension mit Feinzement vorgesehen.
[0006] Durch die Verwendung von hochleistungsfähigen Bewehrungselementen dieser Art, in
denen Carbonfasern zum Einsatz kommen, die Festigkeiten im Bereich von über 4000 N/mm
2 besitzen können, ergibt sich das Problem der Kraftübertragung zwischen den Bewehrungselementen
und dem Matrixmaterial Beton. Die hohen Kräfte der Carbonbewehrung müssen zielgerecht
in den Beton eingeleitet werden, um das Carbon effizient ausnutzen zu können. So sollten
auch mit der Verwendung von Carbonelementen kurze Verankerungslängen möglich sein,
um einen wirtschaftlichen Einsatz gewährleisten zu können.
[0007] Als Bewehrung kommen beim Carbon- bzw. Textilbeton verschiedene Elemente zur Anwendung.
Dabei können sowohl Gelege, beispielsweise biaxiale, multiaxiale oder dreidimensionale
Gelege, als auch Stäbe zum Einsatz kommen. Nachfolgend wird der Stand der Technik
von Gelegen sowie Stäben dargestellt.
[0008] Gelege übertragen die Kräfte zum Beton über Haftung oder Reibung. Bei hartgetränkten
Gelegen, z. B. bei einer Tränkung mit Epoxidharz, ergibt sich zusätzlich noch ein
Formschluss des Geleges mit dem umgebenden Beton. Dieser Formschluss, der durch die
Welligkeit der Textilien in der Ebene entsteht, führt oftmals zu großen Verbundspannungen
und zum Spalten des Betons.
[0009] Bei weich getränkten Gelegen, z. B. bei einer Tränkung mit SBR (Styrol-Butadien-Rubber),
erfolgt die Kraftübertragung überwiegend über Haftung und Reibung. Um jedoch den Verbund
zwischen Beton und Gelege zu verbessern, werden die Gelege beispielsweise umgelenkt
bzw. umgeklappt oder in die Form einer Schlaufe gebracht.
[0010] Weitere Möglichkeiten oder Bestrebungen zur Verbundverbesserung bestehen darin, dass
nachträglich Verankerungselemente aufgebracht werden, die den Verbund verbessern und
eine mechanische Kraftübertragung gewährleisten sollen. Außerdem kommen dreidimensionale
Gelege zum Einsatz, welche durch die zusätzlichen Polfäden (Fäden, welche die flächigen
Gelege miteinander verbinden) die Kraftübertragung zwischen Beton und Gelege verbessern.
[0011] Ein derartiges Gelege, das eine textile Bewehrung für ein Betonbauteil aus von polymeren
Bindemitteln freiem Garn bildet, beschreibt die Druckschrift
DE 10 2016 100 455 A1, einschließlich eines Verfahrens und einer Vorrichtung zu seiner Erzeugung. Eine
Verlegeeinrichtung ist vorgesehen, bei der eine Positionierreinrichtung oder ein Verlegeroboter
zumindest zweidimensional relativ zu einer Garnabgabeeinrichtung beweglich angeordnet
ist. Die Verlegeeinrichtung ist zur Ausbildung eines Spanngeleges aus von polymeren
Bindemitteln freiem Garn innerhalb eines Grundrahmens ausgebildet. Der Grundrahmen
weist Garnhalteeinrichtungen im Bereich von Außenkanten des Grundrahmens und/oder
von Aussparungen auf, wobei die Garnhalteeinrichtungen zugleich Umlenkpunkte des Garns
bilden.
[0012] Bei Stäben, beispielsweise Carbonstäben, wird zur Verbesserung des Verbundes analog
zum Bewehrungsstahl versucht, durch eine geeignete Oberflächenprofilierung einen ausreichenden
Verbund zu gewährleisten. Dabei werden verschiedene Konzepte zur Erzielung einer Verbundtragfähigkeit
verfolgt, da eine Rippenstruktur, die bei Bewehrungselementen aus Stahl üblich ist,
aufgrund der Anisotropie der Carbonfasern nicht realisierbar bzw. ineffizient wäre.
Daher werden Carbonstäbe beispielsweise mit einer zusätzlichen Sandschicht versehen,
wodurch der Haft- und Reibverbund im Vergleich zu einem glatten Carbonstab verbessert
werden kann. Weitere Varianten bei Carbonstäben sind das Aufbringen einer nachträglichen
Rippenstruktur beispielsweise aus Kunstharz, das nachträgliche Umwickeln von einzelnen
Fasersträngen (schlaff oder straff), Formvariation der Carbonstäbe im Herstellprozess
zur Verbundverbesserung (z. B. Herstellen eines Stabes in Form einer Helix) oder das
nachträgliche Fräsen zur Herstellung von Vertiefungen als negative Rippen.
[0013] Die zuvor genannten Methoden verfolgen alle das Ziel, den Verbund zwischen Beton
und Bewehrung zu verbessern, um die Bewehrungselemente effizient nutzen zu können.
Bei Gelegen wird dies maßgeblich durch nachträgliche Verankerungskörper bzw. Umformungen,
Schlaufen usw. erreicht. Diese Maßnahmen zur Verbesserung des Verbunds müssen aber
immer in einem zusätzlichen Produktions- bzw. Arbeitsschritt erfolgen, was wiederum
mit weiteren Kosten verbunden ist.
[0014] Analog zu den Carbongelegen werden die Maßnahmen zur Verbundverbesserung bei Carbonstäben
ebenfalls nachträglich aufgebracht, was wiederum die Herstell- und Produktionszeiten
verlängern und zu zusätzlichen Kosten führen kann. So werden Carbonstäbe nach dem
Stand der Technik in einem Pultrusionsprozess hergestellt und anschließend wird eine
Profilierung, beispielsweise durch Fräsen, jedenfalls in einem weiteren Produktionsschritt,
aufgebracht. Neben den Nachteilen aufgrund der längeren Produktionszeiten und zusätzlicher
Kosten werden aufgrund des Fräsens der Profilierung in den Carbonstab ebenfalls wertvolle
Ressourcen verschwendet. Aktuell wird mit den genannten verbundverbessernden Maßnahmen
ein Verbundverhalten zwischen Beton und Stab analog zum Stahlbetonbau erreicht. Jedoch
ist dies nicht ausreichend, da die Carbonfasern Festigkeiten besitzen, die 4-6-mal
leistungsfähiger sind als Stahl, wodurch sich rein rechnerisch auch 4-6-mal höhere
Endverankerungslängen, unter Annahme gleicher Verbundfestigkeiten wie beim Betonstahl,
ergeben. Dies ist jedoch für einen wirtschaftlichen und effizienten Einsatz der Carbonelemente
unzureichend.
[0015] Weitere dreidimensionale Strukturen sind aus dem Stand der Technik bekannt. So beschreiben
die Druckschriften
DE 10 2014 200 792 B4 und
EP 2 530 217 B1 Flächengebilde, die mittels einer Abstandsstruktur oder als bereits dreidimensional
gefertigtes Abstandsgewebe oder -gewirke eine textile Bewehrungsstruktur ausbilden.
Aus der Druckschrift
DE 10 2016 124 226 A1 ist weiterhin ein Gitterträger bekannt, dessen Wirkung ebenfalls auf einem flächigen
textilen Bewehrungselement beruht, das durch Scharen von faden- oder garnförmigen
Einzelelementen gebildet wird, die als Abschnitte von einem Gurt und von Streben dienen.
Allerdings ist in allen Fällen die großflächige Struktur nicht geeignet, um diskrete
Bewehrungselemente wie Bewehrungsstäbe oder Bewehrungskörbe effektiv zu ersetzen.
[0016] Die Lösung aus der Druckschrift
DE 10 2012 101 498 A1 sieht ebenfalls ein textiles Gitter vor, das leicht vom Matrixmaterial durchdrungen
werden kann. Es ist dazu weiterhin vorgesehen, das zunächst als flache Struktur gefertigte
textile Gitter in eine U-Form zu bringen und damit ein diskretes Bewehrungselement
zu erhalten. Allerdings weist die offene U-Form gegenüber geschlossenen Querschnittsformen
eine geringere Steifigkeit auf.
[0017] Die Druckschrift
WO 98/ 09 042 A1 zeigt eine textile Bewehrungsstruktur 21, 25, 37, 41 (vgl. Ansprüche 1, 2, 7 - 12,
14 - 17, 19 - 21; S. 8, 2. Absatz bis S. 12, 4. Absatz; Figuren 4 bis 7e). Diese umfasst
ein erstes Matrixmaterial (Anspruch 20; S. 12, 4. Absatz) und ist für ein Bauteil
vorgesehen (Anspruch 1), dieses umfassend ein zweites Matrixmaterial (Anspruch 14).
Die Bewehrungsstruktur 21, 25, 37, 41 weist wenigstens eine offenmaschig aufgebaute
Wand auf (Figuren 4, 5, 6a, 7a), die ein Durchdringen der Wand mit dem zweiten Matrixmaterial
ermöglicht, sodass dieses in das Innere der Bewehrungsstruktur gelangen kann (Anspruch
1, S. 8, 1. Absatz). Die Bewehrungsstruktur weist einen geschlossenen Querschnitt
senkrecht zu einer ersten Hauptrichtung, einer Schwerpunktachse auf (Ansprüche 7 und
9, Figuren 4 - 7e). Allerdings ist der Verlauf der vorgeschlagenen Bewehrungsstruktur
21, 25, 37, 41 grundsätzlich linear. Eine Anpassung an die konkreten Spannungsverläufe
innerhalb eines Bauteils ist nicht vorgesehen. Da grundsätzlich nur eine gleichmäßig
über den Randbereich des Bauteils verlaufende Bewehrung mit kreisförmigem Querschnitt
vorgesehen ist, kann diese damit nur in einigen wenigen ausgewählten Spezialfällen
eine gezielt lastgerecht ausgeführte Bewehrung bilden.
[0018] Die Druckschrift
DE 20 2005 019 077 U1 beschreibt ebenfalls eine Bewehrungsstruktur (Figuren 1, 2, 7 bis 9; Ansprüche 1
bis 6, 10 bis 13, 15 bis 18 sowie Abs. [0021]), ohne jedoch eine textile Ausführung
vorzusehen. Eine derartige auf rigiden Stäben basierende Struktur ist schwierig zu
fertigen. Dazu müssen fertige Stäbe mit definierter Länge nachträglich gebogen und
können erst dann zu einer geschlossenen Struktur verbunden werden. Dies birgt zum
einen das Risiko einer Materialschädigung des Stabes, da die Stäbe beim Biegen auf
der Innenseite der Biegung Druck erfahren, der insbesondere bei druckempfindlichen
Fasermaterialien wie Carbon zum Ausknicken und/oder Druckversagen von Fasern führt,
sodass anschließend die Tragfähigkeit des Gesamtquerschnitts geschwächt ist. Zum anderen
ist es problematisch, die Stäbe mit definierter Länge jeweils an ihren Enden miteinander
zu verbinden, um eine kraftschlüssig in sich geschlossene Struktur zu erzielen. Dafür
sind gesonderte Verbindungsmittel oder große Übergreifungsstöße innerhalb der Struktur
erforderlich, die sich störend auf das Gesamttragverhalten und die Eigenschaften eines
Bauteils auswirken.
[0019] Aus der Druckschrift
DE 10 2017 102 366 A1 ist wiederum ein Halbfertigteil bekannt, das zur Fertigstellung mit Aufbeton versehen
wird. Allerdings bietet es keine Anbindung der Bewehrung an den Aufbeton, diese ist
vollständig im Halbfertigteil eingegossen. Zudem ist das vorgeschlagene Bewehrungsgitter
ein flexibles textiles Flächengebilde, das in einem zusätzlichen nachträglichen Produktionsschritt
in die gewünschte Form gebracht werden muss und mangels Eigensteifigkeit nicht ohne
zusätzliche Befestigungsmittel oder Betonmatrix in dieser Form bleiben kann.
[0020] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine textile Bewehrungsstruktur,
die als ein dreidimensionales Gebilde mit offenmaschigen Wänden ausgebildet ist, einen
verbesserten Verbund mit dem Matrixmaterial, eine verbesserte Steifigkeit und eine
lastgerechte Ausführung zur Anpassung an die konkreten Spannungsverläufe innerhalb
eines später zu bewehrenden Bauteils ermöglicht, anzubieten.
[0021] Die Aufgabe wird gelöst durch eine textile Bewehrungsstruktur für ein Bauteil. Das
Bauteil umfasst ein zweites Matrixmaterial, insbesondere Beton. Die Bewehrungsstruktur
weist wenigstens eine aus textilen Fasern, beispielsweise in Form von Fasersträngen
vorliegend, offenmaschig, beispielsweise netzartig mit durch Stege begrenzten Öffnungen,
aufgebaute Wand auf. Der Wandaufbau erfolgt durch ein textiltechnisches Verfahren,
bevorzugt durch Wickeln oder Flechten. Die Wand bzw. die diese ausbildenden textilen
Fasern werden durch ein erstes Matrixmaterial, beispielsweise Epoxidharz, in einer
im Wesentlichen starren Form gehalten. Die Bewehrungsstruktur bildet einen senkrecht
zu einer Schwerpunktachse geschlossenen Querschnitt aus. Die Schwerpunktachse verläuft
in Richtung einer Längsausdehnung der Bewehrungsstruktur auf dem Flächenschwerpunkt
des Querschnitts und wird unten noch näher definiert.
[0022] Die lichte Größe der Öffnungen in der Wand ermöglicht ein Durchdringen der Wand mit
dem zweiten Matrixmaterial und den darin enthaltenen Partikeln. Die lichte Größe der
Öffnungen beträgt bevorzugt wenigstens das 1,5-fache bis 2-fache der größten Partikel
des zweiten Matrixmaterials. Vor allem die Zuschlagstoffe des zweiten Matrixmaterials,
insbesondere des Betons, definieren die Größe der enthaltenen Partikel. Die Festlegung
der Mindestgröße der Öffnungen in der offenmaschigen Bewehrungsstruktur auf das 1,5-
bis 2-fache der maximalen Partikelgröße des zweiten Matrixmaterials unterscheidet
sich von der vorbekannten, im Fachbereich Stahlbeton üblichen Festlegung Bei Größtkorn
> 16 mm gilt: Größtkorn + 5 mm, bei kleinerem Größtkorn wird keine körnungsabhängige
Festlegung getroffen. Die erfindungsgemäße Vorgabe liegt damit weit über den bekannten
Lösungen, insbesondere den Vorschriften z. B. im Stahlbetonbau.
[0023] Die Gitteröffnungen der aus textilen Fasern aufgebauten Wand sind somit allgemein
größer als im Stahlbeton aufgrund des Größtkorns erforderlich. Damit wird zum einen
der Tatsache Rechnung getragen, dass auch andere, wesentlich feinkörnigere Matrixmaterialien
zur Anwendung kommen können, für die ebenfalls ein ausreichendes Durchdringungsvermögen
sichergestellt sein muss. Das erfolgt durch eine verhältnismäßig größere Festlegung
der Gitteröffnungen nach einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung.
[0024] Zudem sollen sehr geringe Schichtdicken und Betondeckungen realisierbar sein. Bei
einem im Verhältnis zur Schichtdicke bzw. der Betondeckung großen Größtkorn ist die
Herstellbarkeit eines Bauteils üblicherweise begrenzt, da die Gesteinskörnung sich
innerhalb der geringen Schichtdicke nicht mehr gleichmäßig verteilen kann. Die größeren
Gitteröffnungen sorgen dafür, dass die Verteilung der Partikel durch eine bessere
Durchdringbarkeit der Bewehrungsebene auch innerhalb einer Schicht besser und damit
gleichmäßiger erfolgen kann.
[0025] Die Fasern ermöglichen eine einfache Formgebung für beliebige Querschnitte, weil
die Fasern flexibel sind und für die Formgebung textiltechnische Verfahren zum Einsatz
kommen können. Die textilen Fasern bilden in Verbindung mit dem ersten Matrixmaterial
eine starre Struktur, die Bewehrungsstruktur.
[0026] Erfindungsgemäß weist die Bewehrungsstruktur einen geschlossenen Querschnitt, mit
geschlossener Umfangslinie, quer zu einer ersten Hauptrichtung bzw. Längsrichtung,
der Schwerpunktachse des Querschnitts auf. Die Schwerpunktachse ist die Achse, die
in jedem Punkt senkrecht zum Querschnitt steht und durch dessen geometrischen Schwerpunkt
verläuft. Diese Schwerpunktachse ist erfindungsgemäß gekrümmt, sie folgt einem zumindest
einfach gekrümmten Kurvenverlauf. Auch eine mehrfache Krümmung ist vorgesehen. Die
Krümmung kann dabei in der Bauteilebene, senkrecht dazu oder auch beliebig im dreidimensionalen
Raum verlaufen. Eine Bewehrungsstruktur kann mehrere und unterschiedliche derartige
Krümmungen enthalten. Durch den gekrümmten Verlauf eignet sich die Bewehrungsstruktur
insbesondere für den lastgerechten Einsatz im Bauteil. Sie kann unter anderem so gefertigt
und eingebracht werden, dass der Verlauf ihrer Schwerpunktachse dem im Allgemeinen
nichtlinearen Verlauf der Zugspannungstrajektorien des Bauteils entspricht. Durch
eine Krümmung der Schwerpunktachse in der Bauteilebene lassen sich auch umlaufend
doppelt geschlossene Bewehrungsstrukturen herstellen, wie sie unten näher beschrieben
werden.
[0027] Bevorzugt umlaufen die Fasern die Bewehrungsstruktur ohne Unterbrechung gegenläufig
in mindestens zwei Richtungen in Neigungswinkeln zur Schwerpunktachse ihres Querschnitts
bevorzugt kleiner 90° und größer 0°, besonders bevorzugt im Bereich von 5° bis 85°.
[0028] Ein Bauteil mit der erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur ist besonders gut geeignet
zur Aufnahme von Querkräften. Hierzu ist die Bewehrungsstruktur als eine flächige
oder stabförmige Bewehrung einer Zugseite, wo beim Einsatz des Bauteils die Zugkräfte
abzufangen sind, ausgeführt. Mit insbesondere bauteilhoch aufgeweiteten Abschnitten
im Bereich großer Querkräfte, z. B. am Auflager, können auch diese wirkungsvoll abgefangen
werden. Die Bewehrungsstrukturen können dabei im Bereich großer Querkräfte so hoch
ausgeführt werden, wie es unter Berücksichtigung der erforderlichen Betondeckung im
Bauteil möglich ist.
[0029] Die integrierte Aufnahme von Querkräften kann auch als eine in Bauteilebene umlaufend
doppelt geschlossene Bewehrungsstruktur ausgeführt sein. Die umlaufend doppelt geschlossene
Bewehrungsstruktur weist einerseits einen in sich geschlossenen Querschnitt quer zur
Schwerpunktachse auf, wie auch die übrigen erfindungsgemäßen Bewehrungsstrukturen,
und ist andererseits in einer Bauteilebene, parallel zu der Ebene, in der die Schwerpunktachse
(ggf. gekrümmt) verläuft, ebenfalls geschlossen. Das bedeutet, die Schwerpunktachse
bildet eine geschlossene, z. B. ringförmige Kontur. Durch die Krümmung der Schwerpunktachse
in der Bauteilebene lassen sich die umlaufend doppelt geschlossene Bewehrungsstrukturen
herstellen, wie z. B. ein ringförmiges Bewehrungselement gegen Durchstanzen. Dieses
ist zu einer entsprechenden Verwendung im Betonbau, insbesondere an Orten einer diskreten
Lasteinleitung geeignet. Ein solcher Ort ist beispielsweise der Ansatz einer Stütze
an eine Decke, wobei die Decke eine entsprechende Bewehrung mittels einer umlaufend
doppelt geschlossenen Bewehrungsstruktur erhält. Die umlaufend doppelt geschlossene
Bewehrungsstruktur kann als eine umlaufende Bewehrung (Oberflächenbewehrung) von gekrümmten
Bauteilen mit beliebigem Querschnitt ausgeführt sein, wobei die Bewehrung selbst der
Form des Bauteils folgen kann.
[0030] Die Bewehrung einer Zugseite kann z. B. als flächige oder stabförmige, vorwiegend
einseitige Platten- oder Balkenbewehrung ausgeführt sein, die durch eine Krümmung
insbesondere an den Enden der Bewehrung und im Bereich von Zwischen- und Endauflagern
dem Zugspannungsverlauf des Bauteils entspricht.
[0031] Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, wenn die Bewehrungsstruktur aus insbesondere
kreuzweise unterbrechungsfrei gewickelten textilen Fasern oder Fasersträngen besteht,
die bevorzugt durch ein erstes Matrixmaterial, ein Bindemittel, wie z. B. ein Epoxidharz,
in der gewickelten Form gehalten werden. Die textilen Fasern oder Faserstränge, die
beispielsweise als Garne, Rovings, Gefache oder Zwirne vorliegen können, werden in
einer für einen optimalen Lastabtrag geeigneten Weise variierend gewickelt. Wirken
im Bauteil an einer Stelle geringe Lasten ein, wird dies mit einer geringeren Faserdichte
beim Wickeln berücksichtigt. Umgekehrt werden bei hohen zu erwartenden Lasten mehr
Fasern auf engerem Raum in dem Steg zwischen den Öffnungen aufgewickelt, ohne dabei
die erfindungsgemäß erforderliche Größe der Öffnungen in der offenmaschig aufgebauten
Wand zu vermindern.
[0032] Neben einer Variation der Faserdichte in den Stegbereichen zwischen den Öffnungen
hat sich eine weitere Möglichkeit gezeigt, wie eine lastgerechte Fertigung der Bewehrungsstruktur
erfolgen kann. Diese besteht in einer Variation des Neigungswinkels der Fasern beim
Wickeln. Wird eine starke Neigung gewählt, können die Fasern mehr Last in der Richtung
der Schwerpunktachse aufnehmen, beispielsweise Zugkräfte, wie sie bei Biegebelastung
des späteren Bauteils auf der Zugseite auftreten. Bei einer geringen Neigung können
Druckkräfte, wie sie beim Auflager auftreten, besser kompensiert werden. Dies erfolgt
durch Aufnahme der Zugkräfte in der Bewehrungsstruktur entsprechend den Hauptzugspannungen.
Deshalb ändert sich die Orientierung der Fasern beim Wickeln entsprechend dem Kraftfluss
in Abhängigkeit von den am jeweiligen Ort auftretenden Hauptzugspannungen.
[0033] Bevorzugt sind als textile Fasern Carbonfasern vorgesehen, die insbesondere als ein
Multifilamentgarn oder als Roving vorliegen. Es sind aber auch andere textile Fasern
einsetzbar, wie z. B. Aramid-, Glas- oder Basaltfasern vor allem für Anwendungen im
Betonbau.
[0034] Eine bevorzugt eingesetzte Bewehrungsstruktur ist mit inkonstant oder konstant rundem,
ovalem oder rechteckigem, dreieckigem oder sternförmigem Querschnitt oder anderen
geschlossenen Querschnittsformen bzw. -geometrien gewickelt. Bei der Bewehrungsstruktur
mit inkonstantem Querschnitt ändert sich der Querschnitt über die Länge, bei der Bewehrungsstruktur
mit konstantem Querschnitt bleibt der Querschnitt über die Länge konstant. Das Wickeln
erfolgt bevorzugt auf einen Kern, der bereits die vorgesehene Querschnittsform vorgibt
und auch teilbar ausgeführt sein kann, was insbesondere bei inkonstantem Querschnittsverlauf
notwendig ist.
[0035] Als besonders vorteilhaft hat sich ein über die Länge der Bewehrungsstruktur inkonstanter
Querschnitt erwiesen, dessen Aufbau den späteren Lastabtrag und die Art der Belastung
des Bauteils bzw. der Bewehrung im Bauteil widerspiegelt. Die Bewehrungsstruktur ist
somit in ihrem Querschnitt in mindestens einem Bereich der Längsausdehnung gegenüber
dem Querschnitt im übrigen Bereich aufgeweitet. Die bevorzugte Ausführungsform ist
in der Weise ausgeführt, dass der Querschnitt an einem ersten und einem zweiten Bereich
aufgeweitet ist und sich in einem Zwischenbereich zwischen den Enden verjüngt, insbesondere
den ursprünglichen Querschnitt beibehält. Die Aufweitung kann asymmetrisch sein und
geht in dem Fall mit einer gekrümmten Schwerpunktachse der Bewehrungsstruktur im Übergangsbereich
zwischen Aufweitung und Verjüngung des Querschnitts einher.
[0036] Beim Einbau der Bewehrungsstruktur können die aufgeweiteten Bereiche an Auflagern
und der verjüngte Bereich an einer Zugseite des Bauteils angeordnet werden. Es kann
eine beliebige Anzahl aufgeweiteter Bereiche vorgesehen sein. Der Einsatz in einem
Durchlaufträger ist dadurch möglich. Dabei befindet sich dann über jeder Stütze bzw.
über jedem Auflager eine solche Aufweitung und dazwischen jeweils der verjüngte Bereich.
Im Bauteil ergibt sich durch die aufgeweiteten Bereiche eine hohe Festigkeit gegenüber
auftretenden Querkräften, während über die freitragende Länge des Bauteils eine hohe
Biegetragfähigkeit erreicht werden kann. Zugleich wird durch den lastgerechten Einsatz
der Bewehrungsstruktur das Bewehrungsmaterial effektiv und sparsam eingesetzt.
[0037] Die erfindungsgemäße Bewehrung ist zudem wirksamer und effizienter als alle bisher
bekannten Bewehrungselemente, da es durch die Erfindung möglich wird, die Zugfestigkeit
der Carbonfasern mit einer optimalen Krafteinleitung in das zweite Matrixmaterial,
insbesondere Beton, und darüber hinaus einer hohen Steifigkeit der Bewehrungsstruktur
zu kombinieren.
[0038] Wird die erfindungsgemäße Bewehrung als Zugbewehrung zum Ersatz herkömmlicher Bewehrungsstäbe
eingesetzt, ist als weiterer Vorteil zu betonen, dass mit der erfindungsgemäßen Auflösung
der üblichen kompakten Stabgeometrie eine verbesserte Verbundwirkung auch dadurch
erreicht wird, dass die verbundwirksame Oberfläche im Vergleich zum Bewehrungsquerschnitt
deutlich vergrößert wird. Dies gilt gleichermaßen im Unterscheid zu Einzelstäben und
zu einem breiten Stab.
[0039] Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung
einer Bewehrungsstruktur, wie sie zuvor beschrieben wurde, wobei textile Fasern zu
einer offenmaschigen hohlen Struktur gewickelt und die so erhaltene Struktur durch
ein erstes Matrixmaterial, ein aushärtendes Fixiermittel, fixiert werden. Als vorteilhaft
hat es sich erwiesen, wenn als Fixiermittel ein Kunstharz, bevorzugt Epoxidharz, vorgesehen
ist, mit dem die textilen Fasern vor dem Wickeln imprägniert werden oder das nach
dem Wickeln auf die zuvor gebildete Struktur aufgebracht wird. Die so gebildete stabile
Struktur wird dann anschließend durch das Einbringen von Beton endgültig fixiert und
kann Kräfte übertragen. Die Geometrie der erzeugten Wicklung kann z. B. durch zwei
gegenläufige Spiralen beschrieben werden, die einen offenen Querschnitt ausbilden,
der beispielsweise kreisförmig, elliptisch, quadratisch, rechteckig, polygonal oder
anders ausgeführt sein kann. Es ist weiterhin vorgesehen, den Faseranteil, die Stege
zwischen den Öffnungen, in einer Vorfertigung vorzubereiten und zum Herstellen der
Wicklung zu nutzen. Hier kommen, bevorzugt bandförmige, Faseranordnungen wie Gelege,
Gewebe, Vlies etc. in Betracht. Die Öffnungen, durch die der Beton oder ein anderes
zweites Matrixmaterial in das Innere der Bewehrungsstruktur gelangen kann, können
dabei schon in den Faseranordnungen vorliegen oder erst durch den Wickelvorgang erzeugt
werden. Bei dem Wickelvorgang können mit Harz laminierte Carbonfasern zum Einsatz
kommen, die offenmaschig gewickelt werden und dann beispielsweise in einem Autoklav
ausgehärtet werden.
[0040] Die Erfindung betrifft auch eine Verwendung einer Bewehrungsstruktur in einem Bauteil.
Nach der Erfindung erfolgt die Verwendung als eine flächige oder stabförmige, mit
Bezug auf die Schwerpunktachse der Bewehrungsstruktur gekrümmte, Bewehrung. Es ist
insbesondere die Bewehrung einer Zugseite des Bauteils vorgesehen. Alternativ ist
die Verwendung einer Bewehrung vorgesehen, die als eine in Bauteilebene umlaufend
doppelt geschlossene Bewehrungsstruktur, wie sie zuvor beschrieben wurde, ausgeführt
ist.
[0041] Die Erfindung betrifft weiterhin ein Bauteil, umfassend eine Bewehrungsstruktur wie
zuvor beschrieben und ein zweites Matrixmaterial. Insbesondere ist als zweites Matrixmaterial
Beton vorgesehen, da die erfindungsgemäße Bewehrungsstruktur im Betonbau ihre Vorzüge
in besonderem Maße verwirklicht.
[0042] Die kraftübertragende Verankerung der erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur findet
nicht nur wie üblich mit den Endbereichen der Bewehrungsstruktur bzw. in den Endbereichen
des Bauteils statt, sondern erfolgt kontinuierlich im Bauteil über dessen gesamte
Länge. Dies wird durch den in sich geschlossenen, umlaufenden Aufbau der Bewehrungsstruktur
ermöglicht, bei dem jeder Faserstrang infolge der Umwicklung in regelmäßigen Abständen
wechselweise in höher und in weniger beanspruchte Bereiche geführt wird. Dies ist
insbesondere an den Endauflagern eines Bauteils relevant.
[0043] Die vorliegende Verankerungslänge wird zudem durch den Faserstrangverlauf in einem
vorgesehenen Winkel zur Längsrichtung größer als bei einem Verlauf parallel zur Schwerpunktachse
bzw. in Längsrichtung. Die Verbundfestigkeit wird durch einen Verlauf der Faserstränge
in einem Winkel zur angreifenden Kraft erhöht. Der Winkel beträgt, wie oben bereits
angeführt, kleiner 90° und größer 0° und liegt bevorzugt im Bereich von 5° bis 85°.
[0044] Besonders gut nutzbar sind diese Effekte in vorwiegend einachsig biegebeanspruchten
Biegebauteilen, bei denen die erfindungsgemäße Bewehrungsstruktur in der Zugzone eingesetzt
wird. Dabei wird eine erste Bewehrungsebene oberflächennah im Bereich der höchsten
Zugbelastung angeordnet und eine zweite Bewehrungsebene der in sich geschlossenen
Bewehrung liegt in einem weniger zugbelasteten Bereich zwischen der zugbelasteten
Oberfläche und der neutralen Zone.
[0045] Das wirkt sich insbesondere dann günstig aus, wenn auf die Zugseite des Bauteils,
in der die höher belastete Bewehrung oberflächennah liegt, eine verbundschädigende
Temperatur einwirkt, beispielsweise im Brandfall aber auch schon bei Erwärmung der
Bauteiloberfläche durch Sonneneinstrahlung oder andere Wärmequellen. Selbst eine oberflächennah
verbundgeschädigte erfindungsgemäße Bewehrungsstruktur mit Fasersträngen, die aus
der thermisch belasteten Zone heraus in das Bauteilinnere gewickelt sind, erreichen
dadurch im weniger temperaturbelasteten Bereich weiterhin eine Verankerung mit der
vollen Belastbarkeit. Im Sonderfall Brand kann sogar bei Totalausfall der äußeren,
in der Regel der unteren Bewehrungsebene der Bewehrungsstruktur diese als Opferschicht
angesehen werden. Die in diesem Lastfall anzusetzende geringere Last auf das Bauteil
kann durch die einer geringeren Temperaturbeanspruchung ausgesetzte innere Bewehrungsebene
der Bewehrungsstruktur noch aufgenommen werden. So wird gegenüber anderen mit textilen
Strukturen bewehrten Bauteilen eine erhöhte Temperaturbeständigkeit erreicht.
[0046] Durch eine in Höhenrichtung des Bauteils gekrümmte Ausführung der Bewehrungsstruktur
über den Auflagern sowohl mit als auch ohne Aufweitung des Querschnitts kann diese
Schutzwirkung noch weiter verstärkt werden, da dadurch gerade in den wichtigen Endverankerungsbereichen
mindestens eine der Bewehrungsebenen noch weiter von der temperaturbelasteten Bauteiloberfläche
weggeführt wird.
[0047] Schutz wird weiterhin für ein erfindungsgemäßes Halbfertigteil beansprucht, bei dem
die Bewehrungsstruktur in eine Schicht Beton einbetoniert ist, deren Dicke so viel
geringer als die Höhe der Bewehrungsstruktur ist, dass diese zumindest in einem Teilbereich
nur teilweise einbetoniert ist und teilweise aus dem Beton herausragt. Der herausragende
Teil der Bewehrung kann dann bei der Fertigstellung des Betonbauteils auf der Baustelle
betoniert werden und verbindet den zugefügten Beton sicher mit dem ursprünglichen
Halbfertigteil zu einem vollwertigen Betonbauteil.
[0048] Bevorzugt ist dazu eine Bewehrungsstruktur mit inkonstantem Querschnitt vorgesehen,
wobei der Querschnitt in einem ersten und einem zweiten Bereich aufgeweitet ausgeführt
ist und sich in einem Zwischenbereich zwischen den Enden verjüngt. Dabei ist die Bewehrungsstruktur
im verjüngten Bereich vollständig und im aufgeweiteten Bereich teilweise einbetoniert,
so dass nach dem Einbau des Halbfertigteils eine Bewehrungslage und ein Aufbeton aufgebracht
werden können. Dadurch wird die Fugentragfähigkeit zwischen Fertigteil und Aufbeton
sichergestellt.
[0049] Wie bereits zuvor erwähnt, wird die Verbesserung der Verbundkraftübertragung durch
die offenmaschigen Strukturen der erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur erreicht.
[0050] Des Weiteren kann durch die Konzeption von offenmaschigen Rohren bzw. Hohlstrukturen
mit anderem Querschnitt ein besseres Verhältnis von Querschnittsfläche zu Umfang erzielt
werden, wodurch in der Kontaktfuge hohe Verbundkräfte übertragen werden. Zudem bieten
geschlossene Profile eine verbesserte Steifigkeit im Unterschied zu offenen Profilen.
Ein weiterer Vorteil besteht in der Aktivierung eines Scherverbundes, der im Gegensatz
zum Stand der Technik nicht in einem zusätzlichen Produktionsschritt erfolgen muss.
Ebenfalls werden im Vergleich zu den Carbonstäben, die eine Profilierung durch Fräsen
aufweisen, keine wertvollen und teuren Fasern zerstört, wodurch die erfindungsgemäße
Methode auch hinsichtlich der Nachhaltigkeit Vorteile besitzt.
[0051] Durch die vorliegende Erfindung ist die Verwendung einer offenmaschigen und gewickelten
Bewehrungsstruktur bzw. im besonderen Carbonstruktur möglich, woraus sich neue Möglichkeiten
im Bauwesen ergeben. Durch die offenmaschige Struktur und die Verfüllung mit dem zweiten
Matrixmaterial Beton, ergibt sich eine optimale Kraftübertragung zwischen Beton und
Bewehrung, wodurch Probleme mit großen Endverankerungslängen oder Betonabplatzungen
bzw. der Delamination nicht mehr auftreten.
[0052] Weiterhin ist nach der Erfindung eine spezielle Wickeltechnik vorgesehen, bei der
die Fasern entsprechend den auftretenden Zugkräften angeordnet werden, wodurch ein
Optimum zwischen dem Lastfluss und der Materialbeanspruchungen erreicht wird. Zusätzlich
können Betonbauteile mit Verwendung des erfindungsgemäßen vorgefertigten Bewehrungselements
effizient, zügig, sowie kostengünstig konzipiert und hergestellt werden.
[0053] Mit der vorliegenden Erfindung wird eine Lösung für das Eingangs dargelegte Problem
mit dem Verbund von hochleistungsfähigen Carbonelementen mit dem zweiten Matrixmaterial
Beton vorgestellt. Die Erfindung beruht auf einer gekrümmten stabförmigen bzw. dreidimensionalen
Bewehrungsstruktur, die durch Wickeln einzelner Faserstränge entsteht. Dabei können
z. B. Carbonbewehrungselemente in Form von gekrümmten Rohren konzipiert und produziert
werden, die offenmaschig sind und somit eine Eindringung des Betons in diese Zwischenräume
erlaubt.
[0054] Durch die offenmaschige Anordnung der textilen Fasern zu einem Gesamtgebilde ist
sichergestellt, dass eine ausreichende Penetration des Betons in die Hohlstellen stattfindet.
Weiterhin bieten offenmaschige Strukturen, die im Wickelverfahren hergestellt wurden,
den Vorteil, dass durch die allseitige Umschließung der Fasern mit Beton ein sehr
guter Verbund entsteht. Zusätzlich wird durch die Auffächerung der Bewehrungsstruktur
in einen offenmaschigen Rohrquerschnitt eine große Oberfläche bei geringen Querschnittsflächen
erzielt, wodurch in der Kontaktfläche ein großer Anteil der Verbundkräfte über Haftung
und Reibung übertragen werden kann. Weiterhin bietet das Verfahren den Vorteil, dass
die offenmaschige Struktur neben den Haft- und Reibungskräften auch effizient Scherkräfte
übertragen kann. Somit ergibt sich in Summe eine effiziente und zielgerechte Methode
zur Übertragung der hohen Kräfte von der Bewehrung in den Beton.
[0055] Ein weiterer wichtiger Vorteil der vorliegenden Erfindung liegt in der optimalen
Verbundkraftübertragung zwischen der offenmaschigen, gewickelten Struktur und dem
Beton. Infolgedessen können die vorgeschlagenen Bewehrungselemente bzw. die Bewehrungsstruktur
effizient und wirtschaftlich im Bauwesen eingesetzt werden. Der begrenzende Faktor
beim Einsatz von hochfesten Carbonfasern, die Kraftübertragung auf das zweite Matrixmaterial,
insbesondere Beton, kann durch die vorliegende Erfindung überwunden werden. Denn die
Kraftübertragung erfolgt nicht wie bei Gelegen oder anderen als Bewehrung genutzten
Strukturen über eine kraftschlüssige Verbindung mit den naturgemäß sehr glatten Carbonfasern,
sondern auf gänzlich andere Weise. Die Öffnungen, insbesondere durch kreuzweises Wickeln
oder Flechten in der vorteilhaften rhombischen Gestalt, bieten einen Formschluss zwischen
den Öffnungen und damit der textilen Bewehrung bzw. Carbonbewehrung einerseits und
dem zweiten Matrixmaterial, insbesondere dem Beton, andererseits.
[0056] Ein weiterer Vorteil ergibt sich in der Herstellungsmethodik, da durch die Wickeltechnik
nach dem Aushärten der Faserstränge ein vorgefertigtes Element vorliegt, welches auf
der Baustelle einfach verlegt werden kann. Folglich können die Produktions- und Herstellzeiten
auf der Baustelle verkürzt werden, was wiederum eine Reduktion der Kosten mit sich
bringt. Neben den zuvor genannten Vorteilen können mit der vorliegenden Erfindung
lastoptimierte bzw. lastangepasste Formbewehrungen hergestellt werden, wodurch Ressourcen
und Materialien gespart werden können.
[0057] Mit der Erfindung lassen sich insbesondere funktionell gradierte Bauteile herstellen.
Dazu wird die für den jeweiligen Anwendungsfall optimal ausgebildete erfindungsgemäße
Bewehrungsstruktur durch ein ebenfalls in seinen Eigenschaften sowie in seiner Geometrie
angepasst gewähltes zweites Matrixmaterial ergänzt. Dafür kann beispielsweise Gradientenbeton
gewählt werden, der analog zur Bewehrungsstruktur nur dort eine besonders hohe Festigkeit
und Steifigkeit aufweist, wo Hauptdruckkräfte auftreten. Speziell können neben Vollquerschnitten
insbesondere auch Bauteilquerschnitte mit Hohlräumen, also Hohlprofile, mit der erfindungsgemäßen
Bewehrungsstruktur bewehrt werden. So kann die infolge der Verwendung von Fasermaterialien
wie Carbon bereits mögliche Ausbildung geringer Schichtdicken, durch weitere Maßnahmen
ergänzt werden, um damit eine filigrane und ressourcenschonende Bauweise zu ermöglichen.
[0058] Die vorliegende Erfindung ist durch Einsatz von Fasern oder Fasersträngen anstelle
von starren Stäben wesentlich einfacher zu fertigen. Mit der beanspruchten Erfindung
können die einzelnen Faserstränge vor dem Aushärten des ersten Matrixmaterials in
die beabsichtigte Form gebracht werden und erfahren durch ihre zu diesem Zeitpunkt
noch vorhandene Flexibilität keine Schädigung durch das Umbiegen. Zudem kann der Wickel-
oder Flechtprozess so gestaltet sein, dass Faserstränge mit verhältnismäßig geringer
Faseranzahl immer wieder (z. B. im Kreis oder im Rechteck) übereinander um die gleiche
Form gewickelt werden, sodass eine in der Ebene geschlossene Bewehrungsstruktur entsteht,
bei der sich Bewehrungsstreben aus den in mehreren Durchgängen aufeinander gewickelten
bzw. geflochtenen einzelnen Fasersträngen zusammensetzen. Die Faserstränge bilden
dadurch an jeder Stelle einen Übergreifungsstoß mit sich selbst und es sind keine
separaten Maßnahmen zur kraftschlüssigen Verbindung der Struktur in sich bzw. mit
sich selbst erforderlich.
[0059] Anhand der Beschreibung von Ausführungsbeispielen und ihrer Darstellung in den zugehörigen
Zeichnungen wird die Erfindung nachfolgend näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1: eine schematische perspektivische Darstellung eines Bauteils mit Beton als
zweitem Matrixmaterial und einer Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur;
Figuren 2 und 3: eine schematische Frontansicht eines Bauteils mit Beton als zweitem
Matrixmaterial und jeweils einer Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur;
Fig. 4: eine schematische Seitenansicht einer Ausführungsform eines Bauteils mit Beton
als zweitem Matrixmaterial und einer weiteren Ausführungsform einer erfindungsgemäßen
Bewehrungsstruktur;
Figuren 5 und 6: jeweils eine schematische, vergrößerte Schnittdarstellung eines Bauteils
mit Beton als zweitem Matrixmaterial und einer Ausführungsform einer erfindungsgemäßen
Bewehrungsstruktur aus Fig. 4;
Fig. 7: eine schematische perspektivische Darstellung einer Ausführungsform eines
Halbfertigteils mit Beton als zweitem Matrixmaterial, umfassend eine Ausführungsform
einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur;
Fig. 8: eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur zum
Einsatz in einem Bewehrungselement gegen Durchstanzen;
Fig. 9: eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur, ausgebildet
als eine kreuzförmige Stabstruktur;
Fig. 10: eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur,
ausgebildet als eine Koaxialstruktur;
Fig. 11: eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur,
ausgebildet als eine kreuzförmige Kombinationsstruktur;
Fig. 12: eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur,
ausgebildet als eine weitere kreuzförmige Kombinationsstruktur;
Fig. 13: eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur,
ausgebildet als eine sternförmige Kombinationsstruktur;
Fig. 14: eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur,
ausgebildet als eine weitere sternförmige Kombinationsstruktur und
Fig. 15: in schematischer Seitenansicht den Einsatz einer Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Bewehrungsstruktur in einem Durchlaufträger.
[0060] Fig. 1 zeigt ein Bauteil 1 aus Beton 3 als zweitem Matrixmaterial 2 und einer textilen
Bewehrungsstruktur 4 mit einem runden, konstanten Querschnitt A schematisch dargestellt.
Die textile Bewehrungsstruktur 4 ist in Form eines gekrümmten Rohrs aus textilen Fasern
5, im Speziellen Carbonfasern, konzipiert, nachfolgend auch als Carbonbewehrung bezeichnet.
Eine Schwerpunktachse L ist durch eine gestrichelte Linie dargestellt und verläuft
senkrecht zum Querschnitt A.
[0061] Darüber hinaus ist ersichtlich, dass die textile Bewehrungsstruktur 4 offenmaschig
ist, was durch das Herstellverfahren Wickeln besonders gut erreichbar und flexibel
anwendbar ist und den guten Verbund zum umgebenden Beton 3 sicherstellt. Dies gilt
gleichermaßen für das Flechten als einer Alternative zum Wickeln.
[0062] Die maschenartigen Öffnungen der gewickelten Struktur sind ausreichend groß, damit
in der späteren eingebauten Bewehrungsstruktur 4 die Matrix aus Beton 3 deren Wände
penetrieren kann. Die Öffnungen, die die offenmaschige Struktur definieren, müssen
daher größer sein als die größten Partikel im Zuschlagstoff des Betons 3. Die Größe
der Maschen ist nach oben durch die Anforderungen an die Zugtragfähigkeit begrenzt,
da mit abnehmender Faserdichte auch die Zugtragfähigkeit der Bewehrungsstruktur abnimmt.
Bevorzugt ist die Größe der Maschen nicht mehr als das 1,5- bis 2-fache der maximalen
Partikelgröße der Zuschlagstoffe im Beton 3.
[0063] Mit der dargestellten Bewehrungsstruktur 4 bzw. der Carbonbewehrung als deren bevorzugter
Ausführungsform können die hohen Zugkräfte, die die Carbonfasern abzutragen in der
Lage sind, aufgrund der Auflösung des Vollstabes in einen gewickelten Hohlstab sicher
in den Beton 3 eingeleitet werden, ohne dass dies zu Problemen hinsichtlich Betonabplatzungen
oder Delamination führen würde. Weiterhin führt die dargestellte bevorzugte Ausführung
eines Bauteils 1 mit Beton 3 als zweitem Matrixmaterial 2 und einer Ausführungsform
einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur 4 zu sehr kurzen Verankerungslängen dank
optimaler Kraftübertragung. Dabei kann die Bewehrungsstruktur 4 neben dem runden Querschnitt
auch in anderen Querschnittsformen hergestellt und konzipiert werden. Sie kann beispielsweise
mit einem Querschnitt in Ellipsenform produziert werden, um eine bessere Auslastung
des Bewehrungselements bei Biegung zu erreichen.
[0064] Hierzu sind in den Figuren 2 und 3 verschiedene Konzeptionen dargestellt. Es können
beim Querschnitt der Bewehrungsstrukturen 4, 6 runde Formen, aber auch elliptische
Querschnitte kreiert werden. So sind last- und formoptimierte Bewehrungselemente aus
Carbonfasern realisierbar, die eine neue Art des Bauens ermöglichen.
[0065] In den Figuren 4, 5 und 6 ist eine Weiterentwicklung der Ausführungsform aus Fig.
1 dargestellt, wobei Fig. 4 eine schematische Seitenansicht und die Figuren 5 und
6 die zugehörigen Schnittdarstellungen zeigen, wobei jeweils die Lage der Schnitte
A-A und B-B in Fig. 4 angegeben ist. Fig. 4 zeigt das Bauteil 1 in Längsausdehnung
entlang der Schwerpunktachse L (durch eine gestrichelte Linie dargestellt), durch
die Schnittdarstellungen in den Figuren 5 und 6 ist der örtliche Querschnitt A sichtbar.
Ein Radius R an den Ecken unrunder Querschnittsformen hilft auf die textilen Fasern
5 wirkende, schädliche Querkräfte und Spannungen in der Bewehrungsstruktur 8 zu vermeiden.
Die wird insbesondere durch eine entsprechende Gestaltung der Form, auf die die textilen
Fasern 5 aufgewickelt werden, erreicht.
[0066] Das Herstellverfahren der Bewehrungsstruktur 8 durch Wickeln oder Flechten erlaubt
die Fertigung von dreidimensionalen Bewehrungen mit veränderlichem bzw. inkonstantem
Querschnitt. Eine Variante für ein dreidimensionales Carbongelege, welches ebenfalls
gewickelt und damit nicht vollflächig, jedoch im Querschnitt geschlossen ist, zeigt
das vorliegende Ausführungsbeispiel. Dabei wurden die textilen Fasern 5 bzw. die Carbonfasern
lastoptimiert angeordnet. In der Mitte des Bauteils 1 zwischen den Auflagern, wo die
größten Biegebeanspruchungen auftreten, sind die Carbonfasern nahe der Bauteilunterkante
angeordnet, um den größtmöglichen Hebelarm zu besitzen. Im Bereich der Auflager 37
an den Enden 7, 7', dort treten die größten Querkraftbeanspruchungen auf, ist die
Bewehrungsstruktur 8 aufgeweitet und die Fasern 5 sind nach oben geführt, wodurch
das dreidimensionale Gelege, die Bewehrungsstruktur 8, zusätzlich als Querkraftbewehrung
fungiert.
[0067] Eine weitere Variante, die mit dem erfindungsgemäßen Prinzip möglich ist, stellt
das Bewehrungselement, die Bewehrungsstruktur 4, 6, 8 mit unterschiedlicher Dichte
der Wicklung von Fasern 5 dar. So kann z. B. in höher belasteten Bereichen stärker
gewickelt werden, wodurch auch lokale Höchstbeanspruchungen ausgeglichen werden können.
In einem konkreten Fall könnte dies bedeuten, dass die im Ausführungsbeispiel dargestellte
Bewehrungsstruktur 8 im Bereich des Auflagers 37, wo die größten Querkräfte auftreten,
stärker gewickelt wird, um die Lasten effizient abzutragen.
[0068] Somit ergeben sich mit der erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur 4, 6, 8 weitere Anwendungsbereiche
und Potentiale, die zuvor nicht bestanden. Ein weiterer Vorteil einer dreidimensionalen
und vorgefertigten Bewehrungsstruktur 4, 6, 8 ist, dass diese bei sehr niedrigem Gewicht
einfach und ohne weitere Bearbeitungsschritte auf der Baustelle oder im Fertigteilwerk
verbaut werden kann. Somit können zusätzliche Arbeitsschritte vermieden und Kosten
gespart werden.
[0069] Fig. 7 stellt eine Weiterentwicklung des Ausführungsbeispiels gemäß Fig. 4 dar. Mit
der Verwendung von dreidimensionalen Strukturen können neben Vollplatten auch Halbfertigteile
10 produziert werden. Dabei wird die dreidimensionale Bewehrungsstruktur 4, 6, 8 in
die Schalung eingelegt. Anschließend wird eine dünne Betonschicht eingebracht. Nach
der Aushärtung des Betons wird das Halbfertigteil 10 auf die Baustelle angeliefert.
[0070] Dort wird wiederum eine zusätzliche Schicht Aufbeton 12 auf das Halbfertigteil 10
betoniert, bis die gewünschte Dicke des Bauteils 1 vorliegt. Dabei sorgt die dreidimensionale
Bewehrungsstruktur 8 für eine ausreichende Verbundfugentragfähigkeit. Darüber hinaus
kann die Bewehrungsstruktur 8 als Abstandhalter für eine nachträglich angeordnete
obere Bewehrungslage 9 dienen, die z. B. zur Ausführung von Durchlaufträgern notwendig
ist. Aufbeton 12 und Bewehrungslage 9 sind zwar nicht Bestandteil des Halbfertigteils
10, sind hier aber zum besseren Verständnis in die Darstellung des Halbfertigteils
10 bereits eingezeichnet bzw. angedeutet, wobei die obere durchgehende Linie für Höhe
des Betons im fertigen Bauteil, des Aufbetons 12, zeigt.
[0071] Fig. 8 zeigt in schematischer perspektivischer Darstellung eine Ausführungsform einer
erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur 13. Diese weist ebenfalls quer zu der hier nicht
dargestellten Schwerpunktachse L (vgl. dazu Figuren 1 und 4) einen geschlossenen Querschnitt
A auf. Dazu sind die textilen Fasern 5 im gezeigten Ausführungsbeispiel quer zu der
Schwerpunktachse L gewickelt und bilden den geschlossenen Querschnitt A aus. Darüber
hinaus bildet die Bewehrungsstruktur 13 selbst in der Bauteilebene E einen geschlossenen
Querschnitt aus, d.h. die Enden der Bewehrungsstruktur 13 bzw. der Schwerpunktachse
L sind miteinander zu einer geschlossenen, im Wesentlichen ringförmigen Struktur verbunden.
Die Bewehrungsstruktur 13 bildet damit im vorliegend dargestellten Ausführungsbeispiel
ein Bewehrungselement 15 gegen Durchstanzen aus, das zu einer entsprechenden Verwendung
im Betonbau insbesondere an Orten einer diskreten Lasteinleitung geeignet und vorgesehen
ist. In der Darstellung erscheint das zweite Matrixmaterial 2, der Beton 3, durchsichtig,
sodass die Einbausituation der Bewehrungsstruktur 13 und die Art der Ausbildung des
Bewehrungselements 15 erkennbar werden.
[0072] Fig. 9 zeigt eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur,
ausgebildet als eine kreuzförmige Kombinationsstruktur 30. Bei dieser Variante werden
zwei Flachrohre mit ovalem Querschnitt in sich verdreht zu einem kreuzförmigen Querschnitt
zusammengefügt oder unmittelbar in dieser Weise gefertigt, um ein räumliches Gebilde
zu schaffen, welches eine große Oberfläche und folglich eine große Verbundübertragung
aufweist. Somit können hohe Kräfte und hohe Verbundkräfte zielgerichtet übertragen
werden.
[0073] Fig. 10 zeigt eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur,
ausgebildet als eine Koaxialstruktur 40. Bei dieser Ausführungsform werden zwei Bewehrungsstrukturen
4 mit einem runden Querschnitt und konstantem Querschnittsverlauf, nachfolgend auch
als Mesh-Tubes bezeichnet, mit unterschiedlichen Durchmessern im Wesentlichen koaxial
ineinander verschachtelt, um mehr Querschnittsfläche und somit eine höhere Tragfähigkeit
bei gleichen geometrischen Randbedingungen zu erhalten. Somit entsteht ein noch leistungsfähigerer
Querschnitt. Beide Bewehrungsstrukturen 4 sind offenmaschig konzipiert, damit der
Beton dazwischen eindringen kann. Zur Fixierung sind zusätzliche Fäden 42 angeordnet,
damit Verlegung, Transport und Verarbeitung der Koaxialstrukturen 40 einfach und zielgerichtet
erfolgen können.
[0074] Fig. 11 zeigt eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur,
ausgebildet als eine zweifache Kombinationsstruktur 34, wobei zwei Flachrohre 20 zusammengefügt
sind und in ihrer Schnittlinie eine weitere Bewehrungsstruktur 4, auch als Mesh bezeichnet,
eingebracht ist. Dies erfolgt bevorzugt unmittelbar bei der Fertigung.
[0075] Fig. 12 zeigt eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur,
ausgebildet als eine weitere zweifache Kombinationsstruktur 34', wobei im Unterschied
zu Fig. 11 die in der Schnittlinie eingebrachte Bewehrungsstruktur 4 (Mesh) einen
größeren Durchmesser aufweist.
[0076] Fig. 13 zeigt eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur,
ausgebildet als eine dreifache Kombinationsstruktur 32, bei der drei Flachrohre 20
zu einem sternförmigen Querschnitt zusammengefügt sind.
[0077] Fig. 14 zeigt eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur,
ausgebildet als eine weitere Kombinationsstruktur 36. Dazu sind die Kombinationsstruktur
32, bei der drei Flachrohre 20 zu einem sternförmigen Querschnitt zusammengefügt sind,
und die Bewehrungsstruktur 4 (Mesh) zusammengefügt, ähnlich der Ausführungsbeispiele
aus den Figuren 11 und 12.
[0078] Fig. 15 zeigt in schematischer Seitenansicht den Einsatz einer Ausführungsform der
erfindungsgemäßen Bewehrungsstruktur 4 in einem Durchlaufträger 38. Die gekrümmte
Ausführung der Bewehrungsstruktur 4 über den Auflagern 37 geht mit einer Schutzwirkung
im Brandfall einher, da dadurch gerade in den wichtigen Endverankerungs- bzw. Auflagerbereichen
mindestens eine der Bewehrungsebenen noch weiter von der temperaturbelasteten Bauteiloberfläche
weggeführt wird.
[0079] Bevorzugt ist über jeder Stütze bzw. über jedem Auflager 37 ein Bereich 7, eine Aufweitung
(in der Figur nicht aufgeweitet dargestellt) und dazwischen jeweils der verjüngte
Bereich der Bewehrungsstruktur, nach der bevorzugten Ausgestaltung die inkonstante
Bewehrungsstruktur 8, vorgesehen.
[0080] Im Bauteil 1 ergibt sich durch die aufgeweiteten Bereiche 7 eine hohe Festigkeit
gegenüber auftretenden Querkräften, während über die freitragende Länge des Bauteils
1 eine hohe Biegetragfähigkeit erreicht werden kann. Dies wird durch eine Verlagerung
des verjüngten Bereichs der Bewehrungsstruktur 8 in den Bereich der Zugseite des Bauteils
1 erreicht. Zugleich wird durch den lastgerechten Einsatz der Bewehrungsstruktur 4,
8 das Bewehrungsmaterial, die textilen Fasern 5, effektiv und sparsam eingesetzt.
Bezugszeichenliste
[0081]
- 1
- Bauteil
- 2
- zweites Matrixmaterial, Beton
- 4
- Bewehrungsstruktur (runder Querschnitt, konstant)
- 5
- textile Fasern
- 6
- Bewehrungsstruktur (ovaler Querschnitt, konstant)
- 7, 7'
- erster Bereich, zweiter Bereich, Aufweitung
- 8
- Bewehrungsstruktur (inkonstant)
- 9
- Bewehrungslage
- 10
- Halbfertigteil
- 11
- Zugseite
- 12
- Aufbeton
- 13
- Bewehrungsstruktur (doppelt geschlossen)
- 15
- Bewehrungselement gegen Durchstanzen
- 20
- Flachrohr
- 30
- Kombinationsstruktur (2-fach)
- 32
- Kombinationsstruktur (3-fach)
- 34,34'
- Kombinationsstruktur (3-fach)
- 36
- Kombinationsstruktur (4-fach)
- 37
- Auflager
- 38
- Durchlaufträger
- 40
- Koaxialstruktur
- 42
- Faden
- A
- Querschnitt
- L
- Schwerpunktachse
- E
- Bauteilebene
- R
- Radius
1. Textile Bewehrungsstruktur für ein Bauteil (1), das Bauteil (1) umfassend ein zweites
Matrixmaterial (2), wobei die Bewehrungsstruktur (4, 6, 8, 13, 30, 34, 34', 32, 36,
40) wenigstens eine Wand aufweist, die Öffnungen umfasst und offenmaschig aus textilen
Fasern (5), die durch ein erstes Matrixmaterial in einer im wesentlichen starren Form
gehalten werden, aufgebaut ist, und wobei die Bewehrungsstruktur (4, 6, 8, 13, 30,
34, 34', 32, 36, 40) einen senkrecht zu einer Schwerpunktachse (L) geschlossenen Querschnitt
(A) mit mindestens einem Hohlraum im Inneren aufweist, wobei die lichte Größe der
Öffnungen ein Durchdringen der Wand mit dem zweiten Matrixmaterial (2) ermöglicht,
sodass dieses in den Hohlraum der Bewehrungsstruktur (4, 6, 8, 13, 30, 34, 34', 32,
36, 40) gelangen kann, dadurch gekennzeichnet, dass die Schwerpunktachse (L) des Querschnitts (A) der Bewehrungsstruktur (4, 6, 8, 13,
30, 34, 34', 32, 36, 40) einem zumindest einfach gekrümmt ausgeführt ist.
2. Bewehrungsstruktur nach Anspruch 1, wobei die Bewehrungsstruktur (4, 6, 8, 13, 30,
34, 34', 32, 36, 40) aus gewickelten oder geflochtenen textilen Fasern (5) besteht,
und wobei die Neigungswinkel der textilen Fasern (5) und/oder die Abstände zwischen
den textilen Fasern (5) über die Länge der Schwerpunktachse (L) veränderlich ausgeführt
sind.
3. Bewehrungsstruktur nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Öffnungen in der offenmaschig
aufgebauten Wand die lichte Größe des 1,5-fachen bis 2-fachen der größten Partikel
des zweiten Matrixmaterials (2) aufweisen.
4. Bewehrungsstruktur nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei als textile Fasern (5)
Carbonfasern vorgesehen sind.
5. Bewehrungsstruktur nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei die Bewehrungsstruktur
(4, 6, 8, 30, 34, 34', 32, 36, 40) einen über die Länge der Schwerpunktachse (L) inkonstant
oder konstant geschlossenen Querschnitt aufweist.
6. Bewehrungsstruktur nach Anspruch 5, wobei der inkonstante Querschnitt in wenigstens
einem Bereich (7, 7') aufgeweitet ausgeführt ist.
7. Bewehrungsstruktur nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei die Bewehrungsstruktur
(13) zusätzlich einen in der Bauteilebene (E) geschlossenen Querschnitt aufweist,
indem die Schwerpunktachse (L) zu einer geschlossenen Kontur gekrümmt ist.
8. Bewehrungsstruktur nach Anspruch 7, wobei die Bewehrungsstruktur (13) ein Bewehrungselement
(15) gegen Durchstanzen ausbildet.
9. Verfahren zur Herstellung einer Bewehrungsstruktur nach einem der Ansprüche 1 bis
8, dadurch gekennzeichnet, dass textile Fasern (5) zu einer offenmaschigen Bewehrungsstruktur (4, 6, 8, 13, 30, 34,
34', 32, 36, 40) mit einem geschlossenen hohlen Querschnitt (A) senkrecht zu der Schwerpunktachse
(L) gewickelt oder geflochten werden und die so erhaltene Bewehrungsstruktur (4, 6,
8, 13, 30, 34, 34', 32, 36, 40) durch ein erstes Matrixmaterial fixiert wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, wobei als erstes Matrixmaterial ein Fixiermittel Kunstharz
vorgesehen ist, mit dem die textilen Fasern (5) vor dem Wickeln oder Flechten imprägniert
werden oder das nach dem Wickeln oder Flechten auf die textilen Fasern (5) aufgebracht
wird.
11. Verwendung einer Bewehrungsstruktur (4, 6, 8, 13, 30, 34, 34', 32, 36, 40) nach einem
der Ansprüche 1 bis 8 in einem Bauteil (1), dadurch gekennzeichnet, dass die Verwendung als eine flächige oder stabförmige Bewehrung einer Zugseite des Bauteils
(1) oder eine Bewehrung mit auch in Bauteilebene (E) geschlossenem Querschnitt, wobei
die Schwerpunktachse (L) zu einer geschlossenen Kontur gekrümmt ist, erfolgt.
12. Bauteil, umfassend wenigstens eine Bewehrungsstruktur (4, 6, 8, 13, 30, 34, 34', 32, 36, 40) nach einem
der Ansprüche 1 bis 8 und ein zweites Matrixmaterial (2).
13. Bauteil nach Anspruch 12, wobei als zweites Matrixmaterial (2) vorgesehen und das
Bauteil (1) ein Betonbauteil oder eine bewehrte Betonstruktur in einem Bauwerk ist.
14. Halbfertigteil, umfassend eine Bewehrungsstruktur (4, 6, 8, 13, 30, 34, 34', 32, 36,
40) nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass durch eine Schicht Beton (2), deren Dicke so viel geringer als die Höhe der Bewehrungsstruktur
(4, 6, 8, 13) ist, dass diese zumindest in einem Teilbereich nur teilweise einbetoniert
ist und teilweise aus dem Beton (2) herausragt.
15. Halbfertigteil nach Anspruch 14, wobei eine Bewehrungsstruktur nach Anspruch 6 vorgesehen
ist und diese durch die Schicht Beton (2) in einem verjüngten Bereich vollständig
und im aufgeweiteten Bereich an den Enden (7, 7') teilweise einbetoniert ist, sodass
nach dem Einbau des Halbfertigteils (10) vor Ort eine Bewehrungslage (9) und ein Aufbeton
(12) aufgebracht werden können.