Technisches Gebiet
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen elektrischen Schalter zum Unterbrechen einer
elektrischen Hochvoltverbindung, ein Kraftfahrzeug mit einem entsprechenden Schalter
und ein Verfahren zum Unterbrechen einer elektrischen Hochvoltverbindung.
Stand der Technik
[0002] Die vorliegende Erfindung wird im Folgenden hauptsächlich in Verbindung mit Schaltelementen
für Fahrzeugbordnetze beschrieben. Die Erfindung kann aber in jeder Anwendung genutzt
werden, in der elektrische Lasten geschaltet werden.
[0003] Beim Unterbrechen von stromtragenden Kontakten eines Schalters kann ein Schaltlichtbogen
entstehen. Der Schaltlichtbogen kann insbesondere in einem Überlastfall Schäden an
den Kontakten verursachen, da der Schaltlichtbogen zu einem hohen Energieeintrag führen
kann. Um diese Schäden zu vermeiden, kann eine Sicherung in Serie zu dem Schalter
geschaltet werden. Die Sicherung unterbricht einen Stromfluss im Schaltlichtbogen,
wenn eine in der Sicherung durch ohmsche Verluste auf-aggregierte Energie und eine
damit verbundene Erwärmung eines Auslösebereichs der Sicherung größer ist als ein
für die Sicherung charakteristischer Grenzwert.
[0004] Bei einer Schmelzsicherung schmilzt im Überlastfall eine Engstelle. Diese sollte
dabei so dimensioniert sein, dass der Stromfluss im Normalfall ohne übermäßige Erwärmung
fließen kann, die Engstelle im Überlastfall jedoch sicher zerstört wird.
Beschreibung der Erfindung
[0005] Eine Aufgabe der Erfindung kann es daher sein, unter Einsatz konstruktiv möglichst
einfacher Mittel einen Schalter und ein Verfahren zum Unterbrechen einer Hochvoltverbindung
sowie ein mit dem Schalter ausgestattetes Fahrzeug bereitzustellen.
[0006] Die Aufgabe wird durch die Gegenstände der unabhängigen Ansprüche gelöst. Vorteilhafte
Weiterbildungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen, der Beschreibung
und den begleitenden Figuren angegeben. Insbesondere können die unabhängigen Ansprüche
einer Anspruchskategorie auch analog zu den abhängigen Ansprüchen einer anderen Anspruchskategorie
weitergebildet sein.
[0007] Es wird ein elektrischer Schalter zum Unterbrechen einer elektrischen Hochvoltverbindung,
insbesondere in einem Spannungsversorgungsystem eines Fahrzeugs vorgestellt, wobei
der Schalter folgende Merkmale aufweist:
- a. eine erste Schnittstelle zum Anschließen eines ersten Teilbereichs der Hochvoltverbindung
und eine zweite Schnittstelle zum Anschließen eines zweiten Teilbereichs der Hochvoltverbindung;
- b. einen mit der ersten Schnittstelle elektrisch leitend verbundenen ersten Kontakt
und einen mit der zweiten Schnittstelle elektrisch leitend verbundenen zweiten Kontakt,
wobei der erste Kontakt und der zweite Kontakt an einer trennbaren Kontaktstelle elektrisch
leitend miteinander verbunden sind;
- c. eine mit der zweiten Schnittstelle elektrisch leitend verbundene Überstromtrenneinrichtung;
und
- d. eine Lichtbogenweiche, die dazu ausgebildet ist, in einem Überlastfall einen zu
der Überstromtrenneinrichtung führenden Ersatzlichtbogen zu einem im Betrieb beim
Unterbrechen der Kontaktstelle zwischen dem ersten Kontakt und dem zweiten Kontakt
entstehenden Schaltlichtbogen zu erzeugen.
[0008] Weiterhin wird ein Verfahren zum Unterbrechen einer elektrischen Hochvoltverbindung,
insbesondere in einem Spannungsversorgungsystem eines Fahrzeugs vorgestellt, wobei
das Verfahren einen Schritt des Unterbrechens, einen Schritt des Erzeugens und einen
Schritt des Löschens aufweist, wobei im Schritt des Unterbrechens eine Kontaktstelle
eines in der Hochvoltverbindung angeordneten elektrischen Schalters ansprechend auf
ein Trennsignal getrennt wird, im Schritt des Erzeugens ein zu einer bei geschlossener
Kontaktstelle stromlosen Überstromtrenneinrichtung des Schalters führender Ersatzlichtbogen
zu einem in der getrennten Kontaktstelle entstehenden Schaltlichtbogen unter Verwendung
einer Lichtbogenweiche erzeugt wird, und im Schritt des Löschens der Ersatzlichtbogen
durch ein Ansprechen der Überstromtrenneinrichtung gelöscht wird.
[0009] Ferner wird ein Fahrzeug mit zumindest einem Schalter gemäß dem hier vorgestellten
Ansatz vorgestellt, wobei der Schalter in einer elektrischen Hochvoltverbindung eines
Spannungsversorgungsystems des Fahrzeugs angeordnet ist, wobei eine Kontaktstelle
des Schalters unter Verwendung eines Aktors, ansprechend auf ein Trennsignal trennbar
ist.
[0010] Eine Hochvoltverbindung kann eine elektrische Leitung eines Hybrid- oder Elektrofahrzeugs
sein, die zum sicheren Leiten von Kfz-Hochvoltspannung ausgebildet ist. Unter einer
Kfz-Hochvoltspannung kann dabei insbesondere eine elektrische Spannung zwischen 300
Volt und 1000 Volt verstanden werden. Zusätzlich weist die Hochvoltverbindung einen
zum Übertragen einer elektrischen Antriebsleistung des Fahrzeugs erforderlichen Leitungsquerschnitt
auf. Die Hochvoltverbindung kann als Kabel oder Stromschiene ausgeführt sein. Stromtragende
Komponenten des Schalters, wie Schnittstellen und Kontakte weisen zumindest einen
an den Leitungsquerschnitt der Hochvoltverbindung angepassten Leitungsquerschnitt
und entsprechende Kontaktflächen auf.
[0011] Die Schnittstellen des Schalters können als Anschlussterminals bezeichnet werden
und Einrichtungen zum sicheren elektrischen Kontaktieren der Teilbereiche der Hochvoltverbindung
aufweisen. Die Kontakte des Schalters können bei geschlossener Kontaktstelle direkt
zusammengepresst werden oder über zwischengeschaltete leitende Elemente verbunden
werden. Bei getrennter Kontaktstelle können die Kontakte beziehungsweise die zwischengeschalteten
Elemente auseinandergedrückt beziehungsweise auseinandergezogen werden. Bei getrennter
Kontaktstelle können die Kontakte mit einem an die Hochvoltspannung angepassten Abstand
voneinander beabstandet sein.
[0012] Eine Überstromtrenneinrichtung kann so ausgelegt sein, dass sie eine notwendige Trennleistung
für einen Kurzschluss im Hochvolt-Bordnetz aufnehmen kann. Diese kann beispielsweise
1,5 MW im 450V Bordnetz und bis zu 5 MW im 900V Bordnetz betragen. Die Überstromtrenneinrichtung
ist im Normalbetrieb stromlos und wird nur im Überlastfall bestromt. Wird die Überstromtrenneinrichtung
als sandgefüllte Schmelzsicherung ausgeführt, so kann diese bei dem hier vorgestellten
Ansatz wesentlich geringer dimensioniert sein, als eine herkömmliche in Reihe zur
Kontaktstelle geschaltete Sicherung. Durch die geringe Dimensionierung des Schmelzdrahtes
kann die Überstromtrenneinrichtung eine sehr geringe Ansprechzeit aufweisen.
[0013] In einem Lichtbogen ist Gas ionisiert und Ladungsträger bewegen sich angetrieben
von einer elektrischen Potenzialdifferenz von einer Seite des Lichtbogens zur anderen
Seite des Lichtbogens. Das Gas kann beispielsweise durch ein elektrisches Feld, also
ein elektrisches Spannungspotenzial zwischen zwei Elektroden ionisiert werden. Die
Elektroden können dann auch Anfangspunkt und Endpunkt des Lichtbogens sein. Anfangspunkt
und Endpunkt sind dabei durch eine Richtung eines elektrischen Stromflusses zum Ausgleichen
des elektrischen Potenzials definiert. Der Lichtbogen folgt dabei einem Weg des geringsten
Widerstands. Eine Menge der Ladungsträger im Lichtbogen wird durch den elektrischen
Stromfluss durch den Lichtbogen bestimmt. Je größer der Stromfluss ist, umso stärker
ist auch eine Wärmeemission des Lichtbogens. Das Gas kann auch durch die Wärmeemission
weiter ionisiert werden. Zwischen den Elektroden kann sich so ein ionisierter Kanal
ausbilden.
[0014] Eine Lichtbogenweiche kann einen neuen Weg mit einem konkurrierenden geringeren Widerstand
als ein ursprünglicher Widerstand eines ursprünglichen Wegs eines beim Trennen der
Kontakte in der Kontaktstelle entstehenden Schaltlichtbogens bereitstellen. Dabei
kommt es nicht zu einem reinen Überspringen des Lichtbogens, also nicht zum sofortigen
Abriss des als Schaltlichtbogen bezeichneten Primärlichtbogens. Vielmehr brennen zunächst
gleichzeitig der Schaltlichtbogen und ein Ersatzlichtbogen, die einen gemeinsamen
Fußpunkt haben können. Dieser kann auf der Strecke zwischen den beiden Kontakten der
eigentlichen Kontaktstelle entweder auf einem der beiden Kontakte oder zwischen den
Kontakten angeordnet sein. Der gemeinsame Fußpunkt kann sich auch während des Trennens
mit dem Ziel des geringsten Gesamtwiderstands immer wieder verschieben. Der Ersatzlichtbogen
entzieht dem Schaltlichtbogen aufgrund seines geringeren Widerstands Energie, bis
der Schaltlichtbogen erlischt. Der Ersatzlichtbogen wird durch das Ansprechen der
Überstromtrenneinrichtung gelöscht.
[0015] Die Lichtbogenweiche kann den ersten Kontakt, eine den ersten Kontakt bei geschlossener
Kontaktstelle mit dem zweiten Kontakt elektrisch leitend verbindende, bewegliche Schaltbrücke
und eine Elektrode der Überstromtrenneinrichtung umfassen. Die Schaltbrücke kann bei
geschlossener Kontaktstelle von der Elektrode beabstandet sein. Beim Unterbrechen
der Kontaktstelle kann die Schaltbrücke dazu ausgebildet sein, von dem ersten Kontakt
in Richtung der Elektrode abgehoben zu werden, um den Ersatzlichtbogen zu erzeugen.
Die Schaltbrücke kann ein beweglicher Teil des zweiten Kontakts sein. Alternativ kann
die Schaltbrücke beim Unterbrechen der Kontaktstelle auch von dem zweiten Kontakt
abgehoben werden. Wenn der Schalter nur zum insbesondere einmaligen Unterbrechen der
Hochvoltverbindung vorgesehen ist, kann die Schaltbrücke beim Unterbrechen der Kontaktstelle
direkten Kontakt zur Elektrode erreichen. Der Ersatzlichtbogen kann dann kurz vor
der Berührung zünden. Zum Schalten der Hochvoltverbindung im Betrieb kann dann eine
separate Schaltstelle in Serie zur Kontaktstelle vorgesehen sein.
[0016] Die Schaltbrücke kann bei getrennter Kontaktstelle durch eine Luftstrecke beabstandet
von der Elektrode sein. Ein zum Erzeugen des Ersatzlichtbogens erforderlicher Mindestenergieumsatz
in der Lichtbogenweiche kann abhängig von der Luftstrecke sein. Durch die Luftstrecke
kann der Schalter auch zum Schalten der Hochvoltverbindung im Betrieb verwendet werden.
Der Schalter kann für eine entsprechende Anzahl an Schaltspielen ausgelegt sein. Die
Luftstrecke kann als Luftspalt bezeichnet werden. Die Luftstrecke kann derart dimensioniert
sein, dass ein Überschlag des Ersatzlichtbogens zur Überstromtrenneinrichtung nur
oberhalb eines definierten Energieeintrags beziehungsweise einer definierten Ladungsträgerdichte
beziehungsweise eines definierten Stroms erfolgt, jedoch nicht unterhalb dieser Schwelle,
sodass die Überstromtrenneinrichtung dann inaktiv bleibt. Durch den Luftspalt ist
die Lichtbogenweiche energieabhängig, da sonst die Überstromtrenneinrichtung bei jedem
Schaltvorgang sofort ausgelöst würde. Die Luftstrecke kann so groß sein, dass der
Ersatzlichtbogen erst bei einer Momentanleistung größer 10 kW, insbesondere größer
25 kW, insbesondere größer 50 kW überspringt.
[0017] Bei getrennter Kontaktstelle kann eine Lichtbogenstrecke zwischen dem ersten Kontakt
und der Schaltbrücke größer sein als die Luftstrecke. Eine Lichtbogenstrecke kann
dabei der kürzeste geometrische Pfad für den Schaltlichtbogen zwischen dem Anfangspunkt
des Schaltlichtbogens und dem Endpunkt des Schaltlichtbogens sein. Die Lichtbogenstrecke
kann durch ein Hindernis zwischen dem Anfangs und Endpunkt beeinflusst werden, da
der Schaltlichtbogen dann einer verlängerten Lichtbogenstrecke um das Hindernis herum
folgt. Die Lichtbogenstrecke kann auch durch eine berührungslose Krafteinwirkung auf
den Schaltlichtbogen, wie beispielsweise eine Luftbewegung und/oder ein magnetisches
Feld beeinflusst werden. Wenn die Lichtbogenstrecke länger ist als die Luftstrecke,
kann der Ersatzlichtbogen zünden.
[0018] Die Elektrode kann mit einem thermoplastischen Isolator umspritzt sein. Ein zum Zünden
eines Ersatzlichtbogens erforderlicher Mindestenergieumsatz in der Lichtbogenweiche
kann abhängig von einer Dicke des Isolators sein. Der Mindestenergieumsatz kann abhängig
von einem spezifischen Widerstand eines thermoplastischen Materials des Isolators
sein. Wenn der Mindestenergieumsatz im Schaltlichtbogen überschritten wird, kann der
Isolator schmelzen und die Elektrode freigelegt werden. Dann kann die Schaltbrücke
die Elektrode berühren und ein direkter elektrischer Kontakt zwischen der Schaltbrücke
und der Elektrode entstehen. Alternativ kann die verbleibende Luftstrecke zwischen
der Schaltbrücke und der Elektrode so kein sein, dass der Ersatzlichtbogen einen geringen
Energieumsatz aufweist.
[0019] Eine weitere Überstromtrenneinrichtung kann elektrisch leitend mit der zweiten Schnittstelle
verbunden sein. Die Lichtbogenweiche kann den ersten Kontakt, den zweiten Kontakt,
eine den ersten Kontakt bei geschlossener Kontaktstelle mit dem zweiten Kontakt elektrisch
leitend verbindende, bewegliche Schaltbrücke, eine Elektrode der Überstromtrenneinrichtung
und eine weitere Elektrode der weiteren Überstromtrenneinrichtung umfassen. Die Schaltbrücke
kann bei geschlossener Kontaktstelle beabstandet von der Elektrode und der weiteren
Elektrode sein. Bei getrennter Kontaktstelle kann eine kombinierte Lichtbogenstrecke
zwischen der Schaltbrücke und dem ersten Kontakt und zwischen der Schaltbrücke und
dem zweiten Kontakt größer sein, als sowohl eine erste Luftstrecke zwischen dem ersten
Kontakt und der weiteren Elektrode als auch eine zweite Luftstrecke zwischen dem zweiten
Kontakt und der Elektrode. Einzelne Lichtbogenstrecken zwischen den Kontakten und
der Schaltbrücke können sich zur kombinierten Lichtbogenstrecke addieren. Sobald eine
der Luftstrecken kleiner ist, als die kombinierte Lichtbogenstrecke, kann diese Luftstrecke
attraktiv genug sein, dass der Ersatzlichtbogen zündet.
[0020] Die Lichtbogenweiche kann ein bewegliches Trennelement aufweisen, das zwischen dem
ersten Kontakt und dem zweiten Kontakt anordenbar ist. Das Trennelement kann eine
Lichtbogenstrecke zwischen dem ersten Kontakt und dem zweiten Kontakt vergrößern,
den ersten Kontakt verdecken und alternativ oder ergänzend den zweiten Kontakt verdecken,
wenn es in der Kontaktstelle angeordnet ist. Ein Trennelement kann aus einem elektrisch
isolierenden Material, wie beispielsweise Keramik sein. Das Trennelement kann die
Kontakte auseinanderdrücken. Das Trennelement kann keilförmig sein. Das Trennelement
kann durch eine Antriebseinrichtung angetrieben werden. Das Trennelement kann die
Lichtbogenstrecke geometrisch vergrößern, da es ein Hindernis für den Schaltlichtbogen
darstellt. Durch das Trennelement kann der relative Abstand zur Elektrode der Überstromtrenneinrichtung
geringer werden, wodurch der Ersatzlichtbogen zur Überstromtrenneinrichtung zündet.
Durch das Trennelement kann ein ursprünglicher Strompfad sehr unattraktiv für den
Lichtbogen gemacht werden. Das Trennelement kann vor den ersten Kontakt bewegt werden
und diesen abdecken. Durch das Abdecken kann ein erneutes Zünden des Schaltlichtbogens
nach dem Auslösen der Überstromtrenneinrichtung verhindert werden.
[0021] Die Lichtbogenweiche kann zumindest einen Blasmagneten zum Verlängern des Schaltlichtbogens
aufweisen. Eine Feldrichtung des Blasmagneten kann quer zu einem Verlauf des Schaltlichtbogens
ausgerichtet sein. Ein Blasmagnet kann ein magnetisches Feld bereitstellen. Das magnetische
Feld kann aufgrund der Lorentzkraft auf bewegte Ladungsträger eine seitliche Kraft
ausüben. Da der Schaltlichtbogen aus bewegten Ladungsträgern besteht, kann der Schaltlichtbogen
unter Verwendung zumindest eines Blasmagneten seitlich ausgelenkt werden. Eine Richtung
der Auslenkung ist von einer Bewegungsrichtung der Ladungsträger und von einer Feldrichtung
des Magnetfelds abhängig. Der Blasmagnet kann so ausgerichtet sein, dass der Schaltlichtbogen
in Richtung der Elektrode der Überstromtrenneinrichtung abgelenkt wird.
[0022] Der Blasmagnet kann ein Elektromagnet sein, der zwischen die zweite Schnittstelle
und die Schaltbrücke geschaltet ist. Die Schaltbrücke kann bei getrennter Kontaktstelle
beabstandet zu dem ersten Kontakt und dem zweiten Kontakt sein. Der Elektromagnet
kann beim Unterbrechen der Kontaktstelle durch einen aufgrund eines Spannungsabfalls
an einem weiteren Schaltlichtbogen zwischen der Schaltbrücke und dem zweiten Kontakt
resultierenden elektrischen Stromfluss bestromt werden, um stromrichtungsabhängig
ein Magnetfeld zum Verlängern des Schaltlichtbogens stets in Richtung der Überstromtrenneinrichtung
zu erzeugen. Bei einem Permanentmagnet als Blasmagnet verändert sich eine Richtung
der seitlichen Auslenkung in Abhängigkeit von einer Richtung des Stromflusses beziehungsweise
einer Stromrichtung. Damit die Richtung der Auslenkung gleich bleibt und der Schaltlichtbogen
auch bei unterschiedlichen Stromrichtungen in Richtung der Elektrode der Überstromtrenneinrichtung
verlängert wird, kann eine Feldrichtung in Abhängigkeit von der Stromrichtung eingestellt
werden. Die Feldrichtung kann unter Verwendung einer stromdurchflossenen Spule eingestellt
werden. Die Spule ist Bestandteil des Elektromagnets. Eine Stromrichtung in der Spule
ist abhängig von der Stromrichtung durch den Schalter. Durch den Elektromagnet wird
nur eine Überstromtrenneinrichtung benötigt.
[0023] Die Überstromtrenneinrichtung kann als Schmelzsicherung mit Sandfüllung ausgebildet
sein. Alternativ kann die Überstromtrenneinrichtung eine aktive Sicherung, wie eine
Pyrofuse sein. Die Schmelzsicherung wird beim Ansprechen zerstört. Beim Ansprechen
der Schmelzsicherung schmilzt ein Schmelzelement und anstelle des Schmelzelements
entsteht ein Lichtbogen. Der Lichtbogen schmilzt durch seinen Energieumsatz die Sandfüllung
zumindest teilweise auf. Der geschmolzene Sand unterbricht beziehungsweise erstickt
dann den Lichtbogen und somit den Ersatzlichtbogen. Da die Überstromtrenneinrichtung
im Normalbetrieb stromlos ist, kann die Schmelzsicherung schnell ansprechen, wenn
der Ersatzlichtbogen zur Überstromtrenneinrichtung zündet.
[0024] Der Schalter kann eine Messeinrichtung zum Erfassen eines elektrischen Stromflusses
zwischen den Schnittstellen aufweisen. Die Messeinrichtung kann dazu ausgebildet sein,
ein Trennsignal zum Unterbrechen der Kontaktstelle bereitzustellen, wenn der Stromfluss
größer als ein Schwellenwert ist. Durch das Messen des Stromflusses und das Unterbrechen
ansprechend auf das Trennsignal kann der Schalter automatisiert die Hochvoltverbindung
unterbrechen, bevor andere stromführende Teile Schaden nehmen.
Kurze Figurenbeschreibung
[0025] Nachfolgend wird ein vorteilhaftes Ausführungsbeispiel der Erfindung unter Bezugnahme
auf die begleitenden Figuren erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Darstellung eines Fahrzeugs mit einem Schalter gemäß einem Ausführungsbeispiel;
- Fig. 2
- eine Darstellung eines Schalters mit einem Trennelement gemäß einem Ausführungsbeispiel;
- Fign. 3 bis 4
- Darstellungen eines Unterbrechungsvorgangs einer Hochvoltverbindung unter Verwendung
eines Schalters mit einem Trennelement gemäß einem Ausführungsbeispiel;
- Fig. 5
- eine Darstellung eines Schalters mit einer weiteren Überstromtrenneinrichtung gemäß
einem Ausführungsbeispiel;
- Fign. 6 bis 8
- Darstellungen eines Unterbrechungsvorgangs einer Hochvoltverbindung unter Verwendung
eines Schalters mit einer weiteren Überstromtrenneinrichtung gemäß einem Ausführungsbeispiel;
- Fig. 9
- eine Darstellung eines Unterbrechungsvorgangs einer Hochvoltverbindung unter Verwendung
eines Schalters mit einem Elektromagnet gemäß einem Ausführungsbeispiel; und
- Fig. 10
- eine Darstellung eines Schalters mit einer isolierten Elektrode gemäß einem Ausführungsbeispiel.
[0026] Die Figuren sind lediglich schematische Darstellungen und dienen nur der Erläuterung
der Erfindung. Gleiche oder gleichwirkende Elemente sind durchgängig mit den gleichen
Bezugszeichen versehen.
Detaillierte Beschreibung
[0027] Zum leichteren Verständnis werden in der folgenden Beschreibung die Bezugszeichen
zu den Figuren 1-10 als Referenz beibehalten.
[0028] Fig. 1 zeigt eine Darstellung eines Fahrzeugs 100 mit einem Schalter 102 gemäß einem
Ausführungsbeispiel. Das Fahrzeug weist eine Traktionsbatterie 104 und zumindest eine
elektrische Antriebseinheit 106 auf. Die Traktionsbatterie 104 ist über eine Hochvoltverbindung
108 mit der Antriebseinheit 106 verbunden. Eine zum Betrieb der Antriebseinheit 106
erforderliche Steuer- und Regelelektronik ist hier zur Vereinfachung nicht dargestellt.
[0029] Der Schalter 102 ist zwischen der Traktionsbatterie 104 und der Antriebseinheit 106
in der Hochvoltverbindung 108 angeordnet. Jeder Pol der Traktionsbatterie 104 ist
über eine Leitung der Hochvoltverbindung 108 mit einem entsprechenden Anschluss der
Antriebseinheit 106 verbunden. Der Schalter 102 weist für jeden Pol getrennte Kontakte
auf. Der Schalter 102 ist also mehrpolig und dazu ausgebildet, die Traktionsbatterie
104 allpolig vom Rest des Fahrzeugs 100 abzutrennen.
[0030] Für jeden Pol weist der Schalter 102 eine Kontaktstelle 110 zwischen einem mit der
Traktionsbatterie 104 verbundenen Teilbereich der Hochvoltverbindung 108 und einem
mit der Antriebseinrichtung 106 verbundenen Teilbereich der Hochvoltverbindung 108
auf. Zusätzlich weist der Schalter für jeden Pol eine im Betrieb nur mit einem der
Teilbereiche der Hochvoltverbindung 108 verbundenen Überstromtrenneinrichtung 112
und eine Lichtbogenweiche 114 auf. Die Lichtbogenweiche 114 ist dazu ausgebildet,
in einem Überlastfall einen zu der Überstromtrenneinrichtung 112 führenden Ersatzlichtbogen
zu einem beim Unterbrechen der Kontaktstelle 110 entstehenden Schaltlichtbogen zu
erzeugen.
[0031] Fig. 2 zeigt eine Darstellung eines Schalters 102 mit einem Trennelement 200 gemäß
einem Ausführungsbeispiel. Der Schalter 102 entspricht dabei im Wesentlichen dem Schalter
in Fig. 1. Im Gegensatz dazu ist der hier dargestellte Schalter 102 einpolig. Der
Schalter 102 weist eine erste Schnittstelle 202 zu einem ersten Teilbereich der Hochvoltverbindung
und eine zweite Schnittstelle 204 zu einem zweiten Teilbereich der Hochvoltverbindung
auf. Die erste Schnittstelle 202 ist elektrisch leitend mit einem ersten Kontakt 206
der Kontaktstelle 110 verbunden. Die zweite Schnittstelle 204 ist elektrisch leitend
mit einem zweiten Kontakt 208 der Kontaktstelle 110 verbunden.
[0032] Zwischen dem ersten Kontakt 206 und dem zweiten Kontakt 208 ist eine bewegliche Schaltbrücke
210 angeordnet, die über ein elektrisch leitendes Gelenk fest mit dem ersten Kontakt
206 verbunden ist. In geschlossenem Zustand der Kontaktstelle 110 wird die Schaltbrücke
210 gegen den zweiten Kontakt 208 gedrückt, sodass diese leitend verbunden sind. Die
Schaltbrücke 210 wird beispielsweise durch eine Federkraft gegen den zweiten Kontakt
208 gedrückt.
[0033] Ein erster Anschluss der Überstromtrenneinrichtung 112 ist elektrisch leitend mit
der zweiten Schnittstelle 204 und dem zweiten Kontakt 208 verbunden. Ein freier zweiter
Anschluss der Überstromtrenneinrichtung 112 ist mit einer Elektrode 212 der Lichtbogenweiche
114 verbunden. Hier sind der zweite Kontakt 208, das Trennelement 200 und die Schaltbrücke
210 weitere Bestandteile der Lichtbogenweiche 114. In geschlossenem Zustand der Kontaktstelle
110 sind die Schaltbrücke 210 und damit auch der erste Kontakt 206 beabstandet von
der Elektrode 212.
[0034] Das Trennelement 200 ist hier keilförmig geformt und dazu ausgebildet, zwischen den
zweiten Kontakt 208 und die Schaltbrücke 210 geschoben zu werden, um die Schaltbrücke
210 von dem zweiten Kontakt 208 abzuheben beziehungsweise wegzudrücken. Beim Abheben
beziehungsweise Wegdrücken wird die Schaltbrücke 210 in Richtung der Elektrode 212
bewegt. Das bewegliche Trennelement 200 verdeckt beim Unterbrechen der Kontaktstelle
110 den zweiten Kontakt 208.
[0035] In einem Ausführungsbeispiel ist der Schalter 102 als einmalig verwendbarer Trennschalter
für eine Überlastsituation ausgebildet. Zum Schalten unter normalen Betriebsbedingungen
ist dann ein hier nicht dargestellter weiterer Schalter in Serie zu dem dargestellten
Schalter 102 geschaltet. Hier wird die Schaltbrücke 210 beim Unterbrechen der Kontaktstelle
110 durch das Trennelement 200 gegen die Elektrode 212 gedrückt. So wird ein direkter
Kontakt zwischen der Schaltbrücke 210 und der Elektrode 212 hergestellt. In der Überlastsituation
spricht dann die zuvor stromlose Überstromtrenneinrichtung 112 sofort an und unterbricht
den Stromfluss sicher. Da die Überstromtrenneinrichtung 112 in normalen Betriebssituationen
stromlos ist, kann sie entsprechend schwach dimensioniert sein und bereits bei einem
geringen Stromfluss ansprechen.
[0036] In einem Ausführungsbeispiel ist der Schalter 102 dazu ausgebildet, unter normalen
Betriebsbedingungen als Betriebsschalter verwendet zu werden. Hier sind die Schaltbrücke
210 und die Elektrode 212 auch beim Unterbrechen der Kontaktstelle 110 durch eine
Luftstrecke 214 voneinander beabstandet. Die Schaltbrücke 210 berührt die Elektrode
212 also nie. Eine Energieübertragung kann dabei nur durch einen zwischen der Schaltbrücke
210 und der Elektrode 212 gezündeten Ersatzlichtbogen erfolgen.
[0037] Die Figuren 3 und 4 zeigen Darstellungen eines Unterbrechungsvorgangs einer Hochvoltverbindung
unter Verwendung eines Schalters 102 mit einem Trennelement 200 gemäß einem Ausführungsbeispiel.
Der Schalter 102 entspricht dabei im Wesentlichen dem Schalter in Fig. 2. Die nicht
dargestellte Hochvoltverbindung ist an den Schnittstellen 202, 204 angeschlossen und
es besteht ein Überlastfall, in dem es erforderlich ist, die Hochvoltverbindung sicher
zu unterbrechen, um beispielsweise bei einem Schaden die Antriebseinheit von der Traktionsbatterie
zu trennen.
[0038] In Fig. 3 beginnt das Trennelement 200 die Schaltbrücke 210 von dem zweiten Kontakt
208 abzuheben. In einem resultierenden Spalt zündet ein Schaltlichtbogen 300 zwischen
der mit dem ersten Kontakt 206 verbundenen Schaltbrücke 210 und dem zweiten Kontakt
208. Der Schaltlichtbogen 300 erzeugt ein Plasma aus freien Ladungsträgern zwischen
der Schaltbrücke 210 und dem zweiten Kontakt 208. Das Trennelement 200 drückt die
Schaltbrücke 210 in Richtung der freien Elektrode 212 der Überstromtrenneinrichtung
112. Die Elektrode 212 liegt aufgrund der elektrisch leitenden Verbindung durch die
Überstromtrenneinrichtung 112 auf dem gleichen elektrischen Potenzial, wie der zweite
Kontakt 208. Zwischen der Schaltbrücke 210 und der Elektrode 212 entsteht ein elektrisches
Feld. Eine Feldstärke des elektrischen Felds wird umso größer, je geringer die Luftstrecke
214 wird.
[0039] In Fig. 4 hat das Trennelement 200 eine Lichtbogenstrecke 400 von der Schaltbrücke
210 um das Trennelement 200 herum bis zum zweiten Kontakt 208 soweit verlängert, dass
ein Ersatzlichtbogen 402 über die Luftstrecke 214 zwischen der Schaltbrücke 210 und
der Elektrode 212 einen Weg mit geringerem elektrischen Widerstand bietet, als der
Weg über die primäre Lichtbogenstrecke 400. Durch das Plasma des Schaltlichtbogens
ist der Bereich der Luftstrecke 214 mit freien Ladungsträgern geflutet. Damit zündet
der Ersatzlichtbogen 402 zwischen der Schaltbrücke 210 und der Elektrode 212. Der
Schaltlichtbogen 300 erlischt aufgrund seines höheren elektrischen Widerstands und
die abzubauende elektrische Energie wird durch die Überstromtrenneinrichtung 112 abgeleitet.
[0040] Da die durch die Überstromtrenneinrichtung 112 geleitete elektrische Energie größer
ist, als eine Ansprechschwelle der Überstromtrenneinrichtung 112, spricht die Überstromtrenneinrichtung
112 an und unterbricht den elektrischen Stromfluss durch die Hochvoltverbindung endgültig.
Der Ersatzlichtbogen 402 verlischt. Das Trennelement 200 verdeckt den zweiten Kontakt
208 und verhindert so ein erneutes Zünden des Schaltlichtbogens 300 zwischen der Schaltbrücke
210 und dem zweiten Kontakt 208.
[0041] Fig. 5 zeigt eine Darstellung eines Schalters 102 mit einer zweiten Überstromtrenneinrichtung
500 gemäß einem Ausführungsbeispiel. Der Schalter 102 entspricht dabei im Wesentlichen
dem Schalter in Fig. 2. Im Gegensatz dazu ist die Schaltbrücke 210 hier an beiden
Seiten mobil beziehungsweise kann von dem ersten Kontakt 206 und dem zweiten Kontakt
208 abgehoben werden. Ein erstes Ende der zweiten Überstromtrenneinrichtung 500 ist
mit der ersten Schnittstelle 202 verbunden. Ein zweites Ende der zweiten Überstromtrenneinrichtung
500 ist mit einer zweiten Elektrode 502 verbunden. Im Gegensatz zur Darstellung in
Fig. 2 ist die erste Elektrode 212 der ersten Überstromtrenneinrichtung 112 hier durch
die erste Luftstrecke 214 von dem ersten Kontakt 206 beabstandet, während die zweite
Elektrode 502 durch eine zweite Luftstrecke 504 von dem zweiten Kontakt 208 beabstandet
ist. Die Luftstrecken 214, 504 sind dabei insbesondere gleich groß. Mit anderen Worten
sind die Überstromtrenneinrichtungen 112, 500 gegengleich verbaut.
[0042] In einem Ausführungsbeispiel ist ein erster Blasmagnet 506 im Bereich des ersten
Kontakts 206 und der ersten Elektrode 212 angeordnet. Ein zweiter Blasmagnet 508 ist
im Bereich des zweiten Kontakts 208 und der zweiten Elektrode 502 angeordnet. Die
Blasmagneten 506, 508 stellen jeweils entgegengesetzt zueinander ausgerichtete Magnetfelder
bereit.
[0043] Die Figuren 6, 7 und 8 zeigen Darstellungen eines Unterbrechungsvorgangs einer Hochvoltverbindung
unter Verwendung eines Schalters 102 mit einer weiteren Überstromtrenneinrichtung
500 gemäß einem Ausführungsbeispiel. Wie in den Figuren 3 und 4 ist die Hochvoltverbindung
mit den Schnittstellen 202, 204 verbunden, jedoch nicht dargestellt.
[0044] In Fig. 6 wird die Schaltbrücke 210 durch einen nicht dargestellten Aktor von dem
ersten Kontakt 206 und dem zweiten Kontakt 208 abgehoben. An beiden Kontakten 206,
208 zündet jeweils ein Schaltlichtbogen 300. Da die Schaltlichtbögen 300 in Reihe
geschaltet sind, summieren sich ihre Lichtbogenstrecken 400 zu einer Gesamtlichtbogenstrecke.
Die Ladungsträger in beiden Schaltlichtbögen 300 bewegen sich dabei quer zu den Magnetfeldern
der Blasmagneten 506, 508. Durch die resultierende Lorentzkraft werden die Schaltlichtbögen
300 seitlich ausgelenkt. Die Lichtbogenstrecken 400 werden durch die seitliche Auslenkung
verlängert. Die Gesamtlichtbogenstrecke verlängert sich entsprechend.
[0045] Durch die Lorentzkraft wird der Schaltlichtbogen 300 zwischen dem ersten Kontakt
206 und der Schaltbrücke 210 hier zusätzlich in Richtung der ersten Elektrode 212
ausgelenkt, die über die elektrisch leitende erste Überstromtrenneinrichtung 112 auf
dem gleichen elektrischen Potenzial liegt, wie der zweite Kontakt 208.
[0046] In Fig. 7 wurde die aus den einzelnen Lichtbogenstrecken 400 kombinierte Gesamtlichtbogenstrecke
größer, als die erste Luftstrecke 214. Zwischen dem ersten Kontakt 206 und der ersten
Elektrode 212 hat der Ersatzlichtbogen 402 gezündet und die erste Überstromtrenneinrichtung
112 spricht an. Dabei erlischt auch der Schaltlichtbogen zwischen dem zweiten Kontakt
208 und der Schaltbrücke 210, da dieser Strompfad unterbrochen ist.
[0047] In Fig. 8 fließt der Strom entgegengesetzt zur Darstellung in den Figuren 6 und 7.
Dadurch wirkt die Lorentzkraft ebenfalls in die entgegengesetzte Richtung. Der Schaltlichtbogen
300 zwischen der Schaltbrücke 210 und dem zweiten Kontakt 208 wird in Richtung der
zweiten Elektrode 502 ausgelenkt. Dadurch ist die Gesamtlichtbogenstrecke größer,
als die zweite Luftstrecke 504. Zwischen dem zweiten Kontakt 208 und der zweiten Elektrode
502 hat der Ersatzlichtbogen 402 gezündet und die zweite Überstromtrenneinrichtung
500 spricht an. Dabei erlischt auch der Schaltlichtbogen zwischen dem ersten Kontakt
206 und der Schaltbrücke 210, da dieser Strompfad unterbrochen ist.
[0048] Fig. 9 zeigt eine Darstellung eines Unterbrechungsvorgangs einer Hochvoltverbindung
unter Verwendung eines Schalters 102 mit einem Elektromagnet 900 gemäß einem Ausführungsbeispiel.
Der Schalter 102 entspricht dabei im Wesentlichen dem Schalter in den Figuren 5 bis
7. Im Gegensatz dazu weist der hier dargestellte Schalter 102 nur eine Überstromtrenneinrichtung
112 und dementsprechend nur eine Elektrode 212 auf, die für beide Stromrichtungen
wirksam ist. Die Elektrode 212 ist wie in Fig. 2 im Bereich des zweiten Kontakts 208
angeordnet, ist jedoch wie in Fig. 5 durch den Luftspalt 214 von dem zweiten Kontakt
208 beabstandet.
[0049] Ebenfalls wie in Fig. 5 ist hier die Schaltbrücke 210 beidseitig beweglich und kann
durch einen Aktor 902 ansprechend auf ein Trennsignal 904 sowohl von dem ersten Kontakt
206 als auch von dem zweiten Kontakt 208 abgehoben werden. Damit zünden beim Unterbrechen
der Kontaktstelle 110 zwei Schaltlichtbögen 300. Da die Schaltlichtbögen 300 einen
höheren elektrischen Widerstand aufweisen, als die elektrischen Leiter der Kontakte
206, 208 und der Schaltbrücke 210 fällt an den Schaltlichtbögen 300 elektrische Spannung
ab. Der Spannungsabfall des Schaltlichtbogens 300 zwischen der Schaltbrücke 210 und
dem ersten Kontakt 206 wird hier abgegriffen, um den Schaltlichtbogen 300 zwischen
dem zweiten Kontakt 208 und der Schaltbrücke 210 zur Elektrode 212 umzulenken. Dazu
ist der Elektromagnet 900 zwischen den ersten Kontakt 206 und die Schaltbrücke 210
geschaltet. Der Elektromagnet 900 erzeugt ein Magnetfeld, dessen Feldlinien quer zur
Bewegungsrichtung der Ladungsträger des Lichtbogens ausgerichtet sind, wenn er stromdurchflossen
ist.
[0050] Eine Stromrichtung im Elektromagnet 900 ist damit abhängig von der Stromrichtung
durch den Schalter 102. Somit ist auch eine Feldrichtung des von dem Elektromagnet
900 erzeugten magnetischen Felds abhängig von der Stromrichtung. Die Feldrichtung
passt so immer zur Richtung der Ladungsträger im Schaltlichtbogen 300. Der Schaltlichtbogen
wird also immer in Richtung der Elektrode 212 ausgelenkt.
[0051] Wenn die Gesamtlichtbogenstrecke über beide Schaltlichtbogen 300 größer ist, als
die Luftstrecke 214, zündet der hier nicht dargestellte Ersatzlichtbogen zur Elektrode
212 und der resultierende Stromfluss durch die Überstromtrenneinrichtung 112 lässt
diese ansprechen. Durch das Ansprechen der Überstromtrenneinrichtung 112 wird die
Hochvoltverbindung endgültig unterbrochen.
[0052] Fig. 10 zeigt eine Darstellung eines Schalters 102 mit einer isolierten Elektrode
212 gemäß einem Ausführungsbeispiel. Der Schalter 102 entspricht dabei im Wesentlichen
dem Schalter in Fig. 2. Im Gegensatz dazu ist die Elektrode 212 der Überstromtrenneinrichtung
112 hier in einem Flugkreis der drehbar gelagerten Schaltbrücke 210 angeordnet und
durch einen Isolator 1000 aus einem thermoplastischen Kunststoffmaterial bedeckt.
Die Schaltbrücke 210 kann an dem Isolator 1000 anschlagen. Der Isolator 1000 verhindert
bei einem normalen Schaltvorgang einen direkten elektrisch leitenden Kontakt zwischen
der Schaltbrücke 210 und der Elektrode 212. Eine Materialstärke des Isolators 1000
entspricht dann der verbleibenden Luftstrecke 214.
[0053] Wenn die Schaltbrücke 210 an dem Isolator 1000 anliegt, ist die Luftstrecke 214 sehr
gering und es resultiert ein elektrisches Feld mit einer hohen Feldstärke zwischen
der Schaltbrücke 210 und der Elektrode 212. Dieses elektrische Feld beeinflusst den
auch beim normalen Schaltvorgang in der Kontaktstelle 110 entstehenden, schwächeren
Schaltlichtbogen. Der Schaltlichtbogen wird durch das elektrische Feld bogenförmig
ausgelenkt und seine Lichtbogenstrecke dadurch verlängert. Der Schaltlichtbogen erlischt
durch die vergrößerte Lichtbogenstrecke schneller, da der elektrische Widerstand des
Schaltlichtbogens mit zunehmender Lichtbogenstrecke stark steigt.
[0054] Das Trennelement 200 verlängert beim Trennen der Kontaktstelle 110 ebenfalls die
Lichtbogenstrecke, da der Schaltlichtbogen um das Trennelement 200 herum brennt. Um
den Schaltlichtbogen zu unterbrechen, dringt das Trennelement 200 in einem Ausführungsbeispiel
nach dem Trennen der Kontaktstelle 110 in eine Kerbe 1002 in einem Gehäuse des Schalters
102 ein. Durch das Eindringen in die Kerbe 1002 kann der Schaltlichtbogen im übertragenen
Sinn abgeschnitten werden.
[0055] Bei einem Überlastfall setzt der Schaltlichtbogen so viel thermische Energie frei,
dass der Isolator 1000 zumindest teilweise schmilzt und/oder verdampft. Dadurch wird
die Elektrode 212 freigelegt und der Ersatzlichtbogen zwischen der Schaltbrücke 210
und der Elektrode 212 zündet. Da die Schaltbrücke 210 aufgrund des abgeschmolzenen
Isolators 1000 sehr nah an die Elektrode 212 herankommt beziehungsweise die Elektrode
212 sogar direkt berühren kann, wird durch den Ersatzlichtbogen nur wenig thermische
Energie freigesetzt, bis die Überstromtrenneinrichtung 112 anspricht und der Ersatzlichtbogen
gelöscht wird.
[0056] Mit anderen Worten zeigen die Figuren 1 bis 10 Schalter mit Lichtbogenweichen. Die
Schalter können zur Absicherung und zum Schalten im Hochvolt(HV)-Versorgungsbordnetz
verwendet werden. Die bisher verwendeten in Reihe geschalteten Schmelzsicherungen
zur thermischen Absicherung der Leitungen können durch den hier vorgestellten Ansatz
entfallen. Die bei Verwendung von herkömmlichen Schützen und Sicherungen in Serienschaltung
resultierenden Probleme durch die Kombination der beiden Komponenten treten dadurch
nicht auf.
[0057] Herkömmlicherweise führt im Kurzschlussfall beispielsweise das Abheben der Schaltkontakte
beziehungsweise die Kontaktlevitation aufgrund der elektromagnetischen Kräfte zu einer
unkontrollierten Lichtbogenbildung im Schütz, welche die Zündung der in Reihe geschalteten
Schmelzsicherung verzögert. Das Schütz beeinflusst also die Sicherung in ihrem Verhalten.
[0058] Zusätzlich sind bei in Reihe geschalteten Schmelzsicherungen aufgrund der Trägheit
bei kleinen Überströmen und dynamischen Stromprofilen große Leitungsquerschnitte notwendig.
Weiterhin ist eine in Serie geschaltete Schmelzsicherung durch ihre Konstruktion als
Sollbruchstelle immer erhebliche Quelle von thermischen Verlusten. Dieser Wärmeeintrag
kann Probleme bei der Dimensionierung der Hochvolt(HV)-Schaltboxen verursachen und
kann sogar aktive Kühlvorrichtungen notwendig machen.
[0059] Bisherige Schütze können die Trennleistung im Fall eines Kurzschlusses im Bordnetz
nicht aufnehmen und können z.B. bei einem Kurzschlussstrom von größer drei Kiloampere
(kA) explodieren, wenn das Öffnen kommandiert wird. Um dies zu verhindern, können
die Schütze geschlossen gelassen werden und die in Reihe geschaltete Sicherung soll
mit ihrer Sandfüllung die Trennleistung tragen, die Trennenergie aufnehmen und so
den Stromfluss unterbrechen. Die in Reihe geschalteten konventionellen Sicherungen
haben den Zielkonflikt, einerseits den Laststrom mit möglichst geringen Verlusten
und Erwärmung tragen zu können, was durch einen möglichst großen Querschnitt der Engstelle
erreicht werden kann, andererseits sollen sie im Kurzschlussfall möglichst schnell
trennen, was durch einen möglichst kleiner Querschnitt der Engstelle erreicht werden
kann, damit die umgesetzte Trennenergie (Leistung mal Zeit) nicht zu groß wird.
[0060] Der hier vorgestellte Schalter 102 kann sowohl die Schaltaufgabe des Schützes als
auch die Absicherungsaufgabe der Sicherung übernehmen. Der Schalter 102 beinhaltet
als zentrales Element eine "Lichtbogenweiche" 114.
[0061] Beim Abschalten des Kurzschlussstroms wird mit dem Öffnen der Kontakte 206, 208 (plus-Primärkontakt
und minus-Primärkontakt) ein Lichtbogen aufgezogen. Dieser Lichtbogen wird mit einem
Trennelement 200, beispielsweise einem Keil aus einem Isolatormaterial gegen einen
In den Figuren 1 bis 10 als Elektrode 212 bezeichneten Sekundärkontakt geschoben und
gleichzeitig wird der minus- (oder plus- oder beide) Primärkontakt von dem Trennelement
200 abgedeckt. Es entsteht ein zweiter Lichtbogen zum Sekundärkontakt. Dieser Sekundärkontakt
wiederum ist mit einer vorzugsweise sandgefüllten Schmelzsicherungszelle verbunden,
in der schlussendlich die Trennenergie umgesetzt wird. Die Schmelzsicherungszelle
ist eine mögliche Form der Überstromtrenneinrichtung und kann als "Opferbereich" bezeichnet
werden. Mit dem Aufschmelzen des Sicherungsfadens und Löschen des Lichtbogens über
den kühlenden verflüssigten Sand, erlischt der Lichtbogen und der Schalter 102 unterbricht
den Stromfluss. Der Pfad wird galvanisch getrennt. Die Schmelzsicherungszelle ist
dabei derart dimensioniert, dass zunächst der Lichtbogen zwischen den Primärkontakten
erlischt und anschließend erst der Lichtbogen in der Schmelzsicherungszelle unterbrochen
wird, um ein "zurückfallen" des Großteils der Lichtbogenenergie auf den Lichtbogen
zwischen den Primärkontakten zu verhindern.
[0062] Als Überstromtrenneinrichtung kann eine aktive Pyrofuse statt einer Schmelzsicherung
verwendet werden. Sandgefüllte Sicherungselemente sind jedoch prinzipiell positiv
für die Energieaufnahme bei der Kurzschlussstromunterbrechung.
[0063] Durch den hier vorgestellten Ansatz ergibt sich eine Kosteneinsparung durch eine
kleiner als bei der Serienschaltung dimensionierte Überstromtrenneinrichtung, ein
wesentlich geringerer Wärmeeintrag und eine Platzersparnis.
[0064] Der hier vorgestellte Ansatz ermöglicht es, die sicherheitsrelevante Funktion des
Schaltens und Absicherns der HV-Spannung in einer Komponente zusammenzufassen und
somit insbesondere beim Übergang von Normalfall zu Fehlerfall bei ca. 1.000 A bis
2.000 A Schaltlast eine präzise Funktion zu gewährleisten.
[0065] Durch die Lichtbogenweiche kann das serielle Sicherungselement entfallen, welches
bisher durch seinen Widerstand zu einem hohen Wärmeeintrag in die Schaltbox geführt
hat. Bei dem hier vorgestellten Ansatz wird das Schmelzsicherungselement nur im Fehlerfall
bestromt. Dadurch wird die Dauerstromtragfähigkeit des Systems nicht länger durch
die Schmelzsicherung begrenzt. Bisher kann das Sicherungselement immer nur so groß
gewählt werden, dass die Leitung und insbesondere die HV-Schütze nicht zerstört werden,
insbesondere abbrennen. Bei diesem maximalen Nennwert ist die Dauerstromtragfähigkeit
der Sicherung aufgrund der thermischen Belastungsgrenze natürlich ebenfalls beschränkt.
Durch den hier vorgestellten Ansatz kann den immer weiter steigenden Anforderungen
an das "DC-Schnellladen" von Elektrofahrzeugen Rechnung getragen werden und eine vergrößerte
Dauerstromtragfähigkeit erreicht werden.
[0066] Bei dem hier vorgestellten Ansatz brennt während der Unterbrechung des Kurzschlussstroms
lediglich der Lichtbogen an der Kurzschlussstelle zusätzlich zum Lichtbogen in dem
Sicherungselement. Bislang gab es bei Verwendung von herkömmlichen HV-Schützen immer
noch zwei zusätzliche Lichtbogen an den zwei Schützkontakten aufgrund der Kontaktlevitation
(= Kontaktabhebung aufgrund von Lorentz- und Holm 'scher Engekraft) ab typischerweise
6.000 A.
[0067] Die Lichtbogenweiche 114 ermöglicht eine Verwendung einer parallelgeschalteten Schmelzsicherung
oder einem anderen sicherungsähnlichen Trennelement insbesondere mit Sandfüllung zu
einem HV-Schütz. Die Lichtbogenweiche verwendet einen Sekundärkontakt, der den Strom
in dieses Sicherungselement leitet.
[0068] In Fig. 2 ist ein Schalter 102 mit einem als Elektrode 212 bezeichneten zusätzlichen
Sekundärkontakt und einem als Überstromtrenneinrichtung 112 bezeichneten Sicherungselement
mit Sandfüllung dargestellt.
[0069] In einem Ausführungsbeispiel beinhaltet der abgebildete Schalter 102 eine nicht abgebildete
Vorrichtung zum Messen des Stroms für eine intelligente Absicherungsfunktion. Überschreitet
ein Kurzschlussstrom eine obere Stromschwelle, beispielsweise 1000 A, so wird das
Öffnen des Schützes initiiert.
[0070] In einem weiteren Ausführungsbeispiel ist der Schalter 102 dazu ausgebildet, ein
Triggersignal, welches zur Abschaltung führen soll, zu verarbeiten.
[0071] Im Folgenden wird der Abschaltvorgang beschrieben. Dabei wird insbesondere auf den
Fehlerfall, d.h. die Überlastsituation, eingegangen. Die regulären Schaltspiele laufen
identisch ab, lediglich das Lichtbogenverhalten differiert.
[0072] In Fig. 3 hebt ein Trennelement 200, beispielsweise ein Keil aus einem Isolatormaterial,
den Kontakthebel ab und ein Lichtbogen wird aufgezogen.
[0073] In Fig. 4 deckt der Isolator-Keil den Primärkontakt rechts ab.
[0074] Nach dem Überdecken des rechten Primärkontakts brennt der Lichtbogen zunächst noch
in dem schmalen Spalt zwischen Isolator und Primärkontakt und um die Spitze des Trennelements
200 herum. Da in dem Spalt das Volumen sehr begrenzt ist und das Trennelement 200
zusätzlich die Lichtbogenlänge vergrößert, steigt der Spannungsfall im Lichtbogen
schnell an. Gleichzeitig werden Ladungsträger zum Sekundärkontakt beschleunigt, der
auch auf dem niedrigen Potential liegt. In Abhängigkeit der Ladungsträgerdichte sowie
dem Abstand des Sekundärkontakts zum Kontakthebel zündet ein zweiter Lichtbogen zwischen
Kontakthebel und Sekundärkontakt. Durch die Widerstandsverhältnisse teilen sich die
Energien der beiden Lichtbögen auf. Aufgrund der "Behinderung" des primären Lichtbogens
durch das Trennelement 200 wird ein Großteil des Kurzschlussstroms in den Sekundärpfad
umgeleitet, bevor der Primärlichtbogen vollständig erlischt. In dem sich im Sekundärpfad
befindlichen Sicherungselement brennen in Folge des Kurzschlussstroms und dem damit
verbundenen Eintrag thermischer Energie einige Engstellen durch. Aufgrund der konstruktiven
Auslegung der Sicherung wird schnell ein langer Lichtbogen aufgezogen, in welchem
der wesentliche Energieumsatz, welcher für das Trennen des Kurzschlussstroms zwingend
ist, stattfindet. Die Momentanleistung kann bis ca. 5 MW erreichen und schmilzt die
Sandfüllung lokal. Der geschmolzene Sand löscht den Lichtbogen, wodurch der Stromfluss
unterbrochen wird. Durch eine adäquate Auslegung des zeitlichen Ablaufs beim Trennvorgang
wird erreicht, dass das Trennelement 200 während der Unterbrechung des Stromflusses
in dem Sicherungselement bereits soweit verfahren ist, dass ein "Zurückspringen" des
Lichtbogens auf den Primärkontakt nicht möglich ist.
[0075] Das Prinzip, den Lichtbogen ladungsträgergesteuert (energiegeführt) in einen sekundäres
Sicherungselement umzulenken wird als Lichtbogenweiche bezeichnet.
[0076] In Fig. 5 ist ein Schalter 102 mit einem Brückenkontakt und einer Lichtbogenweiche
dargestellt. Hier sind zwei Sekundärkontakte vorgesehen, da der der Schalter 102 bidirektional
mit gleicher Trennfähigkeit trennen können soll.
[0077] In Fig. 6 ist dargestellt, wie zwei Lichtbögen beim Öffnen der Kontaktbrücke aufgezogen
werden. Durch die Blasmagneten 506, 508 mit unterschiedlicher Feldrichtung werden
die Lichtbögen linsenförmig nach links aus dem Kontaktbereich geblasen, wenn der Strom
in der Anordnung von rechts nach links fließt (technische Stromrichtung).
[0078] In Fig. 7 ist dargestellt, dass mit dem weiteren Öffnen und bei hohen Stromstärken
der Lichtbogen gegen den linken Sekundärkontakt geblasen wird. Der Strom kommutiert
wie in den Figuren 3 und 4 detailliert beschrieben zum Sekundärkontakt, da damit der
Spannungsfall über den zweiten Lichtbogen am Brücken-Primärkontakt rechts entfällt
("Anreiz" für das Kommutieren).
[0079] In Fig. 8 ist das Kommutieren zum rechten Sekundärkontakt dargestellt, wenn der Strom
von links nach rechts fließt (technische Stromrichtung).
[0080] In Fig. 10 ist die Sekundärelektrode von einem Thermoplast, welcher als Isolator
1000 wirkt, umgeben. Bei einem Trennen von regulären Strömen baut sich ein elektrisches
Feld zwischen dem bewegten Primärkontakt und der Sekundärelektrode auf. Dadurch werden
die Ladungsträger des Lichtbogens, der sich mit dem Eindringen des beweglichen Isolators
zwischen die Primärkontakten ergibt, in Richtung der isolierten Sekundärelektrode
abgelenkt. Hieraus resultiert eine größere Lichtbogenlänge, die dem beweglichen Isolator
beim Abschnüren des Lichtbogens hilft.
[0081] Da im Normalfall die thermische Energie des Lichtbogens nicht reicht, den Isolator
des Sekundärelektrode aufzuschmelzen, fungiert die Sekundärelektrode nicht als Lichtbogenweiche,
sondern hat eine den Lichtbogen verlängernde Wirkung, die sonst von einem Blasmagneten
übernommen wird.
[0082] Beim Trennen von Fehlerströmen reicht die thermische Energie des Lichtbogens, um
die thermoplastische Isolation der Sekundärelektrode aufzuschmelzen. Sobald die Elektrode
exponiert ist, baut sich der Sekundärlichtbogen zwischen beweglichem Primärkontakt
und Sekundärelektrode auf. Der bewegliche Isolator schnürt den verbleibenden Primärlichtbogen
ab, die hauptsächliche Trennleistung kommutiert in die mit der Sekundärelektrode verbundene
Überstromtrenneinrichtung. Die Sekundärelektrode wirkt in diesem Fall also als Lichtbogenweiche.
[0083] In Fig. 10 ist der Isolator 1000 auf der Sekundärelektrode gezeigt. Diese Ausführung
ist insofern vorteilhaft, als dass nach dem Schmelzen des Thermoplasts ein geringer
Abstand zwischen dem beweglichem Primärkontakt und der Sekundärelektrode vorliegt,
wodurch die Lichtbogenspannung und somit der Leistungsumsatz im Lichtbogen gering
bleibt. Außerdem verhindert die Isolation ein zu frühes Zünden des Sekundärlichtbogens
bei geringen Schaltlasten.
[0084] Da es sich bei der vorhergehend detailliert beschriebenen Vorrichtungen und Verfahren
um Ausführungsbeispiele handelt, können sie in üblicher Weise vom Fachmann in einem
weiten Umfang modifiziert werden, ohne den Bereich der Erfindung zu verlassen. Insbesondere
sind die mechanischen Anordnungen und die Größenverhältnisse der einzelnen Elemente
zueinander lediglich beispielhaft gewählt.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0085]
- 100
- Fahrzeug
- 102
- Schalter
- 104
- Traktionsbatterie
- 106
- Antriebseinheit
- 108
- Hochvoltverbindung
- 110
- Kontaktstelle
- 112
- Überstromtrenneinrichtung
- 114
- Lichtbogenweiche
- 200
- Trennelement
- 202
- erste Schnittstelle
- 204
- zweite Schnittstelle
- 206
- erster Kontakt
- 208
- zweiter Kontakt
- 210
- Schaltbrücke
- 212
- Elektrode
- 214
- Luftstrecke
- 300
- Schaltlichtbogen
- 400
- Lichtbogenstrecke
- 402
- Ersatzlichtbogen
- 500
- zweite Überstromtrenneinrichtung
- 502
- zweite Elektrode
- 504
- zweite Luftstrecke
- 506
- erster Blasmagnet
- 508
- zweiter Blasmagnet
- 900
- Elektromagnet
- 902
- Aktor
- 904
- Trennsignal
- 1000
- Isolator
- 1002
- Kerbe
1. Elektrischer Schalter (102) zum Unterbrechen einer elektrischen Hochvoltverbindung
(108), insbesondere in einem Spannungsversorgungsystem eines Fahrzeugs (100), wobei
der Schalter (102) folgende Merkmale aufweist:
a. eine erste Schnittstelle (202) zum Anschließen eines ersten Teilbereichs der Hochvoltverbindung
(108) und eine zweite Schnittstelle (204) zum Anschließen eines zweiten Teilbereichs
der Hochvoltverbindung (108);
b. einen mit der ersten Schnittstelle (202) elektrisch leitend verbundenen ersten
Kontakt (206) und einen mit der zweiten Schnittstelle (204) elektrisch leitend verbundenen
zweiten Kontakt (208), wobei der erste Kontakt (206) und der zweite Kontakt (208)
an einer trennbaren Kontaktstelle (110) elektrisch leitend miteinander verbunden sind;
c. eine mit der zweiten Schnittstelle (204) elektrisch leitend verbundene Überstromtrenneinrichtung
(112); und
d. eine Lichtbogenweiche (114), die dazu ausgebildet ist, in einem Überlastfall einen
zu der Überstromtrenneinrichtung (112) führenden Ersatzlichtbogen (402) zu einem im
Betrieb beim Unterbrechen der Kontaktstelle (110) zwischen dem ersten Kontakt (206,210)
und dem zweiten Kontakt (208) entstehenden Schaltlichtbogen (300) zu erzeugen.
2. Schalter (102) gemäß Anspruch 1, bei dem die Lichtbogenweiche (114) den ersten Kontakt
(206), eine den ersten Kontakt (206) bei geschlossener Kontaktstelle (110) mit dem
zweiten Kontakt (208) elektrisch leitend verbindende, bewegliche Schaltbrücke (210)
und eine Elektrode (212) der Überstromtrenneinrichtung (112) umfasst, wobei die Schaltbrücke
(210) bei geschlossener Kontaktstelle (110) von der Elektrode (212) beabstandet ist
und dazu ausgebildet ist, beim Unterbrechen der Kontaktstelle (110) von dem ersten
Kontakt (206) in Richtung der Elektrode (212) abgehoben zu werden, um den Ersatzlichtbogen
(402) zu erzeugen.
3. Schalter (102) gemäß Anspruch 2, bei dem die Schaltbrücke (210) bei getrennter Kontaktstelle
(110) durch eine Luftstrecke (214) beabstandet von der Elektrode (212) ist, wobei
ein zum Zünden eines Ersatzlichtbogens (402) erforderlicher Mindestenergieumsatz in
der Lichtbogenweiche (114) abhängig von der Luftstrecke (214) ist.
4. Schalter (102) gemäß Anspruch 3, bei dem bei getrennter Kontaktstelle (110) eine Lichtbogenstrecke
(400) zwischen dem zweiten Kontakt (208) und der Schaltbrücke (210) größer ist als
die Luftstrecke (214).
5. Schalter gemäß einem der Ansprüche 2 bis 4, bei dem die Elektrode (212) mit einem
thermoplastischen Isolator (1000) umspritzt ist, wobei ein zum Zünden eines Ersatzlichtbogens
(402) erforderlicher Mindestenergieumsatz in der Lichtbogenweiche (114) abhängig von
einer Dicke des Isolators (1000) ist.
6. Schalter (102) gemäß Anspruch 1, bei dem eine weitere Überstromtrenneinrichtung (500)
elektrisch leitend mit der ersten Schnittstelle (202) verbunden ist, wobei die Lichtbogenweiche
(114) den ersten Kontakt (206), den zweiten Kontakt (208), eine den ersten Kontakt
(206) bei geschlossener Kontaktstelle (110) mit dem zweiten Kontakt (208) elektrisch
leitend verbindende, bewegliche Schaltbrücke (210), eine Elektrode (212) der Überstromtrenneinrichtung
(112) und eine weitere Elektrode (502) der weiteren Überstromtrenneinrichtung (500)
umfasst, wobei die Schaltbrücke (210) bei geschlossener Kontaktstelle (110) beabstandet
von der Elektrode (212) und der weiteren Elektrode (502) ist, wobei bei getrennter
Kontaktstelle (110) eine kombinierte Lichtbogenstrecke (400) zwischen der Schaltbrücke
(210) und dem ersten Kontakt (206) und zwischen der Schaltbrücke (210) und dem zweiten
Kontakt (208) größer ist, als sowohl eine erste Luftstrecke (214) zwischen dem ersten
Kontakt (206) und der Elektrode (212) als auch eine zweite Luftstrecke (504) zwischen
dem zweiten Kontakt (208) und der weiteren Elektrode (502).
7. Schalter (102) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Lichtbogenweiche
(114) ein bewegliches, isolierendes Trennelement (200) aufweist, wobei das Trennelement
(200) zwischen dem ersten Kontakt (206) und dem zweiten Kontakt (208) anordenbar ist,
wobei das Trennelement (200) eine Lichtbogenstrecke (400) zwischen dem ersten Kontakt
(206) oder der Schaltbrücke (210) und dem zweiten Kontakt (208) vergrößert und/oder
den ersten Kontakt (206) oder die Schaltbrücke (210) und/oder den zweiten Kontakt
(208) verdeckt, wenn es in der Kontaktstelle (110) angeordnet ist.
8. Schalter (102) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Lichtbogenweiche
(114) zumindest einen Blasmagneten (506, 508) zum Verlängern des Schaltlichtbogens
(300) aufweist, wobei eine Feldrichtung eines von dem Blasmagneten (506, 508) generierten
Magnetfelds quer zu einem Verlauf des Schaltlichtbogens (300) ausgerichtet ist.
9. Schalter (102) gemäß Anspruch 8, bei dem der Blasmagnet (506, 508) ein Elektromagnet
(900) ist, der zwischen die erste Schnittstelle (202) und die Schaltbrücke (210) geschaltet
ist, wobei die Schaltbrücke (210) bei getrennter Kontaktstelle (110) beabstandet zu
dem ersten Kontakt (206) und dem zweiten Kontakt (208) ist, wobei der Elektromagnet
(900) beim Unterbrechen der Kontaktstelle (110) durch eine aufgrund einer Lichtbogenspannung
an einem weiteren Schaltlichtbogen (300) zwischen der Schaltbrücke (210) und dem ersten
Kontakt (206) resultierenden elektrischen Stromfluss bestromt wird, um ein stromrichtungsabhängiges
Magnetfeld zum Verlängern des Schaltlichtbogens (300) in Richtung der Überstromtrenneinrichtung
(112) zu erzeugen.
10. Schalter (102) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Überstromtrenneinrichtung
(112) als Schmelzsicherung mit Sandfüllung ausgebildet ist.
11. Schalter (102) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, mit einer Messeinrichtung
zum Erfassen eines elektrischen Stromflusses zwischen der ersten Schnittstelle (202)
und der zweiten Schnittstelle (204), wobei die Messeinrichtung dazu ausgebildet ist,
ein Trennsignal (904) zum Unterbrechen der Kontaktstelle (110) bereitzustellen, wenn
der Stromfluss größer als ein Schwellenwert ist.
12. Verfahren zum Unterbrechen einer elektrischen Hochvoltverbindung (108), insbesondere
in einem Spannungsversorgungsystem eines Fahrzeugs (100), wobei das Verfahren einen
Schritt des Unterbrechens, einen Schritt des Erzeugens und einen Schritt des Löschens
aufweist, wobei im Schritt des Unterbrechens eine Kontaktstelle (110) eines in der
Hochvoltverbindung (108) angeordneten elektrischen Schalters (102) ansprechend auf
ein Trennsignal (904) getrennt wird, im Schritt des Erzeugens ein zu einer bei geschlossener
Kontaktstelle (110) stromlosen Überstromtrenneinrichtung (112) des Schalters (102)
führender Ersatzlichtbogen (402) zu einem in der getrennten Kontaktstelle (110) entstehenden
Schaltlichtbogen (300) erzeugt wird, und im Schritt des Löschens der Ersatzlichtbogen
(402) durch ein Ansprechen der Überstromtrenneinrichtung (112) gelöscht wird.
13. Fahrzeug (100) mit zumindest einem Schalter (102) gemäß einem der Ansprüche 1 bis
11, wobei der Schalter (102) in einer elektrischen Hochvoltverbindung (108) eines
Spannungsversorgungsystems des Fahrzeugs (100) angeordnet ist, wobei eine Kontaktstelle
(110) des Schalters (102) unter Verwendung eines Aktors (902) ansprechend auf ein
Trennsignal (904) trennbar ist.