(19)
(11) EP 3 719 234 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
07.10.2020  Patentblatt  2020/41

(21) Anmeldenummer: 20164203.0

(22) Anmeldetag:  19.03.2020
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
E04G 5/14(2006.01)
E04G 7/34(2006.01)
E04G 7/30(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
KH MA MD TN

(30) Priorität: 03.04.2019 DE 202019101909 U

(71) Anmelder: MJ-Gerüst GmbH
58840 Plettenberg (DE)

(72) Erfinder:
  • Junior, Gerhard
    58840 Plettenberg (DE)

(74) Vertreter: Grosse, Wolf-Dietrich Rüdiger 
Gihske Grosse Klüppel Kross Bürogemeinschaft von Patentanwälten Hammerstrasse 3
57072 Siegen
57072 Siegen (DE)

   


(54) STREBE EINES BAUGERÜSTES


(57) Die Erfindung betrifft eine Strebe, insbesondere eine Geländestrebe eines Baugerüstes sowie das Baugerüst mit der Strebe. Die Strebe weist eine Bohrung 110 an mindestens einem ihrer beiden Enden auf zum Aufnehmen eines Kipphebelanschlusses an einem Gerüststiel des Baugerüstes zum Einhängen der Strebe. Die Bohrung weist mindestens eine sich unter einem Winkel α zur Längsachse der Strebe und in Richtung des nahen Endes der Strebe hin erstreckende schlitzförmige Erweiterung 130 auf zum Durchführen eines an dem Kipphebelanschluss 212 drehbar gelagerten Kipphebels 214. Um die Gefahr eines selbsttätigen Lösens der Strebe von dem Kipphebelanschluss bei pendelnder Lagerung der Strebe an dem Kipphebelanschluss zu reduzieren, ist die Bohrung zu dem nahen Ende der Strebe hin in Form eines Langlochs erweitert.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine Strebe, insbesondere eine Geländerstrebe eines Baugerüstes sowie das Baugerüst mit der Strebe. Im Stand der Technik sind Baugerüste und zugehörige Streben grundsätzlich bekannt. Bei einer Strebe handelt es sich grundsätzlich um ein Rohr mit einer Bohrung an seinen beiden Enden zum Einhängen an Kipphebelanschlüssen von zwei Gerüststielen des Baugerüstes.

[0002] Um eventuelle Längen- bzw. Abstandstoleranzen bei aufgestellten Baugerüsten zu kompensieren, ist es bekannt, zumindest eine der beiden Bohrungen der Geländerstrebe als Langloch auszubilden.

[0003] Weiterhin ist ein Baugerüst mit einer Geländerstrebe offenbart in der Deutschen Offenlegungsschrift DE 10 2004 055 394 A1. Die dort offenbarte Geländerstrebe weist eine Bohrung an mindestens einem ihrer beiden Enden auf zum Aufnehmen eines Kipphebelanschlusses an einem Gerüststiel eines Baugerüstes, wenn die Geländerstrebe auf den Kipphebelanschluss eingehangen wird. Die kreisförmige Bohrung weist mindestens eine sich unter einem Winkel α zur Längsachse der Geländerstrebe und in Richtung des nahen Endes der Geländerstrebe erstreckende schlitzförmige Erweiterung auf. Diese Erweiterung dient zum Durchführen eines an dem Kipphebelanschluss drehbar gelagerten Kipphebels, wenn die Geländerstrebe auf den Kipphebelanschluss aufgeschoben oder von diesem abgezogen werden soll, ohne den drehbar gelagerten Kipphebel zu öffnen. Dies ist insbesondere dann von Vorteil, wenn die Geländerstrebe aus einer Position heraus abgezogen werden soll, von der aus der Kipphebel nicht erreicht werden kann. Die in der oben genannten Offenlegungsschrift offenbarte Geländerstrebe ermöglicht durch bloßes Verschwenken der einseitig eingehängten und frei herabhängenden Geländerstrebe aus der Lotrechten um den Winkel a, Kipphebel und schlitzförmige Erweiterung zur Deckung zu bringen und somit die Geländerstrebe zu entnehmen.

[0004] Beim oben beschriebenen Auf- oder Abbau eines solchen Baugerüstes kommt es also vor, dass eine Geländerstrebe, nachdem sie an ihrem einen Ende auf einen Kipphebelanschluss aufgeschoben bzw. von ihm abgenommen wurde, nicht sogleich auch mit ihrem zweiten Ende auf einen anderen Kipphebelanschluss aufgeschoben bzw. von ihm entfernt wird, sondern zunächst an dem einen Kipphebelanschluss frei hängt bzw. pendelt. Es besteht dann die Gefahr, dass die schlitzförmige Erweiterung der Bohrung in der Geländerstrebe unerwünscht zur Deckung gelangt mit dem Kipphebel und dass die Geländerstrebe sich dann unerwünschter Weise von dem Kipphebelanschluss löst und unkontrolliert herabfällt.

[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine bekannte Strebe eines Baugerüstes sowie ein entsprechendes Baugerüst dahingehend weiterzubilden, dass die Gefahr eines selbsttätigen Lösens der Strebe von einem Kipphebelanschluss bei pendelnder Lagerung der Strebe an dem Kipphebelanschluss reduziert wird.

[0006] Diese Aufgabe wird durch den Gegenstand des Schutzanspruchs 1 gelöst. Demnach ist die erfindungsgemäße Strebe dadurch gekennzeichnet, dass die Bohrung zu dem nahen Ende der Strebe hin in Form eines Langlochs erweitert ist.

[0007] Der Begriff "nahes Ende der Strebe" erklärt sich wie folgt: Die Bohrungen in den Streben sind üblicherweise jeweils einem Ende der Strebe zugeordnet. Das "nahe Ende" der Strebe ist jenes Ende, welches zu einer jeweiligen Bohrung am nächsten liegt.

[0008] Die beanspruchte besondere Ausgestaltung der Bohrung in Form eines Langloches, welches sich - ausgehend von der ursprünglichen Bohrung mit den sich radial erstreckenden schlitzförmigen Erweiterungen zu dem nahen Ende der Strebe hin erstreckt - bietet den Vorteil, dass die Strebe in das dem nahen Ende der Strebe zugewandte Ende des Langloches hineinrutscht, wenn die Strebe pendelnd an dem Kipphebelanschluss aufgehängt ist. In dieser Stellung besteht dann für die Gerüststrebe nicht mehr die Gefahr, dass es zu einer Überdeckung der schlitzförmigen Erweiterungen in der Strebe mit dem Kipphebel an dem Kipphebelanschluss kommt und dass sich die Strebe dann von dem Kipphebelanschluss lösen könnte. Vielmehr bedarf es erst eines Anhebens der Strebe, so dass diese im Wesentlichen in dem von dem nahen Ende der Strebe abgewandten Ende des Langloches angeordnet ist, und einer geeigneten Winkelstellung der Strebe, bei welcher die schlitzförmigen Erweiterungen in der Strebe mit der Ausrichtung des Kipphebels zur Deckung gebracht werden, um die Strebe von dem Kipphebelanschluss abziehen bzw. lösen zu können. Dadurch, dass durch die Erfindung zusätzlich zum Verschwenken eine weitere aktive Bewegung, nämlich das Anheben gegen die Schwerkraft erforderlich ist, um die Gerüststrebe aus ihrer Befestigung zu entnehmen, ist ein unbeabsichtigtes Herausfallen der Strebe deutlich erschwert, die Sicherheit bei der Gerüstmontage mithin deutlich erhöht.

[0009] Die Länge der Hauptachse des Langlochs ist immer größer als die Länge seiner Nebenachse. Das ist quasi die Definition des Langloches.

[0010] Gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel der Erfindung ist die Länge des Kipphebels größer als die Länge der Hauptachse des Langlochs. Der Kipphebel ist mit einem kurzen und einem langen Hebelarm an dem Kipphebelanschluss drehgelagert, wobei der kurze Hebelarm größer ist als der Radius des Kipphebelanschlusses. Die unterschiedliche Länge der Hebelarme hat zur Folge, dass der lange Habelarm aufgrund der Schwerkraft immer nach unten fällt. Diese besagte Länge des Kipphebels bietet in Kombination mit den unterschiedlich langen Hebelarmen den Vorteil, dass sich die auf den Kipphebelanschluss eingehangene Strebe mit dem Langloch nicht von dem Kipphebelanschluss lösen kann, auch wenn die Strebe gegenüber der Längsrichtung des Kipphebels verschwenkt ist. Wenn die Länge des Kipphebels kürzer wäre als die Hauptlänge des Langlochs, könnte der Kipphebel in das Langloch hineinkippen und dadurch ein Loslösen bzw. ein Abziehen der Strebe von dem Kipphebelanschluss ermöglichen.

[0011] Gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel ist darüber hinaus die Nebenachse bei dem Langloch der vorliegenden Erfindung größer als der einhüllende Außendurchmesser des Kipphebelanschlusses. Der Begriff "einhüllender Außendurchmesser" meint den Durchmesser eines Kreises, welcher als "Einhüllende" um den beliebigen Querschnitt des Kipphebelanschlusses mit daran drehbar gelagertem Kipphebel geschlagen wird, wenn der Kipphebel mit seiner Längsachse parallel zur Längsachse des Kippanschlusses ausgerichtet ist. Vereinfacht ausgedrückt meint diese Randbedingung, dass die Nebenachse des Langloches groß genug sein muss, um den Kipphebelanschluss zusammen mit dem daran gelagerten Kipphebel aufnehmen zu können.

[0012] Der Winkel zwischen der radialen Erstreckung der schlitzförmigen Erweiterung und der Längsachse der Strebe liegt zwischen 0 und 90°.

[0013] Die oben genannte Aufgabe wird weiterhin durch ein Baugerüst gemäß Anspruch 5 gelöst. Das Baugerüst ist durch die erfindungsgemäß ausgestaltete Strebe gekennzeichnet. Die Vorteile dieses Baugerüstes entsprechen den oben mit Bezug auf die Strebe genannten Vorteilen.

[0014] Der Beschreibung sind fünf Figuren beigefügt, wobei
Figur 1
ein Baugerüst mit einer erfindungsgemäßen Strebe;
Figur 2
einen Gerüststiel des Baugerüstes mit einem geöffneten Kipphebelanschluss;
Figur 2a
Querschnittsansicht auf die Stirnseite des Kipphebelanschlusses mit Kipphebel;
Figur 3
die erfindungsgemäß ausgebildete Strebe;
Figur 4
die pendelnde Aufhängung der Strebe; und
Figur 5
die erfindungsgemäße Strebe, insbesondere Geländerstrebe in einer Einbausituation am Gerüst
zeigt.

[0015] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die genannten Figuren in Form von Ausführungsbeispielen näher beschrieben. In allen Figuren sind gleiche technische Elemente mit gleichen Bezugszeichen bezeichnet.

[0016] Figur 1 zeigt einen Ausschnitt aus einem Baugerüst 200. Konkret ist ein Gerüststiel 210 zu erkennen, an welchem ein Kipphebelanschluss 212 fest angeschlossen ist. An dem stielfernen Ende des Kipphebelanschlusses 212 ist ein Kipphebel 214 drehbar gelagert. Die Strebe 100 ist auf den Kipphebelanschluss 212 aufgeschoben und dort mit Hilfe des Kipphebels 214 verriegelt.

[0017] Figuren 2 und 2a zeigen die Anordnung des Kipphebelanschlusses 212 an dem Gerüststiel 210 im Detail. Der Durchmesser des einhüllenden Kreises um den Querschnitt des Kipphebelanschlusses ist hier mit dem Bezugszeichen d bezeichnet. Der Kipphebel trägt das Bezugszeichen 214, seine Länge ist mit LK bezeichnet.

[0018] Figur 3 zeigt die erfindungsgemäße Ausgestaltung der Strebe 100 im Detail. Die Strebe 100 weist an mindestens einem ihrer Enden eine Bohrung 110 auf zum Aufnehmen des Kipphebelanschlusses 212, wenn die Strebe 100 auf den Kipphebelanschluss aufgeschoben und dort eingehangen wird. Die Bohrung 110 weist ausgehend von ihrem ursprünglichen Mittelpunkt M sich radial erstreckende schlitzförmige Erweiterungen 130 auf zum Durchführen des Kipphebels 214, wenn die Strebe 100 auf den Kipphebelanschluss 212 aufgeschoben wird. Die schlitzförmigen Erweiterungen 130 erstrecken sich nach außen auf das nahe Ende 120 der Strebe zu.

[0019] Die Bohrung 110 ist erfindungsgemäß zu dem nahen Ende 120 der Strebe hin in Form eines Langloches erweitert. Deshalb ist die Länge LH der Hauptachse des Langlochs jedoch größer als die Länge LN einer Nebenachse. Die Länge LH der Hauptachse des Langloches 110 ist kleiner als die Länge LK des Kipphebels 214. Die Länge der Nebenachse ist größer als der einhüllende Außendurchmesser d des Kipphebelanschlusses 212 mit dem daran gelagerten Kipphebel 214, wenn der Kipphebel in Richtung der Längsachse des Kipphebelanschlusses ausgerichtet ist. D. h., wenn der Kipphebel gegenüber seiner schwerkraft-bedingten Pendellage um ca. 90° ausgelenkt ist. Der Winkel α zwischen der radialen Erstreckung der schlitzförmigen Erweiterung 130 und der Längsachse L der Strebe 100 liegt zwischen 0 und 90°.

[0020] Wichtig ist, dass sich das Langloch ausgehend von dem Mittelpunkt M der ursprünglichen Bohrung zu dem nahen Ende 120 der Strebe 100 - und nicht in Gegenrichtung - erstreckt. Wenn sich das Langloch in die Gegenrichtung erstrecken würde, wäre der oben im allgemeinen Teil der Beschreibung genannte Vorteil, nämlich ein sicheres Verhindern der Ablösung der Strebe von dem Kipphebelanschluss nicht mehr gewährleistet.

[0021] Für die Beschreibung der Figuren 4 und 5 wird auf das Figurenlisting verwiesen.

Bezugszeichenliste



[0022] 
100
Strebe
110
Bohrung (Langloch)
120
nahes Ende der Geländerstrebe
130
schlitzförmige Erweiterung der Bohrung
200
Baugerüst
210
Gerüststiel
212
Kipphebelanschluss
214
Kipphebel
α
Winkel
L
Längsachse der Geländerstrebe
LH
Länge der Hauptachse des Langlochs
LK
Länge des Kipphebels
LN
Länge der Nebenachse des Langlochs
d
Durchmesser eines einhüllenden Kreises um den Querschnitt des Kipphebelanschlusses mit Kipphebel



Ansprüche

1. Strebe (100) eines Baugerüstes (200), wobei die Strebe aufweist: eine Bohrung (110) an mindestens einem ihrer beiden Enden zum Aufnehmen eines Kipphebelanschlusses (212) an einem Gerüststil (210) des Baugerüstes (200) beim Einhängen der Strebe (100), wobei die Bohrung (110) mindestens eine sich unter einem Winkel (a) zur Längsachse (L) der Strebe und in Richtung des nahen Endes (120) der Strebe hin erstreckende schlitzförmige Erweiterung (130) aufweist zum Durchführen eines an dem Kipphebelanschluss (212) drehbar gelagerten Kipphebels (214);
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bohrung (110) zu dem nahen Ende (120) der Strebe hin in Form eines Langlochs erweitert ist.
 
2. Strebe (100) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Länge (LH) der Hauptachse des Langlochs größer ist als die Länge (LN) seiner Nebenachse; und
dass die Länge des Kipphebels (214) größer ist als die Länge (LH) der Hauptachse des Langlochs.
 
3. Strebe (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Länge (LH) der Hauptachse des Langlochs größer ist als die Länge (LN) seiner Nebenachse; und
dass die Nebenachse größer ist als der Durchmesser (d) eines einhüllenden Kreises um den Querschnitt des Kipphebelanschlusses mit daran drehgelagertem Kipphebel (214), wenn der Kipphebel mit seiner Längsachse parallel zu der Längsachse des Kipphebelanschlusses (212) ausgerichtet ist.
 
4. Strebe (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass für den Winkel (α) zwischen der radialen Erstreckung der schlitzförmigen Erweiterung (130) und der Längsachse (L) der Strebe (100) gilt: 0<α<+/-90°.
 
5. Baugerüst (200) aufweisend:

mindestens einen Gerüststil (210) mit einem Kipphebelanschluss (212) und einem an dem stilfernen Ende des Kipphebelanschlusses (212) drehbar gelagerten Kipphebel (214); und

mindestens eine Strebe (100) mit einer Bohrung (110) an mindestens einem ihrer beiden Enden zum Aufnehmen des Kipphebelanschlusses (212) beim Einhängen der Strebe (100), wobei die Bohrung (110) mindestens eine sich unter einem Winkel (α) zur Längsachse (L) der Strebe und zu dem nahen Ende (120) der Strebe (100) hin erstreckende schlitzförmige Erweiterung (130) aufweist zum Durchführen des Kipphebels (214), wenn der Kipphebelanschluss (212) von der Bohrung (110) aufgenommen ist;

dadurch gekennzeichnet,

dass die Bohrung (110) zu dem nahen Ende (120) der Strebe (100) hin in Form eines Langlochs erweitert ist.


 




Zeichnung










Recherchenbericht









Recherchenbericht




Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente