[0001] Die Erfindung betrifft eine Strebe, insbesondere eine Geländerstrebe eines Baugerüstes
sowie das Baugerüst mit der Strebe. Im Stand der Technik sind Baugerüste und zugehörige
Streben grundsätzlich bekannt. Bei einer Strebe handelt es sich grundsätzlich um ein
Rohr mit einer Bohrung an seinen beiden Enden zum Einhängen an Kipphebelanschlüssen
von zwei Gerüststielen des Baugerüstes.
[0002] Um eventuelle Längen- bzw. Abstandstoleranzen bei aufgestellten Baugerüsten zu kompensieren,
ist es bekannt, zumindest eine der beiden Bohrungen der Geländerstrebe als Langloch
auszubilden.
[0003] Weiterhin ist ein Baugerüst mit einer Geländerstrebe offenbart in der Deutschen Offenlegungsschrift
DE 10 2004 055 394 A1. Die dort offenbarte Geländerstrebe weist eine Bohrung an mindestens einem ihrer
beiden Enden auf zum Aufnehmen eines Kipphebelanschlusses an einem Gerüststiel eines
Baugerüstes, wenn die Geländerstrebe auf den Kipphebelanschluss eingehangen wird.
Die kreisförmige Bohrung weist mindestens eine sich unter einem Winkel α zur Längsachse
der Geländerstrebe und in Richtung des nahen Endes der Geländerstrebe erstreckende
schlitzförmige Erweiterung auf. Diese Erweiterung dient zum Durchführen eines an dem
Kipphebelanschluss drehbar gelagerten Kipphebels, wenn die Geländerstrebe auf den
Kipphebelanschluss aufgeschoben oder von diesem abgezogen werden soll, ohne den drehbar
gelagerten Kipphebel zu öffnen. Dies ist insbesondere dann von Vorteil, wenn die Geländerstrebe
aus einer Position heraus abgezogen werden soll, von der aus der Kipphebel nicht erreicht
werden kann. Die in der oben genannten Offenlegungsschrift offenbarte Geländerstrebe
ermöglicht durch bloßes Verschwenken der einseitig eingehängten und frei herabhängenden
Geländerstrebe aus der Lotrechten um den Winkel a, Kipphebel und schlitzförmige Erweiterung
zur Deckung zu bringen und somit die Geländerstrebe zu entnehmen.
[0004] Beim oben beschriebenen Auf- oder Abbau eines solchen Baugerüstes kommt es also vor,
dass eine Geländerstrebe, nachdem sie an ihrem einen Ende auf einen Kipphebelanschluss
aufgeschoben bzw. von ihm abgenommen wurde, nicht sogleich auch mit ihrem zweiten
Ende auf einen anderen Kipphebelanschluss aufgeschoben bzw. von ihm entfernt wird,
sondern zunächst an dem einen Kipphebelanschluss frei hängt bzw. pendelt. Es besteht
dann die Gefahr, dass die schlitzförmige Erweiterung der Bohrung in der Geländerstrebe
unerwünscht zur Deckung gelangt mit dem Kipphebel und dass die Geländerstrebe sich
dann unerwünschter Weise von dem Kipphebelanschluss löst und unkontrolliert herabfällt.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine bekannte Strebe eines Baugerüstes
sowie ein entsprechendes Baugerüst dahingehend weiterzubilden, dass die Gefahr eines
selbsttätigen Lösens der Strebe von einem Kipphebelanschluss bei pendelnder Lagerung
der Strebe an dem Kipphebelanschluss reduziert wird.
[0006] Diese Aufgabe wird durch den Gegenstand des Schutzanspruchs 1 gelöst. Demnach ist
die erfindungsgemäße Strebe dadurch gekennzeichnet, dass die Bohrung zu dem nahen
Ende der Strebe hin in Form eines Langlochs erweitert ist.
[0007] Der Begriff "nahes Ende der Strebe" erklärt sich wie folgt: Die Bohrungen in den
Streben sind üblicherweise jeweils einem Ende der Strebe zugeordnet. Das "nahe Ende"
der Strebe ist jenes Ende, welches zu einer jeweiligen Bohrung am nächsten liegt.
[0008] Die beanspruchte besondere Ausgestaltung der Bohrung in Form eines Langloches, welches
sich - ausgehend von der ursprünglichen Bohrung mit den sich radial erstreckenden
schlitzförmigen Erweiterungen zu dem nahen Ende der Strebe hin erstreckt - bietet
den Vorteil, dass die Strebe in das dem nahen Ende der Strebe zugewandte Ende des
Langloches hineinrutscht, wenn die Strebe pendelnd an dem Kipphebelanschluss aufgehängt
ist. In dieser Stellung besteht dann für die Gerüststrebe nicht mehr die Gefahr, dass
es zu einer Überdeckung der schlitzförmigen Erweiterungen in der Strebe mit dem Kipphebel
an dem Kipphebelanschluss kommt und dass sich die Strebe dann von dem Kipphebelanschluss
lösen könnte. Vielmehr bedarf es erst eines Anhebens der Strebe, so dass diese im
Wesentlichen in dem von dem nahen Ende der Strebe abgewandten Ende des Langloches
angeordnet ist, und einer geeigneten Winkelstellung der Strebe, bei welcher die schlitzförmigen
Erweiterungen in der Strebe mit der Ausrichtung des Kipphebels zur Deckung gebracht
werden, um die Strebe von dem Kipphebelanschluss abziehen bzw. lösen zu können. Dadurch,
dass durch die Erfindung zusätzlich zum Verschwenken eine weitere aktive Bewegung,
nämlich das Anheben gegen die Schwerkraft erforderlich ist, um die Gerüststrebe aus
ihrer Befestigung zu entnehmen, ist ein unbeabsichtigtes Herausfallen der Strebe deutlich
erschwert, die Sicherheit bei der Gerüstmontage mithin deutlich erhöht.
[0009] Die Länge der Hauptachse des Langlochs ist immer größer als die Länge seiner Nebenachse.
Das ist quasi die Definition des Langloches.
[0010] Gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel der Erfindung ist die Länge des Kipphebels
größer als die Länge der Hauptachse des Langlochs. Der Kipphebel ist mit einem kurzen
und einem langen Hebelarm an dem Kipphebelanschluss drehgelagert, wobei der kurze
Hebelarm größer ist als der Radius des Kipphebelanschlusses. Die unterschiedliche
Länge der Hebelarme hat zur Folge, dass der lange Habelarm aufgrund der Schwerkraft
immer nach unten fällt. Diese besagte Länge des Kipphebels bietet in Kombination mit
den unterschiedlich langen Hebelarmen den Vorteil, dass sich die auf den Kipphebelanschluss
eingehangene Strebe mit dem Langloch nicht von dem Kipphebelanschluss lösen kann,
auch wenn die Strebe gegenüber der Längsrichtung des Kipphebels verschwenkt ist. Wenn
die Länge des Kipphebels kürzer wäre als die Hauptlänge des Langlochs, könnte der
Kipphebel in das Langloch hineinkippen und dadurch ein Loslösen bzw. ein Abziehen
der Strebe von dem Kipphebelanschluss ermöglichen.
[0011] Gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel ist darüber hinaus die Nebenachse bei dem
Langloch der vorliegenden Erfindung größer als der einhüllende Außendurchmesser des
Kipphebelanschlusses. Der Begriff "einhüllender Außendurchmesser" meint den Durchmesser
eines Kreises, welcher als "Einhüllende" um den beliebigen Querschnitt des Kipphebelanschlusses
mit daran drehbar gelagertem Kipphebel geschlagen wird, wenn der Kipphebel mit seiner
Längsachse parallel zur Längsachse des Kippanschlusses ausgerichtet ist. Vereinfacht
ausgedrückt meint diese Randbedingung, dass die Nebenachse des Langloches groß genug
sein muss, um den Kipphebelanschluss zusammen mit dem daran gelagerten Kipphebel aufnehmen
zu können.
[0012] Der Winkel zwischen der radialen Erstreckung der schlitzförmigen Erweiterung und
der Längsachse der Strebe liegt zwischen 0 und 90°.
[0013] Die oben genannte Aufgabe wird weiterhin durch ein Baugerüst gemäß Anspruch 5 gelöst.
Das Baugerüst ist durch die erfindungsgemäß ausgestaltete Strebe gekennzeichnet. Die
Vorteile dieses Baugerüstes entsprechen den oben mit Bezug auf die Strebe genannten
Vorteilen.
[0014] Der Beschreibung sind fünf Figuren beigefügt, wobei
- Figur 1
- ein Baugerüst mit einer erfindungsgemäßen Strebe;
- Figur 2
- einen Gerüststiel des Baugerüstes mit einem geöffneten Kipphebelanschluss;
- Figur 2a
- Querschnittsansicht auf die Stirnseite des Kipphebelanschlusses mit Kipphebel;
- Figur 3
- die erfindungsgemäß ausgebildete Strebe;
- Figur 4
- die pendelnde Aufhängung der Strebe; und
- Figur 5
- die erfindungsgemäße Strebe, insbesondere Geländerstrebe in einer Einbausituation
am Gerüst
zeigt.
[0015] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die genannten Figuren in Form
von Ausführungsbeispielen näher beschrieben. In allen Figuren sind gleiche technische
Elemente mit gleichen Bezugszeichen bezeichnet.
[0016] Figur 1 zeigt einen Ausschnitt aus einem Baugerüst 200. Konkret ist ein Gerüststiel
210 zu erkennen, an welchem ein Kipphebelanschluss 212 fest angeschlossen ist. An
dem stielfernen Ende des Kipphebelanschlusses 212 ist ein Kipphebel 214 drehbar gelagert.
Die Strebe 100 ist auf den Kipphebelanschluss 212 aufgeschoben und dort mit Hilfe
des Kipphebels 214 verriegelt.
[0017] Figuren 2 und 2a zeigen die Anordnung des Kipphebelanschlusses 212 an dem Gerüststiel
210 im Detail. Der Durchmesser des einhüllenden Kreises um den Querschnitt des Kipphebelanschlusses
ist hier mit dem Bezugszeichen d bezeichnet. Der Kipphebel trägt das Bezugszeichen
214, seine Länge ist mit LK bezeichnet.
[0018] Figur 3 zeigt die erfindungsgemäße Ausgestaltung der Strebe 100 im Detail. Die Strebe
100 weist an mindestens einem ihrer Enden eine Bohrung 110 auf zum Aufnehmen des Kipphebelanschlusses
212, wenn die Strebe 100 auf den Kipphebelanschluss aufgeschoben und dort eingehangen
wird. Die Bohrung 110 weist ausgehend von ihrem ursprünglichen Mittelpunkt M sich
radial erstreckende schlitzförmige Erweiterungen 130 auf zum Durchführen des Kipphebels
214, wenn die Strebe 100 auf den Kipphebelanschluss 212 aufgeschoben wird. Die schlitzförmigen
Erweiterungen 130 erstrecken sich nach außen auf das nahe Ende 120 der Strebe zu.
[0019] Die Bohrung 110 ist erfindungsgemäß zu dem nahen Ende 120 der Strebe hin in Form
eines Langloches erweitert. Deshalb ist die Länge LH der Hauptachse des Langlochs
jedoch größer als die Länge LN einer Nebenachse. Die Länge LH der Hauptachse des Langloches
110 ist kleiner als die Länge LK des Kipphebels 214. Die Länge der Nebenachse ist
größer als der einhüllende Außendurchmesser d des Kipphebelanschlusses 212 mit dem
daran gelagerten Kipphebel 214, wenn der Kipphebel in Richtung der Längsachse des
Kipphebelanschlusses ausgerichtet ist. D. h., wenn der Kipphebel gegenüber seiner
schwerkraft-bedingten Pendellage um ca. 90° ausgelenkt ist. Der Winkel α zwischen
der radialen Erstreckung der schlitzförmigen Erweiterung 130 und der Längsachse L
der Strebe 100 liegt zwischen 0 und 90°.
[0020] Wichtig ist, dass sich das Langloch ausgehend von dem Mittelpunkt M der ursprünglichen
Bohrung zu dem nahen Ende 120 der Strebe 100 - und nicht in Gegenrichtung - erstreckt.
Wenn sich das Langloch in die Gegenrichtung erstrecken würde, wäre der oben im allgemeinen
Teil der Beschreibung genannte Vorteil, nämlich ein sicheres Verhindern der Ablösung
der Strebe von dem Kipphebelanschluss nicht mehr gewährleistet.
[0021] Für die Beschreibung der Figuren 4 und 5 wird auf das Figurenlisting verwiesen.
Bezugszeichenliste
[0022]
- 100
- Strebe
- 110
- Bohrung (Langloch)
- 120
- nahes Ende der Geländerstrebe
- 130
- schlitzförmige Erweiterung der Bohrung
- 200
- Baugerüst
- 210
- Gerüststiel
- 212
- Kipphebelanschluss
- 214
- Kipphebel
- α
- Winkel
- L
- Längsachse der Geländerstrebe
- LH
- Länge der Hauptachse des Langlochs
- LK
- Länge des Kipphebels
- LN
- Länge der Nebenachse des Langlochs
- d
- Durchmesser eines einhüllenden Kreises um den Querschnitt des Kipphebelanschlusses
mit Kipphebel
1. Strebe (100) eines Baugerüstes (200), wobei die Strebe aufweist: eine Bohrung (110)
an mindestens einem ihrer beiden Enden zum Aufnehmen eines Kipphebelanschlusses (212)
an einem Gerüststil (210) des Baugerüstes (200) beim Einhängen der Strebe (100), wobei
die Bohrung (110) mindestens eine sich unter einem Winkel (a) zur Längsachse (L) der
Strebe und in Richtung des nahen Endes (120) der Strebe hin erstreckende schlitzförmige
Erweiterung (130) aufweist zum Durchführen eines an dem Kipphebelanschluss (212) drehbar
gelagerten Kipphebels (214);
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bohrung (110) zu dem nahen Ende (120) der Strebe hin in Form eines Langlochs
erweitert ist.
2. Strebe (100) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Länge (LH) der Hauptachse des Langlochs größer ist als die Länge (LN) seiner
Nebenachse; und
dass die Länge des Kipphebels (214) größer ist als die Länge (LH) der Hauptachse des Langlochs.
3. Strebe (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Länge (LH) der Hauptachse des Langlochs größer ist als die Länge (LN) seiner
Nebenachse; und
dass die Nebenachse größer ist als der Durchmesser (d) eines einhüllenden Kreises um den
Querschnitt des Kipphebelanschlusses mit daran drehgelagertem Kipphebel (214), wenn
der Kipphebel mit seiner Längsachse parallel zu der Längsachse des Kipphebelanschlusses
(212) ausgerichtet ist.
4. Strebe (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass für den Winkel (α) zwischen der radialen Erstreckung der schlitzförmigen Erweiterung
(130) und der Längsachse (L) der Strebe (100) gilt: 0<α<+/-90°.
5. Baugerüst (200) aufweisend:
mindestens einen Gerüststil (210) mit einem Kipphebelanschluss (212) und einem an
dem stilfernen Ende des Kipphebelanschlusses (212) drehbar gelagerten Kipphebel (214);
und
mindestens eine Strebe (100) mit einer Bohrung (110) an mindestens einem ihrer beiden
Enden zum Aufnehmen des Kipphebelanschlusses (212) beim Einhängen der Strebe (100),
wobei die Bohrung (110) mindestens eine sich unter einem Winkel (α) zur Längsachse
(L) der Strebe und zu dem nahen Ende (120) der Strebe (100) hin erstreckende schlitzförmige
Erweiterung (130) aufweist zum Durchführen des Kipphebels (214), wenn der Kipphebelanschluss
(212) von der Bohrung (110) aufgenommen ist;
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bohrung (110) zu dem nahen Ende (120) der Strebe (100) hin in Form eines Langlochs
erweitert ist.