(19)
(11) EP 3 720 799 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
01.06.2022  Patentblatt  2022/22

(21) Anmeldenummer: 18811567.9

(22) Anmeldetag:  06.12.2018
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B66B 5/22(2006.01)
(52) Gemeinsame Patentklassifikation (CPC) :
B66B 5/22
(86) Internationale Anmeldenummer:
PCT/EP2018/083820
(87) Internationale Veröffentlichungsnummer:
WO 2019/110740 (13.06.2019 Gazette  2019/24)

(54)

FANGVORRICHTUNG FÜR EINEN FAHRKÖRPER, AUFZUGSANLAGE MIT EINER FANGVORRICHTUNG UND VERFAHREN ZUM ENTSPERREN EINER FANGVORRICHTUNG

SAFETY DEVICE FOR AN ELEVATOR CAR, ELEVATOR SYSTEM WITH A SAFETY DEVICE AND METHOD FOR RELEASING A SAFETY DEVICE

DISPOSITIF D'ARRÊT POUR CABINE D'ASCENSEUR, SYSTÈME D'ASCENSEUR MUNI D'UN DISPOSITIF D'ARRÊT ET PROCÉDÉ DE DÉVERROUILLAGE D'UN DISPOSITIF D'ARRÊT


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR

(30) Priorität: 07.12.2017 EP 17205780

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
14.10.2020  Patentblatt  2020/42

(73) Patentinhaber: Inventio AG
6052 Hergiswil (CH)

(72) Erfinder:
  • STEINER, Adrian
    6034 Inwil (CH)
  • SCHULER, Christoph
    6343 Rotkreuz (CH)
  • MEIERHANS, Daniel
    5643 Sins (CH)
  • STÄHLI, Julian
    6045 Meggen (CH)
  • MÜLLER, Philipp
    6204 Sempach (CH)

(74) Vertreter: Inventio AG 
Seestrasse 55
6052 Hergiswil
6052 Hergiswil (CH)


(56) Entgegenhaltungen: : 
EP-A1- 3 141 512
US-A1- 2008 128 218
WO-A1-2014/033846
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft eine Fangvorrichtung für einen Fahrkörper in einer Aufzugsanlage, eine Aufzugsanlage mit einer Fangvorrichtung und ein Verfahren zum Entsperren einer Fangvorrichtung.

    [0002] Fangvorrichtungen dienen dazu, einen Fahrkörper gegenüber dem Aufzugsschacht zu bremsen. Fangvorrichtungen in Aufzugsanlagen werden mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Wirkprinzipien angewandt. Eine Fangvorrichtung weist typischerweise mindestens ein Festhaltemittel auf, welches in einen gesperrten und einen entsperrten Zustand bringbar ist, und welches im gesperrten Zustand den Fahrkörper an einer Schiene festhält. Bei dem Fahrkörper kann es sich um ein Lastaufnahmemittel handeln, das eine Aufzugskabine und allenfalls einen Kabinenrahmen umfasst, oder auch um ein Gegengewicht für eine Aufzugsanlage.

    [0003] Ein Grossteil der Fangvorrichtungen weist einen Klemm-Mechanismus auf, der nach Betätigung, beispielsweise durch ein Geschwindigkeitsbegrenzersystem, unter Ausnutzung der kinetischen Energie des fahrenden Fahrkörpers eine Klemmwirkung zwischen Komponenten der Fangvorrichtung und wenigstens einer parallel zum Fahrweg des Fahrkörpers angebrachten, feststehenden Schiene erzeugt. Ein Teil dieser Fangvorrichtungen ist infolge Selbsthemmung im Klemm-Mechanismus nach dem Fangvorgang nur mit erheblichem Kraftaufwand wieder entsperrbar.

    [0004] Um Fangvorrichtungen mit einem selbsthemmenden Klemm-Mechanismus nach einem Fangvorgang wieder zu entsperren, sind diese entgegen der Bewegungsrichtung vor dem Fangvorgang zu bewegen, was üblicherweise durch Bewegen des Fahrkörpers geschieht. Eine solche Bewegung wird üblicherweise durch Anheben des Fahrkörpers mit der Antriebseinheit der Aufzugsanlage oder durch Absenken des Fahrkörpers mit der Antriebseinheit unter Ausnutzung der Gewichtskraft des Fahrkörpers, gegebenenfalls eines Gegenwichts und eventuell einer Zusatzlast erzeugt.

    [0005] Zur Überwindung der erwähnten Selbsthemmung des Klemm-Mechanismus ist eine im Vergleich mit dem Normalbetrieb wesentlich erhöhte Verschiebekraft erforderlich, da die Klemmkräfte und/oder die Haftreibung überwunden werden müssen.

    [0006] Die Verschiebekraft nach einer Sperrung der Fangvorrichtung übersteigt in einigen Fällen die zur Verfügung stehende Kraft der Antriebseinheit, beziehungsweise die Gewichtskraft des Fahrkörpers. Eine Entsperrung durch Manipulation an der Fangvorrichtung ist üblicherweise nicht möglich, da diese im Fangfall nicht zugänglich ist.

    [0007] Aus der Druckschrift EP 1 213 247 A1 ist eine Fangvorrichtung bekannt, die ein Festhaltemittel aufweist, welches relativ zu dem Fahrkörper innerhalb eines Verschiebewegs bewegbar ist. Der Fahrkörper kann nach einer Sperrung der Festhaltemittel in einem gewissen Rahmen, nämlich über die Länge des Verschiebewegs, bewegt werden, ohne dass das Festhaltemittel entsperrt wird. Die durch die Beschleunigung über den Verschiebeweg entstehende Trägheitskraft, beziehungsweise Bewegungsenergie, kann zum Entsperren des Festhaltemittels verwendet werden.

    [0008] Da eine Aufzugsanlage üblicherweise mit mehreren Festhaltemitteln ausgestattet ist, kann die zusätzlich aufgebrachte kinetische Energie zum Lösen aller Festhaltemittel zu gering sein.

    [0009] Die Druckschrift EP 2 352 689 B1 offenbart ein Verfahren zum Lösen eine Fangvorrichtung für einen Fahrkörper aus einer Fangstellung in Abwärtsrichtung, bei welchem ein mit dem Fahrkörper verbundenes Gegengewicht zunächst angehoben und auf ein Niveau höherer potentieller Energie gebracht wird. Wird das Gegengewicht dann zurückbewegt, so entsteht dadurch zusätzliche kinetische Energie, die dazu beiträgt, die Fangvorrichtung zu entsperren. Dieses Verfahren kann nur zum Entsperren aus einer Fangstellung in Abwärtsrichtung verwendet werden, ausserdem kann auch in diesem Fall die kinetische Energie zu gering sein, um alle Festhaltemittel, die bei einem Fangvorgang gesperrt werden, zu lösen.

    [0010] Die Druckschrift US2008/128218 A1 zeigt eine Fangvorrichtung mit mehreren Bremsbelägen. Die Druckschriften EP 3 141 512 A1 und WO 2014/033846 A1 zeigen weitere Fangvorrichtungen.

    [0011] Die Druckschrift EP 2 785 626 B1 zeigt ein Verfahren zum Zurückstellen einer Sicherheitsbremse mit elektromechanischer Halteeinrichtung, bei der die Halterichtung zunächst in eine definierte Bremsstellung gebracht wird, bevor die Haltereinrichtung durch Fahren in entgegengesetzte Richtung gelöst wird. Beim Lösen der Haltevorrichtung treten die gleichen Probleme auf, wie bei rein mechanischen Bremsen, es muss ebenfalls die Klemmkraft und/oder die Haftreibung überwunden werden.

    [0012] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Fangvorrichtung, eine Aufzugsanlage und ein Verfahren zum Entsperren einer Fangvorrichtung zu schaffen, welche die Nachteile des Bekannten überwinden und welche insbesondere eine Entsperrung solcher Fangvorrichtungen mit reduzierter Lösekraft, d.h. durch Einsatz der unverstärkten Antriebseinheit der Aufzugsanlage oder der Gewichtskraft des Fahrkörpers ermöglichen.

    [0013] Die Aufgabe wird gelöst durch eine Fangvorrichtung für einen Fahrkörper mit mindestens zwei Festhaltemitteln. Die Festhaltemittel sind in einen gesperrten und in einen entsperrten Zustand bringbar. Sie sind so an einen Fahrkörper montierbar oder an einem Fahrkörper montiert, dass sie den Fahrkörper im gesperrten Zustand an einer Schiene festhalten.

    [0014] Mindestens ein Festhaltemittel ist mit dem Fahrkörper so verbindbar oder verbunden, dass Festhaltemittel und Fahrkörper relativ zueinander innerhalb eines begrenzten Verschiebewegs verschiebbar sind.

    [0015] Ein erster Verschiebeweg von einem ersten Festhaltemittel ist länger als ein zweiter Verschiebeweg von einem zweiten Festhaltemittel. Der kürzere Verschiebeweg hat im Grenzfall die Länge von 0 mm. Das heisst, der kürzere Verschiebeweg kann infinitesimal kurz sein.

    [0016] Wird der Fahrkörper nach einem Fangvorgang in eine Richtung in Bewegung gesetzt, in welcher die Festhaltemittel entsperrt werden können, wird zunächst das Festhaltemittel mit dem kürzeren Verschiebeweg entsperrt respektive gelöst oder zumindest angelöst. Dafür ist weniger Kraft notwendig, als für das Entsperren aller Festhaltemittel gleichzeitig. In einem zweiten Schritt wird dann das Festhaltemittel mit dem längeren Verschieben weg entsperrt, wobei wiederum weniger Kraft notwendig ist, als zum Lösen aller Festhaltemittel gleichzeitig.

    [0017] Bevorzugt bilden für mindestens ein Festhaltemittel ein oberer Anschlag eine obere Begrenzung des Verschiebewegs und ein unterer Anschlag eine untere Begrenzung des Verschiebewegs. Die Anschläge sind fest mit dem Fahrkörper verbindbar oder verbunden. Der Anschlag kann beispielsweise eine Anschlagschraube und eine Feststellmutter umfassen oder er kann durch andere Mittel, wie beispielsweise durch ein oberes und unteres Ende eines Langlochs gebildet werden.

    [0018] Die Anschläge dienen einerseits zur Begrenzung des Verschiebewegs, andererseits als Kraftübertragungsmittel auf das Festhaltemittel. Ist nach Anfahren des Fahrkörpers das Ende des Verschiebewegs erreicht, trifft der Anschlag auf das noch festklemmende Festhaltemittel und überträgt bestenfalls eine Kraft, die ausreicht, um das Festhaltemittel zu entsperren.

    [0019] Da der Kraftaufwand für das Lösen nur eines Teils der Festhaltemittel deutlich kleiner ist, als zum Entsperren aller Festhaltemittel gleichzeitig, kann die Kraft beim Anfahren des Fahrkörpers ausreichen, um auch ein Festhaltemittel zu lösen, welches fest mit dem Fahrkörper verbunden ist und das relativ zum Fahrkörper keinen Verschiebeweg aufweist. Ein Festhaltemittel, das verschiebbar an dem Fahrkörper angeordnet ist, hat einen längeren Verschiebeweg als ein festmontiertes Festhaltemittel, dessen Verschiebeweg eine Länge von 0 mm aufweist.

    [0020] Bevorzugt sind aber mindestens zwei Festhaltemittel mit dem Fahrkörper so verbunden, dass sie relativ zum Fahrkörper innerhalb eines jeweils durch einen oberen Anschlag und einen unteren Anschlag begrenzten Verschiebewegs verschiebbar sind und für die mindestens zwei Festhaltemittel die jeweiligen Verschiebewege unterschiedlich lang sind.

    [0021] Zum Entsperren der Festhaltemittel kann jeweils eine kinetische Energie zur Verfügung gestellt werden, die durch die Bewegung des Fahrkörpers entlang der Verschiebewege entsteht. Es wird zunächst das Festhaltemittel mit dem kürzeren Verschiebeweg entsperrt und anschliessend das Festhaltemittel mit dem längeren Verschiebeweg.

    [0022] Ein Entsperren muss nicht ein vollständiges Entsperren sein. Je nach Konstruktionsart des Festhaltemittels ist unter Entsperren auch ein Anlösen einer Klemmmechanik des Festhaltemittels verstanden. Das Anlösen bedingt in der Regel eine Kraftspitze und diese Kraftspitze, beziehungsweise die entsprechende Löseenergie wird durch den Aufprall des Lastmittels an den Anschlag auf das Festhaltemittel übertragen.

    [0023] Es können auch mehr als zwei Festhaltemittel vorgesehen sein, die jeweils unterschiedliche Verschiebewege aufweisen. Diese werden beim Anfahren des Fahrkörpers nach einem Fangvorgang sukzessive entsperrt. Es können auch Gruppen von Festhaltemitteln vorgesehen sein, die jeweils den gleichen Verschiebeweg aufweisen, beispielswiese zwei Festhaltemittel mit kurzem und zwei Festhaltemittel mit längerem Verschiebeweg.

    [0024] Die Festhaltemittel können so an dem Fahrkörper angeordnet werden oder sein, dass sie auf dieselbe Schiene wirken. Bevorzugt ist die Fangvorrichtung dafür ausgelegt, dass die Festhaltemittel an verschiedenen Schienen bremsen.

    [0025] In einer vorteilhaften Ausführung der Fangvorrichtung ist der erste Verschiebeweg bis zu 1.5-mal so lang wie der zweite Verschiebeweg. Um genügend kinetische Energie herzustellen, reichen in der Regel Verschiebewege mit einer Länge zwischen 5 und 30mm.

    [0026] Bevorzugt ist die Länge der Verschiebewege einstellbar. Dadurch können beispielsweise gleiche Bauteile für alle Festhaltmittel verwendet werden und eine Einstellung des Verschiebeweges kann dann individuell vorzugsweise in einem Herstellwerk vorgenommen werden.

    [0027] Die Fangvorrichtung kann Fangkonsolen aufweisen, auf denen die Anschläge angebracht sind. Die Anschläge können lösbar an der Fangkonsole befestigt sein, so dass der Abstand und damit auch der jeweilige Verschiebeweg verstellbar sein können. Die Anschläge können beispielsweise an der Fangkonsole festgeschraubt sein.

    [0028] Pro Festhaltemittel kann eine separate Fangkonsole vorgesehen sein. Es können aber auch mehrere Festhaltemittel auf einer Fangkonsole angeordnet sein. Dabei können die Festhaltemittel im montierten Zustand der Fangkonsole nebeneinander angeordnet sein, so dass sie an verschiedenen Schienen bremsen können, oder übereinander angeordnet sein, sodass sie an derselben Schiene bremsen können.

    [0029] Die Verschiebbarkeit der Festhaltemittel gegenüber dem Fahrkörper kann beispielweise dadurch erreicht werden, dass dessen Verbindung mit dem Fahrkörper mittels Schrauben oder Bolzen in Führungs-Langlöchern oder mittels einer Schwalbenschwanz-Gleitführung oder Prisma-Gleitführung, mittels Parallelführungs-Lenkerhebeln, mittels Parallelführungs-Blattfedern oder auch mittels einer Schwenkbefestigung erfolgt. Bei einer Schwenkbefestigung kann das Festhaltemittel beispielsweise mittels eines horizontalen Bolzens oder elastischer Befestigung derart befestigt sein, dass ein Klemmbereich des Festhaltemittels sich vertikal über den Verschiebeweg verschwenken kann.

    [0030] In einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung kann die Fangvorrichtung elektromechanische Festhaltemittel umfassen, die insbesondere im deaktivierten Zustand das Festhaltemittel zum Bremsen freigeben.

    [0031] Insbesondere umfasst die Fangvorrichtung elektromechanische Festhaltemittel, wie sie in der EP 2 785 626 B1 offenbart sind. Erst im stromlosen, also deaktivierten, Zustand sind die Festhaltemittel bereit, den Fahrkörper mechanisch gegenüber einer Schiene zu bremsen.

    [0032] Bei einem Entsperren der Festhaltemittel können die Haltemittel wieder in eine Position gebracht werden, in der sie aktivierbar sind, sodass sie unter Strombeaufschlagung eine widerstandsfreie Fahrt des Fahrkörpers ermöglichen.

    [0033] In einer Ausführung ist nur ein Festhaltemittel mit einem Auslöser oder einem Sensor verbunden, der die Sperrung auslöst. Der Auslöser kann hierbei ein herkömmlich bekannter mechanischer Geschwindigkeitsbegrenzer sein, oder es kann auch ein elektronischer Geschwindigkeitsbegrenzer sein. Die Festhaltemittel sind dann über einen Koppelmechanismus miteinander verbunden, so dass die Festhaltemittel gemeinsam sperren.

    [0034] In einer alternativen bevorzugten Ausführung der Fangvorrichtung sind die Festhaltemittel separat ansteuerbar. Insbesondere eignet sich diese Ausführung für Fangvorrichtungen mit elektromechanischen Festhaltemitteln, die über jeweils eigene elektrische Ansteuerungen verfügen. Bevorzugt umfasst die Fangvorrichtung somit elektromechanische Festhaltemittel.

    [0035] Vorteilhafterweise umfasst die Fangvorrichtung ausserdem elektromagnetische Halteeinrichtungen, die mit den elektromechanischen Festhaltemitteln derart zusammenwirken, dass die Festhaltemittel von den elektromagnetischen Halteeinrichtungen im bestromten Zustand offengehalten werden und bei einer Stromlosschaltung zum Bremsen freigeben werden. Die elektromagnetischen Halteeinrichtungen sind hierbei vorzugsweise von einem elektronischen Geschwindigkeitsbegrenzer angesteuert. Die Funktion des elektronischen Geschwindigkeitsbegrenzers kann natürlich auch in eine Aufzugssteuerung oder eine entsprechende Sicherheitsbox der Aufzugsanlage integriert sein.

    [0036] In einer vorteilhaften Ausführung der Fangvorrichtung ist ein Federelement an dem Festhaltemittel anordnet, zum Beispiel steht das mindestens eine bewegliche Festhaltemittel durch das Federelement in Kontakt mit einem Anschlag, der die obere Begrenzung des Verschiebewegs bildet oder in Kontakt mit einem Anschlag, der die untere Begrenzung des Verschiebewegs bildet. Durch das Federelement ist das Festhaltemittel im Normalbetrieb der Aufzugsanlage in einer gewünschten Stellung gehalten und positioniert.

    [0037] Das Federelement kann das Festhaltemittel gegen den unteren Anschlag drücken. Alternativ kann ein Federelement derart angeordnet sein, dass das Festhaltemittel gegen den oberen Anschlag gedrückt wird.

    [0038] Bevorzugt sind alle Festhaltemittel der Fangvorrichtung, beziehungsweise zumindest alle Festhaltemittel die über einen Verschiebeweg zum Lastaufnahmemittel verbunden sind, mit einem Federelement ausgestattet.

    [0039] Im Normalbetrieb wird das Festhaltemittel in Kontakt mit dem die obere Begrenzung des Verschiebewegs bildenden und mit dem Fahrkörper direkt oder indirekt verbundenen Anschlag gehalten, wobei dieses Federelement mindestens die Gewichtskraft des Festhaltemittels zu kompensieren hat.

    [0040] Mit dieser Massnahme wird vermieden, dass bei einem Fangvorgang aus einer Abwärtsbewegung der Fahrkörper auf das an der feststehenden Schiene festgeklemmte Festhaltemittel fällt. Beim Entsperren der Fangvorrichtung durch Anheben des Fahrkörpers mit der Antriebseinheit der Aufzugsanlage verschiebt sich der Fahrkörper gegenüber dem auf der feststehenden Schiene festsitzenden Festhaltemittel entgegen der Federkraft aufwärts, bis ein die untere Begrenzung des Verschiebewegs bildender Anschlag auf das Festhaltemittel prallt und damit hilft, dessen Klemm-Mechanismus zu entsperren.

    [0041] Für Aufzugsanlagen mit Ausgleichsgewicht, bei denen eine Fangvorrichtung den Fahrkörper auch vor Übergeschwindigkeit in Aufwärtsrichtung zu sichern hat, ist es vorteilhaft, ein Festhaltemittel einzusetzen, das als eine Einheit in beiden Bewegungsrichtungen des Fahrkörpers wirksam ist. Hierbei drückt das Federelement die Festhaltemittel im Normalbetrieb vorzugsweise weiterhin gegen den oberen Anschlag. Damit befinden sich die Festhaltemittel bei Einleitung eines Fangvorgangs bei Abwärtsfahrt bereits im Anschlag, während bei einem Fangvorgang in Aufwärtsfahrt dann bei Einleitung des Fangvorgangs sich das Lastmittel noch im Rahmen des Verschiebeweges verschiebt. Diese Lösung ist vorteilhaft, da bei einem Fangvorgang in Abwärtsfahrt, im Vergleich zur Aufwärtsfahrt, höhere Bremskräfte gefordert sind und da somit beim Fangvorgang in Abwärtsfahrt beide Festhaltemittel zum gleichen Zeitpunkt die Schiene klemmen und eine entsprechende Bremskraft über den oberen Anschlag auf das Lastmittel übertragen können. Als Konsequenz dieser Auslegung werden bei einem Fangvorgang in die Gegenrichtung, das heisst in Aufwärtsfahrt, beide Festhaltemittel betätigt, ein Übertrag der Bremskraft auf das Lastmittel erfolgt dann jedoch zeitlich versetzt, da eines der Festhaltemittel einen grösseren Verschiebeweg durchlaufen muss.

    [0042] Hier setzt ein weiterer Vorteil der separat ansteuerbaren Festhaltemittel an. Vorzugsweise steuern die jeweils eigenen elektrischen Ansteuerungen oder Betätigungen die zugehörigen Festhaltemittel bei einem Fangvorgang in Aufwärtsfahrt mit einer geringen Zeitverschiebung an. Die Zeitverschiebung entspricht dabei einer Zeit die benötigt wird, um eine der Differenz zwischen den beiden Verschiebewegen entsprechende Fahrstrecke zurückzulegen. Derart abgestimmt erreichen beide Festhaltemittel gleichzeitig den unteren Anschlag, womit eine Krafteinleitung in das Lastaufnahmemittel schlussendlich synchron oder gleichzeitig erfolgt.

    [0043] Die Anordnungen können natürlich auch getauscht werden. Dabei kann das Federelement oder allenfalls eine Schwerkraft die Festhaltemittel im Normalbetrieb gegen den unteren Anschlag drücken und die elektrischen Ansteuerungen oder Betätigungen steuern dann bei einem Fangvorgang in Abwärtsfahrt die zugehörigen Festhaltemittel so an, dass dasjenige Festhaltemittel mit dem kürzeren Verschiebeweg mit der entsprechenden Zeitverschiebung angesteuert wird.

    [0044] In einer vorteilhaften Ausführung umfasst die Fangvorrichtung somit Festhaltemittel, die in beiden Bewegungsrichtungen bremsen. Das Festhaltemittel wird nach einem Fangvorgang in Abwärtsrichtung in den entsperrten Zustand gebracht, wenn der untere Anschlag gegen das Festhaltemittel schlägt. Das Festhaltemittel wird nach einem Fangvorgang in Aufwärtsrichtung in den entsperrten Zustand gebracht, wenn der obere Anschlag gegen das Festhaltemittel schlägt.

    [0045] Bevorzugt wirken alle Festhaltemittel der Fangvorrichtung in beide Richtungen, wobei für Ab- und Aufwärtsrichtung unterschiedliche Bremskräfte erzeugt werden können.

    [0046] Für Aufzugsanlagen ohne Ausgleichsgewicht genügen Fangvorrichtungen mit Festhaltemitteln, die nur in Abwärtsrichtung des Fahrkörpers funktionieren.

    [0047] Die Aufgabe wird ausserdem gelöst durch eine Aufzugsanlage mit einer Fangvorrichtung wie oben beschrieben.

    [0048] Eine Aufzugsanlage umfasst typischerweise einen Fahrkörper, insbesondere eine Aufzugskabine, und eine Schiene. Bevorzugt umfasst die Aufzugsanlage auch einen zweiten Fahrkörper, insbesondere ein Gegenwicht, das über Tragmittel mit dem ersten Fahrkörper verbunden ist. Die Aufzugsanlage kann über eine Geschwindigkeitsbegrenzervorrichtung verfügen, beispielsweise mit einem Geschwindigkeitsbegrenzerseil, über die ein Fangvorgang auslösbar ist.

    [0049] In einer vorteilhaften Ausführung der Aufzugsanlage sind Festhaltemittel mit unterschiedlichen Verschiebewegen derart montiert, dass sie an unterschiedlichen Schienen wirken. Insbesondere sind sie beidseitig eines Fahrkörpers angeordnet.

    [0050] Die Aufgabe wird ausserdem gelöst durch ein Verfahren zum Entsperren einer Fangvorrichtung, insbesondere wie oben beschrieben, für einen Fahrkörper einer Aufzugsanlage, wobei die Fangvorrichtung mindestens zwei Festhaltemittel umfasst, die von einem gesperrten in einen entsperrten Zustand bringbar sind. Der Fahrkörper wird entgegen seiner Bewegungsrichtung vor dem Fangvorgang in Bewegung gesetzt und mindestens ein Festhaltemittel wird später als mindestens ein weiteres Festhaltemittel in einen entsperrten Zustand gebracht. Es muss daher zum Lösen der jeweiligen Festhaltemittel eine geringere Kraft aufgebracht werden, als zum gleichzeitigen Lösen aller Festhaltemittel notwendig ist.

    [0051] In einer bevorzugten Ausführung des Verfahrens sind der Fahrkörper und mindestens ein Festhaltemittel relativ zueinander über einen Verschiebeweg bewegbar. Der Verschiebeweg bezüglich mindestens einem Festhaltemittel ist länger als ein weiterer Verschiebeweg bezüglich mindestens einem weiteren Festhaltemittel. Es wird daher zuerst das mindestens eine Festhaltemittel entsperrt oder zumindest angelöst, das den kürzesten Verschiebeweg aufweist oder das fest an dem Fahrkörper montiert ist und anschliessend das Festhaltemittel mit dem längeren Verschiebeweg.

    [0052] Die bei der Bewegung über den Verschiebeweg gewonnene kinetische Energie kann zum mechanischen Entsperren des Festhaltemittels verwendet werden.

    [0053] Wenn das Festhaltemittel mit dem kürzeren Verschiebeweg entsperrt wird, hat der Fahrkörper gegenüber dem Festhaltemittel mit dem längeren Verschiebeweg in der Regel schon einen Teil des zur Verfügung stehenden längeren Verschiebeweges zurückgelegt. In einer Ausführung wird dann der Fahrkörper kontinuierlich weiter bewegt und nach Durchlaufen des übrigen Verschiebeweges des längeren Verschiebeweges prallt der Fahrkörper auf das Festhaltemittel mit dem längeren Verschiebeweg. Da das Festhaltemittel mit dem kürzeren Verschiebeweg zu diesem Zeitpunkt bereits entsperrt oder zumindest angelöst ist, steht die gesamte restliche Antriebs- und Bewegungsenergie für das Festhaltemittel mit dem längeren Verschiebeweg zur Verfügung.

    [0054] In einer alternativen Ausführung des Verfahrens wird nach dem Lösen eines ersten Festhaltemittels der Fahrkörper wieder kurzzeitig in Richtung der Bewegungsrichtung vor dem Fangvorgang bewegt, bevor der Fahrkörper erneut entgegen seiner Bewegungsrichtung vor dem Fangvorgang in Bewegung gesetzt wird und mindestens ein weiteres Festhaltemittel in einen entsperrten Zustand gebracht wird.

    [0055] Auf diese Weise kann für verschiebbare Festhaltelemente jeweils der gesamte Verschiebeweg zum Gewinnen von kinetischer Energie ausgenutzt werden. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn Festhaltemittel mit einer elektromagnetischen Halteeinrichtung verwendet sind. Die aktivierten elektromagnetischen Halteeinrichtungen halten dann das erste Festhaltemittel in der entsperrten Position fest. Dadurch wird ein erneutes Klemmen dieses ersten Festhaltemittels verhindert und zum Entsperren des weiteren Festhaltemittels steht dann die gesamte Antriebs- und Bewegungsenergie zur Verfügung.

    [0056] Vorteilhafterweise werden die Festhaltemittel mittels Positionssensoren oder entsprechenden Schaltern überwacht, so dass eine Freigabe der Aufzugsanlage für einen Normalbetrieb erst erfolgt, wenn alle Festhaltemittel entsperrt und zurückgestellt sind.

    [0057] Der stromlose Zustand bei einer Fangschaltung mit elektromechanischen Festhaltemitteln kann durch ein kritisches Ereignis hervorgerufen werden, in dem ein Fangvorgang erforderlich ist und ein Bremsen über eine Klemmung oder eine Anpressung des Festhaltemittels erfolgt. Der stromlose Zustand kann aber auch über ein unkritisches Ereignis hervorgerufen werden, beispielweise wenn die Aufzugsanlage bewusst abgeschaltet oder ein Test durchgeführt wird.

    [0058] Das elektromechanische Festhaltemittel kann so ausgestaltet sein, dass eine Bereitschaft zum Bremsen erst wieder herstellbar ist, wenn das Festhaltemittel durch eine Bewegung gegenüber der Schiene gespannt und wieder in die Ausgangsstellung gebracht wird. Tritt der stromlose Zustand durch ein unkritisches Ereignis ein, kommt es unter Umständen gar nicht zu einer Klemmung und das Festhaltemittel wird bei einem Anfahren nicht in die Bereitschaftsstellung, also in die Position, die es beim regulären Verfahren des Fahrkörpers einnimmt, gebracht.

    [0059] Vor dem Lösen der Festhaltemittel kann dann der Fahrkörper in Richtung einer Bewegungsrichtung vor dem Fangvorgang bewegt werden, um die Festhaltemittel zu spannen. Anschliessend wird der Fahrkörper entgegen der Bewegungsrichtung vor dem Fangvorgang in Bewegung gesetzt. Das Festhaltemittel kann nach Durchqueren des Verschiebewegs gegen einen Anschlag prallen, wodurch das Festhaltemittel entsperrt wird. Der Fahrkörper wird weiter entgegen der Bewegungsrichtung vor dem Fangvorgang in Bewegung gehalten, wodurch das weitere Festhaltemittel nach Durchqueren des weiteren Verschiebewegs gegen einen weiteren Anschlag prallt, wodurch auch das weitere Festhaltemittel in seinen entsperrten Zustand gebracht wird.

    [0060] In einer vorteilhaften Weiterbildung des erfindungsgemässen Verfahrens sind die Festhaltemittel elektromechanisch ausgebildet. Das Entsperren umfasst insbesondere die folgenden Schritte. Zunächst erfolgt ein Aktivieren von Halteeinrichtungen, insbesondere von elektromagnetischen Halteeinrichtungen, um sie zum Halten der Festhaltemittel in einer Bereitschaftsstellung vorzubereiten. Dazu wird beispielsweise ein Magnet bestromt, der dann in der Lage ist, ein auf dem Festhaltemittel angebrachtes Gegenstück zu halten.

    [0061] Der Fahrkörper wird in eine erste Fahrtrichtung bewegt, bevorzugt in die vor dem Fangvorgang vorhandene Bewegungsrichtung, um die Festhaltemittel zu spannen oder nachzuspannen. Dabei wird das Festhaltemittel entweder in eine Sperrposition gebracht oder die Sperrposition wird nach einem Fangvorgang verstärkt. Das Festhaltemittel befindet sich nun in einer definierten Sperrposition.

    [0062] Wenn gar kein Fangvorgang stattgefunden hatte, wenn beispielweise die elektromechanische Fangvorrichtung aus einem unkritischen Ereignis, wie beispielsweise bei einem Stromunterbruch, heraus deaktiviert wurde, sorgt die Bewegung in der ersten Fahrtrichtung dafür, dass die Fangvorrichtung eine Position einnimmt, die derjenigen entspricht, welche sie nach einem Fangvorgang in Richtung der ersten Fahrtrichtung einnehmen würde. Die erste Fahrtrichtung entspricht somit der Bewegungsrichtung vor dem Fangvorgang.

    [0063] Der Fahrkörper wird danach in eine der ersten Fahrtrichtung entgegengesetzte Richtung bewegt, um die Festhaltemittel in eine Bereitschaftsstellung zu bringen, in der sie von der aktivierten Halteeinrichtung gehalten werden.

    [0064] Wird der Fahrkörper in eine Richtung entgegen der ersten Fahrrichtung bewegt, so lösen sich die Festhaltemittel sukzessive von der Schiene und werden wieder in eine entsperrte Position gebracht.

    [0065] Bevor der reguläre Fahrbetrieb nach dem Deaktivieren der elektromechanischen Festhaltemittel wieder aufgenommen wird, wird daher der Fahrkörper zunächst in eine Richtung bewegt, in der das Festhaltemittel entweder in Sperrposition gebracht wird oder die Sperrposition verstärkt wird. Damit ist ein definierter Ausgangszustand für das Entsperren der Festhaltemittel geschaffen, der unabhängig davon ist, ob ein kritisches oder unkritisches Ereignis zum stromlosen Zustand geführt hat. Aus diesem Zustand heraus kann die Fangvorrichtung gemäss dem weiter oben beschriebenen Verfahren entsperrt werden, bei welchem die Festhaltemittel nacheinander entsperrt werden.

    [0066] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung des Verfahrens ist der Fahrkörper die Aufzugskabine und er ist über ein Tragseil mit einem weiteren Fahrkörper in der Form eines Ausgleichsgewichts oder eines Gegengewichts verbunden und beide werden gemeinsam mittels einer Antriebseinheit angetrieben. Nach einem Fangvorgang in einer Abwärtsfahrt der Aufzugskabine wird das Ausgleichsgewicht zunächst angehoben und anschliessend nach unten bewegt. Insbesondere handelt es sich um ein Verfahren, wie es in der EP 2 352 689 B1 offenbart ist.

    [0067] Zu der kinetischen Energie des angehobenen Ausgleichsgewichts kommt zum Entsperren des Festhaltemittels mit Verschiebeweg noch die kinetische Energie des Fahrkörpers hinzu, die dieser über den Verschiebeweg gewinnt.

    [0068] Beispiele für Festhaltemittel sind in der EP 1 213 247 A1 offenbart. So kann das Festhaltemittel einen Grundkörper mit einer Aussparung für die Schiene aufweisen, auf deren einer Seite eine durch Federelemente gestützte erste Bremsbacke und auf deren gegenüberliegender Seite eine zweite Bremsbacke vorhanden sind.

    [0069] Letztere ist auf einen im Grundkörper gelagerten Exzenter abgestützt, der mit einer Abrollscheibe drehfest verbunden ist, welche an ihrem Umfang eine Flachstelle aufweist. Bei der Betätigung der Fangvorrichtung wird die mit dem Exzenter verbundene Abrollscheibe durch einen Auslösemechanismus soweit um ihre Achse gedreht, dass der nicht abgeflachte Teil ihrer Peripherie gegen die Schiene drückt. Infolge der Relativbewegung zwischen der Schiene und der Abrollscheibe wird letztere mit dem Exzenter bis zu einem Verdrehanschlag weiter gedreht, so dass der Exzenter die auf ihm abgestützte zweite Bremsbacke gegen die Schiene bewegt und letztere zwischen den beiden Bremsbacken einklemmt. Das Festhaltemittel kann eine Abwärts- und eine Aufwärtsbewegung des Fahrkörpers bremsen.

    [0070] Alternativ kann das Festhaltemittel einen Grundkörper mit einer Aussparung für die Schiene aufweisen, auf deren einer Seite eine Bremsplatte und auf deren anderer Seite eine schräg zur Schiene verlaufende Klemmrampe vorhanden sind. Das Festhaltemittel weist einen Auslösemechanismus und einen Klemmkörper auf. Bei Betätigung der Fangvorrichtung durch ein Geschwindigkeitsbegrenzersystem führt ein Auslösemechanismus den Klemmkörper so zwischen die Schiene und die sich relativ zu letzterer bewegende Klemmrampe, dass sich der Klemmkörper zwischen diesen beiden verkeilt.

    [0071] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von in Figuren dargestellten Beispielen näher erläutert.

    [0072] Es zeigen
    Fig. 1:
    eine schematische Darstellung eines ersten Beispiels für eine Aufzugsanlage mit einer erfindungsgemässen Fangvorrichtung;
    Fig. 2a:
    schematisch ein erstes Beispiel für eine erfindungsgemässe Fangvorrichtung nach einem Fangvorgang aus einer Abwärtsbewegung des Fahrkörpers;
    Fig. 2b:
    schematisch die Fangvorrichtung aus Fig. 2a in einem ersten Moment des Entsperrvorgangs;
    Fig. 2c:
    schematisch die Fangvorrichtung aus Fig. 2a und 2b in einem zweiten Moment des Entsperrvorgangs;
    Fig. 3:
    schematisch ein zweites Beispiel für eine erfindungsgemässe Fangvorrichtung nach einem Fangvorgang aus einer Abwärtsbewegung des Fahrkörpers;
    Fig. 4:
    eine schematische Darstellung eines zweiten Beispiels für eine Aufzugsanlage mit einer erfindungsgemässen Fangvorrichtung.


    [0073] Fig. 1 zeigt schematisch ein erstens Beispiel für eine mit einer erfindungsgemässen Fangvorrichtung 13 ausgerüstete Aufzugsanlage 100. Die Aufzugsanlage 100 besteht im Wesentlichen aus einem an Schienen 1a, 1b geführten Fahrkörper 2, einer Antriebseinheit 3, einem Ausgleichsgewicht 4, einer Anzahl Tragseile 5 und einem Geschwindigkeitsbegrenzersystem 6.

    [0074] Der Fahrkörper 2 umfasst eine Kabine 10, einen Kabinenrahmen 11, obere Führungsschuhe 12 sowie eine erfindungsgemässe Fangvorrichtung 13. Eine solche Fangvorrichtung 13 umfasst zwei Festhaltemittel 14a, 14b, die jeweils an einer mit dem Fahrkörper 2 verbundenen Fangkonsole 16a, 16b montiert sind. Diese tragen zusätzlich zwei untere Führungsschuhe 17a, 17b.

    [0075] Der Fahrkörper 2 und das Ausgleichsgewicht 4 hängen an den über eine Treibscheibe 18 der Antriebseinheit 3 geführten Tragseilen 5 und werden durch das aus diesen Komponenten gebildete Antriebssystem entlang der Schienen 1a, 1b auf- und ab bewegt.

    [0076] Im Falle der Überschreitung einer Geschwindigkeitslimite wird ein im Normalfall synchron zum Fahrkörper 2 bewegtes Geschwindigkeitsbegrenzerseil 20 durch einen Geschwindigkeitsbegrenzer 21 blockiert, was über einen Auslösehebel 15 die über einen Koppelmechanismus 22 miteinander verbundenen Festhaltemittel 14a, 14b der Fangvorrichtung 13 in den Bremszustand versetzen also entsprechend deaktivieren.

    [0077] In den Festhaltemitteln 14a, 14b enthaltene Klemm-Mechanismen erzeugen dabei unter Ausnutzung der kinetischen Energie des Fahrkörpers 2 eine Klemmwirkung zwischen den Festhaltemitteln 14a, 14b und den Führungsschienen 1a, 1b.

    [0078] Fig. 2a bis 2c veranschaulichen die Wirkungsweise der an einem Fahrkörper 2 angebrachten erfindungsgemässen Fangvorrichtung 13. Zu erkennen sind die Führungsschienen 1a, 1b, die Festhaltemittel 14a, 14b, die Fangkonsolen 16a, 16b, untere Führungsschuhe 17a, 17b und Federelemente 41a, 41b.

    [0079] Die Festhaltemittel 14a, 14b sind jeweils mit in Langlöchern 42a, 42b geführten Bundschrauben 43 vertikal verschiebbar an den Fangkonsolen 16a, 16b befestigt.

    [0080] Ein in der Fangkonsole 16a integrierter oberer Anschlag 8a und ein unterer Anschlag 9a, der als Führungsschuh 17a ausgelegt, beziehungsweise in diesen integriert ist, begrenzen einen Verschiebeweg 7a des ersten Festhaltemittels 14a.

    [0081] Ein in der Fangkonsole 16b integrierter oberer Anschlag 8b und ein unterer Anschlag 9b, der als Führungsschuh 17b ausgelegt, beziehungsweise in diesen integriert ist, begrenzen den Verschiebeweg 7b des zweiten Festhaltemittels 14b.

    [0082] Der Verschiebeweg 7a des ersten Festhaltemittels 14a ist länger als der Verschiebeweg 7b des zweiten Festhaltemittels 14b.

    [0083] Lösbare Schrauben 40 und Positionierschrauben 45 ermöglichen die Einstellung der optimalen Verschiebewege 7a, 7b. Im Normalbetrieb halten die Federelemente 41a, 41b die Festhaltemittel 14a, 14b gegen deren jeweilige Gewichtskraft in Kontakt mit dem jeweiligen oberen Anschlag 8a, 8b.

    [0084] In Fig. 2a ist die Position der Festhaltemittel 14a, 14b nach einem Fangvorgang aus einer Abwärtsbewegung des Fahrkörpers 2 dargestellt, die auch der Position im Normalbetrieb entspricht.

    [0085] Entsperrt werden die mit Selbsthemmung auf den Führungsschienen 1a, 1b festsitzende Klemm-Mechanismen der Festhaltemittel 14a, 14b, indem mit Hilfe der Antriebseinheit 3 der Aufzugsanlage 100 (siehe Fig. 1) der Fahrkörper 2 mit grösstmöglicher Beschleunigung aufwärts bewegt wird. Um eine grösstmögliche Beschleunigung zu erreichen, kann zunächst das Ausgleichsgewicht 4 etwas angehoben werden, sodass die kinetische Energie des fallenden oder sich zurückbewegenden Ausgleichgewichts zur Beschleunigung beiträgt. Das Anheben kann so erfolgen, wie es in der EP 2 352 689 B1 ausgeführt ist.

    [0086] Fig. 2b zeigt die Anordnung der Fangvorrichtung 13 nach einem Fahrweg des Fahrkörpers 2, der dem kürzeren Verschiebeweg 7b entspricht.

    [0087] Der als unterer Anschlag 9b dienende untere Führungsschuh 17 bewegt sich mit dem Fahrkörper 2 und schlägt auf das noch festklemmende Festhaltemittel 14b auf. Unter Ausnutzung der kinetischen Energie des gesamten Fahrkörpers 2 wird der Klemm-Mechanismus entsperrt oder aus der Endklemmstelle losgelöst. Der untere Anschlag 9a der anderen Fangkonsole 16a hat das Festhaltemittel 14a noch nicht erreicht.

    [0088] In Fortsetzung des Bewegungsvorgangs des Fahrkörpers 2, nachdem das Festhaltemittel 14b zumindest teilweise entsperrt oder losgelöst ist, fährt der Fahrkörper 2 weiter. Fig. 2c zeigt die Anordnung der Fangvorrichtung 13 nach einem Fahrweg, der dem längeren Verschiebeweg 7a entspricht. Das Festhaltemittel 14b mit dem kürzeren Verschiebeweg ist bereits entsperrt. Da das komplette Zurückstellen des Festhaltemittels, nach dessen Loslösen von der Endklemmstelle einen grösseren Weg erfordert, liegt das Festhaltemittel 14b immer noch am unteren Anschlag 9b an. Es wird erst nach dem kompletten Loslösen von dem Federelement 41b gegen den oberen Anschlag 8b gedrückt werden.

    [0089] Nach Zurücklegen des längeren Verschiebewegs 7a schlägt auch der untere Anschlag 9a auf das noch immer festklemmende Festhaltemittel 14a auf und entsperrt dieses.

    [0090] Daraufhin nimmt zuerst das als erstes losgeschlagene Festhaltemittel 14b bezüglich der Fangkonsole 16b wieder die Normalposition ein und anschliessend nimmt auch das folgende Festhaltemittel 14a bezüglich der Fangkonsole 16a wieder die Normalposition ein und die Fangvorrichtung 13 hat wieder die in Fig. 2a dargestellte Anordnung.

    [0091] Die Entsperrwirkung der erfindungsgemässen Fangvorrichtung 13 ist auch bei Fangvorgängen aus einer Aufwärtsbewegung des Fahrkörpers 2 gegeben. Es kommen dabei entweder nicht im Detail gezeigte doppelt wirkende oder zwei ebenfalls nicht im Detail gezeigte je einer Bewegungsrichtung zugeordnete einfachwirkende Festhaltemittel 14a, 14b zum Einsatz.

    [0092] Nach dem Auslösen der Fangvorrichtung 13 infolge von Übergeschwindigkeit des Fahrkörpers 2 in Aufwärtsrichtung klemmen sich die Festhaltemittel 14a, 14b reibschlüssig an den Führungsschienen 1a, 1b fest und verschieben sich dadurch relativ zu den Fangkonsolen 16a, 16b gegen die Kraft der Federelemente 41a, 41b bis zum Anschlag an den unteren Führungsschuhen 17a, 17b.

    [0093] In dieser Position verbleibt das Festhaltemittel 14a, 14b üblicherweise auch nach dem Stillstand des Fahrkörpers 2. Zur Entsperrung der an den Führungsschienen 1a, 1b festsitzenden Klemm-Mechanismen der Festhaltemittel 14a, 14b wird der Fahrkörper 2 mit den Fangkonsolen 16a, 16b mit grösstmöglicher Beschleunigung abgesenkt, was üblicherweise mit Hilfe der Antriebseinheit 3 geschieht. Nach einer dem kürzeren beschränkten Verschiebeweg 7b entsprechenden Sinkbewegung des Fahrkörpers 2 schlägt der obere Anschlag 8b auf das entsprechende Festhaltemittel 14b auf und entsperrt dieses. Wenn nach einer weiteren Sinkbewegung auch der längere Verschiebeweg 7a zurückgelegt ist, schlägt auch der andere obere Anschlag 8a auf das entsprechende Festhaltemittel 14a auf, wodurch auch dieses entsperrt wird.

    [0094] Fig. 3 zeigt schematisch ein zweites Beispiel für eine erfindungsgemässe Fangvorrichtung 13' nach einem Fangvorgang aus einer Abwärtsbewegung des Fahrkörpers 2. Die in Fig. 3 gezeigte Position entspricht zugleich auch der Position im Normalbetrieb.

    [0095] Die Fangvorrichtung entspricht in weiten Teilen der in Figuren 2a bis 2c gezeigten Fangvorrichtung 13. Die Festhaltemittel 14a, 14b sind auch hier jeweils mit zwei in Langlöchern 42a, 42b geführten Bundschrauben 43 vertikal verschiebbar an den Fangkonsolen 16a, 16b befestigt. Die oberen Anschläge 8a, 8b sind weiterhin in die Fangkonsolen 16a, 16b integriert.

    [0096] Die unteren Anschläge 9a', 9b' werden jedoch nicht der von den Führungsschuhen 17a, 17b festgelegt. Die unteren Anschläge 9a', 9b' und damit die unteren Begrenzungen der Verschiebewege 7a', 7b' werden durch die Langlöcher 42a, 42b gegeben. Die unteren Anschläge 9a', 9b' sind somit nicht einstellbar. In einer angepassten Ausführung können auch die oberen Anschläge durch obere Enden der Langlöcher 42a, 42b gegeben sein.

    [0097] Fig. 4 zeigt schematisch ein anderes Beispiel für eine Aufzugsanlage 100'. Diese entspricht in weiten Teilen der Aufzugsanlage 100 aus Fig. 1 und umfasst ebenfalls einen an Schienen 1a, 1b geführten Fahrkörper 2, eine Antriebseinheit 3, eine Ausgleichsgewicht 4, eine Anzahl Tragseile 5 und ein Geschwindigkeitsbegrenzersystem 6'.

    [0098] Das Geschwindigkeitsbegrenzersystem 6' umfasst in diesem Beispiel jedoch einen elektronischen Geschwindigkeitsbegrenzer 6.1, welcher mittels Signalleitungen 6.2 elektromagnetische Halteeinrichtungen 23a, 23b der Festhaltemittel 14a, 14b ansteuern. Die Festhaltemittel 14a, 14b werden von elektromagnetische Halteeinrichtungen 23a, 23b im bestromten Zustand offen gehalten werden und bei einer Stromlosschaltung zum Bremsen freigegeben.


    Ansprüche

    1. Fangvorrichtung (13, 13') für einen Fahrkörper (2)

    mit mindestens zwei Festhaltemitteln (14a, 14b), die in einen gesperrten und in einen entsperrten Zustand bringbar sind und welche dazu ausgelegt sind, den Fahrkörper (2) im gesperrten Zustand an einer Schiene (1a, 1b) festzuhalten,

    wobei mindestens ein Festhaltemittel (14a) mit dem Fahrkörper (2) so verbindbar oder verbunden ist, dass das Festhaltemittel (14a) und der Fahrkörper (2) relativ zueinander innerhalb eines begrenzten Verschiebewegs (7a, 7a') verschiebbar sind,

    wobei zum Entsperren der Festhaltemittel (14a, 14b) nach einem Fangvorgang der Fahrkörper (2) in eine Richtung in Bewegung gesetzt wird, und wobei ein erster Verschiebeweg (7a, 7a') von einem ersten Festhaltemittel (14a) länger als ein zweiter Verschiebeweg (7b, 7b') von einem zweiten Festhaltemittel (14b) ist

    dadurch gekennzeichnet, dass beim Entsperren der Festhaltemittel (14a) zunächst das Festhaltemittel (14a) mit dem kürzeren zweiten Verschiebeweg (7b, 7b') entsperrt oder angelöst wird und in einem zweiten Schritt das Festhaltemittel (14a) mit dem längeren ersten Verschiebeweg (7a, 7a') entsperrt wird.


     
    2. Fangvorrichtung gemäss Anspruch 1, wobei für mindestens ein Festhaltemittel (14a) ein oberer Anschlag (8a) eine obere Begrenzung des Verschiebewegs (7a, 7a') und ein unterer Anschlag (9a, 9a') eine untere Begrenzung des Verschiebewegs (7a, 7a') bilden und die Anschläge (8a, 9a, 9a') fest mit dem Fahrkörper (2) verbindbar oder verbunden sind.
     
    3. Fangvorrichtung gemäss einem der Ansprüche 1 oder 2, wobei mindestens zwei der mindestens zwei Festhaltemittel (14a, 14b) mit dem Fahrkörper (2) so verbindbar oder verbunden sind, dass sie relativ zum Fahrkörper (2) innerhalb eines jeweils durch einen oberen Anschlag (8a, 8b) und einen unteren Anschlag (9a, 9b, 9a', 9b') begrenzten Verschiebewegs (7a, 7b, 7a', 7b') verschiebbar sind und für mindestens zwei Festhaltemittel (14a, 14b) die jeweiligen Verschiebewege (7a, 7b, 7a', 7b') unterschiedlich lang sind.
     
    4. Fangvorrichtung gemäss einem der Ansprüche 1-3, wobei der erste Verschiebeweg (7a, 7a') bis zu 1.5-mal so lang wie der zweite Verschiebeweg (7b, 7b') ist.
     
    5. Fangvorrichtung gemäss einem der Ansprüche 1-4, wobei die Fangvorrichtung elektromechanische Festhaltemittel (14a, 14b) umfasst, die insbesondere im deaktivierten Zustand das Festhaltemittel (14a, 14b) zum Bremsen freigeben.
     
    6. Fangvorrichtung gemäss Anspruch 5, wobei die Fangvorrichtung elektromagnetische Halteeinrichtungen (23a, 23b) umfasst, die mit den elektromechanischen Festhaltemitteln (14a, 14b) derart zusammenwirken, dass die Festhaltemittel (14a, 14b) von den elektromagnetischen Halteeinrichtungen (23a, 23b) im bestromten Zustand offen gehalten werden und bei einer Stromlosschaltung zum Bremsen freigeben werden.
     
    7. Fangvorrichtung gemäss einem der Ansprüche 1-6, wobei ein Federelement (41a, 41b) derart an einem Festhaltemittel (14a, 14b) anordnet ist, dass es das Festhaltemittel (14a, 14b) gegen einen unteren, den Verschiebeweg begrenzenden Anschlag (9a, 9b, 9a', 9b') oder gegen einen oberen, den Verschiebeweg begrenzenden Anschlag (8a, 8b) drückt.
     
    8. Fangvorrichtung gemäss einem der Ansprüche 1-7, wobei die Festhaltemittel (14a, 14b) dafür geeignet sind, in zwei Bewegungsrichtungen zu bremsen.
     
    9. Aufzugsanlage mit einer Fangvorrichtung (13, 13') gemäss einem der Ansprüche 1-8.
     
    10. Aufzugsanlage gemäss Anspruch 9, wobei die Festhaltemittel (14a, 14b) mit unterschiedlichen Verschiebewegen (7a, 7b) derart montiert sind, dass sie an unterschiedlichen Schienen (1a, 1b) wirken, insbesondere beidseitig eines Fahrkörpers (2) angeordnet sind.
     
    11. Verfahren zum Entsperren einer Fangvorrichtung (13, 13') gemäss einem der Ansprüche 1-8 für einen Fahrkörper (2) einer Aufzugsanlage (100), wobei die Fangvorrichtung (13, 13') mindestens zwei Festhaltemittel (14a, 14b) umfasst, die von einem gesperrten in einen entsperrten Zustand bringbar sind, wobei der Fahrkörper (2) entgegen seiner Bewegungsrichtung vor dem Fangvorgang in Bewegung gesetzt wird und mindestens ein Festhaltemittel (14a) später als mindestens ein weiteres Festhaltemittel (14b) in einen entsperrten Zustand gebracht wird.
     
    12. Verfahren gemäss Anspruch 11, wobei der Fahrkörper (2) und mindestens ein Festhaltemittel (14a) relativ zueinander über einen Verschiebeweg (7a, 7a') bewegbar sind und ein erster Verschiebeweg (7a, 7a') bezüglich eines ersten Festhaltemittels (14a) länger ist als ein zweiter Verschiebeweg (7b, 7b') bezüglich eines zweiten Festhaltemittels (14b).
     
    13. Verfahren gemäss Anspruch 11 oder 12, wobei vor dem Lösen eines ersten Festhaltemittels (14b) der Fahrkörper (2) in Richtung der Bewegungsrichtung vor dem Fangvorgang bewegt wird, um die Festhaltemittel (14a, 14b) zu spannen.
     
    14. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 11-13, wobei die Festhaltemittel elektromechanisch ausgebildet sind und das Entsperren die Schritte umfasst:

    (i) Aktivieren von Halteeinrichtungen, insbesondere von elektromagnetischen Halteeinrichtungen, um sie zum Halten der Festhaltemittel in einer Bereitschaftsstellung vorzubereiten,

    (ii) Bewegen des Fahrkörpers (2) in eine erste Fahrtrichtung, bevorzugt in die vor dem Fangvorgang vorhandene Bewegungsrichtung, um die Festhaltemittel (14a, 14b) zu spannen oder nachzuspannen,

    (iii) Bewegen des Fahrkörpers (1) in eine der ersten Fahrtrichtung entgegengesetzte Richtung, um die Festhaltemittel (14a, 14b) zu entsperren und in eine Bereitschaftsstellung zu bringen, in denen sie von aktivierten Halteeinrichtungen, insbesondere von den elektromagnetischen Halteeinrichtungen, gehalten werden.


     
    15. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 11-14, wobei der Fahrkörper (2) über ein Tragseil (5) mit einem Ausgleichsgewicht (4) verbunden ist und beide gemeinsam mittels einer Antriebseinheit (3) angetrieben werden, wobei nach einem Fangvorgang bei einer Abwärtsfahrt des Fahrkörpers (2) das Ausgleichsgewicht (4) zunächst angehoben und anschliessend nach unten bewegt wird.
     


    Claims

    1. A catching device (13, 13') for a traveling body (2)

    with at least two retaining means (14a, 14b) which can be brought into a blocked state and into an un-blocked state and which are designed, in the blocked state, to retain the traveling body (2) on a rail (1a, 1b),

    wherein at least one retaining means (14a) can be or is connected to the traveling body (2) in such a manner that the retaining means (14a) and the traveling body (2) can be slid relative to one another within a limited sliding displacement (7a, 7a'),

    wherein, to unblock the retaining means (14a, 14b) after a catching process, the traveling body (2) is set in motion in one direction, and wherein a first sliding displacement (7a, 7a') of a first retaining means (14a) is longer than a second sliding dis-placement (7b, 7b') of a second retaining means (14b),

    characterized in that for unblocking the retaining means (14a), first the retaining means (14a) with the shorter second sliding displacement (7b, 7b') is unblocked or released and in a second step, the retaining means (14a) with the longer first sliding displacement (7a, 7a') is unblocked.


     
    2. The catching device according to claim 1, wherein for at least one retaining means (14a) an upper stop (8a) forms an upper limit of the sliding displacement (7a, 7a') and a lower stop (9a, 9a') forms a lower limit of the sliding displacement (7a, 7a') and the stops (8a, 9a, 9a') can be or are firmly connected to the traveling body (2).
     
    3. The catching device according to any one of claims 1 or 2, wherein at least two of the at least two retaining means (14a, 14b) can be or are connected to the traveling body (2) in such a manner that they can slid relative to the traveling body (2) within a sliding displacement (7a, 7b, 7a', 7b') which is de-limited in each case by an upper stop (8a, 8b) and a lower stop (9a, 9b, 9a', 9b'), and the respective sliding displacements (7a, 7b, 7a', 7b') are of different lengths for at least two retaining means (14a, 14b).
     
    4. The catching device according to any one of claims 1-3, wherein the first sliding displacement (7a, 7a') is up to 1.5 times as long as the second sliding displacement path (7b, 7b').
     
    5. The catching device according to any one of claims 1-4, wherein the catching device comprises electro-mechanical retaining means (14a, 14b) which, in particular in the deactivated state, release the retaining means (14a, 14b) for braking.
     
    6. The catching device according to claim 5, wherein the catching device comprises electromagnetic holding devices (23a, 23b) which interact with the electromechanical retaining means (14a, 14b) in such a manner that the retaining means (14a, 14b) are kept open by the electromagnetic holding devices (23a, 23b) in the energized state and are released for braking when power is turned off.
     
    7. The catching device according to any one of claims 1-6, wherein a spring element (41a, 41b) is arranged on a retaining means (14a, 14b) in such a manner that it presses the retaining means (14a, 14b) against a lower stop (9a, 9b, 9a', 9b') that delimits the sliding displacement or against an upper stop (8a, 8b) that delimits the sliding displacement.
     
    8. The catching device according to any one of claims 1-7, wherein the retaining means (14a, 14b) are suitable for braking in two directions of movement.
     
    9. An elevator system with a catching device (13, 13') according to any one of claims 1-8.
     
    10. The elevator system according to claim 9, wherein the restraining means (14a, 14b) with different sliding displacements (7a, 7b) are mounted in such a manner that they act on different rails (1a, 1b), arranged in particular on both sides of a traveling body (2).
     
    11. A method for unblocking a catching device (13, 13'), in particular according to any one of claims 1-8, for a traveling body (2) of an elevator system (100), wherein the catching device (13, 13') comprises at least two retaining means (14a, 14b) which can be brought from a blocked state into to an un-blocked state, wherein the traveling body (2) is set in motion against its direction of movement before the catching process and at least one retaining means (14a) is brought into an unblocked state later than at least one further retaining means (14b).
     
    12. The method according to claim 11, wherein the traveling body (2) and at least one retaining means (14a) are movable relative to each other over a sliding displacement (7a, 7a'), and a first sliding displacement (7a, 7a') with respect to a first retaining means (14a) is longer than a second sliding displacement (7b, 7b') with respect to a second retaining means (14b).
     
    13. The method according to claim 11 or 12, wherein be-fore releasing a first retaining means (14b), the traveling body (2) is moved in the direction of the direction of movement before the catching process in order to tension the retaining means (14a, 14b).
     
    14. The method according to any one of claims 11-13, wherein the retaining means are of electromechanical design and unblocking comprises the steps:

    (i) activating holding means, in particular electromagnetic holding means, to prepare them for holding the retaining means in a ready position,

    (ii) moving the traveling body (2) in a first direction of travel, preferably in the direction of travel existing before the catching process, in order to tension or re-tension the retaining means (14a, 14b)

    (iii) moving the traveling body (1) in a direction opposite to the first direction of travel in order to unblock the retaining means (14a, 14b) and bring them into a ready position in which they are held by activated holding means, in particular by the electromagnetic holding means.


     
    15. The method according to any one of claims 11-14, wherein the traveling body (2) is connected to a counterweight (4) via a suspension rope (5) and both are driven jointly by means of a drive unit (3), wherein after a catching process in a downward travel of the traveling body (2), the counterweight (4) is first lifted and subsequently moved downwards.
     


    Revendications

    1. Dispositif antichute (13, 13') pour un corps mobile (2)

    pourvu d'au moins deux moyens de retenue (14a, 14b), qui sont susceptibles d'être amenés dans un état de blocage et dans un état de déblocage et qui sont conçus pour maintenir le corps mobile (2) sur un rail (1a, 1b) dans l'état de blocage,

    au moins un moyen de retenue (14a) étant susceptible d'être relié ou étant relié avec le corps mobile (2), de telle sorte que le moyen de retenue (14a) et le corps mobile (2) soient déplaçables l'un par rapport à l'autre sur une trajectoire de déplacement (7a, 7a') limitée,

    pour débloquer le moyen de retenue (14a, 14b) après un processus de saisie, le corps mobile (2) étant amené en mouvement dans une direction, et une première trajectoire de déplacement (7a, 7a') d'un premier moyen de retenue (14a) étant plus longue qu'une deuxième trajectoire de déplacement (7b, 7b') d'un deuxième moyen de retenue (14b),

    caractérisé en ce que lors du déblocage des moyens de retenue (14a), d'abord le moyen de retenue (14a) assorti de la deuxième trajectoire de déplacement (7b, 7b') plus courte est débloqué ou déclenché et dans une deuxième étape, le moyen de retenue (14a) assorti de la première trajectoire de déplacement (7a, 7a') plus longue est débloqué.


     
    2. Dispositif antichute selon la revendication 1, pour au moins un moyen de retenue (14a), une butée (8a) supérieure assurant une limitation supérieure de la trajectoire de déplacement (7a, 7a') et une butée (9a, 9a') inférieure assurant une limitation inférieure de la trajectoire de déplacement (7a, 7a') et les butées (8a, 9a, 9a') étant susceptibles d'être assemblées ou étant assemblées de manière fixe avec le corps mobile (2).
     
    3. Dispositif antichute selon l'une quelconque des revendications 1 ou 2, au moins deux parmi les au moins deux moyens de retenue (14a, 14b) étant susceptibles d'être assemblés ou étant assemblés avec le corps mobile (2) de sorte à être déplaçables par rapport au corps mobile (2) sur une trajectoire de déplacement (7a, 7b, 7a', 7b') respectivement limitée par une butée (8a, 8b) supérieure et une butée (9a, 9b, 9a', 9b') inférieure et pour au moins deux moyens de retenue (14a, 14b), les trajectoires (7a, 7b, 7a', 7b') respectives étant de différentes longueurs.
     
    4. Dispositif antichute selon l'une quelconque des revendications 1 à 3, la première trajectoire de déplacement (7a, 7a') ayant une longueur correspondant à jusqu'à 1.5 fois celle de la deuxième trajectoire de déplacement (7b, 7b').
     
    5. Dispositif antichute selon l'une quelconque des revendications 1 à 4, le dispositif antichute comprenant des moyens de retenue (14a, 14b) électromécaniques, qui notamment à l'état désactivé libèrent les moyens de retenue (14a, 14b) pour un freinage.
     
    6. Dispositif antichute selon la revendication 5, le dispositif antichute comprenant des systèmes de maintien (23a, 23b) électromagnétiques, qui coopèrent avec les moyens de retenue (14a, 14b) électromécaniques, de telle sorte qu'à l'état alimenté en courant, les moyens de retenue (14a, 14b) soient maintenus ouverts par les systèmes de maintien (23a, 23b) électromagnétiques et que lors d'une coupure du courant, ils soient libérés pour un freinage.
     
    7. Dispositif antichute selon l'une quelconque des revendications 1 à 6, un élément à ressort (41a, 41b) étant placé sur le moyen de retenue (14a, 14b), de sorte à appuyer le moyen de retenue (14a, 14b) contre une butée (9a, 9b, 9a', 9b') inférieure, limitant la trajectoire de déplacement ou contre une butée (8a, 8b) supérieure, limitant la trajectoire de déplacement.
     
    8. Dispositif antichute selon l'une quelconque des revendications 1 à 7, les moyens de retenue (14a, 14b) étant aptes à freiner dans deux directions de déplacement.
     
    9. Installation d'ascenseur pourvue d'un dispositif antichute (13, 13') selon l'une quelconque des revendications 1 à 8.
     
    10. Installation d'ascenseur selon la revendication 9, les moyens de retenue (14a, 14b) assortis de trajectoires de déplacement (7a, 7b) différentes étant montés de sorte à agir sur différents rails (1a, 1b), étant montés notamment de part et d'autre d'un corps mobile (2).
     
    11. Procédé, destiné à débloquer un dispositif antichute (13, 13') selon l'une quelconque des revendications 1 à 8 pour un corps mobile (2) d'une installation d'ascenseur (100), le dispositif antichute (13, 13') comprenant au moins deux moyens de retenue (14a, 14b) qui sont susceptibles d'être amenés d'un état bloqué dans un état débloqué, le corps mobile (2) étant amené en mouvement à l'encontre de sa direction de déplacement avant le processus de saisie et au moins un moyen de retenue (14a) étant amené dans un état débloqué plus tard qu'au moins un moyen de retenue (14b) supplémentaire.
     
    12. Procédé selon la revendication 11, le corps mobile (2) et au moins un moyen de retenue (14a) étant déplaçables l'un par rapport à l'autre sur une trajectoire de déplacement (7a, 7a') et une première trajectoire de déplacement (7a, 7a') par rapport à un premier moyen de retenue (14a) étant plus longue qu'une deuxième trajectoire de déplacement (7b, 7b') par rapport à un deuxième moyen de retenue (14b).
     
    13. Procédé selon la revendication 11 ou 12, avant la désolidarisation d'un premier moyen de retenue (14b), le corps mobile (2) étant déplacé dans la direction de déplacement avant le processus de saisie, pour tendre les moyens de retenue (14a, 14b).
     
    14. Procédé selon l'une quelconque des revendications 11 à 13, les moyens de retenue étant conçus en version électromécanique et le déblocage comprenant les étapes consistant à :

    (i) activer des systèmes de maintien, notamment des systèmes de maintien électromécaniques, pour les préparer à maintenir les moyens de retenue dans une position d'attente,

    (ii) déplacer le corps mobile (2) dans une première direction de circulation, de préférence dans la direction de déplacement présente avant le processus de saisie, pour tendre ou pour retendre les moyens de retenue (14a, 14b),

    (iii) déplacer le corps mobile (1) dans une direction opposée à la première direction de circulation, pour débloquer les moyens de retenue (14a, 14b) et pour les amener dans une position d'attente, dans laquelle ils sont maintenus par des systèmes de maintien activés, notamment par les systèmes de maintien électromécaniques.


     
    15. Procédé selon l'une quelconque des revendications 11 à 14, le corps mobile (2) étant relié par l'intermédiaire d'un câble porteur (5) avec un contrepoids (4) et les deux étant entraînés conjointement à l'aide d'une unité d'entraînement (3), après un processus de saisie lors d'une circulation en descente du corps mobile (2), le contrepoids (4) étant d'abord relevé, puis déplacé vers le bas.
     




    Zeichnung




















    Angeführte Verweise

    IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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    In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente